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Christian Audigiers Erinnerungen an Michael Jackson

Auszug aus dem Buch: Von ganz unten zum King Of Fashion von Christian Audigier (u.a. Gründer des Modelabels “Ed Hardy”)

This Is It

Seine Musik hat Milliarden von Menschen berührt. Seine Träume haben die Welt inspiriert. Doch eigentlich hatte er nur einen einzigen Traum… Den er mit euch teilen wollte.“  (aus dem Vorspann zu dem Film This Is It, 2009)

(This Is It, Michael Jackson, Paul Anka und der Titel der Dokumentation von Kenny Ortega)

Audigier Birthday1, Michael Jackson + Christian Audigier

Michael Jackson+ Christian Audigier – 30.5.2008

Die lange schwarze Limousine scheint einen Moment lang über dem Sunset Boulevard zu schweben, dann biegt sie nach rechts ein, auf den North Carollwood Drive. Wir sind in Bel Air, im Viertel Holmby Hills. Michael Jackson wohnt Hausnummer 100. Monsieur Patrick lenkt den Maybach. Peter Lopez, einer der Anwälte und Manager des Stars, sitzt neben ihm. Auf dem Rücksitz warte ich darauf, dass sich Michael Jackson uns anschließt.

Dieses Anwesen kenne ich gut, denn es gehört der Frau von Hubert, dem Geschäftsführer meines Unternehmens, einem sehr engen Freund. Im Dezember 2008 hatte der Finanzberater von Michael Jackson dieses im spanischen Stil erbaute Herrenhaus – das die Amerikaner schlicht und einfach „das französische Schloss“ nennen – für ein Jahr gemietet. Monatsmiete: 100000 Dollar. Es ist schon komisch, in den 1960-Jahren, während seiner Zeit als Hollywood-Schauspieler, lebte Elvis Presley ebenfalls in diesem Viertel. Er liebte Bel Air und wohnte 565 Perugia Way, 1059 Bellagio Road oder auch 1550 Rocco Place, in der Nähe des Bel Air Hotels. Der King Of Pop als Nachbar des King Of Rock’n’ Roll.

Um 21:15 Uhr öffnet sich das schwere Portal zum „französischen Schloss“. Wir fahren in den Park hinein und umkurven dabei den Springbrunnen. Zwei Leibwächter öffnen das monumentale Eingangsportal. Michael erscheint, seine hochgewachsene, schmale Silhouette zeichnet sich ab, er ist ganz in schwarz gekleidet. Lange Haare, Filzhut, eine knappe, sehr eng anliegende Gabardinjacke, Jeans und Boots. Der einzige Farbtupfer, der bei diesem Look à la Johnny Depp in Dead Man aufleuchtet, ist ein rotes Ed-Hardy-T-Shirt. Man könnte meinen, er sei geradewegs aus einem Film wie Dick Treacy oder Sin City herausgetreten. Einfach eine Klasse für sich!

Er begrüßt uns mit sanfter, aber sehr viel kräftigerer Stimme, als sie sonst bei seinen Medienauftritten zu hören ist: „Hello everybody.“ Dann bedankt er sich bei mir. „Christian, ich finde es wirklich toll, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir shoppen zu gehen. Ich weiß, dass deine Zeit sehr wertvoll ist, du hast eine Familie, Kinder, aber… ich bin es nicht gewöhnt, Kleidung einkaufen zu gehen.“

Das Komplizierteste an der Vorbereitung für diesen denkwürdigen 27. Februar 2009 war für mich nicht, eine Zeitlücke zu finden, sondern den Direktoren der Dior- und Dolce-&-Cabbana-Boutiquen am Rodeo Drive zu erklären, warum sie ihre Läden bitte bis am späten Abend öffnen sollen – nämlich weil Michael Jackson sich ein paar Klamotten für die am 5. März geplante Pressekonferenz in London kaufen will, auf der er This Is It, so der Codename seines großen Comebacks, ankündigen will.

Audigier shopping 1

21:30 Uhr. Der Maybach hält vor dem Liefereingang der Dior Boutique in einer kleinen Parallel- Straße zum Rodeo Drive. Ich möchte vermeiden, dass der King Of Pop in das Gewühl und Geschubse der Menge von Fans und Paparazzi gerät, die sich vor den Schaufenstern des Luxuscouturiers versammelt haben. Das ist mir um so wichtiger, als der Superstar an diesem Abend – was selten vorkommt – von keinem einzigen Leibwächter abgeschirmt wird. Die Boutique ist leer. Verkäufer und Verkäuferinnen sind emsig bemüht, gestresst, aber stolz, einen solch aussergewöhnlichen Moment miterleben zu können. Michael geniesst diese nächtliche Klamottensause vergnügt und schaut mir dabei zu, wie ich ein in Schwarz-Gold gehaltenes Kleidungsstück aussuche. Ich lasse mich von einem Look inspirieren, den ich auf bestimmten Bildern gesehen habe, die der Fotograf Matthew Rolston gemacht hat.

Den Körperbau des Künstlers habe ich vor meinem geistigen Auge: etwa 1,80 Meter groß, sehr schlank, lange Beine… Im Eilschritt gehe ich an den Regalen entlang und treffe meine Wahl: Was die Farben anbelangt – metallisch-blaue und rosa fluoreszierende Hemden, schwarze und weiße Seide… Nylonjacken… Boots.. Die Verkäuferinnen kümmern sich um die Ware.

Michael murmelt: „Nice…good…I love it.“ Innerhalb einer halben Stunde ist die Sache abgehakt. Ich bin ein bisschen enttäuscht, da war nichts, was mich wirklich angemacht hat. Kein Wow-Effekt. Es ist Zeit, zu Dolce & Cabbana zu gehen, direkt gegenüber, auf der anderen Seite des Rodeo Drive. Die Menge von Neugierigen, Fans, Fotografen, Kameramännern und Paparazzi ist weiter angewachsen. Die Fans skandieren den Namen des „Ausserirdischen“: „Michael! Michael! Michael!“ Ich bin etwas beunruhigt und meine zu Monsieur Patrick: „Wir werden hinten rausgehen, das ist…“ Lächelnd unterbricht Michael und weist mit dem Finger auf die Straße: „Gehen wir!“

Als echtes Marketing-Genie will er seine Rückkehr ins Rampenlicht so gut wie möglich in den Medien verbreiten und die Wirkung seiner geplanten Pressekonferenz verstärken. Besser als jeder andere beherrscht er alle Winkelzüge, alle Hebel, die ganze Klaviatur: die „Überraschungs-Spazierfahrten“ im Rollstuhl mit Chirurgenmaske vor dem Gesicht, „geheimes“ Shopping – wie ein Scheich in eine schwarze Burka gehüllt, samt ebenfalls verschleiertem Sohn…

Kaum ist die Tür offen, geht die Jagd los! Es dauert zehn Minuten um 50 Meter voranzukommen. Wir sind eingekesselt, werden angerempelt. Die Fans wollen ihr Idol berühren. Ich versuche, ihn zu beschützen, ergreife seinen Arm und breche eine Schneise durch die Massen. Er lächelt, freut sich wie ein Kind, lässt die ganze Aufregung auf sich wirken. Wie bei seinem überraschenden Besuch auf meiner Geburtstagsfeier testet er erneut seine Popularität. Schliesslich schaffen wir es bis zu Dolce & Cabbana und quetschen uns in den Laden hinein. Unter dem Druck der Menge hat das Wachpersonal Probleme, die Tür hinter uns wieder zu schliessen. Der Mann im schwarzen Hut ist entzückt.

 

Audigier Birthday

30.5.2008 – Michael ist Überraschungsgast bei Christian Audigiers 50. Geburtstagsparty

 

Szenenwechsel, wir sind bei D & G.

Aus den Lautsprechern erklingt R&B-Musik und der Tänzer fängt an, sich im Rhythmus zu wiegen. Wie bei Dior treffe ich meine Auswahl innerhalb von 15 Minuten: mit Initialen versehene Blazer, Anzüge in Grau und Schwarz metallic, Hemden, Boots… Er lässt mich gewähren, amüsiert, aufmerksam. Das einzige Teil, das er sich selbst auswählt, ist ein mit Anhängern, Medaillen und bunten Bändern verzierter Gürtel. Dann gehen wir hinauf in die erste Etage, wo es geräumige Umkleidekabinen gibt. Und nun verwandelt sich Doktor Jackson in Mister King Of Pop.

Spielerisch geht er mit den Sachen um, tänzelt. Dann macht er seinen Oberkörper frei, um Hemden und Jacken anzuprobieren. Und ganz im Gegenteil zu dem, was ein paar Monate später geschrieben werden sollte, ist er überhaupt kein „Skelett“ und wiegt auch nicht nur „45 Kilogramm“. Er ist schlicht und einfach zart gebaut und von jener dünnen, aber kräftigen Schlankheit berühmter Tänzer. Verblüfft schaue ich ihm zu, wie er vor dem Spiegel ein paar Tanzschritte macht und in seiner unvergleichlichen Art Kampfsportgesten andeutet. Geschmeidig, elastisch…

Seine Augen funkeln vor Freude. Ich spüre, wie glücklich er gerade ist. Jetzt macht er im strengen Marschschritt eines paradierenden Soldaten weiter.

Christian Audigier Shoppig2

Shopping-Tour mit Michael

Ich frage mich, was ich eigentlich hier mache. Denn eigentlich hat doch er, dieser überlebensgroße Künstler, die Mode der 1980er- und 1990er-Jahre beeinflusst, eine Art von Rock ‘n’ Roll geprägte Disney-Mode erfunden, mit schwarzen Hosen, die kurz über weißen Socken und Mokassins endeten. Das ganze mit einem makellosen, strassbesetzten Handschuh aufgepeppt. Er war es auch, der jene Glamour-Pop-Rock-Hut-Mode lancierte, die heute von Justin Timberlake und Konsorten aufgegriffen wird, und der die von Jimi Hendrix, diesem Purpurzigeuner, und den Beatles der Sergeant Pepper-Periode berühmt gemachten Husarenjacken wieder zur Mode machte. Und er war es auch, dieses sich immer wieder neu erfindende Chamäleon, der Modeschöpfer aus der ganzen Welt vor Neid erblassen ließ, als er mit Lust und Gespür Jacken, die ein wenig Retro und nach Fred Astaire aussahen, mit Reißverschlüssen, Ösen und Gamaschen aus Metall kombinierte. Ironie des Schicksals: Gerade jener Fred Astaire, der wegen der Lebhaftigkeit seines Tanzstils „Fast Freddy“ genannt wurde, schickte Michael Jackson, nachdem er ihn in einer Sendung anlässlich des 25. Jubiläums von Motown gesehen hatte, ein Telegramm: „Ich bin ein alter Mann, ich habe auf die Wachablösung gewartet. Danke!“

Der Tanzvirtuose war zurück!

Offensichtlich genießt Michael es, beraten und eingekleidet zu werden. Ein paar Minuten später verlassen wir D & G durch den Notausgang, denn die Menge ist mittlerweile beträchtlich angewachsen. Auf dem Rückweg scherzt der Star begeistert in einer Tour mit Peter Lopez.

Das war genial! Ich fand es sehr lustig. All diese Kleidung steht mir so gut. Christian, du bist wirklich der König der Mode!“ Zweite Weihe – diesmal im privaten Rahmen. Für mich ist sie sehr viel wertvoller als die erste. Während jenes ungewöhnlichen Geburtstags hat der Künstler mich quasi auf die Probe gestellt. Dann hat er sich diese nächtliche Klamottentour gewissermaßen als Steigerung gegönnt, um meine Professionalität erneut zu testen. Eigentlich stellt er mich ständig auf die Probe. Und ich kann nicht genug davon kriegen.

Unsere dritte Begegnung ist ebenfalls sehr ungewöhnlich.

Fast auf den Tag genau einen Monat später ruft mich Peter Lopez wieder an: „Christian, Michael lädt dich ein, bei ihm Weihnachten zu feiern – das ist eine große Ehre.“

Aber Weihnachten ist doch erst in neun Monaten.“

In diesem Jahr feiert Michael mit den Kindern Weihnachten im März.“

Wieder geht es zum Carolwood Drive, diesmal in Begleitung meiner Frau Ira. Ich habe meinen Mitarbeiter Oleg gebeten, den Lieferwagen mit den Geschenken für dieses ungewöhnliche Weihnachtsfest zu fahren. Dutzende sorgfältig eingepackte Kleidungsstücke, Autos und Hubschrauber mit Fernsteuerung für die Buben, weitere Spielsachen… Ich weiß nicht, warum mir, als wir vor dem Haus ankommen, diese Einzelheiten auffallen: die Uhr am Giebel der Fassade, die zwei Statuen Blumen tragender schwarzer Frauen, die beiderseits der Eingangstür stehen. Die Leibwächter lassen uns eintreten. Ich sehe zwei mächtige, in japanischem Stil gehaltene Krüge aus blauer Fayence, die monumentale Eingangshalle, die beiden von ihr abgehenden Salons, den Flügel, die Treppe, die hinauf zu den Zimmern führt, und, unterhalb des Zwischengeschosses, einen riesigen Weihnachtsbaum samt dazugehöriger Dekoration: Kugeln, Girlanden, eine Unmenge an blitzenden bunten Glühbirnen. Oleg legt die Geschenke zu den anderen Gaben unter den Tannenbaum.

Plötzlich erklingt im ganzen Haus Jingle Bells und Michael tritt, wie immer ganz in schwarz gekleidet, mit einem Rollkragenpullover, den wir bei Dior gekauft hatten, zusammen mit seinen drei Kindern aus einem anderen Salon. Paris, Blanket und Prince Michael tragen Pyjamahosen mit unterschiedlichen Oberteilen. Sie sind wunderschön und lächeln. Michael strahlt. Er lässt die Kinder nicht aus den Augen und findet sichtlich großes Vergnügen daran, ihnen beim Öffnen und Entdecken der Geschenke zuzuschauen.

Ich nutze die Gelegenheit mich ein wenig im Haus umzusehen, das genauso opulent und überladen eingerichtet ist, wie ich es mir vorgestellt hatte: Zierleisten, bemalte Decken, Kristalllüster, riesige Gemälde in vergoldeten Rahmen…

Lasst uns essen!“

Michael weist uns mit seiner Hand den Weg zum Speisesaal. Um dorthin zu gelangen, durchqueren wir eine geräumige Küche, in der ein schöner Tisch steht. Im Vorbeigehen fällt mir eine exquisite Sammlung von einem halben Dutzend Automaten auf. Die Chefköchin, eine breitlächelnde Schwarze, hat für uns Krabben und eine Zwiebeltorte zubereitet. Michael kann nicht ruhig sitzen bleiben. Alle fünf Minuten steht er vom Tisch auf, deutet einen Tanzschritt an, dreht sich um die eigene Achse. Ganz offensichtlich ist er wie besessen von den Vorbereitungen für seine Konzertserie, die im Juli in der O2 Arena in London geplant ist, er spricht nur von seinem Auftritt. Er stellt sich Bulldozer vor, Bagger, monströse Maschinen, die für ihn die Bedrohung der Natur symbolisieren sollen. Und immer wieder macht er diese roboterhaften, ruckartigen Bewegungen, abwechselnd mit Moonwalk-Schritten, Version drittes Jahrtausend. Wie schon bei Dolce & Cabbana spüre ich genau, dass er unaufhörlich und immer wieder für seine Show probt. Und wiedereinmal wirft mich dieses unglaubliche Privileg, Zeuge davon zu sein, beinahe um. Warum ich?

Da reißt mich seine Stimme aus meinen Träumen: „Wollt ihr noch Nachtisch? Ich stehe nicht so auf Desserts.“

Chritmas in March Audigier Jackson

Erinnerungsfoto vom „Weihnachtsfest“ im März 2009

Das ist das letzte Mal, dass ich ihn lebend sehe. In Topform. Glücklich, mit seinen Kindern zusammen sein zu können. Und ganz klar auf die Herausforderung konzentriert, die ihn erwartet. Aber welcher Künstler würde auch nicht vor Lampenfieber vergehen, wenn er sich einer Weltöffentlichkeit präsentieren sollte?

Rückblickend habe ich oft über dieses seltsame im März begangene Weihnachtsfest nachgedacht. Und nach Michaels Ableben und der Welle von „Enthüllungen“ habe ich mich gefragt, ob er nicht sogar wusste, dass seine Tage gezählt waren, dass er nächstes Weihnachten nicht mehr erleben würde, und vielleicht hatte er es deshalb vorverlegt, um noch einmal mit den Kindern gemeinsam feiern zu können. Dann aber habe ich mich doch von solchen pessimistischen und morbiden Gedanken frei gemacht, weil ich damals seine unglaubliche Lebenslust verspürt habe und seine Fähigkeit gesehen habe, andere Menschen zu begeistern.

Es war das letzte Mal, dass ich ihn lebend gesehen habe. Doch ich sollte noch einmal Gelegenheit haben, mit ihm zu sprechen.

Die Arbeit an der Modelinie Michael Jackson kommt zu meiner großen Zufriedenheit gut voran.

Der King Of Pop und seine Anwälte haben mir offiziell die Erlaubnis erteilt, das Logo MJ zu benutzen. Ich habe ein großes, schwarz lackiertes, mit Metallnägeln verziertes und mit drei Schnallen verschlossenes Buch herstellen lassen. Auf der ersten Seite steht ein handgeschriebener Satz:

The greatest education in the world is watching the masters at work.“

(„Die beste Ausbildung der welt besteht darin, den Meistern bei der Arbeit zuzuschauen.“)

Darunter ein weiterer Satz:

Christian you are the King Of Fashion.“ Michael Jackson

Die Kollektionen lehnen sich an die Titel seiner berühmtesten Hits an: Bad, Thriller, Billie Jean. Das Grundkonzept basiert auf den Farben schwarz und gold. Militärjacken, mit Tressen verzierte T-Shirts, Handschuhe, Boots. Diese Modelinie habe ich wie eine Art Lebensstil mit internationaler Ausprägung entworfen. Mit der globalen Vermarktung im Blick habe ich sogar ein Parfum MJ miteinbezogen, das in einem eleganten, schwarz-goldenen Flakon präsentiert wird.

Ich möchte die Legende noch weiter verfeinern. Natürlich geht dieses Buch zwischen dem Team von Jackson und meiner Mannschaft mehrfach hin und her. Die Anwälte bereiten ihre Schriftstücke vor, Anfragen zur Autorisierung mehren sich, Peter Lopez vermittelt zwischen allen Beteiligten, zwei- oder dreimal reicht er das Telefon an Michael Jackson weiter, der mir mitteilt, wie zufrieden er mit der Kollektion ist. Und stets beendet der Künstler unsere Gespräche mit: „God bless you, Christian.“ Gott segne dich, Christian.

Im April haben wir zwei- oder dreimal miteinander gesprochen. Dann bin ich nach Frankreich gefahren, um mein Buch vorzustellen und meine Geburtstagsparty während des Festivals in Cannes vorzubereiten.

Als ich mich an einem schönen sonnigen Tag mit den Managern von 50 Cent und Lenny Kravitz, die bei meinem Freud Jean Roch auftreten sollen, gerade auf meinem Schiff unterhalte, ruft mich der Direktor der ED Hardy Boutique auf der Melrose Avenue an – völlig aufgelöst.

Christian, Michael Jackson ist mit seinen Kindern im Laden.“

Er soll sich wie zuhause fühlen, schenkt ihm alles, was er gerne haben möchte. Und vor allem, verwöhnt die Kinder.“

Ja, aber er hätte gerne ein Dekorationsstück des Ladens, die Statue des tätowierten Mannes hinter der Bar.“

Ich muss lachen. In einer Ecke des Ladens habe ich aus Holz eine Bar für die Energydrinks einrichten lassen. Und der Barmann ist eine Art Automat aus Holz, der von Kopf bis zu den Füßen tätowiert ist, ein Mitbringsel, das mir mein Freund Renaud Page von einer wichtigen Versammlung von Tätowierern in Kalifornien mitgebracht hat.

Geben sie ihn mir mal.“

Guten Tag Christian. Wir amüsieren uns hier gut mit den Kindern. Der tätowierte Mann ist einfach unglaublich.“

“Er gehört dir, Michael.“

Danke für deine Großzügigkeit. God bless you, Christian.“

Gott segne dich, Christian. Das sind die letzten Worte, die er an mich gerichtet hat.

 

 

Am Donnerstag, dem 25 Juni, schaue ich in der Wartelounge von Air France auf dem Flughafen LAX von Los Angeles CNN. Es ist 14 Uhr. Der Flieger nach Paris soll pünktlich gegen 15:00 Uhr starten, wir werden aufgerufen, an Bord zu gehen. Sondermeldung: Der Fernsehsender verkündet, dass Michael Jackson einen Herzstillstand gehabt habe. Die Bilder ziehen an mir vorbei. Das Haus in Holmby Hills.. ein Krankenwagen, die berühmte Ambulanz 71… Ich bin wie versteinert und rufe sofort Peter Lopez an.

Er atmet noch, Christian. Sie hoffen, ihn retten zu können. Es ist furchtbar.“ Dann muss ich zum Flugzeug. Während ich die langen Gänge entlanglaufe, wähle ich unablässig Peters Nummer. Ständig besetzt. Ich steige in die Maschine. Um 14:30 ruft Peter an. Er ist in Tränen aufgelöst. Zwischen zwei Schluchzern bringt er gerade noch heraus: „Es ist zu Ende, Christian, Michael ist tot.“ Offiziell ist der King Of Pop um 14:26 in der UCLA-Universitätsklinik verstorben. Die Notärzte haben 40 Minuten lang versucht, ihn wiederzubeleben, aber vergeblich. Noch zwei Tage zuvor hatten sämtliche Tageszeitungen nach einer phänomenalen Probe im Staples Center in Los Angeles getitelt: „Der Showman ist zurück!“

Während des Fluges gelingt es mir nicht, einzuschlafen, immer wieder schwirren Erinnerungen an den Mann durch meinen Kopf, der für mich einer der größten Künstler des Jahrhunderts bleibt. Als ich am nächsten Tag am späten Vormittag auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle lande, werde ich schon von mehreren Fernsehteams erwartet. Es folgt ein aussergewöhnlicher Medienmarathon. Da wird mir bewusst, dass auch ich – in ganz bescheidenem Maße – nun zu einem Teil der Legende des King Of Pop geworden bin. Ein kleiner Teil, aber abgesehen von den Leuten bei den Filmaufnahmen der Proben im Staples Center von L.A., bin ich der einzige Aussenstehende, der in seinen letzten Wochen wirklich Kontakt mit ihm hatte. Die Rückkehr ins Rampenlicht während meines 50. Geburtstags, die Shopping-Tour in Beverly Hills, die Fotos vom Weihnachtsfest im März und die von seinem Besuch im Laden.

Während die verrücktesten Gerüchte über den Tod dieses Idols kursierten – über seinen Demerol Konsum, den Reigen der Ärzte -, sind die Journalisten in London, wo ich meine Champagner-Marke vorstelle, und anschliessend auch in Berlin hinter mir her. Am Donnerstag, den 2. Juli, treffe ich in Deutschland ein, um an der Modemesse Bread & Butter teilzunehmen, die auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin ihre Pforten öffnet. Ich wußte gar nicht, dass ich in Deutschland so populär bin. Zwei Tage lang beantworte ich die Fragen für Dutzende Interviews und werde von einer beeindruckenden Zahl von Fernsehteams gefilmt. Höhepunkt dieses Medienrummels ist mein Besuch auf der Bread & Butter, für die mein Neffe Vincent weiträumige Stände für die Labels Ed Hardy, Christian Audigier, Paco Chicano und Chrystal Rock reserviert hat. An einer Wand hängt ein riesiges Transparent mit einem Foto der jüngsten Werbekampagne für Ed Hardy, das der Starfotograf David LaChapelle aufgenommen hat. Wir sind nicht zu übersehen! Die Auswirkungen sollten beträchtlich sein.

Ein paar Tage nach dem Tod des King Of Pop wird weltweit getrauert. Eine ganze Generation beweint ihr Idol. Längst ist der Schmerz nicht mehr auf die Vereinigten Staaten beschränkt, sondern weltweit spürbar. Selbst der Tod des Kings Elvis Presley hat keine derartige Welle des Mitgefühls verursacht. Und die bescheuertesten Gerüchte nähren weiter den Mythos des gefallenen Engels. „Magersüchtig und erschöpft, war er nicht mehr in der Lage zu tanzen und musste selbst seinen Moonwalk neu lernen. Eine Armee von Geiern umschwirrte ihn…“ Oder: „Die, die Jackson gut kannten, wussten, dass er gar nicht in der Lage war, zehn Konzerte zu geben…“ Oder auch: „Er war dem Heroin der Armen verfallen…“

Am Abend des 2 Juli, als ich angewidert von solch morbiden „Enthüllungen“, in einem am Wasser gelegenen Restaurant in Berlin sitze, beschließe ich, das Haus – das „französische Schloss“ -, in dem er starb, zu kaufen. Ich will daraus ein Monument zu seinem Ruhm machen, damit seine Legende nie enden möge. Ich möchte in der ganzen Welt die besten Stücke für eine Michael- Jackson-Sammlung kaufen und sie in 100, North Carolwood in Bel Air zum Leben erwecken. Ich will aus dem Haus ein unsterbliches „Graceland“ des King Of Pop machen.

Im Internet werden daraufhin heftige Debatten geführt. Manche Leute werfen mir vor, ich sei ein Opportunist und wolle aus dem noch nicht einmal erkalteten Leichnam meines Freundes Geld machen. Andere begrüßen das Projekt. Da das Haus noch bis zum 20. Dezember 2009 gemietet ist, habe ich alle Zeit der Welt, um die wichtigsten Sammler aufzusuchen.

Am 7. Juli wird Michael Jackson eine letzte Würdigung zuteil. Aus dem Staples Center in Los Angeles wird in alle Welt eine Riesenshow direkt übertragen. Die Verantwortlichen des Fernsehsenders France 2 haben mich zu einer von Elise Lucet moderierten Sondersendung in das Studio eingeladen. Ich habe Lampenfieber und weiß nicht, ob ich das durchstehen werde. Ein feierlicher Moment. Der vergoldete Sarg ist von einer Unmenge roter Rosen bedeckt. Auf einem riesigen roten Herz ist zu lesen: „Wir lieben dich, Michael.“ Der Sänger Smokey Robinson verliest eine Botschaft von Nelson Mandela, dann folgt eine aufgezeichnete Ansprache von Diana Ross. Als nächstes eine Schweigeminute. Sie dauert etwa 10 Minuten. Die müssen irgendwie überbrückt werden, ein Drahtseilakt, selbst für einen Fernsehprofi – der ich aber nicht bin.

Ich fange an, füge nichts hinzu, erzähle einfach meine Erinnerungen, so schlicht und zurückhaltend wie möglich. Als ich mit den Geschichten von meinem Geburtstag, dem Shopping am Rodeo Drive, dem ungewöhnlichen Weihnachtsfest, den Fotos, den Anrufen und der geplanten Kollektion durch bin, dauert die Schweigeminute immer noch an. Jetzt konzentriere ich mich auf die Anwesenden.

Zuerst die Familie, die bei diesem Ereignis endlich einmal vereint ist. Die Eltern: Katherine, die hingebungsvolle Mutter, und Joe, der von allen so gefürchtete Vater. Die Schwestern und Brüder: Maureen, Janet, La Toya, Jermaine, Tito, Jackie, Marlon und Randy. Und die Kinder, die er so sehr liebte. Es ist rührend, wie sie da in Trauerkleidung stehen: Paris, Prince Michael, Blanket.

Endlich geht die Übertragung weiter. Die Ehrungen der befreundeten Stars sind beeindruckend. Es singen Stevie Wonder, Lionel Ritchie, Usher, Mariah Carey, Jennifer Hudson. Die Schauspielerin Brooke Shields, der Basketballer Magic Johnson, der Produzent Berry Gordy treten auf. Und nicht zu vergessen die weinenden Fans, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Doch das ist noch nicht alles gewesen. Auch David Pujadas, Moderator des Nachrichtenjournals von France 2, möchte, dass ich zu ihm ins Studio komme.

Salut Michael! Salut du großer Künstler! God bless you, Michael. Gott segne dich Michael.

tribute at the Ed Hardy store in Hollywood Los Angeles

Christian Audigiers Tribute an Michael am Ed Hardy Store, Melrose Av., Hollywood, Juli 2009

Am 3. September bin ich zu den privaten Trauerfeierlichkeiten für meinen Freund eingeladen. Doch Geschäftliches hält mich leider in Europa auf, sodass ich es zeitlich nicht mehr schaffe, rechtzeitig zur Zeremonie in Los Angeles zu sein. Ira vertritt mich an der Seite des treuen Peter Lopez.

Am Freitag, den 23 Oktober, teilt mir die Familie der Frau von Hubert mit, dass Michael Jacksons Familie die Schlüssel des Hauses in Bel Air übergeben hat. Der Mietvertrag gilt zwar noch bis Dezember, doch ich darf mir das Anwesen im Hinblick auf einen eventuellen Kauf im Januar 2010 noch einmal anschauen. Ich begebe mich also nach Carolwood. Kaum ist das Portal geöffnet, übermannt mich ein Gefühl der Trauer. Ich fühle mich elend.

Als ich dann das Haus betrete, wird der Blues noch größer. In Los Angeles ist noch immer Sommer, es hat über 30 Grad, aber mir ist kalt. Ich friere bis auf die Knochen. Seit jenem denkwürdigen Weihnachtsfest bin ich nicht mehr hier gewesen. Ungefähr zehn Minuten verweile ich in der gigantischen Eingangshalle, dann stürzen die Bilder mit aller Macht auf mich ein. Ich sehe wieder den Weihnachtsbaum, die Girlanden, die Geschenke, Michaels Lächeln. Ich höre die Freudenrufe der Kinder beim Öffnen der Pakete. Ich kann mir vorstellen, wie verwirrt und traurig sie nach dem Tod ihres Vaters sein müssen – ganz allein und ohne ihn in diesem riesigen Haus. Düsternis!

Ich gehe in den ersten Stock. Das Zimmer des Künstlers befindet sich am Ende eines langen Gangs. Sein Bett ist weggeschafft worden, doch auf dem Boden sind noch die Spuren zu sehen, neben einem Spiegelschrank. Da entdecke ich, dass auf dem Spiegel etwas steht, das mit Filzstift geschrieben wurde. Ich trete näher und lese:

Too much work. Too much stress.“

Ich muss jetzt erst einmal nachdenken. Ich durchquere die Halle und begebe mich auf die große Terrasse, von der aus man einen Blick auf den Park, den riesigen Swimmingpool und das beeindruckende „Pool-House“ hat. Dort setze ich mich in die Sonne. Eigentlich bin ich hergekommen, um mir Gedanken darüber zu machen, wie ich das Anwesen herrichten könnte. Ich habe an einen gigantischen mit Brillanten besetzten Handschuh gedacht, der aus dem Becken des Springbrunnens ragen könnte. Die Ausstattung in Schwarz und Rot. Goldene Schalplatten und die schönsten Fotos des Stars an den Wänden. Seine Sammlung von Automaten im Musiksalon. Seine Videoclips, die ohne Unterlass über die Leinwand des Kinosaals flimmern. Ich könnte heulen.

Ich erhebe mich und verlasse das Haus. Ich habe meine Entscheidung getroffen.

Das „französische Schloss“ zu kaufen, um es in eine aufregende Hommage an die Legende Michael Jackson zu verwandeln, war ein frommer Wunsch, den ich aber nicht mehr umsetzen kann und will. Irgendwie hätte ich das Gefühl, das, was mir von ihm als Erinnerung geblieben ist, und das Vertrauen, das er mir geschenkt hat, zu verraten, statt ihm ein Denkmal zu setzen. Wie erlöst und mit einem Gefühl unendlicher Leichtigkeit bin ich schließlich weggegangen.

Fünf Tage später habe ich zusammen mit Ira die Weltpremiere von This Is It im Nokia Theater in Los Angeles besucht, und dabei ist mir noch einmal klar geworden, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Der Film von Kenny Ortega über die dreimonatigen Proben des King Of Pop, eine mitreißende Hommage am diesen begnadeten Künstler, beweist, dass die Legende Michael Jackson unsterblich ist.

God bless you, Michael!

This is it.

Es ist zu Ende.

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Quelle: Von Ganz Unten Zum King Of Fashion

 

 

 

Vielen Dank an Ilke für diesen Text!

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Nate Giorgio – Michaels persönlicher Künstler

>> Original Text English – MJ 777<<

1984 unterzeichnete Nate Giorgio einen exklusiven Vertrag mit Michael Jackson, als dessen “persönlicher Künstler”.

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U.a. sind seine Arbeiten am Cover und den Kapitel Seiten des Michael Jackson OPUS, sowie als Logo bei “We Are The World 25” und in Michaels Buch „Dancing The Dream“ zu sehen.

Sein Bild “Heroes, The Last Supper” hing über Michaels Bett in Neverland.

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Heroes-The Last Supper

Q: Was hast du, neben den Arbeiten für den Opus, Dancing The Dream und WATW25, sonst noch für Michael gemacht?

Nate: Seit 1984, als ich den Vertrag mit ihm machte, viele Bilder, Sketche und Ideen. Meine liebsten Sketche sind die schnellen, kleinen Zeichnungen, die er haben wollte, während er im Studio war um BAD aufzunehmen. Er fragte nach einer Skizze von sich, in der er auf einem mit goldenen LPs gepflasterten Weg, umgeben von Kindern, entlangläuft. Er mochte alle Arten von schnellen, inspirierenden Zeichnungen, sein Gesicht abgebildet mit allen Nationalitäten. Er hing diese Skizzen auf, während er an seinen Vocals arbeitete. Ich habe ein Polaroid davon, aus dem Westlake Studio.

Q: Wie weit sind die 2 großen Bilder, an denen du arbeitest, bevor MJ starb – die für sein Haus in Las Vegas sein sollten. Wirst du sie fertig stellen?

Nate: Ich würde sie gerne beenden. Wir sprachen Stunden über das, was er wollte. Alles was ich sagen kann ist, er wollte große Bilder von sich selbst und seinen Kindern, in verschiedenen Umgebungen. Mit Mondlicht, Helden Themen, nach so etwas fragte er, nicht einfach nur Bilder von sich, wo er da steht. Eines Tages werde ich über all die Themen und Ideen schreiben, die ich für ihn malen sollte. Er wollte sich von mir fotografieren lassen, ich hatte mich wirklich darauf gefreut.

Q: Auf deiner Seite hast du Picasso, als einen der Menschen aufgelistet, die dich beeinflusst haben. Er ist einer meiner Lieblings Künstler. Was inspiriert dich am meisten, wenn du an etwas arbeitest?

Nate: Inspiration ist etwas lustiges für mich. Manchmal ist es eine schöne Szene, eine bestimmte Technik, die ich versuche zu perfektionieren oder einfach etwas Einzigartiges zu erschaffen. Ich muss sagen, meistens geht mit der Idee ein bestimmtes Gefühl einher. Als ich in einen Raum kam und MJ dort mit seinem schwarzen Mantel sitzen sah, musste ich sofort versuchen diese bestimmte Stimmung, die ich von ihm empfing, einzufangen… sein Wesen. Nicht so sehr sein Äußeres, obwohl das auch wichtig ist, die Präsenz. Den Moment festhalten. Die Inspiration ist, diesen Moment festzuhalten, weil er so nie wieder kommen wird. Zeichnen ist etwas seltsames für einen Künstler, warum zeichnen Künstler? Ich sage immer, sie tun es, um eine schöne Welt zu erschaffen, die Welt, die du dir wünschst. Einen perfekten Ort.

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Q: Was glaubst du hat Michael am meisten bei seiner Arbeit inspiriert?

Nate: Das ist einfach, Liebe und Perfektion. Er hatte diesen Antrieb, etwas Perfektes zu erschaffen. Du siehst es sogar bei seinen Kindern. Er wollte, dass sie perfekt sind oder herausragend, das ist, was ihn bewegte. Es konnte dabei um seine Kunst gehen, um seinen Tanz oder um seine Familie. Der Antrieb eines großen Künstlers ist es, zu wissen, dass deine Arbeit von Tausenden gesehen wird. Aus diesem Grund willst du, dass deine Arbeit etwas aussagt, für sich selbst steht. Ich glaube, MJ hätte ohne diese Basis, nicht solch großartige Musik erschaffen. Er wusste, er würde Millionen von Menschen aller Rassen erreichen.

Q: Etwas anderes, was du auf deiner Website angibst ist, die Fähigkeit die Betrachter zu bewegen – ihnen ein Gefühl von einem “anderen Ort” zu vermitteln. Michael wollte immer – mit seiner Musik, seinem Tanz, Film und seiner Performance – Menschen die Möglichkeit zum Eskapismus bieten. Das ist etwas, was ihr beide gemeinsam habt – habt ihr darüber gesprochen?

Nate: Wir berührten das Thema. Schon etwas Wirklichkeitsflucht, aber die Leute müssen sich mit deiner Kunst identifizieren, sonst verlierst du sie. Kunst muss Gemeinsamkeiten schaffen, zusammen mit etwas, das den Betrachter bewegt. Um den Betrachter zu bewegen, muss der Künstler seine Kunst verständlich machen. Meine Bilder und MJs Musik transportieren meistens eine sehr einfache Botschaft, aber auf diesem Weg werden die Leute erreicht. Die Kunst wurde auf einzigartige Weise erschaffen, in hoher Qualität, fast wie von einer anderen Welt, das macht sie herausragend und lässt sie von Dauer sein. Darüber haben wir geredet.

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Q: Wie hat Michaels Musik deine Arbeit für ihn beeinflusst – wenn überhaupt?

Nate: Es war einfach eine Ehrfurcht gebietende Erfahrung, seine Musik zu hören und diese Qualität, die darin steckt. Das reichte, um mich und mein Herz zu beeinflussen. MJs Musik erzeugt so viele Bilder in meinem Gehirn, wann immer ich sie höre… du kannst es daran sehen, wie ich ihn in Himmel platziert habe oder seinen Augen eine kraftvollen Glanz verliehen habe, oder auch ein ganz weich gezeichnetes Portrait hat etwas zu bedeuten. Ich sagte ihm: “Ich kann dich in jede Situation hineinbringen, Michael.”  Er hatte diese Qualitäten. Er ist wirklich einer der wenigen Entertainer die diese ätherische Seele haben.

Q: Manchmal sehe ich ein Gemälde an, und höre dabei Musik – die Noten und die Musik fließen dabei in die Leinwand ein, mit verschiedenen Farben, manche mehr im Vordergrund, andere im Hintergrund, mache kommen von der Seite oder von oben. Die Musik versetzt das Sichtbare in eine auditive Bewegung. Was denkst du über diesen Zusammenhang?

Nate: Oh ja, ich stimme dir zu. Musik und Malerei sind miteinander verflochten. Musik bewegt mich sogar noch mehr, als Malerei. Ich denke, diese beiden Dinge treffen uns auf verschiedenen Ebenen, im Herzen und in unserem Geist. Für mich trifft Musik meine Seele. Es ist alles ein großes Gefühl, und ich sehe visualisierte Bewegungen. Ich kann ein großes klassisches Werk anhören und es kann mich fast zerreißen. Ein Gemälde trifft eher die geistige Ebene. Es lässt mich darüber nachdenken, wie um alles auf der Welt jemand so etwas fertig brachte. (z.B. ‘David’ in der Sixtinischen Kapelle) ich sehe es in den verschiedenen Stadien, ich teile es ein, um es besser zu verstehen. Ich sehe Gemälde, oder große Musikstücke, visuell und mit der Seele, sie berühren mich auf viele verschiedene Arten. Aber wenn ich einem großartigen Musikstück lausche und gleichzeitig ein Gemälde betrachte, wird die Kunst lebendig, deshalb höre ich Musik, wenn ich male.

Q: Meine liebsten Stücke, die du für Michael gemacht hast, sind die mit den Kindern. – So wie “Kinder der Welt”. Welche magst du am liebsten, was hast du am meisten genossen, als du für oder mit ihm daran gearbeitet hast?

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Children Of The World

Nate: Ich mag auch die Bilder mit den Kindern, denn ich weiß, wie sehr Michael diese Gemälde liebte. Ich vergesse nie, als er mich anrief, um mir zusagen, dass er “Children” für sein Greatest Hits Album verwenden würde. Das bedeutete mir sehr viel, einer der Höhepunkte meiner Karriere, den ich nie vergessen werde. All diese frühen Bilder, wie “Heroes”, waren eine große Sache für mich. „Heroes“ ist eines meiner Liebsten, denn da sind die Menschen abgebildet, die Michael beeindruckten. Zum Beispiel Walt Disney.. er liebte diesen Typ. Die andere Person, die er sehr liebte, und über die er immer mit mir sprach, war Norman Rockwell! Er war besessen von ihm und seiner Kunst. Wir sahen uns DVDs von ihm an, und Michael sagte: “Sieh dir an, wie er geht, sieh’s dir genau an“! Er studierte alles von ihm, keiner weiß das bisher wirklich. „Heroes“ ist auch deshalb eines meiner Lieblingsbilder, weil es über seinem Bett hing. MJ wollte dieses Bild wirklich in seiner Nähe haben.

Q: Kannst du uns lustige Geschichten und Anekdoten über dich und Michael erzählen? Etwas aus einem Gespräch oder einer Situation, das du teilen willst, und das uns euer Verhältnis verdeutlichen kann?

Nate: Als wir Liz Taylor ein Bild, das ich für ihre Hochzeit gemalt hatte, gaben. Er lies mich ein großes Portrait von ihr malen, und wir planten, es ihr auf der Ranch bei der Hochzeit zu geben. Ich machte mir den ganzen Tag Sorgen darüber, dass sie gehen könnte, bevor sie das Bild bekommen hätte. Deshalb ging ich alle 5 Minuten zu MJ und fragte: “Was ist mit dem Bild?” Er saß jedesmal bei jemand anderem, und so ich ging immer wieder zu ihm hin und fragte… Alle 5 Minuten machte ich das. Dann saß er bei Brooke Shields und ich kam wieder an und er drehte sich zu mir um und sagte: “Man, ich habe gerade soviel Spaß“! Wir sahen uns an und mussten lachen. Das andere war, als ich während der Tour lustige Gesichter für ihn zeichnete. Er musste am nächsten Tag immer noch laut los lachen, wenn er an die Bilder dachte. Verrückte Bilder, wie aus dem MAD Magazin, total lustig. Er mochte sie sehr, er platzte fast vor Lachen.

Q: An was du dich bei MJ am meisten – als Mensch und als Künstler? Wie hat das Arbeiten für ihn deine Arbeit beeinflusst?

Nate: Daran, wie bescheiden und aufrichtig er war. Er hatte so eine süßes Wesen, sehr liebenswürdig. Er sprach sanft und respektvoll. Er sagte immer zu mir: “Gott segnet vorallem die Demütigen.” Daran erinnere ich mich immer. Und als Künstler, erinnere ich mich daran, wie unbeschreiblich talentiert und welch schnelle Auffassungsgabe er hatte. Mit MJ zu arbeiten brachte mich auf eine höhere Ebene. Ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen darf, mit ihm gearbeitet zu haben. Durch ihn habe ich so viele Leute kennen gelernt, durch ihn habe ich eine private Führung durch den Vatikan und Michelangelos Werke bekommen, ich habe Quincy Jones getroffen, ich bin nach Kalifornien gezogen und habe meine ganze Karriere verändert. In meinem Herzen weiß ich, wir waren über die Kunst verbunden, wir schätzten des Anderen Arbeit.  Ich achte ihn sehr, und es fühlt sich gut an zu wissen, dass er meine Kunst mochte und anrief um mit mir über Dinge zu sprechen, die ihn beschäftigten. Ich weiß, er vertraute mir und fühlte sich bei mir wohl.

nate giorgio Michael Jackson note
Notiz von Michael: “Nate, mach so eins wie dieses für mich, ohne das Comic-Geschreibsel”

Q: Wie teilte Michael dir mit, was er wollte? Hat er einfach angerufen und gesagt “Mal mir dieses..” oder fragte er “kannst du…“?

Nate: Immer unterschiedlich. Anfangs hat er nur angerufen. Oder sein Assistent rief mich an und gab mir seine Nummer. Später rief er selbst oder jemand anders nur an, um zu sagen, ob ich mich mit ihm an einem bestimmten Termin treffen könne. Immer unterschiedlich. Bevor er starb, wohnte ich nur 2 Meilen von seinem Haus am Carolwood Drive entfernt, so konnte ich ihn Nachmittags dort treffen. Das war großartig.

Q: Viele Leute haben gesagt, er sei ein Witzbold und spiele gerne Streiche. Hat er das mit dir auch getan?

Nate: Nein, diese Seite von ihm habe ich nie kennen gelernt. Vielleicht wollte er bei mir nicht albern erscheinen. Aber ich bin sicher, mit seinen Kindern machte er lustigen Blödsinn. Wir redeten immer über neue Projekte. Neue Kunstbücher, die er liebte und mir zeigte.

Q: Wie habt ihr euch getroffen? Wie verliefen eure Treffen im Allgemeinen?

Nate: Ich hatte gelesen, dass er Kunst liebt und schickte ein paar meiner Bilder an sein Büro. Ich war in NY und eines Tages rief mich seine Assistentin an. Sie sagte, MJ hat hier regelrecht herumgetanzt, als er deine Kunstwerke sah, er will dich treffen. Nach ein paar Wochen lies er mich nach Encino kommen, damit wir uns treffen konnten. Wir sahen uns eine Rohfassung von Captain EO an. In den Disney Studios, einfach nur er und ich, wir saßen da, begutachteten den Film und aßen Popcorn. Der Film haute mich um, obwohl es ja noch die unbearbeitete Fassung war.

Q: Wann habt ihr euch zum letzten Mal gesehen oder miteinander gesprochen – über was habt ihr gesprochen, wenn du das sagen magst?

Nate: Bevor er starb, in seinem Haus am Carlowood Drive. Wir redeten über alles mögliche, jedoch hauptsächlich über die neuen, großen Bilder, mit denen ich angefangen hatte. Wir versuchten auch einen Termin für ein Fotoshooting zu machen.

Q: Was denkst du über die Voranhörung im Murray-Prozess, oder hast du beschlossen, dass du, weil es dich aufregt, oder weil du zu beschäftigt bist, diese Sache lieber nicht zu kommentieren? (Ich hätte dafür vollstes Verständnis)

Nate: Ich beobachte das, natürlich. Heute war z.B. Alberto in den Nachrichten. Aber jeder weis, dass Murray einige schwere Fehler gemacht hat. Ich bin einfach so traurig, dass MJ gegangen ist. Ich mag nicht einmal über den Doc nachdenken, über das, was er getan hat. Es ist einfach unglaublich, dass ein so besonderer, unbeschreiblicher Mensch wie Michael, so behandelt wurde. Ich kann es einfach immer noch nicht glauben, dass das einem Freund passiert ist, mit dem ich oft redete und zusammen war.

Q: Wann und wo hast du von seinem Tod erfahren?

Nate: Meine Schwester rief mich an, und ich war erschüttert. Ich war beim Malen und dachte, es ist eine dieser Fake Geschichten. Ich schaltete die Nachrichten an um etwas zu erfahren, und es wurde schlimmer und schlimmer. Ich musste es schliesslich ausschalten. Kann es nicht glauben, es fühlt sich immer noch nicht an, als ob er uns verlassen hätte.

Q: Arbeitest du in Zukunft an etwas von MJ inspiriertem?

Nate: Vielleicht, es ist einiges in der Planung.

Q: Gibt es noch etwas, das du sagen möchtest? Über deine Arbeit oder die Arbeit mit MJ?

Nate: Da gibt es noch Vieles… er bedeutete sehr viel für mich…

nate giorgio MJ note

Er bedeutete Vielen sehr viel. Danke Nate Griorgio, dafür, dass du deine Zeit und Gedanken mit uns geteilt hast.

Übersetzung: M.v.d.Linden

Mehr Arbeiten von Nate Giorgio findet ihr hier:

http://nategiorgio.com/thegallery/

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Bad 25  – by Nate Giorgio

Nate Giorgio is a renowned fine artist known for his stunning artwork.  His official site features classic drawings, paintings, and exclusive works for sale.  Nate was born in New York but now resides in California.  He started his professional art career in New York City and later opened his own studio accepting private commissions.  When entertainer Michael Jackson saw his work in 1984, he flew the artist to his home in California and signed Nate to an exclusive contract.  His paintings are now exhibited and collected by some of the most influential people in the world.”

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The MJCast Interview mit Vincent Paterson

The MJCast Interview mit Vincent Paterson – Episode 064

>> transcript english <<

Q (The MJCast): Heute möchten wir etwas sehr cooles mit euch teilen.

Jamon (The MJCast): Ja genau. Wir haben ein Interview mit einem sehr engen Mitarbeiter Michaels, dem großartigen Choreografen mit dem Namen Vincent Paterson. Es gibt eine Dokumentation über ihn mit dem Titel „Der Mann hinter dem Thron“ (The Man Behind the Throne), und ich denke, dass ist genau der richtige Ausdruck, um ihn zu beschreiben. Er ist ein Typ, der in Michaels Karriere nicht sehr oft im Scheinwerferlicht steht, aber er spielte bei vielen visuellen Aspekten von Michaels Kunst eine absolut wichtige Rolle. 

Q: Und ich denke, er hinterließ einen großen Fußabdruck in der Popkultur.

Jamon: Auf jeden Fall.

Q: Ja, also ich denke, wir sollten mit der Show beginnen.

Jamon: Ja, lass uns anfangen!

Botdf Vincent Paterson Michael Jackson

Q: Willkommen bei The MJCast! Ich heisse Q und heute bin ich hier mit Jamon Bull. Wenn die Leute über Michael Jacksons Karriere sprechen, werden einige Name oft erwähnt: die Studio-Genies Berry Gordy, Quincy Jones und Bruce Swedien. Ich denke, ein Name sollte bei dieser Aufzählung auch dabei sein, weil er genau so wichtig ist: Choreograf und Regisseur Vincent Paterson.

Jamon: Ja genau. Vincent Paterson begann seine Karriere mit Michael, als Assistent-Choreograf und Tänzer in den Kurzfilmen zu „Beat It“ und „Thriller“, bevor er das zeitlose Meisterstück „Smooth Criminal“ choreografierte. Auch bei anderen visuellen Meisterwerken, wie „Black or White“, „The Way you Make me Feel“, „Dirty Diana“ und „Blood on the Dancefloor“, spielte Vincent Paterson eine entscheidende Rolle. Aber seine Mitarbeit bezog sich nicht nur auf die Kurzfilme. Durch seine Regiearbeit und Choreografie der Bad World Tour, Michaels Super Bowl Performance und des MTV 10th Anniversary Specials, war er zudem wesentlich an Michaels Live Performances und seinem ikonischen Status in der Pop Kultur beteiligt. Vincent war ein wichtiger Mitarbeiter bei Michaels Performances und heute werden wir über seinen Werdegang sprechen. Danke Vincent, dass du uns bei The MJCast besuchst.

Vincent Paterson: Danke euch. Es ist mir eine Freude, hier zu sein und das war wirklich eine nette Einführung. Als ob meine Vergangenheit im Schnelldurchlauf an meinen Augen vorbei gezogen wäre. (lacht)

Q: Das war höchstens ein Kratzen an der Oberfläche, denn du hast mit so vielen unglaublichen Künstlern zusammen gearbeitet, wir könnten hier zwei Tage am Stück sitzen, und nur die Leute aufzählen, mit denen du gearbeitet hast.

Vincent Paterson: Wo ich die großartige Möglichkeit hatte, das zu tun. Oh ja. Vielleicht eine ganze Woche lang, wer weiß?

Q: Ja wirklich! Nenn einfach ein paar Namen. Also, du hast mit Madonna gearbeitet. Und und auch mit Miss Piggy, was auch sehr cool ist.

Vincent Paterson: Das stimmt ganz genau. Da gibt es so viele wunderbare Leute auf der Liste. Deshalb liebe ich mein Leben. Ich bin in der Welt der Schauspielerei genauso zu Hause, wie in der Welt des Tanzes… diese alten Leute, an die wir uns erinnern, oder von denen wir Bilder sehen, wie Bette Davis und Olivia de Havilland und Lucille Ball, all diese verrückten Frauen. Und die ganzen Pop Stars der 80er Jahre, von Diana Ross über Olivia Newton John, Billie Joel, Lionell Richie, alle Beatles ausser John. Oh mein Gott… so geht es immer weiter. …Und natürlich Antonio Banderas, der Film „Evita“ und die ganzen Leute, die in „The Birdcage“ mitspielten. Und Robbie Williams, Nathan Payne, Dianne Wiest, Gene Hackman, es ist einfach… ich kann garnicht glauben, dass ich das bin. Ich fühle mich irgendwie von all dem getrennt, weil ich doch nur dieses Kind aus „Nowheresville“ am Delaware Fluss war, wo es nur Ölraffinerien gab, und jetzt ist mein Leben künstlerisch so ausgefüllt. Aber da ich aus dieser Gegend kam, wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen, dass mein Leben sich so entwickeln könnte.

Q: Nun ja, du hast sogar einmal eine – nennen wir es Konzert-Review – von Papst Johannes Paul II bekommen?

Vincent Paterson:(lacht) Weißt du, was lustig ist? Irgendwann sah ich einen Horrorfilm, den Namen habe ich vergessen, aber der Vorspann enthielt ein Zitat von Papst Johannes Paul II, es war etwas wie „Hüte dich vor dem Teufel, denn der Teufel lebt in der Welt“, und ja, du hast recht. Der Mann muss teuflisch verrückt gewesen sein, denn diese Review vom Papst war die beste, die ich je bekam, sie bezog sich auf die Regie und Choreografie der „The Blonde Ambition Tour“. Ich hätte Satan zurück in die Welt gebracht und ich dachte nur, „Oh mein Gott! Ich wußte garnicht, dass ich diese Macht habe!“ (Lacht) Da bin ich einfach nur dieser Typ, der für irgendetwas Regie führte und choreografierte, einfach nur eine gute Zeit hatte, und dann stellt sich heraus, dass ich Satan zurück in die Welt brachte… man kann nie wissen, oder?

Q: Ich musste das einfach erwähnen. Schon als ich den Trailer zu deinem Film sah, dachte ich, „das muss ich erwähnen!“ Diesen Ruhm können ja nicht viele Leute für sich beanspruchen.

Vincent Paterson: Das ist richtig.

Q: Wow. Du hast erwähnt, dass du in der Nähe des Delaware Flusses aufgewachsen bist. Erzähl uns deine Geschichte. Wo hast du angefangen? Was sind deine ersten Erinnerungen an Tanz und Tanzen?

Vincent Paterson: Also, ich habe garkeine Erinnerungen an das Tanzen, denn ich habe bis ich 24 Jahre alt war, überhaupt nicht getanzt, aber…

Q: Wow!

Vincent Paterson: Meine Jugend war nicht einfach, ich musste eine Möglichkeit finden, dem zu entkommen. Ich war das älteste von 5 Kindern, und ich wußte, wenn ich nicht irgend eine Beschäftigung finde, würde ich mich noch umbringen oder so etwas. Als ich etwa 14 war kam ich zufällig zum Theater – und ich liebte es, die Möglichkeit zu haben, zu schauspielern und mich in all diese Rollen hinein zu versetzen, die mich weit von meiner eigenen Realität fort brachten. Ich tat es während der gesamten Highschool Zeit – und ich war ganz gut in der Highschool. Deshalb konnte ich weiter aufs College gehen. Meine Familie war arm. Sie konnten nie dafür bezahlen, aber ich bekam Stipendien, weil ich gute Noten hatte – ich war das, was man in der High School „Superhirn“ nannte. Also, ich ging dorthin und dachte, ich würde vielleicht einmal Anwalt. Ich dachte, auf diese Art könnte man viel Geld verdienen. Aber wie ein Idiot kam ich zum Theater und wurde Schauspieler und Regisseur. Ich ging aufs Dickinson College in Pennsylvania, ein sehr schöner Ort. Eine alte Schule, wunderschön. Dann ging ich nach Arizona, denn ich hatte in Philadelphia in einem Stück von Jean Genet mitgespielt, und mich entschlossen, irgendwo hinzuziehen, wo es warm war. Ich hasste die Kälte. Während meiner Kindheit sagte ich immer, „Wenn ich erwachsen bin, gehe ich nach Kalifornien.“ Niemand aus meiner Familie war jemals weiter als 15 Meilen von zuhause fort gewesen, deshalb dachten alle, ich wäre übergeschnappt. Aber ich setzte mich ins Auto und fuhr los, und kam im Sommer nach Tuscon, Arizona, und dort hatte es 30 Grad oder so…

Jedenfalls war es wunderbar, auch im Januar, was bei uns der Winter ist. Also blieb ich da und jeden Tag, wenn ich zur Arbeit ging, kam ich an einem Ballett Studio vorbei und dachte mir, „Eigentlich bin ich ein richtiger Theater-Maulwurf. Ich habe noch nie wirklich trainiert. Ich muss trainieren.“ Ich ging also in dieses Studio und fragte nach Kursen für Erwachsene. „Nein, das haben wir nicht, aber Kurse für Teenager.“ „Ok“, dachte ich, „was soll’s, ich mach es einfach“. Ich besuchte den Teenager Ballett-Kurs. Ich lieh ich mir aus der Bücherei diese Bücher über Nureyev oder Balanchine oder Baryshnikov aus, und weil ich im Kurs sehr schlecht war, aber Schauspieler, stellte ich mir im Ballett-Kurs vor, einer dieser Leute zu sein. Wenn ich die Bewegungen aus der Rolle eines dieser Charaktere anging, begann mein Körper die Sprache der Bewegung zu verstehen – und so begann es. Und ich war 24, als ich damit anfing, und mit 28 hatte ich mich entschieden, dass es genau das war, was ich tun wollte und zog nach LA. Das war dann die Chance meines Lebens.

Jamon: Wow, sehr beeindruckend. Danke, dass du uns deine Geschichte kurz erzählt hast. Könntest du uns ein paar deine Inspirationen im Bereich des Tanzes verraten?

Vincent Paterson: Also, da ich ja nicht aus der Welt des Tanzes kam, war Tanz auch nicht das, was mich inspirierte. Das Theater inspirierte mich! Filme inspirierten mich! Großartige Fotografie inspirierte mich! Ich war ja schon erwachsen, als ich zum Tanz kam, und da wo ich her kam, tanzte niemand. Tanz war gar kein Thema. Es war eher so, dass man gesagt hätte, du wirst dir die Beine brechen, wenn du einen Tanzkurs besuchst. (lacht) Also Tanzen war da, wo ich her kam, wirklich nicht Teil des Lebens der Leute, glaubt’s mir. Da arbeitete man in Ölraffinerien, Beerdigungsinstituten, auf Bowlingbahnen oder in Pizzabuden. So war das da, wo ich aufwuchs.

Q: Ein wahrer Billie Elliot.

Vincent Paterson: Du hast es erfasst. Genau wie bei Billie Elliot, ausser, dass ich mit 12 Jahren noch keine Tanzkurse besuchte. Wie auch immer… der erste Tanz, den ich sah, war die Alvin Ailey’s Company und dort sah ich eine hervorragende schwarze Tänzerin namens Judith Jamison, die „Cry“, einen von Alvin Ailey choreografierten Tanz tanzte. Sie trug ein weißes Kleid und es war ein Solo, und ich war in Philadelphia um meine Familie zu besuchen und es war einfach unglaublich. Es war so wundervoll. Es berührte mich so tief und es war wohl der Beginn meines Weges, herauszufinden, was es mit dieser „Tanz-Geschichte“ auf sich hat. Danach sah ich mir einige alte Musicals an, denn meine Familie war nie ein Fan von Musicals oder etwas in der Art und wir gingen ganz bestimmt auch nie ins Theater. Wir wussten nicht einmal, wo ein Theater war. Ich begann also damit, alte Fred Astaire Filme anzusehen, oder Gene Kelly Filme und ich fand sie einfach fantastisch. Auch Bob Fosseys Arbeiten in diesen Filmen aus den 1940er und-50er Jahren. Und mir gefiel, was er mit Jack Cole und Marilyn Monroe machte in „Gentlemen prefer Blondes“. All das war hochinteressant. Als ich dann in LA Tanzkurse besuchte, hatte ich das Glück, großartige Lehrer zu haben, die mir eine große Bandbreite an Bewegungen vermittelten. Ich studierte all das, was man jetzt „Contemporary“ (zeitgenössisch) nennt, – damals hiess es nicht so – bei zwei Leuten namens Bill und Jacqui Landrum, einem Ehepaar. Sie waren fantastisch. Ich lernte Jazz von Michael Peters, der, wie wir wissen, ein großartiger Choreograf ist, und dessen Mentor, Lester Wilson, der in gewisser Weise der Urheber vieler der Bewegungen war, die Michael inspirierten. Lester machte auch viele Sachen für einige berühmte Frauen: Diana Ross und eine Frau, die ich nie kennenlernte, aber sie heisst Lola Falana. Eine schwarze Frau, fabelhaft und sexy, und sie machte viele Sachen in der Art von Jack Cole oder im Stil Marilyn Monroe. Das waren also meine Lehrer. Ich lernte modernen Tanz, Ballett, Flamenco, und ein klein wenig Stepptanz, nicht wirklich viel. Street-Dance war gerade erst am entstehen, als ich mit meinen Kursen aufhörte und mit Choreografieren begann, deshalb nahm ich nicht all zuviel von dieser Technik auf, nur ein wenig von den Anfängen. Zu der Zeit hatte ich entschieden, dass ich genug gelernt hatte und eigentlich choreografieren und Regie führen wollte. Sinngemäß war es so, dass ich nie Schauspieler sein wollte, sondern Regisseur.

Set Smooth Criminal _Paterson_Jackson

Q: Für mich hat diese Antwort jetzt einige Dinge erklärt. Da Tanz etwas sehr visuelles ist, und dann zu hören, dass deine Inspirationen auch vom Theater und Film stammen, erklärt, warum einige deiner Stücke so einprägsam und theatralisch sind, so ganz anders. Deshalb vielen Dank für deine Antwort. So fügt sich alles zusammen, unglaublich, das zu hören.

Vincent Paterson: Oh, sehr cool.

Q: Wie ging es mit deiner Karriere dann weiter? Wie alt warst du und wie kam es dazu, dass deine Karriere einige der bekanntesten Namen der Entertainment-Welt beinhaltet? Wie kam es, dass du, obwohl du erst so spät mit dem Tanzen angefangen hast, so erfolgreich wurdest?

Vincent Paterson: Als ich nach Los Angeles zog, hatte ich nur 1000 Dollar. Das war Ende der 1970er Jahre und das war alles, was ich besaß. Ein paar Freunde aus Tucson gaben mir den Namen eines Typen und eines Mädchens, die schon hier lebten und meinten, ich könnte in ihrem Appartement wohnen, denn sonst hatte ich keine Bleibe. Ich kam dorthin und es stellte sich heraus, dass der Typ ein Ex-Vietnam Soldat war, aber er war eine unglaubliche black Drag-Queen, einfach phänomenal, ungeheuerlich. Die unglaublichste Person, die ich je kennenlernte und das Mädchen war eine hübsche Prostituierte, ein weisses Mädchen mit 2 französischen Pudeln. Und die beiden waren die süßesten Menschen, die es nur geben konnte, unglaublich großzügig. Sie gaben mir eine Ecke in ihrem 1-Zimmer Appartement und wollten kein Geld dafür. Sie sagten mir nur, dass ich zu bestimmten Zeiten, in denen sie ihrem Geschäft nachgingen, nicht da sein könnte. Aber bis auf das haben sie… sie haben mir sozusagen das Leben gerettet. Ich zog im Januar nach LA und bewarb mich neun Monate lang für jede Audition, denn ich hatte mir geschworen, Tänzer zu werden. Würde ich davon nicht leben können, würde ich dieses Geschäft nicht weiter verfolgen und etwas anderes probieren. Es war im September, und ich hatte schon ein paar Tage nichts gegessen, als ein Freund mich in ein Restaurant einlud. Dort las ich auf einem Schild, dass sie Kellner suchten, also ging ich hin und fragte nach. Sie sagten, ich müsse zur Abendschicht wieder kommen. Dann ging ich zu meiner – wie ich dachte – letzten Tanzstunde mit Bill und Jacqui Landrum und das Telefon klingelte. Ich ging raus und nahm das Gespräch an. Es war ein Choreograf, den ich noch nicht kannte. Er sagte: „Hör zu, ich mache ein TV Special und brauche noch einen weiteren Tänzer. Und Lester Wilson – (das ist der, den ich schon zuvor erwähnte) – Lester Wilson hat mir deinen Namen genannt und gesagt, ich sollte dich bei der Tanzstunde ansehen. Kann ich das tun?“ Ich sagte: „Aber bitte!“ Also kam er, nahm mich aus dem Kurs und gab mir meinen ersten Job. Es war ein TV Special. Und ab da passte ich ins Bild. Ich ging natürlich zu vielen Auditions, aber ich lernte auch immer mehr Choreografen kennen, und auf diese Weise kam man zu der Zeit hauptsächlich an die Gigs. Wenn du deine Sache gut gemacht hast, riefen sie dich an, um zu hören, ob du den nächsten Job wolltest. So hab ich das gemacht. Ich tanzte sehr viel. Ich ging mit Shirley McLaine auf Welttournee. Ich kam sogar mit ihr nach Australien, während einem meiner ersten Jobs. Und ich machte auch viel fürs TV, viele Werbespots. Und dann ging ich zur Audition für Beat It. Wollt ihr diese Geschichte hören?

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Q: Na klar.

Vincent Paterson: (lacht) Also dann… ich hörte… Michael Peters sagte zu mir: „Ich kann dir den Gig nicht einfach geben, aber du kannst zur Audition kommen, und Michael Jackson wird entscheiden, wer dabei sein wird.“ Ich sagte: „Ok, fein, das macht nichts“. Ich war ja Schauspieler und ich wusste ausserdem, dass es um Gangs gehen würde. Ich kam also zur Audition und war so ähnlich angezogen, wie ich dann später auch im Video, als dieser Gang-Anführer bei dem Messerkampf, gekleidet war. Ich kam dahin mit einem schmuddeligen Bart, etwas fettigen Haaren, ich trug einen Ohrring und Jeans und eine Jacke – und all die anderen Typen kamen als Tänzer. Sie trugen enge Hosen, Tank-Tops, Stulpen und Jazz-Schuhe. Naja, es ist halt sehr schwer, in einem pinken Tank-Top, Stulpen und Jazz-Schuhen wie ein Gangmitglied auszusehen, verstehst du? (lacht)

Q: Ok, kommt darauf an, welche Gang es ist, oder?

Vincent Paterson: (lacht) Ja, genau! Ich glaube aber nicht, dass sie bei diesem Film nach dieser Sorte Gang Ausschau hielten. (lacht) Ok, ich bemerkte schon gleich als ich rein kam, noch bevor wir tanzten, dass Michael Jacksons Augen mir folgten. Und er sprach mit Michael Peters: „Wer ist das?“ Zum Glück konnte ich auch tanzen und den Look unterstützen. Ich bekam also diesen Gig. Und das führte zu ganz vielen anderen Dingen, wirklich sehr vielen… Aus choreografischer Sicht – bevor ich dann über Michael spreche – waren einige der anderen, für die ich arbeitete George Harrison, Ringo Starr, all die Größen der 80er. Donna Summer, Pat Benatar, Billy Joel. Oh mein Gott.. Ich führte Regie bei einer großen Benefiz Veranstaltung für die AIDS Hilfe, bei der Elton John, Billy Joel, Liza Minelli, Barbra Streisand, Patti LaBelle, Natalie Cole, Kenny Loggins, Wyonna Judd, Sheila E dabei waren. Oh, ja.. das alles kam durch Beat It. Es öffnete mir jede Tür. Die Anrufe kamen einfach, auch wenn ich es garnicht choreografiert hatte.

Wegen Michael Jackson, und auch wegen Madonna, aber vor allem wegen Michael, weil er ein Mann war, wollte sich jeder in der Rock-Welt bewegen. Van Halen, sie riefen mich auch. Ich machte 2 Projekte mit Van Halen, „Hot for Teacher“ und „California Girls“ für David Lee Roth. Alle wollten sich bewegen, sie waren nicht mehr damit zufrieden, einfach nur hinter ihren Instrumenten zu stehen und zu spielen. Michael hatte also für Leute wie mich und andere junge Choreografen, die sonst nicht gewusst hätten, was sie mit ihrem Leben hätten anfangen sollen, eine ganz neue Welt an Möglichkeiten eröffnet. Sie dachten, es gibt nur Michael Jackson und Madonna und ein paar andere, aber die Dinge änderten sich und eine ganze Welt tat sich auf. Ja, er tat wirklich eine Menge. Er tat so viel. Und weil ich gerade dabei bin, ihn zu preisen, lasst mich noch eine Sache sagen. Eines der Dinge, die sich als Reaktion auf seine Kurzfilme veränderte, war, dass er nicht nur den Tanz zurück in die Welt brachte, denn seit der Zeit von Fred Astaire gab es da wirklich nicht viel, höchstens vielleicht „American Bandstand“ und „Soul Train“, aber ich weiß nicht, wann genau das war. Er brachte wirklich den Tanz zurück und er zerstörte das Stigma, dass männliche, schwule Ballett-Tänzers die einzigen Männer sind, die tanzen konnten und von der Gesellschaft akzeptiert wurden. Und wegen seinen Kurzfilmen begannen Männer zu tanzen, ohne sich dafür zu schämen. Und ich glaube, das ist der Grund, warum sich Street-Dance entwickelte, und Hip-Hop und alles andere, das davon abstammt. Ich bin wirklich überzeugt, MJ war der Katalysator für Männer, die tanzen wollten und er gab ihnen die Möglichkeit zu sagen: „Yeah, das ist völlig ok, und vielleicht bekomme ich sogar einen Gig“.

Beat It

Jamon: Wow. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich das höre. Brillante historische Zusammenhänge. Vielen Dank.

Vincent Paterson: Wirklich wahr.

Jamon: Yeah. Bevor wir weiter über einige der Michael Jackson Projekte sprechen, an denen du gearbeitet hast, möchte ich noch einmal zurück gehen und dich nach deinen ersten Erinnerungen an Michael Jackson fragen.

Vincent Paterson: Nun, ich habe ihn immer im Radio gehört. „ABC“, als er ein Kind war, zusammen mit den Jackson 5, aber es war nicht wirklich meine Art Musik. Das kam zu der Zeit, wo ich selbst nur wenig älter war, und nicht diese Kinderstimmen hören wollte. Den Groove dieser Musik mochte ich natürlich, aber ich begeisterte mich mehr für die Musik der Hippie Ära, das waren die Leute, denen ich zuhörte, Grateful Dead und ähnliche Bands. Aber ich bewegte mich gerne, ich tanzte gerne, und deshalb hörte ich auch Jackson 5, genau wie ich auch viel Musik von anderen Leuten hörte, auch von Prince. Meine erste wirkliche Erinnerung an Michaels Stimme stammt eher von „Billie Jean“, denn als er die Familie verließ und sich als Solokünstler etablierte, bekam er für mich eine andere Wertigkeit. Ansonsten waren sie eigentlich mit „The Osmonds“ vergleichbar, nur mit mehr Funk. Eine Familien Band, alle anständig und witzig und mit einer eigenen Cartoonserie, aber das war für mich nicht wirklich Kunst. Als er dann aber seinen ganz eigenen Bereich betrat und seine eigene Stimme erforschte und fand, und der Sound, der dann entstand, das war seine Kunst und es begann mit Billie Jean. Ab da nahm ich ihn wahr.

Q: Ich nehme an, als du zum ersten Mal mit ihm gearbeitet hast, bei „Beat It“, kam er gerade von einer Tour mit seinen Brüdern zurück, hatte gerade zuvor das Thriller Album veröffentlicht, das supergut lief und war zu der Zeit auch schon in den Medien präsent. Hattest du zu der Zeit, bevor du mit ihm gearbeitet hast, irgendeine Meinung über Michael Jackson?

Vincent Paterson: Nein, hatte ich nicht. Und obwohl du all das genannt hast, gab es zu der Zeit keine Leute, die Michael Jackson verfolgten. Während dieser Zeit arbeiteten wir in einem großen Tanzstudio hier im San Fernando Valley, in Debbie Reynolds Studio. Und er kam, soweit ich mich erinnere, nur mit diesem Typ, der so etwas wie sein Bodyguard war, aber er war etwas älter als ein Bodyguard. Er war eigentlich mehr ein Freund. Sein Name war Bill Bray.

Q: Oh ja, der Kerl mit dem Hut.

Vincent Paterson: Ja, Bill. Zu den Proben kamen nur Michael und Bill Bray. Bill wartete dann im Auto oder so, und ich war mit Michael Peters und Michael in einem Raum, in dem wir arbeiteten, herum hangen und verrückte Dinge ausprobierten… Yeah, das war nicht „Michael Jackson“, wie wir uns das vorstellen, er wurde nicht verfolgt, es standen keine Leute draussen, die Autogramme wollten. Nach „Beat It“ gingen wir dann wieder in das gleiche Studio, um an „Thriller“ zu arbeiten, und dann waren schon ein paar mehr Leute da. Dieses Mal wurde Michael im Gang oder am Weg zum Parkplatz aufgehalten, um Autogramme zu geben. Aber es war wirklich erst nach „Beat It“ als sein Stern aufging und die Leute ihn beachteten, ihn wirklich erkannten und ihm folgten und all der Mob begann.

Jamon: Erzähl uns etwas mehr über das Filmen von „Beat It“. Was war das erste, was Michael zu dir sagte und worüber habt ihr euch unterhalten?

Vincent Paterson: Also an alles erinnere ich mich nicht mehr. Wirklich, das ist ja schon etwa 8000 Jahre her. Aber der Grund, warum ich mit Michael so gut aus kam, dazu muss ich sagen, dass ich nie jemand war, der unbedingt super eng mit Prominenten befreundet sein wollte, so wie viele andere es gerne wären. Und normalerweise, weil sie etwas von ihnen wollen. Und ich wollte nie etwas von Michael, oder von irgendeinem der Prominenten, mit denen ich arbeitete, ausser, dass ich vielleicht gerne die Chance hätte, noch mehr mit ihnen zu erschaffen, an weiteren Projekten zu arbeiten. Aber einer der Gründe, weshalb wir so gut zusammen gearbeitet haben ist, dass wir den gleichen Sinn für Humor haben und wir im Herzen Kinder sind, und einfach grundsätzlich nette Menschen.

Michael war so schüchtern. Er wollte die ganze Zeit in seinem Trailer bleiben und ich klopfte dann an seine Tür, ging rein und sagte: „Komm, lass uns etwas draussen herum laufen. Lass uns mitten ins Geschehen gehen.“ Und er sagte: „Ach nein, ich weiß nicht“, und ich: „Jetzt komm schon, komm einfach. Wenn es dir nicht gefällt, oder wenn es schrecklich ist, gehen wir einfach wieder zurück.“ „Ok, ok..“ Wir gingen dann raus und redeten, und ich erzähle euch eine coole Geschichte, die am Set von „Beat It“ passierte. Wir beide standen dort und warteten auf die Einrichtung einer der Szenen, welche es war, weiß ich nicht mehr. Ich unterhielt mich mit ihm und wir standen auf einem Gehweg, in der Nähe von ein paar Gebäuden. Mir fiel auf, dass etwas auf seine Schulter tropfte, aber er trug diese rote Jacke. Ich sagte: „Was tropft da auf deine Schulter?“ und steckte meinen Finger hinein – es war Blut. Wir sahen nach oben, und da war dieser Typ, der angeschossen oder gestochen worden war, und er kroch gerade aus einem Fenster auf die Feuerleiter, einen Stock nach oben und verschwand in einem anderen Fenster. Es war verrückt. Wir sahen uns an und dachten: „Oh mein Gott, wir sind wirklich in Downtown LA! Das ist kein Film, das ist die Realität!“

Q: „Wir sind nicht mehr in Kansas, Toto.“ (We’re not in Kansas anymore, Toto – Zitat aus The Wizard of Oz)

Vincent Paterson: Ja genau! Das war also eines der abenteuerlichen Dinge, die passierten. Ansonsten war es ein typischer Film-Dreh, du bereitest dich vor, du machst deine Arbeit und du machst es noch eimal, und noch einmal, und noch einmal… 25 Aufnahmen später tust du immer noch das Gleiche, und jedes Mal musst du so tun, als wäre es das erste Mal. Aber es war großartig, und immer neben Michael zu tanzen war mehr als aufregend. Er hat diese unglaubliche Energie, man kann sagen, sie fliesst einfach, sie schießt aus seinem Körper, und wenn du in der Nähe bist, wirst du daran angeschlossen. Und wenn ich darüber nachdenke – ich bin einfach nur ehrlich und kein Egozentriker… also, er war kein ausgebildeter Tänzer. Ich bin sicher er erlernte ein paar Dinge bei Motown. Er konnte steppen und er arbeitete jeden Sonntag mit ein paar Streetdancern und perfektionierte seinen persönlichen „Street Look“, aber er war kein ausgebildeter Tänzer. Er nahm keine Jazz- und Ballett-Kurse so wie wir anderen, die in diesen Videos um ihn herum waren. Wenn du aber ihn ansiehst und dann uns… da gibt es keinen Unterschied. Ich will sagen, es ist, als hätte er jeden einzelnen Tag in den letzten 25 Jahren seines Lebens trainiert, so wie all die anderen dort! Phänomenal, einfach phänomenal!

Und das war das Thema, nachdem wir den ersten Durchgang von Thriller gemacht hatten. Ich erinnere mich, dass jeder schockiert war, weil wir nur 2 Tage mit Michael verbracht hatten und zusammen mit Michael Peters Thriller eingeübt hatten. Wir kamen ins Studio, holten die restlichen Tänzer dazu und führten die erste Probe durch. Die Leute flippten aus, denn jeder schrie „Ja, ja! Oh mein Gott! Ja!“ Und er war so schüchtern und verlegen, und ich ging zu ihm hin, klopfte ihm auf den Rücken und umarmte ihn… (lacht) ja, das ist eine nette Geschichte, ich habe lange nicht mehr daran gedacht.

mj_me_in_thriller

Q: Oh, unglaublich! Wir sind wirklich begeistert, dass wir mit dir sprechen können und wahrscheinlich werden wir noch öfter in der Zeit vor und zurück springen. Ich wurde durch „Black or White“ zum Mega-Fan, das war die erste Single seines neuen Albums. Das Video war gigantisch, und das Konzept entwickelte sich, als der Film gedreht wurde. Erzähl uns etwas über die Tanzszenen, die in diesem Video gezeigt werden, und warum sie im Vergleich zu anderen Tanzszenen Michaels einmalig sind. Vielleicht sagst du auch etwas zu der tieferen Bedeutung hinter den Moves und der Choreografie, denn in diesem Film steckt so viel drin.

Vincent Paterson: Also, das war so. Natürlich muss ich dazu noch sagen, dass jeder seine eigenen Erinnerungen an bestimmte Dinge hat, aber ich bin 99-100% sicher, dass es so war. Ich kam am ersten Tag, an dem John Michael filmen sollte, dazu. Ich möchte sagen, dass John Landis hervorragend ist. Ein großartiger Regisseur, witzig und talentiert. Also richtet sich das hier in keinster Weise gegen John. Und er filmte Thriller, also ist er brillant. Aber – Michael rief mich zu sich und ich ging zu seinem Trailer und er flippte aus… also nicht auf wütende Art, das tat er nie, es war Nervösität. Er sagte: „Oh mein Gott! Vince, du musst mir helfen. Wir können das nicht machen!“ Und ich fragte: „Was?“. Und er: „Ich sag dir, was John tun will: Er möchte mich zu Ehren dieses Fotografen filmen, der Portraits von Leuten immer vor einem grauen Hintergrund fotografierte, und er sagte, er möchte das gesamte „Black or White“ Video mit mir in einer Ecke mit nichts als grauen Wänden filmen, und das ist alles! Ich erkenne ja an, das er mich für interessant genug hält, so etwas tun zu können, aber das kann ich meinen Fans nicht antun! Das kann ich nicht machen! Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin so aufgebracht!” Ich sagte zu ihm: „Lass uns einfach darüber reden.“ Wir redeten und ich sagte zu ihm: „Sieh mal, dieses Lied heisst „Black or White“ und du sprichst darin über alle möglichen Nationalitäten der Welt. Was wäre, wenn wir jeden Abschnitt woanders filmen würden? Etwas hier, etwas da und etwas dort?“ Der Anfang war so geplant, in Afrika, und er tanzt auf diesem grauen Set. So sollte es bleiben, durch den ganzen Rest des Videos hindurch. Ich warf einfach Ideen in den Raum. Und Michael warf Ideen in den Raum. Ich sagte: „Wie wäre es, wenn wir thailändische Tänzerinnen hätten?“ Und er: „ Ja, ja, das ist cool.“ „Was wäre mit Indianern?“ „Oh ja, großartig!“ „Und russische Cowboys?“ Wir hatten einfach alle möglichen Ideen, als wir da zusammen saßen, und wir hatten noch keine Ahnung, wo wir all das filmen wollten, aber wir wussten, es würde ein viel spannenderer Film werden.

John hatte zwei weitere interessante Szenenbilder: Das Bild von Michael, wie er gegen die Feuerwand läuft und die Freiheitsstatue. Das war das vorgesehene Ende, aber der gesamte Mittelteil sollte vor diesem Grau gedreht werden. Also setzten MJ und ich uns zusammen und stellten die Dinge zusammen: „Ok, in dem Teil kann das passieren, hier kann das passieren und in diesem Teil das.“ Wir riefen John und redeten mit ihm, Michael war ganz ehrlich und sagte: – Das war Michael, Ich habe mit so vielen Leuten gearbeitet und viele von ihnen wäre es einfach zu peinlich gewesen oder sie wären sich zu fein gewesen, um überhaupt mit John Landis zu reden und hätten stattdessen jemanden beauftragt, ihn raus zu werfen. So grob erledigt man das in Hollywood. Aber hier haben wir Michael, er ist einfach so nett. – Also, er ruft John und sagt: „John, ich liebe alles, was du dir ausgedacht hast, aber es ist so, dass meine Fans einfach viel mehr erwarten und ich möchte ihnen auch viel mehr bieten, denn ohne meine Fans, bin ich nichts. Und ich liebe sie alle und sie lieben mich. Ich kann nicht einfach das ganze Teil vor diesem Grau machen, das geht einfach nicht.“ Und er sagt: „Vince und ich haben etwas ausgearbeitet, wir haben all diese Ideen, und wir wollen sie dir zeigen.“ Und John sah sie sich an und sagte „Yeah, sieht gut aus.“ So ist John. „Ok, lasst uns ein paar Leute von der Produktion her rufen und die richtigen Locations finden, um das zu drehen. Ich seh’ euch beide dann später,“ und dann ging er wieder raus. Michael umarmte mich, er sagte: „Danke, vielen Dank!“ Und ich antwortete: „Nein, hör zu, ich bin ganz deiner Meinung. Ich glaube, du musst es mal so sehen, Michael. John glaubt einfach an dein Talent und für ihn könntest du in einem leeren Raum tanzen und du wärst trotzdem spektakulär. Und die Wahrheit ist, für deine Fans könntest du auch in einem leeren Raum, singen und tanzen. Aber ich verstehe dich, du möchtest etwas großes tun. Du sagst mir immer, du möchtest etwas tun, was die Welt zuvor noch nicht gesehen hat. Das hast du immer gesagt, also lass es uns tun.“

paterson bow

So fing das alles an. Wir arbeiteten die Sachen aus und holten uns Tänzer und verschiedene andere Dinge und dann kam John dazu und sagte: „Oh, diesen russischen Tanz könnten wir vielleicht in einer Art Schneekugel filmen und dann zu den Kindern schwenken, die die Kugel schütteln.“ Es war nett, er stieg einfach in unsere Welt ein, und wir arbeiteten das zu dritt aus. Und dann ging es um den zweiten Teil. Wir wussten, er würde sehr improvisiert sein. Wir wollten das nicht zu sehr kontrollieren. Michael und ich gingen in ein Studio und wir erschufen eine kleines Repertoire an Bewegungen, viele von denen, die Michael liebte, nachdem ich ihn für diese Crotch-Grab Sache begeistert hatte. Er liebte diesen Move! Und dann gefiel es ihm, ihn von seiner Brust aus zu beginnen und die Hand nach unten zu bewegen… Und vieles von dem, was wir während der Bad Tour gemacht hatten. Er liebte es, wenn er im Wind stand. Michael war einer der Menschen der Dinge, in die er sich einmal verliebt hatte, immer wieder tun wollte. Er mochte auch, wenn das Licht ihn von unten beleuchtete, und der Wind von unten blies. Das liebte er so sehr. Also nahmen wir das mit auf. Dann gingen wir mit dem Produktions-Team über das Set und wir sagten: „Lasst uns hier ein Auto hinstellen, und dort einen Mülleimer, dahinten einen Hydrant.“ Wir gingen dann durch das Set, bevor wir filmten und legten fest: „Wenn du an diese Stelle kommst, dann machst du das, und an dieser Stelle jenes. Wenn du dann hier bist, machst du, was immer du magst. Wenn du zu dem Auto kommst, springst du auf das Dach und tanzt darauf, so wie du gerade magst. Dann gehst du durch das Wasser und tanzt bis du schliesslich auf deine Knie fällst und schliesslich stehst du auf und verwandelst dich in einen schwarzen Panther.“ Und genau so wurde es gemacht. Ich meine, es war absolut beeindruckend, es war eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen Michael einfach improvisierte, ausser bei diesem kleinen Mittelteil von „Smooth Criminal“. Ich denke, er vertraute sicherlich John und er vertraute mir ganz bestimmt. Wenn Michael sich jemand suchte, mit dem er zusammen arbeiten wollte, setzte er sehr viel Vertrauen in dich, und er hörte dir zu und ich versuchte immer wie ein Spiegel zu sein und sagte: „Das ist, was ich sehe, und ich zeige es dir, aber es ist deine Entscheidung, welchen Weg du gehen willst.“

Ja, sehr lange Geschichte, tut mir leid, falls sie zu lang war. Das war „Black or White“.

Jamon: Nein, ganz wunderbar!

Q: Es kann nie zu lang sein.

Jamon: Danke, und es war toll, diese Geschichte zu hören, denn zuvor hatten wir schon Kevin Stea bei der Show und…

Vincent Paterson: Oh ja, Kevin war hier!

Jamon: Ja, er war hier und seine Version der Geschichte war im Grunde so wie deine… (lacht)

Vincent Paterson: Ok, gut. (lacht)

Q: Ich möchte nur noch ein bisschen mehr wissen und fragen, ob Michael irgendetwas darüber sagte, eine bestimmte Bedeutung in die Moves und die Choreografie zu legen, ich meine nicht eine politische Bedeutung, aber das Video hat ganz offensichtlich eine sehr wichtige Botschaft. Wie hat er diese versucht in die Moves und die Choreografie zu legen?

Vincent Paterson: Also, ich denke, wir legten die Botschaft nicht in die Choreografie. Wir steckten die Botschaft in Besetzung. Wir begannen mit Schwarzen in Afrika. Wir gingen nach Asien, Thailand. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht an die Reihenfolge erinnern. Wir gingen zu der Bollywood Tänzerin. Wir gingen zu den amerikanischen Indianern, auch die wollten wir einbeziehen. Und dann weiter nach Russland, und zu den Kindern am Gehweg, amerikanische Kinder. Wir haben es auf diese Art gemacht. Wir dachten, Black or White bezieht sich auf jede nur mögliche Rasse, und ich erschuf dann die Bewegungen jeweils passend zu den Ethnien, die wir einbezogen. Und zu der Art, wie Michael und ich zusammen arbeiteten, das ging etwa so, dass ich alles choreografierte und dann Freiräume für ihn lies, damit er seine eigenen Sachen einbringen konnte, und dann tanzte er meine Teile mit den anderen Beteiligten, und dann seine eigenen Sachen, dann wieder meine Teile, und wieder seine… Das war die Arbeitsweise, die bei uns am besten funktionierte, und er liebte es, neue Choreografien auszuprobieren. Er wollte nicht die ganze Zeit über nur seine eigenen Sachen machen. Das war großartig. Und zwischendurch veränderte er immer mal wieder einen Beat oder Akzent von dem, was ich kreiert hatte, denn er sagte immer, wenn er es nicht ganz genau auf dem Beat fühle, wo er es fühlen wollte, dann sagte er; „Lass es uns auf den nächsten Beat legen, denn man muss es fühlen, du musst es fühlen!“ Und ich sagte: „Ok, Michael, lass es uns fühlen!“ (lacht) Also tanzten wir und wir veränderten es solange, bis wir beide es fühlten. Er war so fantastisch, es war so eine Freude, mit ihm zu arbeiten.

Jamon: „Black or White“ wurde zu einem Nr. 1 Hit und ist sicherlich einer der erfolgreichsten Songs in Michaels Karriere. Wie war das, aus der Sicht eines Mitarbeiters, zu beobachten, wie dieser Song, von dem du Teil warst, auf den 1. Platz stieg? Wie fühlte sich das an?

Vincent Paterson: Weißt du, ganz ehrlich – und ich meine das nicht einmal aus Bescheidenheit, sondern einfach nur ehrlich, es ist wohl Teil meiner eigenen Unsicherheit: Ich liebe den Entstehungsprozess mehr als das Ergebnis. Nach einer Zeit gehe ich gerne mal zurück, und sehe mir etwas an, das ich kreiert habe und bin sehr dankbar dafür, die Möglichkeit gehabt zu haben, so kreativ sein zu dürfen, mich so ausdrücken zu dürfen. Aber meine Gedanken drehen sich nicht um das Ergebnis meiner Arbeit. Ich muss nur meinen künstlerischen Instinkt in die Dinge vertrauen, die während des kreativen Prozesses passieren. Und dann kommt der Zeitpunkt, an dem es dem Publikum vorgestellt wird, sei es durch Film, einer Tour, durch Theater oder was auch immer. Das ist, was ich liebe. Diese Dinge nähren mich als Künstler. Was passiert danach? Es ist politisch, es ist persönlich es hat nichts mehr mit mir zu tun. Es ist weg, es gehört jetzt den Performern. Es gehört dem Universum und den Menschen, die es wahrnehmen, wie auch immer sie das tun. Ich bin einfach immer dankbar, dass ich diese Möglichkeiten habe, und dass viele Menschen deshalb meine Arbeit sehen können, ich bin wirklich sehr dankbar dafür. Ich mache mir nie Gedanken darüber, ob sie es lieben oder hassen werden. Ich kann meine Kunst nicht danach ausrichten, ich muss immer meinen Instinkten vertrauen.

Jamon: In dem Zusammenhang war es beim „Black or White“ Film jedoch offensichtlich so, dass die Fangemeinde und Musikliebhaber diesen Song und den Film absolut lieben.

Vincent Paterson: Nein, taten sie nicht! Das stimmt nicht. Was passierte war tatsächlich eher genau das Gegenteil. Es war das erste Mal, dass Michael, wegen diesem letzten Teil Gegenwind von den Fans, der Öffentlichkeit und der Presse bekam. Ich kam eines Morgens in seinen Trailer und er weinte. Wegen der ganzen negativen Presse und all diesen Leuten, die sich Michael als Peter Pan vorstellten, der nie erwachsen werden würde, und plötzlich sahen sie ihn als diesen Typen, mit einer politischen Stimme, der einen Mülleimer durch eine Nazi-Swastika schmiss; und diesen Michael wollten sie nicht akzeptieren. Es brach ihm wirklich das Herz und er weinte und sagte zu mir: „Wie können Leute das nur von mir denken? Ich habe doch nichts gemeines gesagt. Ich sagte nur das, was ich für die Wahrheit halte und woran andere Leute glauben sollten. Ich glaube, auf der Welt sollte Frieden herrschen. Ich glaube, die Menschen sollten nicht rassistisch sein. Ich denke, das ist eine wichtige Botschaft.“ Ich muss euch also hier widersprechen. Natürlich war es erfolgreich, aber ihr erinnert euch auch daran, was passierte. Sie mussten diesen letzten Teil weglassen.

Q: Mir war nicht bewusst, dass er auch von den Fans Gegenwind bekam. Wir sprechen immer über die Kritik der Medien, und soweit es mich persönlich betrifft, – wobei ich nicht weiß, ob ich als junger Teenager, so alt wie die Kinder am Gehweg, die wirkliche Zielgruppe war, – aber ich liebte es, sogar das Ende. Vielleicht habe ich es nicht verstanden, aber ich liebte es. Es hat mich einfach umgehauen, ich hatte also definitiv kein Problem damit.

Vincent Paterson: Yeah, ich erinnere mich daran, wie er – also nicht, dass ich es wörtlich auf schreiben könnte – aber ich erinnere mich, dass er mir sagte, dass die Presse und viele seiner Fans ihm geschrieben und ihm gesagt hätten: „Warum hast du so etwas gemacht“ und „Wie konntest du das nur tun“? Und er war… er war ein sehr sensibler Mann, und er war sehr beunruhigt deshalb und er war doch immer durch die Liebe für seine Fans angetrieben. Jedes Mal, wenn wir etwas kreierten, stellte er dem immer voraus: „Ich möchte etwas erschaffen, was die Welt nie zuvor gesehen hat, und ich möchte, dass und bewusst ist, dass wir es für die Fans tun.“ Das war seine Philosophie.

vince paterson

Jamon: Als ich zum Michael Jackson Fan wurde, War „Smooth Criminal“ der Kurzfilm, den ich am häufigsten ansah. Ich halte ihn für ein absolutes Meisterstück und ich weiß, dass auch Michael sagte, er habe zu diesem Film sicherlich die meisten Kommentare, das meiste positive Feedback, bekommen.

Vincent Paterson: Yeah.

Jamon: Erzähl uns etwas über die Entstehung und wie es war, ein solches Meisterwerk zu erschaffen.

Vincent Paterson: Es war so interessant, denn das war das erste Mal, dass ich für Michael oder irgendjemand anderen mit so einem großen Projekt beauftragt wurde. Anfangs sollte ich es nicht nur konzipieren und choreografieren, sondern auch Regie führen. Als es dann jedoch Teil von „Moonwalker“ wurde, und Moonwalker ein Spielfilm sein würde, mussten sie einen Regisseur der DGA einbeziehen (Directors Guild of America), und der führte dann auch Regie bei diesem Video. Aber er war sehr dankbar für alles, was ich schon getan hatte und für die Storyboards, die Aufnahmen und Zusammenschnitte, dass er fast alles beibehielt. Sein Name war Colin Chilvers und er war – ist – großartig, ich weiß nicht, was er jetzt macht.

Also, Michael rief mich eines Tages zuhause an – eine lustige Geschichte… Ich habe sie schon 1000 Mal erzählt, aber erzähle sie noch einmal. Ich sitze zuhause, es war schon Abend. Das Telefon klingelt und ich höre diese Stimme: „Hi, ist Vince da?“ Ich antworte: „Wer ist da?“ „ Hier ist Michael, hier ist Michael.“ Ich sage: „Das ist nicht Michael, wer ist da?“ „Doch, ehrlich, hier ist Michael, Michael Jackson.“ Ich sage: „Verpiss dich, fuck, du bist nicht Michael Jackson!“ Und er: „Yeah, Vincent, ich bin es wirklich, ich bin Michael Jackson!“ Ich sage: „Wenn du jetzt nicht gleich verschwindest, dann lege ich auf.“ Er fing an zu lachen. In dem Moment, wo er lachte, wusste ich, dass er es war. Ich sagte: „Oh mein Gott, Michael, das tut mir so leid! Ich hätte nie das Wort „fuck“ benutzt.“ Er lachte noch mehr. Und sagte: „Bist du gerade beschäftigt?“ Er fragte, ob ich in sein Aufnahmestudio kommen könnte, was zum Glück nur um die Ecke von mir lag. Ich ging also hin und er spielte mir den Song vor, aber da war nur „Annie, are you okay? Annie, are you okay? Are you okay, Annie? Und die Musik. Sonst gab es noch keine Lyrics. Wir unterhielten uns eine Weile und er spielte weiterhin das Lied. „Wie findest du es?“ „Ich mag es“, sagte ich, „es ist großartig, sehr inspirierend.“ Wir unterhielten uns weiter, auch über andere Dinge. Als ich gehen wollte sagte er: „Nimm es mit.“ Ich glaube, es war eine Kassette. „Nimm es mit und hör es dir an und lass die Musik dir sagen, was sie sein möchte.“ Und ich sagte: „Ich bin verwirrt, Michael. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Soll ich in diesem Video tanzen? Er sagte: „Nein, ich möchte, dass du ein Konzept findest und es choreografierst und ich möchte auch, dass du Regie führst.“

Nun, ich hatte „Beat It“ und „Thriller“ mit ihm gemacht, und das war alles. Ich war geplättet und auch etwas überwältigt – also ziemlich überwältigt – aber ich ging nach hause und dachte eine Woche lang darüber nach, und dachte und dachte und dachte… Und dann rief ich ihn an und sagte: „Okay, hier ist, was ich mir dazu vorstelle.“ Also, ich wußte ja, dass Michael alte Filme mochte, dass er diese Ära liebte. Und ich wußte, er war ein großer Fred Astaire Fan, ich aber nicht, ehrlich gesagt. Und ich möchte ganz ehrlich darüber berichten, denn die Leute sagen immer: „Oh, du hast das bei „The Bandwagon“ entliehen.“ Aber ich glaube wirklich nicht, dass ich es von „The Band Wagon“ habe, und ich glaube auch nicht… – Michael könnte vielleicht bei dem weissen Anzug und diesem Hut an Astaire gedacht haben – aber wir haben es wirklich nicht als Hommage an Fred Astaire gedacht. Ich habe in keinster Weise daran gedacht. Ich habe einfach nur das Stück kreiert.

smooth with vince

So ging es dann weiter: Michael war im Studio beschäftigt und konnte nicht weg, deshalb sagte er: „Ich möchte, dass du das Casting durchführst, ich gebe dir eine Bühne dazu. Die Hälfte der Bühne ist für das Set, die andere Hälfte wird ein Tanzboden sein. Du bekommst ein super Sound-System und eine Video Kamera. Du kreierst es, filmst es und kommst dann zu mir. Wir sehen es uns an und reden darüber. So werden wir arbeiten.“ Und so haben wir es auch gemacht. Ich habe es kreiert, habe jeden im Tanzen unterwiesen, und sie dann in das Set geschickt. Ich habe alle Tänzer zu Schauspielern gemacht. Ich gab jedem eine Biografie, dass sie wussten, welche Person sie zu spielen hatten. Wenn sie das Set betraten, durften sie nie einfach so hinein laufen, sie mussten durch eine grüne Tür gehen. Und sobald sie durch diese Tür gingen, mussten sie gekleidet sein, wie der Charakter, den sie spielten. Wenn wir mit den Proben fertig waren, konnten sie wieder durch die grüne Tür hinaus gehen, und sie waren wieder sie selbst. Auf diese Weise machte ich sie zu Schauspielern, und ich glaube, das war sehr wichtig für dieses Stück. Ich filmte alles, besuchte Michael in Hayvenhurst und wir sahen uns alles zusammen an. Und jedes Mal sagte er zu mir: „Ich glaube, du brauchst noch mehr Leute, oder?“ Es begann mit 10 Leuten. Ich sagte: „Ja, klar!“ Und er: „Warum nimmst du dir nicht einfach noch 10 Leute mehr?“ „Ok, cool.“ Also stellte ich noch 10 Leute an. Als ich das nächste Mal zu ihm kam, sagte er: „Weißt du, ich habe einen Freund, Jeffrey Daniels, er ist Street Dancer, und richtig gut. Ich dachte, du könntest ihn und 5 von seinen Jungs vielleicht auch mit hinein nehmen, das wäre doch cool.“ Und ich: „ Ja, klasse.“ Jetzt waren wir 25. Ich filmte wieder alles, und dann sagte er: „Hättest du nicht gerne ein zweites Stockwerk an dem Set?“ Und ich antwortete: „Ja, das wäre super, ein zweites Stockwerk und eine Treppe, die nach unten schwenkt, damit du von oben herunter kommen kannst!“ „Oh ja, ich liebe das! Ich liebe das! Sag ihnen, dass du das haben willst!“ Ich sagte ihnen also, dass ich das haben musste. Beim nächsten Treffen: „Ich glaube, du brauchst noch mehr Tänzer!“ Am Ende hatte ich bestimmt 60 Tänzer. Ich kann mich garnicht genau erinnern.

Und was auch wunderbar war ist, dass er sagte: „Sieh, wenn du einen Break in der Musik brauchst oder mehr Musik, oder etwas verändern musst, sprich mit mir darüber und wir werden es machen.“ Also, wenn man bedenkt, dass der Kurzfilm 10 Minuten lang ist und der Song nur etwa 4 Minuten lang – wir fügten all die extra Musik nur für den Film hinzu. So habe ich gearbeitet. Und als ich schliesslich alles zusammen hatte, ging ich mit Michael in ein Studio und wir begannen, mit ihm alle Szenen durchzugehen, die er mit den ganzen Leuten spielen musste und ich gab ihm Zeit, all seine eigenen Solo Momente zu kreieren. Dann probten wir alle zusammen, Schritt für Schritt, und wenn sich etwas nicht gut anfühlte, oder er großartige Vorschläge hatte – was immer der Fall war – änderten wir es. Aber eigentlich war es erste Mal, dass mir jemand die Gelegenheit gab, etwas so wichtiges wie dieses Werk zu erschaffen. Und mit einem Künstler zu arbeiten, der deine wildesten Vorstellungen zu lässt, ist etwas, was du niemals genug anerkennen kannst. Ich meine, ich liebe diesen Mann mehr als jeden anderen Menschen, aber ich könnte ihn trotzdem noch mehr lieben. Ich sagte z.B. solche Dinge wie „Okay, wie wäre es, wenn wir eine Münze quer durch den Raum in die Jukebox fliegen lassen, und dadurch die Musik anfängt?“ Und er sagte nur: „Yeah! Ich liebe das! Ich liebe das!“ Andere hätten einfach gesagt, „du bist verrückt, spinnst du? Für so etwas habe ich kein Geld.“ Aber nicht Michael. Egal, was ich vorschlug, den Lean z.B. – er rief nur „Yeah! Ja, oh mein Gott! Das müssen wir tun!“ Und dieser Lean wurde dann zu dem Bild des ganzen Kurzfilms.

Es war also wirklich ein Traumprojekt. Ein Traumprojekt auf vielen Ebenen Ich erzähle euch noch zwei weitere Dinge. Oder besser 3 wunderbare Dinge… Das eine war etwas, was sehr viel Spass machte. Die ganze Zeit über besuchten uns andere Prominente am Set, um zu zusehen, sie waren alle Freunde von ihm. Elizabeth Taylor kam für einen Tag, Jimmy Steward, er war schon alt, aber auch er kam. Er war großartig. Und Fred Astaires Choreograf, Hermes Pan, kam für einen Nachmittag. Und er sagte zu Michael und mir, die tollsten Worte, die man sagen konnte. Er sagte: „Wenn Fred hier wäre, würde er es lieben.“ Michael und ich hatten das breiteste Lachen im Gesicht, wie zwei Kinder an Weihnachten. Es war unglaublich. Das war eine Sache.

Das Zweite ist, dass beim Film die Produzenten fast nie die Tänzer, und meist auch nicht die Schauspieler, in den Raum lassen, in dem sie die „Dailies“ zeigen. Zu Erklärung: wenn man etwas filmt, dann wird es am nächsten Tag dem Produzenten und dem Regisseur gezeigt, damit man, falls es noch Fehler gibt, diese am nächsten Tag korrigieren kann. Also, normalerweise bekommen wir das nie zu sehen. Aber Michael bestand darauf, dass alle Tänzer und er und jeder, der wollte – auch Leute vom Service – einfach jeder, in diesen Raum kommen konnte, um das anzusehen. Ausser, dass wir diesen tollen Film filmten, hatten wir so auch noch jeden Tag eine Monster Party, wo jeder jeden anfeuerte. Es war wie in einer Kirche im Süden! Die Leute schrien „Los, los, tu es, yeah! Yeah, Michael ja, super, genau so! Das ist es!“ Alle schrien, und dann gingen sie wieder auf die Bühne und wir filmten weiter. Es war großartig.

Dancebreak

Und dann dieser Teil, in der Mitte, in dem alle „Annie are you okay? Are you okay“ singen, und es dann quasi explodiert… Als Regisseur gab ich ihnen schauspielerische Aufgaben, Improvisations-Übungen, und eine davon lautete: „Ihr seid eine Menschenmenge und eure Körpersprache drückt Verzweiflung und Schmerz aus. Mal sehen, was passiert.“ Ich lies einfach die Kamera laufen und als Michael das Ergebnis sah, obwohl alle noch ihre normale Strassen-Kleidung trugen, war es für ihn eine einmalige Erfahrung. Er hatte niemals Schauspielunterricht, und nie etwas ähnliches gemacht. Als er mit all den anderen diese Improvisation spielte, mit all den Körpern um sich herum, all die Künstler, und sah, wie jeder genauso in der Rolle drin war, wie er selbst, war er einfach überwältigt und sagte: „Wir müssen das filmen! Wir müssen das morgen filmen! So etwas hat die Welt noch nicht gesehen! Ich will das im Film haben, wir müssen das unbedingt filmen!“ Wir filmten es und das ist der Grund, warum dieser verrückte Teil im Film ist. Es hatte nichts mit dem Kurzfilm zu tun, Michael liebte es einfach und er wollte es in der Mitte haben. Ja, wie auch immer, das sind drei Geschichten über „Smooth Criminal“.

smooth2x

Jamon: Wow, Gänsehaut!

Q: Ich liege am Boden! Wow, ich bin gerade geschmolzen.

Jamon: Wir haben schon mit Kevin Stea ein wenig über die „MTV 10th Anniversary“ gesprochen, aber wir möchten auch mit dir darüber sprechen, denn die Choreografie von „Will You Be There“ ist absolut zeitlos, einfach unbeschreiblich. Und wir wollen auch etwas über die Bedeutung dieser Kunst, dieser Choreografie, der Symbolik dieser Bilder wissen. Erzähl und doch bitte etwas darüber.

Vincent Paterson: Michaels damaliger Manager, Sandy Gallin, rief mich an und sagte: „Es wurden 3 Personen ausgewählt, die den 10 Geburtstag von MTV repräsentieren sollen: Madonna, George Michael und Michael Jackson. Und Michael möchte, dass du etwas konzipierst und choreografierst, was er live aufführen kann – etwas ganz neues und frisches.“ Also setzte ich mich mit ihm zusammen, genau, wie wir es dann auch beim Zusammenstellen von Superbowl machten. Er liebte das Spiel mit unterschiedlichen Rhythmen und Energien, deshalb dachten wir, dass der Gegensatz von „Black or White“ und „Will You Be There“ ein schöner Kontrast wäre und gut funktionieren würde. Ich konzipierte also „Black or White“ und wir brachten – als unsere Art, den Leuten, die schlecht über ihn geredet hatten, eine lange Nase zu zeigen – all diese Dinge zurück, wie das Auto, das komplett voller Graffiti war… (lacht) Wir waren einfach dreist und als wir Slash am Ende seine Gitarre durch das Fenster schmeissen liessen, wollten wir damit ausdrücken: „Seht, wir sind zufrieden mit dem, was wir gemacht haben und wir machen es wieder. Also, *too bad*…“

007

Und dann kamen wir zu dem zweiten Stück und darüber sagte er nicht viel zu mir. Er sagte nur: „Mach damit was du willst. Aber mach es wundervoll.“ Und ich sagte: „Ok, ich weiß noch nicht, was ich tun werde, aber lass mich drüber nachdenken.“ Und er sagte, ok.

Ich begann gerade mit diesem wunderschönen Song, und dachte darüber nach, dass ich an dem Punkt seiner Karriere sowohl 4-Jährige als auch 85-Jährige Leute kannte, die alle Michael Jackson liebten. Und ich dachte mir, das sehen wir nie. Normalerweise sehen wir immer die Leute, die etwa in dem MTV Video-Alter sind. Ich wollte einfach diese ganze Bandbreite von Leuten zeigen, die alle seine Fans sind. Das sind die Menschen, die ihn lieben. Das war für mich der Anfangspunkt. Ich hielt eine Audition ab. Ich wußte noch nicht genau, wohin das führen würde, aber als ich genügend Leute aller Altersgruppen zusammen hatte, nahm ich eine Kostümdesignerin dazu und sie sagte: „Warum machen wir daraus nicht etwas ungewöhnliches?“ Und ich antwortete: „Yeah, ich bin einverstanden. Das machen wir.“ Sie hatte dann diese Idee mit den Turbanen, und alle Leute in diese beigen Outfits einzukleiden, und ich liebte es. Ich stellte ihn mit einigen Tänzern in den Vordergrund und fügte etwas Symbolismus hinzu. Ich benutzte auch einen Globus, den ich später bei Superbowl in vergrößerter Form wieder benutzte. Aber was ich mit all dem zeigen wollte war, dass er ein guter Mensch ist, den die Leute lieben, alle möglichen Leute von überall her lieben ihn. Dafür benutzte ich den Globus, für diesen Moment, und dann – und das ist nicht leicht für mich, das zu sagen, denn ich bin nicht sehr religiös. Ich bin spirituell, aber nicht religiös. Ich habe alle Religionen studiert, aber glaube, dass ich ein sehr spirituelles Leben führe, aber keines, das mit einer bestimmten Religion verbunden ist. Aber für viele Leute repräsentiert die Bibel im gewissen Sinn Religion. Also… die ganze Zeit, die ich mit Michael verbrachte, glaubte ich nie – und das klingt für einige jetzt sicher komisch, aber das ist mir egal, weil es meine Wahrheit ist… also, ich kenne keinen anderen Menschen, der so viele Eigenschaften Jesus verkörpert. Wäre dieser Mann ein Mensch, dann Michael Jackson. Gutherzigkeit, Geduld, Liebe, Verständnis, Großzügigkeit; ich könnte noch mehr aufzählen. Also ich wollte einfach nur ausdrücken, dass er ein wirklich guter Mensch ist – auf gewisse Weise ein heiliger Mensch. Das ist ein wirklich guter Mensch. Und am Ende – und ich habe jetzt wirklich Tränen in den Augen – aber am Ende wollte ich auch noch die Leute mit einbeziehen, die nicht sprechen können. Ich wollte die Gehörlosen mit einbeziehen, deshalb nahm ich diesen kleinen Jungen dazu. Ich dachte, dass Michael eine verletzliche Seele war und wollte, dass man ihn beschützt weiß, deshalb engagierte ich das Model Angela Ice mit den Flügeln, und beendete das Stück damit, dass sie ihn in ihre Arme schloss.

MTV 10th Nov27 91

Jamon: Oh mein Gott! Die Haare an meinen Armen stellen sich auf!

Q: Wow!

Vincent Paterson: (lacht)

Jamon: Wow, sehr viel Tiefgang in diesem Song und dieser Performance, und es ist ein absolut zeitloses Kunstwerk.

Vincent Paterson: Dankeschön.

Q: Ich erinnere mich, dass Kevin (Stea) auch darüber sprach und dass einige der Posen, die du die Leute darstellen lässt, an alte Heiligenbilder (Andachtsbilder) angelehnt sind.

Vincent Paterson: Ja, ganz genau, Heiligenbilder. Das stimmt…

Q: Ich hab nie wirklich diese Verbindung gesehen, aber jetzt ist alles klar. Wir haben es wohl schon immer gefühlt, wussten aber nie, woher es kam.

Vincent Paterson: Yeah. Ich recherchiere immer wie ein Fanatiker, und legte mir erst mal eine Menge Bücher zu (ich denke, das war noch vor dem Internet Zeitalter). Ich hatte all diese Bücher und sah mir die ganzen ikonischen Bilder der unterschiedlichen Religionen an, und versuchte sie an verschiedenen Stellen mit einzubeziehen, egal, ob es um die Stirn, den Mund oder um Chakras ging, oder ob es von der Katholischen Seite oder der Östlichen Seite stammte. Und ich empfand es wirklich so, dass Michael diese Art Künstler war. Er war ein wirklich guter Mensch, und das wollte ich irgendwie zeigen. Ich wollte wirklich nie jemanden mit den Bildern erschlagen. Ich sehe mir ganz oft Bilder an, ohne zu wissen, ob ich sie je verwenden werde, und wenn sie schliesslich bei irgendetwas zu finden sind und die Leute dann fragen: „Oh, was willst du denn damit sagen? Und was bedeutet das?“ Antworte ich oft: „Ich hab’ keine Ahnung. Ich fand es einfach nur interessant.“ Aber wenn ich drüber nachdenke… und da ihr mir jetzt diese Fragen stellt, bringt es mich dazu, zu reflektieren, und ich glaube, sie kamen mir in den Kopf, ohne dass ich wirklich darüber nachgedacht habe – mehr aus dem Unterbewusstsein, als dass es mir wirklich bewusst war. Aber ich stelle wirklich viele Recherchen an, quasi als Hausaufgabe für jedes Projekt, an dem ich arbeite, egal ob es groß oder klein ist. Offensichtlich leben dort einige Dinge in meinem Kopf. Es hängt immer davon ab, wie sie deinen mentalen Mechanismus durchlaufen und wie du sie irgendwann ausspuckst in das – wie ich denke – Universum.

014

Q: Unglaublich. Ok, ich weiß, dass du etwas knapp mit der Zeit bist. Wir fühlen uns gesegnet, dass wir dich schon so lange hier hatten, aber wir müssen das unbedingt eines Tages noch einmal wiederholen. Da gibt es noch so viele Fragen, über all diese großen Michael Events.

Vincent Paterson: Aber sicher.

Q: Wir möchten jetzt mit noch einer Frage, oder besser mit zwei Fragen, enden. Die eine stellen wir jedem der Special-Guests unserer Show, und ich weiß, dass du darauf eigentlich schon eine sehr gute Antwort gegeben hast, und es deshalb jetzt etwas ähnliches sein wird. Aber die Frage, die wir jedem stellen, lautet: Wie sollte Michael in Erinnerung gehalten werden?

Vincent Paterson: Ich denke, Michael sollte mit einem Lächeln im Gesicht in Erinnerung bleiben. Ganz einfach.

Q: Und was für ein Lächeln das war!

Vincent Paterson: So sehe ich ihn. Ich sehe ihn immer mit einem Lächeln im Gesicht.

Q: Ein Lächeln – weißt du, dass Michaels Lächeln gezeigt wird, wenn du „das schönste Lächeln der Welt“ googelst?

Vincent Paterson: Ehrlich? (lacht)

Jamon: Yeah. Geh auf Google-Bildersuche und tippe das ein. Dann kommen 20 Bilder von Michael. (lacht)

Vincent Paterson: Ja, genau so hab ich ihn in Erinnerung. Ich denk an ihn als einen glücklichen, Kerl, der froh war, die Chance gehabt zu haben, das zu tun, was er tun wollte (so wie ich), und Erfolg zu haben. Und ich weiß auch, wie hart es für ihn war, aber über all die Jahre, die ich ihn kannte, hatte er immer dieses Lächeln. Er hatte immer ein Lächeln.

Q: Bevor wir dich verabschieden, wollte ich noch etwas zu deinem Film, „The Man Behind the Throne“ fragen. Weißt du, ob eine Veröffentlichung geplant ist, z.B. als Netflix Dokumentation, denn ich würde diesen Film zu gerne eines Tages sehen.

Vincent Paterson: Ich wünschte, es wäre etwas geplant, aber es ist so, dass er von einer schwedischen TV Regisseurin produziert wurde, und ihr Budget war begrenzt, es war ja offensichtlich eine Dokumentation. Und der traurige Punkt ist, dass sich sowohl Michael als auch Madonna sozusagen im Besitz ihrer Plattengesellschaften befinden, und diesen Plattengesellschaften ist es egal, ob es eine Dokumentation ist und du kein Geld hast, oder ob es ein 300 Milliarden teurer Spielfilm ist. Sie berechnen immer dasselbe, wenn du irgendetwas von Michael oder Madonna zeigen willst. Und leider ist in dem Film einiges an Material mit Michael oder Madonna. Ursprünglich war er 1,5 Stunden lang und hatte einiges mehr an Inhalt, aber sie mussten auf eine Stunde kürzen. Auch das war etwas, das sie von Warners und Sony angeordnet bekamen, und ihr Vertrag sagt, sie dürfen es nur im TV oder auf Film Festivals zeigen. Es könnte weltweit im TV gesendet werden, aber sie durften nichts Größeres daraus machen. Wollten sie es größer aufziehen, etwa als Spielfilm, dann hätte man Lizenzgebühren von etwa 1 Million $ von ihnen verlangt, und eine kleine schwedische Fernsehstation, die eine Dokumentation macht, hat nicht soviel Geld. Ja leider… hast du es denn schon gesehen?

Q: Nein, ich erinnere mich, dass wir in einer früheren Folge darüber sprachen, ich glaube, es gab eine Fundraiser Aktion auf Kickstarter, oder?

Vincent Paterson: Ja. Es war so, dass die Regisseurin versuchte, Geld zusammen zu bekommen, um daraus einen Spielfilm zu machen, aber sie bekam nie die nötige Summe. Ich war nicht der Regisseur, es geht nur über mich. Ich hielt mich raus, es war die Arbeit der Regisseurin, und ich denke, es ist sehr interessant. Du erfährst einiges über mich, all das Gute und.. du erfährst viel Gutes und auch das Schlechte. Ich lies sie einfach alles zeigen, was sie wollten. Aber der für mich wichtigste Teil des Film ist das Feedback, das ich von jungen Künstlern aus aller Welt bekam. Sie fanden es sehr inspirierend und sie wissen jetzt, dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht, und dass du immer weiter machen musst, und dir jeden Schritt deines Weges erkämpfen musst. Es wird dir nicht einfach jedes Mal einfach so in den Schoß gelegt. Es fängt immer wieder von vorne an, und du musst dich wieder neu beweisen. So läuft das in diesem Geschäft. Aber das wird sich nie ändern und viele junge Künstler sind von diesem Film inspiriert, von dieser Dokumentation, denn sie sehen, dass ich, obwohl ich erfolgreich wurde, auch in Situationen mit Ensembles bin, die mich nicht unterstützen und dass es auch für mich schwierig sein kann. Sie erkennen dann zum ersten Mal: „Oh, es ist kein Zuckerschlecken. Es gibt viele Probleme und sogar jemand erfolgreiches, wie Vincent, muss da durch. Also, dann komme ich auch da durch.“ Und das macht mich stolz bei diesem Film.

 

Jamon: Und zum Schluss noch: Was kommt bei Vincent Paterson als nächstes?

Vincent Paterson: Das ist interessant. Zurzeit hab ich etwa zehn coole Projekte im Kopf. Vier der großen sind unglaubliche neue Musicals und es reizt mich sehr, dabei Regie zu führen, alles live Theater. Ich hatte in den letzten Jahren ein paar großartige Musicals, ich führte Regie bei „Evita“ in Wien, das drei Monate laufen sollte und schliesslich zehn Monate lief, weil es immer ausverkauft war. Das war großartig. In Berlin choreografierte ich das Musical „Cabaret“, das ist die erste Originalversion des Musicals in Berlin, und es läuft schon seit 14 Jahren. Jetzt stehe ich mit vier weiteren Musicals in den Starlöchern, darunter eines mit Darren Hayes von Savage Garden.

Q: Das glaub ich nicht!

Jamon: Oh, wow!

Vincent Paterson: Yeah, aber ich darf noch nicht darüber sprechen.

Q: Ja, er konnte auch nicht darüber sprechen, er machte kleine Andeutungen und sagte, dass er an etwas arbeitet. Darren war in einer der ersten Episoden Gast unserer Show. Er ist ein großer Michael Fan, seit der Bad Tour. Wow, jetzt fügt sich ein anderes Puzzle-Teilchen ein.

Vincent Paterson: Ja, das stimmt. Er hat mich angerufen. Bzw. zuerst schickte er eine Mail und sagte: „Du weißt, dass ich ein großer Fan bin,“ und blablabla, und ich schrieb ihm zurück, ich schrieb: „Das ist verrückt, ICH bin dein Fan. Lass uns was zusammen machen.“ Wir trafen uns und er schrieb dieses wirklich tolle Musical, das mich sehr inspirierte, und wollte, dass ich Regie führe. Das tue ich. Das sind also die Projekte, die in den nächsten Jahren stattfinden werden. Musicals brauchen immer etwas Zeit. Aber ich denke, ich werde auch bei meinem ersten Spielfilm Regie führen. Ich bekomme viele Film-Angebote, aber ich lehne sie immer ab. Sie begeistern mich nicht. Ich muss inspiriert sein, ich muss eingeschüchtert sein, und es muss so sein, dass es auch für mich selbst etwas bringt. Und dieses Script gefällt mir wirklich, und so langsam glaube ich, dass ich etwas interessantes daraus machen kann. Das ist also das große Projekt, das etwa ab Januar stattfinden wird. Ansonsten unterrichte ich überall im Land bei Workshops, und habe ab und zu auch öffentliche Auftritte. Wahrscheinlich gehe ich auch wieder nach Paris, für ein „Michael Jackson Weekend“. Das ist für mich noch Neuland, aber was mir daran gefällt ist, dass ich, der so nah an Michael war, den Fans das Gefühl geben kann, dass sie näher bei ihm sind, oder ihn berühren oder treffen können, und es macht mich glücklich, ihnen das zu ermöglichen. Ich weiß, dass sie ihn sehr lieben, und wenn ich sie umarme, dann ist es für sie wie „Oh mein Gott, Michael hat ihn umarmt! Und jetzt hat er mich umarmt! Ich werde also von Michael umarmt.“ Das ist sehr beeindruckend, versteht ihr? Und natürlich auch, dass die Leute schätzen, was ich mit ihm geschaffen habe, und auch meine anderen Arbeiten. Ich bin einfach immer dankbar. Das sind also meine Pläne…

Q: Ok, wir sind ebenfalls sehr dankbar, dass wir deine Geschichte hören durften, deine unbeschreiblichen Erfahrungen. Wir hoffen, es hat dir gefallen und dass du noch einmal kommen wirst, denn wir würden dir gerne noch viel mehr Fragen zur „Bad Tour“, zum „Super Bowl“ und zu „Blood On the Dancefloor“ stellen. Wenn du irgendwann noch einmal deine wertvolle Zeit mit uns teilen würdest, wäre das wunderbar.

Mehr Fotos:

http://www.vincentpaterson.com/www.vincentpaterson.com/PHOTOS.html#grid

Danke an Vincent Paterson & The MJCast für dieses wundervolle Interview!

Übersetzung: M.v.d.Linden

Michael Jacksons vergessenes humanitäres Vermächtnis

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem kürzlich in neuer Auflage erschienen Buch: Earth Song: Michael Jackson and the Art of Compassion von Joe Vogel

Source: http://www.huffingtonpost.com/entry/michael-jacksons-forgotten-humanitarian-legacy_us_59c7c8d3e4b08d661550436a?ncid=engmodushpmg00000003

Eines der Merkmale, das man sicherlich häufig mit Prominenten in Verbindung bringt, ist Narzissmus. 1988 hätte Jackson sicher viele Gründe gehabt, egozentrisch zu sein. Er war der berühmteste Mensch der Welt. Wo auch immer er hin kam, brach Hysterie aus. Am Tag nach seinem ausverkauften Konzert im Wiener Prater, druckte die AP einen Artikel mit der Überschrift: „130 Fans wurden im Jackson Konzert ohnmächtig.“ Wenn die Beatles populärer waren, als Jesus, wie es John Lennon einst formulierte, hatte Jackson gleich die komplette Heilige Dreifaltigkeit geschlagen.

Während Jackson zwar die Aufmerksamkeit genoss, und in gewisser Weise sogar dadurch lebte, spürte er dennoch eine tiefe Verantwortung, seinen Status für mehr als Ruhm und persönlichen Reichtum zu nutzen. Im Jahr 2000 platzierte ihn das Guinness Buch der Weltrekorde zum karikativ engagiertesten Popstar der Geschichte. Im Lauf seines Lebens spendete er über 300 Millionen Dollar an wohltätige Organisationen, darunter die Make-A-Wish Foundation, die Elizabeth Taylor AIDS Foundation, NAACP, UNICEF, und das Rote Kreuz, um nur einige zu nennen. „Wenn du das gesehen hast, was ich gesehen habe, während ich die ganze Welt bereiste, wäre es dir und der Welt gegenüber nicht ehrlich, wenn du einfach wegschauen würdest,“ sagte Jackson.

Und genau darum ging es auch in seinem Hit „Man In The Mirror“, der im Frühjahr 1988 den ersten Platz in den Billboard 100 erreichte. Das Lied beschreibt das persönliche Erwachen. Es beschreibt die Erkenntnis, dass Veränderungen nicht einfach von selbst stattfinden. Es fordert, dass den Menschen bewusst wird, sich nicht nur um sich selbst zu kümmern, sondern aktiv zu werden. Jackson singt: “Who am I to be blind/ Pretending not to see their needs/ („Wer bin ich, dass ich die Augen verschliesse und so tue, als würde ich ihre Not nicht sehen“) Seine Performance des Songs während der Bad World Tour war sowohl der Höhepunkt der Show, als auch deren Botschaft zum Abschied. „Make That Change“, forderte er seine Zuhörer auf. In einer Zeit, die oft durch Individualismus, Gier und Materialismus charakterisiert wird, war es eine Hymne über Bewusstsein und Verantwortlichkeit. Jackson spendete alle Einnahmen aus dem Song an das Ronald McDonald Camp for Good Times, das an Krebs erkrankte Kinder unterstützt.

Aber noch wesentlicher als das Spenden von Geld war der Fakt, dass Jackson seine Zeit spendete. An beinahe jeder seiner Stationen der Bad World Tour besuchte er Waisen- und- Krankenhäuser. Nur wenige Tage bevor er in Wien eintraf, war er in Rom und besuchte dort das Bambini Gesu Childrens Hospital, verteilte Geschenke, lies sich fotografieren und gab Autogramme. Bevor er wieder ging, sagte er eine Spende von über 100.000 Dollar zu. Vor seinem Konzert im Londoner Wembley Station besuchte er das Great Ormond Street Children’s Hospital – das Krankenhaus dem der Autor J.M. Barrie alle Copyrights und Einahmen von Peter Pan überschrieb. Jackson verbrachte in dem Krankenhaus mehrere Stunden damit, sich mit den Kindern, von denen einige unheilbar krank waren, zu unterhalten, sie zu umarmen und aufzumuntern. Laut eines örtlichen Presseberichts „hatte der Popstar Kinder auf dem Schoß sitzen und erzählte ihnen Geschichten“; und er „verteilte Dutzende Geschenke, Alben, Photos und T-shirts.“ Jackson spendete dem Krankenhaus 100.000 Pfund. Zusätzlich gab er noch einen nicht bekannten Betrag an das London Hospital for Sick Children, dem er während seines Aufenthalts ebenfalls einen Besuch abstattete.

Great Ormond Street Michael Jackson

Michael besucht das Great Ormond Street Children’s Hospital, London

Während der Bad World Tour ließ Jackson vor und nach den Konzerten benachteiligte und kranke Kinder in den Backstage-Bereich der Bühne bringen. „Jede Nacht kamen Kinder auf Tragen“, erinnert sich Stimmtrainer Seth Riggs, „sie waren so krank, dass sie nicht mehr aufstehen, oder den Kopf heben konnten. Michael kniete sich neben sie und hielt sein Gesicht neben ihres, damit er mit ihnen ein ein Foto aufnehmen konnte und ihnen dann einen Abzug gab, als Erinnerung an diesen Moment. Ich konnte es nicht verkraften. Ich ging ins Bad und weinte. Die Kinder blühten in seiner Anwesenheit regelrecht auf. Wenn es ihnen half, ein paar Tage und etwas neue Energie zu gewinnen, war Michael all das die Mühe wert.“

Wo immer die Tour hinkam versuchte Jackson etwas zurück zu geben. In Detroit spendete er 125.000 $ an das Motown Museum; in New York gab er 600.000 $ an den United Negro College Found; in Japan spendete er der Familie eines ermordeten Jungen 20.000 $ und viele Tausende Doller spendete er an Krankenhäuser und Schulen. Als die Tour vorbei war, gab er seine persönlichen Sachen zur Auktion und der gesamte Erlös ging an die UNESCO.

Das war der Mann, den die britischen Klatschblätter „Wacko Jacko“ nannten, und über den das People Magazine ein Jahr zuvor geschrieben hatte: „Er ist zurück, er ist „schlecht“. Ist dieser Typ verrückt?“ (“He’s back. He’s bad. Is this guy weird or what?”) Jacksons Gutherzigkeit und Mitgefühl war ihnen keinen Bericht wert, wenn davon in den Nachrichten überhaupt etwas zu lesen war, dann war es meist begraben unter Geschichten über plastische Chirurgie oder einem Affen als Haustier.

Jacksons humanitäres Engagement während der Bad Tour war jedoch nicht neu. Schon 1984, bei dem Dreh des Pepsi-Werbespots, bei dem seine Haare Feuer fingen, gründete Jackson das Michael Jackson Burn Center als eine Abteilung des Brotman Medical Centers in Culver City, es war eine der dringend benötigten Verbrennungs-Stationen im Großraum Los Angeles. „Als ich im Krankenhaus lag, war ich so bewegt von den Schicksalen der anderen Verbrennungsopfer, dass ich etwas tun wollte.“ sagte er. Jackson hatte an seiner Kopfhaut sehr schmerzhafte Verbrennungen II-Grades erlitten, aber das Personal des Krankenhauses erinnert sich, dass er einen Großteil seiner Zeit mit Besuchen und Unterstützung anderer Patienten verbrachte. Jackson spendete den gesamten Betrag, den er von Pepsi als Schadensersatz für den Unfall erhielt, 1,5 Millionen Dollar, an die Klinikstation für Verbrennungen.

Im gleichen Jahr spendete Jackson ebenfalls all seine Einnahmen der Victory Tour, etwa 5 Millionen Dollar, an wohltätige Organisationen.

Brotman Burn Center

1985 war Jackson Teil des U.S.A. For Africa Projekts, geleitet von Schauspieler und Aktivist Harry Belafonte und Musikmanager Ken Kragen. Inspiriert durch das U.K. Charity Projekt Band Aid, und dem dazugehörenden Song „Do They Know It’s Christmas?“ hatte Belafonte die Vision, amerikanische Künstler für eine wichtige Sache zusammen zubringen: Aufmerksamkeit und Geldspenden für die durch verschiedene Faktoren verursachte Hungersnot in Äthiopien zu bekommen, die das Leben Tausender Menschen, darunter vieler Kinder, bedrohte. Die Hungersnot wurde durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren ausgelöst: einem komplizierten Bürgerkrieg, einer korrupten Regierung und einer der schwersten Dürre Perioden, die in dieser Region je registriert wurde. Im Jahr 1985 waren laut den Vereinten Nationen bereits geschätzte 1 Million Menschen gestorben. Belafonte wandte sich an Produzent Quincy Jones, um einen Song für U.S.A. For Africa zu produzieren. Jones wiederum rief Lionel Richie, Stevie Wonder und Michael Jackson. Da Stevie Wonder zeitlich verhindert war, übernahmen Jackson und Richie die Aufgabe. Jacksons Ziel war es, eine einfache Melodie zu schreiben, die jeder, auch ohne den Text zu verstehen, summen könnte, egal welcher Kultur oder Nation er zugehörte.

Er erinnerte sich, dass er sich für „We Are The World“ an dunkle Orte begeben hatte, z.B. in einen Schrank oder das Badezimmer, um sich in das Leben der Menschen in Äthiopien, in ihre Leiden und ihre Menschlichkeit, hinein zu versetzen. Als er schliesslich ein paar Noten der Melodie hatte, lies er seine jüngere Schwester Janet zuhören. „Was siehst du, wenn du diese Melodie hörst?“ fragte er sie. „Sterbende Kinder in Afrika,“ erwiderte sie. „Das ist richtig,“ antwortete Jackson, „das ist, was meine Seele mir mitteilte.“ In den Tagen und Wochen arbeitete Jackson mit Lionel Richie weiter an dem Song. Anfang Januar hatte er ein Solo Demo aufgenommen und schickte es an Quincy Jones. Jones gefiel, was er hörte. „Ein großartiger Song ist für die Ewigkeit,“ reflektierte der Produzent später, “ich garantiere dir, wenn du heute an irgendeinen Ort der Welt reist, und die ersten Takte der Melodie summst, werden die Menschen das Lied sofort erkennen.“

Der offizielle Termin für die Aufnahme war für den 22 Januar 1985 im A&M Recording Studio in Los Angeles geplant. Wie von Jones vorgesehen, würden die Stars direkt nach den American Music Awards, die im Shrine Auditorium stattfanden, herüber kommen. An der Tür befestigte er eine Notiz: „Last eure Egos draussen vor der Tür“.

Die Liste der Legenden, die in dieser Nacht den Raum füllten, war bemerkenswert: Unter anderem Ray Charles, Bob Dylan, Stevie Wonder, Diana Ross, Bruce Springsteen, Billy Joel, Steve Perry, Tina Turner, Cyndi Lauper, Willie Nelson, und Paul Simon.

Hier waren 46 der größten Stars der Welt versammelt, um verzweifelten, notleidenden Menschen an einem weit entfernten Ort zu helfen,“ erinnert sich Jones. „Ich glaube nicht, dass diese Nacht, diese ganze Erfahrung, noch einmal wiederholt werden könnte. Ich weiß um die Kraft der Musik und ich glaube daran, dass Musik Menschen zusammenbringen und die Welt verbessern kann, und dafür gibt es wohl kein besseres Beispiel, als diese Gemeinschaft mit dem Namen „We Are The World.“

Jackson lies die American Music Awards in dieser Nacht ausfallen und kam früher ins Studio, um seinen Teil aufzunehmen. Als die restlichen Künstler eintrafen, halfen ihnen Michael, Lionel, Stevie und Quincy dabei, ihre Teile und den Refrain zu lernen. Das Erschaffen und den Aufnahmeprozess bezeichnete er als „Spirituelle Erfahrung“. Die meisten der Teilnehmer stimmten dem zu. Sie berichten von einem besonderen Gefühl der Freude, von Gemeinsamkeit und Bestimmung. „Jede Sekunde dieser Nacht war magisch,“ erinnert sich Quincy Jones. „Als Künstler sind wir alle nur Gefäße für Gottes Flüstern, und ich weiß, dass Gott in dieser Nacht durch unser Studio ging, mehrere Male.“ Das endgültige Werk war etwa um 8:00 Uhr morgens fertiggestellt – eine majestätische, Gospel-geprägte, sieben Minuten lange Hymne, in der die Stimmen von einigen der größten Künstler des 20. Jahrhunderts eingewebt sind. Die New York Times pries es als „eine beispiellose Gemeinschaftsarbeit für einen guten Zweck von der Elite der Pop-Musik – einen künstlerischen Triumph der die eigentliche Sache überschreitet.“

Natürlich spotteten einige Kritiker auch über die Selbstgerechtigkeit des Charity Events und des Songs. Aber Quincy und Harry Belafonte liessen sich nicht darauf ein: „Jeder, der mit Steinen auf eine Sache wie diese werfen möchte, soll seinen Arsch hoch bekommen und selbst etwas tun,“ sagte Jones über die Kritiker. „Gott weiß, dass es noch viel mehr zu tun gibt.“ Belafonte war am meisten von dem Willen der Teilnehmer, ihre Talente für eine wichtige Sache einzusetzen, beeindruckt. „Da stehst du mit einigen der besten und einflussreichsten Künstler der Popkultur – sie hatten ihre Manager nach Sibirien geschickt, und die Konsequenz davon war, dass es Kunst um der Kunst Willen war.“

We-Are-the-World-photo-1

We Are The World“ wurde im März veröffentlicht und wurde schnell zur absatzstärksten Single der Geschichte. Allein in den ersten drei Tagen wurde es knapp 1 Million Mal verkauft. Es wurde der meistverkaufte Song der 1980er Jahre und verkaufte sich weltweit über 20 Millionen Mal. Noch wichtiger ist jedoch, dass dadurch über 60 Millionen Dollar einkamen, die dazu genutzt wurden, um 120 Tonnen Nahrungsmittel und medizinischen Bedarf nach Äthiopien zu senden, darunter Protein Kekse, Wasser, Medizin, Zelte und Kleidung. Zudem wurden die Gewinne auch für 70 Entwicklungs-Projekte eingesetzt.

Jackson war stolz auf das, was der Song erreichte. Der Gedanke, dass Tausende unterernährte Kinder aufgrund eines Liedes ernährt werden konnten, beeindruckte und inspirierte ihn. Es zeigte ihm auf ganz konkrete Art die Kraft der Musik, Menschen zu vereinen, auf eine Sache aufmerksam zu machen und zu handeln. Aber er fühlte auch, dass das nicht genug war. Durch „We Are The World“ wurde weder Unterernährung noch Armut beendet; die komplizierten sozial-politischen Ursachen wurden dadurch nicht gelöst, die Machtverhältnisse und institutionelle Korruption, die zum Großteil für Hungerkatastrophen in Afrika verantwortlich waren, nicht verändert. Kritiker waren schnell dabei, diese Dinge herauszustellen und Jackson als ‘selbstgefällig’ und ‘naiv’ hinzustellen, weil er es versucht hatte.

Lieder wie „We Are The World“ und „Man In The Mirror“ wurden als simple, utopische Sentimentalitäten abgewertet. Musikkritiker Greil Marcus beschrieb den ersteren Song als nichts weiter als einen „Pepsi Jingle“, während Jon Pareles von der New York Times den letzteren als „Aktivismus für Einsiedler“ abwertete. Jacksons soziale Vision böte globalen Idealismus, Triumph und eine einfache Lösung, argumentierten sie, während sich die materiellen Umstände in der realen Welt immer weiter verschlechtern würden. Diese Kritiken verfolgten Jackson während er tourte. Er war überzeugt, dass die Kritiker es nicht verstanden hatten; er glaubte, dass sie nicht nachempfinden konnten, was die Musik den Menschen bedeutete – was sie ihm bedeutete. Er glaubte fest daran, dass Veränderungen in den Herzen und Köpfen jedes Einzelnen begann. Und genau da erreichte Kunst die Menschen.

Und dennoch war er nicht zufrieden. 1987 wurde er in einem Interview mit Ebony/Jet gefragt:

Wenn du in den Spiegel schaust, bist du mit dem, was du siehst, zufrieden?“ „In welcher Beziehung?“ entgegnete er. „Hinsichtlich dieser Philosophie…“ „Ich bin nie völlig zufrieden. Ich wünsche mir immer, die Welt könnte ein besserer Ort sein. Nein, überhaupt nicht!“ antwortete er.

Wenn er auftrat, oder Kindern direkt und persönlich helfen konnte, konnte Jackson diese Gefühle von Unzulänglichkeit, Zweifeln und Verzweiflung abstreifen. Wenn sich die Menschenmengen überall auf der Welt zu „Man In The Mirror“ wiegten und mitsangen, dann erlebte er diesen kleinen Teil einer harmonischen Welt und war glücklich. Er war in seinem Element. Aber wenn er dann in sein Hotelzimmer zurückkehrte, kehrten oft auch der Schmerz und die Verzweiflung zurück.

Der Kontrast zwischen dem King Of Pop auf der Bühne und dem gleichen Menschen als Privatperson war enorm,“ erinnert sich der belgische Komponist François Glorieux, der Jackson zum ersten Mal 1987 traf und von da an einige klassische Arrangements von Jacksons Songs erstellte. „Die Presse beschrieb ihn als einen unberührbaren und unmöglichen Menschen. Aber ich entdeckte einen völlig anderen Menschen: Sehr sensibel, emotional und geradezu scheu… In der ersten Stunde unseres Treffens fragte er mich nach meiner Kindheit. Er unterbrach mich nicht ein einziges Mal und hörte der ganzen Geschichte meiner Jugend, darüber, wie Bomben mein Haus zerstörten und drei meiner Familienmitglieder töteten, zu.“ Glorieux traf sich noch weitere Male mit Jackson, 1989 und 1990. Er beschreibt diese Treffen als „die emotionalsten meiner ganzen musikalischen Karriere. Es war fantastisch, so viele Gemeinsamkeiten zu entdecken: Leidenschaft für Musik (ohne Limit), für Frieden und Freiheit, die Liebe zur Natur und zu Tieren; und auch die Sorge um die Menschheit.

François Glorieux Michael Jackson

Francois Glorieux mit Michael Jackson

Publizist und Autor Howard Bloomder mit vielen legendären Künstlern, darunter Prince und Billy Joel, arbeitete, beschreibt Jackson als „den bemerkenswertesten Menschen den ich je in meinem Leben kennenlernte. Ganz ohne Frage… Er hatte die Fähigkeit zur Verwunderung und zum Staunen, mehr, als ich es je bei irgend jemand anderem gesehen habe. Sahst du dir mit ihm ein Portfolio eines Künstlers an, reagierte er mit etwas, das wie der Anfang einer orgastischen Erfahrung schien, und das, sobald du auch nur ein paar Zentimeter der Seiten geöffnet hattest… Wenn du mit ihm über ein schwieriges Thema gesprochen hast, z.B. dass er Konzerte absagen musste, fühlte es sich an, als ob sich in Michaels Brust goldene Schleusentore öffnete und du darin 10.000 Fans sehen konntest. Seine Aufgabe war es, sich für diese Fans zu engagieren. Er fühlte, dass Gott ihm dieses Geschenk gegeben hatte.“

Der New Age Author Deepak Chopra, mit dem Jackson für sein zweites Buch „Dancing The Dream“ zusammen arbeitete, hatte einen ähnlichen Eindruck von diesem schwer zu erfassenden Pop Star. Er erinnert sich: „Als wir uns etwa 1988 zum ersten Mal trafen, traf mich diese Kombination von Charisma und Verwundbarkeit, die von Michael ausging. Er wurde am Flughafen von Menschenmengen umschwärmt, performte dann eine auszehrende 3-stündige Show und setzte sich danach hinter die Bühne, so wie wir es einmal in Bucharest taten, trank Wasser und sah sich, als ich in den Raum kam, Sufi Gedichte an und wollte meditieren.“

Diese Sensibilität war bei Jackson schon in jungen Jahren spürbar. Smokey Robinson nannte ihn eine alte Seele in einem kleinen Körper. „In seinem Herzen trug er andere Zeitalter,“ sagte Robinson, „es war mehr, als einfach nur Soul, es war der Soul, der tief in der Erde der Geschichte eines ganzen Volkes verwurzelt war.“ Das war eine der Qualitäten, die ihn zu diesem unwiderstehlichen Performer machten, sogar schon als Kind. Und bei all der Freude und Vitalität die er ausstrahlte, war da auch immer eine gewisse Traurigkeit, dieser Weltschmerz.

Als Teenager begann Jackson die ersten Samen seiner sozialen Vision und seines humanitären Strebens zu entwickeln. „Politiker können die Welt nicht retten, deshalb sollten die Musiker es wenigstens versuchen,“ sagte er in 1979 in einem Interview mit Blues & Soul. „Ich könnte niemals Platten machen, nur um damit reich zu werden. Das macht für mich keinen Sinn. Da muss mehr vorhanden sein.“

Themen wie brüderliche Liebe, Akzeptanz und soziale Transformation sind Bestandteil seiner ersten selbst geschriebenen Werke. Der erste Eindruck dessen, was er zu erreichen versuchte, erhält man vielleicht durch den Song und den Film für „Can You Feel It“. Mit seinem älteren Bruder Jackie zusammen geschrieben, lieferte der Song eine passionierte Botschaft über Rasseneinheit („the blood inside of you is inside of me“, „das Blut in deinem Innern ist das Blut in meinem Innern) und globaler Harmonie („take the news to the marchin’ men/ Who are killing their brothers/ When death won’t do”, trage die Nachricht zu den marschierenden Männern/ die ihre Brüder umbringen/wenn der Tod es nicht tun wird). Es war die klangliche Destillation des Symbols des Pfaus, das auf ihrem vorherigen Album zu sehen war.

Im Booklet-Text des Destiny Albums erklärt Jackson: „Von alters her wird der Pfau für seine attraktive, erhabene Schönheit verehrt. Von der ganzen Famile der Vögel ist der Pfau der einzige Vogel, der alle Farben in sich vereint. So wie der Pfau versuchen auch wir, durch die Liebe zur Musik, alle Rassen zu vereinen.“

Der wegweisende, 10-minütige Kurzfilm für „Can You Feel It“, ein Augenschmaus, geschrieben und erdacht von Jackson, nahm die Symbolik des Pfaus klar und deutlich auf. Auch Elemente von Science-Fiction Filmen, wie „2001: A Space Odyssey and Close Encounters of the Third Kind“ („2001: Odysse im Weltraum“), die Sprache von biblischen Geschichten, und Andeutungen an Carl Sagans „Cosmos“(„Unser Kosmos“) wurden eingewebt, um die Botschaft über kosmische Liebe und Harmonie zwischen der Rassen zu vermitteln.

Im folgenden Jahrzehnt entwickelte Jackson sich sowohl künstlerisch als auch intellektuell weiter. Er bildete sich größtenteils selbstbestimmt weiter und tat das mit unersättlicher Neugierde. Überall wo er auftrat, studierte er die Kultur und die Menschen, er besuchte Museen, Gallerien und Buchläden, aber auch Krankenhäuser und Waisenheime. Er sammelte eine Bücherei mit Tausenden Büchern, Filmen und Videos an. Er las viel, unterhielt sich mit Experten und kaufte sich Ausgaben, die ihn leidenschaftlich interessierten. Sogar seine Aversion gegenüber Parteipolitik löste sich Ende der 1980er auf. Auch wenn es ihn nie zur Politik hinzog, begann er doch einige der Motive, Interessen und Mächte zu erkennen, die zur weitverbreiteten Ungerechtigkeit, Zerstörung und Leiden führten.

Zusätzlich zu den vielen Wohltätigkeitsorganisationen, die er unterstützte, führte sein Interesse für globale Fragen dazu, 1992, ausgehend von einem Song seines Dangerous Albums, die Heal The World Foundation zu gründen. Jackson beschrieb diesen Song als ein Mittel zum Erlangen öffentlicher Aufmerksamkeit, mit der Absicht, Geld zu sammeln und ein Bewusstsein für weltweite humanitäre Belange zu erschaffen. Die Heal The World Foundation war wesentlich umfassender ausgerichtet, als U.S.A. For Africa. Mittel aus der Stiftung sollten bei Armut, zur Unterstützung von Bildung, für Hilfe bei Krankheiten (darunter AIDS), in Kriegsgebieten, Genozid und Naturkatastrophen eingesetzt werden. In den ersten Jahren nach der Gründung war die Stiftung sehr aktiv, ihre Mittel kamen u.a. Projekten für die innerstädtische Jugend, Kinderkrankenhäusern und Kriegsflüchtlingen zu gute. „Der einzige Grund, weshalb ich auf Tour gehe ist, Mittel für die Heal The World Foundation zu generieren,“ sagte Jackson bei einer Pressekonferenz. „Mein Ziel ist es, bis Weihnachten 1993 100 Millionen Dollar zu sammeln. Ich bitte jede Firma und jede Person, die sich um diesen Planeten und die Zukunft der Kinder sorgt, dabei zu helfen, Geld für die HTW Foundation zu sammeln.“

Die Los Angeles Times berichtete 1993, Jackson habe 1,25 Millionen Dollar zu Gunsten von Projekten mit innerstädtischen Jugendlichen, von denen viele von den Ausschreitungen in LA, die dem Urteil im Fall Rodney King folgten, betroffen waren, zugesagt.

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Michael performt Heal The World – bei der Superbowl Halftime Show 1993

Jackson machte seine Heal The World Stiftung zum Mittelpunkt seiner ikonischen Super Bowl Halftime Show. Er transformierte dieses typischerweise hyper-maskuline, nationalistische, kapitalistische Spektakel zu einem grenzenlosen utopischen Fest der Liebe. „Heute stehen wir rund um die Welt zusammen, vereint für ein gemeinsames Ziel,“ sprach er zu der Zuschauermenge in der Arena (und den Millionen, die zuhause zuschauten), „um diesen Planeten wieder zu einem Ort der Freude, des Verständnis und der Freundlichkeit zu machen. Keiner sollte leiden müssen, besonders die Kinder nicht. Dieses Mal muss es gelingen.“ Sein Performance-Honorar von 1 Million Dollar spendet er der Heal The World Stiftung.

Noch bevor ihm jedoch die Idee zu Heal The World kam, gab es schon „Earth Song“.

Die späten 1980er Jahre stellten sich allgemein als Wendepunkt heraus – nicht nur für Michael Jacksons politisches Bewusstsein, sondern auch für die globale Umweltbewegung. Die Nachrichten dieses Jahres lesen sich wie alte Schriften: Es gab Hitzewellen und Trockenheiten, massive Waldbrände und Erdbeben, Völkermord und Hungersnöte. Im Heiligen Land eskalierte die Gewalt, im Amazonas wurden die Wälder verwüstet und Müll, Öl und Fäkalien wurden an den Küsten angeschwemmt. Es gab zudem deutliche Hinweise, dass sich die Erde erwärmte. Anstelle der „Person des Jahres“ hatte die Times 1988 ihre letzte Ausgabe des Jahres der „gefährdeten Erde“ gewidmet. Das Magazin schrieb: „Dieses Jahr hat die Erde gesprochen, wie einst Gott Noha vor der Flut warnte.“ Plötzlich wurde es vielen Menschen bewusst, dass wir dabei waren unser eigenes Zuhause buchstäblich zu zerstören…

Manche Menschen gewöhnen sich durch das gelegentliche Lesen und Hören der Nachrichten daran und werden passiv. Die schrecklichen Bilder und Geschichten, die über den Bildschirm flimmern, stumpfen sie ab. Jackson jedoch rührten solche Geschichten regelmässig zu Tränen. Er verinnerlichte sie und reagierte oft mit körperlichen Schmerzen darauf. Wenn Leute sich über seine Sensibilität lustig machten, oder ihm sagten, er solle doch einfach sein eigenes Glück geniessen, wurde er wütend. Er glaubte an die Worte des Dichters John Donne, die sagen „kein Mensch ist eine Insel“. Für Jackson bezog sich das jedoch auf alle Lebensformen: Natur, Tiere und Menschen aller Länder, Kulturen und Rassen (besonders Kinder) – der ganze Planet war verbunden und wertvoll.

Der Durchschnittsmensch sieht irgendwo da draussen Probleme, die gelöst werden sollten,“ erklärt er, “vielleicht werden sie es, vielleicht auch nicht… Aber ich empfinde es nicht so – diese Probleme sind nicht „irgendwo da draussen“, ehrlich, ich fühle sie in mir. Ein weinendes Kind in Äthiopien, eine Möwe, die in einer Ölpfütze um ihr Leben kämpft… ein Kinder-Soldat, der vor Furcht zittert, wenn er Flugzeuge über sich hinweg fliegen hört: Geschehen diese Dinge nicht in mir, wenn ich sie sehe oder davon höre?“

Einmal musste Jackson eine Tanzprobe abbrechen, weil das Bild eines in einem Netz gefangenen Delphins, das er zuvor gesehen hatte, ihn so emotional verstörte. „Durch die Art, wie sich sein Körper in den Seilen verheddert hatte, konntest du seine ganze Qual erkennen,“ erklärte er.

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Wenn Jackson performte, fühlte er diese turbulenten Emotionen durch sich hindurchströmen. Durch seinen Gesang und Tanz, versuchte er dieses Leiden zu übertragen – er verlieh ihm Ausdruck und eine Bedeutung. Es war befreiend. Für einen kurzen Augenblick konnte er sein Publikum – und sich selbst – zu einer alternativen Welt aus Harmonie und Ekstase mitnehmen. „Es gibt keine größere Glückseligkeit,“ erklärte Jackson. „Du wirst Eins mit der Musik, Eins dem Publikum… Man beginnt, miteinander zu spielen und man weiß, wohin es geht, bevor man ankommt.. du fühlst dich transformiert.“

Aber unweigerlich musste er wieder auf den Boden zurück kommen. Die Musik hörte auf, die Lichter gingen aus, die Menschenmenge marschierte hinaus. Und er wurde von seiner Entourage weggebracht, in ein anderes Hotel, in eine andere Stadt.

Wie es während der BAD Tour üblich war, wurde Jackson mit Bill Bray, seinem langjährigen Sicherheitschef, und anderen Begleitern durch den Personaleingang in sein Wiener Hotel eingeschmuggelt.

War er dann drin, duschte er, danach las er meistens ein Buch, oder zeichnete oder sah sich einen Film an. In der Nacht nach seinem Konzert im Wiener Prater Stadion, strömten draussen vor dem Hotel Tausende Fans zusammen und riefen seinen Namen. Jackson erschien schliesslich an einem der Fenster, bekleidet mit einem grau blau gestreiften Pyjama Oberteil und roten Flanell Hosen. Er winkte der euphorischen Menge zu und rannte dann zurück in sein Badezimmer, um ein paar Fotos zu signieren, die er aus dem Fenster warf.

Egal wie lang sein Aufenthalt in irgendeiner Stadt war, sein Hotelzimmer wurde für ihn gleichermassen zum Zufluchtsort und zur Gefängniszelle. Die Zimmermädchen des Wiener Marriott erinnern sich daran, dass er sehr auf seine Privatsphäre bedacht war. Kamen sie in seine Suite, um Essen zu bringen, oder sauber zu machen, „verschwand er in ein anderes Zimmer.“

Er war der größte Star der Welt, aber in solchen Zeiten wollte er nichts lieber, als die Anonymität einer normalen Person.

Es geschah während des kurzen Aufenthalts in Wien, dass ihn eine Inspiration erreichte. „Es fiel mir einfach plötzlich in den Schoß,“ erinnert er sich an den Moment. Das Lied der Erde (Earth’s song). Ein Lied aus ihrer Perspektive, mit ihrer Stimme. Ein Appell und ein Klageruf.

Der Refrain kam zuerst – ein wortloser Schrei. Er nahm seinen Rekorder und drückte „Aufnahme“. Aaaaaaaaah Oooooooooh. Die Akkorde waren einfach aber wundervoll. Das ist es, dachte Jackson. Er arbeitete dann an der Einleitung und an den Strophen. Seine ganze Tragweite stellte er sich im Kopf vor. Noch konnte keiner sehen, was er sah. Aber sie würden. Er spürte, dass das der wichtigste Song sein würde, den er je komponiert hatte…

Auszug aus:

Earth Song: Michael Jackson and the Art Of compassion

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Übersetzung: M.v.d.Linden

Buchauszüge aus: „Never Can Say Goodbye – Katherine Jackson Archives“

Buchauszüge aus: „Never Can Say Goodbye – Katherine Jackson Archives“

Almichael-jackson,-pop-life-1220572s seine Mutter spürte ich, dass der Karrieredruck, dem Michael ausgesetzt war, viel zu früh kam, und es macht mich traurig,dass Michael die Jahre, die er als Kind mit Arbeiten verbrachte, immer mehr bereute. Ihm kam es vor, als hätte er einiges von dem, das er als „normale Kindheit“ bezeichnete, verpasst. Er war immer sehr passioniert mit seiner Musik, sogar schon damals. Das war, was er liebte.

Michael wusste, dass er ohne diesen Einsatz schon als Kind, nicht diese Berühmtheit erlangt hätte. Er war immer dankbar für das, was er erreicht hatte, und auch wenn ich ihn mal über die Opfer, die er bringen musste, klagen hörte, weiß ich, dass er fest an seine Bestimmung glaubte: die Welt mit seiner Kunst zu inspirieren.

Da sie keine Schule besuchen konnten, stellten wir Frau Fine ein, eine Privatlehrerin, die mit der Band (Jackson 5) auf Tournee ging. In Geografie war Michael am besten. Aber er liebte auch Kunst, Geschichte und Kultur. Während seine Brüder ausgingen und feierten, besuchte Michael Museen und Galerien und vertiefte sich in die Kultur der Städte, die sie besuchten. Sowohl Frau Fine als auch ihr Ehemann, ein Pianist, entwickelten eine tiefe Verbundenheit zu Michael und entzündeten in ihm die Freude an der Literatur.

Mj Rose Fine

Michael mit seiner Lehrerin Mrs. Rose Fine

Michael war von Natur aus immer großzügig. Aber er hatte auch schon in jungen Jahren einen Unternehmergeist. Jedes Mal, wenn er sein Geld erhielt, gab Michael es für Süssigkeiten aus. Er eröffnete einen kleinen Süßwarenladen hinter unserem Haus, damit er seine an die Nachbarskinder verteilen konnte.

Ich versuchte Michael die Welt durch Dokumentationen zu erklären. Eines Tages sah ich mir mit Michael einen Film über die benachteiligten Kinder Afrikas an. Ihre Lebensumstände brachten uns beide zum weinen. Michael, der schon mit 14 Jahren sehr mitfühlend war, drehte sich zu mir und sagte: „Mutter, eines Tages werde ich etwas dagegen unternehmen.“

Einige Jahre danach tat er es. Michael überraschte mich mit einer Reise nach New York. Wir fuhren zu einem Flugzeughangar und ich wurde Zeuge davon, wie Kisten mit Nahrungsmitteln, Bedarfsgegenständen und anderen Hilfsmitteln in mehrere Flugzeuge geladen wurden, die auf dem Rollfeld standen. Ich war stolz, dass mein Sohn seinen Worten Taten folgen ließ. Er schickte Hilfsgüter nach Afrika. Seine Großzügigkeit ging aber noch darüber hinaus. Viele Spenden an wohltätige Organisationen und jahrelange Arbeit mit Kindern mit Behinderungen und aus allen Gesellschaftsschichten folgten. Manchmal ging Michael in der Nacht raus und verteilte einfach Hunderte von Dollar an Obdachlose, die ihm begegneten. Geld bedeutete ihm weit weniger als sein Ziel, das Leben von Menschen zu verbessern und die Welt dazu zu inspirieren, sich zum Besseren zu verändern.

Michael Jackson Heal The World Fundation Sending Relief To Sarajevo 1992 (9)

Auch zu unserer Familie war Michael großzügig. Meine Kinder gaben öfters Parties für mich und engagierten meinen Lieblingssänger, der dann dort auftrat. Ich erinnere mich daran, dass meine Tochter Janet mich ein paar Tage vor einer solchen Party ganz unverdächtig fragte, was meine Lieblingsfarbe sei. Als es dann soweit war, gaben sie mir ein Band, dem ich bis zum Ende folgen musste. Das Band führte mich bis zum Parkplatz, und da stand ein wunderbarer, glänzend roter Rolls Royce vor mir.

Er befreundete sich mit den Leuten aus dem Musikgeschäft, die er bewunderte und respektierte, und auch wenn sie einer anderen Generation angehörte, fühlte sich Michael mit seinen Mentoren verbunden… mit Größen wie Fred Astaire, Gregory Peck und Yul Brunner, die zu seinen engsten freunden gehörten. Ich vergesse nie diese peinliche Nacht, in der ich Yul Brunner kennenlernte. Es war schon spät und ich schlief schon, als ich ein Klopfen an der Tür hörte. Michael kam mit Yul Brunner herein und sie fanden mich im Bett, mit meiner Schlafmütze auf dem Kopf. Es war nicht unüblich, dass Michael seine Gäste mit nach Hause brachte.

Michael und all seine Geschwister haben eine enge Verbindung. Mit Marlon kam er gut zurecht, denn sie waren sich vom Alter her am nächsten, mit Jemaine, weil er zu ihm aufsah, und zu Tito, weil er bei all den Jungs der Beliebteste war. Auch seinen Schwestern stand er nahe. Die Beziehung mit LaToya wurde enger, als sie sich 1978 in New York ein Appartement teilten, als er an The Wiz arbeitete. LaToya sang ein paar Jahre für Michael im Background und spielte in seinen Videos ‘Say Say Say’ und ‘The Way You Make Me Feel’ mit. Für Janet war er immer der ideale ältere Bruder und ein großer Fan ihrer Musik. Janet sah Michael immer als ihren Mentor. Sie bewunderten sich gegenseitig.

La Toya Jackson

LaToya Und Michael in ihrem Appartement in New York


Seit 1971 war Encino das Zuhause unserer Familie. Es war Michaels Idee, das alte Haus abzureißen und mein Traumhaus genau an der Stelle neu aufzubauen. Ausser dem neuen 10-Zimmer Haus baute Michael auch noch einen Candy-Shop, einen wunderschönen Gartenpavillon und einen Pool.

Ausserhalb seines normalen Unterrichtsstoffs lernte Michael während seiner Karriere viel über die Welt und andere Kulturen. Wenn die Jungs nach einer langen Tour nach Hause zurück kehrten, teilte Michael immer sehr gerne seine Geschichten und Erlebnisse mit.

Schon in jungen Jahren erfuhren die Jungs, was kulturelle Segregation bedeutet. Viele Jahre später reiste Michael wieder nach Australien und besuchte einen Ort, an dem Aborigines lebten. Betrübt und betroffen von ihrer Unterdrückung hoffte Michael, ihre Situation verbessern zu können.

Seine Fans und Kollegen krönten ihn zum King Of Pop, nannten ihn eine Ikone und Legende. Aber auch wenn er ein großer Star war, sah ich Michael Jackson immer nur als meinen Sohn. Sein Ruhm war mir nicht wirklich bewusst geworden, bis zu dem 29.August, seinem Geburtstag, an dem er mich mit in die Eco Arena in Liverpool nahm. Das ganze Stadion war mit Luftballons und Bannern geschmückt, auf denen „Happy Birthday, Michael“ geschrieben stand, eine großartige Geste, wie ich fand. Durch die Arena klangen die Gesänge und der aufgeregte Jubel von 70.000 Fans, und draussen warteten weitere 30.000. Ich war überrascht und überwältigt von der Menschenmenge die sich dort für meinen Sohn eingefunden hat. Es hat mich sehr beeindruckt.

Aber trotz all dem blieb Michael immer am Boden. Ohne Zweifel hat mein Sohn in seinem Leben großartige Dinge erreicht, aber er strebte dennoch immer nach mehr. Er war ambitioniert. Er war ein Träumer.

Ich habe 2 Lieblings Songs von Michael Jackson: ‘Man In The Mirror’, von 1988, und „Earth Song’, von 1995. Ein weiterer Lieblingssong ist der Jackson 5 Hit ‘Man Of War’. Besonders der Text “Don’t go to war no more, study peace, ‘cause peace is what we need” (Zieht nicht mehr in den Krieg, studiert den Frieden, denn Frieden brauchen wir) gefällt mir daran. Genauso, wie das Singen und Tanzen bei ihm ganz von selbst kam, konnte Michael auch ganz natürlich Musik schreiben und komponieren. Manchmal schrieb er über Nacht einen ganzen Song. Ich hörte oft, wie er in seinem Zimmer herumlief, wenn ihn mitten in der Nacht eine Inspiration geweckt hatte.

Unter Michaels Freunden war auch der aus Chicago stammende Schauspieler, Bürgerrechtler und Ernährungsberater Dick Gregory. Michael traf Dick zum ersten Mal in 1978 New York, am Set von the Wiz. Durch Dicks Wissen über Ernährung und Gesundheit inspiriert, wurde Michael bald Vegetarier. Ich erinnere mich daran, dass Michael einer strengen Gesundheits-Diät folgte, die aus Fisch, Hühnchen und Gemüse bestand und bei der rotes Fleisch nicht erlaubt war. Kurz darauf forderte Michael auch die ganze Familie dazu auf, sich gesund zu ernähren. Dick beeinflusste Michaels Ernährungsgewohnheiten in sofern, dass er schliesslich zum Vegetarier wurde.

Auch Sammy Davies Jr. war ein Freund eine Inspiration für Michael. Die beiden trafen sich zum ersten Mal am Lake Tahoe. Eines Abends, nach Sammys Show, bewunderte Michel seine Uhr. Großzügig wie er war, nahm Sammy die Uhr ab und schenkte sie Michael. Ich habe diese Uhr heute noch. Michael gab sie mir als Erinnerung. Er selbst trug nur selten Schmuck. Durch seine Erfahrungen mit großherzigen Mentoren wie Sammy, fuhr auch Michael seit seines Lebens mit diesen Traditionen fort. Es war also nicht unüblich, dass Michael seinen Freunden und Fans Dinge schenkte, die diese bewundert hatten.

Ich sagte zu Michael immer: „Das Leben gibt dir nur das zurück, was du hineingesteckt hast.“ Ich glaube, an diese Worte erinnerte er sich immer. Michael wußte immer, was er wollte, und wie weit er gehen wollte. Er glaubte an harte Arbeit, eine positive Einstellung und Durchhaltevermögen. Oft machte er ganz intuitiv Geschäfte und traf kreative Entscheidungen, und es stellte sich oft heraus, dass diese sich sehr lukrativ für ihn entwickelten. Als er älter wurde hoffte er, weniger Zeit in seine Geschäfte stecken zu müssen und sich mehr seiner Kunst widmen zu können. Die meisten Geschäftlichen Abläufe überlies er den Händen seiner Mitarbeiter. So vertrauensvoll wie er war, musste Michael niedergeschlagen lernen, dass viele seiner Angestellten und Geschäftspartner ihn betrogen, aber dennoch war es nicht seine Art, sie zu verklagen.

Kleidung war für Michael ein persönlicher und kreativer Ausdruck. Wenn Michael jedoch nicht auf der Bühne war, war sein Kleidungsstil jedoch sehr dezent gehalten. Es war wie Tag und Nacht…

In unserem Zuhause gab es wohl eben so viele Tiere, wie Menschen. Es gab eine Giraffe, die Michael Jabar nannte, nach dem Basketballspieler Karim Abdul Jabar. Michael besaß auch ein Lama namens Lola, wie Lola Falana, eine bekannte Schauspielerin. Er hatte auch zwei Rehe, Prince und Princess und eine Schlange, Muscles. Michael hielt alle Tiere in einem Reservat, das er auf Encino gebaut hatte, alle, ausser einem. Jahrelang wollte Michael einen Affen als Haustier. Ich lehnte das aber immer ab, bis er eines Tages ein Schimpansen-Baby namens Bubbles mit nach Hause brachte. Bubbles war anders als die anderen Tiere, die wir beherbergten. Er hatte Benehmen wie ein Kind, und reckte uns seine Arme entgegen, damit wir ihn auf den Arm nehmen würden. Man konnte erkennen, dass er intelligent war, wenn er Spiele spielte oder die Hunde neckte, die wir auf dem Grundstück hatten. Bubbles wohnte und schlief in Michaels Zimmer, er war wie ein Teil der Familie.

Bubbles

Man hätte nie geahnt, dass auf dem Anwesen Tiere leben würden, denn Michael pflegte den Bereich, in dem sie sich aufhielten sehr sorgfältig. Später hatte er dazu 200 Angestellte, die Neverland und den Zoo nach diesem Vorbild in Ordnung hielten.

Die meisten Leute wissen nicht, dass die Namen von Michaels Kindern von seinem Großvater stammen. Als Michael jünger war, hat er mit meinem Vater, Prince, in Indiana Zeit verbracht. Michaels Söhne, Prince Michael Joseph Jackson und Prince Michael Jackson (Blanket) wurden nach ihm benannt.

Katherine Michael Prince

Michael und sein Großvater, Katherines Vater Prince

Lange vor Neverland baute Michael schon einen Candy-Shop auf das Grundstück von Encino. Der Laden war immer gut bestückt mit Eis und anderen Leckereien. All seine Nichten, Neffen und die Nachbarkinder kamen zu unserem Haus zum spielen. Ich wurde auch oft genug schwach, erinnere mich aber auch daran, dass ich darüber frustriert war, dass Michael der Versuchung widerstand, die Süssigkeiten selbst zu essen. Es machte ihn glücklich, sie zu verschenken und freute sich über die lachenden Gesichter der Kinder. Michael war wie ein großes Kind und auf Familienfeiern verbrachte er oft seine Zeit mit Versteckspielen mit seinen Cousins. Er wollte wohl die Kindheit, die er nicht hatte, nachholen.

Eines weiß ich ganz sicher: Michael verehrte seine Fans. Ich vergesse nie die Zeit, in der Michael den Prozess durchmachte. Jeden Morgen verliessen wir zusammen die Ranch und fuhren zum Gericht. Die Fans standen immer am Tor der Ranch und unterstützten ihn mit Schildern, Gebeten und Geschenken. Es berührte Michael, wenn er Bibelverse auf den Schildern sah, die ihn mit lieben Worten aufforderten, in dieser schweren Zeit stark zu bleiben. Es war die Unterstützung, die er brauchte.

 

Ihm folgte immer eine Menschenmenge, egal wohin er ging. Es hat ihn aber nie aus der Ruhe gebracht, wie es vielleicht bei anderen Menschen gewesen wäre. Er hatte sogar eine Regel für seine Sicherheitskräfte, die lautete: „seid immer nett zu meinen Fans.“ Als Michael noch zuhause lebte, versammelten sich jeden Tag viele Leute am Tor. Immer wieder schaffte es einer der Fans, auf das Grundstück zu kommen, um Michael zu sehen. Manche schafften es sogar bis ins Haus. Wenn so etwas passierte, blieb Michael immer ganz ruhig, nett und höflich. Er war seinen Fans dankbar und er wusste, dass ohne ihre Liebe und Unterstützung nie der geworden wäre, der er war.

Ich stand meinem Sohn immer sehr nahe. Unsere Beziehung wurde noch enger, als seine Brüder das Haus verlassen hatten, und sie wurde erneut stärker während des Prozess. Ich wußte, dass Michael mich in dieser Zeit genauso sehr brauchte, wie seine Fans. Deshalb verliess ich nicht seine Seite.

Michael Jackson Child Molestation Trial - Week Sixteen

Wenn Michael Musik machte, war er in seinem Element. Er traf viele intuitive Entscheidungen und vertraute sehr in sich selbst. Er war ein großer Denker und Träumer und glaubte daran, dass er nicht versagen würde, solange er all seine Liebe in seine Arbeit steckte. Michael war ein fröhlicher, unbekümmerter Mensch. Ich musste ihm nicht beibringen, bescheiden zu bleiben, trotz seines lebenslangen Ruhmes, er war es ganz von selbst. Ich erinnere mich daran, ihm als Kind gesagt zu haben, dass das Performen auf einer Bühne auch nur ein Job war, und dass er deshalb nicht besser war, als andere Menschen. Es kann sein, dass er das verinnerlicht hat und dennoch hat mich seine bescheidene Art oft sehr beeindruckt.

Michaels Leben war aussergewöhnlich und er war dankbar, durch seine Kunst genau das tun zu dürfen, was er liebte. Aber sowohl mein Sohn als auch ich stimmen darüber überein, dass al dieser Ruhm auch seinen Preis hat; es war Fluch und Segen zugleich. Ich möchte kein Spekulationen darüber anstellen, was man anders machen könnte, wenn man alles noch einmal von vorne beginnen könnte. Aber ich glaube, mir könnte im Leben nichts besseres passieren, als einen Sohn wie Michael zu haben.

Egal, was auch immer andere Leute denken, Michael war ein aussergewöhnlicher Mensch, Sohn und Vater. Ein Mensch, der immer alles mit guten Absichten anging und der Hoffnung, andere durch seine grenzenlose Liebe und Menschlichkeit zu inspirieren. Die ganze Welt kannte ihn, und gleichzeitig auch nicht. Mein Sohn wusste, dass seine Fans bis zum Ende hinter ihm standen. Als Gegenleistung gab er ihnen und der Welt durch sein Talent und seine Musik  Liebe, Hoffnung und Inspiration.

Die Trauer um den Verlust meines Sohnes werde ich nie in Worte fassen können. Meine Geschichten teile ich mit Michaels Kindern und seinen Fans, denn er würde wollen, dass sie wissen, wie viel sie ihm wirklich bedeuteten.

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Quelle

Michael Jacksons Unterschied

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Original: https://vindicatemj.wordpress.com/2017/08/29/michael-jacksons-difference/

Heute wäre Michael Jackson 59 Jahre alt geworden. Seit seinem vorzeitigen Tod sind mehr als acht Jahre vergangen und doch ist die endlose Geschichte der Rufmordkampagne gegen ihn noch lange nicht vorüber.

Michael Jacksons Estate hat einen sehr klaren Fall gegen Robson und Safechuck und ihr langsamer aber sicherer Kampf gegen diese Lügner wird eines Tages das profitable Geschäft diverser Schurken, Millionen verdienen zu wollen, indem sie einfach falsche Anschuldigungen gegen Michael machen, beenden.

Das wird eine willkommene Abwechslung sein, da es zumindest zukünftige Reichtumssuchende von dem Versuch abhalten wird, ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten, Michael Jackson alles vorzuwerfen, was sie wollen.

PROBLEME

Allerdings wird das Hauptproblem selbst dann noch weiter bestehen bleiben, wenn der Rechtsstreit des Estates ein Erfolg ist – Michaels Name wird weiterhin befleckt werden und die Öffentlichkeit wird weiterhin unschlüssig sein, wer hier Recht hat.

Hater werden behaupten, dass Robsons und Safechucks Fall legitim ist und dass sie ihn aus rein formellen Gründen verloren haben – MJs Firmen hatten keine Kontrolle über ihren Boss und können für die Handlungen, die er gemacht oder nicht gemacht haben könnte, nicht haftbar gemacht werden.

Und in Bezug auf diesen letzten Punkt werden die Hater Recht haben – die Tatsache der Nichtverantwortlichkeit war von Anfang an völlig klar und man kann sich nur wundern, warum es so lange dauert, solch einen offensichtlichen Punkt zu beweisen.

Ein weiterer Punkt, über den man sich nur wundern kann, ist, wer die Anwälte der Lügner für solch eine langanhaltende Schlacht bezahlt. Safechucks Klage wurde zum Beispiel bereits abgewiesen, aber jetzt hat er Berufung eingereicht und einen speziellen Berufungsanwalt angeheuert, um das abzuwickeln. Die Berufung ist wie ich gehört habe eine kostspielige Angelegenheit und das lässt mich vermuten, dass hier jemand hinter den Kulissen ist, der die Anwälte bezahlt, um den Zirkus am Laufen zu halten.

Genau genommen deuten all die plötzlichen Wendungen in dem Fall darauf hin, dass er vorsätzlich in die Länge gezogen wird und dass die Endlosigkeit dieses Projekts für sich genommen ein eigenständiges Ziel ist. Die einfach gestrickten Akteure beteiligten sich in der Hoffnung auf einen raschen Vergleich an dem Plan, während jene, die das Projekt angezettelt haben, weitreichende Pläne haben könnten und sicherlich nichts dagegen haben, wenn der Fall ewig dauert – weil je länger es dauert, desto länger wird Michaels Name verrissen und desto mehr Zweifel wird gesät.

Und das läuft jetzt seit 35 Jahren – Generationen kommen und gehen und es ist einzig Michael Jacksons „Fall“, der immer noch da ist.

Also lasst uns eine einfache Frage stellen – gibt es einen Weg, um ein für alle Mal zu beweisen, dass Michael nicht so war, wie seine Hater ihn darzustellen versuchen?

Ich denke, es gibt einen Weg, das zu beweisen und um das zu tun, müssen wir uns an Anne Salter wenden und uns anhören, was sie zu diesem Thema zu sagen hat – nein, nicht über Michael Jackson, sondern über echte Sexualstraftäter.

ANNE SALTER

Wer ist Anne Salter?

Dr. Anne Salter ist die bevorzugte Quelle von Michael Jacksons Verleumdern. Ihre offizielle Biographie gibt an, dass sie eine amtlich zugelassene klinische Psychologin ist, die ihren Doktortitel in klinischer Psychologie von der Harvard Universität verliehen bekommen hat.

Sie ist auch die Autorin des Bestsellers Predators: Pedophiles, Rapists, and Other Sex Offenders, Who They Are, How They Operate, and How We Can Protect Ourselves and Our Children ([Sexual]Straftäter: Pädophile, Vergewaltiger und andere Sextäter, Wer sie sind, Wie sie vorgehen und Wie wir uns und unsere Kinder schützen können), worüber sie Scott Radio Network 2013 ein Interview  gab.

Dr. Salters Biographie gibt an, dass sie in den Vereinigten Staaten auch Expertengutachten in Strafrechtsverfahren mit großem öffentlichen Interesse vorlegt, weltweit vor großen Tagungen gesprochen hat und Empfängerin zahlreicher Förderungen für die Erforschung von Sexualstraftätern gewesen ist. 1997 wurde Dr. Salter von der Gesellschaft für die Behandlung von sexuellen Missbrauchern (The Association for the Treatment of Sexual Abusers (ATSA)) mit ihrem Significant Lifetime Achievement Award ausgezeichnet.

Kurzum, Dr. Anne Salter ist eine der qualifiziertesten Experten, an die man sich wenden kann, wenn wir wissen wollen, wie echte Kinderschänder sind und wie sie vorgehen.

Warum zitieren Michael Jacksons Verleumder Dr. Anne Salter so gerne?

Das liegt daran, dass manche ihrer Aussagen formal gesehen auf MJ und sein Verhalten anwendbar aussehen.

Was ist dann das Problem der Verleumder mit Dr. Salter?

Ihr Problem ist, dass sie sie nur selektiv zitieren können und ihr Hauptargument nicht erwähnen können, was deutlich macht, dass jede oberflächliche Ähnlichkeit Michael Jacksons mit jenen „anderen“ gegenstandslos ist, wenn ihr Hauptargument, das seine Unschuld bezeugt, völlig ignoriert wird. Tatsächlich steht ihre Hauptschlussfolgerung bezüglich echter Kinderschänder in direktem Widerspruch mit allem, was Michael Jackson jemals getan oder gesagt hat.

Und was ist ihre Hauptschlussfolgerung?

Die Kurzzusammenfassung ist, dass alle Sexualstraftäter so „normal“ aussehen, dass es keine Möglichkeit gibt, sie von wirklich normalen Menschen zu unterscheiden. Es gibt kein universelles Muster und keine allgemeine Regel, die man auf sie anwenden kann, um sie in der gewöhnlichen Menschenmenge leicht erkennbar zu machen.

Dr. Salter sagt:

Ich hatte eine Nachbarin, die zu mir kam und sagte: „Ich mache mir darüber keine Sorgen, Anna, ich kann einen Pädophilen erkennen.“ Und ich sagte „Wirklich? Weil ich das nicht kann.“ Und sie sagte „Oh, natürlich kannst Du das. Du arbeitest seit Jahren auf diesem Gebiet, Du schreibst diese Bücher, Du schreibst wissenschaftliche Bücher, Du schreibst Geheimnisse über sie. Natürlich kannst Du sie erkennen.“ Und ich sagte „Weißt Du, was mir meine 30 Jahre gebracht haben? Ich weiß, dass ich es nicht kann und Du denkst, Du kannst es.“ Und ich glaube das wirklich, ich kann sie nicht besser erkennen als jeder andere es kann. Nicht besser als ein Arzt erkennen kann, welcher Patient in seiner oder ihrer Praxis AIDS hat. Die Ärzte wissen das und wir scheinen das nur schwer glauben zu können.

Dr. Salter erklärt, dass alle Kinderschänder sehr erfolgreich darin sind, das Image eines guten, anständigen Bürgers aufrechtzuerhalten. Allen wird von ihrer Umgebung vertraut und fast alle werden für ihr gutes christliches Glaubenszeugnis gelobt.

Sexualstraftäter erhalten eine Erscheinung der Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit aufrecht. < > Liebenswürdigkeit ist solch eine starke Waffe, da sie die Sexualstraftäter über lange Zeitspannen mit fast unbegreiflich vielen Opfern schützt. Mr. Saylor, ein sportlicher Leiter in einer Grundschule, betätigte sich fast zwanzig Jahre lang unbehelligt. Er sagte mir, dass die Anzahl der Missbräuche, mit denen man davon kommen kann, fast grenzenlos ist. (Salter, Seite 26)

Wir erwarten, dass Kinderschänder Monster sind. Der Gedanke, dass Leute, die nach außen „Liebenswürdigkeit“ und Normalität vermitteln, solch dunkle Geheimnisse beherbergen, scheint der menschlichen Natur zu widersprechen. „Aber es ist ein Irrglaube, dass Kinderschänder irgendwie anders sind als der Rest von uns, außer ihren Neigungen zu missbrauchen. Sie können loyale Freunde sein, gute Mitarbeiter und auf andere Art verantwortungsvolle Mitglieder der Gemeinschaft.“ (Salter, Seite 47)

Aber Dr. Salters wichtigste Beobachtung ist, dass Kinderschänder, obwohl sie von der gewöhnlichen Menschenmenge nicht zu unterscheiden sind, alle ein gemeinsames Merkmal aufweisen, das für ihre Taten absolut unerlässlich ist. Das Hauptmerkmal ist, dass sie alle außergewöhnliche Lügner sind, die niemals irgendetwas machen oder sagen, das ihre wahre Natur offenbaren würde und sie dem Risiko aussetzen würde, entlarvt zu werden.

Sie verhüllen ihre bösen Absichten so geschickt, dass sie die letzten Menschen sind, die man verdächtigen würde und es ist genau diese scheinbare Normalität und das gesellschaftlich anerkannte Verhalten, warum sie es schaffen, mit ihren Verbrechen so lange Zeit davon zu kommen.

Das Problem ist, dass sich Kinderschänder besondere Mühe geben, um sich niemals durch einen einzigen Schritt oder ein einziges Wort zu verraten. Als sie gefragt wurde, ob sie in ihren 30 Jahren Forschung irgendein Muster oder irgendeine Regel in deren Verhalten gefunden hat, sagt Dr. Salter:

„Die einzige Regel bezüglich Täuschung, die ich jemals bei Sexualstraftätern entdeckt habe, ist diese: Wenn es im besten Interesse des Straftäters ist, zu lügen und wenn er es tun kann und nicht erwischt wird, wird er lügen.“

Okay, aber dieser Gedanke ist jedem bekannt, was ist also neu daran?

Was daran neu ist und warum es Michael Jackson völlig entlastet, dämmerte mir erst, als ich mir Charles Thomsons Interview mit Ryan Michaels in seiner Show „Reason Bound“ angehört habe, das am 13. Juni in diesem Sommer aufgenommen wurde.

Das Interview trug den Namen „Episode 058 – Vindication Day Special (Pirates in Neverland: The Michael Jackson Allegations)“ und hier ist der ganze Podcast zum Anhören (bitte verpasst nicht den Kommentarbereich, da sich die Diskussion auch hier fortsetzte).

DAS BRENNENDSTE THEMA

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Das Thema dieser speziellen Episode waren die Kindesmissbrauchsvorwürfe, die gegen Michael Jackson sein Leben hindurch erhoben wurden.

Ryan Michaels, der Moderator der Show und sein Gast, der bekannte Journalist Charles Thomson, diskutierten die Anschuldigungen unter Befolgung der üblichen Rahmenbedingungen der Show, welche die folgenden sind: „Betrachten, was die Leute glauben, warum sie es glauben und die Wichtigkeit der Fähigkeit, gute und schlechte Argumente zu erkennen“.

Die beiden Journalisten diskutierten die angriffigsten Punkte in Michael Jacksons Fall und überprüften die Theorien und Argumente, um die sich sowohl Michaels Fans, als auch seine Verleumder Gedanken machen.

Natürlich war das brennendste Thema der Diskussion der Aspekt des „Bett Teilens“, den Michael niemals verheimlicht hat; er bestand sogar darauf, dass es das Liebevollste ist, das man anderen gegenüber machen kann, im Besonderen Kindern.

Michael Jacksons Fans wissen, dass er diesen Ausdruck nutzte, um zu vermitteln, dass er immer bereit war, anderen sein Bett zu überlassen, während er am Boden oder auf einer Couch schlafen würde (was in der Tat oft der Fall war).

Aber die meisten Menschen interpretieren Michaels Aussagen dahingehend, dass er mit einem Kind in einem Bett schläft und es ist in diesem (tatsächlich falschem) Kontext, dass diese beiden Journalisten darüber diskutiert und Michael heftig kritisiert haben.

Hier sind ein paar Zitate aus ihrem Dialog:

RYAN MICHAELS bei etwa 12:35: „Warum würdest Du als erwachsener Mann denken, dass es eine gute Idee ist, mit Kindern im Bett zu schlafen? Das sieht übel aus. Das sieht wirklich, wirklich übel aus. Das ist schwer nachzuempfinden…“

CHARLES THOMSON: „Ich bin nicht hier, um die Idee prinzipiell zu verteidigen. Zweifelsohne ist es sehr irrational und dumm, das zu tun. Die Argumente der MJ Fans sind genauso irrational wie jene seiner Verleumder – „Er wuchs in einem Haus mit neun Kindern in einem Schlafzimmer auf, bla-bla-bla…“ Aber er lebte zu der Zeit, als das passiert ist, in Neverland. Vielleicht kann das mit Naivität entschuldigt werden und damit, dass er niemals in der realen Welt gelebt hat, aber es nach 1993 erneut zu tun, war verrückt.“

(Anmerkung: Laut Frank Cascio hat MJ es nie wieder gemacht und wenn er es gemacht hat, war es immer in der Anwesenheit anderer Erwachsener als Vorsichtsmaßnahme, die seiner eigenen Sicherheit gegolten hat. Frank Cascio war in der Tat im gleichen Raum, als Gavin Arvizo in Michaels Bett geschlafen hat, was nur ein einziges Mal vorgekommen ist, wenn ich mich recht erinnere)

RYAN MICHAELS bei etwa 19:55: „Ed Bradley hat in den 60 Minutes während dem Prozess – wie zuvor Diane Sawyer in einem Interview mit Lisa Marie Presley – gesagt, dass das für viele Leute ein Knackpunkt ist. „Wirst Du das weiterhin machen oder wirst Du damit aufhören? Wirst Du weiterhin mit Kindern im Bett schlafen?“ Und Michaels Haltung war: „Du bist der kranke. Ich mache nichts Falsches.“ [Gelächter]

Ryan Michaels erinnert sich, MJ in den 1990ern im Fernsehen gesehen zu haben, dem immer eine Horde an Kindern gefolgt ist. Das wunderte ihn auch:

RYAN MICHAELS bei etwa 25:15: „Jedes Mal, wenn ich ihn gesehen habe, war er mit einer Horde an Kindern zusammen. Ich erinnere mich gedacht zu haben – was genau geht hier vor sich?“

Die beiden Journalisten untersuchten sorgfältig mehrere Theorien, warum Michael immer in der Gesellschaft von Kindern gesehen wurde und warum er regelmäßig darüber gesprochen hat, „sein Bett mit anderen zu teilen“, genauso wie die Argumente von MJs Fans und die seiner Verleumder, und was Michael selbst gesagt hat, um seinen Lebensstil zu verteidigen.

Ihr Fazit war, dass während Michaels ursprüngliches Verhalten seiner Naivität zugeschrieben werden könnte, war sein späteres Beharren darauf verrückt und zerstörerisch für ihn selbst, und in der Rechtfertigung seines Verhaltens agieren seine Fans genauso irrational wie seine Verleumder.

In den Kommentaren zu der Show erklärten die Fans, dass sie nichts rechtfertigen, sondern einfach Michaels Hintergrund verstanden, und obwohl ich den Fans absolut zustimme (und teilweise den Journalisten), habe ich an diesem Punkt erkannt, dass wir alle in die falsche Richtung blicken.

Der wichtigste Diskussionspunkt ist nicht, warum Michael dies oder jenes getan hat, sondern warum er nicht aufhörte, darüber zu reden.

Und es ist nicht so wichtig, ob seine Erklärungen naiv waren oder seine Handlungen auf die Außenwelt seltsam wirkten. Der wichtigste Punkt ist, dass er darüber geredet hat und das ist alles.

Echte Straftäter lügen, täuschen Desinteresse an Kindern vor, machen ein streng gehütetes Geheimnis aus ihrer Untugend – und er redete, redete und redete in dem Versuch, seinen Standpunkt allen klar zu machen – mit welchen unkonventionellen, naiven und möglicherweise sogar unsinnigen Argumenten auch immer – über das Teilen eines Bettes mit einem Kind (!)

Wenn er so verlogen und manipulativ gewesen wäre, wie Dr. Salter sagte, dass alle Sexualstraftäter sind, hätte er niemals irgendjemandem auch nur einen einzigen Hinweis gegeben, dass er überhaupt an Kindern interessiert war. Wenn er wirklich wie „die“ gewesen wäre, hätte er einen Beruf gewählt, der leichten Zugang zu Kindern ermöglicht und hätte vorgegeben, ihnen gegenüber „nett“ und „fürsorglich“ zu sein. All das wäre allerdings strikt innerhalb der gesellschaftlich akzeptieren Grenzen gewesen und hätte niemals auch nur den geringsten Verdacht aufgeworfen, weil es genau deren Fähigkeit, normal auszusehen, zuzuschreiben ist, dass sie so schwer zu erwischen sind.

Und Michaels Sicht auf Kinder war wir ein offenes Buch. Was in dieses Buch geschrieben wurde, war für manche überraschend oder sogar schockierend, aber sein fundamentaler Unterschied zu all den „anderen“ ist, dass sein Buch weit geöffnet und für jeden zu lesen war.

Die Leute können über Michaels Ansichten diskutieren und sie können ihn kritisieren, verspotten und sogar dafür hassen, die gesellschaftlich akzeptierten Normen gebrochen zu haben, aber sie können nicht abstreiten, dass er seine Haltung gegenüber Kindern und seine Liebe für sie niemals vor den öffentlichen Blicken verborgen hat.

Und das ist das einzige, das hier zählt, Leute.

„Sie“ begehren Sex, geben allerdings vor, dass sie nicht interessiert sind.

Und er suchte Liebe und gab sie weiter und er fand es nie notwendig, vorzugeben, dass es nicht so war.

Das seltsamste daran ist eigentlich, dass es die Leute verstanden hätten, wenn Michael auf die gleiche Art vorgetäuscht hätte, wie es echte Straftäter machen. Das liegt daran, dass ein kriminelles Verhaltensmuster für uns nachvollziehbar ist, selbst wenn wir nur in der Theorie darüber sprechen. Und gemäß diesem Muster muss jemand mit kriminellen Absichten einfach ein Geheimnis daraus machen und wenn er das nicht macht und manch ungewöhnliches Verhalten sogar offen zur Schau stellt, werden ihn die Leute als einen völlig sittenwidrigen Verbrecher ansehen, oder einen Verrückten, oder … als einen unschuldigen Typen, der die gesellschaftlichen Verhaltensregeln einfach nie gelernt hat und nicht weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt.

Aus verschiedenen Gründen passt keine dieser Varianten (eine völlig verlorene Seele, Verrücktheit und absolute Unschuld) ganz zu dem Image von Michael Jackson, das von den Medien und der Staatsanwaltschaft für die Öffentlichkeit kreiert wurde und es war in der Tat das Mysterium, das Michael Jackson dargestellt hat, das für die Mehrheit der Leute so fürchterlich erdrückend war.

Und das bedeutet, dass die Leute Michael am meisten deshalb gehasst haben, weil sie ihn nicht verstehen konnten.

Und sie konnten ihn nicht verstehen, weil er tatsächlich anders war und es ist seine Abweichung, die sie verstörend und verwirrend fanden und das ist es, das sie am meisten gehasst und verhöhnt haben.

Und warum, oh warum klingt dieser Grund so überhaupt nicht neu für mich?

Black or White von Barbara Kaufmann – Teil 1 bis 4

by

Teil 1 von 8: Beginn der Serie

(http://www.innermichael.com/2011/04/05/black-or-white-2/)

Wenn ich gefragt werde, welchen Song ich von Michael Jackson am meisten mag, muss ich sagen: „Man in The Mirror”. Doch wenn die Frage lautet, welcher Song den größten Einfluss oder die größte Auswirkung in Bezug auf die Geschichte hatte, dann wäre es „Black or White”.

Michael Jackson war ein Bürgerrechtsaktivist und Freiheitskämpfer, der wusste, dass er eine Plattform besaß und der Strategien entwarf, um sie wohlüberlegt zu nutzen. Mit Musik, Bewegung und Vorstellungskraft machte sich Michael auf den Weg, die Welt zu verändern – und er tat es. „Black or „White” ist ein Beispiel dafür.

Als Meister der Zweideutigkeit, Ironie und unterschwelligen Suggestion sickert Michaels Sinn für Humor durch alles, was er tut. Er ist wagemutig, in dem, was er sagt, doch mehr noch in dem, was er nicht sagt. „Black or White” zeigt sich uns auf dem Album „Dangerous” und Michael musste sehr genau wissen, was er tat, als er ironische Namen und verschlüsselte Botschaften wählte; ich habe gelernt, dass dieser Perfektionist nichts dem Zufall überließ. Er hatte einen Grund für alles, was er tat und achtete peinlich genau darauf, wie seine Botschaft nach außen getragen und vermittelt wurde.

Michael Jackson Black or White

„Black or White” ist aus vielerlei Gründen faszinierend. Es ist nicht so subtil wie die Botschaften in „Ghosts”, es ist jedoch sehr kraftvoll in den Aussagen, die es trifft und möglicherweise wurde es von einigen als…gefährlich…angesehen. Die Welt war für das, was Michael in dem Kurzfilm zu „Black or White” tat, nicht bereit. Sie war noch zu sehr in konservativen und sogar puritanischen Denkmustern gefangen und Michaels Handlungen im Film waren nicht nur kontrovers, sondern „skandalös”. Er war offenkundig erotisch, ja sogar autoerotisch, „brachial” und das machte die Leute nervös; sie fürchteten sich vor seinem Einfluss auf die Jugend. Doch genau dies war das Publikum, auf das Michael abzielte und der Film war so berechnet, dass er ihre Aufmerksamkeit damit erreichte, um seine Botschaft an sie zu übermitteln. Jugend ist rebellisch, da es eines der Kennzeichen der Entwicklung hin zu Emanzipation ist, einen Weg zu finden, sich von der Generation, von der sie sich emanzipieren wollen, zu verabschieden und sich vorwärts zu bewegen. Es ist ein unerlässlicher Radikalismus und Michael vermarktete dies in einem „lernfähigen” Moment der Geschichte.

Der Schlussteil, die Symbolik, die Abfolge, die Botschaft, alles geschah absichtlich, ob nun unterschwellig oder offenkundig. Michael hatte etwas Wichtiges zu sagen. Er besaß bereits ein Publikum. Er besaß eine Botschaft. Die Zeit war noch nicht bereit dazu…also machte er sie bereit und das war…“gefährlich”.

Später wird „innermichael” damit beginnen „Black or White” in drei Teilen vorzustellen. Um „Black or White” in einen geschichtlichen Kontext und einen unerlässlichen Hintergrund zu setzen, ist eine Lektion in Geschichte vonnöten, um die geschichtliche Signifikanz in Michaels Werk, seinem Album „Dangerous” und im Besonderen in „Black or White”, zu verstehen und wie es die Welt beeinflusste. Es war das am meisten erwartete Video der Geschichte. Es wurde zeitgleich auf der ganzen Welt veröffentlicht und es veränderte den Lauf dieser Welt. Es geschah vorsätzlich, es war genial, es war mutig und es war sehr, sehr…”gefährlich”.

Wir werden uns dann mit den Augen eines Schamanen die Metaphysik, die Archetypen und Symbole anschauen.

Der erste Teil wird eine Rückschau auf die Geschichte abgeben. Der zweite Teil wird sich mit dem Film befassen und der dritte Teil mit dem Tanz des Panthers. Also bleibt dran…

Teil 2 von 8: Hintergrund – Black or White und Stolz

(http://www.innermichael.com/2011/04/06/black-and-white-in-three-parts-part-i-the-backgroundblack-and-white-and-proud/)

Rassismus

Ich unterhielt mich mit einer Freundin über Michael Jackson, sein Lebenswerk und seine Songs und Texte und so kam die Sprache auf den Kurzfilm „Black or White”. Wir wuchsen beide in den 60ern auf und sprachen stundenlang über die wesentlichsten Themen. Ich brachte das Gespräch auf Stevie Wonders Äquivalent zu Michaels „Black or White”, nämlich auf „Ebony and Evory”, sie erinnerte sich daran. Wir sprachen auch über die Black Panther Abbey Hoffmann, Reverend Al Sharpton und Jesse Jackson und über Michaels Kindheit während der turbulenten Bürgerrechtsbewegung. Wir sprachen über die Unruhen in Chicago, Vietnam und auch über die Friedensbewegung und über die Blumenkinder. Ich erinnere mich an diese Tage mit einer solchen Wehmut, dass ich nicht fähig bin, dies in Worte zu fassen. Es ist ein Gefühl. Ich wünschte, ich könnte es mit euch teilen, doch das ist nicht möglich.

Irgendwann, als ich bemerkte, dass meine Freundin gerade zu einem neuen Thema übergegangen war und auch noch harsche Kritik daran übte, dass wir über geschichtliche Hintergründe in Michael Jacksons Werk sprachen, fing mein Hörer an zu glühen. Ihr Ausbruch hatte das widerliche Thema von Rassismus und Schuld der Weißen aufgeworfen. Und auch wenn sie mit mir darüber sprechen konnte, war sie einfach zu erschöpft, es in einer Art anzugehen, die ich von ihr erwartet hätte – in der Art, wie sie schreibt, Klassen unterrichtet oder in Foren schreibt, in denen wir, Schwarze und Weiße, rassistische Probleme besprechen und darüber reden können, wie dies unser Heranwachsen beeinflusst hat. Als ich dieses Thema wieder vorbrachte, brach ihre Stimme und wurde sehr sanft, als sie sagte: „Ich kann nicht. Ich habe es erlebt und habe Lehrgeld bezahlt. Ich kann es nicht noch einmal bezahlen.” Da war eine derart vollkommene Resignation in ihrer Stimme, eine so krankmachende Erschöpfung! Ich verstand sie total. Doch ein Teil von mir wurde so wütend, dass mir die Tränen still und traurig im Halse stecken blieben.

Meine Freundin besitzt eine sehr reichhaltige Geschichte, die niemals geteilt werden kann. Wisst ihr, sie ist schwarz. Eine Afro-Amerikanerin. Eine Negerin. Und sie war auch viele andere Dinge, die die Leute sagen, um die Hautfarbe zu unterscheiden, viele dieser Dinge sind nicht freundlich. Sie kann diese Geschichten nicht erzählen. Wenn sie das Thema vorbringt, sagen manche Leute, sie würde die Vergangenheit aufwärmen, die heute nicht mehr wichtig sei oder dass sie eine geheime Agenda hinter ihren Worten verfolge. Hier bekommt ihr die Lehre der Geschichte; gestattet dem weißen Mädchen, sie euch zu erzählen…

Ich erlebte die gleiche Vergangenheit und auch meine Geschichten könnten dir die Haare zu Berge stehen lassen und auch in mir macht sich Erschöpfung breit, wenn ich diese Tage Revue passieren lasse. Es ist schwer zu beschreiben, doch es ist wie eine Art Gebermüdigkeit. Wenn Menschen immer nur geben und geben, bis sie restlos leer sind und wissen, dass noch so vieles gebraucht wird, aber vollkommen ausgelaugt sind – nicht nur ohne Geld, sondern ohne Energie. Ich war soweit.

Michael Jackson als Kind

Manche Kinder werden mit einer Empfindsamkeit und einem ihnen innewohnenden Sinn für Gerechtigkeit für richtig und falsch geboren. Ich war ein solches Kind; Michael Jackson war ein solches Kind und meine Schwester ist eines davon. Sie wissen, wenn etwas ein menschliches Wesen zutiefst angreift – weil ihr innerer Radar Alarm schlägt. Ungerechtigkeit kann subtil sein wie etwa „Autofahren als Schwarzer” statt „betrunken Autofahren”(anm. Übersetzer: das ist ein Wortspiel, im amerikanischen heißt es „driving while black”, also DWB und „driving while under the influence of alcohol or drugs, also DWI, lässt sich schwerlich übersetzen), es bedeutet, dass du als Schwarzer eher von einer Polizeistreife angehalten wirst und einen Strafzettel bekommst – besonders, wenn du einen Luxuswagen oder Sportwagen fährst. Polizisten, die nach Klischees handeln, sehen eine schwarze Person in einem Wagen, in den sie nicht hineingehört und nehmen sofort an, dass es sich um einen Kriminellen handelt. Und das ist schlimm, wenn dies in einer überwiegend von wohlhabenden Weißen bewohnten Gegend geschieht. Man nennt dies Profile, die anhand ethnischer Zugehörigkeit erstellt werden. Damals war das noch nicht so subtil und „politisch korrekt” gab es noch nicht. Rassismus und Männerherrschaft fanden damals noch nicht hinter verschlossenen Türen statt.

Während der 60er und 70er Jahre waren Profile mit ethnischer Zugehörigkeit derart alltäglich, dass es dafür keinen Namen gab, denn es wurde als normal angesehen. Bis Schwarze begannen, es zur Sprache zu bringen. Es war nicht nur auf Autofahren begrenzt, es griff derart um sich, dass es war wie „wenn du schwarz bist, dann…”. Die Hautfarbe wurde vermerkt. Es wurden sogar Unterscheidungen getroffen in „hellhäutige Schwarze” und diese wurden mehr akzeptiert als ihre dunkleren Brüder. Paare aus verschiedenen Rassen wurden schikaniert und gemischte Ehen waren verpönt. Der Film „Rat mal, wer zum Essen kommt” mit Sidney Poitier, der 1967 herauskam, half das Stigma etwas zu besänftigen.

Sidney Poitier mit Oscar

Sidney Poitier mit Oscar

Ich musste mir nie Gedanken über „wenn du schwarz bist, dann…” machen, ich musste nie versuchen, mich unsichtbar zu machen oder so tun, als ob ich harmlos sei oder meine DNA hinunter drücken, wie einen Ball unter Wasser. Ich musste meinen Radar nicht auf Alarmbereitschaft halten oder stets meine Umgebung abscannen, um mich sicher zu fühlen oder um zu testen, ob meine bloße Anwesenheit mich in Schwierigkeiten bringen könnte. Ich kann euch Geschichten über Rassismus von beiden Seiten her erzählen – aus schwarzer und weißer Sicht. Und aus roter. Meine teilweise Abstammung von den Ureinwohnern Amerikas zeigt, dass sich meine Vorfahren in ähnliche Unmenschen verwandelten und die Ureinwohner „Wilde” nannten, was mindestens so schmerzhaft ist wie das N-Wort. Doch ich kann völlig als Weiße durchgehen, weil ich angloamerikanisch aussehe. Als mein Sohn jünger war und im Sommer braun wurde, nannten sie ihn „Indianer” oder manchmal „Häuptling”.

Ich vertraute meiner Freundin an, dass ich nicht nur Musik, sondern auch Tanz liebe. Ich erinnerte mich daran, dass Dick Clarks „American Bandstand” so aufregend war und der „Soul Train” war eine Sendung, in der es richtig abging (für die Jüngeren unter euch, Bandstand war ein Art virtueller Musik- und Tanzclub für weiße Kinder, die ihn sich nach der Schule ansahen, der Soul Train war die rockende schwarze Version). Eine natürliche Entwicklung für mich, die Blues, Soul und Funk liebte, war, mich in der realen Version des Soul Train zurechtzufinden, was bedeutete, dass ich die Clubs nördlich von Milwaukee und südlich von Chicago aufsuchte. Oftmals war ich dort das einzige weiße Mädchen.

Dick-Clark-and-MJ

Dick Clark mit Michael Jackson

So konnte ich den Erschöpfungszustand meiner Freundin verstehen. Ich hatte ihn auch erlebt, doch nicht auf die gleiche Art und Weise. Es ist schwer, Vorurteile zu verstehen, wenn man nicht selbst in diesen Schuhen gelaufen ist oder wie das weiße Mädchen in „Mokassins”. Die Intoleranz, die meine Freundin aufgrund ihrer, von ihrer Großmutter stammenden, archetypischen Weisheit, erfuhr, ist ein Affront, den man einfach nicht ertragen kann. Wir müssen all das, was vor uns war, anerkennen und ehren. Erinnert ihr euch an Michael Jacksons Tribut an Sammy Davis Junior? Es war eine Hommage an den Weg, den Sammy pflasterte, damit Michael Jackson ihn beschreiten konnte. Und Michael pflasterte den Weg für andere, sodass auch sie ihn beschreiten können.

Die Vergangenheit und Michael Jacksons Teilhaben daran, sein Beitrag zur Gegenwart und seine Auswirkung auf die Zukunft, sollten nicht unterschätzt und zurückgewiesen werden. Nicht von mir und nun auch nicht von euch. Noch wird die Ignoranz in diesem grellen Vakuum des Wissens, der den Geist meiner Freundin vernichtet, dazu führen, seine Bedeutung zu schmälern. Jacksons Leben und die Art, wie er es lebte, die Art, wie sein Leben durch die Zeiten verändert wurde, in denen er und auch wir lebten und die Tatsache, wie dieser Einfluss ihm wiederum half, die Zukunft zu beeinflussen, all das, ist sehr wichtig, um den Menschen Michael zu verstehen. Es ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil dessen, wie Michael in seinem Werk Ästhetik vermittelt.

Der historische Kontext von Michaels Werk und seine Ästhetik bedeuten alles. Der Rodney King Vorfall in Los Angeles, der überall auf der Welt für Schlagzeilen sorgte und für Unruhen und rassistische Spannungen sorgte, ereignete sich 1991. Michael Jacksons „Black or White” mit seinen augenscheinlich leisen Kommentaren wurde im November des gleichen Jahres veröffentlicht. Es ist wichtig, daran zu erinnern. Rodney King war ein zukunftsträchtiger Moment in der Geschichte der Farbigen. Afro-Amerikaner hatten sich schon so lange über ethnische Profile und die Brutalität der Polizei beklagt und auch sie wurden ähnlich zurückgewiesen und belächelt. Während des Rodney King Vorfalls filmte ein Videofilmer verdeckt eine Gruppe von weißen Polizeibeamten dabei, wie sie einen Schwarzen brutal schlugen, der keinen Widerstand geleistet hatte, er wurde ins Krankenhaus gebracht. Diese Polizeibeamten wurden vom Gericht in LA freigesprochen, dies war der Auslöser für die Unruhen in LA.

Jüngere Fans oder Neuankömmlinge in Michaels Fanclub können MJs Werk erst dann vollkommen würdigen, wenn sie seine Beherztheit, seinen Mut und die Tiefe seiner Liebe zur Menschlichkeit vollkommen verstehen. Seine List hat ihm vieles erspart, denn Rassismus offen zu zeigen war politisch nicht korrekt; es waren sein Mut und seine stillen Schreie, die ihn zur Zielscheibe derer machten, die erkannten, was er da tat.

Ich werde nun einige Blickwinkel der Zeit beleuchten: Der Vietnamkrieg ging weiter und Kent State pflanzte sich ein in das kollektive Gedächtnis. In Kent State waren protestierende Studenten erschossen und von der Nationalgarde getötet worden, das war ein Vorfall, der eine Generation idealistischer Jugendlicher gegen ihre eigene Regierung auslöste. John Lennon stand als Friedensaktivist und Unruhestifter auf der Beobachtungsliste des FBI. Es gab Versuche, ihn aus den Vereinigten Staaten auszuweisen. Michael stand auf Listen, von denen wir möglicherweise niemals hören und niemals etwas erfahren werden.

Michael Jackson war ein Verfechter der Bürgerrechte. Ein Freiheitskämpfer. Michael, die Jackson Five und die Jackson Familie wuchsen in problematischen, rassistisch geprägten Zeiten auf. Vorurteile waren alltäglich und allseits vorhanden und der Schwarze (gemeint ist die Rasse allgemein) war ein Bürger zweiter Klasse. Große Teile des Südens waren, als Michael geboren wurde, immer noch getrennt – Schwarze mussten immer noch in eigens für sie vorgesehene Schulen, wohnten in ihren Gegenden, hatten ihre eigenen öffentlichen Plätze und sogar ihre eigenen Toiletten. Die Türen der Toiletten hatten Aufschriften für „Schwarze” und hatten häufig minderwertigere Einrichtungen. Dunkelhäutige Entertainer wie etwa Sammy Davis Junior, Little Richard, Louis Armstrong und andere wurden aufgrund ihrer Begabung toleriert und etwas mehr akzeptiert, sie mussten jedoch häufig durch die Küche oder die Garagen von schicken Hotels und öffentlichen Veranstaltungsräumen gehen, da der Eingangsbereich für „Farbige” verschlossen blieb.

Michael Jackson und Sammy Davis Jr

Michael und Sammy Davis Jr.

Vielleicht erinnert ihr euch daran, gehört zu haben, dass MTV sich weigerte Michael Jacksons Videos zu spielen, einfach weil er Afro-Amerikaner war. Michael zerbrach im Alleingang diese Barriere und ich frage mich, ob seine Frage bei der Grammyverleihung „Könnt ihr mich jetzt hören?” darauf abzielte. Möglicherweise war das ebenso für die Farbigen, die im Publikum saßen, wie für die Musikindustrie im Ganzen. Und Michaels Werk war mutig. Nach „Thriller” machte Michael das wichtige Album „Bad” und sandte der schwarzen Bevölkerung Amerikas damit die Botschaft, dass sie das College besuchen kann und das auch tun sollte und dass es für ihre Erziehung gut und wichtig war „unangenehm/böse/schlecht” zu sein. In „Black or White” nimmt sich Michael nicht nur der Vorurteile in Amerika an, sondern die der ganzen Welt.

„Black or White” ist ein Video, das voll von symbolischer Vorstellungskraft und versteckten Botschaften ist. Das Ghosts-Video stellt mit seinen brennenden Fackeln und dem marschierenden Mob einen erschreckenden Bezug zum Ku-Klux-Klan her, ist jedoch deutlich subtiler. „Black or White” zeigt dies sichtbar und in lebendigem Technicolor. Es war Michael Jackson, der schonungslos die amerikanische Wirklichkeit, wie es ist, in Amerika zu leben, missachtete – so wurde er zur Zielscheibe für Gewalt aus der Hand derer, die wollten, dass „ihr euren Platz” in der sozialen Hierarchie kennt. Als Farbiger verstand man, dass man als jemand angesehen wurde, der „am Boden gefüttert wird”. Alles und jeder, der aus seiner Rasse hervorstößt würde vermutlich zur gleichen Zielscheibe werden. Es diente dem Ego, den Vorurteilen und der Wirtschaft, dass Schwarze weiter zur zweiten Klasse gehörten. Weiße Vorherrschaft war nicht einfach eine Vorstellung; sie war Realität. Michael Jacksons Ästhetik und Werk halfen, die Gemüter und Herzen einer Generation zu verändern, dies jedoch nicht ohne Konflikte. Er war beides, geliebt und gehasst; er bekam beides, liebevolle Ritterschläge und Morddrohungen. Und Michael verstand beides absolut und um sich seine „Kanzel” für den sozialen Umschwung zu bewahren, musste er mutig und kontrovers bleiben, um sich seine Bedeutung zu erhalten. Sein Mut, seine Musik als Botschaft zu begreifen, ist beispiellos.

Michael Jackson Panther Dance

Die Zeit, in der Michael aufwuchs, war in der Jugendszene reif für seine Ankunft. Es war Zeit für Veränderung. Von den 40er Jahren bis zu den Protesten in den 60ern zeigte die Entertainmentindustrie Charaktere wie: Little Black Sambo, Bosko und Inki, die die Stereotypen Schwarzer in den Köpfen des Publikums noch verfestigten. Hollywood beschrieb weiterhin diese Stereotypen farbiger Menschen, als seien sie nicht-menschlich, indem sie afro-amerikanische Performer in Cartoons karikierten. Leute wie Cab Calloway, „Fats” Waller, Louis Armstrong, Ethel Waters, Bill “Bo Jangles” Robinson dienten als Archetypen für eine Unmenge an Tieren (ja, Tieren!) und Menschen in Tiergestalt. Diese verzerrte Darstellung farbiger Menschen diente dazu, die animalische und primitive Natur (wegen ihrer natürlichen Affinität zu Rhythmus und Tanz) der Farbigen zu verstärken. Sie wurden als minderwertige Stammeszugehörige angesehen.

Bis in die 60er Jahre waren Farbige der Lächerlichkeit preisgegeben und Stereotype galten als „kulturelle Norm”. Die Partei der Black Panther war eine politisch revolutionäre Bewegung, die 1966 begann und bis 1975 andauerte. Sie dehnte sich zu einer sozialen und kulturellen Revolution mit zeitgemäßen Symbolen aus, wie etwa der zur Faust geballten Hand. Die „Afro-Frisur” wurde zum Symbol für die von den Black Panthers ins Leben gerufene Initiative, Stolz zu zeigen und wurde von James Brown in seinem Song „I’m Black and I’m Proud” noch unterstrichen, der 1968 herauskam. Michael erklärte James Brown öffentlich zu dem Künstler, der ihn am meisten beeinflusste.

Im Verlauf von Fernsehsendungen verschwanden die tief verwurzelten Stereotype mit der Zeit. Das aktuelle Kinderprogramm, mit dem Michael aufwuchs, enthielten Sendungen wie „Josie and the Pussycats”, „The Harlem Globetrotters” und „Kid Power”, es waren Serien, die multikulturelle Themen mit Kindern aus unterschiedlichen Rassen behandelten, die gemeinsam daran arbeiteten und die Macht hatten, die Welt sozial und politisch zu verändern. Die Idee von Kid Power spiegelte in den 60ern und 70ern ein Konzept partizipatorischer Demokratie und eine Bewegung von unten nach oben wider, die Serie betonte Ideale wie: Schwarze Macht, rote Macht, die Macht der Frauen und die Macht des Volkes. Der Text der Titelmusik der Serie Kid Power ging so: …”Macht der Kinder, rot, gelb, schwarz und weiß, weiß, gelb, schwarz und rot…”, mit anderen Worten: „Kinder haben die Macht”.

Black Panther

Michael wuchs mit „Kid Power” auf und sah die Sendung, die Sendung und seine kulturelle Botschaft. Michael glaubte wirklich daran, dass die Macht, die Welt zu verändern, still und unerkannt in den Kindern schlummert. Die Botschaft und der Einfluss von „Kid Power” erklären seine Treue, seine Hingabe und seine Aufmerksamkeit, die er Kindern schenkte. Er glaubte an die Jugend. Und es geschah zu einer einzigartigen Zeit, dass Michael seine Magie in den sozialen Teppich seines Lebens und unserer Geschichte webte. Wer Michael war und welchen Beitrag er auf die Bürgerrechte der sozialen und kulturellen Leinwand zeichnete, war damals wichtig und verdient es, heute gefeiert zu werden. Während Dr. King es in Worten und Taten sagte, sagte es Michael mit seiner Musik, seinen Texten und seinen Filmen. Michael Jackson war mit seinem Gesang ein erfolgreicher Freiheitskämpfer, wie Martin Luther King vor ihm mit seinen Worten.

Teil 3 von 8: Etwas mehr Geschichte

(http://www.innermichael.com/2011/04/12/black-or-white-part-i-a-little-more-history/)

Michael Jackson wird immer einen Platz in der Musikgeschichte haben und sogar einen in der Popkultur, aber was ist mit der Geschichte selbst, wie der Evolution des Mannes – oder der Menschheit? Michael spielte eine immense Rolle im Fortschritt der Humanität – als Afroamerikaner, als Freiheitskämpfer und Friedensaktivist.

Michael Jackson Pepsi Spot Dreams

Die Welt, in der Michael aufwuchs, war ganz anders als die Welt von heute. Rassismus war eine Tatsache und heimtückisch; und im Gegensatz zum heutigen Druck, politisch korrekt zu sein, was Vorurteile in den Untergrund drängt, war es salonfähig, seine Vorurteile offen zu zeigen. Michael war fünf Jahre alt und begann gerade mit seinen Brüdern zu singen, als Martin Luther King Jr. am Lincoln-Denkmal stand und seine ikonische „I Have a Dream”-Rede hielt. Michael war zehn, als James Browns Powerhymne „I’m Black and I’m Proud” die Charts stürmte – im gleichen Jahr wurde Martin Luther King ermordet.

The Jackson Five traten zu Beginn ihrer Karriere im Chitlin‘ Circuit auf, was umgangssprachlich für Clubs und Musiklokale steht, die speziell für schwarze Entertainer vorgesehen waren. Das Regal Theater in Chicago und das Apollo Theater in New York waren prägende Clubs im Circuit. Das Wort „chitlin‘“ ist die Kurzform von „chitterlings (zu Deutsch Kutteln)”; die Eingeweide von Schweinen wurden als Hauptnahrungsmittel für arme schwarze Familien angesehen. Da schwarze Künstler in weißen Clubs nicht willkommen waren, gründeten sie ihre eigenen Clubs; viele bekannte Entertainer starteten ihre Karriere im Chitlin‘ Circuit.

Michael wuchs also mitten im Kampf für die Aufhebung der Rassentrennung und die Bürgerrechte für Afroamerikaner auf. „Der Michael Code” und Coda ist von Michaels Erfahrung während seiner frühen Jahre geprägt. Er bekämpfte Vorurteile offen mit Raffinesse und kühner Direktheit über seinen eigenen, in seinem Werk eingebetteten Code. Viele konnten ihn entziffern und einige mehr nahmen ihn unbewusst auf – und das machte Michael Jackson zu einer Bedrohung, mit der gerechnet werden muss.

Michael-flying-airplane

Ein mächtiger schwarzer Mann war eine Bedrohung für jene, die den Status Quo aufrechterhalten wollten. Und ein reicher, mächtiger schwarzer Mann war beängstigend für Weiße, die das Bedürfnis verspürten, die Überlegenheit der kaukasischen Rasse beizubehalten. Michael lenkte den Beschuss auf sich und Teile davon waren verdeckt. Er erhielt sogar Todesdrohungen. In jenen Jahren führte das FBI Akten über jeden, der irgendeine Kontroverse erregte – selbst John Lennon hatte eine Akte. Wir werden möglicherweise niemals wissen, wer Michael beobachtet und seine Schritte verfolgt hatte, weil er als Bedrohung angesehen wurde, die imstande war, bürgerliche Unruhen oder Revolution hervorzurufen oder vielleicht sogar einen Aufstand anzuregen. Er war zu reich und zu mächtig in den Augen jener, die ein persönliches Interesse daran hatten, die Schwarzen zu kontrollieren, zu unterdrücken und sie innerhalb der Gesellschaftsschichten „an ihrem Platz zu halten”.

Um euch eine anschauliche Kostprobe zu geben, wie die Sechziger waren, präsentiere ich mit Erlaubnis einen Textausschnitt aus dem neuen Buch von Andrew Himes: The Sword of the Lord: The Roots of Fundamentalism in an American Family (1) (Das Schwert des Herren: Die Wurzeln des Fundamentalismus in einer amerikanischen Familie).

„Ich war 13 Jahre alt, als meine Welt die ersten Risse bekam. Es war 1963 und ich war ein dünnes, planloses und eingeschüchtertes Mitglied der Mighty Trojan Blaskapelle der Millington Central High School, eine gänzlich weiße öffentliche Institution. Ich saß an einem Freitagabend auf der hinteren Sitzbank eines gelben Schulbusses, als wir am Weg zu einem Fußballspiel mit einer anderen reinweißen Schule durch ein negrides Stadtviertel in Memphis fuhren. Ich umklammerte ein verbeultes Baritonhorn in meinem Schoß, richtete meine schlecht sitzende Uniform aus schwarzer Wolle, die an den Freitagnachtschweiß früherer Bandmitgliedergenerationen erinnerte und glättete die verkommenen Schlaufen der Goldtresse, die meine Schultern zierten.

Schulbus

Wir fuhren an schwarzen Kindern vorbei, die in den mit festgetretenem Dreck bedeckten Höfen der mit Blechdächern bedeckten, unverputzten Reihenhäuser spielten und deren Ältesten saßen in Schaukelstühlen auf der Veranda und überblickten die Szene, als die Dämmerung hereinbrach und der bläuliche Schein der Quecksilberbeleuchtung die Straße erfüllte. Die anderen Burschen unserer Band in den Sitzen vor mir kurbelten die Fenster auf, steckten ihre Köpfe raus und fingen an, die Kinder und die älteren Neger auf ihren Veranden anzuschreien: „Nigger, Nigger, Nigger! Yard apes*! Pavian!” In der ersten Reihe unseres Busses saß unser Lehrer und Dirigent Mr. Nersesian, ein kleiner dunkelhäutiger Armenier, der als extrem harter Zuchtmeister mit einem hölzernen Paddel, das größer als er selbst war und das mit Löchern durchbohrt war, um das Fleisch eines gepeinigten Gesäßes bei einem energischen Rückschwung besser mitzureißen, bekannt war. Mr. Nersesian blickte standhaft geradeaus auf die Straße und ignorierte die schreienden Burschen hinter ihm.

*Der Ausdruck „Yard apes” bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Hofaffe” und bezieht sich auf Schwarze. Der Ursprung davon liegt in Rasendekorationen wie dem schwarzen Kutscher mit Laterne oder fischenden schwarzen Kindern oder etliche andere Rasendekorationen dieser Art. Er entwickelte sich in einen abwertenden Ausdruck für Schwarze.

Ich rutschte beschämt tief in meinen Sitz und weinte in meine trojanische Uniform. Ich hasste, was sie sagten und machten, aber sie waren größer, lauter und selbstbewusster als ich es war und ich hatte Angst zu protestieren.

Ein paar Wochen später stand ich am Flur vor der Tür meines Englischkurses der achten Klasse. Ein Dutzend Fuß von mir entfernt standen die ersten schwarzen Kinder, die es jemals wagten, sich in meiner Schule zu integrieren, ein Junge und ein Mädchen, mit ihren Rücken gegen die Wand neben dem Trinkwasserbrunnen. Zwischen uns bewegte sich ein Mob aus mehreren meiner Klassenkameraden den Flur auf und ab, viele von ihnen brüllten „Nigger! Nigger! Nigger, geht heim! Geht zurück in den Dschungel!” Burschen aus meiner Klasse kamen mit kleinen Plastik-Sandwichbeuteln aus der Toilette, die mit Urin gefüllt waren und schleuderten ihre Beutel auf die schwarzen Kinder.

Ich stand wie angewurzelt da, weinte unkontrollierbar und musste mich anstrengen, die schwarzen Kinder durch meine Tränen hindurch zu sehen. Nichts als Entsetzen stand in ihren dunklen Augen geschrieben. Sie hielten sich aneinander fest, der Junge verlagerte seinen Körper und hielt seine Hand hoch, um die Wurfgeschosse abzuwehren, die auf sie geworfen wurden. Ich war mir meiner sündhaften Natur noch nie so bewusst, meiner Feigheit und meiner Nutzlosigkeit. Ich wusste, dass mich mein Schweigen aus Gottes Sicht genauso schuldig machte wie meine Klassenkameraden.”

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Es gab andere Hymnen schwarzer Künstler, welche die Bürgerrechtsbewegung aufrechterhalten – unter anderem Marvin Gaye mit „What’s Goin’ On?”, Sister Sledge und „We Are Family,” Curtis Mayfields „It’s a New World Order”, Bob Marleys „Get Up; Stand Up,” und natürlich James Browns „I’m Black and I’m Proud”. Berry Gordy und Stax Records waren der Freiheit schwarzer Künstler und der Bürgerrechtsbewegung förderlich. Und Michaels Botschaft, die in seiner Musik und seinen Kurzfilmen eingebettet ist, half dabei, Denkweisen zu revolutionieren und Bürgerrechte zu unterstützen. Michael lehrte mit sokratischer Weisheit und esoterischer Symbolik – er stellte Fragen, ohne Fragen zu stellen.

Michaels Methode war es, sein Publikum zu wecken, damit sie ihre eigene Selbstgefälligkeit infrage stellen und ihr Repertoire der Möglichkeit erweitern. Michael focht „was ist” immer mit einem Spiegel von „was könnte sein” an. Meisterhaft visionäres Material!

Michael Jacksons Hit „Black or White” wurde im Herbst 1991 veröffentlicht und erreichte schnell den ersten Platz in den Charts – das machte ihn zum ersten Künstler, der über drei Jahrzehnte hinweg Nummer 1 Platzierungen hatte. Sein wenige Tage später veröffentlichtes Video „Black or White” war der meist erwartetste Kurzfilm der Geschichte und wurde gleichzeitig in 27 Ländern vor einem Publikum von 500 Millionen Zusehern erstaufgeführt – das meistgesehendste Musikvideo aller Zeiten.

Die Kontroverse setzte umgehend ein; besonders über die „Panther Dance” Szene, in der Michael anzüglich tanzt, Fenster einschlägt und schließlich seinen Hosenschlitz schließt. Den Michael Code zu kennen, hilft zu entschlüsseln, was Michael mit Black or White zu sagen versuchte.

Michael, immer der Showman und P.T. Barnum Student, beschritt auf kühne Art einen Weg, den noch nie jemand zuvor gegangen war. Black or White war eine Schimpftirade, eine Erziehung, ein Vorschlag und eine Feststellung, alles zur selben Zeit. Um völlig verstanden zu werden, muss es im Kontext der Zeit und Michaels Leben betrachtet und analysiert werden.

(1)  Andrew Himes is the founder of Voices Education Project. Sword of the Lord will be released on May 15, 2011

Teil 4 von 8: Kurzfilm Teil eins

(http://www.innermichael.com/2011/04/16/black-or-white-part-ii-the-short-film-part-one/)

Vollmond

Der Film beginnt in den Wolken. Was machen wir in den Wolken? Warum in den Wolken beginnen? Die Wolken sind das metaphorische Reich Gottes, der Engel, erhabener Gedanken, Sphärenmusik, des übergeordneten Selbst, des Kosmos, der Genesis des Genius, Inspiration und allem Spirituellen. Entnehmen wir dem Himmel etwas und bringen es zur Erde hinunter? Durchdringen wir Spiritualität oder Seele? Michael war sehr vertraut mit der von Gott durchdrungenen Kreativität. Man muss sich fragen, warum wir vom Himmel zur Erde hinunter mitgenommen werden, es sei denn, du möchtest, dass wir diese Reise mit dir gemeinsam beschreiten? Bringen wir göttliches in die irdische Realität hinunter? Hauchen wir der Materie Seele ein? Ist das eine beseelte Reise? Das ist es, wenn Du ein Kosmologe bist.

Oder vielleicht ist es ein Verweis auf: diese Thematik ist so viel größer als eine Familie, eine Region, ein Land – es ist die ganze Erde und ihre menschliche Rasse, die so damit beschäftigt ist, Leute derselben Spezies zu „entfremden“. Entfremdung ist die Gepflogenheit, Leute „fremd“ zu machen; es ist eine Stammesmentalität, die Leute „fremd macht“, damit es einfacher ist, sie zu entmenschlichen. Es erzeugt Unterscheidungen zwischen uns und denen. Es ist die Erschaffung eines Feindes, was sich als nützlich erweist, wenn man ein oder zwei kleine Kriege auf einem abgeschiedenen Planeten haben möchte. Die Erde ist eine Insel – ein großer Sandkasten, in dem die Bewohner nicht immer „nett miteinander spielen“. Das ist es, was Michael gesagt hat – also fangen wir in den Wolken an. Das Bild der von oben betrachteten Erde war ikonenhaft, als es mit der NASA „Blue Marble” (blaue Murmel) Aufnahme aus der 28.000 Meilen entfernten Apollo 17 vorgestellt wurde, also gab es die Vorstellung des ganzen Planeten als eine Spezies seit 1972. Michael nimmt uns jetzt mit zu einer Nahaufnahme.

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Wir sehen die Lichter der Erde, als wir aus diesen erhabenen Höhen zum Boden in die materielle Wirklichkeit herabsinken, in das irdische Reich oder Ground Zero. Als nächstes rasen wir eine Straße entlang, an einem teuren roten Sportwagen vorbei, und in eine rein weiße Nachbarschaft hinein. Wir kommen in einer Sackgasse an – einem symbolischen Merkmal des gehobenen Mittelklasse-Landschaftsbilds oder einer höheren sozioökonomischen Region. Begrüßt werden wir von einem weißen Kind, das Musik hört und dazu abrockt. Kurz darauf finden wir heraus, dass es ein Michael Jackson Fan ist. Weiße Kinder, die gegenüber einem schwarzen Künstler mit Macht und Führungsqualität Verbundenheit zeigen, stellten eine Bedrohung der vorherrschenden Gesellschaftsordnung dar. Das hat manche zutiefst angegriffen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Michael, eine reiche, schwarze und einflussreiche Kraft, als Bedrohung angesehen wurde und als jemand, der es wagte, Amerikas Jugend zu korrumpieren. Die Jugend war letzten Endes Michaels Zielgruppe. Jene, die Rassentrennung vorzogen, waren besonders beunruhigt, als Michael sagt „Es ist egal, ob Du schwarz bist oder weiß (It doesn’t matter if you’re black or white)“ Für jemanden mit fragilem Ego und Unvermögenskomplex spielte es eine große Rolle.

Dann lernen wir einen Vater kennen, dessen Hobby die Fernbedienung und Sport schauen ist, und eine Mutter, deren Zeitvertreib die Klatschpresse ist. Das ist keine intellektuelle oder hoch gebildete Familie. Sind das „Herr und Frau Mustermann“ der Arbeiterklasse, die, ihrem Zeitvertreib nach zu urteilen, äußeren Einflüssen gestatten, ihr Denken zu formen. Herr und Frau Mustermann, die sich Institutionen (Medien, Regierungen, Religionen, korporative Interessen) fügen und ihnen das Denken überlassen, wie das beim Großteil der Bevölkerung der Fall ist. Sie werden aus Bequemlichkeit heraus eingelullt und ihnen wird gesagt, was sie glauben sollen.

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War das auch ein Kommentar über Kindererziehung und die Art, wie das weiße Mittelklasse-Amerika seine Zeit verbringt und seinen Intellekt gebraucht? Ist das eine satirische Botschaft über die „Verblödung Amerikas“? Kritisiert Michael die Kindererziehung aus der Entfernung? Die Eltern interagieren gewiss nicht mit dem Kind. Dann setzt der Vater seine Autorität gegenüber seinem Sohn durch und schimpft über dessen musikalischen Zeitvertreib, brüllt ihn an und befielt ihm, „ins Bett zu gehen“, während er die Tür zuwirft – dabei zerbricht Michaels Poster und fällt zu Boden. Habt ihr die Satire erfasst, die Ironie? Betäubende Hobbies: ein Vater, der in einem Liegesessel sitzt und Sport schaut; eine Mutter, die an Boulevardklatsch interessiert ist – das sind akzeptable Freizeitbeschäftigungen, aber das Interesse ihres Sohnes an Musik ist nicht hinnehmbar. Und Michaels Abbild fällt und wird zerschmettert. Papa mit gezückter Fernbedienung und Mama mit ihrer Nase in den Klatschzeitschriften sagen ihrem Sohn: „du verschwendest deine Zeit mit diesem Müll.“ Das ist Gegenüberstellung mit Ironie.

Das Kind, gespielt von Macaulay Culkin, rollt dann zwei riesige Lautsprecher in die Stube, während seine Eltern mit ihrem stupiden Zeitvertreib so beschäftigt sind, dass sie nicht einmal bemerken, was er macht. Ist das ein weiterer Kommentar zu fehlender Elternschaft – „Eltern, wisst ihr, wo eure Kinder sind (do you know where your children are)? Der Junge wischt sich dann seinen Mund in einem Bad-Boy-Michael-Style ab und sprengt sie mit einem Gitarrenakkord und den Worten „eat this!“ aus ihrer Hypnose. Bezieht sich diese Bemerkung darauf, was in dieser Familie konsumiert wird? „Eat this“ ist Slang für etliche Dinge und für Rache.

Der Vater wird dann von Musik und dem Medium der Musik quer über den Planeten in eine andere Kultur gesprengt; in eine Welt, in der er noch nie war, mit schwarzen Jägern (deren Gesichter schwarz und weiß bemalt sind), die ihre Beute jagen. Stellt Michael hier eine Frage darüber, was in einer Kultur „primitiv“ ist – stumpfsinniges Fernsehen und Boulevardblätter oder die „Stammes“-Buschmänner Afrikas? Als nächstes sehen wir Michael, der sich mit der Gruppe als einer von ihnen identifiziert, als er einen ethnischen Kriegertanz tanzt. Ist es möglich, diese Botschaft zu verpassen? Wer ist der echte Kämpfer? Er singt darüber, sein Baby auszuführen und wird gefragt „Boy, is that girl with you? (Junge, gehört das Mädchen zu dir?)“. Das ist ein Verweis auf einen schwarzen Mann, der mit einer weißen Frau („White Chicks“) abhängt und Michael sagt „wir sind ein und das selbe“. „Boy“ ist eine rassistische Bemerkung und schwarze Männer, die mit weißen Freundinnen gesehen werden, verursachen gewohnheitsmäßig die tiefste und dunkelste Art des Ekels und Rassismus, weil es eine Grenze überschreitet, die als angestammtes Tabu angesehen wird. Michael holt diese angestammte Atmosphäre mit „primitiven“ Aborigines wieder hervor.

Schwarze und Weiße, die sich vermischen – insbesondere schwarze Männer und weiße Frauen – daran störten sich nicht nur Teile der Bevölkerung; es entfachte Rage. Es war eine Heuchelei, der zuvor nicht widersprochen wurde, da es an Macht und Mitspracherecht mangelte, um solch eine Anfechtung in Gang zu setzen. Für weiße Sklavenhalter war es akzeptabel – und wurde sogar unterstützt – schwarze Sklavinnen zu schwängern, notfalls auch durch Vergewaltigung, um die Rasse „aufzuhellen“. Sklavinnen waren nichts weiter als besessenes Hab und Gut; tatsächlich wurden alle Frauen als Besitz betrachtet.

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Sehr dunkle Neger waren weniger annehmbar als die Mulatten oder die helleren afroamerikanischen Männer und Frauen – und sie brachten weniger Geld ein, wenn sie verkauft wurden. Der Mulatte wurde (meistens durch vorsätzliche Gewalt) erschaffen, damit sich die Weißen mit den Negern wohler fühlten. Das ist der Gipfel rassenbezogener Arroganz. Aber es gibt eine noch dunklere und verdecktere Art des Rassismus, die erzählt werden muss – besonders in Bezug auf Michael.

Im Rahmen der Empfängnisverhütungsbewegung und der Familienplanungsinitiativen für Afroamerikaner gibt es mehr als nur einen leisen Verdacht, dass die Förderung verantwortungsvoller Fortpflanzung in der afroamerikanischen Gemeinschaft eher ein Versuch war, das Wachstum der schwarzen Bevölkerung zu verhindern, als die Armut zu lindern. Die Sexualität des Negers interessierte die Weißen sehr. Es gab jene, die an Eugenik glaubten; das bedeutet die Reinigung einer Rasse von seinen unerwünschten oder schwächeren Elementen – gemeint sind Menschen. Es gab verdeckte Bestrebungen, den schwarzen Mann impotent, zeugungsunfähig oder asexuell zu machen. An schwarzen Männern wurden ohne deren Wissen und Einwilligung Experimente mit Geschlechtskrankheiten durchgeführt.

Den schwarzen Mann umgibt eine kryptische Mythologie. In der Kultur bedeutete „schwarz“ immer „schlecht“ oder „dunkel“, „unheilvoll“ oder irgendetwas Unerwünschtes. Wir nutzen Linguistik wie z.B. „schwarze Kunst“, „schwarze Witwe“, „Dunkelheit“, die „Schwarze Madonna“ und so weiter. Es gibt eine negative Assoziation mit dem Wort „schwarz“ – Geheimhaltung, Macht, Nubier, Mysterium, Angst, Armut, Übel, Pech, Chaos, Verheimlichung und Tod. Schwärze hat einen Ruf und eine Stimmung. „Afroamerikaner“ hat einen viel positiveren Sinnbezug in der Kultur.

Es gibt eine kulturelle Mythologie über den schwarzen Mann, die seit der Entdeckung „der Eignung der Schwarzen für Sklaverei“ besteht, weil ihre schwarze Haut die Sonne viel besser ausgehalten hat als andere Rassen und sie das Ernten in der Sonne ertragen konnten. Die Mythologie, die sich rund um den Sklaven entwickelte, war ein dunkler Mythos, der den Afrikaner oder schwarzen Mann als über-sexualisiert, gefährlich und außerstande, sein primitives, animalisches Wesen zu kontrollieren darstellt und der insgeheim eine überwältigende Lust auf weiße Frauen hat. Eine ebenso festgefahrene Mythologie über weiße Frauen stellte sie als zarte Geschöpfe dar – keusch, fragil, züchtig und verletzlich. Ihre „puritanische Sexualität“ und zarte Natur erfordert Schutz durch ihre weißen Männer – vor den über-sexuellen schwarzen Männern. Männlichkeit, Potenz und Macht sind in der Kultur untrennbar mit Sexualität verbunden. Der Phallus taucht in allen Kulturen als Symbol von Macht und Fruchtbarkeit auf und ist archetypisch verankert. Im weißen Mann ist sein Unvermögen mit seiner Unfähigkeit verbunden, seine Frauen zu beschützen und sie unter Kontrolle zu halten, und vor allem ihre ungestillten sexuellen Begierden in Schach zu halten. Die weiße puritanische Frau darf niemals von einem hypersexuellen schwarzen Mann in Versuchung gebracht werden, der auf ihre unerfüllte animalische Veranlagung abzielt. Der ganze Mandinka Komplex und deren Mythologie sind an Unvermögen und Macht gebunden, da sie sich auf Sexualität beziehen. Michael thematisiert das später in Black or White, nachdem er es in diesem ersten Abschnitt andeutet.

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Der Tanz der Ureinwohner umfasst meistens Rhythmen, die als leidenschaftlich, hypnotisch und hemmungslos angesehen werden, bei denen die Leute die Kontrolle über ihre Sinne und Körper verlieren können. Es gibt eine assoziierte Angst vor urtümlichen und leidenschaftlichen Rhythmen und Tänzen. Erneut kommt der an hemmungslose sexuelle Leidenschaften geknüpfte Sexualitäts-Mythos in der Bewegung des Tanzes auf, besonders in einer frenetischen Form des Tanzes. Als Elvis zum ersten Mal auf der Bildfläche erschien, verspottete das „Establishment“ (die reife Generation) Rock n‘ Roll als die Jugend verderbend und gestattete wegen der Drehbewegungen seines Körpers nicht, dass Elvis abwärts der Taille gefilmt wurde. Sie hielten jene urtümlichen Rhythmen korrumpierend für die Jugend. Elvis‘ Musik wurde als schwarze Musik betrachtet und ursprünglich für lärmend und vulgär gehalten. Elvis war der erste weiße Musiker, der Elemente schwarzer Musik eingebaut hat und schwarze Musiker engagierte. Die ultra-Religiösen hielten Rock n‘ Roll für das Werk des Teufels. Das Gleiche und Schlimmeres wurde über Michael gesagt.

In Black or White gibt es viele Szenen, in denen eine Leiter entweder im Vordergrund steht oder Teil des Backgrounds ist. Michael verwendete kryptische Symbole und eine Leiter könnte eine unterschwellige Anspielung auf Gesellschaftsschichten sein, wenn sie absichtlich dort steht. Erklimmen wir in Black or White die Leiter und ist das beabsichtigt? Nach dem afrikanischen Ureinwohnertanz quert Michael den Bildschirm vor einer Leiter. Es ist subtil, aber warum gibt es im Übergang zur nächsten Einstellung eine Leiter? Ein Versehen? Es ist nicht wahrscheinlich, dass sie versehentlich am Set zurückgelassen und irrtümlich gefilmt wurde; nicht in der Welt von Michael, dem Perfektionist. Als nächstes sehen wir Michael mit asiatischen Frauen, konkret südostasiatischen, ein Verweis auf eine weitere Grundpfeiler-Rasse – die gelbe. Und er tanzt mit diesen Frauen in ihren traditionellen Kostümen und springt zu noch einer anderen Rasse – Indianern in traditionellen Insignien. Und auch sie werden direkt vor unseren Augen zu Kriegern ihrer Rasse.

Als nächstes sehen wir ihn eine Zeitung lesen, als er auf die „Saturday Sun“ verweist, die einst für eine seriöse Zeitung gehalten und zum Boulevard wurde und erneut tanzt er mit einer ethnischen Partnerin – dieses Mal einer ostindischen – und sie tanzen im Straßenverkehr mit einer Erdölraffinerie im Hintergrund. Ein Zufall oder eine Stellungnahme über den Verbrauch von Öl und die Umwelt? Er sagt, dass er seine Botschaft, unübertroffen zu sein, in der Sun drucken muss – ein deutlicherer Bezug auf Rassismus und er wirft die Zeitung weg.

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Dann sehen wir Michael mit Russen vor einer Neuschöpfung der „Zwiebelturm“ Architektur Russlands und der Basilius-Kathedrale – einem symbolträchtigen Bild, das damals jedem „Kommunist“ und „Feind“ signalisierte – tanzen. Das ist ein offensichtlicher Aufruf, Frieden mit dem Feind – der ebenfalls ein Weltbürger ist – zu schließen. (Michael besuchte später den Roten Platz, wurde von russischen Fans geradezu belagert und marschierte mit der russischen Armee.)

Bis jetzt hat Michael also mit den Rassengrundpfeilern getanzt: Schwarz, gelb, rot und weiß. Er hat mit Klassen und Rassen und Kulturen getanzt und er hat sogar mit seinem Feind getanzt. Mit diesen verschiedenen ethnischen Minderheiten zu tanzen, von denen viele von der Kultur diffamiert werden und die „Krieger“ für Gleichberechtigung werden mussten, signalisiert, dass Michael in Solidarität mit ihrem Status, ihrer sozialen Position und ihren Anliegen tanzt. Wie konnte er, ein weiß werdender schwarzer Mann (der wegen seiner Vitiligobehandlungen zu dieser Zeit sehr hellhäutig war) es wagen, mit diesen als Untergebene oder Feinde betrachteten zu tanzen?

Die Kamera schwenkt zu einem Weitwinkel zurück und jetzt sehen wir die Szenen in einem anderen Kontext – ist es eine Spieluhr? Bedeutet das, dass Musik ein Rahmen für eine Art ethnische und soziale Verbundenheit ist? Als wir dann weiter herauszoomen, sehen wir ein kaukasisches und ein afroamerikanisches Kind auf einem Globus sitzen – was ihre Position auf dem Planeten als Geschöpfe, als Kinder, als neues Leben (Babys) signalisiert. Sie befassen sich gewiss nicht mit ihrem Farbunterschied. Vorurteile müssen beigebracht werden; wir werden nicht damit geboren. Signalisiert uns Michael, was wir den Kindern oder neuen Generationen beibringen sollten – dass wir uns einen Planeten als eine Rasse teilen und dass wir geboren wurden, um miteinander auszukommen, weil uns mehr verbindet als trennt?

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Jetzt sehen wir, dass Michael vorwärts geht und sich seinen Weg durch Abbildungen boxt, die sich auf der Rauchwand des Feuersturms bilden, in dessen Zentrum er sich befindet, welche auftauchen, als er hindurch geht. Und er verkündet, dass er den Scheiß, den Teufel der Vorurteile und der Abgrenzung, satt hat und dass er „keine Angst vor (Bett)laken“ hat, was eine direkte Anspielung auf den Ku-Klux-Klan ist, der „sich vergehende“ Neger einfängt und lyncht, wobei weiße (Bett)laken mit kegelförmig zulaufender Spitze getragen werden, welche die Körper und Köpfe bedecken. Schwarze Männer, die es auch nur gewagt hatten, eine weiße Frau anzublicken, wurden gelyncht. Von ihnen wurde erwartet, ihre Augen abzuwenden. Und wenn ein schwarzer Mann eine weiße Frau berührt hat – war das ein unmittelbares Todesurteil. Hier ist also Michael Jackson – ein schwarzer Mann, der weiß wurde und der trotzig mit weißen Frauen ausging und sogar zwei hellhäutige Frauen geheiratet hat.

In dem Feuer erblicken wir flüchtig etwas, das wie eine Explosion aussieht – eine Bezugnahme auf die Atomgegner Russland und die Vereinigten Staaten, eine kurze Abbildung des Ku-Klux-Klan Symbols (ein brennendes Kreuz, eine Gestalt mit Kapuze und Fackeln) und einen Panzer mit Soldaten, die Krieg symbolisieren, während sich der Krieger mit geballter Faust seinen Weg durch die Illusionen boxt. Und das ist es, was all diese Unterteilungen sind – Konstrukte des menschlichen Egos und Illusionen, welche die Menschen spalten.

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Als nächstes nimmt uns Michael mit zu einem urbanen Schauplatz, dem „Viertel“, wo die territorialen Kämpfe kleiner sind, während die Kinder in der ärmlichen Nachbarschaft über diese Revierkämpfe sprechen und darüber, dass untereinander gespaltene Nationen und zwischenmenschliche Beziehungen dasselbe sind, nur die Größe des Reviers ändert sich. Und sie verkünden, dass sie ihr Leben nicht damit verbringen wollen, „eine Farbe zu sein“, was bedeutet, dass sie sich von Rasse und Farbe einschränken oder definieren lassen, wer sie sind.

Dann fordert Michael, nicht zustimmend zu nicken und vorzugeben, dass man mit ethnischer und sozialer Gleichstellung einverstanden ist, wenn man „ihm Dreck ins Aug tritt“, was eine veraltete Anspielung darauf ist, das herabzusetzen oder zu missachten, was er sagt, indem man mündlich zustimmt, aber durch seine Handlungen das Gegenteil lebt.

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Plötzlich befinden wir uns mit Michael auf einer Brüstung und als sich die Perspektive weitet, steht er vor einer symbolischen Flamme – auf einem ikonischen Bildnis für Gleichheit und Freiheit für alle. Und als die Kamera erneut zurückschwenkt, um unsere Sicht metaphorisch zu weiten, sehen wir Wahrzeichen, die Regionen aus aller Welt zum Ausdruck bringen – den Eifelturm aus Frankreich, Big Ben in England, die Basilius-Kathedrale in Moskau, das Gizeh-Plateau in Ägypten, das Taj Mahal in Indien, das Parthenon in Griechenland, die Skyline New York Citys und die Golden Gate Bridge Amerikas, die Landschaft bilden Ozeane und Flüsse – und schließlich sehen wir, dass Michael von der Freiheitsstatue in die Höhe gehalten wird.

Und in der Schlussszene dieser Sequenz sehen wir Leute – alle Mitglieder der menschlichen Rasse – die sich in alle Ethnien, Rassen und Farben aus der ganzen Welt verändern und morphen. Michael tanzt den Tanz des Lebens mit dem gesamten Planeten, mit allen Gesichtern und Plätzen und Rassen – Schwarz, Weiß, Gelb, Rot, und sagt ohne es auszusprechen „Wir sind alle Brüder, alle Mitglieder der gleichen menschlichen Familie. Wir sind eins.“ Die Botschaft in dem Morph? Das sich verändernde Gesicht der Menschheit. Das war Michael – ein Mann, der sich fortwährend veränderte, selbst ein sich veränderndes Gesicht, das die Veränderung des Gesichts der Menschlichkeit in Angriff nahm.

Übersetzung: achildsbliss (Teil 1 und 2 – *danke*) & Doris (Teil 3 und 4)

Michael Jacksons erste Ankläger – lerne die Chandler Familie kennen!

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Original: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/michael-jacksons-first-accuser-meet-the-chandler-family/

Michael Jackson im Mai 1993 mit Jordan Chandler und seiner kleinen Schwester in Monaco– die Mutter der Kinder, June Chandler, war auch dort, siehe nächstes Foto

Michael Jackson traf seinen ersten Ankläger, Jordan Chandler, im May 1992, nachdem das Auto des Stars am Wilshire Boulvard, Los Angeles eine Panne hatte und er zu einer nahegelegenen Mietwagenagentur, die dem Stiefvater des Jungen, David Schwartz, gehörte, ging. Schwartz rief seine Frau June Chandler (manchmal auch June Schwartz oder June Chandler Schwartz genannt) an, um ihr von dem berühmten Kunden zu erzählen und sie zu bitten, ihren 12 jährigen Sohn Jordan, der ein großer Fan des Stars war, vorbeizubringen. David Schwartz bot Jackson einen Deal an: er würde ihm gratis ein Auto vermieten, wenn Jackson zustimmt, Jordans Telefonnummer anzunehmen und ihn anzurufen. Jackson nahm den Deal an, hielt sein Versprechen und rief den Jungen einige Tage später an. Ein Mitarbeiter von Schwartz, Mel Green, erinnerte sich:

„Es war fast so, als würde [die Mutter des Jungen] ihm [den Jungen] aufdrängen“, erinnert sich Green. „Ich denke, Michael dachte, er schuldete dem Jungen etwas und so fing alles an.“ [1]

Laut den Chandlers hatten sie in den 80ern ein paar zufällige Begegnungen mit Jackson. Angeblich sendeten ihm Jordan und seine Mutter einen „Gute Besserung“ Brief, nachdem Jacksons Haar 1984 während den Dreharbeiten für einen Pepsi Werbespot Feuer fing, wofür Jackson anrief, um sich bei ihnen zu bedanken. Er lud sie auch zu einem Casting ein, wo Jordan die Chance hatte, in einer Werbung mit Jackson aufzutreten. Jordan wurde allerdings nicht ausgewählt und traf Jackson nicht am Set, wie die Chandlers erwartet hatten. Sie behaupten auch, dass sie 1985 eine kurze Begegnung mit Jackson in einem Restaurant hatten. [2; Seite 12]

June Chandler, ihre Tochter und Michael Jackson in Monaco im Mai 1993

*****

Jordan Chandler wurde am 11. Jänner 1980 geboren. Seine biologischen Eltern trennten sich 1985 und er lebte bei seiner Mutter und ihrem zweiten Ehemann David Schwartz. Aus dieser Ehe hatte er eine Halbschwester. Sein Vater Evan Chandler (geboren als Evan Robert Charmatz) hatte auch eine neue Familie, eine Frau und einen weiteren Sohn und eine Tochter aus dieser Ehe.

Evan Chandler hatte eine Zahnarztpraxis in Beverly Hills, er war aber auch ein angehender Drehbuchautor.

1992 wirkte Evan an der Erstellung des Drehbuchs für die Komödie Robin Hood: Men In Thights (Robin Hood: Helden in Strumpfhosen) unter der Regie von Mel Brooks mit. Der Film erschien im Juli 1993. Obwohl Mel Brooks, J. David Shapiro und Evan Chandler offiziell als Drehbuchautoren angegeben wurden, kam es unter ihnen zu einem Rechtsstreit darüber, wer welchen Anteil davon geschrieben hat [2; Seite 37]. Laut June Chandlers Zeugenaussage im Jahr 2005 half Jordan seinem Vater dabei, seinen Teil zu schreiben, wofür ihm Evan $5.000 versprochen hat, die er allerdings nie gezahlt hat [3]. Jordans Onkel Ray Chandler beschreibt in seinem Buch All That Glitters aus dem Jahr 2004 einen Streit zwischen Evan und June Chandler, bei dem die Frau ihren Ex-Mann „einen schrecklichen Vater“ nennt, weil er Jordan das Geld versprochen, aber nie gezahlt hat. Evan behauptet in dem Buch, dass Jordans Beitrag letztendlich nicht so groß war und dass er es „auf die Bank“ gebracht hat, statt es dem Jungen direkt zu geben [2; Seite 55-56]. Laut Junes Zeugenaussage 2005 hat Evan seinem Sohn das versprochene Geld allerdings nie gezahlt [3].

Das war nicht das einzige Versprechen, das Evan seinem Sohn gegenüber nicht gehalten hat. Laut Michael Freeman, der June Chandlers Anwalt war, als die Unterstellungen formuliert wurden, versprach Evan seinem Sohn auch einen Laptop, den er nie gekauft hat [1]. Und June Chandler selbst verklagte Evan im August 1993 auf $68.000 Unterhaltsnachzahlungen, obwohl sie diese Forderung später zurückgezogen hat [1] [4].

2005 bekundete sie in ihrer Zeugenaussage, dass Evan in der Zeit, bevor Jackson in ihr Leben kam, damit beschäftigt war, Drehbücher zu schreiben und nicht viel Zeit mit seinem Sohn verbrachte, worüber sie sich bei ihrem Ex-Mann beschwerte [3].

Evan Chandler

Es gibt auch einige Berichte darüber, dass Evan Chandler jähzornig war und einen gewalttätigen Charakter hatte. Mary A. Fischer zitiert in ihrem Artikel aus dem Jahr 1994 für das GQ Magazin einen namentlich nicht genannten Familienfreund, der behauptet, dass „Einer der Gründe dafür, dass June Evan verlassen hat, sein Temperament war“ [1]. Später in dem Artikel beschreibt Fischer einen Zwischenfall, der 1993 in Larry Feldmans (der Zivilrechtsanwalt der Chandlers während der Unterstellungen) Büro passiert ist. Laut Fischers Quellen:

„[Evan Chandler] ist völlig durchgedreht und hat Dave [Schwartz] verprügelt. Schwartz, der zu dieser Zeit von June getrennt lebte, stand bei Entscheidungen, die seinen Stiefsohn betrafen, außen vor und er nahm es Chandler übel, dass er den Jungen zu sich genommen und nicht wieder zurückgebracht hatte.

Dave wurde wütend und sagte Evan, dass es sowieso nur um Erpressung geht, woraufhin Evan aufgestanden ist, hinüberging und Dave zu schlagen begonnen hat, sagt eine zweite Quelle.“ [1]

Jordans Onkel Ray Chandler versuchte den Zwischenfall in einem Artikel, den er 2005 für seine jetzt stillgelegte Webseite (atgbook.com) geschrieben hat, herunterzuspielen und beschrieb es als einen „einmaligen Faustkampf“ in der Hitze eines Streits über das Geld aus dem Vergleich, das sie bislang noch gar nicht bekommen haben, aber er gibt zu, dass Evan Schwartz tatsächlich geschlagen hat [4]. Er räumt diesen Zwischenfall auch in seinem Buch ein:

„Bis jetzt unterdrückte [Evan] seinen Ärger bewusst, aber in der Hitze dieser verbalen Schlacht sprang er von seinem Sessel auf und schlug Dave ins Gesicht. Mehrere Anwälte traten zwischen die beiden Männer und trennten sie.“ [2; Seite 170]

Geraldine Hughes, eine Rechtsanwaltssekretärin des Anwalts Barry K. Rothman, der die Chandlers zunächst während der 1993 Unterstellungen repräsentiert hat, spricht in ihrem Buch Redemption aus dem Jahr 2004 über eine Klage, die David Schwartz gegen Evan Chandler eingereicht hat und schreibt:

„Mr. Schwartz behauptet, dass Dr. Chandler am 9. Juli 1993 in Dr. Chandlers Haus in Brentwood auf bedrohliche Art mit einer geballten Faust an ihn herangetreten ist und ihm gedroht hat, ihn mit Händen und Füßen zu schlagen. Er gab an, dass Dr. Chandler ihn zu Boden gerungen und ihn zu treten und anzuspucken begonnen hat.

Mr. Schwartz behauptet des Weiteren, dass es in Mr. Feldmans Büro im August 1993 erneut eine weitere Auseinandersetzung gab, bei der Dr. Chandler Mr. Schwartz auf seine Schläfe geschlagen hat, was ihn das Bewusstsein verlieren ließ [5; Seite 136].“

David Schwartz

In einem heimlich aufgezeichneten Telefonat zwischen Evan Chandler und David Schwartz sagt Evan, als er über seine damalige Frau „Monique“ (ihr richtiger Name war Nathalie Chandler, aber in dem Transkript und in Ray Chandlers Buch wurde das Pseudonym „Monique“ benutzt) spricht, dass er sie umbringen würde, wenn er jemals erfährt, dass sie ihn betrogen hat, ohne es ihm vorneweg zu erzählen:

„Sie wird nächstes Jahr auf das Cannes Film Festival gehen… richtig? Weißt Du, was das ist? Dieses Film Festival ist eine verdammte Sexparty. Nächstes Jahr, ohne mich, okay? Also, wenn ich keine Chance habe, mit ihr über meine Befürchtungen zu reden, meine [Band Unregelmäßigkeit], erschieße sie wahrscheinlich, oder ich würde mich von ihr scheiden lassen.“ [6]

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„Und möchtest Du wissen, was ich ihr gesagt habe? Ich habe ihr das gesagt. Ich sagte June… „Monique“ sagte ich „wenn Du jemals mit jemandem anderen schlafen willst oder wenn Du mich nicht mehr liebt, wenn Du zu mir kommt und mir sagst, dass [Band Unregelmäßigkeit] aus dem Haus raus und ficke seinen Verstand raus, ich werde Dich immer lieben, ich werde Dich unterstützen und wünsche Dir alles Gute. Aber wenn es anders herum ist, Du fickst ihn zuerst und dann [Band Unregelmäßigkeit], werde ich Dich umbringen, Punkt.“ Ich habe gesagt „Das sind die Regeln. Wenn Du bei mir bleiben willst, musst Du verstehen, dass das der einzige Weg ist, wie ich überleben kann. So lebe ich.“ [6]

Es ist niemand anderes als Ray Chandler, der 2005 in seinem Artikel enthüllt, dass „June, als sie 1994 in einer eidesstattlichen Erklärung zu Evans Gewalttätigkeit befragt wird, gesagt hat, dass sie im Jänner 1992 von einem Streit zwischen Evan und seiner damaligen Frau Monique gehört hat, der körperlich wurde.“ [4]

Obwohl Ray Chandler in seinem Buch Evans körperliche Angriffe gegenüber Schwartz und anderen bestritt (bis auf den „einmaligen Faustkampf“ in Feldmans Büro), und er sowohl in dem Buch, als auch in seinem Artikel von 2005 behauptet, dass „[June Chandler] keinen Grund wusste, warum Evan eine Gefahr für Jordie darstellte“ [4], gipfelte Evans Gewalttätigkeit schließlich in einer Attacke gegen seinen Sohn, in der er ihn fast getötet hat.

Evans Bruder Raymond Chandler, der 2004 das Buch All That Glitters veröffentlicht hat (nicht zu verwechseln mit dem berühmten Schriftsteller Raymond Chandler)

Am 6. Juli 2005 – weniger als drei Wochen nach Michael Jacksons Freispruch im Arvizo Prozess – schlug Evan Chandler [Jordan] mit einem zwölfeinhalb Pfund [etwa 5,5kg; Anm.d.Übers.] schweren Gewicht von hinten auf den Kopf, sprühte ihm Pfefferspray in seine Augen und versuchte ihn zu würgen“ [7]. Ein Richter stellte später fest, dass das Gewicht schwere körperliche Verletzungen oder Tod verursachen hätte können [7] Am 5. August 2005 erwirkte Jordan eine einstweilige Verfügung gegen seinen Vater. Obwohl der Richter in diesem Fall erklärte, dass er keinen Beweis sah, dass der Angeklagte (Evan Chandler) ein Muster gewalttätigen und kontrollierenden Verhaltens [7] zeigte und Jordans Antrag auf endgültiges Kontaktverbot abgewiesen hat, stellen die oben angeführten Vorfälle zusammen betrachtet durchaus ein Muster dar.

Das war nicht das Ende von Evan und Jordan Chandlers Rechtsstreitigkeiten. Am 24. Juli 2005 reichte Evan Chandler eine Klage gegen Jordan ein, die mit Jordans Treuhandfonds zu tun hatte. Der Prozess wurde 2007 abgewiesen.

*****

Jordans Beziehung mit seinem Vater schien sehr ambivalent, wohingegen Evans Beziehung mit seinen anderen Kindern nach den Unterstellungen praktisch nicht existent war. Wie wir bereits erwähnt hatten, verbrachte Evan laut June Chandlers Aussage im Jahr 2005 nicht viel Zeit mit Jordan, bevor Jackson in ihrem Leben aufgetaucht war. Während der Unterstellungen von 1993 und mit deren Hilfe erlangte er das Sorgerecht für den Jungen, der 1994 aufgrund des Vergleichs mit Jackson ein Multimillionär war.

1995 emanzipierte sich Jordan allerdings von seinen beiden biologischen Eltern und lebte eine Zeit lang bei Evans zweiter Frau Nathalie („Monique“) und seinen jüngeren Geschwistern. Nathalie ließ sich von Evan scheiden und heiratete später einen Hollywood-Drehbuchautor, der Evans beide jüngere Kinder wie seine eigenen großzog. Evan zeigte kein Interesse an seinen beiden jüngeren Kindern, er war nur daran interessiert, eine Beziehung zu dem millionenschweren Jordan aufrechtzuerhalten.

Evan, seine zweite Frau Nathalie („Monique“), Jordan und Evans jüngerer Sohn kurz nach den Unterstellungen 1993 – 1995 ließen sich Evan und seine zweite Frau scheiden und Jordan emanzipierte sich gerichtlich

Aus Gerichtsdokumenten zwischen Nathalie und Evan zeigt sich, dass Evan trotz der Emanzipierung irgendeine Art psychischer oder emotionaler Kontrolle über Jordan behielt, da sich Nathalie in diesen Dokumenten beschwert, dass sich Jordan nach einer Weile weigerte, mit seinen jüngeren Geschwistern zu sprechen oder sich mit ihnen zu treffen, genau wie ihr Vater, der sie verlassen hat.

In dem Rechtsstreit beklagte Nathalie auch, dass Evan sich weigerte zu arbeiten und nicht für seine minderjährigen Kinder sorgte, er war auch nicht erreichbar für sie und begnügte sich damit, vom Geld seines Sohnes Jordan zu leben. Sie gab auch bekannt, dass sich Evan von allen Familienmitgliedern, die mit seinem Verhalten nicht einverstanden waren, getrennt hat. Sogar sein loyaler Bruder Ray Chandler gab in seinem Buch All That Glitters zu, dass Evan seine Familie nach den Unterstellungen nicht mehr beachtete [2; Seite 248]. (Mehr dazu in dem Kapitel https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/evan-chandlers-1996-lawsuit-against-michael-jackson/)

Das rückt die Darstellung von Evan als bekümmerten Vater, den einzig verantwortungsbewussten Erwachsenen in Jordans Leben, die einzige Person, die sich um sein Wohlergehen Gedanken machte, in eine andere Perspektive.

Jordan selbst sprach die Unterstellungen niemals öffentlich an und hielt sich immer zurück. Laut Jacksons FBI Akten weigerte sich Jordan, bei Jacksons Prozess 2005 auszusagen, als die Staatsanwälte ihn dazu aufgefordert hatten und er teilte ihnen mit, dass er jeglichen Versuch“, ihn zu einer Aussage gegen Jackson zu bringen, gerichtlich bekämpfen würde [8]. Jacksons Anwalt Thomas Mesereau sagte, dass er Zeugen hatte, die er einberufen hätte, wenn Jordan ausgesagt hätte. Diese Zeugen waren Leute, die Jordan persönlich kannten und laut Mesereau hatte Jordan ihnen unter vier Augen anvertraut, dass Jackson ihn niemals missbraucht hat [9].

Am 5. November 2009, vier Monate nach Michael Jacksons Tod, beging Evan Chandler Selbstmord. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief. Berichten zufolge starb er als einsamer Mann, geplagt von schwerwiegenden und schmerzhaften Krankheiten. Laut der Journalistin Diane Dimond (die Ray Chandler im Buch All That Glitters als Evan Chandlers „engste Verbündete“ in den Medien beschreibt [2; Seite 194], litt Evan auch an bipolarer Störung.

In seinem Testament verfügte Evan, dass alle seine Familienmitglieder erst lange nach seinem Begräbnis von seinem Tod unterrichtet werden. Er gab auch bekannt, dass er nicht möchte, dass irgendeinem seiner drei Kinder irgendetwas hinterlassen wird: Aus unter uns bestens bekannten Gründen treffe ich in diesem meinem letzten Willen und Testament gezielt keine Vorkehrungen für irgendeines meiner Kinder oder deren leiblicher Nachkommenschaft.“ [10]

Derzeit kommt Jordan gut mit seiner Mutter June aus und steht seinen jüngeren Halbgeschwistern und deren Mutter Nathalie wieder nahe.

Quellen:

[1] Mary A. Fischer: Wurde Michael Jackson etwas angehängt? (GQ, Oktober 1994)

[2] Raymond Chandler – All That Glitters: The Crime and the Cover-Up (Windsong Press LTD, September 2004)

[3] June Chandlers Aussage bei Michael Jacksons Prozess 2005 (11. April 2005) https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

[4] Raymond Chandlers Artikel auf seiner jetzt stillgelegten Webseite (Allthatglittersbook.com, Atgbook.com, Atgbook.net, Jänner-Februar 2005) http://web.archive.org/web/20050208010747/atgbook.net/GQFinal.html

[5] Geraldine Hughes – Redemption: The Truth Behind the Michael Jackson Child Molestation Allegations (Hughes Publishing, Jänner 2004)

[6] Aufgezeichnetes Telefonat zwischen Evan Chandler und David Schwartz (8. Juli 1993) https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/plugin-schwartz_chandler.pdf

[7] Gerichtsdokument über Evan Chandler, der seinen Sohn 2005 attackiert und beinahe umgebracht hat http://law.justia.com/cases/new-jersey/appellate-division-unpublished/2006/a0422-05-opn.html und https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/jordan-versus-evan-chandler-2006.pdf

[8] Jacksons 2009 veröffentlichte FBI Akten http://vault.fbi.gov/Michael%20Jackson/Michael%20Jackson%20305%20File%20Part%201%20of%201/view (Seite 4)

[9] Michael Jackson was Innocent – Tom Mesereau talks about how Jordan Chandler Lies http://www.youtube.com/watch?v=-eSC997_HH0

[10] Letzter Wille & Testament – Evan Robert Chandler

 

Michael Jackson, Leonard Bernstein und die Rolle des Künstlers in einer chaotischen Welt

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https://dancingwiththeelephant.wordpress.com
Post vom 12. April 2017


Lisha:
Hey Willa! Es ist lange her, dass wir miteinander gesprochen haben.

Willa: Ja, so ist es, und seitdem ist schrecklich viel passiert.

Lisha: So wahr. Hier in den USA fühlt es wie Luxus an, an etwas anderes als die neusten Nachrichten des Tages zu denken – es geht hier so viel politisch Beunruhigendes vor sich. Aber vor kurzem entdeckte ich etwas, das mich wirklich ansprach und es interessierte mich, ob es für dich auch so wäre.

Es handelt sich um ein Zitat des Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein, veröffentlicht im Boston Globe am 5. Juli 1970. Es stammt aus den Anmerkungen, die er anlässlich des Tanglewood Musikfestivals gemacht hatte, und in denen er „die Rolle des Künstlers in einer chaotischen Welt“ anspricht:

Es sind die Künstler dieser Welt, die Fühlenden und Denker, die schließlich unsere Rettung sein werden, die wortgewandt sind, erziehen, die standhalten, auf etwas bestehen, singen und die großen Träume ausrufen. Nur die Künstler können das „noch-nicht“ in die Realität wenden.

Willa: Danke, Lisha! Ich liebe alles an diesem Zitat – ganz besonders diese kühne Anfangszeile „Es sind die Künstler dieser Welt, … die schließlich unsere Rettung sein werden“.

Wenn ich über all die Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt und über die steigende Intoleranz hier in den USA lese, und wenn ich darüber nachdenke, wie rasant sich der Klimawandel vollzieht, und über die kürzlichen politischen Veränderungen, die anzeigen, dass wir in den kommenden Jahren nicht nur zu langsam reagieren, sondern uns wahrscheinlich in die falsche Richtung zurückbewegen werden, dann frage ich mich, ob wir fähig sein werden, uns selbst und die anderen Bewohner auf diesem Planeten zu retten.

Lisha: Es sind gefährliche Zeiten, das ist sicher.

Willa: Es fühlt sich so an, nicht wahr? Als wären wir am Rande eines Abgrunds. Aber es gibt eine Chance, sie liegt bei den Künstlern.

Lisha: Ja! Künstler spielen solch eine wichtige Rolle dabei, uns aufzuzeigen, wo wir stehen und wohin wir gehen müssen. Sie sind die Spitze dessen, wozu wir mit unserer Vorstellungskraft und beim Kreieren und Werden imstande sind.

Willa: Genau! Sehr gut gesagt, Lisha. Bernstein sagte: “Nur die Künstler können das „noch-nicht“ in die Realität wenden.“ Ich glaube das wirklich. Bevor du „die Veränderung vornehmen“ kannst („Make that change“), um einen anderen visionären Künstler zu zitieren, musst du erst einmal fähig sein, diesen Wandel zu visualisieren. Und dann musst du die Leute dazu bringen, sich genug darum zu kümmern, damit sie etwas veranlassen.

Diese zwei Taten – sich einen neuen gesellschaftlichen Weg vorzustellen und die Leute dazu zu bringen, sich genug einzusetzen, um dies zu erreichen – sind wohl die zwei wichtigsten und schwierigsten Schritte, um soziale Veränderung voranzubringen. Und diese Talente liegen in einzigartiger Weise bei Künstlern: die Fähigkeit das „noch nicht“ zu visualisieren und die Leute dazu zu bringen, sich zu kümmern.

Lisha: Das ist es, wirklich. Und ich denke, wir können sowohl mit den Werken Leonard Bernsteins als auch Michael Jacksons zwei ganz konkrete Beispiele dafür aufzeigen.

Leonard Bernstein war einer der ersten, der einen sehr breit angelegten Blickwinkel auf amerikanische Musik hatte und verstehen wollte, was einen Sound „amerikanisch klingen“ lässt, so dass sich jeder Amerikaner mit ihm identifizieren kann. Mit dem Ergebnis, dass er unter den ersten war, die die Trennung von hoher Kunst und unterhaltender Kunst in der amerikanischen Musik hinterfragten und der die darin begraben liegenden rassenpolitischen Aspekte untersuchte. Dies war eine Haltung, von der er während seiner gesamten Karriere niemals abrückte.

Willa: Das ist sehr interessant, Lisha. Wir haben so einige Male darüber gesprochen, wie Michael Jackson – neben anderen Künstlern wie Andy Warhol, Fred Astaire, Salvador Dali, Jean Cocteau und in einem gewissen Ausmaß sogar Walt Disney – die Grenzen zwischen hoher und populärer Kunst verwischt hat. Und du hast Recht – Bernstein arbeitete ebenfalls an der Überbrückung dieser Trennung.

Lisha: Ja. Bernstein schien sich in der Welt der symphonischen Musik genauso wohl zu fühlen wie im Musicaltheater und –film, sogar in Nachtclubs, was das betrifft! Als Komponist und Dirigent stellte er die Grenze zwischen „ernster“ und „populärer“ Musik in Frage, weigerte sich, musikalische Stile zu trennen und nutzte Musik als eine Form gesellschaftlichen Engagements. Auch war er ein äußerst dynamischer Künstler. Es ist also keinesfalls überraschend für mich, dass er ein riesiger Fan von Michael Jackson war.

Der Autor Jonathan Cott, der das letzte bedeutende Interview mit Bernstein bei einem Abendessen in dessen Haus führte, beschrieb dessen Bewunderung für Michael Jackson folgendermaßen:

Vor allem war Bernstein, in jedem einzelnen Aspekt seines Lebens und Arbeitens, ein grenzenloser Enthusiast. Während meiner Unterhaltung bei dem Dinner mit ihm setzte er mich darüber in Kenntnis, dass das Wort „Enthusiasmus“ von dem griechischen Adjektiv ‚entheos‘ abstammt, was „Gott in sich tragen“ bedeutet, mit dem ihn begleitenden Sinn von ‚Leben ohne zu Altern‘, wie es die Götter auf dem Olymp taten.

Eine meiner liebsten Geschichten über Bernstein, die auf perfekte Art sein enthusiastisches Temperament veranschaulicht und reflektiert, erzählt von einem Ereignis, als der Dirigent den damals achtundzwanzigjährigen Michael Jackson – ein weiterer dem Alter trotzender musikalischer „Gott“, den Bernstein unbändig verehrte – zu einem Konzert, das er 1986 mit den New Yorker Philharmonikern in der Los Angeles Royce Hall gab, einlud. Jackson war sprachlos nach Bernsteins hyperkinetischer Performance, und er ging während der Unterbrechung hinter die Bühne, um seinem musikgewaltigen Kollegen seine Anerkennung auszusprechen. Der äußerst wertschätzende Bernstein schlang daraufhin beide Arme um Jackson, hob ihn hoch und küsste ihn auf die Lippen. Als dieser wieder auf festem Boden gelandet war, sah sich der Sänger nur noch imstande den Dirigenten zu fragen: „Benutzt du immer denselben Taktstock?“

Hier ist ein Foto, von dem ich glaube, dass es von diesem Treffen 1986 backstage in der Royce Hall stammt:

Willa: Das ist eine wundervolle Geschichte, Lisha! Ich mag die Vorstellung, wie Bernstein Michael Jackson schwungvoll für eine große Umarmung hochhebt. Es haut mich immer wieder um, wie andere talentierte und kreative Leute ihn als verwandte Seele erkennen, wie Baryshnikov, als er über seinen Tanz spricht.

Es ist lustig über Michael Jacksons Ehrfurcht vor anderen Stars nachzudenken, aber ich habe schon über einige solche Beispiele gelesen, bei denen er überwältigt war, jemanden zu treffen, den er bewundert, also glaube ich, es passierte manchmal wirklich.

Lisha: Ja, es erscheint lustig, denn Michael Jackson war ganz offensichtlich ein viel größerer Star. Und es ist höchst amüsant, dass er auf Bernsteins enthusiastische Begrüßung mit der Frage nach seinem Taktstock reagierte!

Willa: Ja, so ist es, und es erinnert mich an etwas, das David Michael Frank Joe Vogel erzählt hat. Frank arbeitete mit Michael Jackson im Frühjahr 2009 an einem Album mit klassischer Musik – dies hatte Priorität vor allem anderen, das Michael Jackson in den Monaten, vor seinem Tod machte, als er auch die Proben für This Is It begann.

Frank sprach später mit Joe Vogel darüber und er erwähnte Bernsteins Taktstöcke:

Ich hoffe, dass seine Familie eines Tages entscheiden wird, diese Musik als eine Hommage an ihn einzuspielen und der Welt die Tiefe seiner Kunst zu zeigen. … Ich erzählte Michael, ich würde einen von Leonard Bernsteins Taktstöcken benutzen, den ich auf einer Auktion ersteigert hatte, als wir die Aufnahmen machten. Ich wusste, das würde ihm einen großen Kick geben.

Lisha: Wow! Wie cool ist das denn?

Willa: Wäre es nicht wundervoll, wenn das verwirklicht würde? Ich würde zu gern ein Video von Frank sehen, wie er mit einem von Bernsteins Taktstöcken ein Orchester dirigiert, das Michaels Jacksons klassische Musik spielt.

Lisha: Oder noch besser, vielleicht hören wir es eines Tages live!

Willa: Das würde ein Erlebnis sein! Gemäß einem Post von David Pack, der ein Treffen zwischen Bernstein und Michael Jackson arrangierte, beruhte die Bewunderung auf Gegenseitigkeit. Pack schrieb, dass Bernstein 1986 ein paar Tage vor seinem Geburtstag in Los Angeles war, und Pack fragte ihn, wie er dies gern feiern würde: „Ohne mit der Wimper zu zucken, sagte Leonard: ‘Ich möchte Michael Jackson treffen.‘“ Leider ist der Post nicht mehr da, glaube ich, aber hier ist ein Repost auf Reflections on the Dance, der die Geschichte dieses Abends wiedergibt. (Anm. d. Übers.: Die Übersetzung ist dieser Diskussion am Schluss beigefügt.)

Lisha: Das ist solch eine bezaubernde Geschichte. Ich würde zu gern wissen, was Leonard Bernstein und Michael Jackson an dem Abend besprochen haben!

Willa: Das würde ich auch gern wissen.

Lisha: Ich vermute, diese Dinner Party fand am selben Abend statt, an dem Michael Jackson das Konzert der New Yorker Philharmoniker in Los Angeles besuchte, da mir aufgefallen ist, dass Michael Jackson auf all den Fotos dieselbe Kleidung trägt. Bernstein trägt einen Smoking in dem oberen Foto, aber eher zwanglose Kleidung beim Dinner. Dirigenten ziehen sich üblicherweise nach einem Konzert um und tragen ihren Smoking nicht außerhalb der Konzerthalle, es ist meiner Meinung nach also ziemlich wahrscheinlich, dass dieses Dinner direkt nach dem Konzert stattfand.

Willa: Oh, ich wette, du hast Recht, Lisha. Gute Detektivarbeit! Es ist plausibel, dass Michael Jackson und Quincy Jones beim Dinner mit Bernstein sind, nachdem sie ihn backstage getroffen haben.

Lisha: Ja, und es klingt so, als hätte Bernstein gehofft, dass sich aus diesem Treffen eine Zusammenarbeit ergeben würde. Gemäß Pack war es so, dass „Leonard Michael mit der klassischen Musik vertraut machen und möglicherweise zu einer Zusammenarbeit von klassischer und populärer Musik inspirieren wollte“. Ich frage mich, ob aufgefallen ist, dass keine Einführung Michael Jacksons in klassische Musik nötig war. Jermaine Jackson erzählt dies in seinem Buch You Are Not Alone:

Michael betrachtete Musik ebenso als “Wissenschaft” wie auch als ein Gefühl. Von dem Moment an, an dem wir in das Haus am Bowmont Drive (1972) einzogen, begann er Komposition zu studieren. Er wollte unbedingt den Aufbau eines Songs verstehen, auf dieselbe Art, auf die ein Wissenschaftler beabsichtigt, die DNA einer Person zu verstehen. Zusammen hörten wir in jeden Klassik-Sender hinein, den wir auf dem Radio finden konnten, hörten in die Struktur eines Musikstücks hinein und „sahen“, welche Farben, Stimmungen und Gefühle jedes Instrument hervorrief … er liebte so viele klassische Stücke, wie sie langsam mit den Streichern begannen, zu etwas Dramatischem oder Rasenden anschwollen und sich dann wieder beruhigten. Dieser Aufbau – die A-B-A-Form – war etwas, was wir ständig analysierten. Und diese Inspiration aus der Klassik findet sich wie ein roter Faden in so vielen seiner Musikstücke … (S. 129).

Gemäß Michael Jacksons eigenen Worten basiert das Album Thriller (das vier Jahre vor seinem Treffen mit Bernstein veröffentlicht worden war) auf Tchaikovskys Nussknacker Suite. Jetzt sag noch mal, dies sei ein Widerspruch!

Willa: Ja, Susan Fast sprach darüber vor ein paar Jahren in einem Post. Ich war wirklich überrascht darüber, aber nachdem Susan es erklärt hatte, ergab es großen Sinn.

Lisha: Ja, sie versteht es, komplizierte Dinge kristallklar erscheinen zu lassen!

Und es gibt einen weiteren interessanten Einfluss. Ich glaube, fast jeder, der etwas Zeit mit dem Short Film Beat It verbracht hat, kann in Michael Jacksons Werken sehr viel von Bernsteins West Side Story entdecken.


Willa: Ja, der Regisseur Bob Giraldi hat zwar verneint, dass es irgendeine Verbindung gäbe, aber ich habe herausgefunden, dass Michael Jacksons Regisseure oft ein ziemlich oberflächliches Verständnis seiner Filme zu haben scheinen. Und es scheint zweifelhaft, dass die West Side Story keine Inspiration für Beat It gewesen sein soll, ob Giraldi das nun bemerkt hat oder nicht – es gibt einfach zu viele Gemeinsamkeiten.

Lisha: Da stimme ich zu. Ich zweifle Giraldis Berichte darüber, wie es sich zutrug, nicht an, aber ich denke auch nicht, dass der Einfluss der West Side Story deswegen ausgeschlossen werden muss.

Willa: Ja, das ist eine gute Sichtweise, Lisha. Ich denke, du hast Recht.

Lisha: Michael Jackson kannte sich mit der Geschichte der populären Musik, des Theaters und Films gut aus. Richtig gut. Viele betrachten die West Side Story als den Inbegriff dieses Genre, so dass es kaum zu glauben wäre, dass es seiner Aufmerksamkeit entgangen sein sollte. Es gibt einfach zu viele Gemeinsamkeiten zwischen Beat It und West Side Story, um sie einfach als Zufall abzutun.

Willa: Sehe ich auch so. Die ersten Worte, die man zum Beispiel sich in Abständen wiederholend in der West Side Story hören kann, als die beiden Gangs aufeinandertreffen, lauten „Beat it!“ (unten bei 4:36 und 5:21 min). Auch auf dem Weg, den die beiden Gangs gemeinsam in der West Side Story gehen, wobei sie beim Gehen mit den Fingern schnippen – erkennen wir eindeutig immer wieder den Widerhall von Beat It. Und grundsätzlich ist die ganze Idee von einem Musical über die Überwindung von Bandengewalt im Kern beider Werke verankert. Es scheint für mich also ziemlich wahrscheinlich zu sein, dass Michael Jackson die West Side Story in einem gewissen Ausmaß im Sinn hatte, als er an Beat It arbeitete.

Lisha: Das sind brilliante Beobachtungen, Willa! Und überhaupt, jeder, der nicht deine Analyse von Beat It in M Poetica gelesen hat, verpasst etwas. Du zeigst so überzeugend auf, wie Künstler von vorausgegangen Werken beeinflusst werden, indem du die Punkte zwischen Beat It, West Side Story und Shakespeares Romeo und Julia verbindest. Michael Jackson aktualisiert vorherige Inbegriffe der Geschichten, indem er eine Welt vergegenwärtigt, in der starke Gruppenidentifikation nicht auf ethnischen oder familiären Verbindungen basiert, so wie es den Werken der Fall ist, die seinem vorausgegangen waren.

Das Eddie Van Halen Gitarrensolo, das mitten im Song aufploppt, illustriert diesen Punkt auf musikalische Weise, da es eindeutig als „weiß“ codiert ist, in einem Stück, das sonst in die Schublade „schwarze Musik“ gesteckt würde. Und ganz am Schluss von Beat It schwenkt die Kamera weg, um die vierte Wand zwischen Zuschauer und der Darstellung wegzuziehen. In der Annahme, dass es jeder sieht, wird deutlich, dass es sich hier um eine Vision der Welt handelt, wie sie sein könnte, als um eine naive Ausführung dessen, wie die Welt wirklich ist.

Willa: Das ist eine wichtige Beobachtung, Lisha – eine, die die Kritiker, die Beat It als naiv bezeichnen, eindeutig verpasst haben.

Lisha: Sich eine friedlichere, mehr farbenblinde Gesellschaft durch Musik auf der Bühne und der Leinwand zu vergegenwärtigen, fällt mir auch als ein typischer Zug á la Bernstein auf. Es erinnert sehr stark an Bernsteins erste Broadway Show On the Town, 1944 auf dem Höhepunkt des 2. Weltkriegs in Zusammenarbeit mit drei weiteren jüdischen Künstlern geschrieben: Jerome Robbins (dessen Choreografie in Michael Jacksons Werk auftaucht), Betty Comden und Adolph Green (dem Drehbuchautor für zwei sehr wichtige Einflüsse auf Michael Jackson: The Band Wagon und Singin‘ in The Rain).

Willa: Interessant! Es gibt tatsächlich mehr kreative Verbindungen zwischen Bernstein und Michael Jackson, als ich bisher bemerkt habe.

Lisha: Ja, und ich finde das sehr faszinierend. Besonders wenn du in Betracht ziehst, wie revolutionär die Show On the Town zu ihrer Zeit war. Es war das erste Broadway-Musical, das von einem Sinfoniker komponiert wurde, und es war die erste Show, die Schauspieler auf eine integrierte, farbenblinde Art castete. Afroamerikanische Schauspieler spielten eine Vielzahl von Rollen direkt neben ihren weißen Gegenparts, und erschienen als typische New Yorker, Matrosen und Fußgänger – das war etwas, was wirklich niemals vorher passiert war. Es gab einen gemischtrassigen Chor, der Tänze aufführte, bei denen man sich an den Händen hielt. Everett Lee dirigierte das Orchester, das machte ihn zum ersten afroamerikanischen musikalischen Direktor am Broadway.

Aber die vielleicht revolutionärste Besetzungsentscheidung war die für die weibliche Hauptrolle, die die japanisch-amerikanische Tänzerin Sono Osato als ultimative „All-American-Beauty“ Ivy Smith zeigte. Das war zu jener Zeit ein wahrlich radikaler Schritt, wenn man bedenkt, dass Osatos Vater einer der 120.000 internierten Japan-Amerikaner während des Krieges war.

Hier ist ein Bild von Sono Osato und John Battles in On the Town aus Carol J. Ojas Bernstein Meets Broadway: Collaborative Art in a Time of War:

Und hier ist ein Bild der Original Broadway-Besetzung von On the Town im Jahr 1944:

Willa: Wow, Danke für den Einblick in On the Town, Lisha! Es klingt wirklich nach einer Produktion á la Michael Jackson, nicht wahr? Ich meine, denk dran, wie er den ganz und gar weißen Nachtclub aus The Band Wagon in die multi-ethnischen Besucher von Smooth Criminal oder You Rock My World verwandelt hat.

Lisha: Ja, es ähnelt der kreativen Philosophie von Michael Jackson. Und ich bin so froh, dass du You Rock My World erwähnt hast, Willa, denn das ist eine weitere starke Verbindung zu Leonard Bernstein. Bernstein schrieb die Musik für den Film On the Waterfront (Die Faust im Nacken) mit Marlon Brando, auf den in You Rock My World durchgängig angespielt wird, inklusive eines Cameo-Auftritts von Brando persönlich.

Willa: Das stimmt! Ich hab das alles nicht im Zusammenhang gesehen, Lisha, aber das ist eine weitere wichtige Verbindung … und eine wirklich interessante. Danke, dass du den Zusammenhang aufgezeigt hast.

Und ich bin immer noch fasziniert von deiner Beschreibung von On the Town. Es klingt, als wäre dies ein früher Wegbereiter der Art grenzüberschreitender Sensibilität, die wir durchgängig in Michael Jacksons Werk sehen – und das zu einer Zeit, als gemischtrassige Beziehungen weit weniger akzeptiert waren. Eigentlich war es eher so, dass es 1944 in vielen Staaten Gesetze gegen die Rassenmischung gab.

Lisha: Ja und vergiss nicht, dass dies während des Zweiten Weltkriegs stattfand, als Amerika trotz offensichtlicher Unzulänglichkeiten hier zu Hause im Ausland für Menschenrechte und Freiheit kämpfte.

Willa: Das ist richtig, und als die Angst vor “Fremden” an seinem Höhepunkt war, besonders gegen Japan-Amerikaner. Was du vorhin sagtest, Lisha, hat mich wirklich getroffen, dass der Vater der Hauptdarstellerin einer der Tausende war, denen das Zuhause genommen wurde und die gezwungen waren, während des Krieges in Lagern zu leben.

Lisha: Ich musste es wirklich einen Moment sacken lassen, besonders im Hinblick auf unsere gegenwärtige Situation. 1944, als Japan-Amerikaner abtransportiert und in Internierungslager gebracht wurden, reagierte eine Gruppe junger jüdischer Künstler damit, ein neues Schönheitsidol aufzubauen: die Japan-Amerikanerin Sono Osato als das jugendlich-frische, typisch amerikanische Mädchen von nebenan.

Willa: Ja, es ist sehr kreativ, den Mächtigen auf diese Art die Wahrheit zu sagen.

Lisha: Das ist sicher. Wenn man sich aus der Perspektive von 2017 diese Fotos der Originalbesetzung von On the Town ansieht, würde man niemals darauf kommen, dass hier etwas ganz Radikales vor sich geht, bis einem jemand die Geschichte dieser Show erzählt. Es gibt da absolut nichts zu sehen, das für unsere Augen des 21. Jahrhunderts ungewöhnlich erscheint. Aber im Jahr 1944 war es ganz und gar nicht das, was das Publikum erwartete.

Ein Indiz dafür, wie wahrlich radikal die Show war, war die Tatsache, dass, als MGM fünf Jahre später eine Filmversion veröffentlichte, die rassenpolitischen Hinweise entfernt wurden waren, ich muss hinzufügen, auf sehr verstörende Weise. Und der Großteil von Bernsteins Musik war ebenfalls entfernt worden – alles außer drei Songs und dem Ballett. Die Produzenten waren der Meinung, es wäre zu symphonisch, also nahmen sie an, das Publikum würde es nicht mögen oder verstehen.

Willa: Wirklich? Obwohl Bernstein als einer der größten Komponisten und Dirigenten des 20. Jahrhunderts galt? Ich muss sagen, Geschichten wie diese bringen mich auf die Palme – es erinnert mich daran, was mit dem Panther Dance Segment von Black or White passiert ist. Man denkt normalerweise, dass, wenn ein Künstler vom Kaliber eines Bernstein oder Michael Jackson ein revolutionäres, neues Werk veröffentlicht, es ein gewisses Maß an Vertrauen in ihr Urteilsvermögen gibt, und man eher zögert, es zu schnell zu verurteilen. Aber das scheint nicht der Fall zu sein.

Lisha: Ja, es ist wirklich schwer zu ertragen. Ich empfehle, sich die MGM Version von On the Town einmal anzusehen, einfach um zu sehen, wie schrecklich die neue Musik ist und wie fürchterlich die rassendiskriminierenden Nachtclub-Szenen wirklich sind! Und warum? Es kostete sie viel Geld das Original durch schwache Qualität zu ersetzen!

Willa: Wow, Lisha, es birgt eine ziemliche Ironie in sich, wenn du es auf diese Art betrachtest …

Lisha: Aber vielleicht ist es das, was passiert, wenn Künstler ihrer Kultur zu viele Schritte voraus sind: Nicht jeder kapiert es. Michael Jackson schien sich dessen bewusst zu sein. Ich vermute, dass das der Grund dafür ist, dass er einlenkte und eine Entschuldigung für den Panther Dance veröffentlichte. Wenn du zu schnell zu weit vorpreschst, kommt die Botschaft nicht rüber.

Das ist eines der interessantesten Dinge an Bernstein und der Originalproduktion von On the Town. Er überhäuft dich nicht direkt mit zu offensichtlich politischen Statements – durch die Show kann man sich einfach vorstellen, wie die Welt sein könnte, was schon immer der Einflussbereich der Kunst war. Die Musikwissenschaftlerin Carol Oja schreibt in ihrem Aufsatz „Bernstein‘s Musicals: Reflections of Their Time“ Bernstein war …

… jemand, dessen Musik die Art politischer Orientierung hatte, die es wert war, dass man ihr folgt. Aber die politischen Botschaften in Bernsteins Aufführungen waren selten konflikthaft und belehrend … Vielmehr entwickelten sich die politischen Gedanken durch den allgemeinen Ethos der Aufführung …

Mir fällt auf, dass genau dies der Ansatz Michael Jacksons für viele seiner Songs und Kurzfilme ist.

Willa: Ja, wir könnten viele seiner Filme oder auch so etwas Subtiles wie „The Girl is Mine“ als Beispiele nennen. Es gibt nicht eine einzige Erwähnung von Rasse in dem Song, aber sobald du Paul McCartneys Stimme und Michael Jacksons Stimme erkennst – was 1983 so ziemlich jeder tat – dann weißt du, dass ein Schwarzer und ein Weißer darüber singen mit derselben Frau auszugehen und darüber debattieren, wen sie lieber mag. Das war 1983 ein radikales Szenario.

Lisha: Da hast du Recht. So peinlich wie es ist, dies zuzugeben, das war ein radikales Szenario 1983. Aber der Song behandelt das Thema auf solch eine wenig konfrontative Art, dass ich wetten möchte, nur wenige bemerkten die politischen Andeutungen überhaupt, als sie die Botschaft vergnügt aufnahmen und mitsangen.

Willa: Da magst du Recht haben, Lisha – besonders junge Zuhörer. Und ich denke, du sprichst einen wesentlichen Punkt in Bezug auf Kunst an, nämlich, dass sie nicht zu moralisierend oder konflikthaft sein sollte.

Ich habe in den vergangenen Monaten sehr oft über sozialen Wandel und wie er tatsächlich entsteht, nachgedacht. Wir wissen – und dafür gibt es umfangreiche Beweise -, dass das Überwinden von Rassismus und anderer Arten der Intoleranz sehr wichtig für Michael Jackson war und dass er jederzeit für eine gerechtere Gesellschaft eintrat. Aber gleichzeitig ließ er Leute mit rassistischer Haltung sich niemals dumm oder unaufgeklärt oder schlecht fühlen. Ich denke, es ist wirklich wichtig für uns, dass wir das im Kopf behalten, aus dem ganz pragmatischen Grund, weil es einfach nicht funktioniert. Man kann die Herzen oder Gedanken der Menschen nicht ändern, indem man ihnen erzählt, sie seien ignorant. Im Grunde glaube ich, dass es oft genau den gegenteiligen Effekt hat und die Leute in ihrer Haltung noch bestärkt.

Was dagegen wirklich zu wirken scheint, ist Kunst. Wie du über On the Town sagtest: „Es war … die erste Aufführung, in der die Rollen der Schauspieler auf integrierende, farbenblinde Art besetzt wurden“ – etwas, was Michael Jackson ebenso wiederholte Male tat und darüber viele Male sprach, indem er sagte, er stelle Talente ein, nicht Farben.

Lisha: Bei Michael Jackson gab es immer die Vorstellung von radikaler Inklusivität. Er sagte 1984 in einem Rolling Stone Interview:

Ich bin farbenblind, ich stelle keine Farben ein, ich stelle Kompetenz ein. … Rassismus ist nicht meine Devise. Ich erwarte ganz stark, dass sich eines Tages alle Farben als eine einzige Familie fühlen.

Willa: Ja, genau, und diese Weigerung an den sozialen Normen jener Zeit, besonders in rassenbezogener Hinsicht, festzuhalten, war sowohl für Bernstein als auch für Michael Jackson eine revolutionäre Haltung. Schließlich weigerten sich zahlreiche Radiostationen „The Girl is Mine“ zu spielen, weil in dem Song gemischtrassiges Dating impliziert wurde … ganz abgesehen von der Kühnheit eines Schwarzen, der einem Weißen (keinem Geringeren als einem Beatle!) sagt, sie würde ihn bevorzugen.

Aber so radikal dies 1983 auch gewesen sein mag, er erledigte dies mit einer gewissen Leichtigkeit. Ich denke, diese Art von Kunst, die ganz subtil die Grenzen dessen, was akzeptabel ist, hinterfragt, hat eine führende Rolle bei der Veränderung allgemeiner Vorstellungen über Rasse und gemischtrassige Beziehungen übernommen.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich die sozialen Konventionen geändert haben, sind die Reaktionen – oder Nicht-Reaktionen – des Publikums auf die neue Version von Disneys Beauty and the Beast (Die Schöne und das Biest), welches ganz subtil „eine Besetzung auf eine integrierende, farbenblinde Art“ hat, wie du vorhin über On the Town gesagt hast. Es gibt dort eine Vielzahl von Mitwirkenden, die durch eine böse Zauberei in Haushaltsgegenstände verwandelt wurden, und die sich danach sehnen, die Gesichter ihrer Lieben berühren zu dürfen, es aber nicht können, weil sie in diese leblosen Formen eingesperrt sind – wie zum Beispiel in ein Klavier, eine Kommode, einen Kronleuchter oder was auch immer. Am Ende wird der Bann gebrochen und jene Darsteller, die uns schon ans Herz gewachsen sind, werden in ihre menschliche Form zurückgeführt, unter ihnen zwei gemischtrassige Paare. Eigentlich sind in Beauty and the Beast die ersten zwei Fälle eines gemischtrassigen Kusses in einem Disney Film enthalten … und so gut wie nichts wurde darüber gesagt, weder positiv noch negativ.

Gemischtrassige Beziehungen sind so sehr zum Mainstream geworden, dass sie sogar in Disney Filmen vorkommen, und dass kaum Notiz von ihnen genommen wird. Ich glaube, auf vielfältige Art und Weise können wir diese Veränderung visionären Künstlern wie Bernstein und Michael Jackson zuschreiben.

Lisha: Ich stimme dir vollkommen zu, Willa. Es spielt durchaus eine Rolle, wenn ein Leonard Bernstein oder ein Jerome Robbins eine sich an den Händen haltende Tanzgruppe zusammenstellen, damit man sehen und spüren kann, um was es bei Rassengerechtigkeit geht. Es spielt eine Rolle, wenn Michael Jackson eine riesige Brücke auf der Bühne aufbauen lässt und er uns dabei hilft, uns den Klimawandel als ein Problem vorzustellen, an dessen Lösung sich jeder beteiligen sollte, ungeachtet der Zugehörigkeit, denn es handelt sich hier um eine Krise, die nicht von einer Nation oder irgendeiner Gruppe allein gelöst werden kann. Unsere einzige Hoffnung, das Desaster abzuwenden, liegt in unserem Willen als eine Einheit zusammenzuarbeiten. Und es ist ein Versagen der eigenen Vorstellungskraft, nicht voraussehen zu können, wie desaströs das Ergebnis sein könnte, wenn wir nicht sofort handeln.

Willa: Ja, gut gesagt, Lisha. Und Bernstein sagte dies in dem Statement, das du zu Beginn dieses Posts zitiert hast, es sind die Künstler, die uns auf diesem Weg anführen werden.

Lisha: Bevor wir aufhören, möchte ich den zweiten Teil jenes Zitats über die Verwandlung „des ‚noch nicht‘ in die Realität“ teilen:

Wie machst du das? Finde heraus, was du besonders gut kannst, einzigartig gut, und dann tu es mit aller Kraft. Und ich meine nicht „sein eigenes Ding machen“ im hippen Sinn, wie es gerade in ist. Das ist Passivität, das scheidet aus, das bringt gar nichts. Ich rede über das Tun in dem Sinn, deiner Gemeinschaft zu dienen, ob es nun eine kleine Stadt ist oder sechs Kontinente.

Willa: Das ist wirklich inspirierend, Lisha.

Lisha: Das denke ich auch, Willa. Man spürt, dass wir unsere Bernsteins und Michael Jacksons jetzt mehr denn je brauchen!

 

Michael Jackson, Jesus und ich
Meine Geschichte über christliche Verbundenheit mit dem King of Pop

Von links: Quincy Jones, Michael Jackson, Leonard Bernstein, Jamie Bernstein und David Pack

Von David Pack

Im August 1986 befand sich der berühmte Komponist Leonard Bernstein in Los Angeles, um in der UCLA Royce Hall ein klassisches Konzert zu dirigieren. Da ich wusste, dass sein Geburtstag in diese Woche fallen würde, fragte ich ihn, was er sich wünsche. Ohne eine Sekunde zu verlieren, sagte Leonard: „Ich möchte Michael Jackson treffen.“

Zu jener Zeit war Michael der größte Popstar des Universums. Er hatte gerade den überwältigenden weltweiten Erfolg von Thriller, eine ausverkaufte Welttournee und zahlreiche Grammy-Gewinne hinter sich gelassen, was ihn, wo auch immer er hinkam, in anspruchsvolle Höhen beatlesquer Tumulte katapultierte. Er wurde in der Musikindustrie als das größte, noch unverfälschte Talent seiner Generation gesehen, und die Kombination von Michael Jackson und Quincy Jones in einem Studio setzte einen Standard, der wohl nie wieder erreicht werden würde.

Leonard war seinerseits ein globaler Superstar und eine Persönlichkeit des Fernsehens auf ganz eigene Art – er wird in vielen Veröffentlichungen als der am meisten gefeierte Musiker, Dirigent und Komponist des 20. Jahrhunderts genannt. Und doch erstarrte Leonard in Ehrfurcht vor Michaels Talent, beschrieb ihn als „den am meisten durch und durch gehenden Popstar, den ich seit den Beatles gesehen habe“. Leonard wollte Michael mit klassischer Musik vertraut machen und ihn eventuell zu einer Zusammenarbeit mit klassischer und Popmusik zu inspirieren.

Ich war entschlossen Leonard seinen Geburtstagswunsch mit einem Treffen meiner beiden Freunde zu erfüllen. Also rief ich einen weiteren Freund an, Quincy Jones, ebenfalls ein Musiktitan und eine Legende, den ich Leonard im Jahr vorher bei einem anderen Dinner vorgestellt hatte.

Quincy betete Leonard Bernstein an, also sagte er, er würde Michael anrufen und fragen. Eine Stunde später rief er mich zurück, um mitzuteilen, dass Michael nicht kommen könne. Als ich Leonard erzählte, dass Michael nicht kommen würde, sagte er: „Was? Du musst ihm sagen, dass ich, Leonard Bernstein, ihm befehle, zu meinem Konzert zu kommen!“ Ich ging zurück zu meinem Telefongespräch mit Quincy. Zwei Stunden später rief Quincy an, um zu sagen, dass Michael kommen würde. „Aber er war noch nie bei einem klassischen Konzert, das wird also interessant werden!“

Bei dem Konzert liebte Michael es Leonard zu beobachten, der an einer Stelle während eines Instrumentalabschnitts drei Fuß hoch in die Luft sprang und mit einem lauten ‚Aufprall‘ wieder auf dem Boden landete. (Quincy, Michael und ich waren ziemlich sicher, dass Leonard hiermit versuchte vor Michael eine Schau abzuziehen.)

Später an diesem Abend, während des Dinners in meinem Haus, erlebte ich Michael als einen Mann mit der süßesten Seele, die ich je erlebt habe. Er dankte mir immer wieder dafür, ihm „befohlen“ zu haben zu dem Konzert zu kommen. Er bat mich ihm einige von meinen Hits mit Ambrosia in Erinnerung zu bringen, also sang ich den Refrain von „Biggest Part of Me“. Seine Augen begannen zu leuchten wie die eines kleinen Kindes, und er übernahm den Gesang und sang mir den gesamten Refrain vor.

An einer Stelle drapierte Leonard für eine Reihe Fotos seinen langen weißen Schal um seinen und Michaels Hals, stand dann auf und gab Michael spontan eine Lektion im Dirigieren. Später unterhielten sich diese zwei musikalischen Giganten über … Akne! Sie hatten beide Probleme damit und irgendwie war dieses peinliche, persönliche Thema ihre große Verbindung. Leonard erzählte dies immer wieder in den folgenden Jahren. Michael rief mich am nächsten Tag an und fragte nach Fotos von dem Abend, und er war aufgeregt, als er sie erhielt.

David Pack steht und stößt mit Michael Jackson, Leonard Bernstein, Quincy Jones und anderen an

An diesem besonderen Abend hatte ich das Gefühl mit ihm über meinen Glauben sprechen zu müssen und ihn wissen zu lassen, dass neben ihm ein weiterer christlicher Künstler sitzt. Als er mir also zuflüsterte „Wie kann ich dir jemals für diesen wunderbaren Abend danken?“ sagte ich: „Michael, nicht ich habe dies zusammengestellt, Gott hat es getan!“ Er sagte: „O ja, das glaube ich aus ganzem Herzen.“

Ich erzählte ihm, dass ich Christ sei und er sagte, das sei er auch. Wir sprachen über den ersten christlichen Song, den wir beide als Kind gehört hatten: „Jesus loves me, this I know, for the Bible tells me so. Little ones to him belong, they are weak but he is strong.” (Jesus liebt mich, das weiß ich, denn die Bibel sagt mir das. Die Kleinen gehören zu ihm, denn sie sind schwach, aber er ist stark.) Während um uns herum die Dinner Party geräuschvoll weiter ging, steckten wir still die Köpfe zusammen, sangen den Song und lächelten dabei wie Chorknaben. „Yes, Jesus loves me. Yes, Jesus loves me.“ Dann umarmten wir uns kurz.

Ich wusste in diesem Moment, dass dieses junge Genie mit der süßen Seele seinen ewigen Frieden im Himmel finden würde. Ich fand Michael gar nicht verrückt, derangiert oder sonst irgendetwas, das man über ihn hörte. Ich möchte sagen, dass ich spüre, dass all die Anklagen, die jemals gegen ihn erhoben wurden, falsch waren und dass er meinem Urteilsvermögen nach nicht die Fähigkeit hatte, mit Kindern jemals etwas anderes zu tun als sie aufrichtig zu lieben und sie wissen zu lassen, dass er alles tun würde, um für sie aufzustehen und ihnen zu helfen. Man muss sich nur sein großartiges Werk für sie ansehen, indem er „We are the World“ mitproduzierte und die 39 großzügig bedachten Wohltätigkeitseinrichtungen für Kinder. Das war Michael. Ich glaube, dass er sein Schicksal während seines Prozesses mit dem Leiden Christi in Zusammenhang brachte und um dessen Einschreiten betete, denn er war wegen etwas angeklagt, was ihm am meisten am Herzen lag – die Kinder. Dies verursachte wahrscheinlich größeren Schmerz als sonst irgendetwas in seinem Leben.

Ich weiß, Michael liebte Jesus von ganzem Herzen. Quincy hatte mir darüber erzählt, dass er seinen Glauben mit anderen teilte, oft indem er von Tür zu Tür ging, denn er war als gläubiger Zeuge Jehovahs aufgewachsen. Später in seinem Leben erzählte er den Leuten, er wäre nichtkonfessioneller Christ. Erst kürzlich machten Berichte die Runde, er wäre zum Islam konvertiert. Aber der Michael, den ich kannte, hatte ernsthaft erwogen, die Musik aufzugeben, um sein Leben mit christlichem Wirken zu verbringen.

Wenn es irgendetwas geben kann, das mir in diesem Moment des Verlustes Frieden bringt, dann ist es das Wissen, dass einer der größten Künstler unserer Zeit genau in diesem Moment mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht entlang der golden gepflasterten Himmelswege, wo Straßen keine Namen haben, moonwalked und ein Orchester bestehend aus Engeln ihn zuhause empfängt.

Michael, mein Freund, ruhe in himmlischem Frieden.

 

David Pack ist ein grammy-gekrönter Musiker, Produzent und musikalischer Direktor. Als Mitglied der Saddleback Church arbeitet er mit Rick Warren an speziellen Projekten, einschließlich dem PEACE Plan und den AIDS & Worship Conferences. Besucht seine Website: http://www.davidpack.com

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„Die Truman Show“ für Michael Jackson und sein Publikum

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Original: https://vindicatemj.wordpress.com/2011/01/16/the-truman-show-for-michael-jackson-will-they-notice-that-everyone-is-acting-their-part/comment-page-1/

Jemand hat uns gefragt, ob wir Zugriff auf exklusive oder nicht veröffentlichte FBI Akten haben. Ich habe geantwortet, dass wir das nicht haben. Die besondere Eigenschaft dieser Seite ist, dass wir keine exklusiven Quellen nutzen. All unsere Quellen sind für jeden völlig frei zugänglich, um angesehen und analysiert zu werden. Das einzige, was man dafür braucht ist der Drang, wirklich hinzusehen und sie zu erforschen.

Es ist ein absolutes Wunder, all diese Möglichkeiten zugänglich und frei verfügbar zu haben, um zu recherchieren. Eine eigene kleine Untersuchung unter solchen Umständen vorzunehmen, ist ein schierer Nervenkitzel. Wozu liest man erfundene Detektivgeschichten, wenn man die Chance hat, nicht nur darüber zu lesen, sondern sich tatsächlich an einer echten Ermittlung zu beteiligen, in der all die Mysterien um Michael Jackson enträtselt werden?

Zu Beginn griff ich jede neue Informationsquelle über Michael Jackson mit etwas Angst auf – was, wenn ich Fakten finde, die ihn belasten? Obwohl jeder Versuch, diese tiefen Gewässer zu betreten, erforderte, alle Kraft zusammenzunehmen, war der Drang, die Wahrheit zu erfahren, viel größer und die Erkenntnis, dass dies der einzige Weg war, die Wahrheit zu erfahren, siegte schließlich.

Je mehr ich mir ansah, desto überraschter war ich allerdings zu sehen, dass all diese schäbigen Storys bloß Sandburgen oder Spekulationen waren, die von nichts realem bestätigt wurden. Das Hauptziel war, Dich mit ein paar „knalligen“, entsetzlichen Tatsachen zu schockieren, die dazu gedacht waren, Dich zu verwirren und Dich daran zu hindern, überhaupt zu versuchen, weiterzusuchen – wenn man allerdings den anfänglichen Widerwillen überwunden und hingesehen hast, wurde man damit belohnt, eine weitere ihrer Lügen aufzudecken und die unschuldige Wahrheit zu erfahren.

Als sich die Zuversicht weiter aufgebaut hat, kam ein Moment, in dem man realisiert, dass sogar die schlimmste Lüge, die auf den ersten Blick völlig unschlagbar aussah, eines Tages widerlegt werden würde – man musste nur geduldig sein, weiter forschen und sich niemals erlauben, an Michaels Unschuld zu zweifeln. Man ist auf der Suche nach der Wahrheit unterschiedliche Wege gegangen, hat dies und jenes versucht, hat das Ergebnis vieler Stunden Arbeit verworfen, ist zurück gegangen und hat alles neu begonnen und obwohl der Vorgang wirklich ermüdend war, war der Kick, endlich die Wahrheit gefunden zu haben, mit nichts zu vergleichen, was man jemals zuvor erlebt hat.

Mit so vielen Fakten über Michael Jacksons Unschuld zur Hand ist man verblüfft, dass manche Leute immer noch die scheußlichen Geschichten über ihn von Michaels Hassern glauben. All die Fakten, die man untersucht hat, erwiesen sich als nichts als plumpe Lügen – Deine Gegner beharren dennoch auf ihrem Hass gegenüber Michael, sie setzen sich über jegliche menschliche Logik hinweg und ignorieren zahlreiche Fakten über seine Unschuld. Deren Beharren auf all jenen Absurditäten war so groß, so unlogisch und so unerklärlich, dass man sich alleine darüber zu wundern begonnen hat…

Zu diesem Zeitpunkt ist mir der Film „Die Truman Show“ von 1998 eingefallen, in dem eine inszenierte TV Realität 24 Stunden am Tag an Milliarden Menschen auf der ganzen Welt ausgestrahlt wurde. Die spektakuläre Show drehte sich um einen Mann, der nicht wusste, dass er seit seiner Geburt vor dreißig Jahren die Hauptrolle spielte und dass alles um ihn herum künstlich war – seine Freunde, Verwandten und Kollegen waren Schauspieler, die den Anweisungen des genialen Schöpfers der Show folgten. Der Hauptdarsteller dachte, er würde wirklich sein Leben leben, wohingegen die Akteure sein Leben in Wirklichkeit nur benutzten, um Produkte zu bewerben, die sie in der Show konsumieren oder tragen.

Selbst bevor ich mich an diesen Film erinnerte, hatte ich das seltsame Gefühl, dass Michaels Leben in eine Art Show verwandelt wurde, in eine öffentliche Lektion oder zumindest in ein Spiel, das von jemandem arrangiert wurde, dem langweilig war und der die Rolle eines großen Entertainers anstrebte.

Die Quintessenz des Michael Jackson Spiels ist, dass die Organisatoren eine aufregende Mobbingkampagne gegen einen Mann arrangiert haben, die das Publikum erfreuen soll, es soll eine aktive Rolle darin übernehmen, es soll durch das Spiel verwirrt werden, die Lügen schlucken, die wiederholt von der Besetzung erzählt werden und es soll versuchen, das Rätsel der Story zu lösen. Es richtig zu verstehen wurde absichtlich schwer gemacht – der Großteil aller Argumente war auf deren Seite und er hatte nur seine einzelne Stimme, um für sich selbst auszusagen, aber trotz all ihrer Anstrengungen ließ Dich irgendetwas immer noch denken, dass sie Dir nicht die volle Wahrheit sagen.

Der Zweifel war da, weil kleine Teile der Wahrheit im Licht geblieben sind und jeder konnte sie sehen, wenn er das wollte. Das war der größte Trick des Spiels – nur Lügen über den Mann zu erzählen, lag nicht im besten Interesse der Produzenten, da es der Show die ganze Spannung entziehen würde – für jene Zuseher, die es wirklich wissen wollten, wurden also gelegentlich ein paar Hinweise hinterlassen und echte Fakten wurden über dem Gesamtbild verstreut. Das ganze Konzept des Spiels lag in der Frage, ob das Publikum aufmerksam sein und es letztendlich bemerken würde. Die Organisatoren schlossen womöglich Wetten untereinander ab – „Werden sie es bemerken? Ich wette, sie sind zu faul dafür…“

Der gottgleiche Christof überwacht Trumans Leben aus dem Mondstudio

Ja, Michael Jacksons Geschichte erinnert mich definitiv an „Die Truman Show“, wo der große Schöpfer, der die Show von keinem geringeren Ort als dem Mond überwacht, zu den Zusehern sinngemäß sagt „wenn er die Wahrheit erfahren möchte, wird er einen Weg finden“.

Nur war Jim Carreys Charakter in dem Film fiktional und er lebte ein ruhiges, stabiles und gemütliches Leben, bis er schließlich entkommen ist, doch Michael Jackson war ein echter Mensch, der den fürchterlichen Schmerz des grausamen Spiels, das mit ihm gespielt wurde, wirklich fühlen konnte.

Die Michael Jackson Reality-Show war qualvoll, skrupellos und tödlich für den Helden und ein großer, menschenunwürdiger Nervenkitzel für die Zuschauer. Und während dieses Spiels wussten weder der Hauptdarsteller noch die Zuseher, dass sie Teil davon waren, besonders da es niemals irgendjemand für nötig gehalten hat, ihnen die Regeln zu erklären.

Und die Regeln waren höchstwahrscheinlich sehr einfach – man musste nur aufmerksam sein und alles, was einem präsentiert wurde, mit Vorsicht genießen. Die Produzenten der Show erwarteten offenbar sogar solche Interaktionen mit ihrem Publikum, da sie sonst nicht all die Hinweise, Spuren und echten Dokumente frei herumliegen gelassen hätten. Mit solch einem sagenhaften Arrangement der Show ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie sich als schlampig herausstellen und so viele echte Fakten sichtbar für das Publikum zurücklassen würden.

Was für eine Schande, dass wir diesen Fakten vorher keine Aufmerksamkeit geschenkt haben und niemals Einspruch erhoben haben – der Mann könnte noch am Leben sein, wenn wir das getan hätten…

Jetzt, da Michael Jackson die Bühne verlassen hat, geht die Show mit den verbliebenen Akteuren immer noch weiter. Besteht die Chance, dass wir je feststellen werden, dass all das einfach nicht real war – und die Medien und die anderen Hauptakteure nur ihren Job machen?

Truman wurde sogar im Badezimmer von der Öffentlichkeit beobachtet

So, wie der Film beschrieben wird, könnte Michael Jackson ein Prototyp für den Film, dessen ursprüngliche Idee 1991 entstand, gewesen sein.

„Andrew Niccol vollendete im Mai 1991 ein einseitiges Filmkonzept unter dem Namen „The Malcolm Show“. Der Originalentwurf hatte eher die Note eines Science Fiction Thrillers, dessen Story in New York City platziert wurde. Niccol sagte „Ich denke, jeder stellt die Authentizität seines Lebens zu bestimmten Zeitpunkten in Frage. Das ist, wie wenn Kinder fragen, ob sie adoptiert wurden“…

Er ist der Star der Show – aber das weiß er nicht. Jim Carrey hinterließ sowohl bei den Kritikern, als auch beim Publikum einen tiefen Eindruck als ahnungsloser Truman Burbank in diesem Wunderwerk eines Films vom Regisseur Peter Weir über einen Mann, dessen Leben eine pausenlose TV Show ist. Truman erkennt nicht, dass seine idyllische Heimatstadt ein gigantisches Studio ist, das von einem visionären Produzent/Regisseur/Schöpfer (Ed Harris) betrieben wird, dass die Leute, die dort leben und arbeiten, Hollywood Schauspieler sind, dass sogar seine ständig quirlige Frau eine Vertragsschauspielerin ist. Allmählich versteht Truman. Und was er aus seiner Entdeckung macht, wird sie zum Lachen, Weinen und Jubeln bringen, wie es nur wenige Filmstorys jemals getan haben.

Trumans Frau bewirbt Produkte, als die Einschaltquoten steigen

Seine heile Heimatstadt Seahaven ist in Wirklichkeit ein gewaltiges Filmstudio, das mit 5000 versteckten Kameras ausgestattet ist. Seine Freunde, Nachbarn, sogar seine toxisch gutgelaunte Frau (Laura Linney) sind alle Schauspieler, genauso authentisch wie Naugahyde [eine amerikanische Kunstledermarke; Anm.d.Übers.]. Aber Truman muss das erst herausfinden, weil das die einzige Welt ist, die er je gesehen hat. Er ist im Fernsehen aufgewachsen.

In gewisser Hinsicht könnte das auch über den Rest von uns gesagt werden, was exakt der Punkt dieser ermahnenden Fabel ist, bei der Peter Weir hervorragend Regie geführt hat und die von Andrew Niccol geschrieben wurde.“

Über die Handlung der „Truman Show“

Der Film steigt am Tag 10.909 von Trumans Leben ein. Er beginnt im Stil einer Fernsehsendung, mit Vorspann und Interviews mit drei Hauptcharakteren; Christof (der Schöpfer des Programms), Merly (Truman Burbanks Frau) und Marlon (Trumans bestem Freund). Im Verlauf des Films werden Aufnahmen von Truman mit Szenen von Leuten aus der realen Welt gespickt, die den Truman Channel anschauen.

Seine Freunde und Familie fokussieren sich auf ihre Bemühungen, seine wachsende Unruhe und seine Fragen über sein Leben zu kontrollieren. Truman beginnt, Ereignisse zusammenzufügen, die ihm in zunehmendem Maße erkennen lassen, dass es irgendeine Art Komplott gibt, das sein ganzes Leben umfasst, obwohl er nicht in Worten ausdrücken kann, was es genau ist. Er beginnt zu vermuten, dass „alle daran beteiligt sind“.

Er entdeckt, dass seine Frau auf einem Hochzeitsfoto die Finger kreuzt und bemerkt, dass sie ständig mit tollen neuen Gegenständen auftaucht. Nach einem Streit und einem Gerangel verkündet sie schluchzend, dass sie „unter diesen Umständen nicht arbeiten kann, das ist nicht professionell!“ und verläßt ihn (und die Show).

Sein bester Freund Marlon

Sein Freund Marlon, der von dem Produzenten durch ein Headset gecoacht wird, beharrt auf seiner Loyalität und Ehrlichkeit, indem er behauptet, „Du bist wie ein Bruder für mich“ und, ironischerweise, „das letzte, das ich jemals tun würde, ist Dich zu belügen“. Dann bringt er Trumans „Vater“ in einer bewegenden Wiedereinführungsszene zurück.

Ein Fernsehinterview mit Christof, dem Produzent der Show, offenbart, dass Truman bei der Geburt von der Fernsehgesellschaft adoptiert wurde und auf einer konstruierten Bühne aufgezogen wurde, die als die vollständige Stadt erbaut wurde, in der er lebt. Er verrät, dass jeder, dem Truman begegnet – Freunde, Familie, Bekannnte und umstehende Personen – in Wahrheit Schauspieler sind, die von den Produzenten der Truman Show angestellt wurden. Christof bestätigt, dass er Trumans gesamtes Leben inszeniert hat.

Obwohl ihn seine Frau verläßt, hat er immer noch vor, ihn mit einer neuen Liebe zum Vater eines Babys zu machen; „die erste Empfängnis auf Sendung“. Auf diese Weise kann das Programm auf einen zweiten Kanal expandieren. Widerlicherweise würde das einen weiteren Gefangenen in Christofs Welt erschaffen.

Er sagt, dass der Grund, warum Truman die Wahrheit nie herausgefunden hat, einfach ist: „Wir akzeptieren die Welt, die uns präsentiert wird.“

Er erklärt auf arrogante Art, dass Truman die Wahrheit einfach nicht herausfinden will; dass er seine „Gefängniszelle“ bevorzugt und sie niemals verlassen wird. Wie um das zu beweisen, wird wieder zum Programm zurückgeschalten und Truman scheint zur Normalität zurückgefunden zu haben.

Doch während Truman vorgibt zu schlafen, schleicht er sich von seinem Zuhause weg und geht trotz seiner Angst vor dem offenen Meer segeln, um Seahaven zu entkommen. Alle Darsteller werden für eine Notfallsuche zusammengerufen, um Truman zu finden und um die Suche zu erleichtern, befielt Christof, die Sonne drei Stunden früher aufgehen zu lassen, um das Set zu beleuchten. Sie entdecken Truman, der in einem Boot entkommt.

„Du kannst ihn nicht live im Fernsehen umbringen“

Christof erzeugt einen riesigen Sturm, um ihn zur Umkehr zu zwingen. Manche seiner Mitarbeiter protestieren, dass sie Truman nicht live im Fernsehen umbringen können, aber Christof, der überzeugt ist, die volle Kontrolle über Truman zu haben, sagt „er wurde live im Fernsehen geboren.“

Truman überlebt den Sturm allerdings und segelt weiter, bis er gegen eine Wand fährt, die wie der Himmel bemahlt ist, die Grenze des Showsets. Truman folgt der Wand, bis er eine Tür mit der Aufschrift „Ausgang“ entdeckt. Er öffnet die Tür, doch bevor er geht, spricht Christof mit ihm über einen Lautsprecher in einem letzten Versuch, ihn zum Bleiben zu bringen. Er zeigt ein gottähnliches Mitgefühl für Truman und sagt ihm, dass er ihn sein ganzes Leben beobachtet hat, „Es gibt da draußen nicht mehr Wahrheit als in der Welt, die ich für Dich erschaffen habe“, sagt Christof.

Nachdem Christof geendet hat, sagt Truman seine berühmten Worte „Und falls wir uns nicht mehr sehen sollten… guten Tag, guten Abend und gute Nacht!“, verbeugt sich und geht durch die Tür.

Am 29. April 2011 aktualisiert

Zu meiner totalen Verblüffung war meine Vermutung, dass der Film „Die Truman Show“ auf Michael Jacksons Leben basiert, absolut korrekt!

Ich habe ein paar Artikel gefunden, die den Regisseur des Films mit der Aussage zitieren, dass Michael Jackson ein Prototyp für Truman war. Beide wurden von der Unterhaltungsindustrie wie Objekte behandelt – aber das ist nicht die einzige Verbindung…

Ich habe diese Entdeckung gemacht, als ich spanische Posts auf mjhideout.com gelesen habe. Hier ist ein von Google aus dem Spanischen übersetzter Artikel und obwohl die Übersetzung miserabel ist, hoffe ich, dass die Quintessenz immer noch klar ist:

Ein Interview mit dem Hollywood Regisseur Peter Weir offenbarte, dass der Film „Die Truman Show“ von 1998 mit Jim Carrey in der Hauptrolle auf dem Leben des King of Pop basiert.

„Mit „Der Truman Show“ und „Simone“ wollte ich dem Publikum eine Nachricht hinterlassen. Wenn man sich „Die Truman Show“ ansieht – und ich möchte sagen, dass Jim Carrey einen fantastischen Job gemacht hat – Michael Jackson ist Truman. Er ist der Mensch, auf den ich mich bezogen habe und der Truman am nächsten kommt. Er verkörpert den Hohn der Promi-Kultur. Es braucht keine Schattenseiten, das ist eine Beleidigung dieser Person.

Die Verbindung zwischen Michael und Truman ist einfach – beide haben ein Herz und wurden von den Leuten in der Unterhaltungsindustrie wie Objekte behandelt. Und das ist nicht die einzige Verbindung.“

„Lassen Sie es mich erklären. Es gibt eine Szene in „Simone“, in der es mehr Schlagzeilen über die Oscar-Nominierungen gibt als über den Krieg in Nahost und einen Bombenanschlag auf eine Schule. Das wird in der heutigen Gesellschaft als völlig akzeptabel betrachtet. Bewerten wir die meisten Leute in der Welt des Entertainments wirklich höher als das Leben anderer Menschen? Ich finde das absurd und deshalb habe ich entschieden, mich mit diesem Thema zu befassen.“

http://mjhideout.com/forum/showthread.php?t=14802

Die Medien haben gezeigt, wie man hervorragend live im Fernsehen tötet.

Das gleiche Interview wird von popdirt.com erwähnt:

Peter Weir enthüllt in einem Interview, dass der Film „Die Truman Show“ von 1998 auf Michael Jackson basiert.

„Man sieht sich „Die Truman Show“ an – und ich möchte sagen, dass Jim Carrey einen fantastischen Job gemacht hat – Michael Jackson ist Truman. Er ist es, auf den ich mich bezogen habe und der Truman am nächsten kommt.“

Weir sagt auch, dass der Film „Simone“ auf Michael basiert. „Und Michael Jackson, er ist auch der echte Victor in „Simone“. Er hatte ein Talent und alles, was er wollte, war, es zu teilen und den Leuten Freude und Eskapismus durch Unterhaltung zu bringen. Und die Leute drehen es herum, ihnen geht es mehr um die Einzelperson als um das Werk. Es sind die Filme, die Musik – darum geht es… Die Leute verlieren das aus den Augen und bei den Medien geht es nur um Prominente.“ http://popdirt.com/the-truman-show-based-on-michael-jackson/9310/

Truman hat es geschafft, der Show zu entkommen. Michael lebte bis zu seinem letzten Tag darin

Ich habe auch herausgefunden, dass das ursprüngliche Drehbuch in einer Tragödie geendet hat, für den gegenwärtigen Film wurde es allerdings in ein Happy End umgeschrieben.

Wenn man bedenkt, dass der verleumdete, schikanierte und zu Tode geprügelte Michael Jackson mit nur 50 Jahren verstorben ist, stellt sich heraus, dass die ursprüngliche Variante des Drehbuchs viel näher an der Realität war.

Etwas anderes, das ich herausgefunden habe, ist, dass der Produzent der „Truman Show“ Richard Luke Rothschild, oder einer der Familie, ist. Könnte er uns einen Hinweis gegeben haben, welche Spiele die Mächtigen spielen und wie sie sich in einem großen und wahrlich kosmischen Maßstab amysieren?

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Und das sagt die Öffentlichkeit über den Film (sie wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Michael Jackson der Prototyp ist):

„Ein Satz, der in dem Film meine Aufmerksamkeit erregt hat, war Meryls Bemerkung, dass Truman eigentlich wieder ein Teenager werden möchte. Ironischerweise scheint Truman diese geistige Reife in seinem Leben trotz seines körperlichen Wachstums nicht erreicht zu haben. Im Grunde ist er ein Mann-Kind. Auf gewisse Weise kann ich seine Sehnsucht, seiner begrenzten Umgebung zu entkommen und wahre Freiheit zu suchen, nachvollziehen. Ich habe diese Sehnsüchte verspürt, als ich ein Teenager war.“

Jeder Aspekt von Trumans Welt ist eine durchorganisierte Fälschung, von den gezielt platzierten Produkten bis zu seiner Familie und seinen Freunden. Doch die wichtigste Person in Trumans Leben ist jemand, dem er nie begegnet ist. Christof, der Schöpfer der Truman Show, kontrolliert die Leute, Ereignisse und sogar das Wetter in Trumans Welt. Christof ist wohl der Charakter, der das stärkste Gefühl der Unheimlichkeit in dem Film hervorruft, hauptsächlich wegen der großen Macht, die er hat.

Christofs Rolle könnte in diesem Film gewissermaßen als die Rolle Gottes betrachtet werden. In diesem Sinne wird Christof für seine Rolle in dieser Welt sowohl geliebt, als auch gefürchtet. Alle befolgen jeden seiner Wünsche und folgen dem Plan, den er für sie gestaltet hat. Er entscheidet sogar, was die Leute zu Truman sagen. Die Darsteller sehen ihn natürlich nicht als einen Gott, aber es ist eine interessante Parallele. Am Ende des Films, dem ersten Mal, dass Truman mit seinem „Schöpfer“ spricht, erinnert die Unterhaltung an eine Begegnung aus der Bibel, wo Gott aus dem Himmel spricht. Man kann sich nur vorstellen, was Truman in solch einer Situation fühlt, da er gerade erst das Ende der Welt erreicht hat und jetzt von einer unsichtbaren mächtigen Stimme von oben angesprochen wird.

Die Figuren außerhalb Trumans Welt haben Auswirkungen auf mehreren Bedeutungsebenen, um ihre Existenz zugleich behaglich und unbehaglich zu machen. Es sind Leute, die Fans der Truman Show sind; sie beobachten Truman und die Darsteller in seinem Leben. Gleichzeitig nehmen wir sie als Darsteller wahr, die Leute spielen, die Darsteller betrachten, die Leute in einer Fernsehshow spielen. Darüber hinaus nehmen wir sie als Charaktere wahr, denen wir zusehen: wir sind Leute, die Darstellern zusehen, die Leute spielen, die anderen Darstellern zusehen, die Leute in Trumans Welt spielen, in der sie die Handlung für ihn aufrechterhalten.

Es ist dieses sich ausweitende Verständnis, das uns unbehaglich fühlen lässt, als es uns in die Matrix der Beobachtung hineinzieht. Als wir unser Bewusstsein darüber, wer wen beobachtet und wer für wen spielt, erweitern, wird uns die Anspielung des Films auf unsere Beziehung zu dem Inhalt und den Leuten, die wir im Fernsehen, Film und am Computer beobachten, bewusst. Gleichzeitig sind die Charaktere, die wir die Truman Show anschauen sehen, höchst liebenswert, weil man sich leicht mit ihnen identifizieren kann, da sie die Jedermanns dieser Welt repräsentieren, eine Gruppe, der wir angehören.

Unsere Empathie für sie ist an die Fähigkeit dieser außerhalb befindlichen Charaktere gekoppelt, für uns die aufrichtige Authenzität in dem Film, der selbst so auf der Veränderlichkeit der Realität fokusiert ist, zu repräsentieren. „Wir akzeptieren die Realität, die uns gegeben wird“ sagt Christof, als er erklärt, warum Truman seine konstruierte Realität nicht früher angezweifelt hat.

1998 war „Reality TV“ noch keine Realität. Fernsehen wurde noch von den guten alten Sitcoms wie Boy Meets World, Dawson’s Creek und Friends beherrscht. Nach 2007 haben wir Survivor, The Bachelor, Big Brother, American Idol, The Apprentice usw. miterlebt. In den echten Emotionen, Geheimnissen, Unsicherheiten und Leben gewöhnlicher Leute zu schnüffeln wurde eine beunruhigende und zugleich akzeptable Realität. Was diese Shows allerdings gemein haben, ist die Bereitwilligkeit der „Nullen“, „Reality TV“ bewusst und wissend zu gestatten, ihr Leben an Millionen auszustrahlen.

Mit welchem Recht nehmen sich die Medien ein Baby und verwandeln sein Leben in eine Farce?

Was bei der Truman Show anders ist, ist, dass der in die Show geborene Star keine Ahnung hat, dass er ein fiktionales Leben lebt, das rund um die Uhr von millionen Fremden beobachtet wird, und der frappierendste Fakt ist, dass die Welt erlaubt hat, den Medien ein Baby zu überlassen. Truman, „das erste legal von einer Fernsehshow adoptierte Kind“, manipuliert und inhaftiert ein unschuldiges Leben für die Unterhaltung anderer. Mit welchem Recht nehmen sich die Medien ein Baby und verwandeln sein Leben in eine Farce?

Die niederträchtige Umkehrung tritt ein, als der Sendervorstand warnt „Um Gottes Willen, Chris! Die ganze Welt sieht zu. Wir können ihn nicht vor einem Livepublikum sterben lassen!“ Worauf Christof antwortet „Er wurde vor einem Livepublikum geboren.“ Diese plötzliche Verwandlung des Schöpfers in den Zerstörer zeigt die verstörend vollständige Kontrolle, die die Medien über Trumans Leben haben. Seine ungewollte und nichts ahnende Geburt in eine Fernsehshow hinein war einfach nur eine Frage des zur ersten Folge passenden Geburtstermins.

„Die Nähe des Films zur heutigen Realität erzeugt die gleiche Beunruhigung, die durch Uncanny Valley [„Unheimliches Tal“ – bezeichnet einen empirisch messbaren, paradox erscheinenden Effekt in der Akzeptanz von dargebotenen künstlichen Figuren auf die Zuschauer, Anm.d.Übers.] hervorgerufen wird. Unsere Gesellschaft hat bereits verdrehte Leute aus Kinderberühmtheiten geschaffen, die im Entertainmentbusiness groß geworden sind (Michael Jackson zum Beispiel), aber niemals in dem Ausmaß, unwissentlich und literarisch für die Medien geboren worden zu sein… aber vielleicht ist das nur eine Frage der Zeit.“

Nein, es ist keine Frage der Zeit. Die größte Realityshow der Welt hat bereits stattgefunden und wurde fast 50 Jahre von Michael Jacksons Leben ausgestrahlt.

Außerdem geht sie immer noch weiter.

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Aus dem Kommentarbereich des Originalposts: Michaels Leben – eine Truman Show (untermalt mit Musik aus dem Film “Edward mit den Scherenhänden” – Michael war Tim Burtons erste Wahl für die Besetzung)