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Hat das FBI Beweise dafür, dass Michael Jackson dutzenden jungen Buben Schweigegeld zahlte?

by on 29. April 2015

Michael Jackson Not Guilty

English: http://michaeljacksonallegations.com/did-the-fbi-have-evidence-that-michael-jackson-paid-off-dozens-of-young-boys-to-silence-them-after-he-sexually-abused-them/

Nein, das FBI hat keine Beweise dafür. Diese Behauptung stammt von einem britischen Boulevardblatt und stimmt nicht.

Am 30. Juni 2013 veröffentliche das britische Boulevardblatt Sunday People (die Sonntagsausgabe von The Mirror) einen „exklusiven“ Artikel, in dem sie behaupteten, Einsicht in die „geheimen FBI-Akten“ gehabt zu haben, welche „offenbaren, dass Michael Jackson 23 Millionen Pfund (ca. 35 Millionen Dollar) ausgab, um sich das Schweigen von mindestens zwei Dutzend jungen Buben zu erkaufen, die er über einen Zeitraum von 15 Jahren missbrauchte“ [1].

Sie behaupten, die Akten wären im Besitz des Privatdetektivs Anthony Pellicano, der 1993 für Jackson arbeitete. Als Pellicano 2002 wegen illegalen Abhörens festgenommen wurde, konfiszierte das FBI diese Dokumente, wird in dem Artikel behauptet. Es ist deren Behauptung, diese Dokumente seien „FBI-Akten“.

In dem Artikel sprechen sie mit einem Privatdetektiv, der behauptet, er habe 1993 mit Pellicano am Jackson-Fall gearbeitet. Der ungenannte Mann behauptet, er behielt sich Kopien dieser Dokumente, die er jetzt der Sunday People präsentiere – so die Schilderung der Story.

Im Artikel wird behauptet, Jackson hätte Pellicano eingestellt, um andere „Opfer“ auszuzahlen, als dem Sänger 1993 von Jordan Chandler Kindesmissbrauch unterstellt wurde. Der schmuddelige Boulevardartikel brachte es fertig, sich selbst darüber zu widersprechen, wie viele Jungs angeblich ausbezahlt wurden: in manchen Teilen des Artikels (inklusive Titel) wird von 24 Jungs gesprochen, in einem anderen Teil ist die Rede von 17 und in wieder einem anderen Teil des Artikels spricht ihre Quelle von 3 Jungs.

Ungeachtet der Widersprüchlichkeiten, der Schlampigkeit des Artikels und der fehlenden Beweise, verbreitete sich die „Neuigkeit“ wie ein Lauffeuer. Scheinbar war der Begriff „FBI-Akten“ ausreichend, um Leute zu überzeugen – einschließlich anderer Journalisten, die sich nicht darum kümmerten, den Wahrheitsgehalt dieser Story zu überprüfen, welche das Boulevardblatt als wahr darstellte. Im Handumdrehen verbreiteten viele andere Quellen diese Story und erklärten es zur Tatsache, dass „das FBI tausende Seiten aus deren geheimen Akten enthüllte, welche beweisen, dass Jackson ein Serien-Kinderschänder war und duzenden jungen Burschen Schweigegeld zahlte“. Die Behauptung wurde sogar von Mainstream-Medien übernommen. Bei den Medien stellte sich niemand, der diese Story als Fakt veröffentlichte, die logische Frage: Wenn es stimmte – warum wurde dieser Beweis niemals vor Gericht im Jackson-Prozess 2005 vorgelegt? Und warum sollten wir die Worte eines unglaubwürdigen Boulevardblattes ohne jeglichen Beweis ernst nehmen?

Nach Durchsicht der Dokumente, die dem Artikel der Sunday People als „Beweise“ beigefügt sind, stellen wir fest, dass diese weder beweisen, was in dem Artikel behauptet wird, noch repräsentieren sie einen offiziellen Standpunkt des FBIs. Beweise für Missbrauch und Abfindungen – geschweige denn eine Bestätigung des FBIs – können nirgendwo gefunden werden. Für diejenigen, die mit den Details zu den Unterstellungen gegen Jackson vertraut sind, ist es einfach zu erkennen, was diese Dokumente in Wirklichkeit sind – und sie sind nicht das, was das Boulevardblatt behauptet. Lasst sie uns der Reihe nach anschauen.

Dokument 1 [1]:

1 Michael Jackson Pellicano Nachricht

[Anm. d. Übers.: Der englische Text in diesem Dokument ergibt teilweise nur wenig Sinn. Ich habe mich trotzdem um eine möglichst sinnvolle Übersetzung bemüht.]

FAX, 26. Juli 1993 AN: ANTHONY PELLICANO VON: [geschwärzt]

Jacksons ehemaliger Anwalt [geschwärzt], der auf Unternehmensrecht spezialisiert ist, gab an, dass an [geschwärzt] Geld gezahlt wurde. An [geschwärzt] wurde kein Geld gezahlt. Laut der Quelle gehen die Zahlungen Jacksons an die Eltern der Opfer zurück in den Sommer 1992. Jackson traf mit der Mutter des Kinderdarstellers / -tänzers Möchtegern [geschwärzt], auch bekannt als [geschwärzt] eine Vereinbarung. Ich konnte keine Kopie des besagten Vergleiches bekommen, der von Anwalt Howard Weitzman ausgearbeitet wurde, und wie folgt lautet:

  1. An diesem 7. Tag im Juli 1992 von und zwischen der Michael Jackson Organisation, hier „Organisation“ genannt und [geschwärzt], hier „Kläger“ genannt. Zeugen sagten aus, unter Berücksichtigung beidseitiger zu wahrender und auszuführender Vereinbarungen und Abkommen seitens der Beteiligten beziehungsweise der im ersten Teil erwähnten Partei, dass sich die Organisation hiermit verpflichtet und einwilligt, dass sie 1. keinen Kontakt in irgendeiner Art – schriftlich, mündlich oder telefonisch – mit dem Kläger und dem minderjährigen Kind des Klägers [geschwärzt] haben werden. Darüber hinaus soll bei Ausführung dieser Vereinbarung der Betrag von sechshunderttausend Dollar [$600,000] an den Kläger bezahlt werden. Zusätzlich soll die Organisation keinen Versuch wagen, den Kläger in irgendeiner Weise zu erpressen, einzuschüchtern, zu belästigen, zu behindern oder verantwortlich zu machen – weder jetzt noch in Zukunft. Im zweiten Teil treffen der Kläger und die erwähnte Partei folgende Vereinbarungen und Verträge:
  2. Unter Berücksichtigung des Erhalts der oben genannten Gelder in der Höhe von sechshunderttausend Dollar [$600.000] wird jeglicher Kontakt mit Medien, Nachrichtenwesen, Zeitungen, Fernsehen, Radio, Filmen, Büchern unterlassen. Weiters wird der Kläger in keiner Art versuchen, die Organisation zu erpressen, einzuschüchtern, zu belästigen, zu behindern oder haftbar zu machen, weder jetzt noch in Zukunft. Diese Vereinbarung ist für die Parteien samt deren Nachfolgern und den ihnen zugewiesenen persönlichen Vertretern verbindlich. Diese Vereinbarung wird gemäß der Gesetze des Bundesstaates Kalifornien und der Stadt Los Angeles vollstreckt. Siebenter Tag im Juli 1992.

Schlussendlich zahlte Jackson angeblich an folgende Opfer Schweigegeld: [geschwärzt] [geschwärzt]

Offenbar handelt es sich hier um ein Fax, das am 26. Juli 1993 an Pellicano geschickt wurde. Der Name des Absenders wurde geschwärzt. Der Absender behauptet, dass ihm oder ihr eine (ungenannte) Quelle berichtete, dass Jackson „die Eltern der minderjährigen Opfer auszahlte. Die Zahlungen reichen zurück in den Sommer 1992.“ Dann geht der Absender näher auf eine angebliche Abfindung in einer Höhe von 600.000 Dollar ein, indem er eine angebliche Vergleichsvereinbarung zitiert. Die gegenwärtige Vereinbarung wird nicht vorgelegt. Stattdessen sollen wir den Worten dieser Person Glauben schenken, von der wir nicht einmal wissen, wer sie ist, da der Name des Absenders geschwärzt wurde.

Glücklicherweise haben wir eine weitere Quelle für diese Story, welche im Gegensatz zur Sunday People auch einen Kontext zu diesen Behauptungen liefert, sowie die Namen, die in diesem Dokument geschwärzt wurden.

Während Michael Jacksons Prozess 2005 erhielt der Journalist Roger Friedman, der zu dieser Zeit für Fox News arbeitete, Tonbänder von dem Privatdetektiv und Boulevardblatt-Broker Paul Barresi. Dabei handelte es sich um Aufzeichnungen des Boulevardblatt-Journalisten (National Enquirer, Globe) Jim Mitteager, dessen Angewohnheit es war, seine Gespräche heimlich aufzuzeichnen. Als er starb, gab seine Frau die Bänder an Barresi weiter. Unter anderem enthielten diese Bänder Gespräche über Jackson. Eines dieser Gespräche gibt Aufschluss über das oben erwähnte Dokument, da Friedman 2005 ausgiebig über diese Story berichtete:

„Mitteager stützte sich zu mindest im Fall Jackson stark auf die zweifelhafte Informantin Taylea Shea. Deren Geschichten wurden damals folglich in viele Boulevardreportagen eingebaut. Shea, die eine Reihe von Pseudonymen zu haben scheint und viele Adressen und Telefonnummern hatte, konnte trotz einiger Versuche nicht für diese Story kontaktiert werden. Nachbarn an ihrer Adresse in Los Angeles, wo sie die längste Zeit lebte, erinnerten sich nicht gerade liebevoll an sie. Sie bezeichneten sie als Strichmädchen und betrügerische Frau, die sich immer bestechen ließ. „Sie sollte im Gefängnis landen, wenn sie nicht bereits verhaftet wurde“, sagte ein früherer Freund und Nachbar. Auf dem Band las Shea etwas vor, das sich überzeugend nach einem juristischen Dokument anhörte, das zwischen Jackson und einem 12 jährigen Jungen, der Brandon P. Richmond genannt und von seiner Mutter Eva Richmond vertreten wird, aufgesetzt wurde. Laut dem Dokument erhielt Brandon 600.000 Dollar von Jackson. Er und Jackson hätten keinen Kontakt mehr miteinander. Shea las Mitteager das Dokument, welches mit Juli 1992 datiert wurde, im darauffolgenden Jahr vor. Das wäre der Hammer gewesen, wenn es wahr gewesen wäre, weil es Brandon zu Jacksons erstem Kläger machen würde, und nicht den anderen Jungen, der sich 1993 mit Jackson einigte. Shea sagte auf dem Band weiters, dass das juristische Dokument aus den Büros des berühmten Anwalts aus Hollywood, Bert Fields, stammt – Jacksons Anwalt zu dieser Zeit. Es wird kein Grund angegeben, warum sich Jackson und Brandon Richmond hätten trennen sollen. Die logische Schlussfolgerung ist allerdings klar.“ [2]

Somit erfahren wir von Friedman, dass die ursprüngliche Quelle dieser Story eine „zweifelhafte Informantin“ war, eine Frau, die von ihren Nachbarn als Strichmädchen und betrügerische Frau bezeichnet wird. Weiters erfahren wir, dass diese angebliche Vereinbarung tatsächlich niemand gesehen hat, Shea „las es“ Mitteager nur vor. (Es ist möglich, dass Mitteager derjenige war, der Pellicano dieses Fax über sein Gespräch mit Shea schickte.) Shea ist die einzige Person, die behauptet, die angebliche Vereinbarung gesehen zu haben. Darüber hinaus gab es in Jacksons Umfeld niemals einen Brandon P. Richmond. Der Junge und seine Mutter scheinen völlig frei erfunden zu sein.

Da weder die Boulevardpresse noch die Behörden Beweise finden konnten, dass Brandon P. Richmond jemals in Jacksons Leben existierte, behauptete Friedman, dass es sich bei dem fraglichen Jungen um Brandon Adams handeln könnte, einen Jungen, der 1988 in Jacksons Film Moonwalker mitspielte. Neben dem gleichen Vornamen war Adams Schauspieler und Tänzer, genau wie der fiktionale Brandon P. Richmond. Allerdings kontaktierte Friedman Adams und seine Familie 2005 und sie bestritten, von Jackson jemals Schweigegeld erhalten zu haben. Außerdem hat der Name von Brandon Adams Mutter keine Ähnlichkeit zu dem Namen der Mutter in Sheas Story. Friedman schrieb 2005:

„Der Globe veröffentlichte die Story, ohne Namen zu nennen. Im Laufe der Zeit wurde angenommen, dass Brandon P. Richmond in Wahrheit Brandon Adams war, ein Junge, der in Jacksons „Moonwalker“ Video auftrat. Diskussionen auf den Bändern zeigen, dass die Boulevardpresse ebenfalls glaubte, die beiden Brandons seien ein und dieselbe Person. Es gibt allerdings ein Problem mit Sheas Story: Nichts passt zusammen. Zum einen sagt eine Quelle, die Fields nahe steht, dass das Dokument eine für ihre regulären Vereinbarungen unübliche Sprache aufweist. Dann ist da die gegenwärtige Familie. Laut der Adams’, die ich im Jänner traf, kennen sie keine Eva Richmond. Brandon Adams’ Mutter heißt Marquita Woods. Und Brandons Großmutter versichert mir, dass sie nichts von einer Zahlung von 600.000 Dollar weiß. Die Familie lebte 30 Jahre lang in einem bescheidenen Haus in Baldwin Hills, Kalifornien. Brandon Adams, der heute 25 Jahre alt ist, kämpft sich als Schauspieler durch. Er trat in „D2: The Mighty Ducks“ und dem Indie-Film „MacArthur Park“ auf und arbeitet derzeit daran, eine Musikkarriere aufzubauen. „Ich wünschte, ich hätte 600.000 Dollar“, sagte er. „Ich bin pleite.“ Die Adams’ wiesen darauf hin, dass Brandon niemals in Neverland war, nur im Haus der Familie Jackson in Encino. Für kurze Zeit waren sie nicht nur mit den Jacksons befreundet, sondern auch mit Sean Lennon, der ebenfalls in „Moonwalker“ mitspielte und seiner Mutter Yoko Ono. Aber die Beziehung scheint lange vor Taylea Sheas großem Knüller beendet gewesen zu sein.“ [2]

Brandon Adams wurde 2013 über Twitter erneut kontaktiert und darüber befragt, als der Sunday People Artikel erschien. Folgendes schrieb er:

Frage: „Hey, da behauptet eine britische Boulevardzeitung, dass Du 1992 von MJ Schweigegeld bekommen hast, kannst Du das noch einmal dementieren?“ Brandon Q Adams: „smh (*kopfschütteln*) … Lol (*laut lachen*) … Ich nicht!“ „Sie lieben es, Lügen über Leute zu erzählen… Ich glaube, das ist unter diesen Umständen unvermeidbar #MJ #Größe“ [3]

Außerdem ist der Text dieser angeblichen Vereinbarung viel zu salopp, um von professionellen Top-Anwälten verfasst worden zu sein.

Friedman folgerte, dass Shea die Story wahrscheinlich erfand: „Belog Shea Mitteager einfach nur, um viel Geld zu kassieren? Es scheint so.“ [2] Die Staatsanwaltschaft im Jackson-Fall brachte diese Story niemals bei Gericht oder sonst wo vor.

Am Ende des Schriftstücks steht geschrieben: „Letztendlich zahlte Jackson an folgende Opfer Schweigegeld“ [1] – gefolgt von einer Liste mit Namen. Es wird keine Quelle angegeben, aus der hervorgehen würde, wer das behauptet und auf welcher Grundlage. Wenn das der „Beweis“ der Sunday People sein soll, dass Jackson dutzende Jungen auszahlte, dann ist das in etwa so überzeugend wie deren erfundener Brandon. All das beruht auf einer einzigen fragwürdigen Quelle – einer „zweifelhaften Informantin“, die von ihren Nachbarn als Strichmädchen und betrügerische Frau bezeichnet wird – die Pellicano angeblich über Gerüchte informiert, nicht über feststehende Tatsachen und es ist definitiv keine Information, die vom FBI bestätigt wurde.

In Wirklichkeit sollte jeder, der sich auf die Behauptung bezieht, das FBI hätte Beweise dafür, dass Jackson dutzende Jungen auszahlte, folgende Frage stellen: Warum wurden diese Beweise dann während des Jackson-Prozess 2005 nie dem Gericht präsentiert? Das FBI kooperierte während dem Prozess mit der Staatsanwaltschaft, aber ein solcher Beweis tauchte niemals auf.

Dokument 2 [1]:

2 Michael Jackson Pellicano Nachricht

An: Anthony Pellicano Von: [geschwärzt] Untersuchungsbericht

[geschwärzt] behauptet, ihr Sohn [geschwärzt] und andere junge Buben wurden von Michael Jackson belästigt. [geschwärzt] erzählte ihrem Freund / ihrer Freundin [geschwärzt], dass sie Jackson dafür verklagen wird, ihren Sohn belästigt zu haben, wenn die Jackson-Strafsache vorüber ist.

Die Polizei will nicht, dass [geschwärzt] mit [geschwärzt] redet, aber Privatdetektiv [geschwärzt], ([geschwärzt] Mitarbeiter) fand sie. [geschwärzt] gab [geschwärzt] Hard Copy und LA Times. Sie bekam 20.000 Dollar von Hard Copy und bereute es angeblich, da die Cops sie verdeckt hielten, nachdem ihr Interview gesendet wurde.

Die Kriminalbeamten [geschwärzt] geleiteten [geschwärzt] gestern, 2. März zu [geschwärzt] Haus. [geschwärzt] hat nur die sechste Klasse abgeschlossen. [geschwärzt] sagt, sie ging mit, damit sich [geschwärzt] wohler fühlte und um ihr wenn nötig Englisch zu übersetzen. Die Cops suchen gezielt nach Kopien von Vereinbarungen zwischen Jackson und Eltern von Kindern, bei denen [geschwärzt] angeblich Augenzeuge von Belästigungen war, darunter [geschwärzt]. [geschwärzt] erschien vor der Grand Jury. Sie sagte nichts, was Jackson schadete. Sie machte keine Anschuldigungen. Die Kriminalbeamten glauben, [geschwärzt] lügt. Unheimlicherweise verdächtigt [geschwärzt] Jackson laut meiner Quelle, Kinder zu belästigen, da die einzigen Jungen, die nie in Jacksons Zimmer schliefen, seine Neffen waren. Die Quelle teilte mir mit, dass [geschwärzt] wusste, dass ihr Sohn belästigt wurde, aber sie schaute weg. [geschwärzt] war der Meinung, es brauche sie nicht zu stören, da es ihren Sohn auch nicht störte. Die Kriminalbeamten suchten einen weiteren Jungen mit Nachnamen [geschwärzt] und sie waren interessiert an [geschwärzt] und [geschwärzt]. Die Kriminalbeamten wollten auch mit [geschwärzt] sprechen. Die beiden Bezirksstaatsanwälte von Los Angeles und Santa Barbara könnten sich zusammentun und es zu einem Fall des Bundesstaates machen, weil alles im Haus in Encino und dem Apartment in Century City begann. Die Kriminalbeamten glauben, es hätten so viele Leute Schweigegeld bekommen, dass es niemanden gab, mit dem sie sprechen konnten. [geschwärzt] geht zurück nach [geschwärzt] und weigerte sich völlig, zu kooperieren. Die Zeugen, die vor der Grand Jury in Santa Barbara aussagten, die feindlich gesinnt sind, sind [geschwärzt].

Das ist anscheinend eine Nachricht, die von jemandem an Anthony Pellicano geschrieben wurde. Der Name des Absenders ist hier ebenfalls geschwärzt. In dem Schreiben ist kein Datum angegeben, aber aus dem Text können wir ableiten, dass es wahrscheinlich im März 1994 geschrieben wurde.

„Die Kriminalbeamten [geschwärzt] geleiteten [geschwärzt] gestern, 2. März zu [geschwärzt] Haus.“

Dieser Teil des Textes sowie die volle erste Hälfte des Dokuments handelt von Blanca Francia. Sie war das Zimmermädchen, das 1993 von Hard Copy 20.000 Dollar für ein Interview erhielt, in dem sie behauptete, sie hätte mitbekommen, dass sich Jackson mit Jungen unangemessen verhielt und dass ihr eigener Sohn möglicherweise von dem Sänger belästigt wurde. Sie und ihr Sohn waren 2005 Belastungszeugen im Prozess gegen Jackson, somit sind deren Unterstellungen keine neuen Enthüllungen. (Details zu Jason Francia’s Unterstellungen hier: http://michaeljacksonallegations.com/jason-francia/, wir werden uns mit Details zu Blanca Francia später auf dieser Webseite beschäftigen.)

Am 26. Jänner 1995 berichtete das britische Boulevardblatt Today, dass „entdeckt wurde, dass Blanca Francia Lydia Encinas, eine Reporterin vom National Enquirer, als ihre Übersetzerin heranzog, als sie 1993/94 von der Polizei im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Jackson befragt wurde.“ [4]

Diese Story basiert auf Mitteagers Bändern:

„Paul Barresi, Boulevardbroker und Ermittler, entdeckte – nachdem er sich eine Reihe illegal aufgezeichneter Gespräche anhörte, die vom Reporter Jim Mitteager (nun verstorben) aufgenommen wurden und an Barresi weitergegeben wurden, als Mitteager starb – dass Lydia Encinas, eine Reporterin des Enquirer, dabei half, Francia’s Interview-Äußerungen mit der Polizei 1993 zu transkribieren. Damals bot der Enquirer jedem aktiv erhebliche Anreize an, der eine „Belästigungs“-Story über Jackson anzubieten hatte – völlig geduldet vom damaligen Herausgeber des Enquirer, David Perel.“

und

“Am 4. April 2005 berichtete Michelle Caruso, der damals als Journalist bei Daily News arbeitete, in einem Beitrag über die bevorstehenden Hauptzeugenaussagen im Jackson-Prozess 2005, dass die „Mitteager Bänder“ Sitzungen mit dem damaligen Herausgeber des Enquirer – David Perel – enthielten, der Mitteager am 23. März 1994 sagte, dass „ihre guten Spanischkenntnisse und ihr gutes Verhältnis zu Blanca der Grund dafür sind, dass Lydia Encinas involviert ist.“ [4]

Caruso sprach mit dem Kriminalbeamten Russ Birchim, der Francia 1993-94 interviewte.

„Caruso berichtete, dass Birchim ihr sagte, „Lydia Encinas war nicht die Übersetzerin. Aber ich traf mich mit ihr in Los Angeles.“ Caruso vermerkte auch, dass Birchim sich auf Nachfrage weigerte zu erklären, warum er sich im Verlauf eines Ermittlungsverfahrens zuerst mit einem Reporter des National Enquirers traf.“ [4]

All das scheint zu bestätigen, dass das obige Dokument irgendeine Art Notiz darüber ist, was auf den Mitteager-Bändern ist und kann auf Paul Barresi zurückverfolgt werden – genau wie das vorige Dokument.

Anstatt neue Beschuldigungen zu enthüllen, hält das Dokument lediglich Blanca Francias Geschäfte mit den Medien fest. Im Jackson-Prozess 2005 gab Blanca Francia zu, dass sie in Betracht zog, ihre Story neben Hard Copy auch an den National Enquirer zu verkaufen, was sie aber nicht tat. Aus dem Dokument geht hervor, dass es daran lag, dass „die Cops sie verdeckt hielten“ nach ihrem Hard Copy Interview.

„Sie bekam 20.000 Dollar von Hard Copy und bereute es angeblich, da die Cops sie verdeckt hielten, nachdem ihr Interview gesendet wurde.“

Natürlich konnte sie ihre Story nicht mehr an weitere Boulevardmedien verkaufen, als die Cops sie „verdeckt hielten“. Wir können dem Dokument auch entnehmen, dass Blanca Francia bereits eine Zivilklage gegen Jackson plante, bevor das Strafverfahren überhaupt abgeschlossen war:

„[Sie] erzählte ihrem Freund / ihrer Freundin, dass sie Jackson dafür verklagen wird, ihren Sohn belästigt zu haben, wenn die Jackson-Strafsache vorüber ist.“

Das Dokument gibt weiters an, dass „die Cops nach Vereinbarungen zwischen Jackson und Eltern von Kindern suchen, deren Belästigungen angeblich von [geschwärzt – vermutlich Blanca Francia] beobachtet wurde, inklusive [geschwärzt].“ Solche Vereinbarungen wurden trotz jahrzehntelangen Ermittlungen nie vorgelegt.

Der zweite Teil des Dokuments beinhaltet weitere Gerüchte und Spekulationen – nichts, was jemals bestätigt oder bewiesen wurde. Das Dokument führt eine ungenannte „Quelle“ von gewissen Behauptungen und Gerüchten (wovon nichts jemals bestätigt oder bewiesen wurde) und von Ansichten und geplanten Aktionen der Kriminalbeamten an.

„Die Kriminalbeamten nehmen an, dass so viele Leute Schweigegeld erhielten, dass es niemanden mehr gibt, mit dem man sprechen kann.“

Es ist ausführlich dokumentiert, dass die Ermittler im Jackson-Fall dem Entertainer gegenüber von Anfang an voreingenommen und sehr feindselig waren. Hier http://michaeljacksonallegations.com/the-prosecutions-hunt-for-other-victims/ kann zum Beispiel nachgelesen werden, wie sie mit unzulässigen Verhörmethoden versuchten, Jungen dazu zu überreden, Belästigungen von Jackson zu bestätigen. In unserem Artikel über Jason Francia ( http://michaeljacksonallegations.com/jason-francia/ ) kann noch mehr über diese unzulässigen Verhörmethoden gelesen werden.

Als deren vorgefasste Meinung über Jacksons Schuld nicht von Beweisen und Zeugenaussagen unterstützt wurde, entschuldigten sie das, in dem sie „glaubten“, es läge daran, dass Jackson Schweigegeld bezahlt hätte und nicht, dass er letzten Endes eventuell unschuldig war. Es gab allerdings niemals irgendeinen Beweis, der den „Glauben“, Jackson hätte Schweigegeld bezahlt, um einen Missbrauch zu vertuschen, unterstützte. Anstelle jeglichen Beweises, dass Jackson Dutzenden Jungs Schweigegeld bezahlte, finden wir in diesem Dokument Spekulationen seitens der verzweifelten und voreingenommenen Staatsanwaltschaft und Medien, um deren fehlende Beweise gegen den Sänger zu entschuldigen. Vermutungen müssen allerdings bewiesen werden, damit daraus mehr wird als lediglich unbestätigte Ansichten. Jackson wurde 2005 nach mehr als zehn Jahren Ermittlungen vor Gericht gestellt und es wurde niemals ein Beweis dazu geliefert, dass Jackson Schweigegeld gezahlt hätte.

Darüber hinaus muss in Betracht gezogen werden, dass Jacksons erste Ankläger 1993 alles nur erdenkliche unternommen haben, um eine Abfindung zu bekommen, damit sie nicht an die Öffentlichkeit oder vor Gericht gingen. Es wird empfohlen, den Artikel Die finanziellen Forderungen der Chandlers zu lesen, der den unbestätigten Mythos, Jackson habe Schweigegeld bezahlt, ins rechte Licht rückt. Wenn es für Jackson Routine war, Jungs Schweigegeld zu zahlen, damit sich diese nicht mit deren Behauptungen an die Öffentlichkeit oder die Behörden wenden – warum lehnte er es ab, die Chandlers auszuzahlen, wenn diese anerkanntermaßen von Anfang an nichts lieber wollten als Schweigegeld?

Dokument 3 [1]:

3 Michael Jackson Pellicano Jim Mitteager

Auszug eines Gespräches zwischen Jim Mitteager, Leiter des Globe, und Anthony Pellicano vom 10. Dezember 1993 PELLICANO: Du verstehst. Ich halte Dich nicht auf oder fordere Dich dazu auf, den Versuch zu beenden. JIM: Okay. Welche Situation (Story) möchtest Du gestoppt haben? Weißt Du, ich verstehe es nicht ganz… PELLICANO: Nichts. Es interessiert mich nicht. JIM: Es interessiert Dich nicht? PELLICANO: Nein, weil… Hör’ zu. Willst Du Dich logisch unterhalten oder emotional? JIM: Ich möchte über die Wirklichkeit sprechen. PELLICANO: Tja, Realität ist Logik. JIM: Okay.

PELLICANO: Okay, die Realität ist, dass es keinen Unterschied macht, was jemand sagt. Das einzige, was einen Unterschied macht, ist die Zeit des Prozesses. Also möchte ich logischerweise, dass jede einzelne Story, die Du Dir eventuell vorstellen kannst, jetzt erscheint, damit es nichts mehr zu besprechen gibt, wenn der Prozess beginnt.

JIM: Oh, okay.

PELLICANO: Verfolgt ihr [geschwärzt]?

JIM: Das haben wir. Ist eine Weile her.

PELLICANO: Hast Du den People Magazine Artikel gesehen?

JIM: Nein, noch nicht. Warum?

PELLICANO: Besorg’ Dir einfach das aktuelle People. Und der neue Vanity Fair ist draußen. Du solltest diese Story lesen … über Michael. Es ist gerade erschienen.

JIM: Okay. Es hält dem (unhörbar) Missbrauch nicht stand?

PELLICANO: Nein, mit dem Kind.

JIM: Oh, dem Chandler Kind?

PELLICANO: Ja.

JIM: Es wäre eine Sensation, wenn ein anderes Kind vortreten würde.

PELLICANO: Es gibt kein anderes Kind. Das ist es ja, dem niemand Aufmerksamkeit schenkt. Sie suchen weiter und weiter und telefonieren und telefonieren. Es gibt kein anderes Kind.

JIM: Was ist mit Wade Robson? Sie (Enquirer) werden mich zu ihr (seiner Mutter Joy) schicken, wenn sie mich nicht morgen schicken.

PELLICANO: Wofür?

JIM: Um zu sehen, ob sie reden will. Ich meine, sie sagten, dass ich sie anrufen soll, und ich habe es nicht gemacht.

PELLICANO: Ruf’ sie an.

JIM: Na ja, sie wird nicht mit mir reden.

PELLICANO: Nun, ruf’ sie an und warte ab, was passiert.

JIM: Nun ja, wir haben darüber gesprochen, dass Du den Weg ebnest.

PELLICANO: Ja, ich weiß, aber…

JIM: Ist das zu gefährlich?

PELLICANO: Naja, ich kann die Leute nicht wissen lassen, dass wir beide uns kennen.

JIM: Okay – gut, das ist in Ordnung.

Dieses Dokument zeigt eine aufgezeichnete Unterhaltung zwischen Jim Mitteager und Anthony Pellicano vom 10. Dezember 1993. Es ist ein Rätsel, was dieses Dokument beweisen soll, weil es den Behauptungen der Sunday People sogar widerspricht, da Pellicano Mitteager hier mitteilt, dass es keinen anderen Ankläger als Jordan Chandler gibt.

„Es gibt kein anderes Kind. Dem schenkt niemand Aufmerksamkeit. Sie suchen und telefonieren weiter und weiter. Es gibt kein anderes Kind.“

Bitte berücksichtigt auch, dass diese angebliche Unterhaltung am 10. Dezember 1993 stattgefunden hat – dem Zeitpunkt, zu dem Pellicano aufhörte, für Jackson zu arbeiten. Zuvor hatte Pellicano eng mit einem von Jacksons Anwälten, Bert Fields, zusammengearbeitet. Sie stiegen aus dem Fall aus, da sie der Richtung einiger anderer Anwälte Jacksons nicht folgen wollten. Nach dem Abgang erklärte Pellicano, dass er an Jacksons Unschuld glaube und dass sein Abgang kein Hinweis auf Anderweitiges sei.

Die Sunday People zog es vor, es nicht einzubeziehen, aber es gibt eine weitere Unterhaltung zwischen Pellicano und Mitteager, die auf Mitteagers Bändern aufgezeichnet wurde. Sie wurde im September 1994 aufgezeichnet. Paul Barresi gab dieses Band vor ein paar Jahren Aphrodite Jones, die das Transkript auf ihrer Webseite veröffentlichte. Auf diesem Band spricht Pellicano über sein Gespräch mit Jordan Chandler, der ihm sagte, dass Jackson ihn nie belästigt hatte und dass sein Vater nur Geld wollte.

„PELLICANO: Sie müssen etwas verstehen. Ich habe neun Kinder. Michael [Jackson] spielt mit meinem Baby. Sie krabbeln auf ihm herum. Sie ziehen an seinen Haaren. Sie ziehen an seiner Nase. Manchmal trägt er einen Verband quer über sein Gesicht. Wenn ich meine eigenen Kinder (unverständlich) glauben Sie, es gibt eine Möglichkeit?

MITTEAGER: Nun, bei sonst gleichen Voraussetzungen, würde ich sagen, nein.

PELLICANO: Nicht nur das. Wenn Du das Kind [Jordie Chandler] – wie ich es gemacht habe – sich niedersetzen ließest – er konnte es in Wirklichkeit nicht erwarten, aufzustehen und Videospiele zu spielen. Ich sagte: „Du verstehst nicht, wie ernst das ist. Dein Vater [Evan Chandler] wird Michael sexuelle Belästigung vorwerfen. Er wird alles Mögliche erzählen.“ Er [Jordie] sagte: „Ja, mein Vater versucht, Geld zu bekommen.“ Tatsächlich habe ich 45 Minuten lang (unverständlich). Dann habe ich versucht, ihn auszutricksen. Ich meine, Du musst wissen, ich bin eine eindrucksvolle Person. Ich habe mich sehr eingehend mit dem Kind beschäftigt. Wir waren dort (unverständlich) mit diesem Kind … und hättest Du Dich hingesetzt und hättest mit diesem Kind geredet, hättest Du keinen Zweifel. Und ich sagte, dass Michael völlig erschüttert ist. Wir sprachen es immer wieder durch. Ich versuchte, ihn zum Sitzen zu bringen und er wollte Videospiele spielen, während ich dort sitze. Ich sitze dort mit der Mutter des Kindes [June Chandler] und David Schwartz kommt rein und (unverständlich) worum geht es hier? Und [Barry] Rothman (unverständlich) stellt Fragen. Es gibt keine Frage, dass Rothman (unverständlich) worum es hier geht.“ [5]

Dokument 4 [1]:

4 Michael Jackson LeMarque Interview

Tonbandaufnahme eines Interviews von Philip und Stella LeMarque vom 28. August 1993

PHILIP: Grundsätzlich haben wir sieben Monate auf Michaels Ranch gearbeitet… Ahhh, zehn Monate.

STELLA: Neun Monate.

PHILIP: Ja, wir haben auf der Ranch gelebt… Die einzigen, die auf der Ranch gelebt haben. Alle anderen sind in der Früh gekommen und um vier gegangen.

[GESCHWÄRZT]: Wartet. Ihr redet gleichzeitig.

PHILIP: Die Ranch hat mehrere Gebäude, wo er ein Kino und eine Spielhalle hat. Das Haupthaus hat 28 Zimmer. So ungefähr. Und Gästezimmer für die Kinder.

[GESCHWÄRZT]: Und manche Orte waren privat, richtig? Wie das Kino?

PHILIP: Also, im Kino hat er… Das Kino ist wie ein normales Kino. Er hat 70 Plätze.

STELLA: Und hinter der Wand hat er zwei Schlafzimmer. Manchmal war er mit den Kindern dort. Ich wollte ein Foto von dem Schlafzimmer machen, aber ich konnte nicht.

PHILIP: So konnte er Pornos schauen.

[GESCHWÄRZT]: Sie sagen, er schaute Pornos?

Dies ist ein Transkript eines aufgezeichneten Interviews mit dem Ehepaar Philip und Stella LeMarque. Das Paar, das 1991 zehn Monate (in dem Medien behaupteten sie, es seien zwei Jahre gewesen, aber im Jackson-Prozess 2005 gab Philip LeMarque zu, dass es nur zehn Monate waren) für Jackson arbeitete, behauptete auf diesem Band, dass sie miterlebt hätten, wie sich Jackson unangemessen mit gewissen Jungen verhielt. Die Sunday People präsentierte diese Unterstellungen, als seien sie fundamentale Neuigkeit – nie zuvor gehörte Vorwürfe. Es wird sogar suggeriert, die Behauptungen des Ehepaars seien vom FBI verifiziert.

In Wirklichkeit sind die Behauptungen der LeMarques’ nichts Neues und definitiv nicht bewiesen. Philip LeMarque bezeugte im Jackson-Prozess 2005, er hätte miterlebt, wie Jackson seine Hand in Macaulay Culkins Hose steckte, dabei wurde er allerdings von Culkin persönlich diskreditiert.

Das 2013 von der Sunday People präsentierte Dokument ist das Transkript eines Interviews, das Boulevard-Broker Paul Barresi am 28. August 1993 – fünf Tage, nachdem die Chandler-Unterstellungen durch die Medien Publik wurden – mit den LeMarques geführt hat. Allerdings äußerte sogar Barresi selbst 1994 in der Dokumentation Tabloid Truth Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Ehepaars. Barresi, ein bekennender Opportunist, gab zu, dass er sich keine Gedanken darum machte, ob eine Story, die er der Boulevardpresse verkaufte, wahr sei oder nicht, solange er dafür bezahlt wurde. In dem unten angeführten Video kann man Barresi zwischen 30:14 – 35:35 und 36:55 – 37:10 über die LeMarques reden hören:

Wie all diese so genannten „third party witnesses“ (Anm. d. Übers.: unabhängige Zeugen, die weder zur Anklage noch zum Angeklagten gehören), haben sich auch die LeMarques zunächst nicht an die Behörden gewandt; versuchten aber, ihre Story für Geld an die Boulevardmedien zu verkaufen. Zuerst verlangten sie $100,000, dann versprachen sie, ihre Story weiter auszuschmücken, wenn sie $500,000 bekämen. (Barresi spricht darüber in der oben angeführten Dokumentation zwischen 36:55 – 37:10). Auch Philip LeMarque gab es vor Gericht zu.

Frage: Sie erhöhten den Preis einmal auf 500 von $100,000? Antwort: Ja, um zu sehen, ob wir es tun werden. [6]

und

Frage: Hatten sie eine Diskussion mit Paul Barresi, in der sie sagten „Wir wollen keine 100,000. Wir wollen 500,000.“? Ja oder nein. Antwort: Ja. [6]

Es muss beachtet werden, dass die LeMarques hohe Schulden hatten, als sie versuchten, Belästigungs-Storys über Jackson an die Boulevardmedien zu verkaufen. In ihrem Interview mit Barresi behaupteten die LeMarques, sie hätten auch Anstößigkeiten zwischen Jackson und anderen Jungs mitbekommen, nicht nur Macaulay Culkin, aber interessanterweise wurden diese Storys im Jackson-Prozess 2005 selbst von der Staatsanwaltschaft nie vorgebracht. Möglicherweise, weil nicht einmal diese Staatsanwaltschaft, die Jackson sonst alles nur Erdenkliche vorwarf, diese Storys glaubwürdig fand?

Dokument 5-6

5 Michael Jackson Staatsanwalt Tonband Übergabe

6 Michael Jackson FBI Tonband Übergabe

Bei diesen Dokumenten handelt es sich um Besitzbelege, die nachweisen, dass jemand Tonbänder dem Büro der Staatsanwaltschaft von Los Angeles beziehungsweise dem FBI zur Verfügung stellte. Vermutlich wurden sie dem Artikel der Sunday People beigefügt, um den Dokumenten einen gewissen „offiziellen Charakter“ zu verleihen und sie irgendwie mit dem FBI in Verbindung zu bringen. Allerdings beweisen sie nur, dass jemand Tonbänder an Behörden übermittelte. Sie sagen nichts über die Einschätzung der Behörden bezüglich des übermittelten Materials aus.

Dank der Dokumentation Tabloid Truth aus dem Jahr 1994 (siehe oben) wissen wir, wie und warum Dokument 5 entstand. Bei diesem Dokument handelt es sich um einen Besitzbeleg, aus dem ersichtlich ist, dass jemand das Tonband des LeMarque-Interviews am 30. August 1993 dem Büro des Bezirksstaatsanwalts aus Los Angeles übergab. Aus der Tabloid Truth Dokumentation wissen wir, dass es Paul Barresi selbst war und dass es sein Name ist, der in dem von Sunday People beigefügten Dokument geschwärzt wurde. Bitte stoppt die oben gezeigte Dokumentation bei 34:00. Es ist haargenau dasselbe Dokument, welches Sunday People 2013 als kürzlich entdeckte „FBI-Akte“ weiterzugeben versucht! In der Dokumentation erläutert allerdings Barresi selbst, was es wirklich ist und zu welchem Zweck es gemacht wurde. Der relevante Teil befindet sich zwischen 33:00 und 35:01 in der Dokumentation.

Barresis Erklärung in der Dokumentation gibt uns einen Einblick in die manipulativen Taktiken der Boulevard-Welt:

„Ich konnte mit der Boulevardpresse wie auf einer Harfe spielen.“ Falls Barresi dem Bezirksstaatsanwalt das Band brachte, bräuchte er sich um seine illegale Tonbandaufzeichnung keine Sorgen machen. Darüber hinaus würde es die Story aufpeppen. Wenn der Bezirksstaatsanwalt daran arbeitet, ist das Action, das ist Insider-Information! „Das war der Vorteil, der gut funktionierte. Wenn meine Story auch nur im Geringsten harmlos erscheint, würde sie zum Fenster raus geschmissen werden. Das ist natürlich ein Weg, es im großen Stil zu machen.“ „Ich rief den Herausgeber des Globe an und sagte: „Ich habe ein Band, ich bin am Weg in die Innenstadt, um es dem Bezirksstaatsanwalt zu übergeben.“ Und seine Worte waren: „Lass uns mitkommen.“ Und dann wusste ich, dass ich sie soweit hatte. Mein nächster Gedanke war, 30 Tausend Dollar zu verlangen. Du verlangst immer doppelt so viel, als du dir erhoffst, zu bekommen. Er bat mich zu warten und in weniger als einer Minute kam er zurück und sagte: „Also, wir können Dir keine 30 geben, wir geben Dir 10.“ Ich sagte: „Mach’ 15 daraus.“ Er sagte: „Du hast einen Deal.“ „Kannst Du die Schlagzeile schon sehen?“ „Oh, ja. Natürlich. Und ich kann auch schon das Geld sehen.”

Die Sunday People wendete die gleiche manipulative Taktik an, als sie diese Dokumente als „FBI-Akten“ präsentierten – wohl wissend, dass die Verbindung zum FBI in den Augen vieler Leute Glaubwürdigkeit und einen offiziellen Charakter vermittelt – obwohl ein Schriftstück nicht glaubwürdig und dessen Inhalt nicht bewiesen ist, nur weil es dem FBI vorgelegt wurde. Nach Prüfung der Dokumente stellt sich heraus, dass diese keine Beweise für die Behauptungen der Zeitung liefern und eher auf Paul Barresi zurückgeführt werden können als zum FBI. Barresi war offensichtlich die anonyme Quelle hinter der Story der Sunday People und präsentierte sich selbst als jemand, der 1993 zusammen mit Pellicano am Jackson-Fall arbeitete. Barresi arbeitete allerdings nie für Jackson, er ist einfach ein opportunistischer Boulevard-Broker.

Jackson war 2005 vor Gericht und während dem Prozess arbeitete das FBI eng mit der Staatsanwaltschaft aus Santa Barbara zusammen. Wenn das FBI Beweise dafür gehabt hätte, dass Jackson im großen Stil Schweigegeld zahlte – warum legten sie diese Beweise nicht dem Gericht vor? Tatsächlich waren die einzigen Beweise für Geldzahlungen, die im Prozess aufgedeckt wurden, jene, die einige der Zeugen der Staatsanwaltschaft – inklusive Blanca Francia und Philip LeMarque – von den Boulevardmedien für deren Behauptungen erhielten! Es ist ironisch, dass die gleichen Medien, die im Verlauf von zwei Jahrzehnten ein Vermögen an Leute zahlten, um Michael Jackson zu verleumden, dem Sänger ohne jeglichen Beweis heimliche Schweigegeldzahlungen vorwarfen.

Näheres zur Rolle der Medien in den Unterstellungen gegen Michael Jackson siehe http://michaeljacksonallegations.com/the-medias-role-in-the-allegations-against-michael-jackson/.

Quellen:

[1] James Desborough, David Gardner – Michael Jackson paid £23MILLION buying silence of at least TWO DOZEN young boys he abused over 15 years (Mirror.co.uk, June 30, 2013) http://www.mirror.co.uk/news/world-news/michael-jackson-paid-23million-buying-2011662

[2] Roger Friedman – Was There an Unknown Jacko Accuser? (FoxNews.com, March 25, 2005) http://www.foxnews.com/story/2005/03/25/was-there-unknown-jacko-accuser/print

[3] Brandon Q Adams Twitter https://twitter.com/BrandonAdams22/status/351200257968840704

[4] Michael Jackson: The Making Of A Myth – Part 1 http://www.stereoboard.com/pdfs/Michael-Jackson-The-Making-Of-A-Myth-Part-I.pdf

[5] Aufgezeichnetes Telefonat zwischen Anthony Pellicano und Jim Mitteager (September, 1994) Es wurde ursprünglich auf Aphrodite Jones’ Webseite gepostet unter http://www.aphroditejones.com/Michael_Jackson_Trial/Michael_Jackson_Trial.htm Die Webseite wurde seit dem reorganisiert und der Bereich über den Michael Jackson Prozess ist nicht mehr verfügbar.

[6] Phillip LeMarque’s Zeugenaussage im Michael Jackson Prozess 2005 (8. April 2005)

Weiterführende Artikel zu diesem Thema: Charles Thomson in einem Interview von 2010 über die Veröffentlichung der FBI-Akten: Die FBI-Akten stützen Michaels Unschuld – die Medien berichten etwas anderes! und In den Jackson FBI-Akten – Gespräch mit Charles Thomson, Willa Stillwater, Joie Collins (Dancing With The Elephant-Blog)

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