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Das Chandler-Settlement / Der Chandler-Vergleich

by on 17. March 2015

English: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/the-settlement/

Eine häufig gestellte Frage bezüglich der Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson ist folgende:

„Warum hat er einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen, wenn er unschuldig war?“

Um die möglichen Gründe verstehen zu können, müssen wir die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen, die dem Vergleich vorausgingen und diesen umgaben.

Michael Jackson und sein Ankläger Jordan Chandler schlossen am 25. Jänner 1994 einen außergerichtlichen Vergleich. Der Vergleich gelangte 2003 illegaler Weise an Diane Dimond von Court TV. Somit wissen wir, dass $15.331.250 [1, Seite 5] in einen Trust für Jordan Chandler gezahlt wurden. (Anmerkung: Entweder Dimond oder die Person, die ihr das Dokument zuspielte, ließ die Absätze nach dem dritten Paragraph unter den Tisch fallen. Es ist nicht bekannt, wer das vertrauliche Dokument an Dimond weiterleitete, allerdings wird Dimond in Ray Chandlers Buch „All That Glitters“ an einer Stelle als Evan Chandlers engste Verbündete bezeichnet [3, Seite 194]).

Wie man sehen kann, wird in dem Dokument betont, dass es keineswegs ein Schuldeingeständnis von Michael Jackson ist. Auf Seite 4 ist folgendes festgelegt:

„Dieser vertrauliche Vergleich soll nicht als Schuldeingeständnis von Michael Jackson betrachtet werden, dass er sich gegenüber dem Minderjährigen [geschwärzt] oder [geschwärzt] oder irgendeiner anderen Person unrechtmäßig verhielt, oder dass die Minderjährigen [geschwärzt] oder [geschwärzt] irgendwelche Rechte gegen Jackson haben. Jackson streitet ausdrücklich jede Schuld ab und bestreitet jede unrechtmäßige Handlung gegen die Minderjährigen [geschwärzt] oder [geschwärzt] oder jede andere Person. Die Vertragspartner erkennen an, dass Jackson eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist und dass sein Name, Image und Bildnis einen Marktwert besitzen und wichtige Elemente seiner Erwerbsfähigkeit sind. Die Vertragspartner erkennen an, dass Jackson geltend macht, dass er die Forderungen der Klage in Anbetracht der Auswirkungen der Klage, die diese auf sein Einkommen hatte und potenziell in Zukunft haben kann, begleicht.“ [1, Seite 4]

Einer der Mythen bezüglich des Vergleichs ist, dass „Michael Jackson sich von einer strafrechtlichen Anklage freikaufte“. Tatsache ist jedoch, dass der Vergleich die Zivilverfahren beilegte, nicht die Strafprozesse. Tatsächlichverhindert das amerikanische Recht, einen Strafprozess beizulegen. Das Strafverfahren wurde nach dem Vergleich fortgesetzt und die Chandlers wurden durch den Vergleich nicht davon abgehalten, bei Gericht gegen Jackson auszusagen. Gil Garcetti, Staatsanwalt aus Los Angeles, sagte gleich nach dem Chandler-Vergleich im Jänner 1994:

„Das Ermittlungsverfahren gegen den Sänger Michael Jackson läuft weiter und wird nicht von der Bekanntgabe der Beilegung desZivilverfahrens beeinträchtigt.“ … „Die Staatsanwaltschaft nimmt Mr. [Larry] Feldman [Anwalt der Chandlers] beim Wort, dass es dem mutmaßliche Opfer ermöglicht wird, auszusagen und dass es keine Vereinbarung in der zivilrechtlichen Angelegenheit gibt, die sich auf die Kooperation in der strafrechtlichen Ermittlung auswirkt.“ [9]

Die Chandlers hätten das Geld aus dem Vergleich nehmen UND in einem Strafprozess gegen Michael Jackson aussagen können. Sie haben sich schließlich dazu entschieden, dies nicht zu tun – allerdings nicht, weil es ihnen durch den Vergleich untersagt war. Sie hätten es tun können, jedoch waren sie, nachdem sie das Geld aus dem Vergleicherhalten hatten (was von Anfang an deren Ziel war, wie wir im Folgenden zeigen werden), nicht gewillt, mit den ermittelnden Behörden des Strafverfahrens zu kooperieren und nicht bereit, vor Gericht auszusagen. Die Strafsache wurde im Februar/April 1994 vor zwei Grand Jurys (einer in Los Angeles und einer in Santa Barbara) einberufen. Nach sieben Monaten Ermittlungen, mehreren Hausdurchsuchungen, Befragungen duzender Kinder und anderen Zeugen, Polizeibeamten, die auf der ganzen Welt belastende Zeugen und Beweise suchten und einer Leibesvisitation an Michael Jackson haben beide Grand Jurys entschieden, dass sie nicht ausreichend Beweise gesehen haben, um Jackson anzuklagen. Die Staatsanwaltschaft behauptete, sie hätten nicht wirklich eine Anklage angestrebt und dass sie nur „ermittelnde Grand Jurys“ seien. Tatsache bleibt jedoch, dass zwei Grand Jurys festgestellt haben, dass die Staatsanwaltschaft während ihrer Ermittlungen nicht ausreichend belastenden Beweise finden konnte, die eine Anklage rechtfertigten.

Ein Strafverfahren war niemals Priorität der Chandlers. Weniger als einen Monat nachdem der Psychiater Dr. Mathis Abrams Jordan Chandlers Behauptungen am 17. August 1993 den Behörden meldete – was automatisch strafrechtliche Ermittlungen in Gang setzt – haben die Chandlers eine Zivilklage gegen Jackson eingereicht, in der sie ihm sexuelle Tätlichkeiten, Körperverletzung, Verführung, vorsätzliches Missverhalten, vorsätzliche Zufügung emotionaler Belastung, Betrug und Fahrlässigkeit vorwarfen. Sie verlangten 30 Millionen Dollar Abfindung. (Bevor sie Jordan zu Dr. Abrams brachten, haben die Chandlers bereits 20 Millionen Dollar gefordert, was Jackson verweigerte. Details siehe Die finanziellen Forderungen der Chandlers

Normalerweise werden Zivilklagen eingebracht, nachdem ein Strafverfahren abgeschlossen und der Gerechtigkeit Genüge getan wurde. Man würde selbstverständlich von Eltern eines missbrauchten Kindes erwarten, nach Gerechtigkeit zu streben und nicht nach Geld. Nur ein Strafprozess kann eine Haftstrafe für den Täter bewirken. Am Ende eines Zivilprozesses ist die einzig verfügbare Entschädigung finanzieller Natur.

Darüber hinaus enthüllte der Onkel des Anklägers, Ray Chandler, in seinem Buch „All That Glitters“, dass die Chandlers von Anfang einen „höchst profitablen Vergleich“ anstrebten. Sie reichten ihre Zivilklage mit dem Vergleich in Hinterkopf ein. Ray Chandler beschreibt ein Treffen zwischen der Mutter des Jungen, June Chandler, ihrem damaligen Ehemann David Schwartz und dem leiblichen Vater Evan Chandler im Büro des Zivilrechtsanwalts Larry Feldman am 8. September 1993 wie folgt:

„Am Ende des Treffens hatten June und Dave – wie bereits Evan vor ihnen – keine Einwände dagegen, Gloria Allred durch Larry Feldman zu ersetzen. Zur Wahl stand, entweder eine radikale Medienkampagne zu führen, um den DA [district attorney – Bezirksstaatsanwalt] dazu zu bringen, eine Anklage vor einer Grand Jury zu erwirken, oder durch raffinierte Verhandlungen hinter den Kulissen einen schnellen, stillen und höchst profitablen Vergleich anzustreben“ [3; Seite 168]

Noch einmal: Die geschah, bevor sie ihre Zivilklage einreichten, was Larry Feldman ein paar Tage später tat – wie wir jetzt wissen, mit einem Vergleich im Hinterkopf. Laut Ray Chandlers Buch und anderen Quellen (wie z.B. Mary A. Fischers Artikel „Was Michael Jackson Framed?“, GQ, Oktober 1994), hatten Evan Chandler und David Schwartz während dieses Treffens in Wirklichkeit eine körperliche Auseinandersetzung über den geforderten Geldbetrag. Die Chandlers begründeten ihr Streben nach einem Vergleich – und nicht nach einem Prozess – damit, dass sie das Trauma eines aufsehenerregenden Prozesses vermeiden wollten. Wir werden diese Behauptung später in diesem Artikel erneut ansprechen.

Mary Fischer Cover Was Michael Jackson Framed

Mary A. Fischer: Was Michael Jackson Framed?

Es ist sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Chandlers von Anfang an einen Vergleich forderten und Michael Jackson den Vergleich nicht anbot! In Wahrheit verlangte Evan Chandler seit Anfang August 1993 Geld von dem Star, was Michael Jackson ablehnte. Daraus resultierten die öffentlichen Unterstellungen der Chandlers. Hätte Jackson die Ankläger „zum Schweigen bringen“ wollen, hätte er sie auszahlen können, bevor sich diese an die Behörden und die Öffentlichkeit wandten. Details siehe: Die finanziellen Forderungen der Chandlers

Zwischen September 1993 und Jänner 1994 bestand Uneinigkeit zwischen Jacksons Anwälten und Larry Feldman, dem Zivilrechtsanwalt der Chandlers, welches Verfahren dem anderen vorausgehen sollte. Jacksons Anwälte wollten den Strafprozess vor dem Zivilverfahren abhandeln, was sie allerdings nicht durchsetzen konnten. Grundsätzlich führte dies zu dem Vergleich.

2005 behauptete Jordans Onkel Ray Chandler in einem Artikel, den er für seine nun gelöschte Webseite (atgbook.net) schrieb, dass Jacksons Anwälte die Zivilklage um sechs Jahre verschieben wollten, bis die Verjährungsfrist für Kindesmissbrauch abgelaufen war. Das war alles, was er sagte. Damit vermittelte er den Eindruck, Jacksons Seite wollte einfach nur den Prozess verhindern. Das war allerdings eine irreführende Halbwahrheit. In Wahrheit versuchten Jacksons Anwälte, das Zivilverfahren aufzuschieben, damit der Strafprozess vor dem Zivilverfahren ausgetragen werden konnte. Sie wollten den Strafprozess nicht verhindern, sondern in Wirklichkeit vor dem Zivilverfahren austragen.

Wenn das Zivilverfahren vor dem Strafprozess ausgetragen wird, hat die Staatsanwaltschaft im Strafprozess einen großen Vorteil, weil sie dann die Möglichkeit hat, die Verteidigungsstrategie im Zivilverfahren zu beobachten. Dadurch können sie ihre Anklage und Strategie anpassen. Darüber hinaus hat ein Angeklagter in einem Zivilverfahren nicht das Recht, ohne Konsequenzen die Aussage zu verweigern – im Gegensatz zum Strafprozess, wo der Angeklagte verfassungsgemäß seine Aussage ohne Konsequenzen verweigern kann. Die Staatsanwaltschaft kann die Aussage vom Zivilverfahren für den Strafprozess nutzen und ihre Anklage anpassen.

Zusätzlich wird in einem Zivilverfahren die Beweispflicht – oder die Regelung für die Zulässigkeit von Beweisen, die lediglich auf Hörensagen beruhen – lockerer gehandhabt als in einem Strafprozess. Jacksons Anwälten war sicherlich bewusst, dass ein Zivilverfahren für den Angeklagten risikoreicher ist als ein Strafprozess – selbst wenn der Angeklagte unschuldig ist. Und sie wussten, dass es die Jury in einem folgenden Strafprozess beeinflussen würde, wenn Jackson das Zivilverfahren verloren hätte.

Es gibt viele Präzedenzfälle, in denen Zivilverfahren eingefroren wurden, um zuerst die Strafprozesse abhalten zu können, damit das Recht des Angeklagten auf einen fairen Prozess gewahrt werden konnte und verhindert wurde, dass gegen dieses Recht verstoßen wird. So lautet es in einem Präzedenzfall:

„Wenn sowohl Strafprozess als auch Zivilverfahren aus denselben oder zusammengehörigen Vorgängen entspringen, ist der Angeklagte anspruchsberechtigt auf Aussetzung der Ermittlung und Verhandlung der Zivilklage, bis der Strafprozess vollständig aufgeklärt ist.“ [2; Seite 116-117]

Im Hinblick auf den Fall gegen Michael Jackson wurden diese Bestrebungen der Anwälte Jacksons, das Zivilverfahren auszusetzen, allerdings vom Richter des Kreisgerichts, David M. Rothman, abgewiesen. Anscheinend war Chandlers Trumpf Jordans Alter. Folgendes schrieb Geraldine Hughes (Rechtsanwaltssekretärin von Barry Rothman – dem Anwalt, der die Chandlers vor Larry Feldman vertrat) in ihrem Buch „Redemption“:

„Michael Jackson verlor alle vier Anträge. Es war aus juristischer Sicht offensichtlich, dass sich die Waage der Gerechtigkeit nicht zu Michael Jacksons Gunst neigte. Stattdessen bewegte sie sich erheblich zu Gunsten des 13 jährigen Jungens. Michael Jacksons Anwälte bezogen sich auf Gesetze in Präzedenzfällen, welche in ähnlichen Fällen von sexueller Tätlichkeit angewendet wurden. Pacers Inc. gegen Kreisgericht hielt ausdrücklich fest, dass ein fehlendes Aussetzen des Zivilverfahrens während laufender strafrechtlicher Untersuchungen einen unzulässigen Übergriff auf die Grundrechte des Angeklagten bedeutet. Aber Mr. Feldmans Trumpf war, dass „sich das Gedächtnis eines Kindes entwickelt“ und das kindliche Unvermögen, sich „wie ein Erwachsener zu erinnern“. Dieses Gesetz wurde konzipiert, um die Fähigkeit eines kleinen Kindes zu beschützen, sich über ausgedehnte Zeitperioden erinnern zu können, nachdem es Opfer und/oder Zeuge eines Verbrechens wurde. Dieser Fall befasst sich allerdings mit einem 13 jährigen Jungen, der bald 14 Jahre alt wird.“ [2; Seite 124]

Michael Jackson Geraldine Hughes Cover Redemption

Geraldine Hughes: Redemption

Bezugnehmend auf diese Argumentation reichte Feldman einen Antrag auf Priorisierung des Zivilverfahrens ein. Das ist ein außerordentlicher Antrag, um die Verhandlung innerhalb von 120 Tagen nach Gewährung des Antrages anzusetzen“ [2; Seite 121]. In Hinblick darauf schreibt Hughes:

„Mr. Feldman reichte eine Erklärung von Dr. Evan Chandler als Untermauerung des Antrages auf Priorisierung der Verhandlung ein, welche eine Angabe enthielt: dass das Kind unter 14 Jahre alt war. Das war alles! Dr. Chandler gab in seiner Erklärung, die eine geschriebene Aussage unter Eid war, nichts anderes an. Ich habe in meiner gesamten juristischen Laufbahn niemals eine so kurze Erklärung bezüglich eines wichtigen Falles gesehen. Üblicherweise bezeugt jemand, der eine Erklärung abgibt, verschiedene Fakten, speziell in einem so bedeutenden Fall wie diesem. Sie erklären auch, dass die Fakten wahr und korrekt sind und bekunden ihre Bereitschaft, kompetent als Zeuge unter Androhung von Strafe bei Meineid auszusagen. Ist es möglich, dass die von Dr. Chandler angegebene Information die einzige Information war, die er unter Androhung von Strafe bei Meineid aussagen konnte?“ [2; Seite 122]

Unter extrem ungünstigen Bedingungen könnten sich Jackson und seine Anwälte in einer Position vorgefunden haben, in der sie gleichzeitig an zwei Fronten – einem Zivilverfahren und einem Strafprozess – für Jackson kämpfen und diesen verteidigen hätten müssen. Hinzukommt, dass sie sich innerhalb von 120 Tagen auf ein Zivilverfahren hätten vorbereiten müssen, während die Polizei alle persönlichen Unterlagen Jacksons für den Strafprozess beschlagnahmt hatte und sich weigerte, Kopien zur Verfügung zu stellen oder wenigstens eine Liste davon, was sie mitgenommen haben. Die Bezirksstaatsanwaltschaft missachtete Michael Jacksons Grundrechte mit dem Segen des Gerichts und das Gericht erwog erheblich zu Gunsten des 13 jährigen Jungens.“ [2; Seite 133]

Nachdem alle Anträge, das Zivilverfahren hinten an den Strafprozess anzureihen, abgelehnt wurden, stand das Jackson Team zwischen Baum und Borke. Der Beginn des Zivilverfahrens wurde für März 1994 festgesetzt und Jackson sollte Ende Jänner / Anfang Februar unter Eid aussagen.

Die schriftlichen Anträge der Chandlers beschuldigten Jackson und seine Anwälte, „Verzögerungstaktiken“ anzuwenden, aber sie wussten sehr genau, dass es bei diesen „Verzögerungstaktiken“ darum ging, den Strafprozess vor dem Zivilverfahren abzuhandeln. Ray Chandler zitiert in seinem Buch „All That Glitters“ eine Unterhaltung zwischen Jordan Chandlers Vater Evan Chandler und ihrem Zivilrechtsanwalt Larry Feldman, die beweist, dass sie diejenigen waren, die in Hinblick auf den Strafprozess Verzögerungstaktiken angewendet haben:

„Am späten Nachmittag, nachdem alle ihr Feiertagsmahl [Anm.: Thanksgiving, 25, November 1993] zu sich genommen hatten, rief Larry Feldman Evan an und übermittelte Nachrichten, für die alle dankbar sein konnten.

„Hey, Evan, das musst Du Dir anhören. Howard Weitzman degradierte Fields wieder. Sie wollen definitiv keine Aussage unter Eid von Dir oder June. Sie wollen nicht, dass etwas erhalten bleibt. Wenn sie einen Deal machen, wollen sie nichts über Jackson aufgezeichnet haben.“

„Kein Scheiß! Larry, diese Typen sind in einem richtigen Chaos.“

„Ja, die haben das unglaublich vermasselt. Was könnte besser sein? Aber ich gehe weiter. Wir werden es vorantreiben. So weit, bis ich nichts unversucht gelassen habe. Das einzige, was wir tun müssen, ist, das strafrechtliche hinter uns zu lassen. Ich möchte sie nicht vorangehen lassen.“ 

Larry sagte es bereits, aber Evans Hirn hat es bis jetzt nicht registriert. 

„Du meinst, wenn sie klagen, kommt der Strafprozess automatisch vor uns?“ 

„Ja.“ 

„Jesus Christus!“ 

„Richtig, das wollen wir nicht.“ [3; Seite 201-202]

Es muss wiederholt werden, dass nur ein Strafprozess einen Angeklagten ins Gefängnis bringen kann, ein Zivilverfahren kann nur in finanzieller Abgeltung resultieren.

Das kalifornische Recht, welches den Chandlers erlaubte, das Zivilverfahren vor den Strafprozess zu stellen, wurde letztendlich geändert – laut Thomas Sneddon, Bezirksstaatsanwalt von Santa Barbara, unmittelbar wegen der Vorfälle im Chandler-Fall. Wegen dieser Änderungen kann ein Ankläger in einem Fall von sexueller Tätlichkeit nicht sofort ein Zivilverfahren anstreben. Das neue Gesetz verhindert, dass ein Zivilverfahren vor einen Strafprozess gestellt werden kann. Das ist der Grund, warum Jacksons Ankläger 2003, Gavin Arvizo, nicht die gleiche Strategie anwenden konnte, wie die Chandlers 1993. Er hatte keine andere Wahl, als einen Strafprozess zu beginnen:

„Der Staatsanwalt im Fall Michael Jackson beantragte ein Gesetz, dass ein Zivilverfahren während eines verwandten Strafprozesses unterbricht, wobei er erklärt, dass dies ein Szenario verhindert, in dem der Kläger des Sängers einem Vergleich zustimmt und sich dann weigert, in einem Strafprozess auszusagen.

Das Landesgesetz wurde verabschiedet, weil ein weiteres Kind 1993 aus einem Fall wegen Belästigung gegen Jackson ausstieg, nachdem der Sänger angeblich einen Vergleich von mehreren Millionen zahlte.”, sagte der Bezirksstaatsanwalt von Santa Barbara, Tom Sneddon.

„Das ist Ironie. Die Geschichte des Gesetzes ist, dass die Bezirksstaatsanwaltschaft von L.A. die Legislatur als unmittelbare Folge des zivilrechtlichen Vergleichs in den ersten Ermittlungen führte.“, sagte Sneddon in einem Interview mit Associated Press. [4]

Die feindselige Medienkampagne gegen Michael Jackson könnte auch zu der Entscheidung beigetragen haben, dem Vergleich zuzustimmen. Boulevardsendungen zahlten Leute für reißerische Storys, welche die Unterstellungen stützten. Mehrere dieser Leute wurden von den Chandlers für das Zivilverfahren eingesetzt. Die Belastungen, kombiniert aus dem Prozess und der Reaktion der Medien führte zu einer Schmerzmittelabhängigkeit, die Michael Jackson schließlich professionell behandeln ließ. Geschäftspartner und Berater drängten ihn dazu, diese Angelegenheit zu vergessen und sein Leben und Business fortzuführen.

Es wurde auch behauptet, Jackson hätte dem Vergleich zugestimmt, weil die Leibesvisitation im Dezember 1993 die Behauptungen seines Anklägers bekräftigte. Das hält einer näheren Überprüfung nicht stand. Details (englisch) siehe: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/did-jordan-chandlers-description-of-michael-jacksons-penis-match-the-photographs-taken-of-the-stars-genitalia-by-the-police/

Während Jacksons Motive für den Vergleich oft hinterfragt werden, ist es eine viel seltener gestellte Frage (obwohl ebenso berechtigt): Warum hat die Klägerfamilie dem Vergleich zugestimmt? Würdest Du Gerechtigkeit oder Geld wollen, wenn Dein Kind belästigt worden wäre?

Die Chandlers selbst behaupten, sie hätten dem Vergleich zugestimmt, weil sie ihr Leben fortsetzen wollten und Jordan nicht dem Fokus und den Untersuchungen der Medien aussetzen wollten, was in einem aufsehenerregenden Prozess wie diesem unvermeidbar gewesen wäre. Weiters behaupteten sie, einige Morddrohungen von Michael Jackson Fans erhalten zu haben und als der Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles, Gil Garcetti, abgelehnt hatte, die Familie unter ein Zeugenschutzprogramm zu stellen, hätten sie Angst um ihr Leben gehabt. Zunächst erscheint das einleuchtend, dennoch schien Evan Chandler während des aufgezeichneten Telefonats mit David Schwartz (dem Stiefvater des Jungen) im Juli 1993 (BEVOR ihm sein Sohn angeblich „gestand“!) nicht besorgt über Medienpräsenz und mögliche Fanreaktionen, als er über seinen Anwalt Barry Rothman sagt:

„Der Anwalt, den ich gefunden habe … ich meine, ich habe mit mehreren gesprochen, und ich habe den widerlichsten Hurensohn genommen, den ich finden konnte, und alles, was er tun will, ist, diese Story so schnell und groß er nur kann an die Öffentlichkeit zu bringen und möglichst viele Leute zu erniedrigen und er hat eine böse [Bandstörung] … “ [5]

Ray Chandler versucht in seinem Buch, dieses Zitat zu entschuldigen, in dem er behauptet, als Evan sagte, Rothman wollte „es so schnell und groß an die Öffentlichkeit bringen, wie er kann“, meinte er, vor Gericht zu gehen, nicht zu den Medien. Die gleiche Behauptung wird gemacht, als Evan auf dem gleichen Band über Rothman sagt:

„Er ist widerlich, er ist böse, er ist sehr gerissen [Bandstörung], und er ist begierig nach Publicity [Bandstörung] besser für ihn.“ [5]

Es gibt allerdings weitere Fakten, die bezüglich der Intentionen der Chandlers mit der Öffentlichkeit zu beachten sind.

Die Chandlers schienen nicht besorgt über mediales Rampenlicht, mögliche Fanreaktionen, Drohungen und die Bedenken, dass es Jordan nicht möglich sei, sein Leben fortzuführen, als sie sich wenige Tage nach Unterzeichung des Vergleichs daran machten, ein Buch zu veröffentlichen, das sie über die Unterstellungen schrieben. Herausgeberin Judith Regan:

„Ich erhielt einen Anruf von Jordans Onkel. Er wollte ein Buch schreiben, in dem er die Belästigungsvorwürfe gegen Michael Jackson detailliert beschreiben würde. Ich fragte ihn, wie er geplant habe, das zu tun, da die Chandlers gerade eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschrieben und 20 Millionen Dollar bekommen hatten. Er sagte, Jordans Vater hätte ihm alle Informationen gegeben, die er für das Buch brauchte und er glaube, er könne die Verschwiegenheitsvereinbarung umgehen, weil er [Jordans Onkel] der Autor wäre. Damals hatte ich den Eindruck, die Chandlers sind unverschämte Opportunisten und ich empfand das gesamte Angebot des Onkels widerlich. Sie gehen eine Verschwiegenheitsvereinbarung ein und noch bevor die Tinte getrocknet ist, gehen sie auf die Suche nach einem Deal, der gegen diese Vereinbarung verstößt.“ [6]

Dass Ray Chandler sich tatsächlich „innerhalb weniger Tage“ nach dem Vergleich um die Publikation seines Buches bemühte, wird von keinem Geringeren als Ray Chandler selbst in einem Antrag, den er am 25. Oktober 2004 bei Gericht in Santa Barbara einbrachte, bestätigt. (Details (englisch) zu dem Antrag siehe: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/ray-chandlers-subpoena-in-2004/). Als Unterstützung seiner Argumentation, um vom Shield Law Gebrauch machen zu können [Anm.: Reporter können während der Recherche und Veröffentlichung von Nachrichten eine Aussage vor Gericht verweigern] , legte er in dem Antrag offen [7, Seite 8]:

„Raymond Chandler reiste innerhalb weniger Tage nach Beilegung des Zivilverfahrens von Jordan Chandler gegen Michael Jackson im Jänner 1994 nach New York City, um einen Verleger ausfindig zu machen, damit er die von ihm gesammelten Informationen in Form eines Sachbuches an die Öffentlichkeit weitergeben konnte. Raymond Chandlers Absicht ist von einem Artikel in der New York Post belegt, der seinen Kontakt mit einem Verleger einen Tag später enthüllt.“ [7]

Ray Chandler gibt in dem Antrag an, zwei Tage nach Bekanntwerden des Kindesbelästigungsskandals von Michael Jackson im August 1993“ [7, Seite 8] nach Los Angeles gereist zu sein und dort von Ende August bis Dezember 1993 in Evan und Jordan Chandlers Heim gewohnt zu haben, damit er Informationen über die Belästigungsvorwürfe sammeln konnte, um diese anschließend öffentlich zu verbreiten. [7, Seite 13]

Ray Chandler veröffentlichte sein Buch schließlich 2004 am Höhepunkt des Medienrummels, der durch die Arvizio-Unterstellungen hervorgerufen wurde. Ray Chandler machte seine Runden in den Medien, gab Interviews und trat in Dokumentationen auf, die stark gegen Jackson voreingenommen waren. Offensichtlich nicht besorgt über mediales Rampenlicht und ohne Angst vor möglichen Drohungen von Jackson Fans.

Evan Chandler schien nicht besorgt über mediales Rampenlicht, mögliche Fanreaktionen, Drohungen und die Möglichkeit, Jordan könnte sein Leben nicht weiterführen, als er 1996 eine weitere Klage gegen Michael Jackson einreichte, dieses Mal für 60 Millionen Dollar und einen Plattenvertrag, damit er ein Album („EVANstory“) über die angebliche sexuelle Belästigung seines Sohnes veröffentlichen konnte. Laut dieser Klage wird dieses Album Songs enthalten wie „D.A. Reprised“ [Bezirksstaatsanwalt gewinnt wieder], „You Have No Defense (For My Love)“ [Du hast keine Verteidigung/Abwehr (für meine Liebe)], „Duck Butter Blues“ [Duck Butter: ugs. für die Mischung aus Kot und Sperma beim Analsex], „Truth“ [Wahrheit] und anderen Songs.“ [8]

Diese Klage wurde im Jahr 2000 vom Gericht abgewiesen.

Quellen:

[1] Out of court settlement between Michael Jackson and Jordan Chandler (January 25, 1994) as leaked to and/or by Court TV’s Diane Dimond in 2003, https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/1993civilsettlementagreement.pdf

[2] Geraldine Hughes – Redemption: The Truth Behind the Michael Jackson Child Molestation Allegations (Hughes Publishing, January 2004)

[3] Raymond Chandler – All That Glitters: The Crime and the Cover-Up (Windsong Press Ltd, September 2004)

[4] Linda Deutsch – Prosecutor says law won’t allow Jackson to pay off accuser before trial (Boston.com/Associated Press, November 20, 2003), http://www.boston.com/news/daily/20/jackson_case.htm 

[5] Taped phone conversation between Evan Chandler and David Schwartz (July 8, 1993), https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/plugin-schwartz_chandler.pdf

[6] Judith Regan on Michael Jackson Molestation Allegations on SIRIUS XM, https://www.youtube.com/watch?v=yQYeNfHVBtM

[7] Notice of motion and motion of third party Raymond Chandler to quash subpoenas and/or in camera review; authorities; declaration of Raymond Chandler (October 25, 2004), http://www.sbscpublicaccess.org/docs/ctdocs/102504nommot3rdpty.pdf

[8] Evan Chandler files another lawsuit against Michael Jackson on May 7, 1996 demanding $60 million and a record deal (Court TV Online, Legal Documents), http://web.archive.org/web/20070916092707/http://www.courttv.com/archive/legaldocs/newsmakers/jackson.html

[9] Jackson Settles Abuse Suit but Insists He Is Innocent : Courts: Singer will reportedly pay $15 million to $24 million to teen-ager. Criminal investigation will proceed. (Los Angeles Times, January 26, 1994), http://articles.latimes.com/1994-01-26/news/mn-15478_1_michael-jackson

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