Skip to content

Wembley: Die Nacht, in der Michael in Flammen stand

by

Quelle: Allforloveblog Teil 1





wembley21Michael bei seinem Auftritt in Wembley. Diese Hüften drehen sich bei ‘Another part of me’…Herr, hab’ Erbarmen mit uns!

Ich hatte von meinem so findigen Untertitel bisher gar nicht in dem Sinn daran gedacht, dass irgendjemand ihn als geschmacklos empfinden könnte angesichts Michaels tragischen Unfalls während der Pepsi Werbeaufnahmen 1984. Die Tatsache, dass Michael einst buchstäblich in Flammen stand, lässt solche Redewendungen irgendwie als geschmacklos dastehen, aber bitte lasst mich ausreden. Nachdem ich Wembley so oft angesehen habe, fällt mir einfach keine bessere Art ein, es zu beschreiben. Michael brannte einfach an diesem Abend. Nicht dass Michael jemals eine halbherzige Vorstellung abgeliefert hätte. Aber als jemand, der Hunderte von Stunden mehrere Ären umfassendes Konzertmaterial von Michael angesehen hat, kann ich ohne Zweifel behaupten, dass da etwas außergewöhnlich Magisches über dieser Nacht in Wembley lag.

Er stand ganz einfach in Flammen. Auf eine Art, die wir genauso niemals wieder sehen sollten, zumindest nicht auf dieselbe Art. Lasst es mich erklären.

Viele Jahre schon ist die Dangerous Live at Bukarest DVD mein ultimatives und liebstes Live Konzert von Michael Jackson. Ja, es mag ein wenig überproduziert und zu glatt sein, aber als DVD, die perfekt das einfängt, was ein Michael Jackson Konzert ausmachte, als Michael an der Spitze stand, hat es nur wenige Mitbewerber. Trotzdem ich viele MJ Konzerte über die Jahre gesammelt habe, ist Live at Bukarest eines gewesen, auf das ich immer zurückgekommen bin, besonders wenn ich Anfänger mit der Magie eines MJ Konzertes vertraut gemacht habe – jene, die vielleicht bisher zu jung gewesen sind oder jene, die einfach wissen wollten, was die ganze „Aufregung“ überhaupt soll. Es ist leicht zu erkennen, warum Michael, der ultimative Perfektionist, dem Erscheinen von Live at Bukarest seinen persönlichen Stempel erteilt, als „der“ Show, die ihn offiziell repräsentieren soll.

Aber nun haben wir Wembley, ein Konzert, das Michael auf der Höhe der herrlichen Bad Ära eingefangen hat und auf dem er mit dem zusätzlichen Eifer in dem Bewusstsein auftritt, dass das königliche Paar, Prince Charles und Lady Diana, im Publikum sitzt (gut, lasst uns einfach sagen in dem Bewusstsein, dass Lady Diana dort war, aber darauf komme ich nochmal kurz zurück). Zugegebenermaßen ist dies nicht das erste Mal, dass ich ein Konzert der Bad Ära komplett gesehen habe. Ich hatte einige Jahre ebenfalls das Yokohama Bootleg, und noch einige andere. Als Ganzes gesehen repräsentieren die Bad Konzerte eine interessante Phase in der Entwicklung der MJ Live Shows, eine, in der wir ihn am Anfang sehen, viele der polierten und äußerst choreografierten Segmente der späteren Shows zu verkörpern (das Jackson 5 Medley und I Just Can’t Stop Loving You / She’s Out of My Life Segmente, zum Beispiel, die über die Jahre Basiselemente mit kleinen Variationen wurden mit Ausnahme von You are not alone, welches She’s Out of My Life ersetzte). Ihr könnt erkennen, dass er sich bereits in dem Prozess befand, seine Live Shows in eine vollkommen theatralische Erfahrung zu entwickeln, und nicht einfach ein Konzert zu geben.

Wembley_S

Für jene jedoch, die raue Spontaneität als Teil einer Konzerterfahrung schätzen, fühlte es sich generell so an, dass das, was Michaels Shows in einer Hinsicht bereichert hat, sie in anderer Hinsicht die Jahre über verloren haben. Zu Zeiten von HIStory zum Beispiel waren die Shows ohne Ausnahme glatt produziert mit theatralischen Extravaganzen und wenig Spielraum für Variationen oder Überraschungen. Sicher, neue Nummern und neue Programmpunkte wurden zugefügt, solche wie der großartige Earth Song, aber die Auftritte und Shows selbst schienen mit der Zeit mehr und mehr mechanisch und Routine zu werden. Zur Zeit von HIStory wurde Michaels Lächeln seltener, und manchmal schien er die Auftritte einfach nicht mehr zu genießen. Seine Wut wurde dunkler und real. Immer mehr der Nummern waren lippensynchron gesungen statt live. Zahlreiche gesundheitliche Probleme begannen ihren Zoll von seinem Körper zu fordern. Und obwohl er wie immer der ultimative Profi und der King of Pop blieb, der eine Show wie kein anderer zelebrieren konnte, schien eine wesentliche Zutat zu fehlen. Aber es dauerte so lange, bis ich Wembley sah, dass ich fähig war, genau auszumachen, was dieses „Etwas“ war.

Es war die reine Freude am Performen. Nicht die Verpflichtung zu spüren, der Menge ein Spektakel bieten zu müssen, sondern einfach die Freude zu spüren, da zu sein, für uns zu tanzen und zu singen.

wembley

Wembley rennt nun Kopf an Kopf mit Bukarest als meinem liebsten Michael Jackson Konzert aller Zeiten und könnte es gerade überholen. Während Bukarest MJ in perfektem Glanz poliert zeigt, bietet Wembley noch etwas anderes – die reine, raue Kraft eines Michael Jackson Auftrittes. Mehr noch, es erlaubt Zuschauern (speziell den neuen, die 1988 noch nicht an Bord waren) diese interessanteste Phase der Live Auftritte in Michaels Karriere zu erleben – einer Zeit, in der wir gerade anfangen, die Entwicklung der überlebensgroßen, theatralischen Extravaganzen zu erkennen, jedoch in einer sehr viel unbearbeiteteren und enthüllteren Form. Dies war noch nicht der Michael Jackson des großartigen Einstiegs, der raus auf die Bühne kam und minutenlang bewegungslos dastand, während die Menge tobte oder der seine Shows damit beendete, die Illusion zu erzeugen, in den Weltraum geschossen zu werden. Dies war noch ein Michael, der sich erlauben konnte, in dem spontanen Flow eines Gospel Improptu gefangen zu sein, das Minuten bis zum Ende dauerte. Seht und/oder hört euch das „Doggone My Girl is gone“ Segment an, das die Brücke von I’ll Be There zu Rock With You bildet – wenn ihr davon keine Gänsehaut bekommt, müsst ihr tot sein!

Dieser Ausschnitt nimmt ein tieferes, dunkleres Blueselement auf, wenn ihr realisiert, dass „doggone“ einfach eine beschönigende Umschreibung für „god damn“ (gottverdammt) ist. In dieser kurzen, aber kraftvollen Überleitung demonstriert Michael nicht nur seine Gospelerfahrungen, sondern stellt auch die Verbindung zu einer über Hunderte von Jahren zurückgehenden Tradition von Ungerechtigkeit und Schmerzen vieler afroamerikanischer Generationen her. Während Blues und Gospel wie komplett polare Gegensätze zu sein scheinen (im Grunde behandelt das eine die spirituelle Erbauung, während das andere weltlichen Herzschmerz oft in Kombination mit Vorstellungen der Lust zum Inhalt hat), sind sie doch nicht so verschieden, wie es zuerst scheint. Beide sind direkte Reaktionen aus der Sklavenerfahrung, beide wurden in ihrer Bedeutung als ein Mittel zum Überleben, zum Durchhalten und manchmal auch als bloße Kommunikation miteinander verbunden. In beiden Fällen wurde die Musik zu einem Ventil für ein unterdrücktes Volk, um ausdrücken, was Worte nicht sagen konnten. Und wenn Gospel, wie es so oft gesagt wurde, „Gottes Musik“ ist und der Blues des Teufels Musik, ist dies dann nicht die perfekte Repräsentation unserer eigenen menschlichen Gegensätzlichkeit? Wir streben nach einem Ideal, um unsere Seele mit unserem Schöpfer zu vereinen, in der Zwischenzeit müssen wir jedoch schwitzen, weinen, lachen, zeugen und alles andere, das ein einzigartiger Teil des menschlichen Seins ist. „Blues Gospel“ – ein Begriff, der diese uralte Verbindung zwischen dem Blues und dem Gospel sowohl als traditionelle Formen der afroamerikanischen Musik anerkennt, die auf traditionellen afrikanischen Gebräuchen beruht, ist dementsprechend eine natürliche Verbindung, die nicht so seltsam ist, wie es vielleicht zunächst erscheint. Im Grunde leitet sich Gospelmusik aus dem Blues ab.

Blues Ursprünge

Blues Musik hat seine Ursprünge im tiefen Süden der Vereinigten Staaten des 18. Jahrhunderts, als Sklaven begannen, während der Arbeit auf den Feldern der Plantagen zu singen. Die Sklaven entwickelten eine Technik des Call and Response (Rufen und Antworten) überliefert aus ihrem afrikanischen Erbe, in der eine Phrase oder ein Text wiederholt, und eine weitere Phrase oder Text als Antwort geäußert wird. Call and Response wurde auch instrumental eingesetzt, wobei ein Sänger eine Zeile singt und ein Instrument die Antwort spielt. Moderner Blues wird populär in den Südstaaten wie Mississippi und New Orleans, es wird aber grundsätzlich erwähnt, dass er in Chicago seine Blütezeit hatte und zeichnet sich durch den bedeutsamen Einsatz der elektrischen Gitarre und der Bass Drums aus.

Gospel Ursprünge

Gospelmusik entwickelte sich aus dem Blues, als die Sklaven christlich wurden und ihren schwermütigen Blues in einen eher geistlichen, sehnsüchtigen Stil umformten, der ihnen Trost durch das Feiern des Göttlichen bot.

Gospel Music Characteristics (Link)

Das Video (oben) zeigt deutlich die Qualität einiger von Michaels erstaunlichen Gospelanklängen, die er während der Wembley Konzerte zeigt. Hier übt er das „Call and Response“-Muster aus, welches das traditionelle Markenzeichen des Blues und Gospel darstellt (und in der Tat wurde es ein unverzichtbares Element aller Live Performances von Michael; es ist dieses traditionelle „Call and Response“-Muster, das im Grunde die Wurzel all dieser „hee-hees“ und „ows!“ war).

Michael hat sich seinen Ruf als King of Pop rechtmäßig verdient, aber man vergisst dabei schlichtweg ganz leicht, dass er auch ein höllisch guter Gospelsänger war. Da gab es jedoch viele Auftritte, die zeigten, welch ein eindrucksvoller Gospelsänger er war. Ein Beispiel, das mir dazu natürlich sofort einfällt ist sein berühmter Auftritt bei dem Grammys mit Man in the Mirror (und überhaupt, MITM wurde sein ultimatives Paradestück für Gospelgesang). Aber ein weiteres schönes Beispiel ist I’ll Be There – besonders die Art, wie er es live performte mit diesem wundervollen Stimmverlauf am Ende. Ich habe dieses Beispiel schon mal gebracht, aber es verträgt eine Wiederholung. Als ich das erste Mal This Is It im Kino sah, war tatsächlich das kollektive „Oomph“ aus dem Publikum zu hören, als Michael diesen Verlauf am Schluss von I’ll Be There brachte. Es ist eine schwer zu beschreibende Reaktion, aber es ist wie dieser Moment, den ich bei Dichterlesungen schon oft erlebt habe, wenn, sagen wir mal ein Dichter gerade eine besonders bewegende Zeile vorgetragen hat, die eine kollektive Saite zum Klingen bringt, beim Publikum einen kollektiven Nerv trifft. Dieser Moment, wenn niemand zu atmen scheint, niemand ein Wort sagt außer „um“ unterhalb des Atmens. Du kannst greifbar seine Verbindung zum Publikum in diesem Moment als „Call and Response“ – Reaktion spüren, die als solch ein tief eingebetteter und wesentlicher Bestandteil sowohl des Blues als auch des Gospel ins Spiel kommt. Wir waren alle mit ihm in diesem Moment gefangen, es wurde unser Moment. Ja, möchten wir rufen! Wir werden dort sein mit dir, Michael. Jeden Schritt des Weges.

Wembley_0023380b_medium

 

Beim Ansehen von Wembley wird dieser Effekt verdoppelt, als Michael von I’ll Be There in das Improptu „Call and Response“ ad lib dieses kleinen Segments übergeht (den ich “Doggone my baby is gone“/ “Verdammt, mein Baby ist weg“ nenne, aus Mangel an passenderen Alternativen, lol). 

Dann sind wir mitten in einem weiteren Leckerbissen, denn dieses eindrucksvolle kleine Gospelsegment führt direkt in eine komplette und vollkommen live dargebotene Performance von Rock With You, einem Track, der traurigerweise nach der Bad Tour von Michaels Live Setlist verschwand. (Dirty Diana fiel dem nach der Bad Tour ebenfalls zum Opfer, ironischerweise jedoch stellten sich diese zwei Songs für mich als die wahren herausragenden Performances dieses Konzertes heraus). 

Seht euch die ersten paar Augenblicke an, nachdem Michael sagt „Ich denke, ich will rocken!“ (I think I wanna rock!) Seht euch das Lächeln an. Das ist echte, überschäumende Freude.

Wembley_michaeljacksonbadpb

Und es ist diese echte, überschäumende Freude, die diesen Auftritt trägt. Mehrere Male kann er dem Drang nicht widerstehen, in ein spontanes Grinsen auszubrechen, ob er nun in dem Augenblick dabei erwischt wurde oder jemandes Aufmerksamkeit aus der Seitenlinie erregt hatte. Diese Art von albernem Zwischenspiel würde eine schlechtere Darbietung womöglich ruiniert haben, aber hier ist es sowohl meisterhaft, als auch perfekt abgestimmt, ohne auch nur einmal erzwungen zu wirken. Es ist traurigerweise genau die Art spontaner Freude, von der wir von da an immer weniger zu sehen bekommen würden, zumindest bis This Is It, als die vertrauliche Atmosphäre der Proben das Publikum wieder mit dem Michael verband, der es liebte zu lachen und manchmal einfach ein bisschen albern war, auch wenn er immer der perfektionistische Showman blieb.

wembley3

Augenblicke wie diese waren keine Seltenheit während des Wembley Konzertes, sondern die Norm. Seine Ausgelassenheit war und bleibt ansteckend.

Aber genau wie in späteren Shows, markierte Smooth Criminal den Übergang – den Punkt der Show, an dem er seine R&B- Wurzeln (zumindest für eine kleine Weile) hinter sich lassen würde für aktuellere, pop-orientiertere Stücke. Sogar sein Kostümwechsel markiert eine Art Identitätsänderung, als er nahezu unkenntlich mit einem weißen Fedora herauskommt, die Krempe tief ins Gesicht gezogen, um ihm eine eher bedrohliche und anonyme (wenn auch sanft verführerische) Erscheinung zu verleihen. Dies ist, wie ich es oft nenne, der Übergang in Michael Jackson, Mack Daddy. Und niemand hat das jemals besser hingekriegt als – nun – Michael Jackson (Beherzige das, Chris Brown!).

Smooth Criminal (beachtet, dass ich mich hier auf die Performance im Gegensatz zur aufgenommenen Version beziehe) wie es sich schließlich entwickelte, war ein Standardstück, das über die Jahre geformt wurde. Einige seiner Wurzeln liegen weit zurück in den Live Darbietungen von Heartbreak Hotel auf der Victory Tour, und sogar in dem „Do Wop“ – Chor, den man am Anfang von Streetwalker hört. Hier sehen wir, dass Smooth Criminal bereits ziemlich gefestigt ist in seiner bewährten Form, mit dem Do Wop Intro, dem Hotelschild in Neon und Michaels tanzender Silhouette. Aber ratet mal, welches berühmte Merkmal bemerkenswerterweise fehlt? Yep, richtig! Der berühmte Lean Move – nun untrennbar mit Smooth Criminal verbunden – war noch nicht als ein Teil des Ablaufs integriert. Also noch einmal, Wembley erlaubt uns einen Blick in einen sich noch in der Entwicklung befindenden Ablauf und bietet eine wunderbare Möglichkeit, die Entwicklung eines von Michaels bekanntesten Bühnenstücken zu verfolgen.

Michael Jackson performing on stage during the London leg of his world tour *** Local Caption ***

In Teil 2 will ich meinen Blick auf Wembley mit der Analyse einer Performance weiterführen, um wahrhaftig alle MJ Performances aufzuheben … oder um es treffender zu sagen, der Performance, die wirklich das Feuer brachte in diese Nacht, in der Michael in Flammen stand. War es wegen ihr? Und was ist die wahre Geschichte hinter dieser Performance, die es eigentlich gar nicht geben sollte (Michael erzählte uns, dass er es aus der Show nahm in jener Nacht und warum? Also nun wissen wir, er ließ es nicht nur in der Show, sondern er lieferte wahrscheinlich seine großartigste Performance aller Zeiten von Dirty Diana in dieser Nacht ab – und das alles, während Prince Charles im Publikum saß und zuhörte? Hmm. Boy, ich möchte seine Gedanken dazu wissen!).

Wembley_MJ-and-princess-Diana-michael-jackson-10952958-950-14471-672x1024

Michael erzählte uns, er hätte es aus Respekt vor ihr aus der Show genommen, aber es kam so, dass Di enttäuscht darüber war. „Das ist mein Lieblingssong!“ Er sagte, es war zu spät, um ihn wieder zurückzunehmen … Also warum ist er in der Show? Was änderte seine Meinung? Hmm. Das nie enden wollende Geheimnis MJ zu ergründen!

Teil 2

Heute habe ich bemerkt, dass das Beste daran einen zweiten Teil zu diesem Post zu schreiben, ist, dass ich eine gute Entschuldigung dafür habe, diese erstaunliche Show ein weiteres Mal anzusehen!

Im ersten Teil habe ich Smooth Criminal und das Fehlen des Lean Moves erwähnt. Das wirklich Erstaunliche daran ist aber, dass die Performance so makellos ausgeführt ist, dass die berühmte Bewegung überhaupt nicht richtig vermisst wird (genauso wie ich ehrlich nicht sagen kann, dass ich es in This Is It vermisst hätte). Dies dient als eine wichtige Erinnerung daran, dass jede einzelne von Michaels ikonischsten Bewegungen und Tanzabläufen in Wirklichkeit nur der Zuckerguss auf dem Kuchen war. Sie waren die raffinierte Garnierung, die Effekthascherei. Aber streift das alles mal ab, und was übrig bleibt, ist ganz einfach einer der erstaunlichsten Künstler unserer Zeit, der die unglaublichsten Songs unserer Zeit singt. Die Schönheit von Michael ist, dass er keine die Schwerkraft aushebelnden Bewegungen braucht, um uns in seinen Bann zu ziehen. Ich erinnere mich an eine Unterhaltung, die ich mit jemandem führte über die bevorstehenden This is it Shows. Und wie üblich kam man am Ende zu der unvermeidlichen Frage: „Glaubst du wirklich, er hätte 50 Shows machen können?“ und „Was, wenn er den Anforderungen nicht gewachsen gewesen wäre?“

Die Sache, an die ihr euch bei Michael erinnern müsst ist die, dass er nie im Leben „den Anforderungen nicht gewachsen“ gewesen wäre. Ich stehe immer noch zu meiner Antwort. Michael hätte als alter Mann mit 70 auf die Bühne kommen können, die ganze Zeit auf einem Stuhl sitzend, und es hätte keinen Zweifel daran gegeben, dass er eine elektrisierendere und hypnotisierendere Performance als jeder nur halb so alte Performer, der sich über die ganze Bühne bewegt, abgeliefert hätte. Das Entscheidende ist, ob jemand „es“ hat oder eben nicht. Michael hatte „es“ seit er fünf Jahre alt war. Er brauchte die ganze Effekthascherei nicht.

Wembley_Michael-Jackson-Bad-Era-and-TOUR-the-bad-era-21662779-1200-796-300x199Er brachte uns in andere Dimensionen

Aber es ist nicht zu leugnen, dass, wenn er all die speziellen Tricks, Illusionen und die Schwerkraft außer Gefecht setzenden Tanzbewegungen hinzufügte, seine Auftritte zu etwas wurden, was nicht ganz aus dieser Stratosphäre war. Er nahm uns mit in andere Dimensionen. Das war seine magische Eigenschaft, und es war etwas, was nur sehr wenige Künstler mit derselben Raffinesse erreicht haben.

Wembley_36-michael-jackson-marcel-marceau-lg-57843161-300x225 Michael und der berühmte Pantomime Marcel Marceau. Michael nahm die Kunst der Pantomime sehr ernst. Oft integrierte er Elemente daraus in seine Performances.



Wie ich schon zuvor erwähnt habe ist einer der faszinierendsten Aspekte an Wembley für mich, viele seiner Performances in einem Stadium des Übergangs zu sehen. Eine Sache, die sehr offensichtlich ist, ist dass er in dieser Zeit sehr durch die Kunst der Pantomime beeinflusst wurde. Ihr könnt den Einfluss dieser Kunst in vielen seiner Tanzabläufe hier sehen, besonders am Schluss von Human Nature und am Beginn von Dirty Diana. (Michaels Einsatz weißer Accessoires und Requisiten wie etwa das weiße Klebeband, das er um seine Fingerspitzen trug und natürlich der weißen Socken kann auch auf seine Faszination gegenüber der Pantomime zurückgeführt werden, die häufig Weiß trugen, um das Auge auf spezielle Hand- und Fußgesten zu lenken). Da ist auch eine Andeutung der alten Stummfilmstars wie Charlie Chaplin und Buster Keaton, die beide Meister des Pathos und Kunst der Pantomime waren, und die Michael beide sehr verehrte. In Wembley, wie auch während der gesamten Bad Tour, können wir erkennen, wie er mehr und mehr dieser Elemente in seine Bühnenauftritte übernimmt.

Wenn ich schon mal bei Dirty Diana bin, möchte ich zu diesem Auftritt, der unleugbar das Herzstück dieses Konzertes ist, ebenfalls etwas sagen. Ich halte es ziemlich ehrfürchtig mit dem, was die Fans sagen und von Mal zu Mal wieder – wenn die Frage gestellt wird, welche Performance von Wembley ihr Favorit ist oder das Beste, dann führt Dirty Diana fast einheitlich die Liste an. Ich musste schließlich die DVD haben, um selbst zu sehen, was der ganze Wirbel soll.

Lasst es mich auf diese Art sagen: Wenn die gesamte DVD aus nichts anderem als allein dieser Performance bestanden hätte, wäre sie immer noch jeden Penny des Preises wert gewesen. In der Tat, wenn dies die Nacht war, in der Michael in Flammen stand – nun, dies war der Auftritt, der diese Flammen verdammt heiß machte!

Wembley_Mikro

Die Anziehung von Dirty Diana als einem Performance-Stück ist auf eine Menge Faktoren zurückzuführen. Für Anfänger ist es einer von Michaels dunkelsten, kompromisslosesten und sexiesten Songs, und das allein reicht, um es zu einem Favoriten der Fans zu machen. Es hat alle Elemente eines großen Dramas mit seiner Geschichte einer seelenlosen Verführerin und dem Mann, dessen eigene Seele von ihrer vereinnahmt wird. Aber wahrscheinlich ist die simple Seltenheit des Songs als Performance-Stück das, was teilweise so großen Hype rund um Wembley erzeugt hat. Die Bad Tour sollte die einzige Tour sein, die Dirty Diana als einen Programmpunkt in der Setlist haben würde. Zu Zeiten von Dangerous war die Nummer nicht mehr dabei. Michael hatte geplant, es bei This Is It zu zeigen, aber wie wir alle wissen, kam es nie zu dieser Show und selbst das Filmmaterial der Proben, das es gegeben hätte, wurde niemals aufgenommen (es war der Song, den Michael proben wollte an dem Tag, an dem er starb). Weil die Bad Tour nicht so ausführlich dokumentiert ist wie die Dangerous und die HIStory Tour (von denen viele, viele Auftritte auf Youtube und als Downloads zu haben sind), bedeutete das weniger Möglichkeiten für jene, die nicht dabei waren, um zu erleben, wie ein Liveauftritt mit Dirty Diana war.

Außerdem kam ein Teil des Hype auch von der veröffentlichten Unterhaltung, die an jenem Abend zwischen Michael und Prinzessin Diana stattfand, nur Minuten vor der Show. Michael erzählt die berühmte Geschichte hier:

Die große Frage, die ich im Kopf hatte – und ich bin nicht allein damit! – ist, was man glauben soll? Michael sagte, er hätte den Song aus Respekt vor ihr aus der Show genommen, und dass es „zu spät“ wäre, ihn wieder hinein zu nehmen, trotz Dianas Enttäuschung. Also … wurde eine Last-Minute-Entscheidung gefällt, um ihn wieder hinein zu nehmen? Die einzig andere Möglichkeit wäre, dass diese Nummer von einem seiner anderen Wembley-Konzerte in jener Woche kam, aber die Disc wurde vermarktet und verkauft als „The Royal Performance“ und soweit ich sagen kann, gibt es keine der eindeutigen, verräterischen Verbindungen, die dies als eine „bearbeitete“ Performance verraten. Es scheint das einzig Wahre zu sein! Aber wenn es so ist, bleibt immer noch die große Frage: War dieser Auftritt nur für „sie“ und könnte das die besondere Intensität erklären, die Michael in diese Nacht legte?

Ich war nicht sicher, ob die Performance von Dirty Diana den Hype wieder aufleben lassen würde, aber dann, von dem Moment an, als Michael aus diesem Zelt in das Scheinwerferlicht trat, wusste ich, dieser Auftritt wird etwas ganz Besonderes. Während der Rest der Show bis zu diesem Punkt unterhaltend gewesen war – und manchmal hypnotisierend – wusste ich von den ersten paar Noten von Dirty Diana, dass diese Performance der Moment des Über-sich-Hinauswachsens werden würde.

Wembley_Dirty Diana

Der Filmkritiker Leonard Maltin sagte einmal, dass, wann immer er einen Film sieht, von dem er weiß, dass er ihn lieben wird, es dann immer einen bestimmten Moment gibt; die eine Szene, von der er weiß, es gibt kein Zurück mehr. Für mich ist das Äquivalent davon der Augenblick, in dem Michael hinter das Mikrophon in Wembley tritt, um Dirty Diana zu singen. Dies war der Moment, in dem ich wirklich realisierte, dass ich mehr als nur ein richtig gutes Michael Jackson Konzert sah. Ich war Zeuge von etwas Einmaligem und unerklärlich Magischem – von einem Auftritt, der 24 Jahre brauchen würde, um mit dem Rest der Welt geteilt zu werden. 



Und wenn ich hier schon mal beim Thema Dirty Diana bin, ist diese Performance auch aus einem anderen Grund interessant. Es bietet eine gute Gelegenheit, um das Zusammenspiel zwischen Michael und Jennifer Batten zu sehen, als sie die Bühne für sich allein haben – nur die zwei – durch einen großen Teil des Songs hindurch. Da gibt es einen Moment, als Michael seine Drehung macht und auf die Knie fällt, während die Musik sich verlangsamt zu einem grüblerisches Tempo. Jennifer erstarrt leicht vorgebeugt, dann als Michael sich hinter seinem Mikrophon erhebt wie in einer knieenden Predigerposition, geht Jennifer hinter ihm entlang. Es soll ein sehr ernsthafter Moment sein, aber genau als sie an ihm vorbei geht, streckt sie die Hand aus und streicht neckend über seine Haare. Dies war einer jener seltenen, kleinen Momente – völlig spontan und nicht einstudiert – die aus Wembley solch eine Freude machen.

Aber mit dem Fokus auf Dirty Diana lasst uns doch nicht den Rest der Show vergessen! Auf Dirty Diana folgt direkt Thriller und …hier passiert vielleicht eine der besten Überraschungen und Freuden von allen! Während Thriller sicherlich eines von Michaels am meisten unterhaltenden Stücken auf der Bühne ist, würde ich es nicht unbedingt als eine seiner „sexy“ Nummern bezeichnen. Schließlich geht es bei Thriller doch um choreographierte, umherstampfende Zombies und Geister, richtig? Falsch! Wenigstens hier stimmt es nicht, denn dies ist zweifellos eine der sexiesten Thriller Performances, die ich je von Michael gesehen habe! Ihr glaubt mir nicht? Seht es euch einfach bei 0:08 min an, als er sich die Wolfsmaske herunterreißt und zeigt, was er drauf hat. Dieser Ausdruck, dieser Schmollmund, dieser Solar Plexus bewegt sich perfekt synchron („You hear the door slam“ … bam!), und das alles, während er über die Bühne stolziert wie die sprichwörtlich “zum Angriff ansetzende Bestie“. Nun, ihr müsst euch in einigen Tagen hier einklinken, um meinen Halloween Post zu lesen über die Analyse von Thriller, aber lasst uns einfach sagen, dass dies die unterhaltsamste Darbietung von Thriller war, seit This It It die erfreuliche überraschende Wendung mit Threatened am Schluss gezeigt hat.

Was nun folgt ist noch ein extrem seltenes Vergnügen. Während Michael zu einem ausgiebigeren Kostümwechsel verschwindet, übernimmt die Band für eine längere Jam-Session. Wir erleben danach nie wieder diese Art eines ausgedehnten, improvisierten Zwischenspiels zwischen Michaels Musikern, denn zukünftige Konzerte wurden noch mehr Michael-fixiert. Sogar während der länger dauernden Kostümwechsel sahen zukünftige Konzertgänger stattdessen Videoclips wie beispielsweise die Panther Dance Sequenz aus Black or White, um die Zeit zwischen den Nummern zu überbrücken. Nun, während ich Michaels großartige Videoclips ebenso genieße wie jeder andere, muss ich sagen, dass diese Jam-Session wirklich mein Blut in Wallung gebracht hat! Es ist gut, dass wir daran erinnert werden, dass es bei der Magie eines Michael Jackson Konzertes nicht nur um Michael geht, sondern dass es stattdessen eine gemeinsame Leistung war, die sich auf die einzigartigen Talente so vieler stützte, einschließlich der besten Tänzer, Sänger und Musiker, die man als Unterstützung finden konnte. Dieser Teil gab ihnen ihre „Zeit zum Glänzen“ („A time to shine“), um einen von Michaels eigenen Ausdrücken dafür zu verwenden.

Greg-Phillinganes-sm-300x254Greg Phillinganes

Hierauf folgt das intensive, kraftvolle Working Day and Night (obwohl ich nicht gerade verrückt bin nach seinem Elvis-artigen Outfit, das er für diese Nummer gewählt hat), aber wie dem auch sei, während Working Day and Night viel Spaß macht, werde ich weiter zu Beat It springen. Genau wie bei Thriller ist da eine gewisse Haltung, eine Art intensiver Erotik, wenn ihr so wollt – die Michael in diese Performance einbringt und ihm so einen frischen Rahmen gibt. Auch wenn ich eine von denen bin, die sagt, wie sehr sie den reifen Michael liebt … wenn ich Auftritte wie diesen sehe, ist es eine Erinnerung daran, dass niemand Michael toppen konnte, als er den Vorzug der Jugend auf seiner Seite hatte. Während seine Darstellungen dieser Nummern gleich geblieben sein dürften, ist es in der Tat dieser jugendliche Swagger (Swagger ist kaum eindeutig zu übersetzen, ich würde es als ‚charismatisch-lässige Ausstrahlung‘ beschreiben), der sie hier so intensiv erscheinen lässt.

Wembley_screen-shot-2012-09-26-at-4-21-58-pm.png?w=640

Aber vielleicht ist es auch noch etwas anderes. Diese Songs waren noch so frisch für Michael, und er glaubte noch an sie. Wenn er die Worte sang, wusstest du genau, dass er noch ganz fest an die Botschaft dahinter glaubte. Er hatte immer noch Spaß mit ihnen. Wie ich schon sagte, es ist nicht so, dass die Auftritte von Beat It und anderen Nummern in den darauf folgenden Jahren weniger stimmig gewesen wären, aber sie schienen zeitweilig routinierter zu werden. Das ist Teil des Reizes an Wembley, denn es gibt jenen Fans wie mir selbst (die sich mehr oder weniger ihren Weg rückwärts erarbeitet haben, angefangen mit der Wahrnehmung der späteren Shows und sich dann zurück arbeitend, um die früheren Auftritte zu entdecken) eine Gelegenheit, die jugendliche Energie von Michael Jackson eingefangen zu sehen. „Ho!“ klang nie ganz so bedrohlich.

Traurigerweise dient es auch wohl dazu, an den intensiven Druck zu erinnern, dem Michael ausgesetzt war, als er sich für die O2 Shows vorbereitete, mit dem Wissen, dass die Leute erwarten würden, er könne mit 50 das tun, was er hier getan hatte, mit 29. Aber ich habe immer geglaubt, dass die reine Energie und Frische jener Shows ihn aufgerüttelt hätten. Trotzdem, auch wenn es nicht so gewesen wäre, müssen wir dem Mann auch eine ruhigere Zeit zugestehen. Er war fünfzig Jahre alt, kehrte zum ersten Mal nach annähernd einer Dekade auf die Bühne zurück. Aber wenn This Is It der ultimative Blick auf Was-hätte-sein-können bleibt, dann steht Wembley für eine bedeutende Aufzeichnung von Was-war. Und eine umso größere Wertschätzung für das ungeheure Ausmaß dessen, was wir verloren haben.

Wembley_MJ-smile_1

Nur einige Performances mehr, die noch zu kommentieren sind: Billie Jean hatte sich an diesem Punkt schon ziemlich zu der Form entwickelt, die Michael durchgehend für den Rest seiner Laufbahn ausführen würde, vielleicht mit der einzigen Ausnahme, dass er noch nicht die Nummer mit dem Koffer oder das Pathoselement eingeführt hatte, das später dazukommen würde. In seinem Kern war Billie Jean eine Nummer, die sehr wenig von Michaels Original, dem legendären Motown 25 Auftritt, abwich, der einzige Unterschied würde sein, dass er später ein sehr ausführliches Improvisationssegment mit aufnahm, bei dem er nur zum Beat des Schlagzeugs tanzte (welcher bereits vollständig vorhanden ist zum Zeitpunkt der Bad Tour). Seht euch diese Teile von Billie Jean ganz genau an, denn wenn sie auch immer gleich aussehen mögen, Michael führte es niemals ein zweites Mal auf genau die gleiche Art aus! Was mich besonders an diesem Wembley Auftritt beeindruckt hat war die Geschmeidigkeit seines Seitwärts-Moonwalk, ein Schritt, dessen Ausführung womöglich technisch sogar noch mehr herausfordert als sein berühmterer Moonwalk rückwärts. Ich habe niemals gesehen, dass Michael eine schlechte Performance von Billie Jean gegeben hätte, aber ich habe definitiv einige Auftritte gesehen, die mehr „on“ waren als andere.

Diese Performance ist nicht „die“ beste, zählt aber eindeutig zu den Top Five. Wie immer ist ihn zu beobachten einfach elektrisierend. Und wie immer gibt es einen Punkt, an dem man sich fast fragt, ob er aufgehört hat menschlich zu sein, denn wenn Michael tanzt – und wenn er wirklich in seinem Element ist – scheint er zu etwas zu werden, das nicht ganz von dieser Welt ist.

Die hohe Energie führt weiter zu Bad (einem weiteren Leckerbissen, der ebenfalls einer der Songs war, der nach der Bad Tour aus dem Programm der Live Auftritte ausschied). Aber während der gesamte Song großartig ist, ist er es  wegen des spaßigen Zwischenspiels zwischen Michael und seinen Musikern wirklich wert angesehen zu werden, als der Song sich dem Ende nähert. Michael war niemals anbetungswürdiger (und ja, ich bin ein ungeniertes Fan Girl, also darf ich das sagen!), ob es nun ein überraschender Two-Step mit Sheryl Crow ist oder auch einige freundliche, homoerotische Spielchen mit Keyboarder Greg Phillinganes (und ich möchte für euch zitieren, was mein Mann sagte, nachdem er diesen kleinen Austausch gesehen hatte: „Er ist definitiv nicht schwul!“ Allerdings, nur ein Typ, der sich seiner eigenen Sexualität absolut sicher ist, kann diesen kleinen Austausch überhaupt zulassen).

Der Spaß geht weiter mit einer Gruppe von Kindern, die sich Michael auf der Bühne anschließen, einschließlich einem Jungen, dem gegenüber Michael vortäuscht sauer zu sein, als das Kind ihm fast die Schau stiehlt (aber es ist natürlich alles Spaß!).

Zu guter Letzt ist Man in the Mirror so beeindruckend wie immer. Aber um zu wiederholen, was ich während des ganzen Rückblicks gesagt habe, alles an Michael schien in dieser Nacht eine spezielle, intensive Aura zu haben. Als er in das Fade-out des Songs einstimmt und seine Arme ausbreitet, nach oben blickt (eine Geste, die zu einer Art Andacht oder Gebet für ihn wird), verlängert sich der Moment so sehr, dass es fast beginnt, sich ein wenig surreal anzufühlen, sogar ein bisschen unheimlich. Ich habe mir diesen Moment heute Abend noch einmal angesehen, und es schien, dass, auf welche Energie er in diesem Moment auch immer zugriff, man sie eindeutig spüren konnte, sogar durch die Leinwand des Monitors und über die 24 Jahre, die mich physisch von ihm in diesem Moment trennten. Und trotzdem fühlte ich es, so real, als würde ich genau vor ihm stehen.

Michaels Kraft, seine Fähigkeit zu kanalisieren, was immer diese göttliche Energie war, die ihn durchströmte und die er in seinen Performances weitergab, war in der Tat etwas wahrhaft Unglaubliches. Und einen Moment lang nahe dem Ende von Wembley – wenn du den Moment zulässt – kannst du es mit ihm fühlen.

Wembley_MITM

Vielleicht war es das, worum es in seiner Haltung mit den offenen Armen wirklich ging. In diesem Moment tat er mehr, als einfach nur die Energie zu empfangen, die ihn nährte. Er gab sie zurück, tausendfach.

Hat also Wembley Live at Bukarest als mein Lieblingskonzert aller Zeiten von Michael Jackson ersetzt? Das ist etwas, worüber ich noch etwas nachdenken werde. Aber ganz sicher ist, dass dies eine Disc ist, die von allen Fans geschätzt wird. Wir haben nun, für immer festgehalten, unseren Michael auf der Höhe einer der am liebevollsten erinnerten Ären.

Es erinnert daran, dass, so sehr ich auch den reifen Michael liebe, da noch etwas an dem jugendlichen Michael ist, das sich nicht wegdiskutieren lässt. Seine Kraft als Performer verblasste nie, aber Mann, oh Mann, dieser stolze Gang, diese Haltung, diese pure direkte Energie … das war Michael in voller Blüte.

Und Wembley hat es eingefangen. Glorreich. Wembley_Back

Deutsche Übersetzung: Ilke

Leben im “magischen Königreich”

Dieser schöne Artikel erschien in der Rolling Stone; Ausgabe 17 Februar, 1983, und ist von Gerri Hirshey. Sie besuchte Michael 1982 in seinem gemieteten Appartement im San Fernando Valley. Sie interviewte ihn über mehrere Tage, begleitete ihn ins Studio und zu einem Queen-Konzert.

rsy7ivtn4k8dx

Life In The Magical Kingdom

English:  http://www.rollingstone.com/music/news/michael-jackson-life-as-a-man-in-the-magical-kingdom-19830217?page=2

Leben im “magischen Königreich”

“Nicht das, was du erwartet hast, huh?” Hinter einer Maske aus knochigen Fingern kichert Michael Jackson. Michael hat seinen Besuch in den mittleren Stock seines eigenen 3-stöckigen Apartments gebeten und erklärt, dass diese Wohnung nur vorübergehend ist, für die Zeit, in der sein Haus in Encino renoviert wird. Er räumt ein, dass es wohl ein ungewöhnlicher Ort für einen jungen “Prince Of Pop” ist.

Es überrascht auch, dass Michael sich entschieden hat, dieses Interview alleine durchzuführen. Er sagt, er habe so etwas seit über zwei Jahren nicht mehr getan. Und selbst wenn, war er immer begleitet von Managern, seinen Jackson Brüdern, oder, wie in einem Fall, von seiner jüngeren Schwester Janet, die die Fragen des Reporters wiederholte, bevor Michael sie beantwortete. Das Wenige, was die Literatur dazu über ihn hergibt sagt, dass er furchtbar schüchtern ist. Er weicht aus, er versteckt sich, er sieht beim Sprechen seine Schuhspitzen an. Oder er kommt erst garnicht. Er ist bekannt dafür, sein Privatleben mit geradezu obsessiver Vorsicht zu führen, “Wie ein Bluter, der sich nicht erlauben kann, verletzt zu werden.” Die Analogie davon ist er selbst.

Vergleicht man das mit der Statistik, mit den Erfolgen, passt es nicht zusammen. Er war der Vorzeige Spieler der Jackson 5 seit der Grundschulzeit. In den 1980ern trat er bei den Jacksons aus, um seine eigene LP, Off The Wall, aufzunehmen, und sie wurde das meist verkaufte Album des Jahres. Thriller, sein neues Album, steht auf Platz Nr. 5 in den Charts. Und die Liste der Künstler, die jetzt mit ihm zusammen arbeiten – oder arbeiten wollen – beinhaltet Paul McCartney, Quincy Jones, Steven Spielberg, Diana Ross, Queen und Jane Fonda. Bei Platten-Aufnahmen, auf der Bühne, im TV, hat Michael Jackson keine Probleme damit, aus sich heraus zu kommen. Er hat vor nichts Angst, sagt er. Aber das hier…

“Gefällt dir, was du hier machst?” fragt Michael. Es liegt ein Hauch von Ungläubigkeit in seiner Stimme, als ob er die Frage eines Untersuchungsrichters stellt. Er hat sich auf einen Esszimmerstuhl plumpsen lassen, mit Blick zum tiefer gelegenen Wohnzimmer. Es ist angefüllt mit Statuen. Da gibt es ein paar anmutige, griechisch-römische Bronze Figuren, sowie auch ein paar Teile „Hinterhofs-Kunst“. Die Figuren sind um das Sofa herum angeordnet, wie eine gespenstische Tee-Gesellschaft.

Michael selbst kann nur schlecht stillsitzen. Er ist so nervös, dass er essen muss – er pflügt sich durch einen Beutel mit Kartoffel Chips. Das ist wirklich ein seltsames Verhalten. Keiner seiner Brüder erinnert sich daran, dass irgendwelche Snacks über seine Lippen kamen, seit er vor 6 Jahren zum strikten Vegetarier und Freund von gesundem Essen wurde. In der Tat wundert sich seine Mutter, Katherine Jackson darüber, dass Michael von nicht viel mehr als Luft zu existieren scheint. Soweit sie es sagen kann, hat ihr Sohn einfach kein Interesse am Essen. Er selbst sagt, wenn er nicht essen müsse, um am Leben zu bleiben, würde er nichts essen.

“Ich hasse das wirklich” sagt er. Nachdem er die Chips vertilgt hat, hat er angefangen, einen Zeitungsausschnitt zu falten. “Auf der Bühne bin ich viel entspannter als jetzt. Aber, hey, los geht’s,” sagt er lachend. Später erklärt er, dass “los geht’s” das ist, was sein Bodyguard immer sagt, bevor er sich in das Getümmel der Öffentlichkeit stürzen muss. Es ist auch ein Ausdruck, den Michael schon kennt, seitdem er sich selbst die Schuhe binden kann.

“Los geht’s, Jungs”. Damit trommelte Joe Jackson seine Söhne, Jackie, Tito, Jermaine, Marlon und Michael zusammen. “Los geht’s” ertönt seit der Vorschulzeit der Brüder, seit über 3/4 von Michaels Leben, zuerst als Jackson 5 bei Motown, jetzt als Jacksons bei Epic. Michael und die Jacksons haben über 1 Million Platten verkauft. Sechs ihrer Motown Singles bekamen Platin, zehn andere Gold. Als ihr erster Hit “I Want You Back” 1970 B.J.Thomas’ “Raindrops Keep Fallin’ On My Head” von Platz 1 wegfegte, war er gerade 11 Jahre alt.

Michael sagt, er wusste mit 5 Jahren, als er “Climb Every Mountain” in der Schule sang, und das ganze Haus in Aufregung versetzte, dass etwas Besonderes vor sich ging. Damals beängstigte diese frühe Reife seine Mutter. Aber Jahre später tröstete er damit Herzen und behielt es auch für Epic bei, als Off The Wall in den USA über 5 Millionen Alben verkaufte, und weitere 2 Millionen in anderen Ländern, und eine Single daraus, “Don’t Stop ’till You Get Enough” ihm einen Grammy einbrachte. Die LP lieferte 4 Top Ten Hit Singles, ein Rekord für einen Solo-Künstler, nur erreicht von Fleetwood Mac’s “Rumours”, und durch die Soundtracks von “Grease” und “Saturday Night Fever” zusammengenommen.

Wenn eine zitternde Platten-Industrie sich wagen würde zu wetten, würde das Geld auf Michael Jackson gesetzt. In den letzten Monaten hat er an nicht weniger als 3 Projekten gearbeitet: Seinem eignen, kürzlich veröffentlichten Album Thriller, Paul McCartney’s laufendem Projekt, welches zwei Zusammenarbeiten enthält, “Say, Say, Say” und “The Man“ und an der Erzählung des Story-Books von ET, mit Steven Spielberg und Quincy Jones. In seiner Freizeit schrieb und produziert er Diana Ross’ Single “Muscles”. Das ist wirklich ein junger Mann, der es eilig hat. Er sieht schon jetzt voraus auf das Album, das er diesen Winter mit den Jacksons machen wird. Da gibt es die Möglichkeit einer Tour im Frühling. Und dann gibt es da die Filme. Seit seiner Rolle als Vogelscheuche in “The Wiz” ist sein Schlafzimmer mit Scripten angefüllt.

Mit 24 Jahren hat Michael Jackson seinen Fuß fest in jeder Hälfte der 80er. Seine Hits aus der Kindheit sind goldene Oldies, und seine Kindheitsidole sind jetzt seine Partner. Michael war gerade 10 Jahre alt, als er zu Diana Ross in ihr Haus nach Hollywood zog. Jetzt produziert er sie. Er war 5 Jahre alt, als die Beatles herüber kamen, jetzt kappelt er sich mit McCartney auf Michaels Single „The Girl Is Mine“ um das selbe Mädchen. Seine Freunde aus dem Showgeschäft umfassen auch mehrere Generationen. Er hängt mit anderen Kinderstars, wie Tatum O’Neal und Christy McNicol herum, sowie mit dem ehemaligen Kinder Star Stevie Wonder. Er telefoniert mit Adam Ant und Liza Minelli, oder hat Gespräche mit dem achtzigjährigen Fred Astaire.

Mj Jane Fonda

Michael mit Jane Fonda

Als er das Set von “The Golden Pond” besuchte traf er Henry Fonda. Jane Fonda gibt ihm Schauspielunterricht. Seine Brieffreundin Katherine Hepburn brach ihre lebenslängliche Gewohnheit, kein Rock Konzert zu besuchen indem sie das Jackson Konzert im Madison Square Garden von 1981 besuchte. Laut Steven Spielberg würde sich sogar ET von einem solchen sanftmütigen Geist angezogen fühlen.

Er sagt zu Michael “Wenn ET nicht zu Elliott gekommen wäre, dann wäre er zu dir gekommen.” Spielberg sagt auch, dass er sich keinen anderen vorstellen konnte, um die Saga seines verängstigten Außerirdischen zu erzählen. “Michael ist einer der letzten lebenden Unschuldigen, der sein Leben völlig unter Kontrolle hat. Ich habe nie jemanden wie Michael erlebt. Er ist ein emotionales Sternenkind.”

Cartoons flimmern lautlos über den gigantischen Bildschirm, der in dem abgedunkelten Zimmer leuchtet. Michael erwähnt, dass er Cartoons liebt. Er liebt alles, was “magic” ist. Der Begriff ist weit genug gefasst um alles, vom Bambi bis zu James Brown zu beinhalten.

“Er ist so magisch”, sagt Michael über Brown, und fügt hinzu, dass er seine eigene Quecksilber ähnliche Choreografie nach dem Muster der klassischen Bühnen Moves des “Godfathers” entworfen hat. “Ich war dort, als ich sechs oder sieben war. Ich saß da (seitlich der Bühne) und beobachtete ihn.”

Michaels Kindergarten war das Basement des Apollo Theaters in Harlem. Er war zu schüchtern sich den Performern, für die die Jackson 5 die Vorgruppe waren, wirklich zu nähern – es waren alle, von Jackie Wilson über Gladys Knight, den Temptations bis hin zu Etta James. Aber er sagt, er musste alles wissen, was sie taten – wie James Brown gleiten konnte, sich drehte, ein Spagat machte und es immer schaffte, dass sein Mikro dabei nicht den Boden berührte. Wie das Mikrophon wie von selbst durch den Bühnenboden verschwand. Er krabbelte hinunter, hinter Wände und versteckte sich dort, und guckte zwischen staubigen alten Sitzen hervor, während die Musiker sich fertig machen, rauchten, Karten spielten und sich Barbecue teilten. Wieder zurück in den Seitenflügeln der Bühne, stand er im Schutz des staubigen Vorhangs und beobachtete seine lieblings Auftritte, registrierte jeden Blick, jeden Stoß, jedes Schnippen, und fügte es zu seinem Bestand an nächtlichen Moves hinzu. Kürzlich ging Michael zur Auffrischung in einen Club nach LA um James Brown zu sehen. “Er ist der energiereichste von Allen. Er kann ein Publikum an jeden beliebigen Ort bringen. Das Publikum wird einfach verrückt. Er wird wild – und in diesem Alter. Er geht völlig aus sich heraus.”

“Aus sich herauskommen” ist ein wiederkehrendes Thema in Michaels Leben, ob es sich um das Tanzen, um das Singen oder um das Schauspielern handelt. Als Zeuge Jehova glaubt Michael an den bevorstehenden Weltuntergang, der von einer Wiederauferstehung Christus gefolgt wird. Religion ist ein wichtiger Teil seines Lebens, es erfordert intensives Bibelstudium und 3 Mal wöchentliche Teilnahme an den Treffen in der Kingdom Hall in der Nähe. Er hat niemals Drogen gebraucht und trinkt nur selten Alkohol. Trotz des vorhergesagten Armageddons ist der Sprit jedoch nicht so starr, dass er gelegentliche Sprünge in das “Fantasie Shuttle” ausschließt.

“Ich sammele Cartoons”, sagt er. “Alles von Disney, Bugs Bunny und die alten von MGM. Ich habe nur eine Person getroffen, die eine größere Sammlung hat als ich, und es hat mich überrascht – Paul McCartney. Er ist ein Cartoon Fanatiker. Egal, wo wir in seinem Haus hinkamen, wir sahen Cartoons an. Als wir hierher kamen, um an dem Album zu arbeiten, liehen wir uns all diese Cartoons vom Studio aus, Dumbo und andere Sachen. Es ist Escapismus. Es ist wie die heile Welt. Es ist, als ob die jetzige Welt in einer weit entfernten Stadt stattfindet. Alles ist in Ordnung.”

“Als ich zum ersten Mal ET ansah, schmolz ich während der ganzen Zeit dahin,” sagt er. “Beim zweiten Mal weinte ich wie verrückt. Und dann, als ich diese Geschichte erzählte, fühlte ich mich, als ob ich dort mit ihnen zusammen bin, als stünde ich dort hinter einem Baum oder so ähnlich, und sehe dem ganzen Geschehen zu.”

Michaels emotionale Beteiligung war so groß, dass Steven Spielberg seinen Erzähler weinend im abgedunkelten Studio vorfand, als er zu dem Teil kam, in dem ET stirbt. Schließlich entschieden Spielberg und sein Produzent Quincy Jones, es dabei zu belassen und ließen Michaels Stimme brechen. Diese Gefühle zu bekämpfen wäre kontraproduktiv gewesen – etwas, was Jones schon bei der Produktion von Off The Wall gelernt hatte.

she-out-of-my-life-michael-jackson-11694186-617-1024

“Ich hatte einen Song, den ich für Michael aufbewahrt hatte, “She’s Out Of My Life”, erinnert er sich, “Michael hörte ihn und es machte Klick. Und wenn er ihn sang, weinte er. Jedes mal, wenn wir es aufnahmen, sah ich am Ende auf, und Michael weinte. Ich sagte: Komm in zwei Wochen noch einmal und versuche es, vielleicht wird es dich dann nicht wieder zum Weinen bringen. Er kam wieder und er es kamen wieder die Tränen. Also ließen wir es so drin.”

Dieses Tauziehen zwischen dem professionellen, und dem verletzlichen, privaten Michael kommt in den Lyrics zum Vorschein, die er für sich selbst geschrieben hat. In “Bless His Soul”, einem Song vom Destiny Album, bezieht sich das, was Michael sagt definitiv auf ihn, er singt:

Sometimes I cry cause I’m confused

Is this a fact of being used?

There is no life for me at all

Cause I give myself at beck and call.

Manchmal weine ich, weil ich so verwirrt bin

Ist das ein Umstand davon, benutzt zu werden?

Da gibt es überhaupt kein Leben für mich

Denn ich stehe jedem zur Verfügung.

Zwei von Jackson auf Thriller geschriebene Auszüge verstärken diese defensive Haltung. “They eat off you, you’re a vegetable” (Sie essen von dir, du bist ein Gemüse), schreit er in “Wanne Be Startin’ Somethin'”. „Beat It“, ein taffes Tanz-Lied flirtet mit Paranoia: “You have to show them that you’re really not scared/You’re playin’ with your life, this ain’t no truth or dare/They’ll kick you, then they beat you/Then they’ll tell you it’s fair.” (Du musst ihnen zeigen, dass du wirklich keine Angst hast/Du spielst mit deinem Leben, das ist nicht “Wahrheit oder Pflicht”/ Sie werden dich treten, dann schlagen/Sie werden dir erzählen, das sei fair)

Ja, er sagt, er fühlt sich benutzt, ohne es weiter zu spezifizieren, er sagt nur, dass in seinem Beruf “sie dieses fordern, und wollen, dass du jenes tust. Sie denken, dass sie dich besitzen, die denken, dass sie dich gemacht haben. Wenn du kein Vertrauen hast, wirst du verrückt. Ich mag keine Interviews geben. Wenn ich spreche, sage ich, was mir in den Sinn kommt, und das kann sich für die Ohren Anderer seltsam anhören. Ich bin die Sorte Mensch, die alles sagt, auch wenn es ein Geheimnis ist. Und ich weiß, dass Dinge privat bleiben sollten.”

Zu seinem eigenen Schutz hat sich Michael einen Satz emotionaler Schleusentore gebastelt, Situationen geschaffen, in denen es in Ordnung ist, alles heraus zulassen. “Gewisse Umstände verlangen, dass ich sehr schweigsam bin, aber ich tanze jeden Sonntag,” sagt er. An diesem Tag fastet er auch.

Das ist, so bestätigt seine Mutter, ein wöchentliches Ritual, was ihren Sohn “am Boden liegen lässt”, schwitzend, lachen und weinend. Es ist auch ein Ritual, welches seinen Performances sehr ähnlich ist. In der Tat ist es so, dass das Gewicht der Jackson Bühnen-Shows schwer auf seinen schmalen, pailettenbesetzten Schultern liegt. Da gibt es nichts Zögerliches bei seinen Alleingängen. Er bringt seinen langen, dünnen Körper in eine Eislauf Pirouette, ohne den Vorteil von Eis oder Schlittschuhen. Unterstützt durch das Feuer und das Blitzen von silbernen Bodysuits, scheint er die molekulare Struktur durch seinen Willen ändern zu können, in einer Sekunde ganz in Roboter-Bewegungen und in der nächsten in welligen Kurven. Sein Körper ist sich so sicher, dass seine Augen oft geschlossen sind, sein Gesicht wendet sich nach oben, einer unsichtbaren Muse zu. Die knochige Brust hebt sich. Er keucht, stößt und kiekst. Er ist bekannt dafür, die Bühne zu verlassen und in die Takelage zu klettern.

Zu Hause, in seinem Zimmer, tanzt er bis zum umfallen. Michael sagt, seine sonntäglichen Tanz Sessions seien auch eine effektive Methode seine Bühnenabhängigkeit zu besänftigen, wenn er nicht tourt. Manchmal ruft ihn während dieser Zeiten ohne Bühne ein anderer Performer aus dem Publikum. Und in dem langen Weg von seinem Sitzplatz zur Bühne fechten die zwei Michaels es miteinander aus.

“Ich sitze dort und sage: Bitte ruf’ mich nicht auf, ich bin so schüchtern,” sagt Jackson, “aber wenn ich einmal da oben bin, habe ich mich unter Kontrolle. Auf der Bühne zu sein ist magisch. Es gibt nichts Vergleichbares. Du fühlst die Energie von jedem dort unten. Du fühlst es auf deinem ganzen Körper. Wenn die Lichter dich treffen, fühlst du es überall, ich schwöre, dass es so ist.”

Er lächelt jetzt, sitzt aufrecht und versucht den Fantasielosen die Schwerelosigkeit zu erklären.

“Wenn es Zeit wird, herunter zu gehen, will ich nicht. Ich könnte für immer dort oben bleiben. Das gleiche ist es, einen Film zu machen. Das wunderbare an einem Film ist, dass du zu einer anderen Person wirst. Ich liebe es, mich zu verlieren. Und oft verlierst du dich wirklich völlig. Es ist wie ein Autopilot. Whew…”

budweiser superfest

Spontaner Bühnenauftritt: Budweiser Superfest 1982

Während er The Wiz filmte verinnerlichte er seinen Charakter der Vogelscheuche so sehr, dass die Crew ihn buchstäblich vom Set und aus seinem Kostüm reißen musste. Er war in OZ, und er wollte es nicht für irgendein ein Hotelzimmer verlassen.

“Das ist, was ich bei der Produktion von E.T. so liebte. Ich war wirklich dort. Ich vermisste ihn sehr, am nächsten Tag. Ich wollte zu dem Ort zurückgehen, in den Wald, wo ich gestern war. Dort wollte ich sein.”

Aber leider ist er immer noch im Esszimmertisch seines Appartements. Trotz der sichtlichen Anstrengung hält er sich tapfer. Und er freut sich über eine Frage zu seinen Tieren. Er sagt, er spreche jeden Tag mit seiner Menagerie. “Ich habe zwei Rehböcke. Mr. Tibbs sieht aus, wie ein Widder, er hat Hörner. Ich habe ein wunderschönes Lama. Sein Name ist Louie.” Er mag auch exotische Vögel, wie Aras, Kakadus und einen riesigen Nandu.

“Bleib kurz hier,” sagt er, “ich möchte dir etwas zeigen.” Er nimmt zwei Stufen auf einmal, die Treppe hoch, zu seinem Schlafzimmer. Obwohl ich weiß, dass wir die Einzigen in seinem Appartement sind, höre ich ihn sprechen.

“Oh, du hast geschlafen? Tut mir leid…”

Sekunden später legt er eine 8 Fuß lange Boa Constrictor auf den Esstisch. Sie bewegt sich mit alarmierender Geschwindigkeit in meine Richtung.

Mike-And-Muscles-michael-jackson-10709609-698-413

“Das ist Muscles. Und ich habe ihm beigebracht, Interviewer zu fressen.”

Muscles ist bis zum Aufnahmegerät gekommen, und züngelt verächtlich, und bewegt sich weiter in Richtung der nächsten Quelle warmen Blutes. Michael ist so fürsorglich, und hebt das Reptil auf, als seine Nase gegen mein Handgelenk stößt. Ehrlich, sagt er, Muscles ist wirklich süß. Es ist alles Blödsinn, dieses Gerede davon, dass Schlangen Menschen fressen. Außerdem ist Muscles nicht einmal hungrig, er hatte erst vor ein paar Tagen seine wöchentliche Ration Ratten bekommen. Es ist höchstens so, dass die Anwesenheit eines Fremden Muscles etwas nervös gemacht hat. Um den Körper seines Besitzers gewickelt, hat seine Stärke Michaels Unterarm zu einem Relief von angespannten Blutadern werden lassen. Um den Gleichgewichtssinn der Schlange zu demonstrieren, setzt Michael sie auf ein 3 Inch breites Geländer, wo sie für die nächsten Stunden bewegungslos liegen bleibt,

“Schlangen werden sehr missverstanden”, sagt er, “ich glaube, es sind die ältesten Opfer einer schlechten Presse.” Michael haut auf den Tisch und lacht.

“Schlechte Presse. Ist es nicht so, Muscles?”

Die Schlange hebt für einen Moment den Kopf und legt ihn wieder zurück auf das Geländer. Wir alle 3 sind jetzt etwas entspannter.

“Weißt du, was ich auch mag?” sagt Michael von sich aus. “Mannequins”

Ja, er meint diese Art, die du in den Schaufenstern von Beverley Hills sehen kannst, und die Nerz Bikinis tragen. Wenn sein neues Haus fertig sei, sagt er, möchte er einen Raum haben ohne Möbel, nur mit einem Tisch und einem Haufen solcher Schaufenster Puppen.

“Ich denke ich möchte sie zum Leben erwecken. Ich mag es, mir vorzustellen, mit ihnen zu sprechen. Weißt du, was ich mir vorstelle? Yeah, ich glaube ich sage es. Ich stelle mir vor, ich umgebe mich mit Freunden, die ich nie hatte. Ich habe wohl zwei Freunde. Gerade bekommen. Als Entertainer kannst du einfach nicht sagen, wer dein Freund ist. Und sie sehen dich so anders an. Als ein Star, anstatt als einfachen Nachbarn von neben an.”

Er macht eine Pause und sieht auf die Statuen im Wohnzimmer.

“So ist es. Ich umgebe mich mit Leuten, die ich als Freunde haben möchte. Und das kann ich mit den Schaufenster Puppen tun. Ich werde mit ihnen sprechen.”

Das alles soll nicht heißen, dass Michael ohne Freunde ist. Im Gegenteil, die Leute wollen lautstark seine Freunde sein. Aber das ist genau das Problem: bei solchen Mengen, die an deiner Tür klopfen wird es wichtig, auszusortieren. Michael hatte niemals einen Schul Kumpel. Oder einen Spielkameraden, oder eine feste Freundin. Die zwei Freunde, die er erwähnt, sind die ersten “Zivilisten”. Und was den Rest betrifft…

“Ich kenne Leute aus dem Show Geschäft.”

Vor allem ist da Diana Ross, mit der er seine “tiefsten, dunkelsten Geheimnisse” und Probleme teilt. Aber auch wenn sie miteinander alleine sind, ist ihre Welt begrenzt. Und da ist Quincy Jones, “den ich wundervoll finde. Aber aus dem Bereich des Show Geschäfts herauszukommen, so zu sein, wie jeder andere…”

Es zu vergessen. Aus dem Perfomer herauszutreten.

“Nehmen wir mich und Liza. Ich würde sagen, sie ist eine sehr gute Freundin, aber eine Show-Bizz Freundin. Wir sitzen zusammen, und sprechen über diesen Film, und sie erzählt mir alles über Judy Garland. Und dann sagt sie: Zeig mir, was du bei den Proben gemacht hast.” Er deutet einen Tanzschritt an. “Und ich sage: zeig mir, was du gemacht hast. Es geht alles um die Performance des anderen.”

Michael findet das nicht seltsam, oder inakzeptabel. Es ist dann, wenn die Berühmtheit jede Geste zu einer Performance werden lässt, dass er Schutz sucht. Einige Stars entscheiden einfach, bestimmte Dinge zu tun, egal wie. Diana Ross marschierte tapfer mit ihren 3 Töchtern in ein Schuhgeschäft in Manhattan und lies sie Sport-Schuhe anprobieren, trotz der 200 Leute, die am Gehweg versammelt waren. Michael, der schon immer wie in einer Luftblase lebte, würde das unerträglich finden. Er geht nur in ein einziges Restaurant in LA, ein Restaurant mit gesundem Essen, indem der Besitzer ihn kennt. Was das Einkaufen betrifft, vermeidet Michael es, indem er eine Hilfe hat, die für ihn die Kleidung auswählt. “Du hast in einem Shop nicht deine Ruhe. Wenn sie deinen Namen nicht kennen, dann kennen sie deine Stimme, Und du kannst dich nicht verstecken.”

Er würde nie sagen, dass Liebe “stinkt”. Aber manchmal tut sie weh.

“Gemoppt werden tut weh. Du fühlst dich wie Spaghetti zwischen Tausenden von Händen. Sie reißen an dir und ziehen an deinen Haaren. Und es fühlt sich an, als könntest du jeden Augenblick einfach zerbrechen.”

Deshalb muss Michael verschleiert und geheim reisen wie die wertvolle Tochter eines Paschas. Jeder Tourismus findet im Schatten statt, hinter getönten Limousinen Fenstern und unter der Aufsicht eines düsteren Bodyguards. Sogar in seinem Hotelzimmer hört er noch die Frauen kreischen und vorbeihuschen, wie Mäuse in der Wand.

“Die Mädchen in der Lobby kommen die Treppe hinauf. Du hörst, wie die Wachen sie aus den Liften holen. Aber du bleibst in deinem Zimmer und schreibst einen Song. Und wenn du das satt hast, redest du mit dir selbst. Auf der Bühne dann, lässt du alles raus. So fühlt es sich an.”

Keine Frage – das ist nicht normal. Aber diese Schaufenster Puppen? Ist es nicht auch verrückt, nachts aufzuwachen unter all diesen Polyester Grinsen?

“Oh, ich werde ihnen Namen geben. So wie den Statuen, die du dort unten siehst.” Er deutet zu der Gruppe im Wohnzimmer. “Sie haben Namen. Es fühlt sich an, als würde ich sie kennen. Ich gehe zu ihnen und spreche mit ihnen.”

Ein rastloser Rhythmus erklingt durch seinen Fuß, und der Zeitungsausschnitt ist längst zerstört. Michael entschuldigt sich und erklärt, dass er nicht so lange still sitzen kann. Aus einem Impuls heraus beschließt er, mit uns zu dem im Umbau befindlichen Haus zu fahren. Obwohl seine Eltern ihn vor zwei Jahren dazu drängten, es zu lernen, fährt Michael nur selten. Wenn er es tut, vermeidet er es, den Freeway zu benutzen und nimmt dafür lange Umwege in Kauf. Er hat kennt nur die Strecken zu ein paar wenigen, sicheren Zonen, den Häusern seiner Brüder, dem Restaurant mit dem gesunden Essen und der Kingdom Hall.

Zuerst muss noch Muscles weggeräumt werden. “Er ist wirklich süß” sagt Michael und wickelt die Schlange von dem Geländer ab. “Ich hätte gerne, wenn du ihn einmal umhängst, bevor wir gehen.”

Das war nicht als Scherz gemeint, und Michael wollte das Vorhaben nicht erzwingen. Aber Angst vor Interviews kann genauso tief sitzen wie Angst vor Schlangen und bei der Einwilligung zum Gespräch wurde Michael das Gleiche erzählt, was er nun zu mir sagt: Vertrau mir. Es wird dich nicht verletzen.

Wir schließen einen Kompromiss. Muscles spaziert über mein Handgelenk. Seine Zunge ist trocken, Es kitzelt. Nach dem ersten Schrecken könnten es auch Katzen Schnurrhaare sein.

“Du glaubst jetzt doch wirklich, durch die Kraft der Einsicht, dass dieses Tier dich nicht verletzen wird, richtig?” sagt Michael “Aber es gibt diese Angst, die in der Welt fest integriert ist, durch das, was die Leute sagen, die dich davor zurück schrecken lässt.“

Nachdem sie höflich ihre Aufgabe erledigt haben, verschwinden Michael und Muscles nach oben.

Hi, Michael.”

Ein paar solcher mädchenhaften Nachrichten sind in die Farbe eines Security-Schilds eingeritzt, am eisernen Tor der Autoauffahrt zu seinem Haus. Es gibt einen Zaun, Hunde und Wachen, aber die Mädchen lungern trotzdem draußen in Autos und in den Büschen herum.

Als Michael uns durch das zweistöckige Tudor-Haus führt, wird klar, dass sein Schlafzimmer dort im Vergleich zu den Zimmern, die er zu seinem Vergnügen und denen, die er für seine Schwestern Janet und LaToya entworfen hat, die über jedes Detail gegrübelt hatten, regelrecht spartanisch ausfällt. “Mädchen sind pingelig”, erklärt er, während er über eine Säge in seinem Schlafzimmer steigt, “mir war es nicht so wichtig, ich wollte ein Zimmer zum Tanzen und wo ich meine Bücher aufbewahren kann.”

Die Zimmer, die Michael am genauesten inspiziert, sind diejenigen, die für die Freizeitgestaltung gedacht sind. “Ich bringe alles Zeug dort drinnen unter, dann muss ich nie wieder da raus”, sagt er. Das “Zeug” umfasst einen Filmvorführraum mit zwei professionellen Projektoren und gigantischem Lautsprecher. Dann gibt es noch einen Übungsraum, einen für Videospiele und einen mit einem gigantischen Video System. Zusätzlich gibt es hinter dem Hof noch einen großen Raum, der als Pirate-Room bezeichnet wird. Er wird weniger dekoriert und stattdessen mehr bevölkert werden. Mit Dummies. Aber diese Anordnung wird sprechen und antworten. Michael hat einen Disney-Techniker zu Rate gezogen, genau den Mann, der die Audio Technik für die Figuren im Disney Pirate of The Carribbean Land geschaffen hat. Wenn alles gut geht, wird er einige mürrische, Säbel schwingende Seeräuber, Weiber und “sea dogs” dort installieren. “Es wird kein Karussell geben, aber es wird Piratengeschrei, Kanonen und Gewehre geben.” sagt er. “Sie werden sich gegenseitig anschreien, und ich habe die Beleuchtung, die Sounds und das alles.”

Pirates ist eines seiner Lieblings Karussells im Magic Kingdom. Und Disneyland ist einer der wenigen öffentlichen Orte, von denen er sich nicht fernhalten kann. Manchmal geht Michael in eine der Zauberläden, und kauft eine dieser Groucho Masken – Brillenattrappen mit einer Nase daran. Aber es ist besser, wenn die Angestellten ihn durch Hintereingänge und Tunnels führen. Es ist mörderisch, den Hof von Dornröschens Schloss tagsüber zu durchqueren. “Ich habe es letzte Nacht versucht, aber es war geschlossen,” sagt er ungläubig, “und Knott Berrys Farm ebenso.”

Wenn du im Vergnügungspark lebst, musst du dich normalerweise nicht über solche Dinge ärgern. Michael hat es selbst gesungen:

Life ain’t so bad at all, if you live it off the wall. (Das Leben ist nicht so schlecht, wenn du unorthodox/verrückt lebst)

Photo of Michael JACKSON and Paul McCARTNEY...UNSPECIFIED - JANUARY 01:  Photo of Michael JACKSON and Paul McCARTNEY; Paul McCartney and Michael Jackson 'The Girl is Mine' cover,  (Photo by Echoes/Redferns)

Michael mit Paul McCartney

Zurück in seinem Appartement, erfährt Michael, dass eine Test Pressung von „The Girl Is Mine“ eingetroffen ist. Das ist sein Geschäft. Er muss sie überprüfen, bevor sie veröffentlicht wird, erklärt er, als er zur Stereo Anlage im Arbeitszimmer geht. Bevor die Platte zu ende ist, drückt er auf die Tasten des Telefons. Zwischen den Anrufen zur Buchhaltung und Managern, sagt er, dass er all seine Entscheidungen selbst trifft, bis hin zum letzten Paillette der Bühnen Kostüme – die einzigen Kleidungsstücke, auf die er achtet. Er sagt, er könne gnadenlose Fragen stellen, wenn es darum geht, Management, Konzert Veranstalter und Musiker auszuwählen. Er verlangt von ihnen eine Performance mit der Genauigkeit eines investigativen Reporters, befragt seine Brüder, befreundete Künstler und sogar Reporter nach ihren Beobachtungen. Obwohl er wirklich glaubt, sein Talent komme von Gott, weiß er trotzdem um seinen Wert auf dem Markt. Er ist niemals aufdringlich oder anmaßend, aber er schätzt Respekt. Frage ihn z.B. nicht danach, wie lange er mit einer bestimmten Firma im Show Geschäft zusammen gearbeitet hat. “Fragt mich, wie lang sie mit mir gearbeitet haben.” verbessert er.

Diejenigen, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, lassen keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten. Auch die nicht, für die er ein Kinderstar war. “Er hat alles unter Kontrolle”, sagt Spielberg, “manchmal kommt es den Leuten so vor, als ob er im “Dunkeln tappt” (nicht ganz sicher ist), aber es steht eine sehr bewusste Voraussicht hinter allem was er tut. Er geht mit seiner Karriere und den Entscheidungen, die er trifft, sehr clever um. Ich denke, er ist wirklich ein Mann mit zwei Persönlichkeiten.”

Als Michael nach einem Produzenten für sein Solo Album suchte, war Quincy Jones froh, von ihm zu hören. Jones wusste, dass Michael eine Klasse für sich ist. Verschiedene Dinge zeigten ihm das, sagt er. Als erstes war da der Academy Award, bei dem Jones dem 12- Jährigen Michael zusah, wie er selbstsicher ein Liebeslied an eine Ratte darbot (Ben).

Jahre danach, als Jones mit ihm bei The Wiz zusammenarbeitete, sagt Jones: “Ich sah eine andere Seite von ihm als ich ihn als Schauspieler beobachtete. Ich erkannte an ihm als Sänger viele Dinge, die die “Glocken klingen ließen”. Ich erkannte eine Tiefe, die nie offensichtlich war und Hingabe. Ich sah, dass Michael erwachsen wurde.”

Im Studio sah Jones, dass seine Professionalität gereift war. In der Tat war Michaels Nase für bestimmte Dinge so gut, dass Jones ihn “Smelly” nannte. So sind die auffälligsten Lieder von Off The Wall auch die von Jackson geschriebenen Dance Songs. “Working Day And Night“ mit der flinken Punktion kann nur von einem Tänzer geschrieben worden sein. “Don’t Stop ‘Til You Get Enough”, die größte Hit Single des Albums, popt daher mit dem gleichen ansprechenden Wechselspiel zwischen Zurückhaltung und Hingabe. Der Song beginnt mit Michaels murmelndem Sprechgesang, über einem straffen Bass:

You know, I was wonderin’… you know the force, it’s got a lot of power, make me feel like a… make me feel like….” (“Weißt du, ich frage mich….du weißt, die Macht, sie hat viel Energie, sie lässt mich fühlen wie…mich fühlen wie…”)

Ooooooh.... ein Hasenfuß wird zum Disco Monster, mit sich aufbauenden Saiteninstrumenten und einem sexy, erlösendem Schrei. Die Intro besteht aus 10 Sekunden perfekter Pop Spannung. Dance Boogie ist die willkommene Erleichterung. Das Arrangement – hohe Saiteninstrumente und Vocals über einem schlagenden Rhythmus – ist Michaels Signatur. Smelly, der Geist des Funk.

michael-jackson_39603_top

Es funktioniert. Ein Geschöpf wie Michael ist das perfekte Pop-Hybrid für die 80er. Die Fan Magazine werden nicht von anzüglichen Lyrics und Brustbehaarung verschreckt. Aber die über 17-Jährige städtische Tanzgemeinde kann trotzdem zu den aalglatten Tracks tanzen. Das Thriller-Album ist elektrisierend genug um Afrikanische Rhythmen und ein paar machomäßige Rock-Riffs von Eddie van Halen zu beinhalten. In den Marketing Abteilungen wird es jetzt Pop-Soul genannt. Michael sagt, er achtet nicht darauf, wie man es nennen will. Aber wie es alles zustande kam, ist immer noch ein Mysterium für ihn, so wie auch der gesamte kreative Prozess.

Er sagt: “Ich erwache aus Träumen und dann “Wow… das muss ich zu Papier bringen. Das ist alles seltsam. Du hörst die Worte, alles ist genau vor deiner Nase. Und du sagst zu dir selbst “Sorry”, ich habe das nicht geschrieben. Es ist alles schon da.” Deshalb mag ich nicht die “Kredits” der Songs annehmen, die ich geschrieben habe. Ich fühle es so, dass es irgendwo, an irgendeinem Ort getan wurde und dass ich nur ein Überbringer bin, der es hinaus in die Welt bringt. Das glaube ich wirklich. Ich liebe, was ich tue. Ich bin glücklich über das, was ich tue. Es ist Eskapismus.”

Wieder dieses Wort. Aber Michael hat Recht. Es gibt keine bessere Definition für guten, wohlmeinenden amerikanischen Pop. Keiner versteht das besser als Diana Ross. Ihr nahes Verhältnis zu Michael begann als sie die Jacksons traf.

“Nein, ich habe sie nicht entdeckt.” widerspricht sie dem Mythos. Der Chef von Motown, Berry Gordy hatte sie schon gefunden, sie hat sie einfach nur bei ihrem TV Special, 1971, vorgestellt. “Da gab es eine Identifikation zwischen Michael und mir. Ich war älter, und er himmelte mich an, und er wollte so singen wie ich.” sagt sie.

Sie freute sich zu beobachten, dass Michael sich zu einer eigenen Persönlichkeit entwickelte. Aber sie wünscht sich trotzdem, er würde noch etwas mehr aus sich herauskommen. Sie sagt, sie musste dahinter sein, dass er bei seiner Rolle als Produzent von “Muscles” bleibt. Er wollte, dass sie es gemeinsam produzieren. Die bestand darauf, dass er es alleine tun solle.

Stars of the

Michael und Diana

“Er verbringt viel Zeit alleine, zuviel Zeit. Ich versuche, ihn raus zu locken. Ich mietete ein Boot und nahm meine Kinder und Michael auf eine Fahrt mit. Michael hat viele Leute um sich herum, aber er ist sehr ängstlich. Ich weiß nicht warum. Ich denke, es kommt von seinen früheren (vergangenen) Jahren.”

Michaels Freunde aus dem Show Geschäft, viele davon Frauen die man nicht gerade als mütterlich bezeichnen würde, tun viel dafür ihn raus in die Welt zu bringen, und dafür, dass er sich wohl fühlt. Wenn er in Manhattan ist, drängt Ross ihn dazu, in die Theater und in die Clubs zu gehen, und gleicht das mit ruhigen Wochenenden in ihren Haus in Conneticut aus. Mit Briefen und Telefonaten hat Katherine Hepburn ihn in seiner Schauspielerei ermuntert.

Michael hat viel von diesen Ratschlägen in Notizbüchern und auf Band aufgezeichnet. Der Besuch bei Jane Fonda am Set von “On Golden Pond”, die er seit einer Hollywood Party vor ein paar Jahren kennt, stellte sich als ein intensiver Crash Kurs heraus. In einer spiegelbildlichen Szene zu der mit seinem Stiefenkel im Film, nahm Henry Fonda den Rock-Star Freund seiner Tochter mit an einen See und brachte ihm das Angeln bei. Sie saßen dort 4 Stunden lang und redeten Anglerlatein und über das Theater. Als Fonda starb, verbrachte Michael den Abend mit Fondas Witwe Shirlee und seinen Kindern Jane und Peter. Er sagt, sie saßen zusammen, lachten und weinten und sahen sich die Reportagen in den Nachrichten an. Die Ungezwungenheit mit Michael war der Familie willkommen und überraschte Jane Fonda nicht. Michael und ihr Vater passten von Natur aus zusammen, sagt sie, weil sie sich so ähnlich seien.

Sie sagt: “Dad war so furchtbar befangen und schüchtern im Leben, und er fühlte sich wirklich nur wohl, wenn er hinter einer Maske war oder eine Rolle spielte. Er konnte sich befreien, wenn er jemand anders verkörperte. Das ist bei Michael sehr ähnlich. Michael erinnert mich sehr an die “walking wounded”. Er ist eine sehr zerbrechliche Person. Ich denke, allein das Leben an sich, mit Leuten in Kontakt zu kommen, ist schon schwer genug, geschweige denn, sich noch darum zu kümmern, wohin sich die Welt entwickelt. “Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich zusammen mit ihm Auto fuhr und ich sagte: “Michael, ich wünschte, ich könnte einen Film finden, den ich für dich produzieren könnte.” Und dann fiel es mir plötzlich ein. “Es ist Peter Pan!” Tränen stiegen in seine Augen und er sagte: “Warum sagst du das?” Ich sagte: “Mir ist klar geworden, du BIST Peter Pan.” Und er begann zu weinen und sagte: “Du weißt, dass überall an meinen Wänden Bilder von Peter Pan hängen. Ich habe alles gelesen, was Barrie geschrieben hat. Ich identifiziere mich völlig mit Peter Pan, dem verlorenen Jungen von Never-Neverland.”

Als sie hörte, dass Francis Coppola vielleicht einen Film daraus macht, schrieb Fonda ihm, dass er unbedingt mit Michael Jackson sprechen müsse. “Oh, ich kann ihn schon sehen, wie er die verlorenen Kinder in eine Welt aus Fantasie und Magie führt.” sagt sie.

In dem Buch findet man diese Fantasie-Welt “neben dem zweiten Stern rechts, dann geradeaus bis zum Morgen” – auch keine seltsamere Route, wie Michaels eigener Weg von Indiana. “Von Gary”, sagt sie, “gerade aus nach Barrie.”

“All Children, Except one, grow up.” (Alle Kinder, bis auf eines, wurden erwachsen.)

Das ist die erste Zeile von Michaels Lieblingsbuch, und wenn du Katherine Jackson fragst, ob sie darin Ähnlichkeiten zu ihren eigenen Neunen erkennt, wird sie lachen und antworten, Oh ja, ihr fünfter Sohn ist dieses eine.

Fünf Kinder — Maureen, Tito, Jackie, Jermaine und Marlon — sind verheiratet und haben Familien. LaToya ist eine sehr unabhängige junge Frau. Mit 13 spielte Janet eine selbst beherrschte “Getto-Knalltüte” in der Sitcom “Good Times”. Jetzt hat sie eine eigene Hit Single. “Young Love”, und spielt in der Sitcom “Diff’rent Strokes” mit. Der jüngste Bruder Randy lebt mit 20 Jahren auch alleine. Michael ist sich sicher, dass er gestorben wäre, wenn er das probiert hätte.

“LaToya sagte mir einmal, sie denke ich hätte sie alle überbehütet. Aber unter den gegebenen Umständen denke ich, das es nicht so war.” sagt Mrs. Jackson.

Die Hochzeit brachte sie von Ost-Indiana, in der Nähe von Chicago, in die spröde Industriestadt Gary. Eine wachsende Familie zwang Joe die Falcons aufzulösen, eine R&B Band, die er mit seinen zwei Brüdern gegründet hatte. Sie kamen damit nur bis in die umliegenden Clubs, wo sie Coverversionen von Chuck Berry und Fats Domino spielten. Die Gitarre kam in den Schrank und Jackson ging in das Stahlwerk als Kranführer. Das Familiennbudget lies nicht viel für Spielereien übrig, aber es gab ein altes Saxofon, ein Tamburin, ein paar Bongos und ein Gemisch von Songs aus Kathrines Kindheit. Sie erinnert sich, was sie ihren Kindern beibrachte: “Es waren die einfachen Dinge, wie Cotton Fields und You Are My Sunshine.”

Das Gefühl für Harmonien wuchs mit der Familie. Jackie, Jermaine und Tito begannen, zusammen zu singen, mit Tito an der Gitarre und Jermaine am Bass. Dann kam Marlon dazu. “Baby” Michael, der es liebte auf die Bongos zu schlagen, überraschte seine Mutter eines Tages, als sie hörte, wie er mit seiner Kleinkinderstimme Jermaines Leadstimme imitierte. “Ich glaube, wir haben noch einen Leadsänger,”sagte sie ihrem Mann und die Brüder stimmten dem zu.

“Er war so energetisch, dass er mit seinen fünf Jahren wie ein Anführer war.” sagt Jackie, mit 31 der älteste der Brüder. “Wir erkannten das. Deshalb sagten wir:” Hey Michael, du wirst der Leadsänger”. Dem Publikum gefiel das. Er machte zu der Zeit diese James Brown Sachen, weißt du. Die schnelle Auffassung war es. Er sah jemanden etwas tun, und er konnte es sofort.”

Seine Mutter sagt: “Irgendwie war es beängstigend, er war so jung. Er ging nicht viel nach draußen um zu spielen. Wenn ich ihnen die Wahrheit sagen soll, ich weiß nicht woher er das hat. Er WUSSTE es einfach.”

Im Alter von 7 Jahren, war Michael ein “Monster-Tänzer”, er arbeite die Choreografien für die ganze Band aus. Örtliche Gigs eröffneten Wege zu größeren Hallen in anderen, weiter entfernten Städten. Joe Jackson verbrachte die Wochenenden und Abende als Chauffeur, Roadmanager Agent und Coach. Er brachte Mike bei, wie man auf der Bühne “arbeitet” und mit dem Mikro umgeht. Michael erinnert sich nicht daran, dass sein Vater es zum Vergnügen werden lies, die Jungs wussten immer, dass es Arbeit war. Die Regeln waren streng. Das Niveau musste beibehalten werden, auch bei 5 Shows in einer Nacht. Oder der Schuldige würde zur Verantwortung gezogen werden. Als Motown anrief, brachte Joe die Jungs nach Detroit, und Katherine blieb mit den restlichen Kindern in Gary. Sie sagt, sie habe sich nie wirklich um ihre Kinder gesorgt, bis sie zu einer Show ging und die Schreie des Publikums hörte. “Jedes Mal, wenn ich zu einem Konzert ging, war ich beunruhigt, denn die Mädchen kamen manchmal bis auf die Bühne, und ich sah, wie sie an Michael zerrten. Er war so klein, und sie waren so groß.”

Jackson2_1974_900

Es gab auch ein paar ernsthafte Zwischenfälle, einer war so bizarr, dass er ein junges Mädchen in die Psychiatrie brachte. Katherine machte es zu ihrer Aufgabe, mit einigen dieser wilden, hartnäckigen Mädchen zu sprechen. Was so verrückt daran ist, sagt sie, ist, dass sie es im Namen der Liebe tun. “Es sind so viele. Du weißt nicht, was sie wirklich denken. Das macht es schwer für meinen Sohn, eine Frau zu bekommen.”

Michael weiß, dass es eine unmöglich zu bewältigende Herausforderung ist. Er möchte später einmal Kinder haben, aber er sagt, er möchte sie adoptieren. Momentan braucht er nur einen seiner Brüder zu besuchen, und ist sofort von seinen Neffen umringt. Er sagt, er kommt mit Kindern besser aus, als mit Erwachsenen. “Sie tragen keine Masken.”

Kinder und Tiere finden ihren Weg zu dem ganz privaten Michael. Es ist das Showgeschäft, was sein Erwachsenwerden so öffentlich und kompliziert macht. Er hat mit Geduld und einer Portion Humor die Standart Gerüchte über Operationen zum Geschlechtswechsel und Vaterschaftsbeschuldigungen von Frauen, die er nie gesehen hat, ausgestanden. Aber es hat ihn deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Billie Jean vom Thriller-Album ist eine vehemente Leugnung einer Vaterschaft (The kid is not my son” “Das Kind ist nicht mein Sohn”) In Wahrheit gab es das nicht wirklich. Michael sagt, er habe es nicht eilig damit in irgendeine Liebesbeziehung verwickelt zu werden.

Er sagt: “Es ist wie mit dem, was ich dir über dass Finden von Freunden gesagt habe. Nur hierbei ist es noch schwerer. Bei so vielen Mädchen überall um mich herum, wie soll ich es je wissen können?”

Ich bin nur hier, um einen Freund zu besuchen”

Michael versucht freundlich, eine Frau zu umgehen, die mit dem neusten Video Equipment ausgerüstet ist. Sie versperrt den Gang zu den Umkleiden neben dem L.A. Forum.

“Kann ich meinen Zuschauern erzählen, dass Michael Jackson ein Queen Fan ist?”

“Ich bin Fan von Freddie Mercury,” sagt er, und schlüpft an ihr vor bei in einen langen Raum in dem die Bandmitglieder, deren Frauen, Freunde und Roadies von Queen versammelt sind. Ein korpulenter Mann mit dem Aussehen eines “Linebackers” schiebt Leadsänger Freddie Mercury durch einen Stretching Parcours, die seine Muskeln für die letzte Show der US Tour der Band stärken. Die Band ist fröhlich. Michael ist schüchtern und steht still an der Tür bis Freddie ihn sieht und zu ihm kommt um ihn zu umarmen.

Mj And Freddie

Freddie hat Michael eingeladen. Er hat die ganze Woche angerufen, hauptsächlich wegen ihrer möglichen Zusammenarbeit. Sie haben entschieden, es für das kommende Jackson-Album zu probieren. Obwohl sie ziemlich verschieden sind – Freddie feierte kürzlich seinen Geburtstag wobei er nackt von einem Kronleuchter hing – sind sie befreundet seit Michael den Aufnahmen von Queen zuhörte, die sie für ihr Album “The Game” gemacht hatten, und vorgeschlagen hatte, dass “Another One Bites The Dust” die Single daraus sein müsse.

“Jetzt hört er auf mich, stimmt’s Freddie?”

“Gebongt, kleiner Bruder”

Der “Linebacker” winkt. Freddie wedelt mit seiner Zigarette zu einer Platte mit Obst, Geflügel und Süßigkeiten. “Machs dir mit deinem Freund gemütlich.”

Unsere Eskorte, ein Holzhacker-Typ von Bodyguard, berät sich mit der Security über die Wahl der Sitzplätze. Es gab Mädchen, die vor seiner Wohnung lauerten, als Michael zu seiner Limo gesprintet war, Mädchen, die durch die getönten Scheiben guckten, als die Türen sich schlossen. Für Michaels Gast, der im Wagen wartete war das alles sehr seltsam. Er ist ein wirklicher Freund, einer der “Zivilisten”, so normal, dass er ungesehen an den Augen der Celebrity-Beobachter vorbeikommt. Er war noch nie bei einem Rockkonzert, er hat auch Michael noch nie performen gesehen. Er sagt, er hofft ihn einmal zu sehen, aber hauptsächlich hängen sie einfach nur zusammen herum. Manchmal kommt auch sein jüngerer Bruder noch dazu. Meistens reden sie einfach nur “über alles mögliche, ganz normal”, sagt der Freund. Für Michael ist das auch eine Art Magie.

Im Moment ist es allerdings Showbizz wie gewohnt. Klatschgeschichten, um es genau zu sagen. Michael befragt einen Tänzer über die kürzliche Krise eines gefallenen Superstars. Michael möchte wissen, was das Problem war. Der Tänzer deutet die Antwort an, indem er einen Finger unter seiner Nase entlang zieht. Michael nickt und übersetzt für seinen Freund: “Drogen, Kokain.”

Michael bestätigt, dass er versucht hinter solchen Tratsch zu sehen, und hört weiter zu, als der andere Berühmte über ihre dringend notwendige Möglichkeit zu Flucht redet. “Eskapismus”, sagt er, “das kann ich gut verstehen.”

Aber Abhängigkeit ist etwas anderes. “Ich möchte immer wissen, was dazu führt, dass ein guter Performer zerbricht. Ich versuche immer, es herauszufinden. Ich kann einfach nicht glauben, dass es immer das gleiche ist, was sie zu Fall bringt.” sagt er. Und seine eigenen Abhängigkeiten bisher? Die Bühne, Tanzen und Cartoons, sind soweit ungiftig.

Irgendetwas arbeitet jetzt in Michael, aber es ist nichts Chemisches. Er brummt wie eine Hummel, die in einem Marmeladeglas eingesperrt ist. Es ist der Raum, indem wir uns befinden, erklärt er. Hier hat er sooft zu seinen Vocals getanzt, ist ausgeflippt, hat sich aufgeladen, und gezittert wie ein Rennpferd wenn er sich in sein pailettenbesetzes Kostüm gezwängt hat.

“Ich halte das nicht aus. Ich kann hier nicht still sitzen”

Kurz bevor er zu seine eigenen Sicherheit festgehalten werden muss, stürmt Randy in den Raum, umarmt seinen Bruder und hilft ihm, mit einem kleinen Kämpfchen etwas der Energie aufzulösen. Das ist nicht mehr derselbe, der sich versuchte, hinter einer Tüte Kartoffelchips zu verstecken.

Michael kappelt sich jetzt mit dem Bodyguard, und fragt jede Minute nach der Zeit, bis der Mann ihm erlösend auf seine Schulter klopft und sagt “Los gehts”.

Queen auf dem Weg zur Bühne – gefolgt von Michael

Mercury und seine Band sind schon auf ihrem Weg den Flur entlang, und bevor jemand ihn aufhalten kann, ist Michael in ihrem Sog, treibt auf dem leisen Brüllen des Publikums draußen mit, versucht einen Blick auf Freddie zu bekommen, der seine Faust reckt und dabei ist, die Stufen zur Bühne zu nehmen.

“Oooh, Freddie ist geladen. Ich beneide ihn jetzt. Du ahnst nicht wie sehr.” sagt Michael.

Der letzte der Band geht die Stufen zur Bühne hoch und der schwarze Vorhang schließt sich. Michael dreht sich um und lässt sich in das Dunkel der Arena führen.

rsxfhmoznc75q

Übersetzung: M.v.d.Linden

Evan Chandlers “Verdächtigungen”

by

English: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/evan-chandlers-suspicions/

Die Unterstellung, dass Michael Jackson Jordan Chandler sexuell belästigt habe, stammt nicht von dem Jungen selbst. Im Artikel Wie kamen die Unterstellungen der Chandlers zum Vorschein? wird beschrieben, wie ihn sein Vater Evan Chandler unter Druck setzte und erpresste, damit er dessen vorgefasste, fixe Idee, es würde etwas sexuelles zwischen Jordan und dem Entertainer vor sich gehen, bestätigt.

Worauf basieren Evan Chandlers „Verdächtigungen“? Laut der Version der Story, die von seinem Bruder Ray Chandler im Buch All That Glitters dargelegt wurden, basieren die Verdächtigungen auf vagen Gefühlen und sonderbaren Interpretationen bestimmter Ereignisse.

In dem Buch wird Evan Chandler davon distanziert, der Urheber der „Verdächtigungen“ zu sein. Es wird behauptet, dass seine Ex-Frau June Chandler und ihr damaliger Ehemann David Schwartz vor ihm Bedenken hatten, nur um diese später zu „vergessen“, als sie von Jacksons Ruhm, Einfluss und Geld geblendet wurden.

Laut dem Buch hatte June Chandler im Februar 1993 erstmals Bedenken, als sie gemeinsam mit ihren Kindern, Jackson und einem weiteren Jungen, der in Jordans Alter war, in einer Limousine nach Neverland fuhren und dieser Junge angeblich am Schoß des Entertainers saß, während er am Beifahrersitz saß. In Ray Chandlers Buch wird behauptet, dass der Entertainer den Jungen am Ohr und auf der Wange“ [1; Seite 16] mit „sanften, innigen Küssen“ [1; Seite 16] streichelte und küsste. Obwohl Ray Chandler den Namen des Jungen in seinem Buch nicht nannte, wissen wir, dass es Brett Barnes war, der mit ihnen auf dieser Fahrt dabei war.

June Chandler wurde 2005 während Jacksons Prozess von der Staatsanwaltschaft über diese Fahrt befragt, aber sie erwähnte keine „sanften, innigen Küsse“ und sie beschrieb die Szene nicht als beunruhigenden Anblick. Sie beschrieb außerdem, dass Brett Barnes neben Jackson saß, nicht auf seinem Schoß [2].

Brett Barnes wurde 1993 als Kind mehrmals von der Polizei befragt. Als Erwachsener kündigte er 2005 seinen Job in Australien, um in die USA zu reisen und im Jackson-Prozess zugunsten des Sängers auszusagen. Er bestritt kategorisch, jemals von Jackson sexuell belästigt oder unangemessen berührt worden zu sein. Er sagte, er war „sehr wütend“ [3] über die Behauptung, dass Jackson ihn belästigt oder unangemessen berührt habe. Er bezeichnete Jackson im Zeugenstand als guten Menschen und Freund der Familie, mit dem er auch als Erwachsener noch Kontakt hat. „Er ist ein Teil der Familie. Hatten immer nur herzliche Gespräche, schwelgten in Erinnerungen an alte Zeiten.“ [3] Brett Barnes’ Mutter und Schwester sagten während des Prozesses ebenfalls zugunsten Jacksons aus.

Das nächste Ereignis, das Ray Chandler als Anlass zur Besorgnis für June anführt, ist der Aufenthalt im Mirage Hotel während eines Trips nach Las Vegas im März 1993, zu dem sie und ihre Kinder Jackson begleiteten. Laut June Chandlers Aussage 2005 besuchten Jackson und Jordan eines Nachts eine Cirque du Soleil Vorstellung und als sie zurückkamen, bestand Jackson darauf, dass Jordan in seinem Zimmer schläft. Laut June Chandler beharrte Jackson „schluchzend, weinend, zitternd, bebend“ [2] darauf, als sie erst ablehnte – worauf June nachgab und Jordan zum ersten Mal in Jacksons Zimmer schlafen ließ.

Jordans eigene Version dieser Story widerspricht allerdings der Aussage seiner Mutter 2005. In einem Gespräch, das der Psychiater Dr. Richard Gardner am 6. Oktober 1993 mit Jordan führte, erzählte der Junge, dass sie in dieser Nacht den Horrorfilm The Exorcist sahen und Jackson anbot, Jordan in seinem Zimmer schlafen zu lassen, weil der Junge sich fürchtete. Laut Jordans Version erzählte er seiner Mutter nach dieser Nacht, dass er in Jacksons Zimmer geschlafen hat und die angebliche Auseinandersetzung zwischen June und Jackson fand in Folge darauf statt – also rückblickend darauf, dass Jordan die Nacht in Jacksons Zimmer verbrachte und nicht davor. [4]

Von June Chandlers Kreuzverhör durch Jacksons Anwalt Thomas Mesereau lernen wir, dass sich die Unterhaltung mit Jackson um Vertrauen drehte und es stellt sich heraus, dass Jackson weinte, weil er das Gefühl hatte, June traue ihm nicht. June räumte auch ein, dass es Jordan war, der in Jacksons Zimmer bleiben wollte. [2] Jedenfalls gab es keine Behauptung über körperlichen Kontakt zwischen Jordan und Jackson auf diesem Trip.

In Ray Chandlers Buch wird behauptet, dass June Evan nichts von dem angeblichen „Limousinenvorfall“ mit Brett Barnes erzählte und später nur sehr wenig” über den angeblichen „Vorfall“ in Las Vegas [1, Seite 18], also können diese angeblichen Geschehnisse nicht als Basis für Evans Verdächtigungen dienen. (Laut All That Glitters wies June Chandler anfänglich Evans Gedanken ab, dass Jackson Jordan belästigte.)

In All That Glitters wird zugegeben, dass Evan eifersüchtig auf Jackson war, auf die Freundschaft zwischen Jackson und seinem Sohn und auf die Tatsache, dass der Junge es vorzog, seine Freizeit mit dem Entertainer zu verbringen, statt ihn zu besuchen. In dem Buch wird dargelegt, dass Evan hoffte, dies würde aufhören, wenn Jackson im August 1993 auf Tour geht. Allerdings lud Jackson June und die Kinder später dazu ein, mit ihm zu kommen.

*****

Übrigens war es absolut nicht einzigartig, dass Jackson mit der Chandler-Familie Zeit verbrachte und Jordan Chandler war entgegen manchen Darstellungen von Medien oder Evan und Ray Chandler kein außergewöhnlicher Einzelfall in seinem Leben. Tatsächlich erfahren wir aus einem Buch, das 2011 von Frank Cascio, einem Freund Jacksons, geschrieben wurde, dass sich Jackson neben Jordan und den Chandlers oft auch mit anderen Familien umgab, einschließlich der Cascios – die er ebenfalls auf die Tour einlud.

Hier einige Auszüge aus Cascios Buch:

„Ich ging hinauf und schüttelte Jordys Hand; er schien ein nettes Kind zu sein. Das war nicht das erste Mal, dass ich durch Michael ein anderes Kind traf. Jordys Familie war – wie meine eigene – eine von vielen befreundeten Familien Michaels, obwohl die Cascios die einzigen waren, die er seine „zweite Familie“ nannte. Wir Cascios sind selbst eine große Familie und wir waren mehr als glücklich darüber, Michaels Freunde einzubeziehen. Da war immer Raum für mehr. Auf mich wirkten Jordy und seine Familie sympathisch und durchschnittlich.“ [9]

[…]

„Als ich den Ausdruck im Gesicht [meiner Mutter] sah, verstand ich, dass mein Freund beschuldigt wurde, Jordy etwas Falsches angetan zu haben. Ich war mehr als schockiert: Allein der Gedanke daran ergab für mich überhaupt keinen Sinn. Ich verbrachte viel Zeit mit Jordy und Michael und während meiner Besuche auf Neverland war Jordy nicht einmal mit uns in Michaels Zimmer. Nicht ein einziges Mal. Ich habe niemals gesehen, das etwas unangemessenes passiert ist und ich glaube nicht, dass irgendetwas passiert ist, nicht eine einzige Sekunde lang. Darüber hinaus verhielt sich Michael Eddie oder mir gegenüber niemals auch nur annähernd „unangemessen“. Diese Story war völlig unvorstellbar, ich kann mir Michael einfach nicht als jemanden vorstellen, der andere belästigt.“ [9]

„Als sich diese bestürzenden Nachrichten vergegenwärtigten, erinnerte ich mich an etwas, das Jordy während unserem gemeinsamen Trip nach Disneyland und später auf der Ranch über seinen Vater sagte. Jordy war ein zugängliches, ehrliches Kind und ich hatte nicht das Gefühl, dass er etwas verbarg. In der Nacht, in der wir zu Toys“R“Us fuhren, erzählte er mir, dass sein Vater, ein Zahnarzt und aufstrebender Drehbuchautor namens Evan, extrem eifersüchtig auf Michael war. Er erzählte von sich aus, dass sein Vater dachte, es sei merkwürdig, dass Michael mit Jordy und dem Rest der Familie so eng war und dass die Beziehung für die Chandler Familie zum Problem wurde. Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich daran, dass Jordy sagte, Evan hätte einen fürchterlichen Charakter, dass er schreie und im Haus mit Sachen um sich schmeiße, wenn er verärgert war. Rückblickend ist es nicht schwer zu erkennen, dass Michael eine Vaterfigur für Jordy war, dass Jordys Mutter Michael zugetan war und dass dies höchstwahrscheinlich eine problematische Dynamik in die Familie brachte. Aber damals dachte ich nicht in diesen größeren Zusammenhängen. Alles, was ich wusste, war, dass ich überzeugt war, dass Michael fälschlicherweise beschuldigt wurde – ob von Jordy oder seinem Vater spielte keine Rolle.“ [9]

Cascio schildert weiters, dass seine Familie und die Chandlers, inklusive Jordans Mutter, oft gemeinsam Ausflüge nach Disneyland und zu anderen Orten machten. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, da einige der Boulevardmedien – und Evan Chandler selbst – manchmal versuchten, Jordan als jemand sehr besonderes in Michael Jacksons Leben darzustellen (mit einem eindeutigen Unterton), aber diese Darstellung ist falsch.

11541258_1003346826364714_494454963_n

Brett Barnes mit Michael Jackson

Es muss ebenfalls beachtet werden, dass Jacksons immense Großzügigkeit schier allen gegenüber – Jungs, Mädchen, Kindern, Erwachsenen – ausführlich belegt ist. Wieder ist es wichtig, darauf hinzuweisen, weil seine Großzügigkeit von seinen Anklägern und der Staatsanwaltschaft damals gegen ihn verwendet wurde, dargestellt als eine Art „Vorbereitung junger Burschen“. In Wahrheit machte Jackson jedem Geschenke, der danach fragte oder nicht einmal danach fragte [Beispiele dafür sind unter der Fußnote 10 angeführt].

*****

In All That Glitters wird behauptet, dass Evan Michael Jackson zum ersten Mal am 20. Mai 1993 persönlich in Junes Haus traf. Es wird berichtet, dass Evan von der riesigen Menge an Geschenken überrascht war, die er in Jordans Zimmer sah, welche alle von dem Entertainer für den Jungen gekauft wurden. Weiters wird im Buch behauptet, dass ihn die Spielsachen, die er für Jordans Alter „unangemessen“ erachtete, „verwirrten“. Es waren Plastiksoldaten und andere Spielsachen, die laut Evan für jüngere Kinder geeignet waren.

„Mein Gott, Jord“, sagte Evan „nicht einmal Cody [Jordans kleiner Bruder] spielt mehr mit diesem Zeug. Was machst Du damit?“ [1, Seite 25]

Es wird erzählt, dass dies der Moment war, in dem Evans lebenslanges Vertrauen in seine Exfrau zerfiel und er begann, ihre Motive bezüglich des Sohnes zu bezweifeln:

„Was ich in Jordies Zimmer gesehen habe, hat mich nicht nur beunruhigt, weil es so unpassend für sein Alter und seine Persönlichkeit war, sondern auch, weil ich instinktiv gewusst habe, dass June wissen musste, dass es unpassend war und sie es somit stillschweigend geduldet hat. Es war das erste Mal, dass ich ihre Motive bezüglich unseres Sohnes anzweifeln musste.“ [1, Seite 27]

Warum Spielsachen für jüngere Kinder ein Zeichen für Hintergedanken von June oder Jackson sind, wird nie erklärt.

Am 21. Mai lud Jackson Evan und die Kinder in seine Eigentumswohnung in Century City ein. Laut All That Glitters fragte Evan Jackson schon einen Tag nach ihrem ersten Zusammentreffen aus heiterem Himmel heraus: „Vögelst Du meinen Sohn in den Arsch? [1, Seite 30] Jackson „kicherte“ angeblich „wie ein Schulmädchen“ und sagte, er verwende dieses Wort nie [1, Seite 30]. Bedenkt, dass dies ausschließlich Ray Chandlers Beschreibung ist und wir sagen nicht, dass dies wirklich so passierte (in Wirklichkeit gibt es in dem Buch viele Storys, Interpretationen und Behauptungen, die nachweislich falsch sind), aber dieses Buch ist die einzige detaillierte Quelle dafür, was die Behauptungen der Chandlers genau sind, also verwenden wir es als Quelle für deren Behauptungen. Das ist es also, was Ray Chandler in seinem Buch behauptet und selbst seine eigene Version der Story lässt einen verwirrt zurück. Was veranlasste Evan dazu, solch eine Frage in solch einer ordinären Art und Weise zu stellen – nur einen Tag nachdem er Jackson zum ersten Mal traf? Welche Art vorgefasste Anschauungen hatte er bereits?

Laut All That Glitters verbrachte Jackson das Wochenende von 22. bis 23. Mai in Evans Haus, wo Jackson Evan angeblich sagte, dass er June nicht mag und mit Jordan und Evan in Evans Haus leben wollte. Laut Ray Chandler sagte Evan zu Jackson, dass sie dem Haus ein weiteres Zimmer anbauen müssten und Jackson sagte, er würde sich darum kümmern und bot an, dafür zu zahlen. Evans Frau „Monique“ war über diese Idee jedoch nicht glücklich und so kam es nie zustande. Zumindest ist das Ray Chandlers Version der Ereignisse.

In Mary A. Fischers Artikel für das GQ Magazin aus dem Jahr 1994 wird die Szene andersherum erzählt. Laut Fischer war es Chandler, der den Vorschlag machte, dass Jackson bei ihnen einziehen und entweder für einen Zubau zahlen oder Evan ein neues Haus bauen lassen soll:

„Laut mehrerer Quellen schlug Chandler sogar vor, dass Jackson einen Zubau an dem Haus vornehmen lassen soll, damit der Sänger dort bleiben konnte. Die Bauaufsichtsbehörde lehnte dies ab und so machte Chandler einen weiteren Vorschlag – dass Jackson ihm einfach ein neues Haus baut.“ [5]

Diese Version wird von June Chandlers Zeugenaussage im Jackson Prozess 2005 bestätigt, wo sie gefragt wurde, ob Evan wollte, dass Jackson einen Seitenflügel an sein Haus finanziert und sie antwortete „ja“:

F: Und erinnern sie sich daran, ob ihr Exmann wollte, dass Michael Jackson einen Seitenflügel an seinem Haus finanziert?“

A: Ja.

F: Und ihres Wissens nach hat Michael Jackson das nie gemacht, richtig?

A: Nein. [2]

Als weiteres Beispiel dafür, wie Ray Chandlers Version der Ereignisse von der anderer abweicht, betrachten wir eine Story, die in zwei Büchern vorkam: in All That Glitters und in der Autobiographie der Schauspielerin Carrie Fisher, Schockaholic, die 2011 erschien. Fisher legt in ihrem Buch offen, dass Evan Chandler vor den Unterstellungen 1993 ihr Zahnarzt war. In All That Glitters wird behauptet, dass Evan so besorgt über die Beziehung zwischen Jackson und seinem Sohn war, dass er Fisher nach ihrer Meinung dazu gefragt hat und sie wiederum andere Leute um ihre Meinung gefragt hat. Von Shockaholic bekommen wir allerdings ein völlig anderes Bild über Evan Chandlers Motive und Verhalten, verglichen mit der Darstellung eines besorgten Vaters, die wir in All That Glitters lesen.

Fisher schreibt, dass Evan mit der Freundschaft zwischen Jackson und seinem Sohn stolz angegeben hat, während er befremdliche Bemerkungen machte:

„Aber erinnern Sie sich an den Zahnarzt, der Michael wegen Belästigung seines Kindes verklagte? Ja, das war mein Zahnarzt. Evan Chandler, Doktor der Zahnmedizin, Zahnarzt der Stars. Und der gleiche Dr. Chandler – lange bevor die Klage eingebracht wurde (allerdings nicht zwangsläufig bevor sie in Erwägung gezogen wurde) – brauchte jemanden, bei dem er über die aufkeimende Freundschaft seines Sohnes mit Michael Jackson angeben konnte. (Das war Jahre bevor Michael eigene Kinder hatte.) Und so fuhr mein “Zahnarzt” immer weiter fort, wie sehr sein Sohn Michael Jackson mochte – und, viel wichtiger – wie sehr Michael Jackson seinen Sohn mochte. Und das Beunruhigendste, woran ich mich erinnern kann, war, dass er sagte:

“Wissen Sie, mein Sohn sieht sehr gut aus.“

Jetzt frage ich Sie – welcher Vater spricht so über sein Kind? Nun, vielleicht tun das manche, aber (a) kenne ich solche Leute nicht und (b) würden sie wahrscheinlich nicht eine Augenbraue hochziehen und anzüglich schauen, wenn sie das sagen. Im Laufe der Jahre habe ich viele stolze Väter gehört, die mir sagten „Mein Sohn ist großartig.“ oder „Mein Kind ist hinreißend.“, aber dies war das einzige Mal, dass ich diese besondere Prahlerei hörte: „Mein Sohn ist [im Gegensatz zu den meisten durchschnittlichen männlichen Nachkommen] SEHR [beunruhigendes Lächeln, hochgezogene Augenbrauen, vielleicht sogar ein anzügliches Zwinkern] gut aussehend [Pause, damit du darüber nachdenken und / oder kotzen kannst]“

Es war grotesk! Dieser Mann ließ mich wissen, dass er dieses wertvolle Ding hatte, von dem er annahm, dass Michael Jackson es wollte und zufällig war es sein Sohn. Aber es ging nicht darum, wer sein Sohn war, sondern dass er „gut aussah.“ [6] 

Ein paar Monate später, schreibt Fisher, kündigte Evan Chandler ihr gegenüber an, dass er Jackson dafür verklagen wird, mit seinem Sohn in einem Bett geschlafen zu haben. Fisher teilt einige Gedanken zu seinen Vorwürfen:

„Nun, ich weiß zweifellos, dass der gute Doktor kein Problem in diesen sonderbaren Übernachtungen sah, als dies anfing! Entschuldigung, er war unheimlich genug, zu erlauben, dass dies alles passierte und nun ist er plötzlich geschockt – geschockt! – praktisch von moralischer Entrüstung verzehrt! „Können Sie es glauben? Ich glaube, Michael hat möglicherweise sogar die Geschlechtsteile meines Sohnes mit seiner Hand berührt.“ Nun, was hat sich dieser Mann eingangs gedacht? Warum ermunterte er ihn dazu, im selben Bett wie Michael Jackson zu schlafen? Er tat es, weil er wusste, dass er eines Tages sagen könnte „Oh mein Gott! Ich habe plötzlich bemerkt, dass diese Sache zwischen Michael und meinem Sohn seltsam ist. Ich bin entsetzt. Meinem Sohn wurde möglicherweise geschadet! Und das einzige, das seinen Schaden reparieren kann, sind viele Millionen Dollar! Dann wird er okay sein! Und wir werden mit diesem Geld nichts für uns selbst kaufen! Alles wird dafür verwendet, dass unser Sohn okay ist!!!“ Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich mir einen anderen Zahnarzt suchen musste. Kein Mittel kann die Tatsache ausblenden, dass man abgeschreckt und angewidert ist.

Es ist so: ich habe freilich nie gedacht, dass Michaels ganze Sache mit diesen Kindern sexuell war. Niemals. Zugegeben, es war meilenweit davon entfernt, angemessen zu sein, aber nur weil es nicht üblich war, bedeutet es nicht, dass es pervers sein muss. Das sind nicht die einzigen zwei Alternativen dafür, was zwischen einem Erwachsenen und einem unverwandten Kind passieren kann, die Zeit miteinander verbringen. Selbst wenn dieser Erwachsene zu viele Schönheitsoperationen hatte und den Anschein erweckt, Permanentmakeup getragen zu haben. Und ja, er hatte einen Vergnügungspark, einen Zoo, ein Kino, Popcorn, Süßigkeiten und einen Elefanten. Aber darunter eine Linie zu ziehen und zu der Annahme zu kommen, er würde sich teuflisch die Hände reiben, als er dieses gigantische Super-Spinnennetz errichtete, um Kinder darin zu ködern und einzufangen – diese Rechnung geht schlichtweg nicht auf.

[…]

Aber warten Sie! Betrachten Sie das genauer und denken Sie darüber nach! Sagen wir einmal, Ihr „wirklich gut aussehender Sohn“ beginnt, Zeit mit diesem eigenartig aussehenden, berühmten Multimillionär zu verbringen, der dazu überredet werden könnte, Ihnen zweiundzwanzig Millionen Dollar zu geben, wenn Sie drohen, der ganzen Welt zu erzählen, dass er Ihren minderjährigen Sohn berührte. Nun, ich weiß nicht, was Sie machen würden. Aber als mein Zahnarzt die Wahl zwischen Integrität und zweiundzwanzig Millionen Dollar bekam, Sie werden niemals erraten, wofür er sich entschied! Richtig – er entschied sich für das Geld! Aber hey, er war nur menschlich, gell? Aber echt, wer könnte ihm das vorwerfen? Ich meine, neben Ihnen und mir und jedem anderen Lebewesen, das sich um die Zerstörung des Lebens des eigenen Kindes sorgt, wer sonst könnte Dr. Chandler vorwerfen, was er getan hat? (Ich werde warten, während Sie nachdenken.) [6]

Offensichtlich vermutete und hoffte Evan Chandler, trotz fehlender Beweise, dass die Beziehung zwischen seinem Sohn und Jackson sexuell war oder werden würde und er hoffte, den Entertainer dadurch an ihn selbst zu binden. In diesem Kontext wird klar, warum er verschlug, dass Jackson bei ihnen einzieht. Laut All That Glitters nahm Evan an, dass sein Sohn und Jackson „Liebhaber“ sind. Wenn ihr euch wundert, warum und wie jemand solch verdrehte Ideen über das Wesen eines vermeintlichen Kindesmissbrauchs haben kann, solltet ihr den Artikel Victor Gutierrez und seine Rolle in den Unterstellungen gegen Michael Jackson lesen.

“Am Memorial Day (Gedenktag) Wochenende, das am 28. Mai begann, verbrachte Jackson noch ein Wochenende in Evans Haus. Laut All That Glitterswaren Michael und Jordie den ganzen Tag in ihrer eigenen kleinen Welt, als würde Evan nicht existieren.“ [1, Seite 45]

und

„Monique wiederholte ihre Meinung, dass Michael Jordies Leben zu sehr vereinnahmte. Aber dieses Mal bot sie eine weitere Beobachtung an: „Jordie weiß überhaupt nicht, dass Du im Zimmer bist, Evan. Siehst Du nicht, was los ist? Sie sind verliebt!“ Als das L-Wort Moniques Mund verließ, glaubte Evan, dass sie recht hatte. „Es hätte auch ohne Beweise offensichtlich sein sollen“, erinnerte sich Evan Wochen später, als Jordie in jener Nacht ins Haus kam, enge schwarze Hosen trug, weiße Socken, schwarze Halbschuhe und einen schwarzen Fedora und Michael kam gleich im Anschluss im gleichen Aufzug herein. Oder wenn sie nach dem Essen gemeinsam ins Wohnzimmer abhauten, die Tür hinter sich schlossen und mich alleine an den Geschichtsblättern arbeiten ließen. Oder dass Michael Jordie niemals bei seinem Namen nannte, sondern ihm liebevolle Spitznamen wie „Applehead“ und „Doo Doo Head“ gab. „Glaubst Du, dass es körperlich ist?“ fragte Evan seine Frau. „Ich weiß es nicht.“ antwortete Monique „Es könnte Verliebtheit sein. Aber was auch immer es ist, es ist nicht gut für Jordie.“ [1, Seite 45]

Wie gemeinsames spielen, die Gesellschaft des anderen genießen, alberne Spitznamen und Jordans Kleidungsauswahl, in der er aussah wie sein Lieblingspopstar, der gleichzeitig auch sein Freund war, Zeichen für sexuellen Missbrauch sind, wird nie erklärt. Was die Spitznamen betrifft: Jackson war dafür bekannt, viele seiner Freunde und Familienmitglieder so zu nennen, einschließlich seiner Neffen, Nichten, Cousins & Cousinen und später seiner Kinder.

Beispiele:

Jackson nennt seinen eigenen Sohn Applehead:

Dr. William Valin, ein Freund Jacksons, erwähnte diesen Spitznamen auch in seinem Buch Private Conversations in Neverland with Michael Jackson:

„Michael versuchte, Paris [Jackson] dazu zu bringen, Hi zu sagen, aber alles was sie tat, war, ihren Kopf in seiner Pyjamahose zu vergraben. Das brachte Michael etwas zum Lachen und er sagte „Paris, Du Applehead.“ Letztendlich, nachdem ich dieses Wort in den nächsten Monaten bei mehreren unterschiedlichen Anlässen hörte, fand ich heraus, dass „Applehead“ tatsächlich ein Kosename war, den Michael für jeden benutzte, der albern ist.“ [8]

Laut All That Glitters fragte Evan seinen Sohn am nächsten Morgen, ob die Beziehung zwischen ihm und dem Star sexuell war – offenbar genauso ungehobelt, wie er zuvor Jackson angeblich fragte:

„Ich werde in einer Minute da sein.“ sagte Evan und als Jordie sich zum Gehen abwandte, fügte er hinzu: „Hey, Jordie, macht ihr [er und Michael] es?“

„Das ist widerlich!“ antwortete Jordie. „So was interessiert mich nicht.“

„Nur Spaß.“

Evan erklärt es so: „Das war ordinär aber ich war so besorgt, ich entschied spontan, das zu sagen, weil ich dachte, es würde eine spontane Reaktion hervorrufen.“ Jordies Abwehr brachte Evan große Erleichterung. [1, Seite 46]

Trotz seiner „Erleichterung“ gab Evan offensichtlich nicht auf. Laut All That Glitters klagte Jackson an diesem Morgen über starke Kopfschmerzen. (Das wird in dem Chandler Buch nicht erwähnt, aber aus dem AEG Prozess wissen wir, dass Jackson einige Wochen zuvor wegen der Langzeitfolgen seiner Verletzungen aus dem Pepsi-Werbespot-Unfall, bei dem sein Haar Feuer fing, an der Kopfhaut operiert wurde.) Evan gab ihm Aspirin und Tylenol, aber das wirkte nicht. Er fragte seinen Anästhesist Mark Torbiner um Rat, der vorbei kam und Toradol mitnahm, ein nicht narkotisches Äquivalent zu Demerol. Zumindest ist es das, was sie behaupteten, Jackson verabreicht zu haben. Laut deren Story injizierte Evan 30mg davon in Jacksons Gesäßmuskel, aber Jackson hatte weiterhin Schmerzen, also verabreichte Evan weitere 30mg.

(Carrie Fisher beschreibt sowohl Evan Chandler, als auch seinen Anästhesist, als zwei dieser Hollywood-Ärzte, die Medikamentenmissbrauch betrieben:

„Aber um auf den besonderen medizinischen Zugang zurückzukommen, den ich zuvor erwähnte: Ich hatte diesen Zahnarzt zu dieser Zeit, einen Dr. Evan Chandler, der ein sehr seltsamer Typ war. Er war jemand, den man als Zahnarzt der Stars bezeichnen würde! Und während manch einer überflüssige zahnmedizinische Eingriffe nur wegen dem Morphium vornehmen lässt, war dieser Mann einer jener Menschen, die solch ein erwünschtes Service arrangieren können. Er Überwies seine Patienten an einen mobilen Anästhesisten, der in die Praxis kommt und Sie für den Eingriff außer Gefecht setzt. Und als ob das nicht prächtig genug wäre, kann dieser Anästhesist einfach und mit einem finanziellen Anreiz davon überzeugt werden, zu Ihnen nach Hause zu kommen und Ihnen das Morphium für Ihre anschließende luxuriöse Schmerzlinderung zu verabreichen. Und ich würde meine Arme ausstrecken und zu dem Mann sagen „Schicken Sie mich hinweg, aber schicken Sie mich nicht zu weit weg.“ [6])

Was auch immer Evan und Torbiner Jackson verabreichten, danach, wird behauptet, zeigte der Star betrunkenheitsähnliche Symptome: „er verhielt sich seltsam, lallte zusammenhangslos und verschluckte Silben“ [1, Seite 47]. Laut Ray Chandlers Buch kam der Entertainer nach einer Weile wieder zu sich und war in einem etwas verständlicheren, aber immer noch hemmungslosen Zustand. Dann, wird erzählt, entschied sich Evan, die Gelegenheit zu nutzen und ihm Fragen über seine Sexualität zu stellen; ob er schwul war. Jackson antwortete, dass er das nicht ist. Laut dem Buch fühlte sich Jackson nicht gut und blieb den ganzen Tag im Bett – und trotz der Behauptung, dass Evan Jackson verdächtigte, Jordan zu belästigen, brachte er den betäubten Entertainer zum Schlafen in das Zimmer seiner beiden Söhne.

Ray Chandler schildert, dass Evan in dieser Nacht drei Mal nach dem Star sah. Beim dritten Mal, wird behauptet, schlich Jordan in Jacksons Bett (nicht umgekehrt) und sie schliefen in der „Löffelchenstellung“, Michaels Arm war eng um den Jungen geschlungen, seine Hand ruhte außerhalb der Decke am Schritt des Jungen“ [1, Seite 48]. Es wird dargelegt, dass beide völlig bekleidet waren, aber laut Ray Chandler verstärkte diese Szene Evans „Verdächtigungen“.

Wir können nicht wissen, wie viel davon, wenn überhaupt, wahr ist. Das ist Ray Chandlers Bericht von Evan Chandlers Story und wir haben lediglich seine Worte. Es kann sich dabei um Halbwahrheiten, verdrehte „Wahrheit“, überzeichnete „Wahrheit“ oder ein gänzliches Lügenmärchen handeln. Laut der Story in Ray Chandlers Buch unternahm Evan nichts, nachdem er diese Szene bemerkte, die ihn angeblich zutiefst beunruhigte. Weder weckte er Jackson und Jordan, um sie dazu zu befragen, noch fragte er die beiden am nächsten Morgen danach. Scheinbar verließ er einfach den Raum und behielt die Story für sich.

Was auch immer Evan sah oder vielmehr nicht sah, es scheint sogar ihn selbst nicht überzeugen zu können, weil wir direkt nach der Beschreibung dieser Szene folgendes in All That Glitters lesen:

Selbst wenn es keinen Sex gab, veränderte sich Jordies Persönlichkeit erheblich. Während er sich Tag für Tag in einen kleinformatigen Klon von Michael verwandelte, zog er sich immer weiter von seiner Familie und seinen Freunden zurück.“ [1, Seite 49]

Am 9. Juni fragte Evan Jordan auf der Vorschulabschlussfeier von Evans anderem Sohn „Cody“ (sein richtiger Name wird verheimlicht, um seine Privatsphäre zu schützen), was er tun würde, wenn er verlangen würde, nicht mit Jackson auf Tour zu gehen, worauf der Junge antwortete: Ich würde trotzdem gehen.“ [1, Seite 53] Als Jordan ihn aufforderte, ihm einen guten Grund zu geben, warum er nicht gehen sollte, wird diese Unterhaltung zitiert:

„Was wäre, wenn ich sage, Du könntest in fünf Jahren tot sein, wenn Du auf Tour gehst?“

Jordie schaute verwirrt. „Naja, natürlich möchte ich nicht sterben. Aber warum würde ich?“

„Weil ihr Typen mich belogen habt!“ brach Evan hervor. „Und Du weißt, wie sehr ich Lügner hasse. Du gehst nicht auf die Tour. Jetzt lass uns gehen. Ich bringe Dich nach Hause.“

[…]

„Gott sei Dank hat er mich nicht gefragt, welche Lügen sie erzählt haben.“ erinnert sich Evan später. „Ich weiß nicht, was ich gesagt hätte, außer, dass Michael wegen seinem Zahnarzt* gelogen hat.“ [1, Seite 53-54]

(* In All That Glitters wird behauptet, dass Evan Jackson unterstellte, er hätte gelogen, als er sagte, er sei kein Patient eines bestimmten Zahnarztes, der AIDS hatte.)

Wie in dem obigen Auszug wirft Evan anderen in dem Buch immer wieder vor, zu lügen, während er fast im gleichen Atemzug zugibt, Jordan und anderen Leuten Lügen erzählt zu haben.

Im Buch wird behauptet, dass Jordan sich am Vatertag (20. Juni) weigerte, seinen Vater anzurufen und als Evan ihn anrief, weigerte er sich, mit ihm zu reden: „Er will nicht mit Dir reden“ sagte [June Chandler] „Und ich lasse mich da nicht hineinziehen.“ [1, Seite 59] Als sich der Junge Tage später immer noch weigerte, mit ihm zu telefonieren, drohte er seiner Exfrau und seinem Sohn: „Ich sag’ Dir was, June. Er ruft mich besser an und das besser bald, oder ihr werdet es alle bereuen. Du kennst mich. Ich habe es satt!“ [1, Seite 59]

Dieser Vatertag war 2005 in June Chandlers Zeugenaussage ebenfalls Thema. Während Evan allerdings behauptete, dass Jordan weder am Vatertag, noch Tage später, als er anrief, mit ihm redete und June es ablehnte, zwischen Vater und Sohn zu vermitteln, sagte June im Zeugenstand aus, dass Jordan, obwohl er seinen Vater ursprünglich nicht anrufen wollte, letztendlich doch am Vatertag mit Evan redete – nachdem June mit ihm eine Unterhaltung darüber führte. [2]

Welche Version über den Vatertag auch stimmt, laut All That Glitters hinterließ Evan am 7. Juli eine drohende Nachricht auf Junes Anrufbeantworter:

„June, es ist Mittwoch, 7. Juli. June, sorge dafür, dass Du Michael und Jordie diese Nachricht vorspielst. Ich werde das wiederholen. June, sorge dafür, dass Du Michael und Jordie diese Nachricht vorspielst. Ihr drei seid dafür verantwortlich, was hier vor sich geht. Niemand ist neutral. Da sich Jordie wiederholt geweigert hat, mich zurückzurufen, wird dies mein letzter freiwilliger Versuch zu reden sein. Ich werde diesen Freitag, 9. Juli, um 8:30 in der Früh bei Deinem Haus in San Lorenzo sein. Ihr könnt mir glauben, es gibt für euch nichts wichtigeres, als bei diesem Treffen zu erscheinen.“ [1, Seite 62]

Laut Ray Chandlers Buch schrieb Evan Jordans Weigerung, mit ihm zu sprechen, Jacksons Einfluss auf den Jungen zu – als wären Evans Wahn, Drohungen, Wutanfälle und verrückte sexuelle Anspielungen und Fragen nicht genug, um ein Kind abzustoßen.

Um deren Beziehung zu verbessern, wurde Jordan am 11. Juli für eine Woche zu seinem Vater geschickt.

Am 14. Juli kontaktierten Evan und sein Anwalt Barry Rothman den Psychiater Dr. Mathis Abrams, präsentierten ihm ihre Version der Story und fragten ihn nach seiner Meinung dazu. Ohne jedoch weder das Kind noch den Beschuldigten getroffen zu haben, nur basierend auf Evans Version der Story, schickte Dr. Abrams Rothman am 16. Juli einen zweiseitigen Brief, in dem er erklärte, dass „begründeter Verdacht bestehen würde, dass sich sexueller Missbrauch ereignet haben könnte“ [7]. Später nutzte Evan diesen Brief als Tool für „Verhandlungen“ mit seiner Exfrau June und Michael Jackson.

Am Ende der Woche, am 16. Juli, weigerte sich Evan, den Jungen zu seiner Mutter zurückzubringen und drängte ihn unaufhörlich, seine vorgefasste Idee, dass Jackson ihn belästigte, zu bestätigen. Details dazu, wie Jordan bedroht wurde, um ein angebliches „Geständnis“ zu machen, gibt es im Artikel Wie kamen die Unterstellungen der Chandlers zum Vorschein?.

Laut All That Glitters trafen sich Barry Rothman, June Chandler und ihr damaliger Ehemann David Schwartz am 20. Juli im Büro des Anwalts. Ihnen wurde das Schreiben von Dr. Abrams gezeigt und es wurde verlangt, dass sie ein Dokument unterschreiben, welches das Sorgerecht für Jordan von June auf Evan überträgt. June weigerte sich, es zu unterschreiben und laut Ray Chandler hatte Evan Angst, dass sie Dr. Abrams‘ Namen und Adresse auf dem Schreiben sehen, ihn kontaktieren und ihm ihre Version der Story erzählen könnten:

„Es war Evans Idee, Name, Adresse und Telefonnummer des Psychiaters unkenntlich zu machen. Er befürchtete, Dave und June könnten Dr. Abrams kontaktieren und ihm eine andere Story erzählen. In diesem Fall wäre Evan auf Jordan angewiesen, um seine Version zu belegen. Das würde einen Bericht an die Behörden auslösen, eine Katastrophe für jeden. Dave übergab Dr. Abrams’ Schreiben an Pellicano.“ [1, Seite 98]

Bei diesem Treffen wurde Jordans angebliches „Bekenntnis“ vom 16. Juli mit keinem Wort erwähnt, die Verhandlungen drehten sich ausschließlich um Dr. Abrams‘ Schreiben. In All That Glitters wird behauptet, dass Evan das Vertrauen des Jungen nicht verraten wollte, in dem er anderen von seinem „Bekenntnis“ erzählte. Laut dem Buch wurde June bis 11. August nichts von Jordans angeblichem “Bekenntnis” erzählt, obwohl Evan als verzweifelt beschrieben wurde, June davon zu überzeugen, dass ihr Sohn belästigt wurde. Die im Buch angegebene Begründung ist erneut, dass Evan das Vertrauen des Jungen nicht verraten wollte. Evan wird in dem Buch folgendermaßen zitiert: „Es sollte sowieso nicht von Bedeutung sein.“ glaubte Evan. „Ich bin sein Vater und wenn ich ihr sage, dass unser Kind belästigt wurde, sollte das ausreichen.“ [1, Seite 112]

Quellen:

[1] Raymond Chandler – All That Glitters: The Crime and the Cover-Up (Windsong Press Ltd, September 2004) (http://www.amazon.de/All-That-Glitters-Michael-Jackson/dp/0954197380/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1434137919&sr=8-1&keywords=michael+jackson+all+that+glitters)

[2] June Chandlers Zeugenaussage im Michael Jackson Prozess 2005 (11. April 2005) (https://vindicatemj.files.wordpress.com/2011/12/june-chandlers-full-testimony.pdf)

[3] Brett Barnes Zeugenaussage im Michael Jackson Prozess 2005 (5. Mai 2005) (https://vindicatemj.files.wordpress.com/2013/07/brett-barness-testimony-may-5-2005.pdf)

[4] Dr. Richard Gardners Interview mit Jordan Chandler (im Februar 2003 aufgetaucht) (https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/j-chandler-gardner-interview.pdf)

[5] Mary A. Fischer: Was Michael Jackson Framed? (Wurde Michael Jackson etwas angehängt?) (GQ, Oktober 1994)

[6] Carrie Fisher – Shockaholic (Simon & Schuster, November 2011) (http://www.amazon.de/Shockaholic-Carrie-Fisher/dp/1847390366/ref=sr_1_fkmr0_1?ie=UTF8&qid=1434139255&sr=8-1-fkmr0&keywords=carrie+fischer+shockaholic)

[7] Schreiben von Dr. Mathis Abrams an Barry Rothman vom 16. Juli 1993 (zitiert in All That Glitters [1])

[8] William Van Valin II – Private Conversations in Neverland mit Michael Jackson (Seite 9) (Create Space Independent Publishing Platform, 20. Dezember 2012) (http://www.amazon.de/Private-Conversations-Neverland-Michael-Jackson-ebook/dp/B00B8DTNHE/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1434139446&sr=8-1&keywords=private+conversations+in+neverland)

[9] Frank Cascio – My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man (Mein Freund Michael: eine gewöhnliche Freundschaft mit einem außergewöhnlichen Mann) (Harper Collins, Kindle Edition, 15. November 2011) (http://www.amazon.de/My-Friend-Michael-Friendship-Extraordinary/dp/0062090062/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1434139695&sr=8-1&keywords=frank+cascio)

[10] Wir könnten viele Beispiele bringen. Nur ein paar davon:

Charlie Chaplins Enkeltochter Laura Chaplin sagte folgendes über Michael Jackson zu einer schweizerischen Webseite (aus dem Französischen übersetzt):

„Ich war etwa 12 Jahre als, als Michael in die Villa kam. Danach rief er mich fast jeden Tag an, um zu plaudern. Er schickte mir sagenhafte Geburtstagsgeschenke. Riesige Kartons. In Genf war ich mit ihm auf der Bühne. Er war ein toller Freund der Familie.“ Bei seinem ersten Besuch landete MJ mit einem Helikopter im Garten des Besitzes. „Ich war ziemlich beeindruckt“, sagte Laura. Der King of Pop auch, außer über die großen Hunde. „Wir hatten neun Hunde und er hatte Angst. Wir mussten sie wegsperren, bevor es soweit war.“ Beim Essen setzte sich Jackson zu den Kindern, als er den großen Tisch sah. „Er war sehr schüchtern. Er machte Pirouetten im Garten. Wir spielten auf der PlayStation. Er war ein großes Kind. “Smile, von meinem Großvater komponiert, war einer seiner Lieblingstitel.” (http://www.lematin.ch/people/charlot-jusqu-doigts/story/24716250)

*****

Der Comedian Chris Tucker erzählt, wie er Jackson einst zu seinem Flachbildschirm beglückwünschte und der Sänger wollte ihn gleich herschenken:

*****

Ein Auszug aus einem Buch, das zwei Bodyguards Jacksons schrieben – „Remember the Time: Protecting Michael Jackson in His Final Days“ (geschrieben von Bill Whitfield und Javon Beard, zusammen mit Tanner Colby) – darüber, was Jackson tat, als er Obdachlose in Las Vegas sah: http://www.mjyouaremylife.com/post/112797152737/giving-from-the-heart

(das ganze Buch auf Deutsch: http://www.amazon.de/Remember-Time-Bodyguards-erz%C3%A4hlen-wirklich/dp/3404608496/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1434396586&sr=8-1&keywords=michael+jackson+bodyguards)

10 Jahre! >> 13 Juni 2005: Michael Jackson – unschuldig in allen Punkten der Anklage…

all4michael

june13a

Michael:

“Without God, my children, my family and you, my fans, I could not have made it through. Your love, support and loyalty made it all possible. You were there when I really needed you. I will never forget you. Your ever-present love held me, dried my tears, and carried me through. I will treasure your devotion and support forever. You are my inspiration. – Love, Michael Jackson”.

“Ohne Gott, meine Kinder, meine Familie und euch, meine Fans, hätte ich das nicht durchgestanden. Eure Liebe, Unterstützung und Loyalität machte das möglich. Ihr wart da, als ich euch wirklich brauchte. Ich werde euch nie vergessen. Eure immerwährende Liebe hielt mich, trocknete meine Tränen, und trug mich. Eure Zuneigung und Unterstützung werde ich für immer wertschätzen. Ihr seid meine Inspiration. – Love, Michael Jackson”

Michaels Statement an seine Fans vom 26. Juni 2005, (veröffentlicht auf Michaels HP)

****

Er sagte: „ Danke…

View original post 1,582 more words

Das magische “Brunnen Interview” mit Michael von 1983

Übersetzung des “Brunnen Interviews” oder auch “unautorisiertes Interview” mit Michael von 1983, aufgenommen in Hayvenhurst-Encino. Ein sehr schönes Interview, in dem Michael ganz viel über Magie spricht und darüber, was ihn inspiriert. Im Teil II kommt auch LaToya dazu.

Michael  Jackson s Lama

Teil I

Michael: Hi, das ist mein Lama Louis, es ein wirklich süßes Tier, er frisst Alfa Alfa und kommt aus Südamerika, aus den Bergen von Peru, von den Indianern. Sie gehören zur gleichen Art, wie das Alpaka und das Kamel. Ich habe Louis aus einem Zirkus. Ich habe ihn von einer Frau gekauft, die im Zirkus auftrat. Dort konnten die Kinder auf ihm reiten…. Er ist ein sehr liebes Tier. Sag “Hi ” Louis, zeig uns deine hübschen Ohren…

Reporter: Aber soweit ich weiß, hat er einen Freund, oder?

Michael: Ich hatte noch eines, ein Baby. Es war schneeweiß. Leider haben meine Hunde es angegriffen und es starb. Es hieß Lola. Ich war sehr traurig, denn es war wunderschön, ich mochte ihre Augen. Jetzt habe ich nur noch Louis. Die meisten Menschen kennen Lamas aus Dr. Doolittle. Da hat es zwei Köpfe, einen vorne und einen hinten. Er mag es, fotografiert zu werden. Er sagt, er wäre gerne Filmstar.

(am Brunnen)

Michael: Es ist schön, hier zu sitzen und sich zu entspannen.

Reporter: Wie kommst du mit deinen vielen Verpflichtungen zurecht?

Michael: Ich nehme alles nach und nach in Angriff. Man gewöhnt sich allmählich dran und irgendwann ist es dann Routine. Ich erhalte jeden Morgen einen Terminplan und den halte ich ein. Heute morgen habe ich herausgefunden, dass ich heute das hier tun muss. Es ist etwas, woran man sich gewöhnt, es ist ein Teil deiner Arbeit, es gehört zu deinem Job, als Entertainer, oder was auch immer…

Aber es ist schön zuhause zu sein. Und ausspannen, so wie jetzt.

Reporter: Was bedeuten dir deine Fans?

Michael: Das ist sehr wichtig. Als Performer kannst du nichts darstellen, wenn du nichts hast, auf das du aufbauen kannst. Aber ohne die Resonanz des Publikums ist jeder Auftritt nur halb so gut, nicht so dynamisch. Ich denke, die Fans geben dir Energie, du baust auf sie auf, spielst mit ihnen…

Reporter: Woher nimmst du deine Inspiration und deine Kraft?

Michael: Das kann ich schwer erklären. Ich denke, damit wird man wohl einfach geboren.

Man fühlt die Musik, das ist wie bei der Malerei. Man nimmt einen Pinsel, Farbe und Leinwand und malt einfach los. Du bist von den Dingen in dir und um dich herum inspiriert. Es ist aufregend, es zu tun. Ich liebe es Magie zu erschaffen.

(Michael singt: “Dancing on a cloud…soaring up so high. Watch me now… watch me now! I’m Peter Pan! I can do anything.“)

Reporter: Was meinst du mit “magisch”?

Michael: Wenn ich von Magie spreche, dann meine ich dieses Gefühl von Staunen und Begeisterung, das Unerwartete, Eskapismus. Das Erschaffen von etwas, das so unglaublich ist, eine Illusion.

Ich will die Menschen mit einer Situation konfrontieren, wie auch immer die sein wird, die aber völlig anders ist, und so viel mehr, als das, was sie erwartet haben. Ich will ihr Unterbewusstsein erreichen. So erschaffe ich Magie. Ich liebe das. Ich versuche immer, meine Magie in alles einfließen zu lassen, was ich tue.

Reporter: Woher nimmst du deine Ideen, für deine Songs…?

Michael: Die Ideen für meine Songs? Ich sage es immer wieder, ich schreibe meine Songs nicht selbst. Ich bin nur die Quelle, der Kanal, durch die sie kommen. Sie sind alle schon längst irgendwo zuvor im Kosmos geschrieben. Da ist eine Quelle und ein Tunnel, ein Kanal, durch den sie zu mir fließen. „Bille Jean“, „Beat It“ und all die anderen Songs, sie sind schon irgendwo da oben und sie sind mir einfach nur eingegeben worden. Ich habe nur getan, was ich tun musste. So geht es wohl jedem großen Künstler. Tu tust es zwar, aber es gibt eine höhere Kraft, die das geschehen lässt.

(Michael singt…..”It’s a wonderful day”)

Reporter: Kinder inspirieren dich sehr oder?

Michael: Ja, ja, woher wisst ihr das? Ja, das ist wahr. Ich denke, Kinder sind etwas ganz Besonderes. Es sind die drei größten Inspirationen für mich: Kinder, Tiere und Gott. Ich kann nicht einmal erklären, warum Kinder so einzigartig sind. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, fühle ich mich lebendiger. Dann weiß ich, dass ich alles schaffen kann. Sie geben mir Kraft (laden mich auf), geben mir Energie. Ich bin überzeugt, dass mein Erfolg hauptsächlich ihr Verdienst ist, die Inspiration durch Kinder.

Ich habe noch nie ein Interview draußen gegeben, wo die Bäume und Büsche mich beobachten.

Reporter: Warum lebst du so abgeschieden und warum in einem so großen Haus?

Michael: Der Grund, warum ich dieses Haus liebe ist, weil es schön ist, seine Wirkung auf Kinder beeindruckt mich, das inspiriert mich. Wenn sie hierherkommen, möchte ich von ihren Reaktionen inspiriert werden, dadurch, dass ich sehe, wie viel Spass sie haben, durch die Freude, die sie haben. Deshalb gehe ich auch so gerne und oft ins Disney Land. Ich liebe es zu sehen, wenn sie Spass haben. Ich bekomme dort meine tägliche Dosis an Inspiration, wenn ich kann. Wenn ich zurück komme, bin ich bereit, alles zu schaffen… Es ist magisch, ihre Augen, ihre Gesichter besonders, ihr Ausdruck, ihr Wesen, … Magie.

Wir arbeiten gerade an einem neuen Album. Ein Jacksons Album. Ich habe dafür ein paar Songs geschrieben. Zuletzt habe ich an einem Lied über den Westernhelden “Buffalo Bill”, den Cowboy Bill Cody und seinen Tod gearbeitet. Der Song begeistert mich total, ich hasse es zu sagen, dass er ein Hit werden wird – aber ich habe wirklich dieses gute Gefühl.

Michael visited Bill Cody's grave

Etwa 2 Jahre später besucht Michael Bill Cody’s Grab am Lookout Mountain, Colorado

Gerade schreibe ich an einem Lied über ein Mädchen aus Liberia (Liberian Girl) und bin wieder hellauf begeistert. Mich begeistern all meine Projekte, aber am liebsten träume ich nur, wünsche mir was bei Sternschnuppen und all diese magischen Dinge..

Reporter: Denkst du oft an Magie?

Michael: Ja, ständig. Tun wir hier etwa nichts Magisches? Lasst uns nach hinten gehen, wo die Tiffany Lampen sind. Ist da genug Licht, zum Filmen?

(Michael winkt aus dem Fenster raus..)

Michael: Warum sagt ihr nicht, dass ihr schon filmt? Ich komme sofort, wartet eine Sekunde.

Die Dämmerung… der Mond kommt hervor, die schönste Tageszeit. Ich kann schon ein paar Sterne sehen. Wunderschön. Alles wird lebendig. Leuchtkäfer sind in den Bäumen… alles wird magisch. Das ist mein liebster Teil des Tages.

maxresdefault

Ich liebe diese Stunden, die Morgen- und die Abenddämmerung, es liegt etwas magisches darin. Überall spürt man diese magische Aura. Alle Kreaturen, die die Nacht lieben werden lebendig, die Vögel kehren in ihre Nester zurück. Ich liebe auch den Tagesanbruch. Einige Psychologen sagen, dass die Abenddämmerung… man sei während der Abenddämmerung besonders kreativ. Man erreicht dann unbewusst seinen Alphazustand und wird kreativer. Aber bei mir kann das zu jeder Zeit sein. Ich liebe es kreativ zu arbeiten, da gibt es keine besondere Zeit dafür. Aber das hier ist sehr besonders, es ist wie ein Gemälde, sehr künstlerisch, magisch. (Michael singt: „It’s so wonderfull“) Schon allein das Geräusch des Wassers ist magisch, es ist einfach schön, hier zu sitzen.

Reporter: Wenn ich hier das ganze Haus so betrachte, frage ich mich, was für ein Film sich wohl in deinem Kopf abspielt.

Michael: Mit allem, was du erschaffst, zeigst du immer etwas von deinem Inneren. Alles was dich unbewusst beeinflusst. Ich bin ein Fan von Fantasy. Von allem, was dich in eine andere Welt versetzen kann. Eskapismus. Das mag ich. Ich mach mich nicht verrückt, wegen der Wirklichkeit, ich widme mich der Phantasie. Das ist es auch, was ich versuche zu erschaffen, ….zu entfliehen, bewegt zu werden… (singt: „to become moved“)

Könnt ihr mich sehen?

(Michael singt und tanzt)

“Dancing on a cloud…soaring up so high. Watch me now…watch me fly! I’m Peter Pan! I can do anything. I soar so high! I am forever!”

Es ist Magie, es ist schwer zu erklären, ich könnte hochspringen, einfach abheben. Du kannst diese Energie überall um dich herum spüren, du musst einfach offen sein, einfach fühlen. Die Energie vom Mond, von den Pflanzen… überall um dich herum. Es ist wundervoll. Die Natur und die Tiere sind sehr inspirierend für meine Arbeit. Ich baue darauf auf… und die Kinder… Es stimuliert Ideen, es erschafft alle möglichen Dinge. Ein großer Teil meines Erfolges kommt aus diesen Quellen. Manchmal sagen die Leute: “Erklär das doch mal ganz genau”! Aber das kann ich einfach nicht. Es ist, wie wenn alles zusammenkommt. Die ganze Welt. Das ganze Leben ist Inspiration. Maler, Bildhauer, alle Künstler kennen das. Wenn alles zusammenkommt. Es ist magisch.

………………..

Teil II

(Michael singt: It’s magic“…)

Ich sollte meine Schwester holen. Wir könnten dann ein bisschen Quatsch machen und reden. Dann kann auch sie von ihren magischen Erfahrungen und Geschichten erzählen. Wir können diesen Moment festhalten – weil das hier für mich sehr magisch ist…

(Michael holt LaToya)

Michael: Ist was an meiner Lippe?

LaToya: Ja hier, aber ich weiß nicht was.

Michael: Ist auch nicht wichtig.

LaToya: Jetzt ist es weg.

Michael: Egal. Ich habe gerade vom Zauber der Dämmerung gesprochen. (Halt den Mund, du dickköpfiges Monster). Und was ich dich fragen wollte, was inspiriert dich eigentlich?

LaToya: Meinst du musikalisch?

Michael: Nein, ganz allgemein. Was inspiriert dich, kreativ oder musikalisch. Was macht dich glücklich?

LaToya: Ich würde sagen, es ist der Sound des Ozeans, das inspiriert mich musikalisch. Denn ich spüre ich Gott wenn ich den verschiedenen Geräuschen des Ozeans zuhöre…

Michael: Davon sprach ich vorhin auch.

LaToya: Wirklich? Mach keine Witze.

Michael: Ich sagte das gleiche. Was planst du für die Zukunft? Was ist dein Hauptziel?

LaToya: Ich will Künstlerin werden, so vielseitig wie Barbara Streisand oder Diana Ross. Die beiden gehören zu den wenigen Künstlern, die Musik und Schauspielerei wirklich kombiniert haben.

Michael: Das stimmt.

LaToya: Jeder will natürlich das erreichen, was du geschafft hast. Auch ich.

Michael: Aber ich habe noch nichts getan. Ich habe erst angefangen… (singt)

LaToya: Es ist kalt…

Michael: Oh, es ist magisch! wie kannst du in einer solchen Nacht davon reden? Es ist eine wunderbare Nacht. Es ist magisch hier draußen. Dir ist doch nicht wirklich kalt, oder? Mir ist nicht kalt.

LaToya: Doch. Ich glaube, es ist wegen dem Wasser des Springbrunnens.

Michael: Es ist ganz klar, es ist wunderbar hier draußen.

Es ist perfekt, heute Nacht hier draussen zu sitzen. Ich werde noch lange dran denken. Was willst du uns noch erzählen? Willst du über deine Träume reden?

mqdefault

LaToya: Über meine Träume? Nein. Meinst du meine Lebensträume?

Michael: Ja.

LaToya: Ach so. Ich dachte einen Moment, du meinst meine Albträume.

Michael: Erzähl von deinen anderen Träumen.

LaToya: Ich möchte einmal genau dahin kommen, wo du jetzt bist. Das ist mein größter Traum.

Michael: Das hat sie schon einmal gesagt.

LaToya: Du hast das alles erreicht!

Michael: Ich habe noch nicht alles erreicht.

LaToya: Doch, hast du. Jeder Künstler würde gerne mit mir tauschen. Von Anfang an wollte ich so werden wie du.

Michael: Sehr schmeichelhaft. Danke. Aber es muss doch noch mehr geben…

LaToya: Natürlich. Ich möchte z.B. gerne filmen.

Michael: Ich mag es nicht, wenn die Leute sich selbst beschränken.

LaToya: Natürlich nicht. Ich mag Filmen.

Michael: Genau. Wir haben viel gemeinsam.

(smaltalk hin und her… mit Tito und jemand, der dazu kommt…)

Michael: Wart ihr in Europa? Ist es nicht schön dort? Ich liebe es…

Stimme: Ich bin da geboren…

(Smaltalk, unverständlich)

LaToya: Wo wart ihr da? Ich liebe Deutschland…

Michael : Was sagt sie?

LaToya: Sie ist Halbinderin.

Michael: Indisch oder Indianisch? Ah, Indisch…

Tito weiss, dass ich ein großer Fan von Indien bin… Tito, wer ist “mein Volk”…sag’ ihnen, welche Rasse ich wirklich mag.

Tito (?): Inder…

Michael: (Ost) Indien… ich denke, sie sind wirklich wunderschön, je dunkler desto schöner sind sie.

LaToya ruft jemanden zu: Bill mach doch bitte die Tür zu!

Michael: Deine Stimme ist ziemlich irritierend.

LaToya: Ich weiß. Deshalb schreie ich auch nicht gern.

Michael: Du klingst wie Carol Burnett.

Also, ich glaube ihr habt hier einen wirklich magischen Moment erlebt. Jetzt sollten wir aber langsam Schluss machen. Wollen wir noch schnell ein kleines Lied singen?

LaToya: Okay – Was willst du singen?

Michael: “Jingle Bells”? – Nein… aber was sollen wir singen, was wäre ein gutes Lied?

LaToya: “You never can say goodbye”?

Michael: Ok… (singt „Never can’t say goodbye…“ mit LaToya)

LaToya: Sing du weiter…

(Michael singt..)

LaToya:(singt)…oh ich weiß den Text nicht!

Michael: War’s das? (kappelt sich mit LaToya)

Michael: Auch wenn ich das Fernsehen satt habe, mag ich trotzdem noch, wenn man mich filmt. Nicht weil ich eingebildet bin, sondern weil ich es liebe, wenn etwas magisches entsteht.

(Michael verbeugt sich zum Abschied)

MJ 1983

Mit Michael Jackson tanzen – Baltimore und seine Unzufriedenheit

by

Michael Jackson Beat It

Dieses Essay von Toni Bowers erschien im englischen Original am 14. Mai 2015 im Los Angeles Review of Books: http://lareviewofbooks.org/essay/dancing-with-michael-jackson/

Come and see, when moon is shining.
Come and see, the moon is walking.
Come and see, the moon is dancing.

Komm und sieh wenn der Mond scheint.
Komm und sieh, der Mond wandert.
Komm und sieh, der Mond tanzt.

– Ladysmith Black Mambazo

Got a feeling that we’re gonna raise the roof off! 
Everybody just get down! 

Habe das Gefühl, dass wir das Dach anheben werden!
Beginnt alle einfach zu tanzen!

– Michael Jackson

Inzwischen wurden Videos vom tanzenden Dimitri Reeves zu den Klängen von Michael Jacksons Musik in mehreren Teilen Baltimores weltweit millionenfach gesehen. Im bekanntesten Clip, der vom Reporter Shomari Stone gefilmt wurde, erfreut Reeves erschrockene Zuschauer, als er zu den vom Bordstein dröhnenden Klängen von „Beat It“ unerwartet beginnt, sich eine verschmutzte Straße hinunter zu bewegen, in dem er Jacksons jubilierende, aufgebrachte Tanzschritte nachahmt, und Behutsamkeit in einen aufrührerischen Moment bringt.

Don’t want to see no blood, don’t be a macho man.
They’ll kick you, they’ll beat you, they’ll tell you it’s fair, so beat it.

Willst kein Blut sehen, sei kein Macho.
Sie werden Dich treten, sie werden Dich schlagen, sie werden Dir sagen, dass es fair ist, also hau ab.

Auf seiner Facebookseite bittet Reeves die Zuseher der Videos, den etwaigen Stellenwert der von ihm gewählten Lyrics, zu denen er tanzt – „Beat It“, „Smooth Criminal“, „Will You Be There“, „Black or White“ und andere – nicht zu genau zu analysieren. „Ich wollte einfach tanzen.“, sagt er. Es war ein hervorragender Instinkt. Sobald Reeves die Lautstärke aufdrehte und magische Tanzschritte aus alten Zeiten wiederbelebte, keimte geteilte Freude in der wütenden, trauernden Stadt auf und die Stadt reagierte. Erst begann vereinzelt jemand, an Reeves Seite zu jammen, dann schlossen sich einige junger Männer an und schließlich große Menschenmengen. Entschlossenheit und Freude zeichneten sich unmissverständlich in deren Gesichtern ab. Eine ungewöhnliche, unerwartete Anmut taucht plötzlich vor unseren Augen auf und wir erblicken ein anderes Baltimore, ganz anders als in den Mediendarstellungen – eine Stadt findet einen Weg, von innen heraus zu heilen.

Michael Jackson Dimitri Reeves Baltimore

Zeitgleich zu Reeves erstem gefilmten Tanz ging ich durch einen teuren „Spezialitäten“ Lebensmittelladen in Philadelphia. Die Hintergrundmusik musste unbemerkt davon geschwirrt sein, als es plötzlich geschah: die Luft füllte sich mit einem zeitlosen, rauen Beat und „Thriller“ ertönte. Sofort bewegten sich alle. Der Mann hinter der Fleischtheke schunkelte ständig leicht hin und her. Das Gesicht des bewaffneten Wachmanns am Eingang (der einzige Farbige in dem Geschäft) wurde weich, er begann zu nicken. Eine Frau in meiner Nähe hielt inne und blickte in die Ferne. Mit den Füßen wippend. Für einen mystischen Augenblick vergegenwärtigte sich etwas, das wir brauchten, jedoch verloren hatten.

Es war ein großartiger Moment, aber es fehlte auch etwas. Obwohl alle auf die Musik reagierten, taten sie es mit einer seltsamen Verstohlenheit – nicht offen, gemeinsam oder mit dem ansteckenden Jubel wie in Baltimore. Keine Augen trafen sich, niemand lachte oder sang, niemand bewegte sich ohne Zurückhaltung oder verschmolz mit dem Beat. Ein anderer Song kam. Wir schoben unsere Einkaufswagen weiter und begutachteten handgemachten Käse. Nichts veränderte sich.

Seither denke ich über diese beiden Szenen nach, die, so unterschiedlich sie auch waren, eines gemeinsam hatten: Michael Jackson. Dimitri Reeves hätte sich für sehr viel neuere und hippere Titel als „Beat It“ entscheiden können, aber seine Entscheidung, zu Jacksons Lied zu tanzen, war treffsicher. Michael Jackson gestaltete seine Musik – vielleicht mehr als jeder andere Entertainer – bewusst als Geschenk der Hoffnung und Heilung. Jeder Song bietet eine einzigartig mitfühlende Vision, einen hartnäckigen Glauben an die menschliche Fähigkeit zur Verbundenheit, Freude und die Schaffung von Gerechtigkeit. Erscheinen Dir diese Ideale konserviert oder wunderlich? Scheint die Vorstellung, dass Musik die Welt umgestalten kann, abwegig? Ich war selbst geneigt, so zu denken. Aber die von Reeves geschaffenen schimmernden Momente legen etwas anderes nahe.

Reeves’ mächtiger Tanz erinnert uns daran, dass Jackson mehr schuf als unwiderstehliche, hervorragend vermarktbare Titel oder sogar grandiose Musik. Sein Werk bleibt auch politisch machtvoll. Einer der Gründe dafür ist Jacksons Beharrlichkeit auf Verantwortung und Empathie – who am I to be blind, pretending not to see their need? (Wer bin ich eigentlich, dass ich davor die Augen verschließe, so tue, als ob ich ihre Not nicht bemerke?) Ein weiterer ist seine stetig wiederholte Aufforderung: Come and dance with me. (Komm und tanz mit mir.) Wir beschäftigten Käufer lehnten es ab, zu tanzen und der Verlust war der unsere, aber Dimitri Reeves und seine Nachbarn entschieden sich – weiser als wir – mit Michael Jackson zu tanzen: Dreh’ es laut auf, bring’ es zu anderen, lehne Befangenheit und Urteil ab, und sei glücklich.

Wird tanzen mit Michael Jackson auf magische Art die Welt heilen (heal the world) und es für die gesamte Menschheit zu einem besseren Ort machen (make it a better place for the entire human race)? Wird es die Frage eines kleinen Mädchens an einen Polizisten in „We’ve Had Enough“ beantworten – „Warum können sie wählen, wer leben wird und wer sterben wird?“ (How is it that you get to choose who will live and who will die?) Wird es Gerechtigkeit für Freddie Gray herbeiführen oder ein rassistisches “Rechts“-system reparieren? Nein. Aber es kann tatsächlich helfen. Wie Reeves gezeigt hat, hilft es bereits.

Befremdlich ist, dass sich die Mainstreamkultur in den Vereinigten Staaten, die jede Hilfe braucht, die sie bekommen kann, gegen Jacksons ausgestreckte Hand zu wehren scheint. Es ist bemerkenswert: für einen Mann, der die Welt der Popmusik bis vor kurzem über Jahrzehnte beherrschte, wurde Michael Jackson zu einer seltsam schattenhaften Figur. Natürlich nicht am Las Vegas Strip oder bei Sony Music, wo er jedes Jahr weiterhin Millionen einbringt und bei weitem der meistverdienendste Musiker der Welt bleibt, größtenteils wegen Verkäufen nach Übersee.

Michael Jackson One Show Las Vegas
Worüber ich spreche ist der Mainstream, die Kultur der Hauptstrassen in den Vereinigten Staaten, insbesondere die Kultur privilegierter, weißer Amerikaner – wie jener in dem Lebensmittelgeschäft in Philadelphia. Dort wird Michael Jackson und seiner Musik vermehrt die kalte Schulter gezeigt, einhergehend mit einer Abneigung, Jacksons unerschrockenen Idealismus, seine wegweisende, ungewöhnliche Rolle und seine Ausübung von Integration und Mitgefühl zu zelebrieren. Es gibt sogar einen Widerwillen dagegen, seine hervorragende Kunst anzuerkennen. Wir begegnen Michael Jackson nicht geradewegs mit Anerkennung. Wir schätzen seine bedeutende Leistung nicht mit dem verdienten Staunen. Wir tanzen nicht.

Ganz gleich in welchem Kontext, wäre das eine ziemlich unwürdige Art und Weise, sich gegenüber einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu verhalten. Obendrein ist es eine besonders unkluge Haltung, die jetzt eingenommen wird, weil es uns ermöglicht, die Herausforderungen der Denkweisen und Verhaltensmuster abzuleiten, denen sich Jackson, sowohl menschlich als auch künstlerisch, stellte und welche die Gesellschaft in diesem Land fortlaufend vergiftet. Warum sollte das sein?

Ich fragte einen Freund in den Zwanzigern, was er von Michael Jacksons Musik hält: tanzen die Kids immer noch dazu? Die Antwort meines Freundes war aufschlussreich: „Großartige Musik,“ sagte er, „aber wenn jemand damit beginnt, was er mit kleinen Kindern getan hat, ist er besser vergessen.“ Ich war fassungslos. Ist das möglich? Nach einem der teuersten und intensivsten Prozesse in der Geschichte Amerikas, der in „nicht schuldig“ in allen Anklagepunkten resultierte, nach wiederholten Beweisführungen, die zeigten, dass Michael Jackson nichts falsches getan hatte, sondern Erpressern zum Opfer fiel und angesichts der riesigen Anzahl übereinstimmender Aussagen, die bezeugen, dass Jackson tatsächlich ein ehrenvoller, geschädigter Menschen war – kann es sein, dass der Medien-Abschaum, der sein Lynchen als Möglichkeit zur Gewinnbringung wahrnahm, Jackson bis heute definiert und die Macht seines Schaffens beschränkt? Anscheinend. Die Kreuzigung von Jacksons Ansehen im Zeitlupentempo, die vor über einem Jahrzehnt stattfand, geht immer noch weiter.

Es geht darüber hinaus in unerwarteter Art weiter. Ich möchte nicht behaupten, dass das, was Jackson passierte, in irgendeiner Weise damit vergleichbar wäre, was Freddie Gray, Michael Brown, Eric Garner und anderen farbigen Amerikanern passierte, die vor kurzem durch Exekutivbeamte starben. Jackson überlebte sein Martyrium schließlich (gerade noch) und machte (kurzzeitig) weiter. Ich sage nicht, dass all das jüngste Leid und die Ungerechtigkeit in direktem Zusammenhang mit Jacksons speziellen Erfahrungen steht. Aber ich möchte darlegen, dass die selben Strukturen der Ungerechtigkeit, die augenblicklich zivilrechtlichen Behörden erlauben, unbewaffnete Amerikaner zu ermorden, auch Jackson Schaden zufügten und dass uns sein Fall helfen kann, diese Strukturen zu verstehen und sich dagegen zu wehren.

Die gleiche Nation von Zuschauern, die gewillt war, Jackson von diesem Albtraum verschlingen zu lassen, sieht jetzt sogar noch grauenvollere Erlebnisse über dutzende andere hereinbrechen. Manche Beobachter verwenden die verantwortungslos selektiven Aufnahmen aus Baltimore, welche die bundesweiten Medien als Futter für die Verstärkung ihrer Vorurteile präsentierten. (Wer würde aufgrund der Fernsehbilder vermuten, dass Zerstörung weniger häufig waren als geordnete Demonstrationen und Gesten der Solidarität?) Jacksons Erlebnisse sind nicht die selben wie die von den vielen, vielen farbigen Menschen, die kürzlich in Konflikt mit der Polizei gerieten und starben. Aber sie sind in gewisser Art und Weise ähnlich. Sie sind auf ähnliche Art und Weise beschämend und die Gründe dafür sind gleichartig. Sie zeigen ähnliche Pathologien, die uns zerfressen und die uns mehr über uns selbst zeigen als wir sehen möchten.

Es gibt etwas, das Michael Jacksons Erfahrung verdeutlicht. Die Ungerechtigkeit, die wir jetzt miterleben, beruht auf einer entsetzlichen, langjährigen Tatsache über das Leben in den Vereinigten Staaten (und diese wird gewissermaßen dadurch autorisiert): sobald es um Respekt, Bürgerrechte und Gerechtigkeit geht, ist es von Bedeutung, ob Du schwarz oder weiß bist. Jackson war der meist gesehendste farbige Amerikaner der letzten Jahre und er musste feststellen, dass er nur beschuldigt werden musste, um grausam behandelt zu werden. Aber diese Erkenntnis traf ihn keineswegs alleine. (einzigartig war, wie unmittelbar die Medien für Jacksons Leiden verantwortlich waren. Wenige tatsächliche Kriminelle müssen die Schmach ertragen, die er vor globalem Publikum erleiden musste.) In Jacksons Fall wurde wie in jedem der widerlichen Fälle, von denen wir in den vergangenen Jahren gehört haben, einem farbigen Amerikaner eines der wertvollsten Rechte vorenthalten, welches angeblich jeder Amerikaner inne hat: die Unschuldsvermutung. Jeder dieser Fälle ist anders, aber dieser entscheidende Faktor ist in all diesen Fällen gleich.

In Jacksons Fall war möglicherweise die Tatsache, dass jede von ihm getätigte Aussage irgendwie automatisch bestritten wurde, am gröbsten und intimsten von Fremden und in der Öffentlichkeit, am beachtenswertesten. Es gab keine Regeln und keinen Respekt. Als frisch gebackener Ehemann hörte sich Jackson an, wie eine Journalistin seine Frau live im internationalen Fernsehen fragte, ob er zum Sex fähig ist. Nicht lange davor fragte ihn eine andere unverblümt, ob er Jungfrau ist. Das Unbehagen, welches sich im Verlauf von Jacksons Leben entwickelte und verstärkte, war tatsächlich eine verständliche Reaktion auf solche Ungeheuerlichkeiten. Keine andere gejagte Berühmtheit, ausgenommen der verstorbenen Prinzessin Diana, erfuhr diese Art der skrupellosen, unerbittlichen Übergriffe, die Jackson erlitt. Selbst Diana war mit diesem Ansturm nur als Erwachsene konfrontiert; Jackson musste damit sein ganzes Leben lang umgehen – von den Nächten an, in denen sein käuflicher Vater Gruppen kichernder Mädchen eskortierte, um den jugendlichen Michael schlafen zu sehen bis zu diesen letzten, ungeheuerlichen, weltweit verbreiteten Fotos, die durch das Fenster der Ambulanz geschossen wurden und einen sterbenden oder bereits toten Jackson zeigen, der mit Fäusten bearbeitet und intubiert wird. Und dann gab es da noch die oft nachgedruckte Darstellung des nackten Leichnams am Tisch der Gerichtsmedizin.

Diese Ausschreitungen der Medien und unzählige andere wurden (und werden) routinemäßig mit dem Verweis auf Jacksons merkwürdigen Charakter erklärt. Er sei selbst schuld, wird uns gesagt, wegen dieser verwirrenden öffentlichen Rolle – fast schon vergleichbar mit einem unbewaffneten, rassisch gekennzeichneten Teenager, der „bedrohlich aussieht“. Aber der Rückgriff auf diese Art der engstirnigen, persönlichen Darlegung lenkt die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen ab – weit verbreitetem Rassismus und systemischer Ungerechtigkeit. Die Eigenheiten oder Fehler jener Person, die man brutal behandelt, anzuführen, um die eigene Verrohung zu erklären (zu entschuldigen? zu verharmlosen?), schiebt dem Opfer in gewissem Sinne die Schuld zu. Es ermöglicht zu ignorieren, wie die eigenen Verhaltensweisen und Angewohnheiten Brutalität beherbergen, wenn auch nur durch Passivität.

Das zu sagen, ist nicht das selbe, als zu sagen, dass Michael Jackson nicht außergewöhnlich angreifbar war oder dass er keine schwerwiegenden Fehler machte. Das war er, die machte er. Gefühlvoll, zurückhaltend und übermäßig entgegenkommend, wie das Opfer von Misshandlungen in der Kindheit oft sind, isoliert, verletzlich, narzisstisch, ungewöhnlich, stinkreich, Konfrontationen ausweichend, ungleichmäßig ausgebildet, jedoch mit Genialität belastet und gewohnt, seine Familie durchzubringen, war Jackson, wie Steven Spielberg bekanntermaßen sagte, „wie ein Rehkitz in einem brennenden Wald“. Doch nichts davon macht aus ihm einen Kriminellen – genauso wenig wie eine Strasse entlangzulaufen oder eine unbefugte Hausdurchsuchung nicht zu gestatten oder die Schule abzubrechen Anlässe sind, erschossen zu werden. Kein Wunder: Jackson war überwältigt. Kein Wunder: Amerikaner gehen auf die Strasse, um zu demonstrieren. Wer könnte anderes tun?

Jenseits des reduzierenden Schwerpunktes auf individuelle Eigenheiten gibt es eine andere Erklärung, die sowohl für Jacksons Leiden, als auch für die Krise der Bürgerrechte, der wir jetzt gegenüberstehen, relevant ist: Rassismus. Das ist das Wort und es ist Zeit, es laut auszusprechen. Bei Rassismus geht es in erster Linie nicht um die Leute, die darunter leiden, es geht um jene, die ihn ausüben. Es geht nicht um andersartige oder fremde Personen, es geht um gewöhnliche Leute, die entscheiden, wer anders und fremd ist und die sich dazu entscheiden, sie lieber zu fürchten, als sie zu feiern.

Gelegentlich zeigte der Rassismus, der Jackson immer wie ein Schatten verfolgte, deutlich sein dämonisches Gesicht – beispielsweise, als die Ignoranten ihm vorwarfen, „weiß sein zu wollen“, als seine Vitiligoerkrankung sichtbar wurde. Michael Jackson bezeichnete sich stets als schwarz (Ich sehe einfach in den Spiegel; ich weiß, dass ich schwarz bin) und führte schwarze Entertainer (James Brown, Jackie Wilson, Diana Ross, Stevie Wonder, Otis Blackwell, und Sly Stone, um nur einige zu nennen) als seine wichtigsten Einflüsse auf. Er zelebrierte sein afroamerikanisches Erbe so weit, dass er seinen beiden Söhnen den Sklavennamen seines Ur-ur-Großvaters gab, Prince. Seine Musik verherrlichte die glorreichen Traditionen schwarz-amerikanischer Musik immer und verließ diese nie. Dennoch wird Jackson für seinen vermeintlichen Wunsch, weiß sein zu wollen, gehasst.

Michael Jackson Charlie Hebdo Cover 2009

Dieser irrationale Hass verfolgte Jackson sogar über seinen Tod im Juni 2009 hinaus. Charlie Hebdo’s Cover im Juli jenes Jahres zeigte ein Skelett im Jackson-Stil mit dem Titel „Michael Jackson, en fin blanc“ – „Michael Jackson, endlich weiß“. Eine sarkastische Andeutung, die gerade im Internet die Runde macht, enthält ein Foto eines Modells mit Vitiligo und erinnert uns dankenswerterweise daran, dass es sich hierbei um dieselbe Krankheit handelt, die Jackson „behauptete“, gehabt zu haben. „Behauptete“ – trotz Fotobeweisen aus unterschiedlichen Lebensabschnitten, den einstimmigen Bezeugungen vom Familienmitgliedern, Dermatologen und Visagisten, dem Umstand, dass der älteste Sohn des Entertainers ebenfalls unter dieser seltenen Erbkrankheit zu leiden scheint und sogar der endgültigen Diagnose des Autopsieberichts. Welchem weißen Entertainer wurde jemals so wenig Mitgefühl für eine lebenslange, belastende Krankheit (eine von mehreren, unter denen Jackson litt) entgegengebracht? Wann wurde je so wenig im-Zweifel-für-den-Angeklagten gewährt, so viel bösartiger Nonsens konstruiert? „Ihm wird nicht so schnell dafür vergeben werden, so viele Spieße umgedreht zu haben.“, schrieb James Baldwin vorausschauend, als Thriller die Welt eroberte.

Es sollte niemanden überraschen, dass Michael Jackson, wie praktisch jeder andere farbige Mensch in dieser Gesellschaft, unter Rassismus litt. Was bemerkenswert ist, ist wie krass und routinemäßig die individuelle Begründung in Jacksons Fall für die Gesellschaft substituiert wurde. Das Muster ist so ungeheuerlich, dass es uns, sobald wir es erkannt haben, über unseren gegenwärtig verheerenden Stand der Dinge unterrichten kann und uns die Wichtigkeit zeigt, die Angewohnheit der Umlenkung, Selbstgerechtigkeit und andauernde Schmähung zu benennen und korrigieren. Privilegierte weiße Amerikaner müssen lernen, deren Tendenz, Unterdrückung zu individualisieren, zu erkennen. Natürlich trägt jeder einzelne etwas zu seinem eigenen Leben bei, aber im Kontext mit Amerikas rassischen Schwierigkeiten ist das Problem nicht primär ein einzelner Farbiger, sondern das System und die übliche Haltung jener, die alle Bürgerrechte genießen.

In den Vereinigten Staaten tendieren wir dazu, Verschiedenheit als pathologisch zu begreifen. Jeder, der unseren Kategorien überschreitet, unsere Vorurteile stört oder vorherrschende Binsenwahrheiten herausfordert, ist uns unangenehm. Michael Jackson und seine Musik taten all das auf vielen Ebenen. Was allerdings am wichtigsten ist und nicht vergessen werden darf: er tat es mit Freude. All zu lange über Jacksons Leid nachzudenken, würde bedeuten, seine unbezwingbare Verspieltheit und Willensstärke zu vergessen. Schlussendlich ist das Erstaunliche nicht, wie seltsam Michael Jackson war oder wie beschwerlich sein Leben war, sondern wie groß seine Fähigkeit zur Freude war, seine Großzügigkeit, seine Fähigkeit und Entschlossenheit, anderen Freude zu bereiten. Grenzenlos neugierig, von Menschen begeistert und von der Schönheit der Welt bezaubert hatte er einfach so viel Spaß. Er litt, ja; er war am Boden und machte schmerzhafte Erfahrungen. Aber das macht seine Überschwänglichkeit so bemerkenswert und die Tatsache, dass er anderen Menschen Freude brachte (und immer noch bringt), so wertvoll. Ganz gleich, was passierte, er tanzte. Das müssen wir honorieren und nicht vergessen – und weiter tanzen.

Dimitri Reeves hat uns letzten Monat vieles beigebracht. Darunter auch, dass wir Michael Jackson jetzt mehr denn je brauchen. Die schändliche Behandlung, die Jackson von der Volkskultur erfuhr, die er so sehr bereicherte, war kein isoliertes Phänomen – sie war nur zu charakteristisch. Jacksons Erfahrung deckt nach reiflicher Überlegung schädliche Gesinnungen und Verhaltensweisen auf, die auch heute noch sehr weit verbreitet sind. Es wäre natürlich weit besser gewesen, wenn Jackson nicht hätte durchmachen müssen, was er durchmachen musste. Genauso, wie es besser wäre, wenn farbige Amerikaner unsere Strassen sicher vor Gesetzesvertretern entlanggehen könnten. Die mächtigere Mehrheit sollte imstande sein, zu lernen, wie man sich verhält, ohne bereits Benachteiligten Leid zuzufügen und kein Maß an Bildung und Entwicklung der bereits Priviligierten kann beginnen, die Formen der Ungerechtigkeiten, über die wir sprechen, wettzumachen. Gleichzeitig ist es aber entscheidend, dass jene, die Privilegien genießen, realisieren, dass es nicht jedem so geht und ihre Macht dazu nutzen, das zu ändern. Geringstenfalls sollten wir jetzt darauf bestehen, dass jedem die Unschuldsvermutung zusteht, was Verbesserungen in der Art und Weise, wie die Medien und der Gesetzesvollzug arbeiten, erfordert.

Dank Dimitri Reeves haben wir einen kleinen Weg gesehen, in eine heilende Richtung aufzubrechen, einen Weg, den er direkt von Michael Jackson bezog: wir können heraustreten und auf der Strasse tanzen, Freude verbreiten statt Angst. Come and dance with me (Komm und tanz mit mir), schrieb Jackson, Join me in my dance, please join me now (Folge mir in meinem Tanz, bitte folge mir jetzt). Reeves nahm Jacksons Einladung an.

Mit Michael Jackson zu tanzen, seine ausgestreckte Hand zu nehmen, ist mehr als nur ein schwieriges, außergewöhnliches Leben und enorme Begabungen zu ehren – obwohl es höchste Zeit ist, das ohne Widerwillen und Beurteilungen oder Lügen zu tun. Wir müssen es für uns selbst tun und füreinander – nicht in dem Versuch, uns selbst vor dem gegenwärtigen Schmerz und der Gefahr zu schützen, aber um weiter in die verwirrendsten Aspekte unserer eigener Leben einzutauchen und ihnen Freude gegenüberzustellen. Es ist eine Möglichkeit, die Art der Zukunft zu wählen, die wir haben wollen und den Menschenschlag, der wir sein wollen.

Mit Michael Jackson zu tanzen wird bedeuten, Hass und Angst loszulassen, Schönheit darin zu würdigen, was uns fremd erscheint und bereit zu sein, die Gelegenheit wahrzunehmen. Es wird einfordern, dass wir andere Menschen fantasievoll und einfühlsam behandeln, in dem Raum, der unserer Auffassung nach unser eigener ist, und mit Respekt. So ist der Tanz, zu dem uns Jackson einlädt zu tanzen, eine Art ethische Übung. Es ist eine Art, unseren Überzeugungen und Bekenntnissen gerecht zu werden und für unsere Privilegien Verantwortung zu übernehmen.

Verstanden? Gut. Lasst uns tanzen.

Michael Jackson Dimitri Reeves Baltimore 2015Dimitri Reeves in Baltimore, April 2015

Analyse des Diane Sawyer Interviews von 1995: Was wir daraus lernen können

by

Quelle: http://www.allforloveblog.com/?p=9840
vom 19. April 2015

Wenigstens war es ein Tanz, den er nicht allein tanzen musste

Wenigstens war es ein Tanz, den er nicht allein tanzen musste

Im vergangenen Oktober und November führte eine sehr interessante, mehrteilige Diskussion über Michaels HIStory-Teaser im Blog Dancing With The Elephant zu einer ebenfalls interessanten Diskussion im darauf folgenden Kommentarteil über Michaels Interview bei Diane Sawyer im Jahr 1995.

Original-Link: 

https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2014/10/30/the-history-teaser-part-1-triumph-of-the-will/

Deutsche Übersetzung: 

https://all4michael.com/2014/11/12/history-teaser-teil-i-triumph-des-willens/

Der Bezug des Sawyer-Interviews zu dieser Diskussion bestand darin, dass Sawyer den Clip des HIStory-Teaser-Films während des Interviews abgespielt hatte und damit Bezug auf die damalige Kontroverse über den Teaser als einem Pro-Nazi-Film nach dem Vorbild des Films Triumph des Willens nahm. Natürlich verneinte Michael diesen Vorwurf, aber die daraus entstandene Debatte hätte zu einer faszinierenden Diskussion darüber werden können, wie Michael seine Kunst sah – wäre nur ein wenig mehr Zeit in diesem Interview dafür geblieben, vielleicht aber auch, wenn Sawyer ihm nicht so abschätzig über den Mund gefahren wäre, bevor er überhaupt zu Wort kam, um etwas über seine Kunst sagen zu können.

Die Diskussion brachte mich dazu, mir das Interview mal wieder komplett anzusehen. Einige Dinge haben mich immer an diesem Interview interessiert, und ich entschied, dass nun eine gute Zeit war darauf zurückzukommen und es noch einmal aufzuarbeiten. Sicher, Diane Sawyer war während der ganzen Sache unnötig selbstgefällig und herablassend, was aber interessant für mich ist, sind Michaels Antworten – nicht nur der Inhalt dessen, was er sagt, sondern wie er es sagt. Bei der Analyse sowohl der Antworten, die Michael und Lisa Marie gaben, als auch ihrer gemeinsamen Körpersprache wird sehr viel preisgegeben und/oder es kann halbwegs vermutet werden – über ihre Beziehung, ihre Reaktionen zu den Fragen über die Anschuldigungen, über Michaels Aussehen und wie er als Künstler arbeitete. Ob direkt ausgesprochen oder durch ihre Körpersprache oder Reaktionen angedeutet kann vieles in diesem Interview zwischen den Zeilen gelesen werden. In den vergangenen Wochen bin ich immer wieder zu diesem Interview zurückgekehrt. Erstaunlicherweise kann dieses eine Interview glaubhaft die Fragen über Michael Jackson beantworten, die die Welt am brennendsten interessierten – wenn sie nur richtig hinsehen und –hören würde. Und das hat nichts – nothing, zero, nada, nilch – mit Diane Sawyers Fähigkeiten als Interviewerin zu tun, sondern einfach nur damit, wie ihre beiden Interviewpartner reagieren.

Man kann sie fast sagen hören:

Man kann sie fast sagen hören: “Lass’ uns diese Sache durchziehen!”

Ein Grund, weshalb ich denke, dass dieses Interview wahrscheinlich ein bisschen offenherziger ist als viele andere, die Michael allein gab, besteht vielleicht darin, dass Lisa Marie bei ihm war. Michael hatte natürlich vorher schon Interviews mit anderen zusammen gegeben. Während seiner gesamten Jugend hatte er Interviews mit seinen Geschwistern gegeben. Und er hatte Interviews an der Seite von Freunden gegeben, wie jenes, bei dem Elizabeth Taylor während seines Oprah Interviews kurzzeitig dabei saß, aber solche Interviews waren selten geworden während seiner Zeit als erwachsener Superstar – im Grunde waren Interviews an sich Mitte der 90er Jahre eine Seltenheit geworden, und die wenigen, die er gewährte und von denen erwartet wurde, dass er allein im Zentrum des Interesses stand, wurden immer mit viel Glanz und Gloria begrüßt. Dieses Ereignis war daher insofern historisch, als er zum ersten Mal ein Interview vollständig an der Seite von jemandem führte, dessen Vertrautheit mit ihm sowohl über Blutsverwandtschaft, als auch über reine Freundschaft hinausging – mit anderen Worten, es war das erste Mal, dass er jemals mit jemandem für ein Interview da saß, mit dem er auch nach Hause gehen würde, wenn die Kameras stoppten. Ja, ich spreche darüber, sich mit hinzusetzen und gemeinsam mit einem Partner über sich selbst zu sprechen; mit jemandem, der weiß, ob er den Sitz der Toilette wieder herunterklappt oder nicht. Mit anderen Worten, eine Ehefrau. Dementsprechend herrscht während dieser Unterhaltung eine wesentlich vertrautere Atmosphäre als bei Michaels Interviews der Vergangenheit. Es ist nur natürlich, dass wir dazu neigen, unsere Wachsamkeit und Abwehrhaltung zu lockern, wenn wir uns in vertrauter Gesellschaft befinden. Und wir können auch beobachten, wie Michael und Lisa dazu neigen, sich gegenseitig zu reflektieren und manchmal aneinander abzuprallen. In den Fällen, in denen Michael normalerweise der Frage ein wenig ausgewichen wäre oder seine Standardantworten gegeben hätte, kommt Lisa mit Antworten um die Ecke, die das Interview leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Eigentlich gibt es einige Stellen in dem Interview, an denen sie entschlossener als Michael zu sein scheint, gewisse Dinge richtigzustellen (was vielleicht dem Wunsch entspringt einiges der harten Kritik zu entschärfen, die seit ihrer Hochzeit an sie gerichtet wurde), aber wir sehen hier auch einen sehr lebhaften Michael, der, anscheinend zum ersten Mal wirklich seine Meinung sagen will, auch wenn er daran oft durch Sawyer gehindert wird, die offensichtlich versucht, das Interview zu kontrollieren, es zu manipulieren und es dahin zu steuern, wohin sie es haben will. Viele Male während des Interviews ist es offensichtlich, dass Michael vor Ungeduld platzt. Er möchte nicht gelenkt werden, er möchte seine Meinung äußern – und offen gesagt gibt es Zeiten, da eine sichtlich frustrierte Sawyer alle Hände voll zu tun hat ihn unter Kontrolle zu halten.

Von Anfang an ist dies natürlich die Art von Dynamik, die beabsichtigt, Michael sofort in eine benachteiligte Position zu bringen, zwischen zwei Frauen, die über ihn reden. Es handelt sich um dasselbe unbehagliche Dreiecksverhältnis, das Oprah Winfrey in ihrem Interview 1993 herstellte, als sie Liz Taylor zum Gespräch dazu bat. Craig Baxter, ein bekannter Experte für Körpersprache, nahm eine faszinierende Videoanalyse über Michaels Körpersprache während dieses Interviewabschnitts vor. Obwohl Liz nur Positives sagte, ging es natürlich nicht um die Worte, die gesprochen wurden. Es war die absichtlich herbeigeführte unangenehme Situation, jemanden im Raum stehen zu lassen (nachdem er buchstäblich seinen Platz für Elizabeth hergegeben hatte), während über ihn gesprochen wurde. Und dazu kommt noch, dass er wusste, in diesem Moment landesweit im Fernsehen zu sehen zu sein. Was macht man dann? Wo lässt man seine Hände? Welchen Gesichtsausdruck zeigt man? Craig Baxter hat Recht. Wenn man das Video ansieht, ist zu erkennen, was für ein unangenehmer, unbehaglicher Moment dies für ihn ist. Stellt euch nur mal vor, wie unwohl sich die meisten Männer fühlen würden, wenn sie in einem Raum mit ihrer Frau und ihrer Schwiegermutter stecken und zuhören müssten, wie sie über ihn reden! Nun, stellt euch einfach dieses Szenario vor und ihr könnt ziemlich gut erahnen, wie Michael sich gefühlt hat. Auch wenn die Kommentare über ihn gut gemeint sind, entschärft es doch nicht die betretene Verlegenheit dieses Augenblicks. Wie Baxter bemerkt scheint es fast wie eine absichtliche Inszenierung, um ihn bewusst zu benachteiligen. Schließlich sollte er im Mittelpunkt des Interviews stehen, nicht Taylor. Vielleicht handelte es sich hier nur um mangelhafte Planung (Oprah wollte Michael offenbar mit Taylors Erscheinen überraschen), aber man bittet keinen großen Star wie Michael Jackson zu einem Interview und zwingt ihn dann tatenlos am Rand zu stehen, während jeder im Raum über ihn quatscht.

Nun ein schneller Sprung ins Jahr 1995, und wieder hat Michael einer Situation zugestimmt, in der er direkt in eine Art benachteiligte Position gebracht wird, als ein Mann zwischen zwei Frauen – seiner Ehefrau und einer äußerst angriffslustigen Interviewerin. Als er darauf einging musste er wissen, dass er das Hauptthema der meisten Fragen sein würde. Diane Sawyer interessiert sich nicht für Lisa Marie, es sei denn indirekt als Partnerin in dieser Ehe. Jede Frage bezieht sich auf Aspekte seines Lebens: Hat er ein Kind belästigt oder nicht? Hat er seine Haut gebleicht oder nicht? Hat er mit seiner eigenen Frau geschlafen oder nicht? Er musste bereits wissen, dass sich nur sehr wenig davon auf das konzentrieren würde, worüber er wirklich sprechen wollte – seine Kunst und sein neues Album. Aber jedes Interview ist eine erneute Gelegenheit, eine Chance seine Meinung zu sagen, eine Chance einige Dinge richtig zu stellen. Also ging er bereitwillig in die Höhle des Löwen. Wieder einmal.

Das Interview beginnt ganz harmlos damit, dass Sawyer Michael und Lisa über den Beginn ihrer Beziehung befragt. Ich würde sagen, das war eine faire Frage, denn für viele von uns schien diese Beziehung plötzlich, wie aus dem Nichts, gekommen zu sein (gefolgt von dem damit verbundenen Misstrauen). Wie sich herausstellte konnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein. In diesem Abschnitt ist Michael sehr lebhaft und offen und schwärmt von der Anziehungskraft, die für ihn nun schon seit zwanzig Jahren andauerte.

Lisa im Alter von 7 Jahren, als sie einen bleibenden Eindruck auf einen damals 17-jährigen Michael gemacht hatte

Lisa im Alter von 7 Jahren, als sie einen bleibenden Eindruck auf einen damals 17-jährigen Michael gemacht hatte

Lisa hatte im zarten Alter von sieben Jahren einen anhaltenden Eindruck auf ihn gemacht. Er war siebzehn, als sie sich in Las Vegas das erste Mal hinter der Bühne trafen. Seine Körpersprache während dieses Abschnittes ist offen und direkt, was darauf hinweist, dass seine zum Ausdruck gebrachten Gefühle authentisch sind. Sein Verhalten ist ein wenig das eines Mannes, der sich immer noch in der Hochstimmung seiner Flitterwochen befindet. Er empfindet sich immer noch als den glücklichsten Kerl der Welt, der sie schließlich „herumgekriegt“ hat. Die Spontaneität seiner Gestik, sein Lächeln, als er sich an ihre Anfänge erinnert, sind das Kennzeichen aufrichtiger Gefühle. Tatsächlich ist er so in den Erinnerungen gefangen und es sprudelt über seine bereits zwanzig Jahre währende Anziehung ihr gegenüber aus ihm heraus, dass er für einen Moment fast vergisst, dass es für manche vielleicht ein wenig unheimlich erscheint, dass er bei ihrem ersten Treffen siebzehn war und sie erst sieben, weshalb er sich beeilt nachzusetzen, dass er Branca erst bat, sie zu kontaktieren, als sie 18 war. Es ist wirklich ein sehr süßer Moment in dem Interview, als er bemerkt, dass er besser klarstellt, bis dahin keinerlei romantisches Interesse gehabt zu haben. Es ist in dem Sinne süß, dass er einfach nicht sein Anhimmeln ihr gegenüber verbergen kann, und es ist schwer für ihn, sich an eine Zeit zu erinnern, als er nicht diese Gefühle für sie hatte.

Während dieses Teils des Interviews ist er sehr viel offener als Lisa, die ziemlich ruhig und verschlossen bleibt und ihm hier die Führung überlässt. Ich denke nicht, dass es nötig ist, hier zu viel hineinzulesen. Sie überlässt ihm die Führung, denn er war damals schließlich siebzehn Jahre alt. Ihre Erinnerungen im Alter von sieben Jahren dürften nicht annähernd so klar gewesen sein wie seine. Außerdem erkennt sie, wie wichtig diese Gelegenheit für ihn ist, seine Gefühle für sie auf einer weltweiten Plattform auszudrücken. Zu diesem Zeitpunkt war dies etwas, was die Welt hören sollte – welche Gefühle hegte Michael wirklich gegenüber Lisa Marie Presley? Gott sei Dank tat er nicht so etwas Verrücktes wie auf einer Couch auf- und abzuspringen! Er sagte nicht einmal „Ich liebe diese Frau“, aber das musste er auch gar nicht. Noch einmal, seine Körpersprache zeigt hier alle Merkmale von wirklicher Aufrichtigkeit, besonders für jeden, der mit der für ihn typischen Ausdrucksform und seinen Gesten vertraut ist. Als er sagt, er wäre „aufgewühlt“ gewesen, als er die Bekanntgabe ihrer Heirat mit jemand anderem auf einem Magazincover gesehen habe, scheint das eine sehr ehrliche Feststellung zu sein.

Von Zeit zu Zeit scheinen die Erinnerungen der beiden hinsichtlich der Details ihres Werbens umeinander sonderbar verschwommen. Aber dies sind die normalen Gedächtnislücken, die nach solch einer stürmischen Phase des Werbens wie dem ihren entstehen können. Die Beziehung kam zwar nicht über Nacht zustande, aber die Dinge haben sich in der Tat in einem solch schwindelerregenden Tempo entwickelt, seit sie sich 1992 als Erwachsene neu kennenlernten. Einige der kleinen Lücken, wie etwa die, bei denen der eine die Erinnerungen des anderen über die Details ihres Antrags wieder auffrischen muss, sind vollkommen normal und natürlich, wenn man die Umstände ihrer Verlobungszeit bedenkt. Dazu kommt noch der Druck, der durch die Interview-Situation entsteht. Das erhöhte Adrenalinlevel, das mit einem Interview einhergeht, ist dasselbe, das die „Kampf- oder Fluchtinstinkte“ in Gang setzt. Man fühlt sich in die Enge getrieben, ist sich intensiv bewusst, dass jedes Wort und jede Geste unter die Lupe genommen wird. Die Angst eine „falsche“ Antwort zu geben, auch wenn es nichts zu verbergen gibt, kann Angstlevel in einem Maß auslösen, die Erinnerungslücken zur Folge haben. Die Tatsache, dass Michael und Lisa ihrer Erinnerung gegenseitig nachhelfen müssen ist typisch für viele verheiratete Paare, und es ist unterhaltsam ihr Zusammenspiel zu beobachten. Sie wirken manchmal ein wenig wie zankende Kinder – ein weiteres todsicheres Zeichen wirklicher Chemie zwischen ihnen.

Zu diesem Zeitpunkt des Interviews sind beide sehr ungezwungen. Die Fragen erzeugen keinerlei Spannung. Diese Atmosphäre ändert sich abrupt, als Sawyer damit beginnt, sie bezüglich der Anschuldigungen in die Mangel zu nehmen. Seht euch Michaels und Lisas Gesichter bei etwa 3:18 an, als sie die Unterhaltung auf die Vorstellung lenkt, ihre Ehe sei „zu zweckdienlich“. Man kann deutlich erkennen, wie sich beide für das wappnen, was jetzt kommt.

Jedoch sollte man an dieser Stelle anmerken, dass sie sicherlich nicht blindlings mit der Erwartung, dass diese Fragen nicht gestellt würden, in dieses Interview gegangen sind. Es ist leicht, manchmal den Reporter in derartigen Situationen zu kritisieren, aber Michael und Lisa hatten vorher anscheinend eine Vereinbarung unterschrieben, dass es keine Fragen geben würde, die tabu seien, es war also nicht gerade so, als wären sie völlig unerwartet in den Hinterhalt gelockt worden. Die beste Interpretation ihres Ausdrucks zu diesem Zeitpunkt wäre, dass sie beide ihre mentalen Waffen für den Teil des Interviews startklar machen, der ihrer Ansicht nach am Unerfreulichsten werden sollte. Sie wissen bereits, dass die Fragen in die Privatsphäre eingreifen, persönlich und emotional schwierig zu steuern sein werden – und dass, in Michaels Fall, eine nicht gut durchdachte Antwort in weitere Probleme mit den Chandlers, bezogen auf die rechtliche Abwicklung des Vergleichs, münden könnte (was unweigerlich als direktes Ergebnis dieses Interviews auch passierte).

Interessanterweise waren sowohl Michael, als auch Lisa bereits lange genug Personen öffentlichen Interesses, so dass die für sie typischen Gesten fast jeder Emotion oder bestimmter Umstände ziemlich bekannt waren. Auf die nun gestellten Fragen reagierten beide jeweils in der für sie typischen Art und Weise, in der sie mit schwierigen Interviewfragen umgingen. Eine für Lisa typische Geste ist zum Beispiel die Tendenz, ihren Kopf einzuziehen und den Interviewer mit Blick nach oben anzusehen, die halb geschlossenen Augenlider (dieses physische Merkmal, mit dem sie ihrem Vater so ähnlich ist) wird so noch mehr betont. Ihr Blinzeln nimmt dramatisch zu. Die Geste sieht ein wenig ausweichend aus, kann aber eigentlich als ein unbewusster Abwehrmechanismus gedeutet werden. Michaels Blick ist unbeugsam und geradeaus, fast ohne Blinzeln, und er schluckt sichtbar schwer. Die typische Reaktion von Leuten, die nicht sehr versiert in der Interpretation von Körpersprache sind, wäre, dies als Zeichen von Nervosität oder Angst, gleichgesetzt mit Schuld, zu deuten. In Wirklichkeit ist Schlucken ein natürlicher Reflex in einer Stresssituation, aber nicht notwendigerweise mit Schuld gleichzusetzen. Es bedeutet ganz einfach, dass derjenige unter Stress steht. Die Aussicht darauf, diese Probleme öffentlich ansprechen zu sollen, begrüßt er ganz sicher nicht, da genau dieses Thema belastend und ihm zuwider ist und ihn den stechenden Blicken auf dem Prüfstand aussetzt, die er sicher lieber vermeiden würde. Er wusste, dass die Frage aufkommen würde, er wollte nur nicht unbedingt „darauf zugehen“. Er wusste, die Frage würde kommen, aber er musste deshalb nicht zwangsläufig selbst „darauf zugehen“. Man beachte, dass sein Blick geradeaus gerichtet bleibt, offen, sicher und fest. Er weicht der Frage nicht aus, sondern vielmehr wappnet er sich dafür. Beide verdauen die Fragen sorgfältig auf ihre ganz eigene Weise und bereiten eine Strategie für ihre Antwort vor. Es ist auch interessant, dass beide hier eine sehr ähnliche Verteidigungsposition einnehmen. Wenn man den Clip bei 4:33 anhält, dann sieht man, dass Lisa mit eng gekreuzten Beinen sitzt. Sowohl sie als auch Michael haben ihre Hände vor sich verschränkt. Wie jeder Experte für Körpersprache sagen wird, ist dies eine Geste, durch die (natürlich unbewusst) beabsichtigt wird eine Grenze zwischen sich und der anderen Person zu ziehen.

Obwohl Sawyer sich große Mühe gibt das Interview zu lenken, erweisen sich sowohl Michael als auch Lisa Marie als sehr schwer „lenkbar“. Ich habe selten ein Interview gesehen, bei dem der Reporter so oft unterbrochen wird, wie es bei Sawyer während dieses Abschnitts der Fall ist! Aber wir müssen uns die zugrundeliegende Motivation dieser beiden Menschen in Erinnerung bringen. Sie wurden offensichtlich in dem Glauben gelassen, dass dies ein Versuch sei, sich offiziell äußern zu können, um einige Missverständnisse klarzustellen – über die Anschuldigungen, über den Stand ihrer Ehe. Beide, sowohl Michael als auch Lisa, scheinen frustriert darüber zu sein, mitten in ihren Gedanken unterbrochen zu werden oder manipuliert zu werden, in eine andere Richtung als dem gerade eingeschlagenen Kurs zu gehen.

Die erste dieser Unterbrechungen tritt auf, als Sawyer Lisa fragt, ob sie ihn jemals gefragt habe, ob die Vorwürfe wahr seien. Lisa sagt auf empathische Weise Nein, das habe sie nicht getan. Somit besteht die unausgesprochene Vermutung, dass sie seine Unschuld einfach geglaubt habe. Denkt dran, das ist genau die Sache, für die sie in ihrem späteren Oprah-Interview kritisiert wurde, in dem sie sagte, soweit sie wüsste, habe sie nie ein Fehlverhalten gesehen, aber sie könne sich auch nicht dafür verbürgen, „was hinter verschlossenen Türen vor sich gegangen sei“. Für diese Äußerung hat sie jede Menge Feuer von den Fans bekommen, die das Gefühl hatten, sie hätte ihn lieber unzweideutig verteidigen sollen als einen kleinen Spalt für die Zweifler offen zu lassen. Aber hier ist es das Gegenteil: Sie vermittelt den Eindruck einer Frau, die nie an ihm gezweifelt hat, sogar in einem Maß ihn nicht einmal zu fragen. Erst als Sawyer wieder zu sprechen beginnt, muss sie noch mal über diese Antwort nachgedacht haben und unterbricht sie, um zu sagen: „Ich musste es nicht.“ Offenbar musste sie Michael dazu gar nicht befragen, weil er sehr offen war und alle Informationen, die für eine Beurteilung nötig waren, selbst lieferte. Das ist es, was sie meinte, als sie sagt, am Telefon sei es alles „Ahhhhhh!“ gewesen. Für Michael war sie jemand, bei dem er sich über jeden Aspekt des Falles auslassen konnte, so dass es nicht nötig war, die Frage überhaupt aufzuwerfen. Sie hatte jedes Detail von ihm selbst erfahren.

Sawyer wendet sich als nächstes wieder Michael zu. Sein Verhalten hat sich nicht geändert. Er bleibt während dieses Abschnitts stoisch wie ein Stein, jedoch können wir erkennen, wie er sich innerlich selbst gegen das wappnet, was sich so anfühlt, wie in einem Zeugenstand in die Mangel genommen zu werden. Auch wenn vorher vereinbart wurde, dass sie nicht davor zurückscheuen würden irgendwelche Fragen zu beantworten, muss ich sagen, ich denke, es war die Höhe der Absurdität von Diane Sawyer, ihn zu fragen, ob er jemals ein Kind auf sexuelle Art und Weise angefasst habe. Für genauso absurd halte ich diese Frage, wenn Interviewer sie bis zum heutigen Tag an Michaels Familie und engste Freunde richten, wenn diese sich zu Interviews bereit erklären (Oprah ist berüchtigt dafür). Ich meine, wirklich, was sollen Freunde und Verwandte auf solch eine Frage antworten? Was sollte Michael hier sagen? Selbst wenn Michael schuldig wie die Sünde gewesen wäre, wäre es nicht so, dass er im Fernsehen sitzen und es zugeben würde. Warum tun sie es also? Was ist der Modus Operandi, der hinter der Strategie solcher Fragen steckt? Aus der Perspektive des Interviewers dient die Frage zahlreichen Funktionen. Eine besteht natürlich in der Rechtfertigung, der Person die Möglichkeit gegeben zu haben „die Dinge richtigzustellen“. Aber meistens ist das, worauf sie wahrscheinlich wirklich hoffen, sie irgendwie zu Fall zu bringen – nicht unbedingt durch ein klares Bekenntnis (von dem sie ohnehin wissen, dass sie es nicht bekommen) als vielmehr um sie in eine Art unabsichtliches Fettnäpfchen treten zu lassen oder in manchen Fällen um einfach zu sehen, ob sie sich winden. Dies bringt wiederum den Aspekt der Sensationsgier ins Spiel, den „Aufhänger“, der Einschaltquoten garantiert. Die Wahrheit ist, dass es die meisten Journalisten wirklich nicht interessiert, ob das Verbrechen stattgefunden hat oder nicht. Aber indem sie Interesse vortäuschen, können sie die Fragen stellen, von denen sie wissen, dass sie dem Zuschauer dadurch, dass sie die Zielperson in eine schutzlose Lage bringen, Appetit auf mehr machen. Die Leute beurteilen nicht nur ihre Antwort, sondern wie sie antworten. Erscheinen sie offen und ehrlich oder durchtrieben und verdächtig? Die Zuschauer sehen nicht so sehr darauf, was gesagt wurde, sondern wie es gesagt wurde und, in manchen Fällen, was nicht gesagt wurde. Diese Art Fragen werden als Versuch „zwischen den Zeilen“ ihrer Antworten zu lesen, gestellt. Sie sind vielleicht nicht so eindringlich wie polizeiliche Befragungen, aber sie verfolgen doch irgendwie den gleichen Zweck – nämlich dass eine unschuldige Person nichts zu verbergen haben sollte. Eine schuldige Person jedoch könnte unter dem Druck zusammenbrechen. Wenn es einem Reporter gelingt einen solchen „Schnitzer“ hervorzurufen, dann betrachtet er dies als einen Hauptgewinn. Wir dürfen davon ausgehen, dass Martin Bashir einen feuchten Traum hatte, als er Michael dazu gebracht hatte über das Teilen seines Bettes mit Kindern zu sprechen. Aber es war eine Reaktion, zu der Michael auf sehr gerissene Art und Weise genötigt wurde, und dies wird bei wiederholtem Anschauen des Filmmaterials offensichtlich. Ich versuche nicht zu behaupten, dass Bashir Michael die Worte in den Mund gelegt hat, aber es war die insgesamt kriegerische und manipulative Natur der Befragung, die darauf angelegt war, Michael in die Defensive zu treiben. Eine Person, der das Gefühl vermittelt wird, sie müsse sich verteidigen, ist eine Person unter Zwang – eine Situation, die sich ganz sicher zugunsten des Reporters und nicht der befragten Person auswirkt. Je mehr sich eine Person in die Enge getrieben und genötigt fühlt, desto mehr lässt ihre Wachsamkeit nach. Aber dies tritt unabhängig von Schuld oder Unschuld der Person ein. Genau wie die meisten wahrscheinlich unter einer intensiven Befragung zusammenbrechen würden, ganz gleich ob sie ein Verbrechen begangen haben, so kann eine Person auch zerbrechen und um sich schlagen, wenn während eines Interviews zu viele Knöpfe bei ihm gedrückt werden. Die reine Überreizung der Sinne, wenn man in eine Verteidigungsposition gezwungen wird, kann einen dazu bringen, nervös und gereizt zu reagieren. Michael wurde in Interviews oft bis an den Rand dessen gebracht (wir sehen es hier, wir sahen es in dem Oprah-Interview und wir sahen es in dem Martin-Bashir-Interview). Ich glaube, seine Irritation entsprang daraus, dass er Dinge gefragt wurde, die er als seine Privatsphäre und als irrelevant betrachtete. Auch wenn er dieser Art „alle Mittel erlaubenden“ Interviews zustimmte (weil er ihre Notwendigkeit erkannte und weil Leute, auf die er hörte, ihm immer sagten, es sei eine gute Idee), mochte er sie nicht. Wie auch Lisa Marie später sagte, der Rebell in ihm schlug oft auf überraschende Weise um sich. Und wenn er sich über etwas aufregte, dann hatte er nicht vor einen Rückzieher zu machen, auch wenn andere annahmen, dass seine Ansichten im besten Fall „seltsam“ oder „exzentrisch“ seien. Wenn wir uns noch einmal die Bashir Doku ansehen, dann ist es nicht die Fragestellung darüber, ob er ein Kind sexuell missbraucht habe, die ihn auf die Palme bringt. Vielmehr ist es die Stelle, an der Bashir ihn mit der Frage bedrängt, wie er es finde, wenn Erwachsene ihr Bett mit Kindern teilen. Damit hat Bashir auf die direkte Anschuldigung hingewiesen, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was möglicherweise als eine philosophische Fragestellung hinsichtlich Michaels persönlicher Werte hätte ausgelegt werden können. Handelt es sich hierbei um eine Praxis, die moralisch richtig oder falsch ist? Das Problem dieser Taktik ist, dass es eine Anspielung von der Handlung einer Person weg auf den sich in einer Grauzone befindenden, eher subjektiven Bereich der persönlichen Ansichten ist, die ziemlich tief im Glaubenssystem jedes Einzelnen und seiner kulturellen Werte oder auch der Umstände, unter denen jemand aufgewachsen ist, verwurzelt sind. Für Michael, der in einem winzigen Haus aufwuchs und sein Bett mit seinen Brüdern und vielen Cousins und Cousinen teilte, war es normal, dass Leute sich die Betten teilten. Es ist eine Intimität, die mit Sex nichts zu tun hat. Folglich war es seine aufrichtige Ansicht, dass das Verhalten selbst kein moralisches Fehlverhalten beinhaltete. In Michaels Augen wurde es nur zu etwas moralisch Falschem, wenn eine gewisse Grenze überschritten wurde, d.h. wenn es zu etwas Sexuellem wurde. Dies hat möglicherweise einen wesentlichen Anteil bei der Erklärung dessen, was für viele eine offensichtliche Trennung seitens Michael von der Vorstellung sein Bett zu teilen und tatsächlichem sexuellem Missbrauch eines Kindes zu sein schien. Im heutigen Amerika und in vielen Kulturen weltweit wird das Bett automatisch aufgrund der vermuteten Intimität zweier Menschen auf so kleinem Raum, mit einem Ort gleichgesetzt, an dem Sex stattfindet. Das Schlafzimmer ist zu einem Synonym für Sex geworden. Wenn wir sagen, ein Paar hat Probleme „im Schlafzimmer“, dann wird automatisch angenommen, wir sprechen über ihr Sexleben. Wir benutzen den Ausdruck „miteinander schlafen“ als eine kulturelle Umschreibung für sexuelle Aktivitäten. Michael setzte in seiner persönlichen Vorstellungswelt das Bett nicht automatisch mit Sex gleich, und er schien sich nicht besonders darum zu sorgen, ob die Gesellschaft deswegen einen Sündenbock aus ihm machen wollte, dass er außergewöhnliche Ansichten zu diesem Thema hatte. In dieser Hinsicht haben ihn möglicherweise manche für unglaublich töricht oder für unglaublich mutig angesehen. Aber wie wir auch immer über seine Reaktionen denken, der vielzitierte Glaube, dass Michael selbst sein größter Feind in Sachen Public Relations bei Interviews war, macht langsam einer neuen Denkweise Platz, da mehr und mehr Experten für Körpersprache wie Craig Baxter begonnen haben Michaels Interviews zu analysieren und öffentlich anerkennen, dass er weit davon entfernt ist der lügende Manipulator zu sein, als den ihn manche Kritiker gern darstellen, sondern dass er in Wirklichkeit eine Person ist, die in den meisten Fällen sehr aufrichtig und von geradezu brutaler Ehrlichkeit ist. Manchmal vielleicht zu brutal ehrlich, als es gut für ihn gewesen wäre. Und dies ergibt auf perfekte Art einen Sinn, wenn wir sein eigensinniges Beharren auf der Verteidigung sogar solchen Verhaltens bedenken, von dem er weiß, dass die meisten es als bestenfalls fragwürdig betrachten. Michael ist im Grunde so ehrlich, dass er nicht anders kann, auch wenn er weiß, dass seine Ehrlichkeit zwangsläufig dazu führen wird, sehr zu seinem Nachteil missgedeutet zu werden Dies ist wahrlich nicht das Erkennungsmerkmal eines Menschen, der etwas zu verbergen hat, sondern eher eine metaphorische Entsprechung für jemanden, der sein mitfühlendes Herz auf der Zunge trägt. Anstatt mit all den „sicheren“ und „korrekten“ Antworten auf Nummer sicher zu gehen breitet er alles vor uns auf dem Tisch aus, als ob er sagen wollte: „Dies ist Michael Jackson. Nimm ihn, wie er ist oder lass’ es.“

An diesem Punkt muss sich jeder einmal die Frage stellen: Würde eine schuldige Person so handeln? Oder würde diese es nicht eigentlich eher als angemessen befinden die sichere Karte auszuspielen und all jene „korrekten“ Antworten zu geben, so als würden sie von einem Skript abgelesen werden? Dass Michael nur zu „echt“ war, ist wahrscheinlich eine der liebenswertesten Eigenschaften seiner Interviews.

Aber ich merke, dass ich gerade ziemlich lange vom Interview selbst abgeschweift bin, also lasst uns an den Punkt zurückkehren, an dem ich aufgehört habe. Jedenfalls hatte Diane Sawyer gerade Lisa Maries Antwort zugehört, und sich nun Michael zugewandt, um seine Sicht der Anschuldigungen zu erfahren. Trotz allem, was ich vorhin gesagt habe, gibt es hier etwas Positives an Sawyers sehr spezifischer und direkter Art der Befragung. Michael sagte oft in Interviews, dass er niemals „ein Kind verletzen“ würde, so wie er es auch hier äußert. Allerdings ist das Problem bei dieser Antwort, und eins, auf das sich seine Gegner seit jeher gern gestürzt haben, dass Pädophile selten glauben, sie würden ein Kind verletzen oder ihm schaden, wenn sie sexuelle Handlungen an ihm verüben. Der typische Pädophile leidet grundsätzlich unter einer Fehleinschätzung, wodurch er aufrichtig glaubt, er würde liebevolle Handlungen ausführen, die dem Kind keineswegs Schaden zufügen. Sie setzen die Vorstellung ein Kind „zu verletzen“ mit physischem Missbrauch gleich, wie etwa Schlagen und Prügeln oder Vernachlässigung. Sowohl Hater als auch Zweifler haben diese Frage in Bezug auf Michaels Antworten erhoben. War dies tatsächlich eher eine dieser typischen Fehleinschätzungen Pädophiler? Ich kann diese Bedenken etwas verstehen. Aber hier ist die Fragestellung sehr, sehr direkt und präzise, und vielleicht gab es am Ende doch einen berechtigten Grund dafür, auch wenn die Frage beim ersten Hören lächerlich erscheint. Sawyer fragt ihn direkt und ausdrücklich: „Hast du JEMALS an diesem oder einem anderen Kind sexuelle Handlungen begangen, ihn liebkost oder sexuellen Kontakt gehabt?“ Dementsprechend gab es absolut keine Mehrdeutigkeit in Bezug darauf, was mit „ein Kind verletzen“ gemeint war, und keine Mehrdeutigkeit darüber, ob Michael genau verstanden hatte, was er gefragt worden war. Angesichts eines solch gezielten und direkten Befragens bleibt er immer noch geradeheraus und unverblümt dabei, dass er niemals eine solche Tat begangen hat. Sowohl seine Worte als auch seine Gesten sind an dieser Stelle entschieden und einfühlsam – die starke Betonung des Wortes „nicht“, als er sagt „Das bin ich NICHT!“ (Das beschreibt nicht den, der ich bin), das Schütteln des Kopfes (was Baxter als eines der grundlegenden Merkmale von Ehrlichkeit hervorhebt). Seine Betonung und Gesten sind hier denen in der Fernsehübertragung von 1993 sehr ähnlich, als er sich zum ersten Mal gegen die Anschuldigungen ausgesprochen hat – dieselben empathischen Gesten, dieselbe entschiedene Betonung verneinender Worte wie „nicht“ und „niemals“. Jeder Experte für Körpersprache wird euch bestätigen, dass dies nicht die Art ist, in der eine Person reagiert, die lügt. Vielmehr sind dies die Worte und das Verhalten eines Menschen, der große Empörung und Enttäuschung verspürt – genau die Art von Emotionen, wie sie von einer ungerechtfertigterweise beschuldigten Person erwartet würden. Menschen, die lügen, werden unbewusst versuchen als eine Art Ablenkung zurückzuweichen, es gibt bei ihnen sehr wenig Lebendigkeit oder Nachdruck, da ihr unterbewusstes Streben dahin geht das Thema zu wechseln und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich und ihre Reaktionen zu lenken. Folglich tendieren sie dazu, anstatt sehr energisch und lebhaft in ihren Reaktionen zu sein, wie es bei Michael während der Fernsehübertragung 1993 und auch hier im Diane Sawyer Interview war, sehr reduziert in ihren Reaktionen zu sein. Beachtet beispielsweise hier den deutlichen Unterschied zwischen Michaels Reaktionen und jenen von Jerry Sandusky, besonders bei etwa 2:18. Sanduskys Stimme klingt monoton, er neigt dazu sehr viel wegzusehen, und er vermeidet mitfühlende Gestik. Vergleicht dies noch einmal damit, wie Michael hier reagiert.

Eine weitere interessante Frage ist, als Sawyer ihn fragt, was mit jemandem geschehen soll, „der so etwas tut“. Da die Fragestellung derartig präzise war, besteht kein Zweifel darüber, was mit „jemand, der so etwas tut“ gemeint ist. Man kann sehen, dass die Frage Michael irgendwie überrascht, einfach weil ihm nie jemand zuvor diese Frage gestellt hat. Sie scheint aus heiterem Himmel zu kommen, und er war nicht darauf vorbereitet, wie er hierauf reagieren sollte. Seine Antwort scheint hier wirklich aus dem Stegreif zu kommen, und wir können erkennen, wie es in ihm arbeitet, weil er versucht darüber nachzudenken, wie er am besten auf eine solch unerwartete Frage antworten soll. Es ist offensichtlich, dass er über diese Sache bisher nicht viel nachgedacht hat, aber seine Antwort ist vielsagend: „Ich denke, sie brauchen Hilfe, auf gewisse Weise, weißt du.“ Es ist nicht die stereotype, übertriebene Bemerkung in der Art von „Man sollte sie aufhängen“, sondern viel eher eine, die einfühlsamen Einblick in die Tatsache gewährt, dass ein Pädophiler eine kranke Person ist, die Hilfe braucht. Dies ist ein ganz kleiner, aber wichtiger Kommentar von Michael, und er sollte jeglichen Glauben daran beseitigen, dass er an einer Art wahnhafter Fehleinschätzung in Bezug auf die Grenzen zwischen angemessenem und unangemessenem Verhalten oder zwischen „normalem“ und „abnormalem“ Verhalten, litt. Er sagt hier nicht, dass Kinderbelästiger zwingendermaßen Monster sind, aber er macht seinen Standpunkt zu Menschen, die sexuelle Handlungen an Kindern ausführen, sehr deutlich. Dies ist seiner Einschätzung nach nicht normal und sicherlich kein entschuldbares Verhalten. Es sind die Taten einer kranken Person, die psychiatrische Hilfe braucht. Nach Beseitigung aller Zweideutigkeiten gibt es keinen Zweifel, wie sein Standpunkt in dieser Sache ist.

Die nächste Fragestellung wendet sich den polizeilichen Fotos zu. Da gibt es einen weiteren Ausdruck einer Emotion, der kurz sein Gesicht streift (leicht erkennbar, da die Kamera mit einer Nahaufnahme auf seinem Gesicht verharrt und die Reaktionen während eines Großteils des Interviews einfängt). Dieser Ausdruck ist unverfälscht, intensive Traurigkeit und Demütigung – und auch Entrüstung. Der Tag, an dem er nackt vor Kriminalbeamten und Polizeifotografen stand, die seine Genitalien untersuchten und fotografierten, war fast zwei Jahre her, aber all diese Emotionen, die dieser Vorfall hervorgerufen hatte, waren in seinen Gedanken immer noch frisch und unverarbeitet. Dies ist ein schmerzlicher Moment für ihn, Sawyer hat einen empfindlichen Punkt erwischt. Vergleicht diese Fragestellung damit, wenn man das Opfer einer Vergewaltigung auffordern würde, zurückzudenken und sich daran zu erinnern, was passiert ist. Das kann nicht geschehen, ohne jene PTS Trigger (PTS: Post Traumatic Stress) zu entzünden, und das ist es, was wir in diesem Abschnitt des Interviews sehen. Man nimmt eine unterschwellige Wut wahr, als Michael auf diese spezielle Frage eingeht. Ich glaube nicht, dass diese Wut gegen Sawyer persönlich gerichtet ist, sondern gegen die allgemeine Frustration über die gesamte Situation, zu „so etwas“ gezwungen worden zu sein und diesen Augenblick noch einmal durchleben zu müssen. Es ist eine Wut, die kein wahres, spezielles Ziel hat außer der Ungerechtigkeit der gesamten Situation, und an diesem Punkt ist er sichtbar aufgewühlt und wünscht nichts mehr, als dass die Sache fallengelassen wird. Es ist ihm ernst, als er darauf besteht, dass es „nichts“ gab, was auf eine Verbindung mit diesen Vorwürfen hinwies, aber sein wiederholtes „Das ist der Grund, warum ich hier sitze und mit dir spreche“ kann auf zwei Arten gedeutet werden: Auf der einen Seite ist es natürlich wahr. Wenn es auch nur einen eindeutigen Beweis, ein Stückchen eines Beweises gegeben hätte, das ihn tatsächlich mit einer sexuellen Belästigung Jordan Chandlers in Verbindung gebracht hätte, dann wären die polizeilichen Ermittlungen fortgesetzt worden (mit oder ohne Vergleich). Er wäre verurteilt worden und ins Gefängnis gekommen. Dies war Michaels Art zu sagen: „Sieh her, wenn es auch nur irgendeinen Beweis gegeben hätte – wenn diese Fotos mit seiner Beschreibung übereingestimmt hätten – wäre ich heute kein freier Mann und ich würde nicht hier sitzen und Fernsehinterviews geben“. Jedoch ist sein wiederholtes Beharren auf seiner Antwort auch eine Art von Ablenkung, eine (vielleicht) unbewusste Art zu sagen: „Das ist alles, was darüber gesagt werden muss, können wir bitte zum nächsten Thema gehen?“ Ich glaube nicht, dass es die Angst vor dieser Frage war. Ich denke, es hat mehr mit dem allgemeinen Schmerz und dem Widerwillen gegenüber dem ganzen Thema zu tun. Die Fragestellung hat ihn mental und emotional in den Dezember 1993 zurückversetzt und all das wird in diesem Moment deutlich, und nun will er ganz einfach da raus. Aber dies sagt auch wieder sehr viel darüber aus, wie Michael ganz allgemein in seinem Leben mit stressreichen Situationen umging (der Vergeich ist zum Beispiel ein Punkt, der kurz darauf angesprochen wird). An dieser Stelle des Interviews fühlt er sich sehr in die Enge getrieben und ist gewisser Weise passiv-aggressiv in seinen Antworten. Die Tatsache, dass Michael in der Tat aufgrund dieser Vorkommnisse an posttraumatischem Stress litt ist äußerst wichtig und wird, denke ich, zu oft übersehen, wenn die Leute versuchen, seine Antworten in Interviews zu deuten. Die natürliche, menschliche Reaktion auf Schmerz ist diesen zu vermeiden, die natürliche, menschliche Reaktion auf ein Trauma ist der Wunsch „nicht darüber reden zu müssen“ (deswegen sind Therapiesitzungen oft so schmerzhaft und können eine Person sich manchmal eher schlechter als besser fühlen lassen, wenigstens am Anfang). Als Michael auf diese spezielle Frage antwortet, scheint es, als würde er zwei Kämpfe mit sich selbst ausfechten: Er will kämpfen und er will fliehen. Er konnte nie gut damit umgehen sich öffentlich als verwundbar zu zeigen, und er bemerkt, dass genau das hier passiert. Obwohl seine Antworten empathisch, geradeheraus und ernsthaft bleiben, scheint er sich emotional zurückzuziehen. Es ist kein Abwenden. Seine aggressive Wiederholung des Wortes „niemals“ zum Beispiel (an dieser Stelle unterbricht er Sawyer dadurch mehrere Male) ist eine empathische Verstärkung. Er will ganz entschlossen seine Sicht deutlich machen. Aber die Reaktion ähnelt auch der Errichtung einer Mauer, die dazu dient alle weiteren Fragen zu diesem Thema abzublocken.

Wir müssen auch bedenken, dass Michael in Hinsicht dessen, inwieweit es ihm erlaubt war, darüber zu reden, rechtlich geknebelt war. Sowohl Michael als auch Lisa Marie mussten Sawyer (die das mit Sicherheit wusste!) daran erinnern, dass die Vergleichsbedingungen keinerlei Diskussion der Details des Falles erlaubten. Es war natürlich unfair, denn dies waren genau die Fragen, die jeder Interviewer, von Sawyer zu Bashir, von diesem Zeitpunkt an fragen würde. Stell dir die Frustration vor, einer Sache beschuldigt zu werden, zu wissen, dass viele Menschen dich für schuldig halten und doch nichts öffentlich dazu sagen zu können ohne eine Klage zu riskieren (und tatsächlich, nur aufgrund dieser kleinen Information, die Michael hier gab, bekam er von Evan Chandler eine Klage in Höhe von 60 Millionen Dollar aufgebrummt!).

Bei 5:55 lockert Lisa das Interview mit einer dringend notwendigen, komischen Bemerkung auf, als sie kichert und sagt: „Du wirst mich das nicht fragen, oder? Über die Flecken?“ Die Frage scheint auf freche Art spontan. Michael war nicht der einzige, der in diesen Interviews ein „Rebell“ sein konnte! Ihre spielerische Bemerkung lockert die Spannungen und bietet ihr auch den Auftakt, auf ein äußerst wichtiges Stück Information zu kommen – nämlich wie die Medien die Nachricht herunterspielten, dass die Fotos nicht mit der Beschreibung übereinstimmten. Dies ist ein klassisches Beispiel dafür, warum zwei Köpfe in Interviews oft besser sind als einer. Michael hätte vielleicht von selbst gar nicht daran gedacht diese wichtige Information einzuwerfen, aber Gott sei Dank tat es Lisa! Dies war wahrscheinlich die erste offizielle Äußerung gegenüber den meisten Zuschauern darüber, dass die Fotos offiziell bewiesen, dass es keine Übereinstimmung gab, und wenn irgendjemand sich fragt, warum er bis dahin nichts darüber gehört hatte, dann gab Lisa eine sehr bestimmte Antwort, die genau beschrieb warum. Für diese Aktion geht ein Punkt an sie!

Ab diesem Punkt widmet sich das Gespräch dem Vergleich und der so oft gestellten großen Frage: Wenn Michael es nicht getan hat, warum hat er dann bezahlt? Ich denke, Michaels Reaktion an dieser Stelle ist sehr interessant und wird auch durch das, was er acht Jahre später in seinem Interview mit Martin Bashir noch einmal sagen wird, bestätigt. Ich halte es für interessant, weil bis heute so viel Unklarheit darüber besteht, ob Michael bereitwillig diesem Vergleich zustimmte oder ob er von seiner Versicherungsgesellschaft dazu „gezwungen“ wurde. Sowohl hier, als auch in dem späteren Interview mit Bashir, bestritt Michael nie seine eigene Rolle bei dieser Entscheidung. Er erklärt hier, dass er so handelte, wie seine Berater es ihm gesagt hatten und er bestätigt nachdrücklich, dass es eine sehr einstimmige Entscheidung war, weil man ihm nicht garantieren konnte, dass „Gerechtigkeit walten“ würde und dieses sich zu etwas entwickeln könnte, das sich „über sieben Jahre hinziehen“ würde. Das wurde auch in gewisser Weise durch Thomas Mesereau bestätigt, der viele Male sagte, Michael würde seine Entscheidung, den Fall durch einen Vergleich beizulegen, „bedauern“ – wobei das Schlüsselwort hierbei „Entscheidung“ ist. Anders ausgedrückt, Michael wankte nie darin, dass er (selbst) die Entscheidung zum Vergleich getroffen hatte; alles war offen und ehrlich, weder wurde etwas ohne sein Einverständnis getan, noch wurde er zu etwas gezwungen (obwohl es dort sicher eine feine Linie zwischen „gezwungen“ und „unter Druck gesetzt“ gegeben haben könnte, und ich glaube, dass Michael sehr unter Druck gesetzt wurde dem Vergleich zuzustimmen, so dass die Wahl des Ausdrucks am Ende mehr Haarspalterei ist). Dieses Interview hätte jedoch wirklich den Mythos darüber, dass der arme, naive Michael hinters Licht geführt wurde, um dem Vergleich zuzustimmen aus der Welt schaffen sollen. Soweit ich weiß, war er anfangs bereit vor Gericht zu ziehen und zu kämpfen, nachdem er aber immer wieder hörte, über wie viele Jahre es sich hinziehen könnte; wie viel Geld er verlieren könnte; wie viel negative Publicity dadurch entstehen würde (mit der ständigen Drohung des psychotischen Evan Chandler im Rücken) und so weiter, stimmte er schließlich einem Vergleich als bester Lösung zu. Rückblickend war es eine kurzfristige Lösung um diesen Albtraum zu beenden, jedoch eine kurzfristige Lösung, die damit endete, sehr lange Schatten zu werfen – und zwar so, dass sein Vermächtnis bis heute darunter leidet. Vielleicht wäre ein langer Kampf die bessere Alternative gewesen, es scheint jedoch, dass in diesem Spiel jeder nur kurzfristig dachte. Der Vergleich war im Grunde Michaels Art zu sagen, ich möchte mich nicht damit befassen, so wie er es bei vielen großen Konflikten in seinem Leben tat. „Lasst uns das hinter uns bringen“, sagt er und zeigt mit einer emphatischen Geste mit seinem Daumen über seine Schulter.

Es ist die gleiche Taktik, die Michael an diesem Punkt des Interviews dazu bringt dran zu erinnern, dass nichts gefunden wurde, das ihn mit diesem Verbrechen in Verbindung brachte, indem er hartnäckig wiederholt: „Nichts wurde gefunden… nichts, nichts, nichts.“

Wenn es so scheint, als wäre Michael hier etwas verärgert oder dass er versuchte Sawyer absichtlich zu reizen, liegt das wohl nicht so weit daneben. Michael möchte seinen Standpunkt klar machen und es scheint ihm gleich zu sein, ob er unhöflich oder nervig sein muss, um das zu tun. Er schneidet Sawyer hier das Wort ab, so wie sie oft ihm und Lisa ins Wort fällt, und er macht es sehr gezielt (wir spüren Sawyers Verärgerung; es ist ein Augenblick, in dem sie sichtlich fürchtet die Kontrolle über das Interview zu verlieren).

Sawyer befragt ihn weiter über angeblich gefundene „Beweise“. Natürlich gab es gar keine „eindeutigen“ Beweise. Alles, was gefunden wurde, waren ein paar Fotos und Kunstbücher, die die Staatsanwaltschaft unbedingt als „Beweise“ einbringen wollte. Ich habe aus der Hater-Ecke immer wieder hören müssen, diese Bücher seien genau die Sorte Material, das Pädophile besitzen würden, um die rechtlichen Probleme des Besitzes wirklicher Kinderpornografie zu umgehen. Auch wenn an diesen Behauptungen vielleicht etwas Wahres dran sein mag, kann der Besitz von legalen Kunstbüchern wohl allerhöchstens als schwächstes Indiz gesehen werden. Diejenigen, die Propaganda für Michaels Schuld machen, heben diese Bücher oft hervor, während sie die viel aussagekräftigeren Fakten, dass die Durchsuchung seines Hauses tausende pornografische Bilder von Frauen ergeben hat (eine Quelle schreibt, es seien etwa 1800 Bilder nackter Frauen gefunden worden) herunterspielen und ignorieren. Der gesunde Menschenverstand würde sagen, wenn wir die sexuellen Präferenzen von jemand aufgrund eines Bollwerks an eindeutigem, in dessen Zuhause gefundenem Material beurteilen wollten, dann sollten über tausend Fotos nackter Frauen schwerer wiegen als das Vorhandensein ein paar weniger Kunstbücher.

Michaels Erklärung darüber, wie er häufig von Fans mit Geschenken aller Art bombardiert wird, scheint durchaus plausibel, ist aber dennoch eine Erklärung, die von den Zweiflern herunter gemacht wird. Deren Hauptargument ist, dass Michael offensichtlich Leute hatte, die seine Post durchsahen – „Torwächter“, die Pakete geöffnet, Briefe gelesen und alle Inhalte untersucht hätten, bevor er sie überhaupt zu Gesicht bekam. Und dass offensichtlich nur besondere „Geschenke“, von denen sie wussten, Michael würde sie mögen, an ihnen vorbei gekommen wären.

Auch das könnte zunächst ein plausibles Argument sein – bis man bedenkt, dass wir hier von Michael Jackson sprechen, der, lasst es mich so ausdrücken, nie so handelte, wie es Prominente normalerweise tun. Ein Auszug aus Bill Whitfields und Javon Beards Buch Remember the Time bestätigt, dass Michael sich immer selbst kümmerte – sowohl um seine Fanpost als auch um Geschenke:

Mr. Jackson saß hinten, es lief klassische Musik, der Vorhang war zugezogen. Du konntest hören, wie er die Umschläge öffnete, Brief für Brief. Manchmal sagte er: „Hey, hört euch das an. Das ist so süß.“ Und er las uns etwas von dem vor, was jemand geschrieben hatte. Die Leute schrieben über ihre an Krankheiten sterbenden Kinder und wie viel seine Musik ihnen bedeutete. Manches davon ließ ihn sehr emotional werden. Du konntest hören, dass er sehr gerührt war. Er sagte: „Vielleicht könnt ihr zwei das nicht verstehen, aber diese Dinge inspirieren mich, meine Songs zu schreiben.“ Wenn wir dann wieder beim Haus angekommen waren, hatte er zwei Stapel Briefe. Einen behielt er, den anderen gab er uns und sagte: „Die könnt ihr wegwerfen.“

Bill: Die Leute schickten auch Geschenke, Teddybären, Luftballons, Blumen, Fotos, persönliche Erinnerungen. Vieles davon war selbstgemacht. Es gefiel ihm. Manchmal bekam er ein Päckchen, das verdächtig aussah oder bei dem er sich nicht wohlfühlte. Das gab er uns, damit wir es zuerst überprüfen würden. Es war nie etwas Gefährliches darin, keine Bomben oder solche Dinge, aber um das herauszufinden wurden viele Teddybären und aufgezogene Spieluhren im Pool ertränkt.

Es gab so viel davon, dass eines der Schlafzimmer als Fanpost-Zimmer benutzt wurde. Die Wände waren voll gehängt mit handgemachten Karten und Briefen, und am Boden lagen hohe Stapel. Und das war nur das, was sich in Las Vegas während weniger Monate angesammelt hatte.

Natürlich könnte man sagen, dass Michaels Personalstab sich zu der Zeit, als Whitfield und Beard dort waren, erheblich reduziert hatte. Und dennoch weiß ich aus vielen Quellen, dass Michael immer auf diese Weise mit der Post und den Geschenken seiner Fans umging. Seine Methode war genau gegenteilig von der anderer Prominenter. Michael war anscheinend sein eigener „Torwächter“, er wendete sich nur mit der Post, die er loswerden wollte oder die ihm verdächtig vorkam, an seine Angestellten. Geschenke wurden nie weggeworfen, es sei denn, es war wegen einer verdächtigen Verpackung unvermeidlich.

In dieser Beziehung also ein weiterer Punkt für Michael. Er beantwortet die Fragen geradeheraus mit einer ehrlichen Antwort, die für jeden, der mit ihm Zeit verbracht hatte, sinnvoll wäre.

Allerdings lässt er dem unmittelbar eine Ausflucht folgen. Es dürfte jedoch eine nachvollziehbare, sogar notwendige Ausflucht sein, weil ich mir sehr sicher bin, dass der andere Vergleich, auf den Sawyer hier anspielt, die außergerichtliche Vereinbarung mit Francia ist, die für Michael aufgrund eines angeblichen Vorfalls während einer Kitzelei mit einer Zahlung von 2,2 Millionen Dollar an die Familie Francia endete. Dieser Fall war auf einer sehr dürftigen Situation aufgebaut – Michael hätte angeblich (und höchstwahrscheinlich versehentlich) während einer Kitzelattacke mit seiner Hand Jason Francias Leistengegend berührt. Daraus wäre niemals ein Fall geworden, hätte es nicht zuvor den Vergleich mit den Chandlers gegeben, der die Türen für solche gehaltlosen Zivilklagen gegen Michael durch praktisch jeden, der je mit ihm in Kontakt stand, geöffnet hat. Aber so belanglos dieser Fall auch war, können wir dennoch nicht bestreiten, dass ein Vergleichsbetrag gezahlt wurde. Wie reflektiert dieses nun Michaels Aufrichtigkeit, als er Diane Sawyer geradeheraus erzählt „Nein, das stimmt nicht“ und „Ich habe gehört, dass alles in Ordnung ist und es gibt keine anderen“? Während im restlichen Interview seine Körpersprache und Äußerungen sehr aufrichtig und offen waren, scheint er sich hier sichtlich zurückzuziehen. Er lehnt seinen Körper nicht Richtung Sawyer, wie während seiner vorherigen Äußerungen; es gibt keine empathischen Gesten. Sein Ton und sein Verhalten wirken ablenkend, ein Versuch, diesen speziellen Fragen auszuweichen. Dafür kann es natürlich viele verschiedene, plausible Gründe geben, die man alle bedenken sollte, bevor man Schlüsse zieht. Es ist gut möglich, dass das, was er zu diesem Zeitpunkt sagte, soweit er es wusste stimmte (aber angesichts seiner Körpersprache, glaube ich das nicht). Ein eher wahrscheinlicher Grund ist, dass er nicht in der Position war darüber zu sprechen, und jede Antwort, die er unter der Berücksichtigung dazu bestenfalls ein paar wenige Sekunden Zeit zur Verfügung zu haben geben würde, hätte nur zu seinen Ungunsten ausfallen können. Diese Frage so zu beantworten, dass seine Position verständlich geworden wäre, hätte vorausgesetzt, wesentlich mehr ins Detail der Angelegenheit gehen zu müssen, wozu er weder die nötige Zeit noch die Freiheit hatte darüber sprechen zu können. Es hätte zum Beispiel beinhaltet über die ganze Vorgeschichte von Jasons Mutter Blanca Francia zu sprechen; über die Geschichte davon, dass sie ihn bestohlen hatte und daraufhin entlassen worden war. Das war wesentlich mehr, als er angemessen in 5 Sekunden hätte erklären können, und deshalb war es am klügsten überhaupt nichts zu sagen. Das war sicher die bessere Alternative zu dem Risiko, einen falschen Eindruck zu erwecken, weil ihm nicht die Zeit zur Verfügung stand sich oder den Fall angemessen zu erklären.

Im Gegenzug davon ist der nächste Teil des Interviews einer der aufrichtigsten und aussagekräftigsten. Sawyer versucht mit einer Folge von Fragen darauf abzuzielen, Michael bezüglich seiner sogenannten Angewohnheit Pyjamaparties zu veranstalten in die Defensive zu bringen. Es ist immer interessant für mich in diesem oder dem Bashir Interview zu sehen, wie Michael diese Fragen tatsächlich beantwortet, gegenüber den Versuchen der Interviewer, sie zu verdrehen und den Deutungsversuchen vieler Medien. Sawyer, wie später auch Bashir, stellt ihre Fragen so, dass sie sich nur um Jungen drehen; daher stammt Michaels leichte Irritation, als er darauf zurückkommt und sagt: „Ich habe niemals nur Jungen eingeladen in mein Schlafzimmer zu kommen, das ist lächerlich.“ Im Bashir Interview argumentiert er ähnlich in dem er sagt, es waren niemals nur Jungs. Und die „Pyjamaparties“ waren weniger „Pyjamaparties“, sondern vielmehr eine Gruppe vieler verschiedener Gäste (üblicherweise zusammengesetzt aus Eltern, Verwandten, Cousinen, etc.), die alle einfach irgendwo auf Neverland schliefen, wo immer sie der Schlaf gerade überkam.

Michaels schnell ausgelöste Verteidigung gegen die Behauptung, es seien „nur Jungen“ ist auch deswegen interessant, weil es die aussagekräftigen Proteste das typische Kennzeichen einer Beteuerung von jemandem sind ist, der nicht nur darüber verärgert ist zu Unrecht beschuldigt zu werden, sondern auch über die unglaubliche Ignoranz und Leichtgläubigkeit der Öffentlichkeit, die glaubt, diese Dinge seien für ihn reizvoll.

Interessanterweise „verteidigt“ Michael in beiden Interviews nicht die Angewohnheit, mit Jungs zu übernachten – was völlig im Gegensatz zu dem steht, was die Medien darüber propagieren. Er sagt aus, er setze diese Gewohnheit, gemäß seiner Werte und Überzeugungen, nicht automatisch mit etwas Abartigem oder Schlechtem gleich. Aber in beiden Interviews verteidigt er nicht die Angewohnheit als solches, sondern vielmehr versucht er zu erklären, wie es zu diesen verfälschten Wahrnehmungen seiner Person kommen konnte. Hier sagt er geradeheraus, dass er niemals irgendwen in sein Bett eingeladen habe, und basta.

Interessant ist auch, dass er immer erwähnte, nie Kinder dazu eingeladen zu haben bei ihm zu schlafen, und tatsächlich schlief er oft auf dem Boden, während die Kinder sein Bett nahmen – oder anders herum. Im Buch von Frank Cascio erzählt Frank darüber wie er und sein Bruder Eddie sich einen Schlafsack am Boden vor dem Kamin teilten – offensichtlich waren sie in Michaels Schlafzimmer, aber nicht in seinem Bett. Ein gewaltiger Unterschied.

Und gerade als es dem durchschnittlichen Zuschauer unwahrscheinlich zu sein scheint, dass Michael eine Art Rattenfänger ist, dem die Kinder freiwillig überall hin folgen würden, erzielt Lisa einen weiteren Treffer mit ihrem Statement: „Ich habe diese Kinder gesehen … sie lassen ihn nicht einmal ins Badezimmer ohne hinterher zu laufen. Sie lassen ihn nicht aus den Augen, wenn er also ins Bett springt, dann bin sogar ich raus …“

Das führt jedoch zu ein paar angespannten Sekunden, in denen Sawyer beginnt Lisa darüber in die Mangel zu nehmen, ob sie ihrem eigenen Sohn erlauben würde sich, wenn er 12 Jahre alt wäre, so zu verhalten. Lisa entgegnet, es käme dann nicht in Frage, wenn sie Michael nicht kennen würde und nicht wissen würde, wer er ist, aber „ich weiß, wer er ist.“ In einem kurzen Augenblick zeigt die Kamera Michaels Reaktion darauf und sein Gesichtsausdruck ist, gelinde ausgedrückt, interessant. Es ist schwer zu sagen, ob das, was er fühlt Ärger oder Verletzung ist, oder eine Mischung aus beidem. Um Michaels Reaktion zu verstehen, muss man erfassen, dass Sawyer hier im Grunde darauf anspielt, man sollte ihm seinen eigenen Stiefsohn nicht anvertrauen! Unabhängig davon, wie die Frage gemeint war, scheint er sie so zu verstehen. Das ist ein direktes Zurückwerfen zu dem Unbehagen während seines Interviews mit Oprah, als er gezwungen war daneben zu stehen, als zwei Frauen über ihn sprachen, als sei er gar nicht da. Jetzt ist er gezwungen still dabei zu sitzen, während zwei Frauen über seine „Vertrauenswürdigkeit“ diskutieren. Man kann sich wohl vorstellen, dass für Michael, der während seiner Karriere als Erwachsener meistens die Kontrolle über seine Interviews hatte, solche Szenarien nicht leicht waren.

Diese Irritation ist bei der nächsten Fragestellung wieder spürbar, als Sawyer fragt, ob dieses jetzt einen Schlussstrich unter solche Situationen ziehen würde, „über die die Leute sich wundern würden.“ Beachte, wie seine Körperhaltung sich verändert hat. Er ist jetzt sehr wachsam, sitzt auf der Kante seines Stuhls und lehnt sich nach vorne. „Auf was achten?“ fragt er (mit offensichtlicher darunter liegender Verärgerung über die Frage; wir erinnern uns, er saß gerade dort, während sie seine Vertrauenswürdigkeit als Stiefvater anzweifelte). Seine Körpersprache während dieser Frage ist interessant. Sie weist auf Offenheit und Aufrichtigkeit hin, aber auch auf echte Verwirrung über die Art der Frage. Ganz gleich, wie jemand darüber denkt seine Bemerkungen interpretieren zu müssen, ist eine Sache klar ersichtlich: Michael fühlt ehrlich, dass er hier nichts zu verbergen hat und legt seine echten Gefühle – auf Gedeih und Verderb – auf den Tisch. Noch einmal, was an Michaels Antworten am interessantesten ist, ist seine klare Weigerung, die normalerweise unter diesen Umständen erwartete „korrekte“ oder „Standardantwort“ zu geben. Die meisten so beschuldigten Personen würden nicht zögern zu sagen: „Absolut nicht, ich würde mich nie wieder in so eine verletzliche Situation bringen“, und man kann deutlich erkennen, dass das die Art Antwort war, die Sawyer erwartete. Seine Weigerung, sozusagen “dem Druck nachzugeben“ und die korrekten Antworten zu geben, ist für sie einigermaßen verwirrend (und frustrierend, denn es lässt das Interview wieder einmal aus ihrer Kontrolle laufen).

Aber die Frage, die man sich wirklich stellen muss, lautet: Ist es ein Zeichen von Unschuld oder eher ein Weg, um von der Schuld abzulenken, wenn man immer die „richtigen“ Antworten gibt? Interessanterweise schien es Michael klar zu sein, dass eindeutig auf Nummer Sicher zu gehen und nicht viel Aufhebens zu machen nicht seine beste Verteidigungsart war, sondern dass es besser war, die Voreingenommenheit, Vorurteile und Wahrnehmungen sowohl des Interviewers als auch des Publikums zu hinterfragen. Lisa sagte, der Rebell in Michael könnte nie wirklich kontrolliert werden, und hier können wir das ganz sicher erkennen. Seine rebellische Ader konnte wechselweise sowohl sein größter Freund als auch sein schlimmster Feind sein. Aber hier zahlt sie sich wunderbar zu seinem Vorteil aus, und gibt ihm die Oberhand über alle Versuche von Sawyer, ihn in die Enge zu treiben.

Wo wir gerade von rebellischem Verhalten sprechen, im nächsten Teil des Interviews werden Aufnahmen von der Hochzeit gezeigt. Ist es nicht interessant, dass beide für diese Zeremonie in Schwarz gekleidet sind, sogar die Braut? Und dass Michael während seines Hochzeitsgelübdes Kaugummi kaut? (Interessant, weil das seine erste Hochzeit war, und wohl mit der Frau, in die er seit mehr als 20 Jahre verknallt war. Sogar dort scheint ihre Körpersprache auszudrücken, dass sie sich miteinander völlig entspannt fühlen und es nicht nötig haben, irgendetwas vorzutäuschen.)

DianeSawyerIV_10

Michaels Stimmungslagen scheinen während dieses Interviews so schnell vorbeizuziehen wie Wolken. Während der Befragung zu den Vorwürfen war er ärgerlich und frustriert, aber er ist sofort wieder ganz gelassen, als das Gespräch sich angenehmeren Themen zuwendet. Seht wie sein Gesicht aufleuchtet und er ganz spontan von Ohr zu Ohr grinst, als Sawyer Lisa fragt, was sie an ihm liebt. Es ist ein etwas seltsamer Augenblick, aber die meisten Jungs mögen, wenn man über sie in großen Tönen spricht und Michael war keine Ausnahme.

Dennoch sind die Fragen zu ihrem Intimleben invasiv, auch wenn sie garantiert damit gerechnet hatten, dass solche Fragen kommen würden. Meistens, wenn zwei attraktive Menschen heiraten (und es keinen so großen Altersunterschied wie zwischen Anna Nicole Smith und J. Howard Marshall gibt) wird selbstverständlich vorausgesetzt, dass sie Sex haben. Ich erschaudere jedes Mal, wenn ich Sawyers selbstironische Bemerkung höre: „Ich habe mein Leben nicht als seriöse Journalistin verbracht, um diese Art Fragen zu stellen…“ Oh Mann. Als ob sie nicht durch das Interview hindurch vor Ungeduld fast geplatzt wäre, um endlich diese Frage stellen zu können! Ich kaufe ihr auch nicht diese zufällige Sammlung von „Fans“ ab, von denen sie diese Frage weiterreicht. Keiner dieser Leute erscheint mir Michael Jackson Fan zu sein. Ihre Kommentare werden jedoch als eine Art Rechtfertigung benutzt – das ist die Frage, die jeder wissen möchte, und deshalb haben wir das Recht, sie zu stellen. „Haben wir Sex?“ fragt Lisa und kommt Sawyer dabei scherzhaft zuvor. (Mir gefällt, wie Lisa und auch Michael Sawyer durch das ganze Interview hindurch leicht links liegen lassen!) „Ja, ja, ja!“ bestätigt sie, während sie dabei Meg Ryans Rolle aus „Harry and Sally“ übernimmt und sich dabei fast als Konkurrenz für diese herausstellt. Ihre und Michaels Reaktionen scheinen eine echte, ehrliche Mischung aus Erstaunen und Empörung zu sein, und doch gehen sie mit diesen invasiven Fragen mit einem lockeren Sinn für Humor um, und daran erkennen wir, dass ihnen diese Vorwürfe, ihre Hochzeit sei nur eine Vortäuschung, nicht fremd sind. Sie haben gelernt, humorvoll darauf zu reagieren, aber was wäre ihnen auch anderes übrig geblieben? Egal, wie viele Gegenerklärungen man abgibt, Zweifler kann man offensichtlich nie überzeugen, deshalb denke ich, sie gingen mit diesen Fragen auf die bestmögliche Art um.

Interessant ist, dass dieselben Medien und die dieselbe Öffentlichkeit, die diese Hochzeit als reine Zweckhochzeit bezeichneten und sich weigerten zu glauben, dass sie miteinander schliefen, dann aber schnell dabei waren, die Gerüchte über eine Schwangerschaft zu glauben. (…haben sie nie davon gehört, dass man den Kuchen nicht am Teller behalten und gleichzeitig essen kann?) Der kameradschaftliche Umgang mit der „Baby“-Frage führt schließlich zu einem weiteren angespannten Moment, als Diane Sawyer eine wirklich dumme Frage stellt: „Plante Michael, Lisas Kinder zu adoptieren?“ Lisa findet diese Frage völlig absurd und sagt das auch ohne Umschweife. „Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass jemand die Kinder eines anderen adoptiert,“ sagt sie, und meint damit eine Konstellation wie die ihre, wo es eindeutig einen biologischen Vater gibt, der noch immer Teil des Lebens der Kinder ist. Diesen Teil des Interviews habe ich mir immer wieder angehört. Es ist interessant, dass Lisa über diese Frage weitaus verärgerter ist als Michael (vielleicht aus offensichtlichen Gründen), aber ich denke auch deshalb, weil sie in dieser Frage etwas erkannt hat, was Michael nicht gesehen hat, oder zumindest nicht auf Anhieb: Sawyer versucht absichtlich Michael mit einer blödsinnigen Frage eine Falle zu stellen, um ihn dumm dastehen zu lassen, besonders in den Augen der Fans von Lisa, von denen sich schon viele ihre Meinung über Michael und ihre Heirat gebildet hatten. Es könnte in diese Richtung gehen. Beachtet, wie Sawyer ihn an dieses Thema, Kinder zu adoptieren, heranführt (ein Thema, von dem sie mit Sicherheit wusste, dass Michael mit Leidenschaft dabei war) und dann ganz plötzlich Lisas Kinder ins Spiel bringt. Und das, wo sie nur Minuten zuvor darauf anspielte, dass Michael eine Person sei der Lisa nicht ihren Sohn anvertrauen sollte! Mein Eindruck ist, dass Lisa sofort erfasste, was hier vor sich ging, auch wenn es Michael nicht bewusst war. Und interessanterweise lässt Sawyer direkt von der Frage und der Thematik ab, als Lisa sie als absurd bezeichnet; und sie begründet auch nicht weiter, warum sie überhaupt danach gefragt hatte. Stattdessen entscheidet sie der Einfachheit halber, dass es Zeit für eine Unterbrechung sei.

Als das Interview fortgesetzt wird, wendet sich die Aufmerksamkeit als nächstes Michaels neuem Film zu, dem Teaser seines HIStory-Albums. Dieses Interview dient auch als eine Art offizielle Promotion für den Film, aber Michael wird wenig Gelegenheit gegeben wirklich darüber zu sprechen. Stattdessen beginnt Sawyer direkt mit dem kontroversen Aspekt. Der Film an sich und auch dieser Aspekt des Interviews wurde bereits gründlich in dem mehrteiligen Artikel des Blogs Dancing With The Elefant besprochen, weshalb ich mich hier nicht so sehr auf den Film und dessen Werte konzentriere (was einen eigenständigen Post erfordern würde), sondern bei den hier gestellten Fragen und Michaels Reaktionen darauf bleibe. Ich kann diesen Teil des Interviews nicht ansehen ohne mich aufzuregen oder mich über den Tisch gezogen zu fühlen.

Wieder einmal gab es eine perfekte Gelegenheit für einen der größten Künstler unserer Zeit, auf einer weltweiten Plattform über seine Kunst zu sprechen, und dieser Augenblick wurde vollkommen zu einer Fußnote des Interviews degradiert, wobei der Künstler kläglich auf die Aussage „es ist Kunst“ reduziert wird, wie ein in die Ecke gedrängtes Kind, das nur noch schwach seine guten Absichten beteuern kann. Doppelt frustrierend daran ist, dass man spürt, dass Michael vielleicht zum ersten Mal bereitwillig und vorausschauend die Gelegenheit wahrnehmen wollte, über seine Kunst zu sprechen. Ich bin sicher, es hätte ihm sehr gefallen ein paar vernünftige, intelligente Fragen zur Bedeutung des Films gestellt zu bekommen; über die militärische Thematik und die Symbolik und was all das zu bedeuten hatte. Höchstwahrscheinlich hätte er sie bereitwillig beantwortet. Ich weiß, dass es bei Interviews dieser Sorte nur um Einschaltquoten geht und dass sie nicht als seriöse Plattformen dienen, über Kunst zu diskutieren, aber es war von Anfang an klar, dass Sawyer hier eine Sache aufzog, aus der Michael als Verlierer herausgehen würde. Von Anfang an leiert Sawyer nur die Kontroversen des Films herunter und zeigt dadurch deutlich, wo ihre eigenen Vorurteile liegen. Anstatt sich an einem intelligenten Gespräch über seine Kunst beteiligen zu können, wird Michaels Rolle auf die eines bettelnden Kindes reduziert, und er kann in den kläglichen Sekunden, in denen er überhaupt aus seiner Sicht über den Film sprechen darf, nur reklamieren, dass „es Kunst ist“.

Nachdem der Film läuft sagt Sawyer sehr abfällig (auf eine Art, die deutlich darauf abzielt eine Diskussion über die Sachlage zu beenden): “Also, wie schon gesagt werden wir wohl darin übereinstimmen, dass wir uns nicht darüber einigen können was das für manche Leute, die es ansehen, bedeutet.“ Seht euch das Bild von Michaels Gesicht an, bei 2:57, als Sawyer diesen Satz sagt. Dieser Ausdruck liest sich wie ein unausgesprochenes, aber unverfälschtes „Wie kannst du es wagen?“ was auf verschiedenen Ebenen interpretiert werden kann – Frustration über das Missverstehen seiner Kunst und der Verzerrung ihres Zwecks, ohne die Höflichkeit ihm das letzte Wort dazu zu überlassen; Frustration darüber, so ungeniert abgewiesen zu werden. Genau genommen ist es mehr ein Ausdruck ungläubiger Fassungslosigkeit. Er macht sich nicht einmal die Mühe, noch einen Satz zu seiner Verteidigung zu sagen. Er scheint zu denken: „Was würde das bezwecken?“

Das Gespräch wendet sich dann den Kontroversen um „They Don’t Care About Us“ zu und der Zeile „Jew me, sue me.” Noch einmal, das waren alles neue, heiße Themen, als das Interview stattfand. Ich bin mir nicht sicher, ob die meisten Zuschauer Michaels Verteidigung, er spreche in dieser Zeile von sich selbst als ein Opfer verstehen, denn die natürliche Reaktion darauf wäre gewesen: „Aber Michael, du bist nicht jüdisch.“ Was aber Michael hier versucht zu erklären (und wobei wir bedenken müssen, dass ihm dazu nur eine unangemessen kurze Zeit gewährt wurde, um seine Sache darzustellen) ist, dass das Lied von Rassismus im weiteren Sinn handelt, und dass er in der Tat versucht viele historische Beispiele von Rassismus in den Song einzubringen, immer aus der Perspektive der Opfer, und es werden in diesem Song viele Opfer portraitiert. Ich habe über „They Don’t Care About Us“ bereits ausführlich geschrieben weise auf diese Posts hin:

http://www.allforloveblog.com/?p=6408
http://www.allforloveblog.com/?p=6477

Auch durch die vor kurzem publik gemachten „Sony hacks“ kamen weitere, beunruhigende Details zu dieser angeblichen „Kontroverse“ ans Licht:

http://perceptive.kinja.com/sony-hack-re-ignites-questions-about-michael-jacksons-p-1672116301

An diesem Teil des Interviews ist wiederum sehr traurig und frustrierend, dass Michael, anstatt über seine Kunst sprechen zu dürfen, in eine Verteidigungsstellung gedrängt wird, die nicht zu seinem Vorteil ist, egal wie viele Punkte er verbuchen kann. Es scheint ihm mit wachsender Frustration klar zu sein, dass er sich in einer Situation befindet, in der seine künstlerische Arbeit nicht respektiert wird und auch nur wenig wirkliches Interesse daran besteht, und in der er keine „richtige“ Antwort geben kann.

Wenn ich auf alle Aufzeichnungen solcher Art zurückblicke, scheint das auch bei den meisten anderen prominenten Interviews, die er gab, der Fall zu sein. Vielleicht entstand das zum Teil durch schlechte Beratung und schlechte Entscheidungen. Natürlich tendierte er zu den bekannten Journalisten, die ihm eine größtmögliche Plattform garantieren würden, sowohl in der Präsentation als auch in den Einschaltquoten. Aber der Kompromiss dabei war, dass diese Interviews oft zu einseitigen Gesprächen mit oberflächlichen Journalisten wurden, deren einziges Interesse die Sensationsgier war, und nicht die Kunst.

Und um sich treu zu bleiben, verschwendete Sawyer dann auch keine Zeit mehr für die Diskussion über Kunst und kommt mit der unvermeidlichen nächsten Frage, die direkt auf Michaels Aussehen und die Farbe seiner Haut zielt.

Einige der Nahaufnahmen von Michaels Gesicht während dieses Interviews ... unbezahlbar!

Einige der Nahaufnahmen von Michaels Gesicht während dieses Interviews … unbezahlbar!

Und wieder einmal ist die Nahaufnahme von Michaels Gesichtsausdruck als Reaktion auf diese Frage unbezahlbar. Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich nur angestrengt versucht ein Pokerface beizubehalten (und dabei nicht sehr erfolgreich ist), oder was sonst der genaue Grund ist, aber wieder erkennen wir aufkommende Verärgerung, Frustration und ein „Warum müssen sie jetzt damit kommen“, alles in ein paar wenigen Sekunden. Wie schon zuvor können wir sehen, wie seine Augen zu Dolchen werden, wenn diese Auslöser gedrückt werden.

Zugegeben, ich habe Michaels Widerwillen öffentlich über seine Vitiligo-Erkrankung sprechen zu wollen nie wirklich nachvollziehen können. Er war in einer einmaligen Position und Ebene, um die Öffentlichkeit über diese wenig verstandene Erkrankung aufzuklären und zu helfen, deren Bekanntheit zu erhöhen. Sein ausweichendes Verhalten in dieser Angelegenheit trägt zum Teil zu der Skepsis der Öffentlichkeit bei, zumindest war es definitiv nicht hilfreich.

Aber betrachten wir bei der Analyse seiner Reaktion an dieser Stelle den auslösenden Moment bei 4:18. Sie tritt exakt in dem Augenblick ein, als Sawyer die Worte „wie du aussiehst“ sagt. Michaels Gesicht zuckt zusammen, er zieht sich buchstäblich zusammen, als wäre er körperlich getroffen. Ich fordere euch unbedingt auf, diese Stelle des Videos mehrmals abzuspielen. Es ist wirklich die körperliche Reaktion von jemand, der ins Gesicht geschlagen wurde und sich zurückzieht, um den Schlag abzumildern. Wiederum nimmt er eine passiv-aggressive Haltung ein, und gibt die bewusst vieldeutige und entmutigte Antwort:

„Ich denke, es erschafft sich selbst – Natur.“

Einerseits ist das Michaels Art zu sagen, sein Aussehen liege nicht in seinen Händen; es entstand alles von Natur aus. Andererseits muss ihm hierbei bewusst sein, dass er absichtlich vage bleibt, indem er keine ausreichende Antwort gibt. Offensichtlich lagen einige Dinge wie seine Hautfarbe außerhalb seiner Kontrolle, aber das ist nur Teil der Frage. Er versucht absichtlich den anderen Teil der Frage nicht anzusprechen, der die Entscheidungen betrifft, die er offensichtlich selbst getroffen hat. Seht, wie er bei 4:25 seine Lippen aufeinander presst und als Reaktion auf die Frage sein Kinn schüttelt. Sein wörtlicher Hinweis ist ein Zurückweisen, eine gewollte Entgegnung die sagt: „Darauf habe ich keinen Bock.“

An diesem kritischen Punkt greift Lisa mit einem sehr aussagekräftigen Statement ein. Es fügt sich in die Gespräche ein, die wir auch auf dieser Seite führen, und passt zu den eher kontroversen Themen, die auch von Susan Fast und anderen Autoren aufgegriffen wurden. Sie sagt, Michael sei ein Künstler der ständig wahrgenommene Mängel und Dinge, die er an sich nicht mag, verändert.

„Er formt sich selbst neu, er ist Künstler.“

Das ist eine interessante Aussage, da sie auf die oft diskutierte Kontroverse verweist, ob Michael sein Erscheinungsbild durch kosmetische Chirurgie bedingt durch Unsicherheiten mit seinem Aussehen veränderte, oder ob es tatsächlich aufgrund völlig beabsichtigter und ästhetischer Entscheidungen geschah, die mehr damit zusammenhingen, dass er Künstler war und weniger mit diesen vermeintlichen Unsicherheiten. Lisas Antwort scheint auf beides hinzuweisen, aber es ist interessant, dass Michael ihr nicht widerspricht, als sie diese Aussage über Michael als Künstler macht. Nicht nur, dass er ihr nicht widerspricht, er klinkt sich sogar in die Diskussion ein und bietet ihr Rückhalt indem er sagt: „Ich bin ein Performer.“

Die Theorie, dass Michael vielleicht viele bewusste und absichtliche Entscheidungen bezüglich seines Aussehens aus künstlerischen und ästhetischen Gründen traf und nicht einfach nur, weil er sich selbst für hässlich oder minderwertig hielt (der populären Theorie der Dysmorphophobie (Body-Dismorphing-Disorder), die schon weitverbreitet zu einer öffentlich akzeptierten Erzählung über Michael Jackson wurde), wurde von wissenschaftlichen Autoren und anderen seriösen Analytikern von Michaels Werk schon sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Diese Theorien sind in vielerlei Hinsicht interessant, da sie Michael von dem oft hochgejubelten Stigma der „Opferrolle“ befreien und ihn als jemanden beschreiben, der im Gegensatz dazu ein Künstler war, der die Kontrolle über jede ihn selbst betreffende ästhetische Entscheidung hatte, auch über die äußere Hülle (Leinwand), die er der Welt präsentierte.

Michael versucht, einen Witz daraus zu machen indem er sagt: „Es könnte sein, dass ich mir eines Tages hier einen roten Punkt hin machen möchte“ (zeigt auf seine Stirn), „zwei Augen hierhin“ (berührt seine Wangen). Aber innerlich lacht er nicht. Seine Worte und sein Ausdruck sind nicht besonders heiter, weil die durch diese Diskussion entstandene Anspannung immer noch spürbar ist. Es ist seine Art die lächerliche Absurdität dieser Frage an Sawyer zurückzugeben. Einerseits versucht er die Anspannung durch Humor abzuleiten, aber stoppt das Video bei 4:45 und beachtet das entschlossene Grinsen auf seinem Gesicht. Es ist ein trotziger Blick, ein Blick, der herausfordert, ein Blick der sagt „Versuchs nur und mach so weiter, du traust dich doch nicht.“ Nun ja, sie traut sich. Um es weiter mit einem Boxkampf zu vergleichen, ist das als ob Michael gerade einen linken Haken gelandet hat, aber Sawyer jetzt versucht, sich für den Knock-Out-Schlag auszurichten.

„Wünschst du dir, wieder die Farbe von früher zu haben?“

Wiederum eine Frage, auf die Michael einfach die „eingeübte“ und „richtige“ Antwort hätte geben können und es wäre erledigt gewesen, aber wenn wir Michaels Körpersprache lesen, ist er sehr verstört darüber, eine solch lächerliche und angreifende Frage gestellt zu bekommen. Denkt man darüber nach, dann ist diese Frage genauso, als würde man einen Krebspatienten fragen: „Wünschst du dir, du hättest noch deine Haare?“ oder „Vermisst du deine gesunden Zellen?“ Warum fragt man nicht einen Leukämie Patienten, ob er seine roten Blutzellen vermisst?

Beachtet, dass Michael in dem Augenblick als sie die Frage stellt stocksteif da sitzt und seine Arme verschränkt. Verschränkte Arme sind auch eine Geste, die eine Barriere erschafft. Es ist nur ein flüchtiger Moment, aber die Geste spricht Bände über die von dieser Frage hervorgerufenen Gefühle. Unbewusst schützt er sich selbst vor dem, was er als Angriffshaltung wahrnimmt. „Das musst du die Natur fragen,“ sagt er, und verwendet wiederum „Natur“ um darauf hinzuweisen, dass er über diese Situation keine Kontrolle hat. „Ich liebe schwarz,“ sagt er eindringlich. „Ich beneide sie (zeigt auf Lisa), denn sie kann sich bräunen lassen und ich nicht.“

Auf einer unterbewussteren Ebene scheint er hier einen Gedanken zu vermitteln, der sich wenn er wirklich das sagen könnte, was er sagen wollte, so anhören würde: „Ich bin offensichtlich weiß wie ein Kühlschrank, kannst du das nicht sehen? Denkst du, ich mag das lieber? Denkst du, ich wäre nicht lieber normal, so wie sie?“ Natürlich folgt dem ein Foto eines sehr jungen, dunkelhäutigen Michael mit Afro, ein fast 20 Jahre altes Bild. Wie immer wird hier darauf angespielt, dass das die „bessere“ Version von Michael sei, die Version, in der wir uns gerne an ihn erinnern, zu seiner Blütezeit. Michael hasste solche Vergleiche immer, verübelte den Rückschluss, er sei jetzt minderwertiger und könne es mit einem nostalgischen Ideal von sich selbst nicht aufnehmen.

Michael hasste diese Art von Vergleichen, mit ihrer offensichtlichen Anspielung darauf, dass er irgendwie zu seiner eigenen

Michael hasste diese Art von Vergleichen, mit ihrer offensichtlichen Anspielung darauf, dass er irgendwie zu einer “suboptimalen” Vorstellung seines nostalgischen Selbst geworden war

Aber in einem Interview, das mehr als genug Höhen und Tiefen hatte, versucht Sawyer die Sache mit einer positiven Note zu beenden, indem sie fragt, ob sie planen zusammen zu singen. Michael wirft eine kleine nette Showeinlage ein (von der Sorte, die Lisa verrückt machte), indem er dramatisch singt: “I would love to sing with you / would you like to sing with me?”(„Ich würde so gerne mit dir singen/ möchtest du mit mir singen?“). Immer wachsam für jede Gelegenheit eines Augenblicks guter Publicity, kann Michaels inneres Kind und sein spontaner Spieltrieb diesem Moment nicht widerstehen. Lisa ist ein wenig verlegen, aber kann nicht widerstehen zu lächeln. Sie klingt aufrichtig, als sie sagt: „Das ist nicht der Grund, warum ich Michael geheiratet habe.“ Ihre Körpersprache dabei ist sehr entspannt und locker; seine rechte Hand liegt hinten auf ihrer Schulter; sie nimmt seine linke Hand und hält sie. Auch hier scheinen ihre Gesten die eines Paares zu sein, das sich in Gesellschaft des jeweils anderen sehr wohl fühlt. Michael kann natürlich nicht widerstehen auf Lisas Kosten noch einen Scherz zu machen, er zeigt ihr Hasenohren, während sie weiter darüber schwafelt, weshalb sie keine Karriere als Sängerin nötig hat. Das war eine verspielte, neckende Geste, die Michael oft mit seinen besten Freunden machte, aber manchmal war es auch Michaels Art, seine Freunde auf sehr spielerische Weise wissen zu lassen, dass sie gerade Blödsinn reden. Es könnte auch ein “Illuminati Witz” gewesen sein. Michael war in der Tat bekannt für seinen berühmt-berüchtigten Sinn für Humor. „Er ist ein Spinner,“ witzelt Lisa, als Michael die Erleichterung darüber, das Interview „überlebt“ zu haben mit einem nachdrücklichen „Ja!“ feiert.

In irgendeiner Weise schien es oft so zu sein, dass Michael es mochte, ihr das Scheinwerferlicht zu stehlen, wenn sie zusammen waren. In dem Fall hier war es süß. Später wurde es zu einem Streitpunkt zwischen ihnen. Alles in allem waren sie zwei Berühmtheiten, die vieles gemeinsam hatten, so wie es Lisa ausdrückte, vielleicht etwas zu viel gemeinsam für eine länger anhaltende Verbindung. Beide stur, rebellisch, willensstark und zielstrebig; als zwei Kinder des Showbusiness, einerseits verwöhnt, jedoch andererseits auch dadurch lädiert und schikaniert, war ihre Verbindung leidenschaftlich, explosiv und letztlich zum Scheitern und Ausbrennen verurteilt.

Dieses Interview hält ihre Verbindung an einem interessanten Punkt auf der Hälfte ihres Weges fest. Zu dieser Zeit waren sie knapp über ein Jahr verheiratet, die Leidenschaft brannte noch, aber ein paar der Probleme die sie schließlich auseinander brachten, waren schon zu ahnen. Sawyer beendet das Interview mit der Frage, wo sie beide hofften in 5 Jahren zu sein. Interessant ist, dass sie die Frage an jeden der beiden getrennt stellt und nicht an sie als ein Paar. Nach 5 Jahren würden sie natürlich geschieden sein; Michael würde zwei Kinder mit einer anderen Frau haben und Lisa würde sich auf einer nach unten drehenden Spirale von Schuld und bitterer Wut befinden, die sie dazu bringen würde, Michael gegenüber auf grausame Art auszuteilen. Ich glaube, im Jahr 2000 wird ihnen beiden dieses Interview wie eine weit entfernte, schmerzhafte Erinnerung vorgekommen sein.

Doch trotz aller Selbstgefälligkeit Diane Sawyers, ihrer frustrierenden Seichtigkeit und den manchmal einfach nur irrelevanten Fragen, bleibt es eines der wertvollsten Interviews Michaels – vielleicht genau so sehr wegen dem, was gesagt wurde, als auch für das, was nicht gesagt wurde. Michael konnte manchmal eine schwierig zu interviewende Person sein, besonders wenn er sich in die Ecke gedrängt oder durch invasive, persönliche oder schlichtweg blödsinnige Fragen festgenagelt fühlte. Andererseits war er jedoch auch eine sehr transparente Interviewperson, deren entschiedene Aufrichtigkeit nur zu oft als … irgendwie zu ehrlich um wahr zu sein abgetan wurde. Die Leute schienen immer bereit, seine Aufrichtigkeit anzuzweifeln, sie zu etwas Manipulativem oder Falschem zu verdrehen.

Michaels überaus menschliche Schwächen, wie z.B. seine Tendenz, sich auf passiv-aggressive Antworten zu verlegen, wenn er die Richtung eines Interviews nicht mochte, wurden allzu oft gegen ihn verwendet, anstatt dass man vielleicht auf den Verlauf der Fragen, gesehen hätte, die diese Reaktion hervorgerufen hatten. Michael hatte zu viel Klasse um einfach ein Interview abzubrechen, oder um ganz offen feindselige Antworten zu geben, so wie ich es in letzter Zeit bei vielen Prominenten beobachtet habe. Aber auch er hatte seine Art seinem Unmut Luft zu machen.

In erster Linie müssen wir uns aber in Erinnerung rufen, dass Michael es nicht unbedingt hasste Interviews zu geben. Er hasste nur dumme Interviews. Einige seiner interessantesten Interviews sind sind solche mit eher geringer Verbreitung, wie z.B. sein offenherziges Radiointerview aus dem Stegreif mit Steve Harvey, während dem es keinen Druck gab, eine „Rolle zu spielen“ und wo er einfach entspannt und mit Spaß dabei war.

Aber wie ich über die Jahre festgestellt habe, war keines seiner Interviews ohne Wert. Sogar das Bashir Interview hatte trotz all seiner Abscheulichkeiten seine Momente. Jedes bietet Gelegenheit etwas Wertvolles über Michael zu lernen – auch wenn es nicht das war, was er sich vorgestellt hatte – normalerweise war es seine Sichtweise von Kunst oder Menschlichkeit (die beiden Dinge, die ihm am meisten am Herzen lagen, die aber selten in einem von ihnen im Brennpunkt standen). Trotz allem bieten sie interessante Einblicke in das Herz und die Seele eines Mannes, der schon von früh auf gelernt hatte, nur wenigen Leuten zu trauen und dass kein Journalist einfach nur das Beste für ihn wollen würde.

Journalisten schmeichelten sich bei ihm ein, hatten aber selten das Beste für ihn im Sinn

Journalisten schmeichelten sich bei ihm ein, hatten aber selten das Beste für ihn im Sinn

Wir können beobachten, wie er dem Interviewer fast immer ein oder zwei Gedankenschritte voraus ist (weil er gelernt hatte, das zu tun) und wie er die Kunst des Interviews als ein Mittel nutzte, uns dazu zu bringen hinter unsere vorgefassten Meinungen, Voreingenommenheit und Vorurteile zu sehen. Er tat das wechselweise bewusst als auch unbewusst, indem er die Journalisten und auch uns direkt oder indirekt herausforderte. Wie bei einem fehlerfreien Tanz mit einem Tanzpartner wusste er, wann er sich zurückhalten und mitgehen und wann er die Führung übernehmen musste.

DianeSawyerIV_7

Und dieses eine Mal war es ein Tanz, den er nicht allein tanzen musste.

……………………………………………..

Übersetzung: M.v.d.L. und Ilke

Über Michael Jackson, Peter Pan & Kindheit

Übersetzung von zwei Kapiteln aus: That Wonder in My Youth: Michael Jackson and Childhood von Veronica Bassil http://www.amazon.de/That-Wonder-My-Youth-Childhood-ebook/dp/B00MR5EN3Q

1. Peter Pan und die kindliche Seele

In den späten 1990er Jahren sprach Michael mit seinem einstigen spirituellen Berater Schmuley Boteach, der elf Jahre lang Rabbi an der Oxford University war, über seine Gedanken zum Stellenwert von Kindern und Kindheit. In seiner Oxford Union Rede von 2001 erwähnte Jackson, dass er mit Boteach an einem Buch über die Werte von Kindern und Kindheit arbeite: „Wir beide haben so hart daran gearbeitet, Heal The Kids ins Leben zu rufen und auch an unserem Buch über die kindlichen Eigenschaften…“ Dieses Buch erschien jedoch erst 2011, als Boteach eine Reihe von Gesprächen mit Michael veröffentlichte, genannt ‘Honoring the Child Spirit: Inspiration and Learning from our Children.’ (Zu Ehren der kindlichen Seele: Inspiration und Lernen von unseren Kindern.)

Fans haben eine Abneigung gegen Boteach, wegen der Veröffentlichung eines vorhergehenden Buches, ‘The Michael Jackson Tapes’, in dem er private Informationen enthüllte und kritische Anmerkungen machte, und weil er als Direktor von Heal The Kids Gelder zweckentfremdete, die für wohltätige Zwecke gedacht waren. Michael und Boteach stellten nach 2001 ihre Zusammenarbeit ein.

Boteachs Einleitung zu Honoring the Child Spirit ist sehr viel wohlwollender als in seinem vorherigen Buch, und konzentriert sich nur auf die Thematik von Kindern und Kindheit, Themen, die Michael sehr wichtig waren. Weil das Buch jedoch nach seinem Tod veröffentlicht wurde, hat der Rabbi die Gespräche alleine editiert. Michaels Bemerkung während der Oxford Rede über die Absicht, mit Schmuley ein Buch über Kinder zu veröffentlichen zeigt, dass er im Grunde dem Projekt zustimmte. Allerdings fand die Oxford Rede statt, bevor ihre Zusammenarbeit endete. (Zudem kam es Anfang 2003 noch zu den zweiten Anschuldigungen, die Jacksons volle Aufmerksamkeit erforderten.)

Ungeachtet dieser Problematik ist Honoring the Child Spirit jedoch eine wertvolle Quelle, in der Michael seine Sichtweise über Kinder darlegt. Meiner Meinung nach stehen seine Aussagen gegenüber Boteach im Einklang mit dem, was er an anderen Stellen gesagt hat, und helfen dabei diesen entscheidenden Themenbereich (vielleicht sogar das Schlüssel-Thema), dessen Verständnis so wichtig ist, zu beleuchten. Aus diesem Grund werde ich aus Boteachs Buch zitieren. (Boteach verwendet in seinem Buch die Schreibweise „G-d“ (G-tt) anstatt „God“ (Gott), gemäss des Jüdisch-Orthodoxen Brauchs.)

In einem der Gespräche spricht Michael über Peter Pan und seinen Erschaffer J.M. Barrie. Barries Bruder starb im Alter von 12 Jahren, und laut Michael war Barrie „eifersüchtig“, weil sein Bruder für immer ein Kind bleiben würde; er würde „für immer ein Junge (sein) und das ist der wahre Goldschatz. Das ist es, was Peter Pan inspirierte… Er spürte, dass sein Bruder für immer ein Junge bleiben würde, und so war es.“

Boteach fragt dann: Aber wie stehst du im Zusammenhang mit der Rolle von Peter Pan?“

Jackson antwortet: „Weil er (Peter Pan) für immer diese Unschuld behalten wollte, und er wußte, wofür die goldene Magie der Kindheit steht. Er wollte daran festhalten und es für alle Zeit beibehalten. Denn bist du erst einmal erwachsen, ist alles vorbei und das ist der Grund, warum Peter Pan eine alte, alte Seele ist. Er ist wie E.T.. Er ist schon seit Millionen Jahren hier, aber er wurde nie älter und er findet diese Familie und nimmt die Kinder mit nach Neverland, wo sie für immer jung bleiben.“

SB: „Hast du das Geheimnis jung zu bleiben herausgefunden?“

MJ: „In meinem Herzen, ja.“

Neverland with Children

An diesem Zitat können wir erkennen, dass Peter Pan für Michael ein Paradox ist – eine alte, alte Seele, die in Form eines jungen, alterslosen Jungen erscheint. Der Geist oder die Seele, die Peter Pan verkörpert ist eine zeitlose Inkarnation der Jugend an sich. Dieses Verständnis von Peter Pan als archaisches Wesen, zeigt sich auch in Barries Schauspiel von 1904, als der verärgerte Captain Hook Peter fragt: „Pan, wer und was bist du?“ Peter antwortet: „Ich bin Jugend, ich bin Freude, ich bin ein kleiner Vogel, der aus dem Ei geschlüpft ist!“ Peter Pan repräsentiert das junge Leben – so wie wir alle unser Leben beginnen – ob als Menschen, Welpen, Vögel oder irgend ein anderes junges Geschöpf – eine Phase voller Vertrauen, Energie und Fröhlichkeit, in der wir uns bereit fühlen, die Welt zu erforschen und anzunehmen.

Im mythologischen Kontext erinnert die Referenz von Peter Pan „ein kleiner Vogel, der aus dem Ei geschlüpft ist“ an die Weltentstehungslehre des Orphismus der alten Griechen, in dem festgehalten ist, dass die Schöpfung stattfand, als im Chaos der dunklen Nacht ein kosmisches Ei gelegt wurde aus dem Eros, der erste Gott, erschien, zweigeschlechtlich, zweiflügelig, der dann die Welt in Liebe erschuf. Diese Darstellung erscheint bei Hesiod (800 vor Chr.) und wurde von Plato und in Aristophanes Drama The Birds (5. Jhrd. Vor Chr.) wiederaufgegriffen. Peter Pan kann fliegen, wie die Vögel mit denen er sich vergleicht, was er auch andere lehrt, in dem er sie mit Feen-Staub bewirft und sie dazu anhält „liebevolle Gedanken“ zu denken.

The Pinnacle List

Peter Pan Statue mit Flügeln auf Neverland

Jacksons Bemerkungen gegenüber Boteach zeigen, dass Peter Pan für ihn ein Avatar ist, eine Verkörperung von Unschuld, Gottseligkeit und „der goldenen Magie der Kindheit“. In dem er für immer jung bleibt, hält Peter Pan an den Werten und der Denkweise des Kindes fest, eine Denkweise, die paradoxer Weise „alt“ ist, in dem Sinn, dass sie mehr mit der Natur und Gott verbunden ist, als die engstirnige, destruktive Denkweise von („erwachsenen“) Erwachsenen. Sie ist „Millionen und Abermillionen Jahre alt“, denn sie ist grundlegend, ursprünglich, nicht nur im Beginn des Lebens verwurzelt, sondern auch in der Quelle des Lebens selbst. Diese Denkweise hat nicht an der Korruption der erwachsenen Welt teilgenommen. Wie Jackson es in Take Two sagt; „Erwachsene haben mich enttäuscht. Erwachsene haben die Welt enttäuscht.“

Im Kontrast zur freudigen, abenteuerlichen Welt von Peter Pan, ist für Michael die von Erwachsenen erschaffene Welt eine oft abgestumpfte, habgierige Welt, in der die Werte der Kindheit bei dem Versuch sich einzufügen und anzupassen oft auf der Strecke bleiben. Früher in diesem Gespräch gibt Boteach Abraham Lincolns Worte wieder: „wir alle werden als Gottes Ebenbilder geboren und sterben als Kopien von Menschen.“ Michael antwortet: „das ist großartig, ganz genau so ist es, oder?“ Peter Pan wehrte sich gegen diesen Prozess und Jackson tat das ebenso, obwohl er eingestand, dass er für seine Unangepasstheit „einen furchtbaren Preis“ zahlte.

SB: „Erwachsene sind fast wie Gefangene. Sie sind wie gefangen in gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen, die ihnen auferlegt werden.

MJ: „Ja, sie versuchen das zu sein, was die Gesellschaft von ihnen erwartet, und Kinder sind einfach glücklich, drollig und lieben Spass. Sie haben diese Begeisterung, dieses Leuchten in ihren Augen, und ich war in Situationen, während Treffen mit einem Haufen Anwälten und manchmal kam ein Kind in den Raum und sie redeten einfach weiter. Ich brachte alle dazu aufzuhören und jeder musste „Hallo“ sagen, oder seine Achtung zeigen, damit das Kind sich als etwas Besonderes fühlt. Und die Anwälte haben es einfach nicht verstanden. Für mich hatte G-tt gerade den Raum betreten, und wir müssen unsere Achtung ausdrücken.“

Dieses Zitat ist ein gutes Beispiel für Jacksons Erfahrung mit der Welt der Erwachsenen – „ein Haufen Anwälte“ – im Unterschied zur Welt des Kindes. An der Auseinandersetzung mit rechtlichen Angelegenheiten – Verträgen, Gerichtssälen, Verhandlungen und eidesstattlichen Aussagen, denen Jackson während seiner Karriere unablässig gegenüber stand – ist sicherlich nichts spassig, drollig oder glücklich. Mit dem Verweis auf einen Raum voller Anwälte, stellt Jackson eindringlich die Welt der Erwachsenen der Welt der Kinder gegenüber. Wie er sagt, haben die Anwälte „es nicht verstanden“, und genau so haben es die meisten Erwachsenen, die sich wundern, warum Peter Pan für ihn eine so große Inspiration war, auch nicht verstanden.

Der Unterschied an Größe und Macht zwischen Erwachsenen und Kindern spielt bei diesem Mangel an Verständnis mit hinein, wie Michael es verdeutlicht:

Als ich klein war, traf Bill Cosby mich oft auf dem Flur der NBC Studios und sagte (erhebt und verhärtet seine Stimme), ‘Hey, was treibt ihr Kinder hier? Bringt diese Kinder hier weg.’ Jeder lachte darüber. Aber ich dachte, er meinte es im Ernst und ängstigte mich zu Tode und weinte. Jahrelang mochte ich ihn nicht. Ich erinnere mich daran, dass ich in einem Club war und da war dieser Mann, der sagte, ‘Hey, Junge! Was machst du hier drin?’ Und er machte damit weiter, bis ich weinte. Ich verstand das nicht und deshalb hatte ich Angst vor Erwachsenen und Leuten, die so groß waren. Und deshalb bin ich von ihnen eingeschüchtert. Ihnen ist nicht bewusst, welche Schmerzen sie verursachen, wenn sie Menschen so behandeln. Es ist nicht lustig.

Deshalb bin ich, wenn ich Kinder sehe, genau das Gegenteil davon. Ich gehe sehr freundlich und einfühlsam mit ihnen um. Ich möchte keinen dieser Fehler machen. Mein Vater hat das mit Kindern getan. Er tut es jetzt nicht mehr, aber ich erinnere mich, als ich klein war (erhebt aggressiv die Stimme), ‘Wie heißt du? Wo wohnst du?’ und sie sagten (die Stimme bricht), ‘Ich wohne am Ende der Strasse.’ Ich sagte dann, ‘Warum hat er Spass daran, sie zum weinen zu bringen? Ich bin sicher, dass es sehr beängstigend ist.’ Dieses Gefühl habe ich niemals vergessen.“

Um zu verstehen, was Peter Pan und seine Flucht vor den lähmenden Erwartungen des Erwachsenseins für Michael Jackson bedeutet, müssen wir seine Aussagen darüber, dass Kinder sein Leben gerettet haben und er nicht ohne sie in dieser Welt leben könnte, ernst nehmen. Barries Peter Pan lief von zu Hause fort, als er erfuhr, er würde groß werden und sein Leben als Erwachsener in einem Büro verbringen. Stattdessen erschuf er eine Insel auf der er und seine Freunde, die „verlorenen Jungen“, für immer Kinder bleiben konnten. Während der schwierigen Zeit als ein Kinderstar, der dem Druck und der Belastung einer Vollzeit Karriere ausgesetzt war, umgeben von Erwachsenen die sein Leben kontrollierten und in seiner Abwesenheit über ihn entschieden, begann Jackson damit, die Kindheit zu idealisieren und entwickelte ein Vertrauen in Kinder, die ihm die Kraft gaben, weiter zu machen, wie er Boteach gegenüber erklärt:

SB: Du siehst sie wirklich als ein Teil, ein Funken von G-tt hier auf der Erde?

MJ: Ich schwöre, das sind sie. Für mich gibt es nicht reineres und spirituelleres als Kinder und ich kann ohne sie nicht leben. Würdest du mir jetzt sagen, ‘Michael, du wirst nie wieder ein Kind sehen,’ würde ich mich umbringen. Ich schwöre dir, das würde ich, denn ich habe sonst nichts, wofür ich lebe. So ist es. Ehrlich. Kinder haben mich in jeder Sekunde meines Lebens gerettet. Meine Mutter weiß das. Ich würde sofort das Handtuch werfen aber sie (Kinder) lassen mich durchhalten, denn sie zeigen mir Liebe und es ist, als ob G-tt sagt, ‘Alles wird gut werden.’ Es ist , wie wenn der Himmel voller dunkler Wolken hängt und du siehst dieses kleine Stückchen blau und es ist, als ob G-tt sagt, ‘alles wird wieder gut.’

SB: Wenn du wirklich fertig bist, oder von etwas geplagt wirst und du siehst ein Kind, dann ist es, als ob G-tt sagt, ‘nimm es leicht’.

MJ: Genau so ist es, Schmuley. Du sagst es. Und jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte das Ende des Seils erreicht, kam von irgendwo ein Kind daher. Immer wenn ich es nicht mehr ertragen kann und einfach nur noch sterben möchte, wirklich. Peng! Es haut mich um und ich falle auf die Knie und danke G-tt. Das mache ich, Schmuley… Kinder bedeuten die ganze Welt.“

In diesen Gesprächen macht Michael klar, dass er die Welt der Erwachsene als erstickend, einengend, von Materialismus beherrscht empfindet, und dass sie nicht im Einklang steht mit seinen Werten und seiner Art, Kinder und das mit ihnen tief Verbundene: Vorstellungskraft, Magie, Erstaunen, Freiheit, Fröhlichkeit, Kreativität und Gott, zu ehren. Kinder sind Erwachsenen so unähnlich, dass ihre blosse Existenz „sein Leben rettete“, indem sie ihm eine Alternative bieten zu der von habgierigen, grausamen, unaufrichtigen und gottlosen Erwachsenen erschaffenen Welt.

Als Kind trug Michael Bilder des berühmten Kinderstars Shirley Temple bei sich, stellte sie in sein Ankleidezimmer und malte sogar ein Portrait von ihr. In seinem späteren Leben hatte er Fotos von ihr in seinem Schlaf- und Wohnzimmer auf Neverland. Die Bilder eines Kindes, das extreme Berühmtheit erlebt und überlebt hatte, gaben ihm Kraft, die Belastungen und Ängste seiner eigenen Karriere als Kinderstar auszuhalten. Sie machten ihm Mut, weiter zu machen, was er zum Ausdruck brachte, als er Shirley Temple Black traf:

Du hast mein Leben gerettet“, und sie verstand es nicht. Ich erklärte es ihr. Es waren diese Zeiten, in denen ich dachte, ich halte es nicht mehr aus, und sie dort zu haben, lies mich durchhalten.“

Shirley Temple MJ

Eines von vielen Bildern Michaels von Shirley Temple

Michaels lebenslange Verehrung des berühmten Kinderstars Shirley Temple und Charlie Chaplins ist bekannt, und auch seine Freundschaften mit anderen Kinderstars, wie Corey Feldman, Mark Lester, Elizabeth Taylor und Macaulay Culkin.

Wir neigen dazu, zu unterschätzen, wie es für ein Kind sein muss, in die Erwachsenenwelt der Unterhaltungsindustrie geworfen zu werden, dass ein Kind emotional, körperlich und intellektuell nicht dazu ausgerüstet ist, die Sprache und Witze, sexuelle und finanzielle Interessen der Erwachsenen zu verstehen. So wie Michael seine Gefühle Erwachsenen gegenüber Boteach erklärt, wird deutlich, dass er von dem, was er an Heucheleien, Gemeinheiten, Lügen und Betrug erfahren hat tief verletzt war. Seine Einstellung dazu ist „diese Welt verstehe ich nicht und ich möchte nicht in ihr leben“. Die Welt, an die er sich als Alternative klammerte, war die heilsame und glückliche Welt der Kinder.

SB: Fühlst du dich mit Kindern freier, natürlicher, befreiter?

MJ: Ich fühle mich nicht nur frei, sondern ich fühle mich, als stünde ich im Antlitz G-ttes. Ich fühle mich geehrt, der Glückliche zu sein. Dass G-tt mich mit ihrer Gegenwart segnet und andere Leute verstehen es nicht, weil sie sie so behandeln, als wären sie Abfall. Ich komme in den Raum, und da ist dieses Gefühl von Glückseligkeit. Du kannst es fühlen, du kannst es greifen und es wird durch sie ausgelöst, es ist Bewusstsein, es ist Spiritualität.

SB: Ist es heilsam für dich?

MJ: Es hat mein Leben gerettet.

SB: Es nimmt den Schmerz, wenn du in der Gegenwart von Kindern bist?

MJ: Es rettet mein Leben.

KIDS PIC2

So wie Michael Kinder beschreibt, vermittelt er das Gefühl, sie seien eine völlig andere Spezies, als Erwachsene, Wesen mit einmaligen Eigenschaften und Verhalten. In den Augen eines Kindes ist die Welt magisch und fröhlich und das ist der Ort, an dem Michael sein möchte, sowohl als Mensch als auch als Künstler.

SB: Wenn du die Welt durch die Augen eines Kindes betrachtest, wie würdest du sie beschreiben?

MJ: Verpackt wie ein Geschenk. Sie ist magisch. Sie ist erstaunlich. Sie ist wundervoll und du bist auf alles gespannt. Sie ist fantastisch. Sie ist großartig. Sie ist Ehrfurcht gebietend.“

Michael versuchte das was er von Kindern bekam – die magische Welt der Möglichkeiten, der Freiheit und des Erstaunens – an die Welt weiter zu geben. Auch mit anscheinend kleinen Dingen, wie seiner Fähigkeit zu ‘moonwalken’, brachte er Erstaunen in das Leben der Menschen. Der Musikkritiker der L.A.Times, Robert Hilburn, erinnert sich daran, wie er Michaels Vorführung bei Motown 25 zusah, und danach Michael Jacksons Manager Frank DiLeo anrief, um zu fragen, wie das gemacht worden war. Gab ein Geheimnis, ein verstecktes Laufband oder einen beweglichen Boden unter Michael? Nein, antwortete DiLeo, es war einfach nur er.

Viele Songs und Performances waren so gestaltet, dass sie die Magie und das Staunen, das Michael in Kindern sah, aufleben liessen:

Sie sind meine Lehrer. Ich beobachte sie und lerne. Es ist wichtig für uns zu versuchen, so zu sein wie sie und sie zu imitieren. Sie sind golden.“

Aber ich denke, wenn wir an der Magie dieses Kindes, das in unserem Innern lebt, das immer noch da ist, festhalten können, dann ist das die größte Magie der Welt. Das glaube ich wirklich. Ganz, ganz wirklich. Es gibt für mich nichts vergleichbares und ich nutze das. Alles, was ich erschaffen habe, meine gesamte Kunst und das mir gegebene Talent ist völlig von Kindern inspiriert – von nichts anderem. Jeder Song, den ich geschrieben habe, von „Billie Jean“ über „Beat It“ zu „Heal The World“ bis „We Are The World“, das alles kommt von Kindern.

Und wenn es aussieht, als ob ich in der Klemme stecke, was in kreativer Hinsicht manchmal passiert, lade ich mir ein paar Kinder ein oder verbringe Zeit mit Kindern, und ich habe das Gefühl, grenzenlos zu sein. Es gibt wirklich keine Grenze in meiner Kreativität und sie ist völlig von ihnen und G-tt inspiriert.“

Für Michael bedeuteten Kinder so viel, dass er sogar angab ohne ihre Präsenz auf dieser Welt nicht leben zu können. Kinder gaben ihm Hoffnung, wenn er verzweifelt war und inspirierten seine Kreativität. Sie verkörperten für ihn die Tugenden der Wahrheit, Güte, Liebe und Reinheit. Als Michael in seiner Rede zum Grammy Lifetime Achievement Award (Auszeichnung für das Lebenswerk) sagte: „Die Magie, das Staunen, das Geheimnisvolle und die Unschuld des Herzens eines Kindes sind die Samen der Kreativität, die die Welt heilen werden,“ besteht kein Zweifel daran, dass er das in vollem Ernst meinte. Er meinte jedes Wort davon.

MJ: Durch meine Liebe zu Kindern, kann ich G-tt erkennen. Ohne Kinder würde ich nicht verstehen, was G-tt ist, wer ER ist, ganz egal, was die Bibel sagt, und obwohl ich die Bibel liebe. Aber Kinder sind der Beweis. Man kann vieles schreiben und sagen, aber ich kann es sehen. Und wie ich es sehen kann.

Kinder – und das ist meine aufrichtige Meinung – verkörpern das Reinste, den Inbegriff von Aufrichtigkeit, von Liebe, von G-tt. Für mich sind sie G-ttes Art zu sagen, dass es Hoffnung gibt und Menschlichkeit. Sei wie die Kinder, sei so demütig wie sie, sei nett, sei großzügig, sei unschuldig. Man sieht es in den Augen, ich sehe es immer in den Augen. Wenn du einem Kind in die Augen schaust, erkennst du immer die reine Unschuld und es erinnert dich daran, demütig, nett und einfach gut zu sein. Ich möchte nicht seltsam klingen, aber ich glaube wirklich daran, dass Kinder G-tt sind. Ich glaube, sie sind die reinste Form von G-ttes Schöpfung. Wenn ein Kind den Raum betritt, bin ich völlig verändert. Ich spüre ihre Energie, ihre Präsenz und ihre Seele. Ich glaube, wir sollten bedenken, dass es für Erwachsene so einfach ist, sie zur Seite zu stossen und sie nicht zu beachten, aber ich denke, sie haben soviel zu sagen und wir hören nicht zu, wir spüren es nicht.“

Michael with child

Michael schätzte Kinder so sehr, dass es ihm schwer fiel, dafür die richtigen Worte zu finden. Wie er auch Boteach gegenüber erklärte: „Es ist fast nicht möglich, es mit Worten auszudrücken.“ Sie sind der Sonnenschein der Welt. Es ist schwer, es mit Worten zu beschreiben… es ist etwas so besonderes für mich.“

Michael glaubte daran, dass die verborgenen Kapazitäten und Fähigkeiten von Kindern in der Zukunft noch entdeckt werden würden und die Welt der Erwachsenen dazu zwingen würde zu erkennen, was Kinder zu bieten haben:

Sie werden noch erstaunliche Dinge über Kinder herausfinden, nicht erst in diesem Jahrhundert, schon in diesem Jahrzehnt. Dinge, die schon immer vorhanden waren, verblüffende Dinge über den Intellekt von Kindern und wie unbeschreiblich erstaunlich sie sind. G-ttgleich. Ich glaube das wirklich. Die Leute werden sehr viel Brillanz entdecken…. Die Sichtweise auf Kinder wird sich verändern. Ich habe nie von oben herab mit Prince und Paris gesprochen. Man kann das nicht tun, sie sind viel schlauer, als wir denken… Sie sind so klug, sie verstehen intellektuell alles, was wir sagen. Sie sind viel heller, als wir es uns je vorstellen könnten. Sie sind im Alphastadium. Sie verstehen das Unterbewusstsein. Wir verstehen es nicht. Wir sind diejenigen, die einfach nicht verstehen, wer sie sind.

SB: Sie sind mit einem bestimmten Wissen geboren?

MJ: Sehr viel Wissen. Ich glaube, sie wissen vieles, was wir noch gar nicht verstehen. Sie sind das Universum. Sie sind es wirklich. Die meisten Leute kapieren es nicht.“

Für Michael war Peter Pan der Held aller Kinder und allem, was sie repräsentieren. Er ist die Verkörperung des ewigen Kindes und eine einflussreiche Naturgewalt – eine alte, alte Seele, die all die wunderbaren Weisheit und Kreativität der Kinder beibehält und nichts davon der Welt der Erwachsenen opfert. Peter Pan entkommt dem für ihn vorgesehenen Lebensplan und erschafft seine eigene Welt – Never-Neverland, eine Welt, die ‘niemals’ zerstört oder verändert werden würde, eine Welt, in der Magie, Wunder, Abenteuer und Freiheit regierten.

Ich bin Peter Pan,“ sagte Michael zu einem Interviewer. Er erschuf Neverland, um Peter Pan als einen Avatar für die goldenen Jahre der Kindheit zu feiern, als einen Repräsentant der Macht, die die Welt heilen würde und die Michael in Kindern sah.

2. Neverland und die verlorenen Jungen

In Übereinstimmung mit Peter Pans Never-Neverland, war auch Jacksons Ranch ein Zufluchtsort für verlorene Kinder, besonders für kranke und sozial benachteiligte Kinder. Regelmässig trafen Busse voller Kinder von Krankenhäusern oder aus kirchlichen Organisationen der Innenstädte ein, um die Schönheit der Anlage, die Fahrgeschäfte, das Kino, den Zoo und die Spielarkade zu geniessen.

Vielleicht war Jackson von J.M.Barries Peter Pan so eingenommen, weil sie beide „verlorene Jungen“ waren. Laut Barrie lief Peter von zu Hause fort, als er hörte, wie seine Eltern sagten, er würde einmal Angestellter in einem Büro werden. Er floh in den Kensington Park, und wurde dort von den Vögeln und Feen aufgezogen; er hatte keine menschliche Eltern und kein traditionelles Zuhause mehr. Im Grunde war er ein Waisenkind. Peter schlossen sich später andere „verlorene Jungen“ an, die ihn als ihren Anführer und „Vater“ sahen. Barrie erklärt, sie seinen aus ihren Kinderwagen gefallen, als ihre Kindermädchen nicht aufpassten. Diese Jungs wurden quasi von denjenigen „verloren“ die auf sie achten sollten. Die Vorstellung der fahrlässigen Kindermädchen, die ihre Pflichten vernachlässigten, ist aus Oscar Wildes Komödie „The Importance Of Being Earnest“ (Ernst sein ist alles oder Bunbury) entliehen, welche 1895 in London 87 Mal aufgeführt wurde, und nach Wildes Prozess und Inhaftierung 1901 wieder neu aufgeführt wurde. In Wildes Schauspiel steckt Miss Prism, „in einem zerstreuten Moment“ das Baby, für das sie die Verantwortung trug, in eine große Aktentasche und ein Manuskript in den Kinderwagen und vergisst die Aktentasche an einem Bahnhof, wo sie beim Fundbüro landet. Später wird das Baby entdeckt und adoptiert. Deshalb verkündet die Hauptrolle des Stücks gegenüber der versnobten Lady Bracknell, er sei in einer Bahnstation, der „Brighton Line“, gefunden worden. Und tatsächlich spiegelt der teils seltsame Humor in Barries Peter Pan den Witz und Humor Wildes wieder, wie zum Beispiel der Hund namens Nana als Kindermädchen für die Kinder der Darlings, die Eröffnungsszene, in der Peter seinen Schatten sucht und die Fee Tinkerbell, die Peter einen „Knallkopf“ nennt.

Die „verlorenen“ Jungen fanden bei Jackson großen Widerhall, der sich selbst auch in mancher Art als Waise empfand und später sogar ein Lied für die verlorenen Kinder („The Lost Children“) schrieb:

So betet für all die verlorenen Kinder / Lasst uns beten für all die verlorenen Kinder / Denkt nur an all die verlorenen Kinder / Wünscht ihnen alles Gute / Das ist für all die verlorenen Kinder / Das hier ist für all die verlorenen Kinder / Denkt nur an all die verlorenen Kinder / Wünscht ihnen alles Gute und wünscht sie zurück nach Hause.“

So pray for all the lost children / Let’s pray for all the lost children / Just think of all the lost children / Wishing them well / This is for all the lost children / This one’s for all the lost children / Just think of all the lost children / Wishing them well and wishing them home.“

Michael-Jackson-image-michael-jackson-36088312-1132-1600

Indem er schon in einem sehr jungen Alter auftrat, oft an Orten weit weg von daheim, manchmal auch auf ausgedehnten Tourneen, und auch zu den Zeiten, die er im Studio arbeitete, verbrachte er viel Zeit in Hotels und anderen unpersönlichen Orten weit weg von seinem Zuhause. Meist war sein Vater das einzige Elternteil, das ihn begleitete, er vermisste er seine Mutter, seine Schwestern und sein Zuhause.

Jacksons Gewohnheit, später in seinem Leben Waisenhäuser und Kinderkrankenhäuser zu besuchen, spiegelt seine Identifikation mit Kindern wider, die ein fürsorgliches Zuhause und eine familiäre Umgebung vermissen. Interessanter Weise taucht das Wort „verloren“ (lost) in dem Lied The Lost Children und in Childhood auf.

MIchael -  Lisa -  Farkas

Michael , Lisa Marie und Farkas

Michael spürte eine tiefe Verbindung mit Waisenkindern und kannte das Gefühl, heimatlos zu sein. Wenn er auf einer Tour war, besuchte er in jeder Stadt Waisenhäuser, brachte Spielsachen mit und spendete Ausstattung und andere Hilfsmittel. An einem Ort fand er heraus, dass ein Kind (Farkas) eine Leber brauchte, um zu überleben, und es gelang ihm schliesslich die Organspende zu ermöglichen. Sein Manager Frank DiLeo sprach auch darüber, wie Michael nachts aufblieb, um Batterien in die Spielzeuge einzusetzen, die am nächsten Tag verschenkt werden sollten. Auch auf YT kann man Videos von diesen Besuchen in Waisenhäusern ansehen, sowie von kranken und benachteiligten Kindern, die Neverland besuchten. Zur Feier des 50. Geburtstages der Vereinten Nationen 1995, begrüßten er und seine Frau Lisa Marie Presley Kinder aus aller Welt auf Neverland.

Eines seiner letzten Projekte, die er plante, war die Verfilmung Jennings Michael Burchs Buch They Cage The Animals At Night, (Tiere sperren sie nur nachts ein. Die Geschichte eines Kindes, das überleben lernte) über sein Leben in Waisenhäusern und Kinderheimen. Das 2003 auf Neverland durchgeführte Gespräch der beiden ist ergreifend. Burch (1941 – 2013) wurde im Alter von 8 Jahren von seiner Mutter ins Kinderheim gebracht und lebte in 32 verschiedenen Heimen; sein einziger Gefährte war sein geliebtes Kuscheltier namens Doggie, das er auch mit zu dem Interview brachte. Michael umarmt Burch als er in Tränen ausbricht und sagt ihm, „wir sind gleich, ich verstehe dich. Ich verstehe dich sehr gut.“ Der Regisseur des Filmprojekts, Bryan Michael Stoller erklärt die Verbindung von Michael zu Waisenkindern: „Michael erzählte mir oft, dass er sich als Heranwachsender wie ein Waisenkind fühlte, wie ein Heimkind, weil er nie in einem Zuhause war. Für ihn war jedes Hotel wie ein weiteres Kinderheim. Er sagte, oft hätte er am Fenster gesessen und Kinder gesehen, die draussen spielten, und geweint, weil er nicht daran teilhaben konnte.“ (Alex Ben Block „The Michael Jackson Movie You Never Saw“).

Michael trifft Jennings Michael Burch

Trotz seiner Liebe für die Jugend, freie Natur und Freiheit ist Peter fasziniert von traditionellen Familien, besonders von Müttern und wie sie ihren Kindern Gute Nacht-Geschichten vorlesen. Auch wenn Peter seine Freiheit nicht wirklich aufgeben möchte, um Teil einer solchen Familienszenerie zu werden, fühlt er sich davon angezogen und ein Teil von ihm sehnt sich danach. Deshalb beginnt das Stück damit, dass er sich an das Fenster der Darling Kinder heranschleicht, in der Hoffnung das nächste Kapitel der Gute Nacht-Geschichte von Mrs. Darling hören zu können. Als er Wendy und ihre Brüder nach Never-Neverland bringt, verkündet er den verlorenen Jungen, dass er ihnen eine „Mutter“ mitgebracht habe – Wendy – die ihnen noch mehr Geschichten erzählen werde. Wendy übernimmt es auch, bei Peter und den verlorenen Jungen für Ordnung zu sorgen, sie achtet darauf, dass sie ihre Medizin einnehmen und dass sie etwas zivilisierter leben und weniger wild. Sie verkörpert das Familienleben, von dem Peter sich angezogen fühlt und das er trotzdem ablehnt. Wenn sie ihn fragt: „was bin ich für dich, Peter?“ antwortet er immer: „ich bin dein Sohn, Wendy.“

Nachdem Wendy wieder in das Haus der Darlings zurückgekehrt ist, besucht sie Peter immer noch einmal im Jahr um ihm beim „Frühjahrsputz“ zu helfen, stellt jedoch fest, dass sie die Fähigkeit verliert ihn zu sehen, als sie älter wird. Das spiegelt den Gedanken wider, dass Kinder mehr dazu in der Lage sind, in der Welt von Magie und Wundern zu leben – „Dem Wunder meiner Jugend“ – und diese Fähigkeit verlieren, wenn sie erwachsen werden. In diesem Sinn bedeutet der Junge, der „nicht erwachsen werden wollte“ einfach, ein Junge, der weiter in der Welt von Magie und Wundern leben möchte, der sich wünscht, nie die Fähigkeit zum Spielen zu verlieren, und der es ablehnt die wertvollsten Freuden der Kindheit und die Fantasie zu opfern, um ein „Mann“ zu werden.

Oberflächlich und reduktiv gesehen, werden die Worte „der Junge, der nicht erwachsen werden wollte“ anstatt auf einer metaphorischen und fantasievollen Ebene, nur wörtlich interpretiert, in dem man auf eine immer gleichbleibende Jugend verweist nach Art des erstarrten Bildnis des Dorian Gray. Nicht erwachsen zu werden ist ein Akt der Rebellion – ein aktiver Widerstand gegen die Welt der Erwachsenen, mit ihrer veralbernden Ablehnung von Spiel, Freiheit und Fantasie. Auf gewisse Weise ähnelt Peter Pan darin auch Timothy Leary, dem Guru der 1960er Jahre, dessen Mantra lautete: Turn on, tune in, drop out.” (“Mach dich an, stell dich um, steig aus.”) Peter Pan war der ultimative Aussteiger, der die Werte der Erwachsenengesellschaft ablehnte. Stattdessen entschied er sich, seine eigene Welt zu erschaffen und nach seinen eigenen Regeln zu leben, etwas, was auch Michael Jackson tat.

Michael-Jackson-by-Harry-Benson-1993-Inside-Neverland-HQ-michael-jackson-31087048-1362-1267

Missversteht man die Basis von Jacksons Identifikation mit Peter Pan, führt das auch zu einer ähnlich falschen Sicht auf Neverland, besonders in dem Punkt, dass er Neverland nur aus dem Grund erbaut habe, um Junge Buben in sein Bett zu locken. Diese reduktive Ansicht könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein. Jackson erschuf Neverland als Hommage an seine eigene verlorene Kindheit sowie an die Kindheit, die er sich für alle Kinder wünschte, und um Erwachsene daran zu erinnern, nie „die Wunder, die Magie, die Unschuld im Herzen eines Kindes“ zu vergessen, von der er glaubte, dass sie „die Welt heilen“ könnten. Die Vorstellung, dass dieser Performer auf dem Höhepunkt seines Ruhms – ja sogar der berühmteste Mensch der Welt – sich ein gewaltiges 55 Millionen teures Projekt wie Neverland zulegen würde um Jungen oder Kinder anzulocken ist lächerlich. Einfach nur „Michael Jackson“ zu sein, egal an welchem Ort, war völlig ausreichend, um Menschenmengen zu versammeln. Aber es ist genau diese vereinfachte, reduzierte Annäherung an Jacksons gesamte Philosophie über Kinder und Kindheit und an sein geliebtes Zuhause Neverland, die so oft vorherrschend ist, während einem umfassenderen, fantasievolleren und akkuraterem Verstehen seines Plans nie wirklich Gehör geschenkt wurde, obwohl er selbst oft darüber sprach.

2003 fielen 70 Polizeibeamte mit Durchsuchungsbefehlen über Neverland her und durchwühlten es derartig, dass er 2005 kurz nach seinem Freispruch in allen Anklagepunkten nie wieder in dieses sehr besonderes Zuhause zurückkehrte, in dem er einige seiner größten Werke erschaffen hatte. Neverland gab es nicht mehr, seine Fahrgeschäfte wurden verkauft, die verzierten Tore abgebaut, die Zootiere in Schutzeinrichtungen abtransportiert und Jacksons Besitztümer, inklusive vieler Statuen von spielenden Kindern und Peter Pan entfernt und in Lagerhäuser gebracht.

Ein Lakota Sprichwort sagt: „Am wichtigsten sind die Kinder. Sie sind die wahren Menschen.“

Natürlich hatte Michael Recht damit, den Fokus auf die Jugend zu legen, als diejenigen, die den Planeten retten können – wie sollen wir die die Welt heilen, ohne auf unsere Kinder zu achten? Ganz sicher nahm er seine Verantwortung als alleinerziehendes Elternteil von drei Kindern sehr ernst und tat alles, um ihrem Leben eine solide Basis zu geben. Auch wenn sein eigener Vater nie Liebe zeigte, sagte er seinen Kindern und auch seinen Fans immer wieder, dass er sie liebt.

In Michaels Augen hatten die Kinder, die diese liebevollen, aufrichtigen, fantasievollen Eigenschaften nicht zeigten – zum Beispiel Kinder, die gemein zu einander waren, die sich schikanierten oder ähnliche Dinge taten – von Erwachsenen beigebracht bekommen, ihre natürliche, der Kindheit entsprechende Art zu verändern. Kinder konnten böse und schlecht sein, aber nur, wenn sie es von Erwachsenen gelehrt worden waren.

Aus der Erfahrung meiner eigenen Kindheit kann ich Michael darin zustimmen, dass Erwachsene im allgemeinen Kindern nicht zuhören. Ich wurde nach der alten Art von „tu’, was man dir sagt“ und „kleine Kinder soll man sehen, aber nicht hören“ erzogen; abschreckende Beispiele für den Platz, den Kindern in der Welt der Erwachsenen eingeräumt wurde. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern mich gefragt hätten, wie ich empfinde, oder an irgendwelche Gespräche, in denen es um Gefühle ging. Es ging nach dem Motto „Halt die Ohren steif“, was bedeutete, niemals zu zeigen, dass man verletzt war oder etwas – besonders Liebe – brauchte. Die Familie schien manchmal nur eine Gruppe von Leuten zu sein, die zufällig Zimmergenossen waren und zusammen lebten, sich aber nicht auf einer tieferen Ebene kannten und nicht ihr Innenleben miteinander teilten. In einer solchen Umgebung ziehen Kinder sich häufig selbst groß. Teil meiner Kindheit war es auch im Alter von sechs Jahren auf ein Internat geschickt zu werden, ein Umstand der mich tief schockierte. Seltsamerweise war es zu dieser traumatischen Zeit, als ich begann Träume vom Fliegen zu haben, über die auch Michael berichtete.

Als er als Kind auf Tour war oder auf Parties spielte, war Jackson immer öfter von seinem Zuhause getrennt und verbrachte mehr Zeit auf der Strasse – entweder im Auto, in Hotelzimmern oder anderen ihm fremden Orten. Das bedeutete, dass er seine Mutter zurückliess, eine starke, fürsorgliche Präsenz, die ihm in Form von Küssen und Umarmungen die taktile Liebe gab, die er brauchte; und auch seine Schwestern, insbesondere Rebbie, die den acht Kindern oft wie eine Ersatzmutter war.

Im Gespräch mit Boteach sagte Michael: „Es ist schwer in Worte zu fassen“ und man spürt, dass die Bedeutung von Kindern hauptsächlich mit seinem Schmerz in der Kindheit und seiner einmaligen Erfahrung als Kinderstar verknüpft ist, aber auch mit seiner Fähigkeit, als Erwachsener weiter zu leben und zu kreieren.

…………………

Übersetzung M.v.d.L. – Vielen Dank an Veronica Bassil

That Wonder in my Youth

http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_noss_2?url=search-alias%3Daps&field-keywords=veronica+bassil

Hat das FBI Beweise dafür, dass Michael Jackson dutzenden jungen Buben Schweigegeld zahlte?

by

Michael Jackson Not Guilty

English: http://michaeljacksonallegations.com/did-the-fbi-have-evidence-that-michael-jackson-paid-off-dozens-of-young-boys-to-silence-them-after-he-sexually-abused-them/

Nein, das FBI hat keine Beweise dafür. Diese Behauptung stammt von einem britischen Boulevardblatt und stimmt nicht.

Am 30. Juni 2013 veröffentliche das britische Boulevardblatt Sunday People (die Sonntagsausgabe von The Mirror) einen „exklusiven“ Artikel, in dem sie behaupteten, Einsicht in die „geheimen FBI-Akten“ gehabt zu haben, welche „offenbaren, dass Michael Jackson 23 Millionen Pfund (ca. 35 Millionen Dollar) ausgab, um sich das Schweigen von mindestens zwei Dutzend jungen Buben zu erkaufen, die er über einen Zeitraum von 15 Jahren missbrauchte“ [1].

Sie behaupten, die Akten wären im Besitz des Privatdetektivs Anthony Pellicano, der 1993 für Jackson arbeitete. Als Pellicano 2002 wegen illegalen Abhörens festgenommen wurde, konfiszierte das FBI diese Dokumente, wird in dem Artikel behauptet. Es ist deren Behauptung, diese Dokumente seien „FBI-Akten“.

In dem Artikel sprechen sie mit einem Privatdetektiv, der behauptet, er habe 1993 mit Pellicano am Jackson-Fall gearbeitet. Der ungenannte Mann behauptet, er behielt sich Kopien dieser Dokumente, die er jetzt der Sunday People präsentiere – so die Schilderung der Story.

Im Artikel wird behauptet, Jackson hätte Pellicano eingestellt, um andere „Opfer“ auszuzahlen, als dem Sänger 1993 von Jordan Chandler Kindesmissbrauch unterstellt wurde. Der schmuddelige Boulevardartikel brachte es fertig, sich selbst darüber zu widersprechen, wie viele Jungs angeblich ausbezahlt wurden: in manchen Teilen des Artikels (inklusive Titel) wird von 24 Jungs gesprochen, in einem anderen Teil ist die Rede von 17 und in wieder einem anderen Teil des Artikels spricht ihre Quelle von 3 Jungs.

Ungeachtet der Widersprüchlichkeiten, der Schlampigkeit des Artikels und der fehlenden Beweise, verbreitete sich die „Neuigkeit“ wie ein Lauffeuer. Scheinbar war der Begriff „FBI-Akten“ ausreichend, um Leute zu überzeugen – einschließlich anderer Journalisten, die sich nicht darum kümmerten, den Wahrheitsgehalt dieser Story zu überprüfen, welche das Boulevardblatt als wahr darstellte. Im Handumdrehen verbreiteten viele andere Quellen diese Story und erklärten es zur Tatsache, dass „das FBI tausende Seiten aus deren geheimen Akten enthüllte, welche beweisen, dass Jackson ein Serien-Kinderschänder war und duzenden jungen Burschen Schweigegeld zahlte“. Die Behauptung wurde sogar von Mainstream-Medien übernommen. Bei den Medien stellte sich niemand, der diese Story als Fakt veröffentlichte, die logische Frage: Wenn es stimmte – warum wurde dieser Beweis niemals vor Gericht im Jackson-Prozess 2005 vorgelegt? Und warum sollten wir die Worte eines unglaubwürdigen Boulevardblattes ohne jeglichen Beweis ernst nehmen?

Nach Durchsicht der Dokumente, die dem Artikel der Sunday People als „Beweise“ beigefügt sind, stellen wir fest, dass diese weder beweisen, was in dem Artikel behauptet wird, noch repräsentieren sie einen offiziellen Standpunkt des FBIs. Beweise für Missbrauch und Abfindungen – geschweige denn eine Bestätigung des FBIs – können nirgendwo gefunden werden. Für diejenigen, die mit den Details zu den Unterstellungen gegen Jackson vertraut sind, ist es einfach zu erkennen, was diese Dokumente in Wirklichkeit sind – und sie sind nicht das, was das Boulevardblatt behauptet. Lasst sie uns der Reihe nach anschauen.

Dokument 1 [1]:

1 Michael Jackson Pellicano Nachricht

[Anm. d. Übers.: Der englische Text in diesem Dokument ergibt teilweise nur wenig Sinn. Ich habe mich trotzdem um eine möglichst sinnvolle Übersetzung bemüht.]

FAX, 26. Juli 1993 AN: ANTHONY PELLICANO VON: [geschwärzt]

Jacksons ehemaliger Anwalt [geschwärzt], der auf Unternehmensrecht spezialisiert ist, gab an, dass an [geschwärzt] Geld gezahlt wurde. An [geschwärzt] wurde kein Geld gezahlt. Laut der Quelle gehen die Zahlungen Jacksons an die Eltern der Opfer zurück in den Sommer 1992. Jackson traf mit der Mutter des Kinderdarstellers / -tänzers Möchtegern [geschwärzt], auch bekannt als [geschwärzt] eine Vereinbarung. Ich konnte keine Kopie des besagten Vergleiches bekommen, der von Anwalt Howard Weitzman ausgearbeitet wurde, und wie folgt lautet:

  1. An diesem 7. Tag im Juli 1992 von und zwischen der Michael Jackson Organisation, hier „Organisation“ genannt und [geschwärzt], hier „Kläger“ genannt. Zeugen sagten aus, unter Berücksichtigung beidseitiger zu wahrender und auszuführender Vereinbarungen und Abkommen seitens der Beteiligten beziehungsweise der im ersten Teil erwähnten Partei, dass sich die Organisation hiermit verpflichtet und einwilligt, dass sie 1. keinen Kontakt in irgendeiner Art – schriftlich, mündlich oder telefonisch – mit dem Kläger und dem minderjährigen Kind des Klägers [geschwärzt] haben werden. Darüber hinaus soll bei Ausführung dieser Vereinbarung der Betrag von sechshunderttausend Dollar [$600,000] an den Kläger bezahlt werden. Zusätzlich soll die Organisation keinen Versuch wagen, den Kläger in irgendeiner Weise zu erpressen, einzuschüchtern, zu belästigen, zu behindern oder verantwortlich zu machen – weder jetzt noch in Zukunft. Im zweiten Teil treffen der Kläger und die erwähnte Partei folgende Vereinbarungen und Verträge:
  2. Unter Berücksichtigung des Erhalts der oben genannten Gelder in der Höhe von sechshunderttausend Dollar [$600.000] wird jeglicher Kontakt mit Medien, Nachrichtenwesen, Zeitungen, Fernsehen, Radio, Filmen, Büchern unterlassen. Weiters wird der Kläger in keiner Art versuchen, die Organisation zu erpressen, einzuschüchtern, zu belästigen, zu behindern oder haftbar zu machen, weder jetzt noch in Zukunft. Diese Vereinbarung ist für die Parteien samt deren Nachfolgern und den ihnen zugewiesenen persönlichen Vertretern verbindlich. Diese Vereinbarung wird gemäß der Gesetze des Bundesstaates Kalifornien und der Stadt Los Angeles vollstreckt. Siebenter Tag im Juli 1992.

Schlussendlich zahlte Jackson angeblich an folgende Opfer Schweigegeld: [geschwärzt] [geschwärzt]

Offenbar handelt es sich hier um ein Fax, das am 26. Juli 1993 an Pellicano geschickt wurde. Der Name des Absenders wurde geschwärzt. Der Absender behauptet, dass ihm oder ihr eine (ungenannte) Quelle berichtete, dass Jackson „die Eltern der minderjährigen Opfer auszahlte. Die Zahlungen reichen zurück in den Sommer 1992.“ Dann geht der Absender näher auf eine angebliche Abfindung in einer Höhe von 600.000 Dollar ein, indem er eine angebliche Vergleichsvereinbarung zitiert. Die gegenwärtige Vereinbarung wird nicht vorgelegt. Stattdessen sollen wir den Worten dieser Person Glauben schenken, von der wir nicht einmal wissen, wer sie ist, da der Name des Absenders geschwärzt wurde.

Glücklicherweise haben wir eine weitere Quelle für diese Story, welche im Gegensatz zur Sunday People auch einen Kontext zu diesen Behauptungen liefert, sowie die Namen, die in diesem Dokument geschwärzt wurden.

Während Michael Jacksons Prozess 2005 erhielt der Journalist Roger Friedman, der zu dieser Zeit für Fox News arbeitete, Tonbänder von dem Privatdetektiv und Boulevardblatt-Broker Paul Barresi. Dabei handelte es sich um Aufzeichnungen des Boulevardblatt-Journalisten (National Enquirer, Globe) Jim Mitteager, dessen Angewohnheit es war, seine Gespräche heimlich aufzuzeichnen. Als er starb, gab seine Frau die Bänder an Barresi weiter. Unter anderem enthielten diese Bänder Gespräche über Jackson. Eines dieser Gespräche gibt Aufschluss über das oben erwähnte Dokument, da Friedman 2005 ausgiebig über diese Story berichtete:

„Mitteager stützte sich zu mindest im Fall Jackson stark auf die zweifelhafte Informantin Taylea Shea. Deren Geschichten wurden damals folglich in viele Boulevardreportagen eingebaut. Shea, die eine Reihe von Pseudonymen zu haben scheint und viele Adressen und Telefonnummern hatte, konnte trotz einiger Versuche nicht für diese Story kontaktiert werden. Nachbarn an ihrer Adresse in Los Angeles, wo sie die längste Zeit lebte, erinnerten sich nicht gerade liebevoll an sie. Sie bezeichneten sie als Strichmädchen und betrügerische Frau, die sich immer bestechen ließ. „Sie sollte im Gefängnis landen, wenn sie nicht bereits verhaftet wurde“, sagte ein früherer Freund und Nachbar. Auf dem Band las Shea etwas vor, das sich überzeugend nach einem juristischen Dokument anhörte, das zwischen Jackson und einem 12 jährigen Jungen, der Brandon P. Richmond genannt und von seiner Mutter Eva Richmond vertreten wird, aufgesetzt wurde. Laut dem Dokument erhielt Brandon 600.000 Dollar von Jackson. Er und Jackson hätten keinen Kontakt mehr miteinander. Shea las Mitteager das Dokument, welches mit Juli 1992 datiert wurde, im darauffolgenden Jahr vor. Das wäre der Hammer gewesen, wenn es wahr gewesen wäre, weil es Brandon zu Jacksons erstem Kläger machen würde, und nicht den anderen Jungen, der sich 1993 mit Jackson einigte. Shea sagte auf dem Band weiters, dass das juristische Dokument aus den Büros des berühmten Anwalts aus Hollywood, Bert Fields, stammt – Jacksons Anwalt zu dieser Zeit. Es wird kein Grund angegeben, warum sich Jackson und Brandon Richmond hätten trennen sollen. Die logische Schlussfolgerung ist allerdings klar.“ [2]

Somit erfahren wir von Friedman, dass die ursprüngliche Quelle dieser Story eine „zweifelhafte Informantin“ war, eine Frau, die von ihren Nachbarn als Strichmädchen und betrügerische Frau bezeichnet wird. Weiters erfahren wir, dass diese angebliche Vereinbarung tatsächlich niemand gesehen hat, Shea „las es“ Mitteager nur vor. (Es ist möglich, dass Mitteager derjenige war, der Pellicano dieses Fax über sein Gespräch mit Shea schickte.) Shea ist die einzige Person, die behauptet, die angebliche Vereinbarung gesehen zu haben. Darüber hinaus gab es in Jacksons Umfeld niemals einen Brandon P. Richmond. Der Junge und seine Mutter scheinen völlig frei erfunden zu sein.

Da weder die Boulevardpresse noch die Behörden Beweise finden konnten, dass Brandon P. Richmond jemals in Jacksons Leben existierte, behauptete Friedman, dass es sich bei dem fraglichen Jungen um Brandon Adams handeln könnte, einen Jungen, der 1988 in Jacksons Film Moonwalker mitspielte. Neben dem gleichen Vornamen war Adams Schauspieler und Tänzer, genau wie der fiktionale Brandon P. Richmond. Allerdings kontaktierte Friedman Adams und seine Familie 2005 und sie bestritten, von Jackson jemals Schweigegeld erhalten zu haben. Außerdem hat der Name von Brandon Adams Mutter keine Ähnlichkeit zu dem Namen der Mutter in Sheas Story. Friedman schrieb 2005:

„Der Globe veröffentlichte die Story, ohne Namen zu nennen. Im Laufe der Zeit wurde angenommen, dass Brandon P. Richmond in Wahrheit Brandon Adams war, ein Junge, der in Jacksons „Moonwalker“ Video auftrat. Diskussionen auf den Bändern zeigen, dass die Boulevardpresse ebenfalls glaubte, die beiden Brandons seien ein und dieselbe Person. Es gibt allerdings ein Problem mit Sheas Story: Nichts passt zusammen. Zum einen sagt eine Quelle, die Fields nahe steht, dass das Dokument eine für ihre regulären Vereinbarungen unübliche Sprache aufweist. Dann ist da die gegenwärtige Familie. Laut der Adams’, die ich im Jänner traf, kennen sie keine Eva Richmond. Brandon Adams’ Mutter heißt Marquita Woods. Und Brandons Großmutter versichert mir, dass sie nichts von einer Zahlung von 600.000 Dollar weiß. Die Familie lebte 30 Jahre lang in einem bescheidenen Haus in Baldwin Hills, Kalifornien. Brandon Adams, der heute 25 Jahre alt ist, kämpft sich als Schauspieler durch. Er trat in „D2: The Mighty Ducks“ und dem Indie-Film „MacArthur Park“ auf und arbeitet derzeit daran, eine Musikkarriere aufzubauen. „Ich wünschte, ich hätte 600.000 Dollar“, sagte er. „Ich bin pleite.“ Die Adams’ wiesen darauf hin, dass Brandon niemals in Neverland war, nur im Haus der Familie Jackson in Encino. Für kurze Zeit waren sie nicht nur mit den Jacksons befreundet, sondern auch mit Sean Lennon, der ebenfalls in „Moonwalker“ mitspielte und seiner Mutter Yoko Ono. Aber die Beziehung scheint lange vor Taylea Sheas großem Knüller beendet gewesen zu sein.“ [2]

Brandon Adams wurde 2013 über Twitter erneut kontaktiert und darüber befragt, als der Sunday People Artikel erschien. Folgendes schrieb er:

Frage: „Hey, da behauptet eine britische Boulevardzeitung, dass Du 1992 von MJ Schweigegeld bekommen hast, kannst Du das noch einmal dementieren?“ Brandon Q Adams: „smh (*kopfschütteln*) … Lol (*laut lachen*) … Ich nicht!“ „Sie lieben es, Lügen über Leute zu erzählen… Ich glaube, das ist unter diesen Umständen unvermeidbar #MJ #Größe“ [3]

Außerdem ist der Text dieser angeblichen Vereinbarung viel zu salopp, um von professionellen Top-Anwälten verfasst worden zu sein.

Friedman folgerte, dass Shea die Story wahrscheinlich erfand: „Belog Shea Mitteager einfach nur, um viel Geld zu kassieren? Es scheint so.“ [2] Die Staatsanwaltschaft im Jackson-Fall brachte diese Story niemals bei Gericht oder sonst wo vor.

Am Ende des Schriftstücks steht geschrieben: „Letztendlich zahlte Jackson an folgende Opfer Schweigegeld“ [1] – gefolgt von einer Liste mit Namen. Es wird keine Quelle angegeben, aus der hervorgehen würde, wer das behauptet und auf welcher Grundlage. Wenn das der „Beweis“ der Sunday People sein soll, dass Jackson dutzende Jungen auszahlte, dann ist das in etwa so überzeugend wie deren erfundener Brandon. All das beruht auf einer einzigen fragwürdigen Quelle – einer „zweifelhaften Informantin“, die von ihren Nachbarn als Strichmädchen und betrügerische Frau bezeichnet wird – die Pellicano angeblich über Gerüchte informiert, nicht über feststehende Tatsachen und es ist definitiv keine Information, die vom FBI bestätigt wurde.

In Wirklichkeit sollte jeder, der sich auf die Behauptung bezieht, das FBI hätte Beweise dafür, dass Jackson dutzende Jungen auszahlte, folgende Frage stellen: Warum wurden diese Beweise dann während des Jackson-Prozess 2005 nie dem Gericht präsentiert? Das FBI kooperierte während dem Prozess mit der Staatsanwaltschaft, aber ein solcher Beweis tauchte niemals auf.

Dokument 2 [1]:

2 Michael Jackson Pellicano Nachricht

An: Anthony Pellicano Von: [geschwärzt] Untersuchungsbericht

[geschwärzt] behauptet, ihr Sohn [geschwärzt] und andere junge Buben wurden von Michael Jackson belästigt. [geschwärzt] erzählte ihrem Freund / ihrer Freundin [geschwärzt], dass sie Jackson dafür verklagen wird, ihren Sohn belästigt zu haben, wenn die Jackson-Strafsache vorüber ist.

Die Polizei will nicht, dass [geschwärzt] mit [geschwärzt] redet, aber Privatdetektiv [geschwärzt], ([geschwärzt] Mitarbeiter) fand sie. [geschwärzt] gab [geschwärzt] Hard Copy und LA Times. Sie bekam 20.000 Dollar von Hard Copy und bereute es angeblich, da die Cops sie verdeckt hielten, nachdem ihr Interview gesendet wurde.

Die Kriminalbeamten [geschwärzt] geleiteten [geschwärzt] gestern, 2. März zu [geschwärzt] Haus. [geschwärzt] hat nur die sechste Klasse abgeschlossen. [geschwärzt] sagt, sie ging mit, damit sich [geschwärzt] wohler fühlte und um ihr wenn nötig Englisch zu übersetzen. Die Cops suchen gezielt nach Kopien von Vereinbarungen zwischen Jackson und Eltern von Kindern, bei denen [geschwärzt] angeblich Augenzeuge von Belästigungen war, darunter [geschwärzt]. [geschwärzt] erschien vor der Grand Jury. Sie sagte nichts, was Jackson schadete. Sie machte keine Anschuldigungen. Die Kriminalbeamten glauben, [geschwärzt] lügt. Unheimlicherweise verdächtigt [geschwärzt] Jackson laut meiner Quelle, Kinder zu belästigen, da die einzigen Jungen, die nie in Jacksons Zimmer schliefen, seine Neffen waren. Die Quelle teilte mir mit, dass [geschwärzt] wusste, dass ihr Sohn belästigt wurde, aber sie schaute weg. [geschwärzt] war der Meinung, es brauche sie nicht zu stören, da es ihren Sohn auch nicht störte. Die Kriminalbeamten suchten einen weiteren Jungen mit Nachnamen [geschwärzt] und sie waren interessiert an [geschwärzt] und [geschwärzt]. Die Kriminalbeamten wollten auch mit [geschwärzt] sprechen. Die beiden Bezirksstaatsanwälte von Los Angeles und Santa Barbara könnten sich zusammentun und es zu einem Fall des Bundesstaates machen, weil alles im Haus in Encino und dem Apartment in Century City begann. Die Kriminalbeamten glauben, es hätten so viele Leute Schweigegeld bekommen, dass es niemanden gab, mit dem sie sprechen konnten. [geschwärzt] geht zurück nach [geschwärzt] und weigerte sich völlig, zu kooperieren. Die Zeugen, die vor der Grand Jury in Santa Barbara aussagten, die feindlich gesinnt sind, sind [geschwärzt].

Das ist anscheinend eine Nachricht, die von jemandem an Anthony Pellicano geschrieben wurde. Der Name des Absenders ist hier ebenfalls geschwärzt. In dem Schreiben ist kein Datum angegeben, aber aus dem Text können wir ableiten, dass es wahrscheinlich im März 1994 geschrieben wurde.

„Die Kriminalbeamten [geschwärzt] geleiteten [geschwärzt] gestern, 2. März zu [geschwärzt] Haus.“

Dieser Teil des Textes sowie die volle erste Hälfte des Dokuments handelt von Blanca Francia. Sie war das Zimmermädchen, das 1993 von Hard Copy 20.000 Dollar für ein Interview erhielt, in dem sie behauptete, sie hätte mitbekommen, dass sich Jackson mit Jungen unangemessen verhielt und dass ihr eigener Sohn möglicherweise von dem Sänger belästigt wurde. Sie und ihr Sohn waren 2005 Belastungszeugen im Prozess gegen Jackson, somit sind deren Unterstellungen keine neuen Enthüllungen. (Details zu Jason Francia’s Unterstellungen hier: http://michaeljacksonallegations.com/jason-francia/, wir werden uns mit Details zu Blanca Francia später auf dieser Webseite beschäftigen.)

Am 26. Jänner 1995 berichtete das britische Boulevardblatt Today, dass „entdeckt wurde, dass Blanca Francia Lydia Encinas, eine Reporterin vom National Enquirer, als ihre Übersetzerin heranzog, als sie 1993/94 von der Polizei im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Jackson befragt wurde.“ [4]

Diese Story basiert auf Mitteagers Bändern:

„Paul Barresi, Boulevardbroker und Ermittler, entdeckte – nachdem er sich eine Reihe illegal aufgezeichneter Gespräche anhörte, die vom Reporter Jim Mitteager (nun verstorben) aufgenommen wurden und an Barresi weitergegeben wurden, als Mitteager starb – dass Lydia Encinas, eine Reporterin des Enquirer, dabei half, Francia’s Interview-Äußerungen mit der Polizei 1993 zu transkribieren. Damals bot der Enquirer jedem aktiv erhebliche Anreize an, der eine „Belästigungs“-Story über Jackson anzubieten hatte – völlig geduldet vom damaligen Herausgeber des Enquirer, David Perel.“

und

“Am 4. April 2005 berichtete Michelle Caruso, der damals als Journalist bei Daily News arbeitete, in einem Beitrag über die bevorstehenden Hauptzeugenaussagen im Jackson-Prozess 2005, dass die „Mitteager Bänder“ Sitzungen mit dem damaligen Herausgeber des Enquirer – David Perel – enthielten, der Mitteager am 23. März 1994 sagte, dass „ihre guten Spanischkenntnisse und ihr gutes Verhältnis zu Blanca der Grund dafür sind, dass Lydia Encinas involviert ist.“ [4]

Caruso sprach mit dem Kriminalbeamten Russ Birchim, der Francia 1993-94 interviewte.

„Caruso berichtete, dass Birchim ihr sagte, „Lydia Encinas war nicht die Übersetzerin. Aber ich traf mich mit ihr in Los Angeles.“ Caruso vermerkte auch, dass Birchim sich auf Nachfrage weigerte zu erklären, warum er sich im Verlauf eines Ermittlungsverfahrens zuerst mit einem Reporter des National Enquirers traf.“ [4]

All das scheint zu bestätigen, dass das obige Dokument irgendeine Art Notiz darüber ist, was auf den Mitteager-Bändern ist und kann auf Paul Barresi zurückverfolgt werden – genau wie das vorige Dokument.

Anstatt neue Beschuldigungen zu enthüllen, hält das Dokument lediglich Blanca Francias Geschäfte mit den Medien fest. Im Jackson-Prozess 2005 gab Blanca Francia zu, dass sie in Betracht zog, ihre Story neben Hard Copy auch an den National Enquirer zu verkaufen, was sie aber nicht tat. Aus dem Dokument geht hervor, dass es daran lag, dass „die Cops sie verdeckt hielten“ nach ihrem Hard Copy Interview.

„Sie bekam 20.000 Dollar von Hard Copy und bereute es angeblich, da die Cops sie verdeckt hielten, nachdem ihr Interview gesendet wurde.“

Natürlich konnte sie ihre Story nicht mehr an weitere Boulevardmedien verkaufen, als die Cops sie „verdeckt hielten“. Wir können dem Dokument auch entnehmen, dass Blanca Francia bereits eine Zivilklage gegen Jackson plante, bevor das Strafverfahren überhaupt abgeschlossen war:

„[Sie] erzählte ihrem Freund / ihrer Freundin, dass sie Jackson dafür verklagen wird, ihren Sohn belästigt zu haben, wenn die Jackson-Strafsache vorüber ist.“

Das Dokument gibt weiters an, dass „die Cops nach Vereinbarungen zwischen Jackson und Eltern von Kindern suchen, deren Belästigungen angeblich von [geschwärzt – vermutlich Blanca Francia] beobachtet wurde, inklusive [geschwärzt].“ Solche Vereinbarungen wurden trotz jahrzehntelangen Ermittlungen nie vorgelegt.

Der zweite Teil des Dokuments beinhaltet weitere Gerüchte und Spekulationen – nichts, was jemals bestätigt oder bewiesen wurde. Das Dokument führt eine ungenannte „Quelle“ von gewissen Behauptungen und Gerüchten (wovon nichts jemals bestätigt oder bewiesen wurde) und von Ansichten und geplanten Aktionen der Kriminalbeamten an.

„Die Kriminalbeamten nehmen an, dass so viele Leute Schweigegeld erhielten, dass es niemanden mehr gibt, mit dem man sprechen kann.“

Es ist ausführlich dokumentiert, dass die Ermittler im Jackson-Fall dem Entertainer gegenüber von Anfang an voreingenommen und sehr feindselig waren. Hier http://michaeljacksonallegations.com/the-prosecutions-hunt-for-other-victims/ kann zum Beispiel nachgelesen werden, wie sie mit unzulässigen Verhörmethoden versuchten, Jungen dazu zu überreden, Belästigungen von Jackson zu bestätigen. In unserem Artikel über Jason Francia ( http://michaeljacksonallegations.com/jason-francia/ ) kann noch mehr über diese unzulässigen Verhörmethoden gelesen werden.

Als deren vorgefasste Meinung über Jacksons Schuld nicht von Beweisen und Zeugenaussagen unterstützt wurde, entschuldigten sie das, in dem sie „glaubten“, es läge daran, dass Jackson Schweigegeld bezahlt hätte und nicht, dass er letzten Endes eventuell unschuldig war. Es gab allerdings niemals irgendeinen Beweis, der den „Glauben“, Jackson hätte Schweigegeld bezahlt, um einen Missbrauch zu vertuschen, unterstützte. Anstelle jeglichen Beweises, dass Jackson Dutzenden Jungs Schweigegeld bezahlte, finden wir in diesem Dokument Spekulationen seitens der verzweifelten und voreingenommenen Staatsanwaltschaft und Medien, um deren fehlende Beweise gegen den Sänger zu entschuldigen. Vermutungen müssen allerdings bewiesen werden, damit daraus mehr wird als lediglich unbestätigte Ansichten. Jackson wurde 2005 nach mehr als zehn Jahren Ermittlungen vor Gericht gestellt und es wurde niemals ein Beweis dazu geliefert, dass Jackson Schweigegeld gezahlt hätte.

Darüber hinaus muss in Betracht gezogen werden, dass Jacksons erste Ankläger 1993 alles nur erdenkliche unternommen haben, um eine Abfindung zu bekommen, damit sie nicht an die Öffentlichkeit oder vor Gericht gingen. Es wird empfohlen, den Artikel Die finanziellen Forderungen der Chandlers zu lesen, der den unbestätigten Mythos, Jackson habe Schweigegeld bezahlt, ins rechte Licht rückt. Wenn es für Jackson Routine war, Jungs Schweigegeld zu zahlen, damit sich diese nicht mit deren Behauptungen an die Öffentlichkeit oder die Behörden wenden – warum lehnte er es ab, die Chandlers auszuzahlen, wenn diese anerkanntermaßen von Anfang an nichts lieber wollten als Schweigegeld?

Dokument 3 [1]:

3 Michael Jackson Pellicano Jim Mitteager

Auszug eines Gespräches zwischen Jim Mitteager, Leiter des Globe, und Anthony Pellicano vom 10. Dezember 1993 PELLICANO: Du verstehst. Ich halte Dich nicht auf oder fordere Dich dazu auf, den Versuch zu beenden. JIM: Okay. Welche Situation (Story) möchtest Du gestoppt haben? Weißt Du, ich verstehe es nicht ganz… PELLICANO: Nichts. Es interessiert mich nicht. JIM: Es interessiert Dich nicht? PELLICANO: Nein, weil… Hör’ zu. Willst Du Dich logisch unterhalten oder emotional? JIM: Ich möchte über die Wirklichkeit sprechen. PELLICANO: Tja, Realität ist Logik. JIM: Okay.

PELLICANO: Okay, die Realität ist, dass es keinen Unterschied macht, was jemand sagt. Das einzige, was einen Unterschied macht, ist die Zeit des Prozesses. Also möchte ich logischerweise, dass jede einzelne Story, die Du Dir eventuell vorstellen kannst, jetzt erscheint, damit es nichts mehr zu besprechen gibt, wenn der Prozess beginnt.

JIM: Oh, okay.

PELLICANO: Verfolgt ihr [geschwärzt]?

JIM: Das haben wir. Ist eine Weile her.

PELLICANO: Hast Du den People Magazine Artikel gesehen?

JIM: Nein, noch nicht. Warum?

PELLICANO: Besorg’ Dir einfach das aktuelle People. Und der neue Vanity Fair ist draußen. Du solltest diese Story lesen … über Michael. Es ist gerade erschienen.

JIM: Okay. Es hält dem (unhörbar) Missbrauch nicht stand?

PELLICANO: Nein, mit dem Kind.

JIM: Oh, dem Chandler Kind?

PELLICANO: Ja.

JIM: Es wäre eine Sensation, wenn ein anderes Kind vortreten würde.

PELLICANO: Es gibt kein anderes Kind. Das ist es ja, dem niemand Aufmerksamkeit schenkt. Sie suchen weiter und weiter und telefonieren und telefonieren. Es gibt kein anderes Kind.

JIM: Was ist mit Wade Robson? Sie (Enquirer) werden mich zu ihr (seiner Mutter Joy) schicken, wenn sie mich nicht morgen schicken.

PELLICANO: Wofür?

JIM: Um zu sehen, ob sie reden will. Ich meine, sie sagten, dass ich sie anrufen soll, und ich habe es nicht gemacht.

PELLICANO: Ruf’ sie an.

JIM: Na ja, sie wird nicht mit mir reden.

PELLICANO: Nun, ruf’ sie an und warte ab, was passiert.

JIM: Nun ja, wir haben darüber gesprochen, dass Du den Weg ebnest.

PELLICANO: Ja, ich weiß, aber…

JIM: Ist das zu gefährlich?

PELLICANO: Naja, ich kann die Leute nicht wissen lassen, dass wir beide uns kennen.

JIM: Okay – gut, das ist in Ordnung.

Dieses Dokument zeigt eine aufgezeichnete Unterhaltung zwischen Jim Mitteager und Anthony Pellicano vom 10. Dezember 1993. Es ist ein Rätsel, was dieses Dokument beweisen soll, weil es den Behauptungen der Sunday People sogar widerspricht, da Pellicano Mitteager hier mitteilt, dass es keinen anderen Ankläger als Jordan Chandler gibt.

„Es gibt kein anderes Kind. Dem schenkt niemand Aufmerksamkeit. Sie suchen und telefonieren weiter und weiter. Es gibt kein anderes Kind.“

Bitte berücksichtigt auch, dass diese angebliche Unterhaltung am 10. Dezember 1993 stattgefunden hat – dem Zeitpunkt, zu dem Pellicano aufhörte, für Jackson zu arbeiten. Zuvor hatte Pellicano eng mit einem von Jacksons Anwälten, Bert Fields, zusammengearbeitet. Sie stiegen aus dem Fall aus, da sie der Richtung einiger anderer Anwälte Jacksons nicht folgen wollten. Nach dem Abgang erklärte Pellicano, dass er an Jacksons Unschuld glaube und dass sein Abgang kein Hinweis auf Anderweitiges sei.

Die Sunday People zog es vor, es nicht einzubeziehen, aber es gibt eine weitere Unterhaltung zwischen Pellicano und Mitteager, die auf Mitteagers Bändern aufgezeichnet wurde. Sie wurde im September 1994 aufgezeichnet. Paul Barresi gab dieses Band vor ein paar Jahren Aphrodite Jones, die das Transkript auf ihrer Webseite veröffentlichte. Auf diesem Band spricht Pellicano über sein Gespräch mit Jordan Chandler, der ihm sagte, dass Jackson ihn nie belästigt hatte und dass sein Vater nur Geld wollte.

„PELLICANO: Sie müssen etwas verstehen. Ich habe neun Kinder. Michael [Jackson] spielt mit meinem Baby. Sie krabbeln auf ihm herum. Sie ziehen an seinen Haaren. Sie ziehen an seiner Nase. Manchmal trägt er einen Verband quer über sein Gesicht. Wenn ich meine eigenen Kinder (unverständlich) glauben Sie, es gibt eine Möglichkeit?

MITTEAGER: Nun, bei sonst gleichen Voraussetzungen, würde ich sagen, nein.

PELLICANO: Nicht nur das. Wenn Du das Kind [Jordie Chandler] – wie ich es gemacht habe – sich niedersetzen ließest – er konnte es in Wirklichkeit nicht erwarten, aufzustehen und Videospiele zu spielen. Ich sagte: „Du verstehst nicht, wie ernst das ist. Dein Vater [Evan Chandler] wird Michael sexuelle Belästigung vorwerfen. Er wird alles Mögliche erzählen.“ Er [Jordie] sagte: „Ja, mein Vater versucht, Geld zu bekommen.“ Tatsächlich habe ich 45 Minuten lang (unverständlich). Dann habe ich versucht, ihn auszutricksen. Ich meine, Du musst wissen, ich bin eine eindrucksvolle Person. Ich habe mich sehr eingehend mit dem Kind beschäftigt. Wir waren dort (unverständlich) mit diesem Kind … und hättest Du Dich hingesetzt und hättest mit diesem Kind geredet, hättest Du keinen Zweifel. Und ich sagte, dass Michael völlig erschüttert ist. Wir sprachen es immer wieder durch. Ich versuchte, ihn zum Sitzen zu bringen und er wollte Videospiele spielen, während ich dort sitze. Ich sitze dort mit der Mutter des Kindes [June Chandler] und David Schwartz kommt rein und (unverständlich) worum geht es hier? Und [Barry] Rothman (unverständlich) stellt Fragen. Es gibt keine Frage, dass Rothman (unverständlich) worum es hier geht.“ [5]

Dokument 4 [1]:

4 Michael Jackson LeMarque Interview

Tonbandaufnahme eines Interviews von Philip und Stella LeMarque vom 28. August 1993

PHILIP: Grundsätzlich haben wir sieben Monate auf Michaels Ranch gearbeitet… Ahhh, zehn Monate.

STELLA: Neun Monate.

PHILIP: Ja, wir haben auf der Ranch gelebt… Die einzigen, die auf der Ranch gelebt haben. Alle anderen sind in der Früh gekommen und um vier gegangen.

[GESCHWÄRZT]: Wartet. Ihr redet gleichzeitig.

PHILIP: Die Ranch hat mehrere Gebäude, wo er ein Kino und eine Spielhalle hat. Das Haupthaus hat 28 Zimmer. So ungefähr. Und Gästezimmer für die Kinder.

[GESCHWÄRZT]: Und manche Orte waren privat, richtig? Wie das Kino?

PHILIP: Also, im Kino hat er… Das Kino ist wie ein normales Kino. Er hat 70 Plätze.

STELLA: Und hinter der Wand hat er zwei Schlafzimmer. Manchmal war er mit den Kindern dort. Ich wollte ein Foto von dem Schlafzimmer machen, aber ich konnte nicht.

PHILIP: So konnte er Pornos schauen.

[GESCHWÄRZT]: Sie sagen, er schaute Pornos?

Dies ist ein Transkript eines aufgezeichneten Interviews mit dem Ehepaar Philip und Stella LeMarque. Das Paar, das 1991 zehn Monate (in dem Medien behaupteten sie, es seien zwei Jahre gewesen, aber im Jackson-Prozess 2005 gab Philip LeMarque zu, dass es nur zehn Monate waren) für Jackson arbeitete, behauptete auf diesem Band, dass sie miterlebt hätten, wie sich Jackson unangemessen mit gewissen Jungen verhielt. Die Sunday People präsentierte diese Unterstellungen, als seien sie fundamentale Neuigkeit – nie zuvor gehörte Vorwürfe. Es wird sogar suggeriert, die Behauptungen des Ehepaars seien vom FBI verifiziert.

In Wirklichkeit sind die Behauptungen der LeMarques’ nichts Neues und definitiv nicht bewiesen. Philip LeMarque bezeugte im Jackson-Prozess 2005, er hätte miterlebt, wie Jackson seine Hand in Macaulay Culkins Hose steckte, dabei wurde er allerdings von Culkin persönlich diskreditiert.

Das 2013 von der Sunday People präsentierte Dokument ist das Transkript eines Interviews, das Boulevard-Broker Paul Barresi am 28. August 1993 – fünf Tage, nachdem die Chandler-Unterstellungen durch die Medien Publik wurden – mit den LeMarques geführt hat. Allerdings äußerte sogar Barresi selbst 1994 in der Dokumentation Tabloid Truth Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Ehepaars. Barresi, ein bekennender Opportunist, gab zu, dass er sich keine Gedanken darum machte, ob eine Story, die er der Boulevardpresse verkaufte, wahr sei oder nicht, solange er dafür bezahlt wurde. In dem unten angeführten Video kann man Barresi zwischen 30:14 – 35:35 und 36:55 – 37:10 über die LeMarques reden hören:

Wie all diese so genannten „third party witnesses“ (Anm. d. Übers.: unabhängige Zeugen, die weder zur Anklage noch zum Angeklagten gehören), haben sich auch die LeMarques zunächst nicht an die Behörden gewandt; versuchten aber, ihre Story für Geld an die Boulevardmedien zu verkaufen. Zuerst verlangten sie $100,000, dann versprachen sie, ihre Story weiter auszuschmücken, wenn sie $500,000 bekämen. (Barresi spricht darüber in der oben angeführten Dokumentation zwischen 36:55 – 37:10). Auch Philip LeMarque gab es vor Gericht zu.

Frage: Sie erhöhten den Preis einmal auf 500 von $100,000? Antwort: Ja, um zu sehen, ob wir es tun werden. [6]

und

Frage: Hatten sie eine Diskussion mit Paul Barresi, in der sie sagten „Wir wollen keine 100,000. Wir wollen 500,000.“? Ja oder nein. Antwort: Ja. [6]

Es muss beachtet werden, dass die LeMarques hohe Schulden hatten, als sie versuchten, Belästigungs-Storys über Jackson an die Boulevardmedien zu verkaufen. In ihrem Interview mit Barresi behaupteten die LeMarques, sie hätten auch Anstößigkeiten zwischen Jackson und anderen Jungs mitbekommen, nicht nur Macaulay Culkin, aber interessanterweise wurden diese Storys im Jackson-Prozess 2005 selbst von der Staatsanwaltschaft nie vorgebracht. Möglicherweise, weil nicht einmal diese Staatsanwaltschaft, die Jackson sonst alles nur Erdenkliche vorwarf, diese Storys glaubwürdig fand?

Dokument 5-6

5 Michael Jackson Staatsanwalt Tonband Übergabe

6 Michael Jackson FBI Tonband Übergabe

Bei diesen Dokumenten handelt es sich um Besitzbelege, die nachweisen, dass jemand Tonbänder dem Büro der Staatsanwaltschaft von Los Angeles beziehungsweise dem FBI zur Verfügung stellte. Vermutlich wurden sie dem Artikel der Sunday People beigefügt, um den Dokumenten einen gewissen „offiziellen Charakter“ zu verleihen und sie irgendwie mit dem FBI in Verbindung zu bringen. Allerdings beweisen sie nur, dass jemand Tonbänder an Behörden übermittelte. Sie sagen nichts über die Einschätzung der Behörden bezüglich des übermittelten Materials aus.

Dank der Dokumentation Tabloid Truth aus dem Jahr 1994 (siehe oben) wissen wir, wie und warum Dokument 5 entstand. Bei diesem Dokument handelt es sich um einen Besitzbeleg, aus dem ersichtlich ist, dass jemand das Tonband des LeMarque-Interviews am 30. August 1993 dem Büro des Bezirksstaatsanwalts aus Los Angeles übergab. Aus der Tabloid Truth Dokumentation wissen wir, dass es Paul Barresi selbst war und dass es sein Name ist, der in dem von Sunday People beigefügten Dokument geschwärzt wurde. Bitte stoppt die oben gezeigte Dokumentation bei 34:00. Es ist haargenau dasselbe Dokument, welches Sunday People 2013 als kürzlich entdeckte „FBI-Akte“ weiterzugeben versucht! In der Dokumentation erläutert allerdings Barresi selbst, was es wirklich ist und zu welchem Zweck es gemacht wurde. Der relevante Teil befindet sich zwischen 33:00 und 35:01 in der Dokumentation.

Barresis Erklärung in der Dokumentation gibt uns einen Einblick in die manipulativen Taktiken der Boulevard-Welt:

„Ich konnte mit der Boulevardpresse wie auf einer Harfe spielen.“ Falls Barresi dem Bezirksstaatsanwalt das Band brachte, bräuchte er sich um seine illegale Tonbandaufzeichnung keine Sorgen machen. Darüber hinaus würde es die Story aufpeppen. Wenn der Bezirksstaatsanwalt daran arbeitet, ist das Action, das ist Insider-Information! „Das war der Vorteil, der gut funktionierte. Wenn meine Story auch nur im Geringsten harmlos erscheint, würde sie zum Fenster raus geschmissen werden. Das ist natürlich ein Weg, es im großen Stil zu machen.“ „Ich rief den Herausgeber des Globe an und sagte: „Ich habe ein Band, ich bin am Weg in die Innenstadt, um es dem Bezirksstaatsanwalt zu übergeben.“ Und seine Worte waren: „Lass uns mitkommen.“ Und dann wusste ich, dass ich sie soweit hatte. Mein nächster Gedanke war, 30 Tausend Dollar zu verlangen. Du verlangst immer doppelt so viel, als du dir erhoffst, zu bekommen. Er bat mich zu warten und in weniger als einer Minute kam er zurück und sagte: „Also, wir können Dir keine 30 geben, wir geben Dir 10.“ Ich sagte: „Mach’ 15 daraus.“ Er sagte: „Du hast einen Deal.“ „Kannst Du die Schlagzeile schon sehen?“ „Oh, ja. Natürlich. Und ich kann auch schon das Geld sehen.”

Die Sunday People wendete die gleiche manipulative Taktik an, als sie diese Dokumente als „FBI-Akten“ präsentierten – wohl wissend, dass die Verbindung zum FBI in den Augen vieler Leute Glaubwürdigkeit und einen offiziellen Charakter vermittelt – obwohl ein Schriftstück nicht glaubwürdig und dessen Inhalt nicht bewiesen ist, nur weil es dem FBI vorgelegt wurde. Nach Prüfung der Dokumente stellt sich heraus, dass diese keine Beweise für die Behauptungen der Zeitung liefern und eher auf Paul Barresi zurückgeführt werden können als zum FBI. Barresi war offensichtlich die anonyme Quelle hinter der Story der Sunday People und präsentierte sich selbst als jemand, der 1993 zusammen mit Pellicano am Jackson-Fall arbeitete. Barresi arbeitete allerdings nie für Jackson, er ist einfach ein opportunistischer Boulevard-Broker.

Jackson war 2005 vor Gericht und während dem Prozess arbeitete das FBI eng mit der Staatsanwaltschaft aus Santa Barbara zusammen. Wenn das FBI Beweise dafür gehabt hätte, dass Jackson im großen Stil Schweigegeld zahlte – warum legten sie diese Beweise nicht dem Gericht vor? Tatsächlich waren die einzigen Beweise für Geldzahlungen, die im Prozess aufgedeckt wurden, jene, die einige der Zeugen der Staatsanwaltschaft – inklusive Blanca Francia und Philip LeMarque – von den Boulevardmedien für deren Behauptungen erhielten! Es ist ironisch, dass die gleichen Medien, die im Verlauf von zwei Jahrzehnten ein Vermögen an Leute zahlten, um Michael Jackson zu verleumden, dem Sänger ohne jeglichen Beweis heimliche Schweigegeldzahlungen vorwarfen.

Näheres zur Rolle der Medien in den Unterstellungen gegen Michael Jackson siehe http://michaeljacksonallegations.com/the-medias-role-in-the-allegations-against-michael-jackson/.

Quellen:

[1] James Desborough, David Gardner – Michael Jackson paid £23MILLION buying silence of at least TWO DOZEN young boys he abused over 15 years (Mirror.co.uk, June 30, 2013) http://www.mirror.co.uk/news/world-news/michael-jackson-paid-23million-buying-2011662

[2] Roger Friedman – Was There an Unknown Jacko Accuser? (FoxNews.com, March 25, 2005) http://www.foxnews.com/story/2005/03/25/was-there-unknown-jacko-accuser/print

[3] Brandon Q Adams Twitter https://twitter.com/BrandonAdams22/status/351200257968840704

[4] Michael Jackson: The Making Of A Myth – Part 1 http://www.stereoboard.com/pdfs/Michael-Jackson-The-Making-Of-A-Myth-Part-I.pdf

[5] Aufgezeichnetes Telefonat zwischen Anthony Pellicano und Jim Mitteager (September, 1994) Es wurde ursprünglich auf Aphrodite Jones’ Webseite gepostet unter http://www.aphroditejones.com/Michael_Jackson_Trial/Michael_Jackson_Trial.htm Die Webseite wurde seit dem reorganisiert und der Bereich über den Michael Jackson Prozess ist nicht mehr verfügbar.

[6] Phillip LeMarque’s Zeugenaussage im Michael Jackson Prozess 2005 (8. April 2005)

Weiterführende Artikel zu diesem Thema: Charles Thomson in einem Interview von 2010 über die Veröffentlichung der FBI-Akten: Die FBI-Akten stützen Michaels Unschuld – die Medien berichten etwas anderes! und In den Jackson FBI-Akten – Gespräch mit Charles Thomson, Willa Stillwater, Joie Collins (Dancing With The Elephant-Blog)

Junge, gehört das Mädchen zu dir?

by

Boy, is that Girl with You?

Post vom 02/04/2015

https://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: Ich bin so froh, dass sich in dieser Woche wieder einmal unser langjähriger Freund Joe Vogel zu uns gesellt. Oder eigentlich sollte ich Dr. Joe Vogel sagen – du hast seit unserem letzten Gespräch einiges erreicht! Was hast du alles so getrieben, Joe?

Joe: Hi Willa. Großartig, wieder mit dir zu reden. Ich bin in letzter Zeit so beschäftigt gewesen, aber jedes Mal, wenn ich bei Dancing With the Elephant reinschaue, dann ist irgendeine großartige neue Diskussion im Gange. Du und Joie, ihr leistet fantastische Arbeit bei der Untersuchung der verschiedenen Facetten des schöpferischen Werks und des Lebens von Michael Jackson.

Was mich betrifft … Wie du bemerkt hast, habe ich kürzlich meine Promotion an der Universität von Rochester abgeschlossen. Ich arbeite nun an einem Buch über James Baldwin, das sich auf seine Kultur- und Medienkritiken der 80er Jahre konzentriert.

Willa: Oh, wie interessant! Ich wusste, dass du in deinem Blog regelmäßig über James Baldwin postest, aber ich wusste nicht, dass du ein Buch über ihn schreibst.

Joe: Ja, es ist eine Ausarbeitung eines der Kapitel meiner Dissertation. Als ich erst einmal richtig tief in Baldwins Werk eingetaucht war, war ich erstaunt über seine Vorahnungen. Seine Arbeiten sind immer noch so zutreffend für die Welt, in der wir heute leben.

Außerdem habe ich einige neue, auf MJ bezogene Dinge geschrieben, von denen einige bereits veröffentlicht wurden (einen Eintrag über Thriller für die Library of Congress und den Begleittext für Xscape) und andere, die in nächster Zukunft veröffentlicht werden (ein Eintrag über Michael Jackson für Scribner’s Encyklopädie America in the World, 1776-present / Amerika in der Welt, 1776-heute, und der Artikel, über den wir heute diskutieren werden „I Ain’t Scared of No Sheets: Rescreening Black Masculinity in Michael Jackson’s Black or White“ / „Ich habe keine Angst vor Laken: Neuuntersuchung schwarzer Männlichkeit in Michael Jacksons Black or White“, der gerade vom Journal of Popular Music Studies herausgegeben wurde).

Willa: Und ich habe mich wirklich schon darauf gefreut mit dir darüber zu sprechen. Da sind so viele Aspekte deines Artikels, die mich fasziniert oder überrascht haben. Du betrachtest Black or White beispielsweise als ein Zurückschlagen gegenüber einer langen Geschichte des Rassismus‘ in der Filmindustrie, und du beginnst deinen Artikel, indem du einiges aus dieser Geschichte nochmals betrachtest – und um ehrlich zu sein, es hat mich betroffen gemacht.

Du gibst zu bedenken, dass Hollywoods erster Film, der in der Art produziert wurde, wie wir heute über Filme denken, D.W. Griffith’s Birth of a Nation (Geburt einer Nation) war – ein Film, der den Ku Klux Klan verherrlichte. Eigentlich war sein Originaltitel The Clansman (Das Clanmitglied). Du sagst in deinem Artikel:

Er führte zu einer neuen Kunstform – dem Spielfilm – der die Unterhaltungsindustrie veränderte. … Birth wurde der profitabelste Film seiner Zeit – und inflationsbereinigt wahrscheinlich aller Zeiten. Es war der erste Film, dessen Herstellungskosten über 100.000 Dollar betrugen, der erste, der eine eigene Musikpartitur hatte, der erste, der im Weißen Haus gezeigt wurde, der erste, der beim Obersten Gerichtshof und den Kongressmitgliedern gezeigt wurde, und der erste, der von Millionen Durchschnittsamerikanern gesehen wurde. Er war Amerikas urtypischer Blockbuster.

Szene aus 'Birth of a Nation'

Szenenbild aus ‘Birth of a Nation’

Birth of a Nation hatte also einen riesigen Einfluss auf Amerikas unerfahrene Filmindustrie – im Grunde trug er dazu bei, unsere Vorstellungen darüber, wie ein Film sein sollte, zu bilden – aber er trug auch dazu bei, die gängigen Auffassungen über Rasse zu formen. Und du siehst es so, dass Black or White es mit beiden Themen aufnimmt, richtig? – als ein Herausfordern der doppelköpfigen Hydra des Rassismus‘ und der Filmindustrie der Vereinigten Staaten?

Joe: Ganz genau. Ralph Ellison beschrieb Birth of a Nation als den Film, durch den „das doppelte Leinwandbild des Negers als brutalem Vergewaltiger und grinsendem, augenrollenden Clown“ aufgebaut wurde. Er war unheimlich machtvoll und einflussreich, nicht nur im Süden, sondern auch im Norden und in Los Angeles, wo er seine Premiere hatte und stehende Ovationen bekam.

Willa: Ja, im Grunde bildet der Mord an einem schwarzen Mann, der des Versuchs der Vergewaltigung einer weißen Frau beschuldigt war, den Höhepunkt des Films, und die Angst vor Rassenmischung und schwarzen Männern als den „brutalen Vergewaltigern“ zieht sich von Anfang bis Ende durch den gesamten Film. Der Film endet beispielsweise mit einer Doppelhochzeit zweier weißer Paare – ein Geschwisterpaar aus dem Norden heiratet Bruder und Schwester aus dem Süden – und das, was sie verbindet, was Weiße aus dem Norden und dem Süden nach der Bitterkeit des Bürgerkrieges eint, ist die Furcht vor schwarzen Männern.

Joe: Michael Jackson besaß ein so fundiertes Wissen über die Filmgeschichte, dass ich es angesichts seiner größten Plattform mit geschätzten 500 Millionen Zuschauern weltweit einfach nur interessant fand, dass er sich dafür entschied, dieses frischgebackene, junge Medium einzusetzen – den Musikkurzfilm, ein Medium, für das er ebenso Wegbereiter war wie D.W. Griffith für den Spielfilm – um Griffiths Mythos über schwarze Männlichkeit und Rasse überhaupt weitgehend zu hinterfragen und abzulösen.

Willa: Ja, wie du auch in deinem Artikel schreibst:

D.W. Griffith gestand selbst ein, dass ein wesentlicher Zweck des Film darin bestand „bei Weißen, besonders weißen Frauen gegenüber farbigen Männern, ein Gefühl der Verachtung zu erzeugen“.

Und du schreibst weiter, dass Griffith dies durch Übertreibung rassenbezogener Unterschiede und dem Erschaffen „einer Welt starker Kontraste“ erreichte. Wie du deutlich machst:

In der Rolle der Schwarzen sind vorwiegend Weiße mit geschwärzten Gesichtern, die sie dunkler und eher einheitlich schwarz erscheinen lassen, als dass sie die unterschiedliche Bandbreite von Hautfarben tatsächlicher Afroamerikaner zeigen würden. Sie werden außerdem oft als Schatten mit verrücktem und animalischem Gesichtsausdruck dargestellt. Die weißen Hauptpersonen dagegen besitzen eine schimmernde, strahlende Ausstrahlung, die ihr Weißsein und ihre angeborene Vornehmheit betont.

Michael Jackson hinterfragt diese „Welt der starken Kontraste“ während seines gesamten Kurzfilms, indem er eine sehr viel komplexere und einheitliche Sicht der Menschlichkeit anbietet und dieses Hinterfragen beginnt mit dem ironischen Titel Black or White. Es gibt sehr wenig in Black or White, das entweder nur schwarz oder nur weiß ist.

Joe: Genau. Während des gesamten Songs und Videos stellt er fortwährend unser Verständnis dieser Kategorien auf den Kopf, setzt auf sorgfältige Weise Spannungsverhältnisse nebeneinander oder balanciert diese aus. Er untergräbt damit die zentrale Aussage von Griffiths Film: den Trugschluss der rassenbezogenen Reinheit (und in der Erweiterung: der Überlegenheit der Weißen).

Willa: Oh, das sehe ich genauso. Während Griffith beispielsweise eine fast cartoon-artige Darstellung der rassenbezogenen Unterschiede durch weiße Darsteller mit geschwärzten Gesichtern zeigt, präsentiert Michael Jackson uns afrikanische Stammesangehörige, deren Gesichter sowohl mit schwarzer, als auch mit weißer Gesichtsfarbe gefärbt wurden, so dass ihre Gesichter eine schwarz-weiße Collage bilden. Dies ist eine wichtige Szene – an der Stelle beginnt die Melodie von Black or White, und an dieser Stelle erscheint Michael Jackson zum ersten Mal in diesem Film. Es scheint für mich von Bedeutung zu sein, dass er mit diesen Männern tanzt, als wir ihn das erste Mal sehen. Man kann also sein Gesicht, das vereinfachte Definitionen von Rasse erschwert und sich ihnen widersetzt, zuerst zwischen diesen Stammesangehörigen erblicken, deren Gesichter Kunstwerke sind, in denen Schwarz und Weiß auf kreative Art kombiniert werden.

Michael Jackson Music Videos

Später gibt es diese berühmte Morphing-Sequenz, in der sich das Gesicht eines Indianers in das Gesicht einer schwarzen Frau verwandelt, dann in das einer weißen Frau, dann eines schwarzen Mannes, dann einer indischen Frau und so weiter. In meinen Augen stellen diese beiden Szenen – die schwarz-weiß-gefärbten Gesichter des Stammesangehörigen und die Morphing-Sequenz der Gesichter – einen künstlerischen Ausdruck des, wie du es genannt hast, „Trugschlusses der rassenbezogenen Reinheit“ dar.

Biologisch gesehen gibt es so etwas wie Rasse gar nicht – es gibt keine genetisch begründeten, einander gegenüberstehenden Ausprägungen von „Schwarz“ auf der einen Seite und „Weiß“ auf der anderen. Es ist vielmehr eine kulturelle Auffassung als biologische Realität. Menschsein beinhaltet eine enorme Bandbreite an physischen Ausprägungen – Hautfarbe, Gesichts- und Haarstruktur – und uns wurden Vorstellungen über rassenbezogene Einteilungen künstlich auferlegt. Du sagst in deinem Artikel:

„Eine Farbe zu sein“, deutet Jackson an, ist keine allgemeingültige Kernaussage; es handelt sich dabei um eine Identität, die durch Vorstellungskraft, Geschichte, Erzählungen und Mythen entstanden sind; es ist ein bildlicher Ausdruck und eine Positionierung innerhalb konzentrischer Gemeinschaften.

Das ist solch eine wichtige Feststellung, denke ich, und Teil dessen, was Michael Jackson in diesen beiden Szenen mit den Stammesangehörigen und den morphenden Gesichtern andeutet. Die Bedeutung dieser zwei Szenen wird durch ihre strategische Platzierung innerhalb dieses Films noch betont – sie fungieren wie Buchstützen und rahmen so den zentralen Teil von Black or White ein. Mir scheint, dass Black or White aus drei Teilen besteht: Dem Prolog in der Vorstadt vor dem Beginn der Musik, dem Hauptteil, in dem der Song gespielt wird und dem Nachspiel oder „Panther Dance“, nachdem die Musik zu Ende ist. Und ich denke es ist bedeutsam, dass der Hauptteil mit den Stammesangehörigen beginnt und mit den ineinander übergehenden Gesichtern endet.

Boy_Morphing

Joe: Das sind großartige Beobachtungen. Und, natürlich, wird all diese neue, komplexe rassenbezogene Erzählkunst vornehmlich aus der Sicht einer traditionellen, weißen Vorstadtfamilie wiedergegeben. Der Prolog handelt, wie du es beschreibst, von weißer Engstirnigkeit und Fehlfunktion, besonders zwischen dem Vater und dem Sohn. Der weiße Patriarch (gespielt von George Wendt) ist, oberflächlich betrachtet, wütend, weil sein Sohn (dargestellt von Macauley Culkin) die Musik zu laut aufdreht.

Boy_macaulay-culkin-1311764439

Aber die Aussage, die Michael Jackson hier scheinbar treffen möchte, geht sehr viel tiefer. Bei der Wut des Vaters geht es um Ignoranz. Er versteht seinen Sohn oder die Musik seines Sohnes oder die Helden seines Sohnes nicht. Seine Weltsicht ist eng, provinziell, angestaubt – was der Grund dafür ist, dass sein Sohn ihn buchstäblich aus dem Haus schießt, und dass der Vater mitsamt seinem Fernsehsessel in Afrika, der Wiege der Zivilisation, landet, wo seine „Um-Erziehung“ seinen Lauf nimmt.

Willa: Ja, und bezeichnenderweise ist Michael Jackson einer der Helden seines Sohnes – sein Vater reißt das Poster, auf dem er abgebildet ist, herunter, als er in das Zimmer seines Sohnes stürmt. Es gibt eine ähnliche Szene ganz am Schluss des Videos, wie du in deinem Artikel feststellst, in der Homer Simpson die Fernbedienung nimmt und den Fernseher ausschaltet, als sein Sohn Bart gerade Black or White ansieht – genauer gesagt den Panther Dance. Das Video wird also von diesen zwei Szenen mit einem wütenden, unterdrückenden, weißen Vater eingerahmt, der die Tatsache, dass sein Sohn der Popkultur ausgesetzt ist, limitieren möchte – insbesondere die Popkultur, die von einem schwarzen Künstler, nämlich Michael Jackson, vermittelt wird.

Dies scheint, wie du in deinem Artikel sagst, eine exakte Reflexion der damaligen Zeit zu sein, da Black or White zu einer Zeit intensiver Wut weißer Männer veröffentlicht wurde. Fortschritte bei den Bürgerrechten, Frauenrechten und Rechten für Homosexuelle „höhlte die männliche Dominanz zu Hause und am Arbeitsplatz aus“, wie du sagst, und führte zum Aufkommen einer „Männerbewegung“, überwiegend weißer Männer. Ich finde es sehr interessant, dass das populärste Buch des Jahres 1991, dem Jahr, in dem Black or White veröffentlicht wurde, Robert Blys Iron John war, das, wie du festgestellt hast „ein Buch war, das zum Ziel hatte, gebrochene Männer zu verstehen und diese zu rehabilitieren, indem sie ihren inneren ‚Wilden‘ oder ‚inneren Krieger‘ wiederherstellten.

Ich kann mich erinnern, wie populär Blys Buch und die „Männerbewegung“ damals waren. Männer versammelten sich in den Wäldern, um riesige Lagerfeuer zu machen und auf Trommeln zu schlagen und so den angeblichen entmannenden Einfluss der Zivilisation loszuwerden. Ich habe bisher darüber nicht in Bezug auf Michael Jackson nachgedacht, aber es ist ein weiterer faszinierender historischer Kontext für die Interpretation von Black or White – besonders die Szene, über die du sprichst, Joe, in der ein spießiger Mann in seinem Fernsehsessel sitzend nach Afrika geschossen wird und dann Michael Jackson sieht, wie dieser mit den Stammesmitgliedern tanzt.

Auf gewisse Art scheint dies genau das zu sein, was Bly vorgeschlagen hat – dass Männer zu ihren frühesten Ursprüngen zurückgehen und sich wieder mit dem „inneren Krieger“ verbinden sollen. Aber Michael Jackson weicht von Blys Skript ab, indem er mit Thai-Frauen tanzt, und dann mit einer Gruppe Prärie-Indianer, einschließlich einem kleinen Mädchen. Als nächstes tanzt er mit einer indischen Frau und einer Gruppe von Russen. Michael Jacksons Botschaft scheint also eine ganz andere als die von Bly zu sein.

Boy_borwtwo

Joe: Richtig. Ein Teil dessen, was an Blys Projekt verfehlt war, lag meiner Meinung nach an seiner Annahme, dass er eine allgemeingültige Kernaussage über alle Männer aufstellte, und infolgedessen ein allgemeingültiges Rezept für die sogenannte „Krise der Männlichkeit“. Er erkannte keine Unterschiede und keine Vielfalt unter Männern an, so wie es Michael Jackson so oft tat. Aber wie du sagst ist es ein weiterer faszinierender historischer Zusammenhang, der darauf hinweist, dass sich Maskulinität an einem Wendepunkt befand.

Genau genommen sehe ich einen weiteren Zusammenhang, um ich den Text schließlich gekürzt habe, in der Rolle von Hip Hop. Bei so vielem am Hip Hop, speziell am Gangsta Rap, ging es damals um die Projektion hypermännlicher Kraft. Ein wahrer Mann zu sein schloss homosexuell, queer oder sanft zu sein, Frauen mit Respekt zu behandeln oder in einer gemischtrassigen Beziehung eingebunden zu sein, aus.

Michaels Song und Video hinterfragte also in diesem Zusammenhang direkt das vorherrschende Urteil über Hip Hop und auch über Hard Rock / Metal. Während Hip Hop oft eine Ausnahmestellung einnahm, war Metal ebenso frauenfeindlich und homophob.

Willa: Das war es wirklich.

Joe: Diese Genres hatten so viel Einfluss auf junge Leute in den späten 80ern und frühen 90ern. Es ist kein Zufall, dass Michael beide in Black or White einbezog, aber ihre „Botschaft“ neu durchdachte.

Willa: Das ist interessant, Joe. Und diese Zusammenhänge sind wichtig, denn du siehst Black or White nicht nur als eine Kritik am Rassismus, wie es normalerweise interpretiert wird, sondern auch als eine Kritik an der Geschlechterzuordnung – indem es sich mit den unterdrückenden, kulturellen Erzählungen darüber beschäftigt, was es bedeutet ein Mann zu sein, insbesondere was es bedeutet ein schwarzer Mann zu sein, und dann eine „Re-Vision für schwarze Männlichkeit“ zu erschaffen. Du schreibst auch in deinem Artikel:

Jackson erkannte, dass ein „Muster“ dafür existierte, wie schwarze Männer in den amerikanischen Medien dargestellt wurden. … Im Kino wurde das Muster, auf das sich Jackson bezieht, weitgehend in Birth of a Nation vorgestellt.

Ein anderes, aber ebenso restriktives „Muster“ wurde durch Blys „Männerbewegung“ und, wie du sagst, durch Hip Hop und Heavy Metal verewigt. Und du siehst in Black or White etwas, was diese Muster direkt hinterfragt und dann eine neue Vision anbietet, eine „Re-Vision“, wie du es genannt hast, sowohl für Rasse, als auch für Geschlechterzuordnung. Ist das richtig?

Joe: Ja, in einem Interview zur Zeit seines Prozesses sprach Michael Jackson über die Jack Johnson-Geschichte. Er war sich der Furcht Amerikas vor Schwarzen, insbesondere der vor schwarzer männlicher Sexualität, deutlich bewusst. Das ist wirklich die Art Furcht, die im Zentrum von Birth of a Nation steht: Die Erwartung, dass Schwarze die Reinheit weißer Frauen entweihen würden. Der Regisseur D.W. Griffith macht hieraus keinen Hehl. Wie du vorhin erwähnt hast spricht er davon, „Abscheu“ für Rassenmischung und gemischtrassige Ehen hervorzurufen. Diese Furcht geht zurück auf die Sklaverei und setzt sich in Tragödien wie dem Tod von Emmett Till und Yusef Hawkins fort. (Bedenke, dass 1958 nur 4 % der Amerikaner Ehen zwischen Schwarzen und Weißen befürworteten. 1991 hatte sich die Zahl auf 48 % erhöht, aber das ist immer noch weniger als die Hälfte der Amerikaner).

Dies ist also der Mythos, den Michael Jackson in Black or White hinterfragt. Von den Lyrics „‘Junge, gehört das Mädchen zu dir?‘ / ‚Ja, wir sind ein und dasselbe,‘“ über die Szene, in der Michael durch ein brennendes Kreuz geht und ausruft „Ich habe keine Angst vor Laken!“, über die Morphing-Szene, die die absolute Vorstellung der Rassenreinheit unterläuft bis hin zum Panter-Coda, der, meiner Meinung nach, einer der mutigsten, kühnsten Momente der Filmgeschichte – ganz sicher aber in einem Musikvideo – darstellt.

Willa: Oh ja, das sehe ich genauso.

Joe: Eins der Dinge, die ich an diesem Moment in diesem Shortfilm so faszinierend finde, ist, dass er auf symbolische Art die Führung als Filmender übernimmt – der weiße Regisseur (John Landis) wird entthront. Es ist ein verblüffender Moment, wenn man die Filmgeschichte bedenkt und wie sie überwiegend von weißen Männern dominiert wurde. Und es war tatsächlich so, dass John Landis Stellung gegen das bezieht, was Michael in der Panter-Szene macht, wie es auch die Sony Manager taten. Kürzlich tauchte auf YouTube ein Ausschnitt auf, der ein bisschen davon zeigt.

Michael besteht darauf, dass Landis, nicht er, derjenige ist, der „schmutzige“ Gedanken hat. Es ist eigentlich ziemlich lustig. Aber dieser Film, und besonders das Panter-Segment, repräsentiert Michaels künstlerische Vision, seine Entscheidungen. Er kannte die Risiken, und er wusste, was er damit erreichen wollte. Die bloße Intelligenz des Shortfilms bezeugt dies – der sich vom Set schleichende schwarze Panter, die vollkommene Änderung des Tons, der Beleuchtung, des Umfelds – die Gegenüberstellungen und Spannungen, wenn man bedenkt, was wir in der „offiziellen Fassung“ sehen. Es ist bemerkenswert.

Willa: Das ist es. Und ich danke dir, dass du diesen Behind-the-scenes-Clip mit uns geteilt hast! Ich hatte ihn vorher noch nicht gesehen, er ist sehr vielsagend, nicht wahr? Wenn man diesen Clip ansieht, dann ist es offensichtlich, dass John Landis wirklich nicht versteht, was Michael Jackson da gerade machte und warum es so wichtig war. Und ich bin wie du der Meinung, dass es von wesentlicher Bedeutung ist, dass John Landis‘ Rolle nach der Morphing-Sequenz endet und der Rest des Videos – der Panther Dance – als Michael Jacksons Eigenwerk präsentiert wird.

Es erinnert mich an Liberian Girl, ein Video, das mit einer Darstellung des kolonialen Afrika, komplett mit Missionaren, im Stil Hollywoods beginnt … aber dann verlagert sich plötzlich alles. Wir hören Malcolm-Jamal Warner (einen schwarzen Schauspieler) sagen: „Leider kann ich hier nirgendwo eine dieser Türen öffnen“ – und ist das nicht ein interessanter Kommentar? Dann fragt Whoopi Goldberg (eine schwarze Schauspielerin): „Wer führt hier Regie?“ Die Kamera schwenkt hinüber zu Steven Spielberg (ein weißer Regisseur), der in einem Regiestuhl sitzt, aber er hat nicht die Leitung – er ist gelangweilt und wartet.

Boy_Steven_Spielberg_001

Dann fragt Rosanna Arquette (eine weiße Schauspielerin) Jasmine Guy (eine schwarze Schauspielerin): „Weißt du, was wir hier machen sollen?“ Jasmine Guy antwortet: „Alles, was ich weiß, ist, dass Michael mich angerufen hat. Ich vermute, wenn er hier ist, wird er mich wissen lassen, was ich tun soll“ – und impliziert damit, dass Michael wirklich derjenige ist, der das Sagen hat. Diese Vermutung erhärtet sich ganz am Ende des Videos, wenn wir ihn endlich sehen … und überraschenderweise sitzt er im Stuhl des Kameramannes. Er ist also derjenige, der die Kontrolle über die Kamera hat, und er ist derjenige, der den Ton angibt – nicht der weiße Typ, der im Regiestuhl sitzt, auf seine Uhr sieht und auf jemanden wartet, der ihm sagt, was zu tun ist. Trotz der Erwartungen also, die durch sein Intro geschürt werden, ist Liberian Girl keine weitere Darstellung von afrikanischem Kolonialismus. Es ist etwas völlig anderes. Es geht um einen talentierten, jungen, schwarzen Mann, der etwas unter seine Kontrolle bringt, was in Millionen von Haushalten weltweit ausgestrahlt wird, aber es passiert alles auf solch eine lustige, leichtherzige, subtile Art, dass niemand zu realisieren scheint, was er da eigentlich macht.

Michael Jackson 1958-2009 King of Pop

Ich denke, die Botschaft der Szene mit John Landis in Black or White ist ähnlich. John Landis mag der Regisseur sein, aber er hat nicht die Kontrolle. Er ist in Wirklichkeit nur ein Angestellter, der Michael Jackson dabei hilft, seine Vision zu vermitteln, ohne dass er versteht, um was es bei dieser Vision eigentlich geht. John Landis verdeutlicht dies selbst in dem von dir geposteten Behind-the-scenes-Clip, Joe. Bei etwa 1:45 dreht er sich zur Kamera und sagt: „Ich habe dies nicht choreografiert. Ich filme es nur.“ Er distanziert sich vollkommen von allem, was während des Panther Dance auf der Leinwand passiert.

Joe: Ganz genau. Es gibt Zitate in meinem Artikel, da sagt er ähnliche Dinge – im Wesentlichen, dass er für dieses Video angestellt wurde. Er sagt dies wahrlich nicht aus Bescheidenheit, sondern weil er sich von dem, was Michael tut, distanzieren will.

Willa: Ja, es scheint mir auch so. Er scheint sich mit dem Abschnitt des Panther Dance in dem Video sehr unwohl zu fühlen. Und das ergibt Sinn, denn es ist, wie du sagst, die Stelle, an der „der weiße Regisseur (John Landis) entthront wird“. Und Michael Jackson bietet hier nicht nur der Rolle des weißen Regisseurs die Stirn, sondern, sogar noch wichtiger, der langen Geschichte schwarzer Menschen und schwarzer Kultur in den Darstellungen Hollywoods. Ich denke, es ist in diesem Zusammenhang sehr signifikant, dass der Höhepunkt des Panther Dance, wenigstens für mein Empfinden, der Fall des Schildes des Royal Arms Hotels ist, welches mit einem Sprühnebel aus Funkenflug explodiert. Hier geht es um den schwarzen Widerstand gegen „Königliche Waffen“ (Royal Arms) und diese Art kolonialer Ideologie und gegen eine Filmindustrie, die von dieser rassistischen, kolonialen Weltsicht durchdrungen ist.

Boy_royalarms

Ein wichtiger Leitgedanke dieser Weltsicht ist das Verbot gegen Rassenmischung, wie du in deinem Artikel festgestellt hast. Aber dieses Verbot ist keine gesetzliche Anordnung, die wie in der Vergangenheit gerichtlich eingefordert wurden. Stattdessen wurde es verinnerlicht und wird nun durch die Gefühle weißer Frauen durchgesetzt, die beim Anblick schwarzer Männer Abscheu oder Widerwillen empfinden, oder durch die Gefühle weißer Männer, die Zeuge einer Verbindung zwischen einer weißen Frau und einem schwarzen Mann werden und mit intensiver Wut reagieren.

Diese neue Art von postkolonialem Rassismus – „ein Gefühl von Verachtung in weißen Menschen, insbesondere in weißen Frauen, gegenüber farbigen Menschen zu erzeugen“, wie Griffith sagte – bildete den Kern der amerikanischen Filmindustrie seit ihrer Gründung. Und das ist es hauptsächlich, womit es Michael Jackson im Panther Dance aufnimmt, wie du so gut in deiner Analyse von Birth of a Nation und Black or White zeigst.

Joe: Nun, ich hab’s jedenfalls versucht. Es handelt sich um einen faszinierenden Kurzfilm, und wie bei so vielen von Michaels Werken lohnt es sich tief einzutauchen. Im Grunde gibt es jetzt, wo ich mit dir darüber gesprochen habe, noch mehr, das ich gern in meinen Artikel mit einbeziehen würde!

Willa: Oh, ich verstehe, was du meinst – es braucht ein Dorf, um Michaels Werke vollkommen zu verstehen! Ich habe jahrelang über Black or White nachgedacht, aber dennoch hat dein Artikel völlig neue Sichtweisen auf diesen unglaublichen Film für mich eröffnet. Und wenn du erst einmal eingetaucht bist, entdeckst du immer mehr und es ist schwer aufzuhören.

Joe: Aber ich vermute, so es ist es am besten. Ich musste den Artikel unter den gegebenen Umständen um etwa 6-7000 Wörter kürzen. Das liegt in der Natur eines akademischen Artikels, und eigentlich, einer Veröffentlichung grundsätzlich. Aber ich zweifle nicht daran, dass über diesen Kurzfilm auch weiter auf frische und fesselnde Art geschrieben wird. Wie Susan Fast in ihrem erstaunlichen 33 1/3-Buch über Dangerous feststellt, hat kein anderer Song oder anderes Video von Jackson mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit erregt. Es fing 1991 mit Armond Whites phänomenalem Artikel für The City Sun an und setzte sich über Jahre fort, ganz besonders seit Jacksons Tod 2009. Mein Artikel war seit einigen Jahren in Arbeit (es war das erste Kapitel, das ich für meine Dissertation geschrieben habe), es ist also aufregend endlich seine Veröffentlichung zu erleben!

Willa: Das ist es wirklich, ganz besonders da dein Artikel dabei aufzudecken hilft , wie wahrlich revolutionär und gewaltig Black or White zu seiner Zeit war, nur wenige Monate, nachdem das Niederschlagen von Rodney King auf einem Video festgehalten worden war, und wie eindringlich es bis heute ist … auch wenn die ursprüngliche, elfminütige Version schwer zu finden ist – es ist einfach zu stark für Vevo!

Dein Artikel ist inzwischen also herausgegeben und erhältlich?

Joe: Ja, der Artikel ist nun im Journal of Popular Music Studies in der Ausgabe vom 27. März veröffentlicht worden. Unglücklicherweise ist es ziemlich teuer, wenn man es im Ganzen lesen will. Ich würde begrüßen, wenn es frei zugänglich wäre, aber vorerst ist es urheberrechtlich geschützt. Susan Fast hat in ihrem Blog kürzlich eine großartige Erklärung über den akademischen Veröffentlichungsprozess verfasst, der, wie viele andere Branchen immer noch versucht herauszufinden, wie mit Inhalten im digitalen Zeitalter umgegangen wird und wie sie zugänglich gemacht werden sollen.

Willa: Ja, akademische Journale sind zeitaufwendig in der Erstellung, wie Susan erklärt – das ist der Grund, warum diese Artikel so teuer sind. Es geht nicht um Profit. Autoren wissenschaftlicher Texte verdienen nichts an der Veröffentlichung, und wir besitzen nicht das Copyright. Ich wollte also beispielsweise meinen Artikel „Monsters, Witches, Ghosts“ hier bei Dancing with the Elephant posten, aber das durfte ich nicht – ich wurde stattdessen um eine Zusammenfassung mit einem Link zum vollständigen Artikel gebeten. Glücklicherweise führen die meisten Universitätsbibliotheken das Journal of Popular Music, so haben diejenigen, die in der Nähe eines College oder einer Universität wohnen, wahrscheinlich kostenlosen Zugriff auf deinen Artikel.

Ich möchte außerdem daran erinnern, dass wir einen Link zu deinem Eintrag über Thriller in der Library of Congress in unserem Reading Room bereitstellen, aber ich hatte bisher noch keine Gelegenheit mit dir darüber zu reden. Dieser Artikel wurde also für die Library of Congress geschrieben und auf dem National Register abgelegt, ist das richtig?

Joe: Ja stimmt, ich wurde gebeten einen kurzen Text über Thriller zu schreiben, was eine wirkliche Ehre für mich war. Das Register beinhaltet nun über 400 Eintragungen. Jede dieser Eintragungen wurde unter Beteiligung des National Recording Preservation Board von der Library of Congress ausgewählt, weil sie als so entscheidend für die Geschichte Amerikas erachtet werden – ästhetisch, kulturell oder historisch gesehen – so dass sie dauerhafte Archivierung in der nationalen Bibliothek verlangen. Das Register ist in Kontakt mit Studenten und Musikkritikern getreten, damit diese mithilfe einer Auswahl wissenschaftlicher Aufsätze über jeden der 400 Titel des Registers, von denen jeder etwa aus 1000 Wörtern besteht, ihre Website gestalten. Leute, die Musikgeschichte lieben, sollten sich also auch einige der anderen Aufsätze ansehen – ich habe mehrere gelesen und es handelt sich bei ihnen um großartige Lektüre.

Willa: So ist es in der Tat. Ich habe gerade den Eintrag „Blue Moon of Kentucky“ von Bill Monroe, den Erfinder von Bluegrass, gelesen und interessanterweise beginnt es mit einem Vergleich zwischen ihm und D.W. Griffith:

Genau wie bei Martha Graham und möglicherweise D.W. Griffith, wurde das, was er während seines Lebens erschuf zu einem gänzlich neuen Kunstgenre, einer Sprache, einem Vokabular, auf deren Spur hunderte weiterer Künstler folgten.

So wie Martha Graham den modernen Tanz begründet hat und möglicherweise D.W. Griffith – mit Birth of a Nation – den modernen Film, erschuf Bill Monroe das Genre Bluegrass. Hier ist eine vollständige Auflistung von Aufsätzen des Registers und eine Liste der Aufnahmen.

Nun, ich danke dir so sehr, dass du hier warst, Joe! Es ist immer ein Vergnügen mit dir zu reden.

Joe: Danke, Willa. Es ist jedes Mal großartig mit dir zu reden. Und bestelle Joie herzliche Grüße von mir!

Willa: Das werde ich!