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Michael Jacksons Oxford Rede

Michael Jacksons Rede bei der Oxford Union Society (“Oxford-speech” vom 6. März 2001)

Danke. Vielen Dank, liebe Freunde, ich danke aus tiefstem Herzen für die freundliche und warme Aufnahme. Und vielen Dank an Sie, Mr. Präsident, für Ihre freundliche Einladung an mich, der ich gerne nachgekommen bin. Ich möchte auch Shmuley meinen ganz besonderen Dank aussprechen, der hier in Oxford schon seit 11 Jahren als Rabbi tätig ist. Wir beide haben so hart gearbeitet, um ‘Heal the Kids’ zum Leben zu erwecken und auch an unserem Buch über ‘kindliche Qualitäten’ — und bei all unseren Bemühungen warst du ein sehr unterstützender und liebevoller Freund. Und ich möchte mich auch bei Toba Friedman bedanken, unserer organisatorischen Direktorin bei ‘Heal the Kids’, die heute Abend wieder an die Universität zurückkehrt, wo sie als Gelehrte tätig ist, genau wie Marilyn Piels, ein weiteres wichtiges Mitglied des ‘Heal the Kids’-Teams.

https://www.youtube.com/watch?v=AnMbkep1FeM

Ich fühle mich geehrt, an einem Ort eine Rede zu halten, der zuvor von solch wichtigen Menschen wie Mutter Theresa, Albert Einstein, Ronald Reagan, Robert Kennedy und Malcom X besucht wurde. Ich habe sogar gehört, dass Kermit der Frosch hier gewesen ist, und ich habe mich schon immer mit Kermits Botschaft verbunden gefühlt, dass es nicht einfach ist, grün zu sein. Ich bin sicher, ihm fiel es auch nicht leichter, hier oben zu stehen, als es mir jetzt fällt.

Als ich mich heute in Oxford umgeschaut habe, war ich mir der Größe und Erhabenheit dieser Einrichtung sehr bewußt, gar nicht zu reden von der Brillanz all der großartigen und begnadeten Köpfe, die seit Jahrhunderten durch diese Straßen gewandelt sind. Oxfords Wände haben nicht nur den größten Philosophen und wissenschaftlichen Genies ein Zuhause geboten, sie haben auch einige der meist geschätzten Kinderbuchautoren vorangebracht, von J. R. R. Tolkien bis hin zu C. S. Lewis.

Heute ist es mir gegönnt, in den Speisesaal der ‘Christ Church’ zu humpeln, um Lewis Carrols ‘Alice im Wunderland’ in den Bleiglas-Fenstern verewigt zu sehen. Und sogar einer meiner amerikanischen Mitbürger, der geliebte Dr. Seuss, hat diese Hallen geehrt und hat dann seine Spuren in der Fantasie von Millionen von Kindern überall auf der Welt hinterlassen.

Ich denke, ich sollte damit beginnen, meine Qualifikationen um hier heute Abend vor Ihnen sprechen zu dürfen, aufzulisten. Liebe Freunde, ich behaupte nicht, dass ich die akademische Expertise der anderen Sprecher habe, die schon in diesem Saal geredet haben, genauso wenig wie sie wohl sagen könnten, dass sie den ‘Moonwalk’ aufführen könnten — und wissen Sie, besonders Einstein war darin wirklich schlecht! Ich kann jedoch behaupten, dass ich schon mehr Orte und Kulturen dieser Welt erlebt habe, als die meisten anderen Menschen es jemals sehen werden. Und menschliches Wissen besteht nicht nur aus Büchereien voll von Pergament und Tinte, es umfasst auch das gesamte Wissen, dass in den Herzen der Menschen geschrieben steht, gemeißelt in menschliche Seele und eingraviert in die menschliche Psyche.

Und Freunde, ich habe in diesem relativ kurzen Leben schon so viel erlebt, dass ich immer noch nicht recht glauben kann, dass ich erst 42 Jahre alt bin! Ich sage oft zu Shmuley, dass ich sicher bin, dass ich, in ‘Seelen-Jahren’ gerechnet, mindestens 80 sein muss — und heute Abend laufe ich ja sogar wie ein 80-Jähriger …Und so hören Sie sich bitte meine Botschaft an, denn was ich Ihnen heute Abend sagen möchte, kann der Menschheit und unserem ganzen Planeten Heilung bringen.

Durch Gottes Gnade habe ich das Glück gehabt, mir viele meiner künstlerischen und professionellen Bestrebungen schon in meinen frühen Lebensjahren zu erfüllen. Aber das sind Leistungen, und Leistungen allein kann man nicht damit gleichsetzen, wer ich bin. Tatsächlich konnte man dem lachenden und strahlenden 5-Jährigen, der ‘Rockin‘ Robin’ und ‘Ben’ vor bewundernden Mengen gesungen hat, überhaupt nicht ansehen, wie der Junge hinter diesem Lachen wirklich war. Und heute stehe ich vor Ihnen weniger als Pop-Ikone — was auch immer das bedeuten mag — sondern viel mehr als eine Ikone einer Generation, einer Generation, die nicht mehr weiß, was es bedeutet, Kinder zu sein. Wir alle sind das Produkt unserer Kindheit. Aber ich bin das Produkt eines Mangels an Kindheit, des Fehlens dieses wertvollen und wunderbaren Alters, in dem man übermütig spielerisch und sorglos in der Welt herumtoben kann, sich in der Bewunderung von Eltern und Verwandten sonnen kann und in der die größte Sorge vielleicht die ist, für das Diktat am Montagmorgen zu üben.

J5 live

Wem die ‘Jackson Five’ bekannt sind, weiß, dass ich schon im zarten Alter von fünf Jahren mit Auftritten begann und das seither immer weiter getan habe — ich habe niemals mit Singen und Tanzen aufgehört. Aber auch wenn aufzutreten und Musik zu machen zweifellos immer zu meinen größten Freuden gezählt haben, habe ich mir dennoch als ich jung war, nichts sehnlicher gewünscht, als ein gewöhnlicher kleiner Junge zu sein. Ich wollte Baumhäuser bauen, Wasserballon-Schlachten machen und Verstecken mit meinen Freunden spielen. Aber das Schicksal wollte es anders, und alles, was ich tun konnte, war, das Lachen und Spielen, das überall um mich herum stattfand, zu beneiden. Von meinem professionellen Leben gab es keine Pause. Aber Sonntags ging ich ‘missionieren’ — so nennen die Zeugen Jehovas ihre Missionarsarbeit. Und bei diesn Gelegenheiten konnte ich die Magie der Kindheit anderer sehen. Weil ich damals schon berühmt war, musste ich mich verkleiden. Ich zog mir ein ‘Fetten-Kostüm’, Perücke, Bart und Brille an, und wir verbrachten den Tag in den Vororten im südlichen Kalifornien, gingen von Tür zu Tür oder machten die Runde durch Einkaufszentren, um den ‘Wachturm’ zu verteilen.

Ich liebte es so sehr, in diese normalen Haushalte zu gehen, mit den die zotteligen Läufern auf dem Fußboden, den Lehnstühlen, in denen Kinder ‘Monopoly’ spielten, wo Großmütter Babys hüteten und all diese wunderbaren, gewöhnlichen Szenen des Alltagslebens stattfanden. Ich weiß, viele würden sagen, diese Dinge seien ja nichts Besonderes. Aber für mich waren sie einfach faszinierend. Ich dachte immer, dass ich der einzige wäre, der sich fühlte, als ob er keine Kindheit gehabt hätte. Ich glaubte, dass es wohl nur eine Handvoll Leute gibt, mit denen ich diese Gefühle teilen könnte.

Shirley Temple MJ

Als ich kürzlich Shirley Temple Black traf, den großen Kinderstar der 30er und 40er Jahre, sagten wir zunächst gar nichts. Wir haben einfach miteinander geweint, weil sie einen Schmerz mit mir teilen konnte, den sonst nur enge Freunde von mir, wie Elizabeth Taylor und McCauley Culkin kennen.

Ich erzähle Ihnen das nicht, um Ihre Sympathie zu gewinnen, sondern um auf meinen ersten wichtigen Punkt zu kommen: es sind nicht nur Hollywood-Kinderstars, die unter einer ‘nicht-existenten’ Kindheit leiden. Vielmehr ist das heutzutage ein universelles Unglück, eine weltweite Katastrophe. Die Kindheit ist das große Opfer des modernen Lebens geworden.

Überall um uns herum erschaffen wir Gruppen von Kindern, die nicht die Freude, nicht das Recht und nicht die Freiheit hatten zu wissen, wie es ist, ein Kind zu sein. Heute werden Kinder ständig dazu angehalten, schneller erwachsen zu werden, so als ob diese Periode die man Kindheit nennt, lästig ist, und man sie nur ertragen und möglichst schnell hinter sich bringen muss. Und bei dieser Thematik bin ich sicherlich einer der Welt größten Experten.

Unsere Generation ist Zeuge der Abschaffung des ‘Eltern-Kind-Vertrages’ geworden. Psychologen veröffentlichen Bibliotheken von Büchern, in denen sie die destruktiven Auswirkungen beschreiben, die entstehen, wenn man seinen Kindern die bedingungslose Liebe vorenthält, die für die gesunde Entwicklung ihres Verstandes und Charakters so notwendig ist. Und wegen dieser Vernachlässigung müssen sich viel zu viele Kinder im Grunde ‘selbst erziehen’. Sie wachsen distanzierter zu ihren Eltern, Großeltern und anderen Familienmitgliedern auf, weil sich überall um uns herum das unzerstörbare Band, das einst die Generationen zusammenhielt, langsam auflöst. Diese Missachtung hat eine neue Generation hervorgebracht — nennen wir sie Generation O — die jetzt die Fackel der Generation X übernimmt. Das O steht für eine Generation, die äußerlich alles hat, Reichtum, Erfolg, ausgefallene Kleidung und tolle Autos, aber eine gähnende Leere in ihren Herzen. Dieser Hohlraum in unsere Brust, diese Leere in unserem Innersten, diese Lücke in unserer Mitte ist der Ort, wo das Herz einst geschlagen hat und der einst mit Liebe gefüllt war. Und es sind nicht nur die Kinder, die leiden. Den Eltern geht es genauso.

Oxford

Je mehr wir kleine Erwachsene in den Körpern unserer Kinder heranzüchten, um so mehr werden wir auch selbst von unseren eigenen kindlichen Qualitäten distanziert, und dabei gibt es so vieles am Kind sein, was es wirklich wert ist, im Erwachsenenleben bestehen zu bleiben.

Die Liebe, meine Damen und Herren, ist das wertvollste Erbe der Menschheit, ihr reichstes und goldenes Vermächtnis. Und es ist ein Schatz, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ältere Menschen mögen den Reichtum, den wir genießen können, nicht gehabt haben. In ihren Häusern mag es keine Elektrizität gegeben haben, und sie mussten vielleicht all ihre vielen Kindern in kleine Häuser ohne Zentralheizung quetschen. Aber in diesen Häusern gab es keine Dunkelheit, und es war dort nicht kalt. Sie wurden hell erleuchtet durch dem Schein der Liebe und gemütlich angewärmt von jener Wärme des menschlichen Herzens. Eltern, unbeeinflusst von der Gier nach Reichtum und Status, machten ihre Kinder zum Mittelpunkt ihres Lebens.

Wie Sie alle wissen, sind unsere beiden Länder auseinander gebrochen aus einem Grund, den Thomas Jefferson als ‘bestimmte unveräußerliche Rechte’ bezeichnete. Und während wir Amerikaner und Briten vielleicht noch über Rechtmässigkeit seiner Behauptungen streiten, wurde dabei doch niemals darüber diskutiert, dass auch Kinder bestimmte unveräußerliche Rechte haben und dass die graduelle Auflösung dieser Rechte dazu geführt hat, dass weltweit Kindern die Freuden und Sicherheiten der Kindheit abgesprochen wurden.

Ich würde heute vorschlagen, dass wir in jedem Heim eine universelle ‘Kinderrechts-Liste’ aufhängen, die beinhaltet:

1) Das Recht geliebt zu werden, ohne es sich verdienen zu müssen

2) Das Recht beschützt zu werden, ohne es verdient zu haben

3) Das Recht, sich wertvoll zu fühlen, auch wenn man mit nichts in die Welt gekommen ist

4) Das Recht, dass einem zugehört wird, ohne dass was man sagt interessant sein muss

5) Das Recht, eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen zu bekommen, ohne mit den Nachrichten oder Abend-Serien konkurrieren zu müssen

6) Das Recht auf Bildung, ohne dabei in der Schule Gewehrkugeln ausweichen zu müssen

7) Das Recht, als bewundernswert angesehen zu werden — auch wenn man ein Gesicht hat, das nur eine Mutter lieben kann

Liebe Freunde, die Grundlage jedes menschlichen Wissens, der Anfang des menschlichen Bewusstseins, muss sein, dass jeder einzelne von uns ein Objekt der Liebe ist!

Schon bevor man weiß, ob man nun rotes oder braunes Haar hat, bevor man weiß, ob jemand schwarz oder weiß ist, bevor man weiß, was für einer Religion er angehört, schon vor all dem muss man wissen, dass man geliebt wird.

allan Bufford 88

Vor etwa 12 Jahren, als ich gerade dabei war, meine ‘Bad’-Tour zu starten, kam ein kleiner Junge mit seinen Eltern zu mir zu Besuch nach Kalifornien. Er war an Krebs erkrankt und er sagte mir, wie sehr er meine Musik und mich lieben würde. Sein Eltern erzählten mir, dass er nicht überleben würde, dass er jeden Tag sterben könnte. Und ich sagte zu ihm: „Schau, ich werde in 3 Monaten in deine Heimatstadt in Kansas kommen, um dort meine Tour zu eröffnen. Ich will, dass du zu der Show kommst! Ich werde dir diese Jacke von mir schenken, die ich in einem meiner Videos getragen habe.“ Seine Augen leuchteten auf und er fragte: „Du willst mir das schenken?!“ Ich sagte: „Ja, aber du musst mir versprechen, dass du sie während der Show tragen wirst.“ Ich wollte, dass er durchhält. Ich sagte: „Wenn du zu meiner Show kommst, will ich dich in dieser Jacke und diesem Handschuh sehen“, und ich gab ihm einen meiner mit Kristallen besetzten Handschuhe — und normalerweise gebe ich solche Handschuhe niemals weg.

Und er war wie im Himmel. Aber vielleicht war er dem Himmel wirklich schon zu nahe, denn als ich in seine Stadt kam, war er bereits gestorben, und sie hatten ihn in der Jacke und dem Handschuh begraben. Er war erst zehn Jahre alt. Gott weiß und ich weiß, dass er sein bestes gab um durchzuhalten. Aber wenigstens wusste er, als er starb, dass er geliebt wurde und zwar nicht nur von seinen Eltern, sondern auch von mir, einem ‘nahen Fremden’ — ich liebte ihn auch. Und mit all dieser Liebe wusste er, dass er nicht alleine in diese Welt gekommen war, und sicherlich verließ er sie auch nicht einsam.

Wenn man diese Welt in dem Wissen betritt, geliebt zu sein und sie auch mit diesem Wissen wieder verlässt, dann kann man auch mit allem, was dazwischen liegt, umgehen.

Ein Professor mag Sie erniedrigen, aber Sie werden sich nicht erniedrigt fühlen, Ihr Chef mag Sie unterdrücken wollen, aber Sie werden nicht wirklich unterdrückt sein, ein körperlicher Gegner mag Sie bezwingen, aber dennoch werden Sie triumphieren. Wie könnte einer von ihnen wirklich die Oberhand gewinnen und Sie unterkriegen? Wenn Sie doch wissen, dass Sie jemand sind, der es wert ist, geliebt zu werden. Der Rest ist doch nur Verpackung. Aber wenn man dieses Wissen, geliebt zu werden nicht hat, ist man verdammt, in der Welt nach etwas zu suchen, um sich selbst damit aus- und aufzufüllen. Doch es ist egal, wieviel Geld man macht oder wie berühmt man wird, man wird sich stets leer fühlen. Das, wonach man eigentlich sucht, ist diese unbedingte Liebe, Akzeptanz ohne Voraussetzungen. Eben das, was einem bei seiner Geburt aberkannt worden ist.

Lassen Sie mich ein Bild für Sie skizzieren. Das ist ein typischer Tag in Amerika: sechs junge Menschen unter 20 werden Selbstmord begehen, 12 Kinder unter 20 werden durch Schusswaffen sterben — bitte denken Sie daran, das ist ein Tag, kein Jahr! 399 Kinder werden wegen Drogenmissbrauchs verhaftet werden, 1 352 Babys werden von jugendlichen Müttern geboren werden. Das geschieht in einem der reichsten und weitest entwickelten Ländern in der Geschichte der Welt! Ja, in meinem Land gibt es eine Welle an Gewalt, wie sie in keiner anderen Industrienation stattfindet. Das ist die Art, wie junge Menschen in Amerika ihre seelischen Verletzungen und ihre Wut ausdrücken.

Aber denken Sie nicht, dass es den gleichen Schmerz und Zorn nicht auch in England gibt. Studien in diesem Land zeigen, dass sich in jeder Stunde drei Teenager in den UK selbst Schaden zufügen, oft schneiden sie sich oder verbrennen sich oder nehmen Überdosen von Drogen. Das ist der Weg, den sie sich ausgesucht haben, um mit dem Schmerz der Vernachlässigung und der emotionalen Qual zurechtzukommen. In England kommen gerade mal 20 % der Familien zusammen, um einmal im Jahr gemeinsam Abend zu essen — einmal im Jahr! Und was ist mit der schönen Tradition, Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorzulesen? Untersuchungen aus den 1980ern zeigen, dass Kinder, denen vorgelesen wird, einen höheren Bildungsstand besitzen und ihre Mitschüler weit übertreffen.

Und dennoch wird gerade mal 33 % der britischen Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren regelmäßig eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Vielleicht können Sie dem ja nicht so viel entnehmen, bevor Sie nicht wissen, dass noch 75 % ihrer Großeltern Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen bekommen haben, als sie im selben Alter waren. Sicherlich müssen wir uns nicht fragen, woher all dieser Schmerz, Zorn und das gewalttätige Verhalten kommen mag. Es erklärt sich von selbst, dass Kinder sich gegen diese Vernachlässigung aufbäumen, dass sie sich gegen diese Gleichgültigkeit auflehnen und dass sie laut aufschreien, nur, um beachtet zu werden. Die verschiedenen Kinderschutzorganisationen in den Staaten sagen, dass in einem durchschnittlichen Jahr Millionen von Kindern Opfer von Misshandlung in Form von Vernachlässigung sind, ja, von Nichtbeachtung. In reichen, privilegierten Heimen, die bis zum Dach mit irgendwelchem technischen Krimskrams vollgestopft sind; Heimen, in denen die Eltern zwar nach Hause kommen, aber niemals richtig zu Hause sind, weil sie mit den Gedanken immer noch im Büro sind. Und ihre Kinder? Nun, die behelfen sich mit jedem Krümel Emotionalität, den sie bekommen können. Aber von endlosem Fernsehen, Computerspielen und Videos bekommen sie nicht eben viel.

Diese harten, kalten Zahlen, die, wie ich finde, einem das Herz in Stücke reißen und das Gemüt zerrütten, sollten Ihnen zeigen, warum ich so viel meiner Zeit und Ressourcen dazu verwendet habe, unsere neue Initiative ‘Heal the Kids’ zu einem großen Erfolg zu machen. Unser Ziel ist einfach: die Erneuerung des Eltern-Kind-Bandes, dieses Versprechen wieder zu erneuern und den Weg zu ebnen für all die wunderbaren Kinder, die auch zukünftig auf dieser Erde sein werden. Aber weil dies meine erste öffentliche Rede ist und Sie mich so warm und herzlich empfangen haben, denke ich, dass ich Ihnen noch mehr erzählen möchte. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte und so können Statistiken persönlich werden. Man sagt, dass Eltern sein wie ein Tanz ist. Man macht einen Schritt, das Kind macht einen anderen. Ich habe herausgefunden, dass es nur die eine Hälfte ist, die Eltern dazu zu bringen, sich wieder ganz selbst ihren Kindern zu widmen. Die andere Hälfte besteht darin, die Kinder dazu zu bringen, ihre Eltern wieder zu akzeptieren.

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Ich erinnere mich daran, dass wir in meiner Kindheit diesen verrückten Hund ‘Black Girl’ hatten, eine Mischung aus Wolf und Retriever. Sie war nicht nur ein schlechter Wachhund, sondern auch solch ein verschrecktes und nervöses Ding, dass es ein Wunder war, dass sie nicht jedes Mal in Ohnmacht gefallen ist, als ein Truck vorüber gerumpelt oder ein Gewitter über Indiana hinweggefegt ist. Meine Schwester Janet und ich gaben dem Hund so viel Liebe, aber wir konnten das Vertrauen, das ihm von seinem vorigen Besitzer geraubt wurde, nie wiedergewinnen. Wir wussten, dass er sie geschlagen hatte. Wir wussten nicht, mit was. Aber was auch immer es war, es war genug, um diesem Hund seinen ganze Lebensfreude zu nehmen.

Heute sind viele Kinder wie verletzte Welpen, die sich selbst das Bedürfnis nach Liebe abgewöhnt haben. So können sie sich auch nicht um ihre Eltern sorgen. Mit ihren eigenen Belangen allein gelassen, suchen sie nach ihrer Unabhängigkeit. Sie sind weitergekommen und haben ihre Eltern hinter sich gelassen.

Dann gibt es die noch schlimmeren Fälle von Kindern, die Feindseligkeit und Groll gegen ihre Eltern hegen, so dass jeder Annäherungsversuch ihrer Eltern abgewehrt wird und mit Gewalt entgegnet wird. Heute Abend will ich, dass keiner von uns diesen Fehler macht. Und deswegen appelliere ich an all die Kinder der Welt — beginnend mit uns allen, die wir heute hier sind — unseren Eltern zu vergeben, wenn wir uns vernachlässigt fühlten. Vergebt ihnen und lehrt sie, wieder selbst lieben zu können.

Wahrscheinlich werden Sie nicht überrascht sein zu hören, dass ich keine besonders idyllische Kindheit hatte. Der Stress und die Spannungen, die es in der Beziehung zu meinem eigenen Vater gibt, sind bereits dokumentiert. Mein Vater ist ein strenger Mann, der mich und meine Brüder stets hart herangenommen hat — schon vom frühsten Alter an — um aus uns die besten Künstler zu machen, die wir werden konnten. Er hatte große Schwierigkeiten damit, mir seine Liebe zu zeigen. Er hat mir niemals gesagt, dass er mich liebt. Und er hat mir auch niemals ein Kompliment gemacht. Wenn ich eine sehr gute Show geliefert hatte, sagte er, dass es eine gute Show war, und wenn die Show okay war, sagte er — … nichts. [Michaels Stimme bricht und er beginnt zu weinen] Er schien mehr als alles andere daran interessiert zu sein, aus uns einen großen kommerziellen Erfolg zu machen. Und darin war er mehr als ein Experte. Mein Vater war ein genialer Manager und meine Brüder und ich schulden unseren professionellen Erfolg nicht in geringem Maße auch dem gewaltvollen Weg, den er uns gehen ließ. Er trainierte mich zu einem Showman, und unter seiner Führung durfte ich keinen falschen Schritt machen.

Aber was ich wirklich wollte, war ein Dad. Ich wollte einen Vater, der mir seine Liebe zeigen konnte. Und mein Vater konnte das nie. Er sagte nie, dass er mich liebt, während er mir in die Augen sah; er spielte nie mit mir. Er nahm mich nie huckepack, er warf nie Kissen oder einen Wasser-Ballon nach mir.

Aber ich erinnere mich — ich war gerade etwa vier Jahre alt, da war diese kleine Kirmes bei uns, und er hob mich hoch und setzte mich auf ein Pony. Es war nur eine so kleine Geste, wahrscheinlich hat er es fünf Minuten später bereits vergessen gehabt. Aber gerade wegen diesem kurzen Augenblick, gibt es in meinem Herzen diesen besonderen Platz für ihn. So sind Kinder eben, die kleinen Dinge bedeuten ihnen so viel, und für mich bedeutete dieser Moment alles. Ich habe das nur ein einziges Mal erlebt, aber so konnte ich mich gut fühlen — in Bezug auf ihn und die Welt.

Aber jetzt bin ich selbst Vater und ich habe mir über meine eigenen Kinder, Prince und Paris, Gedanken gemacht und wie ich gerne hätte, dass sie von mir denken, wenn sie älter sind. Natürlich hätte ich gerne, dass sie sich daran erinnern, dass ich sie immer bei mir haben wollte, wo auch immer ich hinging, dass ich immer versuchte, sie vor alles andere zu stellen. Aber es gibt auch Herausforderungen in ihrem Leben. Weil meine Kinder immer von Paparazzi verfolgt werden, können sie nie mit mir in einen Park oder ins Kino gehen. Was ist, wenn sie älter werden und mir übel nehmen, dass meine Entscheidungen ihre Jugend beeinflusst haben? „Warum hatten wir keine gewöhnliche Kindheit wie alle anderen Kids“, mögen sie mich fragen. Und in diesem Moment bete ich, dass meine Kinder auch mir Zuwendung und Verständnis schenken werden. Dass sie zu sich selbst sagen werden: „Unser Daddy hat das beste gegeben, was er konnte in Anbetracht der einzigartigen Umstände mit denen er konfrontiert war. Vielleicht war er nicht perfekt, aber er war ein warmherziger und anständiger Mann, der versucht hat, uns alle Liebe der Welt zu geben.“

Ich hoffe, sie werden sich immer auf die positiven Dinge konzentrieren, auf die Opfer, die ich freiwillig für sie gebracht habe und nicht die Dinge kritisieren, die sie aufgeben mussten oder die Fehler, die ich gemacht habe und sicherlich noch machen werde, während ich sie großziehe. Weil wir alle irgendjemandes Kind sind, wissen wir, dass trotz der besten Absichten und Bemühungen Fehler immer auftreten werden. Das ist nur menschlich.

Und wenn ich darüber nachdenke wie sehr ich hoffe, dass meine Kinder mich nicht unfreundlich aburteilen und mir meine Fehler vergeben werden, muss ich an meinen eigenen Vater denken. Und obwohl ich es früher nicht wollte, muss ich jetzt zugeben, dass er mich doch geliebt haben musste. Er liebte mich, und ich weiß das. Es gab kleine Anzeichen, die das zeigten. Als ich Kind war, war ich ein wirkliches Schleckermaul — das waren war alle. Am liebsten hatte ich glasierte Donuts, und das wusste mein Vater.

michaeljackson JoeJackson

Also alle paar Wochen, als ich nach unten in die Küche kam, stand auf der Küchenablage eine Tüte voller glasierter Donuts — kein Nachricht, keine Erklärung, nur die Donuts. Es war, als wenn der Weihnachtsmann dagewesen wäre. Manchmal dachte ich daran, bis spät in die Nacht aufzubleiben, so dass ich ihn dabei beobachten konnte, wie er sie dort hinlegte. Aber wie beim Weihnachtsmann wollte ich nicht das Wunder zerstören — aus Angst, dass er es nie wieder tun würde. Mein Vater musste die Donuts im Geheimen in der Nacht dort hingelegt haben, so dass niemand ihn dabei ertappen konnte. Er hatte Angst vor menschlichen Gefühlen, er verstand sie nicht oder wusste nicht, wie er mit ihnen umgehen sollte. Aber er kannte Donuts. Und wenn ich die Erinnerungen zulasse, dann kommen mir auch noch andere Dinge, kleine Gesten — wenn auch nicht perfekt— die mir aber zeigten, dass er tat, was er konnte.

Also will ich mich heute Abend lieber darauf konzentrieren, was mein Vater getan hat und auf seine eigenen persönlichen Herausforderungen, als darauf, was er nicht getan hat. Ich will aufhören, ihn zu verurteilen. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, dass mein Vater ja im Süden aufgewachsen ist, in einer sehr armen Familie. Er wuchs während der wirtschaftlichen Depression heran, und sein eigener Vater, der auch kämpfen musste, um seine Kinder ernähren zu können, zeigte seiner Familie kaum Liebe und erzog meinen Vater und seine Geschwister mit eiserner Hand. Wer kann sich vorstellen, wie es war, als armer Schwarzer im Süden heranzuwachsen, aller Würde beraubt, ohne Hoffnung und darum kämpfend, in einer Welt seinen Mann zu stehen, die meinen Vater als Untergeordneten ansah. Ich war der erste schwarze Künstler, der auf MTV gespielt wurde, und ich erinnere mich, was für eine große Sache sogar das war. Und das war in den 1980er Jahren!

Mein Vater zog dann nach Indiana und hatte selbst eine große Familie. Er arbeitete viele Stunden am Tag in einem Stahlwerk, eine Arbeit, die die Lungen kaputt macht und den Geist abstumpft — und alles, um seine Familie über die Runden zu bekommen. Ist es denn ein Wunder, dass er es schwer gefunden hat, seine Gefühle zu zeigen? Ist es ein Wunder, dass sein Herz hat wurde, dass er emotionale Barrieren aufgebaut hat? Und dann ein Wunder, dass er seine Söhne so hart gepuscht hat, um als Künstler erfolgreich zu werden, damit sie vor dem bewahrt blieben, was er als ein Leben ohne Würde und in Armut kannte? Mir ist klar geworden, dass sogar meines Vaters Härte eine Art Liebe war, keine sehr perfekte Liebe — sicherlich — aber dennoch Liebe. Er hat mich so hart angepackt, weil er mich liebte. Weil er nicht wollte, dass jemals ein Mensch auf seine Nachkommen herabblicken sollte. Und jetzt, mit der Zeit fühle ich eher Vergebung als Verbitterung. Anstatt Zorn habe ich Absolution gefunden. Und anstelle von Rache habe ich auf Aussöhnung gesetzt. Und meine anfängliche Wut hat langsam dem Verzeihen den Weg frei gemacht.

Vor etwa zehn Jahren habe ich die Wohltätigkeitsorganisation ‘Heal the World’ gegründet. Dieser Name war etwas, das ich einfach in mir gefühlt habe. Ich habe nicht gewusst, was mir Shmuley später erzählt hat: dass diese beiden Worte aus den Prophezeiungen des Alten Testamentes stammen.

Glaube ich wirklich, dass wir eine Welt heilen können, die von Krieg und Völkermord geschüttelt wird, sogar heute noch? Und denke ich wirklich, dass wir unsere Kinder heilen können, dieselben Kinder, die ihre Schulen mit Waffen und Hass stürmen können und ihre Klassenkameraden niederschießen, wie es gerade eben wieder geschehen ist? Oder dieselben Kinder, die ein wehrloses Baby zu Tode schlagen können wie in der tragischen Geschichte von Jamie Bulger? Natürlich glaube ich das, oder würde ich sonst heute hier sein?

Aber all das beginnt mit der Vergebung, denn um die Welt zu heilen, müssen wir zuerst uns selbst heilen. Und um unsere Kinder zu heilen, müssen wir zuerst das Kind heilen, das in jedem von uns steckt, in jedem einzelnen von uns. Als Erwachsener und als Elternteil stelle ich fest, dass ich weder vollständiger Mensch noch ein Vater, der fähig zu bedingungsloser Liebe ist, sein kann, wenn ich nicht zuerst die Geister meiner eigenen Kindheit zur Ruhe gebracht habe. Und das ist es, um was ich Sie alle heute bitte. Erfüllen Sie das fünfte der zehn Gebote. Ehren Sie ihre Eltern, indem Sie sie nicht verurteilen. Geben Sie ihnen den Vertrauensbonus.

Oxford Union Speech

Deswegen möchte ich auch meinem Vater verzeihen und aufhören, ihn zu verurteilen. Ich will meinem Vater vergeben, weil ich einen Vater haben will — und er ist der einzige, den ich habe. Ich will die Schwere meines vergangen Lebens von meinen Schultern nehmen, ich will frei sein, in eine neue Beziehung mit meinem Vater einzutreten, für den Rest meines Lebens, unbehindert von den Kobolden der Vergangenheit.

In einer Welt voller Hass, müssen wir dennoch weiter hoffen.

In einer Welt voller Wut, müssen wir dennoch weiter trösten.

In einer Welt voller Verzweiflung, müssen wir dennoch weiter träumen.

Und in einer Welt voller Misstrauen, müssen wir uns weiterhin trauen zu glauben.

All diejenigen von Ihnen, die sich von Ihren Eltern im Stich gelassen fühlen — bitte ich, Ihre Enttäuschung gehenzulassen.

All diejenigen von Ihnen, die sich von Vater oder Mutter betrogen fühlen — bitte ich, sich nicht selbst weiter zu betrügen.

Und all diejenigen von Ihnen, die sich wünschen, Ihre Eltern beiseite zu schieben — möchte ich bitten, ihnen statt dessen die Hand zu reichen. Ich bitte Sie und ich bitte mich selbst, auch unseren Eltern das Geschenk der bedingungslosen Liebe entgegenzubringen, so dass sie von uns, ihren Kindern, lernen können, wie man wirklich liebt. So wird diese Liebe dieser desolaten und einsamen Welt letztendlich wieder zurückgegeben werden.

Shmuley erwähnte einst eine alte biblische Prophezeiung, die besagt, dass eine neue Welt und eine neue Zeit anbrechen würde, wenn „die Herzen der Eltern durch die Herzen ihrer Kinder wieder erneuert würden“. Meine Freunde, wir sind diese Welt, wir sind diese Kinder. Mahatma Gandhi sagte: „Die Schwachen können niemals vergeben. Vergebung ist eine Fähigkeit der Starken.“

Seien Sie stark — hier und heute. Und abgesehen davon, dass Sie stark sind, nehmen Sie diese, die allergrößte Herausforderung an: den zerbrochenen Vertrag wieder zu erneuern.

Wir alle müssen über die Auswirkungen unserer Kindheiten hinwegkommen, so lähmend auch immer sie gewesen sein mögen, und in Jesse Jacksons Worten: vergebt einander, versöhnt euch und macht weiter. Diese Aufforderung zur Vergebung wird vielleicht nicht Oprah-mässige Ausmasse annehmen, wobei sich Tausenden von Kindern wieder mit ihren Eltern versöhnen, aber es kann zumindest für uns alle hier ein Anfang sein, und als Ergebnis werden wir alle viele glücklicher sein können.

Und so, meine Damen und Herren, schließe ich meine Ausführungen heute Abend mit Vertrauen, Freude und Begeisterung. Von diesem Tag an soll ein neues Lied ertönen.

Lasst dieses neue Lied der Klang von lachenden Kindern sein;

Lasst dieses neue Lied die Klänge von spielenden Kindern sein;

Lasst dieses neue Lied der Klang von singenden Kindern sein;

Und lasst dieses neue Lied der Klang von lauschenden Eltern sein.

Lasst uns gemeinsam eine Symphonie der Herzen schaffen, die das Wunder unserer Kinder bestaunt und sich im Glanz der Schönheit der Liebe sonnt.

Lasst uns die Welt heilen und ihren Schmerz vereiteln. Mögen wir alle gemeinsam wunderbare Musik machen.

Gott segne Sie und ich liebe euch.

Schreien, um gehört zu werden, Buch II

Auszug aus: Armond White – Keep On Moving, The Michael Jackson Chronicles.

Schreien, um gehört zu werden, Buch II

(For reading the original version Screaming To Be Heard, Book II” please scroll down to the end of page!)

Erster Teil: Schreien, um gehört zu werden – Buch I

Michael Jackson schreit, damit wir über die Geschichte der Popmusik nachdenken und Verleumdungen erforschen: Es gab keine Rufe nach Entschuldigung oder böse Vorwürfe, als Yoko Ono und John Lennon 1971 Woman The Nigger Of The World (Die Frau, der Nigger der Welt) herausbrachten. Schwarze hielten es für ein weiteres Zeichen weißer Gefühllosigkeit (ganz gleich von welchen Prinzipien geleitet), wohingegen Musikjournalisten es für einen drastischen, jedoch moralischen Schlag gegen Unterdrückung ansahen. Den offensichtlich strategischen Gebrauch des N-Wortes ließen sie einfach auf sich beruhen. Selbst als Patti Smith 1978 das gewagt einprägsame Rock N Roll Nigger produzierte, (1994 von Erasure remixed und wiederbelebt – PJ Harveys Produzent Flood produzierte Trent Reznors Soundtrack zu Oliver Stones Natural Born Killers), missverstand niemand Smiths gute Absichten. Smith bediente sich dabei der Freiheit des Ausdrucks, die weiße Künstler für sich einfach hinnehmen. Doch ein paar Jahre später machten schwarze Rapper die gleiche Freiheit für sich geltend und auf sie prasselte die Peitsche herab.
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Die ganze Debatte über Songs, die eine kontroverse Sprache gebrauchen, spiegelt lediglich die Absurdität unserer Zeit wider: Es erzielt weder die beste noch die provokanteste Wirkung, manche sehr direkt ausgesprochenen Gedanken sind entsetzlich beleidigend (wie
Some Girls – einige Mädchen – von den Rolling Stones oder Randy Newmans Short People – kleine Leute). Doch wenn gegen diese Redefreiheit, die die Freiheit zu beleidigen einschließt, willkürlich mit Sinn negierender Vehemenz Einspruch erhoben wird, bringt das die Balance der Zivilisation durcheinander.

All diese üblen Michael Jackson Attacken beweisen eine weitaus größere, erschreckendere politische Unterdrückung. Die Popkolumnen des San Francisco Examiner und der New York Times rügen beide Michael Jackson und warnen vor ungehörigen, zerstörerischen Mächten im ganzen Land. Sie befürchten Provokation in seiner Musik, doch wer will denn fade, farblose Popmusik? Jackson verleiht harten Erfahrungen und beunruhigenden Kenntnissen Ausdruck, in seiner gekränkten Stimme findet jede verzweifelte und drängende Sehnsucht ihren Platz. Indem sie jeglichen Ausdruck amerikanischer Unzufriedenheit als Trotzanfall lächerlich machen, unterstützen diese Schreiber die Werteverschiebung, die alle Ebenen – besonders die komfortable Spitze – des amerikanischen Lebens verdirbt. HIStory ist deshalb außergewöhnlich, weil eine Nummer Eins wie Jackson es wagt, auf so wunderbare Weise soziale Unruhen deutlich anzusprechen. In Songs von They Don’t Care About Us bis Scream macht Jackson das Unbehagen des amerikanischen Lebens, die gesamte ernstzunehmende Frage nach der verlorenen Menschlichkeit unserer Nation, zur Angelegenheit des Mainstream Bewusstseins. Journalisten mögen dies als Undank oder Getöse der Unterschicht abtun, doch ruft euch ins Gedächtnis: das ist der Ort, an dem Menschen leben! Heutzutage ist es der Ort, an dem, spirituell gesehen, die meisten von uns leben. Es ist geistlos von Kritikern, zu lamentieren, HIStory sei von persönlicher Wut motiviert – natürlich ist es das! Doch es ist wichtig zu sagen, dass Jackson diesen Groll ausweitet, dass er die Wut verrückter Spinner mit dem Zustand nationaler, universeller Rechtsverletzung in Beziehung setzt. Charakteristisch für die Ära der Hilflosigkeit besitzt Screams Unverfrorenheit auch eine unendliche Wahrheit über die Erfahrungen schwarzer Amerikaner und deren notwendigen „Fuck you“ Reflex. They Don’t Care About Us versteht die Verdrießlichkeit der heutigen Zeit. Beide Songs sind aggressive Verkaufsstrategie Versionen des Blues.

Welcher andere schwarze Künstler hat das politisch ökonomische System so erfolgreich manipuliert wie Michael Jackson? Gott weiß, er hat für dieses Privileg bezahlt! Während der Glaube an den Kapitalismus seine Psyche und sein Selbstverständnis quälte, verlieh er ihm doch enormen Einfluss. Durchschnittliche Performer mögen vom Tumult um „Antisemitismus“ zunichte gemacht worden sein, Jackson jedoch spielt das Spiel superb, er beugt sich dem Druck im richtigen Moment – als es zur ersten Pressung der HIStory Sammlerstücke kommt – erschafft einen neuen Markt für überarbeitete Versionen, UND er bewahrt sich die Integrität seiner guten Absichten.

Sein offizielles Statement vom 22. Juni ist interessant:

Das einzige Ziel, das ich mit dem Song They Don’t Care About Us verfolgte, war, Sprache zu gebrauchen, um die Widerwärtigkeit von Rassismus, Antisemitismus und Klischees zu demonstrieren. Ich hatte gehofft, meine Texte würden auf die Bigotten abzielen, nicht auf die Opfer der Bigotterie. Aufgrund der unvorhersehbaren Reaktionen von vielen Menschen auf der ganzen Welt auf einige meiner Worte, habe ich mich dazu entschlossen, den Song neu aufzunehmen und die Worte, die als feindselig empfunden wurden, zu streichen. Indem ich dies tue, erkenne ich an, dass ich einige Menschen angegriffen habe, was niemals meine Absicht war und was mir unendlich leid tut. In den letzten paar Tagen habe ich begriffen, dass diese Worte als antisemitisch betrachtet werden. Wenn ich auch den Schmerz, den ich verursacht haben mag, nicht auslöschen kann, so übernehme ich doch die volle Verantwortung für mein Handeln. Ich begreife jetzt, dass alle Worte Macht besitzen, vor allem, wenn sie dazu genutzt werden, ein Statement abzugeben. Ich hoffe inständig, dass jeder, der sich durch meine Worte angegriffen gefühlt hat, mir verzeiht, dies nicht schon früher erkannt zu haben.

Michaels Nachgiebigkeit (den Song ohne lästige Worte wieder aufzunehmen) ist eine Beruhigung der unterdrückenden Mächte, sie ist keine Kommunikation zwischen gleichwertig Leidenden. Mit dem Gebrauch der Worte „betrachtet werden“, verdeutlicht er die engstirnige Voreingenommenheit seiner Kritiker. Ihre heuchlerischen Reaktionen helfen Jackson, seinen Standpunkt zu beweisen. Diejenigen, die darauf bestehen, Popmusik zu kontrollieren, entlarven sich selbst als Gegner künstlerischer Ausdruckskraft. Dieses Wiederaufnehmen des Songs besitzt eine andere Klasse wie die schwache Ausverkaufskapitulation von Ice T nach der Cop Killer Katastrophe. Sich beugend wie die siegreiche Weide aus dem Sprichwort, erhebt Michael sich mit intakter Stimme wieder. Er kann nicht verlieren. Er ist schlau wie ein Fuchs.

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Jacksons Unbezähmbarkeit verdient den Lohn der Tugend. Nimmt er auch ausgedachte Zeilen wie „verklag mich… schlag mich“ auf, so stecken doch immer noch anspruchsvolle Vorzüge in der nicht zu vergessenen Originalversion von They Don’t Care About Us: „Jew me“ ist umgangssprachlich, „kike me” (ebenfalls ein jüdisches Schimpfwort) ist nahezu neologistisch (Anmerkung: Neologismus = Neuwortschöpfung) (wenn auch nicht ganz neu für diejenigen, die mit Gesprächen unter Juden im Show Business vertraut sind. Neu ist es einzig für die öffentliche Nomenklatur). Jacksons Text stellte den Gebrauch von Klischee dem Gebrauch von Syntax gegenüber, indem er den boshaften Ursprung von Hasssprache wiederholte und bloßstellte.

Als er das schwarze und weiße (einschließlich jüdische) Publikum ansprach, ließ er den Stachel des Vorurteils genau im richtigen, notwendigen Moment des Zurückfallens in den Rassismus zustechen (Die Avantgardisten Ono und Smith würden seinem Coup wahrscheinlich zustimmen.)

Was ist mit seinem „Adel verpflichtet“? Es wird abgemildert durch sein schwarz-jüdisches Insiderwissen. In dem Versuch, diese Betrachtungsweisen, in denen beide unterdrückte Gruppen sich in gleichem Maße misstrauen und sich aufeinander beziehen, zu schlichten, hat sich Jackson selbst leicht für Missverständnisse geöffnet, wie etwa das Leugnen der verzwickten Wahrheit. Während nun die Beispiele für den fragwürdigen Gebrauch von Worten immer grausamer werden, dürften wir wohl den Tag bereuen, an dem wir es versäumten, Jacksons unbequeme Freimütigkeit über die Entstehung von bösartigem Gerede zu beherzigen.

Kritiker und historische Verbände verderben Jacksons augenscheinliche Güte, indem sie sie mit reinem Neid besetzen. Ihre selbstsüchtigen Urteile sollte man dem Vergessen anheimstellen, doch das käme höchstwahrscheinlich dem Vergessen sozialer Ungerechtigkeit gleich – eine amerikanische Schwäche, die natürlich in unserer eigenen Sprache, unserem Slang und unserem Fluch verankert ist.

Beschimpfungen entstehen aus sozialer Unterdrückung. Das erklärt zum Teil, warum Weiße Empörung empfinden, wenn sie Rapper das Wort „Nigger“ sagen hören. (Keiner der Medienwachhunde beschwerte sich jedoch, als er hörte, wie Biggie Small Michael auf This Time Around einen „Nigga“ nannte.) Doch wenn diese Worte auf Juden angewandt aggressiv sind, dann sind sie es auch für jeden anderen; wenn diese Worte in der Kunst jedem erlaubt sind, dann müssen sie auch sonst jedem erlaubt sein. They Don’t Care About Us bringt die Komplexität kultureller Disharmonie zum Vorschein; Jacksons Song ist unter seiner Würde: die Kritik daran genauso offensichtlich wie das schlechte Gewissen. Unrealistischer als Jackson versuchte Patti Smith in naiver Art die Auswirkungen der Verunglimpfung abzumildern, indem sie deren Gebrauch unterwanderte. Smith scheiterte schließlich, doch wer sollte auch mehr über die Qualen missbilligender Sprache wissen als ein gepeinigter, schwarz-amerikanischer Sänger?

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Einige weiße Kritiker verstehen ganz einfach nicht (oder es kümmert sie einfach nicht), woher der Song They Don’t Care About Us kommt. Man könnte ihn einfach als Song über die jetzige Regierung interpretieren, doch tatsächlich geht er tiefer und weiter zurück. Sein Titel, ein Stück schwarzamerikanischer Weisheit über die Weißen, besitzt eine menschliche Tiefe, die man in Michaels Stimme und in seiner Produktion hören kann: Der Song beginnt mit einem Schulhofsingsang und geht dann über in einen ernstzunehmenden Disput. (Michael hat sich Rap angehört und begriff das stärkste und mutigste Element des Rap: die Aggressivität, seine Unterdrückung und seine Wut laut auszusprechen. Dies ist Teil des Bürger(Künstler-)rechts und muss respektiert und geschützt werden.) In They Don’t Care About Usbesingt Jackson auch eine soziale Überzeugung, die verloren ging:

Wenn Roosevelt noch lebte
Würde er das nicht zulassen
Wenn Martin Luther noch lebte
Würde er das nicht zulassen

Mit der Bezugnahme auf Franklin D. Roosevelt und Martin Luther King, Figuren der populistischen Mythologie, dafür ausgezeichnet, sozialen Wohlstand zu verkünden, ruft Jackson nach zeitgemäßer Erneuerung des sozialen Humanismus. Diese Bemerkung bezieht sich direkt auf Jacksons wortspielerische Darstellung der heutigen amerikanischen Feindseligkeit. Sein Pophumanismus erinnert an Onos und Smith weniger geerdete Zielvorstellung. In Rock N Roll Nigger rappt Smith:

Die, die gelitten haben
Verstehen Leid
Und weiten dadurch ihre Hände
Der Sturm, der Unheil bringt
Macht auch fruchtbar

Doch Smith´ poetischer Optimismus wurde fehlgeleitet. Das Beleidigungsempfinden mancher Juden (die Union, die die Bewegungen von FDR und MLR einst beispielhaft nannten), hindert sie daran, ihre Hände zu weiten. Statt sich mit Jacksons erweitertem Gespür für Schmerz zu verbinden (indem sie den hörbaren Tritt von „kike“ alle verbalen Angriffe lautmalerisch darstellen lassen), zieht die Moralpolizei einen Trennungsstrich zwischen sie. Nicht über die einfühlsame Triebfeder des Songs zu sprechen, nämlich Michaels ausgebreitete Arme, stellt jüdisches Leid über das Leid aller anderen.

Ich denke, wir alle wissen, dass diese „antisemitische“ Masche gegen den Song nicht wirklich ein Ruf nach Anstand ist, sondern lediglich ein neues Spiel einläutet. Missionierende Journalisten stehen nicht bloß auf Seiten der Macht, schließlich erreichte Jackson auch Macht, nein, sie stehen auf Seiten der Weißen. Antisemitismus Vorwürfe helfen dabei, Juden gegen Schwarze aufzubringen, während sie die Fantasie jüdischer Erfolgsmenschen, angenommen zu werden (die Fantasie des „weiß seins“), beflügeln. Durch die Dämonisierung Jacksons (und aller Schwarzen) als Gegner werden sie von ihrem verständlichen Gefühl der Angst abgelenkt.

Dies geschieht mit Hilfe einer subtil wahrnehmbaren Verschiebung von Michaels Besonderheit und ihres verursachenden Missbehagens. Jacksons Einzigartigkeit spiegelt Amerikas Werte, doch Kritiker weigern sich, eine wichtige Zeile wie „sag mir, was aus meinem Leben geworden ist“ aus They Don’t Care About Us zu interpretieren. Es sagt viel über das Gefühl der Entfremdung und des Entsetzens aus, das dann entsteht, wenn man sich ein Leben nach amerikanischen Erfolgsstandards aufbaut – ob nun als millionenschwerer Performer, als Arbeitsloser oder als seichter Journalist.

They Don’t Care About Us zeigt die Wachsamkeit eines unterdrückten Menschen. Der Antisemitismus Vorwurf jedoch ermutigt die Menschen dazu, mit dem Denken aufzuhören, statt Rassismus und Kapitalismus herauszufordern – versetze einfach in Panik und zeige mit dem Finger auf andere. Doch in gewisser Weise dient dieses frömmlerische Moralisieren einem bestimmten Zweck: Es offenbart die Abneigung der Journalisten, die keinen Platz für Kritik haben, gegen Jacksons mutige, entsetzliche Wahrheit über das amerikanische Leben. Nelson Georges (afroamerikanischer Autor und Kunstkritiker) aufgebauschtes J’accuse (Ich klage an) zeigte eine feige Vorliebe für elitäre Geringschätzung (Sich ihrer Untertanentreue im System sicher, bellen diese Kritiker natürlich, wenn Michael die Hand beißt, die sie füttert). Sie versuchen, sich vor der Hölle, die Jackson anscheinend ertragen muss, selbst zu schützen, also verbünden sie sich in Establishment Attacken gegen Popmusik.

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Die Prügel jedoch, die Michael für HIStory einstecken musste, war beispiellos. Medienklagen, wie etwa die des San Francisco Examiner, der HIStory mit kleinkarierten Tiraden von Rappern gleichsetzt, kommen daher und lassen mittelständische weiße Arbeitnehmer sagen: „Halt die Klappe und unterhalte uns!“ Sie mögen schwarze Performer eher fügsam und albern. Doch Jacksons Pipeline zu seiner Wut, der viele seit Dangerous Widerstand leisteten, ist ein Teil dessen, was ihn menschlich, ihn einen von uns sein lässt. Auf dem Album HIStory blickt (fühlt) er hinter die Hinterhältigkeit des Systems. Seine Wut brennt durch sie hindurch.

„Anger is an energy (Wut ist Energie)“, sang John Lydon, doch Popkritikern zufolge ist die nur Weißen erlaubt. Der San Francisco Examiner und die New York Times verfluchen Michael dafür, dass er wütend und nicht mehr der harmlose Eunuch der guten Zeiten ist. Dieses Image war ein Image der Kontrolle (das Image des unterworfenen, ausdruckslos gehaltenen, „romantischen“ schwarzen Performers). Scream beweist, dass er das niemals gänzlich war.

Ich habe die Verleumdungen von Journalisten wie Henry Louis Gates, Nelson George, Jon Pareles und anderen zum Teil dieser Story gemacht, da es unvermeidlich dafür ist, zu verstehen, wie Jacksons Bestreben, seine Gefühle zu äußern, die Bedeutung eines jeden Menschen zum Ausdruck bringt, der die Verwicklungen von Rasse, Medien und Moral in einer Zeit massiver Ungerechtigkeiten, in einem Land nicht enden wollender rassistischer Unterdrückung, die die Ausbeutung durch Medien beinhaltet, begreift. Es existieren feindselige, unterdrückerische Mächte, die schwarze Ausdrucksformen unterwerfen wollen und schwarze Schreiber, die da mitziehen, bringen unsere Fähigkeit zu fühlen, zu denken und zu sprechen in Gefahr. Der Neid von Journalisten lässt außer Acht, wie sehr Worte nicht nur verletzen, sondern auch eine robuste, gewissenhafte Wertschätzung und Zuspruch erfahren können. Ein leichtfertiger Schimpfname, wie eine leichtsinnige Anschuldigung, erniedrigt jeden. Jackson verleiht als Sänger und Songschreiber jedem Wort Gewicht. Er erteilt seinen Zuhörern und den Journalisten die Lehre, dass die Äußerung eines jeden Menschen bedeutsam sein und uns alle stärken muss.
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Jackson verweigert sich der Rolle des konventionellen schwarzen Performers als Pop-Amor für das soziale Bewusstsein der Hip-Hop Ära. HIStory ist eine Wehklage, aber Jackson stattet seine Themen mit reichhaltigen Melodien aus – seine Haupttitel sind angefüllt mit Crescendo (aufstrebender Gerechtigkeit). Scream , die passendste Popphrase seit Can’t Truss It (Kann dem nicht trauen), deckt einfach jedes Ressentiment ab. Es ist nicht so verdrießlich wie Leave Me Alone und stampft ausdrücklicher als Why You Wanna Trip On Me. Scream ist Jacksons stärkende Reaktion auf moralisches Chaos. Wenn er und Janet singen…

Hört auf, Druck auf mich auszuüben
Hört einfach auf damit
Hört auf, mich zu verarschen

… ist ihr Ärger nicht einfach cholerisch, er baut sich zu einer perfekt artikulierten Katharsis auf. Und wenn Jacksons einfältige Angreifer verstummt sein werden, wird die Schönheit und Komplexität von HIStory– diesem mutigen Werk der derzeit interessantesten Figur der Popmusik – fortbestehen.

Armond White – The City Sun

5. – 11. Juli 1995

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Original Version:

Screaming To Be Heard, Book II

Michael Jackson screams so we’ll consider the history of pop songs exploring obloquy: There were no calls for apology- or charges of evil- when Yoko Ono and John Lennon put out “Woman The Nigger Oh The World” in 1971. Black folks thought it another sign of white insensitivity (no matter how principled), while music journalists considered it an extreme but moral strike against oppression. They let the obviously strategic use of the n-word rest.

Even when Patti Smith made the recklessly catchy “Rock N Roll Nigger” in 1978 (remixed and revived last year by Erasure-PJ Harvey producer Flood for Trent Reznor’s soundtrack to Oliver Stone’s Natural Born Killers), no one mistook Smith’s good intention. Smith availed herself of an expressive freedom that white artists accept as a given. But a few years afterward, Black rap artists claimed that same freedom, and then the whip came down.

The whole issue of records using contentious language merely reflects these screwy times: It’s not the best effect, nor is it the most insulting- some plainly stated wack sentiments are terribly offensive (The Rolling Stone’s “Some Girls”, Randy Newman’s “Short People”). But when the freedom to speak- which includes the freedom to offend- is opposed arbitrarily, with sense-negating vehemence, it upsets the balance of civilization.

All these resent Michael Jackson-attacks prove a greater, scarier political repression. The San Fransisco Examiner and New York Times pop columnists both blame Jackson, warning of unruly, destructive forces at large in the country. They fear challenge in his music, but who wants bland, colorless pop? Jackson expresses hard experience and uneasy knowledge; in his aggrieved voice, there’s a place for everyone’s’ desperate, urgent yearning. Ridiculing any American dissatisfaction as tantrum, these writers help the derangement of values that has corrupted all levels of American living, particularly at the comfortably-employed top. HIStory is special because a kingpin like Jackson dares to enunciate social distemper so marvelously. From “They Don’t Care About Us” to “Scream”, Jackson makes the discomfort of American living, the whole serious question of our nation’s lost humanism, a matter of mainstream consciousness. Journalists may dismiss this as ingratitude or rage from the underclass, but remember, that’s where people live. These days it’s where most of us live, spiritually.

It’s insipid for reviewers to complain that HIStory’s anger is personally motivated- of course it is. But it matters that Jackson broadens it, relates it past crackpot fury to the condition of national, universal injury. Characteristic of the era’s helplessness, “Scream’s” insolence is also uncannily true to painful Black American experience and its necessary “fuck-you” reflex. “They Don’t Care About Us” gets inside modern fractiousness. Both songs are hard-sell versions of the blues.

~

What other black performer has manipulated the political- economic system as successfully as Michael Jackson? God knows he’s paid for the privilege. Even as his faith in capitalism has afflicted his psyche and self-image, it’s also given him enormous leverage. Ordinary performers might have been sunk by the “Anti-Semitism” uproar; Jackson plays the game superb; bowing to pressure at the perfect moment (when it makes the first pressing of HIStory collector’s items and creates a new market for the revised version): plus he maintains the integrity of his good intentions.

His official June 22 statement is interesting:

My sole intention with the song “They Don’t Care About Us” was to use language to demonstrate the ugliness of racism, anti-Semitism and stereotyping. I had hoped that my lyrics would target the bigots, not the victims of bigotry.

Because of the unforeseen reaction to specific words in my song by many people around the world, I have chosen to re-record it, deleting the words found offensive. In doing so, I acknowledge that I seriously offended some people which was never my intention and for that I am deeply sorry. I have come to understand over the past days that these words are considered anti-Semitic.

Although I cannot erase any hurt I may have caused, I fully accept responsibility for my action. I now realize that all words have power especially when they are chosen to make a statement. I sincerely hope that anyone offended by my words will forgive me for not recognizing this sooner.

Michael’s appeasement (re-recording the song without troublesome words) is a detente with the forces of oppression- not a communication between equal suffers. By saying “considered”, he makes clear his critic’s narrow bias. But despite it all, their hypocritical responses help Jackson prove his point. Those who insist on policing pop reveal themselves to be enemies of artistic expression. This re-recording is a different case from Ice-T’s weak, sell-out capitulation after the “Cop Killer” catastrophe. Bending like the proverbial, prevailing willow, Michael rises again, his voice intact. There’s no way he can lose. He’s freaky like a fox.

Jackson’s indomitability suggests the reward of virtue. So he’s recording make up lines “Sue me… Strike me”, there’s is still exacting virtue not to be forgotten in the original “They Don’t Care About Us”: “Jew me” is colloquial; “kike me” is almost neologistic. (Though perhaps not new to anyone privy to conversations among Jews in show business. It’s new only to “Official” nomenclature.) Jackson’s lyric juxtaposed stereotype with syntactical practice, replicating- exposing- the vicious origin of hate speech.

As he is addressing both Black and white (including Jewish) audiences, he bravely has made prejudice sting at the precise, necessary moment of rollback racism. (Avant-gardists Ono and Smith would probably acknowledge his coup.)

What about his noblesse oblige? It’s mitigated by his Black- and Jewish-insider knowledge. Trying to mediate these views, where both oppressed groups equally suspect and relate to each other, Jackson opened himself up to easy misunderstanding, i.e., denial of the complicated truth. As instances of questionable language become more ferocious, we may rue the day we failed to heed Jackson’s discomforting candor about how bad talk originates.

Critics and historical organizations adulterate Jackson’s apparent beneficence by casting it as simple meanness. Their self-serving judgements should be disremembered, but that’s probably no more likely than the obsolescence of social injustice- an American flaw that is, of course, imbedded in our proper language, our slang and our malediction.

Name-calling comes out of social obsession. That partly explains why whites get a scandalized thrill out of hearing rappers say “nigger”. (No media watchdogs complained about Biggie Smalls calling Michael “nigga” on “This Time Around”.) But if such words are offensive when about when about Jews, then they are offensive about everyone else; if such words are permitted in art for anyone, then they must be permitted for everyone. “They Don’t Care About Us” reveals the complexity of cultural disharmony; Jackson’s song is infra dig: its critique as apparent as its remorse. More fanciful than Jackson, Patti Smith naively sought to weaken the effect of denigration by subverting its use. Smith ultimately failed, but who should know more about the pain of deprecating language than a tormented Black American singer?

Plainly, some white critics don’t understand (or care) where the song “They Don’t Care About Us” comes from. It could be construed these days as simply about the government, but it’s actually deeper and older than that. Its title, a bit of Black American wisdom about white folks, has a folk-profundity that can be heard in Michael’s voice and in his production: starting with a schoolyard chant and moving on to serious disputation. (Michael’s been listening to rap and has caught on to its strongest, bravest element- the aggression to speak up and name his oppression and his anger.) It’s part of a citizen’s (artist’s) rights and is to be respected/protected. In “They Don’t Care About Us”, Jackson also sings back to a social belief that has been lost:

If Roosevelt was livin’

He wouldn’t let this be

If Martin Luther was livin’

He wouldn’t let this be

By reffering to FDR and MLK, figures in populist mythology prized for proclaiming social welfare, Jackson calls for the modern renewal of social humanism. This notion directly relates to Jackson’s name-game depiction of modern American hostility. His pop-humanism recalls Ono’s and Smith’s less grounded objective. In “Rock N Roll Nigger” Smith rapped,

Those who have suffered

Understand suffering

And thereby extend their hand

The storm that brings harm

Also makes fertile

But Smith’s poetic optimism was misguided. Some Jews’ sense of offense stops their extended hand (the union FDR’s and MLK’s movements once exemplified). Instead of connecting with Jackson’s enlarged sense of hurt (letting the aural kick of “kike” onamotopeize all verbal assault), the moral police draw a line. It elects Jewish suffering over any other by not commending on the song’s empathic drive, Michael’s extended hand.

I think we all know this “anti-Semitic” ploy against the song isn’t really a call for decency but puts another game into effect. Crusading journalists aren’t merely on the side of power- after all, Jackson’s got power- they’re on the side of white. “Anti-Semitism” accusations help put Jews against Blacks while bolstering the Jewish achiever’s fantasy of acceptance (of “whiteness”). Their understandable sense of fear is distracted by demonizing Jackson (and all Blacks) as a straw enemy.

This happens through a subtle perceptual shift toward Michael’s peculiarity and its discontents. Jackson’s singularity reflects American values, but critics refuse to interpret a crucial line like “Tell me what has become of my life” from “They Don’t Care About Us”. It says much about the sense of alienation and terror that comes from building a life according to American success standards- whether one is a millionaire performer, an unemployed citizen or a lowly journalist.

They Don’t Care About Us” offers an oppressed person’s wariness, but the “anti-Semitism” charge, instead of challenging racism and capitalism, encourages the public to stop thinking, just panic and finger point. But in a way this pious moralizing serves a purpose: Having no place in criticism, it reveals journalists’ distaste for Jackson’s brave, awful truth about American life. Nelson George’s jacked-off “J’accuse” showed a cowardly preference for easy, elitist disdain. (Secure in their allegiance to the system, these critics bark when Michael bites the hand that feeds them.) They’re trying to protect themselves from the hell it seems Jackson suffers and so join Establishment attacks on pop.

Yet, the Michael bashing for HIStory has been unprecedented. Media complaints, like The San Fransisco Examiner’s equating HIStory with the petty rants of rappers, come down to white, middle-class spokespeople saying: “Shut up and entertain us”. They prefer Black performers docile and frivolous. But Jackson’s pipeline to his anger- which many have resisted since Dangerous is part of what keeps him human, one of us. In HIStory, he sees (feels) through the system’s deviousness. His anger burns through it.

Anger is an energy”, John Lydon sang, but according to pop critics, it’s only allowed to whites. The San Fransisco Examiner, like The New York Times, curse Michael for being angry and no longer the innocuous, good-time eunuch. That image was one of control (the Black performer subdued, kept vacuous, i.e., “romantic”). “Scream” proves he hasn’t been had completely.

~

I have made the obloquy of journalists like Henry Louis Gates, Nelson George, Jon Pareles and others part of this story because it is necessary to understand how Jackson’s effort to speak his feelings signifies the importance of everyone understanding the complications of race, media and ethics in a time of massive injustice, in a country of non-stop racist oppression that includes media distortion. There are hostile, repressive forces that mean to subdue Black expression, and Black writers who go along with this endanger all our ability to feel, think and speak. Journalist’s greed neglects how words not only hurt but also demand a tough, careful appreciation and reception. A careless epithet, like a careless accusation, demeans everyone. Jackson- as singer and songwriter- makes every word count. He teaches a lesson to listeners and journalists that every human utterance must be meaningful and must empower us all.

Jackson refuses the Black performer’s conventional role as a pop cupid for the hiphop-era function of social conscience. HIStory is a lament but Jackson keeps his themes richly melodic- his key songs are full of crescendos (righteousness rising). “Scream”- the most apt pop catch phrase since “Can’t Truss It”- covers just about every resentment. It isn’t petulant like “Leave Me Alone” and stomps more assertively than “Why You Wanna Trip on Me?” “Scream” is Jackson’s restorative response to moral chaos. When he and Janet sing:

Stop pressurin’ me

Just stop pressurin’ me

Stop fuckin’ with me

their Anger isn’t just choleric; it builds to perfectly articulated catharsis. And when Jackson’s stupid attackers subside, the beauty and complexity of HIStory – a bold work by today’s most interesting pop figure- will survive.

The City Sun

July 5-11, 1995

Thanks to Karin H. for the original Text ❤

Diane Collins Interview mit Michael, 1983

REPOST:

>> „I don’t think in terms of color or race. I don’t say when I write a song, „this is for the blacks and this one’s for the whites“. I just write and it comes out, and I’m influenced by what I hear. And it just comes out that way, I guess since I was small up to now. It’s a total sum musically of what I’ve been raised on. And I don’t think in terms of color becaise I don’t believe in that. I really don’t.

…ich denke nicht in Kategorien wie „Hautfarbe“ oder „Rasse“. Wenn ich einen Song schreibe, denke ich nicht „der Song ist für die Weißen und jener ist für die Schwarzen“. Ich schreibe einfach und es kommt einfach heraus, ich bin von allem beeinflusst, was ich höre. Und es kommt einfach so heraus, ich denke, das war schon immer so, seitdem ich ein Kind war. Es ist die musikalische Summe von allem, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich denke nicht in in Kategorien, wie „Hautfarbe“, weil ich nicht an so etwas glaube, wirklich nicht.“ <<

Übersetzung eines wunderbaren Interviews, das Diane Collins 1983 mit Michael führte. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, dieses Interview im Video anzuhören, es lohnt sich!

 

Diane: Michael, ich habe gehört, dass du Tiere magst. Stimmt das?

Michael: Ja, das stimmt. Wenn wir auf Tour waren, in unterschiedlichen Ländern und Staaten, bin ich immer überall auf der Welt in die Zoos gegangen um all die Tiere zu sehen. Ich kann mit ihnen fühlen und liebe sie mehr, als ich sagen kann.

Diane: Wie Menschen?

Michael: Yeah.

Diane: Stimmt es auch, dass es auf deinem Grundstück einen kleinen Michael Jackson Zoo gibt?

Michael: Also Zoo würde ich es nicht nennen, aber ich habe einige Tiere. Ich bin noch dabei, mehr Tiere anzuschaffen.

Diane: Was für Tiere?

Michael: Die ich schon habe?

Diane: Mhmhh

Louie Llama

Michael: Also, ich habe ein Lama, ein wunderbares Tier. Er ist größer als ich und stammt aus Peru, Südamerika, und er war im Zirkus. Sein Name ist Louie. Er ist wirklich süß und mag Menschen und zeigt Tricks. Und ich habe ein Mufflon Schaf. Er sieht aus wie ein Widder. Die meisten Leute denken, er ist ein Widder, aber das ist er nicht. Er war auch im Zirkus, sie sind zusammen aufgewachsen. Sein Name ist Mr. Tibbs. Ich habe auch eine etwa 6 Fuß lange Boa Constrictor. Er heisst Muscles und ich nehme ihn mit ins Studio. Diana Ross ist gerade hier und wir ziehen seine Haut ab, weil er sich etwa 2 – 3 Mal im Monat häutet. Sie hatte etwas Angst vor ihm, aber jetzt ist sie ganz entspannt.

Diane: Sie fasst ihn an?

Michael: Oh ja! Und ich habe zwei Rehe. Sie heissen Prince und Princess. Sie sind sehr süß, ich habe sie mit der Flasche aufgezogen. Sie sind wirklich süß. Und ich habe auch alle möglichen Vögel und anderes.

Diane: Hast du einen Liebling?

Michael: Tier?

Diane: Mhmhh.

Michael: Ich denke, Louie und Prince und Princess.

Prince Princess

Diane: Du wirst als der weltbeste Künstler angesehen. Was ist dein Geheimnis, Michael?

Michael: Einfach das zu lieben, was ich mache, es mit ganzem Herzen zu tun und ehrlich zu sein. Ich kann es nicht wirklich auf eine Formel bringen oder sowas. Es ist einfach… einfach Großartiges schaffen zu wollen und es auch zu tun.

Diane: Und ich nehme an, das zu lieben, was man tut, hat auch viel damit zu tun…

Michael: Yeah, einfühlsam und liebevoll zu sein, und sein Herz in seine Arbeit zu legen.

Diane: Ist Aufrichtigkeit etwas sehr bedeutendes für dich?

Michael: Oh ja, sehr bedeutend. Es gibt nichts besseres, als einen Song zu schreiben, bei dem du dich wirklich gut fühlst, wie „Billie Jean“ oder „Beat It“ und „Startin’ Somethin’“, solche Sachen. Und du fühlst dich sehr belohnt, wenn du es vollendet hast, weil du hart daran gearbeitet hast.

Diane: Ok, ich dachte du sprichst von der Ehrlichkeit im täglichen Leben, aber du meintest in musikalischer Hinsicht, dir treu zu bleiben und das auf ein Album zu übertragen.

Michael: Ja.

Diane: Dein Publikum erwartet auf jedem Album, das du herausbringst, neue und aufregende Dinge von dir. Wird es leichter oder schwerer, die hohen Standards zu erfüllen?

Michael: Es wird schwerer, denn ganz gleich was du tust, du konkurrierst mit deinem vorherigen Produkt und jeder erwartet mehr. Es ist wie beim Film. Du siehst dir „Star Wars“ an und dann „Empire Strikes Back“, und du erwartest mehr. „Jedi“… du erwartest immer mehr und deshalb versuchst du wirklich, dich jedes mal selbst zu übertreffen. Und das ist schwer. Wie auch bei den Bee Gees, mit „Saturday Night Fever“ und dann kamen sie mit „Spirits Having Flown“, und das ist wirklich hart. Aber ich glaube daran, Besseres zu erreichen. Wenn du wächst, solltest du besser werden, weißt du. Es ist wie mit dem Sprichwort: „Je älter, desto besser.“

Diane: Und ist nicht körperlich und persönlich es aufzehrend, deine Alben zu toppen?

Michael: Nein, es ist eine Herausforderung. Es macht Spass. Es ist wie ein großes … ich sollte es nicht „Spiel“ nennen, aber ich habe viel Spass dabei. Es ist… für etwas bezahlt zu werden, was du liebst, ist wirklich eine Freude, denn viele Leute arbeiten und hassen ihren Job, es ist furchtbar. Aber ich werde für etwas bezahlt, was ich liebe. Deshalb macht es viel Spass, ich habe eine tolle Zeit.

Diane: Ok. Du sagtest, dass du dich auf der Bühne wohler fühlst, als irgendwo sonst. Was begeistert dich noch, ausserhalb der Bühne?

Michael: Ich träume von der Bühne (lacht) – spiele mit meinen Tieren und solche Dinge. Ich gehe nicht viel aus. Du wirst mich nicht in einer Disko oder in einem Nachtclub finden. Diese Orte machen Spass, wenn man gerne dorthin geht. Aber wenn ich an solche Orte gehe, wird es zur Arbeit anstatt zum Vergnügen. Sie sagen über die Lautsprecher durch, dass ich da bin und spielen all meine Platten und ich gebe Autogramme und…

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Diane: …und bist wieder auf der Bühne!

Michael: Yeah, es ist kein Vergnügen. Ich habe Verkleidungen und alles mögliche ausprobiert, aber es funktioniert nicht. Aber es ist ok, es macht mir nichts aus.

Diane: Wenn ich mich entspanne, wie ich es nenne, dann lese ich oder ich spiele. Bei dir sind es die Tiere, wie du es sagtest?

Michael: Ja, sicherlich die Tiere, oder mit Kindern zusammen zu sein, was ich sehr liebe. Ich liebe Kinder, die Kleinen, und ich spiele mit ihnen, oder wir schwimmen, all solche Dinge.

Diane: Du bist seit dem Alter von 5 oder 6 Jahren im Musikgeschäft. Was denkst du, wie dein Leben gewesen wäre, wenn du nicht das musikalische Talent hättest?

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Michael: Oh je, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ich habe keine Ahnung, was ich dann machen würde. Weil… das scheint so passend für mich zu sein, ich bin hier, um genau das zu tun… es ist mein Beitrag zum Leben, das zu tun, was ich tue und mein Herz hineinzulegen. Und was immer ich an Gutem tun kann, das tue ich, denn ich liebe die Menschen und ich liebe es, sie glücklich zu machen. Es gibt nichts besseres, als einen Nummer 1 Hit zu haben, nicht für dein Ego, ich hasse Ego. Es ist aus dem Grund, weil die Leute es gekauft haben und es lieben und es geniessen, und das ist gut. Und ich danke all den Leuten die… also ich kann großartige Musik herausbringen, aber es braucht all die Leute im Hintergrund, die Discjockeys, die Programmchefs, all die vielen unabhängigen Leute, die es geschehen lassen, und das weiß ich zu würdigen.

Diane: Würdest du sagen, Michael Jackson steht mit 60 Jahren immer noch auf der Bühne?

Michael: Hmmm… ja, wahrscheinlich werde ich mehr schreiben und Filme machen, Regie führen und solche Dinge. Immer noch aktiv, aber mehr im Hintergrund, anderen Leuten bei ihrer Entwicklung helfen und ihnen zeigen, welche Richtung sie einschlagen können.

Diane: Wie du zuvor gesagt hat, ist dein Privatleben durch den Erfolg im Showgeschäft fast ganz verloren gegangen. Wie gehst du damit um, in die Öffentlichkeit zu gehen? Gehst du gar nicht mehr aus, weil du befürchtest, fotografiert zu werden, oder Autogramme geben zu müssen? Hast du einen Weg gefunden, trotz all dem noch ein Privatleben ausserhalb deines Hauses zu haben?

Michael: Hmm… das beste Privatleben findet zuhause statt, wenn man für sich alleine ist, denn alles, was ich tun möchte, habe ich hier. Hier kann ich tun und lassen was ich will, ganz wie es mir beliebt. Aber wenn man wo anders hin geht, ändert sich das. Ich werde überrannt von Autogrammwünschen… es macht mir nichts aus, Autogramme zu geben, es ist in Ordnung. Weißt du, es gehört zu meinem Job dazu.

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Diane: Denkst du darüber nach, für ein paar Jahre auszusteigen, oder vielleicht für ein Jahr? Einfach die Zeit zu geniessen und nur an dich zu denken, und eine Auszeit von Michael Jackson zu nehmen, ohne Musik aufzunehmen, Filme und Showbusiness – wirst du so etwas einmal tun?

Michael: Ich bin eher der Typ Mensch der schon nach einer Woche Auszeit glaubt, faul zu sein, ich denke dann, dass ich hinterher hänge. Ich bin gerne aktiv. Ich liebe es, kreativ zu sein. Ich habe ständig neue Ideen für neue Songs, ich sehe immer in die Zukunft, suche den Sound von morgen. Ja, weil die Musik sich ständig verändert, jede Minute, und es ist wichtig, nicht zu einem alten Hut zu werden. Das ist ein altmodischer Ausdruck.

Diane: Ja, aber deine Songs werden als Klassiker angesehen. Werden sie irgendwann zum alten Hut?

Michael: Nein, denn für mich werden großartige Melodien niemals alt. Das wichtigste sind großartige Melodien, einige der alten Motown oder Beatles Songs sind einfach phänomenal und werden nie altmodisch werden. Aber der Sound und die Musik verändern sich, das wird alt werden – der Sound der Instrumente. In den Sechzigern gab es z.B. viele elektrische und akustische Gitarren und jetzt ist alles computerisiert, Synthesizer-Sound, der alles übernommen hat, und das ist anders. Aber die Melodien sind nach wie vor da, nur die Musik hat sich verändert.

Diane: Ja, ich verstehe worauf du hinaus willst.

Du hast gesagt, dass du Kinder magst, genauer gesagt, kleine Kinder. Aber wie steht es mit Heiraten und dann vielleicht ein paar Kindern? Ist das noch weit entfernt, Michael?

Michael: Ich hab’ keine Ahnung. Das kann ich nicht beantworten.

Diane: Ok, ich will dich nicht damit belästigen. Hast du irgendwelche TV Specials geplant?

Michael: Hmm… nicht dass ich wüsste. Ich bekomme alle möglichen Angebote, von Specials über eigene Serien, bis hin zu Cameo-Auftritten, oder Zeichentrickserien. Aber am liebsten möchte ich Filme machen, das interessiert mich.

Diane: Welche Art Filme?

Michael: Etwas, was völlig anders ist, und aufregend. Etwas, was nie zuvor gesehen wurde. So, wie Star Wars sich auf die ganze Filmindustrie ausgewirkt hat. Plötzlich gab es da einen völlig anderen Look, eine ganz neue Art, Filme zu machen, Kreaturen, die sich im Weltraum bewegten, anstatt auf der Erde… man schlägt einen völlig anderen Weg ein.

Diane: Ist Star Wars einer deiner Lieblingsfilme?

Michael: Ja, und E.T.

Diane: E.T.?

Michael: Ja.

Diane: Aha. Nachhause telefonieren, E.T. an Michael.

Michael: Ja, Steven Spielberg ist einfach genial.

Diane: es scheint, deine Kreativität scheint sich in allen Bereichen deines Lebens. Musikalisch bist du sehr futuristisch, du siehst in die Zukunft und machst Pläne. Und auch beim Film möchtest du etwas nie zuvor da gewesenes. Und ich habe versucht mir vorzustellen, was für ein Film das sein könnte. Ich weiß es nicht. Könntest du mir eine Vorstellung davon geben, was es sein könnte, das im Film bisher noch nie da war?

Michael: Das würde ich gerne tun. Ich bekomme unzählige Skripte… seit dem ich „The Wiz“ gedreht habe. Seitdem kommen massenhaft Skripte. Beim Film ist es sehr wichtig selektiv zu sein, das zu finden, was für dich das richtige Vehikel ist. Und ich liebe es, das Publikum damit zu überraschen, dass ich in eine völlig andere Richtung gehe, als gedacht. Es gibt da einige Projekte, die mich sehr interessieren, aber ich möchte wirklich nicht sagen, um was es geht, denn ich will in eine völlig andere Richtung gehen und die Leute überraschen.

Diane: Nicht einmal ein winziger Hinweis?

Michael: Es wird etwas… etwas futuristisches… es wird etwas ganz andersartiges sein. Das ist alles, was ich dazu sagen möchte.

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Diane: Ok. Also im Grunde ist „andersartig“ das Schlüsselwort für Michael Jackson?

Michael: Yeah.

Diane: Du hast „The Eagles“ als eine deiner Lieblingsgruppen genannt. Hat ihr Song „Hotel California“ deine Songs „Hartbreak Hotel“ oder „Thriller“ inspiriert?

Michael: Nein. „Heartbreak Hotel“ inspirierte Rod Temperton dazu, „Thriller“ zu schreiben. Er hat mir gesagt, dass er „Heartbreak Hotel“ sehr mag, mit all diesen Sound-Effekten. Er versuchte mit seiner Arbeit einen Schritt weiter zu gehen, etwas zu erschaffen, das Drama, Sound-Effekte und Musik integriert. Und es hat funktioniert. Denn jetzt probieren viele Leute diese ganzen Dinge, wie Pink Floyd oder auch Rod Temperton mit „Thriller“. Viele andere kommen jetzt mit Sound-Effekten auf ihren Platten… unterschiedliche Effekte, das ist gut.

Diane: Dann war es wie ein Prototyp für das, was jetzt passiert?

Michael: Hmm.

Diane: Gibt es schon eine vorläufige Terminplanung für eine Jacksons Tour mit Jermaine und Janet?

Michael: Also… vielleicht irgendwann nach diesem Sommer. Aber wir haben noch keinerlei Termine festgelegt. Wir sind wirklich noch nicht sicher. Und dann… soweit es Janet und Jermaine betrifft haben wir auch noch nicht darüber gesprochen. Wir haben über Jermaine gesprochen, aber wenn wir es tun, wird es eine Überraschung sein, ich kann es nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Manchmal ist er unberechenbar, es kann sein, dass er an einem Tag sagt „ich glaube, ich werde eine Auszeit nehmen“, denn er ändert seine Meinung so schnell. Das letzte was ich hörte war, dass er sagte, er ziehe auf eine Insel, die er kaufen wollte, und jetzt ist er wo ganz anders hingezogen. Und dann ist er auf Boote abgefahren, und dann wieder auf etwas anderes, es ändert sich ständig. Ich kann es also wirklich nicht für ihn beantworten.

Diane: Sind die Gold- und Platin Auszeichnungen und Preise immer noch ein Anreiz und eine Inspiration für Michael Jackson, immer weiter zu machen?

Michael: Sie sind immer aufregend, die Gold- und Platin Auszeichnungen. Man darf es nur nicht zu ernst nehmen und zuviel über das Vergangene nachdenken, denn dann steckt man bei dem Erreichten fest, anstatt weiter großartige Werke herauszubringen. Manchmal hole ich all meine Gold- und Platin Auszeichnungen hervor und sehe sie an und versuche, es nicht zu ernst zu nehmen. Es gibt da noch soviel mehr, das ich tun möchte und dann vergisst du das andere.

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Diane: Ist es schwer, nicht an all das zu denken? Das Rampenlicht, den Superstardom? Dein Name steht sicher auf gleicher Ebene wie Muhammad Ali, wenn nicht sogar höher. Man kennt dich überall. Wie du gesagt hast, du kannst nicht vor die Tür gehen, jeder kennt Michael Jackson. Ist es schwer, sich selbst nicht all zu wichtig zu nehmen?

Michael: Hmm, nein, eigentlich ist es ganz leicht, weil ich viele Dinge einfach ausblende. Ich sehe mich selbst genau so, wie dich, oder die Leute hier im Zimmer. Ich bin menschlich, genau wie du. Ich bin nichts Besseres als du. Vielleicht habe ich ein bestimmtes Talent, mit meiner Kunst, der Musik und dem Tanz und dem Drama und all dem, das ganze Showbusiness, aber von der menschlichen Seite betrachtet, bin ich genau so wie du.

Diane: Ein ganz gewöhnlicher Mensch?

Michael: Ja, und deshalb gibt es keinen Grund für mich zu denken, ich sei besser als du, oder müsste auf Wolken schweben, denn in meinem Bereich gibt es viele Leute, die so sind, und die meisten davon stürzen ab. Wirklich, denn sie fangen an, die Leute, die ihnen geholfen haben, schlecht zu behandeln, und sie vergessen, woher sie kommen, und sie vergessen diejenigen, die ihnen geholfen haben, dahin zu kommen, wo sie sind. Aber das ist wirklich wichtig. Deshalb denke ich an all diejenigen, ich danke jedem von ihnen.

Diane: Du schützt dich also vor dem Absturz indem du einfach menschlich bist wie jeder andere.

Michael: Ja. Ich glaube auch nicht an Scheitern, ich denke noch nicht einmal darüber nach. Ich habe das völlig aus meinem Wortschatz gestrichen, das Wort „Versagen“, denn ich glaube nicht daran.

Diane: War das Teil deiner Erziehung? Zielorientiert zu sein, und nicht an ein Versagen zu glauben, dieses Wort nicht einmal zu benutzen? Ist das etwas, was dein Vater dir beigebracht hat?

Michael: Ja, sie haben mir viel beigebracht, meine Mutter und mein Vater – wie man trainiert und willensstark wird, und andere Dinge, aber es ist einfach etwas, an das ich sehr stark glaube.

Diane: Ok, also wir sagten ja schon, du bist im Alter von 5 oder 6 Jahren ins Showbusiness gekommen. Wünschst du dir manchmal, du könntest noch einmal zurückgehen und deine Kindheit ansehen und sie etwas anders gestalten? Denn im Grunde hast du die Kindheit verpasst, hast du nie gedacht, dass man dich in die Welt der Erwachsenen gestossen hat?

Michael: Natürlich ist es etwas völlig anderes, auf der Bühne und auf Tourneen aufgewachsen zu sein, es ist keine normale Kindheit. Also ist es anders. Ich meine, ich habe es gemocht, es war ja nicht so, dass ich Eltern hatte, die mich mit Gewalt zum Star machen wollten, die mich zu etwas zwangen, was ich nicht wollte. So war es nicht. Wäre es so gewesen, hätte ich es sicher nicht bis heute durchgehalten. Ich wäre schon an einer Überdosis gestorben, oder so. Aber ich geniesse es ja… ich liebe es. Es gibt nichts besseres, als auf der Bühne zu stehen, ich kann es nicht mit Worten beschreiben. Wenn die Lichter dich erfassen, dann spürst du diesen besonderen Spirit und du willst, dass es nie zu Ende geht. Das ist die Wahrheit.

Diane: 24 Stunden auf der Bühne… du würdest 24 Stunden auf der Bühne verbringen, wenn du könntest?

Michael: Mhh, mhh…

Diane: Du bereust also keine einzige davon?

Michael; Nicht eine Minute, nicht eine Minute.

Diane: Es ist vorgesehen, dass du Peter Pan portraitierst. Wann wird dieser Film voraussichtlich veröffentlicht?

Michael: Das ist momentan noch ein Projekt, an dem ich interessiert bin, das noch in der Entwicklung ist. Ich wurde von verschiedenen Leuten gefragt, ob ich diesen Film machen möchte, und bisher habe ich noch nicht wirklich zugesagt. Ich habe das Script bisher noch nicht gelesen. Ich warte also ab.

Dinane: Du hältst mich am Laufenden, ja?

Michael: Ja.

Diane: Ok, ich sehe dich als schwarzes Musikgenie. Aber deine Anziehungskraft geht weit darüber hinaus. Findest du es schwierig, während deiner Performance gleichzeitig ein weißes und ein schwarzes Publikum anzusprechen? Machst du Gedanken über diesen Aspekt?

Michael: Nein, ich denke nicht in Kategorien wie „Hautfarbe“ oder „Rasse“. Wenn ich einen Song schreibe, denke ich nicht „der Song ist für die Weißen und jener ist für die Schwarzen“. Ich schreibe einfach und es kommt einfach heraus, ich bin von allem beeinflusst, was ich höre. Und es kommt einfach so heraus, ich denke, das war schon immer so, seitdem ich ein Kind war. Es ist die musikalische Summe von allem, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich denke nicht in in Kategorien, wie „Hautfarbe“, weil ich nicht an so etwas glaube, wirklich nicht.

Diane: Du sagst also, dass Musik keine Farbe hat.

Michael: Sie hat keine Farbe, sie ist für jeden. Sie ist für die ganze Welt, jeder soll sie genießen.

Diane: Michael, du stehst als Entertainer und Superstar ständig im Rampenlicht, ist es schwer, dabei eine „schwarze“ Perspektive beizubehalten, und ich meine das nicht auf musikalischer Ebene, sondern auf deiner privaten Ebene. Ist es schwer zurück zu blicken und sich seiner Wurzeln bewusst zu sein?

Michael: Nein, das ist niemals schwer. Ich muss einfach nur in den Spiegel sehen. Das ist alles, was ich tun muss, oder meine Hände ansehen.

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Diane: Ok, an der Stelle kannst du nun noch etwas an deine Fans ausrichten. Was möchtest du sagen?

Michael: Also, ich möchte sagen, eigentlich gibt es nur ein Wort, das ich sagen möchte, ich danke euch und ich liebe euch.

Hier ist Michael Jackson, und ihr hört:

Diane: Diane Collins mit Michael Jackson.

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Script english: http://www.mjtranslate.com/pl/interviews/1753

Übersetzung: M.v.d.L.

Warum „Dance with an Elephant“? (Mit einem Elefanten tanzen) & Gedanken zu My Baby

by

Über uns

Original: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/about/

Joie Collins ist ein Gründungsmitglied vom Michael Jackson Fan Club (MJFC). Sie hat ausgiebig für MJFC geschrieben, hat 1999 dabei geholfen, die ursprüngliche Seite zu erstellen und sowohl die News als auch die History Bereiche der Webseite zu betreuen. Im Laufe der Jahre hat sie zahlreiche Interviews im Namen von MJFC gegeben und den Schriftverkehr für den Club geregelt. Sie hatte auch das große Glück, Gast auf Neverland gewesen zu sein. Sie ist ein Michael Jackson Fan seit sie drei Jahre alt ist.

Lisha McDuff ist eine klassisch ausgebildete professionelle Musikerin, die 30 Jahre lang als Flötenspielerin gearbeitet hat und dabei in Orchester und bedeutenden Theaterproduktionen gespielt hat. Ihre Passion für Populärmusik brachte sie dazu, den Orchestergraben vorübergehend zu verlassen und im Juni 2013 erhielt sie einen Master in populärer Musik von der Universität in Liverpool. Sie führt ihr Studium an der McMaster Universität fort, wo sie an einem großen Forschungsprojekt über Michael Jackson arbeitet, mit Susan Fast als ihre Leiterin.

Willa Stillwater ist die Autorin von M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance und Michael Jackson neu lesen, einem Artikel, der einige der zentralen Ideen von M Poetica zusammenfasst. Sie hat einen Doktortitel in englischer Literatur und ihre Doktorarbeit fokussierte sich darauf, wie kulturelle Erzählungen (wie Rassismus) für uns real gemacht werden, in dem sie auf unsere Körper „geschrieben“ werden. Sie sieht dieses Konzept als ein wichtiges Element von Michael Jacksons Werk, das er soziale Konditionierung nannte. Sie ist ein Michael Jackson Fan seit sie neun Jahre alt ist.

Warum “Dance with an Elephant”? (Mit einem Elefanten tanzen)

Original: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2011/08/11/why-dance-with-an-elephant-2/

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Joie: So, “Dancing with the Elephant”. Ziemlich merkwürdiger Titel für einen Blog über Michael Jackson, oder? Okay, nicht wirklich. Nicht, wenn ihr einmal verstanden habt, wo meine Freundin und ich herkommen und wie es zu diesem Blog kam.

Mein Name ist Joie Collins und ich bin eine der Personen, die sich der MJFC (Michael Jackson Fan Club) Website widmen und sie mit aus der Taufe gehoben haben. Unnötig zu sagen, dass ich ein riesiger Michael Fan bin und dies auch schon bin seit ich ein kleines Kind war und die Jackson 5 bei einem Auftritt in Soul Train gesehen habe. Was ich für MJFC tue, mache ich schon eine sehr lange Zeit, und ich liebe es! Es macht mich sehr zufrieden, wenn ich in die New Page der Website schaue und die Business Mails der Seite beantworte. Kürzlich hatte ich das große Vergnügen, Dr. Willa Stillwater kennenzulernen, als ich zustimmte, ihr neues Buch „M Poetica“ zu lesen, um ihr mein ehrliches Urteil aus der Sicht eines Fans zu geben.

Ich bin nicht sicher, was genau sie mich gefragt hat. Wie ihr wisst, nehmen wir MJ Fans unsere Meinung sehr genau! Und wie ihr euch denken könnt, rief meine „ehrliche Reaktion aus dem Bauch heraus“ eine sofortige hitzige Debatte hervor. Willa und ich gingen zurück und vor und zurück und vor über verschiedene Themen, die in ihrem Buch angesprochen werden. Ich erzählte ihr über all die Dinge, die ich darin liebe, aber ich konnte mich auch nicht zurückhalten zu den Dingen, die ich hasse. Und sie konterte mit all den Gründen, warum sie es auf die Art geschrieben hat, wie sie es geschrieben hat, und ich erklärte ihr, warum ich auf meine Art fühlte und warum die meisten Fans mit mir einer Meinung sein würden. Dies ging einige Wochen so, und schließlich begannen sie und ich zu verstehen, dass wir auf etwas ganz Spezielles gestoßen waren.

Was wir realisierten, ist, dass wir während unserer Debatten tatsächlich einige ziemlich interessante Diskussionen über Michael Jackson, über seine Kunst und seine Musik hatten. Wir sprachen offen und ehrlich, hatten reale, tiefgehende Gespräche über die Arbeit des größten Entertainers aller Zeiten. Und sogar wenn wir nicht einer Meinung waren, was ausreichend passierte, kamen wir beide wieder an einen erleuchtenden Punkt der Unterhaltung, der uns wieder eine neue Sichtweise auf den King of Pop bot, als wir bis dahin hatten. Also dachten wir uns, warum führen wir diese Diskussion nicht in einem größeren Maßstab fort? Und warum laden wir nicht euch alle ein, Zeugen dieser Unterhaltung zu sein und auch teilzunehmen?

Aber ich habe immer noch nicht den Namen erklärt, richtig? Okay, wir wollten beide einen Namen, mit dem wir etwas anfangen können und der auch eine relevante Bedeutung für Michael selbst hat. Wir wissen alle, welches Gefühl Michael für die majestätischen Elefanten hatte. Er liebte sie! Gypsy und Babar waren unter seinen Lieblingstieren im Zoo auf Neverland. Er schrieb sogar einen wundervollen Essay über Elefanten in seinem Buch Dancing The Dream, der „So the Elephants March“ heißt. Darin spricht er über die Lehren, die die Elefanten den Menschen über die Jahrhunderte versucht haben nahezubringen. Er schreibt „Aber die wichtigste Botschaft der Elefanten liegt in ihrer Bewegung. Weil sie wissen, zu leben heißt sich bewegen. Mit jeder Morgendämmerung, Generation für Generation marschiert die Herde weiter, eine große Menge Leben, die niemals fällt, eine nicht aufzuhaltende Kraft des Friedens.“ Ich denke, dieser letzte Teil beschreibt Michael ziemlich gut. „Eine nicht aufzuhaltende Kraft des Friedens.“ In vielerlei Hinsicht war es das, was er selbst war.

Für mich sind die Elefanten nicht nur faszinierende Tiere, sondern sie symbolisieren auch ein „sensibles Thema“. Eine schwierige Unterhaltung, die die Leute lieber vermeiden würden. Ein Beispiel: Ich bin eine farbige Amerikanerin (ich mag den Begriff Afro-Amerikaner nicht, denn niemand, weder ich, noch meine Eltern, noch meine Groß- und Urgroßeltern waren jemals in Afrika) und mein Ehemann ist Weißer. Er und ich sprechen oft über verschiedene Rassenthemen, und es ist wundervoll, denn wir können das in einer so offenen und ehrlichen Art und Weise tun ohne die Angst, jemanden zu beleidigen oder die Gefühle des anderen zu verletzen. Wir sind jetzt 10 ½ Jahre verheiratet und wir beeinflussen uns jeweils in der Familie, seiner und meiner, alle haben unsere Beziehung immer sehr unterstützt. Während unserer Gespräche über die Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Familien, ist eines der Dinge, die ich oft zu meinem Mann sage, dass meiner Meinung nach weiße Familien dazu tendieren „den Elefanten im Zimmer“ zu ignorieren, es also vorziehen den unbequemen Themen auszuweichen, während schwarze Familien so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf das heikle Thema lenken. Oft wickeln sie Weihnachtslichter um den Elefanten und setzen dann große blinkende Pfeile, um darauf zu zeigen. Natürlich ist das eine Verallgemeinerung, aber so wisst ihr, was ich meine. Der Punkt ist, manchmal wissen die Leute (aller Rassen) nicht genau, wie sie mit einem unangenehmen Thema umgehen sollen, stattdessen „meiden sie den Elefanten im Zimmer“.

Gut, ich denke, wir werden alle zustimmen, wenn man auf Michael Jackson kommt, können eine Menge unangenehmer Themen zur Sprache kommen. Sogar in einem Blog, der sich auf seine Kunst konzentriert. Und Willa und ich werden diese Elefanten nicht meiden. Stattdessen haben wir beschlossen, mit ihnen zu tanzen!

Willa: Joie, ich liebe deine Beschreibung des Elefanten im Zimmer. Ich liebe es einfach! Es erzeugt da diesen kleinen Film in meinem Kopf von einem Haufen Leute, die in einem Zimmer sitzen mit einem Elefanten, den niemand eingeladen hat, und jeder fühlt sich unwohl und peinlich berührt und weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Schließlich geht irgendjemand einfach zu dem Elefanten, begrüßt ihn und lädt ihn zum Tanz ein – und sie finden nun alle heraus, dass er im Grunde gar nicht so unheimlich ist. Plötzlich wird aus der peinlichen Situation etwas Angenehmes, und vielleicht wird daraus sogar eine Party. Ich liebe einfach dieses Bild von dem Tanz mit dem Elefanten!

Ich denke auch, dass es von entscheidender Wichtigkeit ist, offen auszusprechen, dass der Elefant im Raum ist, wenn man versucht, Michael Jackson mit seinen schmerzbehafteten Themen zu interpretieren, speziell die Rassenvorurteile betreffend, was so wesentlich für seine Arbeit war – angefangen bei relativ geradlinigen Hymnen wie Black or White bis hin zu komplizierteren Dingen wie die sich verändernde Farbe seiner Haut. Ich denke, du kannst ihn nicht verstehen und das was er tat und wie wichtig es ist, wenn du das Thema Rasse aus dem Bild herausnimmst oder es an die Seite schiebst. Die Konfrontation mit Vorurteilen war in der einen oder anderen Form das Herzstück jeder Sache, die er tat, sowohl als Künstler als auch als kulturelle Person.

Weil wir uns nicht ehrlich den Elefanten im Zimmer eingestehen, denke ich nicht, dass wir überhaupt begonnen haben, zu erkennen, welche bahnbrechenden Ereignisse er herbeigeführt hat. Ich bin weiß, und ich wuchs im Süden (der USA) auf, in einem sehr rassistischen Ort. Dennoch, als Teenager, war meine Definition von ultimativer Sexyness Michael Jackson, ein junger farbiger Mann. Das ist ziemlich erstaunlich, wenn du darüber nachdenkst. Und da waren Millionen von Mädchen in der ganzen Welt, die genauso fühlten wie ich. Es gibt da eine ganze Generation von uns, deren Vorstellungen über Rasse und Sexualität – darüber was sexy ist und was nicht – durch ihn geprägt wurde. Das ist gewaltig. Er war ein Teen Idol, unser erstes schwarzes Teen Idol, und die Auswirkungen dadurch sind tiefgehend und machtvoll und umfassend, aber niemand spricht wirklich darüber oder was das kulturell bedeutet.

 

Du weißt, jedes Mal, wenn er sein Shirt auf der Bühne zerriss, wie in Dirty Diana oder Come Together, und er uns seine dunkle Brust zeigte und wie schön und sexy das war, forderte er heraus, wie – speziell das weiße – Amerika seinen Körper „lesen“ sollte. Aber er tat das auf eine solch interessante Art. Er war schön und sexy, aber er war immer auch ein aufrichtiger Mensch – teilweise denke ich, weil er den Mut hatte, sich selbst verletzlich sein zu lassen und uns diese Seite von sich auch sehen ließ. Er war nicht einfach ein Kerl von den Chippendales. Er war sexy, aber er wurde niemals zu einem Hochglanz-Sexobjekt, weil wir immer die Menschlichkeit in ihm sehen konnten. Ich sehe ihn an in Dirty Diana oben auf der Bühne mit seiner nackten Brust und den Schultern, und er ist so sexy, dass ich es kaum aushalte, aber er sieht auch so verletzlich aus. Ich weiß nicht, ob ich in Ohnmacht fallen oder ihm eine Suppe machen soll.

Joie: In Ohnmacht fallen oder ihm eine Suppe machen! Ich liebe die Art, wie du die Dinge manchmal siehst!

Willa: Siehst du, du weißt, was ich meine! Du fühlst einfach manchmal den Drang, für ihn sorgen zu müssen, und ich glaube, diese Verletzlichkeit war auch sehr bedeutsam. Dies war während der 1980er Jahre, als in den Innenstädten die Gewalt der Gangs ausbrach und die vorherrschenden Berichte in den Medien waren, dass junge farbige Männer furchterregend und fremd und gefährlich seien. Das wurde uns erzählt – in Nachrichten und Spielfilmen und sogar Werbespots – aber dann war da Michael Jackson, und er hat diese dominanten Berichte fast im Alleingang zurückgedrängt und eine ganz andere Sicht geboten. Er war ein junger farbiger Mann, aber er war süß und lustig und klug und sexy und verletzlich. Er gab uns ein anderes Bild von dem, was es bedeutet ein junger Schwarzer in Amerika zu sein, und für mich schien seine Sichtweise die ehrlichere, menschlichere und glaubwürdigere als die Stereotype des Unheimlichen zu sein.

Joie: Ich stimme dir komplett zu. Er bot uns ein anderes Bild davon, was es hieß ein junger farbiger Mann in Amerika zu sein und bis heute sind die farbigen Amerikaner stolz darauf. Und ich könnte jetzt das Thema wechseln, aber bevor ich das tue, warum erklärst du nicht, was der Titel für dich bedeutet.

Willa: Also „Dancing With the Elephant“ sagt mir etwas über Kunst und ihre Deutung. Für mich bedeutet Interpretation nicht, passiv zu betrachten sondern mich aktiv damit zu beschäftigen, damit zu „tanzen“, mich selbst dafür zu öffnen und mich emotional einzubringen.

Dies erinnert mich an ein Volksmärchen, das ich sehr mag, über sechs blinde Männer, die versuchen, einen Elefanten zu beschreiben und zu verstehen. Der erste kommt zu dem Elefanten und er berührt zufällig den Rüssel. Er fühlt den Rüssel des Elefanten, bemerkt wie stark und doch flexibel dieser ist und erklärt, dass der Elefant wie eine riesige Schlange sei, wie eine Python oder Boa Constrictor. Der zweite blinde Mann macht einen Schritt vorwärts und berührt eines der Beine des Elefanten. Er fühlt rundherum, bemerkt die runde Form und wie robust es ist und sagt, nein ein Elefant sei mehr wie eine Säule oder ein Pfeiler. Der Dritte kommt nach vorn und stößt an die Seite des Elefanten. Er streicht mit der Hand die gewaltige Körperseite entlang und sagt, die anderen beiden würden falsch liegen: Ein Elefant ist wie eine Wand. Dann kommt der Vierte, greift den Schwanz des Elefanten und sagt, nein, ein Elefant ist wie ein Seil. Der Fünfte fühlt, wie das Ohr vor- und zurückflattert und sagt, ein Elefant ist wie ein Fächer. Der Sechste greift nach dem Stoßzahn und meint, ein Elefant ist wie ein Spieß.

Jeder der blinden Männer gibt eine genaue Beschreibung des Erscheinungsbildes des Elefanten ab, den er gerade für sich erfährt, aber keiner von ihnen begreift das ganze Tier. Sie nehmen lediglich Stücke und Teile wahr. Nur wenn sie ihre Erfahrungen teilen und ihre Meinungen austauschen werden sie jemals fähig sein, eine Vorstellung von dem Elefanten zu entwickeln und beginnen abschätzen zu können, was für ein wahrhaft prachtvolles Tier das ist.

Ich liebe diese Geschichte von den sechs blinden Männern und denke, dass es speziell bedeutend ist, Meinungen auszutauschen, Sichtweisen und Erfahrungen zu teilen, wenn man versucht so etwas Kompliziertes und Subjektives wie ein Kunstwerk zu verstehen, speziell bei einem Künstler, der so experimentell ist wie Michael Jackson, der so viele Grenzen verschoben und so viele vorgefasste Meinungen und allgemein anerkannte Sichtweisen herausgefordert hat.

Beispielsweise haben Joie und ich hin- und herdiskutiert, wie wir die sich verändernde Farbe von Michaels Haut interpretieren sollen. Sie machte keine Scherze, als sie darüber sprach, wie erhitzt unsere Debatten waren. Ich sah es als eine brillante künstlerische Entscheidung, die tiefgreifend beeinflusst hat, wie speziell das Weiße Amerika Rassenunterschiede erlebt. Joie sah es als qualvolle emotionale Entscheidung, mit der er jahrelang gekämpft hat. Meine Diskussionen mit Joie haben meine Interpretation nicht grundlegend geändert, aber sie haben mich ungeheuer beeinflusst. Ihre Gedanken haben mein Verständnis für diesen Aspekt seiner Arbeit vertieft und verkompliziert und es tatsächlich gewaltiger und bedeutungsschwerer für mich gemacht beim Verstehen dessen, wie schwierig diese Entscheidung für ihn gewesen sein muss, und wie schmerzhaft es wohl war, so missverstanden zu werden.

Joie: Also, Willa und ich hoffen mit diesem Blog einige wirklich in die Tiefe gehende Gespräche über Michael Jackson und seinen kulturellen Einfluss zu führen. Wir haben die Absicht, dies wöchentlich zu tun, schließt euch uns an.

Willa: Unser Ziel ist, eine stichhaltige Diskussion entstehen zu lassen, in der wir alle Gedanken teilen können und nicht immer einer Meinung sein werden, aber in einer respektvollen Art und Weise, die zu einem tieferen Verständnis seiner Arbeit führt. Wenn ihr uns gern kontaktieren wollt mit Fragen oder zukünftigen Themenwünschen für den Blog, hier ist unsere E-Mail-Adresse: dancing.with.the.elephant@gmail.com

Joie: Sagt uns was ihr denkt. Wir wollen es hören!

Gedanken zu My Baby

Original: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2011/08/14/thinking-about-my-baby/

Willa: Wie Joie letzte Woche erwähnt hat, ist dieser Blog aus einer langen Serie von E-Mails entstanden, die zwischen uns hin- und hergingen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, in der wir Gedanken austauschten und Notizen verglichen über Michael Jacksons Arbeit, und wir haben es sehr genossen, mit jemandem zu reden, der seine Arbeiten kennt und sich genauso für ihn interessiert wie wir. Eine Sache, die wir im Verlauf unserer E-Mails entdeckt haben ist, dass wir beide fasziniert sind von My Baby, und das schon seit einer langen Zeit.

Joie: Ihr wisst alle, wer sie ist; ihr habt gehört, wie Michael über sie seit Jahren singt. Sie ist vermutlich das Mädchen seiner Träume, die Frau, die ihn kennt und liebt und sich wirklich um ihn sorgt. Sie ist auch die Frau, die ständig von anderen wieder und wieder verletzt wird, von „bösen Mädchen“, die sich selbst in Michaels Umlaufbahn werfen wie in Billie Jean, Dirty Diana und Dangerous.

Willa: Sie ist eine sehr wichtige Figur in Michael Jacksons Werken, taucht auf jedem Album auf von Triumph und Thriller in den frühen 1980ern bis zu Invincible in 2001. Und, wie Joie sagt, sie wird fast immer verletzt oder bedroht in irgendeiner Art. Tatsächlich ist es so, dass wir sie oft in Tränen aufgelöst weggehen sehen.

Joie: Was meine Aufmerksamkeit an ihr fesselt, vermute ich, ist die Tatsache, dass Michael über sie singt, als wäre sie jemand, den es schon sehr lange in seinem Leben gibt. Sogar obwohl ihr Erscheinen in den Songs, die ich bereits erwähnte – und auch in anderen – für gewöhnlich kurz ist, bekommen wir das Gefühl, dass sie unglaublich wichtig für ihn ist. Er liebt sie und er möchte sie eindeutig beschützen vor den ‚gemeinen Frauen‘ (wicked women), über die er in Heartbreak Hotel (a.k.a. This Place Hotel) singt. Wir sehen ihn ständig, wie er sich darüber ärgert, dass sie irgendwie verletzt wurde von den „bösen Mädchen“ und dass sie sie von ihm vertreiben.

Jemand versucht immer
My Baby zum Weinen zu bringen
Redend, kreischend, lügend,
sagend, du willst irgendwie etwas anfangen.

Someone’s always tryin‘
To start My Baby cryin‘
Talking, sqealing, lying,
Saying you just want to be startin’ somethin’

Es ist fast, als ob er eine Beziehung beschreibt, die bereits ihren Anteil an Hochs und Tiefs hatte. Sie sind durch solche Situationen bereits vorher gegangen und jedes Mal endet es damit, dass My Baby verletzt wird. Wenigstens in den frühen Jahren ihrer Beziehung – in den 1980ern und 90ern. Aber ab 2001 in Heaven Can Wait ist es ganz klar eine andere Beziehung. Hier sehen wir, dass My Baby ihn nicht nur liebt und für ihn sorgt, sondern ihm auch vertraut; sie glaubt an ihn. Ihre Beziehung ist fest und niemand kann sich mehr zwischen sie stellen. Zusammen sind sie eine Kraft, mit der man rechnen muss, und es ist die größte Liebesaffäre, die jeder von beiden jemals erlebt hat. Er liebt sie so tief, dass er sie nicht für einen Moment verlassen will – nicht mal für den Himmel!

Oh nein, ich kann nicht ohne My Baby sein.
Ich will nicht gehen, ohne sie werde ich verrückt.
Oh nein, ich schätze, der Himmel wird warten.

Oh no, can’t be without My Baby.
Won’t go, without her I’ll go crazy.
Oh no, guess Heaven will be waiting.

Es ist wirklich interessant für mich, dass ihre Verbindung sich über die Zeit verändert. Die Art, wie er über sie schreibt, wächst und reift über die Jahre, als ob es eine reale Beziehung wäre. Wir sehen die anfängliche Verliebtheit in Songs wie The Way You Make Me Feel und Streetwalker, und wir beobachten, wie sie wächst und erblüht in Songs wie Black or White und Fly Away. Und dann sehen wir den Höhepunkt ihrer Liebe in dem wunderschönen Heaven Can Wait.

Willa: Wie Joie sagt, in den frühen Alben wird sie von anderen Frauen bedroht. My Baby scheint eine private Person zu sein, die den Protagonist kennt und sich um ihn sorgt, obwohl sie das Rampenlicht scheut und sich irgendwie nicht wohlfühlt mit seinem Ruhm. Er liebt sie und versucht, sie zu beschützen, aber sie wird wiederholt verletzt von einer anderen Frau, die sie vertreiben und ihren Platz einnehmen will. Diese zweite Frau kennt ihn aber nicht wirklich oder kümmert sich nicht wirklich um ihn, sondern sie ist viel frecher als My Baby und fühlt sich genau genommen angezogen vom Ruhm, dem Ruhm des Protagonisten – tatsächlich ist sie eine Art Abenteurerin. Der Protagonist erkennt all das und misstraut ihr. Aber zur gleichen Zeit fühlt er sich seltsam angezogen von dieser anderen, kühnen Frau.

Joie: Und diese Beziehung zu dieser anderen Frau ist genauso interessant wie seine Beziehung mit My Baby. Es ist fast so, als ob er die eine nicht ohne die andere haben kann. Als wären sie sozusagen zwei Seiten derselben Münze.

Willa: Ich stimme dir zu. Der immer wiederkehrende Konflikt zwischen diesen Frauen ist sehr interessant. Da geht offensichtlich etwas sehr Wichtiges vor sich – etwas, das Michael Jackson über Jahre erkundet und womit er gerungen hat. Ich denke, das ist ein Grund dafür, dass ich anfing, zu sehen, dass My Baby mehr repräsentiert als nur eine romantische Beziehung. Für mich repräsentieren My Baby und die andere Frau seine schüchterne Seite gegenüber seiner öffentlichen Seite oder sein Privatleben gegenüber seinem Leben in der Öffentlichkeit mit dem Eindringen der Medien und dem intensiven öffentlichen Interesse, den Drohungen, sein Privatleben zu zerstören, genauso wie die dreiste andere Frau damit droht, My Baby zu vertreiben. Oder diese zwei Frau könnten einerseits seine Muse repräsentieren – die mythische Frau, die ganz leise über Jahrhunderte Künstler zur Kreativität inspiriert hat – und andererseits das Publikum und die Kritiker, die forderten, dass er ein weiteres Thriller erschafft oder dass er wieder und wieder für den Rest seines Lebens Billie Jean singen sollte. Aber es ist keine entweder/oder-Situation. Während ich diese anderen Interpretationen sehe, sehe ich immer noch My Baby als eine Frau, die ihn kennt, für ihn sorgt und ihn emotional unterstützt.

Joie: My Baby ist faszinierend auf so vielen Ebenen, und als Willa und ich entdeckten, dass wir uns beide für sie – und ihr Verderben – interessierten, waren wir wirklich überrascht. Ich denke, es war zu dem Zeitpunkt, dass wir wirklich ernsthaft darüber redeten, einen Blog miteinander zu starten, weil wir neugierig waren, ob wir die zwei einzigen Leute da draußen sind, die sich Fragen zu diesem speziellen Thema stellen. So beabsichtigen wir, uns My Baby in den kommenden Wochen genauer anzusehen. Wir planen, bei verschiedenen Songs in die Tiefe zu gehen, um zu sehen, wie sie dargestellt wird und darüber zu sprechen, was/wer sie ist und was Michael uns durch sie sagen wollte.

Willa: Und nochmal, unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, wo eine Gemeinschaft von Leuten zusammenkommen und ihre Interpretationen von Michael Jacksons Arbeit und was sie für sie zu verschiedenen Zeiten bedeutet hat, teilen kann – denn Interpretationen entwickeln sich über die Zeit. Und es ist okay, wenn wir nicht übereinstimmen – sogar leidenschaftlich nicht übereinstimmen – solange wir es mit Respekt tun. Um ehrlich zu sein, zeitweise stimme ich nicht mal mit mir selbst überein! Manchmal sehe ich My Baby als eine Person, manchmal sehe ich sie symbolisch für etwas, und ganz oft sehe ich beides in ihr. Und ich mag diese Zweideutigkeit. Für mich ist das eins der Dinge, die Michael Jacksons Arbeiten so reichhaltig machen – dass es so viele verschiedenen Dinge zu verschiedenen Zeiten für verschiedene Leute bedeuten kann.

Übersetzung: Ilke

Heal The World – mit gesprochenem Text von Michael (signature series)

Michael: Unser Ziel ist es, die Welt zu verändern. Um das Bewusstsein der Welt über Kinder, die Ökologie und den Planeten zu verändern, um ihn zu einem besseren Ort für jeden zu machen, angefangen mit den Kindern. Denn sie sind unsere lebendige Zukunft. Und ich werde damit verbunden bleiben, solange, bis es vollendet ist.

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Das ist die Version “Heal The World – signature series” (1993) in der Michael in dem Songtext über sein Heal The World Projekt spricht.

hier im link zum (unbedingt!!) anhören:

(please listen!)

AUDIO Heal The World Signature Series

engl. script-Version: http://mjtranslate.com/pl/songs/599 (and also at the end of this post)

Michael: Die ‘Heal The World’ Organisation wurde gegründet, um wirklich zu heilen, seien es die Kinder, die Ökologie, oder ganz einfach alle Menschen und es ist eine Non-Profit-Organisation. Es ist etwas, das ich schon immer tun wollte, und das war die Inspiration für den Song “Heal The World ‘, den ich hier in meinem Zuhause geschrieben habe.

‘Denke über die Generationen nach und darüber, zu sagen,
dass wir für unsere Kinder und Kindeskinder die Welt verbessern wollen.
So dass sie wissen, dass sie in einer besseren Welt leben;
und darüber nachdenken, ob sie sie verbessern können..’ (spoken Intro by a child)

Da…

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Über Kinder, Neverland und Magie….”Honoring A Childs Spirit”

>> Die Welt zwingt uns, erwachsen zu werden. Es ist überall um uns, und es beginnt mit den Kindern, mit dem Einfluss von anderen, älteren Kindern. Wenn die Eltern ihre Kinder vor der Schule absetzen und sie zum Abschied küssen, was sagt ein Kind dann? “Nicht jetzt, Mama, meine Kumpel gucken schon.” Können wir nicht unseren eigenen Kindern unsere Liebe zeigen? Weißt du, weil diese anderen Kinder schon von der Welt beeinflusst sind. Sie sticheln: “Das ist nicht cool.. Ich muss jetzt cool sein.” Diese Botschaft hat jemand in ihr Hirn eingeträufelt.

Ich glaube an Kinder – daran, wieder kindgleich zu werden. Wenn wir jeden lehren können, an die Kinder zu glauben, dann ist das das Geheimnis. Das glaube ich wirklich.<< ……..

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Gottes Wunder ist in einem Kind festgehalten

Durch meine Kinder erkenne ich Gott. Ich spreche mit Gott durch meine Kinder. Ich danke ihm jeden Tag dafür, dass er mich mit meinen Kindern gesegnet hat. Gottes Wunder ist in einem Kind festgehalten. In meiner Familie lieben wir Kinder. Wenn ein Baby oder ein Kind hereinkommt, wollen wir alle das Kind umarmen oder auf den Arm nehmen. So sind meine Brüder und Schwestern. Ich verstehe nicht, warum Menschen Kinder nicht anerkennen, warum sie auf die Seite gestoßen werden, als wären sie nichts. Sie sind das, was morgen sein wird. Kindern muss ein wenig Anerkennung gezeigt werden, dafür, dass sie das Richtige tun. Freundlich und liebevoll zu jemanden zu sein, der gebend ist, auf dem Schoß von jemand zu sitzen. Kinder zeigen ständig diese Verliebtheit. Aber sie haben Angst.

Wenn z.B. jemand einem Kind etwas gibt, und es springt vor Freude herum. Wenn…

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Interview/Statement von Grace Rwaramba mit ABC News

Ein Interview/Statement von Grace Rwaramba mit ABC News, März 2019

Eine langjährige Angestellte Michael Jacksons verteidigte den verstorbenen Popstar und sagte aus, sie habe während all der Jahren, die sie für Jackson arbeitete, niemals irgendwelche Anzeichen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Jackson gesehen, davon gehört oder derartiges vernutet habe. In einem langen Statement, adressiert an ABC News, beschrieb Grace Rwaramba – die 12 Jahre als Nanny von Michael Jacksons Kindern Prince Michael, Paris, und Prince Michael II (auch bekannt als Blanket) arbeitete, ihren früheren Chef als sehr naiv gegenüber Manipulationen und nicht in der Lage, Kinder zu verletzen.

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Sollte Michael Wade Robson und James Safechuck verletzt haben, hätten sie all meine Sympathie und mein vollstes Mitgefühl. Ich behaupte nicht zu wissen, was zwischen Michael und diesen Klägern passiert ist, denn ich war nicht dabei. Aber weil Michael nicht mehr hier ist, um sich zu verteidigen und weil ich eine einzigartige Sicht auf ihn und seine Art zu Leben hatte, fühle ich mich verpflichtet, mich gegen das, was ich aus fester Überzeugung für falsche Vorwürfe halte, auszusprechen. Die Person, die Wade und James beschreiben, ist nicht die Person, die ich kannte.“

Er war vertrauensvoll, manchmal bis zur Naivität, weil er bei jedem Menschen immer nur die besten Absichten vermutete. Auch wenn er nicht perfekt war, kann ich durch die Erfahrungen während der Jahre, die ich mit ihm zusammen lebte und ihn und seine Lebensweise sehr genau kennenlernte sagen, dass ich niemals etwas sah oder spürte, das mich vermuten lies, er könne Kinder sexuell missbrauchen.“

Rwaramba behauptet in ihrem Statement, dass es auf Jacksons Ranch zu jeder Zeit, die er dort verbrachte, eine ganze Armee von Angestellten gab, und dass es ausserordentlich schwer möglich gewesen wäre, dort Kinder zu belästigen.

Ich war während vieler Besuche befreundeter Familien auf Neverland, sie kamen und gingen. Zu jeder Zeit waren dort etwa 60 – 100 Angestellte, die als Sicherheitspersonal, zur Instandhaltung, als Hausangestellte, Gärtner, Küchenpersonal oder in anderen Bereichen arbeiteten. Um die Ranch in diesem ausgezeichneten und makellosen Zustand und zu halten, bedurfte es einer ganzen Armee von Arbeitskräften, die immer anwesend waren.“

Wade Robson und dessen Familie kannte ich gut. Ich lernte Joy Robson Anfang der 1990er Jahre kennen, als ich bei MJJ Productions arbeitete. Anfang 1994 nahm ich in Kalifornien an einer Party anlässlich der Veröffentlichung von Wades erstem Album teil. Ich erinnere mich deutlich daran, dass Joy dieses Event durchführte, als hinge ihr Leben davon ab. Nach dieser Party sah ich die Robsons erst Ende 1997 wieder, als Wade mit vielen anderen Familien Neverland besuchte, nachdem Prince geboren war.“

Mit den Jahren lernte ich die Robsons gut kennen, da sie die Ranch zu verschiedenen Gelegenheiten besuchten. Neverland war ein zauberhafter Ort und die Butler, Köche, Hausangestellten, Zooangestellten, Gärtner und andere Arbeitskräfte behandelten jeden Gast wie einen König, und jeder, der das Glück hatte, dort zu Besuch zu sein, liebte es.“

Eine Sache die sich durch all diese Jahre zog war Joys eiserner Wille, Wade zu einem Star zu machen. Während all die anderen Kinder, oft zusammen mit Michael, eine Wasserballon-Schlacht machten oder im Kino einen Film ansahen, drillte Joy Wade um einen Tanzschritt einzuüben und oft rief sie Michael dazu und wollte Tips von ihm.“

Bei einer solchen Gelegenheit saß Michael neben mir, während ich auf Prince aufpasste, und wir sahen uns zusammen an, wie Wade unter der den prüfenden Blicken seiner Mutter übte. Er sagte zu mir: “Sie erinnert mich an Joseph.“ Damit meinte er seinen Vater und dessen Obsession für Perfektion. Ohne dass Joy davon wußte, war „Joseph“ jetzt ihr Spitzname. Michael gab jedem einen Spitznamen. Das war das einzige Mal, dass ich hörte, dass er jemanden mit seinem Vater verglich. Aber trotz seiner komplizierten Vergangenheit mit Joseph war seine Beobachtung als Kompliment zu verstehen.“

Grace Rwaramba Blanket

Rwaramba sagt auch, Robson habe um Erlaubnis gefragt, seine Hochzeit auf Neverland abzuhalten – und zwar Mitten während des Prozess von 2005, in dem Jackson in allen Punkten freigesprochen wurde.

Robsons Ambitionen und Eigennutz war grenzenlos. Einige Monate bevor Jackson am 13. Juni 2005 freigesprochen wurde, kam er vom Gerichtssaal zurück und sagte mir, ich solle mit einen Anruf von Wade rechnen. Als Wade auf der Ranch anrief, wurde er vom Sicherheitsdienst in das Zimmer von Paris durchgestellt, wo ich mit Michael die meiste Zeit mit der Vorbereitung für den nächsten Tag verbrachte. Ich schaltete den Lautsprecher ein. Wade informierte mich darüber, dass Michael ihm geraten habe, mich zu kontaktieren um zu fragen, ob er und seine Verlobte Amanda im Herbst ihre Hochzeit auf Neverland abhalten könnten. Ich war sehr geschockt, wie unsensibel diese Anfrage war, Michael saß neben mir. „Weißt du Grace, Neverland bedeutet mir und meiner Familie so viel,“ fuhr Wade fort. “Michael ist für mich wie ein Vater, und es würde uns alles bedeuten, wenn Amanda und ich auf Neverland heiraten könnten.“ Ich sagte zu Wade, dass das wohl kein guter Zeitpunkt sei, und erinnerte ihn daran, dass Michael sich gerade mitten in einem Kampf um sein Leben befand. Ein paar Tage danach, als ich gerade in St. Barbara Besorgungen machte, rief Joy mich aus dem gleichen Grund an. Ich hatte Wade einige Zeit zuvor geholfen, die Erlaubnis zu erhalten, ein Video auf Neverland zu drehen. Wegen des strengen Filmverbots auf Neverland war das ein großes Entgegenkommen. Ich erinnere mich dass ich ihr antwortete, ob sie wirklich ernsthaft erwarte, dass ich Michael jetzt, in der Mitte des Prozess frage, ob Wade die Ranch für seine Hochzeit nutzen dürfe? Nach einem seltsam stillen, angespannten Moment legte sie auf.“

Warum sollte jemand der behauptet, er sei über 7 Jahre sexuell belästigt worden, einen der wunderbarsten Momente seines Lebens auf dem selben Boden feiern wollen, auf dem die Übergriffe angeblich stattfanden?“

Was ich nicht verstehe ist, warum Wade bis weit in sein Erwachsenenalter immer wieder freiwillig zurückkam, seine Freunde und Familie an einen Ort mitbrachte, an dem angeblich solche Übergriffe stattfanden?“

Rwaramba, geboren in Ruanda, begann 1992 als Assistentin für Jackson zu arbeiten und wurde ab 1997, als Jacksons erstes Kind geboren wurde, die Nanny seiner Kinder.

12 Jahre lang, von 1992 bis 2009, war ich Teil von Michaels Familie… Ich verbrachte in diesen 12 Jahren mehr Zeit mit Michael als irgendjemand anderes, bis auf seine Kinder.“

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One of Michael Jackson’s longest-serving employees has come forward to defend the late pop star, saying that in all the years she worked for Jackson she never witnessed, suspected or learned of any sexual abuse of children by the pop star.
In a lengthy statement released to ABC News, Grace Rwaramba – the former nanny to Jackson’s children, Prince Michael I, Paris and Prince Michael II (known as ‘Blanket’), who worked for Jackson for 17 years – described her former boss as hopelessly naïve to manipulation and incapable of hurting children.
“If Michael harmed Wade Robson and James Safechuck, they have my deepest sympathy and compassion,” Rwaramba said in the statement, referring to the two men featured in the documentary. “I don’t claim to know what happened between Michael and his accusers. I wasn’t there.” “However, because Michael is no longer here to defend himself, and because I have a unique view of him and the life he lived, I feel compelled to speak out against what I firmly believe to be false claims. The person that Wade and James describe is not the person that I knew.”

He was trusting to the point of extreme naivete; always assuming the best intentions in everyone,” Rwaramba said of Jackson in the statement. “While he was far from perfect, in my over twelve years of living with Michael, knowing him and his lifestyle intimately, I never saw or experienced anything that led me to suspect that he was capable of child sexual abuse.”
Rwaramba contended in her statement that there was an “army” of people working at Jackson’s California ranch whenever the iconic artist was there, and that it would have been extremely difficult for the star to molest visiting children.

I was at Neverland when many of the family friends would come and go,” Rwaramba said in the statement. “At any given time, anywhere between 60 to 100 employees worked in security, maintenance, housekeeping, grounds, the kitchen, and many other roles. Maintaining the ranch in such immaculate shape took an entire army of workers that were always around.”

I know Wade Robson and his family well,” Rwaramba said in the statement. “I first met Joy Robson back in the early 90s, when I was at MJJ Productions. In late 1994, I attended the release party of Wade’s first album in California. I distinctly recall Joy running that event as though her life depended on it. After that release party, I didn’t see the Robsons again until early 1997, when Wade joined several other families at Neverland after Prince was born.”

Over the years, I got to know the Robsons well as they visited the ranch on many different occasions,” Rwaramba continued in the statement. “Neverland was an enchanting place where the butlers, cooks, maids, zookeepers, gardeners and other staff made every guest feel like royalty, and everyone person who was fortunate to visit loved it!”

The one thing that was consistent about the Robsons over the years was Joy’s steely resolve to turn Wade into a star,” Rwaramba said in the statement. “When all the other kids, often including Michael, were off having water balloon fights or watching a movie in the theater, Joy would be drilling Wade on a dance move and every so often wave Michael over for some tips.”

On one such occasion, Michael sat next to me as I was watching Prince and we watched Wade practice under Joy’s focused inspection. He said to me, “she reminds me of Joseph,” referring to his father’s obsession with perfection. Unbeknownst to Joy, that was her nickname. Michael had a nickname for everyone. This was the only time I ever heard him compare anyone to his father. Also, despite his complicated past with Joseph, he meant this observation as a compliment.”

Rwaramba also claimed that Robson sought permission to hold his wedding at Neverland -– in the middle of Jackson’s 2005 criminal trial, for which he was acquitted of all charges.
“The Robsons’ ambition and self-interest knew no bounds,” Rwaramba wrote in her statement. “Several months before Michael was acquitted on all charges on June 13, 2005, he came home from court and informed me that I should expect a call from Wade. When Wade called the ranch, security patched the call through to Paris’s room where Michael and I spent most of our time preparing for the next day.
“I put him on speaker phone,” Rwaramaba continued. “He informed me that Michael had advised him to contact me about whether he and his finance, Amanda, could have their wedding at Neverland in the fall. I was utterly shocked by how insensitive the request was; Michael was sitting next to me.

“’You know Grace, Neverland is so special to my family and me,’ Wade continued,” according to Rwaramba’s statement. “’Michael has been like a father to me, and it would mean the world to us if Amanda and I could get married at Neverland.’ I told Wade, this is not a good time, reminding him that Michael was in the middle of the fight for his life.”
(MORE: VIDEO: A look at the final days of Michael Jackson’s life)
“A few days later, I was in Santa Barbara running errands when Joy called with the same request. I had previously helped Wade gain permission to film a music video at Neverland, which was a big favor considering the strict no cameras policy. I remember responding with a stern ‘do you seriously expect me to ask Michael, right now — during the trial — if you can use the ranch for Wade’s wedding?’
“After a moment of awkward tension, she conceded and dropped off the phone,” Rwaramaba wrote in the statement. “Why would someone who alleges to have been assaulted for over seven years want to have one of the most sacred events in his life on the same property where the attacks allegedly took place?’”

What I can’t understand is why Wade would continue to voluntarily and consistently return, and bring friends and loved ones, to a place that is the site of the alleged attacks well into his adult life?” Rwaramba said in the statement.
Rwaramba, a Rwandan national, began working as a personnel director and assistant to Jackson in 1992, and became a nanny to his children beginning in 1997, when Jackson’s first child, Prince, was born.
“For twelve years, from 1997 to 2009, I was part of Michael’s family … I spent more time with Michael in the last twelve years of his life than anyone except his children.”

>> full article : http://abcnews.go.com/…/michael-jacksons-nanny-defen…/story…

Alle weiteren Beiträge rund um die Unterstellungen sind hier zu finden.

Dr. Wayne Dyer über Michael Jackson

…für mich ist klar, dass er ein überweltliches (transzendentes) Wesen war, der nicht nur ein enormes Talent hatte, sondern ein Herz so groß wie der Himmel. 

…my time with him … solidified for me that he was a transcendent being who had not only enormous talent but a heart as big as the sky.

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Dr. Wayne Dyer:

..Ich möchte ein paar Minuten nur über Michael sprechen..

(…) ich hörte, was Deepak (Chopra) auf CNN sagte, dass Michael der spirituellste Mensch war, den er je getroffen hat und auch ich kann das nur bestätigen.
Er rief mich eines Tages an, 1991, ich hatte gerade ein Buch mit dem Titel “Real Magic” geschrieben… und er fragte, ob ich zu ihm raus kommen wollte und meine Familie mitbringen möchte. (Das ist eine ganze Flugzeugladung voll.) Also alle meine 8 Kinder kamen mit mir, und auch meine Frau. Wir verbrachten 5 Tage dort mit ihm auf Neverland. Wir haben geredet, sind dort durch die Berge gewandert und haben uns unterhalten, nur wir beide. Er stellte Fragen in der Art: “Gibt es wirkliche Magie? Und was ist es?” Er war so begeistert von diesem Thema.

Was mich jetzt sehr beunruhigt, jetzt, wo all diese Dinge aufkommen, sind diese Fragen oder Beschuldigungen…

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„Leaving Neverland“: Why you wanna trip on me? (Warum wollt ihr mich fertigmachen?)

by

Original: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2019/04/04/6617/

Übersetzung: Sabine

Willa: Hi Lisha. Es ist so großartig, wieder mit dir zu sprechen! Obwohl ich wünschte, es geschähe unter glücklicheren Umständen. Ich bin einfach sehr betrübt über diese Leaving Neverland-Dokumentation.

Lisha: Hey Willa! Ich finde es auch großartig, mich wieder mit dir zu unterhalten, aber ich glaube, wir sind alle tief betrübt über diesen Film.

Willa: Du hast wahrscheinlich Recht, obwohl ich sagen muss, ein Teil von mir sieht auch ein paar kleine Hoffnungsschimmer. Ich versuche, nicht übermäßig optimistisch zu sein, aber ich frage mich, ob es tatsächlich der Wendepunkt ist, wenn die Mainstream Medien endlich anfangen, die Beweise rund um die Anschuldigungen zu sehen. Ich meine, die Veröffentlichung des Films zog so einen Aufschrei nach sich, und nun stellt sich heraus, dass manche Schlüssel-Aussagen darin einfach nicht wahr sind. Also frage ich mich, ob das zu einer Art von öffentlicher Abrechnung führt.

Lisha: Das hoffe ich wirklich. Nicht die „MJ-Abrechnung“, die das Slate Magazin vorgeschlagen hat, mit einem Übermaß an größtenteils unkritischen, gutgläubigen Artikeln, sondern eine vorsichtigere Erwiderung darauf, wie sexuelle Anschuldigungen im Allgemeinen in den Medien dargestellt werden. Beschuldigungen sind kein Beweis für ein Verbrechen, also müssen wir zurückhaltend sein, was die Annahme von Schuld betrifft, die nur auf anzüglichen Behauptungen beruht. Besonders, wenn beträchtliche Geldsummen im Spiel sind, wie es hier der Fall ist in den gerichtlichen Verfahren, die Wade Robson und James Safechuck gegen die Michael Jackson-Nachlassverwaltung angestrengt haben.

Willa: Ja, und die neuen Beweise, die gerade herausgekommen sind, werfen wirklich ein paar Fragen auf, sowohl was die Gerichtsakten betrifft, als auch in Bezug auf ihre Aussagen im Film. Zum Beispiel behauptet James Safechuck in seinem Gerichtsverfahren, dass Jackson im Jahr 1988, als er 10 Jahre alt war, anfing, ihn zu missbrauchen und damit fortfuhr bis 1992, als er 14 war. Und im Film sagt er, dieser Missbrauch geschah oft in dem Bahnhofsgebäude in Neverland:

Im Bahnhof gibt es oben einen Raum. Und dort hatten wir auch Sex. Es geschah jeden Tag. Es klingt krank, aber es ist ungefähr so, wie wenn du anfängst, jemanden zu daten, stimmt‘s?, du tust es dann sehr oft. Also, so war es ungefähr.

Wie auch immer, Mike Smallcombe, der Autor von Making Michael: Inside the Career of Michael Jackson („Wie Michael aufgebaut wurde: Im Inneren von Michael Jacksons Karriere“, Anmerkung der Übersetzerin), hat das überprüft und entdeckt, dass der Bahnhof zu der Zeit nicht existiert hat. Entsprechend der behördlichen Unterlagen des County wurde die Baugenehmigung im Herbst 1993 gegeben.

Hier ist ein Tweet von Smallcombe zu diesem Thema, und er beinhaltet ein Bild der Baugenehmigung, mit einem Stempel vom 2. September 1993.

In den letzten paar Stunden wurde mir Zugang gewährt zur Santa Barbara County Baugenehmigung für den Bau des Neverland-Bahnhofs – genehmigt am 2. Sept. 1993.— Mike Smallcombe (@mikesmallcombe1) March 30, 2019

Lisha: Exzellente Arbeit von Mike Smallcombe!

Willa: Da stimme ich zu! Großes Lob für diesen kritischen investigativen Journalismus.

Lisha: Es ist erstaunlich, wie eine einzige Information die gesamte Geschichte in Zweifel ziehen kann.

Willa: Oder zumindest die Frage aufwirft, warum Safechuck hierzu nicht die Wahrheit sagt. Und es sieht so aus, dass dieser Teil der Geschichte nicht wahr sein kann, selbst wenn man sich noch so anstrengt, die Teile des Puzzles zusammen zu zwingen.

Der Bau des Bahnhofs wurde 1994 vollendet, während Michael Jackson nicht in Neverland war und eine Menge zu tun hatte – die Chandler-Anschuldigungen waren öffentlich geworden, er verbrachte einige Zeit in der Reha, er heiratete Lisa Marie Presley, und er lebte in New York. Er zog erst 1995 zurück nach Neverland. Hier ist ein Artikel mit zusätzlichen Informationen, der einen kurzen Videoclip des Bahnhofs aus Leaving Neverland enthält.

Wenn man also all dies zusammenfasst, kann der angeblich tägliche Missbrauch sich im Bahnhof frühestens 1995 abgespielt haben, als Safechuck 17 war. In einer Antwort auf Smallcombes Tweet erwiderte Dan Reed, der Regisseur von Leaving Neverland, dass der Missbrauch ein paar Jahre länger gedauert haben müsse als Safechuck ursprünglich behauptete. Hier ist ein Screenshot von Reeds Antwort.

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Dan Reed: Ja, es scheint keinen Zweifel zu geben über das Bahnhofsdatum. Was nicht stimmt, ist der Zeitpunkt vom Ende des Missbrauchs.

Also versucht Dan Reed die Puzzleteile zusammenzufügen. Und so versucht es auch ein kürzlich erschienener Cosmopolitan-Artikel, in dem es heißt, „es ist nicht ungewöhnlich für traumatische Erfahrungen, dass man Erinnerungen durcheinander bringt, einschließlich Daten und Einzelheiten, wenn es um Opfer geht.“ Ich kann mir vorstellen, dass das stimmt, besonders, wenn das Opfer ein Kind ist.

Allerdings, die Periode des Missbrauchs um weitere drei Jahre zu verlängern, so dass er weiterging bis ins Jahr 1995, bringt nicht nur die Zeitabläufe durcheinander. Es verändert den gesamten Bogen von Dan Reeds Erzählung, der darin besteht, dass Michael Jackson kleinen Jungen nachstellte und sie dann verbannte, sobald sie die Pubertät erreichten. Safechuck behauptet, dass Michael Jackson begann, sich von ihm zu distanzieren und seine Aufmerksamkeit jüngeren Jungen zuzuwenden, als er zwölf wurde und die ersten Anzeichen der Pubertät sichtbar wurden. Und er sagt, dass Michael Jackson ihn schmerzhaft abgewiesen hat um die Zeit, als er 14 Jahre alt war. Der tägliche sexuelle Missbrauch eines Siebzehnjährigen passt in keiner Weise in die Erzählung.

Außerdem deutet Safechuck im Film an, dass der Bahnhof einer der ersten Orte war, an dem der Missbrauch geschah: „es ist ungefähr so, wie wenn du anfängst, jemanden zu daten, stimmt‘s?, du tust es dann sehr oft.“ Das deutet also auf die späten achtziger Jahre hin, als Safechuck 10 war oder so. Aber der Bahnhof hat da noch nicht existiert. Es scheint einfach nicht möglich zu sein, dass Safechucks gesamte Behauptungen wahr sein können.

Lisha: Ja, und vergiss nicht, beide, Safechuck und Robson sagen, sie wären in der Zeit des Missbrauchs nicht traumatisiert gewesen. Sie behaupteten, das erfahrene Trauma sei viel später gekommen – nachdem sie sich vorgestellt hatten, ihre eigenen Kinder würden missbraucht. Also ich erkenne nicht, wie diese Erklärung Sinn ergeben soll. Nebenbei, wertet ein Trauma die Erinnerung nicht eher auf statt sie zu verzerren? Ich erinnere mich an Christine Blasey Fords Aussage letzten Sommer, in der sie erklärte, dass traumatische Erinnerungen tatsächlich viel klarer sind als es Erinnerungen normalerweise sind.

Willa: Naja, es ist kompliziert. Menschen können traumatisiert sein, ohne es wahrzunehmen – ich meine, ohne zu merken, welche Auswirkungen das Trauma auf sie gehabt hat. Zum Beispiel erkennen Soldaten mit PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) oft nicht, dass sie darunter leiden, bis sie diagnostiziert wird.

So wie ich es verstehe, können sensorische Erinnerungen traumatischer Geschehnisse sehr klar sein, während Dinge wie Daten oder, in Christine Blasey Fords Fall, der Standort des Hauses, wo der Missbrauch geschah, oder die Erinnerung daran, wie sie an dem Abend nach Hause kam, durcheinander geraten oder vergessen werden können.

Lisha: Das ist genau der Grund, warum die Polizei routinemäßig Befragungen von Opfern, Zeugen und Verdächtigen aufnimmt. Wenn du jemanden bittest, sich aufnehmen zu lassen, wenn er erzählt, was geschah, kannst du ihre Geschichte festnageln und erhärten. Es ist oftmals das Erste, was die Polizei tut – alle bekannten Parteien voneinander zu trennen und sie dann zu bitten, sich an die Geschehnisse zu erinnern. Wir wissen, dass Fälle von Kindesmissbrauch sehr schwer zu beweisen sind, denn physische Beweise des Verbrechens selbst sind selten vorhanden. Also sind es die anderen Elemente der Geschichte, die bewiesen werden müssen.

Willa: Wenn möglich, aber manchmal gibt es nicht viele harte Beweise, besonders wenn Opfer erst Jahre später in der Lage sind, sich zu melden, nachdem sie eine Chance hatten, zu verarbeiten, was ihnen als Kind passiert ist. Das ist es, was diese Fälle zu solchen Herausforderungen macht. Ich habe ein bisschen Recherche zur Start by Believing campaign (Fang damit an zu glauben-Kampagne, Anm. d. Ü.) angestellt, und ich verstehe und unterstütze ihre Ziele: Opfer von sexuellem Missbrauch oder sexueller Belästigung vor erneuten traumatischen Erfahrungen zu schützen, wenn sie ihre Geschichte erzählen, andere Opfer zu ermutigen, sich zu melden und den Mantel des Schweigens und der Scham zu zerreißen, der sexuellen Missbrauch umgibt. Ich halte diese Ziele für bewundernswert und ich unterstütze sie.

Aber wenn ein Staatsanwalt anfängt, den Opfern zu glauben, wie Tom Sneddon es 1993 und 2003 getan hat, oder wie ein Großteil der Medien es getan hat, als Leaving Neverland herauskam, kann die Schuldvermutung große Ungerechtigkeit bedeuten.

Lisha: Ich denke, an dieser Stelle kann der Michael Jackson-Fall zu einem erweiterten Gespräch darüber beitragen, wie wir zwischen falschen und überprüfbaren Anschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch unterscheiden können. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass alle Ankläger akkurate oder wahre Angaben machen.

Willa: Unglücklicherweise stimmt das. Und es ist nicht nur Safechuck. Smallcombe hat auch Belege aufgedeckt, die Wade Robsons Geschichte widersprechen. In der Dokumentation sagt Robson, er wurde das erste Mal 1990 missbraucht, als er 7Jahre alt war und seine Familie ihn in Neverland zurückließ, während sie zum Grand Canyon gefahren sind. Jedoch hat Smallcombe eine Aussage von 1993 entdeckt, in der Wades Mutter Joy sagt, dass die gesamte Familie zum Grand Canyon gefahren ist. Sie sagt auch, dass sie Wade das erste Mal drei Jahre später in Neverland allein ließ – im Jahr 1993, nur ein paar Monate, bevor sie ihre Aussage machte, zu einer Zeit also, als ihre Erinnerungen an diese Vorkommnisse frisch gewesen sein müssen.

Hier ist noch ein Tweet von Smallcombe:

Erstes Bild: Joy Robsons Aussage von 1993, die bestätigt, dass die Familie zum Grand Canyon fuhr und dass Wade nicht vor dem gleichen Jahr (1993) allein in Neverland war Zweites Bild: Joy Robsons Aussage von 2016, sie gibt wieder an, dass die „ganze Familie“ inklusive Wade zum Grand Canyon gefahren ist.

Und hier ist ein Artikel mit zusätzlichen Informationen.

Lisha: Also wissen wir, dass die Angaben im Film nicht für bare Münze genommen werden können. Woher wissen wir überhaupt, dass irgendetwas in dem Film wirklich zutrifft?

Willa: Das ist eine gute Frage, Lisha. Vielleicht werden wir in der Lage sein, das herauszufinden, wenn mehr Belege auftauchen. Genauso dringend hoffe ich, dass die Mainstream-Medien durch Informationen wie diese endlich dazu gezwungen werden, zurückzuschauen und die gesamten Anschuldigungen neu zu bewerten und diesmal wirklich die Beweise zu betrachten.

Lisha: Das hoffe ich auch.

Willa: Unglücklicherweise halte ich das nur für einen kleinen Hoffnungsschimmer. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der für viele Jahre Chefredakteur der Lokalzeitung war und nun am örtlichen College Journalistik unterrichtet. Er ist wirklich ein netter Mensch und ich respektiere ihn sehr, aber er erzählte mir, dass er, ehrlich gesagt, schon vor langer Zeit Michael Jackson als Freak abgetan hat, ungeachtet dessen, ob er Kinder belästigt hat oder nicht. Er sagte, dass ihm Beweise diese oder jene Einzelheit betreffend egal seien. Seine grundsätzliche Einschätzung Michael Jacksons stand bereits fest und würde sich wahrscheinlich nicht ändern.

Ich fürchte, dass viele Menschen das so empfinden, inklusive andere Journalisten. Zum Beispiel habe ich den Eindruck, dass die nationalen Medien sich gar nicht großartig für Beweise interessieren. Stattdessen hat bereits eine fast universelle Verdammung Michael Jacksons stattgefunden, genauso wie die öffentliche Verunglimpfung jedes Einzelnen, der sich traut, ihn zu verteidigen.

Lisha: Ich denke, darum müssen wir einen Schritt zurücktreten und über eine kulturelle Antwort auf den Film nachdenken, statt zu versuchen, jeden kleinen Beweisfetzen auszuwerten.

Willa: Hmmm… Ich denke immer noch, das Betrachten der Beweise hat einen hohen Stellenwert, aber das ist ein guter Punkt, Lisha. Ich denke, du hast Recht – Beides muss gleichzeitig passieren.

Lisha: Ja, ich stimme dir zu. Die Fakten aufzudecken ist wesentlich. Aber was sagt es über eine Kultur aus, wenn ein Film dieser Art – vier Stunden drastischer Schilderungen pädophiler Handlungen – so viel Begeisterung erzeugt? Es lohnt sich, darüber nachzudenken, warum ein Unterhaltungsprodukt wie dieses so ansprechend ist.

Für mich war der schlimmste Teil von Leaving Neverland die unerbittliche, sensationsheischende Berichterstattung in den Medien. Ich habe das wirklich nicht kommen sehen. Es fühlt sich oft an, als käme es von einer einzigen unkritischen Stimme, trotz allem, was wir über diese Fälle in den letzten sechs Jahren gelernt haben. Die Robson/Safechuck-Verfahren sind bereits zwei Mal ohne Sachentscheidung abgewiesen worden. Große Nachrichtenagenturen haben 2013 über die Klagen berichtet. Außerdem ist Michael Jackson 2009 gestorben! Also warum ist das plötzlich so ins öffentliche Bewusstsein hinein explodiert und hat für so eine gewaltige Reaktion gesorgt?

Wenn ich zurückblicke auf ein paar frühere Medienanalysen, erkenne ich eine vertraute Geschichte. Zum Beispiel hat der Medienwissenschaftler John Erni damals, 1998 die Berichterstattung über die Chandler Beschuldigungen als „zum einen grob vereinfachend und zum anderen himmelschreiend homophob“ beschrieben, und ich denke, das trifft immer noch zu. Zu viele Journalisten nehmen die Anschuldigungen einfach für bare Münze. Und in einer Kultur, die „nicht müde wird, den Mythos von Schwulen als Kinderbelästiger zu recyceln“ sehen wir wieder homophobe Restriktionen gegen Michael Jackson und Andersartigkeit.

Willa: Absolut.

Lisha: Aber ich verstehe immer noch nicht, warum dieses Narrativ jetzt mit großem Getöse zurückschlägt. Warum jetzt?

Willa: Das ist eine wirklich gute Frage, Lisha. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht daran liegt, dass die Anschuldigungen in einem Film gezeigt wurden wie eine Geschichte, mit Leuten, die die Zuschauer sehen und mit denen sie eine Verbindung aufbauen konnten – was Psychologen den „Identifizierbares Opfer-Effekt“ nennen – Es gab neulich einen Artikel darüber in Salon.

Lisha: Toller Artikel! Ich bin sicher, das ist ein großes Stück des Puzzles.

Willa: Ja, du hast vielleicht recht, Lisha, das ist nur einer von vielen Gründen, warum Leaving Neverland so einen Aufschrei ausgelöst hat. Aber ich halte das für einen wichtigen Grund. Es scheint, dass wir Menschen so verdrahtet sind, dass wir emotional auf Geschichten reagieren. Ich glaube, das ist ein Grund, warum Freud sich so oft der griechischen Mythologie zuwandte, wenn er die menschliche Psychologie beschrieb und benannte (Es gibt Eros und Narzissus, Ödipus und Elektra…). Es ist, als würden wir Menschen Geschichten erschaffen, unsere Geschichten aber auch uns erschaffen. Über die Jahrtausende haben unsere Geschichten unser Denken geformt, unsere Kultur und unser Verständnis davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Daher können uns unsere Geschichten auf eine Weise emotional bewegen, die nur schwer zu verstehen ist.

Wenn man also einen Film wie Leaving Neverland sieht und miterlebt, wie ein Mitmensch eine entsetzliche Geschichte erzählt – selbst wenn die Geschichte bereits seit einigen Jahren die Runde macht, wie Robsons und Safechucks Behauptungen – dann ruft das unsere Emotionen wach und betrifft uns auf ganz andere Weise als es ein Report über einen Gerichtsfall tun würde, selbst wenn beides inhaltlich gleich ist.

Lisha: Es stimmt, dass der Film vollkommen auf affektiver und emotionaler Betroffenheit beruht, was ein ganz anderer Weg ist, Informationen aufzunehmen als, sagen wir, das Lesen von juristischen Dokumenten. Selbst wenn der Inhalt der gleiche ist, ermöglicht ein Film dem Betrachter, nonverbale Informationen zu bewerten, was sehr machtvoll sein kann.

Willa: Das stimmt.

Lisha: Ich habe festgestellt, dass „Untouchable“ („Unantastbar“, Anm. d. Ü.), der Film über Harvey Weinstein, denselben Ansatz verfolgt. Er hatte neben Leaving Neverland Premiere beim Sundance Film Festival und konzentrierte sich in gleicher Weise auf die Behauptungen der Ankläger. Ein Kritiker erklärte es so:

Geschichten in Zeitungen und Zeitschriften können uns mit den Details versorgen, aber Kino, ein bild- und zeitbasiertes Medium, kann mehr als Print-Medien. Es kann uns mit den Opfern zusammensitzen und zu Zeugen werden lassen, während sie von ihren Erfahrungen berichten.

Willa: Ja, das ist eine gute Beschreibung. Und uns in diese unangenehme Lage zu versetzen, kann machtvoll sein: es kann uns zwingen, der harten Realität ins Auge zu sehen, starke Emotionen freisetzen und möglicherweise wichtige gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Aber die schiere Gewalt dieser Emotionen kann uns auch in Schwierigkeiten bringen.

Lisha: Ganz bestimmt. Ich habe festgestellt, dass die Me Too-Bewegung an dieser Stelle ein wenig in Schieflage gerät – wir werden ermutigt, „den Opfern zu glauben“ und gleichzeitig unterschwellig dazu aufgefordert, unsere Fähigkeit zu kritischem Denken beiseite zu lassen. Manche haben sogar versucht, das plötzliche Interesse an Leaving Neverland als Teil der Me Too-Bewegung zu erklären. Aber ich neige dazu zu denken, wenn das der Fall wäre, hätte es viel mehr Reaktionen auf Untouchable und den bevorstehenden Prozess gegen Harvey Weinstein gegeben – ein lebendes, atmendes menschliches Wesen.

Willa: Die unterschiedlichen Reaktionen auf Untouchable und Leaving Neverland sind ganz schön auffällig, wenn du sie so nebeneinander stellst, Lisha. Ich glaube, du hast recht damit, dass es da um mehr geht – etwas, das eine viel stärkere emotionale Reaktion auf Michael Jacksons Ankläger hervorruft als auf Weinsteins.

Und wieder sollten wir vorsichtig damit sein, den Wahrheitsgehalt einer Geschichte aufgrund unserer emotionalen Reaktionen zu beurteilen. Nur weil eine Geschichte überzeugend ist, muss sie nicht wahr sein. Einige unserer herzzerreißendsten Geschichten sind fiktiv. Aber weil sie uns so tief bewegen, fühlen sie sich auf einer gewissen Ebene wahr an.

Lisha: Ja, das ist richtig. Ich habe oft gedacht, dass viele fiktive Geschichten auf der psychologischen Ebene wahr sind! Vielleicht sogar mehr als die reine Darlegung von Fakten.

Willa: Ich weiß, was du meinst. Fiktion kann wichtige psychologische Fakten beinhalten, selbst wenn die Handlung ein komplettes Hirngespinst ist. Tatsächlich kann Fiktion etwas Tiefgreifendes ausdrücken und uns tiefer bewegen als eine strikte Befolgung der tatsächlichen Geschehnisse. Ich habe neulich Never Look Away („Sieh niemals weg“, Anm. d. Ü.) gesehen, einen erstaunlichen Film über die Fähigkeit von Kunst, Wahrheiten auszudrücken, die vielleicht nicht einmal der Künstler versteht. In einem kürzlich erschienenen Artikel sagt Florian Henckel von Donnersmarck, der Regisseur von Never Look Away, dass es eine Geschichte schwächen kann, sich an alle Fakten und den genauen Ablauf zu halten. Citizen Kane wäre ein geringerer Film, wenn er Citizen Hearst genannt worden wäre.

Lisha: Interessant!

Willa: Das glaube ich auch. Dieser Kommentar hat mich wirklich beeindruckt. Also versuchen Regisseure, Geschichten auf eine Weise zu vermitteln, die Emotionen erregt – sie arbeiten hart daran, uns emotional zu bewegen. Und diese Emotionen mögen wichtige Einblicke vermitteln, aber sie können uns auch irreleiten.

Zum Beispiel können Emotionen eine Art von Mob-Mentalität hervorrufen, die Menschen mitreißt. Ich glaube, das ist ein Grund, warum Michael Jackson während seines Prozesses How to kill a mockingbird (Wer die Nachtigall stört) immer und immer wieder angeschaut hat – um zu verstehen, wie diese Mob-Mentalität funktioniert, besonders wenn eine schwarze Person von einer weißen Person einer Sexualstraftat bezichtigt wird. In solchen Situationen, wenn es zu einem emotionalen Ausnahmezustand kommt, kann es fast unmöglich sein, die breite Öffentlichkeit dazu zu bringen, einen Moment innezuhalten und nicht voreilig zu urteilen, bevor die Beweise richtig eingeschätzt wurden. Die Geschichte ist übersät mit dieser Art von Ereignissen und kulturellen Produkten – Birth of a Nation („Die Geburt einer Nation“, Anm. d. Ü.) kommt einem in den Sinn – wo gezeigt wird, wie leicht wir kulturellen Narrativen und Kurzschlussreaktionen in die Falle gehen. Leaving Neverland wurde hergestellt, um starke emotionale Reaktionen hervorzurufen und daraus ist ein Versuch geworden, Michael Jackson in eine Art kulturellen Volksteufel zu verwandeln, um den Begriff des Soziologen Stanley Cohen zu gebrauchen. Weil diese Dämonisierung Michael Jacksons in einer Art medialem Gerichtsprozess auch Aufrufe beinhaltet, seine Musik zu verbannen, denke ich, dass wir wachsam sein sollten im Umgang mit diesem kulturellen Moment. Musik und Kunst zu verbannen ist ein sehr dunkler Impuls.

Willa: Naja, das ist ein kompliziertes Thema. Ich stimme zu, dass wir immer dann wachsam sein müssen, wie du sagst, wenn wir Zeichen dieser Art von Mob-Mentalität sehen. Mobs sind beängstigend, besonders leibhaftig, aber sogar online. Und es ist problematisch, dass es kaum Diskussionen über tatsächliche Beweise gibt oder die Darstellung von unterschiedlichen Sichtweisen. Für eine Weile schien es, als sei Joe Vogels Artikel in Forbes [deutsche Übersetzung; Anm.d.Übers.] der einzige da draußen, der gegen Leaving Neverland vorging und gegen die allzu vertraute Erzählung von Michael Jackson als sexuellem Raubtier kleinen, weißen Jungen gegenüber.

Aber um ehrlich zu sein, kann ich verstehen, warum die meisten Zuschauer von Leaving Neverland empört sind und Sympathie für Wade Robson und James Safechuck empfinden. Ich habe eine liebe Freundin, die vor mehr als vierzig Jahren sexuell missbraucht wurde, und es beeinflusst immer noch fast jeden Aspekt ihres Lebens. Es war ein so tiefgehender Verrat. Es ist fast unmöglich, in Worten auszudrücken, welche Auswirkungen das auf sie hatte. Ich habe eine andere Freundin, die eines Tages entdeckte, dass ihr Ehemann ihre beiden Kinder sexuell missbraucht hatte. Sie erzählte mir, sie sei an dem Morgen zur Arbeit gegangen mit der Überzeugung, sie führe eine starke Ehe und habe eine glückliche Familie, und am Ende des Tages war alles, was sie zu wissen glaubte, ins Gegenteil verkehrt.

Lisha: Das ist herzzerreißend, Willa.

Willa: Das ist es. Es ist herzzerreißend und zerstörerisch und vollkommen verwirrend. Sie sagte mir, dass sie sich immerfort fragte, Wie konnte mir das entgehen? Wie konnte ich meinen Mann als einen witzigen, glücklichen Extravertierten missverstehen, während er solche Dunkelheit in sich trug? Wie konnte ich seine Beziehung mit unseren Kindern missverstehen? Sie hat wirklich den Glauben an ihre Menschenkenntnis verloren, und ich weiß nicht, ob sie sich jemals komplett davon erholen wird.

Lisha: Das ist unglaublich traurig, denn Menschen, die diese Verbrechen begehen, sind nicht stolz auf Ihr Verhalten und gehen sehr weit, um es zu verbergen. Zweifellos wurde das sorgfältig verborgen – besonders vor ihr. Aber unglücklicherweise nehmen Mütter oft die Schuld auf sich, weil sie darin versagt haben, ihre Kinder zu schützen – ein weiteres kulturelles Narrativ, das es verdient, mehr hinterfragt zu werden.

Willa: Das stimmt. Auch das sehen wir in Leaving Neverland.

Lisha: Leider ja.

Willa: Wie auch immer, mein Punkt ist, dass ich erlebt habe, wie sexueller Missbrauch Menschen zerreißen kann, nicht nur Opfer, auch deren Familien, und ich habe den Langzeiteffekt gesehen, den er auf die tiefsten Abgründe der Psyche des Opfers haben kann. Also kann ich verstehen, warum die meisten Leute, die Leaving Neverland sehen, Schock und Wut und Abscheu empfinden.

Lisha: Ich kann natürlich verstehen, dass man Mitgefühl hat mit jemandem, der leidet und dass man denen helfen möchte, die zu Opfern wurden. Es scheint nur natürlich zu sein, dass du so viel Unterstützung und Trost wie möglich zeigen möchtest.

Willa: Ja, das denke ich auch.

Lisha: Aber ich will auch an die Opfer falscher Anschuldigungen denken. Was dem Gespräch über Leaving Neverland meiner Ansicht nach fehlt, ist die Anerkennung dessen, dass es seit Jahrzehnten eine erhöhte kulturelle Aufmerksamkeit für den sexuellen Missbrauch von Kindern gibt, seit den Achtzigern, soweit ich mich erinnere. Das ist kein gesellschaftliches Problem, das wir unter den Teppich gekehrt haben oder von dem wir so getan haben, als gäbe es das nicht. Wir wurden überschwemmt mit allen möglichen Informationen über sexuellen Missbrauch von Kindern. Oprah allein sagt, sie habe 217 Fernsehsendungen zu dem Thema gemacht. Zeitweise erhob sich aus dem großen Interesse an diesem Thema eine extreme Panik und Hysterie. In Mike Lews Worten, Autor von Victims No Longer („Nicht länger Opfer“, Anm. d. Ü.) (ein Buch, das Wade Robson auf seiner Webseite empfiehlt): „Man müsste schon in einer Höhle gelebt haben, um sich der Realität von Kindesmissbrauch nicht bewusst zu sein…“

Zusammen mit dem erhöhten Bewusstsein von Missbrauch kommt das Wissen darüber, wie zerstörerisch falsche Anschuldigungen sein können. Genauso wie wir es in Fällen von Missbrauch sehen, können falsche Anschuldigungen Menschenleben ruinieren und Familien auseinanderreißen. Also müssen diese Behauptungen sehr sorgfältig untersucht werden.

Willa: Ja, besonders, wenn der Ankläger weiß ist und der Beschuldigte nicht.

Lisha: Ausgezeichnetes Stichwort! Rasse verkompliziert diese Diskussion exponentiell, besonders wenn es um Anschuldigen wegen sexueller Gewalt von Schwarzen gegen Weiße geht.

Willa: Das ist wirklich so. Du weißt, dass ich im Süden aufgewachsen bin, also ist mir klar, dass diese machtvollen Gefühle von Wut und Empörung manipuliert werden können, besonders gegen farbige Männer. Wiederholt haben in der amerikanischen Geschichte weiße Männer Nichtweiße oder Männer anderer Rassen des sexuellen Missbrauchs weißer Frauen und Kinder beschuldigt, und haben dann die enorme Angst und Wut, die daraus entstand, für politische und finanzielle Ziele genutzt.

Zum Beispiel wurde diese Strategie während des Kolonialismus wiederholt gegen amerikanische Indianer angewendet, um die Übertretung von Verträgen und die Beschlagnahme von Indianerland zu rechtfertigen. Ich meine damit, dass weiße Siedler Geschichten darüber verbreitet haben, dass Indianer weiße Frauen und Kinder entführt und missbraucht haben, und dann wurden diese Geschichten als Rechtfertigung dafür benutzt, Indianer von dem Land zu vertreiben, das rechtmäßig ihnen gehörte. Diese Strategie hatte eine interessante Auswirkung: Sie erlaubte weißen Siedlern, sich selbst als Opfer darzustellen, selbst wenn sie gegen die Ureinwohner Gewalt ausübten und ihnen ihr Land wegnahmen.

Eine ähnliche Strategie wurde in den 1880er Jahren gegen chinesische Einwanderer und gegen mexikanische Einwanderer in den 1930ern angewendet (genauso wie die Präsidentschaftswahl 2016), um Veränderungen in der Einwanderungspolitik zu bewirken. Und sie richtete sich über Generationen gegen schwarze Männer. Tausende von befreiten schwarzen Männern wurden gelyncht in den Jahrzehnten, die dem Wiederaufbau folgten, und eine falsche Anschuldigung wegen sexueller Belästigung war oftmals die Rechtfertigung für das Anzetteln von Massenausschreitungen, die Zerstörung von erfolgreichen schwarzen Geschäften und Gemeinden und die Konfiszierung schwarzen Besitztums.

In einem Pamphlet von 1892, Southern Horrors: Lynch Law in All Its Phases (Der Horror des Südens: Lynchjustiz in all ihren Phasen, Anm. d. Ü.) weist die Journalistin Ida Wells darauf hin, dass diese grausamen Lynchmorde auch einen übergreifenden politischen Zweck verfolgten: befreite Schwarze, besonders schwarze Männer zu unterdrücken, nachdem die Sklaverei abgeschafft worden war. Wells warnt ihre Leser weiterhin, dass falsche Anschuldigungen von Vergewaltigung, um Gewalt von Weißen gegen Schwarze zu rechtfertigen, inzwischen so weit verbreitet waren, „dass es gerechtfertigt zu sein scheint, uns als eine Rasse von Vergewaltigern abzustempeln.“ (Übrigens, vielen Dank an Eleanor Bowman dafür, dass du mich auf Wells Pamphlet aufmerksam gemacht hast. Ich habe eine Menge daraus gelernt. Wenn jemand es lesen möchte, der vollständige Text findet sich hier.)

Unglücklicherweise denke ich, dass Wells Voraussage in einem gewissen Ausmaß wahr geworden ist – über die Jahrzehnte hat dieses Narrativ in den Köpfen vieler Leute Afroamerikaner als „Rasse von Vergewaltigern abgestempelt“. Also sind inzwischen viele weiße Amerikaner darauf voreingestellt, schwarze und farbige Männer als sexuelle Raubtiere zu sehen. Diese Historie hat einen enormen Einfluss darauf, wie Weiße schwarze Männer wahrnehmen, die des sexuellen Missbrauchs weißer Frauen und Kinder beschuldigt werden und wie sie auf sie reagieren. Aber ich glaube, viele weiße Amerikaner bemerken es entweder nicht oder wollen es nicht zugeben.

Lisha: Kulturelle Narrative sind so sehr ein Teil unseres Alltags, dass wir uns selten überhaupt ihrer bewusst werden – jedenfalls, bis sie herausgefordert werden. Es ist wichtig herauszuarbeiten, dass die Kulturindustrie (z.B. Musik und Film) ein Bereich ist, in dem diese Mythen und kulturellen blinden Flecken kontinuierlich bestätigt (und manchmal angefochten) werden. Das ist eine der Methoden zur Aufrechterhaltung der sozialen Privilegien für die Leitkultur.

Willa: Das stimmt.

Lisha: Das erinnert mich an einen neulich erschienenen Artikel über Leaving Neverland, der sich um diese Fragen dreht, hinsichtlich kognitiver Vorurteile, inklusive rassischer Vorurteile, und der erklärt, wie diese die Reaktion der Zuschauer auf den Film beeinflussen. Er trägt den Titel “How Your Judgment Can Be Skewed About the Michael Jackson Documentary” („Wie Ihr Urteil über die Michael Jackson Dokumentation verzerrt werden kann“, Anm. d. Ü.) und ist von einem Psychiater verfasst worden, Dr. Srini Pillay. Pillay sagt, er hatte Schwierigkeiten, einen Herausgeber für dieses Werk zu finden, denn er war nicht im Einklang mit den vorherrschenden Medien-Erzählungen über den Film. Er arbeitet natürlich heraus, dass dies ein ebenso starker Beweis für kognitive Vorurteile ist!

Willa: Das ist es wirklich, besonders weil dies ein tiefgründiger Artikel einer glaubwürdigen Quelle ist. Ein Harvard Psychiater und Hirnforscher. Es sagt eine Menge, dass er nicht in der Lage war, einen Herausgeber zu finden.

Willa: Ich glaube, dass immer dann, wenn wir sehen, wie die Medien mit einer Stimme sprechen, dies ein Signal dafür ist, dass wir uns in einer Gefahrenzone befinden, kulturell gesprochen. Ich möchte mich dann umschauen, um zu sehen, ob ich herausfinden kann, was genau sich außerhalb unserer peripheren Wahrnehmung versteckt.

Pillay zeigt, wie Vorurteile arbeiten, zum einen offen und auf versteckte Weise. Zum Beispiel sind in der Dokumentation die weißen Ankläger „die einzigen Menschen mit einer Stimme oder Perspektive“, während „der beschuldigte schwarze Täter nicht nur keine Stimme hat, sondern tot ist.“ Das fällt mir auf als ein Beispiel von offener rassistischer Voreingenommenheit.

Aber da geht noch mehr subtile Manipulation vor sich. Was mich am meisten überrascht hat, war eine Studie über „postmortale Dämonisierung und Kriminalisierung“ von schwarzen Männern, die zeigt, dass „das Risiko, rassistische Voreingenommenheit zu erfahren, für schwarze Männer sehr erhöht ist, besonders nachdem sie gestorben sind“.

Willa: Das hat mich auch überrascht.

Lisha: Ich glaube, das ist unglaublich wichtig hier, wenn man bedenkt, dass Michael Jackson seit fast zehn Jahren tot ist.

Willa: Ja. Ich habe nie nachgedacht über „das Risiko rassistischer Voreingenommenheit“, das schwarzen Männern nach ihrem Tod begegnet. Ihnen begegnet bereits so viel zu Lebzeiten! Aber das erinnert mich an Martin Luther King, zum Beispiel, und an alles was nach seinem Tod unternommen wurde, um sein Vermächtnis zu zerstören – wie all die Geschichten über Affären und One Night Stands. Warum wurde das veröffentlicht, und warum dann?

Lisha: Das ist ein perfektes Beispiel! Der Kampf um Dr. Kings Vermächtnis hat einen alten (und immer noch lebendigen) Mythos über schwarze, männliche Hypersexualität erweckt, und das Thema wiederholt sich im Kampf um Michael Jacksons Vermächtnis.

Willa: Ich stimme dir absolut zu.

Lisha: Pillay beschreibt außerdem die Vorurteile gegen erfolgreiche Menschen, an die wir im Zusammenhang mit Dr. King ebenfalls denken können. Reverend Jesse Jackson hat darüber 2005 in einem Interview mit Bill Maher gesprochen, in Bezug auf Michael Jackson: „ob du Jack Johnson oder Paul Robeson oder Martin King oder Mandela bist, wenn Schwarze sehr hohe Positionen erreichen, stehen sie in der Schusslinie. Michael erkennt, dass er selbst in dieser Linie steht.

Willa: Ja, das ist ein guter Punkt. Das ist wie der „A star is born“- Effekt, wo wir wiederholt die Geschichte einer talentierten Person erzählen, die großen Erfolg hat, Unglaubliches erreicht, um dann zusammenzubrechen und zu verbrennen. Wir erzählen diese Geschichte immer und immer wieder. Und das stimmt besonders für erfolgreiche schwarze Männer. Wie Michael Jackson 2005 selbst in einem Interview mit Jesse Jackson sagte: „Es gibt ein Muster unter schwarzen Berühmtheiten in diesem Land.“

Lisha: Das ist praktisch zur Zeit ein nationaler Zeitvertreib: The “swift and sudden fall from grace.” (Der „jähe und plötzliche Fall in Ungnade“, Anm. d. Ü.)

Willa: Genau. In dem Video, das du geteilt hast, Lisha, hat Jesse Jackson ein anderes Phänomen beschrieben, das hier ebenfalls wichtig ist, denke ich: Dass Jack Johnson, Muhammad Ali und Nelson Mandela zu Lebzeiten verunglimpft wurden und ihr Image saniert und gefeiert wurde, nachdem sie gestorben waren.

Also glaube ich, dass wir in Bezug auf Michael Jackson in unterschiedlichen Phasen mehrere unterschiedliche Phänomene sehen. Er wurde verachtet in den ungefähr letzten zehn Jahren seines Lebens, dann gefeiert direkt nachdem er gestorben war – wie Jack Johnson, Muhammad Ali und Nelson Mandela es wurden. Aber nun scheint eine Art Gegenreaktion einzusetzen. Einmal mehr wird er zum „beast you visualized“ („die Bestie, die du dir vorgestellt hast“, Anm. d. Ü.), um einen weiteren Songtext von ihm zu zitieren. Es ist, als bräuchten wir ihn, um diese kulturelle Rolle auszufüllen.

Lisha: Ja, du hast recht. Es ist wieder diese Mob-Mentalität und das Bedürfnis, einen kulturellen Volksteufel herzustellen. Nun füge noch das Vorurteil vor Kreativität hinzu…

Willa: Richtig, ich fand, dass das ebenfalls einer der wirklich interessanten Teile in Dr. Pillays Artikel war. Ich meine, denk nur an die beliebte Vorstellung des berühmten Komponisten oder Malers, der halb verrückt ist, oder denk an all die Lieder oder Volkssagen, in denen ein Künstler eine Art von Pakt mit dem Teufel schließt, um Erfolg oder Kreativität zu erlangen. Es scheint wirklich widersprüchliche Wahrnehmungen kreativer Menschen zu geben – dass sie für ihr Talent gefeiert werden sollten, aber auch, dass mit ihnen irgendetwas nicht ganz zu stimmen scheint. Michael Jackson spricht dieses Vorurteil in Ghosts ausdrücklich an. Schließlich ist die Hauptfigur ein „Maestro“, und die Dorfbewohner fühlen sich von seiner Kreativität bedroht wie von sonst etwas.

Lisha: Es gibt viele kulturelle Narrative über Künstler – Ghosts legt eine Menge von ihnen dar. Und ich glaube, wir könnten sogar eine Untergruppe für Popmusik erstellen. Ich meine, füll die Leerstelle aus: Musiker sind _____ (sexuell promiskuitiv, drogensüchtig, rücksichtslos, unverantwortlich…) Es gibt sogar eine kulturelle Kurzform dafür: Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll“.

Willa: Ich erkenne, was du meinst!

Lisha: Es ist also sehr komplex, was die Reaktion der Zuschauer dieses Films steuert, inklusive eines weiteren wichtigen Faktors, welches das letzte Element ist, das Pillay ermittelt: Voreingenommenheit in Bezug auf Erinnerungen. Wie sich herausstellt, ist Erinnerung nicht halb so stabil und verlässlich, wie wir gern glauben würden.

Elizabeth Loftus ist eine führende Erinnerungsforscherin, die die Anschuldigungen Wade Robsons schon früh als fragwürdig kennzeichnete, besonders als die ersten Berichte seine Behauptungen als Fall von unterdrückten Erinnerungen beschrieben. Obwohl Robson das zurücknahm und öffentlich sagte, seine Erinnerungen seien niemals unterdrückt gewesen, empfiehlt er auf seiner Website ein populärpsychologisches Buch, Courage to Heal („Mut zu heilen“, Anm. d. Ü.), das breit dafür kritisiert wurde, dass es die Theorie der unterdrückten Erinnerung gefördert hat. Dr. Loftus spricht das insbesondere in ihrem eigenen Buch an, aber vielleicht ist das eine längere Diskussion für eine andere Gelegenheit!

Willa: Ich denke schon. Es klingt, als gäbe es noch viel zu lernen und vieles auszupacken zu diesem Thema! Und ich freue mich auf eine weitere Diskussion. Es ist immer so großartig, mit dir zu sprechen, Lisha!

Alle weiteren Beiträge rund um die Unterstellungen sind hier zu finden.

John Ziegler und Charles Thomson über Leaving Neverland und die mediale Berichterstattung

by

John Ziegler ist ein US-amerikanischer Journalist, Dokumentarfilmer und Radio/Podcast-Host.

Charles Thomson ist ein mehrfach ausgezeichneter britischer Journalist.

Quelle: https://player.fm/series/free-speech-broadcasting/ep-2019-04-14-1-charles-thomson

John Ziegler: … Zuerst möchte ich über Michael Jackson und Leaving Neverland sprechen, da wir wahrscheinlich mehr Arbeit darin investiert haben als so ziemlich jeder andere in Amerika; was für ein Betrug dieser HBO-Film wirklich ist. Und ich habe bereits erwähnt, dass es in Großbritannien einen britischen investigativen Journalisten namens Charles Thomson gibt, der im Grunde in fast jeder Hinsicht ein Seelenverwandter von John Ziegler ist, aber insbesondere in Bezug auf Leaving Neverland und dem schrecklich haarsträubendem Umgang der Medien damit, und so bat ich Charles, ins Programm zu kommen. Er hat freundlicherweise zugestimmt und schließt sich uns von außerhalb Londons an. Charles Thomson, willkommen beim Podcast.

Charles Thomson: Danke für die Einladung.

John Ziegler: Vielen Dank, dass Du bei uns bist. Ich habe Deine Arbeit aus der Ferne bewundert, nicht nur im Jackson-Fall, sondern auch über die Medien im Allgemeinen. Während wir also dort anfangen, gib uns so schnell wie möglich einen Einblick in Deinen umfangreichen Background im Jackson Fall sowie auch in anderen Fällen von Kindesmissbrauch, die Du untersucht hast.

Charles Thomson: Okay, ich arbeite derzeit als Chefreporter bei einer großen Zeitungsreihe von Regionalzeitungen. In Großbritannien gibt es den Yellow Advertiser, der quer durch Essex und East London vertrieben wird, also eine große Anzahl an Ausgaben, die wöchentlich zu Hunderttausenden erscheinen und ein Teil meines Jobs besteht aus investigativen Berichten und Verbrechens- und Gerichtsberichten, und so behandelte ich während meiner Zeit dort eine Vielzahl von Fällen, einschließlich Kindesmissbrauchsfällen, einschließlich Kindermorden, und mein Background im Michael Jackson Fall reicht in die Zeit vor meiner Arbeit in der Regionalpresse zurück, als ich ein freiberuflicher Autor war und mir 2010 in der Michael Jackson Welt zum fünften Jahrestag des Urteils im Michael Jackson Prozess einen Namen gemacht habe. Ich verbrachte ein paar Monate damit, die Transkripte zu lesen oder erneut zu lesen und verglich diese mit dem Zeitungs- und Fernseharchiv. Ich schaute mir die Zeugenaussagen an bestimmten Tagen an und verglich sie mit der Art und Weise, wie in den Medien darüber berichtet wurde. Für die Huffington Post schrieb ich einen Artikel, in dem es um diese Diskrepanz ging und dass die Berichterstattung der Medien wirklich falsch und unglaublich voreingenommen war. [-> Eine beschämende Episode in der Mediengeschichte; Anm.d.Übers.]

John Ziegler: Um das ganz deutlich zu sagen, denn ich bekomme das selbst immer zu hören, wenn man eine konträre Stimme hat, besonders in einem Kindesmissbrauchs-Fall: Die Leute denken, man ermöglicht Kindesmissbrauch oder schlimmeres, aber Du bist tatsächlich genau das Gegenteil. Du wurdest für Deine Arbeit in anderen Fällen von Kindesmissbrauch ausgezeichnet, also gib uns ein Gefühl dafür, wie sich der Fall Michael Jackson von anderen Fällen unterscheidet, die Du behandelt hast, besonders in Bezug auf das Fehlen von Beweisen gegen ihn.

Charles Thomson: Nun, ich meine, der Hauptunterschied ist – und das liegt hauptsächlich daran, wer Michael Jackson ist – dass es in keinem anderen Fall, über den ich je berichtet habe, ein riesiges Multi-Millionen-Dollar-Motiv gab, um zu lügen. In Michael Jacksons Fall hat es noch nie einen Ankläger gegeben, der einfach zur Polizei gegangen ist, in eine Polizeistation gegangen ist oder einen Anruf bei der Polizei gemacht hat und gesagt hat, „Hi, ich wurde missbraucht und ich möchte das melden“, der mit der Polizei zusammengearbeitet und eine konsistente und schlüssige Version der Ereignisse abgegeben hat. Das ist buchstäblich noch nie passiert. Jeder einzelne Ankläger von Michael Jackson hatte immer ein enormes finanzielles Motiv und hat sich immer völlig diskreditiert, hat sich selbst widersprochen, hat anderen Leuten widersprochen, hat seine Geschichte ständig geändert und sich in eklatanten Lügen und Meineid verfangen. Es hat tatsächlich noch nie einen Ankläger gegen Michael Jackson gegeben, der einer genaueren Überprüfung standgehalten hat, und weißt Du, es ist nicht so, wie die Leute manchmal sagen: „Naja, das liegt nur daran, dass Michael Jackson die Ressourcen hatte, um fantastische Anwälte zu bezahlen“. Denn wenn man sich zum Beispiel die jüngste Dokumentation anschaut, bedurften viele der Unstimmigkeiten in dieser Dokumentation keiner Spitzenanwälte, um aufgezeigt zu werden. Es waren Michael Jacksons Fans, die massive und eklatante Fehler und Lügen in der Dokumentation gefunden haben, welche die vermeintlich professionellen Journalisten, die die Dokumentation gemacht haben, irgendwie übersehen haben.

John Ziegler: Das ist alles sehr gut gesagt, aber ich möchte sicherstellen, dass wir einen Punkt deutlich machen: Das von Dir beschriebene Szenario einer missbrauchten Person, die zur Polizei geht, und sagt „Hey, das ist mir passiert“, und die andere Seite sagt „Du meine Güte, wir können davon ausgehen, dass das so passiert ist“ – die Realität ist, dass das gelegentlich vorkommt und diese Fälle haben oft echte Beweise, oder nicht?

Charles Thomson: Nun, mit Sicherheit. Ich würde sagen, in den meisten Fällen kommt Missbrauch nur ans Licht, weil jemand beschließt, ihn zu melden. Ich möchte damit sagen, dass diese Menschen vor die Wahl gestellt wurden, Gerechtigkeit oder Geld anzustreben, und sie haben wortwörtlich Geld angestrebt. Der Chandler-Fall wurde gezielt so aufgebaut, um exakt mit der Zivilklage übereinzustimmen. Dann gab es den Arvizo-Fall, wo die Mutter versucht hat, einen Zivilanwalt zu bekommen, gescheitert ist und erst dann zur Polizei gegangen ist, als der Zivilanwalt sagte, dass sie einen Schuldspruch braucht, bevor er sie vertritt. Und dann haben wir Wade Robson und Jimmy Safechuck, die direkt zu einem Zivilanwalt gehen. Im Michael Jackson Fall gehen also auch diejenigen, die sich zu einer Meldung entschlossen haben, nicht zur Polizei und sagen, „ich möchte Missbrauch melden“, sie laufen zu einem Anwalt und verkaufen sie für Millionen Dollar. Doch ja, ich meine, in vielen Fällen gibt es handfeste Beweise, forensische Beweise, es gibt bestätigende Zeugen oder der Missbrauch wird gemeldet und öffentlich gemacht, und dann kommt eine Flut anderer Opfer. Und im Michael Jackson Fall trifft nichts davon zu, alles ist völlig konträr zu einem üblichen Fall.

John Ziegler: Also Charles, lass uns speziell über James Safechuck und Wade Robson sprechen. Sie sind die Stars dieser HBO „Dokumentation“ Leaving Neverland und wir beide haben in den letzten Wochen sehr viel darüber geredet. Wie sicher bist Du, dass sie in diesem Film nicht die Wahrheit sagen?

Charles Thomson: Ich denke, wir können sicher sein, dass sie über bestimmte Teile ihrer Geschichte nicht die Wahrheit sagen und für mich ist das alles, was man wissen muss. Wenn ich in der Jury sitze und herausgefunden habe, dass der Hauptzeuge unter Eid zu einem oder zwei Teilen seiner Geschichte gelogen hat, dann muss ich mir die Frage stellen, wenn er darüber lügt, wie kann ich sicher sein, dass er nicht über alles lügt. Und weißt Du, wenn man sich beispielsweise Jimmy Safechuck ansieht, gibt es da ein massives, massives Problem mit dem Bahnhof. Jimmy Safechuck verklagt derzeit den Estate von Michael Jackson. Er verklagt den Jackson Estate seit fünf Jahren und er hat wiederholt unter Eid und Strafe bei Meineid gesagt, „Ich wurde von 1988 bis 1992 missbraucht. Der Grund, warum mein Missbrauch 1992 aufhörte, war, weil Michael Jackson eine Vorliebe für präpubertäre Jungs hatte. Und wenn die Jungs in die Pubertät kamen, wurden sie zu groß und er ersetzte sie durch andere, jüngere Burschen. Dies ist meine Geschichte. Mein Missbrauch endete 1992.“ In der Dokumentation sagt er, Michael Jackson und er hatten 1988/89 das, was er als Flitterwochen bezeichnet, und „während dieser Flitterwochen missbrauchte mich Michael Jackson an allen verschiedenen Orten auf der Neverland Ranch. Einer dieser Orte war der Bahnhof.“ Er platziert seinen Missbrauch im Bahnhof also ausdrücklich zu Beginn seiner Geschichte des Missbrauchs, aber wir wissen auch, dass seine Geschichte des Missbrauchs unter Eid 1992 endet. Und dann finden wir ungefähr einen Monat, nachdem der Film herauskam heraus, dass der Bahnhof erst Mitte 1994 gebaut und eröffnet wurde. Wir wissen also, dass diese Story nicht wahr sein kann, besonders die Version der Story, die den Missbrauch im Bahnhof 1988/89 platziert. Sobald wir also wissen, dass Jimmy Safechuck eine sehr lebhafte Geschichte über etwas erzählt hat, das unmöglich wahr sein kann, müssen wir uns fragen, was an seiner Geschichte sonst noch nicht stimmt. Und wenn man diesem bestimmten Teil der Geschichte nicht vertrauen kann, wie kann man dann allem anderen vertrauen, das er gesagt hat? Wenn man in der Jury sitzt, kann man niemanden aufgrund der Aussage dieses Mannes verurteilen, weil man weiß, dass zumindest einige seiner Aussagen eidbrüchig sind. Das ist ein katastrophales Problem und Oprah Winfrey tut eine sechsjährige Diskrepanz in der Timeline, wo gesagt wurde, es sei 1988/89 passiert, aber wir wissen, dass es – wenn überhaupt – erst Mitte 1994 passiert sein kann, diese Woche im Fernsehen ab, in dem sie sagt „Oh, nur weil ich mich nicht mehr erinnern kann, ob es an einem Mittwoch oder Donnerstag war, bedeutet das nicht, dass sie nicht die Wahrheit sagen“. Das ist ein katastrophales Problem in den Safechuck-Vorwürfen und mein Standpunkt ist, wenn er über den Bahnhof nicht die Wahrheit sagt, kann ich mich auf nichts verlassen, das er mir sonst noch erzählt hat.

John Ziegler: Ich stimme Dir zu, obwohl die Medien dies sicherlich nicht so sehen und das, was Oprah diese Woche zu Trevor Noah in einer Comedy-Show hier in Amerika gesagt hat, übernommen haben. Sie setzte die Taktik ein, die ich ursprünglich bei Dan Reed, dem Regisseur des Films, vorhergesagt hatte: Dass alles, was ein mutmaßliches Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs sagt, ungeachtet dessen, wie absurd es manchmal auch ist, entschuldigt wird, indem einfach das Trauma vorgeschoben wird, nicht ins Detail gehen zu wollen und zu sagen, das größere Ganze sei das wirklich wichtige. Sie setzte diese Taktik in dem Wissen ein, dass sie, besonders, da sie von Oprah kam, die in diesem Land als königlich angesehen wird, nicht in Frage gestellt werden würde. Ich war schockiert, dass Dan Reed nicht klug genug war, diesen Weg zu gehen und stattdessen zugab, dass das Datum des Missbrauchs falsch war und wir jetzt wüssten, dass er eigentlich viel später missbraucht wurde, als wir zuvor gedacht hatten, was natürlich seine ganze Erzählung sprengt. Warst Du ebenfalls geschockt und verwirrt darüber, wie Dan Reed das im Vergleich zu Oprah Winfrey gehandhabt hat?

Charles Thomson: Ja, ich meine, im Grunde genommen reagierte Dan Reed auf die Diskrepanz in der Timeline, indem er seinen eigenen Hauptzeugen des Meineides beschuldigte, weil wir wissen, dass James Safechuck mindestens zwei vereidigte Erklärungen unterschrieben hat, die mit der Zeile enden „Ich unterzeichne diese Erklärung unter Strafe bei Meineid“, wo er sagt, dass er nach 1992 nie missbraucht wurde. Dan Reed, der einfach einen Tweet abfeuert, wo er sagt, dass James missbraucht wurde, nachdem der Bahnhof gebaut wurde, was bedeutet, dass er seinen eigenen Hauptzeugen des Meineides beschuldigt – das war schon eine sehr bizarre Reaktion, aber ich denke, dass Dan Reeds gesamte Reaktion auf die Kritik der Dokumentation ziemlich bizarr war, um ehrlich zu sein. Er hat sich auf eine Kampagne des Online-Trollings eingelassen und ist in ziemlich üble Auseinandersetzungen mit Fans verwickelt und er verhält sich meiner Meinung nach nicht gerade professionell, aber andererseits denke ich auch nicht, dass die Dokumentation ein besonders professioneller Job war.

John Ziegler: Was hältst du generell von ihm? Wir beide haben auf Twitter via Direct Message über ihn kommuniziert. Ich bin neugierig. Wenn Du mich fragst, was ich von ihm halte: ich denke, er ist nicht sehr intelligent und arrogant und er ist in ein Fiasko verstrickt. Was hältst du von Dan Reed?

Charles Thomson: Nun, weißt Du, das ist ein Typ, der BAFTA Awards gewonnen hat. Man könnte also meinen, dass er ein ziemlich seriöser Journalist ist, aber meine einzige Erfahrung mit Dan Reed kommt von dieser Dokumentation und der Art, wie er sie beworben hat und der Art, wie er auf die Kritik reagiert hat und ich kann es manchmal wirklich nicht glauben – die Dinge, die er sagt, die Dinge, die er tweetet – es ist sehr bizarr und ich kann ihn nicht wirklich einordnen. Die Frage, die ich Dir gestellt habe, ist, glaubst Du, dass er wirklich weiß, wie verrückt sich manche seiner Tweets anhören, wie die Safechuck-Sache, wo er im Wesentlichen auf Kritik an seiner eigenen Dokumentation reagierte, indem er seinen Star-Zeugen vor einen Bus warf und sagte, es ist nicht seine Schuld, weil der Typ im Zentrum seines Films Meineid begangen hat. Ich meine, wie verrückt ist das? Er hätte auch einfach nichts sagen können.

John Ziegler: Es ist sogar noch schlimmer als das. Er vernichtet damit nicht nur seinen Star-Zeugen, seine Glaubwürdigkeit, und beschuldigt ihn des Meineides, er vernichtet die ganze Geschichte des Films, dass Michael Jackson von einem Jungen zum nächsten wechselt, sobald sie in die Pubertät gekommen sind, weil Safechuck jetzt sechzehn oder siebzehn Jahre alt ist und größer als Michael Jackson. Fotos beweisen das. Es ist also noch merkwürdiger als das und ein Teil dessen, was mich ein wenig frustriert, Charles, und es gibt viele Dinge in diesem Fall, die mich frustrieren, ist: Ich frage mich, ob wir nicht, indem wir auf die Details eingehen, deren Spiel mitspielen, denn ehrlich gesagt, die Safechuck-Sache mit dem Bahnhof ist riesig und es gibt ähnliche Situationen in Bezug auf Robson. Außerdem gibt es das Thema, ob Safechuck gelogen hat als er gesagt hat, Michael Jackson habe ihn 2005 angerufen, um in seinem Prozess auszusagen, wovon wir wissen, dass es absurd ist, weil der Richter bereits entschieden hatte, dass er nicht zu dem Prozess zugelassen wurde. Es gibt also alle möglichen anderen Dinge. Aber Charles, spielen wir ihr Spiel nicht mit, indem wir überhaupt die Prämisse des Films akzeptieren, die besagt, dass diese Typen irgendwie bis ins mittlere Alter warten konnten, nachdem sie viele positive Statements und Handlungen betreffend Michael Jackson gemacht haben, selbst nachdem er viele Jahre tot war, um dann plötzlich im Streben nach Millionen von Dollar mit unbestätigten Geschichten hervorzukommen und ernst genommen werden müssen? Verstehst Du, was ich damit meine?

Charles Thomson: Ja, ich meine, wenn man anfängt, sich mit den Details auseinanderzusetzen, ignoriert man die Tatsache, dass sie Meineid geleistet haben. Man hat hier zwei Männer, die zuvor unter Eid ausgesagt haben – einer von ihnen mehrfach und unter hartem staatsanwaltschaftlichem Kreuzverhör – dass Michael Jackson unschuldig ist und diese Story haben sie über zwanzig Jahre beibehalten. Und jetzt melden sie sich und ändern ihre Story völlig, was an und für sich schon diskreditierend ist. Und die Tatsache, dass sie eine Story unter Eid erzählt haben und dann eine andere Story unter Eid erzählt haben, ist an und für sich diskreditierend. Und dann beginnt man damit, sich mit den Details zu beschäftigen und manchmal winken Leute die Details ab, indem sie wie Du gesagt hast, das Trauma dafür verantwortlich machen. Aber selbst im Kern ist das eine grundlegend unglaubwürdige Story, dass diese beiden Typen durchgängig darauf bestehen, dass Michael Jackson unschuldig war und sich dann plötzlich daran erinnern, dass er doch schuldig war, als beide in finanzielle Schwierigkeiten gerieten und sich dazu entschlossen haben, seinen Estate zu verklagen. Das alleine ist schon diskreditierend.

John Ziegler: Nicht zu vergessen, dass es so viel mehr gibt. Eines der größten Probleme, das wir haben, ist, dass es so viele Informationen auf unserer Seite gibt, dass es zu lange dauern würde, sie alle anzusprechen und manches vergisst man auch. Aber zum Beispiel nur die Vorstellung, dass ein anderer Teil der Geschichte des Films der ist, dass sie erst später im Leben erkannt haben, dass sie missbraucht wurden, weil das ganze so angenehm war – für mich ist das ein Pro-Pädophilie-Film, was die Medien größtenteils ignoriert haben, weil es für sie unbequem ist. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Als jemand, der mit Missbrauchsopfern arbeitet und der sich mitten in einer jahrelangen historischen Missbrauchsuntersuchung befindet, bin ich sicherlich durch einige der Kommentare, die Dan Reed in Interviews und sogar in der Dokumentation gemacht hat, sehr beunruhigt. Zum Beispiel drängt er Wade Robson dazu, sich als Michael Jacksons Liebhaber zu bezeichnen. Und Worte wie Liebhaber zu verwenden, ist nicht hilfreich, wenn man über Missbrauch spricht. Er spricht darüber, dass die Jungs Sex mit Michael Jackson hatten. Er spricht darüber, dass sie in eine angenehme, romantische, emotionale und sexuell erfüllende Beziehung verwickelt waren. Er gab der LA Times ein Interview, in dem er sinngemäß sagte: „Die Wahrheit ist – und wir müssen das einfach akzeptieren – dass ein zehnjähriger Junge in eine emotional und sexuell erfüllende Beziehung zu einem erwachsenen Mann verwickelt war und es hat ihm Spaß gemacht.“ Das ist äußerst bizarr, und ich war davon ziemlich beunruhigt und verstört. Es erinnert mich ein bisschen an das Buch von Victor Gutierrez aus den Neunzigern mit dem Titel „Michael Jackson was my Lover“, das auf der Rückseite ein Dankeschön an NAMBLA hatte. Einige der benutzen Worte waren verstörend. Ja, ich denke, das ist etwas, das hier irgendwie übersehen wurde. Etwas, das bizarr war, waren die Kommentare von Barbara Streisand, die ungeheuerlich waren. Ihre Kommentare waren absolut empörend, aber sie unterscheiden sich nicht wirklich von dem, was Dan Reed gesagt hat. Im Grunde genommen hat sie das gleiche gesagt: Die Kinder genießen die Beziehung und möchten dort sein und sie hatten Spaß und sie waren davon erfüllt. Das ist ziemlich bizarr.

John Ziegler: Ich habe das damals gesagt, und es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese beiden Männer absolut heterosexuell sind. Jeder heterosexuelle Mann wird Dir sagen, dass das gesamte Konzept unabhängig vom Alter einfach unmöglich ist. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es äußerst beunruhigend ist, wie Du es beschrieben hast. Ich bin mir nicht sicher, ob Du Dir dessen bewusst bist, weil mir das bis gestern nicht bewusst war: Dan Reed gab offenbar ein Interview, in dem er einräumte, dass er die Missbrauchsgeschichte von Wade Robson erneut drehen musste, weil angeblich – ich kaufe ihm das nicht ab – eine seiner Kameras kaputt wurde und irgendwie – ich weiß nicht einmal, warum das eine Rolle spielt, weil offenbar haben sie zwei Kameras verwendet, also hatten sie das Filmmaterial immer noch. Es ist eine Dokumentation und sollte kein fiktiver Spielfilm sein, wo man so lange dreht, bis man die Aufnahme hat, die man möchte. Aber dass er Robson seine vollständige Missbrauchsstory an einem ganz anderen Tag erneut erzählen lässt, weil diese Kamera angeblich kaputt wurde – er bestätigt das in einem Interview – wenn dieser Missbrauch wahr gewesen wäre, wäre das ungeheuer traumatisch und höchst unangebracht gewesen – besonders für eine Dokumentation, oder nicht?

Charles Thomson: Nun, ich meine, ich habe in den letzten Jahren intensiv mit Missbrauchsüberlebenden gesprochen und weiß das aus meiner eigenen Erfahrung: Sie dazu zu bringen, darüber zu sprechen, was mit ihnen passiert ist, ist meiner Erfahrung nach immer extrem herausfordernd. Das ist nichts, das man gerne wieder aufgreifen und erneut durchleben möchte. Und wenn man jemanden seine Geschichte erzählen lässt, bittet man ihn, es erneut zu durchleben und man stellt fest, dass sie extrem zögernd sind, Dir die Geschichte überhaupt einmal zu erzählen. Es kann mehrerer Termine bedürfen, weil sie Termine absagen und einfach nur sagen „Ich kann das nicht, ich kann mich dem einfach nicht stellen“. Deshalb ist es seltsam für mich, jemanden zu bitten, es zwei Mal hintereinander zu machen. Aber vielleicht ist das eine Story, die erzählt wurde, um irgendwie eine Erklärung dafür zu liefern, dass einige Szenen für das breite Publikum nach übertrieben theatralischer Schauspielerei aussahen. Denn ich habe mir die live Tweets angesehen, als die Dokumentation zum ersten Mal im Vereinigten Königreich ausgestrahlt wurde und für mich war der Anteil der Leute, die es sich angesehen haben und sagten, dass das wie übertrieben theatralische Schauspielerei aussah, sehr auffällig. Es gab sehr viele Leute, die es einfach nicht glaubten und nicht nur Michael Jackson Fans, sondern durchschnittliche Bürger. Vielleicht will er damit sagen, dass das daran lag, dass seine Kamera kaputt wurde und er es noch einmal machte. Meiner Erfahrung nach kann man einen Missbrauchsüberlebenden normalerweise nicht dazu bringen, sich zweit Tage hintereinander acht Stunden lang vor eine Kamera zu setzen, um die gleiche Geschichte zu erzählen. Aber vielleicht ist es wahr. Es ist natürlich möglich, aber es deckt sich nicht mit meiner eigenen Erfahrung.

John Ziegler: Es gibt viele Möglichkeiten, diese Art Storys anzugehen und ich persönlich glaube, dass die andere Seite Leaving Neverland quasi als Test benutzt, um zu sehen, womit sie durchkommen können, wenn es darum geht, die Leute dazu zu drängen, das zu glauben, was auch immer Ankläger sagen. Ich möchte Dich speziell dazu befragen, bevor ich zu einem anderen Punkt komme, zu dem ich Dir auch eine Frage stellen möchte. Was hältst Du von der Theorie, dass ich nicht einmal sicher bin, ob Oprah Winfrey wirklich glaubt, dass diese Typen die Wahrheit sagen, aber dass sie so fest an die Thematik, das größere Ganze, glaubt, dass sie denkt, wenn diesen Typen geglaubt wird, dann ist sichergestellt, dass in der Zukunft jedem geglaubt werden muss. Denn wenn man diesen Typen glaubt, wird man jedem glauben und das ist es, wie sie Robson und Safechuck sehen: Sie machen etwas für das Wohl der Allgemeinheit, auch wenn sie vielleicht lügen – sie machen etwas für das Wohl der Allgemeinheit, dass allen Opfern sexuellem Missbrauchs geglaubt wird, denn wenn deren Storys geglaubt wird, wird jedem geglaubt und es ist unmöglich, irgendjemanden zu diskreditieren. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Auf gewisse Art unterschreibe ich das, aber ich betrachte das aus einem anderen Blickwinkel als Du. Ich glaube, dass es in den Medien viele Leute gibt, die diese Anschuldigungen nicht glauben, die sie aber nichtsdestotrotz promoten und unterstützen. Ich denke nicht, dass sie das zwangsläufig machen, weil es ihnen ein persönliches Anliegen ist, das Glauben aller Opfer zu promoten. Ich denke, vieles davon kommt von äußerem Druck hinsichtlich dessen, was mit jemandem passiert, der ein vermeintliches Opfer in Frage stellt. Im Rahmen der #metoo Kultur wird zum Beispiel jeder, der eine Anschuldigung hinterfragt – ganz gleich, wie viele Probleme es mit dieser Anschuldigung gibt, wie widersprüchlich und sich stetig verändernd sie ist – unverzüglich vom Social-Media-Lynchmob an den Pranger gestellt, der verlangt, dass sie ihren Job verlieren und sich entschuldigen. Es spornt hunderttausende Leute dazu an, sie im Internet mit Attacken zu spamen. Es ist ein äußerst feindliches Umfeld für jeden, der eine Frage zu einer Anschuldigung stellt. Was es also im Endeffekt macht, ist, es untergräbt die ganze Vorgehensweise des Journalismus, denn die einzige Aufgabe eines Journalisten ist es, eine Anschuldigung herzunehmen und sie zu hinterfragen, sich auf die Suche nach Beweisen zu begeben und nach Bestätigungen oder Widersprüchen zu suchen und dann legt man die Anschuldigung unter ein Mikroskop und testet sie, um zu sehen, ob sie glaubhaft ist. Und was man im Moment hat, sind Medien, die absolut verängstigt sind, das zu tun. Denn in dem Moment, in dem sie das machen, in dem Moment, in dem sie auch nur eine Frage stellen, werden sie der Täter-Opfer-Umkehr beschuldigt, sie werden beschuldigt, Pädophilie-Sympathisanten oder Vergewaltigungs-Sympathisanten zu sein oder sie werden des Gaslightings von Opfern beschuldigt. Momentan ist es also sehr schwierig, als Journalist seinen Job auf moralisch vertretbare und professionelle Art und Weise zu machen, weil man in dem Moment, in dem man einen moralisch vertretbaren und ausgeglichenen Ansatz verfolgt, als Fanatiker attackiert wird oder…

John Ziegler: Schlimmer.

Charles Thomson: Ermöglicher oder Krimineller.

John Ziegler: Schlimmer. Vertraue mir. Vertraue mir. Das weiß ich aus erster Hand und ich bin mir sicher, Du weißt das auch. Bevor wir weiter über die Medien reden, die zweifellos einen großen Anteil daran haben – und wir beide teilen viele gleiche Auffassungen darüber, warum die Medien kaputt sind – möchte ich Dich etwas über Wade Robson fragen, von dem ich denke, dass es durchgerutscht ist. Mit Wade Robsons Story gibt es so viele Probleme und ich habe während der Auseinandersetzung mit dieser Art Storys gelernt, dass Details leider keine Rolle spielen, Fakten spielen keine Rolle, Logik spielt keine Rolle, also habe ich versucht, die Dinge ein bisschen anders zu betrachten und aus der eigentlichen Missbrauchsstory rauszukommen, um einen Weg zu finden, den Leuten zu zeigen: Wartet einen Moment, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Und ich frage mich, ob Du mir zustimmen würdest. Es gibt etwas, das Wade Robson gemacht und getan hat, von dem ich denke, dass es meinen Standpunkt beweist, und das ist folgendes: Selbst als Wade Robson 2011, 2012 und schlussendlich 2013, als er sich in der Today Show hier in Amerika zu Wort gemeldet hat, ein Opfer wurde, sagte er unzählige Male, als er zu Michael Jackson befragt wurde, dass er nicht so berühmt wie Michael Jackson werden wollte, weil er aus erster Hand gesehen hatte, was berühmt zu sein mit ihm gemacht hat. Und für mich ist der einzige Weg, das von einem Typen, der der Hauptzeuge bei seinem Prozess war und der die ursprünglichen Anschuldigungen 1993/94 miterlebt hat, als er mit Michael Jacksons Nichte zusammen war, zu interpretieren – und er wurde dutzende, dutzende Male dazu befragt – der einzig logische Weg für mich, das zu interpretieren, ist, dass es zum Teil daran liegt, dass er nicht Michael Jackson sein wollte, weil er gesehen hat, dass Jackson das Opfer falscher Missbrauchsvorwürfe wurde. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Ich denke, dass das definitiv das war, worauf er sich bezogen hat. Und wie Du weißt, gab er bis 2011 und 2012 viele Interviews, in denen er Michael Jackson verteidigt und über seine großartige Freundschaft mit Michael Jackson gesprochen hat und wie viel er ihm beigebracht hat und er schrieb das Kapitel in dem Opus Buch [-> Mein Mentor – Wade Robson über Michael Jackson; Anm.d.Übers.], wo er sinngemäß geschrieben hat, dass Michael Jackson der großartigste Mensch war, den er jemals getroffen hat und alles, was er jemals im Leben gemacht hat, war davon inspiriert, Michael Jackson nachzuahmen und er gab bis lange nach Michael Jacksons Tod sehr viele Kommentare ab, die sehr positiv waren und natürlich erklärt er das, indem er sagt, „Naja, ich bin in Therapie gegangen und dann habe ich realisiert, dass das, was Michael Jackson mit mir gemacht hat, missbräuchlich war“. Aber für mich ist das irgendwie – er war erwachsen, als er 2005 in Michael Jacksons Prozess ausgesagt hat – er war in seinen Zwanzigern und war in einer langjährigen Beziehung mit einer Frau und er hat auch Jahre danach bestritten, dass Michael Jackson ihn missbraucht hat. Und dass er sich Jahre später meldet und sagt „Naja, ich habe nicht realisiert, dass das, was Michael Jackson mit mir gemacht hat, missbräuchlich war“ – er hat gerade in einem gigantischen Missbrauchsprozess ausgesagt, wo sehr klar war, dass das, was Michael Jackson vorgeworfen wurde, Missbrauch war und deshalb meine ich, dass es Nonsens ist, wenn er behauptet, „Yeah, ich war mitten in m einen Zwanzigern und ein erwachsener Mann und ich wusste nicht, was Missbrauch ist. Ich wusste nicht, dass es Missbrauch ist, wenn ein Mann in seinen Dreißigern ein Kind anal vergewaltigt“. Vieles in seiner Erzählung ergibt nicht wirklich irgendeinen Sinn, also erlauben sie diesen angeblichen Kindesmissbrauchsexperten zu Wort zu kommen oder Interviews zu geben und zu sagen „Oh nein, es ist absolut normal für einen Mann in seinen späten Zwanzigern nicht zu wissen, dass als Kind anal vergewaltigt zu werden Missbrauch ist“. Im Fernsehen wurde gleich nach Ausstrahlung der Dokumentation gesagt „Nein, es ist absolut normal, dass jemand ein Cirque du Soleil Spektakel für seinen Missbraucher inszenieren wollen würde“. Weißt Du, diese Experten können alles sagen. Es ist einfach nur Irrsinn.

John Ziegler: Genau. Nur um das zu betonen: In dem Film behauptet Robson, dass Michael Jackson ihm gesagt hat, dass sie für den Rest ihres Lebens ins Gefängnis gehen würden, wenn irgendjemand herausfände, was sie machen. Also, warte einen Moment: Lässt das nicht das gesamte Konzept platzen, er hätte nicht gewusst, dass das, was passiert ist, falsch war? Ich meine, genau hier lässt er seine gesamte Erzählung platzen, aber das passiert ständig auf so viele verschiedene Arten. Also Charles, ich schrieb vor etwa einer Woche eine Kolumne über die Unterschiede zwischen der Art, wie die amerikanische Presse das handhabt und wie die britische Presse damit umgeht und ich hätte es auf die europäische Presse ausdehnen sollen, denn es gab einige Stimmen in den europäischen Medien – in Frankreich, Deutschland, Spanien und anderen Ländern – die wirklich einen guten Job gemacht haben. Die britische Presse ist meiner Wahrnehmung nach schizophren. Ich blicke da nicht durch. Besonders die Regenbogenpresse hatte beinahe eine Schlacht mit sich selbst, indem sie fast täglich vor und zurück gesprungen sind. Was ist Deine Einschätzung über die Art, wie die britische Presse Leaving Neverland behandelt?

Charles Thomson: Es steht außer Frage, dass die britische Presse geschlossen gegen Michael Jackson eingestellt ist und dies auch schon seit mindestens drei Jahrzehnten war. Und was Du jetzt online siehst, ist ein gewisses vor und zurück über die diversen Aufdeckungen von Mike Smallcombe über den Bahnhof und den Grand Canyon und andere Teile, die nicht zusammen passen, aber das sind alles nur Onlineartikel und am nächsten Tag veröffentlichen sie einen weiteren Artikel, der sagt, dass das eigentlich falsch ist und die andere Seite präsentiert. Es geht nur darum, jeden Tag eine Story zu generieren, die die Leute anklicken können. Hinsichtlich der eigentlichen Zeitungsberichterstattung, die den wirklichen Einfluss hat, ist es geschlossen negativ. Im speziellen The Sun veröffentlichte völlig erfundene Storys über die FBI Akten und verschiedene andere Dinge – Storys, die vor einem Jahrzehnt oder länger diskreditiert wurden. Das ist wirklich absurd. Aber die britische Presse hat eine jahrzehntelange Gesinnung gegen Michael Jackson. Ich erzählte letzte Woche in einer anderen Show eine Story darüber, wie ich letzten Monat durch Zufall in einem Radiosender war und ich sprach über den Michael Jackson Fall und am Weg nach draußen erzählte mir die Empfangsdame bei dem Radiosender, dass sie Archivarin bei Today war, einer britischen Zeitung in den 1980ern und 1990ern, die Rupert Murdoch gehört hat. Und sie erzählte mir, dass es innerhalb der Zeitung von den Journalisten zugegeben wurde, dass sie einen Auftrag von oben hatten, Michael Jackson täglich zu beschmutzen, wenn sie konnten. Sie wollten jeden Tag eine Anti-Michael-Jackson-Story in der Zeitung, weil es Zeitungen verkaufte, es war Skandal und es war profitabel. Und dann, als ich diese Story bei einer anderen Show erzählt habe, sagte die Frau, die mit mir in dieser Show war, dass das lustig ist, weil sie kannte jemanden, der für eine andere britische Zeitung gearbeitet hat und der erzählte exakt das gleiche: dass sie vorzugsweise erfundene Michael Jackson Storys nutzten, wenn es negative politische Storys gab, die sie zu verbergen versuchten. 2006 war ich bei den World Music Awards in London, als Michael Jackson bei der Preisverleihung seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte und ich habe alle gesehen – ich habe Prince gesehen, ich habe Madonna gesehen, Stevie Wonder, George Michael, Rolling Stones – ich habe niemals erlebt, dass ein Künstler die Reaktionen verursachte, die Michael Jackson an diesem Abend bei den World Music Awards verursacht hat. Und am nächsten Tag berichtete die Presse in Großbritannien einstimmig, dass er von der Bühne gebuht wurde, was frei erfunden ist, es war völlig frei erfunden. Er wurde nicht nur nicht von der Bühne gebuht, sondern er stand nach seinem Auftritt mehrere Minuten auf der Bühne, weil das Publikum so laut geschrien hat. Das einzige, das er gemacht hat, war einfach nur dort zu stehen und den Applaus aufzusaugen. Die Story war 100% frei erfunden und doch wurde sie von jeder einzelnen Zeitung im Vereinigten Königreich gebracht. Es war wirklich verstörend und es hätte mich fast davon abgehalten, Journalist zu werden, denn ich war damals erst achtzehn. Ich sah einfach nur zu und dachte, wie zur Hölle passiert das? Wie kann es sein, dass jede Zeitung im Vereinigten Königreich eine Story bringt, von der ich weiß, dass sie frei erfunden ist? Hier gibt es also fast schon ein verschwörerisches Verhalten gegen Michael Jackson, besonders im Vereinigten Königreich, es ist wie ein von oben kommender Pakt. [-> Charles Thomson: Die Wahrheit über Michael Jacksons UK-Comeback – WMA London 2006; Anm.d.Übers.]

John Ziegler: Aber es ist nicht wirklich eine Verschwörung, es ist eine Verschwörung aus Eigeninteresse, zumindest ist das meine Wahrnehmung, warum die Medien kaputt sind. Und lass uns das noch etwas vertiefen: Jackson ist hier offenbar der Kontext, aber wir beide glauben, dass die Nachrichtenmedien kaputt sind und ich glaube, dass das weitestgehend daran liegt, dass es sich nicht mehr um die Wahrheit dreht, sondern um Popularität und was sich verkauft. Stimmst Du mir hier zu?

Charles Thomson: Ja. Nun, ich denke, was hier passiert, ist, dass sich die Medien einer Transformation unterzogen haben – eher aus einer Notwendigkeit heraus, statt aus freiem Willen, denn das Internet zerstört dieses Geschäftsmodell. Das Internet hat im Wesentlichen eine Ära des Anspruches erzeugt, in der jeder auf alles Zugriff haben möchte und sie wollen es umsonst. Sie wollen also nicht rausgehen und eine DVD kaufen, sie wollen den Film umsonst streamen. Sie wollen also nicht rausgehen und ein Album kaufen, sie wollen das Album umsonst streamen. Sie wollen also nicht rausgehen und eine Zeitung kaufen, sie wollen auf Google News gehen und alle Nachrichten umsonst lesen. Die Zahl der Leute, die für diese Medien zahlen, sinkt also jedes Jahr und was das bewirkt, ist, dass die Werbung in den Medien ebenfalls weniger wert ist, weil sie weniger Exemplare verkaufen, also sinken besonders in der Printindustrie sowohl die Verkaufserlöse, als auch die Werbungserlöse Jahr für Jahr. Somit vollziehen die Zeitungen jedes Jahr Kürzungen; die Anzahl der Journalisten sinkt konstant, weil sie es sich nicht mehr leisten können, sie zu bezahlen. Man sieht hier eine ehemals gut ausgestattete, investigative Industrie, die jetzt so schlimm eingeschränkt wird und die Mitarbeiterzahlen werden so schlimm gekürzt, dass sie ihren Job nicht mehr wirklich machen können. Weißt Du, ein Journalist bei einer nationalen Zeitung in den 1980ern konnte wochenlang keine Story veröffentlichen, weil er einfach an einer Story gearbeitet hat und wenn sie fertig war, brachte er sie zum Herausgeber. Jetzt wird von dem gleichen Journalisten erwartet, zehn Storys am Tag für die Webseite zu schreiben und das kann man nicht machen, wenn man sie zur selben Zeit auch vernünftig schreibt. Man kann so viele Storys nur dann bringen, wenn man seinen Job nicht ordentlich macht. Die Medien wurden also bis zu dem Punkt zurückgestutzt, wo sie im Grunde genommen nicht mehr in der Lage sind, ihren Job vernünftig zu machen.

John Ziegler: Amen. Wow, das hast Du besser gesagt, als ich es jemals könnte. Und 100% korrekt. Und wenn es auf das Vereinigte Königreich zutrifft, dann ist es in den Vereinigten Staaten wohl noch schlimmer. Letzte Frage an Dich, Charles, zu dieser Jackson Story: Wie weit denkst Du wird das noch gehen und wie viel Schaden wird von Leaving Neverland letztlich angerichtet werden?

Charles Thomson: Ich denke, der Schaden ist sehr gering. Man hat offenbar einen gewissen Schaden gesehen. Ein paar negative Konsequenzen wie die Modelinie, die gesagt hat, dass sie Michael Jacksons Einflüsse entfernen werden; die Simpsons, die die Michael Jackson Episode entfernt haben, was eine sehr seltsame und absurde Reaktion war; aber die Mehrheit – ich meine, man hat eine Handvoll Radiosender gesehen, die ihn nicht mehr spielen, aber nicht sehr viele, die Mehrheit spielt ihn noch in der Öffentlichkeit in London und ich höre seine Musik in Shops, ich sehe Leute immer noch auf der Straße zu seiner Musik performen. Also ich denke, der Schaden war sehr gering und seine Online-Streams sind sogar gestiegen. Ich denke nicht, dass die Dokumentation getan hat, was sie hätte tun sollen und ich denke, das ist mit ein Grund dafür, warum Dan Reed im Internet irgendwie wild um sich schlägt. Ich denke, er ist ziemlich wütend und es ist mein Eindruck, dass er dachte, er würde eine Art Harvey Weinstein Story losbrechen und vielleicht einen Pulitzer oder ähnliches gewinnen und eigentlich ist es ein ziemlicher Reinfall und die Leute haben nicht so reagiert, wie er es wollte und es gab keine Streichung Michael Jacksons, wie er es sich vorgestellt hat und irgendwie geht alles ein bisschen den Bach runter und jetzt wird die ganze Glaubwürdigkeit von Dokumentationen in Frage gestellt und er hat sogar versehentlich zugegeben, dass die Leute es zu Recht kritisieren und dass es damit massive Probleme gibt. Es ist also alles ein ziemliches Desaster für ihn. Aber was ich denke, dass es vielleicht erreicht hat – ich meine, wir müssen abwarten – aber es würde mich nicht überraschen, wenn sich jetzt andere Leute melden und versuchen würden, Klagen einzureichen und dass sie denken, die Stimmung gegen Michael Jackson hätte sich ausreichend gedreht, dass es ihnen möglich ist, damit durch zu kommen. Wir müssen wirklich abwarten, aber ich denke, dass die Auswirkungen der Dokumentation nach heutigem Stand der Dinge vielleicht 5% dessen waren, was Dan Reed dachte, dass sie es sein würden und ich denke, er ist deshalb wirklich wütend.

John Ziegler: Nun, das sind ziemlich gute Neuigkeiten und das ist ein guter Punkt, um zu einem Ende zu finden, Charles. Vielen Dank für Deine großartige Arbeit. Lass uns bitte in Kontakt bleiben, weil ich bin mir sicher, dass es noch andere Dinge geben wird, die wir über den Film erfahren werden und wir wissen es wirklich sehr zu schätzen, dass es im Vereinigten Königreich eine verwandte Seele zu John Ziegler gibt.

Charles Thomson: Danke für die Einladung.

John Ziegler: Danke, Charles. Mach’s gut!

Charles Thomson: Ja, Du auch!

John Ziegler: Vielen Dank an Charles Thomson für seine Gedanken zu alldem. Ich denke, sie sind wirklich fundiert und wichtig und ich liebe den Umstand, dass er ziemlich optimistisch ist, dass die Dokumentation nicht die Auswirkungen hat, die er sich erhofft hat. Ich bin im Allgemeinen ein Pessimist, also warte ich immer auf das nächste Unglück und ich frage mich, ob von dieser Dokumentation auf lange Sicht nicht viel mehr Schaden angerichtet wird, als sie es verdient hätte und aus meiner Perspektive habe ich mehr Sorge darüber, was sie dem größeren Ganzen bezüglich der Sexmissbrauchsfälle im allgemeinen antut und ob es künftig im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich sein wird, irgendeinen Fall zu diskreditieren. Und ich werde sehr ehrlich sein – ich hasse Unrecht, ich hasse Ungerechtigkeit – ich denke, Michael Jackson wurde in diesem Film sehr, sehr, sehr übel mitgespielt und ich frage mich jetzt, ob er jemals irgendetwas falsches mit Kindern gemacht hat. Aber ich habe in den letzten sieben Jahren an dem Penn State Fall gearbeitet und wenn Wade Robson und James Safechuck geglaubt wird, wird es null – ich meine, der Prozentsatz war immer schon niedrig – aber dann wird es null Prozent Chance geben, diese Ungerechtigkeit jemals umzukehren, also ist das sogar weit jenseits des Penn State Falls, denn diese Fälle werden nicht aufhören, ich meine, sie werden in der #metoo Ära immer verbreiteter werden und es wird immer mehr Ungerechtigkeiten geben, besonders, wenn das die neuen Regeln sind. Und das sind die neuen Regeln. Passt auf, das wird immer wieder passieren, besonders, wenn Geld im Spiel ist. Also aus einer breiteren Perspektive ist das der Teil, der mir wirklich Sorgen macht. Ich möchte nicht sehen, dass Michael Jackson für etwas zerstört wird, das er nicht getan hat, aber ich möchte auch nicht, dass das die neuen Regeln sind, um sexuellen Kindesmissbrauch zu untersuchen oder jede andere Art von Missbrauchsanschuldigungen, denn wenn wir James Safechuck und Wade Robson glauben – und ich gebe Charles Recht, dass ihnen viele in den Medien nicht glauben, aber sie haben nicht den Mumm, um sich gegen sie zu stellen – dann wird jedem geglaubt werden, ganz gleich, wie absurd die Behauptung ist, denn diese Behauptungen sind in einer logischen Welt die am leichtesten zu diskreditierenden, die ich in meinem Leben je gesehen habe.

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