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Interview/Statement von Grace Rwaramba mit ABC News

Ein Interview/Statement von Grace Rwaramba mit ABC News, März 2019

Eine langjährige Angestellte Michael Jacksons verteidigte den verstorbenen Popstar und sagte aus, sie habe während all der Jahren, die sie für Jackson arbeitete, niemals irgendwelche Anzeichen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Jackson gesehen, davon gehört oder derartiges vernutet habe. In einem langen Statement, adressiert an ABC News, beschrieb Grace Rwaramba – die 12 Jahre als Nanny von Michael Jacksons Kindern Prince Michael, Paris, und Prince Michael II (auch bekannt als Blanket) arbeitete, ihren früheren Chef als sehr naiv gegenüber Manipulationen und nicht in der Lage, Kinder zu verletzen.

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Sollte Michael Wade Robson und James Safechuck verletzt haben, hätten sie all meine Sympathie und mein vollstes Mitgefühl. Ich behaupte nicht zu wissen, was zwischen Michael und diesen Klägern passiert ist, denn ich war nicht dabei. Aber weil Michael nicht mehr hier ist, um sich zu verteidigen und weil ich eine einzigartige Sicht auf ihn und seine Art zu Leben hatte, fühle ich mich verpflichtet, mich gegen das, was ich aus fester Überzeugung für falsche Vorwürfe halte, auszusprechen. Die Person, die Wade und James beschreiben, ist nicht die Person, die ich kannte.“

Er war vertrauensvoll, manchmal bis zur Naivität, weil er bei jedem Menschen immer nur die besten Absichten vermutete. Auch wenn er nicht perfekt war, kann ich durch die Erfahrungen während der Jahre, die ich mit ihm zusammen lebte und ihn und seine Lebensweise sehr genau kennenlernte sagen, dass ich niemals etwas sah oder spürte, das mich vermuten lies, er könne Kinder sexuell missbrauchen.“

Rwaramba behauptet in ihrem Statement, dass es auf Jacksons Ranch zu jeder Zeit, die er dort verbrachte, eine ganze Armee von Angestellten gab, und dass es ausserordentlich schwer möglich gewesen wäre, dort Kinder zu belästigen.

Ich war während vieler Besuche befreundeter Familien auf Neverland, sie kamen und gingen. Zu jeder Zeit waren dort etwa 60 – 100 Angestellte, die als Sicherheitspersonal, zur Instandhaltung, als Hausangestellte, Gärtner, Küchenpersonal oder in anderen Bereichen arbeiteten. Um die Ranch in diesem ausgezeichneten und makellosen Zustand und zu halten, bedurfte es einer ganzen Armee von Arbeitskräften, die immer anwesend waren.“

Wade Robson und dessen Familie kannte ich gut. Ich lernte Joy Robson Anfang der 1990er Jahre kennen, als ich bei MJJ Productions arbeitete. Anfang 1994 nahm ich in Kalifornien an einer Party anlässlich der Veröffentlichung von Wades erstem Album teil. Ich erinnere mich deutlich daran, dass Joy dieses Event durchführte, als hinge ihr Leben davon ab. Nach dieser Party sah ich die Robsons erst Ende 1997 wieder, als Wade mit vielen anderen Familien Neverland besuchte, nachdem Prince geboren war.“

Mit den Jahren lernte ich die Robsons gut kennen, da sie die Ranch zu verschiedenen Gelegenheiten besuchten. Neverland war ein zauberhafter Ort und die Butler, Köche, Hausangestellten, Zooangestellten, Gärtner und andere Arbeitskräfte behandelten jeden Gast wie einen König, und jeder, der das Glück hatte, dort zu Besuch zu sein, liebte es.“

Eine Sache die sich durch all diese Jahre zog war Joys eiserner Wille, Wade zu einem Star zu machen. Während all die anderen Kinder, oft zusammen mit Michael, eine Wasserballon-Schlacht machten oder im Kino einen Film ansahen, drillte Joy Wade um einen Tanzschritt einzuüben und oft rief sie Michael dazu und wollte Tips von ihm.“

Bei einer solchen Gelegenheit saß Michael neben mir, während ich auf Prince aufpasste, und wir sahen uns zusammen an, wie Wade unter der den prüfenden Blicken seiner Mutter übte. Er sagte zu mir: “Sie erinnert mich an Joseph.“ Damit meinte er seinen Vater und dessen Obsession für Perfektion. Ohne dass Joy davon wußte, war „Joseph“ jetzt ihr Spitzname. Michael gab jedem einen Spitznamen. Das war das einzige Mal, dass ich hörte, dass er jemanden mit seinem Vater verglich. Aber trotz seiner komplizierten Vergangenheit mit Joseph war seine Beobachtung als Kompliment zu verstehen.“

Grace Rwaramba Blanket

Rwaramba sagt auch, Robson habe um Erlaubnis gefragt, seine Hochzeit auf Neverland abzuhalten – und zwar Mitten während des Prozess von 2005, in dem Jackson in allen Punkten freigesprochen wurde.

Robsons Ambitionen und Eigennutz war grenzenlos. Einige Monate bevor Jackson am 13. Juni 2005 freigesprochen wurde, kam er vom Gerichtssaal zurück und sagte mir, ich solle mit einen Anruf von Wade rechnen. Als Wade auf der Ranch anrief, wurde er vom Sicherheitsdienst in das Zimmer von Paris durchgestellt, wo ich mit Michael die meiste Zeit mit der Vorbereitung für den nächsten Tag verbrachte. Ich schaltete den Lautsprecher ein. Wade informierte mich darüber, dass Michael ihm geraten habe, mich zu kontaktieren um zu fragen, ob er und seine Verlobte Amanda im Herbst ihre Hochzeit auf Neverland abhalten könnten. Ich war sehr geschockt, wie unsensibel diese Anfrage war, Michael saß neben mir. „Weißt du Grace, Neverland bedeutet mir und meiner Familie so viel,“ fuhr Wade fort. “Michael ist für mich wie ein Vater, und es würde uns alles bedeuten, wenn Amanda und ich auf Neverland heiraten könnten.“ Ich sagte zu Wade, dass das wohl kein guter Zeitpunkt sei, und erinnerte ihn daran, dass Michael sich gerade mitten in einem Kampf um sein Leben befand. Ein paar Tage danach, als ich gerade in St. Barbara Besorgungen machte, rief Joy mich aus dem gleichen Grund an. Ich hatte Wade einige Zeit zuvor geholfen, die Erlaubnis zu erhalten, ein Video auf Neverland zu drehen. Wegen des strengen Filmverbots auf Neverland war das ein großes Entgegenkommen. Ich erinnere mich dass ich ihr antwortete, ob sie wirklich ernsthaft erwarte, dass ich Michael jetzt, in der Mitte des Prozess frage, ob Wade die Ranch für seine Hochzeit nutzen dürfe? Nach einem seltsam stillen, angespannten Moment legte sie auf.“

Warum sollte jemand der behauptet, er sei über 7 Jahre sexuell belästigt worden, einen der wunderbarsten Momente seines Lebens auf dem selben Boden feiern wollen, auf dem die Übergriffe angeblich stattfanden?“

Was ich nicht verstehe ist, warum Wade bis weit in sein Erwachsenenalter immer wieder freiwillig zurückkam, seine Freunde und Familie an einen Ort mitbrachte, an dem angeblich solche Übergriffe stattfanden?“

Rwaramba, geboren in Ruanda, begann 1992 als Assistentin für Jackson zu arbeiten und wurde ab 1997, als Jacksons erstes Kind geboren wurde, die Nanny seiner Kinder.

12 Jahre lang, von 1992 bis 2009, war ich Teil von Michaels Familie… Ich verbrachte in diesen 12 Jahren mehr Zeit mit Michael als irgendjemand anderes, bis auf seine Kinder.“

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One of Michael Jackson’s longest-serving employees has come forward to defend the late pop star, saying that in all the years she worked for Jackson she never witnessed, suspected or learned of any sexual abuse of children by the pop star.
In a lengthy statement released to ABC News, Grace Rwaramba – the former nanny to Jackson’s children, Prince Michael I, Paris and Prince Michael II (known as ‘Blanket’), who worked for Jackson for 17 years – described her former boss as hopelessly naïve to manipulation and incapable of hurting children.
“If Michael harmed Wade Robson and James Safechuck, they have my deepest sympathy and compassion,” Rwaramba said in the statement, referring to the two men featured in the documentary. “I don’t claim to know what happened between Michael and his accusers. I wasn’t there.” “However, because Michael is no longer here to defend himself, and because I have a unique view of him and the life he lived, I feel compelled to speak out against what I firmly believe to be false claims. The person that Wade and James describe is not the person that I knew.”

He was trusting to the point of extreme naivete; always assuming the best intentions in everyone,” Rwaramba said of Jackson in the statement. “While he was far from perfect, in my over twelve years of living with Michael, knowing him and his lifestyle intimately, I never saw or experienced anything that led me to suspect that he was capable of child sexual abuse.”
Rwaramba contended in her statement that there was an “army” of people working at Jackson’s California ranch whenever the iconic artist was there, and that it would have been extremely difficult for the star to molest visiting children.

I was at Neverland when many of the family friends would come and go,” Rwaramba said in the statement. “At any given time, anywhere between 60 to 100 employees worked in security, maintenance, housekeeping, grounds, the kitchen, and many other roles. Maintaining the ranch in such immaculate shape took an entire army of workers that were always around.”

I know Wade Robson and his family well,” Rwaramba said in the statement. “I first met Joy Robson back in the early 90s, when I was at MJJ Productions. In late 1994, I attended the release party of Wade’s first album in California. I distinctly recall Joy running that event as though her life depended on it. After that release party, I didn’t see the Robsons again until early 1997, when Wade joined several other families at Neverland after Prince was born.”

Over the years, I got to know the Robsons well as they visited the ranch on many different occasions,” Rwaramba continued in the statement. “Neverland was an enchanting place where the butlers, cooks, maids, zookeepers, gardeners and other staff made every guest feel like royalty, and everyone person who was fortunate to visit loved it!”

The one thing that was consistent about the Robsons over the years was Joy’s steely resolve to turn Wade into a star,” Rwaramba said in the statement. “When all the other kids, often including Michael, were off having water balloon fights or watching a movie in the theater, Joy would be drilling Wade on a dance move and every so often wave Michael over for some tips.”

On one such occasion, Michael sat next to me as I was watching Prince and we watched Wade practice under Joy’s focused inspection. He said to me, “she reminds me of Joseph,” referring to his father’s obsession with perfection. Unbeknownst to Joy, that was her nickname. Michael had a nickname for everyone. This was the only time I ever heard him compare anyone to his father. Also, despite his complicated past with Joseph, he meant this observation as a compliment.”

Rwaramba also claimed that Robson sought permission to hold his wedding at Neverland -– in the middle of Jackson’s 2005 criminal trial, for which he was acquitted of all charges.
“The Robsons’ ambition and self-interest knew no bounds,” Rwaramba wrote in her statement. “Several months before Michael was acquitted on all charges on June 13, 2005, he came home from court and informed me that I should expect a call from Wade. When Wade called the ranch, security patched the call through to Paris’s room where Michael and I spent most of our time preparing for the next day.
“I put him on speaker phone,” Rwaramaba continued. “He informed me that Michael had advised him to contact me about whether he and his finance, Amanda, could have their wedding at Neverland in the fall. I was utterly shocked by how insensitive the request was; Michael was sitting next to me.

“’You know Grace, Neverland is so special to my family and me,’ Wade continued,” according to Rwaramba’s statement. “’Michael has been like a father to me, and it would mean the world to us if Amanda and I could get married at Neverland.’ I told Wade, this is not a good time, reminding him that Michael was in the middle of the fight for his life.”
(MORE: VIDEO: A look at the final days of Michael Jackson’s life)
“A few days later, I was in Santa Barbara running errands when Joy called with the same request. I had previously helped Wade gain permission to film a music video at Neverland, which was a big favor considering the strict no cameras policy. I remember responding with a stern ‘do you seriously expect me to ask Michael, right now — during the trial — if you can use the ranch for Wade’s wedding?’
“After a moment of awkward tension, she conceded and dropped off the phone,” Rwaramaba wrote in the statement. “Why would someone who alleges to have been assaulted for over seven years want to have one of the most sacred events in his life on the same property where the attacks allegedly took place?’”

What I can’t understand is why Wade would continue to voluntarily and consistently return, and bring friends and loved ones, to a place that is the site of the alleged attacks well into his adult life?” Rwaramba said in the statement.
Rwaramba, a Rwandan national, began working as a personnel director and assistant to Jackson in 1992, and became a nanny to his children beginning in 1997, when Jackson’s first child, Prince, was born.
“For twelve years, from 1997 to 2009, I was part of Michael’s family … I spent more time with Michael in the last twelve years of his life than anyone except his children.”

>> full article : http://abcnews.go.com/…/michael-jacksons-nanny-defen…/story…

 

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Dr. Wayne Dyer über Michael Jackson

…für mich ist klar, dass er ein überweltliches (transzendentes) Wesen war, der nicht nur ein enormes Talent hatte, sondern ein Herz so groß wie der Himmel. 

…my time with him … solidified for me that he was a transcendent being who had not only enormous talent but a heart as big as the sky.

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Dr. Wayne Dyer:

..Ich möchte ein paar Minuten nur über Michael sprechen..

(…) ich hörte, was Deepak (Chopra) auf CNN sagte, dass Michael der spirituellste Mensch war, den er je getroffen hat und auch ich kann das nur bestätigen.
Er rief mich eines Tages an, 1991, ich hatte gerade ein Buch mit dem Titel “Real Magic” geschrieben… und er fragte, ob ich zu ihm raus kommen wollte und meine Familie mitbringen möchte. (Das ist eine ganze Flugzeugladung voll.) Also alle meine 8 Kinder kamen mit mir, und auch meine Frau. Wir verbrachten 5 Tage dort mit ihm auf Neverland. Wir haben geredet, sind dort durch die Berge gewandert und haben uns unterhalten, nur wir beide. Er stellte Fragen in der Art: “Gibt es wirkliche Magie? Und was ist es?” Er war so begeistert von diesem Thema.

Was mich jetzt sehr beunruhigt, jetzt, wo all diese Dinge aufkommen, sind diese Fragen oder Beschuldigungen…

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„Leaving Neverland“: Why you wanna trip on me? (Warum wollt ihr mich fertigmachen?)

by

Original: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2019/04/04/6617/

Übersetzung: Sabine

Willa: Hi Lisha. Es ist so großartig, wieder mit dir zu sprechen! Obwohl ich wünschte, es geschähe unter glücklicheren Umständen. Ich bin einfach sehr betrübt über diese Leaving Neverland-Dokumentation.

Lisha: Hey Willa! Ich finde es auch großartig, mich wieder mit dir zu unterhalten, aber ich glaube, wir sind alle tief betrübt über diesen Film.

Willa: Du hast wahrscheinlich Recht, obwohl ich sagen muss, ein Teil von mir sieht auch ein paar kleine Hoffnungsschimmer. Ich versuche, nicht übermäßig optimistisch zu sein, aber ich frage mich, ob es tatsächlich der Wendepunkt ist, wenn die Mainstream Medien endlich anfangen, die Beweise rund um die Anschuldigungen zu sehen. Ich meine, die Veröffentlichung des Films zog so einen Aufschrei nach sich, und nun stellt sich heraus, dass manche Schlüssel-Aussagen darin einfach nicht wahr sind. Also frage ich mich, ob das zu einer Art von öffentlicher Abrechnung führt.

Lisha: Das hoffe ich wirklich. Nicht die „MJ-Abrechnung“, die das Slate Magazin vorgeschlagen hat, mit einem Übermaß an größtenteils unkritischen, gutgläubigen Artikeln, sondern eine vorsichtigere Erwiderung darauf, wie sexuelle Anschuldigungen im Allgemeinen in den Medien dargestellt werden. Beschuldigungen sind kein Beweis für ein Verbrechen, also müssen wir zurückhaltend sein, was die Annahme von Schuld betrifft, die nur auf anzüglichen Behauptungen beruht. Besonders, wenn beträchtliche Geldsummen im Spiel sind, wie es hier der Fall ist in den gerichtlichen Verfahren, die Wade Robson und James Safechuck gegen die Michael Jackson-Nachlassverwaltung angestrengt haben.

Willa: Ja, und die neuen Beweise, die gerade herausgekommen sind, werfen wirklich ein paar Fragen auf, sowohl was die Gerichtsakten betrifft, als auch in Bezug auf ihre Aussagen im Film. Zum Beispiel behauptet James Safechuck in seinem Gerichtsverfahren, dass Jackson im Jahr 1988, als er 10 Jahre alt war, anfing, ihn zu missbrauchen und damit fortfuhr bis 1992, als er 14 war. Und im Film sagt er, dieser Missbrauch geschah oft in dem Bahnhofsgebäude in Neverland:

Im Bahnhof gibt es oben einen Raum. Und dort hatten wir auch Sex. Es geschah jeden Tag. Es klingt krank, aber es ist ungefähr so, wie wenn du anfängst, jemanden zu daten, stimmt‘s?, du tust es dann sehr oft. Also, so war es ungefähr.

Wie auch immer, Mike Smallcombe, der Autor von Making Michael: Inside the Career of Michael Jackson („Wie Michael aufgebaut wurde: Im Inneren von Michael Jacksons Karriere“, Anmerkung der Übersetzerin), hat das überprüft und entdeckt, dass der Bahnhof zu der Zeit nicht existiert hat. Entsprechend der behördlichen Unterlagen des County wurde die Baugenehmigung im Herbst 1993 gegeben.

Hier ist ein Tweet von Smallcombe zu diesem Thema, und er beinhaltet ein Bild der Baugenehmigung, mit einem Stempel vom 2. September 1993.

In den letzten paar Stunden wurde mir Zugang gewährt zur Santa Barbara County Baugenehmigung für den Bau des Neverland-Bahnhofs – genehmigt am 2. Sept. 1993.— Mike Smallcombe (@mikesmallcombe1) March 30, 2019

Lisha: Exzellente Arbeit von Mike Smallcombe!

Willa: Da stimme ich zu! Großes Lob für diesen kritischen investigativen Journalismus.

Lisha: Es ist erstaunlich, wie eine einzige Information die gesamte Geschichte in Zweifel ziehen kann.

Willa: Oder zumindest die Frage aufwirft, warum Safechuck hierzu nicht die Wahrheit sagt. Und es sieht so aus, dass dieser Teil der Geschichte nicht wahr sein kann, selbst wenn man sich noch so anstrengt, die Teile des Puzzles zusammen zu zwingen.

Der Bau des Bahnhofs wurde 1994 vollendet, während Michael Jackson nicht in Neverland war und eine Menge zu tun hatte – die Chandler-Anschuldigungen waren öffentlich geworden, er verbrachte einige Zeit in der Reha, er heiratete Lisa Marie Presley, und er lebte in New York. Er zog erst 1995 zurück nach Neverland. Hier ist ein Artikel mit zusätzlichen Informationen, der einen kurzen Videoclip des Bahnhofs aus Leaving Neverland enthält.

Wenn man also all dies zusammenfasst, kann der angeblich tägliche Missbrauch sich im Bahnhof frühestens 1995 abgespielt haben, als Safechuck 17 war. In einer Antwort auf Smallcombes Tweet erwiderte Dan Reed, der Regisseur von Leaving Neverland, dass der Missbrauch ein paar Jahre länger gedauert haben müsse als Safechuck ursprünglich behauptete. Hier ist ein Screenshot von Reeds Antwort.

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Dan Reed: Ja, es scheint keinen Zweifel zu geben über das Bahnhofsdatum. Was nicht stimmt, ist der Zeitpunkt vom Ende des Missbrauchs.

Also versucht Dan Reed die Puzzleteile zusammenzufügen. Und so versucht es auch ein kürzlich erschienener Cosmopolitan-Artikel, in dem es heißt, „es ist nicht ungewöhnlich für traumatische Erfahrungen, dass man Erinnerungen durcheinander bringt, einschließlich Daten und Einzelheiten, wenn es um Opfer geht.“ Ich kann mir vorstellen, dass das stimmt, besonders, wenn das Opfer ein Kind ist.

Allerdings, die Periode des Missbrauchs um weitere drei Jahre zu verlängern, so dass er weiterging bis ins Jahr 1995, bringt nicht nur die Zeitabläufe durcheinander. Es verändert den gesamten Bogen von Dan Reeds Erzählung, der darin besteht, dass Michael Jackson kleinen Jungen nachstellte und sie dann verbannte, sobald sie die Pubertät erreichten. Safechuck behauptet, dass Michael Jackson begann, sich von ihm zu distanzieren und seine Aufmerksamkeit jüngeren Jungen zuzuwenden, als er zwölf wurde und die ersten Anzeichen der Pubertät sichtbar wurden. Und er sagt, dass Michael Jackson ihn schmerzhaft abgewiesen hat um die Zeit, als er 14 Jahre alt war. Der tägliche sexuelle Missbrauch eines Siebzehnjährigen passt in keiner Weise in die Erzählung.

Außerdem deutet Safechuck im Film an, dass der Bahnhof einer der ersten Orte war, an dem der Missbrauch geschah: „es ist ungefähr so, wie wenn du anfängst, jemanden zu daten, stimmt‘s?, du tust es dann sehr oft.“ Das deutet also auf die späten achtziger Jahre hin, als Safechuck 10 war oder so. Aber der Bahnhof hat da noch nicht existiert. Es scheint einfach nicht möglich zu sein, dass Safechucks gesamte Behauptungen wahr sein können.

Lisha: Ja, und vergiss nicht, beide, Safechuck und Robson sagen, sie wären in der Zeit des Missbrauchs nicht traumatisiert gewesen. Sie behaupteten, das erfahrene Trauma sei viel später gekommen – nachdem sie sich vorgestellt hatten, ihre eigenen Kinder würden missbraucht. Also ich erkenne nicht, wie diese Erklärung Sinn ergeben soll. Nebenbei, wertet ein Trauma die Erinnerung nicht eher auf statt sie zu verzerren? Ich erinnere mich an Christine Blasey Fords Aussage letzten Sommer, in der sie erklärte, dass traumatische Erinnerungen tatsächlich viel klarer sind als es Erinnerungen normalerweise sind.

Willa: Naja, es ist kompliziert. Menschen können traumatisiert sein, ohne es wahrzunehmen – ich meine, ohne zu merken, welche Auswirkungen das Trauma auf sie gehabt hat. Zum Beispiel erkennen Soldaten mit PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) oft nicht, dass sie darunter leiden, bis sie diagnostiziert wird.

So wie ich es verstehe, können sensorische Erinnerungen traumatischer Geschehnisse sehr klar sein, während Dinge wie Daten oder, in Christine Blasey Fords Fall, der Standort des Hauses, wo der Missbrauch geschah, oder die Erinnerung daran, wie sie an dem Abend nach Hause kam, durcheinander geraten oder vergessen werden können.

Lisha: Das ist genau der Grund, warum die Polizei routinemäßig Befragungen von Opfern, Zeugen und Verdächtigen aufnimmt. Wenn du jemanden bittest, sich aufnehmen zu lassen, wenn er erzählt, was geschah, kannst du ihre Geschichte festnageln und erhärten. Es ist oftmals das Erste, was die Polizei tut – alle bekannten Parteien voneinander zu trennen und sie dann zu bitten, sich an die Geschehnisse zu erinnern. Wir wissen, dass Fälle von Kindesmissbrauch sehr schwer zu beweisen sind, denn physische Beweise des Verbrechens selbst sind selten vorhanden. Also sind es die anderen Elemente der Geschichte, die bewiesen werden müssen.

Willa: Wenn möglich, aber manchmal gibt es nicht viele harte Beweise, besonders wenn Opfer erst Jahre später in der Lage sind, sich zu melden, nachdem sie eine Chance hatten, zu verarbeiten, was ihnen als Kind passiert ist. Das ist es, was diese Fälle zu solchen Herausforderungen macht. Ich habe ein bisschen Recherche zur Start by Believing campaign (Fang damit an zu glauben-Kampagne, Anm. d. Ü.) angestellt, und ich verstehe und unterstütze ihre Ziele: Opfer von sexuellem Missbrauch oder sexueller Belästigung vor erneuten traumatischen Erfahrungen zu schützen, wenn sie ihre Geschichte erzählen, andere Opfer zu ermutigen, sich zu melden und den Mantel des Schweigens und der Scham zu zerreißen, der sexuellen Missbrauch umgibt. Ich halte diese Ziele für bewundernswert und ich unterstütze sie.

Aber wenn ein Staatsanwalt anfängt, den Opfern zu glauben, wie Tom Sneddon es 1993 und 2003 getan hat, oder wie ein Großteil der Medien es getan hat, als Leaving Neverland herauskam, kann die Schuldvermutung große Ungerechtigkeit bedeuten.

Lisha: Ich denke, an dieser Stelle kann der Michael Jackson-Fall zu einem erweiterten Gespräch darüber beitragen, wie wir zwischen falschen und überprüfbaren Anschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch unterscheiden können. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass alle Ankläger akkurate oder wahre Angaben machen.

Willa: Unglücklicherweise stimmt das. Und es ist nicht nur Safechuck. Smallcombe hat auch Belege aufgedeckt, die Wade Robsons Geschichte widersprechen. In der Dokumentation sagt Robson, er wurde das erste Mal 1990 missbraucht, als er 7Jahre alt war und seine Familie ihn in Neverland zurückließ, während sie zum Grand Canyon gefahren sind. Jedoch hat Smallcombe eine Aussage von 1993 entdeckt, in der Wades Mutter Joy sagt, dass die gesamte Familie zum Grand Canyon gefahren ist. Sie sagt auch, dass sie Wade das erste Mal drei Jahre später in Neverland allein ließ – im Jahr 1993, nur ein paar Monate, bevor sie ihre Aussage machte, zu einer Zeit also, als ihre Erinnerungen an diese Vorkommnisse frisch gewesen sein müssen.

Hier ist noch ein Tweet von Smallcombe:

Erstes Bild: Joy Robsons Aussage von 1993, die bestätigt, dass die Familie zum Grand Canyon fuhr und dass Wade nicht vor dem gleichen Jahr (1993) allein in Neverland war Zweites Bild: Joy Robsons Aussage von 2016, sie gibt wieder an, dass die „ganze Familie“ inklusive Wade zum Grand Canyon gefahren ist.

Und hier ist ein Artikel mit zusätzlichen Informationen.

Lisha: Also wissen wir, dass die Angaben im Film nicht für bare Münze genommen werden können. Woher wissen wir überhaupt, dass irgendetwas in dem Film wirklich zutrifft?

Willa: Das ist eine gute Frage, Lisha. Vielleicht werden wir in der Lage sein, das herauszufinden, wenn mehr Belege auftauchen. Genauso dringend hoffe ich, dass die Mainstream-Medien durch Informationen wie diese endlich dazu gezwungen werden, zurückzuschauen und die gesamten Anschuldigungen neu zu bewerten und diesmal wirklich die Beweise zu betrachten.

Lisha: Das hoffe ich auch.

Willa: Unglücklicherweise halte ich das nur für einen kleinen Hoffnungsschimmer. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der für viele Jahre Chefredakteur der Lokalzeitung war und nun am örtlichen College Journalistik unterrichtet. Er ist wirklich ein netter Mensch und ich respektiere ihn sehr, aber er erzählte mir, dass er, ehrlich gesagt, schon vor langer Zeit Michael Jackson als Freak abgetan hat, ungeachtet dessen, ob er Kinder belästigt hat oder nicht. Er sagte, dass ihm Beweise diese oder jene Einzelheit betreffend egal seien. Seine grundsätzliche Einschätzung Michael Jacksons stand bereits fest und würde sich wahrscheinlich nicht ändern.

Ich fürchte, dass viele Menschen das so empfinden, inklusive andere Journalisten. Zum Beispiel habe ich den Eindruck, dass die nationalen Medien sich gar nicht großartig für Beweise interessieren. Stattdessen hat bereits eine fast universelle Verdammung Michael Jacksons stattgefunden, genauso wie die öffentliche Verunglimpfung jedes Einzelnen, der sich traut, ihn zu verteidigen.

Lisha: Ich denke, darum müssen wir einen Schritt zurücktreten und über eine kulturelle Antwort auf den Film nachdenken, statt zu versuchen, jeden kleinen Beweisfetzen auszuwerten.

Willa: Hmmm… Ich denke immer noch, das Betrachten der Beweise hat einen hohen Stellenwert, aber das ist ein guter Punkt, Lisha. Ich denke, du hast Recht – Beides muss gleichzeitig passieren.

Lisha: Ja, ich stimme dir zu. Die Fakten aufzudecken ist wesentlich. Aber was sagt es über eine Kultur aus, wenn ein Film dieser Art – vier Stunden drastischer Schilderungen pädophiler Handlungen – so viel Begeisterung erzeugt? Es lohnt sich, darüber nachzudenken, warum ein Unterhaltungsprodukt wie dieses so ansprechend ist.

Für mich war der schlimmste Teil von Leaving Neverland die unerbittliche, sensationsheischende Berichterstattung in den Medien. Ich habe das wirklich nicht kommen sehen. Es fühlt sich oft an, als käme es von einer einzigen unkritischen Stimme, trotz allem, was wir über diese Fälle in den letzten sechs Jahren gelernt haben. Die Robson/Safechuck-Verfahren sind bereits zwei Mal ohne Sachentscheidung abgewiesen worden. Große Nachrichtenagenturen haben 2013 über die Klagen berichtet. Außerdem ist Michael Jackson 2009 gestorben! Also warum ist das plötzlich so ins öffentliche Bewusstsein hinein explodiert und hat für so eine gewaltige Reaktion gesorgt?

Wenn ich zurückblicke auf ein paar frühere Medienanalysen, erkenne ich eine vertraute Geschichte. Zum Beispiel hat der Medienwissenschaftler John Erni damals, 1998 die Berichterstattung über die Chandler Beschuldigungen als „zum einen grob vereinfachend und zum anderen himmelschreiend homophob“ beschrieben, und ich denke, das trifft immer noch zu. Zu viele Journalisten nehmen die Anschuldigungen einfach für bare Münze. Und in einer Kultur, die „nicht müde wird, den Mythos von Schwulen als Kinderbelästiger zu recyceln“ sehen wir wieder homophobe Restriktionen gegen Michael Jackson und Andersartigkeit.

Willa: Absolut.

Lisha: Aber ich verstehe immer noch nicht, warum dieses Narrativ jetzt mit großem Getöse zurückschlägt. Warum jetzt?

Willa: Das ist eine wirklich gute Frage, Lisha. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht daran liegt, dass die Anschuldigungen in einem Film gezeigt wurden wie eine Geschichte, mit Leuten, die die Zuschauer sehen und mit denen sie eine Verbindung aufbauen konnten – was Psychologen den „Identifizierbares Opfer-Effekt“ nennen – Es gab neulich einen Artikel darüber in Salon.

Lisha: Toller Artikel! Ich bin sicher, das ist ein großes Stück des Puzzles.

Willa: Ja, du hast vielleicht recht, Lisha, das ist nur einer von vielen Gründen, warum Leaving Neverland so einen Aufschrei ausgelöst hat. Aber ich halte das für einen wichtigen Grund. Es scheint, dass wir Menschen so verdrahtet sind, dass wir emotional auf Geschichten reagieren. Ich glaube, das ist ein Grund, warum Freud sich so oft der griechischen Mythologie zuwandte, wenn er die menschliche Psychologie beschrieb und benannte (Es gibt Eros und Narzissus, Ödipus und Elektra…). Es ist, als würden wir Menschen Geschichten erschaffen, unsere Geschichten aber auch uns erschaffen. Über die Jahrtausende haben unsere Geschichten unser Denken geformt, unsere Kultur und unser Verständnis davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Daher können uns unsere Geschichten auf eine Weise emotional bewegen, die nur schwer zu verstehen ist.

Wenn man also einen Film wie Leaving Neverland sieht und miterlebt, wie ein Mitmensch eine entsetzliche Geschichte erzählt – selbst wenn die Geschichte bereits seit einigen Jahren die Runde macht, wie Robsons und Safechucks Behauptungen – dann ruft das unsere Emotionen wach und betrifft uns auf ganz andere Weise als es ein Report über einen Gerichtsfall tun würde, selbst wenn beides inhaltlich gleich ist.

Lisha: Es stimmt, dass der Film vollkommen auf affektiver und emotionaler Betroffenheit beruht, was ein ganz anderer Weg ist, Informationen aufzunehmen als, sagen wir, das Lesen von juristischen Dokumenten. Selbst wenn der Inhalt der gleiche ist, ermöglicht ein Film dem Betrachter, nonverbale Informationen zu bewerten, was sehr machtvoll sein kann.

Willa: Das stimmt.

Lisha: Ich habe festgestellt, dass „Untouchable“ („Unantastbar“, Anm. d. Ü.), der Film über Harvey Weinstein, denselben Ansatz verfolgt. Er hatte neben Leaving Neverland Premiere beim Sundance Film Festival und konzentrierte sich in gleicher Weise auf die Behauptungen der Ankläger. Ein Kritiker erklärte es so:

Geschichten in Zeitungen und Zeitschriften können uns mit den Details versorgen, aber Kino, ein bild- und zeitbasiertes Medium, kann mehr als Print-Medien. Es kann uns mit den Opfern zusammensitzen und zu Zeugen werden lassen, während sie von ihren Erfahrungen berichten.

Willa: Ja, das ist eine gute Beschreibung. Und uns in diese unangenehme Lage zu versetzen, kann machtvoll sein: es kann uns zwingen, der harten Realität ins Auge zu sehen, starke Emotionen freisetzen und möglicherweise wichtige gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Aber die schiere Gewalt dieser Emotionen kann uns auch in Schwierigkeiten bringen.

Lisha: Ganz bestimmt. Ich habe festgestellt, dass die Me Too-Bewegung an dieser Stelle ein wenig in Schieflage gerät – wir werden ermutigt, „den Opfern zu glauben“ und gleichzeitig unterschwellig dazu aufgefordert, unsere Fähigkeit zu kritischem Denken beiseite zu lassen. Manche haben sogar versucht, das plötzliche Interesse an Leaving Neverland als Teil der Me Too-Bewegung zu erklären. Aber ich neige dazu zu denken, wenn das der Fall wäre, hätte es viel mehr Reaktionen auf Untouchable und den bevorstehenden Prozess gegen Harvey Weinstein gegeben – ein lebendes, atmendes menschliches Wesen.

Willa: Die unterschiedlichen Reaktionen auf Untouchable und Leaving Neverland sind ganz schön auffällig, wenn du sie so nebeneinander stellst, Lisha. Ich glaube, du hast recht damit, dass es da um mehr geht – etwas, das eine viel stärkere emotionale Reaktion auf Michael Jacksons Ankläger hervorruft als auf Weinsteins.

Und wieder sollten wir vorsichtig damit sein, den Wahrheitsgehalt einer Geschichte aufgrund unserer emotionalen Reaktionen zu beurteilen. Nur weil eine Geschichte überzeugend ist, muss sie nicht wahr sein. Einige unserer herzzerreißendsten Geschichten sind fiktiv. Aber weil sie uns so tief bewegen, fühlen sie sich auf einer gewissen Ebene wahr an.

Lisha: Ja, das ist richtig. Ich habe oft gedacht, dass viele fiktive Geschichten auf der psychologischen Ebene wahr sind! Vielleicht sogar mehr als die reine Darlegung von Fakten.

Willa: Ich weiß, was du meinst. Fiktion kann wichtige psychologische Fakten beinhalten, selbst wenn die Handlung ein komplettes Hirngespinst ist. Tatsächlich kann Fiktion etwas Tiefgreifendes ausdrücken und uns tiefer bewegen als eine strikte Befolgung der tatsächlichen Geschehnisse. Ich habe neulich Never Look Away („Sieh niemals weg“, Anm. d. Ü.) gesehen, einen erstaunlichen Film über die Fähigkeit von Kunst, Wahrheiten auszudrücken, die vielleicht nicht einmal der Künstler versteht. In einem kürzlich erschienenen Artikel sagt Florian Henckel von Donnersmarck, der Regisseur von Never Look Away, dass es eine Geschichte schwächen kann, sich an alle Fakten und den genauen Ablauf zu halten. Citizen Kane wäre ein geringerer Film, wenn er Citizen Hearst genannt worden wäre.

Lisha: Interessant!

Willa: Das glaube ich auch. Dieser Kommentar hat mich wirklich beeindruckt. Also versuchen Regisseure, Geschichten auf eine Weise zu vermitteln, die Emotionen erregt – sie arbeiten hart daran, uns emotional zu bewegen. Und diese Emotionen mögen wichtige Einblicke vermitteln, aber sie können uns auch irreleiten.

Zum Beispiel können Emotionen eine Art von Mob-Mentalität hervorrufen, die Menschen mitreißt. Ich glaube, das ist ein Grund, warum Michael Jackson während seines Prozesses How to kill a mockingbird (Wer die Nachtigall stört) immer und immer wieder angeschaut hat – um zu verstehen, wie diese Mob-Mentalität funktioniert, besonders wenn eine schwarze Person von einer weißen Person einer Sexualstraftat bezichtigt wird. In solchen Situationen, wenn es zu einem emotionalen Ausnahmezustand kommt, kann es fast unmöglich sein, die breite Öffentlichkeit dazu zu bringen, einen Moment innezuhalten und nicht voreilig zu urteilen, bevor die Beweise richtig eingeschätzt wurden. Die Geschichte ist übersät mit dieser Art von Ereignissen und kulturellen Produkten – Birth of a Nation („Die Geburt einer Nation“, Anm. d. Ü.) kommt einem in den Sinn – wo gezeigt wird, wie leicht wir kulturellen Narrativen und Kurzschlussreaktionen in die Falle gehen. Leaving Neverland wurde hergestellt, um starke emotionale Reaktionen hervorzurufen und daraus ist ein Versuch geworden, Michael Jackson in eine Art kulturellen Volksteufel zu verwandeln, um den Begriff des Soziologen Stanley Cohen zu gebrauchen. Weil diese Dämonisierung Michael Jacksons in einer Art medialem Gerichtsprozess auch Aufrufe beinhaltet, seine Musik zu verbannen, denke ich, dass wir wachsam sein sollten im Umgang mit diesem kulturellen Moment. Musik und Kunst zu verbannen ist ein sehr dunkler Impuls.

Willa: Naja, das ist ein kompliziertes Thema. Ich stimme zu, dass wir immer dann wachsam sein müssen, wie du sagst, wenn wir Zeichen dieser Art von Mob-Mentalität sehen. Mobs sind beängstigend, besonders leibhaftig, aber sogar online. Und es ist problematisch, dass es kaum Diskussionen über tatsächliche Beweise gibt oder die Darstellung von unterschiedlichen Sichtweisen. Für eine Weile schien es, als sei Joe Vogels Artikel in Forbes [deutsche Übersetzung; Anm.d.Übers.] der einzige da draußen, der gegen Leaving Neverland vorging und gegen die allzu vertraute Erzählung von Michael Jackson als sexuellem Raubtier kleinen, weißen Jungen gegenüber.

Aber um ehrlich zu sein, kann ich verstehen, warum die meisten Zuschauer von Leaving Neverland empört sind und Sympathie für Wade Robson und James Safechuck empfinden. Ich habe eine liebe Freundin, die vor mehr als vierzig Jahren sexuell missbraucht wurde, und es beeinflusst immer noch fast jeden Aspekt ihres Lebens. Es war ein so tiefgehender Verrat. Es ist fast unmöglich, in Worten auszudrücken, welche Auswirkungen das auf sie hatte. Ich habe eine andere Freundin, die eines Tages entdeckte, dass ihr Ehemann ihre beiden Kinder sexuell missbraucht hatte. Sie erzählte mir, sie sei an dem Morgen zur Arbeit gegangen mit der Überzeugung, sie führe eine starke Ehe und habe eine glückliche Familie, und am Ende des Tages war alles, was sie zu wissen glaubte, ins Gegenteil verkehrt.

Lisha: Das ist herzzerreißend, Willa.

Willa: Das ist es. Es ist herzzerreißend und zerstörerisch und vollkommen verwirrend. Sie sagte mir, dass sie sich immerfort fragte, Wie konnte mir das entgehen? Wie konnte ich meinen Mann als einen witzigen, glücklichen Extravertierten missverstehen, während er solche Dunkelheit in sich trug? Wie konnte ich seine Beziehung mit unseren Kindern missverstehen? Sie hat wirklich den Glauben an ihre Menschenkenntnis verloren, und ich weiß nicht, ob sie sich jemals komplett davon erholen wird.

Lisha: Das ist unglaublich traurig, denn Menschen, die diese Verbrechen begehen, sind nicht stolz auf Ihr Verhalten und gehen sehr weit, um es zu verbergen. Zweifellos wurde das sorgfältig verborgen – besonders vor ihr. Aber unglücklicherweise nehmen Mütter oft die Schuld auf sich, weil sie darin versagt haben, ihre Kinder zu schützen – ein weiteres kulturelles Narrativ, das es verdient, mehr hinterfragt zu werden.

Willa: Das stimmt. Auch das sehen wir in Leaving Neverland.

Lisha: Leider ja.

Willa: Wie auch immer, mein Punkt ist, dass ich erlebt habe, wie sexueller Missbrauch Menschen zerreißen kann, nicht nur Opfer, auch deren Familien, und ich habe den Langzeiteffekt gesehen, den er auf die tiefsten Abgründe der Psyche des Opfers haben kann. Also kann ich verstehen, warum die meisten Leute, die Leaving Neverland sehen, Schock und Wut und Abscheu empfinden.

Lisha: Ich kann natürlich verstehen, dass man Mitgefühl hat mit jemandem, der leidet und dass man denen helfen möchte, die zu Opfern wurden. Es scheint nur natürlich zu sein, dass du so viel Unterstützung und Trost wie möglich zeigen möchtest.

Willa: Ja, das denke ich auch.

Lisha: Aber ich will auch an die Opfer falscher Anschuldigungen denken. Was dem Gespräch über Leaving Neverland meiner Ansicht nach fehlt, ist die Anerkennung dessen, dass es seit Jahrzehnten eine erhöhte kulturelle Aufmerksamkeit für den sexuellen Missbrauch von Kindern gibt, seit den Achtzigern, soweit ich mich erinnere. Das ist kein gesellschaftliches Problem, das wir unter den Teppich gekehrt haben oder von dem wir so getan haben, als gäbe es das nicht. Wir wurden überschwemmt mit allen möglichen Informationen über sexuellen Missbrauch von Kindern. Oprah allein sagt, sie habe 217 Fernsehsendungen zu dem Thema gemacht. Zeitweise erhob sich aus dem großen Interesse an diesem Thema eine extreme Panik und Hysterie. In Mike Lews Worten, Autor von Victims No Longer („Nicht länger Opfer“, Anm. d. Ü.) (ein Buch, das Wade Robson auf seiner Webseite empfiehlt): „Man müsste schon in einer Höhle gelebt haben, um sich der Realität von Kindesmissbrauch nicht bewusst zu sein…“

Zusammen mit dem erhöhten Bewusstsein von Missbrauch kommt das Wissen darüber, wie zerstörerisch falsche Anschuldigungen sein können. Genauso wie wir es in Fällen von Missbrauch sehen, können falsche Anschuldigungen Menschenleben ruinieren und Familien auseinanderreißen. Also müssen diese Behauptungen sehr sorgfältig untersucht werden.

Willa: Ja, besonders, wenn der Ankläger weiß ist und der Beschuldigte nicht.

Lisha: Ausgezeichnetes Stichwort! Rasse verkompliziert diese Diskussion exponentiell, besonders wenn es um Anschuldigen wegen sexueller Gewalt von Schwarzen gegen Weiße geht.

Willa: Das ist wirklich so. Du weißt, dass ich im Süden aufgewachsen bin, also ist mir klar, dass diese machtvollen Gefühle von Wut und Empörung manipuliert werden können, besonders gegen farbige Männer. Wiederholt haben in der amerikanischen Geschichte weiße Männer Nichtweiße oder Männer anderer Rassen des sexuellen Missbrauchs weißer Frauen und Kinder beschuldigt, und haben dann die enorme Angst und Wut, die daraus entstand, für politische und finanzielle Ziele genutzt.

Zum Beispiel wurde diese Strategie während des Kolonialismus wiederholt gegen amerikanische Indianer angewendet, um die Übertretung von Verträgen und die Beschlagnahme von Indianerland zu rechtfertigen. Ich meine damit, dass weiße Siedler Geschichten darüber verbreitet haben, dass Indianer weiße Frauen und Kinder entführt und missbraucht haben, und dann wurden diese Geschichten als Rechtfertigung dafür benutzt, Indianer von dem Land zu vertreiben, das rechtmäßig ihnen gehörte. Diese Strategie hatte eine interessante Auswirkung: Sie erlaubte weißen Siedlern, sich selbst als Opfer darzustellen, selbst wenn sie gegen die Ureinwohner Gewalt ausübten und ihnen ihr Land wegnahmen.

Eine ähnliche Strategie wurde in den 1880er Jahren gegen chinesische Einwanderer und gegen mexikanische Einwanderer in den 1930ern angewendet (genauso wie die Präsidentschaftswahl 2016), um Veränderungen in der Einwanderungspolitik zu bewirken. Und sie richtete sich über Generationen gegen schwarze Männer. Tausende von befreiten schwarzen Männern wurden gelyncht in den Jahrzehnten, die dem Wiederaufbau folgten, und eine falsche Anschuldigung wegen sexueller Belästigung war oftmals die Rechtfertigung für das Anzetteln von Massenausschreitungen, die Zerstörung von erfolgreichen schwarzen Geschäften und Gemeinden und die Konfiszierung schwarzen Besitztums.

In einem Pamphlet von 1892, Southern Horrors: Lynch Law in All Its Phases (Der Horror des Südens: Lynchjustiz in all ihren Phasen, Anm. d. Ü.) weist die Journalistin Ida Wells darauf hin, dass diese grausamen Lynchmorde auch einen übergreifenden politischen Zweck verfolgten: befreite Schwarze, besonders schwarze Männer zu unterdrücken, nachdem die Sklaverei abgeschafft worden war. Wells warnt ihre Leser weiterhin, dass falsche Anschuldigungen von Vergewaltigung, um Gewalt von Weißen gegen Schwarze zu rechtfertigen, inzwischen so weit verbreitet waren, „dass es gerechtfertigt zu sein scheint, uns als eine Rasse von Vergewaltigern abzustempeln.“ (Übrigens, vielen Dank an Eleanor Bowman dafür, dass du mich auf Wells Pamphlet aufmerksam gemacht hast. Ich habe eine Menge daraus gelernt. Wenn jemand es lesen möchte, der vollständige Text findet sich hier.)

Unglücklicherweise denke ich, dass Wells Voraussage in einem gewissen Ausmaß wahr geworden ist – über die Jahrzehnte hat dieses Narrativ in den Köpfen vieler Leute Afroamerikaner als „Rasse von Vergewaltigern abgestempelt“. Also sind inzwischen viele weiße Amerikaner darauf voreingestellt, schwarze und farbige Männer als sexuelle Raubtiere zu sehen. Diese Historie hat einen enormen Einfluss darauf, wie Weiße schwarze Männer wahrnehmen, die des sexuellen Missbrauchs weißer Frauen und Kinder beschuldigt werden und wie sie auf sie reagieren. Aber ich glaube, viele weiße Amerikaner bemerken es entweder nicht oder wollen es nicht zugeben.

Lisha: Kulturelle Narrative sind so sehr ein Teil unseres Alltags, dass wir uns selten überhaupt ihrer bewusst werden – jedenfalls, bis sie herausgefordert werden. Es ist wichtig herauszuarbeiten, dass die Kulturindustrie (z.B. Musik und Film) ein Bereich ist, in dem diese Mythen und kulturellen blinden Flecken kontinuierlich bestätigt (und manchmal angefochten) werden. Das ist eine der Methoden zur Aufrechterhaltung der sozialen Privilegien für die Leitkultur.

Willa: Das stimmt.

Lisha: Das erinnert mich an einen neulich erschienenen Artikel über Leaving Neverland, der sich um diese Fragen dreht, hinsichtlich kognitiver Vorurteile, inklusive rassischer Vorurteile, und der erklärt, wie diese die Reaktion der Zuschauer auf den Film beeinflussen. Er trägt den Titel “How Your Judgment Can Be Skewed About the Michael Jackson Documentary” („Wie Ihr Urteil über die Michael Jackson Dokumentation verzerrt werden kann“, Anm. d. Ü.) und ist von einem Psychiater verfasst worden, Dr. Srini Pillay. Pillay sagt, er hatte Schwierigkeiten, einen Herausgeber für dieses Werk zu finden, denn er war nicht im Einklang mit den vorherrschenden Medien-Erzählungen über den Film. Er arbeitet natürlich heraus, dass dies ein ebenso starker Beweis für kognitive Vorurteile ist!

Willa: Das ist es wirklich, besonders weil dies ein tiefgründiger Artikel einer glaubwürdigen Quelle ist. Ein Harvard Psychiater und Hirnforscher. Es sagt eine Menge, dass er nicht in der Lage war, einen Herausgeber zu finden.

Willa: Ich glaube, dass immer dann, wenn wir sehen, wie die Medien mit einer Stimme sprechen, dies ein Signal dafür ist, dass wir uns in einer Gefahrenzone befinden, kulturell gesprochen. Ich möchte mich dann umschauen, um zu sehen, ob ich herausfinden kann, was genau sich außerhalb unserer peripheren Wahrnehmung versteckt.

Pillay zeigt, wie Vorurteile arbeiten, zum einen offen und auf versteckte Weise. Zum Beispiel sind in der Dokumentation die weißen Ankläger „die einzigen Menschen mit einer Stimme oder Perspektive“, während „der beschuldigte schwarze Täter nicht nur keine Stimme hat, sondern tot ist.“ Das fällt mir auf als ein Beispiel von offener rassistischer Voreingenommenheit.

Aber da geht noch mehr subtile Manipulation vor sich. Was mich am meisten überrascht hat, war eine Studie über „postmortale Dämonisierung und Kriminalisierung“ von schwarzen Männern, die zeigt, dass „das Risiko, rassistische Voreingenommenheit zu erfahren, für schwarze Männer sehr erhöht ist, besonders nachdem sie gestorben sind“.

Willa: Das hat mich auch überrascht.

Lisha: Ich glaube, das ist unglaublich wichtig hier, wenn man bedenkt, dass Michael Jackson seit fast zehn Jahren tot ist.

Willa: Ja. Ich habe nie nachgedacht über „das Risiko rassistischer Voreingenommenheit“, das schwarzen Männern nach ihrem Tod begegnet. Ihnen begegnet bereits so viel zu Lebzeiten! Aber das erinnert mich an Martin Luther King, zum Beispiel, und an alles was nach seinem Tod unternommen wurde, um sein Vermächtnis zu zerstören – wie all die Geschichten über Affären und One Night Stands. Warum wurde das veröffentlicht, und warum dann?

Lisha: Das ist ein perfektes Beispiel! Der Kampf um Dr. Kings Vermächtnis hat einen alten (und immer noch lebendigen) Mythos über schwarze, männliche Hypersexualität erweckt, und das Thema wiederholt sich im Kampf um Michael Jacksons Vermächtnis.

Willa: Ich stimme dir absolut zu.

Lisha: Pillay beschreibt außerdem die Vorurteile gegen erfolgreiche Menschen, an die wir im Zusammenhang mit Dr. King ebenfalls denken können. Reverend Jesse Jackson hat darüber 2005 in einem Interview mit Bill Maher gesprochen, in Bezug auf Michael Jackson: „ob du Jack Johnson oder Paul Robeson oder Martin King oder Mandela bist, wenn Schwarze sehr hohe Positionen erreichen, stehen sie in der Schusslinie. Michael erkennt, dass er selbst in dieser Linie steht.

Willa: Ja, das ist ein guter Punkt. Das ist wie der „A star is born“- Effekt, wo wir wiederholt die Geschichte einer talentierten Person erzählen, die großen Erfolg hat, Unglaubliches erreicht, um dann zusammenzubrechen und zu verbrennen. Wir erzählen diese Geschichte immer und immer wieder. Und das stimmt besonders für erfolgreiche schwarze Männer. Wie Michael Jackson 2005 selbst in einem Interview mit Jesse Jackson sagte: „Es gibt ein Muster unter schwarzen Berühmtheiten in diesem Land.“

Lisha: Das ist praktisch zur Zeit ein nationaler Zeitvertreib: The “swift and sudden fall from grace.” (Der „jähe und plötzliche Fall in Ungnade“, Anm. d. Ü.)

Willa: Genau. In dem Video, das du geteilt hast, Lisha, hat Jesse Jackson ein anderes Phänomen beschrieben, das hier ebenfalls wichtig ist, denke ich: Dass Jack Johnson, Muhammad Ali und Nelson Mandela zu Lebzeiten verunglimpft wurden und ihr Image saniert und gefeiert wurde, nachdem sie gestorben waren.

Also glaube ich, dass wir in Bezug auf Michael Jackson in unterschiedlichen Phasen mehrere unterschiedliche Phänomene sehen. Er wurde verachtet in den ungefähr letzten zehn Jahren seines Lebens, dann gefeiert direkt nachdem er gestorben war – wie Jack Johnson, Muhammad Ali und Nelson Mandela es wurden. Aber nun scheint eine Art Gegenreaktion einzusetzen. Einmal mehr wird er zum „beast you visualized“ („die Bestie, die du dir vorgestellt hast“, Anm. d. Ü.), um einen weiteren Songtext von ihm zu zitieren. Es ist, als bräuchten wir ihn, um diese kulturelle Rolle auszufüllen.

Lisha: Ja, du hast recht. Es ist wieder diese Mob-Mentalität und das Bedürfnis, einen kulturellen Volksteufel herzustellen. Nun füge noch das Vorurteil vor Kreativität hinzu…

Willa: Richtig, ich fand, dass das ebenfalls einer der wirklich interessanten Teile in Dr. Pillays Artikel war. Ich meine, denk nur an die beliebte Vorstellung des berühmten Komponisten oder Malers, der halb verrückt ist, oder denk an all die Lieder oder Volkssagen, in denen ein Künstler eine Art von Pakt mit dem Teufel schließt, um Erfolg oder Kreativität zu erlangen. Es scheint wirklich widersprüchliche Wahrnehmungen kreativer Menschen zu geben – dass sie für ihr Talent gefeiert werden sollten, aber auch, dass mit ihnen irgendetwas nicht ganz zu stimmen scheint. Michael Jackson spricht dieses Vorurteil in Ghosts ausdrücklich an. Schließlich ist die Hauptfigur ein „Maestro“, und die Dorfbewohner fühlen sich von seiner Kreativität bedroht wie von sonst etwas.

Lisha: Es gibt viele kulturelle Narrative über Künstler – Ghosts legt eine Menge von ihnen dar. Und ich glaube, wir könnten sogar eine Untergruppe für Popmusik erstellen. Ich meine, füll die Leerstelle aus: Musiker sind _____ (sexuell promiskuitiv, drogensüchtig, rücksichtslos, unverantwortlich…) Es gibt sogar eine kulturelle Kurzform dafür: Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll“.

Willa: Ich erkenne, was du meinst!

Lisha: Es ist also sehr komplex, was die Reaktion der Zuschauer dieses Films steuert, inklusive eines weiteren wichtigen Faktors, welches das letzte Element ist, das Pillay ermittelt: Voreingenommenheit in Bezug auf Erinnerungen. Wie sich herausstellt, ist Erinnerung nicht halb so stabil und verlässlich, wie wir gern glauben würden.

Elizabeth Loftus ist eine führende Erinnerungsforscherin, die die Anschuldigungen Wade Robsons schon früh als fragwürdig kennzeichnete, besonders als die ersten Berichte seine Behauptungen als Fall von unterdrückten Erinnerungen beschrieben. Obwohl Robson das zurücknahm und öffentlich sagte, seine Erinnerungen seien niemals unterdrückt gewesen, empfiehlt er auf seiner Website ein populärpsychologisches Buch, Courage to Heal („Mut zu heilen“, Anm. d. Ü.), das breit dafür kritisiert wurde, dass es die Theorie der unterdrückten Erinnerung gefördert hat. Dr. Loftus spricht das insbesondere in ihrem eigenen Buch an, aber vielleicht ist das eine längere Diskussion für eine andere Gelegenheit!

Willa: Ich denke schon. Es klingt, als gäbe es noch viel zu lernen und vieles auszupacken zu diesem Thema! Und ich freue mich auf eine weitere Diskussion. Es ist immer so großartig, mit dir zu sprechen, Lisha!

John Ziegler und Charles Thomson über Leaving Neverland und die mediale Berichterstattung

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John Ziegler ist ein US-amerikanischer Journalist, Dokumentarfilmer und Radio/Podcast-Host.

Charles Thomson ist ein mehrfach ausgezeichneter britischer Journalist.

Quelle: https://player.fm/series/free-speech-broadcasting/ep-2019-04-14-1-charles-thomson

John Ziegler: … Zuerst möchte ich über Michael Jackson und Leaving Neverland sprechen, da wir wahrscheinlich mehr Arbeit darin investiert haben als so ziemlich jeder andere in Amerika; was für ein Betrug dieser HBO-Film wirklich ist. Und ich habe bereits erwähnt, dass es in Großbritannien einen britischen investigativen Journalisten namens Charles Thomson gibt, der im Grunde in fast jeder Hinsicht ein Seelenverwandter von John Ziegler ist, aber insbesondere in Bezug auf Leaving Neverland und dem schrecklich haarsträubendem Umgang der Medien damit, und so bat ich Charles, ins Programm zu kommen. Er hat freundlicherweise zugestimmt und schließt sich uns von außerhalb Londons an. Charles Thomson, willkommen beim Podcast.

Charles Thomson: Danke für die Einladung.

John Ziegler: Vielen Dank, dass Du bei uns bist. Ich habe Deine Arbeit aus der Ferne bewundert, nicht nur im Jackson-Fall, sondern auch über die Medien im Allgemeinen. Während wir also dort anfangen, gib uns so schnell wie möglich einen Einblick in Deinen umfangreichen Background im Jackson Fall sowie auch in anderen Fällen von Kindesmissbrauch, die Du untersucht hast.

Charles Thomson: Okay, ich arbeite derzeit als Chefreporter bei einer großen Zeitungsreihe von Regionalzeitungen. In Großbritannien gibt es den Yellow Advertiser, der quer durch Essex und East London vertrieben wird, also eine große Anzahl an Ausgaben, die wöchentlich zu Hunderttausenden erscheinen und ein Teil meines Jobs besteht aus investigativen Berichten und Verbrechens- und Gerichtsberichten, und so behandelte ich während meiner Zeit dort eine Vielzahl von Fällen, einschließlich Kindesmissbrauchsfällen, einschließlich Kindermorden, und mein Background im Michael Jackson Fall reicht in die Zeit vor meiner Arbeit in der Regionalpresse zurück, als ich ein freiberuflicher Autor war und mir 2010 in der Michael Jackson Welt zum fünften Jahrestag des Urteils im Michael Jackson Prozess einen Namen gemacht habe. Ich verbrachte ein paar Monate damit, die Transkripte zu lesen oder erneut zu lesen und verglich diese mit dem Zeitungs- und Fernseharchiv. Ich schaute mir die Zeugenaussagen an bestimmten Tagen an und verglich sie mit der Art und Weise, wie in den Medien darüber berichtet wurde. Für die Huffington Post schrieb ich einen Artikel, in dem es um diese Diskrepanz ging und dass die Berichterstattung der Medien wirklich falsch und unglaublich voreingenommen war. [-> Eine beschämende Episode in der Mediengeschichte; Anm.d.Übers.]

John Ziegler: Um das ganz deutlich zu sagen, denn ich bekomme das selbst immer zu hören, wenn man eine konträre Stimme hat, besonders in einem Kindesmissbrauchs-Fall: Die Leute denken, man ermöglicht Kindesmissbrauch oder schlimmeres, aber Du bist tatsächlich genau das Gegenteil. Du wurdest für Deine Arbeit in anderen Fällen von Kindesmissbrauch ausgezeichnet, also gib uns ein Gefühl dafür, wie sich der Fall Michael Jackson von anderen Fällen unterscheidet, die Du behandelt hast, besonders in Bezug auf das Fehlen von Beweisen gegen ihn.

Charles Thomson: Nun, ich meine, der Hauptunterschied ist – und das liegt hauptsächlich daran, wer Michael Jackson ist – dass es in keinem anderen Fall, über den ich je berichtet habe, ein riesiges Multi-Millionen-Dollar-Motiv gab, um zu lügen. In Michael Jacksons Fall hat es noch nie einen Ankläger gegeben, der einfach zur Polizei gegangen ist, in eine Polizeistation gegangen ist oder einen Anruf bei der Polizei gemacht hat und gesagt hat, „Hi, ich wurde missbraucht und ich möchte das melden“, der mit der Polizei zusammengearbeitet und eine konsistente und schlüssige Version der Ereignisse abgegeben hat. Das ist buchstäblich noch nie passiert. Jeder einzelne Ankläger von Michael Jackson hatte immer ein enormes finanzielles Motiv und hat sich immer völlig diskreditiert, hat sich selbst widersprochen, hat anderen Leuten widersprochen, hat seine Geschichte ständig geändert und sich in eklatanten Lügen und Meineid verfangen. Es hat tatsächlich noch nie einen Ankläger gegen Michael Jackson gegeben, der einer genaueren Überprüfung standgehalten hat, und weißt Du, es ist nicht so, wie die Leute manchmal sagen: „Naja, das liegt nur daran, dass Michael Jackson die Ressourcen hatte, um fantastische Anwälte zu bezahlen“. Denn wenn man sich zum Beispiel die jüngste Dokumentation anschaut, bedurften viele der Unstimmigkeiten in dieser Dokumentation keiner Spitzenanwälte, um aufgezeigt zu werden. Es waren Michael Jacksons Fans, die massive und eklatante Fehler und Lügen in der Dokumentation gefunden haben, welche die vermeintlich professionellen Journalisten, die die Dokumentation gemacht haben, irgendwie übersehen haben.

John Ziegler: Das ist alles sehr gut gesagt, aber ich möchte sicherstellen, dass wir einen Punkt deutlich machen: Das von Dir beschriebene Szenario einer missbrauchten Person, die zur Polizei geht, und sagt „Hey, das ist mir passiert“, und die andere Seite sagt „Du meine Güte, wir können davon ausgehen, dass das so passiert ist“ – die Realität ist, dass das gelegentlich vorkommt und diese Fälle haben oft echte Beweise, oder nicht?

Charles Thomson: Nun, mit Sicherheit. Ich würde sagen, in den meisten Fällen kommt Missbrauch nur ans Licht, weil jemand beschließt, ihn zu melden. Ich möchte damit sagen, dass diese Menschen vor die Wahl gestellt wurden, Gerechtigkeit oder Geld anzustreben, und sie haben wortwörtlich Geld angestrebt. Der Chandler-Fall wurde gezielt so aufgebaut, um exakt mit der Zivilklage übereinzustimmen. Dann gab es den Arvizo-Fall, wo die Mutter versucht hat, einen Zivilanwalt zu bekommen, gescheitert ist und erst dann zur Polizei gegangen ist, als der Zivilanwalt sagte, dass sie einen Schuldspruch braucht, bevor er sie vertritt. Und dann haben wir Wade Robson und Jimmy Safechuck, die direkt zu einem Zivilanwalt gehen. Im Michael Jackson Fall gehen also auch diejenigen, die sich zu einer Meldung entschlossen haben, nicht zur Polizei und sagen, „ich möchte Missbrauch melden“, sie laufen zu einem Anwalt und verkaufen sie für Millionen Dollar. Doch ja, ich meine, in vielen Fällen gibt es handfeste Beweise, forensische Beweise, es gibt bestätigende Zeugen oder der Missbrauch wird gemeldet und öffentlich gemacht, und dann kommt eine Flut anderer Opfer. Und im Michael Jackson Fall trifft nichts davon zu, alles ist völlig konträr zu einem üblichen Fall.

John Ziegler: Also Charles, lass uns speziell über James Safechuck und Wade Robson sprechen. Sie sind die Stars dieser HBO „Dokumentation“ Leaving Neverland und wir beide haben in den letzten Wochen sehr viel darüber geredet. Wie sicher bist Du, dass sie in diesem Film nicht die Wahrheit sagen?

Charles Thomson: Ich denke, wir können sicher sein, dass sie über bestimmte Teile ihrer Geschichte nicht die Wahrheit sagen und für mich ist das alles, was man wissen muss. Wenn ich in der Jury sitze und herausgefunden habe, dass der Hauptzeuge unter Eid zu einem oder zwei Teilen seiner Geschichte gelogen hat, dann muss ich mir die Frage stellen, wenn er darüber lügt, wie kann ich sicher sein, dass er nicht über alles lügt. Und weißt Du, wenn man sich beispielsweise Jimmy Safechuck ansieht, gibt es da ein massives, massives Problem mit dem Bahnhof. Jimmy Safechuck verklagt derzeit den Estate von Michael Jackson. Er verklagt den Jackson Estate seit fünf Jahren und er hat wiederholt unter Eid und Strafe bei Meineid gesagt, „Ich wurde von 1988 bis 1992 missbraucht. Der Grund, warum mein Missbrauch 1992 aufhörte, war, weil Michael Jackson eine Vorliebe für präpubertäre Jungs hatte. Und wenn die Jungs in die Pubertät kamen, wurden sie zu groß und er ersetzte sie durch andere, jüngere Burschen. Dies ist meine Geschichte. Mein Missbrauch endete 1992.“ In der Dokumentation sagt er, Michael Jackson und er hatten 1988/89 das, was er als Flitterwochen bezeichnet, und „während dieser Flitterwochen missbrauchte mich Michael Jackson an allen verschiedenen Orten auf der Neverland Ranch. Einer dieser Orte war der Bahnhof.“ Er platziert seinen Missbrauch im Bahnhof also ausdrücklich zu Beginn seiner Geschichte des Missbrauchs, aber wir wissen auch, dass seine Geschichte des Missbrauchs unter Eid 1992 endet. Und dann finden wir ungefähr einen Monat, nachdem der Film herauskam heraus, dass der Bahnhof erst Mitte 1994 gebaut und eröffnet wurde. Wir wissen also, dass diese Story nicht wahr sein kann, besonders die Version der Story, die den Missbrauch im Bahnhof 1988/89 platziert. Sobald wir also wissen, dass Jimmy Safechuck eine sehr lebhafte Geschichte über etwas erzählt hat, das unmöglich wahr sein kann, müssen wir uns fragen, was an seiner Geschichte sonst noch nicht stimmt. Und wenn man diesem bestimmten Teil der Geschichte nicht vertrauen kann, wie kann man dann allem anderen vertrauen, das er gesagt hat? Wenn man in der Jury sitzt, kann man niemanden aufgrund der Aussage dieses Mannes verurteilen, weil man weiß, dass zumindest einige seiner Aussagen eidbrüchig sind. Das ist ein katastrophales Problem und Oprah Winfrey tut eine sechsjährige Diskrepanz in der Timeline, wo gesagt wurde, es sei 1988/89 passiert, aber wir wissen, dass es – wenn überhaupt – erst Mitte 1994 passiert sein kann, diese Woche im Fernsehen ab, in dem sie sagt „Oh, nur weil ich mich nicht mehr erinnern kann, ob es an einem Mittwoch oder Donnerstag war, bedeutet das nicht, dass sie nicht die Wahrheit sagen“. Das ist ein katastrophales Problem in den Safechuck-Vorwürfen und mein Standpunkt ist, wenn er über den Bahnhof nicht die Wahrheit sagt, kann ich mich auf nichts verlassen, das er mir sonst noch erzählt hat.

John Ziegler: Ich stimme Dir zu, obwohl die Medien dies sicherlich nicht so sehen und das, was Oprah diese Woche zu Trevor Noah in einer Comedy-Show hier in Amerika gesagt hat, übernommen haben. Sie setzte die Taktik ein, die ich ursprünglich bei Dan Reed, dem Regisseur des Films, vorhergesagt hatte: Dass alles, was ein mutmaßliches Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs sagt, ungeachtet dessen, wie absurd es manchmal auch ist, entschuldigt wird, indem einfach das Trauma vorgeschoben wird, nicht ins Detail gehen zu wollen und zu sagen, das größere Ganze sei das wirklich wichtige. Sie setzte diese Taktik in dem Wissen ein, dass sie, besonders, da sie von Oprah kam, die in diesem Land als königlich angesehen wird, nicht in Frage gestellt werden würde. Ich war schockiert, dass Dan Reed nicht klug genug war, diesen Weg zu gehen und stattdessen zugab, dass das Datum des Missbrauchs falsch war und wir jetzt wüssten, dass er eigentlich viel später missbraucht wurde, als wir zuvor gedacht hatten, was natürlich seine ganze Erzählung sprengt. Warst Du ebenfalls geschockt und verwirrt darüber, wie Dan Reed das im Vergleich zu Oprah Winfrey gehandhabt hat?

Charles Thomson: Ja, ich meine, im Grunde genommen reagierte Dan Reed auf die Diskrepanz in der Timeline, indem er seinen eigenen Hauptzeugen des Meineides beschuldigte, weil wir wissen, dass James Safechuck mindestens zwei vereidigte Erklärungen unterschrieben hat, die mit der Zeile enden „Ich unterzeichne diese Erklärung unter Strafe bei Meineid“, wo er sagt, dass er nach 1992 nie missbraucht wurde. Dan Reed, der einfach einen Tweet abfeuert, wo er sagt, dass James missbraucht wurde, nachdem der Bahnhof gebaut wurde, was bedeutet, dass er seinen eigenen Hauptzeugen des Meineides beschuldigt – das war schon eine sehr bizarre Reaktion, aber ich denke, dass Dan Reeds gesamte Reaktion auf die Kritik der Dokumentation ziemlich bizarr war, um ehrlich zu sein. Er hat sich auf eine Kampagne des Online-Trollings eingelassen und ist in ziemlich üble Auseinandersetzungen mit Fans verwickelt und er verhält sich meiner Meinung nach nicht gerade professionell, aber andererseits denke ich auch nicht, dass die Dokumentation ein besonders professioneller Job war.

John Ziegler: Was hältst du generell von ihm? Wir beide haben auf Twitter via Direct Message über ihn kommuniziert. Ich bin neugierig. Wenn Du mich fragst, was ich von ihm halte: ich denke, er ist nicht sehr intelligent und arrogant und er ist in ein Fiasko verstrickt. Was hältst du von Dan Reed?

Charles Thomson: Nun, weißt Du, das ist ein Typ, der BAFTA Awards gewonnen hat. Man könnte also meinen, dass er ein ziemlich seriöser Journalist ist, aber meine einzige Erfahrung mit Dan Reed kommt von dieser Dokumentation und der Art, wie er sie beworben hat und der Art, wie er auf die Kritik reagiert hat und ich kann es manchmal wirklich nicht glauben – die Dinge, die er sagt, die Dinge, die er tweetet – es ist sehr bizarr und ich kann ihn nicht wirklich einordnen. Die Frage, die ich Dir gestellt habe, ist, glaubst Du, dass er wirklich weiß, wie verrückt sich manche seiner Tweets anhören, wie die Safechuck-Sache, wo er im Wesentlichen auf Kritik an seiner eigenen Dokumentation reagierte, indem er seinen Star-Zeugen vor einen Bus warf und sagte, es ist nicht seine Schuld, weil der Typ im Zentrum seines Films Meineid begangen hat. Ich meine, wie verrückt ist das? Er hätte auch einfach nichts sagen können.

John Ziegler: Es ist sogar noch schlimmer als das. Er vernichtet damit nicht nur seinen Star-Zeugen, seine Glaubwürdigkeit, und beschuldigt ihn des Meineides, er vernichtet die ganze Geschichte des Films, dass Michael Jackson von einem Jungen zum nächsten wechselt, sobald sie in die Pubertät gekommen sind, weil Safechuck jetzt sechzehn oder siebzehn Jahre alt ist und größer als Michael Jackson. Fotos beweisen das. Es ist also noch merkwürdiger als das und ein Teil dessen, was mich ein wenig frustriert, Charles, und es gibt viele Dinge in diesem Fall, die mich frustrieren, ist: Ich frage mich, ob wir nicht, indem wir auf die Details eingehen, deren Spiel mitspielen, denn ehrlich gesagt, die Safechuck-Sache mit dem Bahnhof ist riesig und es gibt ähnliche Situationen in Bezug auf Robson. Außerdem gibt es das Thema, ob Safechuck gelogen hat als er gesagt hat, Michael Jackson habe ihn 2005 angerufen, um in seinem Prozess auszusagen, wovon wir wissen, dass es absurd ist, weil der Richter bereits entschieden hatte, dass er nicht zu dem Prozess zugelassen wurde. Es gibt also alle möglichen anderen Dinge. Aber Charles, spielen wir ihr Spiel nicht mit, indem wir überhaupt die Prämisse des Films akzeptieren, die besagt, dass diese Typen irgendwie bis ins mittlere Alter warten konnten, nachdem sie viele positive Statements und Handlungen betreffend Michael Jackson gemacht haben, selbst nachdem er viele Jahre tot war, um dann plötzlich im Streben nach Millionen von Dollar mit unbestätigten Geschichten hervorzukommen und ernst genommen werden müssen? Verstehst Du, was ich damit meine?

Charles Thomson: Ja, ich meine, wenn man anfängt, sich mit den Details auseinanderzusetzen, ignoriert man die Tatsache, dass sie Meineid geleistet haben. Man hat hier zwei Männer, die zuvor unter Eid ausgesagt haben – einer von ihnen mehrfach und unter hartem staatsanwaltschaftlichem Kreuzverhör – dass Michael Jackson unschuldig ist und diese Story haben sie über zwanzig Jahre beibehalten. Und jetzt melden sie sich und ändern ihre Story völlig, was an und für sich schon diskreditierend ist. Und die Tatsache, dass sie eine Story unter Eid erzählt haben und dann eine andere Story unter Eid erzählt haben, ist an und für sich diskreditierend. Und dann beginnt man damit, sich mit den Details zu beschäftigen und manchmal winken Leute die Details ab, indem sie wie Du gesagt hast, das Trauma dafür verantwortlich machen. Aber selbst im Kern ist das eine grundlegend unglaubwürdige Story, dass diese beiden Typen durchgängig darauf bestehen, dass Michael Jackson unschuldig war und sich dann plötzlich daran erinnern, dass er doch schuldig war, als beide in finanzielle Schwierigkeiten gerieten und sich dazu entschlossen haben, seinen Estate zu verklagen. Das alleine ist schon diskreditierend.

John Ziegler: Nicht zu vergessen, dass es so viel mehr gibt. Eines der größten Probleme, das wir haben, ist, dass es so viele Informationen auf unserer Seite gibt, dass es zu lange dauern würde, sie alle anzusprechen und manches vergisst man auch. Aber zum Beispiel nur die Vorstellung, dass ein anderer Teil der Geschichte des Films der ist, dass sie erst später im Leben erkannt haben, dass sie missbraucht wurden, weil das ganze so angenehm war – für mich ist das ein Pro-Pädophilie-Film, was die Medien größtenteils ignoriert haben, weil es für sie unbequem ist. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Als jemand, der mit Missbrauchsopfern arbeitet und der sich mitten in einer jahrelangen historischen Missbrauchsuntersuchung befindet, bin ich sicherlich durch einige der Kommentare, die Dan Reed in Interviews und sogar in der Dokumentation gemacht hat, sehr beunruhigt. Zum Beispiel drängt er Wade Robson dazu, sich als Michael Jacksons Liebhaber zu bezeichnen. Und Worte wie Liebhaber zu verwenden, ist nicht hilfreich, wenn man über Missbrauch spricht. Er spricht darüber, dass die Jungs Sex mit Michael Jackson hatten. Er spricht darüber, dass sie in eine angenehme, romantische, emotionale und sexuell erfüllende Beziehung verwickelt waren. Er gab der LA Times ein Interview, in dem er sinngemäß sagte: „Die Wahrheit ist – und wir müssen das einfach akzeptieren – dass ein zehnjähriger Junge in eine emotional und sexuell erfüllende Beziehung zu einem erwachsenen Mann verwickelt war und es hat ihm Spaß gemacht.“ Das ist äußerst bizarr, und ich war davon ziemlich beunruhigt und verstört. Es erinnert mich ein bisschen an das Buch von Victor Gutierrez aus den Neunzigern mit dem Titel „Michael Jackson was my Lover“, das auf der Rückseite ein Dankeschön an NAMBLA hatte. Einige der benutzen Worte waren verstörend. Ja, ich denke, das ist etwas, das hier irgendwie übersehen wurde. Etwas, das bizarr war, waren die Kommentare von Barbara Streisand, die ungeheuerlich waren. Ihre Kommentare waren absolut empörend, aber sie unterscheiden sich nicht wirklich von dem, was Dan Reed gesagt hat. Im Grunde genommen hat sie das gleiche gesagt: Die Kinder genießen die Beziehung und möchten dort sein und sie hatten Spaß und sie waren davon erfüllt. Das ist ziemlich bizarr.

John Ziegler: Ich habe das damals gesagt, und es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese beiden Männer absolut heterosexuell sind. Jeder heterosexuelle Mann wird Dir sagen, dass das gesamte Konzept unabhängig vom Alter einfach unmöglich ist. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es äußerst beunruhigend ist, wie Du es beschrieben hast. Ich bin mir nicht sicher, ob Du Dir dessen bewusst bist, weil mir das bis gestern nicht bewusst war: Dan Reed gab offenbar ein Interview, in dem er einräumte, dass er die Missbrauchsgeschichte von Wade Robson erneut drehen musste, weil angeblich – ich kaufe ihm das nicht ab – eine seiner Kameras kaputt wurde und irgendwie – ich weiß nicht einmal, warum das eine Rolle spielt, weil offenbar haben sie zwei Kameras verwendet, also hatten sie das Filmmaterial immer noch. Es ist eine Dokumentation und sollte kein fiktiver Spielfilm sein, wo man so lange dreht, bis man die Aufnahme hat, die man möchte. Aber dass er Robson seine vollständige Missbrauchsstory an einem ganz anderen Tag erneut erzählen lässt, weil diese Kamera angeblich kaputt wurde – er bestätigt das in einem Interview – wenn dieser Missbrauch wahr gewesen wäre, wäre das ungeheuer traumatisch und höchst unangebracht gewesen – besonders für eine Dokumentation, oder nicht?

Charles Thomson: Nun, ich meine, ich habe in den letzten Jahren intensiv mit Missbrauchsüberlebenden gesprochen und weiß das aus meiner eigenen Erfahrung: Sie dazu zu bringen, darüber zu sprechen, was mit ihnen passiert ist, ist meiner Erfahrung nach immer extrem herausfordernd. Das ist nichts, das man gerne wieder aufgreifen und erneut durchleben möchte. Und wenn man jemanden seine Geschichte erzählen lässt, bittet man ihn, es erneut zu durchleben und man stellt fest, dass sie extrem zögernd sind, Dir die Geschichte überhaupt einmal zu erzählen. Es kann mehrerer Termine bedürfen, weil sie Termine absagen und einfach nur sagen „Ich kann das nicht, ich kann mich dem einfach nicht stellen“. Deshalb ist es seltsam für mich, jemanden zu bitten, es zwei Mal hintereinander zu machen. Aber vielleicht ist das eine Story, die erzählt wurde, um irgendwie eine Erklärung dafür zu liefern, dass einige Szenen für das breite Publikum nach übertrieben theatralischer Schauspielerei aussahen. Denn ich habe mir die live Tweets angesehen, als die Dokumentation zum ersten Mal im Vereinigten Königreich ausgestrahlt wurde und für mich war der Anteil der Leute, die es sich angesehen haben und sagten, dass das wie übertrieben theatralische Schauspielerei aussah, sehr auffällig. Es gab sehr viele Leute, die es einfach nicht glaubten und nicht nur Michael Jackson Fans, sondern durchschnittliche Bürger. Vielleicht will er damit sagen, dass das daran lag, dass seine Kamera kaputt wurde und er es noch einmal machte. Meiner Erfahrung nach kann man einen Missbrauchsüberlebenden normalerweise nicht dazu bringen, sich zweit Tage hintereinander acht Stunden lang vor eine Kamera zu setzen, um die gleiche Geschichte zu erzählen. Aber vielleicht ist es wahr. Es ist natürlich möglich, aber es deckt sich nicht mit meiner eigenen Erfahrung.

John Ziegler: Es gibt viele Möglichkeiten, diese Art Storys anzugehen und ich persönlich glaube, dass die andere Seite Leaving Neverland quasi als Test benutzt, um zu sehen, womit sie durchkommen können, wenn es darum geht, die Leute dazu zu drängen, das zu glauben, was auch immer Ankläger sagen. Ich möchte Dich speziell dazu befragen, bevor ich zu einem anderen Punkt komme, zu dem ich Dir auch eine Frage stellen möchte. Was hältst Du von der Theorie, dass ich nicht einmal sicher bin, ob Oprah Winfrey wirklich glaubt, dass diese Typen die Wahrheit sagen, aber dass sie so fest an die Thematik, das größere Ganze, glaubt, dass sie denkt, wenn diesen Typen geglaubt wird, dann ist sichergestellt, dass in der Zukunft jedem geglaubt werden muss. Denn wenn man diesen Typen glaubt, wird man jedem glauben und das ist es, wie sie Robson und Safechuck sehen: Sie machen etwas für das Wohl der Allgemeinheit, auch wenn sie vielleicht lügen – sie machen etwas für das Wohl der Allgemeinheit, dass allen Opfern sexuellem Missbrauchs geglaubt wird, denn wenn deren Storys geglaubt wird, wird jedem geglaubt und es ist unmöglich, irgendjemanden zu diskreditieren. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Auf gewisse Art unterschreibe ich das, aber ich betrachte das aus einem anderen Blickwinkel als Du. Ich glaube, dass es in den Medien viele Leute gibt, die diese Anschuldigungen nicht glauben, die sie aber nichtsdestotrotz promoten und unterstützen. Ich denke nicht, dass sie das zwangsläufig machen, weil es ihnen ein persönliches Anliegen ist, das Glauben aller Opfer zu promoten. Ich denke, vieles davon kommt von äußerem Druck hinsichtlich dessen, was mit jemandem passiert, der ein vermeintliches Opfer in Frage stellt. Im Rahmen der #metoo Kultur wird zum Beispiel jeder, der eine Anschuldigung hinterfragt – ganz gleich, wie viele Probleme es mit dieser Anschuldigung gibt, wie widersprüchlich und sich stetig verändernd sie ist – unverzüglich vom Social-Media-Lynchmob an den Pranger gestellt, der verlangt, dass sie ihren Job verlieren und sich entschuldigen. Es spornt hunderttausende Leute dazu an, sie im Internet mit Attacken zu spamen. Es ist ein äußerst feindliches Umfeld für jeden, der eine Frage zu einer Anschuldigung stellt. Was es also im Endeffekt macht, ist, es untergräbt die ganze Vorgehensweise des Journalismus, denn die einzige Aufgabe eines Journalisten ist es, eine Anschuldigung herzunehmen und sie zu hinterfragen, sich auf die Suche nach Beweisen zu begeben und nach Bestätigungen oder Widersprüchen zu suchen und dann legt man die Anschuldigung unter ein Mikroskop und testet sie, um zu sehen, ob sie glaubhaft ist. Und was man im Moment hat, sind Medien, die absolut verängstigt sind, das zu tun. Denn in dem Moment, in dem sie das machen, in dem Moment, in dem sie auch nur eine Frage stellen, werden sie der Täter-Opfer-Umkehr beschuldigt, sie werden beschuldigt, Pädophilie-Sympathisanten oder Vergewaltigungs-Sympathisanten zu sein oder sie werden des Gaslightings von Opfern beschuldigt. Momentan ist es also sehr schwierig, als Journalist seinen Job auf moralisch vertretbare und professionelle Art und Weise zu machen, weil man in dem Moment, in dem man einen moralisch vertretbaren und ausgeglichenen Ansatz verfolgt, als Fanatiker attackiert wird oder…

John Ziegler: Schlimmer.

Charles Thomson: Ermöglicher oder Krimineller.

John Ziegler: Schlimmer. Vertraue mir. Vertraue mir. Das weiß ich aus erster Hand und ich bin mir sicher, Du weißt das auch. Bevor wir weiter über die Medien reden, die zweifellos einen großen Anteil daran haben – und wir beide teilen viele gleiche Auffassungen darüber, warum die Medien kaputt sind – möchte ich Dich etwas über Wade Robson fragen, von dem ich denke, dass es durchgerutscht ist. Mit Wade Robsons Story gibt es so viele Probleme und ich habe während der Auseinandersetzung mit dieser Art Storys gelernt, dass Details leider keine Rolle spielen, Fakten spielen keine Rolle, Logik spielt keine Rolle, also habe ich versucht, die Dinge ein bisschen anders zu betrachten und aus der eigentlichen Missbrauchsstory rauszukommen, um einen Weg zu finden, den Leuten zu zeigen: Wartet einen Moment, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Und ich frage mich, ob Du mir zustimmen würdest. Es gibt etwas, das Wade Robson gemacht und getan hat, von dem ich denke, dass es meinen Standpunkt beweist, und das ist folgendes: Selbst als Wade Robson 2011, 2012 und schlussendlich 2013, als er sich in der Today Show hier in Amerika zu Wort gemeldet hat, ein Opfer wurde, sagte er unzählige Male, als er zu Michael Jackson befragt wurde, dass er nicht so berühmt wie Michael Jackson werden wollte, weil er aus erster Hand gesehen hatte, was berühmt zu sein mit ihm gemacht hat. Und für mich ist der einzige Weg, das von einem Typen, der der Hauptzeuge bei seinem Prozess war und der die ursprünglichen Anschuldigungen 1993/94 miterlebt hat, als er mit Michael Jacksons Nichte zusammen war, zu interpretieren – und er wurde dutzende, dutzende Male dazu befragt – der einzig logische Weg für mich, das zu interpretieren, ist, dass es zum Teil daran liegt, dass er nicht Michael Jackson sein wollte, weil er gesehen hat, dass Jackson das Opfer falscher Missbrauchsvorwürfe wurde. Was hältst Du davon?

Charles Thomson: Ich denke, dass das definitiv das war, worauf er sich bezogen hat. Und wie Du weißt, gab er bis 2011 und 2012 viele Interviews, in denen er Michael Jackson verteidigt und über seine großartige Freundschaft mit Michael Jackson gesprochen hat und wie viel er ihm beigebracht hat und er schrieb das Kapitel in dem Opus Buch [-> Mein Mentor – Wade Robson über Michael Jackson; Anm.d.Übers.], wo er sinngemäß geschrieben hat, dass Michael Jackson der großartigste Mensch war, den er jemals getroffen hat und alles, was er jemals im Leben gemacht hat, war davon inspiriert, Michael Jackson nachzuahmen und er gab bis lange nach Michael Jacksons Tod sehr viele Kommentare ab, die sehr positiv waren und natürlich erklärt er das, indem er sagt, „Naja, ich bin in Therapie gegangen und dann habe ich realisiert, dass das, was Michael Jackson mit mir gemacht hat, missbräuchlich war“. Aber für mich ist das irgendwie – er war erwachsen, als er 2005 in Michael Jacksons Prozess ausgesagt hat – er war in seinen Zwanzigern und war in einer langjährigen Beziehung mit einer Frau und er hat auch Jahre danach bestritten, dass Michael Jackson ihn missbraucht hat. Und dass er sich Jahre später meldet und sagt „Naja, ich habe nicht realisiert, dass das, was Michael Jackson mit mir gemacht hat, missbräuchlich war“ – er hat gerade in einem gigantischen Missbrauchsprozess ausgesagt, wo sehr klar war, dass das, was Michael Jackson vorgeworfen wurde, Missbrauch war und deshalb meine ich, dass es Nonsens ist, wenn er behauptet, „Yeah, ich war mitten in m einen Zwanzigern und ein erwachsener Mann und ich wusste nicht, was Missbrauch ist. Ich wusste nicht, dass es Missbrauch ist, wenn ein Mann in seinen Dreißigern ein Kind anal vergewaltigt“. Vieles in seiner Erzählung ergibt nicht wirklich irgendeinen Sinn, also erlauben sie diesen angeblichen Kindesmissbrauchsexperten zu Wort zu kommen oder Interviews zu geben und zu sagen „Oh nein, es ist absolut normal für einen Mann in seinen späten Zwanzigern nicht zu wissen, dass als Kind anal vergewaltigt zu werden Missbrauch ist“. Im Fernsehen wurde gleich nach Ausstrahlung der Dokumentation gesagt „Nein, es ist absolut normal, dass jemand ein Cirque du Soleil Spektakel für seinen Missbraucher inszenieren wollen würde“. Weißt Du, diese Experten können alles sagen. Es ist einfach nur Irrsinn.

John Ziegler: Genau. Nur um das zu betonen: In dem Film behauptet Robson, dass Michael Jackson ihm gesagt hat, dass sie für den Rest ihres Lebens ins Gefängnis gehen würden, wenn irgendjemand herausfände, was sie machen. Also, warte einen Moment: Lässt das nicht das gesamte Konzept platzen, er hätte nicht gewusst, dass das, was passiert ist, falsch war? Ich meine, genau hier lässt er seine gesamte Erzählung platzen, aber das passiert ständig auf so viele verschiedene Arten. Also Charles, ich schrieb vor etwa einer Woche eine Kolumne über die Unterschiede zwischen der Art, wie die amerikanische Presse das handhabt und wie die britische Presse damit umgeht und ich hätte es auf die europäische Presse ausdehnen sollen, denn es gab einige Stimmen in den europäischen Medien – in Frankreich, Deutschland, Spanien und anderen Ländern – die wirklich einen guten Job gemacht haben. Die britische Presse ist meiner Wahrnehmung nach schizophren. Ich blicke da nicht durch. Besonders die Regenbogenpresse hatte beinahe eine Schlacht mit sich selbst, indem sie fast täglich vor und zurück gesprungen sind. Was ist Deine Einschätzung über die Art, wie die britische Presse Leaving Neverland behandelt?

Charles Thomson: Es steht außer Frage, dass die britische Presse geschlossen gegen Michael Jackson eingestellt ist und dies auch schon seit mindestens drei Jahrzehnten war. Und was Du jetzt online siehst, ist ein gewisses vor und zurück über die diversen Aufdeckungen von Mike Smallcombe über den Bahnhof und den Grand Canyon und andere Teile, die nicht zusammen passen, aber das sind alles nur Onlineartikel und am nächsten Tag veröffentlichen sie einen weiteren Artikel, der sagt, dass das eigentlich falsch ist und die andere Seite präsentiert. Es geht nur darum, jeden Tag eine Story zu generieren, die die Leute anklicken können. Hinsichtlich der eigentlichen Zeitungsberichterstattung, die den wirklichen Einfluss hat, ist es geschlossen negativ. Im speziellen The Sun veröffentlichte völlig erfundene Storys über die FBI Akten und verschiedene andere Dinge – Storys, die vor einem Jahrzehnt oder länger diskreditiert wurden. Das ist wirklich absurd. Aber die britische Presse hat eine jahrzehntelange Gesinnung gegen Michael Jackson. Ich erzählte letzte Woche in einer anderen Show eine Story darüber, wie ich letzten Monat durch Zufall in einem Radiosender war und ich sprach über den Michael Jackson Fall und am Weg nach draußen erzählte mir die Empfangsdame bei dem Radiosender, dass sie Archivarin bei Today war, einer britischen Zeitung in den 1980ern und 1990ern, die Rupert Murdoch gehört hat. Und sie erzählte mir, dass es innerhalb der Zeitung von den Journalisten zugegeben wurde, dass sie einen Auftrag von oben hatten, Michael Jackson täglich zu beschmutzen, wenn sie konnten. Sie wollten jeden Tag eine Anti-Michael-Jackson-Story in der Zeitung, weil es Zeitungen verkaufte, es war Skandal und es war profitabel. Und dann, als ich diese Story bei einer anderen Show erzählt habe, sagte die Frau, die mit mir in dieser Show war, dass das lustig ist, weil sie kannte jemanden, der für eine andere britische Zeitung gearbeitet hat und der erzählte exakt das gleiche: dass sie vorzugsweise erfundene Michael Jackson Storys nutzten, wenn es negative politische Storys gab, die sie zu verbergen versuchten. 2006 war ich bei den World Music Awards in London, als Michael Jackson bei der Preisverleihung seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte und ich habe alle gesehen – ich habe Prince gesehen, ich habe Madonna gesehen, Stevie Wonder, George Michael, Rolling Stones – ich habe niemals erlebt, dass ein Künstler die Reaktionen verursachte, die Michael Jackson an diesem Abend bei den World Music Awards verursacht hat. Und am nächsten Tag berichtete die Presse in Großbritannien einstimmig, dass er von der Bühne gebuht wurde, was frei erfunden ist, es war völlig frei erfunden. Er wurde nicht nur nicht von der Bühne gebuht, sondern er stand nach seinem Auftritt mehrere Minuten auf der Bühne, weil das Publikum so laut geschrien hat. Das einzige, das er gemacht hat, war einfach nur dort zu stehen und den Applaus aufzusaugen. Die Story war 100% frei erfunden und doch wurde sie von jeder einzelnen Zeitung im Vereinigten Königreich gebracht. Es war wirklich verstörend und es hätte mich fast davon abgehalten, Journalist zu werden, denn ich war damals erst achtzehn. Ich sah einfach nur zu und dachte, wie zur Hölle passiert das? Wie kann es sein, dass jede Zeitung im Vereinigten Königreich eine Story bringt, von der ich weiß, dass sie frei erfunden ist? Hier gibt es also fast schon ein verschwörerisches Verhalten gegen Michael Jackson, besonders im Vereinigten Königreich, es ist wie ein von oben kommender Pakt. [-> Charles Thomson: Die Wahrheit über Michael Jacksons UK-Comeback – WMA London 2006; Anm.d.Übers.]

John Ziegler: Aber es ist nicht wirklich eine Verschwörung, es ist eine Verschwörung aus Eigeninteresse, zumindest ist das meine Wahrnehmung, warum die Medien kaputt sind. Und lass uns das noch etwas vertiefen: Jackson ist hier offenbar der Kontext, aber wir beide glauben, dass die Nachrichtenmedien kaputt sind und ich glaube, dass das weitestgehend daran liegt, dass es sich nicht mehr um die Wahrheit dreht, sondern um Popularität und was sich verkauft. Stimmst Du mir hier zu?

Charles Thomson: Ja. Nun, ich denke, was hier passiert, ist, dass sich die Medien einer Transformation unterzogen haben – eher aus einer Notwendigkeit heraus, statt aus freiem Willen, denn das Internet zerstört dieses Geschäftsmodell. Das Internet hat im Wesentlichen eine Ära des Anspruches erzeugt, in der jeder auf alles Zugriff haben möchte und sie wollen es umsonst. Sie wollen also nicht rausgehen und eine DVD kaufen, sie wollen den Film umsonst streamen. Sie wollen also nicht rausgehen und ein Album kaufen, sie wollen das Album umsonst streamen. Sie wollen also nicht rausgehen und eine Zeitung kaufen, sie wollen auf Google News gehen und alle Nachrichten umsonst lesen. Die Zahl der Leute, die für diese Medien zahlen, sinkt also jedes Jahr und was das bewirkt, ist, dass die Werbung in den Medien ebenfalls weniger wert ist, weil sie weniger Exemplare verkaufen, also sinken besonders in der Printindustrie sowohl die Verkaufserlöse, als auch die Werbungserlöse Jahr für Jahr. Somit vollziehen die Zeitungen jedes Jahr Kürzungen; die Anzahl der Journalisten sinkt konstant, weil sie es sich nicht mehr leisten können, sie zu bezahlen. Man sieht hier eine ehemals gut ausgestattete, investigative Industrie, die jetzt so schlimm eingeschränkt wird und die Mitarbeiterzahlen werden so schlimm gekürzt, dass sie ihren Job nicht mehr wirklich machen können. Weißt Du, ein Journalist bei einer nationalen Zeitung in den 1980ern konnte wochenlang keine Story veröffentlichen, weil er einfach an einer Story gearbeitet hat und wenn sie fertig war, brachte er sie zum Herausgeber. Jetzt wird von dem gleichen Journalisten erwartet, zehn Storys am Tag für die Webseite zu schreiben und das kann man nicht machen, wenn man sie zur selben Zeit auch vernünftig schreibt. Man kann so viele Storys nur dann bringen, wenn man seinen Job nicht ordentlich macht. Die Medien wurden also bis zu dem Punkt zurückgestutzt, wo sie im Grunde genommen nicht mehr in der Lage sind, ihren Job vernünftig zu machen.

John Ziegler: Amen. Wow, das hast Du besser gesagt, als ich es jemals könnte. Und 100% korrekt. Und wenn es auf das Vereinigte Königreich zutrifft, dann ist es in den Vereinigten Staaten wohl noch schlimmer. Letzte Frage an Dich, Charles, zu dieser Jackson Story: Wie weit denkst Du wird das noch gehen und wie viel Schaden wird von Leaving Neverland letztlich angerichtet werden?

Charles Thomson: Ich denke, der Schaden ist sehr gering. Man hat offenbar einen gewissen Schaden gesehen. Ein paar negative Konsequenzen wie die Modelinie, die gesagt hat, dass sie Michael Jacksons Einflüsse entfernen werden; die Simpsons, die die Michael Jackson Episode entfernt haben, was eine sehr seltsame und absurde Reaktion war; aber die Mehrheit – ich meine, man hat eine Handvoll Radiosender gesehen, die ihn nicht mehr spielen, aber nicht sehr viele, die Mehrheit spielt ihn noch in der Öffentlichkeit in London und ich höre seine Musik in Shops, ich sehe Leute immer noch auf der Straße zu seiner Musik performen. Also ich denke, der Schaden war sehr gering und seine Online-Streams sind sogar gestiegen. Ich denke nicht, dass die Dokumentation getan hat, was sie hätte tun sollen und ich denke, das ist mit ein Grund dafür, warum Dan Reed im Internet irgendwie wild um sich schlägt. Ich denke, er ist ziemlich wütend und es ist mein Eindruck, dass er dachte, er würde eine Art Harvey Weinstein Story losbrechen und vielleicht einen Pulitzer oder ähnliches gewinnen und eigentlich ist es ein ziemlicher Reinfall und die Leute haben nicht so reagiert, wie er es wollte und es gab keine Streichung Michael Jacksons, wie er es sich vorgestellt hat und irgendwie geht alles ein bisschen den Bach runter und jetzt wird die ganze Glaubwürdigkeit von Dokumentationen in Frage gestellt und er hat sogar versehentlich zugegeben, dass die Leute es zu Recht kritisieren und dass es damit massive Probleme gibt. Es ist also alles ein ziemliches Desaster für ihn. Aber was ich denke, dass es vielleicht erreicht hat – ich meine, wir müssen abwarten – aber es würde mich nicht überraschen, wenn sich jetzt andere Leute melden und versuchen würden, Klagen einzureichen und dass sie denken, die Stimmung gegen Michael Jackson hätte sich ausreichend gedreht, dass es ihnen möglich ist, damit durch zu kommen. Wir müssen wirklich abwarten, aber ich denke, dass die Auswirkungen der Dokumentation nach heutigem Stand der Dinge vielleicht 5% dessen waren, was Dan Reed dachte, dass sie es sein würden und ich denke, er ist deshalb wirklich wütend.

John Ziegler: Nun, das sind ziemlich gute Neuigkeiten und das ist ein guter Punkt, um zu einem Ende zu finden, Charles. Vielen Dank für Deine großartige Arbeit. Lass uns bitte in Kontakt bleiben, weil ich bin mir sicher, dass es noch andere Dinge geben wird, die wir über den Film erfahren werden und wir wissen es wirklich sehr zu schätzen, dass es im Vereinigten Königreich eine verwandte Seele zu John Ziegler gibt.

Charles Thomson: Danke für die Einladung.

John Ziegler: Danke, Charles. Mach’s gut!

Charles Thomson: Ja, Du auch!

John Ziegler: Vielen Dank an Charles Thomson für seine Gedanken zu alldem. Ich denke, sie sind wirklich fundiert und wichtig und ich liebe den Umstand, dass er ziemlich optimistisch ist, dass die Dokumentation nicht die Auswirkungen hat, die er sich erhofft hat. Ich bin im Allgemeinen ein Pessimist, also warte ich immer auf das nächste Unglück und ich frage mich, ob von dieser Dokumentation auf lange Sicht nicht viel mehr Schaden angerichtet wird, als sie es verdient hätte und aus meiner Perspektive habe ich mehr Sorge darüber, was sie dem größeren Ganzen bezüglich der Sexmissbrauchsfälle im allgemeinen antut und ob es künftig im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich sein wird, irgendeinen Fall zu diskreditieren. Und ich werde sehr ehrlich sein – ich hasse Unrecht, ich hasse Ungerechtigkeit – ich denke, Michael Jackson wurde in diesem Film sehr, sehr, sehr übel mitgespielt und ich frage mich jetzt, ob er jemals irgendetwas falsches mit Kindern gemacht hat. Aber ich habe in den letzten sieben Jahren an dem Penn State Fall gearbeitet und wenn Wade Robson und James Safechuck geglaubt wird, wird es null – ich meine, der Prozentsatz war immer schon niedrig – aber dann wird es null Prozent Chance geben, diese Ungerechtigkeit jemals umzukehren, also ist das sogar weit jenseits des Penn State Falls, denn diese Fälle werden nicht aufhören, ich meine, sie werden in der #metoo Ära immer verbreiteter werden und es wird immer mehr Ungerechtigkeiten geben, besonders, wenn das die neuen Regeln sind. Und das sind die neuen Regeln. Passt auf, das wird immer wieder passieren, besonders, wenn Geld im Spiel ist. Also aus einer breiteren Perspektive ist das der Teil, der mir wirklich Sorgen macht. Ich möchte nicht sehen, dass Michael Jackson für etwas zerstört wird, das er nicht getan hat, aber ich möchte auch nicht, dass das die neuen Regeln sind, um sexuellen Kindesmissbrauch zu untersuchen oder jede andere Art von Missbrauchsanschuldigungen, denn wenn wir James Safechuck und Wade Robson glauben – und ich gebe Charles Recht, dass ihnen viele in den Medien nicht glauben, aber sie haben nicht den Mumm, um sich gegen sie zu stellen – dann wird jedem geglaubt werden, ganz gleich, wie absurd die Behauptung ist, denn diese Behauptungen sind in einer logischen Welt die am leichtesten zu diskreditierenden, die ich in meinem Leben je gesehen habe.

Ein Interview mit Brandi und Taj Jackson zu ‘Leaving Neverland’

https://www.youtube.com/watch?v=BZ8PUNP8FkA&fbclid=IwAR2kEznRNQxujPfW9aaIZIw9teq87lwQvFStdv4IVgyqVHAVaCwek5hxVnA

Interview vom 15.3.2019

Nicole: Herzlich willkommen, Brandi Jackson und Taj Jackson, zu „Nicole’s View.“

Ich fange auch gleich mit der ersten Frage an:

Was war eure erste Reaktion, als ihr über diese „Mokumentary” – ich möchte es nicht Dokumentation nennen – gehört habt?

Brandi: Ich war wirklich geschockt. Ich habe erst ganz kurz vorher davon erfahren, kurz bevor es auf Sundance gezeigt wurde. Ich war wirklich geschockt, ich hätte nie gedacht, dass so etwas kommen würde.

Taj: Es war interessant, denn als diese Nachricht von Sundance aufkam, sagten sie zunächst nicht, wer diese beiden Personen sind. Sie sagen nur „zwei Jungen“. Und ich hatte schon diese Vermutung, weil ich wußte, dass Wade und James zuvor schon das Estate verklagt hatten. Ich brauchte also nur auf die Bestätigung zu warten, dass es um sie ging. Aber es traf uns völlig unvorbereitet.

Nicole: Ihr habt es quasi zusammen mit uns erfahren.

Brandi: Ja.

Taj: Fast noch später, denn viele Leute haben mir auf Twitter darüber berichtet. Also wir haben es auf die Art erfahren, wie jeder andere auch.

Nicole: Könnt ihr mir sagen, auf welche Summe sie das Estate verklagt haben?

Brandi: Ich weiß es nicht genau, es werden so viele unterschiedliche Zahlen genannt.

Taj: Ich hörte etwas von 1,5 Milliarden, aber auch dass es Hunderte Millionen sind. Ich untertreibe deshalb lieber und sage, es sind Hundert Millionen, denn das ist auch schon eine Menge. Es handelt sich jedenfalls nicht nur um ein paar Cent, dass sollte man bedenken. Es gibt da durchaus einen finanziellen Anreiz für diese Sache.

Nicole: Die zweite Frage ist, welche Szenen in dieser Mockumentary sind euch als offensichtliche Lügen aufgefallen?

Brandi: Für mich war es alles, was sie zu den sexuellen Erfahrungen sagten. Diese Aussagen sind einfach nur komplett ungeheuerlich. Dann auch vieles von Wades Timeline. Diese Timeline ergibt einfach keinen Sinn. Ich müsste jedes Datum einzeln ansehen, um dir zu sagen, was daran falsch ist. Aber diese beiden Dinge waren für mich am empörendsten.

Taj: Ja, die Timeline war eines dieser Dinge. Sogar bei James, da gibt es viele Leute, die seine Timeline nicht nachvollziehen können. Er sagt z.B. dass er mit Michael Disney (Paris) besuchte, 3 Jahre bevor es überhaupt eröffnet wurde. Wenn sie also schon bei solchen kleinen Dingen lügen, kann man sich vorstellen, bei wie vielen anderen Lügen sie noch ertappt werden. Was mir auch auffiel war, dass bei den in Europa ausgestrahlten Versionen etwas weggeschnitten wurde. Bei der Version, die auf HBO gezeigt wurde, gab es eine Szene, bei der ich anwesend war. Und nur dadurch, dass ich dort war, und genau wußte, was passiert war, und dann ansehen musste, wie sie es völlig falsch wieder geben, war ich schon angewidert, dass sie so offensichtlich Lügen verbreiten. Und nicht nur das, es war nicht nur eine Person, die log, es war die ganze Familie Robson, die sich da zusammen tat. Mir kam es vor, als ob sie einem Drehbuch folgten. Es handelt sich um die Szene in der Wade über ein Dinner spricht, an dem er 2005 mit Michael und seinen Kindern teilnahm. Und Chantal sagt dann, „und sie waren auch dabei.“ Und diese „sie“ das waren ich, und auch Brett Barnes mit seiner Familie. Aber sie sagt einfach nur, „sie“ waren auch da. In ihrer Version hörte es sich an, als hätten sie eine Szene mit Paris und meinem Onkel beobachtet, in der es meinem Onkel wirklich schlecht ging. Und Wade beschreibt in dieser Szene, dass Paris Michael umarmte, und Michael ganz abwesend war und garnicht mehr reagierte und sagt, in dem Moment habe er gewußt, dass er ihn retten müsse. Er habe nicht gewollt, dass er ins Gefängnis müsse. Und seine Frau Amanda sagt dann: „und am nächsten Tag sagte Wade dann vor Gericht für ihn aus.“ Nun, ist es aber so, dass diese ganze Sache erst stattfand, nachdem Wade schon ausgesagt hatte. Also das Dinner fand erst nach Wades Aussage vor Gericht statt. In dem Film stellten sie es aber so dar, als seien diese Vorkommnisse während des Dinners der Grund gewesen, warum Wade anschliessend vor Gericht gelogen habe, als ob er es aus einer Art Ritterlichkeit getan hätte, weil er Michael nicht ins Gefängnis schicken wollte, da seine Kinder ihn doch brauchten. Aber dieses Dinner fand danach statt, nachdem sowohl Wade als auch Brett ausgesagt hatten und ich weiß das, weil ich dort war. Ich erinnere mich auch daran, bei diesem Termin dafür gesorgt zu haben, dass Wade meinem Onkel seinen neuen Film vorführen konnte, weil ich die Ausrüstung dazu aufbaute. Ich erinnere mich also sehr gut an all das. Das sind ganz offensichtliche Lügen, und die ganze Familie ist daran beteiligt. Und wenn sie hier gemeinsam lügen, können sie alle möglichen Geschichten erfinden, und genau das tun sie auch.

Brandi: Ganz genau. Wie Taj sagte, verändern sie einfach einen großen Teil dieser Geschichte, damit es zu dem passt, was sie den Leuten verkaufen wollen.

Taj: Und ihre Timeline wird immer löchriger, weil die Fans immer mehr Dinge herausfinden, die nachweislich nicht stimmen, sie stehen schon fast mit dem Rücken an der Wand, aber die großen Medien gehen auf diese Dinge nicht ein. Das ist frustrierend.

Nicole: Ja, bestimmt, denn sie sind alle daran beteiligt.

Taj. Ja, sie wollen diese Lüge verkaufen und deshalb überrascht es natürlich nicht.

Nicole: Wie geht es der Familie? Insbesondere den Kindern und Mrs. Jackson?

Brandi: Ich persönlich habe über diese Sache noch nicht mit meiner Oma gesprochen. Ich will so etwas nicht bei ihr ansprechen. In ihrem Alter sollte sie solche Schlachten nicht mehr zu bekämpfen haben. Es ist durch und durch negativ und so etwas braucht sie nicht. Ich habe deshalb nicht mit ihr darüber gesprochen, aber ich denke, dass es nicht leicht für sie ist, damit konfrontiert zu sein. Sie hat schon ihren Sohn verloren und solche Schlachten zuvor geschlagen. Sie sollte es nicht noch einmal tun müssen.

Taj: Ich schliesse mich Brandi an. Ich habe nicht mit ihr darüber gesprochen. Ich habe nur nach ihr gesehen, um sicher zu sein, dass es ihr gut geht. Aber es fühlt sich nicht gut an, mit ihr darüber zu sprechen, wir wissen, dass es Lügen sind, und sie weiß dass es Lügen sind.

Nicole: Und jetzt schreiben die Medien über die Tweets von Paris. Ich weiß nicht, ob ihr den Artikel von Fox News kennt, über ihren Tweet „warum es nicht meine Sache ist, meinen Dad zu verteidigen“. Ich weiß nicht, ob ihr dazu etwas sagen möchtet…

Taj: Ich kenne Paris wirklich sehr gut. Sie ist immer Fürsprecherin ihres Vaters und ich glaube, diese Situation ist sehr schwer für sie. Die Sozialen Medien können sehr grausam sein. Ich selbst hab ihr geraten, sich raus zu halten, weil ich weiß, wie grausam es ist. Die Leute sind wirklich böse. Sie sagen Dinge wie „bring dich doch um“ und solche Sachen, und man liest das und bleibt davon nicht unberührt. Mir geht das so, und ich denke, ich habe eigentlich ein dickes Fell. Ich wollte nicht, dass sie das ertragen muss. Und ausserdem bringt es der Sache nur noch mehr Aufmerksamkeit, wenn sie sich dazu äussert und noch mehr Leute wollen den Film dann sehen. Sie ist also clever, nicht noch mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

Brandi: Und ich möchte dazu noch sagen, dass das eigentlich eine Sache ist, die man nicht mehr verteidigen müsste, denn er wurde für unschuldig befunden. Warum müssen wir immer noch einen unschuldigen Mann verteidigen?

Taj: Ich mag auch das Wort „verteidigen“ nicht. Wir kämpfen für unseren Onkel. Er ist unschuldig, und dafür kämpfen wir. Verteidigen hört sich so an, als stünden wir in einer Ecke und müssten uns den Weg frei schlagen. Nein, das ist es nicht, wir kämpfen für unseren Onkel. Er hat seine Wahrheit, wir haben unsere Wahrheit. Und wir haben dieWahrheit.

Nicole: Taj hast du von Dan Reeds Tweet gehört, in dem er er ein Foto von dir mit deinem Onkel Michael von Cover der Single ‘Why’ twitterte?

Taj: Ja, er verwechselte mich mit TJ. Ich weiß davon, möchte ihm aber nicht direkt antworten. Ich möchte ihm keine Platform geben, ich denke er tut das um diese ganze Sache jetzt auszukosten. Aber es zeigt, wie gut seine Recherche ist, er kennt nicht einmal den Unterschied zwischen mir und TJ. Das sagt schon einiges, und das, wo er sich mit dieser ganzen Materie doch so gut auskennen will.

Nicole: Viele Leute haben diese Fotos gesehen, und ich glaube ein paar davon wurden bearbeitet, weil das Foto, das auf der Single ist, anders aussieht.

TAJ: Dieses Fotoshooting fand am gleichen Tag statt, an dem der Film zu Stranger In Moscow gedreht wurde. Wir fotografierten das Cover von Why während einer Drehpause. Es waren sehr viele Leute dort, es war absolut keine Privat-Session. Ich denke, die Leute interpretieren mehr hinein, als es ist. Wir wollten diesen edgy-look, weil wir so ein sauberes Image hatten. Aber die Leute interpretieren viel zu viel hinein.

Nicole: Sie versuchen mehr daraus zu machen, als es war?

Taj: Ja. Und wir verklagten später sogar Radar Online, weil sie in diese Fotos etwas hineininterpretierten. Der Rest ist Geschichte, denn den betreffenden Artikel gibt es nicht mehr.

Cover Why

Taj: Man muss wissen, dass es kein Gesetz gibt, das meinen Onkel vor Verleumdung und übler Nachrede schützt. Sie können also alles über ihn erzählen, was sie wollen. Sie brauchen dabei nicht einmal mehr das Wort „angeblich“ zu verwenden, was sie auch nicht mehr tun. Und wir haben nichts in der Hand.

Wir kennen unseren Onkel so gut, Brandi kennt ihn so gut, wir kennen ihn, wie man seinen Bruder oder seine Schwester kennt. Wenn man fragen würde, ist dein Bruder zu so etwas fähig? Dann wüßte man die Antwort, und so wissen auch wir die Antwort. Wir werden immer gefragt, „wart ihr dabei“? Aber es geht nicht darum, es ist wie zwischen Geschwistern, du musst nicht dabei sein, um etwas zu wissen. Ich bin mir völlig sicher, ich habe über 1000 Stunden mit meinem Onkel verbracht. Mindestens. Ich kenne ihn wie meine Hand. Und auch meine Brüder, oder du, Brandi, haben mit ihm genauso viel Zeit verbracht.

Brandi: Genau, wie Taj es beschreibt. Wenn du jemanden so gut kennst, und etwas, was mich bei dieser Dokumentation aufregt, ich sollte besser sagen, bei diesem Film, ist, dass ich auch Wade und seine Familie so gut kannte, und dann diese Dinge von ihnen zu hören und zu sehen, wie sie sich verhalten, ist einfach nur traurig und verstörend.

Nicole: Ja das ist ekelhaft, da stimme ich zu. Meine nächste Frage ist folgende: Hat irgendwer, abgesehen von Gayle King, von den Mainstream Medien versucht, mit euch Kontakt aufzunehmen – NBC, ABC, FOX – um darüber zu sprechen, besonders auch über Wade, Brandi?

Brandi: Nein. Keiner hat versucht, mich zu kontaktieren. Es ist eher so, dass Taj und ich versucht haben, die Medien zu erreichen, damit das, was wir zu sagen haben, gehört werden kann. Es gab ein paar Radiostationen, die uns kontaktierten, aber nicht diese großen Stationen, die du aufgezählt hast.

Nicole: Das bestätigt also, was ich mir schon dachte. Habt ihr irgendeine Ahnung, wer hinter diesem Angriff stecken könnte? Ich nenne das… es ist wie ein Lynchen, ich meine, der Mann ist tot… Habt ihr eine Idee, wer dahinter stecken könnte? Ihr müsst keine Namen nennen, aber denkt ihr, ihr wisst, wer dahinter steckt?

Taj: Ich hab da eine Ahnung, aber ich werde es nicht sagen. Aber da gibt es einige Personen, von denen ich denke, dass sie dahinter stecken. Als mein Onkel noch lebte, warnte er uns vor bestimmten Dingen. Lasst es mich so sagen, als mein Onkel starb, habe ich mindestens eine Woche lang immer unter mein Auto geschaut, weil ich dachte, dort wäre etwas angebracht. Das sagt, wie verängstigt ich war, weil ich dachte, ich wüßte zu viel. Wenn dir jemand sagt, sie werden mich umbringen… wenn er dir sagte, sie werden mich für meine Musikkataloge umbringen… und du siehst dann, unter welchen mysteriösen Umständen er dann plötzlich tot ist, da klingelte jeder Alarm. Und ich dachte, es wäre etwas paranoid, aber ich war naiv, ich dachte, sowas passiert nur im Film, aber ich bin dann ziemlich schnell aufgewacht.

Nicole: Wow, ok. Brandi, kannst du uns etwas über deine Beziehung zu Wade erzählen, und was du zu den Zweiflern sagst, die die Tatsache, dass du mit Wade zusammen warst, nicht als richtigen Beweis anerkennen.

Brandi: Einerseits verstehe ich schon, wenn Leute sagen, wenn du nicht dabei warst, kannst du es auch nicht wissen. Das ist völlig klar, und das ist das erste, was jeder dazu sagen wird. Aber lasst uns kurz zu dem zurückkehren, das wir kurz vorher, in Bezug auf meinen Onkel, ansprachen. Wenn du jemanden so gut kennst, dann weißt du, zu was sie in der Lage sind, und zu was nicht. Und ich weiß, dass mein Onkel nicht diese Dinge tun könnte, die Wade und James über ihn sagen. Ich kann diese Dinge sehr schnell zurückweisen. Aber was es für mich noch verstärkt, ist, dass ich auch weiß, dass Wade durchaus im Stande ist, diese Lügen zu erzählen. Für ihn ist das nichts neues und auch nicht für seine Familie. Und aus meiner Sicht, aus meiner Erfahrung im Zusammensein mit ihnen, kann ich sagen, dass das aus einer Art Anspruchsdenken und Verblendung entstammt. Mein Onkel ist jetzt seit 10 Jahren verstorben, aber diese Art Anspruchsdenken ist bei den Robsons nicht geringer geworden, seitdem er nicht mehr da ist. Und das ist sehr traurig bei dieser ganzen Angelegenheit.

Zu den Zweiflern möchte ich sagen, sie müssen nicht einfach das, was ich sage als bare Münze nehmen, sondern sie sollen über diese Leute und das, was sie zu welchem Zeitpunkt sagen, recherchieren. Sie sollen Wades frühere Aussagen anhören, in der Reihenfolge, in der sich diese Geschichte entwickelt hat, Wades ursprüngliche Aussagen von 2005, von 1993, 2013, 2014, alles, was er je gesagt hat. Wenn sie meinen Onkel verdächtigen, diese Dinge getan zu haben, dann sollten sie besser die Leute untersuchen, die ihn dessen beschuldigen. Das möchte ich ihnen raten.

Brandi

Brandi Jackson und Michael Jackson, LA Gear Shooting, 1991

Wade und ich hatten eine langjährige Beziehung, wir kannten uns seit 1991 bis etwa 2000/01. Und während all dieser Zeit standen wir uns sehr nahe. Wir waren ständig zusammen. Wenn nicht physisch, dann am Telefon. Es war nicht etwas, wo man sich nur gelegentlich sieht oder miteinander spricht. Wir haben uns gegenseitig vertraut, uns viele persönlichen Dingen aus unserem Leben anvertraut. Und wenn da etwas stattgefunden hätte im Sinn von dem, was er jetzt sagt, ich werde es grafisch ausdrücken, dass er im Alter von 14 Jahren anal vergewaltigt worden wäre, in der Zeit, als ich mit ihm zusammen war, dann würde ich wissen, dass so etwas stattgefunden hätte. So etwas hat Auswirkungen auf dich.

Taj: Ich würde noch hinzufügen, dass Wade in seiner Geschichte behauptet, Michael habe dafür gesorgt, dass er Frauen hassen sollte. Fakt ist aber, dass mein Onkel Brandi und Wade zusammen brachte, nachdem Wade sich in Brandi verknallt hatte. Wenn ich das als aussenstehende Person bewerte, dass Michael einerseits wollte, dass du Frauen hasst, und dich dann aber mit seiner Nichte bekannt macht? Das ergibt einfach keinen Sinn. Man sollte hier einfach der Logik folgen. Jeder behauptet so entschlossen, dass mein Onkel Kinder belästigte, aber man sollte wirklich mal mit Logik darüber nachdenken. Das würden wir gerne von den Leuten sehen. Sie sollten ihre Emotionen hinten anstellen und logisch denken, denn mit Logik kommt man zum richtigen Ergebnis.

Brandi: Dazu möchte ich noch ergänzen, dass er auch ein völlig typischer Onkel war, weil er ständig fragte, wie Wade mich behandelt, ob er mich anständig behandelt. Er wollte sich immer versichern, dass er mich gut behandelt. Es war nicht so, dass er dachte, Wade würde das nicht tun, er wollte sich aber trotzdem vergewissern, dass es auch so war. Mein Onkel liebt Frauen. Er liebt die Frauen, mit denen er aufwuchs, er liebte Frauen,… (Taj lacht…)

Robson Brandi MJ LA Gear

Photoshoot für LA Gear mit Wade Robson und Brandi Jackson, 1991

Taj: Ich lache, weil ich weiß was du meinst, ja definitiv, da gäbe es einige Geschichten zu erzählen.

Brandi: So, wie sie versuchen ihn hier hinzustellen, entspricht absolut nicht dem, wie er wirklich war.

Taj: Es ist nun mal so, dass wir, als Familie, und auch seine engsten Freunde, nie mit den Medien über ihn sprechen möchten. Da gibt es all diese falschen Wahrnehmungen, die nie jemand richtig gestellt hat. Das macht es den Leuten möglich, diese „leeren Stellen“ selbst zu füllen. Und jetzt ist es genauso. Die Medien füllen das, was sie nicht wissen, einfach selbst auf.

Nicole. Ja, stimmt. Und was ich auch sehr bizarr finde, ist, dass wir all diese Beweise haben, die seine Unschuld zeigen, den FBI Bericht, die Hausdurchsuchungen, die Ermittlungen… 17 Jahre FBI Überwachung, und nichts wurde gefunden?

Taj: Ich möchte auch hier lieber nicht übertreiben, so, wie ich auch lieber die Summe von mehreren Millionen nenne, als 1,5 Milliarden, damit man mir nicht unterstellen kann, ich würde übertreiben. Aber, egal wieviel Jahre, wir wissen alle, wie effektiv das FBI arbeitet. Sie sind die cleversten und die besten. Sie arbeiten sehr effektiv. Sie brauchen sicher nicht einmal 10 Jahre, um irgendwem etwas illegales nachzuweisen. Schon allein das sollte meinen Onkel entlasten. Er musste aber auch noch einen Prozess durchstehen, um entlastet zu werden, durch hauptsächlich konservative Geschworene, ich glaube, es gab nur einen Geschworenen, der einer Minderheit angehörte. Er musste all diese Widerstände überwinden und kam unschuldig daraus hervor, weil er unschuldig war. Und all das ist den Medien nicht ausreichend, und auch einigen Leuten nicht. Er muss immer noch etwas verheimlichen, für sie ist er ein Meister im Vertuschen, der umgeben von hunderten Angestellten dennoch in der Lage ist, solche Dinge zu tun. Das ist einfach lächerlich.

Nicole: Und nicht nur das allein. Wenn man die Geschichte Amerikas kennt, dann weiß man, dass das FBI nicht die kriminellen Machenschaften eines Schwarzen vertuschen würde.

Taj: Allerdings. Sie machen keine Witze. Sie kriegen alle, die sie kriegen wollen. Wenn das Geringste zu finden gewesen wäre, hätten sie ihn überführt. Auch wenn es nicht auf Kindesmissbrauch hinweisen würde, sondern auf irgendetwas anderes Illegales, sie hätten ihn für etwas anderes zur Rechenschaft gezogen. Auch das verdeutlicht, was für ein Mensch mein Onkel war. 10 Jahre Überwachung, und sie konnten absolut nichts finden, was gegen ihn zu verwenden war. Nichts.

Brandi: Und ich möchte dem noch hinzufügen, dass in der Zeit dieser FBI Überwachung, auch Wade sich bei meinem Onkel aufgehalten hat. Er wäre also auch in diesen Untersuchungen mit einbezogen worden.

Taj: Ja, genau. Und das hat etwas zu sagen. Das ist was mir mit Logik meinen. Aber den Leuten ist im Moment egal, ob etwas logisch ist, sie urteilen nur aufgrund von ein paar kurzen Aussagen. Aussagen eines Films, der nach meiner Ansicht nach einem Drehbuch gefilmt wurde.

Nicole: Ja, er so hört er sich wirklich an.

Ich hatte vor kurzem Scott Ross hier (Anmerkung: Private Investigator beim Prozess 2005). Habt ihr gewußt, dass Wade einen älteren Bruder hat, Shane, der Polizist war und jetzt auch privater Ermittler ist?

Brandi: Ich kenne seinen Bruder, denn ich habe ja viel Zeit mit Wades Familie verbracht. Ich weiß, dass er Polizist war, kann mich aber nicht erinnern, dass er privater Ermittler wurde. Aber dass er in Australien Polizist war, weiß ich.

Taj: Ich wußte das bis vor kurzem nicht.

Nicole: Jetzt eine Frage an Taj oder Brandi, die vorher nie einer gestellt hat, oder an die ich mich zumindest nicht erinnern kann. Hat jemals einer erklärt, wie riesig Michaels Schlafzimmer war? Könnt ihr dazu etwas sagen?

Taj: Ja, es hatte die Größe eines Appartements, also nur das Schlafzimmer allein. Ich glaube auch Macaulay Culkin sprach in einem seiner letzten Interviews darüber, wie riesig dieses Schlafzimmer war, es war eher wie ein ganzes Haus. So könnte man es beschreiben. Es ist so, dass wir uns etwas anderes vorstellen, wenn wir an ein Schlafzimmer denken. Für uns ist das eher dieser intime Ort. (Nicole zeigt hinter sich, da sie in ihrem Schlafzimmer sitzt) Ja, genau, aber Michaels Schlafzimmer war nichts in der Art. Es war einfach riesengroß. Schwer zu beschreiben.

Brandi: Aber die ganze Ranch war ja unbeschreiblich.

Taj: Ja, man könnte sagen, im Vergleich zur Größe der Ranch, war es proportional angemessen. (lacht) Es war groß, aber wenn man die Größe und Proportionen der Ranch bedenkt, 3000 acres, (12 Quadratkilometer) hatte das Schlafzimmer eine eigentlich angemessene Größe, aber natürlich nicht für normale Leute.

Nicole: Ich dachte immer, dass die Leute bedenken sollten, wie groß es war, weil es dann ganz anders zu bewerten ist, als wenn man sich einem Raum in der Größe von meinem Zimmer hier vorstellt.

Taj: Es war eher, als hielte man sich in einem Appartement auf. Und jemand sagte kürzlich, dass es völlig anders aufgenommen würde, wenn man erzählt: „Wir sassen auf dem Sofa und sahen Filme an, bis wir einschliefen.“ Keiner denkt sich dann etwas dabei. Sagt man jedoch, man sitzt dabei auf dem Bett, und schläft ein, dann wird das plötzlich zu etwas Sexuellem. Und dieses Bild wird heraufbeschworen. Aber Michael dachte nicht aus diese Art. Für ihn war „Bett“ nichts sexuelles. Als Erwachsener hast du vielleicht dieses Bild im Kopf, aber wenn du das einfach mit einer Couch austauschen würdest, hört es sich plötzlich völlig normal an. Ich bin damit aufgewachsen. Ich war einer von denen, die mit ihm 3 Stooges, Kleine Strolche oder andere Cartoons oder auch Horrorfilme ansah. Und es machte Spaß. Wenn das jetzt zu etwas Schmutzigem gemacht werden soll, ist das frustrierend. Meine Erinnerungen sollen jetzt schmutzig sein?

Glases

Michael mit seinen Neffen und Nichten

Nicole: Ja, unglaublich. Jetzt noch eine ernste Frage, die ihr beantworten könnt, oder nicht.

Hat je jemand aus eurer Familie Geld von den Medien angeboten bekommen, damit er/sie etwas falsches über euren Onkel sagt? Wir wissen, dass eure Tante LaToya in den 1990ern mit Jack Gordon verheiratet war, der Geld dafür nahm, um in den Medien Lügen über eure Familie zu verbreiten. Habt ihr auch schon diese Erfahrungen gemacht?

Taj: Und Gordon hat meine Tante geschlagen. Meine Mutter stand meiner Tante sehr nahe. LaToya ist TJs Patentante. Meine Mutter berichtete uns immer darüber, was mit LaToya los war. Sie wurde quasi gekidnappt, könnte man sagen. Und die Familie wußte das, deshalb haben wir sie so erfreut aufgenommen, als sie schliesslich zurückkam. Wir mussten sie buchstäblich zurück entführen. Ich erinnere mich noch daran, als mein Vater mich anrief und sagte: „Dein Onkel Randy ist unterwegs um LaToya zu holen.“ Und für mich fühlte sich das wunderbar an. Und dann zu hören, wie das in den Medien dargestellt wird…. dass „sie sich gegen ihren Bruder stellte“… Nein, sie wurde dazu gezwungen! Ich weiß, wie sehr sie meinen Onkel geliebt hat. Und auch mein Onkel hat es verstanden und ihr vergeben und wieder ein gutes Verhältnis zu ihr. Aber so ist das, wenn Leute nicht in diesem Familien Kreis sind und nicht wissen, was wir durch machen, dann ist es hart zu verstehen, denn sie sehen nur, was die Medien ihnen im TV zeigen. Aber wir sind einfach nur eine Familie, wie jede andere Familie auch. Wir sind nicht perfekt.

Brandi: Und oft versuchen sie solche Geschichten einfach auf ihr Leben zu übertragen, aber es nicht so einfach nachvollziehbar. Wenn du weißt, was sie durchgemacht hat und den Schmerz in ihren Augen gesehen hast, dann kannst du das nicht nachvollziehen, wenn du nicht selbst so etwas durchgemacht hast.

Nicole: Ja, ich erinnere mich an diese Fotos bei Hard Copy oder Currant Affair, ich erinnere mich daran, dass sie blaue Flecken hatte…

Taj: Weil ich sie so gut kenne, weil wir auch mit LaToya sehr viel Zeit verbrachten, sie widmete uns ihr erstes Album… Sie bedeutete uns viel, und tut das noch immer. Und dann mit anzusehen, wie sie solche Dinge wie Playboy machte, wussten wir, dass es nicht etwas war, was sie tun wollte. Wir wußten, dass sie dazu gezwungen wurde. Das war nicht etwas, was meine Tante unbedingt freiwillig tun wollte.

Taj wedding LaToy

LaToya auf Taj Jacksons Hochzeit

Nicole: Wenn ihr etwas zu Oprah sagen dürftet, was wäre das?

Brandi: Meine Antwort ist einfach und kurz: ich bin sehr enttäuscht. Besonders vom journalistischen Standpunkt aus betrachtet, hätte sie beiden Seiten eine Chance geben müssen. Wenn sie die einschliessen wollte, von denen sie glaubt, sie seinen missbraucht worden, ist das eine Sache, aber man muss dennoch versuchen herauszufinden, ob es auch tatsächlich so passiert ist, besonders wenn es dabei um meinen Onkel geht, der so eine enorme Zielscheibe darstellt. Ich fühle mich wirklich von ihr verraten, und schlimmer noch, es ist, als habe sie die Welt verraten, in dem sie ihre Arbeit nicht richtig getan hat. Ich bin wirklich enttäuscht.

Taj: Ich sollte besser nichts dazu sagen… Es fühlt sich an, als hab sie sein Grab zertrampelt. Sie gab diesen beiden Lügnern eine Plattform und hat es damit quasi abgesegnet. Oprah hat ihnen ihren Segen gegeben. Und das ist unverantwortlich von einem Journalisten, ohne jede Recherche und Kenntnis ihrer Vorgeschichte.

Nicole: Und nicht nur das. Ihr habt auch kürzlich erst euren Opa verloren, was immer noch wie eine offene Wunde sein muss.

Taj: Ja. Ich erinnere mich auch daran, als mein Onkel starb und Oprah meine Oma und Michaels Kinder interviewen wollte. Sie erzählt, dass Michael so missverstanden war und sie die erste sein wollte, die das klären wollte. Und deshalb gaben ihr meine Oma und Michaels Kinder dieses Interview. Und das jetzt fühlt sich einfach nur wie ein Betrug an. Sie hat keinen von uns dazu befragt, aber eine ganze Sendung damit gefüllt.

Ophra inteviewt Jacksons kids

Oprah Winfrey interviewt Michaels Mutter und seine Kinder, 2010

Nicole: Besonders die Afro-Amerikanische Community ist darüber sehr verärgert. Ich weiß nicht, ob ihr mein Video angesehen habt, in dem ich über sie gesprochen habe – es war nicht nett.

Taj: Ich hab es gesehen, ich schätze es sehr.

Nicole: Ja, ich war sehr wütend über sie. Ich fragte mich, warum sie das tut. Sie würde sich nicht trauen, das mit Elvis, den Beatles, oder John Lennon zu tun. Aber es ist ok das mit eurem Onkel zu tun.

Taj: Insbesondere weil es in diesem ganzen Film keinerlei Fakten gibt. Es sind nur die Aussagen zweier Kinder. Besser gesagt, Männer. Ihre Aussagen, ihre Lügen. Du kannst diese Lügen herausstellen, in den Gerichtsdokumenten und ihren Aussagen. Und sogar in ihren Dokumenten widersprechen sie dem, was sie in diesem Film sagen. Ihr Wort bedeutet wirklich nichts für mich.

Brandi: Und nicht sie lügen nicht nur, sondern sie versuchen noch andere Leute in ihre Lügen hineinzuziehen. Brett Barnes und Macaulay Culkin zum Beispiel.

Taj: Und jetzt gibt es Leute, die zu Brett sagen, er solle doch endlich auch mit der Wahrheit herausrücken. Brett ist gerade so sauer, dass er HBO und der Produktionsfirma einen Brief zu kommen lies, und sie aufforderte, dass sein Name da raus gehalten wird. Das war bevor es ausgestrahlt wurde. Er sagt, Michael war immer nur großartig zu ihm und seiner Familie. Und ich kenne Brett, seit dem Prozess 2005 und über all die Jahre. Er ist ein toller Typ, aber er möchte auch einfach privat bleiben, er möchte nicht, dass sein Name durch den Dreck gezogen wird, es ist einfach unfair und zeigt, dass es ihnen egal ist, wen sie verletzten. Sie haben diese Agenda und bleiben ihr treu.

Brett Barnes

Brett Barnes mit Michael

Nicole: Glaubt ihr, dass die unorthodoxe Lebensweise eures Onkels von den Medien als Waffe genutzt wird, um diese Vorwürfe gegen ihn zu fördern?

Brandi: Absolut, 100%, das machte ihn zu einer leicht zu treffenden Zielscheibe.

Taj: Definitiv. Und ich glaube, dass die Leute das, was ich das Peter Pan Syndrom nenne, nicht verstehen. Die Leute können das nicht nachvollziehen. Aber wenn du mit ihm zusammen warst, wie seine engsten Freunde, z.b. Elizabeth Taylor oder Diana Ross, dann hast du es erkannt. Er war wie ein großes Kind. Und er ist trotzdem mein Vorbild, denn ich möchte auch dieses große Kind sein. Auch ich spiele immer noch Verstecken mit meinen Cousins, auch wenn mich das manchmal ausser Atem bringt. Ich habe gesehen, wie es ist als dieses große Kind zu leben, und ich halte das für die unschuldigste, reinste Lebensart. Kinder sind nicht rassistisch, das wird ihnen beigebracht. Kindern wird die Gier nach Geld beigebracht, sie werden nicht damit geboren. Sie wollen nur deine Freundschaft und Spass. Und es sind wir Erwachsenen, die sich überlegen, wie sie davon profitieren könnten. Und ich denke, das ist der Ursprung all dessen, da die Leute nach ihren eigenen Maßstäben messen und urteilen. Sie finden es seltsam und fragen sich, „warum verschenkt er etwas? Ich würde das nie tun, was will er dafür haben?“ Sie würden nicht einfach nur so etwas verschenken. Aber mein Onkel tat das. Er machte das für alle mögliche Leute, er zahlte Organtransplantationen, er zahlte für das Verbrennungsopfer Dave Dave und kümmerte sich um ihn, oder um Ryan White. Für meinen Onkel war das normal.

Brandi: Und all die Kinder aus den Innenstädten. Vom Boy’s and Girl’s Club z.B.

Taj: Da kamen manchmal 300 Kinder nach Neverland, und er nahm sie alle auf. So war mein Onkel, wir kannten ihn so. Die Medien wollen nicht, dass man das weiß, sie wollen, dass man Neverland für diesen kranken Ort hält, nur gebaut für diese 2 Typen hier… Neverland wurde gebaut, um Menschen zu helfen. Es hat diese Reinheit. Alle Freunde von mir, die je dort waren, sagen genau das gleiche.

Brandi: Mich fragte vor kurzem jemand, ob ich mir rückblickend wünschen würde, dass mein Onkel nach 1993 seine Art zu Leben hätte ändern sollen, und nicht mehr auf diese Weise den Menschen hätte helfen sollen, um so sein Image zu schützen. Absolut nicht! Ich bin sehr froh, dass er dem treu blieb, dass er immer dieser liebevolle Mensch blieb, der er war. Er lies nicht zu, dass die Ignoranz anderer Menschen seine authentische Fähigkeit, sich jedem gegenüber genau so zu verhalten, beeinträchtigte. Ich bin dankbar, dass er so war. Er lehrte uns, auch so zu sein.

Taj: Und die Leute fragen, ob wir versucht hätten, einzuschreiten, ihm geraten hätten, irgendetwas sein zu lassen. Aber wenn du ihn kennst, und seine Aufrichtigkeit und sein Herz kennst, dann fragst du dich nur, warum sollte ich? Er hatte keinerlei schlechte Absichten. Es ist nichts falsch mit Michael Jackson, sondern es läuft etwas falsch in dieser Welt.

never land

Gäste im Neverland Amusement Park

Nicole: Wir wissen, dass ein Teil eurer Familie noch immer den Zeugen Jehovas angehört, und dazu gehört, sich um Kinder und Tiere zu kümmern. Er hat also auch das weiter geführt…

Taj: Ja. Und ich möchte auch einen Spruch aus der Bibel zitieren, also nicht wörtlich, aber es geht darum, wie Jesus sich um Kinder kümmerte, und dass man wie ein Kind sein sollte. Und es gibt ja sogar ein Interview, in dem er (MJ) sagt, „ich sage nicht, dass ich Jesus bin“ – er wußte genau, wie die Leute das sonst interpretieren und ihn angreifen würden, aber was er damit ausdrückte war, dass er sein Leben auf diese Weise lebte, er wollte so unschuldig sein, wie ein Kind und sich um Kinder kümmern.

Nicole: Denkt ihr, dass die #metoo, #timesup und andere Bewegungen dazu beitragen, dass die Mainstream-Medien berühmte schwarze Männer zum Gesicht von Verbrechen sexueller Art machen?

Taj: Schwer zu sagen, da ich ebenfalls Opfer von sexueller Gewalt bin, habe ich diese Art Bewegungen immer wertgeschätzt, wenn es darum geht, Opfern Gehör zu verschaffen. Aber es ist dennoch sehr gefährlich, jedem Opfer einfach zu glauben. Man sollte ihnen zuhören, aber nicht blind glauben. Das bringt uns Jahrzehnte zurück in die Zeit, in der irgendwer irgendetwas behaupten konnte, und der Beschuldigte am nächsten Baum aufgehängt wurde, nur aufgrund der Worte eines anderen. Und das meine ich damit, wenn ich das Wort ‘lynchen’ benutze, denn so fühlt es sich an. Es gibt keine Fakten und Beweise, wir haben nur das Wort von zwei Personen und deren Familien, die alle ein Motiv haben, aber wir lynchen diesen Kerl, zerren ihn aus seinem Grab, und lynchen ihn. Genau so fühlt sich das an. Und er ist nicht mehr da, um sich zu verteidigen.

Nicole: Ja, furchtbar. Ich weiß nicht, ob ihr diesen Cartoon gesehen habt, wo jemand das tatsächlich getan hat.

Taj: Ja, ich hab das gesehen.

To Kill A Mockingbird (Wenn die Nachtigall ruft) war einer der Lieblingsfilme meines Onkels. Er hat uns diesen Film oft gezeigt. Und ich habe ihn erst letzten Monat erneut angesehen. Dieser Film ist sehr glaubhaft für mich, bis heute. Dieser unschuldige Schwarze, den jeder für schuldig hielt, und niemand interessierte sich dafür, ob er unschuldig war – er würde auf jeden Fall dafür bezahlen müssen. Genau so fühlt es sich an. Genau, wie die Dokumentation über Sam Cooke, auch die ist für mich sehr glaubwürdig. Sam Cooke überwand alle Schwierigkeiten, er besaß Dinge, die ihm als einem Schwarzem nicht zustanden und davon wollte man etwas abhaben. Und er stirbt mysteriöserweise, auf eine Art, die nicht zu seiner Lebensweise passte. Ich fand das beängstigend, aber zu gleich erklärt es mir auch sehr viel.

Nicole: Da stimme ich zu. Was denkt ihr beiden darüber, dass Radiosender die Musik eures Onkels nicht mehr spielen, oder Geschäfte Merchandise-Artikel aus dem Sortiment nahmen?

Brandi: Es hat mich nicht sehr überrascht, weil jeder auf diesen Zug aufspringt, und wenn sie dann öffentlich verkünden, dass sie keine MJ Musik mehr spielen, gibt das sogar noch neue Klicks, allein durch die Ankündigung. Dann war ich zugleich auch sehr enttäuscht, dass all das wieder beginnt. Dass ist wie bei Oprah, man gibt ihm einfach keine faire Chance. Er hat all diese Prozesse und Schlachten geschlagen und durchgemacht, und plötzlich ist er schuldig? Nur weil diese beiden Leute einen Film herausbringen, und sagen, dass er es ist? Ohne Fakten. Es ist, als ob die sozialen Medien und die Öffentlichkeit zum Richter und zu Geschworenen wurden und diesen Mann ohne Grund verurteilt haben.

Taj: Ich denke, dass da auch Rassismus mit hinein spielt. Einfach das Wort dieser beiden als bare Münze zu nehmen, obwohl es überführte Lügner sind? Ich denke schon, dass es mit Rassismus zu tun hat. Ich wollte das eigentlich nicht öffentlich sagen, und war auf Twitter eher zurückhaltend. Aber wir wuchsen damit auf. Auch ich bin schon von der Polizei angehalten worden oder wegen Ladediebstahls beschuldigt worden. Nur weil man Jackson heißt, ist man vor solchen Dingen nicht sicher.

Brandi: Und dann diese so offensichtlichen Dinge: Michael Jackson, der unschuldig befunden wurde, wird jetzt ohne Grund verurteilt, und auf der anderen Seite haben wir jemand wie Harvey Weinstein, dem eine Gefängnisstrafe bevor steht…?

Taj: Und wo es viele, viele Anschuldigungen gibt…

Brandi: Genau. Aber darüber spricht keiner, denn das ist etwas anderes, aber das verstehe ich nicht. Und wenn man diese Dinge sieht, kommt man nicht umhin, dass es sich hier um eine rassistische Angelegenheit handeln muss.

Taj: Michael soll wohl ihr „Posterboy“ sein, für die Geschichtsbücher. Dafür zerren sie ihn buchstäblich aus seinem Grab.

Nicole: Rassismus spielt hier definitiv eine Rolle.

Könnt ihr uns vielleicht auch etwas dazu sagen, dass es nicht nur Jungen waren, die in Michaels Zimmer eingeladen wurden?

Brandi: Ja, natürlich. Ich kann euch als eine der Beteiligten sagen, dass es nicht nur Jungen waren. Und es war stets sehr unschuldig, wie Taj schon sagte. Wir sahen uns Filme an und schliefen dabei ein. Da gab es nichts unangemessenes. Ich denke, das Problem ist, dass sich die Zeiten so geändert haben. Wenn du in der heutigen Welt sagst, wir sehen einen Film und chillen, bekommt es anscheinend plötzlich eine sexuelle Bedeutung. Aber als wir heranwuchsen war das nicht so. Wir liehen Filme aus und sahen sie an. Da ging nichts ominöses vor sich. Die Gesellschaft hat sich wohl so verändert, dass so etwas jetzt völlig anders aufgenommen wird.

Taj: Die Welt ist wirklich dunkler geworden. Die Leute sind grundsätzlich viel skeptischer. Man kann nicht einmal eine nette Geste machen, ohne dass jemand etwas hinein interpretiert. Es hat sich wirklich verändert.

Ich kenne auch andere weibliche Personen und hoffe, dass sie noch etwas dazu sagen werden. Zwei davon sind sehr berühmt, und sie haben oft Zeit mit meinem Onkel verbracht und Neverland wahrscheinlich öfter besucht, als Wade und James. Aber sie sind sehr schweigsam im Moment. Wie Brandi sagte, es gibt da bestimmte Bewegungen, und wenn du dich hinstellst und sagst, dass deine Erfahrungen anders waren, kann es passieren, dass du dafür plötzlich angegriffen wirst. Es heißt dann, du unterstützt das, oder du verteidigst einen „Pädophilen“ . Das ist lachhaft, denn man verteidigt einen Unschuldigen.

Nicole: Stimmt es, dass euer Onkel der am häufigsten verklagte Prominente war?

Brandi: Ich würde das nicht bezweifeln, auch wenn ich die Statistiken dazu nicht kenne.

Taj: Ich denke, er war der meist hinterfragte und auch der berühmteste Mensch. Und er war immer in der Öffentlichkeit, egal, was er tat. Es ist ja nicht so, dass er inkognito handelte und die Leute ihn nicht erkannten. Und bedenkt man all diese Tatsachen und will dann behaupten, er sei eine Art Superhirn, der all diese Dinge vor der Öffentlichkeit verheimlichen konnte, und auch vor dem FBI und all den Personen um ihn herum… man sollte hier logisch denken, dann passt all das nicht zusammen.

Nicole: Brandi, du arbeitest als Fotografin und machst Videos. Wirkt sich dieses Geschehen finanziell auf eure Arbeit aus? Den Leuten ist oft nicht klar, dass ihr kein Geld vom Estate bekommt. Hat das also Auswirkungen auf eure Arbeit und Geschäfte?

Brandi: Nein, bisher nicht. Ich denke auch nicht, das es das tun wird. Ich arbeite schon mein ganzes Leben hindurch. Und ganz gleich, wie sich das hier entwickelt, werde ich auch weiterhin arbeiten. Das ist also nicht mein Problem. Ich bin nur darüber besorgt, wie mein Onkel wahrgenommen wird. Er sollte als der gute Mensch, der er war, angesehen werden. Und das ist mein Anliegen, auf das ich mich fokussiere.

Taj: Ich mache Musik, und von daher betrifft es mich schon. Besonders, wenn Musik verbannt wird. Ich erinnere mich noch daran, dass während des Prozess 2005 manche Länder die gesamte Jackson Musik verbannten. Und plötzlich wurden ach 3T nicht mehr gespielt, z.B. in Deutschland. Das ist schon hart. Aber zugleich sage ich immer, dass ich stolz darauf bin, ein Jackson zu sein, stolz, der Neffe von Michael Jackson zu sein. Und wenn das dazugehört, dann sei es so, denn ich weiß, was für ein Mensch mein Onkel war. Ich kenne sein Herz.

Nicole: Könnt ihr, auch wenn Scott Ross das schon getan hat, noch einmal den Vergleich von 1994 erklären?

Taj. Ja, kann ich. Meine Brüder und ich waren die ersten, die zu ihm flogen, als diese Meldung öffentlich wurde. Weil wir immer wußten, wie wir unseren Onkel zum lachen bringen könnten, egal in welcher Situation. Evvy (Tavasci) rief meine Mutter an und innerhalb weniger Stunden sassen wir auch schon im Flugzeug. Wir flogen zuerst nach Thailand. Das war während der Dangerous Tour. Wir wußten nicht einmal genau, was passiert war, wir wußten nur, dass wir für unseren Onkel da sein wollten. Ich erinnere mich daran, dass wir dort ankamen, und er war so sauer. Er sagte, er würde sie mit der Sache nicht davonkommen lassen, und dass man ihn reinlegen wolle. Er war wirklich sauer und wollte kämpfen. Ich denke, er wußte zu der Zeit aber auch nicht, was in den USA vor sich ging. Er wußte sicher nicht, welches Fest die Medien damit schon feierten. Er war so weit entfernt, dass ihm nicht bewußt war, welchen Schneeballeffekt die Sache schon angenommen hatte. Er dachte also, dass er kämpfen würde, denn dieser Erpressungsversuch hatte eigentlich schon im August begonnen, und er hatte jede Forderung abgeblockt. Er hatte es immer wieder abgelehnt, darauf einzugehen, während er gleichzeitig seine Konzerte gab und auf Tour war. Und man konnte sehen, dass es ihn in Mitleidenschaft zog. Meine Brüder und ich sahen das gleich, aber das Publikum spürt es irgendwann auch und es endete damit, dass er seine Tour dann abbrechen musste. Es geht nicht spurlos an dir vorbei, wenn man etwas schlechtes von dir denkt und du weißt, dass es nicht stimmt. Ganz egal, wer du bist.

Was man euch nicht über diesen Vergleich erzählt ist, dass es erstens nur für die Zivilklage war, und weder Jordy Chandler noch seine Familie davon abhalten konnte, jemals in einem Strafprozess auszusagen, auch nicht in dem Prozess von 2005. Ich hasse es, wenn man das Wort „Schweigegeld“ dafür benutzt, denn das bedeutet ja, dass man nichts mehr sagen darf. Dieser Vergleich wurde nur vereinbart, da zu der Zeit der Zivilprozess vor dem Strafprozess stattfinden sollte, etwas, das jetzt nicht mehr legal ist. Für mich ist das, als könnte man ein Superbowl-Team beim trainieren beobachten, bevor das wirkliche Spiel stattfindet. Das wäre einfach nicht fair. Aber das versuchten sie in dem Fall zu tun, weil es noch erlaubt war. Die Anwälte meines Onkels versuchten während der ganzen Zeit zu erreichen, dass der Zivilprozess erst nach dem Strafprozess stattfinden würde, aber es wurde immer wieder abgelehnt, und der Zivilprozess hätte schliesslich zuerst stattgefunden. Und genau das wollte Evan Chandler, denn ihm ging es nur um das Geld, er wollte nicht, dass Michael ins Gefängnis kommt, sondern er wollte Geld, und wollte unbedingt den Zivilprozess als erstes.

Mein Onkel vereinbarte dann einen Vergleich für den Zivilprozess und wollte sich dann auf den Strafprozess vorbereiten, in dem er sich verteidigen wollte, denn für ihn war dieser Prozess wichtiger. Und wie ich zuvor schon sagte, nichts hätte Evan Chandler oder Jordy Chandler davon abgehalten, in einem Strafprozess gegen meinen Onkel auszusagen. Nur hatten sie nicht genug Beweise, einen Strafprozess zu beginnen, und ausserdem reichte es ihnen, das Geld zu haben. Sie hatten keine Fakten und es gab keinen Strafprozess. Es war alles nur Schall und Rauch. Und noch etwas ist sehr wichtig. Es geht um die Beschreibung des Fotos, des Nacktfotos, das mein Onkel machen lassen musste und über das die Medien immer wieder Lügen verbreiten. Jordy hatte gesagt, er könne die Genitalien meines Onkels beschreiben. Was man aber nicht sagt, ist, dass mein Onkel nicht beschnitten war und Jordy einen beschnittenen Penis gezeichnet hatte. Aber trotzdem wurde es in den Medien verbreitet, z.B. von Maureen Orth in Vanity Fair, dass die Beschreibung passen würde. Aber tut mir leid, ein beschnittener Penis und ein unbeschnittener Penis sehen überhaupt nicht gleich aus. Ich hatte auch einen Freund, der beschnitten war, und schon mit 11 Jahren, wenn wir im Schwimmbad waren oder so, konnte ich sehen, dass das nicht das gleiche ist, wie das, was ich habe. Und Jordy hatte behauptet, er habe Michael oft nackt gesehen. Über diese Sache werden auch heute immer noch Lügen verbreitet, das muss aufgeklärt werden. Als mein Onkel starb, hat das zur Klärung beigetragen, weil es dann im Autopsiebericht zu lesen war, dass er unbeschnitten war. Es ihn sozusagen entlastet.

Nicole: Und dann ist es auch noch so, dass euer Onkel nicht bezahlte, sondern seine Versicherung.

Brandi: Er bekam eigentlich keine Chance, sich in dieser Sache zu verteidigen.

Taj: Dazu muss man auch noch bedenken, wieviel er mit nur einer Show verdiente. Er war wie eine Maschine und jeder wollte, dass sie läuft und läuft. Er war auf Tour und machte Millionen Dollar, keiner wollte, dass er damit aufhörte und sich einem Gerichtsprozess widmen sollte. Und was so ein Prozess anrichten kann, konnten wir dann 2005 sehen. Man konnte sehen, wie er mehr und mehr abbaute, und was es bei ihm anrichtete. Diese Sache macht mich traurig, aber eigentlich noch mehr frustriert. Man kennt die Wahrheit darüber, aber es werden trotzdem immer noch diese Lügen verbreitet. Vanity Fair verbreitet in ihrem Artikel immer noch die gleichen Lügen, und Prominente mit bleuen Häkchen retweeten diesen Artikel, geschrieben von der gleichen Dame die auch behauptet, Michael hätte einen Voodoo Priester dafür bezahlt, damit er Steven Spielberg und David Geffen mit einem Fluch belegen solle. Die gleiche Dame schrieb diese Artikel, und sie ist „glaubwürdig“? Es ist einfach nur lächerlich, aber trotzdem retweeten die Leute ihren Artikel.

Nicole: Ich habe das nie verstanden, weil man die ganzen Beweise, die auf seine Unschuld hinweisen, hat und ich würde sie fragen, ob sie unbedingt wollen, dass er Kinder belästigt hat? Es ergibt keinen Sinn.

Taj: Ich denke, er soll ihr Vorzeigeobjekt (Posterchild) sein, so dass all die anderen hinter ihm in Deckung gehen können, so wie es auch in der Vergangenheit schon war.

Huis Ten Bosh Japan 1993

Michael Jackson mit seinen Neffen Taj, TJ und Tarryl in ‘Huis Ten Bosh’, Japan, 1993

Nicole: Ja, wirklich ekelhaft. Als letztes noch eine Frage, nach etwas Schönem. Was sind eure schönsten Erinnerungen an euren Onkel Michael?

Brandi: Für mich ist das einfach jede Gelegenheit, die ich mit ihm zusammen sein durfte. Es war immer ein besonderer Moment, du kannst ihn nicht mit irgendeinem anderen Mensch vergleichen. Er ist so süß und aufrichtig. Mit ihm zusammen zu sein ist erfrischend, egal, was du gemacht hast, Versteckspielen oder einen Film ansehen oder auch einfach nichts, allein, dass man in seiner Nähe war, war ein Segen.

Taj: Ich würde das selbe sagen. Jede Minute, die ich mit ihm verbringen durfte, war ein Geschenk. Ich habe so viele tolle Erinnerungen, die ich bei mir trage. Als mein Kind zur Welt kam, war das der Moment, in dem ich realisierte, dass er wirklich fort war. Mein Hirn machte mir immer vor, dass er auf Tour ist oder so… aber er wäre der erste gewesen, der mich angerufen hätte, um mir zu gratulieren. Er wäre so aufgeregt gewesen und hätte sich für mich gefreut. Aber als ich diesen Anruf nicht bekam, wurde mir wieder bewußt, dass er gegangen ist. So war sein Herz und ich versuche, wenigstens ein Zehntel der Person zu sein, die er war.

Nicole: Ok. Jetzt habe ich noch ein paar Fragen von Zuschauern. Jemand möchte wissen, ob es noch mehr TV Interviews mit euch geben wird.

Taj: Es kommt darauf an. Ich hab das Gefühl, sie taxieren das aus. Wenn sie damit die Quoten hochschrauben können, werden sie uns vielleicht noch einmal einladen. Es geht ja immer nur um Quoten, nicht etwa um die Wahrheit. Wir müssen nur darauf achten, zu wem wir gehen. Es war enttäuschend zu sehen, dass Leute, die man eigentlich respektiert, über meinen Onkel gelogen und keine Nachforschung betrieben haben, sondern einfach etwas nachplappern, das jemand anderes gesagt hat. Als Journalist solltest du eigentlich mehr Integrität haben.

Nicole: Stimmt es, dass Michaels Kinder eine Klage gegen Robson und Safechuck einreichen wollen?

Taj: Ich habe dieses Gerücht auch gehört, aber ich habe nicht gefragt, deshalb weiß ich nicht, ob es stimmt. Ich habe es nur auf Twitter gesehen. Ich frage mich jedoch, was für rechtliche Möglichkeiten sie haben könnten, denn es gibt ja kein Gesetz, das Verstorbene schützt.

Nicole: Vielleicht wegen des seelischen Leids, das bei ihnen dadurch ausgelöst wurde?

Taj: Ja, das könnte funktionieren, ich weiß es nicht…

Nicole: Jemand fragt, ob Janet sich nicht dazu äussern wird.

Brandi: Ich bin nicht sicher. Es ist, wie Taj schon zuvor sagte, wenn man zu viel darüber spricht… Es gibt eine feine Linie dazwischen, der Negativität zu viel Raum zu geben oder sich lieber auf das Positive zu besinnen. Aber andererseits will man auch an einem bestimmten Punkt diese Lügen ansprechen.

Taj: Ich denke, sie war clever, nicht darüber zu reden. Wenn sie es getan hätte, hätten es noch mehr Leute ansehen wollen. Und so waren die Einschaltquoten in den USA und England ja nicht so toll. Die Leute haben wohl doch gemerkt, dass es eine einseitige Dokumentation ist. Ich kann aber nicht für meine Tante sprechen, weiß aber, dass sie sehr stark ist und ihren Bruder genau kennt. Wenn sie also etwas dazu sagen wird, dann wird sie es zum richtigen Zeitpunkt tun.

Janet und Michael

Janet und Michael Jackson, MTV Music Awards 1995

Nicole: Und ausserdem ein Hoch auf eure Tante! Sie wird ja in die Hall of Fame aufgenommen, herzlichen Glückwunsch!

Taj: Ja, wunderbar, wir sind auch sehr froh darüber, obwohl wir denken, das es längst überfällig war. So viele wurden vor ihr aufgenommen… aber das ist die Sache mit unserer Familie, wie auch bei der Sache mit Super Bowl. Sie wurde dafür bestraft, und die Leute vergessen dabei, dass dort zwei Personen beteiligt waren, aber nur sie bekam die Auswirkungen zu spüren. Und das ärgert mich schon. Es ist wie ein Deja-vu. Jetzt versuchen sie gerade, meinen Onkel für etwas zu bestrafen, was er nicht getan hat.

Nicole: Wie reagiert ihr auf Leute, die euren Onkel oder eure Familie attackieren? Ihr trefft doch sicher oft solche Leute.

Brandi: Ja, und man hört alles mögliche. Manchmal wissen sie, wer du bist und manchmal nicht, und reden munter drauf los, über das, was sie glauben. Man muss das mit Vorsicht geniessen. Ich persönlich kann mich nicht über jeden einzelnen aufregen, der, um bei dem Film zu bleiben, diesen Film angesehen hat und sich aufgrund dessen seine Meinung gebildet hat. Das ist zunächst etwas, was sie so serviert bekommen. Es frustriert mich allerdings, wenn sie sich dann weigern, etwas Recherche zu betreiben. Aber man kann sich nicht über jeden einzelnen Kommentar aufregen, den die Leute von sich geben.

Taj: Ich rege mich eher über die Medien auf, und die Leute mit den blauen Häkchen in den sozialen Medien, die einfach meinen Onkel ohne jeden Beweis schlecht reden, sich aber zugleich bei anderen Personen darüber aufregen, dass sie z.B. im Gefängnis sitzen, ohne ausreichende Beweise. Bei meinem Onkel brauchen sie anscheinend keine Beweise. Diese Scheinheiligkeit ist für mich das Schlimmste. Ich selbst versuche mein Leben sehr aufrichtig zu leben, ich hasse Heuchelei. Ich liege lieber mit etwas falsch, anstatt zu heucheln. Und ich habe schon sehr oft zugegeben, dass ich falsch lag. Es geht immer um Integrität.

Nicole: Da stimme ich voll und ganz zu, auch deshalb habe ich diesen Video-Kanal gegründet.
Ich danke euch, Brandi und Taj, dass ihr hier wart und über eure Wahrheit gesprochen habt. Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, dass dieser Alptraum zu Ende geht. Ich entschuldige mich für dieses Land, das buchstäblich euren Onkel lyncht. Ich bitte um Entschuldigung – wir alle bitten darum, denn ihr solltet das nicht durchmachen müssen.

Taj: Ich möchte noch eins sagen… ich muss mich vorsichtig ausdrücken. Mein Onkel Michael kannte sich sehr gut mit Rassismus und der Geschichte dieses Landes aus, auch mit der europäischen Geschichte. Er hat uns viel beigebracht. Das ist auch ein Grund dafür, dass wir damit so umgehen können, wie wir es momentan tun. Denn wir wissen, was all dem zugrunde liegt. Einerseits hilft das, aber eigentlich dachte ich auch, dass wir uns schon weiterentwickelt hätten. Aber wir sind wohl immer noch nicht besser, als damals.

Übersetzung: M.v.d.L.

Die Unterschiede zwischen Leaving Neverland, den Interviews und den Klagen von Robson/Safechuck

Die Unterschiede zwischen Leaving Neverland, den Interviews und den Klagen von Robson/Safechuck

https://themichaeljacksonallegations.com/2019/03/17/differences-between-leaving-neverland-interviews-and-the-robson-safechuck-lawsuits/

Obwohl die Geschichte in „Leaving Neverland“ auf den Klagen von Wade Robson und James Safechuck basiert, gibt es einige Unterschiede zwischen dem Film, den Interviews während ihrer Werbetour und ihren Klageschriften. Hier werde ich eine Liste mit diesen Unstimmigkeiten posten:

1) Im Film behauptet Wade Robson, dass Michael Jackson ihn dazu gebracht hat, die blutige Unterwäsche loszuwerden, nachdem er den 14-jährigen Wade Robson versuchte anal zu penetrieren.

Robson behauptet in seiner Klage, dass Jackson versucht hat ihn anal zu penetrieren, aber die blutige Unterwäsche wird nicht erwähnt. Genauso wenig wird erwähnt, dass Jackson ihn angeblich dazu gebracht hat, sie loszuwerden. Das ist alles, was in der Klage bezüglich der Analpenetration angeführt wird [1]:

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(Der Kläger zeigte im Alter von 13 Jahren Anzeichen der Pubertät, MICHAEL JACKSON zeigte weniger sexuelles Interesse und die sexuellen Begegnungen wurden weniger. MICHAEL JACKSON versuchte mit dem damals 14-jährigen Kläger Analsex zu haben und ihn mit seinem Penis zu penetrieren, aber während die Penetration stattfand, war der Versuch nicht erfolgreich.)

Ist das ein weiteres Beispiel von Wade Robsons sich stets weiterentwickelnden „Erinnerungen“?

2) In Interviews, die während der Werbetour für den Film gegeben wurden, hat James Safechuck behauptet, dass Jackson angeblich eine Videoaufnahme des mutmaßlichen Sexualakts gemacht hatte. Safechuck behauptet praktischerweise, dass Jackson dann diesen Beweis zerstörte.

Beide Männer behaupten, dass Jackson nie Kondome während des Sexualakts trug. Sie behaupten, dass Jackson ihnen oft Alkohol gab und ihnen Pornografie zeigte, bevor er sie missbrauchte und er sogar eine seiner sexuellen Begegnungen mit Safechuck gefilmt hätte.“

Er hat sofort Panik bekommen als er realisiert hat, was er gerade getan hat und hat das Band überspielt,“ sagt Safechuck. Obwohl es ihm bewusst war, dass Jackson gefilmt hat, „hat es Spaß gemacht, und wenn man Spaß hat, dann denkt man (Jackson) nicht darüber nach. Aber später dachte er dann, ‚Augenblick mal. Ich habe das gerade dokumentiert.‘ Er war sehr vorsichtig, aber das war sein einmaliger Ausrutscher.“ [2]

Diese Behauptung war weder Teil seiner Klage noch des Films. Es wurde zum ersten Mal in den Werbeinterviews für „Leaving Neverland“ behauptet.

Safechuck beeilte sich hinzuzufügen dass Jackson das Video schnell gelöscht habe, und es deshalb – ganz zufällig – keinen Beweis dafür gibt. Aber wenn es so gewesen wäre, dass Jackson mit Kindern so etwas tat, dann wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihm früher oder später dadurch ein Ausrutscher passiert wäre. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Jackson jemals solche Videos gedreht, geschweige denn besessen hat. Vergessen Sie nicht, dass seine Grundstücke und Häuser sowohl 1993 als auch 2003 gründlich durchsucht wurden und dass er ein unorganisierter Sammler war. Kein Sex-Video mit Safechuck oder einem anderen Kind wurde jemals in seinem Besitz gefunden.

(Vielleicht sollten wir anmerken, dass Safechuck zum ersten Mal solche Behauptungen gemacht hat, als der R. Kelly Fall, bei dem Sex-Videos ein wichtiger Bestandteil sind, in den Medien sehr prominent war.)

Außerdem ist es seltsam, dass Safechuck es als „Spaß“ beschreibt. Ich weiß, dass jedes Opfer anders ist, aber gemäß der Literatur über Kindesmissbrauch, die ich gelesen habe, ist es normalerweise eine extrem grauenerregende und traumatische Erfahrung für das Opfer, wenn ein Kinderschänder Videos vom sexuellen Missbrauch macht.

3) James Safechuck behauptet in seiner Klage, dass Jackson ihm Kinderpornografie zeigte – Filme, in denen Kinder masturbieren [3].

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(MICHAEL JACKSON hat dem Kläger auch Filme gezeigt, in denen Kinder masturbieren, und sagte ihm, dass das „nicht wirklich Pornografie“ ist. Die Filme, die MICHAEL JACKSON als „Pornografie“ bezeichnete, involvierten sexuelle Aktivitäten von Erwachsenen, wohingegen die Filme, die Kinder bei sexuellen Aktivitäten zeigten, „keine Pornografie“ waren.)

Safechuck sagt im Film, dass Jackson ihm Pornografie zeigte, aber er erwähnte keine Filme, in denen Kinder masturbieren, oder irgendeine andere Art von Kinderpornografie.

Es gibt keinen Beweis, dass Jackson jemals solche Filme besessen hat. Solche Filme wurden während der gründlichen Durchsuchungen seiner Anwesen in den Jahren 1993 und 2003 nicht gefunden.

4) Im Film behauptet Wade Robson, dass das, was ihn schließlich überzeugt hat Jackson 2005 vor Gericht zu beschützen, ein gemeinsames Abendessen gewesen sei, das vor Robsons Aussage stattfand. Während dieses Abendessens hätte Jackson sehr krank ausgesehen und Jacksons Kinder hätten Robson leid getan. Robson sei um die Kinder besorgt gewesen, weil sie ohne Eltern aufwachsen würden, falls Jackson ins Gefängnis müsse. Wade erzählt darüber in einem dramatischen Tonfall und versucht mitfühlend gegenüber Jacksons Kindern zu wirken.

Hier kann man diesen Ausschnitt sehen:https://streamable.com/bkqkd

In seiner Klage wurde das nie als Motiv für seine Aussage erwähnt. In seiner Klage sagt er, dass er für Jackson ausgesagt habe, weil ihn dieser durch ein Rollenspiel am Telefon dazu gebracht hätte und er nicht verstanden habe, dass er missbraucht wurde [1].

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(2005 wurde MICHAEL JACKSON in Santa Barbara wegen sexuellen Missbrauches an Kindern und anderen Anklagepunkten vor Gericht gestellt. Der Kläger wurde vorgeladen, um auszusagen. MICHAEL JACKSON hat ihn weiterhin ständig angerufen und hat ein ähnliches Rollenspiel mit dem Kläger ausgeführt, wie er es schon während der Chandler Ermittlungen tat. Er sagte dem Kläger: „Sie erfinden diese ganzen Lügen über dich und mich und sagen, dass wir diese ekelhaften sexuellen Dinge taten. Sie versuchen UNS runterzumachen, versuchen mir meine Macht und mein Geld zu nehmen und sie versuchen UNSERE Karrieren zu zerstören. Wir dürfen ihnen das nicht erlauben. Wir müssen sie zusammen bekämpfen.“ Die Geistesverfassung des Klägers war die gleiche, wie zu der Zeit, als er in Verbindung mit den Chandler Ermittlungen Ende 1993 ausgesagt hat. Der Kläger hat diese Ereignisse „abgeschottet“ und strikt von seinem restlichen Leben getrennt und hat nicht geglaubt oder verstanden, dass er sexuell missbraucht wurde. Der Kläger hat am 5. Mai 2005 in diesem Prozess ausgesagt und bestritten, dass der sexuelle Missbrauch stattfand.)

Zudem behauptet Taj Jackson, Michael Jacksons Neffe, dass Wade Robson in diesem Clip definitiv lügt, weil dieses Abendessen stattfand NACHDEM Wade Robson vor Gericht ausgesagt hat. Taj und andere Zeugen, wie z.B. die Barnes Familie, waren dort. [4]

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(„Woher weißt du das? Du warst nicht da.“ Das ist eines der Hauptargumente, das die Presse gegen mich verwendet hat, wenn ich meinen Onkel verteidige. Jemand hat mir diesen Teil der „Doku“ gesendet und ich kann euch mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen, dass Wades gesamte Familie dreist in die Kamera gelogen hat… mehr)

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(Wäre ich nicht selbst körperlich bei diesem Abendessen anwesend gewesen, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht einmal hinterfragt. Dieser Teil der Geschichte soll zeigen, was Wade die Motivation gab unter Eid zu „lügen“, um Michael Jackson zu „schützen“. Das Problem ist, dass dieses Abendessen NACH Wades Aussage vor Gericht STATTFAND… Oops… mehr)

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(Timelines sind von Bedeutung. Genauso wie die Wahrheit. Obwohl es sorgfältig schriftlich ausgearbeitet und bearbeitet wurde, sagt Chantal „Alle waren da“. Sie meint mich, Brett und seine Familie. Aber unsere Namen wurden klugerweise weggelassen, denn das hätte nicht in die Geschichte gepasst… mehr)

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(Nachdem man diesen Teil gesehen hat, kann man jetzt realisieren, dass es eine Lüge war. Und der Fakt, dass sie vor einer Kamera lügen können, dieses Ereignis und ihre Zeitleisten so frei und überzeugend verdrehen können, sagt mir alles, was ich wissen muss. Wie Dan Reed sagte… „er hatte eine Geschichte zu erzählen“. Aber die Wahrheit hat ihre eigene Geschichte.)

5) Obwohl Robson in dem Film berichtet, dass Jackson ihn 2005 vor seiner Zeugenaussage anrief, erwähnt er nicht Jacksons folgende Worte: „Sie erfinden all diese Lügen über dich und mich und behaupten, dass wir diese ekelhaften sexuellen Dinge gemacht haben.“

Möglicherweise, weil – obwohl Robson im Nachhinein dieses Gespräch als „Rollenspiel“ bzw. Gehirnwäsche beschreibt – es tatsächlich mehr nach einer Aussage eines unschuldigen Mannes klingt und nicht nach einem Gespräch zwischen Täter und Opfer. Jackson bezeichnet die Anschuldigungen als „erfunden“ und „Lügen“ und spricht von „ekelhaften sexuellen Dingen“. Nicht von Liebe oder Romantik. Nicht von etwas Schönem.

Robsons Aussage, dass er angeblich von Jackson einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, steht auch im Widerspruch zu seiner Behauptung, dass er bis 2012 glaubte, er und Jackson wären in einer Liebesbeziehung. Er selbst zitiert Jackson, der ihm sagte, diese Handlungen wären „ekelhafte sexuelle Dinge“ – 2005 war Wade Robson bereits ein erwachsener Mann, wieso läuten dann nicht sämtliche Alarmglocken, wenn er gesagt bekommt, dass mit der Sichtweise es sei „Liebe“ irgendetwas nicht stimmt.

6) Im Film wird erzählt, dass beide Männer Jackson so lange geschützt hätten, weil sie von ihm durch Gehirnwäsche manipuliert wurden; indem er ihnen immer wieder gesagt habe, dass sie und er in einer „Liebesbeziehung“ seien. In ihrer gerichtlichen Klage findet man jedoch noch weitere Darstellungen, die im Film ausgelassen wurden – womöglich deshalb, weil sie der Erzähl-Version der „Liebesbeziehung“ widersprechen würden.

Beispielsweise werden in Safechucks Anklageschrift immer wieder Einschüchterungsversuche und Drohungen durch Jackson erwähnt. In einer Erklärung behauptet er, dass Jackson ihn über die Jahre regelmäßig 1 bis 2 mal im Jahr angerufen habe, um ihn daran zu erinnern, den Mund zu halten oder sein „Leben wäre vorbei“.

Diese Aussagen wurde gemacht, um das Argument des angemessenen rechtshemmenden Einwands zu unterstützen. Der rechtshemmende Einwand ist eine Rechtsbestimmung, die verhindert, dass jemand vor Gericht sein Fehlverhalten ausnutzen kann. Beispielsweise bedeutet das im Fall von Verjährungsfristen, bei denen der Kläger oder Antragsteller versäumt, seine Forderung fristgerecht einzureichen, weil der Angeklagte ihn bedrohte oder unter Druck setzte, er sich auf den rechtshemmende Einwand berufen kann, und in diesem Fall die Forderung des Klägers/Antragstellers nicht abgelehnt würde, auch wenn die Verjährungsfristen schon überschritten sind.

Unter diesem Aspekt und um die Verjährungsfristen zu umgehen, musste Safechuck die angeblich über Jahre andauernde Bedrohung und Einschüchterung durch Jackson aufbauen, und gab dazu eine Erklärung ab in der er, neben der Darstellung als „Liebes“-Geschichte, auch immer und immer wieder angebliche Bedrohungen durch Jackson erwähnt, wobei diese jedoch im Detail immer vage bleiben. Er schreibt:

„Während der gesamten Zeit, in der ich [Michael Jackson] kannte, hörte er nicht auf, mich zu bedrohen und einzuschüchtern, allerdings auf eine Art, die man subtil nennen könnte, da er nicht mit physischer Gewalt drohte – jedoch waren seine Drohungen und Einschüchterungen deshalb nicht weniger effektiv. Er sagte mir immer wieder, dass mein Leben zu Ende wäre, wenn jemand herausfinden würde, was ich/wir getan haben und ich glaubte ihm. Ich hatte keinen Grund, ihm nicht zu glauben, denn er schulte mich darin, das zu glauben, und nicht an dem zu zweifeln oder zu hinterfragen, was er sagte. Und weil er Michael Jackson war – mit all seiner Macht, seinem Kultstatus, seinem Einfluss und seinem Vermögen – wusste ich, dass er dafür sorgen konnte, dass mein Leben vorbei wäre, wenn das was passiert war jemals herauskommen würde. [5]

Dazu ist anzumerken, dass es keine Berichte darüber gibt, dass Jackson ein rachsüchtiger, bedrohlicher oder gar einschüchternder Mensch war, der dafür „sorgen könnte“, dass das Leben einer Person vorbei ist, sollte diese ihm im Weg stehen. Ganz im Gegenteil, er wird eher als sehr sanftmütig beschrieben. Doch Safechuck musste von Bedrohung und Einschüchterung sprechen, um mit einem angemessenen rechtshemmenden Einwand argumentieren zu können, um so die Verjährungsfristen zu umgehen.

7) Im Film fehlen SEHR viele Informationen hinsichtlich der Gerichtsverfahren von Robson und Safechuck. Es wird nur flüchtig erwähnt, dass beide Jacksons Nachlassverwaltung (das Estate und die Firmen) auf Schadensersatz verklagen. Es wird auch nur flüchtig erwähnt, dass diese Klagen aufgrund von Formfehlern und Belanglosigkeiten abgewiesen wurden. Allerdings werden die rechtlichen Hintergründe dazu gar nicht erklärt, und auch nicht, dass die Entscheidung auch auf dem mangelnden Wahrheitsgehalt einiger Angaben beruhte.

Im Zusammenhang mit der Verjährungsfrist gibt Robson beispielsweise an, dass er vor dem 4. März 2013 nichts von der Nachlassverwaltung Jacksons wusste, was sich als offenkundige Lüge herausstellte, und das auch noch unter Eid.

Safechucks Klage kam nie über die Phase des Rechtseinwands hinaus, da er, anders als Robson – während des angeblichen Missbrauchs – niemals bei einer von Jacksons Firmen beschäftigt war. Um überhaupt gerichtlich vorgehen zu können, musste er eine sehr erfinderische Theorie über den Umstand, dass er (zusammen mit anderen Kindern) während der Bad Tour mit Jackson auf der Bühne tanzte, aufstellen und es so darstellen, als sei er in irgendeiner Art von Jacksons Firma angestellt gewesen.

Bedenkt man, dass beide angeben, es ginge ihnen nicht um Geld, ist es interessant zu sehen, was sie alles versuchen um dieses Geld vor Gericht einzuklagen, auch wenn sie dafür lügen, oder Tatsachen verdrehen müssen.

Beide behaupten in ihrer Klage, dass Jacksons Firmen, MJJ Productions and MJJ Ventures, eine der „hochentwickeltsten öffentlichen Kindermissbrauchs-Beschaffungsorganisation waren, die die Welt jemals gesehen hat“, die wissentlich und absichtlich ihren angeblichen Missbrauch „ermöglicht“ haben.

Sie inszenieren und verdrehen Geschichten, um diese Firmen für ihren angeblichen Missbrauch verklagen zu können, beispielsweise indem sie Jacksons persönliche Assistentin, Norma Staikos, als „Vermittlerin“ („Zuhälterin“) für mögliche Missbrauchsopfer Michael Jacksons bezeichnen, während sie in ihrer Klage gleichzeitig mit keinem Wort die Verantwortung ihrer Eltern in erwähnen.

Bei diesem Versuch stellen sie mehrere falsche Behauptungen auf, die versehentlich durch Wade Robsons eigene Mutter, Joy Robson, in ihrer Aussage von 2016 widerlegt werden.

Genauer wird darauf in einem separaten Artikel zu Robsons Zivil-/Gläubigerklage eingegangen. Wie bereits erwähnt, kam Safechucks Verfahren nie so weit, allerdings macht er ähnliche Angaben über Jacksons Firmen wie Robson.

8) Leaving Neverland zeichnet sich auch durch unfaire Schnitte und Verzicht von Hintergrundinformationen aus. Beispielsweise dann, wenn sich der Film mit Jacksons Gerichtsverhandlung im Jahr 2005 befasst.

Es wird ein Video eingespielt, in dem Jacksons damaliger Anwalt, Mark Geragos, bei einer Pressekonferenz spricht: „Wir werden mit aller Härte gegen Euch vorgehen, wenn ihr das Ansehen dieses Mannes beschmutzt und wir werden euch einen verheerenden Prozess machen, wie ihr ihn noch nie vorher gesehen habt.“

Das Video wurde so in den Film eingefügt, dass es aussieht, als würde Geragos die Ankläger des laufenden Gerichtsverfahrens bedrohen.

Video: https://streamable.com/2h5io

In Wirklichkeit ging es bei dieser Äußerung um 2 Männer, die Jacksons Gespräche mit seinen Anwälten in einem Flugzeug abgehört hatten, um diese Bänder anschließend an die Medien zu verkaufen.

Hier das vollständige Video im tatsächlichen Zusammenhang:

Video: https://streamable.com/3g6pf

Die vollständige Text-Version lautet wie folgt: „Wir werden mit aller Härte gegen Euch vorgehen, wenn ihr das Ansehen dieses Mannes beschmutzt oder auf irgendeine strafbare Art in seine Privatsphäre eindringt, werden wir euch einen verheerenden Prozess machen, wie ihr ihn noch nie zuvor gesehen habt.“

Wie man sehen kann, hat Regisseur Dan Reed auf betrügerische Art Teile aus der Erklärung herausgeschnitten, die auf den ursprünglichen Zusammenhang hätten hinweisen können – die fett markierten Teile.

Geragos erwägt rechtliche Schritte gegen Reed.

geragos

(Hrag: Einer, der in dem ganzen Fall um Michael Jackson ganz schlecht wegkommt ist Mark Geragos, der sich dafür entschuldigen sollte, dass er die Ankläger eingeschüchtert hat und somit andere entmutigt hat, ebenfalls zu reden.

Antwort von Mark Geragos: Diese Pressekonferenz hatte nichts mit seinen Anklägern zu tun. Sie war ausdrücklich and die 2 Männer gerichtet, die MJ abgehört hatten, dafür angeklagt und für schuldig befunden wurden und daraufhin ins Gefängnis kamen. Vielen Dank für die Warnung, denn jetzt habe ich einen Klageanspruch. #itsamovie)

Übersetzung: Marion & Sarah 

Fortsetzung folgt…..


QUELLEN:

[1] Wade Robson’s Fourth Amended Complaint – see as an attachment to Notice of Plaintiff Wade Robson’s Motion to Amend the Third Amended Complaint; Memorandum of Points and Authortities (filed on September 9, 2016)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2018/01/2016-09-09-robson-fourth-and-third-amended-complaint-motion-to-amend-third-amended-complaint.pdf

[2] Patrick Ryan – Leaving Neverland’: Michael Jackson accusers say ‘sex became safe zone’ in new interview (USA Today, February 21, 2019)
www.usatoday.com/story/life/tv/2019/02/21/michael-jackson-accusers-allege-sex-tape-women-shaming-new-interview/2912005002/

[3] James Safechuck’s Second Amended Complaint (filed on September 19, 2016)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck_v_mjj-second_amended_complaint-conformed.pdf

[4] Taj Jackson Twitter (March 6, 2019)
https://twitter.com/tajjackson3/status/1103174980982984704

[5] Supplemental Declaration of Claimant/Creditor James Safechuck in Support of Amended Petition for Order to Allow Filing of Late Claim Against Estate (filed on March 18, 2015)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck-declaration-march-18-2015.pdf

 

Safechuck spricht von sexuellem Missbrauch im ikonischen Neverland Bahnhof, der zu diesem Zeitpunkt nicht einmal existiert hat

by

original: https://themichaeljacksonallegations.com/2019/03/30/safechuck-alleges-sexual-abuse-at-a-train-station-that-did-not-even-exist-at-the-time/

In einer Szene in Leaving Neverland behauptet der Ankläger James Safechuck, Michael Jackson habe ihn in praktisch jeder Ecke Neverlands missbraucht, einschließlich frei zugänglicher und eher öffentlicher Bereiche wie dem Pool oder dem Theater. Die ganze Szene wirkte wie ein kurzer Überblick aller namhaften Bereiche Neverlands, um sie im Kopf des Betrachters mit „sexuellem Missbrauch“ zu besudeln und zu verpesten.

Wohlgemerkt, in seiner Klage porträtiert Safechuck Jackson als paranoiden Täter, der alles tat, um nicht entdeckt zu werden. Er behauptet unter anderem, dass Jackson ihn angeblich wie folgt „gedrillt“ hat [1]:

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MICHAEL JACKSON führte regelmäßig „Drills“ mit dem Kläger durch und ließ den Kläger üben, seine Kleidung ganz rasch wieder anzuziehen und leise davonzulaufen, damit ihn die Leute nicht hören.

Oder dass Jackson das Schlafzimmer, in dem James hätte schlafen sollen, in Unordnung brachte, damit die Angestellten nicht bemerkten, dass er in Jacksons Bett geschlafen hat [1].

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Wann immer der Kläger Neverland besucht hatte, schlief er in MICHAEL JACKSONs Schlafzimmer. MICHAEL JACKSON und der Kläger brachten das oben gelegene Schlafzimmer „in Unordnung“, damit es so aussah, als hätte der Kläger darin geschlafen, wenn er in Wirklichkeit mit MICHAEL JACKSON in seinem Bett war.

Laut Safechucks Behauptungen ging Jackson so weit, ihn darauf vorzubereiten und mit ihm zu üben, was die Polizei ihm in Zukunft sagen würde (obwohl es zu dieser Zeit noch keine Spur von polizeilichen Ermittlungen gegen Jackson gab) [1].

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Von 1988, als der sexuelle Missbrauch begann, bis 1992 verübte MICHAEL JACKSON kontinuierlich sexuellen Missbrauch am Kläger. MICHAEL JACKSON wies den Kläger wiederholt dazu an, es geheim zu halten und niemandem von ihrer Beziehung zu erzählen, selbst seinen Eltern. MICHAEL JACKSON sagte dem Kläger, dass er keine Fragen zu ihren Handlungen beantworten musste, dass er vage sein und keine echten Antworten auf Fragen geben sollte; und dass die Polizei, wenn sie dem Kläger jemals sagte, MICHAEL JACKSON hätte „bereits gestanden“, lügen und den Kläger auszutricksen versuchen würde. MICHAEL JACKSON wiederholte dem Kläger gegenüber wieder und wieder, dass deren Beteiligung an gemeinsamen sexuellen Handlungen die Idee des Klägers war. Das drillte er dem Kläger in ihrer gesamten Beziehung wieder und wieder ein. MICHAEL JACKSON sagte dem Kläger, dass es okay sei, andere Leute anzulügen, weil nichts passieren würde, wenn man lügt.

Jackson war laut Safechucks Klageschrift im Allgemeinen sehr vorsichtig [1]:

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Der Kläger nahm seinen besten Freund aus der Schule mehrmals nach Neverland mit. Während einer dieser Besuche hatten sie eine Pyjamaparty und spielten Spiele. MICHAEL JACKSON und der Kläger „schlichen sich davon“, um allein zu sein, wobei sexueller Missbrauch stattfand, aber sie waren immer sehr vorsichtig, um nicht erwischt zu werden. MICHAEL JACKSON und der Kläger waren immer sehr vorsichtig, wenn andere Leute anwesend waren.

Greifen wir ein Stichwort aus einer Theorie der Staatsanwaltschaft im Prozess 2005 auf: Sowohl Safechuck als auch Wade Robson betonen die Alarmglocke, die in Jacksons Zimmer installiert wurde, sehr. Die Staatsanwaltschaft und die Medien versuchten, sie als etwas Unheimliches darzustellen, aber objektiv betrachtet sprechen wir einfach über eine Glocke, die klingelt, wenn jemand unten Jacksons Zimmer betritt. Es ist vollkommen verständlich, wenn wir wissen, dass sich auf Neverland oft Dutzende oder sogar Hunderte von Leuten aufhielten und herumspazierten – Gäste, Fans und Mitarbeiter gleichermaßen. Natürlich ist die Belästigung von Kindern nicht die einzige Möglichkeit, warum ein internationaler Prominenter eine Warnung erhalten möchte, wenn jemand sein Privatquartier betritt. Wenn wir über Jacksons Schlafzimmer sprechen, handelt es sich um einen zweistöckigen Komplex, der so groß ist, wie die ganze Wohnung anderer Leute. Im Grunde war es Jacksons private Suite mit einem Familienzimmer im Erdgeschoss und einem Schlafzimmer im Obergeschoss.

Trotzdem hat die Staatsanwaltschaft 2005 eine große Sache aus der Alarmglocke gemacht (ironischerweise hat sie letztendlich dazu beigetragen, Jackson zu entlasten – hier könnt ihr lesen, wie), und nun sehen wir, dass dies sowohl in Safechucks als auch in Robsons Klage betont wird. Aus Safechucks [1]:

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MICHAEL JACKSON installierte ein Glockenspiel im Flur zu seinem Schlafzimmer, damit er hören konnte und gewarnt wurde, wenn Leute näher kamen. Später installierte MICHAEL JACKSON Videokameras.

Die Andeutung in der Klageschrift ist klar und wird im Film noch deutlicher: Sie behaupten im Wesentlichen, dass Jackson die Alarmglocke installiert habe, um erkennen zu können, wenn sich jemand näherte, während er angeblich Kinder belästigt hatte.

Angesichts dessen ist es schon seltsam, dass Safechuck in dem Film über Jackson erzählt, er habe ihn angeblich auf ganz Neverland missbraucht: im Pool (der übrigens von Kameras umgeben war), im Whirlpool, im Theater, in den Tipis im Indianerdorf, oben in der Spielhalle, im Memorabilien-Haus, im Schloss im Vergnüngungspark und in einem oberen Raum am Bahnhof. Als er alle Orte aufgelistet hat, an denen er angeblich belästigt wurde, kommentiert Safechuck im Film: „Es ist jeden Tag passiert“.

Was war der Sinn der Alarmglocke in Jacksons Zimmer und all den anderen paranoiden Vorsichtsmaßnahmen (wie etwa die angeblichen „Drills”), wenn er James dann an freie und sehr öffentliche Räumlichkeiten mitnahm, um ihn „jeden Tag” zu belästigen, wo sie jederzeit erwischt werden konnten?

Aber lassen wir diese kleine Handlungslücke vorerst hinter uns, gehen wir zum Hauptthema dieses Artikels über: Safechucks Behauptung, er sei am Bahnhof belästigt worden. Er sagt in dem Film: „Am Bahnhof gibt es ein Zimmer im Obergeschoss. Und wir hatten auch dort Sex.“

Hier ist der Clip, wo er das sagt: https://streamable.com/pfdze

Wie ihr in diesem kurzen Clip oben (mit freundlicher Genehmigung von Geraldine Blondeau) sehen könnt, gibt es ein großes Problem mit dieser Behauptung: Der Bahnhof existierte vor Ende 1993 – Anfang 1994 noch gar nicht!

Dies ist mehr als nur ein kleiner, unbedeutender Erinnerungsfehler von Safechuck. Dies sind tatsächlich die Art von Fehlern und Warnsignalen, die normalerweise Anzeichen falscher Vorwürfe sind, die im Nachhinein konstruiert wurden. Es ist nicht nur so, dass James ein Datum verwechselt hatte – das kann passieren. Aber hier spricht er gezielt von sexuellem Missbrauch im Obergeschoss eines ziemlich ikonischen Gebäudes Neverlands, das zum Zeitpunkt seines mutmaßlichen Missbrauchs nicht einmal existierte! Bedenkt außerdem, dass er behauptete, dass die Belästigung an diesen Orten regelmäßig „jeden Tag” stattfanden.

Dies ist das Gebäude, über das wir sprechen – eines der bekanntesten, ikonischsten Gebäude von Michael Jacksons Neverland Ranch.

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Es gibt Beweise dafür, dass es zu der Zeit, in der Safechuck behauptet, sein sexueller Missbrauch sei geschehen, nicht existierte.

Auf einem Foto, das im August 1993 aufgenommen wurde, ist zu sehen, dass sich an seinem späteren Standort noch nichts befindet.

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In einem Artikel vom Dezember 1993 (während der Chandler-Vorwürfe) wurde berichtet, dass der Bahnhof damals gebaut wurde.

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Und der letzte Beweis. Die Erlaubnis, mit dem Bau des Bahnhofs Neverland zu beginnen, wurde am 2. September 1993 von den Behörden genehmigt. Der Bau wurde dann 1994 abgeschlossen. (Mit freundlicher Genehmigung der vom MJJ-Repository erhaltenen Dokumente)

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Als der Bau des Gebäudes abgeschlossen war, war Safechuck 16 Jahre alt. Es gibt keinen Vorwurf, dass Jackson ihn im Alter von 16 Jahren missbraucht hatte. In Wahrheit war seine ganze Erzählung in der Klage und der Film gleichermaßen, dass Jackson das Interesse verlor und zum nächsten „Opfer” (d.h. Brett Barnes, der bestreitet, ein Opfer zu sein) überging, als er die Pubertät erreichte.

Safechucks Behauptung lautet, dass sein mutmaßlicher Missbrauch zwischen 1988 und 1992 stattgefunden habe. Hier steht es in seinen eigenen Worten aus seiner Aussage.

1988-1992

Schlussendlich erfuhr und verstand ich, dass das, was der VERSTORBENE mit mir getan hat und was er mich mit ihm machen ließ, keine „Liebe“ war, nicht meine Idee war – wie er es mir wieder und wieder erzählt hatte, um mich das glauben zu lassen – und es war nichts, das „OK“ war. Von 1988, als der sexuelle Missbrauch begann, bis 1992, als er endete, sagte mir der VERSTORBENE wiederholt, es geheim zu halten und alles abzustreiten, wenn mich jemand zu dem Missbrauch befragte. Ich wusste es nicht besser und

In Anbetracht dessen, dass Jackson im Juni 1992 auf Welttournee ging (wo er Safechuck nicht mitgenommen hat), ist das das letzte Datum, zu dem eine Behauptung über sexuellen Missbrauch in Safechucks Zeitplan passen würde.

In jedem Fall ist es praktisch unmöglich, den Bahnhof in seine Zeitschiene zu integrieren. Er wurde erst 1994 gebaut. Er wurde nach den Chandler-Vorwürfen beendet. Safechuck wurde im Februar 1994 16 Jahre alt. Es gibt keine Behauptung, dass Jackson ihn mit 16 oder zu irgendeinem Zeitpunkt nach den Chandler-Vorwürfen missbraucht habe. Tatsächlich behauptet Safechuck in dem Film, dass Jackson zu der Zeit der Chandler-Vorwürfe von 1993 „ein wenig abwesend” wurde und sich nur wegen der Chandler-Vorwürfe mit ihm in Verbindung setzte, weil er für ihn aussagen musste.

Das ist nicht nur ein kleiner, unbedeutender Fehler in Bezug auf Datumsangaben. Safechuck behauptet ausdrücklich, im Raum eines Gebäudes (eines ziemlich ikonischen Gebäudes) belästigt worden zu sein, das in der maßgeblichen Zeit überhaupt nicht existierte! Bitte beachtet auch, dass Safechuck behauptet, die Belästigung an diesen Orten seien regelmäßige Vorfälle gewesen: „Es passierte jeden Tag“.

Die Verteidiger von Safechuck versuchten, dies wegzudiskutieren, indem sie Dinge sagten, wie vielleicht wurde er an einem anderen Bahnhof auf Neverland missbraucht, aber die anderen Bahnhöfe sind keine Gebäude, sondern nur Bahnsteige. Hier sind sie:

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Die Flamingo Island Bahnstation auf Neverland

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Die Zoo Bahnstation auf Neverland

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Die anderen Bahnstationen auf Neverland

Dies ist nur ein weiteres Problem mit Safechucks Behauptungen, aber bei weitem nicht das einzige. Seine Vorwürfe wurden vor Gericht nie wie Robsons untersucht, da sein Fall im Gerichtssystem nicht einmal so weit gekommen ist (sie wurden in der Phase des Rechtseinwandes verworfen, während Robsons in die Phase der zusammenfassenden Beurteilung gelangten). Safechuck und seine Familie wurden also nie unter Eid vernommen und sie wurden niemals einer Offenlegung unterzogen. Doch selbst wenn man nur seine Klage liest und Leaving Neverland anschaut, können wir bereits einige große Probleme bei seinen Vorwürfen feststellen.

Update 1: Die Angelegenheit mit dem Bahnhof verursachte in der ersten Aprilwoche 2019 große Wellen in den Medien (zumindest in Großbritannien), und Dan Reed, der Regisseur des Films, reagierte darauf, indem er auf Twitter die Glaubwürdigkeit  James Safechucks und seines Films verteidigte. Er argumentierte, es spiele keine Rolle, ob der Bahnhof 1994 gebaut wurde, denn Safechucks Missbrauch sei auch nach dem Bau weitergegangen.

Er twitterte am 2. April:

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Was zugegeben? Safechuck war in Neverland, nachdem der Bau des Bahnhofs beendet war. Er fotografierte den Bahnhof sogar, zwei dieser Bilder haben wir im Film gezeigt. Und er sagt in der Dokumentation klar, dass der sexuelle Kontakt mit Jackson auch in seinen Teenagerjahren weiterging.

Nope. Keine 180-Grad-Wendung. James war in Neverland anwesend vor und nach dem Bau des Bahnhofs. Tatsächlich hat er von dem vollendeten Bahnhof Fotos gemacht, die wir in der Dokumentation gezeigt haben. Und sein sexueller Kontakt mit Michael dauerte bis hinein in seine Teenagerjahre. Das ist alles im Film. [3]

Dann wiederholte er dieses Argument am 4. April:

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  1. James Safechuck war sowohl vor als auch nach dem Bau des Bahnhofs in Neverland. Die beiden Fotos des Bahnhofs, die in Leaving Neverland gezeigt werden, wurden tatsächlich von James gemacht, der sehr deutlich macht, dass er von Jackson an unterschiedlichen Orten über viele Jahre missbraucht wurde.
  2. Leaving Neverland macht auch klar, dass der sexuelle Kontakt zwischen James und Michael Jackson weiterging, bis James Safechuck ein Teenager war. Der Bahnhof in Neverland ist nur einer von vielen Orten, an denen laut James Erinnerung sexuelle Aktivitäten stattfanden. [4]

Das Problem ist: Das ist nicht das, was Safechuck in seinem Verfahren oder in Reeds Film und nachfolgenden Interviews behauptet, was das betrifft. Wie oben dargelegt: In den Gerichtsakten gibt er an, dass sein Missbrauch im Jahr 1992 aufgehört hat. In einem BBC-Interview Ende Februar 2019 sagte er auch, dass sein angeblicher Missbrauch stattfand, als er zwischen 10 und 14 Jahren alt war.

Im Film selbst wurde diese „Sex überall in Neverland“-Szene in Zusammenhang gebracht mit den frühen Tagen seiner angeblichen „sexuell-romantischen“ Beziehung mit Jackson. „Es klingt krank, aber es ist ungefähr so, wie wenn du anfängst, jemanden zu daten, du tust es dann sehr oft.“ sagte Safechuck nachdem er seine Beschreibung der angeblichen „Sex Szenen“ beendet hat. Der Film nutzt Schwarzblenden, um jeden Zeitrahmen klar zu trennen. Das Gespräch über sexuellen Missbrauch im Bahnhof findet sich zwischen den November 87 – Januar 1990- Schwarzblenden. (Grafiken von MJJRepository zur Verfügung gestellt)

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Diese neue Behauptung, dass Safechucks angeblicher Missbrauch weiterging, nachdem der Bahnhof gebaut worden war (da war er 16 Jahre alt) widerspricht der gesamten Erzählung, die im Film präsentiert wird, wonach Jackson das sexuelle Interesse an Jungen verliert, sobald sie die Pubertät erreichen, weshalb er dann zu seinem nächsten, jüngeren Opfer übergeht. Tatsächlich hat Dan Reed selbst in einem Interview mit Queerty am 4. März behauptet: „Er mochte vorpubertäre Jungen, und er hatte Sex mit Wade und James bis zum Alter von 14 Jahren. Davon abgesehen habe ich von keinem Opfer gehört, das älter war als 14.“ [11]

Und lasst uns nicht vergessen, dass in diesem Fall die Chandler-Unterstellungen einen wichtigen Meilenstein darstellen. Safechuck hat nie (jedenfalls nicht bis jetzt) behauptet, dass er nach den Chandler-Unterstellungen belästigt wurde. Tatsächlich hat Jackson in dieser Phase nicht viel Zeit in Neverland verbrachte. Er verbrachte den größten Teil von 1994 mit Aufnahmen. Safechuck mag nach Neverland zurückgekehrt sein und fotografiert haben, nachdem der Bahnhof vollendet war, aber es ist gut möglich, dass Jackson noch nicht einmal dort war. (Es geschah sehr oft, dass Gäste und Freunde sich in Neverland aufhielten, während Jackson nicht anwesend war.) Auf jeden Fall behauptete Safechuck, dass sein Missbrauch im Jahr 1992 aufhörte.

Noch eine Bemerkung zu den Tweets von Reed: Er behauptet, dass ihm die Fotos des Bahnhofsgebäudes, die wir im Film sehen können, von Safechuck gegeben und zur Verfügung gestellt wurden. Das zeigt klar, dass Safechuck wusste, über welches Gebäude er sprach, als er angab, dass dort sexueller Missbrauch stattgefunden habe, er hat es nicht mit einem anderen Gebäude verwechselt.

Die beiden Fotos vom Bahnhof, die in Leaving Neverland gezeigt werden, während Safechuck den angeblichen Missbrauch dort beschreibt:

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In derselben Woche haben wir auch zusätzliche Informationen darüber erhalten, wie der Raum in der zweiten Etage der Bahnhof tatsächlich aussah (nachdem der Bahnhof 1994 gebaut wurde, natürlich). Es war kein Zimmer im eigentlichen Sinne, sondern mehr wie ein Zwischengeschoss. Hier ist ein Video, in dem zu sehen ist, dass es keine Tür gab, jeder hätte dort hochgehen können, und es gab noch nicht einmal eine Wand, nur eine Balustrade.

Hier kann das Video angeschaut werden (zur Verfügung gestellt von Aden Branson): https://streamable.com/l00fp

Das geht in dieselbe Richtung wie Myra Hissamis Darstellung: Sie ist die Freundin von Jacksons langjährigem Drummer Jonathan Moffett. [7]

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Myra Hissami: Abgesehen von der Tatsache, dass wir inzwischen alle wissen, dass er über den Raum im Bahnhof lügt, ist dieser Raum SO leicht zugänglich, dass jeder einfach dort hochgehen kann (ich bin in dem Zimmer eine Million Male gewesen!)!! Michael Jackson ist nicht dumm!

Mike Smallcombe: Ich frage mich, was die Zuschauer von Safechucks Gebaren in diesem Clip gehalten hätten, wenn sie von den Beweisen gewusst hätten, die seine Behauptung widerlegen, er sei von Michael Jackson in Neverlands Bahnhof missbraucht worden.

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Myra Hissami: Der Raum, über den Safechuck gesprochen hat, war wie ein Loft. Eine Wendeltreppe führt hoch in den Raum. KEINE Türen, Alarmsysteme oder Betten. Du gehst einfach dort hinein und chillst. Ich habe dort oft abgehangen, nachdem ich mir im Erdgeschoss eine Tasche mit Süßigkeiten vollgeladen hatte. Es ist ein sehr offener Bereich. #Michael Jackson

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Antwort an @mhissami: Warst du dort?

Myra Hissami: Ja, sehr oft mit meinen Freunden! So viele Mitarbeiter liefen genau in diesem Bereich herum, und es gibt so viele Fenster in dem Bahnhof, dass jeder einen Blick hineinwerfen oder hineingehen konnte, um zu hören oder zu sehen, was oben gerade passierte.

Jackson hätte geradezu darum gebettelt, erwischt zu werden, wenn er jemanden dort sexuell missbraucht hätte. Das widerspricht vor allem dem vorsichtigen, paranoiden Jackson, den Safechuck in seiner Anklage beschreibt.

Natürlich spielt das nur dann eine Rolle, wenn jemand wirklich wünscht, auf Dan Reeds Erklärung zu bestehen, dass Jackson Safechuck belästigt hat, nachdem der Bahnhof gebaut wurde. Das Hauptproblem bleibt, dass es das Bahnhofsgebäude noch nicht gab während der Zeit, in der Safechuck behauptet, dass Jackson ihn missbraucht habe.

Update 2: In der zweiten Aprilwoche 2019 machten die britischen Regenbogenblätter The Daily Mirror und The Sun einen verzweifelten und schwachen Versuch, den Bahnhof-Beweis zu widerlegen (und das in wahrer Copy&Paste-Journalismus-Manier, NME). Sie behaupteten, dass sie “bombenfeste Beweise” dafür erhalten hätten, dass Safechuck die Wahrheit darüber gesagt hatte, im Bahnhof missbraucht worden zu sein.

Diese „bombenfesten Beweise“ bestanden aus Zitaten aus zwei Büchern, die angeblich „nachweisen“, dass der Bahnhof bereits im Jahr 1990 existierte.

Das eine Buch trägt den Titel „Remember the time – Protecting Michael Jackson in His Final Days“. [dt. Titel: Remember the Time: Die Bodyguards von Michael Jackson erzählen, warum der King of Pop wirklich starb; Anm.d.Übers.]  Es wurde 2014 von zwei von Jacksons Bodyguards veröffentlicht, Bill Whitfield und Javon Beard. Die Passage, die die Regenbogenpresse als ihren „Beweis“ verwendete, scheint tatsächlich im Kontext nicht die Behauptung zu unterstützen, der Bahnhof sei bereits im Jahr 1990 da gewesen, aber lasst uns sehen [8]:

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Im Jahr 1990 öffnete Michael Jackson zum ersten Mal die Tore seiner Neverland Valley Ranch für die Öffentlichkeit. Benannt nach der fantastischen Insel in J. M. Barries Klassiker Peter Pan – Der Ort, an dem Kinder niemals erwachsen werden –  schmiegte  sich das über 1000 Hektar große Anwesen tief in die Santa Ynez Berge, über hundert Meilen nördlich von Los Angeles.

Das neue Zuhause stellte eine enorme Verbesserung dar für den damals einunddreißig Jahre alten Sänger, der seine frühen Jahre in einem winzigen Häuschen mit zwei Schlafzimmern in Gary, Indiana verbracht hatte.

Sogar auf dem Höhepunkt seines Erfolges in den Achtzigern hatte Jackson weiterhin mit seinen Eltern in Hayvenhurst gelebt, dem Jackson Anwesen in Encino, Kalifornien. Endlich bereit, zuhause auszuziehen, kaufte Jackson Neverland, damals Sycamore Valley Ranch genannt, für 17 Millionen Dollar im März 1988.

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Er brauchte weitere zwei Jahre und zusätzliche 55 Millionen Dollar, es nach seinen Vorstellungen in einen spektakulären Spielplatz und eine Sehenswürdigkeit zu verwandeln.

Neverlands Besucher betraten die Ranch durch den Bahnhof, wo man in einen Dampflok-betriebenen Zug einstieg, der sie hoch zum Haupthaus brachte. Das Haus selbst, eine große Villa im Tudor-Stil, lag an einem mehrere Hektar großen See mit einem künstlichen Wasserfall. Versteckte Lautsprecher, die als Felsen getarnt waren, waren strategisch überall in den Gärten verteilt, um den ganzen Tag lang Musik zu spielen. Bronzestatuen von spielenden Kindern und lebensgroße Puppen von Peter Pan und Tinker Bell und anderen klassischen Figuren aus Kindergeschichten bevölkerten das Gelände. Neverland hatte seinen eigenen Vergnügungspark, vollständig mit einem Riesenrad, einem Autoskooter und einer Achterbahn ausgestattet; es hatte sein eigenes Kino mit vielen Reihen samtbezogener Plüschsitze und einem vollausgestatteten Stand mit Erfrischungen und Süßigkeiten. Es hatte sogar einen eigenen Zoo, der Giraffen, Löwen und Zebras zeigte. Mit einem Stab von über sechzig Mitarbeitern hat die Bewirtschaftung des Anwesens Berichten zufolge über vier Millionen Dollar im Jahr gekostet.

In den Absätzen, bevor der Bahnhof erwähnt wird, geht es um Neverlands Eröffnung im Jahr 1990, aber in dem Absatz, in dem der Bahnhof erwähnt wird, scheint es sich um eine allgemeine Beschreibung Neverlands zu handeln.

Auf jeden Fall wurde dieses Buch von zwei Bodyguards geschrieben, die in den frühen 90er Jahren nicht in Jacksons Leben und nicht in Neverland waren. Dasselbe kann man über ihren Ghostwriter Tanner Colby sagen, der höchstwahrscheinlich diese Passage geschrieben hat.

In der Einführung desselben Buches können wir lesen, dass Whitfield und Beard in seinen letzten Jahren für Jackson gearbeitet haben, von Dezember 2006 bis zu seinem Tod im Juni 2009. [8]

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Einführung

Sie würden dies nicht lesen, wenn Michael Jackson noch leben würde.

Für mehr als zweieinhalb Jahre, von Dezember 2006 bis zu seinem Tod im Juni 2009, waren wir als Personenschutz-Team für Michael Jackson beschäftigt, der berühmteste und erfolgreichste Entertainer der Geschichte. Über längere Zeit waren wir die einzigen Türhüter zwischen seiner Familie und der Außenwelt, und wir haben eine Geschichte zu erzählen.

2006 zog Jackson aus Neverland aus. Whitfield und Beard arbeiteten nie in Neverland, schon gar nicht in der entscheidenden Zeit in den frühen Neunzigern, und wissen nicht aus erster Hand, was dort in den frühen Jahren existierte. Ihr Ghostwriter hat möglicherweise sekundäre Quellen genutzt, um Neverland zu beschreiben, und diese Beschreibungen stammten möglicherweise aus späteren Jahren.

Einen Tag später hat Whitfield tatsächlich auf Twitter bestätigt, dass er keine Kenntnis darüber hat, wie Neverland in den frühen Neunzigern aussah und dass es ihm nicht gefiel, wie die Medien ihr Buch missinterpretierten. [10]

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Bill Whitfield: Wenn man mein Buch gelesen hat, weiß man, dass ich Mr. Jackson nicht vor dem 22. Dezember 2006 getroffen habe, wie kann ich demzufolge etwas über einen Bahnhof sagen, der gebaut wurde? Es gibt die offizielle Genehmigung, der man entnehmen kann, wann der Bahnhof gebaut wurde, warum diskutieren wir also überhaupt darüber.

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Bill Whitfield: Wie können Sie es wagen, mein Buch über Michael Jackson nur für Schlagzeilen falsch zu interpretieren. Ich habe im Jahr 1990 nicht für MJ gearbeitet, so dass meine Beschreibung nur feststellt, wann Neverland errichtet wurde. Genau wie die LN Dokumentation ist Ihre Ungenauigkeit und Verfälschung eine Schande. Fakten lügen nicht… The Sun schon!

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Bill Whitfield: Die Medien, die Zitate aus meinem Buch aus dem Kontext reißen, sind dieselben, die mir jede Menge Dollars angeboten haben, um Michael Jackson zu verunglimpfen. Ich weiß, wie sie arbeiten, nun wissen sie, wie ich arbeite!

Ähnliches findet man auch im Zusammenhang mit dem zweiten „bombensicheren Beweis“, den die Regenbogenpresse brachte.

Er stammt aus einem Buch mit dem Titel „Untouchable – The Strange Life and Tragic Death of Michael Jackson“ von Randall Sullivan. Es wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Die entscheidende Passage sieht wie folgt aus [9]:

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Branca warnte Jackson, dass er die 55 Millionen Dollar, die er investiert hatte, um Neverland zu „verbessern“, kaum zurückbekommen würde, wenn er das Anwesen verkaufte, aber Michael waren solcherlei Sorgen damals gleichgültig. Reporter, die während der Eröffnung 1990 nach Neverland eingeladen und dort herumgeführt wurden, begannen meistens damit, die große Merkur-Statue (römischer Gott des Handels) zu betrachten, die in der Auffahrt vor der Villa stand, dann kletterten sie einen Hügel hoch, der zu einer Nachbildung des Hauptbahnhofs in Disneyland führte, mit einer Blumenuhr, die kaum weniger prunkvoll war als die von Walt Disney für seinen Park entworfene.

Sullivan war nie in Neverland, schon gar nicht in der entscheidenden Zeitperiode in den frühen Neunzigern. Er bedient sich ebenfalls sekundärer Quellen und oft seiner eigenen Fantasie. Sein Buch ist nachlässig und voller falscher, nicht akkurater Informationen – es ist nur eines von vielen.

Schauen wir uns die Quellenangaben für Kapitel 6 am Ende des Buches an (wo sich der Bahnhofs Verweis befindet), dann stellen wir tatsächlich fest, dass er für die Beschreibung von Neverland ein Video des Santa Barbara County Sheriff‘s Department benutzt hat. Das Video wurde 2003 während der Razzia in Neverland gemacht.

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Es ist offensichtlich, dass Belege wie die Baugenehmigung für den Bahnhof (genehmigt im September 1993), ein Zeitungsartikel von 1993 (der den Bahnhof zeigt, während er im Dezember 1993 gebaut wird), Bild-Archive (die zeigen, dass am Platz des Bahnhofs vor September 1993 gar nichts war) wichtige Beweise sind, die vor Gericht anerkannt werden würden, im Gegensatz zu Auszügen aus zwei Büchern, die von Leuten geschrieben wurden, die in der entscheidenden Zeit nie in Neverland waren und die einfach (falsche) Vermutungen darüber anstellen, wie Neverland ausgesehen haben mag.

Darüber hinaus hat Allan Scanlan, der von 1990 bis 2005 in Neverland als Leiter des Instandhaltungs-Teams gearbeitet hat, ebenfalls bestätigt, dass der Bahnhof 1993 gebaut wurde.

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Allan Scanlan: Ich bin ziemlich sicher, dass der Bau Mitte 93 abgeschlossen wurde, und der Dampfzug später in diesem Jahr auftauchte. Bin nicht sicher, ob es Uriquedez Construction noch gibt, aber sie haben ihn gebaut und vielleicht würden sie das genaue Datum nennen können.

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Allan Scanlan, Hallo Sir. Ist der Hauptbahnhof der einzige Bahnhof mit einer zweiten Etage?

Allan Scanlan: Ja

Allan Scanlan: Tatsächlich gibt es nur einen Bahnhof, und das ist ein zweistöckiges Gebäude. Es gibt einige Haltestellen mit einer Überdachung und ein paar Bänken.

Ein anderes Argument, das die Presse versucht, für Safechuck anzubringen, ist, dass er möglicherweise den Bahnhof mit einem anderen Gebäude verwechselt hat wie das Lagerhaus für die Züge (das, nebenbei, keine zweite Etage hat). Wir haben dieses Argument oben bereits angesprochen: Dan Reed sagt, dass Safechuck die Fotos vom Bahnhof zur Verfügung gestellt hat, die im Film gezeigt werden. Das bedeutet, dass Safechuck genau wusste, über welches Gebäude er sprach und es nicht mit irgendeinem anderen Gebäude verwechselt hat.

Übersetzung: Sabine & Doris

Quellen:

[1] James Safechuck’s Second Amended Complaint (filed on September 19, 2016)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck_v_mjj-second_amended_complaint-conformed.pdf

[2] Supplemental Declaration of Claimant/Creditor James Safechuck in Support of Amended Petition for Order to Allow Filing of Late Claim Against Estate (filed on March 18, 2015)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck-declaration-march-18-2015.pdf

[3] Dan Reed’s Twitter account (April 2, 2019)
https://twitter.com/danreed1000/status/1113205222355210240
https://twitter.com/danreed1000/status/1113209463148810241
[4] Dan Reed’s Twitter account (April 4, 2019)
https://twitter.com/danreed1000/status/1113725996354682880
https://twitter.com/danreed1000/status/1113726262604980224
[5] Claimant/Creditor James Safechuck’s Opposition to Demurrer of the Executors of the Estate of Michael Jackson to Claimant’s Petition for Order to Allow Filing of Late Claim Against Estate (filed on December 3, 2014)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck-jackson-court-docs-dec-5-2014.pdf
[6] Michael Jackson ‘abused us hundreds of times’ (BBC.com, February 28, 2019)
https://www.bbc.com/news/entertainment-arts-47403951
[7] Myra Hissami’s Twitter (April 4-5, 2019)
https://twitter.com/mhissami/status/1114182836594982912
https://twitter.com/mhissami/status/1114184150364246016
https://twitter.com/mhissami/status/1113920834265989120
[8] Bill Whitfield, Javon Beard, Tanner Colby – Remember the Time – Protecting Michael Jackson in His Final Days” (2014)
[9] Randall Sullivan – Untouchable: The Strange Life and Tragic Death of Michael Jackson (2012)
[10] Bill Whitfield’s Twitter (April 10, 2019)
https://twitter.com/MJBODYGUARDS/status/1115854500160516096
https://twitter.com/MJBODYGUARDS/status/1115876629329395712
https://twitter.com/MJBODYGUARDS/status/1115847568360128513
[11] ‘Leaving Neverland’ director Dan Reed documents Michael Jackson’s history of sex abuse (March 4, 2019)
https://www.queerty.com/leaving-neverland-director-dan-reed-documents-michael-jacksons-history-sex-abuse-20190304

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Kurz nach Bekannt werden dieser “Unstimmigkeit” meldete sich Dan Reed, Regisseur von Leaving Neverland via Twitter zu Wort:

Reed Tweet

“Ja, es scheint keinen Zweifel an dem Bahnhofs-Datum zu geben. Das Datum, dass sie falsch haben, ist das vom Ende des Missbrauchs.”

Das widerspricht allerdings sowohl den Angaben in Leaving Neverland, als auch der Klageschrift von Safechuck (die er unter Strafe bei Meineid eingereicht hat).

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Weiterführende Informationen zu „Leaving Neverland“:

Joe Vogel: Was Sie über die neue Michael Jackson Dokumentation wissen sollten

Fakten kompakt: die Beweise gegen Jacksons Ankläger, die die Medien verschweigen.

Wann hat James Safechuck realisiert, dass er ein angebliches Missbrauchsopfer ist?

Die Wade Robson Unterstellungen (Zusammenfassung)

Die entlarvten Lügengeschichten in Wade Robsons Klageschrift

Langjährige Weggefährten Michael Jacksons äußern sich zu “Leaving Neverland”

Michael Jackson ist nicht euer #MeToo Minstrel

Leaving Neverland Transcript – LIES and DISTORTION (englisch) (0:00 – 0:30) (0:30 – 1:00)

Michael Jackson und Wade Robson: Die wahre Geschichte – Auch mit deutschen Untertiteln:

Häufig gestellte Fragen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson:

Warum hat Jackson einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen, wenn er unschuldig war?

Was hat es damit auf sich, dass Jackson sein Schlafzimmer mit nicht verwandten Kindern geteilt hat?

Übersicht aller Artikel auf all4michael, die sich mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson beschäftigen:

Die Unterstellungen von 1993, 2003 und 2013 + „The Veritas Project“

Wann hat James Safechuck realisiert, dass er ein angebliches Missbrauchsopfer ist?

by

original: https://themichaeljacksonallegations.com/2019/03/18/when-did-james-safechuck-realize-that-he-is-allegedly-an-abuse-victim/

In Leaving Neverland hören wir, wie James Safechucks Mutter Stephanie verkündet, sie habe vor Freude getanzt, als Michael Jackson 2009 gestorben ist, weil es ihm nicht mehr möglich gewesen sei, weiteren Kindern zu schaden.

Aber warum reagierte Stephanie Safechuck auf diese Art und Weise, wenn ihr Sohn seine Anschuldigungen erst 2013 vorbrachte?

Regisseur Dan Reed sagt, dass die Antwort einfach ist – sie ist in seinem Film:

„Es gibt da diese Sache von wegen „Oh, naja, wieso wusste Stephanie von dem Missbrauch, wieso tanzte sie, als Michael Jackson gestorben ist, wenn James ihr 2013 von dem Missbrauch erzählt hat?“ Nun, das ist nicht der Fall. James erzählte seiner Mutter 2005 von dem Missbrauch und das wird in dem Film deutlich. Er sagte ihr 2005 „Michael missbrauchte mich“. Wenn man den Film mit offenen Augen und Ohren gesehen hat, ist das unglaublich offensichtlich und klar. Das ist das bizarre; sie scheinen den Film gar nicht gesehen zu haben. Vieles von dem, was sie sagen, basiert auf dem Brief vom Anwalt des Jackson Estates, den er schrieb, bevor er den Film gesehen hat. Es ist also kein Zwiegespräch zwischen den Jackson Truthern und meiner Dokumentation, es ist ein innerer Dialog innerhalb der Gemeinschaft der Jackson Truther, die sich gegenseitig irgendwie überzeugen, dass „wir [ihn/sie] erwischt haben!“, wenn sich in Wahrheit nichts davon auf meine Dokumentation bezieht. Es ist, als würden die Leute innerhalb eines Art Kult-Tempels schreien und niemand von ihnen hat jemals nach draußen geschaut.“ [1]

Das Problem ist nicht, dass wir den Film nicht gesehen haben (das haben wir!), das Problem ist, dass Dan Reed anscheinend nicht die Gerichtsdokumente seiner Protagonisten gelesen hat. Denn wenn man die Gerichtsdokumente liest, tauchen viele weitere verwirrende Zeitschienen auf.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf den Film. In Wirklichkeit wird in dem Film nicht behauptet, dass James seiner Mutter 2005 erzählt hat, dass er missbraucht wurde, im Gegensatz zu dem, was Reed oben sagt. (Vielleicht ist er es, der seinen eigenen Film nicht gesehen hat?) Es wird behauptet, dass James seiner Mutter gesagt hat, dass Michael „kein guter Mann war“ (laut James) / „ein böser Mann“ war (laut Stephanie). Das ist es, was James auch in seiner Aussage behauptet [2]:

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… ich entschied, zum Haus meiner Eltern zu fahren. Als ich dort ankam, hatte ich eine kurze Unterhaltung mit meiner Mutter. Ich sagte ihr sinngemäß, dass „er keine gute Person ist“ und dass der VERSTORBENE ein „böser Mann“ ist. Ich sagte ihr sinngemäß, dass „etwas passiert ist“ und mehr nicht. Ich drückte nichts konkret in Worten aus – ich konnte nicht – selbst bei meiner eigenen Mutter wirkte der Drill des VERSTORBENEN, zu niemandem irgendetwas zu sagen und alles zu bestreiten, wenn ich gefragt werde. Dann bettelte ich sie an, nichts zu sagen, oder mein Leben wäre vorbei. Ich glaubte das. Der VERSTORBENE hat mir das eingedrillt, seit ich ein Kind war. Die gesamte Unterhaltung mit meiner Mutter, die gar keine richtige „Unterhaltung“ war, da nur ich gesprochen hatte, dauerte nur wenige Minuten. Dann verließ ich das Haus. Meinem Vater erzählte ich nichts davon.

(Nebenbei, hier behauptet James, dass die „Unterhaltung“ nur daraus bestand, dass er das Wort an seine Mutter gerichtet hatte, während Stephanie im Film behauptet, sie hätte ihn gefragt, ob er Hilfe haben wollte.)

Also laut dieser Schilderung erzählte James seiner Mutter 2005, dass Jackson ein „böser Mann“ gewesen ist und dass „etwas passiert ist“ – aber er sagte nicht konkret, dass er missbraucht wurde. Offenbar gab es darüber in den nächsten Monaten oder Jahren keine weiteren Gespräche mehr zwischen James und Stephanie, um zu klären, was damit wirklich gemeint war oder ob James Anschuldigungen über sexuellen Missbrauch gemacht hatte. Die Behauptung ist anscheinend, dass Stephanie aufgrund dieser vagen Bemerkungen wusste, was gemeint war und darauf basierend tanzte sie, als Michael Jackson gestorben ist. Das scheint ohne konkrete Missbrauchs-Kenntnisse eine etwas übertriebene Reaktion zu sein, besonders von der Frau, die auf der anderen Seite im Film gelacht hat, als sie Hotelzimmersituationen beschrieben hat, in denen ihr Sohn belästigt worden sein könnte.

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In einer von James’ Gerichtsakten wird allerdings behauptet, dass James seiner Mutter 2005 tatsächlich erzählt hat, dass er missbraucht wurde und wie ihr gesehen habt, ist es das, was auch Dan Reed in dem obigen Interview behauptet [3].

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Ein paar Tage nach diesem Telefonat rief MICHAEL JACKSON die Mutter des Klägers an, um zu versuchen, sie dazu zu bringen, den Kläger zu überzeugen, beim Prozess zu seinen Gunsten auszusagen. MICHAEL JACKSON wollte auch, dass beide Elternteile des Klägers zu seinen Gunsten aussagen. Ein bis zwei Tage vor MICHAEL JACKSONs Anruf an seine Mutter erzählte der Kläger seiner Mutter von dem Anruf, den er von MICHAEL JACKSON erhalten hatte und dass er ablehnte, beim Prozess auszusagen. Der Kläger sprach mit ihr über den Anruf und erzählte seiner Mutter, dass MICHAEL JACKSON ein „böser Mann“ war, aber es war ihm nicht möglich, ihr irgendwelche Details zu erzählen, mit Ausnahme der kurzen Begründung, dass er missbraucht wurde. Der Kläger sagte seiner Mutter, sie dürfe MICHAEL JACKSON nicht wissen lassen, dass sie es herausgefunden hatte. Der Kläger geriet in Panik, dass MICHAEL JACKSON herausfinden würde, dass er seiner Mutter davon erzählt hatte. Als MICHAEL JACKSON die Mutter des Klägers anrief, gab sie vor, nicht über den vorherigen Drohanruf an ihren Sohn oder den Missbrauch informiert zu sein.

Doch ganz egal, ob behauptet wird, dass James seiner Mutter 2005 geradewegs erzählt hat, dass er missbraucht wurde oder dass er es nur angedeutet hat, es widerspricht in jedem Fall einer weiteren Schilderung Safechucks.

Bei Oprah Winfreys After Neverland Special wurde Safechuck die Frage gestellt, wann er das erste Mal realisiert hat, dass er angeblich missbraucht wurde.

Winfrey: Also wann haben Sie realisiert, dass es Missbrauch war? Sie alle gebrauchen das Wort jetzt als erwachsene Männer ungehindert, aber wann haben Sie begonnen, es als Missbrauch wahrzunehmen?

Safechuck: Nicht bis Wade sich [2013] geoutet hat. Ich habe wirklich gelitten, ich konnte nachts nicht schlafen, ich schlief zwei Stunden und wachte auf und mein Körper pulsierte und ich war die ganze Nacht auf und ich hasste mich selbst und wusste nicht warum. Es ist wie „Warum hasse ich mich selbst?“ Dieses intensive Gefühl des Hasses – und man versteht es nicht. Und dann, als ich Wades Outing gesehen habe, denkt man sich „Okay, vielleicht gibt es einen Grund dafür.“ Und wenn es einen Grund dafür gibt, kann ich jetzt herausfinden, was man dagegen macht. Aber man denkt nicht, dass es Missbrauch ist.“ [4]

Es gibt mehr. In Safechucks Nachlassgerichtsdokumenten wird auch behauptet, dass Safechuck nicht realisiert hat, dass er missbraucht wurde, bis er Robson im Fernsehen sah und 2013 in Therapie ging. [5]

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Wie in der Klageschrift dargelegt, manipulierte Jackson Safechuck dahingehend, dass er von jungen Jahren an glaubte, niemand würde ihre Beziehung verstehen. Genau wie in Doe v. Bakersfield war es Safechuck erst mit Hilfe eines Therapeuten möglich zu realisieren, dass seine Symptome und sein Zusammenbruch von sexuellem Kindesmissbrauch und der Beziehung, die diesen umgab, herrührten, wodurch er schlussendlich in der Lage war zu realisieren, dass er ein Opfer sexuellem Kindesmissbrauchs war. (Klageschrift, 24:19-26) Die immer noch frische Realisierung, dass er ein Opfer von Jacksons sexuellem Missbrauch war erklärt auch, warum Safechuck psychologisch nicht im Stande war, seinen Antrag einzureichen bis er es tat. (Klageschrift, 17:2-18:15) Es war erst nachdem er eine regelmäßige Therapie begonnen hat, dass Safechuck schlussendlich fähig war, dem ins Auge zu sehen, was passiert ist und den langen Prozess des Heilens zu beginnen. (Klageschrift, 18:12-3)

Der obige Abschnitt zeigt auch, warum Safechuck diese Behauptung, dass er bis kurz vor der Einreichung seiner Klage nicht realisiert hatte, dass er angeblich missbraucht worden war, rechtlich geltend machen musste: Um Verjährungsfristen umgehen zu können, musste er zeigen, dass seine Erkenntnis des Missbrauchs immer noch frisch war und deshalb konnte er die Klage nicht früher einreichen als er es getan hat.

In dieser Klageschrift hat Safechuck versucht, einen rechtshemmenden Einwand vorzulegen. Ein rechtshemmender Einwand ist eine juristische Doktrin, die verhindert, dass sich jemand seine Vergehen vor Gericht zu Nutze macht. Wenn ein Kläger die vier Elemente des rechtshemmenden Einwandes nachweisen kann, kann er die Verjährungsfristen umgehen [5].

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Obwohl es in der Klageschrift nicht konkret behauptet wird, erfüllt Jacksons psychologische Manipulation von Safechuck ohne Weiteres die vier Elemente des rechtshemmenden Einwandes, welche sind: (1) die Partei, die gehemmt werden soll, muss die Fakten kennen; (2) die gehemmte Partei muss beabsichtigen, dass aufgrund ihres Verhaltens gehandelt wird, oder muss sich so verhalten, dass die andere Partei glaubt, dass das die Absicht war; (3) die Partei, die den rechtshemmenden Einwand geltend macht, muss sich der wirklichen Fakten nicht bewusst sein und (4) sie muss sich zum eigenen Nachteil auf das Verhalten der anderen Partei verlassen. Wie in Safechucks Klageschrift dargelegt, wusste Jackson offensichtlich, dass er sexuelle Vergehen mit Safechuck beging. Dann, in dem er Safechuck davon überzeugte, über das Wesen ihrer Beziehung zu lügen und Safechuck zu dem Glauben verleitete, dass er ein bereitwilliger Beteiligter in ihren sexuellen Handlungen war (und dass es eigentlich Safechucks Idee war), legte Jackson ein Verhalten an den Tag, durch welches er Safechuck veranlasste entsprechend zu handeln; Safechuck war sich der gesetzeswidrigen, nicht einvernehmlichen Natur dieser Handlungen und dem Schaden, den sie ausgelöst haben nicht bewusst, bis er als Erwachsener in Therapie ging; und zuletzt vertraute Safechuck zu seinem Nachteil auf Jacksons Gebaren, in dem er damit fortfuhr zu bestreiten, dass er ein Missbrauchsopfer war, bis die Verjährungsfrist abgelaufen war. (Siehe Klageschrift, 10:9-13:10, 17:18-15)

Wie man sehen kann, musste Safechuck, um das dritte Element des rechtshemmenden Einwandes zu erfüllen, eine frische Realisierung des Missbrauchs konstatieren und behaupten, dass er „sich der gesetzeswidrigen, nicht einvernehmlichen Natur dieser Handlungen und dem Schaden, den sie ausgelöst haben nicht bewusst war, bis er als Erwachsener in Therapie ging“.

Wenn man den rechtlichen Hintergrund der Behauptungen dieser beiden Männer kennen lernt, wird man feststellen, dass viele ihrer Anschuldigungen sehr stark kalkuliert sind, um gewisse rechtliche Bestimmungen zu erfüllen.

Doch oft ergeben sich daraus Widersprüchlichkeiten, wie in diesem Fall. Auf der einen Seite wusste James 2005, dass er sexuell missbraucht wurde, aber dann hat er bis 2013 nicht realisiert, dass er sexuell missbraucht wurde.

In einem weiteren Interview versuchte Reed die Diskrepanz zwischen James erzählt/suggeriert seiner Mutter 2005, dass er missbraucht wurde und James realisiert bis 2013 nicht, dass er missbraucht wurde zu erklären, in dem er sagt, dass er 2005 realisiert hat, dass er missbraucht wurde, aber er hat nicht realisiert, dass seine Symptome mit dem angeblichen Missbrauch zusammenhängen.

„Eine weitere Sache zu James, der den Missbrauch bis 2013 nicht realisiert hat: was James bis 2013 nicht realisiert hat, ist, dass seine psychiatrischen Symptome mit dem Missbrauch zusammenhängen. Er wusste, dass das, was Michael ihm angetan hat, Kindesmissbrauch war – deshalb hat er seiner Mutter gesagt, dass Michael ein „böser Mann“ war. Die Fans versuchen Widersprüchlichkeiten zu finden, die es nicht wirklich gibt.“ [6]

Wie man sehen kann, behauptet Safechuck auf der einen Seite in Gerichtsdokumenten, dass er nicht realisiert hat, dass seine Symptome mit dem angeblichen Missbrauch zusammenhängen, aber er behauptet auch, dass er bis zu der kürzlich besuchten Therapie nicht realisiert hat, dass er ein Missbrauchsopfer war.

„Es war erst, als Safechuck mit Hilfe eines Therapeuten in der Lage war zu realisieren, dass seine Symptome und sein Zusammenbruch ihren Ursprung in dem sexuellen Kindesmissbrauch und der Beziehung, die diesen umgab, haben, dass es ihm letztlich möglich war, zu realisieren, dass er ein Opfer sexuellem Kindesmissbrauchs war. Die immer noch frische Erkenntnis, dass er ein Opfer von Jacksons sexuellem Missbrauch war, erklärt auch, warum Safechuck psychologisch nicht in der Lage war, seinen Antrag einzureichen bis er es tat.“

Darüber hinaus behauptet er, dass er sich der gesetzeswidrigen, nicht einvernehmlichen Natur dieser angeblichen Handlungen bis zu der kürzlich besuchten Therapie nicht bewusst war.

In seiner Aussage behauptet er auch, dass er „bis ins Erwachsenenalter“ nicht wusste, dass das, von dem er behauptet, dass es ihm passiert sei, Missbrauch und falsch war. [2]

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Ich wusste nie, dass das, was er mir angetan hat, sexueller Missbrauch war. Bis ins Erwachsenenalter verstand ich nicht, dass das, was er getan hat und was wir gemeinsam getan haben, falsch war.

Während er hier kein Datum angibt, wann er im Erwachsenenalter realisiert hat, dass es Missbrauch war, sagte er, als er von Oprah Winfrey dazu befragt wird, wann er realisiert hat, dass es Missbrauch war „Nicht, bis Wade sich geoutet hat.“

Doch selbst wenn wir Reeds Behauptung akzeptieren, dass Safechuck 2005 wusste, dass er missbraucht wurde und er nur bis 2013 nicht wusste, dass seine Symptome das Ergebnis des angeblichen Missbrauchs waren, treten sie damit nur noch mehr Probleme los. Weil was waren manche dieser Symptome?

Zum Beispiel gibt Safechuck in seiner Aussage wieder uns wieder an, dass er all die Jahre in ständiger Angst lebte, dass er „entlarvt“ werden würde und sein „Leben vorbei sein würde“, wenn irgendetwas davon ans Licht kommen würde. Er behauptete auch, dass „meine Angst vor Enttarnung schlimmer wurde, als ich realisiert habe, dass jetzt auch andere Leute zu meinem Leben gehören und ich sie mithineinziehe. Ich fing an zu sehen, wie unschuldig Kinder wirklich sind und machte mir Sorgen, dass ich pädophile Triebe haben könnte.“ [2]

Die Story ist jetzt also, dass Safechuck, obwohl er wusste, dass er missbraucht wurde, nicht wusste, dass seine Symptome wie der konstante Zustand der Angst, als Opfer sexuellem Missbrauchs „entlarvt“ zu werden oder sich darüber Sorgen zu machen, seinem Sohn gegenüber pädophile Triebe zu haben, mit seinem angeblichen Missbrauch zusammenhingen? Ist DAS jetzt die Story?

Wie viel Logik sind wir bereit für diese Ankläger über Bord zu werfen?

Quellen:

[1] Joshua Encinias – ‘Leaving Neverland’ Director Dan Reed on Refuting Michael Jackson Defenders, the Psychology of Child Sexual Abuse, and a Potential Sequel (March 17, 2019)
https://thefilmstage.com/features/leaving-neverland-director-dan-reed-on-refuting-michael-jackson-defenders-the-psychology-of-child-sexual-abuse-and-a-potential-sequel/

[2] Supplemental Declaration of Claimant/Creditor James Safechuck in Support of Amended Petition for Order to Allow Filing of Late Claim Against Estate (filed on March 18, 2015)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck-declaration-march-18-2015.pdf

[3] James Safechuck’s Second Amended Complaint (filed on September 19, 2016)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck_v_mjj-second_amended_complaint-conformed.pdf

[4] Oprah Winfrey’s After Neverland special (March 2019)

[5] Claimant/Creditor James Safechuck’s Opposition to Demurrer of the Executors of the Estate of Michael Jackson to Claimant’s Petition for Order to Allow Filing of Late Claim Against Estate (filed on December 3, 2014)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2019/02/safechuck-jackson-court-docs-dec-5-2014.pdf

[6] Marlow Stern – ‘Leaving Neverland’ Director Compares Michael Jackson Truthers to Corbynites (March 15, 2019)
https://www.thedailybeast.com/leaving-neverland-director-dan-reed-compares-michael-jackson-truthers-to-corbynites?source=articles&via=rss

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Weiterführende Informationen zu „Leaving Neverland“:

Safechuck spricht von sexuellem Missbrauch im ikonischen Neverland Bahnhof, der zu diesem Zeitpunkt nicht einmal existiert hat

Joe Vogel: Was Sie über die neue Michael Jackson Dokumentation wissen sollten

Fakten kompakt: die Beweise gegen Jacksons Ankläger, die die Medien verschweigen.

Die Wade Robson Unterstellungen (Zusammenfassung)

Die entlarvten Lügengeschichten in Wade Robsons Klageschrift

Langjährige Weggefährten Michael Jacksons äußern sich zu “Leaving Neverland”

Michael Jackson ist nicht euer #MeToo Minstrel

Leaving Neverland Transcript – LIES and DISTORTION (englisch) (0:00 – 0:30) (0:30 – 1:00)

Michael Jackson und Wade Robson: Die wahre Geschichte – Auch mit deutschen Untertiteln:

Häufig gestellte Fragen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson:

Warum hat Jackson einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen, wenn er unschuldig war?

Was hat es damit auf sich, dass Jackson sein Schlafzimmer mit nicht verwandten Kindern geteilt hat?

Übersicht aller Artikel auf all4michael, die sich mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson beschäftigen:

Die Unterstellungen von 1993, 2003 und 2013 + „The Veritas Project“

Was hat es damit auf sich, dass Jackson sein Schlafzimmer mit nicht verwandten Kindern geteilt hat?

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original: https://themichaeljacksonallegations.com/2019/03/11/what-about-jacksons-sharing-his-bedroom-with-unrelated-children/

Einige Leute stützen ihr eigenes “Schuldig”-Urteil über Michael Jackson auf seiner eigenen Aussage, es sei nichts Falsches daran, ein Bett mit nicht verwandten Kindern zu teilen. Natürlich befürworten wir dieses Verhalten nicht (es führte direkt zu den Anschuldigungen von 2005) und es war definitiv nicht die klügste Entscheidung von Jackson, sein Schlafzimmer mit nicht verwandten Kindern zu teilen. Es ist verständlich, warum sich die Menschen dadurch unwohl fühlen. Begleitet von seinem Reichtum, seinem Ruhm, seiner Naivität und seinen Exzentrizitäten machte es ihn auch zu einem angreifbaren Ziel für diese Art von Vorwürfen. Hier möchten wir Ihnen einen Kontext zu diesem Thema geben.

Die möglicherweise größte Gegenreaktion der Öffentlichkeit, die Jackson wegen dieses Themas des „Bettenteilens“ erhalten hatte, war die nach Ausstrahlung der Martin Bashir-Dokumentation von 2003, Living with Michael Jackson. In diesem Interview sprach der Star über das „Bett teilen“ mit Kindern. In der berüchtigten Szene befanden sich Jackson und sein späterer Ankläger Gavin Arvizo, die sich an der Hand hielten, während Jackson darauf bestand, dass nichts falsch daran sei, sein „Bett” mit nicht verwandten Kindern „zu teilen“. Er sagte, wenn ein Kind in seinem Bett schlafen wollte, erlaubte er es ihnen, während er in einem Schlafsack auf dem Boden schlafen würde. Er sagte auch, dass er und Kinder wie Macaulay Culkin und sein Bruder Kieran manchmal im selben Bett geschlafen hätten, aber er würde normalerweise auf dem Boden schlafen. Jackson erklärte auch, dass er Kinder niemals gebeten hatte, in sein Schlafzimmer zu kommen:

„Wir haben Gästeeinheiten, aber wenn Kinder hierher kommen, möchten sie immer bei mir bleiben, sie wollen niemals in den Gästezimmern bleiben. Und ich habe sie nie in mein Zimmer eingeladen, sie wollen einfach immer bei mir bleiben. Sie sagen: „Kann ich heute Nacht bei Dir bleiben?”, Also sage ich „Wenn es für Deine Eltern okay ist, dann kannst Du, ja.” [1] (Betonungen hinzugefügt)

Im Prozess 2005 stimmten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung darin überein, dass es zum Zeitpunkt des Interviews mit Bashir keine andere Gelegenheit gab, bei der Gavin in Jacksons Schlafzimmer schlief, als bei dieser einen Gelegenheit im Jahr 2000, bei der auch andere Personen im Raum schliefen. Im Interview mit Bashir gab Gavin außerdem zu, dass er Jackson ausdrücklich darum gebeten hatte, in sein Schlafzimmer gehen zu dürfen und dort mit seinem Bruder Star zu schlafen:

„Gavin: Es gab eine Nacht, in der ich ihn fragte, ob ich in seinem Schlafzimmer bleiben könnte. Er ließ mich im Schlafzimmer bleiben. Und ich sagte „Michael, du kannst im Bett schlafen”, und er sagte „Nein, nein, du schläfst im Bett”, und ich sagte „Nein, nein, nein, du schläfst im Bett” und dann sagte er: „Schau mal, wenn du mich liebst, wirst du im Bett schlafen”. Ich sagte „Oh Mannnn?“, also schlief ich letzten Endes im Bett. Aber es hat Spaß gemacht in dieser Nacht.

Jackson: Ich habe auf dem Boden geschlafen. War es ein Schlafsack?

Gavin: Du hast das ganze Durcheinander von Decken auf den Boden gepackt. “[1] (Betonungen hinzugefügt.)

Trotz der Empörung der Öffentlichkeit und des Medienwahns, der aufgrund dieser Szene in alle möglichen Spekulationen über Jacksons Beziehung zu Gavin mündete, kümmerten sich nur wenige darum, was Jackson eigentlich damit meinte, das „Bett“ mit Gavin zu „teilen”. Er meinte damit, Gavin und seinem Bruder Star sein Bett zu überlassen, während er auf dem Boden schlief. In dem Interview wird nie behauptet, Jackson und Gavin hätten im selben Bett geschlafen. Tatsächlich geben beide an, dass Jackson auf dem Boden geschlafen hatte, und im Prozess 2005 sagte Gavin aus, dass Jacksons Freund und persönlicher Assistent Frank Cascio in dieser Nacht auch im Zimmer geschlafen hatte, wie auch Gavins Bruder Star und Jacksons Kinder Prince und Paris. Alle Kinder schliefen in Jacksons Bett, während die beiden erwachsenen Männer, Jackson und Cascio, auf dem Boden schliefen [2]. In seinem 2011 erschienenen Buch „My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man” erinnert sich Cascio daran, dass es die Arvizo Kinder waren, die darauf bestanden hatten, dass sie in Jacksons Schlafzimmer schlafen wollten, obwohl Jackson sie nur ungern gelassen hatte.

„Gavin und Star bettelten weiter, ich sagte weiterhin nein, und dann sagte Janet [Arvizo – die Mutter der Jungen] zu Michael: „Sie wollen wirklich bei dir bleiben. Es ist okay für mich.“ Michael gab nach. Er wollte die Kinder nicht enttäuschen. Sein Herz kam ihm in die Quere, aber er war sich der Gefahr voll bewusst. Er sagte zu mir: „Frank, wenn sie in meinem Zimmer bleiben, bleibst du bei mir. Ich traue dieser Mutter nicht. Sie ist beschissen.” Ich war total dagegen, aber ich sagte: „In Ordnung. Wir tun, was wir tun müssen.“ Mich als Zeugen dort zu haben, würde Michael vor den zwielichtigen Ideen schützen, die die Arvizos möglicherweise hegten. Zumindest waren wir beide naiv genug, um das zu denken.“ [3]

Nichtsdestotrotz ist dies die Szene in der Bashir-Dokumentation, die weltweit Aufruhr und Spekulationen über die Natur von Jacksons Beziehung zu Kindern auslöste. Das Bild, das die Medien von Jackson gezeichnet hatten, war das eines Raubtiers, der Kinder mit dem Ziel in sein Schlafzimmer gelockt hatte, sie sexuell zu belästigen, während er ihre Eltern fernhielt. In Wahrheit war Jacksons zweistöckiges Schlafzimmer ein Treffpunkt für Familien, Freunde und Eltern, die dort alle bleiben durften, wie auch die Kinder.

In seinem 2005 erschienenen Buch Lost Boy schrieb Macaulay Culkins Vater Kit Culkin folgendes über diese sogenannten „Übernachtungspartys”:

„Michaels Schlafzimmer (ein riesiges Zimmer mit Alkoven und Ankleidezimmern und einem Kamin, sowie Balkontüren, die zu einem privaten Garten führen, wie auch einer Treppe, die zum gesamten Obergeschoss führt) war fast immer ein offener Platz zum Abhängen, wie es auch auf weite Bereiche des restlichen Hauses zutraf. Meine Kinder saßen wie ich auf dem Bett, um Karten oder Dame zu spielen, fernzusehen oder was auch immer, aber das machten wir so gut wie überall sonst auch. Gelegentlich schliefen sie dort ein, genauso wie sie irgendwo sonst einschliefen und das taten sie auch zu jeder Tageszeit. Obwohl sie Schlafenszeiten hatten, habe ich sie selten durchgesetzt, da sie doch auf Neverland waren, um zu spielen; und wie es meistens bei Kindern der Fall ist (wie jeder Elternteil Ihnen bestätigen wird), haben sie sich nie selbst daran gehalten, weil sie der Meinung waren, dass sie sich etwas ausruhen sollten, um am nächsten Tag wieder besser spielen zu können. Kinder machen sich keine Sorgen über „den kommenden Tag“. Deshalb musste ich sie ständig und meistens nach dem Abendessen zusammentrommeln und oft (manchmal mit einem Golfwagen) zu ihren Unterkünften tragen. Sie schliefen beim Filmschauen im Kino oder beim Spielen mit den Spielzeugeisenbahnen ein und ich erinnere mich gut daran, als einer von ihnen tatsächlich auf dem Karussell eingeschlafen war!” [4] (Betonungen hinzugefügt.)

Er schrieb auch:

„Zuallererst habe ich in meinen frühen Tagen, in denen ich Michael gekannt hatte, nie etwas gesehen oder gehört, das darauf schließen lässt, dass er ein Pädophiler ist. Ich habe mitbekommen, dass ein oder zwei Busladungen an Kindern am Nachmittag auf dem Anwesen ankommen sind, direkt in den Vergnügungspark oder das Kino gebracht wurden und dann genauso schnell wieder vom Gelände weggefahren wurden. Ich glaube sogar, dass sich in einem angrenzenden Gebäude ein ganzes Büro samt voller Belegschaft befand, die für die Planung und Durchführung dieser Besuche verantwortlich war; und ich stellte auch fest, dass keines dieser Kinder jemals aus irgendeinem Grund ins Haus gebeten wurde. Das waren alles streng geplante und gut betreute Exkursionen und die Leute, die daran teilnahmen, wurden von denen, die echte Gäste waren (wie meine eigene Familie) völlig getrennt. Und da wir gerade von Gästen sprechen: diese Liste war nicht auf Kinder beschränkt. Tatsächlich schlenderten fast überall Erwachsene, viele von ihnen aus der Regierungswelt, einschließlich (nur zum Beispiel) des ehemaligen Präsidenten und Nachbarn Ronald Reagan, zusammen mit der „Just-Say-No“-Nancy sowie dem Verteidigungsminister William Cohen und nicht wenige andere, die ich seitdem vergessen habe; keiner von ihnen hat einem das Gefühl gegeben, dass das Anwesen (Gott weiß) eine Höhle der Pädophilie war.“ [4]

Selbst June Chandler, die Mutter von Jordan Chandler, gab in ihrer Aussage aus dem Jahr 2005 zu, dass sie in Jacksons Schlafzimmer gehen und dort bleiben konnte, wann immer sie wollte:

Und warum waren Sie diese zehn Mal im Schlafzimmer?

Weil ich Jordies Mutter bin. Ich darf ins Schlafzimmer gehen.

Haben Sie Ihre Kleidung abgelegt?

Oh, das könnte sein. Ich erinnere mich nicht.

Haben Sie sich dort jemals hingesetzt, um TV oder irgendwas zu sehen?

Ja.

Wie oft haben Sie das gemacht?

Ein paar Male.

Haben Sie sich jemals Essen in Michael Jacksons Schlafzimmer bringen lassen?

Ich erinnere mich nicht. [5]

Wade Robsons Mutter Joy gab in ihrer Aussage aus dem Jahr 2005 ebenfalls an, dass sie jederzeit in Jacksons Schlafzimmer gehen durfte.

Gingen Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit in Mr. Jacksons Zimmer?

Wann immer ich wollte, ja.

Erinnern Sie sich, dass Sie tagsüber in seinem Zimmer waren?

Ja.

Erinnern Sie sich, dass Sie abends in seinem Zimmer waren?

Ja.

Erinnern Sie sich, dass Sie spät in der Nacht in Mr. Jacksons Zimmer waren?

Ja.

Hatten Sie jemals das Gefühl, dass jemand versucht hat, Sie von Mr. Jacksons Zimmer fernzuhalten?

Nein. [9]

In einem Interview, das er Larry King 2004 gab, erklärte Macaulay Culkin sehr nachdrücklich, dass ihm Jackson in all den Jahren, in denen er als Kind Zeit mit Jackson verbracht hatte, einschließlich mehrerer Übernachtungen in seinem Schlafzimmer, nie etwas Unangebrachtes angetan hatte. Er war eher wie ein großes Kind, dem es einfach Spaß machte, Videospiele zu spielen, Filme zu schauen und in den Vergnügungspark zu gehen. Laut Culkin war ein weiterer Grund, warum Jackson die Gesellschaft von Kindern genoss, der, dass sie sich nicht für seine Berühmtheit interessierten und auf normale Art und Weise mit ihm redeten. Culkin sprach auch das Thema „Bett teilen” an:

Eine andere Person, die seit seiner frühen Kindheit Zeit mit Jackson verbrachte, war Frank Cascio. In seinem Buch aus dem Jahr 2011 mit dem Titel My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man stellte Cascio fest, dass die Medien dieses Thema oft falsch dargestellt haben. Cascio schrieb in seinem Buch:

„In Bashirs Interview wurde Michael gezeigt, wie er Gavins Hand hielt und der Welt erzählte, dass Kinder in seinem Bett schliefen. Jeder, der Michael kannte, verstand die Ehrlichkeit und die unschuldige Offenheit dessen, was er zu kommunizieren versuchte. Aber Bashir war entschlossen, es in ein anderes Licht zu rücken.

Was Michael nicht zu erklären versuchte, und was Bashir nicht fragen wollte, war, dass Michaels Suite in Neverland, wie ich schon gesagt habe, ein Treffpunkt mit einem Familienzimmer im Erdgeschoss und einem Schlafzimmer im Obergeschoss war. Michael erklärte nicht, dass die Leute dort rumhingen und manchmal bleiben wollten. Er erklärte nicht, dass er Gästen immer sein Bett anbot und dann meistens auf dem Boden im Familienzimmer darunter schlief. Aber, vielleicht noch wichtiger ist, dass er nicht erklärt hat, dass die Gäste immer enge Freunde wie wir Cascios und seine erweiterte Familie waren.

Eines der größten Missverständnisse über Michael, eine Geschichte, die ihn nach der Bashir-Dokumentation jahrelang plagte, war, dass er zu jeder Zeit eine Auswahl von Kindern hatte, die in seinem Zimmer schliefen. Die Wahrheit war, dass niemals wahllos Kinder nach Neverland kamen und in Michaels Zimmer blieben. Genau wie mein Bruder Eddie und ich als wir jünger waren, taten es die Familie und Freunde, die bei Michael blieben, aus freiem Willen. Michael hat es nur erlaubt, weil seine Freunde und seine Familie gern in seiner Nähe waren.

Was Michael in Bashirs Video gesagt hat, ist wahr. „Du kannst mein Bett haben, wenn du willst. Schlafe darin. Ich schlafe auf dem Boden. Es ist deins. Gib den Gästen immer das Beste, weißt du.“ Michael zögerte nicht, die Wahrheit zu sagen, weil er nichts zu verbergen hatte. Er wusste in seinem Herzen und Verstand, dass seine Handlungen aufrichtig waren, seine Motive unverdorben und sein Gewissen rein waren. Michael sagte unschuldig und ehrlich: „Ja, ich teile mein Bett, daran ist nichts auszusetzen.“ Tatsache ist, wenn er sein Bett „teilte“, bedeutete es, dass er jedem, der darin schlafen wollte, sein Bett anbot. Es hat Zeiten gegeben, in denen wir auch oben geschlafen haben, aber er war normalerweise auf dem Boden neben seinem Bett oder er schlief unten auf dem Boden. Obwohl Bashir aus offenkundigen Gründen ständig auf dem Bett herumritt, ist es unmöglich, nicht zu verstehen, was Michael klarstellen wollte, wenn man sich das ganze, ungeschnittene Interview ansieht: Als er sagte, dass er sein Bett geteilt habe, meinte er damit, dass er sein Leben mit den Leuten teilte, die er als Familie betrachtete.

Nun, ich weiß, dass die meisten erwachsenen Männer ihre privaten Räume nicht mit Kindern teilen, und die, die dies tun, haben fast immer nichts Gutes im Sinn. Aber das war nicht meine Erfahrung mit Michael. Als eines der Kinder, die zusammen mit seinem Bruder einige solcher Übernachtungen mit Michael hatten, weiß ich besser als jeder andere, was passiert ist und was nicht passiert ist. War es normal, dass Kinder über Nacht blieben? Nein. Aber es wird auch nicht als sonderlich normal angesehen, dass ein erwachsener Mann mit Silly Strings spielt oder Wasserballschlachten führt, zumindest nicht mit der Begeisterung, die Michael bei solchen Aktivitäten zeigte. Es ist auch nicht normal, dass ein erwachsener Mann einen Vergnügungspark in seinem Garten hat. Machen diese Dinge solch einen Mann zu einem Pädophilen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antwort nein ist.

Fazit: Michaels Interesse an Jungs hatte absolut nichts mit Sex zu tun. Ich sage dies mit der unanfechtbaren Zuversicht aus eigener Erfahrung, der Zuversicht eines kleinen Jungen, der hunderte Male im selben Raum mit Michael geschlafen hat, und mit der absoluten Überzeugung eines Mannes, der Michael mit Tausenden von Kindern interagieren sah. In all den Jahren, in denen ich ihm nahe war, sah ich nichts, das irgendwelche Alarmglocken hätte läuten lassen, nicht als Kind und nicht als Erwachsener. Michael war vielleicht exzentrisch, aber das machte ihn nicht zu einem Verbrecher.

Das Problem war jedoch, dass diese Sichtweise nicht in der Dokumentation dargestellt wurde. Leute, die ihn nicht kannten und Michael beim Reden zuhörten, waren von dem, was er sagte, beunruhigt, nicht nur, weil seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen wurden, sondern auch, weil Bashir, der Sprecher, ihnen gesagt hatte, dass sie beunruhigt SEIN SOLLTEN. Der Journalist hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Michaels Aussagen ihn sehr unbehaglich fühlen ließen. Michael war sicherlich auch ohne die Machenschaften eines gewinnsüchtigen Schlagzeilenjägers eigentümlich genug, aber es besteht kein Zweifel, dass Bashir die Zuschauer für seine eigenen Zwecke manipuliert hat. Seine Fragen waren suggestiv, der Schnitt irreführend. Als ich die Sendung sah, schien es mir, als sei es die ganze Zeit über Bashirs Plan gewesen, Michael auf jede nur erdenkliche Art und Weise bloßzustellen, um die bestmöglichen Einschaltquoten für seine Show zu erzielen. “[3]

Es ist auch eine Verdrehung der Tatsachen, dass nur Jungen in Jacksons Zimmer geschlafen haben. Mädchen taten das auch. Zum Beispiel:

Nicole Richie, Tochter von Lionel Richie

„Vor allem Nicole unterstützte Jackson gegen die Vorwürfe des unangemessenen sexuellen Verhaltens Kindern gegenüber. Zu diesem Zweck erzählte sie von ihren eigenen Tollereien, die sie als Kind auf Jacksons Neverland Ranch erlebt hatte und bei denen sie oft in Jacksons Schlafzimmer schlief. „Weißt du, viele von uns haben alle im selben Raum geschlafen“, sagte sie. „Es war einfach nur… ein Erwachsener, der irgendwie wieder ein Kind sein möchte. Er hatte einfach nur Spaß an der Gesellschaft von Kindern. Ich bin mit ihm aufgewachsen. Ich habe viele Abende dort verbracht und viele Tage.” Sie stellte fest, dass sie „nur für mich selbst sprechen konnte”, und fügte dennoch hinzu: „Es ist absolut nichts passiert.”

Nicole sagte auch, dass sie ihren Mund nicht gehalten hätte, wenn Jackson etwas mit ihr versucht hätte. „Ich bin keine ruhige Person”, sagte sie. „Wenn etwas passiert wäre, würde ich sagen „wer bist du?”… und ich würde es meinen Eltern sagen. Aber meine Eltern würden mich niemals in Hände geben, die sie für gefährlich hielten. Ich hatte nie irgendwelchen Kummer, und ich liebe ihn.“ [6]

Lottie Roses Tochter. Lottie Rose war von 1981 bis 1994 Michael Jacksons Friseurin.

Lottie Rose: Er erlaubte mir, meine Tochter mitzubringen. Sie blieb über Nacht und schlief in Michaels Bett. Ich arbeitete an ihm. Ich blieb auf Neverland, weil die Fahrt so lang war, und wir hatten unser eigenes kleines Zimmer.

Ihre Tochter: Ich traf MJ, als ich elf Jahre alt war. Zufällig war ich an einem Samstag im Friseursalon meiner Mutter, als sie einen Anruf von Bill Bray erhielt, MJs damaliger rechter Hand. Er erzählte meiner Mutter, dass MJ ihre Arbeit mochte (sie machte die Haare für die Soft Sheen Werbung), sie kontaktieren Soft Sheen und wurden an sie weiter verwiesen.

Meine Mutter hielt es für einen Witz, bis die Limousine vor dem Salon stand. Sie erzählte mir in letzter Minute von MJ… Ich konnte es nicht glauben und wurde verrückt, während Bill die Limousine hinter dem Salon parkte. Lassen Sie mich Ihnen sagen… es war die beste Nacht, die ein 11-jähriger je hatte.

Ein wirklich netter Kerl, sehr freundlich und das Beste war, dass ich praktisch MJs ganze Aufmerksamkeit für mich hatte.

Er war überhaupt nicht schüchtern. Eigentlich war ich sehr schüchtern und hatte zuerst Angst, ihn zu treffen, weil er MJ war. Er war jedoch sehr freundlich und half mir, aufzutauen.

MJ und ich sprachen meistens über mich und meine Freunde, was wir zum Spaß gemacht haben, wohin wir gerne gingen, wie es war, in das Einkaufszentrum zu gehen, Lieblingsgeschäfte, Vergnügungsparks, Lieblingsfahrgeschäfte, zum Strand gehen, Filme und mehr … Er rief mich auch hin uns wieder zu Hause an, um zu plaudern.

Michael machte gerne Schabernack. Er erzählte meiner Mutter, dass Muscles oder Bubbles in der Nähe waren und dann streifte er ihr Bein, damit sie glaubte, es sei eines der Tiere. Sie hüpfte herum und schrie manchmal… war wirklich sehr lustig! “[8]

Jacksons Cousine Simone Jackson sagte 2005 im Prozess aus. In ihrer Zeugenaussage ging es hauptsächlich um die Arvizo-Jungs, da sie mit ihnen rumhing, aber aus ihrer Aussage erfuhren wir, dass auch sie in Jacksons Bett geschlafen hatte.

Haben Sie jemals in Michael Jacksons Zimmer übernachtet?

Ja.

Okay. Sie alleine?

Ja.

Haben Sie jemals eine Nacht in seinem Zimmer in seinem Bett mit ihm verbracht?

Ja.

Sie alleine?

Ja.

Gut. Wie alt waren Sie, als Sie das getan haben?

Ich war ungefähr acht oder neun. [10]

Außerdem befanden sich auch Erwachsene in Jacksons Bett – ohne sexuellem Beigeschmack. William B. Van Valin, ein heterosexueller erwachsener Mann, der sich Anfang der 2000er Jahre gemeinsam mit seiner Familie mit Jackson anfreundete, schrieb in seinem Buch mit dem Titel „Private Conversations in Neverland“ darüber, ein paar Mal in Jacksons Bett gewesen zu sein:

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William van Valin

„In Michaels Zimmer gab es eine Couch mit einer King-Size-Ausziehfunktion. Sie war immer in ausgezogener Position und wurde immer wie in einem Hotel aufgedeckt. Von dort konnte man auf das größte Fernsehgerät sehen, das ich zum damaligen Zeitpunkt je gesehen habe. Wir schalteten einen Film ein, bestellten aus der Küche, worauf wir Lust hatten und schauten bis spät in die Nacht Filme. Wenn Michael einschlief, während wir einen Film sahen, drehte ich langsam die Lautstärke herunter, zog den Netzstecker aus der Steckdose (denn wenn ich die Fernbedienung benutzte, machte er ein lautes Geräusch, als er sich abschaltete) und verließ leise den Raum und ging nach Hause. Ich erinnere mich, dass ich dies eines Abends gemacht habe und auf Zehenspitzen zur Tür ging, als ich Michael sagen hörte: „Bis morgen, Barney.“ Aus irgendeinem Grund fiel es Michael schwer, zu schlafen. Wenn er einschlief, war ich immer darauf bedacht, dass er weiter schlief. Manchmal bat er mich, ihm etwas vorzulesen, ich nahm ein Buch und las einfach daraus vor, dann schlich ich mich davon, wenn es schien, als ob er eingeschlafen wäre. “[7]

Elizabeth Taylor (etwa ab 1:58).

Was bedeuteten diese Übernachtungen in Jacksons Leben wirklich? Laut dem deutschen Psychologen und Psychotherapeuten Dieter Speck übernahm Jackson aufgrund seines Kindheitstraumas – des Verlustes seiner Kindheit, der Schläge seines Vaters usw. – die Doppelrolle, gleichzeitig ein Kind und ein Vater zu sein. In den Kindern, mit denen er sich umgab, sah er sich selbst und wollte ihnen die – nicht-sexuelle – väterliche Zuneigung und Liebe geben, die er nie von seinem eigenen Vater bekam. In anderen Zusammenhängen war er selbst ein Kind. Speck glaubt nicht, dass Jackson ein Pädophiler war oder dass seine Beziehung zu Kindern sexuell war.

(Dieter Speck war 1997 Mitautor eines Buches mit dem Titel „Sexueller Missbrauch – die Einsamkeit der Opfer und die Hilflosigkeit der Justiz”)

Quellen:

[1] Martin Bashir – Living with Michael Jackson interview/documentary (February 2003)

[2] Gavin Arvizo’s testimony at Michael Jackson’s 2005 trial (March 14, 2005)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

[3] Frank Cascio – My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man (HarperCollins, Kindle Edition, November 15, 2011)

[4] Kit Culkin – Lost Boy (May 09, 2005, the book was published and distributed exclusively through KitCulkin.com)

[5] June Chandler’s testimony at Michael Jackson’s 2005 trial (April 11, 2005)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

[6] Wade Paulsen – Nicole Richie defends Michael Jackson, while Paris Hilton blows off Letterman (Realitytvworld.com, November 21, 2003)
http://www.realitytvworld.com/news/nicole-richie-defends-michael-jackson-while-paris-hilton-blows-off-letterman-2017.php

[7] William B. Van Valin, MD – Private Conversations in Neverland with Michael Jackson

[8] Margena A. Christian – Michael Jackson: Our Icon (Ebony, September 2009)

[9] Joy Robson’s testimony at Michael Jackson’s 2005 trial (May 6, 2005)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

[10] Simone Jackson’s testimony at Michael Jackson’s 2005 trial (May 18, 2005)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

Joe Vogel: Was Sie über die neue Michael Jackson Dokumentation wissen sollten

by

Dieser Artikel erschien im englischen Original am 29. Jänner 2019 im Forbes Magazin: https://www.forbes.com/sites/joevogel/2019/01/29/what-you-should-know-about-the-new-michael-jackson-documentary/#7397bbb0640f

Michael Jackson Madison Square Garden Bad Tour

Sänger Michael Jackson performt auf der Bühne im Madison Square Garden (Foto von Rick Maiman/Sygma via Getty Images) Getty

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Rezension von Leaving Neverland dar, den ich nicht gesehen habe, sondern er bietet vielmehr einen Überblick über den Kontext hinter den Anschuldigungen in dieser Dokumentation.

Als Michael Jackson 2009 starb, schrieb Wade Robson – der ehemalige Choreograph, dessen Missbrauchsanschuldigungen im Mittelpunkt einer kontroversen neuen Dokumentation, Leaving Neverland stehen, einen Tribut an seinen Freund (ganzer Text auf Deutsch: Mein Mentor – Wade Robson über Michael; Anm.d.Übers.):

Michael Jackson veränderte die Welt und für mich ganz persönlich auch mein Leben, für immer. Er ist der Grund, warum ich tanze, der Grund, warum ich Musik mache, und einer der Hauptgründe, dass ich an das Gute im Menschen glaube. Er war 20 Jahre lang ein sehr enger Freund von mir. Seine Musik, seine Moves, seine persönlichen, inspirierenden und ermunternden Worte und seine bedingungslose Liebe werden für immer in mir weiterleben. Ich werde ihn unermesslich vermissen, aber ich weiß, er hat jetzt seinen Frieden gefunden und erfreut den Himmel mit einer Melodie und einem Moonwalk.

Robson war zu diesem Zeitpunkt siebenundzwanzig Jahre alt. Vier Jahre zuvor sagte er (als Erwachsener) bei Jacksons Prozess 2005 aus, dass niemals irgendetwas Sexuelles zwischen ihnen vorgefallen ist. Im Vorfeld des Prozesses hatte Robson Jackson jahrelang nicht gesehen und er war nicht dazu verpflichtet, ein Zeuge der Verteidigung zu sein. Er stand einem vernichtenden Kreuzverhör gegenüber und war sich über die Strafe bei Meineid für Lügen unter Eid im Klaren. Aber Robson beteuerte hartnäckig, mit Überzeugung und glaubwürdig, dass nichts Sexuelles vorgefallen ist.

Was änderte sich zwischen damals und jetzt? Ein paar Dinge:

  • 2011 trat Robson an John Branca, Co-Executor des Michael Jackson Estates, heran, da er die Regieführung bei der neuen Michael Jackson/Cirque du Soleil Inszenierung ONE übernehmen wollte. Robson gab an, dass er den Job „dringend“ wollte, aber der Estate wählte letztendlich jemand anderen für die Position.
  • 2012 hatte Robson einen Nervenzusammenbruch, der laut seinen eigenen Aussagen durch ein obsessives Streben nach Erfolg getriggert wurde. Seine Karriere fing in seinen eigenen Worten an, zu „zerbröckeln“.
  • Im gleichen Jahr – Robsons Karriere, Finanzen und Ehe waren in Gefahr – begann er, einen Verleger für ein Buch zu suchen, in dem er behauptet, er wurde von Michael Jackson sexuell missbraucht. Kein Herausgeber griff es auf.
  • 2013 reichte Robson eine $1,5 Milliarden Dollar Zivilklage/Gläubigerklage ein – gemeinsam mit James Safechuck, der Ende der 80er ebenfalls Zeit mit Jackson verbracht hat. Safechuck behauptet, dass er erst realisiert hat, missbraucht worden zu sein, als Robson seine Klage eingereicht hat. Diese Klage wurde 2017 von einem Nachlassgericht abgewiesen.
  • 2019 hat das Sundance Film Festival eine Dokumentation uraufgeführt, die lediglich auf Robsons und Safechucks Anschuldigungen basiert. Während die Dokumentation angesichts des Inhaltes selbstverständlich emotional bestürzend ist, präsentiert sie keine neuen Beweise oder Zeugen. Der Regisseur des Films, Dan Reed, bestätigte, dass er keine anderen Schlüsselfiguren interviewen wollte, weil das die Story, die er erzählen wollte, verkomplizieren oder in Frage stellen könnte.

Für die Medien ist es verlockend, Jackson mit einer größeren kulturellen Schilderung über sexuelles Fehlverhalten zu verbinden. R. Kelly wurde zu Recht von einer Dokumentation zur Strecke gebracht und viele andere Gestalten mit hohem Bekanntheitsgrad wurden in den letzten Jahren entlarvt, also muss Michael Jackson – so lautet die Logik – sicherlich auch schuldig sein. Doch das ist ein gefährlicher Sprung – insbesondere mit Amerikas Geschichte, schwarze Männer zu Unrecht anzuvisieren und für schuldig zu befinden – anständige Menschen wären gut beraten, wenn sie sorgfältiger darüber nachdenken würden, bevor sie den Künstler verurteilen. Es ist kein Zufall, dass eines von Jacksons Lieblingsbüchern (und –filmen) To Kill a Mockingbird war, eine Geschichte über einen schwarzen Mann – Tom Robinson – der durch falsche Anschuldigungen zerstört wurde.

Die Medien mit ihren weitestgehend ungeprüften, aus dem Zusammenhang gerissenen Szenen scheinen vergessen zu haben: keine Anschuldigungen wurden öffentlich je mehr untersucht als jene gegen Michael Jackson. Sie lösten Mitte der 90er einen zweijährigen Wahn aus und dann noch einmal Mitte der 2000er, als Jackson einem gründlichen Strafprozess gegenübertrat. Seine Wohnsitze wurden in zwei unangekündigten Razzien der Strafverfolgung auf den Kopf gestellt. Es wurde nichts Belastendes gefunden. Jackson wurde 2005 von einer konservativen Jury aus Santa Maria in allen Anklagepunkten freigesprochen. Das FBI führte ebenfalls eine eingehende Untersuchung durch. In der 300 seitigen Akte über den Popstar, die unter dem Informationsfreiheitsgesetz veröffentlicht wurde, sind keine Beweise für Fehlverhalten zu finden.

Währenddessen beteuern dutzende Personen, die als Kinder Zeit mit Jackson verbracht haben, weiterhin, dass niemals irgendetwas Sexuelles passiert ist. Darunter hunderte kranke und sterbenskranke Kinder wie Bela Farkas (dem Jackson eine lebensrettende Lebertransplantation gezahlt hatte) und Ryan White (mit dem sich Jackson in seinen letzten Jahren im Kampf gegen AIDS angefreundet hatte); weniger bekannte Personen wie Brett Barnes und Frank Cascio; Berühmtheiten wie Macaulay Culkin, Sean Lennon, Emmanuel Lewis, Alfonso Ribeiro und Corey Feldman; Jacksons Nichten und Neffen; und seine eigenen drei Kinder.

Die Anschuldigungen rund um Jackson verblassten im Laufe des letzten Jahrzehnts weitestgehend aus folgendem Grund: im Gegensatz zu den Bill Cosby oder R. Kelly Fällen ist es bei Jackson so, dass je mehr Leute sich die Anschuldigungen gegen Jackson ansahen, desto mehr Beweise rehabilitierten ihn. Der Fall der Staatsanwaltschaft 2005 war so absurd, dass Matt Taibbi vom Rolling Stone ihn wie folgt beschrieb:

Der Michael Jackson Prozess, der vorgeblich eine Story darüber ist, einen Kinderschänder vor Gericht zu bringen, ist stattdessen eine Art Parade geistloser amerikanischer Typen: Trickbetrüger, Trottel und untalentierte Intriganten, die entweder in völliger Arbeitslosigkeit versinken… oder in fingierten Nicht-Karrieren des Informationszeitalters, die auf jede nur erdenkliche Art und Weise darauf aus sind, Geld zu machen. Der MC [master of ceremonies – Zeremonienmeister, Anm.d.Übers.] war Bezirksstaatsanwalt Tom Sneddon, dessen metaphorische Rolle in dieser amerikanischen Reality-Show das graue Herz der Nixonian Silent Majority darstellte – die bittere Mittelmäßigkeit, der es danach verlangte, jeden, der jemals in Paris Urlaub gemacht hatte, festzuhalten .Der erste Monat des Prozesses bot die vielleicht kompromittierteste Sammlung an Zeugen der Staatsanwaltschaft dar, die jemals in einem amerikanischen Gerichtsprozess versammelt war – fast zur Gänze eine Gruppe aus überführten Lügnern, bezahlten Klatsch-Hausierern oder Schlimmerem…

In den nächsten sechs Wochen implodierte praktisch jedes Stück seines Falles in öffentlicher Sitzung und das erste Drama des Prozesses verwandelte sich schnell in einen Wettlauf, bei dem es um die Frage ging, ob der Bezirksstaatsanwalt es schaffen würde, all seine Zeugen in den Zeugenstand zu bringen, ohne dass diese in Handschellen aus dem Gerichtsgebäude entfernt werden.

Was hat sich seit dem verändert?

In Robsons Fall ist es so, dass dieser sich Jahrzehnte nach den angeblichen Vorfällen mit Michael Jackson und seinen Kindern zum Barbecue traf. Er bat um Tickets für die Gedenkfeier des Künstlers. Er nahm an Tributen teil. „Ich habe immer noch mein Handy mit seiner Nummer darin“, schrieb Robson 2009, „Ich kann den Gedanken einfach nicht ertragen, seine Nachrichten zu löschen.“

Dann, nach zwanzig Jahren, hat sich seine Geschichte plötzlich geändert (deutsche Untertitel verfügbar; Anm.d.Übers.), und seinen neuen Behauptungen folgte eine $1,5 Milliarden Dollar Klage.

Sundance Leaving Neverland

Foto vom 25. Jänner 2019: Brenda Jenkyns (links) und Catherine Van Tighem, die aus Calgary, Canada angereist sind, um bei der Premiere der „Leaving Neverland“ Michael Jackson Dokumentation des Sundance Film Festivals in Park City, Utah vor dem Egyptian Theatre in der Main Street mit Plakaten zu stehen. Michael Jacksons Familienmitglieder sagten am Montag, 28. Jänner, dass sie „erbost“ sind, dass zwei Männer, die ihm vorwerfen, sie als Jungs missbraucht zu haben, wegen einer neuen Dokumentation über sie erneute Aufmerksamkeit erhalten haben. Die Familie veröffentlichte ein Statement, in dem sie „Leaving Neverland“, einen Dokumentarfilm mit Jacksons Anklägern Wade Robson und James Safechuck in den Hauptrollen, anprangern. (Foto von Danny Moloshok/Invision/AP, File) Danny Moloshok/Invision/AP

Als exzentrischer, wohlhabender Afroamerikaner war Michael Jackson schon immer ein Ziel für Rechtsstreitigkeiten. In den 1980er und 1990er Jahren behaupteten Dutzende von Frauen fälschlicherweise, er sei der Vater ihrer Kinder. Er sah sich mehreren Klagen gegenüber, die zu Unrecht behaupteten, er habe diverse Lieder plagiiert. Im Jahr 2010 reichte eine Frau namens Billie Jean eine frivole 600-Millionen-Dollar-Vaterschaftsklage gegen Jacksons Estate ein.

Als jemand, der eine enorme Menge an Recherchen über den Künstler durchgeführt hat, viele Menschen interviewt hat, die ihm nahe standen und Zugang zu vielen privaten Informationen erhalten hat, ist meine Einschätzung, dass die Beweise einfach nicht auf Michael Jacksons Schuld hindeuten. Im Gegensatz zu den abgeänderten Darstellungen von Robson und Safechuck gibt es eine bemerkenswerte Konsistenz in der Art und Weise, wie Menschen, die den Künstler kannten, von ihm sprechen – ob Freunde, Familienmitglieder, Mitarbeiter, Künstlerkollegen, Toningenieure, Rechtsanwälte, Geschäftspartner, Sicherheitsbeamte, ehemalige Ehepartner , seine eigenen Kinder – Menschen, die ihn in jeder nur erdenklichen Eigenschaft kannten. Man sagt, Michael sei sanftmütig, brillant, einfühlsam, manchmal naiv, manchmal kindisch, manchmal wahrnehmungsblind. Aber niemand glaubt, dass er ein Kinderschänder war.

Update:

Ich möchte klarstellen, dass Opfer sexuellen Missbrauchs mein tiefstes Mitgefühl haben. Ich glaube auch zutiefst an das Prinzip eines ordnungsgemäßen Prozesses, insbesondere angesichts der Geschichte Amerikas in Bezug auf Farbige. Dieser Artikel sollte einen Kontext in Bezug auf die Anschuldigungen gegen Michael Jackson bieten. Da ich jedoch nicht dabei war, kann ich letztendlich nicht über die Erfahrungen von Wade Robson und James Safechuck sprechen. Es ist meine aufrichtige Hoffnung für alle Beteiligten, dass die Wahrheit siegen wird und alle, die verletzt wurden, Heilung finden werden.

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Weiterführende Informationen zu „Leaving Neverland“:

Safechuck spricht von sexuellem Missbrauch im ikonischen Neverland Bahnhof, der zu diesem Zeitpunkt nicht einmal existiert hat

Fakten kompakt: die Beweise gegen Jacksons Ankläger, die die Medien verschweigen.

Wann hat James Safechuck realisiert, dass er ein angebliches Missbrauchsopfer ist?

Die Wade Robson Unterstellungen (Zusammenfassung)

Die entlarvten Lügengeschichten in Wade Robsons Klageschrift

Langjährige Weggefährten Michael Jacksons äußern sich zu “Leaving Neverland”

Michael Jackson ist nicht euer #MeToo Minstrel

Leaving Neverland Transcript – LIES and DISTORTION (englisch) (0:00 – 0:30) (0:30 – 1:00)

Michael Jackson und Wade Robson: Die wahre Geschichte – Auch mit deutschen Untertiteln:

Häufig gestellte Fragen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson:

Warum hat Jackson einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen, wenn er unschuldig war?

Was hat es damit auf sich, dass Jackson sein Schlafzimmer mit nicht verwandten Kindern geteilt hat?

Übersicht aller Artikel auf all4michael, die sich mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson beschäftigen:

Die Unterstellungen von 1993, 2003 und 2013 + „The Veritas Project“