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TV Guide Interview Dezember 1999

Dieses kleine Interview wurde am 29.11.1999 in Michaels Hotel Suite in New York aufgezeichnet und erschien im TV Guide* am 4 Dezember 1999.

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Originalversion englisch

TV Guide: „Thriller“ veränderte Musikvideos für alle Zeiten. Wie kamst du auf die Idee?

Michael: Mein Bruder Jackie kam zu mir nach Hause und sagte: „Hast die diese Show im Fernsehen gesehen? Sie spielen immer nur Musik, es heisst MTV.“ Ich sah es an und fand das Konzept sehr interessant. Was mir nicht gefiel war, dass diese Videos wie eine Bildercollage wirkten; ich dachte mir, wenn ich ein Video machen würde, hätte es mehr Unterhaltungswert. Mein Traum war es, etwas mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende zu drehen, wie einen Kurzfilm.

TV Guide: Hast du dir je vorgestellt, dass Thriller und die Videos für dieses Album deine Karriere in die Stratosphäre katapultieren würden?

Michael: Ich hab nicht darüber nachgedacht, wie sich das Album entwickeln würde, ich wollte einfach nur etwas erschaffen, das ich auch selbst gerne ansehen würde. Und mein Ziel bei dem Video für Thriller war, etwas zu kreieren, das gleichzeitig beängstigend, lustig und aufregend wäre.

TV Guide: Wie blickst du jetzt auf diese Ära zurück?

Michael: Ich sehe es als glückliche und traurige Zeit zugleich. Ich konnte viele meine Träume verwirklichen. Die Bekanntheit war wunderbar.

TV Guide: Du sagst auch, dass es eine traurige Zeit war.

Michael: Yeah. Wenn ich nicht genau das bekomme, was mir vorschwebt, werde ich schnell deprimiert.

TV Guide: Du willst sagen, dass das Album trotzdem nicht genau das war, was du dir vorgestellt hattest?

Michael: Nicht ganz.

TV Guide: Welche Songs haben dich enttäuscht?

Michael: “Wanna Be Startin’ Something.” Das Songschreiben ist eine oft frustrierende Kunstform. Du muss exakt das aufs Band bringen, was du in deinem Kopf hörst. Wenn ich es da oben höre (Tippt sich an den Kopf), ist es wundervoll. Ich muss genau das versuchen, zu beschreiben und aufs Band zu bringen. „The Girl Is Mine“ (sein Duett mit Paul McCartney) war nicht genau das, was ich wollte, aber es ist sehr schön. „Billie Jean“ jedoch ist genau richtig. Ich arbeitete sehr hart daran, drei Wochen alleine nur an der Basslinie.

TV Guide: Der Handschuh, die weißen Socken, die rote Lederjacke – wer kam auf diese Dinge?

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Michael: Bei dem Handschuh war es einfach so… ich dachte, einer sei cooler als zwei. Ich akzentuiere gerne meine Bewegungen. Das Auge folgt immer dem Hellen – also dem Handschuh. Und die Füße, wenn du tanzt kannst du besonderes Augenmerk auf deine Bewegungen legen, du musst etwas Licht darauf lenken. Deshalb trug ich die weißen Socken. Und für das Design der Jacke setzte ich mich mit den Leuten zusammen, die die Kleidung herstellen und sage ihnen, an welcher Stelle ich Knöpfe, Schnallen oder ein bestimmtes Design möchte.

Aber ich trage diesen Look trage nicht mehr. Man sollte nicht in der Vergangenheit gefangen bleiben. Aus diesem Grund habe ich in meinem Haus auch keine Auszeichnungen. Keine Goldenen Schallplatten, keine Grammys. Sie sind alle in einem Lagerraum. Ich möchte nicht überheblich sein, denn dann würde ich denken, es gäbe nichts mehr, was ich noch erreichen könnte. Aber das stimmt nicht.

TV Guide: Denkst du, dass deine kreativste Zeit noch kommt?

Michael: Ich glaube, das Beste kommt noch, aber ich möchte in andere Bereiche gehen und nicht ein Pop-Album nach dem anderen machen.

TV Guide: Gibt es andere Künstler die aus musikalischer Sicht interessante Dinge tun?

Michael: Es gibt einige wunderbare, kreative Ideen, aber ich sehe niemanden, der innovativ ist. Sie nehmen meistens was schon vorhanden ist und versuchen, es in das Neue zu integrieren.

TV Guide: Gibt es jemanden mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest?

Michael: Es gibt viele Künstler, die ich bewundere, aber mit ihnen zusammen arbeiten… nein.

TV Guide: Was ist deine Lieblingsmusik?

Michael: Du wirst überrascht sein. Heute morgen sang ich Rogers and Hammerstein. Solche Sachen singe ich zuhause. „My Favorite Things“ aus „The Sound of Music“, und den Song von Streisand, „Absent Minded Me”. Ich bin auch Liebhaber der großen, alten MGM Musicals. Ich liebe großartige Melodien, ich bin ein großer Fan davon.

TV Guide: Welchen Song performst du am liebsten?

Michael: „Billie Jean”, aber nur, wenn ich es nicht immer auf die gleiche Art machen muss. Das Publikum möchte immer bestimmte Dinge sehen. Ich muss in diesem Lichtkegel moonwalken. (Lacht) Ich würde gerne eine andere Version machen.

TV Guide: Wer ist heute dein Publikum?

Michael: Ich weiß es nicht. Ich versuche nur, wundervolle Musik zu schreiben, und wenn sie es mögen, dann ist es wunderbar. Ich denke nicht über demografische Daten nach. Die Plattenfirma versucht mich dahin zu bringen, dass ich so denke, aber ich erschaffe einfach das, was ich gerne hören würde.

TV Guide: Gibt es für das Millennium einen „neuen Michael“?

Michael: Yeah, ich habe einige Dinge geplant. Es wird völlig anders sein, als das, was ich bisher tat. Auf dem neuen Album ist ein Song namens „I Have This Dream“. Es ist ein Millennium Song über die Welt und die Umwelt, den ich mit Carol Bayer Sager und David Foster zusammen schrieb

TV Guide: Wirst du wieder auf Tour gehen?

Michael: Ich glaube nicht. Es strapaziert mich zu sehr.

TV Guide: Du bist in der Öffentlichkeit nur selten ohne Verkleidung unterwegs. Warum?

Michael: Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich habe alles versucht. (Lacht) Fett-Kostüme, Nonnen, Clowns. Trick or Treat ist das tollste für mich. Und Fasching.

TV Guide: Denkst du, es wird je möglich sein, dass du dich draussen einfach als du selbst ungestört bewegen kannst?

Michael: Ich verkleide mich aus verschiedenen Gründen. Ich beobachte gerne Menschen – wie eine Fliege an der Wand. Auch wenn es nur zwei ältere Damen sind, die auf eine Bank sitzen oder ein paar Kinder auf einer Schaukel. Weil ich nicht weiß, wie sich solche alltäglichen Situationen anfühlen. Einmal war ich in einem Plattenladen, komplett verkleidet, und da waren diese Mädchen, die mein Album betrachteten und über mich redeten. Ich stand quasi genau neben ihnen. Es war wunderbar! Ich liebe das.

Aber wenn ich ohne Verkleidung in die Öffentlichkeit gehe, kann ich nicht diese Art Spaß haben. Die Leute sagen immer: „Warum gehen wir nicht einfach auf eine Party?“ Aber sobald ich dort ankomme ist die Party vorbei – zumindest für mich. Für sie ist es eine Party, aber alle halten ihre Karten in mein Gesicht und fragen: „Erinnerst du dich an mich? Wir haben uns vor 4 Jahren getroffen…“ Und ich antworte: „Ich kann mich nicht erinnern.“ Für mich ist das also kein Genuß. Sie spielen alle meine Songs. Aber ich kam ja nicht, um meine eigene Musik zu hören. Und jeder ruft mir zu: „Tanze!“ Schön, aber zur Abwechslung würde ich eigentlich lieber euch tanzen sehen.

TV Guide: Wenn du all die negative Presse bedenkst, die du bekamst, glaubst du, dass die Leute dich einmal nur nach deiner Musik beurteilen?

Michael: Das glaube ich nicht. Weil die Presse mich zu diesem Monster gemacht hat, zu dieser irren Person, die bizarr und verrückt ist. Aber ich bin nichts dergleichen.

TV Guide: Gibt es etwas, was du tun kannst, um diesen Eindruck zu verändern?

Michael: Nun ja, alles war ich tun kann, ist einfach ich selbst zu sein, und von meiner Seele aus zu kreieren. Aber sie nehmen alles und manipulieren es.

TV Guide: Aber wie könntest du erreichen, dass die Leute, die denken: „er ist verrückt“, „er hat diese exotischen Tiere in seinem Haus“ und solche Dinge, doch glauben würden, dass du ok bist?

Michael: Gott hat die Tiere erschaffen. Sie sind liebenswert, sie sind wunderbar. Ich sehe das genau so, wie die Anthropologin Jane Godall, oder andere Naturforscher. Ich halte mein Interesse für Tiere nicht für irgendwie seltsam oder verrückt.

TV Guide: Was ist mit den kosmetischen Operationen?

Michael: Ganz Hollywood hat kosmetische Operationen! Ich weiß nicht, warum man immer mich nennt. Die Presse übertreibt es. Es ist nur meine Nase. Aber sie tun so, als wäre es überall. Nur die Nase reicht ihnen nicht. Elvis hat seine Nase operiert, Lisa Marie hat es mir gesagt. Aber darüber reden sie nicht. Sie picken immer mich heraus. Das ist nicht fair.

TV Guide: OK, du hast Lisa Marie genannt. Ich habe gelesen, dass du gesagt hättest, sie bereue, nicht einen Sohn mit dir zu haben und dass sie immer noch ein Kind mit dir wolle. Stimmt das?

Michael: Also ich weiß nur, dass sie es damals so empfand. (Lacht) Aber egal, was ich sage, diese Frage bringt mich in Schwierigkeiten – die nächste Ausgabe von TV Guide wird wahrscheinlich schreiben: „Lisa Marie sagt, sie will ihn nie wieder sehen!“

TV Guide: Seid ihr beiden jetzt Freunde?

Michael: Lisa ist süß. Ich mag sie sehr gerne und wir sind befreundet. Und wer weiß, was morgen sein wird? Ich habe keine Ahnung, wie sie sich heute fühlt. Ich sage nur soviel, dass sie mich und die Kinder (aus Jacksons 2. Ehe mit Debbie Rowe) besuchen kommt, oder wir reden am Telefon, solche Dinge.

TV Guide: Glaubst du, dass du noch einmal heiraten wirst?

Michael: Das wäre schön.

TV Guide: Alle guten Dinge sind drei?

Michael: Es muss mich einfach umhauen. Ich muss diese Person treffen und denken: „Das ist sie. Das ist die Richtige.“

TV Guide: War das bei deinen beiden Heiraten der Fall?

Michael: Yeah. Natürlich!

TV Guide: Wärst du gerne immer noch verheiratet?

Michael: Ja, wäre ich. Aber man muss sich für das entscheiden, was am besten ist. Was passiert, passiert. Das muss man respektieren.

TV Guide: Wer sind deine engsten Freunde?

Michael: Auf jeden Fall Elizabeth [Taylor]. Wir gehen jeden Donnerstag zusammen ins Kino.

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TV Guide: Ihr geht in ein öffentliches Kino?

Michael: Ich wollte in die Warner Bros. Studios, aber sie war dagegen. Sie sagte: „Nein, ich werde dich hier raus bringen.“ Also gingen wir genau in diese Gegend – ich kann natürlich nicht sagen, wohin – und liefen einfach ins Kino. Und meistens ist es leer, weil die meisten Leute um diese Zeit arbeiten. Die Kino-Angestellten sagten: „Wow! Kommt herein,“ und wir müssen nicht einmal bezahlen. Dabei sind wir die, die es sich leisten können. (Lacht)

TV Guide: Lass uns über deine Kinder sprechen. [Prince Michael, 2, und Paris Katherine, 1]. Ich muss dich über eine Sache befragen, die kürzlich in der Zeitung stand, dass du und Debbie nicht die biologischen Eltern deiner Kinder wärt. Das ihr eine Eizelle einer anderen Frau eingepflanzt wurde und sie künstlich befruchtet wurde.

Michael: Alles totaler Blödsinn. Nur Müll, nichts davon ist wahr.

TV Guide: Leben die Kinder mit dir zusammen auf Neverland?

Michael: Vor zwei Wochen waren sie auf Neverland. Ich glaube, ihnen ist zum ersten Mal bewusst geworden, dass das ihr Zuhause ist. Sie dachten immer, ihr Zuhause wäre irgendein Hotel oder Resort. Wir sind überall in Hotels. Sie realisierten garnicht, dass der Zug und die Bahnstation für sie ist, dass all diese Fahrgeschäfte für sie sind. Jetzt sagen sie ständig: „Wir möchten nach Neverland!“

TV Guide: Beschreibe ihre Persönlichkeiten.

Michael: Prince erzählt mir ständig, er möchte Filme machen. Ich kaufte ihm diese Videokamera. Und ich sage: „was machen wir dieses mal?“ Und er antwortet: „Star Wars!“. Also stellen wir ein paar Figuren auf den Tisch und bewegen sie.

Paris beginnt gerade zu sprechen und zu laufen. Sie ist so süß. Und es überrascht mich, dass sie Puppen mag. Meine Schwester Janet mochte solche Sachen nicht. Sie war ein Wildfang, und ich dachte, Paris wäre auch so.

TV Guide: Du wechselst ihnen die Windeln und fütterst sie?

Michael: Yeah, und ich mache das gerne. Und es ist ganz schön viel Arbeit. Ich dachte, ich sei darauf vorbereitet, weil ich alles über Kindererziehung gelesen habe, aber es ist viel, viel spannender, als ich es mir je hätte vorstellen können! Ich bereue nur, dass ich es nicht schon früher getan habe.

TV Guide: Singst und tanzt du für sie?

Michael: Ja, auf die Art beruhige ich sie, wenn sie weinen. Ich beginne zu tanzen und sie beruhigen sich.

TV Guide: Hättest du gerne noch mehr Kinder?

Michael: Natürlich! Ich denke, ich werde Joes Rekord brechen, und er hatte 10.

TV Guide: Wie ist das Verhältnis zu deinem Vater heute? Ihr wart eine Zeit lang zerstritten.

Michael: Mein Verhältnis mit ihm ist jetzt besser, als je zuvor. Ich glaube, mit dem Alter wurde er weicher und ein netter Mensch. Er fragt mich Dinge wie: „Wie geht es dir?, oder „Isst du ausreichend? Das wollte ich immer von ihm hören. Nicht solche Sachen wie: „Hast du diesen Vertrag unterzeichnet?. Jetzt will er einfach nur wissen, ob es mir gut geht. Ich denke, das ist sehr schön. Und meine Mutter (Katherine) ist ein wahrer Engel.

TV Guide: Mit 41 Jahren, bist du glücklich?

Michael: Normalerweise bin ich glücklich. Ich lasse mich nicht von irgend welchen Dingen runterziehen. Ich liebe es, dem Klang von Wasser, Vogelgezwitscher und Kinderlachen zuzuhören. Ich liebe alle diese echten, natürlichen, unschuldigen Dinge. Ich würde nie zu einer Party oder in einen Club gehen. Das habe ich schon als Kind gemacht und jetzt lege ich darauf keinen Wert mehr.

TV Guide: Ich fand es erschütternd, als ich ein von dir kürzlich gesagtes Zitat las, dass du das Handtuch werfen und dich umbringen würdest, wenn du nicht den sehnlichen Wunsch hättest, den Kindern der Welt zu helfen. Fühlst du wirklich so?

Michael: Das habe ich immer so empfunden. Ich hätte sonst nichts, wofür ich leben wollte.

TV Guide: Nicht einmal für dich und deine Kreativität?

Michael: Es wäre mir egal. Alles, was ich erschaffe wird durch diese Art der Unschuld inspiriert. Dadurch, und durch die Natur. Es muss so sein, es ist das Wesentliche.

………….

Übersetzung: M.v.d.L.

…………..

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*Das Cover-Foto des TV Guide Magazins stammt von einem Shooting mit dem deutschen Fotografen André Rau. Hier kann man ein Interview mit ihm anhören (auf deutsch) in dem er auch über das Shooting mit Michael spricht. Allerdings sagt er nicht nur schöne Dinge…

http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=7898706/1vefj0o/index.html

Prince Michael:„Ich bin stolz darauf, seinen Namen zu tragen und sein Sohn zu sein.“

Übersetzung eines Interviews mit Prince Michael Jackson, veröffentlicht in der LA Times, 3.11.2016

Link zum Original Text

Wenn dein Vater Michael Jackson heißt, verbinden die Leute damit bestimmte Erwartungen. Die Kinder von Prominenten erwecken unweigerlich unsere Neugierde, aber die Kinder Jacksons standen schon bevor sie geboren waren, mehr als andere im prüfenden Blick der Öffentlichkeit. Die Spekulationen über ihre Zeugung. Die Kontroverse über einen sehr aufgeregten Michael, der seinen Jüngsten seinen Fans zeigte, indem er ihn über eine Brüstung hielt. Die Faszination der extravaganten Masken, die ihr Vater benutzte um sie anonym zu halten, der Medienrummel der einsetzte, wann immer sie ihre Gesichter zeigten.

Die von vielen empfundene Besorgnis, die schon fast einem Besitzanspruch glich, als ihr Vater 2009 starb, und die Umarmung des damals 12 Jahre alten Prince und seiner untröstlichen Schwester Paris, damals 11 Jahre alt, während der Trauerfeier, wurde an 31,1 Millionen Menschen in den USA übertragen. Auch jetzt noch haben viele Leute bestimmte Erwartungen an die Jacksons und ihre Zukunft.

Aber Prince Michael Jackson scheint sich darum keine Sorgen zu machen.

Während er uns eine seltene Führung durch das Anwesen seines Vaters in Hayvenhurst, Encino gibt, ist er mit seinen 19 Jahren ein junger Mann, der bereit ist, seinen eigenen Weg einzuschlagen, einen Weg, der seinem Vater Ehre macht ohne ihn zu kopieren.

Jeder denkt, ich würde Musik machen und tanzen,“ sagt er mit ironischem Lachen, weil er, wie er gleich zugibt, weder das eine noch das andere kann.

Jacksons Interessen liegen in der Produktion, hinter den Kulissen der Unterhaltungsindustrie. Anfang dieses Jahres produzierte er sein erstes Video für Omer „O-Bee“ Bhattis „Automatic“, und benutzte es, um seine Produktionsfirma King’s Son Productions vorzustellen. Der Name ist ein Hinweis auf die Krönung seines Vaters zum King Of Pop in den ’80ern. Ein weiteres Video für die Sco Triplets folgte kurz danach.

Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens,“ sagt Jackson. „Aufgrund meiner Familie hat mich das geformt, aber ich wollte immer in die Produktion einsteigen. Mein Vater fragte mich, was ich werden wolle, und ich sagte immer, produzieren und Regie führen.“

Er spricht über seinen Vater mit der natürlichen Zuneigung vieler Söhne, während er an ikonischen Fotos und Bildern von Prominenten vorbei geht, die die Wände von Hayvenhurst schmücken, als wären es einfach nur Familienfotos. Und natürlich sind sie das auch, ein weiteres Zeichen für das aussergewöhnliche Leben, das für Jackson schon so viele Jahre Normalität ist. Ein Widerspruch, wie er schnell bestätigt.

Für mich sind das Familienfotos. Ich denke: ‘Oh, da hängt ein Bild von meinem Dad und meiner Patentante’,“ sagt Jackson und zeigt auf ein Foto seines Vaters mit Elizabeth Taylor.

Verbringt man Zeit mit Prince Michael Jackson, ist das bemerkenswerteste daran, wie sehr er sich einfach nur als ein ganz typischer 19 Jähriger gibt. Einnehmend charismatisch und witzig, mit einem attraktiven runden Gesicht und dunklen Augen, wird er besonders lebhaft, wenn er über sein Studium oder die Wochenendpläne mit seinem jüngeren Bruder und ihren Cousins spricht. (Auf dem Programm stehen Videospiele und Filme.)

Obwohl er eine Karriere im Entertainment verfolgt, verhält er sich lieber weiterhin unauffällig. Er hält sich von Klatschseiten fern und hält auch die sozialen Medien auf Abstand, auch wenn er diese jetzt wegen seiner Produktions-Firma etwas mehr nutzt.

Die einzige Erinnerung daran, dass sein Leben nicht typisch ist, gab es während eines vorherigen Treffens, als er es ablehnte, auf der Terrasse eines Sushi Restaurants zu sitzen, um den an solchen Stellen lauernden Paparazzi am Sunset Strip aus dem Weg zu gehen.

Manchmal fällt es schwer, diesen unkomplizierten jungen Mann mit der auffälligen Exzentrik, die für seine Familie über so viele Jahre bezeichnend war, in Einklang zu bringen.

Und dennoch erkennt man in Jackson an diesem Abend in vieler Hinsicht nur einen jungen Mann, der sein Geschäft zum Laufen bringen und den Weg seines Vaters zurückverfolgen möchte.

Er steht in mitten des Encino Anwesens, das seit fast 25 Jahren im Besitz der Familie ist. Das etwa 8000 qm große Grundstück, benannt nach der gleichnamigen Straße, an der es liegt, dient Jackson als Inspiration. Obwohl das Haupthaus renoviert wird, wohnt seine jüngere Schwester Paris, 18, im Gästehaus und Jackson besucht sie oft.

Die Spuren seines verstorbenen Vaters finden sich dort überall.

Michael lebte hier bis Mitte der 80er Jahre, bis er 1988 auf seine Neverland Ranch im Santa Barbara County umzog. Hayvenhurst war ein Zufluchtsort, weg von dem Ruhm, der sein Leben umgab. Das Ausmaß dieses Ruhms wird in dem Augenblick deutlich, als Jackson in die museumsähnliche Lounge tritt, die Michael im zweiten Stock eines angebauten Flügels einrichtete. Wie ein Schrein für alles, was die Jacksons bis zum Ende der 80er erreicht haben, ist das Zimmer mit hunderten von Portraits, die sich über Wände und Decke erstrecken, bedeckt.

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Man sieht Michael mit E.T., dem Ausserirdischen posen; am Filmset von „Captain EO“; zusammen mit Brooke Shields; in einer Umarmung mit Diana Ross; bei der Übergabe einer Auszeichnung mit Jane Fonda; mit 11 Jahren am Cover des Rolling Stone (er war in Wirklichkeit 13) und auf unzähligen Aufnahmen von Konzerten. Bei jedem Foto strahlt sein umwerfendes Lächeln aus seinem Gesicht. Es ist eine überwältigende Darstellung des Super-Stardoms – und dennoch zeigt sich der junge Jackson unbeeindruckt.

Ich glaube, die Leute wissen es viel mehr zu schätzen, als ich. Für mich sind das Familienfotos.“

Die Vergangenheit ist in Jacksons Leben überall zu finden. Sein Vater wollte es so. Eine Inschrift in Marmor begrüßt einen am Eingang des Hayvenhurst Foto-Raums, ein Ort, der die Vergangenheit ehrt.

Man liest: „Diese Reise in die Vergangenheit in Form von Bildern wird hoffentlich dazu inspirieren, eine glänzendere, erfolgreiche Zukunft zu erschaffen.“

Vergangenheit kann für die Jackson Kinder ein komplizierter Ort sein, besonders für den ältesten.

Jackson bedient sich nicht der Prahlerei, die einem oft bei Kindern, die mit bestimmten Privilegien, Ruhm und Reichtum heranwachsen, begegnet, und er scheint auch nicht naiv zu sein – insbesondere, wenn er darüber spricht, wie er sich in der Industrie behaupten möchte, vor der ihn sein Vater über Jahre hinweg warnte.

Traue niemanden,“ warnte Michael ihn einst.

„Es klingt übel, aber die Motivation vieler Leute dient nur ihrem eigenen Vorteil,“ sagt Jackson. „Er sagte, vertraue niemanden nur deshalb, weil es sich gut anhört – stelle deine eigenen Nachforschungen an. Es gibt viele Leute, die mit mir und meinen Geschwistern interagieren möchten, auf Grund dessen, wer wir sind.“

Für Jackson ist Hayvenhurst ein „heiliger Ort“, wie er sagt, und nicht nur wegen der reichen Familiengeschichte. Das ist der Ort, an dem er und seine Geschwister nach dem Tod ihres Vaters bei ihrer Großmutter aufgewachsen sind. „Es war vorteilhaft. Es lebten 16 Personen hier“, sagt Jackson, und zählt nacheinander die Cousins und Verwandten auf, die nach Michaels Tod auf dem Anwesen wohnten. „Es lenkte dich von der Trauer ab. Wir wachten mitten in der Nacht auf machten Quesadillas und redeten.“

Ursprünglich 1971 von Joe Jackson auf der Höhe des Ruhms der Jackson 5 gekauft, war Hayvenhurst Michaels erster Versuch, sein eigenes Neverland zu erschaffen. Anfang der 80er, bevor seine Solo Karriere stratosphärische Ausmaße annahm, kaufte er es von seinem Vater und verbrachte 2 Jahre damit, es zu renovieren. Am Ende der langen Zufahrt werden Besucher von einer hölzernen Tafel mit der Aufschrift: „Diejenigen, die sich strecken, erreichen die Sterne“ begrüßt.

Ein Kino mit 32 Sitzen und ein japanischer Koi Teich wurden hinzugefügt, ebenso ein separater zweistöckiger Flügel, getrennt von dem Haus im Tudor-Stil, das mit seinen Türmchen den Eindruck eines kleines Disney Schlosses erweckt.

Hier waren Bubbles der Schimpanse und andere exotische Tiere zuhause, und Songs für Michaels wegweisende Alben „Off the Wall“ und „Thriller“ wurden hier, in einem Heimstudio in einer Ecke des Anwesens, aufgenommen.

Als Jackson uns herumführt, zeigt er uns Plätze, an denen er mit seinen Cousins zum Vergnügen eigene Actionfilme dreht. Im Haus zeigte er uns auch die holzgetäfelte Bibliothek, die ebenfalls als Drehort benutzt wurde.

Dieses Zimmer bedeutete immer, dass du Ärger bekommst,“ erzählt er und erinnert sich an die strengen Vorträge, die er von seiner Großmutter, Katherine, zu hören bekam.

“Nach seinem Tod wurden wir mit allem bombardiert,“ sagt Jackson geradeheraus. „Mit allem“ beinhaltet, die Skandale, denen sich sein Vater ausgesetzt sah, darunter die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs, einen Freispruch von sexuellem Missbrauch und Berge von reisserischen Geschichten über sein sich veränderndes Aussehen und exzentrisches Verhalten, bis zurück in die 80er Jahre. Nachdem sie obsessiv von dem Medienzirkus, der Michaels Leben umgab, abgeschirmt worden waren, mussten seine Kinder jetzt allen Beschuldigungen und Klatschgeschichten ins Auge sehen, die oft den Ruhm seines Vater trübten.

Ich sagte ihnen, ihr werdet alle möglichen Dinge hören, aber seid euch darüber im Klaren, dass diese Leute nur das Vermächtnis von eurem Dad in den Schmutz ziehen wollen“, sagt Taj Jackson. (Tajs Bruder TJ wurde 2012 zum Mitvormund von Jacksons Kindern benannt)

Wie Prince, Paris, oder der jüngste, Prince Michael II, von all diesen Dingen, die sie über ihren Vater lesen oder hören würden, beeinträchtigt würden, war eine der großen Sorgen der Familie.

Ich wußte, dass Prince es nicht glauben würde, weil er seinem Vater sehr nahe war und viel Zeit mit ihm verbracht hatte,“ sagt Taj über die zahllosen Verleumdungen.

Als wir ihn fragten, wie er und seine Geschwister die Beschuldigungen und reisserischen Geschichten aufgefasst hatten, sagt Prince offen: „Es war ein Schock, es kam alles auf einmal. Aber wir lernten, damit umzugehen, einfach in dem wir es versuchen zu ignorieren.“

Viele dieser Beschuldigungen weist Jackson als versuchte Erpressungen zurück.

Er weiß, dass sein Leben, wie er es ausdrückt „unkonventionell“ war, aber er ist damit im Reinen, auch mit dem Umstand, dass Jacksons biologische Mutter Debbie Rowe 2001 ihre Elternrechte aufgab. Die beiden haben keine Beziehung zu einander.

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Ich bin sehr froh darüber, zwei Mutterfiguren in meinem Leben zu haben. Meine Großmutter und meine Cousine Frances. Was die Mutter, die mich geboren hat betrifft: sie war immer mehr wie eine Freundin die für uns arbeitet,“ sagt er. „Man kann sagen, dass mein ganzes Leben unkonventionell war. Aber ich liebe und kenne es nur so.“

Er versteht die Entscheidungen, die sein Vater als Elternteil traf.

Mein Vater sprach mit mir wie zu einem Erwachsenen. Er erklärte uns, der Grund für die Masken sei, dass wir ohne ihn ein freies Leben haben könnten,“ sagt Jackson, und sagt dazu, dass er und seine Geschwister sich ohne ihren Vater oft ungestört bewegen konnten, weil man sie nicht erkannte.

Ich glaube, als ich jünger war, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie andere Kinder leben. Aber als ich dann wußte, wer er war, wurde mir klar, dass es nicht normal war. Ich erinnere mich daran in Disneyland gewesen zu sein und am Fenster zu stehen, und da waren all die Fans und winkten und machten Fotos von mir. Ich dachte, das sei normal, also habe ich einfach zurück gewunken. Erst als ich ein Video von ihm sah, in dem er auftrat und Leute fielen in Ohnmacht, wurde mir bewusst, dass das, was er tat, für die Menschen sehr bedeutungsvoll war.“

Heute ist sein Engagement beim Jiu Jitsu Jacksons bevorzugte Methode, mit dem Verlust seines Vaters umzugehen (Er sich hat sogar das farbige Logo seines Jiu Jitsu Vereins auf die Wade tätowieren lassen.) Auch der Besuch einer Trauergruppe während des ersten Semesters am College half. „Ich glaube nicht, dass du je darüber hinweg kommst. Er wird immer ein Teil deines Lebens sein, der fehlt,“ sagt Jackson.

Er sagt: „Meine Art damit zurecht zu kommen ist, dass ich ihn in alle Bereiche meines Lebens integriere – vom Logo meiner Firma, das etwas von ihm enthält, den Gebrauch seiner Metaphern und indem ich versuche, allem zu folgen, was er uns beigebracht hat. Mein Bruder und meine Schwester, jeder von uns geht anders damit um. Je älter ich wurde, desto besser wurde ich darin.“

Er erinnert sich daran, dass sein Vater ihm als Kind stolz „Thriller“ und „Moonwalker“ zeigte – zwei der visionärsten langen Musikvideos Michaels – und die beiden verbrachten zusammen auch Nachmittage, an denen sie gemütlich herumlagen, Filme ansahen und sie sezierten. Die „James Bond“ Serie und Horrorfilme waren dabei ihre gemeinsamen Favoriten, aber sie sahen sich auch epische Werke wie „King Kong“ und die „Herr der Ringe“ Trilogie ohne Ton an, während Michael die verschiedenen Kameraeinstellungen erklärte.

Seinem Vater beim Filmen der Videos zuzusehen, die für „This Is It“ in London geplant waren, bekräftigte Jacksons Karriereziel.

Es war dort, als mir klar wurde, was ich tun wollte,“ erklärt er uns während eines Besuchs in seinem Appartement in Marina Del Rey. „Ich liebte die Spannung. Ich konnte am Set mit so vielen Leuten sprechen – mit den Lichttechnikern oder den Kameraassistenten. Ich habe so viel gelernt.“

Während seiner Highschool-Zeit auf der privaten Buckley School in Sherman Oaks, übte er sich im Theaterspielen, besuchte Schauspiel Kurse, lernte etwas über Sounddesign, Bühnenbild-Design und arbeitete als Helfer auf der Bühne, und als er sich an der Loyola Marymount University einschrieb um im Hauptfach Film zu studieren, war das eine naheliegende Wahl – bis er selbst entschied einen anderen Weg zu gehen. Jetzt ist sein Hauptfach Wirtschaft.

Kurzzeitig spielte er mit der Idee, vor der Kamera zu arbeiten. Jackson arbeitete 2013 als Prominenten-Korrespondent für „Entertainment Tonight“ und machte sein Schauspieldebüt mit einem Kurzauftritt in dem Teenager Drama „90210“.

Er wollte eigentlich nie Schauspieler sein,“ erklärt Duane Ervin, einer seiner besten Freunde und früherer Klassenkamerad. „Er wollte immer hinter der Kamera stehen.“

Ende letzten Jahres, während seines ersten Semesters an der Loyola Marymount, spielte ihm sein langjähriger Freund Omer „O-Bee“ Bhatti seinen neusten Song „Automatic“ vor. Jackson sah darin eine Gelegenheit, seine Firma, die bis zu diesem Zeitpunkt nur als ein Name in seinem Kopf existierte, zu lancieren.

Bhatti, ein Rapper/Sänger aus Norwegen, war als Kind ein Protégé Michaels, als dieser ihn Mitte der 1990er Jahre entdeckte. Michael behandelte ihn wie einen Sohn, Bhatti zog sogar mit seinen Eltern auf Neverland. (Zum großen Vergnügen der Internet-Veschwörungs-Theoretiker.) In Wirklichkeit jedoch ist Bhatti die einzige Person, der Michael je den Moonwalk beibrachte und er war immer Teil von Prince Jacksons Familienleben, sie sehen sich sogar als Brüder. Für Jackson war es wichtig, seine Firma mit einem Projekt Bhattis zu starten.

Inspiriert von den umwerfenden cineastischen Bildern, die Michael als eine einzigartige Kraft der frühen 80er manifestierte, entwickelten sie Ideen zu einem dynamischen Musikvideo und Jackson versprach, es zu produzieren. Im Februar hatte Jackson die Firma als GmbH registrieren lassen, und das Filmen begann.

Ich war bei seinen ersten Schritten dabei und als er die ersten Worte sprach. Ich wechselte ihm die Windeln. Und jetzt produziert er mein Video?“ Scherzt Batthi, 31, bei einem Cocktail während er in L.A. zu Besuch ist. „Für mich ist er wie ein Bruder, aber ich hätte nie gedacht, einmal mit ihm zusammen zu arbeiten.“

Die Produktion wurde vor allem auf Hayvenhurst gefilmt, aber geplant war das nicht. Jackson lernte seine erste Lektion über die Risiken einer Produktion, nachdem ihm klar wurde, dass die eigentlich geplanten Locations (ein Flughafen und eine verlassene Mall) das Produktions- Budget sprengen würden.

Auch wenn sein Vater gewissenhaft darauf bedacht war, ihn vom Ruhm zu schützen, unterstützt Jacksons Familie seinen Vorstoß in das Entertainment Geschäft.

Prince ist sehr clever. Er könnte zu einer Zielscheibe werden, weil die Leute den falschen Eindruck haben könnten, dass er ein privilegiertes Kind ist, aber nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt,“ sagt Taj Jackson. „Wenn du aufwächst und dein ganzes Leben lang von Berühmtheit umgeben bist, dann gibt es zwei Möglichkeiten, wie es sich auf die Kinder auswirken kann. Sie können ein Anspruchsdenken entwickeln, oder bodenständig sein und realisieren, dass sie auch nur sind, wie alle anderen. Es hängt vom Charakter ab und Prince bekam es von seinem Dad vermittelt.“

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In Hayvenhurst sitzt Jackson auf der Kante eines Pianos im früheren Schlafzimmer seines Vaters, die Lamellen der hölzernen Jalousie werfen ihren Schatten auf ihn. Der Anblick Jacksons, teilweise im Schatten liegend, ist ein treffendes Bild.

Die Vision von King’s Son Productions ist es, schliesslich ins Filmgeschäft einzusteigen, etwas, das sein Vater plante nach Abschluss der „This Is It“ Konzerte offensiver anzugehen.

Jackson ist in einer Arbeitsbeziehung mit dem Estate seines Vaters und hofft, eines Tages mittels seiner Produktions Firma an einem postumen Projekt mitwirken zu können, jedoch gibt es dazu noch keine konkreten Pläne.

Vor kurzem produzierte Jackson sein zweites Musikvideo für die Brasilianischen Schwestern Sco Triplets. (deren Mitglied Thayana mit Taj verheiratet ist) und arbeitet an einem Projekt für das neue Shriners Hospital for Children, das nächstes Jahr in Pasadena eröffnet wird.

Er begann sein zweites Highschool Jahr an dem Tag, der Michaels 58 Geburtstag gewesen wäre. (Ein weiteres Zeichen für die ständige Begleitung seines Vaters, scherzt er.)

Jackson plant, sein Studium und sein noch junges Geschäft mit der Arbeit bei einer Wohltätigkeitsorganisation, die er mit einem Klassenkameraden gründete und die durch die Heal The World Organisation seines Vaters inspiriert wurde, in Einklang zu bringen.

Ehrlich gesagt folge ich einfach meinem Rhythmus. Ich bin immer noch jung, und meine Vorstellungen können sich verändern,“ sagt Jackson. „Ich kann mich niemals von meinem Vater trennen – er ist ein sehr wichtiges Vorbild. Und für mich ist das kein Problem. Ich bin stolz darauf, seinen Namen zu tragen und sein Sohn zu sein.“

Jackson setzt sich in eine Ecke des Erinnerungs-Raums, umgeben von Dutzenden Portraits seiner Tanten und Onkel und seines verstorbenen Vaters. Er ist jedoch sichtlich nervös, ein Fotoshooting mitzumachen – es ist nicht gerade etwas, bei dem er sich besonders wohl fühlt, gesteht er. Paris steckt ihren Kopf zur Tür herein um nach ihrem Bruder zu sehen, lässt sich auf eine Couch fallen und die beiden beginnen, über seine Angst vor der Kamera zu scherzen. „Du musst mehr glühen,“ instruiert ihn Paris. Jackson versucht es und beide beginnen zu kichern.


Übersetzung: M.v.d.L.

Fotocredits und Originaltext:

http://www.latimes.com/entertainment/la-ca-ms-prince-michael-20160803-snap-20161026-htmlstory.html

Back to Neverland mit Big Al Scanlan

Original Interview: Back To Neverland

Von 1990 – 2005 arbeitete Big Al Scanlan auf Neverland als Chef der Verwaltung/Instandhaltung. Er war für das Grundstück und die vielen Attraktionen verantwortlich, inclusive des Theaters, den Fahrgeschäften und des Zugs. Er wurde auch zu einem Freund von Michael.

Valmai: Big Al, wie kamst du zu dem Job auf Neverland?

Big Al: Nach der High School begann ich, für Vergnügungsparks zu arbeiten. Meistens befasste ich mich mit der Sicherheit und Instandhaltung der Anlagen. Als Mr. Jackson die Ranch kaufte, arbeitete ich für eine Risiko-Management Firma, die sich auf Fahrgeschäfte in Freizeitparks spezialisiert hatte. Diese Firma wurde den Vertretern Jacksons empfohlen, als es um Fragen zur Instandhaltung seiner Anlagen ging. Ich besuchte 3 – 4 Mal Neverland, meist wegen Sicherheits-Inspektionen, oder um Fragen zur Instandhaltung zu klären.

The Pinnacle ListWährend den ersten beiden Jahren, in denen Neverland in Betrieb war, entwickelte ich eine gute geschäftliche Beziehung mit der Ranch, aber auch eine Freundschaft mit dem Manager. Bei einem der Treffen informierte ich den Ranch Manager darüber, dass mir das viele Reisen (an 300 Tagen im Jahr) zu viel wurde, und ich mich nach einer Stelle in einem Vergnügungspark umsehen wollte. Ich nannte ihm auch die beiden Parks, für die ich mich interessierte. Seine Antwort überraschte mich: „Wie wäre es, wenn du hier arbeiten würdest?“

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorstellung von der wohltätigen Arbeit, die auf Neverland geleistet wurde. Ich dachte, es sei einfach nur ein Ort, an dem Mr. Jackson Spass haben konnte. Ich war kein Michael Jackson Fan, hatte aber genug musikalisches Verständnis um zu erkennen, dass er ein unbeschreiblich talentierter Entertainer war. Ich hatte von Neverland auch genug gesehen, um zu wissen, dass es Klasse hatte, dachte aber, dort zu arbeiten sei sicher… langweilig. Ich entschied mich dazu, mir anzuhören, was die verantwortlichen Leute über eine mögliche Beschäftigung auf Neverland zu sagen hätten. Das stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus.

Valmai: Wie lief ein typischer Tag auf Neverland ab, wenn Michael zuhause war?

Big Al: Wenn Mr. Jackson zuhause war, oder wir Gäste hatten, begann mein Tag etwa um 5.00Uhr morgens mit dem Klingeln des Weckers. Ich begann um 7.00 Uhr damit, den Dampfzug anzuheizen. Auf der Ranch gab es nur zwei Personen, die diesen Zug anheizen und bedienen konnten. Einer von uns kam früh morgens, und der andere etwa um 14.00 Uhr, und arbeitete bis abends.

Wenn die Dampflock mit genügend Dampf gefüllt war, machte ich sauber und zog für den restlichen Tag meine Uniform an. Ich war dann auf Abruf bereit, und hörte, ob dieser Zug – oder auch der andere – über Funk zu einer Fahrt angefordert wurde. Normalerweise wechselte ich zwischen den beiden Zügen, ich fuhr mit ihnen von einem Ende des Tals, zum anderen, und lies ab und zu ein Pfeifsignal los. Mr. Jackson mochte es, dass der Zug und das Geräusch des Pfeifsignals zu Magie Neverlands beitrugen.

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Valmai: Wir wissen, dass Michael gerne Streiche spielte. Hat er das mit dir auch getan? Was waren seine lustigsten Streiche?

Big Al: Ich arbeitete gerade erst seit ein paar Wochen auf Neverland und es war ein sehr warmer Tag. Ich trug einen Anzug – und dachte bei mir, dass es viel zu warm sei, einen Anzug zu tragen. Ich stand mit dem Rücken zu dem Weg, der zum Vergnügungspark führt und zerkleinerte Eis für die Eismaschine. Aus den Augenwinkeln sah ich ein Golf Cart mit mehreren Personen herankommen, das hinter mir anhielt. Ich zerkleinerte weiter mein Eis und hörte eine Stimme sagen: “Ganz schön heiß heute, oder?” Ich drehte mich um, stimmte zu und beschäftigte mich weiter mit dem Eis. Dann: “Wums!”- ein Wasserballon traf mich mitten am Rücken! Als das Golf Cart davon brauste, hörte ich Mr. Jackson rufen: “Ich war’s nicht.” Ich bemerkte, dass es mir jetzt schon viel kühler war und dachte mir: “Ich hatte noch nie zuvor einen Chef, der mich mit einem Wasserballon beworfen hat, ich glaube, das ist ein lustiger Arbeitsplatz.” Diese Erinnerung ist haften geblieben, denn ich war damals erst seit ein paar Wochen auf Neverland und hatte, bis auf ein paar Fahrten, die er auf den Karussells, für deren Betrieb ich auch zuständig war, machte, nur wenig persönlichen Kontakt mit Mr. Jackson.

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Valmai: Was tat Michael, neben seiner Arbeit im Entertainment, am liebsten in seiner Freizeit?

Big Al: Ich kann nur über seine Freizeit auf Neverland sprechen. Ich glaube, er mochte dort alles, Karussell fahren, Filme ansehen, den Zoo besuchen und ohne Zweifel auch Wasserballonschlachten! Neverland gab Mr. Jackson und auch seinen Gästen die Möglichkeit, zu entspannen und dem Alltagsstress zu entkommen. Auch wenn er im Studio war und arbeitete, wollte er immer alles über die Gästen hören und wie ihr Tag auf Neverland gewesen war. Es war ihm sehr wichtig, dass sie dort einen angenehmen Tag verbrachten.

Valmai: Hattest du auch persönliche Begegnungen mit Michaels berühmten Freunden, z.B. mit Elizabeth Taylor oder Lisa Marie Presley?

Big Al: Ich glaube, während meiner Zeit auf Neverland habe ich sie alle getroffen! Besonders gut erinnere ich mich an Gregory Peck. Er war zu Besuch mit seiner Familie. Ich saß mit ihm unter einer der Eichen, während seine Famile mit den Karussells fuhr. Mr. Peck fragte mich, wie ich nach Neverland gekommen war, und die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, ihm meine Geschichte zu erzählen. Als er dann ging, dankte er mir, und sagte ich sei ein interessanter Mensch. Er sagte es mit solcher Herzlichkeit, dass ich es niemals vergessen werde. Ich dachte bei mir: „Wow, dieser Mann… er ist eine Ikone, eine Legende, und er ist fasziniert von meinem Leben als Schausteller.“

Valmai: Kannst du etwas über den Eindruck sagen, den ein Tag auf Neverland bei den Kindern, die dort zu Besuch waren, hinterließ? Hast du sogar irgendwelche magischen Dinge gesehen?

Big Al: Die Eindrücke, die ein Tag auf Neverland bei den kranken Kindern oder den Kindern aus den Stadtzentren hinterliess, sind unbeschreiblich. Man müsste es eigentlich von ihnen selbst hören. Ich weiß, dass wir Briefe von Ärzten und Krankenschwestern, Begleitern und Eltern erhielten, die mich wirklich zum Weinen brachten. Manche dieser Kinder waren so krank, dass es wie ein Wunder erschien, dass sie wenigstens diesen einen Tag ihre Krankheit vergessen konnten. Und die Kinder aus der Stadt, die noch niemals aus ihrem Viertel heraus gekommen waren, konnten auf diese wunderbare Art sehen, dass es immer Hoffnung gibt.

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Valmai: Schien Michael auf Neverland glücklich zu sein?

Big Al: Sehr sogar!

Valmai: Was war einer der glücklichsten Augenblicke Michaels?

Big Al: Das kann ich nicht beantworten. Ich glaube aber, dass es ihn sehr glücklich machte zu sehen, wenn die kranken Kinder, oder die Kinder aus dem Stadtzentrum, auf Neverland einen wunderbaren Tag verbrachten.

Valmai: Wenn du an die Zeit zurück denkst, die du mit Michael auf Neverland verbracht hast, an welches Ereignis erinnerst du dich am liebsten?

Big Al: Das ist eine schwierige Frage, es gibt so viele unbeschreiblich glückliche Erinnerungen. Wenn ich eine herauspicken müsste, dann wäre es eine der Gelegenheiten, als ich Mr. Jackson zum Lachen brachte. (Ich brachte ihn sehr oft zum Lachen.) Dazu muss ich erst einmal fragen, ob du das Video „Speed Demon“ kennst? Am Anfang davon, wenn Michael diesen beiden fetten Zwillingen auf den Scootern begenet? Wenn du es nicht kennst, musst du es zuerst ansehen, bevor du weiterliest. …Ok, du bist zurück?

Ich bin also irgendwo im Vergnügungspark und bekomme eine Mitteilung per Funk: „Mr. Jackson hätte gerne zwei Scooter in den Park gebracht.“ Ich schnappte mir Dan und wir sprangen in mein Golf Cart um zu der Scheune zu fahren, in der die Scooter waren. Nun musst du wissen, Dan wiegt etwa 130 Pfund (ca. 54 kg) Und im Gegensatz dazu bin ich etwa 1,68 m groß und wiege 320 Pfund (ca. 145 kg) Du kannst dir also denken, in welche Richtung diese Geschichte geht. Dan und ich fahren also mit den Scootern in Richtung Park und als wir noch knapp 100 m von Mr. Jackson entfernt sind, bemerke ich, dass er mich ansieht und lacht. Ich stoppe dann knapp vor seinen Füssen und die Worte kamen einfach raus: „Hey Mister, willst du meinen Bauch signieren?“ Er musste so sehr lachen, dass ihm die Tränen kamen.

Valmai: Wie würdest du es finden, wenn Neverland als eine Art Gedenk-Park, in der Art von Graceland, geöffnet würde, und glaubst du, Michael würde das gefallen?

Big Al: Absolut! Ich weiß, dass über diese Möglichkeit gesprochen wurde, pro und contra. Es gibt Berichte, dass Mr. Jackson sagte, er hasse Neverland und würde nie wieder dort leben wollen. Wenn ich bedenke, was die Staatsanwaltschaft, der Sheriff und „diese Familie“ dort getan haben, habe ich auch keine Zweifel daran, dass diese Berichte stimmen. Ich glaube jedoch, Mr. Jackson hätte Neverland schliesslich wieder eröffnet. Warum ich das glaube?

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Nun, im Lauf meiner 15 Jahre auf Neverland hatte ich viele lange Gespräche mit Mr. Jackson über Neverland, oft saßen wir an einem Tisch unter einer großen Eiche. Wenn man in seine Augen sah und seine Stimme hörte, blieb kein Zweifel daran, dass diese wohltätige Arbeit zu den wichtigsten Dingen seines Lebens zählte. Ich glaube, die Bedeutung dieser magischen Tage mit den kranken Kindern hätte mit der Zeit wieder den Weg in Michaels Herz gefunden. Die Briefe von Ärzten und Schwestern der Kinderkrankenhäuser, die Briefe der Eltern über die Erinnerungen ihrer Kinder an den Neverland-Trip, machten sehr deutlich, wie wichtig diese wohltätige Arbeit Mr. Jacksons auf Neverland war.

Ich freundete mich mit einem Kind mit Cystischer Fibrose an. Jeff besuchte Neverland zum ersten Mal mit dem Kinderkrankenhaus von LA und das zweite Mal im Rahmen des jährlichen Familien Tages für die Angestellten. Nach einem Tag auf Neverland sah er mich an und sagte: “Ich weiß nicht, ob ich Michael Jackson, den Entertainer mag, aber ich bin sicher, ich mag den Menschen Michael Jackson.”

Jeff verstand Michael und die Bedeutung von Neverland… und während ich das hier schreibe und an Jeff und die schöne Zeit auf Neverland denke, verstehe auch ich die Bedeutung von Neverland. Wenn man Neverland wieder in den Zustand seiner Blütezeit zurück bringen würde, es zeitweise, um sich selbst zu tragen, für die Öffentlichkeit öffnen würde, und die andere Zeit für wohltätige Zwecke, dann wäre es für beide Seiten ein Gewinn.

Valmai: Wann hast du zum letzten Mal mit Michael gesprochen und worüber?

Big Al: Mein letztes Gespräch mit Mr. Jackson fand während des Prozesses statt. Es war nicht sehr viel Gespräch. Ich sah ihn manchmal morgens, wenn er losfuhr, oder nachmittags, wenn er zurück kehrte. Es war mehr ein gegenseitiges begrüßen. Ich hoffe, er konnte an meinen Augen ablesen, dass ich mich um ihn sorgte und wie sehr ich mir wünschte zu wissen, was ich tun oder sagen könnte. Das ist jetzt das erste Mal seit langer Zeit, dass ich mich daran erinnere. Ich habe eine Unmenge an viel schöneren Erinnerungen, auf die ich mich konzentriere.

Valmai: Was ist das wertvollste Geschenk, das du von Michael erhalten hast, wie hat er dein Leben verändert?

Big Al: Nachdem ich viel Zeit in seiner Nähe verbrachte und besser verstanden habe, was für ein Mensch er ist, habe auch ich gelernt, mehr gemeinnützige Arbeit zu tun, nicht voreingenommen zu sein, und alles zu tun, um denen zu helfen, die weniger Glück hatten, als ich, und höflicher und netter zu sein. Dank meiner Zeit auf Neverland und mit Mr. Jackson, bin ich jetzt ein besserer Mensch.

Valmai: Was ist Michaels wichtigstes Vermächtnis?

Big Al: Ich bin sicher, die meisten Menschen würden sagen, es ist seine musikalische Karriere. Ich jedoch sage, es sind seine humanitären Leistungen, sowohl die bekannten, als auch die, von denen niemand weiß.

Valmai: Wenn du noch einmal einen Tag mit Michael verbringen könntest, wie würde dieser Tag aussehen?

Big Al: Nach dem ich diese Frage gelesen hatte, brauchte ich einige Zeit, um mich wieder zu fassen. Ich würde den Tag damit verbringen, ihm zu danken, bis er mich davon abhalten würde. Danach würde ich wieder meine Arbeit tun, und den „Entertainer entertainen“.

Valmai: Wenn du der Welt noch eine Sache mitteilen könntest, was würde es sein?

Big Al: Wenn ich nur wüsste, wie… dann würde ich gerne die Welt wissen lassen, welch ein aufrichtiger Mensch Mr. Jackson war.

Danke, Big Al, dass du deine besonderen Erinnerungen mit uns geteilt hast.

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Übersetzung: M.v.d.Linden

Interview mit Thomas Bähler (She’s Out Of My Life)

Übersetzung eines Interviews mit Thomas Bähler aus dem Buch Let’s Make HIStory (An Insight into the HIStory Album) von Brice Najar  (Ein absolut lesenswertes Buch mit vielen Interviews mit den Leuten, die mit Michael im Studio zusammengearbeitet haben.)

https://www.amazon.de/Lets-Make-HIStory-insight-album/dp/1533296723

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Thomas Bähler hatte, wie sein Bruder John, die Gelegenheit, mit Michael Jackson sowohl während seiner Zeit bei Motown, als auch in den späteren Jahren zusammenzuarbeiten. Er war Co-Produzent von Michaels Duett mit Diana Ross, ‘Ease On Down The Road’, während Michaels erster Zusammenarbeit mit Quincy Jones. Thomas’ Bericht ist sehr bedeutend, besonders, da er über seine Komposition ‘She’s Out Of My Life’, erzählt, eines der klassischen Stücke Jacksons. Er ist ein echter Profi und ich freue mich, dass er so nett war, diese kostbaren Erinnerungen mit uns zu teilen.

Erinnerst du dich noch an dein erstes Zusammentreffen mit Michael Jackson, als du gemeinsam mit deinem Bruder John als Vocal-Coach und Arrangeur für Motown gearbeitet hast?

Ich schrieb über mein erstes Treffen mit Michael in meinem Buch What You Want Wants You, weil es während meines ersten Arrangements für sie stattfand. Trotzdem erinnere ich mich nicht an den Song, ich habe so viele unterschiedliche Dinge gemacht, dass es einfach nur ein Gig von vielen war, aber es war mein erster Job für sie. Als ich dorthin kam, waren seine Brüder in der Lounge des Studios. Ich hatte mein Arrangement in der Aktentasche und ging ins Studio, während sie gerade in Aufnahmekabine waren und die Bänder wechselten. Ich lief also in das Studio, das nicht beleuchtet war, und deshalb beachtete ich Michael, der in der Rundung des großen Konzertflügels stand, zunächst garnicht. Er stand von mir abgewandt und bemerkte deshalb auch nicht, dass ich hereinkam. Ich ging also rein, öffnete meine Tasche, die aus Leder war und deshalb keine Geräusche machte. Plötzlich begann er völlig unvorbereitet Climb Every Mountain zu singen und ich war fasziniert! Ich hatte niemals zuvor eine solche Stimme gehört, und auch nicht danach, und ich kannte natürlich ihre Hits und war ein Fan davon. Ich glaube er hat nicht einmal bemerkt, dass ich da war und es war faszinierend. Dann kamen seine Brüder zurück (er hat nur etwa 20 Tackte des Songs gesungen), machten das Licht an und so traf ich sie dann schliesslich alle zusammen. Wie gesagt, ich erinnere mich nicht mehr an daran, an welchem Song wir arbeiteten, aber das war unser erstes Zusammentreffen. Es war immer ein Vergnügen, mit ihnen zuarbeiten, sie waren liebenswerte junge Männer und Michael war eine Klasse für sich.

In deinem Buch What You Want Wants You hast du geschrieben, der Song Too Young, von seinem Album Music & Me, sei dein Lieblingsstück von Michaels Zeit bei Motown. Kannst du uns erklären, warum?

Also, dieses Lied war in den 1950er Jahren ein großer Hit, ein Nr. 1 Song von Nat King Cole. Nat King Cole war einer der Lieblingskünstler meiner Jugendzeit und diesen Song mochte ich besonders, und auch das Arrangement von Ralf Carmichael gefiel mir sehr gut, es war einfach herrlich! Und obwohl es Michaels Album war, sangen seine Brüder im Background, und sehr oft war es so, dass mein Bruder und ich mit ihnen sangen, wenn sie Background sangen. Mein Bruder und ich hatten das Talent, im Background zu verschwinden, oder nicht besonders hervorzustechen, es gehörte zu unserer Routine. Aber ich möchte ganz klar sagen, der einzige Grund, warum wir bei ihnen mitsangen war, sie selbst noch besser zu machen. Wir sangen mit ihnen, weil es ihnen irgendwie etwas mehr Selbstvertrauen gab. Auf dem Band, das sie mir geschickt hatten um den Background hinzuzufügen, war eine unbearbeitete Version des Orchesters und von Michaels Gesang, und es rührte mich zu Tränen. Ich saß zuhause, hörte die Kassette an und war dabei, Arrangements für die Jungs zu bearbeiten, und ich dachte nicht, dass mir der Song noch besser gefallen könnte. Aber als Michael sang – und er war erst 14 Jahre alt – sang er einfach mit so viel Gefühl. Es als die Emotion eines Erwachsenen zu beschreiben ist nicht ganz passend, weil es war unabhängig von Geschlecht und Alter, es war einfach nur wunderschön. Ich fand es war eine hervorragende Entscheidung des Produzenten, diesen Song für Michael auszuwählen, denn dieses Kind sang jetzt darüber, verliebt zu sein. Es war ein besondere Augenblick für mich und es gehört immer noch zu den besten Vocals die ich kenne, besonders die letzten Noten davon. Als ich es zum ersten Mal hörte, wie er es immer weiter und weiter aufbaut, dachte ich: „Nein, er wird doch nicht bis dahin gehen?“ Oh mein Gott, er tut es! Er hat es einfach drauf!“

Während all der Zeit, die wir zusammen verbrachten, hat Michael mich immer wieder auf wunderbare Art überrascht. Sein Ausdruck in diesem Lied war so unterhaltsam. Er mochte die wirklich großen Sänger wie Frank Sinatra und er studierte, wie sie sich ein Lied einfach ganz natürlich aneigneten. Ich weiß, dass Michael viel übte, aber er übte, um sich frei zu machen und das Endprodukt kam immer direkt aus seinem Herzen.

Später warst du dann einer der wenigen, die dabei waren, als Quincy und Michael sich zum ersten Mal trafen, um den Soundtrack für The Wiz aufzunehmen.

Ich war nicht bei diesem ersten Meeting, aber ich hörte davon, weil ich Michael schon seit 1973 kannte, und Quincy und ich uns auch in dem gleichen Jahr kennenlernten. Als Quincy gefragt wurde, musikalischer Leiter zu werden und ich ihn wissen lies, dass ich daran interessiert wäre, mit ihm mitzuarbeiten, sagte er: „Großartig! Du arbeitest an den Vocals.“ Aber er brauchte mich nicht als Produzent für die Vocals des Soundtracks, denn Quincy konnte Vocals jederzeit selbst bearbeiten! (lacht)

Sie waren also in New York und arbeiteten daran, und ich war nicht selbst anwesend, aber Quincy rief mich an, wir sprachen wirklich jeden Tag miteinander, und er sagte: “Wow, Michael ist wirklich sehr besonders!“ Ich sagte: „Er ist der Fred Astaire unserer Generation! Also, ich habe nie etwas ähnliches gesehen!“ Ich war nicht wirklich überrascht, aber hocherfreut, das zu hören. Als das Projekt voranging, hörte ich, dass Quincy nicht sonderlich begeistert war von dem Song „You Can’t Win“, den Michael als Vogelscheuche singen sollte. Ehrlich gesagt halte ich ihn auch nicht für einen großartigen Song, aber Michael verwandelte ihn in etwas besonderes… einfach, weil er Michael war. Ich kannte sie also beide, und ich war begeistert, dass Quincy von Michael begeistert war; es war genau das, was ich erwartet hatte.

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Michael & Quincy Jones

Es ist allgemein bekannt, dass Quincy Jones dich „Nad“ nennt. Wie kam es zu dem Spitznamen?

Bevor ich aufs College ging, besass ich zwei Platten, die ich jeden Abend vor dem Schlafengehen spielte, die eine davon war Quincy Jones The Birth of a Band und die andere Julie Londons Julie Is Her Name. Als ich umzog um aufs College zu gehen und in diesem kleinen Trailer wohnte, nahm ich meinen kleinen, tragbaren Plattenspieler mit, aber vergaß, Platten mitzubringen, und diese beiden LPs waren gerade im Spieler drin. Deshalb hörte ich sie das ganze Semester lang an! Es war interessant, denn je nach meiner Stimmungslage am Abend, begann ich entweder mit Julie London, die einfach nur mit Barney Kessel an der Gitarre zu hören war, und danach kam dann Quincys The Birth Of A Band LP. Ohne große Hintergedanken meinerseits, sah ich mich vor dem Schlafengehen immer mit Julie und Quincy zusammen arbeiten. Ich mochte einfach diese Vorstellung, es war nicht so, dass ich dachte „Genau das werde ich tun!“ Ich sah mich einfach mit ihnen zusammen, und dachte, das wäre schön. Ich mochte beide sehr.

Sechs Jahre später rief Julie mich an, und ich arbeitete mit ihr, und wir hatten eine großartige Freundschaft. Und 11 Jahre später rief Quincy an, als ich gerade bei Western Records am Sunset Boulevard arbeitete. In diesem Studio gab es an 4 Telefone der Wand, aber man konnte damit nicht hinaus telefonieren. Wir wurden angerufen, wenn jemand für einen Gig gebraucht wurde, und irgendwann sagte die Telefonistin: „Hey, Quincy Jones möchte mit dir sprechen.“ Und ich sagte: „ Na dann stell in durch.“ Ich war begeistert! Ich hatte keine Ahnung, warum er mich anrief. Ich hatte ein paar Arrangements für Sahra Vaughan gemacht, und zufällig war Quincy Jones an der Aufnahmekabine vorbeigekommen, als sie gerade am Abmischen von Sahra Vaughans neuster Stilrichtung waren, und ich hatte alle Vocal-Charts davon gemacht. Sie waren gerade dabei, ihre Stimme auszubalancieren, als er seinen Kopf zur Tür herein steckte und sagte: „Wow, wer hat diese Vocal-Charts gemacht?“ „Oh, das war Tommy Bähler.“ „Wisst ihr, wie ich ihn erreichen kann?“

Und so bekam ich diesen Anruf von Q und ich sagte: „Mensch, das ist so klasse, deine Stimme zu hören. Ich bin ein großer Fan!“ Er sagte: „Danke, ich habe eben ein paar deiner Charts gehört, und ich arbeite gerade an einem neuen Album. Ich würde mich freuen, wenn du mit daran arbeiten könntest. Kannst du her kommen?“ Er gab mir seine Adresse, draussen in Brentwood. Ich fuhr also hin und klopfte an seiner Tür. Seine Vordertür ist aus Glas, und Quincy hat einfach den coolsten Gang, und während er da den langen Flur entlang lief, sah er nach unten, auf den Teppich und als er dann aufsah… seine Reaktion! Er öffnete also die Tür und sagte: „Bist du Tommy Bähler?“ „Ja, bin ich.“ „Du bist nicht weiß!“ „Naja, ich bin wie ich bin.“ Er lachte und wir umarmten uns sofort, und er führte mich in sein Haus. Normalerweise bringen dich die Leute in ihr Wohnzimmer, wenn du zu ihnen nach Hause kommst. Aber ich denke, Quincy und ich fühlten uns auf Anhieb so wohl miteinander, dass er mich gleich in die Küche führte, was sich sehr gut anfühlte. Wir standen neben dem gemauerten Herd und sprachen 10 Minuten lang, als er plötzlich sagte: „Mensch, deine Mutter muss dir eine Überdosis Nadinola gegeben haben, als du klein warst!“ Ich fragte: „Was ist das?“ „Das ist eine Bleichcreme, die Schwarze benutzen, um ‘zu passen’. Und du passt, Mann!“ (lacht)

Es war das netteste, was er je zu mir hätte sagen können, es war das allerschönste Kompliment. Also, von dem Punkt an war ich „Nadinola“ oder „Sir Nadinola“ oder einfach nur „Nad“. Viele Leute haben nicht gewusst, warum, aber das ist OK., denn bei Quincy ist es so, dass er Leute so benennt, wie es für ihn eine Bedeutung hat. Michael war „Smelly“ und auch all seine Kinder haben Spitznamen. Es gab immer einen Grund dafür, aber er alleine wusste, was das war. Ich war also begeistert davon, „Nad“ genannt zu werden, und ich trage den Namen mit Stolz. Michael gewöhnte sich nie richtig daran, mich Nad zu nennen, denn er kannte mich schon, bevor er Quincy kennenlernte, und er rief mich immer Tommy. Aber Bruce Swedien nennt mich Nad und „Mouse“ nennt mich auch Nad. Und weißt du, wer „Mouse“ ist? Greg Phillinganes! Und ich glaube, Quincys Ex-Frau Peggy nannte mich auch Nad.

Dann hast du auch das Duett von Michael und Diana Ross, Ease On Down The Road, produziert. In deinem Buch nennst du sogar alle Musiker, die an dem Song beteiligt waren, was sehr gut ist, weil die Credits nicht so genau sind.

Ja, das hab’ ich gern getan. Wenn du das Album hast, kannst du sehen, dass Quincy sehr gut darin war, jedem seine Credits zu geben, er hat das immer wunderbar gehandhabt. Was ich in dem Buch nicht erwähne ist der Teil in der Aufnahme, den ich sehr liebe, Jerry Heys Teil war. Er zu der Zeit war mein Trompeter und auch Quincys, und auch ein großartiger Arrangeur von Blechbläsern. Quincy und ich riefen Jerry Hey immer an und sagten: „Hey Jerry! Das ist, was wir haben.“ Und dann sangen wir ein paar Takte von dem, was wir gehört hatten und er erledigte dann den Rest. Das witzige bei Ease On Down The Road war dieser großartige Piano-Teil, der von David Foster kam, und er ist so cool! Es war um die Zeit (etwa 1978) als die Zugtrompete aufkam, so ähnlich wie eine Posaune, aber kleiner, mit einem Zugbügel anstatt Ventilen. Ich hörte diesen (Piano)-Teil (singt den Teil vor und imitiert eine Trompete), den man mit Ventilen spielen konnte, aber mit einem Zugbügel wäre es noch viel besser gewesen. Ich rief also Jerry Hall an und sagte: „Diesen Teil möchte ich haben!“ Und es machte so viel Spass, das mit ihm und Gary Grant aufzunehmen. Ich habe das im Buch nicht erwähnt, aber ich wollte es jetzt mit euch teilen, weil es so viele tolle Anekdoten und Erinnerungen gibt, die ich gerne mit interessierten Leuten teile.

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Thomas Bähler & Michael, We Are The World Session

Dein Buch gab auch einen Einblick in die Vocal-Session, (für Ease On Down The Road) bei der du mit Diana Ross und Michael in Los Angeles gearbeitet hast.

Ja, sie hatte tatsächlich einen schlechten Tag und ich fragte sie nie danach, was es war. Wir sind alle nur Menschen und ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, Diana sei etwas anderes als absolut wunderbar, denn ich bewundere sie sehr und habe so oft mit ihr zusammen gearbeitet.

Aber dieses erste Treffen war unglücklich… Wir hatten also den Track von Ease On Down The Road in New York fertiggestellt und weil die Filmaufnahmen beendet waren, waren Michael Und Diana in Los Angeles. Bis dahin hatte ich noch nicht mit Diana gearbeitet, ich hatte lediglich ein paar Arrangements für sie bei Motown gemacht, aber wenn du am Background-Gesang gearbeitet hast, war es meist so, dass du den Künstler gar nicht getroffen hast, es sei denn, es waren die Jacksons. Du kommst, machst deine Arbeit, und gehst wieder.

Wir hatten also das Studio gebucht, es war Wally Heiders Studio, das berühmte Studio am Cahuenga Boulevard, das es jetzt nicht mehr gibt. Wall Heiders Studio war in LA das beste für Gesangsaufnahmen, und auch für Gesangsgruppen, weil es einen Raum hatte von der Größe zweier Klassenzimmer. Wally war ein großes Aufnahmetalent, und er hatte gerade sein Studio um einen weiteren Raum für Gesangsaufnahmen erweitert, und das war der Raum, in dem wir aufnehmen würden. Ich glaube, der Termin war um 14:00 Uhr, und genau um 14:00 kam Michael herein. Er war immer sehr pünktlich… ausser wenn du zu ihm nach Hause kamst, das war etwas anderes. Ich will nicht sagen, dass er dich dann warten lies, aber er war dann sehr viel lockerer. Aber wenn man einen Termin hatte, dann war er auch da. Er kam also herein und es war toll, ihn zu sehen, wir umarmten uns und lachten und hatten Spass. Michael hatte diese Art von trockenem Humor, und deshalb stichelten wir uns immerzu.

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Michael Jackson & Diana Ross

Ich wunderte mich und fragte: „Wo ist Diana?“ und Michael sagte: „Also, ich habe sie ja nicht unter Beobachtung.“ Sie kam dann schliesslich um 15:30 Uhr. Wir hatten während der Wartezeit ein paar Leute angerufen, aber niemand wusste, wo sie war. Sie kam herein, sah sich um und zeigte auf mich und fragte: „Wer sind sie?“ Ich antwortete: „Hi, ich bin Tommy Bähler, wir kennen uns noch nicht, ich freue mich, sie zu treffen. Ich bin ein großer Fan und freue mich, hier zu sein und als Co-Produzent mit ihnen zu arbeiten.“

Was soll das heissen? Quincy und ich produzieren das hier zusammen. Wo ist Quincy?“

Also Quincy ist in New York und arbeitet an dem Film. Und ich arbeite schon seit Jahren mit ihm zusammen, das ist der Grund, warum ich jetzt hier bin.“

Oh Mann.“

Und dann kam Michael auf seine nette Art zu meiner Rettung, denn er sah, dass Diana nicht erfreut war. Er sagte: „Oh Diana, Tommy ist großartig, wir haben schon oft zusammen gearbeitet, du wirst ihn lieben, er ist wunderbar.“

Wir gingen ins Studio und sie war nett zu ihm, aber einfach nur freundlich und nicht so, wie ich es erwartet hätte. Wir begannen mit den Gesangsaufnahmen, aber es war einfach nicht das, was es sein sollte. Es war nicht schlecht, weil Michael und Diana garnicht schlecht singen können, sie wissen nicht einmal, wie das geht, aber die Energie war nicht zu spüren. Sie war nicht voll konzentriert. Ob bei Proben oder einem Auftritt, Michael ist immer120% dabei, er macht nie einen Fehler, er ist einfach so! Aber jetzt wollte es einfach nichts werden… und je mehr wir es versuchten, desto unglücklicher wurde sie.

In meinem Buch What You want Wants You geht es in einem Teil auch darüber, dass ich mich bei besonderen Herausforderungen selbst frage: „Was will ich?“ und in dem Fall wollte ich Michaels Produzenten, Quincy Jones, Vocals liefern, auf die ich stolz sein könnte, und mir wurde klar, dass ich diese nicht bekommen würde. Ich fragte mich also, was ich tun könnte. Die Session neu ansetzen? Ich würde nie einen Künstler kritisieren, das ist nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass sie sich wohl fühlen und ihnen Vertrauen zu schenken, damit sie ganz sie selbst sein können. In dem Bereich war Quincy mein Mentor, und niemand ist darin besser. Ich drückte also den Knopf der Gegensprechanlage und sagte: „Wisst ihr, wir werden einen neuen Termin buchen.“ Diana sagte: „Was? Warum das denn“ Ich fragte sie dann: „Diana, gefällt dir das, was wir bisher haben?“ Und sie sagte nichts, weil sie es wußte. Sie wußte an dem Punkt, dass ich ihr heraushelfen wollte, denn was auch immer es war, was mit ihr nicht stimmte, es hatte nichts mit unserem Termin zu tun. Sie sagte nichts, stand einfach da mit abgewandtem Blick. Ich sagte: „Also dann, ich werde euch anrufen. Wir werden das in den nächsten Tagen in Angriff nehmen.“ Michael rollte mit den Augen und sagte: „Mensch, das tut mir so leid.“

Wir machten etwa zwei Tage danach einen neuen Termin, sie kamen zusammen an, pünktlich, und wir brauchten nur eine einzige Aufnahme für den Song! Sie übertrafen sich selbst, und das hatte ich eigentlich auch erwartet, weil sie das den ganzen Film hindurch auch getan hatten. Diana war ab da sehr freundlich zu mir, und wenn ich mich nicht irre, hat sie sich bei mir bedankt. Ich sagte: „Ich möchte, dass es dir so gut gefällt, wie uns.“ Danach habe ich noch verschiedene Events für sie produziert, weil sie wußte, dass sie sich mit mir sicher fühlen würde. Sie ist eine fabelhafte Frau und eine großartige Künstlerin, und nicht nur, weil sie mit den Supremes die erste schwarze Frauengruppe im Mainstream-Pop waren. Oft wurden ihre Songs zum Mainstream, aber oft waren es auch die Coverversionen, von anderen gesungen. Jedenfalls habe ich sie immer sehr respektiert und sie hat einen Platz in meinem Herzen. Sie ist eine fantastische Frau.

Du bist in diesem Buch einer der Songschreiber und Komponisten, die einen Song vom Anfang bis zur Fertigstellung begleitet haben. Wir sollten deshalb etwas näher auf She’s Out Of My Life eingehen. Wann wurde er geschrieben? War es ein persönlicher Song? Ich meine, du hättest das Lied einfach für dich selbst schreiben können, um eine persönliche Geschichte und deine Gefühle zu verarbeiten. Aber es ist auch ein Stück, bei dem wir alle mitfühlen können, weil jeder schon einmal eine abgebrochene Beziehung erlebt hat und es eine sehr verbreitete Thematik ist.

Ich schrieb den Song 1977 und Michael nahm ihn 1979 auf. Ouincy und ich standen uns immer sehr nahe und handelten oft intuitiv. Wir haben nicht ständig zusammengearbeitet, aber ganz gleich, wie viel Zeit dazwischen verging, es war immer so, als seien wir nicht auseinander gewesen. Ich denke, so ist das wohl bei Freunden oder Leuten, mit denen man gut zusammenarbeitet.

Ich hatte also diese wunderbare Freundin und war für ein paar Jahre verheiratet gewesen, bevor diese Ehe in die Brüche ging. Ich traf dann diese wunderbare Frau und verliebte mich in sie. Ich mochte auch ihre Familie und sie mochten mich. Das einzige Problem war, dass ihr Vater Kubaner war, und als ich zum ersten Mal mit ihr ausging, wartete er auf uns, bis wir nach Hause kamen, und sagte:

Ich möchte mit dir reden. Wieso hast du Interesse an meiner Tochter?“

Sie ist eine wunderbare Frau, und ich möchte mit ihr zusammen sein.“

Wenn du mit ihr zusammen sein möchtest, dann solltest du besser darüber nachdenken, sie zu heiraten.“

Das waren dann also die Regeln, aber es störte mich nicht allzu sehr, ich dachte es sein sowieso Liebe auf den ersten Blick. Aber irgendwie machte ich gerade so einen Prozess der Selbst-Evaluation durch, ich fragte mich, was wohl mit mir alles nicht stimmt. Ich sprach mit ihr darüber und es ging so über Jahre, ihr Vater wurde schon ungeduldig. Schliesslich sagte sie: „Tommy, heirate mich oder ich gehe.“ Es klang wie eine Drohung, aber sie ist nicht diese Art Mensch, sie ist sehr liebenswert, schön und clever. Ich wußte, was sie damit sagen wollte, als ich es hörte. Ich forschte in meinem Herzen, aber ich konnte es einfach nicht tun. Es ging einfach nicht… Ich dachte trotzdem nicht, dass sie mich verlassen würde, aber sie tat es. Und dann war sie weg und ich war untröstlich.

Als sie weg war dachte ich, ich werde jemand anderen finden… aber es gab niemand anderen. Ich hatte einige Verabredungen mit wunderbaren Frauen, es war nichts an ihnen auszusetzen, aber jedes Date war nichtssagender als das vorherige. Aber es lag nicht an ihnen, es lag an mir. Ich weiß nicht, ob du jemals so aufgebracht warst, dass du laute Selbstgespräche geführt hast, aber ich war es. Ich fuhr den Pasadena Freeway entlang, kam von einem dieser nichtssagenden Verabredungen, es war 1977, und ich fing an, mit mir selbst zu sprechen: „Hey! Weißt du was? Sieh, sie war da, sie hat dich geliebt, ihre Familie hat dich geliebt, sie wollte dich heiraten, und du hast „Nein“ gesagt! Jetzt komm damit klar! Sie ist raus aus deinem Leben!“ (She’s out of your life!).

Ich habe schon viele Songs geschrieben, und jedes Mal ist es anders, Eine Frau, ein Mitglied meiner Familie, sie hat zwölf Kinder, und sie sagte einmal zu mir: „Jede Geburt ist anders.“ So ist es auch mit Songs. Manchmal kommen sie mit dieser kleinen, leisen Stimme, du hörst es und denkst „Oh“. Dann irgendwann bist du plötzlich in der richtigen Stimmung und dann wächst und wächst es… Aber als ich diese Worte „She’s out of my life“ sagte, kam es mit dem Getöse eines betrunkenen Cowboys der die Saloon-Türen zuschmeißt! Boom! Und plötzlich kam der ganze Song! Es ging „She’s out of my life / She’s out of my life / I don’t know whether to love or cry / I don’t know whether to live or die / And it cuts like a knife / She’s out of my life“

Das alles kam ganz schnell. Ich sagte es mir dann ständig vor, weil ich ja auf dem Freeway fuhr. Ich hatte schon als Kind gelernt, eine Idee sofort aufzuschreiben, wenn sie zu mir kam. Ich schreibe es immer sofort auf, dann habe ich keine Probleme mit meiner Erinnerung. Aber ich war am fahren, und dachte, dass ich es sicher vergessen hätte, bis ich zuhause wäre, deshalb habe ich es immer wiederholt, und auch die Melodie war schon da. Ich hörte die Melodie und den Text gleichzeitig. Und dann kam auch der zweite Vers:

„It’s out of my hands / To think for two years she was here / And I took it for granted / I was so cavalier…“ Als das Wort „cavalier“ (hochmütig) kam, dachte ich: „Wow, das Wort sagt einiges.“ Als Quincy später die Zeile „ And I took it for granted“ hörte, meinte er es ist besser du sagst „I took her for granted“, und ich stimmte zu. Dann ging es weiter mit der Bridge: “Now I’ve learned that love’s not possession / And now I’ve learned that love won’t wait / Now I’ve learned that love needs…“ An der Stelle fiel mir kein Wort ein, und ich lies es einfach frei. „But I’ve learned too late / And she’s out of my life…“ Und das hier sind die original Lyrics: „Damned indecision and cursed pride / Kept my love for her deep inside / Instead of being my wife / She’s out of my life.“

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Das war kontrastreich. Wenn ich solche Dinge schreibe, und sie einfach so zu mir kommen, merke ich, dass sie gut sind, aber gebe nicht mir selbst die Lorbeeren dafür, ich denke bloß: Ohh, das ist cool!“ (lacht) Ich kam also zuhause an, und das Lied war fertig, und in mancher Hinsicht ist es kein einfacher Song: Er hat verminderte Akkorde, was schwierig ist, und die Bridge geht in eine andere Tonlage über, und kommt daraus auf wunderbare Art hervor. Aber ich schreibe das nicht meinem Konto gut, es war einfach so, als ich es hörte und ich habe es nur ausgeführt.

Das fehlende Wort „expression“ kam erst später dazu, durch einen Freund von mir, (Ted Robinson) , der eigentlich Golfplätze plant. Wir verbrachten einen Abend zusammen, er kam zu mir und ich sagte: „Ich muss noch kurz unter die Dusche. Machs dir gemütlich.“ Er ging rüber zum Piano und sah die Lyrics dort liegen, und sah die Linie an der Stelle, wo ein Wort fehlte. Als ich schliesslich kam sagte er: „Dir fehlt noch eine Textzeile, würde das Wort „expression“ nicht gut passen?“

OH ja! Das ist super, Danke dir! Du willst jetzt hoffentlich nicht als Co-Autor aufgeführt werden?“

Wo denkst du hin! Das ist ein Geschenk an dich.“

So kam es dazu.

Wie kam es, dass She’s Out Of My Life schliesslich auf Off The Wall kam, obwohl du in deinem Buch geschrieben hast, dass es zuerst für Frank Sinatra gedacht war?

Mein Publisher war ATV Music, und ich hatte viel für sie gearbeitet. Das ist der Musikverlag, den Michael Jackson später gekauft hat, aber zu der Zeit gehörte er ihm noch nicht. Ich war mit deren Präsidenten eng befreundet, und als er ging, kam ich mir dort ziemlich verloren vor. Ich hatte mit den anderen nie einwirklich enges Verhältnis, ich habe auch nie direkt für sie gearbeitet. Ich bin immer zu Sam Trust, der dort Präsident war, und sagte zu ihm: „Hey, hör dir mal diesen Song an!“ Und er rief dann: „Hey Leute, kommt mal rüber und hört, was Tommy bringt!“ Aber als er dann nicht mehr da war, war die Stimmung anders. Ich kam also dorthin, und wußte, dass dieser Song ein Hit sein würde. Ich sagte: „Hey Leute, Kommt mal her, ich möchte euch diesen neuen Song vorspielen!“. Ich spielte den Song… und es kam keine Reaktion.

Habt ihr nicht richtig zugehört?“

Oh Tom, das ist nur eine dieser Balladen, und wir suchen keine Balladen. Wir suchen diese und jenes…“

Das ist ok, aber habt ihr den Song denn nicht gehört?“

Nein, nicht wirklich.“

Ok, bei allem Respekt, dann bin ich jetzt wohl zum letzten Mal in eurem Büro gewesen.“

Mir war klar, dass sie dieses besondere Etwas, was für mich ganz offensichtlich war, einfach nicht gehört hatten. Zumindest einer von ihnen hätte etwas sagen können, das war Steve Stone, mit dem ich befreundet war, aber er war an dem Tag nicht dabei. Er hätte sicher gesagt: „Macht ihr Witze? Ich liebe diesen Song!“ Aber so ging ich mit einem schlechten Gefühl, weil ich zwar wußte, dass es etwas besonderes war, aber gerne eine Bestätigung bekommen hätte.

Ich hatte für Cher Living In a House Divided geschrieben, er wurde von Snuff Garret produziert, der auch mit Barbra Streisand und Sinatra arbeitete. Sein Büro war ein Stockwerk weiter oben, also ging ich hoch zu ihm und sagte an der Rezeption, ich hätte einen neuen Song für ihn. Er kam aus einem Meeting und ich spielte ihm den Song am Piano vor. Er sagte:

Wow! Das ist ein Knaller! Mit wem würdest du gerne daran arbeiten?“ „Also ich kann da einen Mann mit Erfahrung hören, einen Mann, der schon viel erlebt hat. Ich hätte gerne, dass Frank Sinatra das singt.“

Ok, wir machen das nächste Woche!“

Wir schüttelten uns die Hände und das war es. Ich war beeindruckt, denn ich wollte schon immer einen Song für Frank Sinatra schreiben. Aber an dem Punkt der Geschichte kommt Quincy Jones ins Bild und es ist, als hätte er eine Art sechsten Sinn gehabt. Ich glaube das, denn ich schrieb den Song an einem Donnerstagabend, Freitags spielte ich ihn dem Publisher und Snuff vor. Dann ging ich nach Hause, und am Samstagmorgen klingelte das Telefon, und es ist Quincy:

Nad, bist du am schreiben?“

Ja, gerade Donnerstagabend habe ich einen Song geschrieben.“

Und, wie ist er?“

Ich denke, das wird ein Hit!“

Komm doch rüber und spiel ihn mir vor!“

Ich setze mich also ins Auto und fuhr zu seinem Haus, am Stone Canyon, wo er zu der Zeit wohnte. Er hatte mit Peggy zusammen ein wundervolles Haus im spanischen Stil, mit einem Gästehaus, das er als Büro nutzte. Darin gab es ein Fender Rhodes Piano und dahinter ein Sofa. Er setze sich auf das Sofa und sagte: „Spiel mir das Lied vor!“ Ich spielte und er sagte: „Spiel es noch einmal!“ Ich spielt es noch einmal. Das ging acht Mal so und er sagte sonst kein Wort! Dann sagte er:

Weißt du, wie wichtig dieser Song ist?“

Ja, ich denke, es ist ein Hit!“

Es ist mehr als das. Was sollen wir damit tun, was denkste du?“

Naja, ich habe gerade mit Snuff vereinbart, dass er ihn mit Frank Sinatra aufnimmt.“

Jetzt kommt eine von Quincys typischen, brillanten Bemerkungen:

Sinatra würde ihn so oder so aufnehmen, und ich weiß, dass Snuff großartig ist. Aber weiß er auch, dass du dabei Koproduzent sein willst?“

Oh, du weißt, dass würde er nicht tun!“

Aber ich würde es tun! Wir werden es zusammen produzieren und du weißt, Snuff würde sich nicht darauf einlassen.“

Ja, aber ich hab mit ihm schon einen Deal vereinbart.“

Ja, du hast mit ihm ausgemacht, es zu produzieren, aber nicht, dass du dabei Koproduzent bist. Ruf ihn an!“

Ich rief ihn zu Hause an, und mit Quincy neben mir sagte ich:

Hi Snuff, ich bin hier gerade bei Quincy, hab ihm gerade She’s Out Of My Life vorgespielt, und er hat ein paar Ideen dazu.“

Schade, denn wir beide haben schon eine Abmachung.“

Ich weiß das. Aber was sagst du, wenn ich es mit dir zusammen produzieren möchte?“

Zum Teufel nein! Ich werde es nicht mit dir koproduzieren!“

Quincy würde aber!“

Ja, kann sein, aber wir haben eineVereinbarung.“

Ich weiß, Snuff. Aber ich würde den Song gerne mit dir oder Q koproduzieren. Aber wenn du nein sagst, hätte ich einen Vorschlag. Ich würde dir einen Teil der Publishing-Rechte geben, als Ausgleich. Du müsstest also nichts tun und bekämst trotzdem ein Stück von dem Song, als Entschädigung für unsere Abmachung.“ „Das wäre ok.“

Super, danke!“

Ich legte auf und sagte: „Quincy, mit wem werden wir es aufnehmen?“

Ich habe eine Ahnung.“

Was? Ich habe gerade Sinatra aufgegeben und du sagst mir, du weißt nicht, mit wem du es aufnehmen willst?!“

Nad, vertrau mir. Ich verspreche dir eine unvergessliche Aufnahme.“

Dann hatten wir dieses Lied zwei Jahre auf Eis liegen, obwohl wir wussten, dass es ein Hit ist. Ich hatte schon ein paar andere Erfolge im Musikgeschäft, deshalb fragte ich nicht: „Wo bleibt mein Geld?“, aber ich dachte schon manchmal: „Oh Gott, ob das wohl die richtige Entscheidung war?“ Aber ich habe dennoch nie wirklich gezweifelt, denn ich vertraue Quincy voll und ganz. Es war sogar so, dass sich ein paar Leute für den Song interessierten, aber dann doch entschieden, ihn nicht aufzunehmen. Als Quincy dann begann, mit Michael zusammenzuarbeiten, und jeden Tag von ihm angerufen wurde, sagte Michael zu ihm: „Ich wünschte, du wärst mein Vater.“ Das sagte Quincy zu mir, und es hat mich nicht überrascht, denn Quincy ist ganz anders, als sein Vater. (Joe) Aber Michael sagte auch: „Ohne meinen Dad wäre ich nicht Michael Jackson.“ Er hat ihn also schon respektiert, und es war eher seine Art Quincy zu sagen: „Du bist so cool, ich wünschte, du wärst mein Vater.“ Und Quincy ist einfach so, sehr warmherzig…

Eines Tages sagte Quincy zu mir: „Michael möchte, dass ich sein Produzent werde.“ Und ich antwortete: „Das ist eine Verbindung, die der Himmel schickt! Ich kann mir niemand besseren vorstellen, als dich!“

Viele Leute wissen nicht, dass Quincy in den Sechzigern einige der wildsten Platten produzierte, It’s my Party, und alle Hits von Lesley Gore. Er war damals Vizepräsident bei B&R, Mercury Records, aber die Leute denken immer, er sei ein Jazz Musiker, vor allem, weil seine eigenen Alben sehr Jazz-orientiert waren. Aber Quincy hat diese besondere Art, Dinge aus den Leuten hervorzubringen, Dinge, von denen sie selbst nicht wussten, dass sie sie haben – dass ist Teil seiner Genialität! Er erschafft dir einen Rahmen, in dem du alles tun kannst, was du möchtest, eine Art Sound-Box. Aber es gibt da eine Grenze, und über die lässt er dich nicht gehen, weil er weiß, dass du dann nicht mehr du wärst. Für mich ist er der größte aller Produzenten. Es gibt sicher ein paar andere, die auch dieses Talent haben, David Foster, oder Sniff zum Beispiel, aber keiner ist darin besser, als Quincy.

Etwa einen Tag später rief er mich dann wieder an und sagte:

Ich habe Michael She’s Out Of My Life vorgespielt.“

Warum hast du das gemacht?“

Weil ich dachte, es wäre fantastisch! Und weißt du was, er liebt es!“

Wow, er liebt es wirklich? Aber Quincy, seine letzte Ballade handelte von einer Ratte… und mir hat sehr gefallen, wie er sie sang, aber ich weiß nicht ob ich der Nachfolger von einem Song über eine Ratte sein möchte.“

Und Quincy sagte zu mir: „Das verstehe ich, Nad, aber dieser Song lässt Michael fühlen wie ein Erwachsener.“

Wie weit konntest du selbst deine Komposition mit Michael besprechen? Warst du wie eine Art Regisseur oder Drehbuchautor? Wenn über das Aufnehmen dieses Songs gesprochen wird, werden oft die echten Tränen erwähnt. Haben sie dich überrascht? Hast du je mit ihm darüber gesprochen?

Ich wusste, dass Michael es liebte und wunderbar singen würde. Er arbeitete ständig daran. Deshalb gibt es auch dieses Demo, veröffentlicht auf This Is It, das er mit einem Gitarrist zuhause in Hayvenhurst aufnahm. So hat er sich diesen Song erschlossen. Und eines Tages sagte er zu mir:

Ich möchte mit dir über die Single sprechen, ich habe da ein kleines Problem. Weißt du, diese Textzeile: „Instead of being my wife“, das ist nicht wirklich meins. Ich bin erst 19, und habe noch nichtmal über Heiraten nachgedacht.“

Kein Problem damit, ich werde mir etwas anderes für dich einfallen lassen.“

Oh, weißt du, diese Zeile „And it cuts like a knife“ in der ersten Strophe, die ist sehr stark. Wäre es ok für dich, sie auch für das Ende des Songs zu nehmen?“

Aber natürlich!“

So war das. Aber ich hörte nie, wie er das sang, bis zu dem Tag, als wir es im Studio aufnahmen. Wir waren in Allen Zentz Studio in der Sycamore Avenue, ein großartiges Studio, in dem Bruce Swedien sehr gerne arbeitete, weil es hervorragend ausgestattet war. Wir haben dort den Gesang und die Rhythm-Section aufgenommen. Wir bereiteten die Aufnahme vor, und Quincy gefiel, wie ich es am Piano spielte, auch wenn ich kein Pianist bin. Aber es hat immer etwas besonderes, wenn der Komponist seine eigene Musik spielt. Ich hatte es in derTonart C geschrieben, aber für Michael war es angenehmer, in E zu singen. Ich konnte es nicht in E spielen, deshalb holten wir „Mouse“, Greg Phillinganes, und er arbeitete es um und spielte es… Als Michael dann dazu kam, und die erste Aufnahme machte, weinte er. Es war kein Problem, und er sagte einfach: „Tut mir leid, können wir es noch einmal versuchen?“ Also nahmen wir es noch einmal auf. Wir machten 12 Aufnahmen, aber für mich war keine davon so gut, wie die erste, und ich denke, Quincy sah es letztlich auch so. Aber zuerst sagte er: „Ich glaube nicht, dass jemand ihm wirklich abnimmt, in diesem Song zu weinen. Wir sollten es ohne das Schluchzen haben.“ Wir versuchten es, aber es hatte nicht mehr diese Magie, und in einer Pause sagte ich zu Michael: „Hast du gerade eine Trennung hinter dir?“ „Nein, ich durchlebe einfach nur diese Lyrics.“

Das war Michael. Und zu der Zeit war er immer noch ein Zeuge Jehovas, weshalb er auch seinen Spitznamen „Smelly“ bekam. Er wollte nicht einmal das Wort „funky“ sagen, weil es zu sehr einem anderen Wort ähnelte. Ich dachte auch, wir müssten eventuell die Zeile „damned indecision“ ändern, weil er sie nicht singen würde. Aber er sang sie, und ich sagte zu ihm: „Ich bin wirklich überrascht, dass du diese Zeile gesungen hast!“ Und er antwortete mir: „Das bin nicht ich, es ist ein Sänger, der einen Song singt.“ Und deshalb musste er auch weinen, als er diese Lyrics durchlebte.

Warst du dabei, als der Song aufgenommen wurde? Hast du deine Vorstellung davon an Quincy vermittelt? Weil diese Aufnahme auf dem Album mit den wenigsten Instrumenten auskommt, was für eine Quincy Jones Produktion eher eine Ausnahme ist, weil er sonst immer sehr viele Musiker einbezieht.

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Es war schon eine aussergewöhnliche Erfahrung! Wir hatten den einzigartigen Larry Carlton an der Gitarre. In der Bridge haben wir Louis Johnson am Bass, und er spielte mit sehr viel Feingefühl. Quincy nahm seine besten Arrangeure, weil dieser Song unter allen Liedern, die er mit Michael aufnahm, am wenigsten orchestriert ist, es ist im Grunde nur Michael mit einem Piano. Schon der Anfang des Songs erzeugt diese wundervolle Stimmung, und dann kommt Michael dazu und singt : „She’s out of my life…“ und du bist schon mittendrin, weil dieses Intro so wundervoll ist, so sanft. In der Bridge kommen dann zu seiner Unterstützung die Streicher dazu, die dann aber wieder verschwinden. Ich könnte mir keine bessere Produktion vorstellen, als die von Quincy. Und trotzdem gefällt mir auch Fosters Version, die er Jahre später mit Josh Groban aufnahm, auch wenn einige meiner Freunde sich darüber aufregen, dass er die Melodie veränderte. Ich regte mich nicht darüber auf, weil er Künstler ist und es war gut. Ich mag, wie er den Song singt und mir gefällt, dass Foster genau das Gegenteil von dem machte, wie Quincy. Er nahm Streicher für den ganzen Song und nahm sie in der Bridge weg, es ist seine Art, Q. zu ehren.

An dem Tag, als Michael den Song im Studio einsang, machten wir Kassetten von all den Aufnahmen und zuhause hörten wir sie an, um zu überlegen, was wir als nächstes mit dem Song tun könnten. Plötzlich bekam ich einen Anruf von Joe Jackson, er sagte: „Wenn Michael den Song singen soll, dann muss er auch die Veröffentlichungsrechte haben.“ „Die Rechte stehen aber nicht zur Verfügung.“ „Dann wird Michael den Song nicht singen.“

Ich rief Quincy an und sagte ihm, dass Joe gerade angerufen hatte. Q sagte, damit hätte er schon gerechnet und er würde sich darum kümmern. Später sagte er mir, was er unternommen hatte: er hatte Joe angerufen und ihm gesagt, She’s Out Of My Life würde dann nicht auf dem Album sein. Und Joe sagte: „Nein, nein, Tommy Bähler hat mich völlig missverstanden! Ich rief ihn nur an, um zu sagen, wie sehr mir der Song gefällt!“ Es war wirklich witzig. Und was es für mich noch lustiger macht ist, dass Michael, nachdem er später den ATV Katalog kaufte, jetzt sowieso einen Teil dieser Rechte besitzt.

2009 wurde das Demo veröffentlicht. War das eine Art Test-Aufnahme, ohne die Garantie, dass der Song auf das Album kommen würde? Oder war das eher eine Version, die als eine Art „Aufwärmübung“ gemacht wurde?

Wie ich schon erwähnte, bei dieser Aufnahme war ich nicht dabei. Das ist Michael, auf Hayvenhurst, während er den Song lernt. Es gab nie den Plan, ihn mit Gitarrenbegleitung aufzunehmen, und ich erinnere mich auch nicht mehr daran, wer dort spielte, weil ich nicht dabei war. Da sind auch ein paar Textstellen, die Michael singt, die nicht in der späteren Aufnahme sind. Das war die Art, auf die Michael arbeitete und weshalb er zuhause ein vollausgestattetes Studio besaß. Er war der größte Perfektionist, der mir je begegnet ist, und so perfektionierte er seine Performance. Ich wußte nicht einmal, dass dieses Demo existierte, weil auf dem, was ich ihm gab, war ich mit Klavierbegleitung zu hören, und ich hatte es im Studio meines Bruders aufgenommen. Ich denke, er hat es wohl zur Übung aufgenommen.

Wie fühlt es sich an, ein so persönliches Stück geschrieben zu haben, was dir jetzt aber nicht mehr wirklich gehört, und das der Song mittlerweile zum Klassiker unter MJ Fans, aber auch in der Öffentlichkeit, geworden ist.

Ich bin absolut begeistert! Denn ich denke, dass jeder Künstler, egal wie er sich ausdrückt – als Poet, als Maler, als Bildhauer, als Musiker oder Schriftsteller – seine Kunst als eine Möglichkeit sieht, seine Gefühle mit anderen zu teilen. Es stimmt, es war ein sehr persönlicher Song, und jemand anderes hätte vielleicht Probleme damit, ihn zu teilen, aber ich bin in der Beziehung sehr offen, das ist einfach meine Art. Ich bin nur ein Durchschnittstyp: Ich fühle genauso, wie andere Menschen fühlen. In der Beziehung sind wir alle eins. Vielleicht fühle ich nicht genau so, wie eine Frau fühlen würde, aber auf ihre Art würde sie ähnlich empfinden, aber ich denke, ich kann nachvollziehen, wie Männer fühlen. Wenn ich mich ausdrücke, dann mache ich das so ehrlich, wie möglich, und das funktioniert am besten. Wenn ich versuche, einem Song zu fabrizieren, ist es noch nie ein Hit geworden. Es muss direkt aus dem Herzen kommen. Ich liebe diese Zitat von Picasso: „Ein Gemälde ist nie vollendet. Wir haben nur aufgehört zu malen.“

She’s Out Of My Life ist auch zu einer besonderen Performance bei MJs Solokonzerten geworden, aber auch schon mit den Jacksons. Es wurde von 1981 – 1993 während 4 Tourneen aufgeführt. Du hast sicherlich einige Konzerte von Michael gesehen, und deine Komposition live erlebt. Wie fühlt sich das an?

Ich habe ein paar Konzerte gesehen. Ich sah die Victory Tour und als Sheryl Crow ihn bei der Bad-Tour begleitete. Als Sheryl Crow aus Missouri nach LA kam, war mein Bruder der erste, der sie engagierte, sie ist ein wunderbarer Mensch und eine große Künstlerin, und wir waren hocherfreut, als sie den Job bei Michael bekam, nachdem Siedah sich entschied, nicht auf die Tour zu gehen. Ich sah es also 2 oder 3 Mal. Und natürlich war es wundervoll zu hören, wie das Publikum schon bei dem Intro jubelte. Ich dachte mir: „Wie wunderbar, dass etwas, was aus meinem Unterbewusstsein kam, einen solchen Wiedererkennungswert hat.“ Und natürlich ist es so, dass Michael diesen Song zu einem Ereignis machte! Er war ein so begnadeter Künstler, mit so vielen Facetten und es war seine Genialität, dass er zu diesem Song ein Mädchen zu sich auf die Bühne holte. Es war wundervoll und die Leute waren begeistert! Er machte es so persönlich und jeder wollte dieses Mädchen sein, das er im Arm hielt. Er hätte den Song einfach nur singen können, und das Publikum hätte ihn auch geliebt, aber er machte daraus etwas unvergessliches. Es war einfach ein zusätzlicher Genuss zu sehen, wie dieses Genie über den Song hinausging und daraus ein Event machte. Der Song wurde zu einer Art Wahrzeichen und ich liebe es, dass She’s Out Of My Life seine Lieblingsballade war, und seine „Signature-Ballad“, wie er sie nannte.

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Noch eine letzte Frage zur live Performance von She’s Out Of My Life: Sie inspirierte Eddie Murphy dazu, eine Parodie zu machen, was denkst du darüber?

Oh, ich liebe Eddie Murphys Parodie! Er hat es wirklich drauf, sie ist so lustig. Michael wußte, was sein Publikum wollte, und erschuf ein Drama. Niemand hat je über diesen Song gelacht, oder über Michael, aber die Leute lachen mit ihm. Um die Leute glücklich zu machen, hat er alles von sich gegeben, damit sie diese Erfahrung machen konnten, das ist sehr selbstlos und wunderbar. Mir gefiel, dass Murphy das machte, weil er einer der maskulinsten Typen ist. Aber um parodiert zu werden, musst du großartig sein, ansonsten wird dich niemand parodieren. Es war das gleiche mit „Eat It“ anstatt „Beat It“, von Weird Al Yancovic. Es war zum Lachen und sehr cool. Eine Imitation ist eine aufrichtige Form, jemanden zu schmeicheln. Bevor es solche Copyright Regelungen gab, hat sich niemand daran gestört, wenn du sie imitiert hast, aber jetzt ist das anders. Ich will nicht beurteilen, ob das falsch oder richtig ist, aber so ist das heute.

Lass uns über Beat It sprechen, wo du auch Credits für das Synclavier bekommen hast. Kannst du uns mehr über deinen Beitrag zur Komposition dieses Songs erzählen?

Das Synclavier war der erste computergesteuerte Sequenzer, eine Möglichkeit, ohne Band aufzunehmen. Als das Instrument auf den Markt kam, bekam ich von Don Dorsey, mit dem ich viele Jahre zusammengearbeitet hatte, eines der ersten. Don brachte mich also zum Synclavier, er sagte, ich solle es einschalten und etwas spielen, also schaltete ich es an und spielte. Dann sagte er: „Drück noch einmal!“ Und es spielte es einfach erneut! Ich sagte „wow“, denn das war überwältigend. Heute ist es nichts besonderes mehr, aber damals war es das erste Mal, das so etwas möglich war! Ich glaube, 1982 kaufte ich mein eigenes Synclavier und es war Nr. 22 aus dieser Reihe. Es kostete damals 55.000$, dafür konntest du dir ein Haus kaufen, oder jedes Auto, aber ich glaubte an dieses Instrument und es endete damit, dass ich Berater für diese Firma wurde und dabei half, ihren Laden in LA aufzubauen. Ich arbeitete auch bei der Sigfried und Roy Show in Las Vegas, und alles wurde mit dem Synclavier gespeilt. Dann machten sie bei Synclavier eine Demo Aufnahme, und sie fragten mich, zu wem sie sie schicken sollten. Ich gab ihnen eine Liste mit Leuten: Quincy Jones, Michael Jackson… So bekam Michael diese Aufnahme und er hörte einen Sound darauf, den er mochte. Als er dann an Beat It arbeitete, rief er mich an und sagte: „Hey, du hast doch ein Synclavier? Ich möchte diesen Sound für den Anfang von Beat It haben.“ Ich hatte schon von Beat It gehört, weil Quincy mir aufgeregt mitgeteilt hatte: „Smelly hat einen Rock-n-Roll Song geschrieben!“ Wir brachten also mein Synclavier ins Studio und spielten.

Und jetzt kommt ein Beispiel, an dem man sieht, wie feinfühlig Smellys Gehör war. Ein digitales Instrument spielt immer den gleichen Sound, während das bei einem analogen Instrument nicht so ist, weil es von verschiedenen Umständen abhängt und deshalb es leicht unterschiedlich sein kann. Aber nicht bei einem digitalen Instrument. Ich spielte also diesen Sound und er sagte: „Das ist er nicht!“ „Doch Michael, das ist der gleiche Sound, lass mich die Aufnahme hören.“ Ich hörte sie an und sagte: „Das ist das gleiche!“ Und ich spielte es noch einmal, und er sagte:“ Ja, es ist ziemlich ähnlich, aber es ist nicht gleich…“ Und dann kam Bruce Swedien dazu und sagte: „Ok, ich habe verstanden. Gib uns eine Minute Zeit.“ Alle gingen raus und Bruce sagte zu mir: „Spiel weiter.“ Und er glich den Sound ab, bis er sich genau so anhörte, wie die Demoversion, die Michael gehört hatte. Michael kam wieder zurück ins Studio, ich spielte es und er sagte: „Ja, genau das ist es!“

Michaels Gehör war einzigartig! Ich meine, meine Ohren sind schon ziemlich gut, aber ich konnte das nicht hören! Michael ist auf einem ganz anderen Level. Auf der Demo Aufnahme ging das Intro so (imitiert das Intro) und genau das sollte ich für Michael spielen, so einfach war das. (lacht) So kam dieser Sound auf seine Platte.

Wie war das für dich, als Songwriter und Komponist, als dein Song 1995 auf das HIStory Album kam? War es wie eine Art zusätzliche Belohnung, 18 Jahre, nachdem du ihn geschrieben hattest? Gefällt es dir, dass dieses Lied nach all den Jahren noch immer in Jacksons musikalischem Repertoire weiterlebt?

Oh, für mich war es aufregend, denn es fühlte sich an, als sei ich Teil seiner musikalischen Familie. Es bestätigte auch mein Gefühl, dass dieses seine emotionalste Ballade war, und ich wußte das, als er sie in seinen Konzerten aufführte, weil es so eine tolle Darbietung war. So wie er She’s Out Of My Life performte, war der Song 7 – 8 Minuten lang und wurde zu einem ikonischen Augenblick. Als er auf das HIStory Album kam, war ich absolut begeistert, natürlich!

Kannst du mit uns ein paar Erinnerungen an die Sessions während der HIStory Zeit teilen?

Das war die Zeit mit Brad Buxer und eine meiner liebsten Geschichten aus der Zeit über ihn und Michael ist, als sie mich fragten, ob ich ein Arrangement für 44 Stimmen machen könnte. Warum es genau 44 sein sollten, weiß ich auch nicht, aber ich hab es gemacht, in jedem Abschnitt 11 Stimmen. Wir haben es im Record Plant Studio aufgenommen und Michael hat es über das Telefon gemacht, was sehr beeindruckend war. Leider erinnere ich mich nicht an den Titel des Songs, weil wir an so vielen Sachen gearbeitet haben, es ist, als hättest du 300 Kinder, und solltest dich an alles erinnern. Aber ich erinnere mich genau daran, wie es ablief. Drei Tage später rief Michael mich an und sagte: „Hey, ich habe eine Idee!“ Also ich habe nie ein demotivierendes Wort aus Michaels Mund gehört. Er hätte nie gesagt: „Das ist jetzt nicht so geworden, wie ich es wollte.“ Stattdessen sagte er: „Mir gefällt sehr gut, was du mit dem Chor gemacht hast, aber ich frage mich, wie es werden würde, wenn wir beide zusammen ins Studio gingen und noch einmal an einem dieser Teile arbeiten würden? Nur du und ich?“ Und das taten wir. Wir gingen ins Studio und verbrachten acht Stunden damit, zusammen zu singen. Wir machten bestimmt 50 Aufnahmen, und wir sangen im Gleichklang. So sehr ich es auch liebe, mit meinem Bruder zusammen zu singen, singen mit Michael war besser! Und das gleiche sagte mein Bruder zu mir, als er mit Michael sang! An diesem ganzen 8-Stunden Tag haben wir nichts gegessen, wir tranken Wasser, haben gesungen und gelacht. Und Michael machte niemals einen Fehler! Er verfehlte nie die Tonhöhe oder den Rhythmus, all seine Einsätze passten genau und all seine Abschlüsse waren auf den Punkt genau. Ich bin darin auch ziemlich gut, aber ich lag ein paar Mal daneben, und er lachte! Wir lachten an diesem tag wirklich viel. Und ich würde wirklich gerne diesen Song finden um ihn zu hören, weil ich nicht glaube, dass er so herauskam. Wenn ich für Michael Arrangements machte, war es oft so, dass er das auf 3 – 4 verschieden Arten mit anderen Gruppen von Leuten machte, manchmal war ich nicht einmal Teil davon. Es war typisch für ihn, Dinge mehrmals zu tun, und das schreckte Sony ab, denn er gab viele Millionen für seine Alben aus.

Wegen dieser Geschichte sollte ich unbedingt einmal mit Brad sprechen, denn er war mittendrin, und erinnert sich vielleicht.

Wenn ich ins Studio ging um an solchen Dingen zu arbeiten, fragte ich nie, was wir tun würden, oder wofür es sein würde. Ich wollte Michael einfach nur das geben, was er sich vorstellte, weil es unmöglich war, das auf ein Papier zu übertragen. Ein Blatt Papier ist nur eine Blaupause, all die feinen Nuancen und die Farbe entstand dadurch, dass wir zusammen daran arbeiteten. Es war wirklich immer, als ob ich bei einer Geburt dabei war… so wurden Dinge auf die Welt gebracht. Mit dem, was später geschah, hatte ich nichts zu tun, das war nicht mehr in meinem Focus.

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Michael Jackson & Bruce Swedien

Am Invincible Album gibt es ein ähnliches Projekt: The Lost Children, bei dem du den Kinderchor dirigiert hast. Es scheint ein sehr persönlicher Song gewesen zu sein, da nur MJ als Komponist aufgeführt ist, etwas, was auf Invincible sehr selten ist. Du warst Teil von diesem Song-Projekt, denkst du, Michael wollte dabei nur mit vertrauten Personen zusammen arbeiten?

Ich könnte mir denken, dass es so war, aber ich redete nicht mit ihm über solche Dinge. Ich habe nie gefragt: „Warum hast du das geschrieben?“ Oder: „Um was geht es hier?“ Unsere Verbindung war musikalischer Natur und freundschaftlich. Auf dieser Ebene hatten wir eine tiefe Beziehung aber wir redeten nicht über Familie, obwohl ich auch seine Brüder kannte. Diese Dinge kamen nie auf. Bei allem, was wir zusammen machten, ging es um die Umsetzung seiner musikalischen Visionen.

Wie erklärst du dir, dass du über 35 Jahre mit Michael zusammengearbeitet hast? Denkst du, dass die emotionale Verbindung dabei so wichtig war, wie die professionelle?

Michael war sehr loyal. Wir arbeiteten 39 Jahre lang für ihn, weil wir seine Visionen in das umwandeln konnten, was er hören wollte: Das ist, was die Leute um ihn herum taten. Er war der überzeugendste Mensch, den ich je in meinem Leben kennengelernt habe.

Es war eine Bindung. Es ist meine Art, und bei vielen Leuten, die ich kenne, ist es ähnlich. Bei Michael, oder auch bei Quincy Jones. Ich spürte diese Verbindung mit Michael sehr stark und ich weiß, bei meinem Bruder war es auch so. Es war für beide Seiten vorteilhaft, wir hätten sonst sicher nicht so viel Zeit zusammen verbracht. Bei allen Leuten, mit denen ich an aussagekräftiger Musik gearbeitet habe, gab es diese Bindung, z.B. auch bei Siegfried & Roy. Du musst eine persönliche Bindung haben, Dinge, die man an dem anderen schätzt, etwas was über den Künstler hinausgeht: es geht dabei um die Menschen, z.B. auch um den Mensch als Vater… und ich liebte Michael als Vater. Ich sprach nie mit ihm darüber, Vater zu sein, ich spürte es einfach.

Als er diese This Is It Show zusammenstellte, haben mein Bruder und ich nicht damit gerechnet, dass wir angerufen würden obwohl es uns nicht überrascht hätte, denn es wäre typisch für ihn gewesen.

Ich erinnere mich an das einzige Mal, dass ich ihm absagen musste, weil ich echt nicht konnte, und er wirklich aufgebracht war und sagte:

Oh Tommy! Du musst das machen! Du musst einfach!“

Michael, wenn es irgendwie möglich wäre, dann wäre ich sofort dabei. Aber das Problem ist, dass ich dazu ein paar andere Leute im Stich lassen müsste, und das kann ich einfach nicht.“

Das verstehe ich, aber kannst du da garnichts machen?“

So war es immer mit ihm, er war aufgebracht, aber auf eine liebevolle Art. er war enttäuscht, weil es nicht so funktionierte, wie er es wollte, aber er machte das auf eine liebevolle Art deutlich, er versuchte dich zu überzeugen, Teil davon zu sein. Wir hatten wirklich ein gutes Verhältnis. Einer der schönsten Augenblicke mit ihm war in den Westlake Studios, als ich, nachdem alle anderen schon gegangen waren, noch mit ihm in der Aufnahmekabine war. Ich sagte: „Hey Mike. Wie geht es DIR?“ Und er antwortete: „Ich wünschte, ich könnte einfach in einen Laden gehen…“ Das war ein sehr menschlicher Augenblick, und ich dachte, ja, du bist einfach nur Mensch, und es ist einfach schwer, dieser Mensch zu sein. Wir können das nie wirklich verstehen, auch ich nicht, obwohl ich einen kleinen Eindruck davon erlebte, aber ich denke, wir werden nie verstehen können, wie sich das anfühlt. Mein Bruder kannte ihn noch besser, als ich. Das lustige mit Michael war, dass er mit Brüdern aufgewachsen ist und es deshalb mochte, gestichelt zu werden, und mein Bruder und ich wussten, wann man das konnte, er war dann einfach wir ein Kind und wir stichelten ihn oft!

Übersetzung: M.v.d.Linden

Merci beaucop, Brice Najar!

Goodbye Michael – ein stiller Tribut

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Original-Beitrag von Reverend Barbara Kaufmann  –  November 2009

Wieder einmal trage ich Schuld daran, jemanden, bevor er uns für immer verließ, nicht genügend gewürdigt zu haben. So ergeht es mir jetzt mit Michael. Ich nenne ihn nun beim Vornamen, da ich ihn „persönlich“ kennenlernte – doch erst nach seinem Tod und erst, nachdem ich seinen Film „This is it“ sah.
Endlich verstehe ich Michael, den Menschen und das kreative Genie und ich sehe seine unglaublich große Liebe zu den Menschen und unserem Planeten…die von diesem einzelnen Menschen ausging.
Jemand, der den Texten seiner Songs lauscht, wird erzählen können, wie dieser Mensch war…

„Heile die Welt
Mach daraus einen besseren Ort
Für dich und für mich und für die ganze Menschheit
Menschen sterben
Doch wenn du genügend für die Lebenden sorgst
Erschaffst du einen kleinen Raum
Einen besseren Ort“

„Wenn sie fragen: „Warum, warum, warum?“, sag ihnen, das ist die menschliche…

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Eine Tour durch Neverland mit Brad Sundberg, Teil 1+2

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Teil 1

Original Post: Dancing With The Elephant
Post vom 5. Mai 2016

 

Lisha: Willa und ich sind begeistert, dass sich uns heute Brad Sundberg, ein Toningenieur, der Michael Jacksons technischer Leiter für die Alben Dangerous und HIStory gewesen ist, anschließen wird. Über das Studio hinaus entwarf und installierte Brad Musik- und Videosysteme gewissermaßen für jede Ecke des Grundstücks von Michael Jacksons grandioser Neverland Valley Ranch. Zusätzlich zu den ganz persönlichen Audio- und Tanzstudio-Systemen entwarf Brad außerdem mit genau derselben Detailverliebtheit Soundsysteme für die Außenbereiche des gesamten Geländes.

In einem kürzlichen „In the Studio with MJ“-Seminar war ich so fasziniert von Brads Beschreibung von Neverland und seiner Arbeit dort, dass ich mehr wissen wollte! Vielen Dank, Brad, dass du heute für einen tieferen Einblick in die Neverland Ranch bei uns bist.

Willa: Ja, herzlich willkommen, Brad. Danke, dass du wieder mal hier bist! Nach allem, was ich bisher über Neverland gehört habe, war es nicht nur Michael Jacksons Zuhause, sondern auch eine Erweiterung seiner künstlerischen Gedankenwelt. Es ist fast so, als wäre Neverland ein lebendiges Kunstwerk. Ich bin daher wirklich sehr neugierig darauf, mehr über dieses relativ unbekannte „Kunst“-Werk zu erfahren.

Lisha: Ich muss sagen, Brad, dein Seminar hat mir ein Gefühl für Neverland vermittelt, das ich vorher so nie hatte. Wir alle haben Fotos und Luftaufnahmen von dem Grundstück gesehen, aber ich denke nicht, dass ich eine wirkliche Vorstellung vom wahren Ausmaß und der Grandezza des Grundstücks hatte, bevor ich deine Beschreibung gehört habe.

Brad: Ok, was ich also versuchen will, ist, euch ein Gefühl für die Größe von Neverland zu geben, und zwar auf eine Art und Weise, als würdet ihr es zu Fuß durchqueren.

Lisha: Ja, ich denke, die meisten von uns können sich Neverland vom Boden aus gesehen nicht so gut vorstellen.

Brad: Genau. Neverland war riesig. Weißt du, ich bin nicht aus Texas, aber ich meine nicht, dass es so groß wie eine Texas-Ranch war, aber es war 2.800 Morgen groß. Für einen Amerikaner sind das im Grunde 2.880 Footballfelder, wenn ich mich nicht irre. Es war riesig.

Lisha: Es gibt viele kleine Städte, die nicht dieses Ausmaß haben!

Brad: Richtig. Wenn du also nach Neverland kamst, war es vor allem … Ich bin zahllose Male nach Neverland gefahren. Ich wohnte außerhalb von Pasadena, Kalifornien, und Neverland ist nördlich von Santa Barbara. Du fährst also nach Santa Barbara, biegst vom Freeway ab und dann beginnst du dich seitlich an einem Berg hoch zu schlängeln. Und es ist eine Art zweispurige Bergstraße. Bel Air und Beverly Hills sind eine Million Meilen entfernt. Hier gibt es Salbeisträucher und Rinder und steile Schluchten, weit, weit weg von L.A. Ich brauchte also zweieinhalb Stunden, zwei Stunden und zwanzig Minuten, so was in der Art, um von Pasadena bis zu Michaels Tor zu gelangen.

Wenn man also die Straße auf Neverland zu fährt – und wahrscheinlich haben dies einige eurer Leser getan – sind es etwa sieben Meilen die Figueroa Mountain Road entlang, und es ist nur eine ebene, ziemlich unauffällige Straße. Ich muss euch eine Sache erzählen: In diesem Teil des Landes – es wird einigen Leuten Angst machen – gibt es jede Menge Tarantulas (Vogelspinnen). Und ich kenne mich mit Tarantulas so gut aus wie mit dem Schreiben einer italienischen Oper, nämlich gar nicht. Aber Tarantulas leben offensichtlich im Boden und –ich schweife vom Thema ab, aber ich beeile mich – ich weiß nicht, in welchem Monat sie herauskommen, aber ich glaube, es ist so im März oder April oder so. Und du fährst so die Figueroa Mountain Road hinunter, und während du fährst, hörst du nur pop, pop, pop – du fährst über Tarantulas, und sie knallen.

Lisha: Ew!

Brad: Ich will nicht gerade sagen, dass die Straße mit ihnen bedeckt war, aber es gab Zeiten, da wich ich aus, weil ich nicht auf diese kleinen Kerle treten wollte! Aber es waren so viele von ihnen da, dass du sie nicht vermeiden konntest.

Willa: Oh, nein!

Brad: Sie kommen aus dem Boden heraus, und versuchen sich aufzuwärmen und etwas zu essen zu finden. Ich sah niemals wirklich viele auf der Ranch, sondern es war immer draußen auf der Straße, die zur Ranch führte. Zu einigen Zeiten im Jahr waren sie überall auf der Straße und das war wirklich gruselig.

Du kommst also nach Neverland, und das erste, worauf du zukommst, ist das Außentor – eine Art Wachtor. Und dort musstest du sagen, wer du bist, und sogar ich – und ich beweihräuchere mich nicht selbst – aber Mann, jedes Mal, wenn ich nach Neverland kam, musste ich auf der Liste stehen und vorher angekündigt sein, und ich musste diese drei- oder vierseitige Freigabe quittieren, dass ich nicht darüber reden werde – was ich natürlich mache.

Lisha: Jedes Mal? Jedes Mal, wenn du dahin kamst?

Brad: Jedes einzelne Mal. Jedes. Einzelne. Mal. Jeder im Auto musste dieses Blatt unterzeichnen. Wer auch immer gerade der Wächter war, kannte mich und sie sagten: Hey Brad, wie geht’s? Und sie hatten die Freigabe bekommen und yeah. Wir mussten das jedes einzelne Mal machen.

Nun bist du also drin, und es sieht da genauso aus wie draußen. Da sind Salbeisträucher, und kennst du Zypressenbüsche? Die sind typisch für Kalifornien. Ziemlich niedrig, grün – nicht hübsch, sondern sie sehen wüstenartig aus. Und du fährst hoch, über einen Hügel, und ich werde es nie vergessen – jetzt haben auch andere Leute schon darüber geschrieben, ich bin nicht der einzige – aber du erklimmst diesen Hügel, und ich glaube, irgendwo da oben war ein Schild, auf dem „Welcome to Neverland“ stand, mit einem kleinen Engel oder einem Kind oder so etwas drauf.

Du fährst um eine Ecke über diesen Hügel, und dann beginnst du auf der anderen Seite wieder hinunter zu fahren. Es war nicht wie ein steiler Anstieg in den Alpen oder so – es war einfach nur eine Straße, die über den Berg führte. Und von dort sah man dann den weißen Zaun und das grüne Gras. Und dann fährst du ein bisschen weiter und siehst die Fontänen und die Eichen. Und ich glaube, Michael drückte sich mal in etwa so aus, dass es wie in Der Zauberer von Oz sei, wo sich alles von Schwarz-Weiß in Farbe verwandelt. Und so war es wirklich. Es war sehr, sehr dramatisch, auf der anderen Seite wieder herunterzukommen … es war dann wie „Heiliger Strohsack, wie konnte ich das ahnen?“ Denn du kannst nichts davon von der Straße aus sehen. Dies ist locker eine oder eineinhalb Meilen vor der Ranch, bevor du die Ranch überhaupt sehen kannst. Ist das verständlich für euch?

Willa: Absolut. Rabbi Boteach spricht darüber ein wenig in seinem Buch. Da gibt es ein Zitat, in dem Michael Jackson sagt:

Weißt du, es ist fast ein psychologischer Akt … Die Leute schwangen sie (die Tore) auf und fanden es wirklich merkwürdig und zerlumpt, du hast also psychologisch das Gefühl, du würdest wirklich zu einer Ranch kommen, ich wollte es also in einen Farbfilm verwandeln , wenn du um die Kurve kommst, wie es in Der Zauberer von Oz der Fall ist.

Es ist also genau so, wie du es beschreibst!

Brad: Ja. Ich meine, die Wachhütte und das Tor, sie waren ganz nett. Aber erst, wenn man zum zweiten Tor – dem verzierten Tor – kam, begann es ein wirkliches Statement zu sein.

Willa: Das Tor, über das er in dem Zitat spricht, ist also das erste Tor? Und dann gibt es noch ein zweites Tor?

Brad: Ja, da ist das Sicherheitstor draußen an der Straße, und dann ist innen drin noch das, was er das „verzierte Tor“ nannte. Wenn du also zum zweiten Tor kamst – wie ich schon sagte, ich schätze nur mal so – dann hattest du bereits etwa eine Meile oder sogar eineinhalb Meilen seit dem ersten Tor zurückgelegt.

Dann kam ein riesiger Parkplatz, der sich linker Hand vor diesem Tor befand. Und das war so, weil, wenn wir sehr viele Gäste hatten, es den meisten Leuten nicht erlaubt war, ihre Autos oder Busse zur Ranch selbst mitzunehmen. Man musste am zweiten Tor anhalten und dort parken. Und dann ging man normalerweise durch das verzierte Tor. Die Leute haben all diese Bilder von dem schwarzen, verzierten Tor mit dem Goldwappen und allem gesehen. Und an dem Punkt also wurden die Busse entladen. Ihr wisst ja, es kamen Kinder aus L.A. oder Santa Barbara oder aus anderen Orten, oder Kinder von Make a Wish oder ähnlichem. Das war so etwas wie der Sammelpunkt. Dann gingen sie durch das Tor. Und dort wartete die kleine Eisenbahn auf sie.

Wenn die Leute also aus ihren Autos und Bussen ausstiegen, wollte Michael sie auf eine beeindruckende Art und Weise willkommen heißen. Er bat mich daher darum, genau am Tor ein riesiges Soundsystem zu installieren. Bis zu der Stelle gab es also keine Musik, es gab auch keine Lampen. Ich erinnere mich daran, dass es stockdunkel war, wenn ich Neverland nachts verließ und das verzierte Tor hinter mir gelassen hatte. Da war einfach nichts auf dem Hügel.

Unsere Gäste erschienen also an dem Tor, das Tor öffnete sich, und wir überfluteten sie mit Musik. Und ich meine nicht nur ein paar Lautsprecher, die an einer Kette herunterhingen. Ich meine, wenn ich mich nicht irre, waren es wahrscheinlich 20.000 Watt.

Lisha: Wow!

Willa: Ich verstehe nicht viel von Elektrizität, aber das klingt nach viel.

Brad: Das ist eine kleine Konzertanlage. Sie bauten uns im Grunde ein kleines Häuschen, so etwa wie die Hütte am ersten Tor – ich meine, keine Hütte, nichts auf Neverland war jemals eine Hütte – aber sie bauten sie nur für das Equipment, weil wir so viel Strom brauchten. Michaels Worte mir gegenüber waren: „Ich will es so laut haben, dass der Bus wackelt.“ Also bauten wir einfach diese Monsteranlage. Und so wurden die Leute willkommen geheißen. Also spazierten sie durch das Tor, Musik ertönte, und so betraten sie sozusagen Michaels Welt.

Lisha: Aufregend. Gab es irgendwelche Lichtentwürfe?

Brad: Ja, gut dass du es erwähnst! Ich habe die Beleuchtung nicht installiert, aber wir hatten einen Spezialisten für Glasfaserinstallation, und während der Nacht explodierte das Zeichen förmlich vor Helligkeit. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob es einfach nur weißes Licht war oder farbiges. Ich glaube, es waren einfach weiße Lichter. Aber man konnte Glasfaser-Beleuchtung sehen – weißt du, sehr disneyesque – die von links nach rechts flackert. Es gab also Tausende von Glasfasern in diesem Zeichen.

Willa: Es geht um das Neverland-Zeichen über dem Tor?

Brad: Ja, es geht um das große, schwarze Neverland-Zeichen, und darüber ist das große, goldfarbene Wappen. Das ganze Ding war nachts einfach unglaublich schön.

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Man ging also da durch und wurde dann von einem oder mehreren Angestellten erwartet. Und dort wartete auch die kleine Eisenbahn. Michael stand sehr auf Kostüme – wisst ihr, er griff zum Beispiel etwas von Disney auf, so dass einfach fast jeder auf der Ranch kostümiert war. Ihr wisst schon, nicht albern, aber die Jungs, die auf der Eisenbahn und den Karussells arbeiteten, sie trugen diesen formellen Schaffner-Look mit einer Schaffnermütze und schwarzem Jackett und all dem.

Das war also eine Erfahrung. Du bist eine andere Welt eingetreten.

Lisha: Und ich habe Hausangestellte in Uniform gesehen, stimmt das? Zu der Zeit war es nicht in Mode für wohlhabende Leute, dass ihre Angestellten Uniformen trugen, aber ich habe Bilder von den Angestellten auf Neverland in Hausmädchen-Kostümen gesehen – die Art Hollywood-Look?

Brad: Yep! Alle Typen von der Security trugen Uniform. Hinten auf der Pferderanch trugen sie Cowboy-Bekleidung. Die Feuerwehrleute trugen Feuerwehrkleidung, und sie waren echt. Also, ja.

Lisha: Und es handelt sich hier die ganze Zeit um Elemente des Theaters, richtig? Wir haben Garderobe. Wir haben Klang. Wir haben Beleuchtung. Wir haben diesen spektakulären Eingang und so weiter. Es ist sehr theatralisch, seht ihr das nicht auch so?

Brad: Absolut. Und sehr durchgeplant. Es gab auf Neverland nichts, was dem Zufall überlassen oder übersehen wurde.

Es gab also den kleinen Bahnhof direkt beim großen Tor, und es gibt etwas, über das ich in meinen Seminaren spreche, und das sind die Details von Neverland. Da ist dieser Bahnhof mit seinem sehr sehr kleinen Haus – wisst ihr, vielleicht in der Größe einer Veranda aus dem Süden, oder einem sehr großen Gazebo. Aber dieses Ding verfügt über ein Schieferdach, einen Baustil und wunderschön gedrehte Geländer und Säulen.

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Ich versuche gerade, mich an den Begriff zu erinnern, aber da sind kleine Sachen auf den Pfeilern, so etwas wie Plaketten – kleine Malereinen und aufgedruckte Dinge. Es ist einfach hinreißend, und dies ist erst die erste Bahnstation!

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Lisha: Unglaublich. Hier ist die erste Bahnstation, wie sie jetzt auf der Webseite der Sycamore Valley Ranch von Sotheby’s gezeigt wird:

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Erinnerst du dich an den Namen des Architekten oder Designers?

Brad: Also, Tony Urquidez war der Auftragnehmer. Ich weiß nicht, wer der Architekt war, aber Michael war ziemlich gut darin die örtlichen Jungs einzusetzen.

Lisha: Glaubst du, dass er an den Entwürfen beteiligt war?

Brad: Oh, ich bin sicher, dass Tony es war. Ich glaube das ganz sicher.

Lisha: Glaubst du, dass Michael Jackson auch beteiligt war?

Brad: Ich bin sicher, dass er möglicherweise einige Skizzen oder ähnliches erstellt hat, aber ich glaube, er war wahrscheinlich ein wenig mehr in den Gesamtentwurf involviert. Er entsandte Tony auf kurze Reisen. Er und Tony reisten zusammen und besuchten verschiedene Vergnügungsparks und verschiedene Städte und sahen sich einfach die Architektur an, um Ideen zu erhalten. Also ja, Michael war sehr bestimmt darin, was er wollte. Aber dann hatte er auch wieder großen Spaß daran sich mit kreativen Leuten zu umgeben und dabei zuzusehen, was sie am Ende auf den Tisch brachten. Also, ich denke, es war die Kombination aus allem.

Willa: Brad, du hast vorhin erwähnt, dass bezüglich der Effekte alles sehr sorgfältig erdacht wurde. Wie würdest du also die Gesamtwirkung des ersten Tors, des Wegs, des verzierten Tors, der kleinen Haltestation beschreiben? Was ich meine, ist, welche Wirkung, denkst du, beabsichtigte er damit?

Brad: Nun, ich möchte gar nicht versuchen, in seinen Kopf zu kriechen, aber es war sehr theatralisch. Und du hast die Bühne betreten. Weißt du, dies war eine Art Einleitung – der Song beginnt. Und deshalb willst du die Leute nicht sofort mit allem überfluten. Sie waren gerade nach einer zweistündigen Fahrt angekommen, haben geparkt, sie waren endlich da und es ist fast so, als würde sich die Spannung langsam aufbauen, verstehst du?

An diesem Punkt also betraten die Gäste die Eisenbahn. Und es ist nicht so, dass jeder Tag gleich war, aber die Art, in der wir es entworfen hatten, war so, dass sie dort die Bahn betraten und dann das Haus passierten. Das Haus war so etwas wie sein privater Wohnsitz. Aber die Bahn fuhr am See vorbei, und an den Schwänen und dem Schwanenboot. Und dabei spielte Musik, da waren diese großartigen Eichen, und so wurden die Besucher ganz langsam zum Themenpark gebracht.

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Willa: Und es gab tatsächlich zwei voneinander unabhängige Eisenbahnen – ist das richtig?

Brad: Ja. So konnte Michael anderen Gästen, je nachdem, wer es war, einfach mit dem Golf Cart entgegenfahren oder andere Dinge unternehmen. Man konnte zu Fuß zum Haupthaus gehen, aber ich sage euch – auf Neverland zu Fuß von einem Punkt zum nächsten zu gelangen, da musstest du traben! Es war ein schöner kleiner Fußmarsch, um vom verzierten Tor zum Haus zu gelangen. Aber das Haus ist das erste, worauf man sich zubewegt. Da gibt es Wiesen. Da sind die Gästehäuser – ich glaube, da sind fünf oder sieben Gästehäuser. Ich hab es vergessen. Und dann kommt man zum Haupthaus.

Aber von da aus kann man dann weiter nach links runtergehen, und wieder ist es ein Geländemarsch, aber man geht an der Security vorbei und an der Videothek, in der Michael oben einige Memorabilia hat. Dann gehst du weiter den Hügel hinauf und dann gelangst du zu der großen Bahnstation. Und die Leute kennen die Bilder davon mit der Blumenuhr und den sich bewegenden Figuren. Das war ein weiteres absolutes Stück Kunst. Dort erklang Musik. Es gab Grillenzirpen und klassische Musik und alle möglichen Dinge.

Lisha: Was hatte es mit den Geräuschen der Grillen auf sich?

Brad: Nun, ob du es glaubst oder nicht, aber in diesem Teil Kaliforniens ist es wirklich still. Michael wollte auf gewisse Weise immer eine bestimmte Atmosphäre erzeugen. Also versteckten wir Lautsprecher in den Hecken, aus denen von uns aufgenommenes Grillenzirpen erklang. Und ebenso spielte überall Musik, so dass es all diese übereinander geschichteten Klänge gab. Wir hatten Vögel, deren Gezwitscher man aus den Bäumen hörte. Es war lustig, denn wenn man alles ausschaltete, war es fast unheimlich still. Michael wollte immer, dass etwas da war – auch wenn die Leute es nicht wirklich wahrnahmen – etwas, was sich einfach in die Atmosphäre von Neverland einfügte.

Lisha: Es gab also ein Outdoor Klangdesign auf Neverland?

Brad: Ja. Wir hatten diese Fels-Lautsprecher, die wir von einer Firma mit dem Namen Rockustics aus Colorado bezogen. Sie klingen wirklich gut, aber wisst ihr, statt zwei von ihnen zu haben, oder vier oder sechs, hatten wir so an die 300 von ihnen, verteilt über die ganze Ranch. Wir nutzten sie für Musik, und wir hatten Vögel. Also, wir hatten unsere eigenen Vogelhäuser, die wir selbst gebaut hatten, mit Lautsprechern drin.

Aber dann ging man hoch zu dieser riesigen Bahnstation, und das ist einfach, ich zitiere jetzt niemanden, aber ich bin sicher, ihr habt Sachen über Walt Disney gelesen. Walt benutzte einen bestimmten Ausdruck, als er Disneyland baute, und es klingt lustig, wenn ich es sage, aber es sollte so sein, dass, wenn man zu einem Jahrmarkt oder etwas ähnlichem ging, dass da unbedingt ein „Weenie“ sein musste (Anmerkung d. Übers.: i.S. eines ‘visuellen Magneten’). Es muss etwas da sein, was die Aufmerksamkeit der Leute erregt. In Disneyland ist es das Schloss. In Epcot ist es der riesige Golfball. Und auf Neverland war es für mich diese große Bahnstation. Sie war wirklich wunderschön und man konnte sie aus großer Entfernung sehen.

Wenn ich mich nicht irre, konnte man den Bahnhof eigentlich fast auf Anhieb erkennen, wenn man diesen ersten Hügel überquert hatte. Das Ding war prachtvoll. Du bist da reingegangen und da kam auch der große Zug an.

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Es gab also zwei Eisenbahnen auf Neverland. Da war die kleine Bahn, die wirklich für den Transport der Leute genutzt wurde. Die große Eisenbahn war dagegen mehr eine Attraktion. Es war wirklich eine Dampflokomotive, The Katherine, und sie war wirklich, wirklich schön.

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Willa: Es war also eine Dampflok? Sie wurde tatsächlich mit Dampf betrieben?

Brad: Oh ja.

Willa: Wow, das wusste ich bisher noch nicht. Das ist wunderbar!

Brad: Ja, die große Lokomotive war eine echte, aufgearbeitete Dampflokomotive. Sie schickten eine Gruppe von uns nach, ich glaube, es war Mt. Pleasant, Iowa, und dort wurde die Lok instandgesetzt. Es war eine alte, noch funktionierende Dampfmaschine, eine Dampflok, und sie restaurierten das ganze Ding in Mt. Pleasant. Wir waren also zwei Wochen da draußen, wenn ich mich richtig erinnere.

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Lisha: Hast du auch an dem Soundsystem für die Lok gearbeitet? Ist das der Grund, warum du dahin entsandt wurdest?

Brad: Ja. Wir haben für den gesamten Sound und die Beleuchtung, die Stromaggregate und das alles gesorgt. Michael war auf eine positive Art ungeduldig. Wenn eine neue Attraktion für den Park erwartet wurde, wollte er unbedingt an genau dem Tag damit fahren. Sie schickten uns also eigentlich deswegen weg, damit wir außerhalb ganz in Ruhe an den Sachen arbeiten konnten, so dass wenn die neue Sache auftauchte, wir sie im Grunde nur noch anschließen mussten und er sofort draufspringen und mit dem Spielen anfangen konnte. Er wollte nicht zwei Wochen warten, ehe wir die Musik in der Bahn installiert hatten. Er wollte, dass wir woanders die Musik einbauten und er es dann sofort fertig zur Nutzung hatte.

Willa: Es ist großartig, dass er so aufgeregt deswegen war. Wie ein Kind, das ein neues Eisenbahnset bekam, nur dass es eine echte Eisenbahn war!

Brad: Oh, allerdings!

Willa: Hatte er auch einen Wasserturm, um die Dampflok mit Wasser zu befüllen?

Brad: Oh ja. Genau bei der Bahnstation, auf der Rückseite rechts, da war ein Wasserturm. Er war echt.

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Ich glaube, die Wärmequelle war Propangas. Sie schaufelten keine Kohle – so authentisch war es auch wieder nicht. Aber nein, es war nichts Künstliches daran. Es war alles echt. Es gab zwei oder drei Typen, die – kleines Wortspiel – trainiert waren, die Bahn zu versorgen. Es war nicht so etwas, wo man sein zwölfjähriges Kind reinspringen und an den Hebeln ziehen lassen konnte. Es gab Stellen auf der Ranch, an denen du jeden Spaß haben konntest, den man sich nur vorstellen kann, aber es gab genauso Sachen wie diese, die wirklich echt waren.

Willa: Das ist unglaublich.

Brad: Wenn man also an der großen Bahnstation war, war es im Prinzip – mir fällt kein besseres Wort ein – fast so wie eine riesige Sanduhr, wo eine Schleife an jedem Ende war und dann ein langer Weg in der Mitte, der einen am Theater vorbei führte. Es war eine Haltestelle am Theater, wo man abspringen konnte. Und das ist das, was ich die hohe Seite des Tals nennen würde. Wenn man auf Neverland ganz hinunter ins Tal guckt, war die große Eisenbahn zu deiner Linken und die kleine Bahn war rechts. Sie nahmen dich beide den ganzen Weg mit zur Rückseite des Tals.

Von der großen Bahn aus konnte man also am Theater abspringen oder in einer großen Schleife am Zoo mit den Schimpansen und Giraffen und allem weiterfahren. Wenn man also am Bahnhof war, konnte man entweder die Bahn nehmen oder zu Fuß zum Theater gehen, wenn man wirklich ein paar Kalorien verbrennen wollte. Ich hatte damals kein Smartphone mit GPS, aber ich vermute, die Strecke betrug fast eine dreiviertel Meile vom Bahnhof zum Theater.

Es war einfach riesig. Als wir dort gearbeitet haben, hatten wir immer unsere Trucks oder Autos auf dem Gelände, weil wir da normalerweise nicht mit Gästen waren, oder höchstens einer kleinen Gruppe von Gästen. Es war für uns ziemlich schwierig, da zu arbeiten, wenn bis zu drei Busladungen an Leuten dort unterwegs waren. Aber dann sprang man auf ein Golf Cart, um sich fortzubewegen.

Jetzt geht es wieder zurück zu der kleinen Bahn, hinüber zur anderen Seite des Hauses – ganz auf der anderen Seite – und das war der Ort, wo das Tipi-Dorf und der Wasserpark waren. Das war eine der einzigen Stellen, an denen keine Musik verlegt wurde. Wir wollten es dort wirklich authentisch halten.

Willa: Im Tipi-Dorf?

Brad: Ja, da gab es damals keinen Strom. Da waren einfach nur die Tipi-Zelte und der Wasserpark. Und das war der coolste Wasserpark, den es je gegeben hat. Das gab es nur auf Michael Jacksons Ranch, dass, wenn Kinder dahin kamen, es Fässer mit bereits gefüllten Wasserballons gab, die alle für sie vorbereitet waren. Und man musste dann einfach nur noch ausflippen. Sie hatten dort auch Feuerwehrschläuche und Wasserwerfer. Natürlich hat Kalifornien inzwischen ziemlich schlimme Dürreperioden erlebt, so dass es mittlerweile etwas verpönt ist, aber damals war es einfach keine große Sache.

Willa: Ich stelle mir gerade vor, ich wäre die Person, deren Job es ist, die Wasserballons zu füllen!

Brad: Also, ich habe gehört, dass Neverland zu seinen Spitzenzeiten – ich möchte nicht übertreiben und es gibt Leute, die mehr darüber geforscht haben als ich – aber ich habe gehört, dass es da etwa 100 bis 110 Angestellte gab. Etwa 60 oder 70 davon waren Gärtner. Die Gestaltung der Landschaft war einfach nur hinreißend. Es gab dort Gärtnereien und jederzeit frische Blumen.

Also ja, ich bin sicher, sie hatten jemanden, der nur die Wasserballons für Tage mit besonderen Veranstaltungen befüllte. Sie hatten Leute, die die Karussells betrieben und Tierpfleger und Gärtner und Hausangestellte und Köche, und dann noch allein die Mitarbeiter für die Ranch – ich meine, der für die Instandhaltung verantwortliche Ranch Manager und all die anderen Leute hinter den Kulissen. Es war ein voll entwickelter Betrieb. Ich habe in meinem Leben schon auf einigen erstaunlichen Anwesen gearbeitet, aber das hier war eine vollkommen andere Dimension. Wirklich einzigartig.

Lisha: Es klingt eher nach einem Hotel, insofern, dass es da so viele Angestellte gab, die rund um die Uhr im Einsatz waren, oder? Es hört sich an, als wären nicht alle Angestellten abends nach Hause gegangen.

Brad: Es war alles sehr gut durchgeplant. Es war nicht so, dass die Karussellbetreiber morgens um vier beim Auto Scooter bereitstanden und sich fragten, ob jemand kommen würde. So war es ganz und gar nicht. Es war genau geplant, dass, wenn eine Gruppe an einem Samstag kam, alle Karussellbetreiber da waren, und dann waren die Karussells vielleicht sechs Stunden oder so geöffnet. Wenn VIP-Gäste da waren, ja, dann konnte man um drei Uhr morgens Spaghetti bekommen, wenn man wollte. Ich denke nicht, dass so viele Leute das machten. Ich meine, so groß war es nicht. So viele Gäste gab es nicht. Aber ja, Michael wollte seine Gäste bis ins letzte Detail verwöhnt wissen.

Willa: Wie in einem Resort.

Brad: Ja. Ich habe also die Ranch sozusagen in Drittel aufgeteilt. Ich habe euch quasi durch das erste Drittel mitgenommen, das aus dem Wachtor, dem verzierten Tor, den Wiesen, dem Haupthaus, dem Wasserpark und dem großen Bahnhof besteht. Wenn ihr euch Neverland als Surfbrett oder etwas Ähnliches vorstellt, ist es das untere Drittel, das ich beschrieben habe.

Lisha: Ok, hier ist also für unsere Leser eine Karte von Neverland, die die Surfbrett-Analogie und die Unterteilung in Drittel ganz gut wiedergibt:

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Außerdem sind hier noch ein paar kürzlich gemachte Drohnenaufnahmen von dem Grundstück, das nun (wieder) Sycamore Valley Ranch heißt, für diejenigen, die es noch nicht gesehen haben!

Bleibt dran, um Teil 2 von Brads Beschreibung von Neverland nicht zu verpassen, und vielen Dank an dich, Brad, dass du so großzügig bist und uns auf deinem Spaziergang über die Neverland Valley Ranch mitnimmst!

Teil 2

Original Post: Dancing With The Elephant
Post vom 12. Mai 2016

 

Lisha: In Teil 1 unserer Tour über die Neverland Valley Ranch gab uns Brad Sundberg einen detaillierten Einblick in das erste Drittel von Michael Jacksons unglaublichem Zuhause, einschließlich dem Wachtor, dem magischen „verzierten Tor“, den Bahnstationen, Wiesen, Wasseranlagen, Gästehäusern und dem Haupthaus. Die Gäste auf Neverland fuhren normalerweise eine Meile oder so auf dem Grundstück, ehe sie das verzierte Tor erreichten. Dort konnten sie ihre Autos parken und durch das Tor gehen und dann eine Bahn besteigen, die sie zum nächsten Abschnitt des Grundstücks brachte. Das bedeutet, dass überhaupt die meisten Gäste am Haupthaus vorbeifuhren. Stimmt das, Brad?

Brad: Ja, wobei die meisten Leute das Haupthaus nicht betraten. Das war wirklich Michaels privates Zuhause. Aber VIP-Gäste wohnten dort sicherlich und wenn er seine Freunde einladen wollte, es bedeutete für ihn, dass er tun konnte, was er wollte.

Aber dann erreicht man das zweite Drittel, den mittleren Teil, und da war der Vergnügungspark. Und das ist es hauptsächlich, was die Leute auf den Luftaufnahmen gesehen haben. Ich hatte Gäste in meinen Seminaren, die an besonderen Tagen dort waren. Sie durften in diesen Park gehen. Wenn man also als Gast auf Neverland eingeladen war, war es wahrscheinlich das, was man zu sehen bekam.

Da war es auch, wo das Theater stand – dieses große, wunderschöne Theater auf der linken Seite des Tals.

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Und es war wirklich ein Tal. Um noch einmal zu meinem Surfbrett-Vergleich zurückzukommen, dann wäre es so, wie wenn das Surfbrett vor dir liegen würde und es hätte Berge an beiden Seiten. Man ging einfach nicht so oft auf diese Berge, es sei denn man hatte ein Motorrad oder ein Pferd oder so. Die meisten Aktivitäten spielten sich unten im Tal ab.

Der Großteil unserer Arbeit drehte sich um die Konstruktion der Musikanlagen und der Systeme für den Park. Es gab dort eine kleine Bühne, auf der man ein Barbershop Quartett oder ähnliches auftreten lassen konnte. Es gab den Zipper und Autoscooter und das Riesenrad und das Karussell und es schien, als ob es nie aufhören würde. Er fügte ein Fahrgeschäft hinzu, und einen Monat später rief er mich an und sagte, er hätte noch eins gekauft und ich konnte mir Gedanken über neue Ideen dafür machen.

Lisha: Wenn er dich anrief, sprach er dich also darauf an, was du musikalisch damit machen würdest, oder?

Brad: Ja, oder ich fuhr hoch und wir hatten dazu ein Meeting in seiner Bibliothek, oder besser noch, er liebte Meetings im Schloss. Und er breitete einige Pläne aus und sprach darüber, was als nächstes kommen würde. Er war da sehr bestimmt.

Es war schon irgendwie eine coole Beziehung zwischen uns, bei der er – und es betraf sicherlich nicht nur mich, sondern ich denke, Tony oder verschiedene Leute, die dort arbeiteten, würden etwas ähnliches sagen – uns erzählte, was er vorhatte, aber dann auch wieder unsere Ideen hören wollte. Wisst ihr, kriegen wir das hin? Oder: Was hältst du davon? Er diktierte es nicht, auf keinen Fall. Wie ich immer sage, wenn du mit Michael arbeiten willst, dann must du selbst etwas auf den Tisch bringen. Du kannst dich nicht einfach dahinsetzen und auf Anweisungen warten. Du musst auch schon Ideen beisteuern.

Willa: Er wollte also deine Vorstellungen über die Art des Sounds hören? Oder wie er bereitgestellt werden sollte? Oder …?

Brad: Also, ich gebe euch ein witziges Beispiel. Michael wollte überall Musik haben. Überall, überall, überall. Er wollte nicht eine Stelle auf dieser Ranch haben, an der es einfach nur still sein würde. Er kam also eines Tages zur mir und sagte „Ich habe ein Riesenrad gekauft.“ Ich sagte: „Natürlich hast du das. Warum solltest du nicht?“ und er sagte: „Ich möchte Musik auf dem Riesenrad.“

Nun, ich bin ein Kerl. Ich verstehe was von Geometrie und Elektronik und Physik, und all diese Dinge ergeben vollkommenen Sinn für mich. Also denke ich über ein Riesenrad nach und stelle mir ein Rad vor, das sich dreht. Und dann sind da an diesem Rad 16 kleine Räder, die sich alle drehen. Aber da kann man nicht überall Kabel verlegen, weil sich das Kabel nach zwei Umdrehungen verdreht hat und zerreißt.

Willa: Oh, daran habe ich gar nicht gedacht.

Brad: Na ja, ich möchte euch nicht mit zu vielen solcher Sachen langweilen. Aber bei Beleuchtung und Dingen wie diesen hat man große Teile Kupfer und Bürsten, um den Strom zum nächsten Paar Räder weiterzuleiten. Aber Musik ist ein völlig anderes Tier. Es wird wirklich verzwickt, Stereo-Lautsprecher und Kabel zu verlegen.

Also haben wir uns diesen komplizierten Plan ausgedacht, in jede Gondel ein Batteriepaket, einen Radio Receiver und einen Verstärker und Lautsprecher zu verlegen, um dann Musik in jede einzelne Gondel zu übertragen. Und ich entwarf die ganze Sache für ihn und sicherte ihm zu, dass ich das machen kann. Aber ich sagte auch, du meine Güte, Michael, die Kosten dafür, und all die Batterien aufzuladen und das ganze Kopfzerbrechen darüber. Ich sagte, lass die Leute doch einfach mal durchatmen! Lass sie mit dem Rad ganz nach oben fahren, dann können sie den Park sehen, sie können alles hören, die Kinder lachen hören. Wir müssen sie nicht mit noch mehr Musik überfluten.

Und glücklicherweise stimmte er zu, denn ich wollte das nicht bauen. Ich dachte so bei mir, dass dies die verrückteste Sache sei, die ich je entworfen habe. Und es hätte funktioniert! Ich hatte einen ziemlich guten Entwurf. Aber der entscheidende Punkt war, dass er wirklich zuhörte. Es war wirklich schön, wenn ich ab und zu mal etwas bearbeiten und sagen konnte: Nur weil wir es tun können, heißt das nicht, dass wir es tun sollten. Er war also damit zufrieden. Er gestand mir ein enormes Maß an Freiheit zu.

Und ich möchte eigentlich einen Punkt noch ausführen. Ich war ein Kind! Ich meine, ich bin fünf Jahre jünger als Michael, und wir gestalteten Neverland, als ich in meinen Zwanzigern und beim Großteil der Arbeit in den Dreißigern war. Ich arbeitete also mit ihm und Bruce im Studio, wisst ihr, Woche für Woche und Monat für Monat. Und dann, als das eine Projekt fertig war, zog er mich da heraus und wir bauten dort Dinge auf. Und das ist Michael Jackson! Er hätte die beste Audio-Firma in L.A. engagieren können. Er hätte Leute aus Berlin einfliegen können, wenn er gewollt hätte. Und die Tatsache, dass er es mich tun ließ und dass er mir vertraute, macht mich bis zum heutigen Tag wirklich demütig und bedeutet mir so viel.

Ich bin nicht reich geworden. Ich war zu dumm! Ich berechnete einen fairen Preis, aber ich durfte lernen. Er ließ mich auf Neverland lernen, und das ist etwas, was ich niemals vergessen werde. Er ließ mir ein ungeheures Maß an Freiheit und im Gegenzug gab ich Blut, Schweiß und Tränen. Es gibt kein einziges Projekt, das ich auf Neverland fertigstellte und auf das ich nicht stolz war. Wir gaben absolut alles, was wir hatten auf dieser Ranch. Und ich war nicht der einzige. Aber ich bin immer wirklich stolz darauf gewesen, dass er mir so sehr vertraute. So, und jetzt beende ich meine Sonntagsrede …

Lisha: Ich kann definitiv erkennen, warum er dich so sehr schätzte.

Brad: Es ist etwas, was mir bis heute viel bedeutet.

Also, überall auf der Ranch – und wir kommen in ein paar Minuten zum Zoo – alles, was ich euch beschreibe, da ist immer Musik. Und Michael wählte, nun er wählte wahrscheinlich 80 Prozent der Musik sorgfältig aus. Er hatte eine Playlist, und dann rief er mich an und sagte: Ok, ich möchte, dass du mir eine CD machst, und ich möchte diesen Song und jenen Song und den Song.

Und dann wiederholte er sich. Er liebte den Song „Carol Anne’s Theme“ aus dem Film Poltergeist. Er ist irgendwie tief bewegend und wunderschön. Also wollte er „Carol Anne’s Theme“ zweimal abgespielt haben – nicht zweimal hintereinander, sondern erst kam „Carol Anne’s Theme“ und dann vielleicht „My Favorite Things“ aus The Sound of Music, und dann etwas von Debussy, und dann wollte er wieder „Carol Anne’s Theme“. Und ich sagte: Michael, das hatten wir doch gerade. Wir haben diesen Song vor 9 Minuten gespielt. Und er sagte: Nein, aber er ist so schön, ich möchte ihn nochmal. Und man konnte mit ihm darüber nicht streiten! Es ergab keinen Sinn, aber es funktionierte!

Und man hörte überall Musik. Man bestieg die Eisenbahnen, und da gab er mir ein wenig mehr Freiheit. Ich konnte irgendwie spielen, was ich wollte, aber es war immer klassisch. Wir spielten niemals Michaels eigene Musik. Das war absolut verboten.

Lisha: Hier ist die Playlist, die Brad uns bei seinem Seminar und auf Facebook gezeigt hat:

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Brad: Jetzt, in den vergangenen Jahren wurde mir erzählt, dass Leute, die nach 2004, 2003, 2005 dort waren, berichteten, dass überall Michaels Musik gespielt wurde, was etwas enttäuschend ist, denn das war niemals das, was er wollte. Er war sehr entschlossen hinsichtlich der Tatsache, dass er nirgendwo auf der Ranch seine eigene Musik spielen lassen wollte.

Man hatte also einfach dieses Gemisch an Musik, und man wusste nicht, wo sie her kam. Sie war einfach überall.

Willa: War es also dieselbe Playlist, überall wo man hinging? Oder hatten verschiedene Karussells im Vergnügungspark auch verschiedene Musik?

Brad: Ja, die Fahrgeschäfte waren unterschiedlich. Wenn man ging oder auf einer Bahn fuhr oder so etwas, war es dieselbe opulente, schöne Musik. Aber dann hatten wir auf jedem Fahrgeschäft sehr ausgesuchte Musik, genau für dieses Fahrgeschäft. Und er wählte so gut wie alle dieser Musikstücke aus. Wir mussten also diese riesigen Soundsysteme bauen. Und ich bin ein Vergnügungspark-Junkie. Ich liebe Vergnügungsparks. Ich liebe Disneyland. Wir besaßen Jahreskarten für Disneyland, lange bevor es als cool galt. Ich liebe also die Art Dinge. Also ja, das Karussell zum Beispiel – auf dem wollte er Janets Songs gespielt haben. Das war zu der Zeit, als Rhythm Nation angesagt war. Wir hatten also einige von Janets Songs, die wir auf dem Karussell abspielten.

Auf dem Zipper, welches sein Lieblings-Fahrgeschäft war … Kennst du den Zipper?

Lisha: Ja, kennst du es, Willa?

Willa: Ist es nicht eine Art doppeltes Riesenrad, aber es kippt dich kopfüber?

Brad: Ja, es ist einfach das verrückteste, großartigste Fahrgeschäft. Das war sein Lieblingsgerät, und aus irgendeinem Grund mochte er den Song „Owner of a Lonely Heart“ von Yes. Und großer Gott, jeder, der auf diesem Fahrgeschäft mitfuhr, musste diesen Song immer wieder und wieder hören. Es ergab nicht wirklich Sinn, aber das war Michael! Und es blieb dir nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Das ist es, was er mochte.

Ich denke, auf gewisse Art war er sehr … hm, welches Wort suche ich? Nicht vorhersehbar, aber er mochte ein festes Programm. Ich habe bisher noch nicht so darüber nachgedacht, aber ich glaube, das es war so etwas wie: Ich bin auf dem Zipper, also werde ich „Owner of a Lonely Heart“ hören. Und so war es einfach. Du hast es nicht geändert. Du hast es nicht korrigiert. Es war das, was er wollte.

Willa: Vorhin hast du etwas so Faszinierendes gesagt. Du sagtest, dass durch das Wachtor zu gehen und an dem Salbeibusch vorbeizufahren und durch das verzierte Tor zu gehen vergleichbar mit der Einleitung zu einem Song gewesen wäre. Und nun, im Vergnügungspark, scheint es fast so als würdest du irgendwie einige der Strophen bekommen, die verschiedenen Strophen des Songs.

Brad: Ja. Ich will nicht versuchen zu poetisch zu werden oder so etwas. Aber Neverland bestand wirklich irgendwie aus einem Anfang, einem Mittelteil und einem Schluss, wie ein Song. Am Anfang hast du das verzierte Tor, diesen „Wo bin ich?“-Moment, diesen wunderschönen Eingang.

Und dann kommst du zum Themenpark und das war einfach Verrücktheit: die Super-Rutsche und die Auto Scooter und den Sea Dragon, und Musik hämmerte von überall. Und das Theater war genau da, und es war groß und dramatisch und plakativ.

Und dann gingst du, vielleicht später am Tag, zum Zoo. Und der Zoo war viel beruhigender. Also ja, in diesem Sinn war es fast wie ein Intro, Strophen, Refrain, eine Überleitung, Refrain, Fade-Out.

Willa: Oh, das ist faszinierend! Das ist wirklich faszinierend.

Brad: Michael liebte Dramatik. Du konntest Neverland an einem ganzen Tag erleben, und am Ende dieses Tages streicheltest du eine Giraffe und hast eine Ente gefüttert oder so, und es war wieder still. Es war sehr, sehr beruhigend.

Also ja. Ob es nun konstruiert oder zufällig war – ich neige dazu, es war konstruiert – es funktionierte wirklich für viele Menschen als eine einzigartige Erfahrung.

Lisha: Das ist faszinierend, wie es sich auf gewisse Weise entwickelte, auf eine irgendwie kalkulierte Art.

Brad: Ja. Allerdings haben wir auch viel vermasselt! Wir probierten Dinge aus. Er wollte diese albernen, ihr wisst schon, diese kleinen Autopia Cars wie in Disneyworld? Eigentlich kleine Go-Karts. Nun, wir hatten diesen aufwendigen Go-Kart-Track, der die eine Seite des Berges hinaufführte, rüber zur Super-Rutsche. Und es war wunderbar! Ich meine, es war gepflastert, und ich habe keine Ahnung, wie viel Zeit und Geld in den Bau dieser Go-Kart-Bahn gesteckt worden ist. Das war nicht irgendeine kleine Achterfigur. Das war echt – an der Seite des Berges hoch und unter den Bäumen hindurch. Es war wunderschön!

Und diese blöden Autos waren nicht stark genug, Leute seitlich den Berg entlang mit hochzunehmen, besonders Erwachsene, und die Leute wurden aus den Autos gestoßen! Ich bin nicht sicher, warum wir keine größeren Motoren bekamen, aber ich glaube, an dem Punkt hatte man schon so viel Geld ausgegeben, dass man die Ausgaben drosseln musste. Also brachten sie die Go-Karts zu einem ebenen Track hinter dem Theater. Es war nicht annähernd so cool, aber wenigstens sind die Leute nicht mehr aus den Autos gefallen.

Willa: Als Mutter denke ich, dass das Fahren mit großen Motoren für die Kinder ein Sicherheitsproblem gewesen wäre!

Brad: Ja, es gab eine Menge Dinge, bei denen du dir auf die Unterlippe beißen musstest und dir sagtest „Ich hoffe, niemand stirbt auf diesem Ding!“ Aber, uh …

Willa: Oh, nein!

Brad: Ich mache Scherze! Aber ihr habt vielleicht Bilder von der Super-Rutsche gesehen. Die Rutsche war total witzig. Es ist eine von diesen großen, gelben … Ich glaube, sie hatte vier Bahnen oder so.

Nun gut, für Michael durfte nichts jemals normal sein. Es musste alles auf Level 11 hochgekurbelt werden. Sie fanden also Teflonspray oder so etwas. Ich weiß nicht, ob sie das Zeug von der NASA bekamen oder wo es her kam. Aber du saßest in einem Jutesack und sie sprühten den Sack mit diesem Spray ein … und es war furchteinflößend! Ich liebe solches Zeug, aber du wurdest so schnell, dass du über diese Huckel geflogen bist und dachtest, du würdest dir deinen Rücken brechen und gelähmt sein! Und Michael lachte einfach nur, bis er sich fast in die Hosen machte. Besonders bei mir, wisst ihr, ich bin nicht gerade ein kleiner Typ. Und ich rutschte auf diesem Ding runter, dass es fast wie 90 Meilen pro Stunde schien, prallte einfach nur von Huckel zu Huckel.

Willa: Es tut mir leid, ich wollte nicht lachen!

Brad: Es ist so, als würdest du jemanden umbringen! Oder eine weitere Sache war der Auto Scooter. Ich liebte Auto Scooter. Und wir hatten ziemlich glückliche Umstände. Wir reisten ein bisschen, und so waren wir mehrere Male in Europa. Und es tut mir leid, ich bin etwas seltsam. Wenn es im Umkreis von 40 Meilen irgendwo einen Vergnügungspark gibt, dann muss ich da hin. So bin ich einfach. Museen interessieren mich weniger, aber bring‘ mich zu einem Freizeitpark.

Und so landeten wir auf dem Tivoli in Kopenhagen, welcher einer von Michaels Lieblingsparks war. Das war erst vor ein paar Jahren, nachdem Michael gestorben war. Sie hatten dort Auto Scooter und es war die seltsamste Sache, denn es war, als würde ich zurück nach Neverland geworfen.

Ich versuche kein Klischee aufrechtzuerhalten, aber in Europa gibt es völlig andere Standards als in den Vereinigten Staaten. Ich meine, es geht volle Fahrt voraus, man kracht mit Leuten zusammen und denkt, man schlägt sich die Zähne aus, während in den USA dies alles ohne Risiko und unter Beachtung von OSHA (Occupational Safety and Health Administration) gehandhabt wird und jedermann sicher zu sein hat.

Nun, bei Michael war nicht viel von OSHA zu bemerken. Seine Auto Scooter waren unerhört schnell. Sie gingen einfach ab. Man dachte, man wird sich selbst umbringen! Dann füllten wir das Zelt mit Rauch und Schwarzlicht und Stroboskoplicht und dann noch einem riesigen Sound System. Wir spielten Joe Santriani – das war normalerweise der Soundtrack da drinnen – und dann zogen diese Auto Scooter mit voller Geschwindigkeit ab. Hier war es dasselbe: Michael starb fast vor Lachen! Es war – ich sage es wirklich ungern – aber es war grenzwertig gefährlich. Aber es machte so viel Spaß, dass man sich einfach nicht darum kümmerte.

So könnte ich über jedes einzelne Fahrgeschäft reden, aber eine weitere richtig coole Sache in dem Erlebnispark war das Schloss. Ich weiß nicht, ob die Leute es schon von Fotos kennen. Wenn man ganz weit zurückgeht, habe ich einige wirklich coole Bilder von dem Park, als er gebaut wurde, und es war ein Baumhaus. Michael ging da normalerweise hinauf und beobachtete Leute von dem diesem Baumhaus, und es war cool, aber keine große Sache.

Nun, wir hatten so viel Equipment unterzubringen, dass wir einen Ort für all die Elektrik und unsere Racks und Verstärker und das alles brauchten. Also entschieden wir, am Grund des Baumhauses einen Raum zu bauen. Also, noch mal, hier handelt es sich um Michael Jackson, und da kannst du nicht etwas Normales machen. Also entwickelte es sich ziemlich schnell zu einem Schloss.

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Und so kam niemand jemals in den unteren Teil des Schlosses, denn es war nur ein Equipment-Raum, und dort bewahrten wir unsere ganzen Klamotten auf. Aber es gab ein großes Obergeschoss auf dem Schloss. Und darauf war auf einer Seite ein Arbeitszimmer. Und es handelte sich hierbei um einen wirklich coolen Raum, in dem Michael Meetings abhielt. Wir saßen da oben und sprachen über Fahrgeschäfte, die noch kommen sollten. Oder wenn er einen Telefonanruf oder so machen musste, konnte er da raufgehen. Es gibt kein Funknetz auf Neverland und damals waren Mobiltelefone ohnehin noch ziemlich unausgereift und simpel. Es war also einfach ein Ort, an dem er Verbindung aufnehmen konnte. Wisst ihr, wenn er VIP’s zu Besuch hatte und sie waren draußen unterwegs, dann konnten sie einen Lunch oder ähnliches im Schloss einnehmen. Es war einfach so besonders und so anders – ein wirklich, wirklich schönes kleines Stück Architektur.

Dann gab es noch überall über den Park verteilt Disney-animierte Schmetterlinge und den Elefant, der nachts Wasser in die Luft sprühte, nur dass es kein Wasser war. Es waren einfach Lichter.

Und dies ist noch eine weitere Sache. Tagsüber bestand der Park aus Spaß. Es war ein Vergnügungspark, wie ihn niemand in seinem Garten hatte. Aber in der Nacht wurde dieser Ort durch – ich weiß nicht, ob es Millionen waren – aber Zehntausende kleiner, funkelnder Lichter in den Bäumen beleuchtet.

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Eigentlich schwöre ich, dass es so war. Ich sollte nicht schwören, aber ich glaube, es stimmt. Es gibt diese gigantischen Eichenbäume überall verteilt in Neverland. Überall im ganzen Park, sollte ich sagen.

Willa: Das sind die Bäume, die man in dem Video Say, Say, Say sieht, richtig? Es wurde dort gedreht.

Brad: War es so?

Willa: Ja. Jene großen Eichen, die man im Say, Say, Say Video sieht, stehen auf Neverland.

Brad: Ok. Nun, die waren bedeckt, und ich meine wirklich bedeckt, mit kleinen, glitzernden Lichtern – wisst ihr, diese winzig kleinen Lichter. Und jeder Baum hatte das, was man eine Leistung von 200 Ampere nennt. Und jetzt schlafen eure Musikfachleute gleich ein, wenn ich das sage, aber das ist das Äquivalent eines normal großen amerikanischen Wohnhauses. Ein normal großes Haus erhält 200 Ampere Elektrizität. Das ist viel Strom, die diese albernen Bäume für die Beleuchtung brauchten.

Lisha: Das ist pro Baum?

Brad: So wurde es mir gesagt. Wisst ihr, ich will jetzt keinen Lügendetektor-Test machen. Aber es war einfach eine enorme Menge an Strom, der die Ranch versorgte.

Aber daher kam die ganze Beleuchtung. Wir hatten keinerlei Straßenbeleuchtung. Es waren alles entweder Lichter in den Bäumen oder Lichter vom Vergnügungspark, und das war’s. Und in der Nacht … ich war schon an einigen wunderschönen Orten, aber Neverland bei Nacht rangiert so weit oben. In seinen besten Jahren, wenn die Fahrgeschäfte und die Musik liefen, und es war alles erleuchtet, dann würde ich es ziemlich sicher auf eine Stufe damit setzen, mitten in Disneyland oder in Paris zu sein. Es war ein wirklich, wirklich, wirklich magischer Ort.

Willa: Das klingt wunderschön.

Lisha: Eine Menge von dem, worüber wir sprachen, wie das System der Eisenbahn und der Park und die Blumen und die Uhren und solche Dinge, erinnern mich so sehr an Walt Disney. Und wir wissen, dass Michael Jackson ein riesiger Bewunderer von Walt Disney war, der ständig die Grenzen zwischen Realität und Phantasie durch Kunst und Animation verwischte, bis er schließlich Disneyland baute. Und die Idee von Disneyland basierte darauf, dass du in diese Phantasiewelt eintauchst, die er vorher durch Kunst erschaffen hat.

Brad: Geschichten, ja.

Lisha: Es klingt für mich so, dass Michael Jacksons Neverland so ähnlich ist, und ich frage mich über deine Ansicht darüber. Du kennst Disneyland sehr gut und du bist außerdem wirklich auf der Ranch gewesen und kennst diese auch sehr gut. Aber gab es irgendeinen grundlegenden Unterschied zwischen diesen Orten?

Brad: Also, lass mich mal überlegen. Disneyland zählt an sehr vollen Tagen 70.000 Besucher, und auf Neverland waren einige Hundert – das wäre ein Unterschied! Ich meine, es waren natürlich ganz unterschiedliche Erfahrungen. Neverland war atemberaubend bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es jemandes Garten war. Ja, es war nicht Disneyland, aber dafür, dass man im Pyjama aus dem Haus gehen und in diesen Park gehen konnte, war es einfach – und ich sage jetzt nicht, dass ich das getan habe – aber diese Erfahrung war mit nichts zu vergleichen.

Michael wusste, dass ich Disneyland liebte und ich bin mein gesamtes Leben lang Disney Fan gewesen. Macht euch gefasst auf etwas wirklich Schmalziges, aber ich habe meiner Frau sogar auf dem Mississippi-Dampfer von Disneyland den Heiratsantrag gemacht.

Willa: Oh, wirklich!

Brad: Ja, und das war sogar im selben Jahr, in dem ich Michael zum ersten Mal traf. Wir hatten also unsere kleine Disney-Verbindung. Wir waren nie zusammen in Disneyland. Wir sprachen immer darüber, aber für ihn war es eine Tortur, dorthin zu gehen. Also befragte er mich zu den Neuheiten und was er sich ansehen sollte.

Also ja. Neverland – es gab sicherlich, ich vermute ihr nennt es einen Wink oder Tribut an Disney, über den ganzen Ort verteilt. Und umgekehrt. Ich meine, die kreativen Köpfe haben mehr Arbeit geleistet, als ich wirklich damals wusste, wie die animierten Figuren. Wenn man das Theater betrat, gab es die zwei Dioramen. Eines von ihnen zeigte Pinocchio und das andere Cinderella. Und man drückte einen Knopf und die Dinge wurden zum Leben erweckt – da gab es Lichter und Musik und Bewegung und das alles. Und ich glaube, das haben die kreativen Köpfe erdacht. Ich denke, Michael gab ihnen die Aufgabe es zu bauen. Also ja, es fehlte weiß Gott nicht an Anspielungen auf Disney.

Willa: Ich habe gerade dieses Video von dem Pinocchio-Diorama aus der Zeit, als es in die Auktion gehen sollte, gefunden. Ich fürchte, die technische Qualität ist nicht allzu gut, aber es vermittelt einen Eindruck dessen, was passierte, wenn man den Knopf drückte:

Lisha: Das ist so interessant! Ich habe ein Foto des Cinderella-Dioramas gefunden, das den Moment darstellt, in dem die gute Fee Cinderellas Lumpen in ein wunderschönes Ballkleid verzaubert.

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Beide Darstellungen beschäftigen sich also mit Transformation: Der Moment, in dem Pinocchio auf magische Weise von einer Puppe in einen echten Jungen, und der Moment, in dem Cinderella von einem Hausmädchen in eine Prinzessin verwandelt wird.

Willa: Das ist eine faszinierende Beobachtung, Lisha! – besonders im Hinblick darauf, dass Verwandlungen solch ein wiederkehrendes Thema in Michael Jacksons Werken waren. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass es eine kleine Szene in dem Smooth Criminal Segment von Moonwalker gibt, das in eine Ecke des Pinocchio-Dioramas integriert wurde, wobei ich mir vorgestellt habe, dass die Kreativen dies als kleines Überraschungselement eingefügt haben. Es scheint hier nicht ganz hinzupassen, aber gleichzeitig ist es doch irgendwie passend, da Moonwalker voll mit Verwandlungen ist. So verwandelt sich die Hauptfigur, Michael, in einen Sportwagen und einen Roboter und in ein Raumschiff, und ebenso sind da psychologische Verwandlungen. (Nebenbei gesagt, es gibt auch sehr viele Spinnen in Moonwalker, was mich an das erinnert, was du vorhin über die Tarantulas auf der Figueroa Mountain Road gesagt hast, Brad.)

Lisha: Brad, kannst du dich erinnern, wie Michael dazu stand, dass sein eigenes Bild zu dem Pinocchio-Diorama zugefügt wurde?

Brad: Meine Erinnerung ist, dass Michael den Smooth Criminal in dem Diorama nicht mochte, er hatte nur sehr wenige Abbildungen von sich selbst in den öffentlich zugänglichen Bereichen von Neverland.

Ein andere Sache, die du erwähnt hast und über die ich eine Sekunde lang nachgedacht habe, ist die, wie man in Disneyland in Geschichten oder Filme eintauchte. Wisst ihr, Michael hätte eine Art Michael Jacksonland errichten können, in dem die Auto Scooter – ihr müsst wissen, ich spinne jetzt mal einfach – aber wir hätten Sachen wie einen Thriller-Auto-Scooter oder ähnliches thematisieren können, man hätte „Thriller“ abspielen und eine Horde Zombies da haben können.

Nicht in einer Million Jahren hätte er so etwas gemacht. Noch hätte ich es jemals vorgeschlagen. Das war nicht das, was er wollte. Er wollte etwas, was sowohl Kinder als auch Erwachsene lieben und schätzen. Im Gegenteil, da war fast eine auffallende Abwesenheit von allem, was mit Michael Jackson zu tun hatte, auf Neverland, mit Ausnahme von Michael selbst. Klingt das einleuchtend für euch?

Lisha: Absolut.

Willa: Es scheint, als versuchte er wirklich, diese Phantasieerfahrungswelt zu erschaffen, und die Phantasien, derer er sich bediente, sind alle von einer Art nostalgischer Kindheitsgeschichten, wie das Tipi-Dorf und die Cowboys – du sagtest, die Leute im Zoo waren wie Cowboys gekleidet – und die Dampfmaschine. Das alles ruft Vorstellungen an nostalgische Geschichten aus der Kindheit und an Spiele hervor, die besonders Jungen in der Vergangenheit gespielt haben.

Brad: Also, wenn es ein Thema gab, das sich durch ganz Neverland zog, dann war es Peter Pan. Natürlich wird es Neverland genannt, da haben wir also schon einmal Hinweis Nummer Eins. Es ist lustig – ich habe vor ein paar Monaten einen Post auf Facebook geschrieben. Wisst ihr, die Leute schicken mir Bilder, und ich habe jetzt eine ziemlich erstaunliche Sammlung von Bildern über Neverland, die ich von den Leuten bekommen habe. Und ich habe mir eines Tages einen Stapel von ihnen angesehen, und da war ein Bild dabei, das mich erstarren ließ.

Auf der Rückseite des Hauses war eine Art Büro. Und in diesem Büro, mit Blick auf den Barbecue-Bereich auf der Rückseite des Hauses, gab es diese Peter Pan Figur. Sie war wahrscheinlich etwa 24 Inches (ca. 61 cm), vielleicht sogar 30 Inches (76 cm) hoch – so was in der Art. Und jedes Mal, wenn ich daran vorbei ging, nahm ich sie genau wahr. Sie bewegte sich nicht. Es war nichts Besonderes daran. Es war einfach diese coole Figur von Peter mit an die Hüften gelegten Händen und seinem kleinen, albernen Hut und allem, wie er irgendwie stolz auf den Garten und den Barbecue-Bereich sah.

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Und wisst ihr was? Es war einfach so typisch. Das ist die coolste Sache. Und auch wenn Michael Rolls Royces und eine Dampfmaschine und alles, was man sich vorstellen kann, hatte, da war etwas an Peter Pan, das mich einfach umhaute. Das war wahrscheinlich mein kleines Lieblingsteil auf der Ranch. Denn das war er. Ich meine, Michael sah sich selbst als Peter Pan. Wir haben nie darüber gesprochen. Ich meine, ich will nicht, dass es verrückt klingt. Aber ihr wisst, Michael hatte diese Peter-Pan-Verbindung.

Als mir jemand dieses Bild schickte, hatte ich plötzlich einen Kloß im Hals, einfach weil es eine wirklich coole Erinnerung an Neverland war.

Willa: Das Tipi-Dorf ist eine weitere Referenz an Peter Pan. Ich meine, da gibt es ein Tipi-Dorf in Peter Pan – das ist ein Teil in der Geschichte.

Brad: Oh ja. Und in dem großen Bahnhof, oben an der Decke des Bahnhofsgebäudes – es war nicht voll beweglich -, aber da gab es diesen fliegenden Peter Pan und ein paar der anderen Figuren. Sie waren irgendwie an Seilen oder Stangen da oben aufgehängt. Sie schwebten also über dir, wenn du die Bahnstation betreten hast.

Willa: Oh cool! Ich habe gerade einen interessanten Post gesehen, der Bilder von Peter Pan und Tinkerbell im Kampf mit Captain Hook auf Neverland zeigt. Waren es diese in den Dachsparren der Bahnstation?

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Brad: Ja, großartige Fotos! Es gab etwas, was ich vor ein paar Minuten über den großen Bahnhof erwähnen wollte. Michael hatte oft riesige Gruppen an Gästen, besonders wenn seine ganze Familie zu Besuch kam. Sein Wohnhaus selbst war ziemlich seltsam, ich denke, es gab nur vier Schlafzimmer, vielleicht auch fünf. So viele Zimmer gab es gar nicht. Und es gab nur ungefähr fünf Gästehäuser. Also, seine Familie ist riesig, und dann hatte er noch Freunde und andere Leute da. (Brad) Buxer hat mir also erzählt, dass in dem Bahnhof tatsächlich Leute geschlafen haben.

Willa: Wirklich?

Brad: Oh, sie schliefen überall! Sie schliefen im Theater – sie waren überall verteilt. Aber der Bahnhof war eigentlich wirklich nur als Bahnhof gedacht. Da bestand niemals vorher der Gedanke, dass da drinnen Betten benötigt werden würden. Also, ich weiß nicht, ob sie da auf Luftmatratzen oder ähnlichem schliefen. Aber es gab da kein Badezimmer! Und Buxer hat berichtet über … ich weiß nicht, ob es die Brüder waren, Tito oder wer auch immer – wisst ihr, wenn du mitten in der Nacht aufgewacht bist, dann musstest du den ganzen Weg runter zum Haupthaus gehen, um die Toilette zu benutzen. Niemand hat jemals darüber nachgedacht, gee, dass man hier vielleicht ein Badezimmer einbauen könnte, weil hier eventuell Leute schlafen würden. Es war nur dafür gedacht: Komm rein, schnapp dir ein paar Süßigkeiten und spring auf den Zug.

Aber Michael wohnte hier, Mann, und das war sein Haus. Es war keine kleine Zwischenstation!

Willa: Und der Bahnhof – das ist doch etwas, was er selbst dazu gebaut hat, richtig? Er war nicht Teil der Sycamore Valley Ranch, als er sie kaufte?

Brad: Korrekt. Das erste Mal, als ich dort war – wisst ihr, jedes Mal, wenn ich darüber rede, höre ich von einigen meiner Seminargäste leises Gekicher – aber meine allererste Aufgabe auf Neverland war, die Musikanlage in seinem Schlafzimmer, in seinem Raum, zu installieren. Ich habe also große Lautsprecher an jeder Seite seines Bettes angebracht, und ich zog Kabel und baute diese coole, kleine Anlage in sein Schlafzimmer ein.

Und es gab dort wirklich nicht so sehr viel mehr. Ich meine, es gab das Haupthaus, und dann waren da Wiesen auf der ganzen Rückseite. Ich weiß nicht, wann das Theater gebaut wurde, aber ich denke, er ließ es bauen, bald nachdem er das Anwesen gekauft hatte. Ich habe das Theater nicht gebaut. Lee Tucker von Warner Studios baute es. Aber dann blieb ich da mit all den anderen Projekten hängen.

So, nun also zum dritten Abschnitt – wenn man schließlich fertig war mit dem Park, konnten die Gäste auf die Bahn springen, entweder die große oder die kleine Bahn, und dann hoch zum Zoo fahren. Oder man konnte da hoch gehen. Im Grunde war es so, als der Park immer größer wurde, kam er immer näher an den Zoo. Wenn ihr also auf meinen Vergleich mit dem Surfbrett zurückblickt, begann sich der obere Teil des mittleren Bereichs dem entfernteren, also dem Zoo, anzunähern.

Man kann dann also zum Zoo. Der Streichelzoo war wirklich cool. Alles war wunderschön. Ich meine, es war gepflegt wie sonst nirgends auf der Welt. Die Leute dort fegten und machten sauber. Der Streichelzoo war eins der Dinge, die später hinzugefügt wurden. Wir hatten ihn nicht in den ersten Jahren. Ganz am Anfang, ich glaube, da gab es nur … die Elefanten waren ziemlich früh da. Kimba, den Löwen, gab es ziemlich früh. Die meisten Gäste bekamen Kimba nicht zu sehen. Kimba wurde irgendwie oben auf dem Berg zurückgehalten, weil er immer so wütend war!

Willa: Oh, nein!

Brad: Er war einfach kein freundliches Tier. Aber wenn man ganz früh morgens oder um die Zeit des Sonnenuntergangs zur Ranch ging, das war die Zeit, in der Kimba gefüttert wurde. Und das Tier konnte brüllen, so dass man sich zu Tode ängstigte! Ich meine, du konntest das Gebrüll zwei Meilen entfernt hören. Es war einfach dieses wunderbare, wütende, coole Brüllen.

Ich möchte nicht, dass es so klingt, als wäre er nicht gut behandelt worden, denn so war es nicht, aber er war einfach nicht weich und knuddelig, á la „Komm spiel mit mir.“ Ich meine, er war einfach ein … Er war schwierig. Also hielten wir ihn ein wenig weiter von den Kindern entfernt, weil wir sie nicht ängstigen wollten.

Aber wir hatten den Pferdestall. Wir hatten den Schlangenstall. Dabei handelte es sich um ein weiteres, einfach vollkommenes Kunstwerk, auf eine ganz eigene Art und Weise.

Lisha: Der Schlangenstall?

Brad: Ja, sie nannten ihn die Reptilienscheune. Sie war genau an der gegenüberliegenden Straßenseite. Nun seid ihr oben im Zoo. Und dort befindet sich auch die Feuerwehr. Auf Neverland gab es, glaube ich, immer zwei rund um die Uhr tätige Feuerwehrmänner in der Feuerwache. Dies waren Auflagen vom County, wenn ich mich nicht irre. Genau gegenüber war der Pferdestall, und dann kam die Reptilienscheune.

Du gingst in die Reptilienscheune, und in dem ersten Raum waren all diese Käfige. Es ist lustig, wenn ich an all diese Dinge denke, denn dieser Vorraum war irgendwie nicht gerade beeindruckend. Man ging hinein und er war voller Terrarien – fast so, als würde man auf eine Wissenschaftsmesse oder so etwas gehen. Und es ist irgendwie cool – es ist wie, yeah ok, mir geht’s gut. Mach, dass wir hier rauskommen.

Aber dann kam man durch eine zweite Tür – ich habe so noch nie darüber nachgedacht – und plötzlich war man an einem ganz anderen Ort.

Willa: Weißt du, das erinnert mich an das, was du vorhin schon über das erste Tor gesagt hast, und dass es nicht beeindruckend ist. Dass man aber dann durch das verzierte Tor geht und Wow! Plötzlich ist man in einer anderen Welt.

Brad: Ja! Ich schwöre, ich habe nicht übertrieben! Aber ich habe wirklich noch nie vorher daran gedacht. Ich dachte immer, der Vorraum war irgendwie langweilig. Aber so wurdest du empfangen. Und dann gab es diese kleinen – wir nannten sie Geschwafel – 30-sekündigen Aufnahmen, wisst ihr, wie in Disneyland: Behalte deine Hände und Arme zu jeder Zeit im Fahrzeug!

Du gingst in diesen Raum und ich machte eine Aufnahme von einem der Tiertrainer. Sein Name war Brock, nicht zu verwechseln mit Brick (Price), sondern Brock. Es gab Brick und Brock! Und Brock hatte diese wundervolle, tiefe Bassstimme, wisst ihr. „Willkommen im …“ Ich kann es nicht mal nachmachen – ich habe nicht so eine tiefe Stimme. Aber es war so etwas wie „Willkommen in der Reptilienscheune. In diesem Raum hoffen wir euch etwas über die einzigartigen Wesen aus der ganzen Welt beibringen zu können. Bitte klopft nicht auf die Käfige.“

Willa: Hier ist ein Audioclip von dem Geschwafel, den ich in einem Post auf deiner Facebook Seite gefunden habe.

Brad: Ja, und dann ging man durch ein zweites Paar Türen, und da war dann diese dunkle, wirklich coole Gang. Es war einfach ein langer Gang bis ganz hinten an das Ende der Scheune. Und dann waren da an beiden Seiten des Gangs diese wunderschönen Terrarien aus Glas, und das ist noch nicht einmal der richtige Ausdruck dafür. Dies waren Gehege. Ich meine, sie waren wahrscheinlich sechs Fuß breit, so in etwa, und ich weiß nicht genau, drei oder vier Fuß tief bei fünf Fuß Höhe. Ich meine, sie waren riesig. Und für einige der großen Schlangen waren sie sogar noch größer. Dort waren die Klapperschlangen und die Kobras und die netzartige Python und Madonna, die Albino-Python. Und sie waren einfach wunderschön!

Lisha: Hier ist ein Bild von „Madonna“.

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Brad: Ich glaube, sie hatten einen fulltime Schlangenbetreuer und mindestens einen oder zwei Assistenten. Nun sind wir ganz und gar nicht mehr auf der Wissenschaftsmesse. Jetzt sind wir fast in einer vollkommenen, Sea World ähnlichen Umgebung. Diese Gehege waren wundervoll – handbemalt, mit Wasser gefüllt. Sie waren wirklich, wirklich sehenswert. Und dann hatte jedes Gehege seine eigene kleine Geschichte, die als 30-Sekunden-Story über die Schlange und wo sie herkam, erzählt wurde.

Aber dann wollte Michael … Eigentlich glaube ich, es war meine Idee. Ich sagte: “Kann ich nicht ein bißchen Spaß haben?” Und sagt:“ Yeah, was immer du willst.“ Also baute ich über die gesamte Länge des Gangs diese versteckten Lautsprecher ein, ganz unten zu Füßen der Leute. Es war ziemlich dunkel hier und wir hatten Grillenzirpen und es war irgendwie … nicht unheimlich, sondern sehr authentisch. Und ich hatte etwas in meinem Vorgarten aufgenommen, in jeder Ecke. Ich hatte Efeu statt Gras in meinem Vorgarten, also nahm ich eine Kühlbox – wie eine Igloo Kühlbox mit einem Seil dran – ich setzte sie an das Efeu und nahm die Geräusche auf. Dann überspielte ich es auf ein Wiedergabegerät.

Und etwa alle neun oder zehn Minuten gab es Leute in der Reptilienscheune, die sich die Schlangen ansahen und sich dabei umguckten. Dann hörten sie dieses Geraschel am anderen Ende des Gangs und dann zischte es aus den Lautsprechern, den ganzen Gang hinunter, an ihnen vorbei. Und sie sprangen hoch und dachten, ein paar blöde Schlangen wären aus ihrem Gehege ausgebrochen! Michael starb fast vor Lachen! Er hielt es für die lustigste Sache.

Also jetzt wisst ihr, es waren all diese kleinen Details, die … die Gäste konnten das alles auf keinen Fall an einem Tag aufnehmen. Wir bauten so viele Überraschungen und coole kleine Leckerbissen ein, dass man wirklich lange, lange Zeit brauchte, um alles zu erforschen.

Als nächstes kamen die Alligatoren. Und dann ging man ein bisschen weiter, und da waren dann die Schimpansen – ein riesengroßes Schimpansengehege. Und dann die Elefanten. Ich erzähle den Leuten in meinen Seminaren oft, dass das einzige Mal, das ich auf Neverland angeschrien worden bin, war, als ich meine Hand in den Elefantenkäfig gesteckt habe.

Willa: Oh!

Brad: Weisst du, es ist Alltagswissen. Aber es sind große, sehr schöne Tiere und ich wollte ihn streicheln. Und Mann, diese Tiertrainerin kam und riss mir den Kopf ab! Sie sagte, steck’ niemals, jemals, aber wirklich niemals deine Hand zwischen einen Stahlzaun und einen Elefanten! Weil sie es einfach nicht besser wissen. Ich meine, sie lehnen sich einfach mit ihren 4000 Pfund gegen deine Hand, und schon hast du eine Waffel statt einer Hand! So habe ich erfahren, dass ich dies niemals tun sollte.

Eine andere Sache, die ich wirklich schön fand zu berühren, waren Michaels wunderschöne Giraffen. Ich bin niemals wirklich unter Giraffen gewesen. Wer ist das schon? So etwas begegnet uns nicht sehr oft in L.A.! Aber er zog diesen Boden. Man ging nach oben wie auf zwei Freitreppen, und dann hatten sie da oben diese großen Körbe mit Futter. Und so befandest du dich plötzlich buchstäblich Auge in Auge mit diesen schönen Tieren und hast sie gefüttert. Ich nutzte jede Gelegenheit – wisst ihr, wenn ich dort einen Tag lang arbeitete – schaute ich auf jeden Fall bei den Giraffen vorbei, bevor ich nach Hause fuhr. Sie sind solch wunderschöne, sanfte Riesen. Und sie lehnen tatsächlich ihre großen Köpfe gegen deine Brust, während du sie fütterst … Wirklich, wirklich coole Sache.

Willa: Wow!

Brad: Ich will damit also sagen, dass es so weiter und weiter und weiter geht. Aber ihr wisst …

Angenommen, ich habe nun meine Bahn verpasst und wurde am Giraffengehege zurückgelassen und muss auf eigene Faust zurück zum verzierten Tor kommen. Wenn ich schätzen soll, würde ich sagen, bedeutet das einen Fußmarsch von gut 45 Minuten. Wenn man, ihr wisst schon, den Kopf senkt und anfängt loszugehen. Es war riesig. Man ging nicht wirklich zu Fuß herum auf Neverland. Man ging in dem Bereich zu Fuß, in dem man sich gerade befand. Aber aus dem Grund gab es ja die Eisenbahnen und die Golf Carts, und ich habe Bilder gesehen, wo sie Straßenbahnen hatten. Weil es zu groß war, um es zu Fuß abzulaufen. Ich glaube nicht, dass die Leute eine Vorstellung davon haben, wie groß es war.

Lisha: Und wir reden ja nur über den Teil des Grundstücks, der erschlossen war, richtig? Ich meine, der Großteil des Grundstücks war nicht erschlossen, ist das korrekt?

Brad: Ja. Ich habe einige Bilder gefunden – ihr wisst schon, wie Luftaufnahmen – die zeigen, wie groß es war, denn, yeah, es ging auf jeder Seite die Seiten der Berge hinauf.

Lisha: Hier sind die Luftaufnahmen von der Sotheby’s Sycamore Valley Ranch Website:

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Brad: Ganz hinten, am anderen Ende der Ranch – vorbei an den Giraffen und allem – war die Scheune für die Eisenbahn. Und ich glaube nicht, dass da irgend jemand wirklich hin ging. Da gab es nichts zu sehen. Aber dorthin kam die kleine Bahn nachts für Reparaturen und solche Dinge. Und das war schon so weit da hinten, seit die Ranch erschlossen wurde.

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Und dann, dahinter brauchte man ein Motorrad oder ein Pferd oder ein Quad oder etwas anderes, um Michaels Land weiter zu erkunden. Also ein großes, großes Grundstück.

Lisha: Wie viel des Grundstücks, würdest du sagen, war erschlossen?

Brad: Wisst ihr, ich weiß einfach nicht, wie weit es ging. Aber ich nehme an, wenn ich schätzen sollte, würde ich sagen ein Viertel bis ein Drittel, etwas in der Art. Aber viel von dem Ganzen war einfach da, ich meine, Michael hatte kleine Gazebos, ich würde sagen, er hatte zwei oder drei Gazebos oben auf dem Berg. Und er war ein Witzbold! Ich meine, er nahm sein Golf Cart oder sein … Wie nennt man diese dreirädrigen Dinger, die so absurd gefährlich sind? Wahrscheinlich fuhr er ein Quad. Ich glaube, er fuhr ein Quad.

Lisha: OK.

Brad: Ja, er fuhr mit diesen Dingern hoch zu seinen Gazebos. Er liebte es, da oben zu sein mit einem Fernglas, damit er die Leute, die Arbeiter und Gärtner, beobachten konnte, wie sie die Sachen bauten. Und sogar dort – es war die verrückteste Sache – da war ein Gazebo, dass weit oben über dem Park war, und ich weiß nicht wie sie dort oben Strom gelegt haben, aber sie hatten dort Elektrizität. Und eins ist gewiss, Mann, er wollte Musik da oben haben! Und ich so, Michael, niemand wird jemals da nach oben kommen. „Nein, aber ich muss Musik haben. Ich muss meine Musik haben!“ Da waren wir also und schleppten Lautsprecher auf den Berg. Ich meine, da waren Wege. Und fast überall, wo man ging – ich meine nicht auf den Pferdewegen – aber an jeder Stelle, wo er hingehen konnte oder wo Gäste hingehen konnten, musste fast überall Musik spielen.

Es gab eine Art Witz, immer wenn er die Ranch verließ. Wisst ihr, fast jeder auf der Ranch hatte ein Radio, und wenn Michael auf der Ranch war, wurde von ihm immer als „dem Eigentümer“ gesprochen. Sie sagten nicht, Michael Jackson ist auf dem Grundstück. Es gab nur eine Ankündigung: „Der Eigentümer wird in fünf Minuten hier sein.“ Und das bedeutete so etwas wie, ihr wisst schon, jeder muss sich gut benehmen. Wenn Michael die Ranch verliess, dann verkündete die Security am letzten Tor: „Der Eigentümer hat die Ranch verlassen.“ Und dann kamen diese Rufe von den Gärtnern: „Stellt die Musik aus! Bitte, stellt die Musik aus!“ Du kannst Debussy und The Sound of Music eine gewisse Zeit hören, aber dann kannst du es nicht mehr aushalten!

Willa: Das ist lustig!

Brad: Wenn er also weg war, machten sie die Musik aus. Aber Mann, wenn er da war, dann musste sie laufen!

Lisha: Interessant!

Brad: Das ist also meine kleine virtuelle Tour auf Neverland.

Lisha: Wow, das ist faszinierend. Vielen, vielen Dank, Brad! Das ist wirklich unglaublich.

Willa: Das ist es wirklich! Und ich bin so fasziniert von dem Gedanken, dass ein Besuch auf Neverland vergleichbar damit ist, sich durch einen Song zu bewegen. Ich muss darüber wirklich noch weiter nachdenken.

Brad: Yeah.

Lisha: Da stimme ich zu. Du hast uns so vieles zum Weiterforschen und Nachdenken dagelassen.

Brad: Habt ihr noch abschließende Gedanken oder Fragen?

Willa: Also, wir würden hier gern einige Bilder einfügen, um die Dinge, über die du gesprochen hast, zu illustrieren. Ich weiß, du hast einige Bilder auf deiner Webseite und dort gibt es viele Bilder von Neverland. Hast irgendwelche speziellen Dinge, deren Abbildungen du uns empfehlen könntest?

Brad: Nun, jeder hat die Bilder vom Park gesehen. Aber ich würde sagen, das Karussell war Michaels Kronjuwel. Jedes dieser Pferde und Tiere war, glaube ich, handgeschnitzt. Das waren wirklich wunderschöne Kunstwerke. Und soweit ich weiß bemalte David Nordahl, der einer von Michaels bevorzugten Künstlern war, fast alle diese Tiere mit der Hand.

Willa: Oh, wirklich? Das wusste ich nicht.

Brad: Das Karussell ist also definitiv etwas, was die Leute sehen sollten. Ihr wisst ja, es gibt Bilder von der Super-Rutsche und dem alten Go-Kart-Parcours. Aber niemals habe ich eine Abbildung der Reptilienscheune gefunden. Mann, wenn einer eurer Leser davon ein Foto hätte, das wäre ein echter Leckerbissen. Ich habe gesucht und gesucht, um eins zu finden, aber vergeblich.

Willa: Ok, wir werden das ganz sicher weiterleiten. Und vielen Dank an dich, dass du dich zu uns gesellt hast!

Lisha: Ja, danke noch mal, Brad, dass du so großzügig warst mit deiner Zeit und deinem Wissen.

Brad: Danke an euch beide. Habt einen wunderschönen Abend!

Willa: Auf Brads Vorschlag hin ist hier also ein YouTube Video von dem Karussell auf Neverland, bei dem man sich auf Kunst an den Pferden und den anderen Tieren konzentriert hat:

Während unserer Unterhaltung mit Brad erwähnte er die unglaubliche Fokussierung auf die Details auf ganz Neverland, und das kann man in der künstlerischen Darstellung der Karusselltiere wirklich sehen.

Lisha: Ja. Das erinnert mich an einige meiner liebsten Fotos aus dem Artikel „Inside Neverland Ranch“ auf der Terrastories Webseite:

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Eine weitere großartige Quelle ist Rob Swinsons Buch Maker of Dreams. Creating Michael Jacksons Neverland Valley Park, in dem viele detaillierte Fotografien des Karussells auf Neverland, wie auch viele Informationen über die Entstehung und Gestaltung des Parks zu sehen sind. Hier ist ein Aufmacherfoto von der Facebook Seite 25th Anniversary of Neverland Valley Amusement Park.

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Gemäß Swinson ist dies „ein Foto des ‚Butterfly Cherub Horse‘ mit in die Mähne eingewebten Blumen, das Robert Nolan Hall, Chance Rides Inc. persönlich für Michael als ganz spezielles, persönliches Geschenk nach Maß angefertigt, dekoriert und bemalt hat. Michael wusste zur Zeit der Auslieferung nicht, dass es sich auf seinem neuen 50’ Grand Karussell als eines der 60 unterschiedlichen Menagerie-Tiere und -pferde befand.“

Swinsons Buch würdigt außerdem Oliver „Brick“ Price von WonderWorks in Canoga Park, Kalifornien als ein bedeutendes Mitglied des „Dream Teams“, das dabei half, Neverland Wirklichkeit werden zu lassen. Brick Price wird nächsten Monat einer der Special Guests bei Brad MJU Seminar sein. Ich habe gehört, das ist etwas, was man nicht verpassen sollte!

Diane Collins Interview mit Michael, 1983

Übersetzung eines wunderbaren Interviews, das Diane Collins 1983 mit Michael führte. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, dieses Interview im Video anzuhören, es lohnt sich!

 

Diane: Michael, ich habe gehört, dass du Tiere magst. Stimmt das?

Michael: Ja, das stimmt. Wenn wir auf Tour waren, in unterschiedlichen Ländern und Staaten, bin ich immer überall auf der Welt in die Zoos gegangen um all die Tiere zu sehen. Ich kann mit ihnen fühlen und liebe sie mehr, als ich sagen kann.

Diane: Wie Menschen?

Michael: Yeah.

Diane: Stimmt es auch, dass es auf deinem Grundstück einen kleinen Michael Jackson Zoo gibt?

Michael: Also Zoo würde ich es nicht nennen, aber ich habe einige Tiere. Ich bin noch dabei, mehr Tiere anzuschaffen.

Diane: Was für Tiere?

Michael: Die ich schon habe?

Diane: Mhmhh

Louie Llama

Michael: Also, ich habe ein Lama, ein wunderbares Tier. Er ist größer als ich und stammt aus Peru, Südamerika, und er war im Zirkus. Sein Name ist Louie. Er ist wirklich süß und mag Menschen und zeigt Tricks. Und ich habe ein Mufflon Schaf. Er sieht aus wie ein Widder. Die meisten Leute denken, er ist ein Widder, aber das ist er nicht. Er war auch im Zirkus, sie sind zusammen aufgewachsen. Sein Name ist Mr. Tibbs. Ich habe auch eine etwa 6 Fuß lange Boa Constrictor. Er heisst Muscles und ich nehme ihn mit ins Studio. Diana Ross ist gerade hier und wir ziehen seine Haut ab, weil er sich etwa 2 – 3 Mal im Monat häutet. Sie hatte etwas Angst vor ihm, aber jetzt ist sie ganz entspannt.

Diane: Sie fasst ihn an?

Michael: Oh ja! Und ich habe zwei Rehe. Sie heissen Prince und Princess. Sie sind sehr süß, ich habe sie mit der Flasche aufgezogen. Sie sind wirklich süß. Und ich habe auch alle möglichen Vögel und anderes.

Diane: Hast du einen Liebling?

Michael: Tier?

Diane: Mhmhh.

Michael: Ich denke, Louie und Prince und Princess.

Prince Princess

Diane: Du wirst als der weltbeste Künstler angesehen. Was ist dein Geheimnis, Michael?

Michael: Einfach das zu lieben, was ich mache, es mit ganzem Herzen zu tun und ehrlich zu sein. Ich kann es nicht wirklich auf eine Formel bringen oder sowas. Es ist einfach… einfach Großartiges schaffen zu wollen und es auch zu tun.

Diane: Und ich nehme an, das zu lieben, was man tut, hat auch viel damit zu tun…

Michael: Yeah, einfühlsam und liebevoll zu sein, und sein Herz in seine Arbeit zu legen.

Diane: Ist Aufrichtigkeit etwas sehr bedeutendes für dich?

Michael: Oh ja, sehr bedeutend. Es gibt nichts besseres, als einen Song zu schreiben, bei dem du dich wirklich gut fühlst, wie „Billie Jean“ oder „Beat It“ und „Startin’ Somethin’“, solche Sachen. Und du fühlst dich sehr belohnt, wenn du es vollendet hast, weil du hart daran gearbeitet hast.

Diane: Ok, ich dachte du sprichst von der Ehrlichkeit im täglichen Leben, aber du meintest in musikalischer Hinsicht, dir treu zu bleiben und das auf ein Album zu übertragen.

Michael: Ja.

Diane: Dein Publikum erwartet auf jedem Album, das du herausbringst, neue und aufregende Dinge von dir. Wird es leichter oder schwerer, die hohen Standards zu erfüllen?

Michael: Es wird schwerer, denn ganz gleich was du tust, du konkurrierst mit deinem vorherigen Produkt und jeder erwartet mehr. Es ist wie beim Film. Du siehst dir „Star Wars“ an und dann „Empire Strikes Back“, und du erwartest mehr. „Jedi“… du erwartest immer mehr und deshalb versuchst du wirklich, dich jedes mal selbst zu übertreffen. Und das ist schwer. Wie auch bei den Bee Gees, mit „Saturday Night Fever“ und dann kamen sie mit „Spirits Having Flown“, und das ist wirklich hart. Aber ich glaube daran, Besseres zu erreichen. Wenn du wächst, solltest du besser werden, weißt du. Es ist wie mit dem Sprichwort: „Je älter, desto besser.“

Diane: Und ist nicht körperlich und persönlich es aufzehrend, deine Alben zu toppen?

Michael: Nein, es ist eine Herausforderung. Es macht Spass. Es ist wie ein großes … ich sollte es nicht „Spiel“ nennen, aber ich habe viel Spass dabei. Es ist… für etwas bezahlt zu werden, was du liebst, ist wirklich eine Freude, denn viele Leute arbeiten und hassen ihren Job, es ist furchtbar. Aber ich werde für etwas bezahlt, was ich liebe. Deshalb macht es viel Spass, ich habe eine tolle Zeit.

Diane: Ok. Du sagtest, dass du dich auf der Bühne wohler fühlst, als irgendwo sonst. Was begeistert dich noch, ausserhalb der Bühne?

Michael: Ich träume von der Bühne (lacht) – spiele mit meinen Tieren und solche Dinge. Ich gehe nicht viel aus. Du wirst mich nicht in einer Disko oder in einem Nachtclub finden. Diese Orte machen Spass, wenn man gerne dorthin geht. Aber wenn ich an solche Orte gehe, wird es zur Arbeit anstatt zum Vergnügen. Sie sagen über die Lautsprecher durch, dass ich da bin und spielen all meine Platten und ich gebe Autogramme und…

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Diane: …und bist wieder auf der Bühne!

Michael: Yeah, es ist kein Vergnügen. Ich habe Verkleidungen und alles mögliche ausprobiert, aber es funktioniert nicht. Aber es ist ok, es macht mir nichts aus.

Diane: Wenn ich mich entspanne, wie ich es nenne, dann lese ich oder ich spiele. Bei dir sind es die Tiere, wie du es sagtest?

Michael: Ja, sicherlich die Tiere, oder mit Kindern zusammen zu sein, was ich sehr liebe. Ich liebe Kinder, die Kleinen, und ich spiele mit ihnen, oder wir schwimmen, all solche Dinge.

Diane: Du bist seit dem Alter von 5 oder 6 Jahren im Musikgeschäft. Was denkst du, wie dein Leben gewesen wäre, wenn du nicht das musikalische Talent hättest?

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Michael: Oh je, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ich habe keine Ahnung, was ich dann machen würde. Weil… das scheint so passend für mich zu sein, ich bin hier, um genau das zu tun… es ist mein Beitrag zum Leben, das zu tun, was ich tue und mein Herz hineinzulegen. Und was immer ich an Gutem tun kann, das tue ich, denn ich liebe die Menschen und ich liebe es, sie glücklich zu machen. Es gibt nichts besseres, als einen Nummer 1 Hit zu haben, nicht für dein Ego, ich hasse Ego. Es ist aus dem Grund, weil die Leute es gekauft haben und es lieben und es geniessen, und das ist gut. Und ich danke all den Leuten die… also ich kann großartige Musik herausbringen, aber es braucht all die Leute im Hintergrund, die Discjockeys, die Programmchefs, all die vielen unabhängigen Leute, die es geschehen lassen, und das weiß ich zu würdigen.

Diane: Würdest du sagen, Michael Jackson steht mit 60 Jahren immer noch auf der Bühne?

Michael: Hmmm… ja, wahrscheinlich werde ich mehr schreiben und Filme machen, Regie führen und solche Dinge. Immer noch aktiv, aber mehr im Hintergrund, anderen Leuten bei ihrer Entwicklung helfen und ihnen zeigen, welche Richtung sie einschlagen können.

Diane: Wie du zuvor gesagt hat, ist dein Privatleben durch den Erfolg im Showgeschäft fast ganz verloren gegangen. Wie gehst du damit um, in die Öffentlichkeit zu gehen? Gehst du gar nicht mehr aus, weil du befürchtest, fotografiert zu werden, oder Autogramme geben zu müssen? Hast du einen Weg gefunden, trotz all dem noch ein Privatleben ausserhalb deines Hauses zu haben?

Michael: Hmm… das beste Privatleben findet zuhause statt, wenn man für sich alleine ist, denn alles, was ich tun möchte, habe ich hier. Hier kann ich tun und lassen was ich will, ganz wie es mir beliebt. Aber wenn man wo anders hin geht, ändert sich das. Ich werde überrannt von Autogrammwünschen… es macht mir nichts aus, Autogramme zu geben, es ist in Ordnung. Weißt du, es gehört zu meinem Job dazu.

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Diane: Denkst du darüber nach, für ein paar Jahre auszusteigen, oder vielleicht für ein Jahr? Einfach die Zeit zu geniessen und nur an dich zu denken, und eine Auszeit von Michael Jackson zu nehmen, ohne Musik aufzunehmen, Filme und Showbusiness – wirst du so etwas einmal tun?

Michael: Ich bin eher der Typ Mensch der schon nach einer Woche Auszeit glaubt, faul zu sein, ich denke dann, dass ich hinterher hänge. Ich bin gerne aktiv. Ich liebe es, kreativ zu sein. Ich habe ständig neue Ideen für neue Songs, ich sehe immer in die Zukunft, suche den Sound von morgen. Ja, weil die Musik sich ständig verändert, jede Minute, und es ist wichtig, nicht zu einem alten Hut zu werden. Das ist ein altmodischer Ausdruck.

Diane: Ja, aber deine Songs werden als Klassiker angesehen. Werden sie irgendwann zum alten Hut?

Michael: Nein, denn für mich werden großartige Melodien niemals alt. Das wichtigste sind großartige Melodien, einige der alten Motown oder Beatles Songs sind einfach phänomenal und werden nie altmodisch werden. Aber der Sound und die Musik verändern sich, das wird alt werden – der Sound der Instrumente. In den Sechzigern gab es z.B. viele elektrische und akustische Gitarren und jetzt ist alles computerisiert, Synthesizer-Sound, der alles übernommen hat, und das ist anders. Aber die Melodien sind nach wie vor da, nur die Musik hat sich verändert.

Diane: Ja, ich verstehe worauf du hinaus willst.

Du hast gesagt, dass du Kinder magst, genauer gesagt, kleine Kinder. Aber wie steht es mit Heiraten und dann vielleicht ein paar Kindern? Ist das noch weit entfernt, Michael?

Michael: Ich hab’ keine Ahnung. Das kann ich nicht beantworten.

Diane: Ok, ich will dich nicht damit belästigen. Hast du irgendwelche TV Specials geplant?

Michael: Hmm… nicht dass ich wüsste. Ich bekomme alle möglichen Angebote, von Specials über eigene Serien, bis hin zu Cameo-Auftritten, oder Zeichentrickserien. Aber am liebsten möchte ich Filme machen, das interessiert mich.

Diane: Welche Art Filme?

Michael: Etwas, was völlig anders ist, und aufregend. Etwas, was nie zuvor gesehen wurde. So, wie Star Wars sich auf die ganze Filmindustrie ausgewirkt hat. Plötzlich gab es da einen völlig anderen Look, eine ganz neue Art, Filme zu machen, Kreaturen, die sich im Weltraum bewegten, anstatt auf der Erde… man schlägt einen völlig anderen Weg ein.

Diane: Ist Star Wars einer deiner Lieblingsfilme?

Michael: Ja, und E.T.

Diane: E.T.?

Michael: Ja.

Diane: Aha. Nachhause telefonieren, E.T. an Michael.

Michael: Ja, Steven Spielberg ist einfach genial.

Diane: es scheint, deine Kreativität scheint sich in allen Bereichen deines Lebens. Musikalisch bist du sehr futuristisch, du siehst in die Zukunft und machst Pläne. Und auch beim Film möchtest du etwas nie zuvor da gewesenes. Und ich habe versucht mir vorzustellen, was für ein Film das sein könnte. Ich weiß es nicht. Könntest du mir eine Vorstellung davon geben, was es sein könnte, das im Film bisher noch nie da war?

Michael: Das würde ich gerne tun. Ich bekomme unzählige Skripte… seit dem ich „The Wiz“ gedreht habe. Seitdem kommen massenhaft Skripte. Beim Film ist es sehr wichtig selektiv zu sein, das zu finden, was für dich das richtige Vehikel ist. Und ich liebe es, das Publikum damit zu überraschen, dass ich in eine völlig andere Richtung gehe, als gedacht. Es gibt da einige Projekte, die mich sehr interessieren, aber ich möchte wirklich nicht sagen, um was es geht, denn ich will in eine völlig andere Richtung gehen und die Leute überraschen.

Diane: Nicht einmal ein winziger Hinweis?

Michael: Es wird etwas… etwas futuristisches… es wird etwas ganz andersartiges sein. Das ist alles, was ich dazu sagen möchte.

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Diane: Ok. Also im Grunde ist „andersartig“ das Schlüsselwort für Michael Jackson?

Michael: Yeah.

Diane: Du hast „The Eagles“ als eine deiner Lieblingsgruppen genannt. Hat ihr Song „Hotel California“ deine Songs „Hartbreak Hotel“ oder „Thriller“ inspiriert?

Michael: Nein. „Heartbreak Hotel“ inspirierte Rod Temperton dazu, „Thriller“ zu schreiben. Er hat mir gesagt, dass er „Heartbreak Hotel“ sehr mag, mit all diesen Sound-Effekten. Er versuchte mit seiner Arbeit einen Schritt weiter zu gehen, etwas zu erschaffen, das Drama, Sound-Effekte und Musik integriert. Und es hat funktioniert. Denn jetzt probieren viele Leute diese ganzen Dinge, wie Pink Floyd oder auch Rod Temperton mit „Thriller“. Viele andere kommen jetzt mit Sound-Effekten auf ihren Platten… unterschiedliche Effekte, das ist gut.

Diane: Dann war es wie ein Prototyp für das, was jetzt passiert?

Michael: Hmm.

Diane: Gibt es schon eine vorläufige Terminplanung für eine Jacksons Tour mit Jermaine und Janet?

Michael: Also… vielleicht irgendwann nach diesem Sommer. Aber wir haben noch keinerlei Termine festgelegt. Wir sind wirklich noch nicht sicher. Und dann… soweit es Janet und Jermaine betrifft haben wir auch noch nicht darüber gesprochen. Wir haben über Jermaine gesprochen, aber wenn wir es tun, wird es eine Überraschung sein, ich kann es nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Manchmal ist er unberechenbar, es kann sein, dass er an einem Tag sagt „ich glaube, ich werde eine Auszeit nehmen“, denn er ändert seine Meinung so schnell. Das letzte was ich hörte war, dass er sagte, er ziehe auf eine Insel, die er kaufen wollte, und jetzt ist er wo ganz anders hingezogen. Und dann ist er auf Boote abgefahren, und dann wieder auf etwas anderes, es ändert sich ständig. Ich kann es also wirklich nicht für ihn beantworten.

Diane: Sind die Gold- und Platin Auszeichnungen und Preise immer noch ein Anreiz und eine Inspiration für Michael Jackson, immer weiter zu machen?

Michael: Sie sind immer aufregend, die Gold- und Platin Auszeichnungen. Man darf es nur nicht zu ernst nehmen und zuviel über das Vergangene nachdenken, denn dann steckt man bei dem Erreichten fest, anstatt weiter großartige Werke herauszubringen. Manchmal hole ich all meine Gold- und Platin Auszeichnungen hervor und sehe sie an und versuche, es nicht zu ernst zu nehmen. Es gibt da noch soviel mehr, das ich tun möchte und dann vergisst du das andere.

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Diane: Ist es schwer, nicht an all das zu denken? Das Rampenlicht, den Superstardom? Dein Name steht sicher auf gleicher Ebene wie Muhammad Ali, wenn nicht sogar höher. Man kennt dich überall. Wie du gesagt hast, du kannst nicht vor die Tür gehen, jeder kennt Michael Jackson. Ist es schwer, sich selbst nicht all zu wichtig zu nehmen?

Michael: Hmm, nein, eigentlich ist es ganz leicht, weil ich viele Dinge einfach ausblende. Ich sehe mich selbst genau so, wie dich, oder die Leute hier im Zimmer. Ich bin menschlich, genau wie du. Ich bin nichts Besseres als du. Vielleicht habe ich ein bestimmtes Talent, mit meiner Kunst, der Musik und dem Tanz und dem Drama und all dem, das ganze Showbusiness, aber von der menschlichen Seite betrachtet, bin ich genau so wie du.

Diane: Ein ganz gewöhnlicher Mensch?

Michael: Ja, und deshalb gibt es keinen Grund für mich zu denken, ich sei besser als du, oder müsste auf Wolken schweben, denn in meinem Bereich gibt es viele Leute, die so sind, und die meisten davon stürzen ab. Wirklich, denn sie fangen an, die Leute, die ihnen geholfen haben, schlecht zu behandeln, und sie vergessen, woher sie kommen, und sie vergessen diejenigen, die ihnen geholfen haben, dahin zu kommen, wo sie sind. Aber das ist wirklich wichtig. Deshalb denke ich an all diejenigen, ich danke jedem von ihnen.

Diane: Du schützt dich also vor dem Absturz indem du einfach menschlich bist wie jeder andere.

Michael: Ja. Ich glaube auch nicht an Scheitern, ich denke noch nicht einmal darüber nach. Ich habe das völlig aus meinem Wortschatz gestrichen, das Wort „Versagen“, denn ich glaube nicht daran.

Diane: War das Teil deiner Erziehung? Zielorientiert zu sein, und nicht an ein Versagen zu glauben, dieses Wort nicht einmal zu benutzen? Ist das etwas, was dein Vater dir beigebracht hat?

Michael: Ja, sie haben mir viel beigebracht, meine Mutter und mein Vater – wie man trainiert und willensstark wird, und andere Dinge, aber es ist einfach etwas, an das ich sehr stark glaube.

Diane: Ok, also wir sagten ja schon, du bist im Alter von 5 oder 6 Jahren ins Showbusiness gekommen. Wünschst du dir manchmal, du könntest noch einmal zurückgehen und deine Kindheit ansehen und sie etwas anders gestalten? Denn im Grunde hast du die Kindheit verpasst, hast du nie gedacht, dass man dich in die Welt der Erwachsenen gestossen hat?

Michael: Natürlich ist es etwas völlig anderes, auf der Bühne und auf Tourneen aufgewachsen zu sein, es ist keine normale Kindheit. Also ist es anders. Ich meine, ich habe es gemocht, es war ja nicht so, dass ich Eltern hatte, die mich mit Gewalt zum Star machen wollten, die mich zu etwas zwangen, was ich nicht wollte. So war es nicht. Wäre es so gewesen, hätte ich es sicher nicht bis heute durchgehalten. Ich wäre schon an einer Überdosis gestorben, oder so. Aber ich geniesse es ja… ich liebe es. Es gibt nichts besseres, als auf der Bühne zu stehen, ich kann es nicht mit Worten beschreiben. Wenn die Lichter dich erfassen, dann spürst du diesen besonderen Spirit und du willst, dass es nie zu Ende geht. Das ist die Wahrheit.

Diane: 24 Stunden auf der Bühne… du würdest 24 Stunden auf der Bühne verbringen, wenn du könntest?

Michael: Mhh, mhh…

Diane: Du bereust also keine einzige davon?

Michael; Nicht eine Minute, nicht eine Minute.

Diane: Es ist vorgesehen, dass du Peter Pan portraitierst. Wann wird dieser Film voraussichtlich veröffentlicht?

Michael: Das ist momentan noch ein Projekt, an dem ich interessiert bin, das noch in der Entwicklung ist. Ich wurde von verschiedenen Leuten gefragt, ob ich diesen Film machen möchte, und bisher habe ich noch nicht wirklich zugesagt. Ich habe das Script bisher noch nicht gelesen. Ich warte also ab.

Dinane: Du hältst mich am Laufenden, ja?

Michael: Ja.

Diane: Ok, ich sehe dich als schwarzes Musikgenie. Aber deine Anziehungskraft geht weit darüber hinaus. Findest du es schwierig, während deiner Performance gleichzeitig ein weißes und ein schwarzes Publikum anzusprechen? Machst du Gedanken über diesen Aspekt?

Michael: Nein, ich denke nicht in Kategorien wie „Hautfarbe“ oder „Rasse“. Wenn ich einen Song schreibe, denke ich nicht „der Song ist für die Weißen und jener ist für die Schwarzen“. Ich schreibe einfach und es kommt einfach heraus, ich bin von allem beeinflusst, was ich höre. Und es kommt einfach so heraus, ich denke, das war schon immer so, seitdem ich ein Kind war. Es ist die musikalisch Summe von allem, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich denke nicht in in Kategorien, wie „Hautfarbe“, weil ich nicht an so etwas glaube, wirklich nicht.

Diane: Du sagst also, dass Musik keine Farbe hat.

Michael: Sie hat keine Farbe, sie ist für jeden. Sie ist für die ganze Welt, jeder soll sie genießen.

Diane: Michael, du stehst als Entertainer und Superstar ständig im Rampenlicht, ist es schwer, dabei eine „schwarze“ Perspektive beizubehalten, und ich meine das nicht auf musikalischer Ebene, sondern auf deiner privaten Ebene. Ist es schwer zurück zu blicken und sich seiner Wurzeln bewusst zu sein?

Michael: Nein, das ist niemals schwer. Ich muss einfach nur in den Spiegel sehen. Das ist alles, was ich tun muss, oder meine Hände ansehen.

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Diane: Ok, an der Stelle kannst du nun noch etwas an deine Fans ausrichten. Was möchtest du sagen?

Michael: Also, ich möchte sagen, eigentlich gibt es nur ein Wort, das ich sagen möchte, ich danke euch und ich liebe euch.

Hier ist Michael Jackson, und ihr hört:

Diane: Diane Collins mit Michael Jackson.

……………………………………………………………………………….

Script english: http://www.mjtranslate.com/pl/interviews/1753

Übersetzung: M.v.d.L.

“Vor allem anderen war Michael Liebe.”

In jeder Generation gibt es eine Handvoll Menschen, die auf diese Welt kommen, mit der Fähigkeit, sie zu verbessern, durch ihr höheres Bewusstsein über die Kraft der Liebe. Für diese Menschen ist Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern ein Zustand, ein Weg, dieser Welt zu begegnen. Sie erstrahlen in einem Licht; haben einen Lebensstil, der Freundlichkeit, Fürsorglichkeit, Mitgefühl und Empathie beinhaltet. Durch ihre Fähigkeit sich mit der Liebe zu verbinden, haben sie das Potential, die Welt zu heilen. Michael Jackson war einer dieser Menschen. -Linda Higgins

http://www.michaeljacksontributeportrait.com/article.php?article_id=229

In every generation, there are a handful of people who come into this world equipped with the ability to change it for the better because of their heightened sense of awareness about the power of love. Those people understand love, not as a feeling, but as a state of being, a way of relating to the world. They have a certain light about them; a way of living that encompasses being kind, caring, compassionate and empathic. Through their ability to connect to love, they have the potential to heal the world. Michael Jackson was one of them.

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Als der kleine Prinz einschlief, nahm ich ihn in meine Arme und machte mich wieder auf den Weg. Ich war bewegt. Mir war, als trüge ich ein zerbrechliches Kleinod. Es schien mir sogar, als gäbe es nichts Zerbrechlicheres auf der Erde. Ich betrachtete im Mondlicht diese blasse Stirn, diese geschlossenen Augen, diese im Winde zitternde Haarsträhne, und ich sagte mir: “Was ich da sehe, ist nur eine Hülle. Das Eigentliche ist unsichtbar …”

Was mich an diesem kleinen eingeschlafenen Prinzen so sehr rührt, ist seine Treue zu seiner Blume, ist das Bild einer Rose, das ihn durchstrahlt wie die Flamme einer Lampe, selbst wenn er schläft … Und er kam mir noch zerbrechlicher vor als bisher. Man muß die Lampen sorgsam schützen: ein Windstoß kann sie zum Verlöschen bringen …

– Antoine de Saint-Exupéry – Der Kleine Prinz

As the little prince was falling asleep, I picked him up in…

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Radar Onlines Fälschung, um den siebten Jahrestag von Michael Jacksons Tod zu begehen

by

Original: https://vindicatemj.wordpress.com/2016/06/25/radar-onlines-fake-to-mark-the-seventh-anniversary-of-michael-jacksons-death/

Hierbei handelt es sich um sehr wichtige und aufschlussreiche Aspekte bezüglich des Lügenkonstrukts von Radar Online. Ich habe lediglich den Beginn ausgelassen, da diese Inhalte bereits sehr ausführlich in Ravens Posts (Teil 1 & Teil 2) behandelt wurden. Raven verweist auch in ihrem Artikel für die Huffington Post auf die folgende Analyse.

*****

Seltsamer Zufall

Das Problem ist, dass der Polizeibericht, der während dem Entdeckungsprozess 2004 veröffentlicht wurde und bis vor kurzem für alle zugänglich war, zusammen mit all den anderen Dokumenten aus dem Prozess 2005 plötzlich aus dem Internet verschwunden ist. Um genauer zu sein, weist die offizielle www.sbscpublicaccess.org Seite eine Fehlermeldung auf, wenn man versucht, darauf zuzugreifen. Also entweder hat sich die Internetadresse des Santa Barbara Gerichts plötzlich geändert, oder irgendwelche Hacker haben sich daran zu schaffen gemacht, um sie für User unzugänglich zu machen.

Was auch immer der Grund ist, das Phänomen des Verschwindens an sich ist interessant, weil es ein zu großer Zufall ist, dass dies genau zu dem Zeitpunkt passiert, als ein großer Fake über Jackson durch alle Medien wütet.

Ohne dem authentischen Dokument kann alles an seiner Stelle präsentiert werden und da das ganze Register der Dokumente auf der Gerichtsseite nicht eingesehen werden kann, wird die Überprüfung unterbunden, ob das aktuelle Dokument tatsächlich etwas „neues“ ist oder ob es ein altes Dokument ist, das bereits im Prozess 2005 geprüft wurde – nur in einer gefälschten und viel skandalöseren Variante.

Glücklicherweise wurde der echte Polizeibericht vor sechs Jahren von uns heruntergeladen, als wir unsere Posts machten und hier ist er noch einmal:

https://drive.google.com/file/d/0B-stfayCXLjudXY1b0d2c2JoSUU/view?pref=2&pli=1

Dem vollen Register der Santa Barbara Gerichtsdokumente nach zu urteilen (das ebenfalls von uns heruntergeladen worden ist), wurde der Polizeibericht am 8. Juni 2004 bei Gericht eingereicht. Am 16. Juni 2005 wurde er per Gerichtsbeschluss entsiegelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – also hatte jeder, der daran interessiert war, reichlich Zeit, ihn sich anzusehen.

Daher sind die Fragen wie „Warum wurde er erst jetzt veröffentlicht?“ voller Vortäuschung und falscher Empörung, die ausschließlich für die Uneingeweihten bestimmt sind. Die Medien wussten absolut darüber Bescheid, da der Bericht von der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurde und ein komplettes anti-Jackson Dokument war, in dem jeder Papierfetzen und sogar Magazine mit Leuten am Strand als „Material, um Kinder zu verführen“ präsentiert worden ist.

Es lag in dieser Befugnis, dass er im Prozess geprüft wurde, also gibt es jetzt keinen Grund zu behaupten, dass sie ihn niemals gesehen haben – die Medien hatten damit vor elf Jahren ihren großen Tag.

Wo ist Seite 3?

Der Vergleich der ersten Seiten beider Berichte bietet uns eine weitere Überraschung. Das erste, das man in der abgeänderten Radar Online Variante sieht, ist eine handgeschriebene Notiz, die besagt, dass „Seiten 1-3 fehlen“.

radaronline-version-june-2016-pages-1-3-missing

Diese Notiz wurde nicht von der Polizei gemacht und könnte von jenen stammen, die sich an dem Originaldokument zu schaffen gemacht haben – der ursprüngliche Polizeibericht hat eine Seite 3 und das bedeutet, dass diese Seite in der gefälschten Variante vorsätzlich entfernt worden ist.

Hier ist Seite 3 aus dem echten Polizeibericht:

sheriffs-report-page-3

Die Entfernung hat wegen der möglichen Gründe natürlich meine Neugier geweckt. Seite 3 muss etwas beinhalten, das die Autoren des „neuen“ Textes verstecken wollten und eine genaue Untersuchung lässt mich vermuten, was das sein kann.

Die fehlende Seite beginnt wie folgt:

„Das nächste von mir geprüfte Beweisstück war Gegenstand Nummer 505. Dieser Gegenstand wurde beschrieben als drei Bücher mit Fotos von nackten und zum Teil bekleideten Kindern. Dieser Gegenstand wurde im Keller des Video/Spielhallen Bereichs gefunden.

Nach dem Öffnen der Beweisverpackung fand ich die Gegenstände in einer zweiten, verschlossenen Papiertüte vor. Ich öffnete den Verschluss der zweiten Papiertüte. Im Inneren des Pakets fand ich drei Hardcover-Bücher. Das erste Buch hatte den Titel Underworld, Autor Kelly Klein. Das zweite Buch hatte den Titel Room To Play, Autor Simen Johan. Das dritte Buch hatte den Titel Drew and Jimmy, Autor John Patrick Salisbury.“

Bitte berücksichtigt, dass Seite 3 die Nummer des Gegenstandes angibt, die diese drei Bücher umfasst, was wiederum erlaubt, sie im Laufe des Prozesses ausfindig zu machen – im Gerichtssaal bezogen sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung meist auf die Nummer des Beweisstücks und nicht auf die Buchtitel, also ohne Seite 3 wäre es schwieriger, die Übereinstimmung zwischen ihnen zu bestimmen.

Der Kriminalbeamte gibt seine Beschreibung zu jedem dieser Bücher ab und im letzten Absatz auf der Seite sagt er, was er später für jeden einzelnen in Michaels Besitz gefundenen Gegenstand wiederholen wird – dass nicht ein einziges davon als ,Kinderpornographie‘ betrachtet werden kann (obwohl er jedes Mal hinzufügt, dass sie benutzt werden könnten, „um ein Kind zu verführen“):

„Keines der oben angeführten Bücher enthält Material, das illegale Aktivitäten (einschließlich sexueller Handlungen mit Kindern) abbildet. Keines der Bücher erfüllt die gesetzlichen Bestimmungen, um als Kinderpornographie eingestuft zu werden. Basierend auf meiner Ausbildung kann solch ein Material als Teil eines Vorganges verwendet werden, „um ein Kind zu verführen“.

Wenn man die oben angeführte Schlussfolgerung des Sheriffs mit dem vergleicht, was einem die Medien derzeit erzählen, wird man erkennen, dass die Dinge, die sie behaupten, glatte Lügen sind – keiner dieser Gegenstände hat irgendetwas mit den sogenannten „Kindesmissbrauchsbildern“ zu tun, über die die Boulevardmedien toben und all ihre Hysterie dreht sich in der Tat um Garnichts.

Die erotischen Magazine wie Hustler, Playboy usw. wurden tatsächlich in Michaels Haus gefunden und der Jury tagelang Seite für Seite gezeigt, was Michaels Mutter aus Verlegenheit rot werden ließ, aber sie hatten nichts mit Kinderpornographie zu tun, wie die Medien das derzeit suggerieren. Es gab nicht ein einziges Stückchen davon in Michaels Haus – weder in Magazinen, Büchern oder Videos – und der Polizeibericht macht diesen Punkt für jeden glasklar.

Den einzigen Missstand, den die Polizei betreffend dieser Bücher aufgeworfen hat, ist, dass sie verwendet werden „könnten“, um Kinder zu verführen. Nun, „könnten“ ist kein Beweis, besonders da jeder im Prozess ausgesagt hat, dass sie niemals irgendetwas Unangemessenes in Michaels Besitz gesehen haben (nur die Arvizos haben behauptet, dass sie einige Magazine gesehen haben) und darüber hinaus stellt sich immer noch die große Frage, ob Michael diese Bücher überhaupt je in seinen Händen hatte.

Und das bringt uns zu einem weiteren Punkt zurück, den die Medienlügner der Öffentlichkeit von Seite 3 nicht wissen lassen wollten – die drei dort erwähnten Bücher waren in einer verschlossenen Papiertüte und wurden im Keller der Spielhalle gefunden und nicht in Michaels Haupthaus.

Der Punkt, dass sie „verschlossen“ waren, klingt ziemlich interessant. Die Polizei verpackte alle beachtenswerten Gegenstände aus Neverland in einer speziellen Verpackung, die der Kriminalbeamte später geöffnet hat, als er seine Bestandsaufnahme gemacht hat. Aber diese drei Bücher waren bereits zuvor verpackt und sahen aus wie ein verschlossenes Paket.

Ein verschlossenes Paket hätte ein Weg gewesen sein können, wie die Bücher überhaupt auf Neverland eingetroffen sind (zum Beispiel mit einem begleitenden Schreiben, das die Bücher nennt). Danach hätte es im Keller aufbewahrt und niemals von Jackson gesehen werden können, bis die Polizei Neverland durchsucht hat und alles beschlagnahmt hat, dass sie als passend erachtet haben.

Dies ist die einzige Erklärung, die ich für diese doppelte Verpackung finden kann, die selbst der Kriminalbeamte wichtig genug fand, um sie zu notieren – offenbar war das ungewöhnlich für ihr polizeiliches Standardverfahren.

Natürlich ist das eine dieser „mag sein“ Situationen, aber wenn der Kriminalbeamte seine Vermutungen über das Verführen von Kindern geäußert hat, warum können wir nicht das gleiche über die verschlossene Papiertüte machen?

Der Fundort von diesem Paket ist auch beachtenswert. Das Haupthaus war nur der Familie und einem engen Kreis von Michael Jacksons Freunden zugänglich, während das Spielhallengebäude für alle geöffnet war und jeder hätte dort alles ablegen können, was in irgendwelchen Taschen mitgebracht wurde. Wenn man berücksichtigt, dass Neverland von tausenden Leuten besucht wurde, war das Einschmuggeln jeglicher Gegenstände überhaupt kein Problem.

Hier ist ein Video, das die Spielhalle zeigt (die in einem separaten Gebäude auf der Ranch untergebracht ist) und einer Horde von Leuten – Erwachsene und Kinder gleichermaßen – die sich dort amüsieren:

Die Chronik der Massenbesuche auf Neverland zeigt, dass es am 12. Oktober 2003 von 200 Mitgliedern der US Air Force und ihren Familien besucht wurde, die den ganzen Tag dort verbracht haben. Und ein Jahr später, am 13. September 2004, öffnete Michael die Tore zu seiner Ranch für eine besondere Wohltätigkeitsveranstaltung, die von vielen Prominenten besucht wurde und höchstwahrscheinlich auch von der breiten Öffentlichkeit.

Bitte prägt euch diese Daten ein, da sie wichtig sein könnten.

Neben der physischen Anwesenheit hunderter Gäste auf Michaels Territorium gab es auch einen stetigen Strom an Geschenken von seinen Fans (und nicht-Fans) und diese riesige Menge musste irgendwo gelagert werden, bis er sich schließlich selbst damit vertraut gemacht hat, und dieser Ort könnte der Keller der Spielhalle oder irgendein Dachboden gewesen sein, wo verschiedenste Geschenke aufbewahrt wurden ohne von Jackson überhaupt gesehen oder geöffnet worden zu sein.

Das Argument, dass ich anzubringen versuche, ist, dass der auf Seite 3 genannte Keller der Spielhalle als Fundort dafür sprechen könnte, dass Michael Jackson diese Bücher überhaupt nicht gesehen hat und dass sie dort von jemand anderem hätten eingeschleust werden können.

Das Buch mit dem Titel „Room to Play“ war unter diesen drei Büchern im Keller der Spielhalle und es ist eines, über das die Medien am lautesten schreien. Das Folgende bezieht sich mit Sicherheit auf dieses Buch: „Widerliche Bilder von nackten Teenagerjungs, Kinderquälerei und Tieropfern, die auf Michael Jacksons Neverland Ranch gefunden worden sind, wurden in einem nie zuvor gesehenen Polizeibericht offenbart.“

Nun, lasst uns anschauen, worum es in diesen drei Büchern ging.

Underworld

Das erste auf Seite 3 genannte Buch trägt den Titel „Underworld“. Der Kriminalbeamte beschrieb es wie folgt:

„Ich überprüfte jede Seite des Buchs mit dem Titel Underworld und habe keine eingefügten Bilder und/oder Texte gefunden, die nicht wie ein ursprünglicher Teil des Buchs erscheinen. Das Buch enthielt zahlreiche Fotos von teilweise und/oder völlig entkleideten Männern, Frauen und Kindern. Der Großteil der Bilder in diesem Buch ist von Leuten, die nur ihre Unterwäsche tragen.“

Die Autorin dieses Buchs ist Kelly Klein, die sich als Modefotografin und Frau von Calvin Klein herausgestellt hat. Ihre Webseite gibt an, dass sie seit über 25 Jahren in die Modeindustrie eingebunden ist und ihr „Underworld“ ist eine Art Werdegang der Unterwäsche, beginnend in den 1880ern bis in die 1990er. Das Vorwort von Anne Rice lautet:

„Hier sind Fotos – 154 schwarzweiße und farbige – von bekleideten und unbekleideten Männern und Frauen, die in der Zeit zwischen den 1880ern und den 1990ern von Jacques-Henri Lartigue, Imogene Cunningham, Steven Meisel, Bettina Rheims, Helmut Newton, Kurt Markus, Ellen von Unwerth, Andre Kertesz, Louis Dahl-Wolfe, Brassai und 75 anderen aufgenommen worden sind.“ (Veröffentlicht am 12. November 1995 von Knopf)

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Das Foto von Kelly Klein im Vogue Magazin zeigt uns eine Frau, die aus Sicht der Boulevardmedien schuldig ist, ein Buch mit „widerlichen Fotos“ erschaffen zu haben, das „ein düsteres und erschreckendes Bild von Jackson zeichnet“.

Die überwältigende Mehrheit der Fotos in „Underworld“ sind jene von jungen und alten Männern und Frauen. Sehr wenige sind von Kindern und diese sind in etwa so:

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Das Vorwort zu dem Buch von Anne Rice lautet:

„Klein hat einen hervorragenden Geschmack für Fotonarren: Brassai, Man Ray, David Salle, Sally Mann, David Hockney, Cindy Sherman und unbekannte Fotografen von aufmerksamkeitsstarken Szenen. Die Nebeneinanderstellungen sind gut: Christy Turlington ergänzt perfekt ein 1930 Lartigue Model; eine Bruce Weber Szene passt zu einer Playtex Werbung von 1945. Man sieht hier eine Seite des todgeweihten Models Gia mit Lockenwicklern, über die einem selbst die Enthüllungs-Biographie Thing of Beauty nichts sagen kann.“

Der Kommentar eines Lesers gibt an, dass ihn die Fotos in dem Buch an die Calvin Klein Plakatwerbungen erinnern (die auf den Straßen für alle sichtbar hingen, auch für Kinder):

„Möglicherweise von den Unterwäsche Plakatwerbungen ihres damaligen Ehemanns Calvin inspiriert, führt Underworld eine üppige Kollektion überwiegend schwarzweißer Fotos von Leuten in verschiedenen Stadien der Entkleidung zusammen. Einige sind von berühmten Fotografen wie Robert Mapplethorpe, andere sind ,unbekannt‘.“

Tim Appelo, der für Seattle Weekly, die New York Times und People über Kunst schreibt, hinterließ ebenfalls einen Kommentar, in dem er sagt Das ist ein gutes Buch, das für einen guten Zweck gemacht wurde, wobei der sich offensichtlich auf den Fakt bezieht, dass Kelly Klein alle Einnahmen der CFDA Foundation Fund for AIDS spendet.

Nun, und Radar Online und all die anderen Boulevardblätter sagen, dass es „krankes und verdrehtes Material“ ist – um diese Kontroverse zu lösen, schlage ich diesen Blättern vor, niemals Calvin Kleins Werbung zu drucken und alle Fotos von Männern in Unterwäsche und Frauen in Bikinis sollten völlig von ihren Seiten entfernt werden, da sich diese Blätter an die höchsten moralischen Standards zu halten scheinen und sie sollten ihren Lesern nicht erlauben, auf diese Schandtaten zu blicken.

Room To Play

Wie ihr bereits wisst, ist „Room To Play“ eines der Bücher, um die es bei dem derzeitigen Medienhype geht und darum erfordert es eine viel genauere Betrachtung.

Der Polizeibeamte beschreibt es wie folgt:

„Ich habe jede Seite des Buchs mit dem Titel Room to Play überprüft und habe keine eingefügten Bilder und/oder Texte gefunden, die nicht wie ein ursprünglicher Teil des Buchs erscheinen. Dieses Buch enthielt zahlreiche Fotos von Kindern, einige davon erschienen modifiziert, zum Beispiel wurde „Morphing“ benutzt, um die Fotos durch Verstärkung der anatomischen Merkmale der Kinder zu sexualisieren. Viele der Fotos zeigten den Intimbereich der Kinder.“

Das Internet bietet heute viel mehr Informationen über dieses Buch als bei unserer ersten Analyse vor sechs Jahren. Auch die Amazon Buchbeschreibung ist jetzt informativer und der Kommentar des Herausgebers dazu klingt in der Tat beängstigend. Er lautet:

„Simen Johan kreiert ein surreales und erzählerisches Bild über korrumpierte Jugend. Seine Bilder der Kinder und Jugendlichen sind durch digitale Manipulation erstellt und kombinieren Gesichts- und Körperteile, die Leuten unterschiedlicher Volksgruppen, Alter und Geschlecht gehören. Seine fiktionalen Identitäten sind in ebensolchen fabrizierten Szenarien abgebildet, die mit Referenzen zu kunsthistorischer Tradition und freudianischer Sexualität vollgestopft sind. Das poster-perfekte Finish seiner Drucke täuscht über die verstörende Art der Inhalte hinweg; ein pubertierendes Mädchen spielt vor einer idyllischen Strandkulisse mit einem Hula Hoop Reifen, welcher Blutergüsse an ihrer Taille hinterlässt; ein androgyner Teenager krault den Kopf eines toten Schafes, auf dem Fliegen zu landen beginnen .“

Von Simen Johan: „Meine Fotografien sind Kompositionen aus Mehrfachbilderfragmenten, die ich digital manipuliert und kombiniert habe; sie umfassen sowohl Bilder, die ich selbst fotografiert habe, als auch gefundene Bilder. Mein Ziel ist es, durch Kombination unterschiedlicher Elemente künstliche Szenarien zu kreieren, die flüchtig bekannt erscheinen und zahlreiche Assoziationen erzeugen. Ich möchte ein Gefühl der Vertrautheit hervorrufen, das den Betrachter dazu verleitet, seiner oder ihrer eigenen Erfahrung, Vorstellung und Kenntnis mit/von bestehender, populärer Bildsprache zu erlauben, ein Tool zu werden, um mein Werk zu interpretieren.“

Wenn ihr mich fragt, sind die Fotos und Kollagen in „Room To Play“ in der Tat unangenehm anzusehen, da sie offensichtlich unglückliche und vernachlässigte Kinder zeigen – die Art der Szenen, die Michael immer traurig gemacht haben.

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Die Kinder in diesem Buch sehen verwahrlost und schmutzig aus, sie sind sich selbst überlassen und betätigen sich in merkwürdigen Aktivitäten in ihrer trostlosen Umgebung.

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In einer der Kollagen kombiniert der Fotograf den Körper eines Kleinkindes in durchnässter Unterhose mit dem Gesicht eines älteren Jungen (aus irgendeinem Grund mit einer Zarenkrone). Das Bild vermittelt ein düsteres Gefühl und verdeutlicht den Gedanken des Kriminalbeamten bezüglich „Morphing“ und seinen Kommentar über den „Intimbereich von Kindern“.

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Und wenn man diese armen Kinder lächeln sieht, hat man das beunruhigende Gefühl, dass dieses Lächeln eher einer Tragödie nahekommt, als Glück und Freude.

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Kurzum lässt einen das Buch mit einem unbehaglichen Gefühl zurück, dass etwas sehr böses und verkehrtes in der Welt vernachlässigter Kinder vor sich geht. Es beinhält allerdings gewiss keine Kinderquälerei und die verschiedenen toten Tiere auf den Fotos können nicht als „Tieropferungsszenen“ bezeichnet werden.

Es ist auch nicht ersichtlich, wie diese Fotos dazu benutzt werden können, um „Kinder zu verführen“, aber es ist völlig klar, dass Szenen wie diese Michael erstens empört und traurig machen würden, da er Erwachsene dazu aufrief, Kindern genau das zu ersparen.

Und zweitens sind diese Fotos definitiv nicht die Art Fotos, mit denen er sich umgeben wollte – er mochte fröhliche Kindergesichter und die gefühlsbetonte Lieblichkeit und das engelsgleiche Aussehen der Gemälde seiner Wahl verärgerte manche Leute sogar. Sie belächelten Michael und nannten es „Kitsch“.

Nun, die Fotos in Room To Play sind gewiss kein „Kitsch“ und deshalb sind sie absolut nicht Michaels Stil. Und in Verbindung mit der Tatsache, dass dieses Buch in irgendeinem Keller aufbewahrt wurde, möglicherweise sogar in einem verschlossenen Paket, lässt mich vermuten, dass Michael es weder gesehen, wahrgenommen oder geöffnet hat.

Was meine Aufmerksamkeit allerdings am meisten erregt hat, ist das Jahr, in dem das Buch „Room To Play“ veröffentlicht wurde.

Das Buch hat nur zwei Auflagen – eine vom 1. August 2002 und eine vom 1. Februar 2003. Beide Zeitpunkte liegen sehr nahe beieinander und fallen ebenfalls in die Zeit von Bashirs Dokumentation über MJ, den darauf folgenden Medienwahn, die polizeiliche Untersuchung von Arvizos Unterstellungen und die spätere Polizeidurchsuchung Neverlands.

Damit sich dieses Buch zum Zeitpunkt der Polizeidurchsuchung auf Neverland befand, müssen wir annehmen, dass MJ kurz nach seiner Veröffentlichung zur Buchhandlung geeilt ist, um es zu kaufen. Aber wenn man bedenkt, wie beschäftigt er 2002 war (Blankets Geburtstag, der Bruch mit Sony, ein achtmonatiges Interview mit Bashir) und dann erst 2003 – und wenn man bedenkt, wie wenig Zeit Michael überhaupt auf Neverland verbracht hat, klingt diese Variante etwas unwahrscheinlich.

Leider wissen wir nicht, welche Ausgabe auf Neverland gefunden wurde, da uns sonst eine Fülle an Informationen zur Verfügung stehen würde.

Wenn es zum Beispiel die Februar 2003 Ausgabe gewesen ist, könnten wir mehr als sicher sein, dass dieses Buch von irgendeinem MJ „Gönner“ auf Neverland untergeschoben wurde. Anfang Februar 2003 wurde Bashirs Dokumentation im Fernsehen ausgestrahlt. Am 18. Februar hat die Polizei von Los Angeles eine Untersuchung des Arvizo Falls begonnen (später wurde sie mangels Beweisen geschlossen). Das Amt für Familien und Kinder schaltete sich ebenfalls ein und befragte die Arvizos (am 20. Februar), und seit dieser Dokumentation bis zum Prozess fokussierte sich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf Neverland.

Die Androhung einer jederzeitigen Polizeidurchsuchung schwebte über der Ranch und es war gewiss nicht der beste Zeitpunkt, um irgendwelche Bücher zu kaufen, die den Verdacht der Polizei erregen könnten.

Außerdem gab es außer der Cascio Familie und Michaels Verwandten weder 2002, noch 2003 Besuche von Kindern auf Neverland, also gab es in der Tat niemanden, dem diese Bücher gezeigt werden konnten, um angeblich „Kinder zu verführen“. Tatsächlich waren die Arvizios die einzigen Fremden, die Neverland besuchten (September 2002 und Februar-März 2003), aber sie sagten niemals auch nur ein einziges Wort über irgendwelche Bücher.

Michaels Hater werden natürlich sagen, wenn es keine Kinder gab, denen das Buch gezeigt werden konnte, musste er es für sich selbst gekauft haben – diese Version ist allerdings auch nicht besser. Wenn sich Leute etwas für sich selbst kaufen, bewahren sie es nicht an irgendeinem entfernten Ort auf, sondern haben es in ihrer Nähe. Wenn man sich vorstellt, man müsste in den Keller der Videospielhalle gehen, um ein Buch durchzublättern, das ein im Staub spielendes Mädchen zeigt, wird man erkennen, wie absurd das Ganze ist.

Die Möglichkeit, das Buch (oder alle drei) dort einzuschleusen, war allerdings absolut gegeben. Erinnert ihr euch an den 12. Oktober 2002, als zweihundert Familien Neverland besucht haben und an das Charity Event am 13. September 2003? Und vergesst bitte nicht den Aufenthalt der Arvizos bei zwei Gelegenheiten und Martin Bashir als einzigen Fremden, der die Ranch während seiner achtmonatigen Interviewsession mit Michael regelmäßig besucht hat.

Und wie konnten wir vergessen, dass Bashir und Victor Gutierrez (ein langjähriger Michael Jackson Hater und notorischer Lügner) kurz nach der ersten Dokumentation begonnen haben, gemeinsam an einem weiteren ihrer fiktionalen Filme über MJ zu arbeiten?

Ist all das nicht bedenkenswert, wenn man einen Moment der Stille hat und in der Lage ist, sich selbst aus dem Albtraum des aktuellen Medienwahns in die Realität zurückzuholen?

Drew and Jimmy

drew-and-jimmy-bookFoto aus „Drew and Jimmy“

Das dritte Buch, das von der Polizei im Keller der Spielhalle beschlagnahmt worden ist, trägt den Titel „Drew and Jimmy“. Der Autor schreibt über seine beiden Cousins und illustriert es mit ihren Fotos (noch dazu in ihrer Kleidung).

Amazon beschreibt das Buch wie folgt:

„John Patrick Salisburys erstes Buch (Drew & Jimmy) ist das Ergebnis einer fünf Jahre andauernden Reflexion über die Vergangenheit seiner Familie. Ursprünglich aus einem isolierten Bauerndorf in Nordkalifornien stammend, gingen Salisbury sieben Generationen voraus. Familienangehörige leben immer noch hier und Salisbury erlebt seine Vergangenheit durch die Leben seiner Cousins Drew und Jimmy indirekt im Geiste noch einmal. Das resultiert in einem ergreifenden und bewegenden Portrait der Kindheit im ländlichen Amerika.“ – Jack Woody.

Der Polizeibericht sagt folgendes über diesen großartigen Fund:

„Ich überprüfte jede Seite des Buchs mit dem Titel Drew and Jimmy und fand keine eingefügten Bilder und/oder Schriften, die kein ursprünglicher Teil des Buchs zu sein scheinen. Das Buch enthielt zahlreiche Fotos von zwei kaukasischen männlichen Jugendlichen, die in ihren frühen bis mittleren Teenagerjahren zu sein scheinen. Die Buben auf diesen Fotografien sind überwiegend bekleidet, vereinzelte Fotographien zeigen sie in Badehosen.“

Und, was soll’s? Das ist es, was die Medien „krankes und verdrehtes Material“ nennen?

Natürlich sind wir noch nicht über die Seite 3 hinausgekommen, aber selbst diese drei Beispiele zeigen, wie übertrieben und falsch die Medienangaben sind. Wir haben uns bereits vor sechs Jahren auch die restlichen Bücher und Magazine angesehen und keines davon zeigt „Kinderpornographie“ oder „Bilder von sexuellem Kindesmissbrauch“, wie es auch das Polizeidokument klar und deutlich darlegt – was wir hier gerade sehen, ist also in der Tat ein schwerwiegender Verleumdungsfall, komplett mit gefälschten Fotos und einem manipulierten Polizeibericht.

Das Estate von Michael Jackson hat ihn bereits als Fälschung tituliert und mein einziger Wunsch ist es, dass Radar Online und die anderen für die boshafte Verleumdungskampagne bezahlen müssen, die sie erneut gegen Michael Jackson begonnen haben.

Die Stellungnahme des Estates vom 21. Juni lautet wie folgt (das Fettgedruckte stammt von mir):

Am kommenden Samstag vor sieben Jahren hat die Welt einen erstaunlichen Künstler und Humanitär verloren, der hilfsbedürftigen Kindern in aller Welt hingebungsvoll geholfen hat. Michael Jacksons Fans, einschließlich den Vollstreckern seines Nachlasses, ziehen es vor, den wundervollen Gaben zu gedenken, die Michael hinterlassen hat, statt seinen guten Ruf erneut vom Boulevardschund durch den Dreck gezogen zu sehen.

Alles in diesen Berichten, einschließlich dem, was das County von Santa Barbara „Inhalte, die aus dem Internet oder aus unbekannten Quellen zu stammen scheinen“ bezeichnet, ist falsch, und wurde zeitlich zweifelsfrei mit dem Jahrestag von Michaels Ableben abgestimmt. Jene, die Michael weiterhin mittels schäbigen Internet „Klickködern“ schamlos ausbeuten, ignorieren, dass er 2005 von einer Jury in jedem einzelnen der 14 anzüglichen, in einer gescheiterten Hexenjagt gegen ihn vorgebrachten Anklagepunkte freigesprochen wurde.

Michael bleibt betreffend dieser Anschuldigungen im Tod ebenso unschuldig wie er es zu Lebzeiten war, auch wenn er nicht mehr hier ist, um sich selbst zu verteidigen. Genug ist genug.

Das Estate von Michael Jackson

http://www.billboard.com/articles/news/7415547/police-reports-michael-jackson-alleged-pornography-collection

Allerdings, genug ist genug. Alle vernünftigen Menschen sollten sich selbst fragen, warum die Medien über Michael sogar nach seinem Tod Blödsinn verbreiten und warum sie auf Fälschungen zurückgreifen müssen, um ihren „Fall“ gegen Jackson zu bekräftigen.

Die Frage, warum sie das immer noch machen, ist schwer zu beantworten – das ständige Verleumden Michael Jacksons könnte eine bewährte Methode sein, um ihr Geld zu verdienen und die Gewinne zu steigern, es könnte allerdings auch eine Kampagne sein, die von irgendjemanden inszeniert wurde, der Michael immer schon seines Ruhms, Geldes und guten Rufs entledigen wollte. Jetzt machen sie dasselbe mit Michaels Estate und hoffen, es finanziell ausbluten zu können, indem sie die Leute abschrecken, Michaels Musik zu hören und zu kaufen und neue fiktionale „Opfer“ ermutigen, sich zu melden und ihre Klagen gegen den verstorbenen Michael Jackson einzureichen.

Warum sie in ihrer boshaften Kampagne gegen Jackson auf Fälschungen zurückgreifen müssen, ist sehr leicht zu beantworten – sie haben einfach nichts echtes, um es gegen Jackson vorzubringen.

Eine weitere Frage, die sich die Leute stellen sollten, ist, warum die Medien die wahren Tatsachen über Michael ignorieren und ihn niemals als die Person zeigen, die er wirklich war.

Wenn wir zum Beispiel über die Bücher sprechen, die Michael wirklich gelesen hat, werdet ihr überrascht sein, dass er ein Bewunderer der Sufi-Poesie war, die er nach seinen Konzerten zu lesen pflegte; mit dieser Gewohnheit erstaunte er seine Freunde und Bekannten  (ein Post über die Bücher, die Michael mochte, ist hier).

Und wenn wir über die Bilder sprechen, mit denen Michael sich umgab, haben euch die Medien niemals über das Gemälde erzählt, das Michael in seinem Schlafzimmer genau über seinem Bett hatte, auch 1993 – genau zu dem Zeitpunkt, als er laut denen angeblich in irgendeine fiktionale „Belästigung“ Jordan Chandlers verwickelt gewesen sein soll.

Ich wette, dass niemand von euch weiß, welches Gemälde das ist. Die Medien haben niemals darüber berichtet, obwohl das Bild sensationell ist, da es Michaels wahre geistige Haltung zeigt und die Anliegen, die für ihn am wichtigsten waren.

Ihr denkt, es war ein Bild von irgendeinem Kind? Ein Bild einer jungen Frau oder eines Mannes? Oder vielleicht das Bild seiner Mutter? Oder ein Bild von Michael selbst, das ihn in irgendeinem pompösen Stil darstellt, worüber die Medien so gerne reden? Oder irgendetwas Perverses wie ein „gequältes Tier“, was euch die Medien gerade einreden wollen?

Nein, keine dieser Vermutungen ist korrekt.

Das Gemälde über Michaels Bett war ein Bild von Jesus Christus.

Ein wirklich noch nie zuvor gesehenes Bild

Da weder die Medien, noch die Staatsanwaltschaft und noch nicht einmal die Verteidigung jemals über dieses Gemälde gesprochen haben, habe ich ganz zufällig davon erfahren – aus dem Video, das nach Oprahs Interview mit Michael Jackson 1993 entstanden ist.

Dieses lustige Video zeigt Oprah, Liz Taylor, Michael Jackson und andere Leute beim Anschauen des gerade aufgezeichneten Interviews. Die Aufnahme wurde auf einem großen Fernseher gezeigt, der sich am Fußende von Michaels Bett befindet, was mich feststellen ließ, dass das Bett faktisch der einzige Ort war, von wo aus man dort fernsehen konnte.

Das Bett war tatsächlich ein sehr großes und zu diesem Zeitpunkt wurde es von mehreren Leuten besetzt, die sich das Video ansehen, einschließlich Debby Rowe, Arnold Klein und anderen. An einem gewissen Punkt beginnt die Kamera, im Raum herumzuschwenken und hält ein Gemälde über Michaels Bett fest. Zu meinem schieren Erstaunen entpuppte es sich als ein Abbild von Jesus Christus… Michael hatte also das Abbild Jesus Christus‘ über seinem Bett und niemand hat uns davon erzählt?

Aber warum wurde das niemals erwähnt? Die Medien, die Staatsanwaltschaft und all diese zahlreichen „Zeugen“ sprachen über jedes kleine Detail in seinem Schlafzimmer, jedes Buch und Kleidungsstück in jedem Keller, Schrank und Dachboden in dem Haus und auf der Ranch, aber niemand hat jemals den Elefanten im Raum erwähnt – das Bild von Christus in seinem Schlafzimmer, genau über seinem Kopf?

Liegt es daran, dass die Behauptung, er habe direkt unter diesem Gemälde angeblich „Verbrechen an Kindern“ begangen, dem Ganzen einen Touch an Unwirklichkeit gegeben hätte und diesen Fakt gegenüber der Jury zu erwähnen stand außer Frage, da es ihnen die Augen geöffnet hätte, was für ein Mensch Michael wirklich war?

Die Tatsache, dass Michael dieses Gemälde für den zentralen Ort in seinem Haus gewählt hat, bedeutet in der Tat, dass Jesus Christus sein täglicher und nächtlicher Begleiter war, der Gegenstand seiner regelmäßigen Gebete und ein Aufpasser über alles, was in Michaels Zimmer vor sich ging, wenn er dort seine Gäste empfing.

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber diese Entdeckung erschütterte mich völlig. Nicht nur, dass das etwas Neues über Michael war, aber die Tatsache, dass dies niemals von der Presse erwähnt wurde, war schlicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Hier ist das Gemälde, von dem ich spreche – es ist ein Screenshot von dem Video und es reflektiert offenbar die Raumbeleuchtung, die wie Kerzenschein unter dem Gemälde aussieht:

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Bei ungefähr 2:05 könnt ihr es mit euren eigenen Augen sehen. Bitte vergesst nicht, das Video auf euren Computer herunterzuladen, um es wieder hochladen zu können, wenn es jene, die es gerade besonders gut mit Michael Jackson meinen, von Youtube entfernen, wie sie es mit dem echten Polizeibericht gemacht haben.

Da wir gerade von diesem Bericht reden – ich habe vergessen, euch zu sagen, dass das Original viel kürzer war als die 88-seitige Version von Radar Online. Momentan wurde er auf 60+ Seiten verkürzt, da die offensichtlichsten Fakes gelöscht worden sind, aber er ist immer noch weit von dem echten Dokument entfernt, das nur 48 Seiten hatte.

Und während sie immer noch daran „arbeiten“ ist hier das Video, das ihr genießen und dabei sehen könnt, wie Michael wirklich war!

Update

Dank unserer Leserin Annemarie haben wir jetzt ein Foto von Michaels Bett auf Neverland mit dem Bild von Christus darüber und wir haben erfahren, dass dieses ganz besondere Abbild Christus‘ Das heilige Herz von Jesus genannt wird.

Es kommt aus der katholischen Tradition und besitzt eine besondere Bedeutung; darum hat Michael es offensichtlich ausgewählt. Das heilige Herz von Jesus stellt seine göttliche Liebe für die Menschheit dar.

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Dieses Bild von Christus wurde 1673 erschaffen, als eine französische Nonne eine Vision von Ihm mit seinem von Liebe entflammten Herzen hatte – eine Vorstellung, die in großem Gegensatz zu den strikten Tendenzen dieses Jahrhunderts stand.

Seine Botschaft ist, unsere Liebe und uns selbst jedem zu geben, den Gott in unser Leben bringt.

Diese Seite sagt darüber:

Darum geht es bei der Andacht an das Heilige Herz. Es ist die Ausübung selbstloser Liebe gegenüber selbstsüchtigen Menschen. Wir geben uns Menschen hin, die sich uns nicht hingeben.

Ist das nicht exakt die Beschreibung davon, wie Michael Jackson sein Leben und seinen Glauben gelebt hat?

Die Grenzen verwischen: Die Michael und Prince Saga (Neuauflage des Allforloveblog-Posts vom Jänner 2011 mit neuer Einleitung und neuem Schluss)

by

Original: http://www.allforloveblog.com/?p=10508

Michael und Prince Gemälde

Anfang 2011 schrieb ich eine zweiteilige Serie über die Saga der „MJ vs. Prince“ Rivalität. Der kürzliche Tod von Prince entzündete einige dieser Vergleiche erneut (sowohl auf positive, als auch auf negative Weise) und es scheint angebracht, diese Serie erneut aufzugreifen. Ich habe jetzt beide Teile zu einem Post zusammengefasst, sowie den ursprünglichen Inhalt überarbeitet und aktualisiert. Damals wollte ich viele Mythen der „wer ist besser“ Frage durchtrennen, die in erster Linie immer schon eher ein von den Medien befeuerter Wettkampf war (und immer noch ist). Aber dabei stellen sich viele Fragen darüber, warum und wie diese Vergleiche überhaupt begonnen haben, und – vielleicht noch wichtiger – was das darüber aussagt, wie wir schwarze männliche Künstler auch heute noch betrachten.

Michael Speed Demon

Sicherlich war die Musikwelt immer schon voller Wettbewerbe dieser Art, beginnend in den 1950ern, als die Leute darüber debattierten, wer den Titel „King of Rock’n’Roll“ tatsächlich verdient hat – Elvis Presley, Chuck Berry oder Little Richard? In den 60ern ging es weiter, als die Fans die Tugenden der Beatles im Vergleich zu der Düsternis der Rolling Stones diskutierten. Aber in den 80ern, als Michael Jackson und Prince die beiden meistverkauften Sänger des Jahrzehnts wurden, wurde Rasse zu einem Faktor in einer Art und Weise, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben.

Prince am Motorrad

Die Spielregeln haben sich völlig verändert. Es war nicht länger ein Wettbewerb zwischen weiß und schwarz oder zwischen zwei britischen Gruppen mit ähnlichem Arbeiterklassenhintergrund, die die gemeinsame Blues-Tradition erweiterten und dann sehr unterschiedliche musikalische Wege beschritten haben. Hier ging es um zwei schwarze Männer, die ihre bescheidenen Anfänge im mittleren Westen Amerikas hatten – beide aus derselben Generation, im selben Sommer geboren – die das Erscheinungsbild der Popmusikszene völlig veränderten, und obendrein alle Regeln und Erwartungen darüber in Frage stellten, wo der „Platz“ eines schwarzen Mannes in der Musikindustrie zu sein hat. Und obwohl es stimmen mag, dass Künstler wie James Brown den Weg lange vor Michael oder Prince gebahnt haben, ist das Level des kommerziellen Crossover-Erfolgs, den seine Wunderkinder Michael und Prince zwanzig Jahre später erreicht haben, etwas, das sich selbst der Godfather des Souls niemals hätte erträumen können. Aber darin könnte einer der fundamentalsten Unterschiede zwischen den beiden liegen. Während beide begabte Schüler in der Schule von James Brown und Jackie Wilson waren, könnte eingewandt werden, dass Michael diesen Wurzeln treuer blieb, wohingegen Prince schon früh als „die Parusie von Jimi Hendrix“ angepriesen wurde – ein exotischer, auffälliger, schwarzer Mann an der Gitarre, der Hendrix‘ Faszination an apokalyptischen, astralen Themen teilte.

Michael Jackson James BrownWährend beide Künstler offensichtlich aus James Browns Schule kamen, könnte eingewandt werden, dass MJ diesen Wurzeln am treuesten blieb…

Als der Purple Rain Soundtrack Mitte der 1980er das einzige Album wurde, das bedeutend genug wurde, um es mit dem phänomenalen Erfolg von Thriller aufzunehmen (und als es begann danach auszusehen, als würde es auf die Frage hinaus laufen, wessen Poster die meisten Zimmerwände der weißen Teenagermädchen zierten), konnten die Medien jedoch nicht widerstehen – und die „Rivalität“ war geboren.

Prince… Prince schien oft eher wie die Reinkarnation von Jimi Hendrix

Jimmi Hendrix

Ich stamme aus derselben Generation wie Michael und Prince. Natürlich bedeutete das, dass ich wie jedes Kind meiner Generation mit den Jackson 5 aufgewachsen bin. Aber Michaels Erwachsenen-Solokarriere, die mit Prince’ Karrierestart zusammenfiel, überschnitt sich auch mit meinem eigenen Erwachsenwerden. Als junge Erwachsene liebte ich sowohl die Musik von Prince, als auch die von Michael Jackson, aber wie bei vielen jungen Leute dieser Ära schwankte meine Präferenz und Loyalität für einen der beiden abhängig davon, in welcher Phase ich mich gerade befand. Schon früh liebte ich Michaels funkige Grooves. Aber Mitter der 80er, als ich in meine rebellische „Headbanger“-Phase kam, schien Prince eher meinen Geschmack zu treffen. Er schien kantiger zu sein und sein avantgardistischer Stil kam meiner düsteren Stimmung zu dieser Zeit sehr gelegen. Jetzt darauf zurückblickend scheint vieles der „wer ist besser“ Rivalität in Wirklichkeit seine Wurzeln in der damals sehr „Rockismus“-geprägten Agenda zu haben, Michael Jacksons Erfolg zu zerstören. Und auf welchem Weg hätte das besser erreicht werden können, als seine Popularität gegen einen anderen schwarzen Künstler auszuspielen, der mehr „Rock“-Plausibilität zu haben schien?

Michael Jackson Black or White

Sicherlich war beiden sehr bewusst, wie sie gegeneinander ausgespielt wurden. Ihre Rivalität war niemals persönlich; beide machten es im Laufe der Jahre sehr deutlich, dass ihr Respekt für den anderen aufrichtig und enorm war. Sie waren niemals „beste Kumpel“, aber ihre Lebenswege kreuzten sich oft; sie hängten einige Male zusammen ab, spielten gemeinsam Basketball im Paisley Park; matchten sich sogar beim Ping Pong, um Sherilyn Fenn zu erobern. Der Wettbewerb spielte dennoch bis zu einem gewissen Grad in ihre jeweiligen Egos.

Prince 2

Wie alle erfolgreichen Künstler hatten beide eine sehr wetteifernde Ader. Sie waren beide getriebene Perfektionisten, die jeden innovativen Karriereschritt des anderen aufmerksam verfolgten, wie zwei berechnende Schachspieler, die beide nach der Chance Ausschau hielten, den anderen „Schachmatt“ zu setzen. Das war nicht boshaft; es kam eher von einem tiefen, instinktiven Überlebensdrang in einem Business, das sie beide als halsabschneiderisch erkannten. Genauer gesagt inspirierte jeder den anderen dazu, nachzuhaken und noch härter zu arbeiten. Zu der bekannten literarischen Rivalität zwischen Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald wurde gesagt, dass „sie beide am anderen beneideten, was sie selbst nicht hatten.“ Im Fall von Michael und Prince schien es eher so zu sein, dass sie beide beneideten – und vielleicht sogar fürchteten – was beide in sich selbst sahen, wenn sie den anderen ansahen. Es mag der Fairness halber erwähnt werden, dass Michaels „tafferes“, härteres Image der „Bad“-Ära zu großen Teilen Prince zu verdanken ist, aber am interessantesten ist, wie ihre Leben und Karrieren sehr parallele Wege zu beschreiten schienen, allerdings in entgegengesetzte Richtungen – zum Beispiel, wie Michael als sehr frommer Zeuge Jehovas erzogen wurde und bewusst ein blitzsauberes Image und eine ebenso tadellose Bühnenrolle beibehalten hatte, sich vom Glauben losriss und sich für ein „böseres“ Image (wie Prince es einst hatte) entschied – während der vormals „bösere Junge“ der beiden eine viel spirituellere Phase begonnen hatte und sein Image säuberte. Während der 90er, als Michael Jackson sich die Hörner abzustoßen schien – was er sich selbst im vorherigen Jahrzehnt nicht erlaubt hatte – beschritt Prince einen Pfad, der schließlich in seiner Konvertierung zu demselben Glauben gipfelte, von dem Michael sich gelöst hatte. Kurz gesagt wurde er mehr zu einem Prophet und weniger zu einem Lustknaben für „Darling Nikki“.

Michael Jackson und Prince waren beide maßgeblich daran beteiligt, die Definition eines schwarzen Popkünstlers auszureizen, indem sie Hits schrieben, welche die Grenzen zwischen Pop, Hard Rock und Funk verwischten. Sie waren beide Innovatoren im Videosektor (obwohl ich denke, dass hier einige Michael im Vorteil sehen), beide wurden respektierte Legenden mit zahlreichen Musikpreisen, beide kämpften ihre eigenen Schlachten gegen die Plattenindustrie, erlitten ähnliche persönliche Tragödien und suchten spirituelle Antworten – sie nahmen sogar dieselbe Religion an, allerdings in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Sie waren beide Gegenstand prüfender Blicke der Medien bezüglich ihrer Sexualität und des zum Teil geschlechterverschwimmenden Appeals. In beiden Fällen entzündete der vorzeitige und unerwartete Tod eine globale Welle bestürzter Trauer und liebevoller Nostalgie, die ebenso schnell durch die grauenhafte Sensationsgier der Medien getrübt wurde.

Was genau war die Essenz ihres Appeals? Vielleicht war es die Quittung für all jene Jahre, in denen hübsche weiße Jungs wie Elvis Presley die Musik für sich beansprucht und den Markt beherrscht hatten, während sie es schafften, alle Mädchen zu bekommen, und natürlich war das alles vollkommen „sicher“, denn Typen wie Elvis waren hygienisch sauber, weiß … und „sicher“.

Aber bei allen Gemeinsamkeiten waren es vor allem ihre Unterschiede, die wirklich Öl ins Feuer der „Rivalität“ gossen. Obwohl ich behaupten möchte, dass ihre Unterschiede vielleicht gar nicht so ausgeprägt waren wie manche denken, und in manchen Fällen vollkommene Mythen waren (so wie die unkorrekte Annahme mancher Fans von Prince, dass Michael nicht seine eigene Musik geschrieben oder keine Instrumente gespielt habe), können wir die Tatsache nicht ignorieren, dass es ihre Unterschiede waren, die schließlich die meisten Fans dazu veranlasste, ihre Wahl zu treffen, wem sie sich zugehörig fühlten, abhängig von persönlichen Präferenzen.

Michael Jackson Destiny TourMichael war in den frühen 80ern der süße, adrette Junge von nebenan…

Prince 3… und Prince war der schmutzige Junge, den du in einer versteckten Seitenstraße triffst und dich nicht traust deiner Mama davon zu erzählen. Aber …

Schon früh wirkte Michael mehr wie eine adrette, disney-esque Persönlichkeit. Obwohl frühe Videos wie Billie Jean und Beat it deutlich machten, dass er definitiv sexier geworden war und sein Jackson 5 Image verschärft hatte, fühlte es sich doch niemals schmutzig an. Selbst als seine Musik richtig rockte, blieb da immer der Glanz des Pop. Im Gegensatz dazu kam Prince viel kantiger rüber, mehr wie ein aktualisierter Jimi Hendrix als ein Popkünstler. Er spielte elektrische Gitarre. Er sang schmutzige, anzügliche Lyrics – und er gab dem Ganzen den Anschein, als wären sie auch wirklich so beabsichtigt!

Michael Jackson Dangerous Tour… alles war dabei sich zu verändern!

Michael Jackson In the Closet…und wie!

Kurz gesagt, trotz aller Gemeinsamkeiten schienen sie – zumindest auf den ersten trügerischen Blick – das genaue Gegenteil von einander zu sein. Mitte der 80er Jahre schienen die Grenzen ziemlich klar gezogen. Michael Jackson war wie eine Ein-Mann-Version der Beatles – poppig, geschliffen, sauber und glücklich. Prince war die Ein-Mann-Version der Rolling Stones – dunkel, schmutzig, ein wenig gefährlich und voller Angst.

Oder in anderen Worten, wenn du die meisten Mädchen in den 80ern gefragt hast, welchen Typen sie mit nach Hause nehmen würden, um ihn ihrer Mutter vorzustellen, wäre die meistgegebene Antwort sicherlich Michael Jackson gewesen. Prince war mehr wie der schmutzige Junge, den du in einer Seitenstraße getroffen hast und dich nicht trautest, irgendjemandem davon zu erzählen.

Aber es dauerte nicht lange, dass diese klar gezogenen Trennlinien ziemlich verschwammen.

Genau wie die Beatles im Laufe der 60er Jahre schrittweise dunkler und angstbeherrschter wurden, so wurde auch Michael schließlich eine dunklere, wütendere und sexuell gesehen offensivere Persönlichkeit. Und umgekehrt erfand Prince, während er in seinem Privatleben spiritueller wurde, sich selbst auf der Bühne neu und wurde eher zu einem Propheten als zu einem Lustknaben für Darling Nikki.

Soweit es um das „wer ist besser“ geht, denke ich, dass das ein wirklich überflüssiger Streitpunkt ist, der mich nicht interessiert. Beide haben ein Vermächtnis, das unerreichbar ist. Beide haben durch die blanke Zahl gewonnener Awards und ihrer entsprechend verkauften Tonträger bewiesen, was in ihnen steckt. Sie haben beide einige der beständigsten Klassiker der Popmusik der vergangenen 30 Jahre geschrieben. Wenn es stimmt, dass Prince mehr Instrumente als Michael spielte und dass er besser darin war, dann ist es genauso wahr, dass allein Michael Jacksons Tanztalent ausreichte, um ihn in eine gänzlich andere Stratosphäre zu katapultieren. Konträr zu dem populären Mythos, der von vielen Prince Fans aufrechterhalten wird, spielte Michael Jackson sehr wohl Instrumente. Er spielte ziemlich gut Klavier und Gitarre und auf dem posthum veröffentlichten Titel „Don’t Be Messin‘ Around“ hört man Michael deutlich Klavier spielen. Es stimmt, er betrachtete sich selbst nicht als einen „von anderen Musikern bewunderten Musiker“ im technischen Sinne; er war sehr ehrlich darin, seine eigenen Talente diesbezüglich zu beurteilen, die er als ganz ordentlich, aber nicht außergewöhnlich einschätzte. Was Michael allerdings besaß, war eine unheimliche Begabung, vollständige Arrangements zu komponieren, die in vollem Umfang in seinem Kopf entstanden sind, und die er bekanntermaßen in einen Rekorder beatboxte, wobei er den Klang jedes einzelnen Instruments festhielt.

Einer der geläufigen Mythen ist, dass Prince ein erfolgreicherer Songschreiber war. Das ist allerdings auch nicht wahr. Sowohl Michael, als auch Prince gehörten zu den erfolgreichsten Songschreibern unserer Generation. Es wurde oft erzählt, dass Michael buchstäblich hunderte Songs für jedes seiner Alben geschrieben hat. Der einzige Grund dafür, warum es so erscheint, dass Prince der produktivere der beiden war, ist, dass viel mehr seiner Songs veröffentlicht wurden, entweder auf seinen eigenen Alben, oder von anderen Künstlern gecovert, während Michael, der der wählerische Perfektionist war, der er war, dazu tendierte, mehr zurückzuhalten und oft jahrelang auf Songs herumbrütete, wenn er nicht das Gefühl hatte, dass sie seinen Standards genügten. Und beide erhielten wohl den gleichen Umfang an Kritik – oft von denselben Gruppierungen – als sie weniger tanzbare, flippige Grooves entwickelten und ihr Schaffen stattdessen sozialbewusster wurde.

Prince Klavier

Michael Jackson Klavier

Wenige würden bestreiten, dass Prince ein Musiker war, der von anderen Musikern bewundert wurde. Hier ist eine seiner besten Darbietungen auf der Gitarre – von den Rock and Roll Hall of Fame Awards 2004:

Aber Michael war auch keine Niete. Hört euch sein Bossa Nova Style Klavierspiel in „Don’t Be Messin‘ Around“ an:

Herkunft und Familiennamen

Prince Roger Nelson und Michael Joseph Jackson kamen beide im Sommer 1958 auf die Welt. Die Geburt von Baby Prince ereignete sich nur etwas mehr als zwei Monate vor der Michaels am 7. Juni 1958 (Michaels Geburt war am 29. August). Interessanterweise machte Madonna die Trilogie der künftigen Superstars der 80er Jahre, die während des Sommers 1958 geboren wurden, mit ihrer Ankunft nur wenige Wochen vor Michael am 16. August, komplett. Sowohl Michael als auch Prince gaben ihre verheißungsvollen Debüts im mittleren Westen Amerikas. Anders als Michael kam Prince aus einer relativ kleinen Familie mit nur zwei Kindern, er selbst und eine jüngere Schwester. Michael begann im Alter von fünf Jahren zu arbeiten, Prince wurde erst ein Star, als er bereits erwachsen war. Allerdings zeigte sich bei beiden schon in sehr jungem Alter ihre erstaunliche Begabung und ihr Talent, und beide hatten Väter mit musikalischem Hintergrund. Joe Jackson spielte Gitarre in einer örtlichen Band, die sich The Falcons nannte. Prince‘ Vater, John Nelson, trat mit einer Jazz-Gruppe, dem Prince Rogers Trio, auf. Beide wurden mehr durch ihre Väter als durch ihre Mütter in eine Musikkarriere gepusht. Natürlich, wir alle kennen die Geschichte darüber, wie Joe Jackson seine Söhne dazu gebracht hat, zu den phänomenalen Jackson 5 zu werden. Ähnlich wird der Vater von Prince zitiert, der gesagt haben soll: „Ich habe meinen Sohn Prince genannt, weil ich wollte, dass er alles das tut, was ich eigentlich vorhatte.“

https://en.wikipedia.org/wiki/Prince_%28musician%29

Der irgendwie ungewöhnliche Vorname, den John Nelson für seinen Sohn gewählt hat, war auch der Name, der seit vielen Jahren in Michaels Familie mütterlicherseits weitergegeben wurde. Prince Albert Screws (später geändert in Scruse), Michaels Großvater mütterlicherseits, trug den Namen wie sein Vater vor ihm. Obwohl Michael selbst der weitverbreitete Name „Michael“ gegeben wurde, setzte er die Tradition mit der Geburt seiner eigenen Söhne fort, die nun den Namen ihres Urgroßvaters tragen.

Zwei verschiedene Familien, drei verschiedene Generationen von Prince!

Prince ScruseMichael Jacksons Großvater mütterlicherseits, Prince Albert Scruse

Prince 4Prince Roger Nelson

Prince-Jackson-and-Blanket-Jackson-2009-prince-michael-jackson-27746427-800-1100Michael Jacksons Söhne, Prince Michael und Prince Michael II (aka Blanket)

Und … wollt ihr einen WIRKLICHEN Twilight Zone Moment? Der Mädchenname von Prince‘ Mutter war Mattie Shaw. Michael Jacksons Großmutter mütterlicherseits trug den sehr ähnlichen Namen Martha (Mattie) Upshaw!

Berührung mit einer höheren Macht

Sowohl bei Michael als auch bei Prince gab es bereits in einem sehr jungen Alter Anzeichen, dass sie außergewöhnlich sensible Kinder waren, mit der Fähigkeit von einer Spiritualität zu zehren, die ihrem Alter weit voraus war. Bevor Michael überhaupt zehn Jahre alt war, weinte er bei den Bildern hungernder Kinder im Fernsehen und sagte seiner Mutter, dass er, wenn er groß genug wäre, allen Kindern auf der Welt helfen würde (und genau das hat er getan!). Von Prince wird gesagt, dass er mit Epilepsie geboren wurde. Aber in einem sehr jungen Alter verschwanden die Krämpfe auf mysteriöse Weise. Später berichtete er in einem Interview von einem Ereignis, das stattfand, bevor er alt genug war, um sich daran zu erinnern:

„Meine Mutter erzählte mir eines Tages, dass ich zu ihr kam und sagte ‚Mom, ich werde ab jetzt nicht mehr krank sein’ und sie fragte ‘Warum?’ und ich sagte ‚Weil ein Engel es mir gesagt hat’“.

people.com/people/article/0,,20275184,00.html

Awards und Auszeichnungen

Es besteht kein Zweifel, soweit es um Music Awards geht, hat Michael mehr gewonnen. Michael Jackson hat 18 Grammys gegenüber 7 von Prince, zusätzlich 26 AMA Awards (im Vergleich dazu hat Prince 4), 40 Billboard Awards und 13 World Music Awards. Insgesamt beträgt Michaels Anzahl an gewonnenen Awards sage und schreibe eindrucksvolle 387!

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_awards_and_nominations_received_by_Michael_Jackson

Allerdings hat Prince den einen Award gewonnen, der Michael Jackson sein gesamtes Leben hindurch versagt blieb – nämlich den Academy Award! (Für Purple Rain als besten eigenen Song im Jahr 1985).

Ganz nebenbei: Welches ist der Award, den sie beide gewannen und in derselben Anzahl? Antwort: Der Golden Globe. Sie haben ihn jeder einmal gewonnen, Michael 1971 für Ben und Prince für The Song of the Heart aus dem Film Happy Feet, 2007.

Eine vollständige Auflistung aller Awards, die Prince gewonnen hat oder für die er nominiert wurde, findet man hier:

http://www.aceshowbiz.com/celebrity/Prince/awards.html

Der Fluch des „einen Großen”

Wo willst du noch hin, wenn dein eigenes Album nicht nur das bestverkaufte Album des Jahrzehnts (in Michaels Fall, aller Zeiten) ist, sondern eins der zwei kultigsten Alben der Dekade? Für Michael und Prince wurde es zur größten Herausforderung ihrer jeweiligen Karriere, den Erwartungen nach Thriller und Purple Rain gerecht zu werden. Für beide bedeutete dies, dass jedes folgende Album mit diesen zwei verglichen wurde. Obwohl sie meiner Meinung nach mit besseren Werken weitermachten, würde ihr kommerzieller Erfolg – oder dessen Fehlen – jedes Mal an diesen zwei Alben gemessen werden – die Alben, die sie beide definiert und schließlich begrenzt hatten.

Michael Jackson Thriller Cover

Prince Purple Rain Cover

Die Mädchen in der Band

Weibliche Gitarristen waren immer noch eine Neuheit in den frühen 80ern, als Prince Lisa und Wendy als Teil von The Revolution einstellte. Niemals jemand, der sich von Prince ausstechen ließ, war Michaels Antwort die blonde Bombe Jennifer Batten. Obwohl nie ausdrücklich die Rede davon war, dass Michael es absichtlich mit Prince aufnehmen wollte, sagte Jennifer Batten selbst, als ich an ihrer Q&A Session bei der Fanvention 2010 teilnahm, dass Michael ein ganz spezifisches Bild im Kopf hatte, wie genau diese Gitarristin aussehen sollte – und sie, das farblose, kleine Mädchen mit Brille und braunem Haar wurde diesem Image entsprechend verwandelt! Während Wendy und Lisa ihr Spiel mit den lesbischen Fantasien der Männer trieben, bot Jennifer ihren eigenen geschlechterübergreifenden Kontrast zu Michaels männlicher Energie als nordische Rockgöttin mit einer stählernen Gitarre!

Wendy und LisaWendy und Lisa

poster_jennifer-battenJennifer Batten

Madonna

Prince sang ein Duett mit Madonna auf ihrem Album von 1989 Like a Prayer und spielte Gitarre in mehreren Songs, einschließlich dem Titelsong. Es ist nicht bekannt, ob er Madonnas Toy Boy wurde, obwohl ich sicher bin, dass Miss „Express Youself“ zumindest ihr Bestes gegeben hat, so wie ich sie kenne!

Madonna Michael JacksonHat Madonna Michael zu ihrem Toy Boy gemacht? Nun, wir wissen, sie hat sich definitiv voll dafür eingesetzt!

Michael und Madonna hatten geplant, zusammen In the Closet aufzunehmen, waren sich aber schließlich uneinig über Madonnas Konzept für das Video. Es ist nicht bekannt, ob sie zu 100% erfolgreich dabei war, Michael zu ihrem Toy Boy zu machen, obwohl sie einmal gebeichtet hat, sie hätten „wild geknutscht”.

Dirty Diana vs. Darling Nikki

Als ob es nicht schon gereicht hätte, dass sie bereits als Rivalen in jeder Hinsicht wahrgenommen wurden, hatte sich sogar jeder von ihnen mit seinen eigenen Groupies ausgestattet! Während Prince‘ „Sexkapaden“-Possen mit Darling Nikki vielleicht Tipper Gore in Aufregung versetzt und so die Entstehung von PMRC beschleunigt hat – und diese „Ausdrückliche Warnung“-Sticker haben wir noch heute – (eigene Anmerkung: PRMC = Parents Music Resource Center, von Tipper Gore gegründetes Gremium, das sich die Information von Eltern über eine eigens diagnostizierte Verrohung von Texten in der aktuellen Musik zum Ziel gesetzt hat), war Michaels Dirty Diana eine völlig andere Sorte Medusa, eine ambitionierte, gefühllose Sirene von Groupie, die Männer buchstäblich in den Ruin treiben konnte. Während Darling Nikki zu Magazinen masturbierte (eine relativ gesunde und harmlose Beschäftigung) erzählte Dirty Diana deiner Frau am Telefon, dass „er mit mir schläft” und zettelte so deinen Untergang an!

Zumindest diese Runde hat Michael gewonnen. Darling Nikki bot dir eine gute Unterhaltung, aber Dirty Diana würde dich mit Haut und Haaren verschlingen, dich lebendig zum Frühstück verspeisen und sich mit den übriggebliebenen Knochen die Zähne säubern! Dirty Diana machte ihrem Namen alle Ehre und spielte ein schmutzigeres Spiel als es Nikki jemals gekonnt hätte!

Aber ihre zwei bestbekannten Groupies spiegeln auch etwas sehr Grundlegendes über die Art wider, auf die beide Künstler (in diesem Stadium ihrer Karriere) Frauen und Sex sahen. Prince hatte für sich die stereotype, machomäßige Rock’n‘Roll-Persönlichkeit angenommen, die alle Frauen grundsätzlich als Spielzeug sieht, das man zu seinem eigenen Vergnügen genießt. Michaels Ansatz war, wie so oft in seinen 80er Songs über Frauen und Sex, die moralische Herangehensweise als warnendes Beispiel. Mit anderen Worten: Lust gibt es nur zu einem hohen Preis und mit moralischen Konsequenzen.

Am Schluss des Dirty Diana Videos öffnet Michael die Limousinentür und findet SIE dort, auf dem Rücksitz, wartend. Das plötzliche, disharmonische, unheilvolle Geräusch; der Ausdruck auf seinem Gesicht, sagt alles. Interessant genug, wie ein Online-Kritiker, der die Kriterien dieses Videos für „Zehn Dinge, die jedes 80er Video haben sollte” analysierte, bemerkte, dass Michael NICHT glücklich dabei wirkte Dirty Diana auf seinem Rücksitz zu finden. Die Schlussfolgerung schien zu sein, dass man meinte, hier einen weiteren Beweis dafür gefunden zu haben, Michael sei asexuell oder dass er keine Mädchen mochte. Dieser Person möchte ich wärmstens nahelegen, zurück zu gehen und das Video nochmal anzusehen und der BOTSCHAFT wirkliche Beachtung zu schenken! Der Grund, warum er in seiner Rolle in diesem Moment nicht glücklich aussieht ist der, dass er weiß, dass er gerade in eine Falle tappt und dass seine Seele über’s Ohr gehauen wurde!

Was mich wahrscheinlich zu meiner nächsten Kategorie weiterleitet:

Liebe, Sex und Bezeugen für Jehovah

Die größte Parallele im Leben von Prince und Michael Jackson darf nicht unterschätzt werden: Sie haben beide als strenggläubige Zeugen Jehovahs gedient, wenn auch nicht zur selben Zeit. Eigentlich ist es sehr interessant, dass Prince im Grunde erst ein Zeuge Jehovahs wurde, lange nachdem Michael sich von der Kirche gelöst hatte. Michael war von einem jungen Alter an als ZJ aufgewachsen und war während der meisten Zeit seines jungen Erwachsenenlebens ein inbrünstig Glaubender und Anhänger. Prince dagegen war aufgewachsen als Adventist des Siebten Tages und konvertierte im Jahr 2001 zum Glauben der Zeugen Jehovah.

Aus: Sean O’Hagan, „Royal Blush”, veröffentlicht in The Observer, 4 April 2004

(guardian.co.uk/arts/features/story/0,11710,1186112,00.html; angesehen am 15 November 2005):

Wenn man alles bedenkt, was passiert ist, dann überrascht es vielleicht nicht, dass Prince, wie viele wegweisende schwarze Künstler vor ihm, Trost in der Kirche gesucht hat. Obwohl er als praktizierender Adventist des Siebten Tages aufgewachsen war, wurde er kürzlich, wie Michael Jackson vor ihm, ein Zeuge Jehovah. Die Geschichte seiner Konvertierung kam letzten Oktober auf ungewöhnliche Weise ans Licht, als eine Zeitung seiner Heimatstadt berichtete, wie ein verheiratetes Paar seine Haustür öffnete, vor der Prince stand und eine Kopie des Wachturms anbot. Sie waren zwar orthodoxe Juden und es war gerade Jom Kippur, aber sie waren auch Prince Fans. Sie hießen ihn mit seinem Freund Larry Graham, ehemaliges Mitglied von Sly & the Family Stone, einem der prägenden Einflüsse von Prince, in ihrem Haus willkommen und er verbreitete das Wort Jehovahs zwanzig Minuten lang, bevor er zum nächsten Haus weiter ging.

Obwohl er immer offen über seine Glaubensüberzeugungen gesprochen hat – ‚The Cross’ von ‚Sign O’ the Times’ war eine wahrhaftige Hymne – und seine Konvertierung im Rückblick durch sein kürzliches Album ‚The Rainbow Children’ signalisiert wurde, das nun als ein Tribut an seinen neu gefundenen Glauben gelesen werden kann, sahen die Medien sein Outing als weitere Bestätigung dafür, dass Prince Michael Jackson nun als komischer Kauz des Pop unterstützt.

Was dies in Bezug auf seine musikalische Richtung bedeutet, interessiert wahrscheinlich niemanden außer die meisten der eingefleischten Prince Fans. Der Rest von uns, von denen viele Prince‘ Veröffentlichungen der Achtziger Jahre mit einer Art von Aufregung erwartet hat, wie es nur bei Werken der wahrlich Begnadeten der Fall ist, freut sich nun mit einer Mischung von Resignation und Wunschdenken auf die Veröffentlichung doch noch eines Prince Albums.

‚Du hältst an einer unwirklichen Hoffnung fest, dass er zurück kommt und es wie immer bringt,’ sagt DJ Norman Jay, ein Mann, der auf einigen Prince Partys in den 80ern aufgelegt hat, ‘aber mit jeder aufgebauschten Aufnahme, die sich dann als nur ein weiteres Prince Album herausstellt, schwindet die Hoffnung. Er ist das klassische Abbild des A&R Sprichwortes (A&R: Artists & Repertoire / http://de.wikipedia.org/wiki/Artists_and_Repertoire), dass wenn du einem Künstler die absolute kreative Kontrolle überlässt, du ihn damit zerstörst. Ihm wurde zugestanden viel zu viele Stücke zu veröffentlichen und er hat sich selbst wahrscheinlich zu sehr mit Leuten umgeben, die ihm erzählen, dass alles, was er anfasst, großartig ist. Das ist ein Rezept für reine Zügellosigkeit – besonders – wenn ein Genie betroffen ist.’

http://www.adherents.com/people/pp/Prince.html

Es ist interessant, den sarkastischen Ton dieses Artikels festzustellen (mal ganz abgesehen von ‚unterstützt Michael Jackson als komischer Kauz des Pop‘). Es ist dieselbe Art von „Kritik“, die Michael widerfahren ist, als er in den 90ern und darüber hinaus versuchte, seine Kunst zu erweitern und zu entwickeln. Im Fall von Michael und Prince würden sie beide für den Rest ihrer Laufbahn dafür kritisiert werden, dass sie es wagten davon abzuschweifen, fröhliche „Song und Tanz“-Männer zu sein. Jedoch denke ich, dass die Gründe für ihre künstlerische Entwicklung grundsätzlich gegensätzlich waren.

Für Michael war es so, dass ihm die Loslösung von der Religion seiner Kindheit mehr persönliche und künstlerische Freiheit verschaffte als jemals zuvor, aber zu einem hohen Preis. Dieser Preis bestand in der Haltlosigkeit, dem Zweifel und der Unsicherheit, die daraus resultierten, dass er seinen Glauben, den festesten Anker, den er kannte, los ließ. Für viele Jahre danach würde er durch die Schuldgefühle wegen dieser Entscheidung zerrissen, gleichwohl fand er in späteren Jahren Trost im traditionellen christlichen Glauben.

Das Positive daran war, dass ihn die Loslösung endlich von den Beschränkungen befreite, die ihn eingeengt hatten. Als er in seinem Privatleben sexuell etwas befreiter war, zeigte sich dies auch in einer neu entdeckten Reife und Freiheit in seiner Kunst. Er konnte endlich viele der Themen ausloten, die er sich immer versagt hatte, ohne die Angst der Zensur oder davor aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Seine Persönlichkeit auf der Bühne und in Videos wurde ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt sexueller, als der frühere „Bad Boy“ Prince bibeltreuer wurde und sein Image „aufräumte“.

Für jemanden, der immer eine Faszination für apokalyptische Symbolik in seinen Werken ausgedrückt hat, schien Prince‘ neu entdeckter religiöser Eifer mit Alben wie Sign O‘ The Times festgeschrieben zu sein. (Nicht zu erwähnen, dass ich gehört habe, er hätte sich viele seiner Frauen dadurch entfremdet, dass er darauf bestand, die Missionarsstellung sei die einzige geweihte sexuelle Position für Mann und Frau, aber das ist eine alte Geschichte, und ich habe nichts gefunden, das sie belegen würde.) Dies ist ein Zitat von einer sehr hämischen Website, deren Autor anscheinend ein frustrierter Ex-Fan ist (und ich entschuldige mich bei den Prince Fans dafür, dass ich dies als Quelle für eine Bezugnahme nutze; allerdings passt es vielleicht als Beobachtung für die Parallelen zwischen den beiden, wir können auch feststellen, wie sehr beide auf dem Prüfstand standen):

Zitiert aus The G Spot, 8. November 2010:

„Das ist die traurigste Sache von allen – Prince verlor seinen Glücksbringer, weil er zu schwach war und Angst hatte vor dem Tod und dem Sterben.“

http://www.dannyhaszard.com/Prince.htm

Dies erinnert mich sehr an dieselbe Art von Kritik, mit der Michael Jackson überhäuft wurde, weil er solche Themen wie die Medien und die Hetzjagd auf ihn thematisierte.

Kurz gesagt, als beide Künstler begannen, persönlichere und globale Themen zu untersuchen, wurden sie für ihre Maßlosigkeit und ihre Selbstgefälligkeit kritisiert.

Was uns zu einer weiteren Gemeinsamkeit bringt: Beide hatten Songs, die apokalyptische Visionen zum Thema hatten, denn man kann behaupten, dass Michaels Earth Song das Gegenstück zu Sign O’ The Times ist, die Prophezeiungen der Änderungen der Erde reflektierend genauso wie Prince’ Song die globale Krise der Menschheit reflektiert.

Was ihre privaten Beziehungen betrifft, trotz dem beide mit einer Reihe prominenter Beziehungen in Verbindung gebracht wurden, haben sie die Jahre hindurch eine fast identische Zurückhaltung geteilt, wenn es um die Presse und Interviews ging. Beide haben zweimal geheiratet und wurden zweimal geschieden. Michael heiratete Lisa Marie Presley 1994, sie wurden 1996 geschieden, und Debbie Rowe 1996, von der er 1999 geschieden wurde. Prince heiratete 1996 Mayte Garcia, die Scheidung war 1999 (ironischerweise begann und endete ihre Ehe exakt zur selben Zeit wie Michaels und Debbies), 2001 heiratete er Manuela Tesolini. Die Ehe wurde 2006 geschieden.

Michael Jackson

Der ein wenig androgyne Sex Appeal von beiden führte zu den unvermeidlichen Spekulationen bezüglich ihrer Sexualität

Prince 5

Erstes Kind und Tragödie

Michael und Prince teilen noch etwas sehr Trauriges. Sie verloren beide ihr erstes Kind – und das innerhalb desselben Jahres! Debbie Rowe erlitt Anfang 1996 eine Fehlgeburt und verlor das Baby, das ihr erstes Kind mit Michael gewesen wäre (Michaels Sohn Prince wurde später in diesem Jahr gezeugt, der zweite Versuch des Paares). Ich habe ein wirklich schönes Video gefunden, in dem Debbie Rowe über die Fehlgeburt spricht (ein Thema, über das sie selten gesprochen hat):

Michael Jackson Debby RoweDebbie und Michael verloren ihr erstes Baby, eine selten erwähnte Tatsache

Unterdessen wurde der Sohn von Prince und Mayte Garcia – der Junge Gregory – im selben Jahr geboren, starb aber nach nur einer Woche am Pfeiffer Syndrom.

http://www.ew.com/ew/article/0,,295564,00.html

Eigene Versuche, die Geburt und den Tod des Kindes nachzuweisen, gestalteten sich als schwierig. Eine Geburtsurkunde wurde bei den staatlichen Behörden bis zum 6. Dezember nicht eingereicht. Während aber Garcia als Mutter genannt war, konnte man bei „Name des Vaters“ lesen „Mutter verweigert Information“.

Inzwischen stöberte die Minneapolis Star Tribune das auf, von dem man glaubt, es sei die Sterbeurkunde des Babys, eingereicht am 4. November. Dort wird bekundet, dass ein „Junge Gregory“, am 16. Oktober geboren, am 23. Oktober am äußerst seltenen Pfeiffer Syndrom Typ 2 starb – ein Leiden, bei dem die Schädelknochen so miteinander verbunden sind, dass sie Druck auf das Gehirn ausüben. Gemäß der Urkunde ereignete sich der Tod im Children’s Health Care Minneapolis, das dem Krankenhaus angegliedert ist, in dem das Kind geboren wurde und wo es auch bestattet wurde. Der Name der Mutter ist aufgeführt als „Mia Gregory“, dieselben Initialen wie Mayte Garcia.

Zur Druckzeit untersuchten örtliche Bedienstete, ob die Sterbeurkunde unter einem falschen Namen eingereicht worden war – eine Gesetzesübertretung in Minnesota. Eine Quelle bei EMI, Prince‘ neuem Label, sagt, die Verantwortlichen hätten den Sänger dazu gedrängt eine Erklärung abzugeben, aber nichts kam heraus.

Während der Anwalt von Prince, Londell McMillan, darauf besteht, dass der Künstler „außerordentliche Privatheit erwartet” kann man einen unbeobachteten Moment auf Emancipation finden. In dem Song Sex in the Summer (Originaltitel Conception / Empfängnis) verarbeitete Prince eine Aufnahme vom Herzschlag seines noch ungeborenen Kindes.

Prince 6Prince und Mayte Garcia kannten auch den Schmerz ein Kind zu verlieren. Ihr Sohn Gregory starb nur eine Woche nach seiner Geburt

In einer Situation wie dieser ist es sinnlos, darüber zu streiten, was tragischer ist. Für Prince, der seinen Sohn wenigstens einmal sehen und in seinen Armen halten konnte, muss der Verlust ganz sicher verheerend gewesen sein. Wenn man aber weiß, wie verzweifelt Michael sich ein Kind gewünscht hat, muss Debbies Fehlgeburt mindestens genauso traumatisch gewesen sein. Ein Kind zu verlieren heißt ein Kind zu verlieren und wenn jemand daran zweifelt, dann muss man nur einmal Eltern fragen, denen gerade die Nachricht einer Fehlgeburt übermittelt wurde. Ich weiß nicht, wie es bei Vätern ist, aber ich weiß, dass eine Fehlgeburt für Mütter oft ein emotionales Trauma ist, dessen Narbe niemals verheilt. Ich bin sicher, dass der Verlust einen sensiblen Vater wie Michael genauso traf wie Debbie, wenn nicht noch mehr.

Und wenn man den EW Artikel liest, kann man ganz sicher mit Prince mitfühlen, wie er versucht, die sehr persönlichen und schmerzlichen Details vom Tod seines Sohnes vor dem neugierigen, bohrenden Weibsstück Oprah Winfrey zu verbergen!

Berühmte Kleinkriege

Wie ich bereits in „The Invincible Saga” ausgeführt habe, waren Michael und Prince beide bekannt für ihre berüchtigten und sehr öffentlichen Kämpfe mit ihren Plattenlabels. Michaels Kämpfe mit Sony sind unter den Fans sehr bekannt.

Jedoch hat Prince diesen Pfad bereits fast ein Jahrzehnt vorher beschritten in seinem gewaltigen Kampf mit Warner Brothers, in dem es um seine kreative Leistung und um die Kontrolle über seinen Namen ging. Im Jahr 1993 erschien er bekanntlich mit dem auf seine Wange geschriebenen Wort „Slave” und änderte dann seinen Namen in ein unaussprechliches Symbol um:

„Der erste Schritt, den ich in Richtung meines endgültigen Ziels, nämlich der Befreiung von den Fesseln, die mich an Warner Bros. binden unternommen habe, war meinen Namen zu ändern von Prince zum Love Symbol. Prince ist der Name, den meine Mutter mir bei meiner Geburt gab. Warner Bros. nahm den Namen, machte daraus ein Markenzeichen und benutzte es als allgemeines Marketinginstrument, um die gesamte Musik, die ich schrieb, zu vermarkten. Die Firma hat die Rechte an dem Namen Prince und an der gesamten Musik, die unter dem Namen Prince vermarktet wurde. Ich war lediglich eine Schachfigur, die benutzt wurde, um mehr Geld für Warner Bros. abzuwerfen … Ich wurde als Prince geboren und wollte keinen anderen konventionellen Namen annehmen. Der einzige akzeptable Ersatz für meinen Namen und meine Identität war das Love Symbol, ein Symbol ohne Aussprache, das mich selbst und das, wofür meine Musik steht, repräsentiert. Dieses Symbol ist seit Jahren in meinen Werken gegenwärtig; es ist ein Konzept, das aus meiner Enttäuschung gewachsen ist; es ist, wer ich bin. Es ist mein Name.“ – Prince

Jüngste Artikel, die seit Prince‘ Tod erschienen sind, haben versucht, seinen Kampf mit Warner Brothers völlig anders darzustellen und haben die Situation – in zumindest zwei Artikel, die ich gesehen habe – als Prince‘ „heldenhaften Widerstand gegen die Musikindustrie“ bezeichnet. Sie neigen zu vergessen, dass eben diese Medien ihn damals für diesen Widerstand wie einen gestörten Wahnsinnigen behandelt haben, genauso, wie sie es ein Jahrzehnt später mit Michael gemacht haben. Michaels eigene Rehabilitation kam fast ein weiteres Jahrzehnt später, als die berüchtigten gehackten und durchgesickerten Sony Mails aufgedeckt haben, dass vieles von dem, was er uns 2002 gesagt hat, gestimmt hat. Letztendlich erlangte Prince seine Veröffentlichungsrechte von Warner Brothers zurück. Michael behielt natürlich bis zum Ende seines Lebens und darüber hinaus die Kontrolle über seinen Sony/ATV-Katalog – der Katalog, der ihn zu einem der wohlhabendsten und mächtigsten Player in der Industrie gemacht hat. Für Michael und Prince ist das freilich ein Teil ihres Vermächtnisses, das noch lange nicht vorüber ist. Erst letzten Monat waren MJ Fans schockiert und aufgebracht, als sie erfahren haben, dass das Estate Sony den Katalog überlassen hat.

Die Verschwörungstheorien, die das Timing von Prince‘ Tod nach der Wiedererlangung seiner Veröffentlichungsrechte von Warner Brothers in Frage stellen, haben bereits begonnen. Und während die Medien zum Zeitpunkt seines Todes scheinbar riesigen Spaß daran hatten, über Michaels Finanzen zu spekulieren, zeichnet sich ab, dass Prince‘ finanzielle Schwierigkeiten sogar noch verheerender gewesen sein könnten. Ohne klares Testament wird es für seine Erben ein harter Kampf werden, sein Vermögen zu verwalten.

Business Mogule

Aber lasst uns von diesen Themen nicht unser Urteil darüber vernebeln, was sie als Business Mogule erreicht haben. Beide waren nicht nur die erfolgreichsten männlichen Solokünstler des Jahrzehnts oder eigentlich überhaupt die erfolgreichsten, ungeachtet der Rasse, sondern auch höchst erfolgreiche Geschäftsmänner, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Leben in die Bude der von Weißen dominierten Industrie brachten. Mit der möglichen Ausnahme von Berry Gordy hat es nur wenige schwarze Unternehmer in der Musikindustrie gegeben, die erfolgreich ihr eigenes Label und Firmen geführt haben. Im Jahr 1985 lancierte Prince mit der Unterstützung von Warner Brothers sein eigenes Label, Paisley Park Records. Acts wie Sheila E., The Time und George Clinton waren unter den größten Namen des Labels. 1994 übte Warner Brothers, wütend durch Prince’ öffentlichen Kampf mit dem Label, durch Entzug der Distribution Vergeltung. Prince jedoch machte unter einem anderen Label, NPG Records, weiter.

Michael Jackson wurde natürlich einer der reichsten und einflussreichsten Männer des Musikgeschäfts durch den erfolgreichen Erwerb des Beatles Katalogs 1985, und dann später als Miteigentümer des Sony/ATV Verlags. Michael Jackson war außerdem Gründer seiner eigenen Produktionsfirma, MJJ Productions, die später zu Michael Jackson Co. LLC wurde und nun MJJ Productions, LLC and Inc. heißt.

Sie beide dienten als Modell dafür, wie schwarze Künstler nicht nur erfolgreich sein können, sondern auch die Kontrolle über ihren Erfolg haben können. Unglücklicherweise mussten beide jedoch auf die harte Tour erfahren, dass sie immer noch eine Ware der Firma waren, die sie kontrollierte – und die mit aller Macht dafür kämpfte, dass sie schön „an ihrem Platz“ blieben.

Der Superbowl:

Beide Künstler machten eine Superbowl-Halbzeit-Show und beide lieferten Auftritte ab, die unbestreitbar zu den besten Superbowl-Halbzeit-Shows gehören. Fans werden natürlich darüber diskutieren, wer letztlich „die“ beste Superbowl-Halbzeit-Show abgeliefert hat. Kritiker scheinen gleichmäßig zwischen den beiden aufgeteilt zu sein, obwohl Michael im Allgemeinen nicht nur dafür anerkannt wird, der erste Superstar gewesen zu sein, der einen Halbzeitauftritt gemacht hat (und somit die Messlatte gelegt hat, an der alle anderen gemessen werden), sondern auch als der „Impulsgeber“, der den Standard festgelegt hat. Letzten Endes war seine Choreografie von „Heal The World“ – die eine Luftbildaufnahme erforderte, um sie wirklich in ihrer ganzen Pracht zu würdigen – eine atemberaubende Meisterleistung, die anderen Künstlern Jahre kostete, um überhaupt in die Nähe zu kommen.

Doch genauso unvergesslich ist der Anblick eines zierlichen Prince, mit nichts anderem als seiner Gitarre, wie er durchnässt im Regen steht und eine der gefühlvollsten Interpretationen von „Purple Rain“ überhaupt dargeboten hat!

Ein „farbiger“ Mann wird immer noch nach der Farbe seiner Haut beurteilt

Obwohl die Medien unbestritten sehr viel grausamer mit Michael Jackson umgingen (sorry, dies ist kein Wettstreit!), wurden beide Künstler genau dafür unter die Lupe genommen, dass sie „nicht schwarz genug“ aussehen würden. Die ganze Bemerkung ist genauso lachhaft, als würde man einen Italiener mit olivfarbenem Teint mit einem blassen Norweger vergleichen und behaupten, der Italiener sei „kein Europäer“. Trotzdem wurde zu verschiedenen Zeiten ihre Identität bezüglich ihrer Rasse oder ihrer Loyalität zu ihrer Rasse in Frage gestellt. Wegen Prince‘ heller Hautfarbe und der Tatsache, dass nicht viel bekannt ist über seine direkte Familie, hielt sich jahrelang das Gerücht, er sei gemischtrassig. Frühe Presseveröffentlichungen bezeichnen ihn als „gemischt”, obwohl es scheint, dass diesen Quellen weitgehend ein schlechter Ruf anhängt. Prince selbst hat sich immer als Schwarzen bezeichnet, obwohl er einräumte, dass sein Vater auch italienisches Blut in sich trägt. Fotos aus früheren Zeiten zeigen offensichtlich, dass Prince sich operieren ließ. Geringstenfalls hatte er irgendwann eine Nasenoperation, und ziemlich wahrscheinlich auch andere Eingriffe. Was auch immer die ästhetischen Gründe für diese Veränderungen waren – ob es daran lag, „gemischtrassiger“ auszusehen oder daran, ein Gesicht zu kreieren, das den Showbusiness-Standards für „Schönheit“ eher entsprach – oder einfach daran, eine persönliche oder künstlerische Laune zu erfüllen – kann nicht gesagt werden.

prince-high-school-photo-teenager-younger-pictureEin frühes Foto von Prince vor der kosmetischen Operation

Andererseits ist es so, dass die Jacksons im Rampenlicht standen, seit Michael ein Kind war, so dass es wenig Zweifel an seiner schwarzen Herkunft geben konnte, obwohl sein Vater Joe – wie Prince‘ Vater – gemischtrassig ist und es eindeutig indianisches Blut auf beiden Seiten der Eltern gibt. Allerdings war es die Hautkrankheit Vitiligo, die die dramatischste Veränderung hervorrief und ihn ausgehend von seinem kupferfarbenen Naturton in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren über das hellere Bronze der Bad-Ära und schließlich bis zum porzellanfarbenen, durchscheinenden Weiß der letzten zwanzig Jahre veränderte. Es ist traurig, dass diese so wenig verstandene Krankheit durch die Medien so viel Spott und öffentlichen Hohn über Michael gebracht hat. Er wurde beschuldigt, seine Haut zu bleichen und seine Rasse zu hassen. Sogar als durch den Autopsiebericht bestätigt wurde, dass er in der Tat an Vitiligo gelitten hatte, wurde dies von den Medien vielfach ignoriert und sie fuhren fort mit dem Mythos einer „angeblichen” Krankheit.

Die Beschuldigung war auf mehreren Ebenen lächerlich. Michael konnte ganz sicher nicht leugnen schwarz zu sein, schließlich ist er vor den Augen der Öffentlichkeit aufgewachsen! Zweitens gab es nie irgendeine Zeit in seinem Leben, in der er nicht schwarz aussah. Sogar im fortgeschrittensten Stadium seiner Krankheit und nachdem er fast alles der übriggebliebenen Farbe depigmentieren lassen hat, sah er immer noch aus wie das, was er war – nämlich ein schwarzer Mann ohne Hautpigmente. Leute, die behaupten, er habe alle Spuren seiner ethnischen Zugehörigkeit „ausradiert“, haben sein Gesicht nicht richtig betrachtet. Michael war immer stolz darauf, ein schwarzer Mann zu sein. Seine Krankheit war etwas, für das er nichts konnte. Und die Unsicherheiten, die ihn zu kosmetischen Korrekturen brachten, wurzelten in anderen Dingen, die nichts mit Rasse zu tun hatten. Leute, die ihn persönlich kannten, gaben an, dass es von einer Unsicherheit über sein Aussehen stammte. Allerdings gab es in den letzten Jahren viele interessante und aufschlussreiche Debatten zu der Möglichkeit, dass sein sich entwickelndes Aussehen weniger mit der verbreiteten Dysmorphophobie-Theorie zu tun hatte, sondern mehr mit dem Wunsch, sein Gesicht als eine Leinwand für seine Kunst zu nutzen. Das ist gewiss eine interessante Theorie, der ich aufgeschlossen gegenüberstehe und ich bin ziemlich interessiert daran, sie weiter zu erkunden, aber nachdem uns Michael selbst diesbezüglich niemals eine endgültige Antwort gegeben hat, bleiben solche Theorien höchstens das – Theorien und Vermutungen.

Popular-Black-Cosplay-font-b-Wigs-b-font-Long-Curly-Jackson-font-b-Wigs-b-fontMichael im Übergang. Obwohl seine Haut aufgrund von Vitiligo heller wurde, gab es doch niemals eine Zeit, in der er nicht schwarz „aussah“.

„Wir werden farbige Menschen genannt, weil es uns in so vielen verschiedenen Farben gibt, von hell wie meine Hand bis dunkel wie dein Shirt (zu Martin Bashir, der ein schwarzes Sweatshirt trägt). Mein Vater hat blaue Augen.“ – Michael Jackson.

Opfer der Rachsüchtigen

Es muss nicht extra gesagt werden, dass beide viel einstecken mussten von rachsüchtigen Ex-Freunden, Ex-Angestellten, Ex-Fans und von Journalisten, die auf alles einschlagen, mit dem sie ein Hühnchen zu rupfen haben, danach trachtend schnelles Geld zu machen. Die folgenden sind nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Ich nehme an, man könnte behaupten, dass das zum Reich- und Berühmtsein dazu gehört. Allerdings scheint es so, als hätten Prince und Michael mehr als den üblichen Anteil an hinterhältigen Freunden, Fans und Angestellten gehabt. Bei „Freunden“ und „Fans“ wie Bob Jones und Alex Hahn, wer braucht da noch Feinde?

Michael Jackson Bob Jones

Prince Possessed

Nun, wo wir uns also ein paar ihrer vielen Parallelen angesehen haben, gibt es immer noch eine brennende Frage: Was haben Prince und Michael wirklich über einander gedacht? Eine großartige Quelle, die ich übrigens sehr empfehlen kann, ist dieser Vibe-Artikel vom Juni 2010:

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-prince-oral-history

Hauptsächlich ist er für mich eine großartige Quelle für den Zeitablauf in der Michael-Prince Saga, ebenso wie die Quelle für viele bedeutende Zitate beider Künstler darüber, wie sie zueinander standen. Bei meiner Recherche für den zweiten Teil stütze ich mich sehr auf den Vibe-Artikel als Quelle, in den ich außerdem andere Artikel und meine eigenen Kommentare einstreuen werde.

CYNTHIA HORNER (Ehemalige Herausgeberin des Right On! Magazine von 1976-2005; ist Herausgeberin und schreibt zurzeit für Hip-Hop Weekly): Ich traf Michael 1976 und er war einer der schüchternsten Menschen, mit denen ich je zu tun hatte. Es war etwas schwierig ihn zu interviewen, denn obwohl ihm als professionellem Entertainer bewusst war, dass er die Presse brauchte, war er doch nicht jemand, der wusste, wie er sich gegenüber den Medien verhalten sollte in der Hinsicht, wie offen er mit Informationen sein sollte. Er war einfach superschüchtern, außer wenn er von seiner Familie umgeben war. Aber er bemerkte die Tatsache, dass ich ebenfalls schüchtern war, also umarmte er mich irgendwie, und wir freundeten uns an. Er und Prince waren sich ziemlich ähnlich, denn Prince war auch schüchtern. Wenn du ihm als Journalist gegenüber saßest, gab er dir dieselben einsilbigen Antworten, wie Michael es tat. Und dazu sprach Prince auch sehr häufig in Rätseln; er war sehr ausweichend. Er beantwortete niemals irgendeine meiner Fragen (lacht). Er wollte um jeden Preis sein Privatleben schützen.

*****

ALAN LEEDS: Michael war kein Musiker im klassischen Sinn. Er näherte sich seiner Musik völlig anders an als Prince es tat, obwohl Michael genauso einen großartigen Song schreiben konnte. Aber Prince war wohl in erster Linie ein Musiker. Ich denke nicht, dass irgendein Zweifel daran besteht, dass Prince Michael als ein Symbol dafür sah, wo er hinwollte [bezüglich des Bekanntheitsgrades]. Michael war einer der wenigen Künstler des Planeten, den Prince in diesem Sinn respektierte (Ravens Betonung) Als wir erst einmal realisiert hatten, dass er sich im Prozess des Schreibens dafür befand, was die ursprüngliche Idee für den Film Purple Rain darstellte, das er 1982 während seiner Tour für 1999 in Notizbücher kritzelte, da wussten wir, dass er mehr wollte. Es begann sich der Spruch zu verbreiten: „Hey, Prince denkt wirklich, er schreibt einen Film”. Ich denke nicht, dass irgendjemand von uns es so ernst nahm, weil es keinen Sinn ergab, dass jemand, der zu dem Zeitpunkt nur ein paar Pop-Hits hatte, fähig sein sollte, die Finanzierung für einen Film zu erhalten. Aber es zeigte sicherlich eine Ambition, die er hatte und man muss anerkennen, dass Prince es durchgezogen hat.

CYNTHIA HORNER: Ich gab Michael Kopien der Magazine und er sah dann gewisse Leute in dem Buch und fragte mich eine Menge Fragen über die Künstler, die ihn interessierten. Und so machte er sich mit Prince vertraut. Danach begann ich Michael einiges von Prince’ Musik, die ich besaß, hören zu lassen und er war fasziniert. An diesem Punkt bemerkte ich, dass sich da so etwas wie eine Rivalität entwickelte. Michael war länger in dem Business gewesen, also wollte er natürlich nicht von dem Newcomer ersetzt werden. (Ravens Betonung)

ALAN LEEDS: Prince ging [1983] zu einem James Brown Auftritt mit Bobby Z, seinem Drummer zu jener Zeit, Big Chic, der sein Sicherheitsmann war und ich glaube Jill Jones, der einer seiner Protegés war. Inzwischen weiß jeder, was bei diesem Auftritt passierte. Ich glaube nicht, dass Prince ahnte, dass Michael dort sein würde. James guckt in diesem Video ein wenig verwirrt, als Michael in sein Ohr flüstert: „Hey, hol Prince auf die Bühne”. Und natürlich wusste Prince auch nicht wirklich, was er tun sollte. Zuerst ging er zu der Gitarre, aber er fummelte etwas herum, denn sie war für Linkshänder. Er spielte ein paar Spuren, tanzte etwas und warf versehentlich eine Requisite um. Nun, ich habe mich immer gefragt, ob Michael Prince absichtlich in diese Situation gebracht hat, einfach um zu sagen: „Hey, du denkst also, du bist mir auf den Fersen? Dann beachte dies, Motherfucker (lacht)”. (Ravens Betonung) Bobby Z rief mich an und sagte: „Oh boy … er hat sich heute Nacht zum Narren gemacht”. Er erzählte, dass Prince auf dem ganzen Weg zum Hotel kein Wort gesagt hat.

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-prince-oral-history

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Hier ist der berühmt-berüchtigte und historische Moment, in dem wir James Brown, Michael Jackson und Prince zusammen auf derselben Bühne sehen. Meines Wissens nach ist dies das einzige Mal, bei dem Michael und Prince jemals zusammen auftraten – wenn man es so nennen kann!

Es wäre toll gewesen, wenn ihre einzige Begegnung auf der Bühne dieses großartige, monumentale Event gewesen wäre, in dem jeder sein ebenbürtiges Bestes gegeben hätte, aber es entwickelte sich nicht ganz so. Wenn man das Video betrachtet, scheint es sich eher so abgespielt zu haben:

Zu Beginn des Clips ruft James Michael auf die Bühne. Michael kommt hoch und beginnt eine sanfte Ballade zu singen, bis die Band ihn überrascht und ihn zu einer spontanen Parodie auf James Brown zwingt (die er natürlich brillant durchzieht. Meine einzige Beschwerde – es war viel zu kurz!). Wir können sehen, wie er James Brown etwas zuflüstert, also nehme ich an, dass dies der Moment des „abgekarteten Spiels” um Prince ist. Wie in Alan Leeds Beschreibung zieht Prince kurz sein Gitarrending durch, als wenn er sagen wollte „Scheiß drauf!”, zieht sein Shirt aus und beginnt mit einer durchgeknallten, spontanen Nummer, die mit dem Unfall ihren Höhepunkt findet.

Man kommt beim Ansehen dieses Clips leicht zu dem Schluss, dass Prince an diesem Abend Michael die Schau gestohlen hat, wie es zumindest ein Artikel seit Prince‘ Tod  dargestellt hat. Sicher war es die auffälligere Performance (und diejenige, die mit dem größten Knall endete!). Rückblickend hatte Michaels glatte Kontrolle allerdings Methode. Erstmal denke ich, Michael war klug genug einzusehen, dass man James Brown nicht die Schau stiehlt! Das macht man einfach nicht. Ich bin sicher, es wäre ein Leichtes für Michael gewesen, seine beste Billie Jean Nummer aus der Tasche zu ziehen und ihm die Show zu stehlen, aber er entschied sich, lieber im Hintergrund zu bleiben. Am Ende war er derjenige mit mehr Klasse, der kontrolliertere Performer, der in dir den Wunsch nach mehr weckt, wohingegen Prince … nun, das Video spricht für sich. Es war das klassische Beispiel dafür, dass Prahlerei und Protzerei nicht immer den größeren Auftritt bedeuten. Am Ende hatte es, wie Bobby Z betont hat, zur Folge, dass Prince sich an diesem Abend am meisten selbst genierte (ob er seinen Kopf wegen Drogen verloren hatte, wie manche spekuliert haben, diese Entscheidung überlasse ich anderen). Stellte Michael Prince an diesem Abend absichtlich eine Falle? Oder dachte er ganz einfach, dass dies alles nur im Namen eines netten Spaßes und aus Sportsgeist stattfinden würde? Ein Teil von mir möchte behaupten, dass Letzteres wahrscheinlich ein wenig zu naiv gedacht ist, während der andere Teil von mir sagt, dass das Erste wohl ein wenig zu extrem ist. Ich denke nicht, dass er Prince absichtlich dazu brachte einen Narren aus sich zu machen (Prince schien das ganz gut selbst hinzukriegen!), aber vielleicht war es eine Art, die drohende Rivalität mit einem Vergleich herauszufordern, sozusagen – wenn auch nur unbewusst.

Michael Jackson Wetten Dass Earth SongMichael, der sich während seiner Auftritte tapfer in die Höhe wagte, war nicht der Meinung, dass es viel Mut erforderte über Masturbation zu schreiben!

Als sich der Kopf-an-Kopf-Kampf zwischen Thriller und Purple Rain aufzuheizen begann, behielten Michael und Prince sehr scharf im Auge, was der andere so machte:

ALAN LEEDS: Bevor wir zur Purple Rain Tour aufbrachen, war es sprichwörtlich Prince, der sehen wollte, was Michael und die Jacksons in Hinsicht Produktion, Beleuchtung, Bühne und das alles auf der Victory Tour machten. Wir charterten einen Jet mit ein paar seiner Bodyguards, Jerome Benton von The Time und Leroy Bennett, der Licht- und Produktionsdesigner für Prince auf seinen Touren war. Wir flogen nach Dallas zum alten Stadion, in dem die Cowboys spielten. Es gab in unserem Lager das Gefühl, dass, während sie eine sehr solide Stadion-Produktion hinlegten, es an der Technik nichts wirklich Innovatives gab. The Varilites, was ein Markenname für eine bestimmte Art computergesteuerter Beleuchtung war, war zu jener Zeit der Goldstandard in der Branche. Und wir stellten sicher, dass wir all diesen Mist hatten. Aber die Produktion der Jacksons hatte es nicht. Prince hatte großen Respekt vor Michael, aber er war nur milde beeindruckt von der Show.

QUESTLOVE: Michael besuchte viele der Purple Rain Konzerte. Ich war bei den vier Purple Rain Shows ’84 in Los Angeles. Und jetzt, da ich realisiere, dass Mike im Publikum war, sehe ich es mir oft an, um zu sehen, ob ich ihn erkenne (lacht). Aber es macht dich nachdenklich. Warum war Mike vier Abende nacheinander da? Du hast bereits Thriller erschaffen, du hast den Moonwalk getanzt, du hast bahnbrechende Videos gedreht und du hast eine Million in der Woche verkauft. Du bist offiziell im Guinness Buch der Rekorde. Im Grunde wurden von Purple Rain 15 Millionen verkauft, aber es waren kaum die 33 Millionen, die von Thriller verkauft wurden. Warum also bist du so neugierig, wer hinter dir liegt? Dann wurde mir klar, dass du ohne Wettbewerb nicht so erfolgreich sein kannst. Michael wusste, dass Prince eine ernsthafte Bedrohung war. (Ravens Betonung)

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Randy Taraborrelli goss weiteres Öl in die „Prince-und-Michael-Rivalität”, als er schrieb, dass Michael aus einer Filmvorführung von Purple Rain ging und so zitiert wird, dass Prince „gemein aussah”, nicht schauspielern konnte und dass er die Art, wie er Frauen behandelte, nicht mochte. (Für’s Protokoll: Es gibt eine Szene in Purple Rain, in der Prince in seiner Rolle Appolonia schlägt. Allerdings zeigt der Film auch auf, wie der Kreislauf von Gewalt sich fortsetzt, wenn jemand aus einem missbräuchlichen Umfeld kommt und dass derjenige daran arbeiten muss, diesen Kreislauf zu durchbrechen – etwas, von dem ich glaube, dass Michael ebenfalls eine Beziehung dazu hatte!)

Michael hat außerdem einige ausgesuchte Bemerkungen über Prince’ Song „Jack U Off“ vom Controversy Album gemacht, und sagt, er sehe nicht, wie jemand über etwas so Privates schreiben könne.

http://lacienegasmiled.wordpress.com/category/bromance/prince/

Michael billigte Prince’ „Jack U Off“ nicht. Aber hört euch „She Got It“ an, einen unveröffentlichten Titel von Dangerous und unbestreitbar Michaels „Prince-mäßigster“ Song überhaupt:

Aber lasst uns fair sein. Während Michael angeblich Seitenhiebe auf Prince abgab, hat Prince ebenfalls seinen gerechten Anteil an Sticheleien losgelassen. Diese Strophe von Prince’ Song „Life o’ The Party“ macht kein Geheimnis daraus, wer „der andere Typ” ist:

Aber es ist nichts, wenn es keinen Spaß macht
Meine Stimme wird höher
Und Ich habe niemals meine Nase machen lassen
Das ist der andere Typ … Prince

But it ain’t nothing if it ain’t fun
My voice is getting higher
and Eye ain’t never had my nose done
That’s the other guy… Prince

Hmmm. Er hat niemals seine Nase machen lassen? Nun, in Teil Eins habe ich ein altes Bild gezeigt, das eindeutig zeigt, dass Prince eine kosmetische Operation hatte. Ich werde es hier noch einmal einstellen. Fotos lügen nicht!

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Prince 7

Ich will jetzt nicht voreingenommen sein deswegen. Michael hat offensichtlich sehr viel mehr kosmetische Änderungen machen lassen als Prince. Trotzdem, dieser spezielle Seitenhieb war ein besonders scheinheiliger Fall von „Ein Esel schimpft den anderen Langohr”.

Trotz billiger Seitenhiebe äußerte Michael ein ums andere Mal die Bereitschaft mit Prince zusammenzuarbeiten. Über die Jahre waren mehrere Projekte geplant, die The Gloved One (Den mit dem Handschuh) und The Purple One (Den Lilafarbenen) zusammenbringen sollten (sorry, ich konnte dem schlechten, boulevardartigen Wortspiel nicht widerstehen!). Nicht eins davon wurde verwirklicht. Und in jedem dieser Fälle war es so, dass der Ball in Prince’ Spielfeld gespielt wurde und er sich weigerte, ihn aufzunehmen.

Typisches Beispiel: „We Are The World“. Es gehört zum Allgemeinwissen, dass Prince bei dem Projekt teilnehmen sollte, aber am Tag der Aufnahme nicht erschien. (Er kompensierte sein Fernbleiben allerdings, indem er dem Projekt einen anderen Song zur Verfügung stellte, 4 The Tears In Your Eyes).

Dann kann „Bad“ – und das erste wirkliche Zusammentreffen zwischen Michael und Prince! (Nun, offiziell war dies ihr „erstes“ Treffen, obwohl Prince laut dieser Seite der ungenannte Dinnergast in Latoyas Autobiografie ist, der Michael das seltsame, voodoo-mäßige Geschenk aus Talismane und Federn überreichte!

Prince 8Versuchte Prince Michael mit einem Voodoozauber zu belegen?

LaToya-Jackson-218x300Oder nahm Latoya Lehrstunden bei Maureen Orth darüber, „wie man Sensationsmache schreibt“?

Laut Taraborelli war das geplante „Duett“ für „Bad“ jedoch ein weiterer Werbegag von Frank DiLeo, aber einer, dem Michael zugestimmt hat. Das „Kunststück“ bestünde darin, auch Prince mit ins Boot zu ziehen.

Ich habe viele Male gehört, wie Quincy Jones diese Story erzählt hat. Auf der Special Edition von Bad gibt es einen ganzen Bonustrack, wo Quincy Jones über dieses „historische Treffen“ spricht, und obwohl er nicht klar sagt, dass das alles ein Werbegag war, streitet er es jedoch auch nicht ab.

Hier ist Taraborellis Darstellung dieses ersten Treffens:

Quincy arrangierte für Michael ein Treffen mit ihm (Prince), da er das Gefühl hatte, die beiden wären kreative Genies und sollten sich kennen, ob sie nun jemals miteinander singen würden oder nicht. Laut dem Autor Quincy Troupe „war es ein seltsames Gipfeltreffen. Sie standen in solch einer Konkurrenz zueinander, dass keiner in irgendeiner Art und Weise nachgeben würde. Sie saßen irgendwie dort, checkten sich gegenseitig ab, sagten jedoch nur sehr wenig. Es war eine faszinierende Pattsituation zwischen zwei sehr mächtigen Typen.“

Prince stimmte jedoch zu, sich das Band des Songs anzuhören. Nachdem er die erste Zeile gehört hatte – „Your butt is mine“ (Dein Arsch gehört mir) – lehnte er das Angebot ab. Nach seinen eigenen Angaben sagte Prince zu Michael, dass er diese Zeile nicht zu ihm singen würde, und Michael würde sie sicher nicht zu ihm singen! Er soll auch gesagt haben, dass Michael ihn nicht brauchen würde, damit der Song ein Hit wird (womit er Recht hatte!).

Prince spricht mit Chris Rock über die Ablehnung des Angebots, ein Duett für Bad aufzunehmen:

mickael-jackson-bad„DEIN ARSCH GEHÖRT MIR!“

Prince 9„WARTE EINEN MOMENT … WER WIRD DIESE ZEILE ZU WEM SINGEN?!“

Michael fasste die Abfuhr angeblich als eine Art Brüskierung auf, aber er ist nicht darauf herumgeritten. Er zog weiter und machte sein Ding. Was Prince betrifft: trotz dem, was er in dem Interview mit Chris Rock über „keine Rivalität“ sagt – und unabhängig davon, wie oft er in den darauffolgenden Jahren darüber gesprochen hat, wie sehr er Michael respektiert – kann ich mir nicht helfen, aber es hinterlässt den Eindruck, dass es in gewisser Weise Eifersucht und Arroganz seinerseits war, zumindest damals. (Vielleicht brachte das Erwachsenenalter wie bei allen Dingen einen gewissen Grad an später Einsicht und Weisheit). Meine ehrliche Meinung ist, dass er damals – als ein Großteil seines Reizes darauf basierte, das genaue Gegenteil von Michael Jackson zu sein – auch Angst gehabt haben könnte, seine Fangemeinde zu verprellen. Er könnte aber auch gewittert haben, dass Michael diesen Teil seiner Fangemeinde für sich zu gewinnen wollte und vielleicht empfand er das als echte Bedrohung.

Da beide die wortkargen, schüchternen, manchmal kryptischen Künstler waren, die sie nun einmal waren, ist es wirklich schwer, genau zu bestimmen, was sie dachten. Aber ich werde die Vermutung äußern, dass die Rivalität zumindest Mitte der 80er, als sie beide am Gipfel ihres Ruhms standen und beide Jugend und Testosteron an ihrer Seite hatten, etwas mehr als nur ein Lippenbekenntnis war.

ALAN LEEDS: Aber die Sache, als Michael sich an Prince wandte und wollte, dass er „Bad“ aufnahm, das machte ihn wirklich stinksauer. Prince meinte „Oh, er möchte mich auf Platte einschüchtern. Glaubt er, ich bin verrückt?“ Er konnte nicht genug aus sich heraus, um zu erkennen, dass das etwas war, von dem sie möglicherweise beide hätten profitieren können (Ravens Betonung). Es wäre nach wie vor Michaels Video gewesen und Prince wäre nur ein Gast gewesen. Das erfasste, wie die Beziehung nicht sein konnte. Sie waren wie Ali vs. Frazier. Und die Medien konnten nicht genug davon bekommen, diese Typen gegeneinander auszuspielen.

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-vs-prince-oral-history-3

Sherilyn Fenn wallpaper

Sherilyn Fenn wallpaper

Sherilyn Fenn, heiß genug um … ein Ping Pong Match anzuzetteln?

Allem Anschein nach war die Rivalität gelegentlich mehr als nur eine berufliche. Das berüchtigte Ping Pong Match ereignete sich, als Michael versuchte, die Aufmerksamkeit von Prince‘ Freundin Sherilyn Fenn zu ergattern (Ah, jetzt kommen wir zum wirklich Wesentlichen dieser Situation! Er hat ihn nicht nur dazu „gedrängt“, „your butt is mine“ zu singen, es scheint, dass Michael ebenfalls versuchte, einen gehörnten Mann aus dem armen Prince zu machen!).

QUESTLOVE: Da gab es diese jetzt berüchtigte Story über ein Ping Pong Match zwischen Mike und Prince 1986, als Prince Under The Cherry Moon aufnahm und Mike an Captain Eo arbeitete. Und sie beide wetteiferten um die Aufmerksamkeit von Prince‘ Mädchen Sherilyn Fenn, die damals echt heiß war. Es war ein verrücktes Ping-Pong Spiel. Er sagte, dass MJ wie Helen Keller spielte. [Redaktionelle Anmerkung: Prince‘ Drummer Bobby Z gab in der Minneapolis Star Tribune über die gutartige Auseinandersetzung des ungleichen Paars MJ und Prince zu Protokoll „Sie warfen in [Prince‘] Paisley Park Körbe. Prince hatte eine tief verwurzelte wetteifernde Natur, es ist also leicht zu erkennen, wo er sich gegen Jacksons Erfolg messen würde.“]

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-prince-oral-history-pg-2

Aber wie kam es wegen Michaels Spiel zu dem Helen Keller Kommentar? Diese Story kam vom Techniker David Z, der das Match verfolgt hat:

„Michael legte seinen Schläger ab und hielt seine Hände vors Gesicht, damit ihn der Ball nicht treffen konnte. Michael ging mit seinem Bodyguard und Prince fing an, wie ein Gockel herumzustolzieren. ,Hast Du das gesehen? Er spielte wie Helen Keller.‘“

http://newsroom.mtv.com/2009/06/29/michael-jackson-vs-prince-the-forgotten-rivalry/

Wenn Michael sich schuldig gemacht hat, Prince‘ Mädchen stehlen zu wollen, dann war Prince allerdings auch schuldig, sich an Michaels Schwester ranzumachen, wenn man Latoya glauben kann (natürlich hat laut Latoya jeder Mann versucht, sich an sie ranzumachen!)

Aus Latoya Jacksons Autobiographie von 1978

Da ich unter so vielen Brüdern aufgewachsen bin, mochte ich Männer als Freunde, aber ich war total unerfahren in der Entschlüsselung nonverbaler Signale zwischen Männern und Frauen.

Kurz nachdem Prince „Soft and Wet“ herausgebracht hat, hat er sich mir schüchtern bei einer Rollerskating Party vorgestellt. „Hi.“

„Hi“, sagte ich lässig.

„Ich bin Prince.“

„Ja, ich weiß.“ Es stand außer Frage – die großen braunen Augen, flaumiger Schnurrbart und glatte schwarze Haare. Obwohl ich gesessen bin, um mir meine Skates anzuziehen, hatte er fast meine Höhe.

„Ich wollte Dich nur wissen lassen, dass ich wahnsinnig in Dich verliebt bin.“ flüsterte er leidenschaftlich.

„Oh.“ Ich dachte, das wäre seine Art gewesen, jemanden Komplimente zu machen. Ich hatte keine Ahnung von seinen wahren Absichten, bis er sagte „Ich habe all Deine Bilder und alles und ich mag alles an Dir.“ Seine Stimme verstummte allmählich, als ihm die Worte ausgingen.

„Oh… das ist nett.“

Die meisten Mädchen hätten ihn geküsst oder geschlagen. Ich? Ich stand auf, sagte beschwingt „Naja, hoffe, Du hast heute einen schönen Abend!“ und skatete davon.

http://lacienegasmiled.wordpress.com/category/bromance/prince/

Ihre sportliche Rivalität übertrug sich laut Bobby Z auch auf Basketballspiele in Paisley Park:

http://newsroom.mtv.com/2009/06/29/michael-jackson-vs-prince-the-forgotten-rivalry/

Man kann sich nur fragen, ob diese Matches so ähnlich waren wie das Jackson/Jordan Match in Jam!

Wenn man berücksichtigt, dass Prince nur 158cm groß war im Vergleich zu Michaels 175cm (was beides nicht gerade Basketballmeisterschaftsmaße sind) kann ich mir nur vorstellen, dass diese Spiele nur durchschnittlich waren, aber ich wäre liebend gerne ein Mäuschen gewesen auf dem Spielfeld während dieser Matches! (Wie Michael gesagt hätte, wurde dort wahrscheinlich „wie verrückt gemogelt!“).

Prince äußerte sich bekanntlich zu Michael Jacksons Talenten als Kämpfer und Konkurrent:

QUESTLOVE: Erinnerst Du Dich an dieses unglückliche Duett zwischen Eddie Murphy und Michael namens „Whatzupwitu”? Ich habe fünf Stunden unbearbeitetes Filmmaterial von diesem Videodreh. Michael und Eddie hatten eine Green Screen hinter sich und irgendwann in der zweiten Stunde kam die Sprache auf Prince. Und Eddie sagt „Yeah man… Prince ist ein böser Motherfucker. Ich bin froh, mit Dir zu arbeiten, aber ich träume auch davon, mit ihm zu arbeiten.“ Und ich glaube nicht einmal, dass Mike wusste, dass die Kamera auf ihn gerichtet war und er sagt „Ja, er ist ein naturgegebenes Genie.“ Und dann, vier Takte später, sagt Michael „Aber ich kann ihn schlagen [lacht].“ (Ravens Betonung).

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-vs-prince-oral-history-3

Scheinbar machte Michael 1996 einen letzten Versuch, um sich für eine Zusammenarbeit an Prince zu wenden. Ich bin mir nicht sicher, worum es bei diesem geplanten Projekt ging. Aber trotz wachsender Karriereprobleme schien Prince auch Mitte der 90er seinen Stolz nicht weit genug unterdrücken zu können, um das Angebot anzunehmen.

Hätte er damals anders gehandelt, wenn er gewusst hätte, dass die Zeit abläuft? Das werden wir niemals erfahren.

Michael Jackson 2„WARUM HAT PRINCE SEINEN BASS DIREKT IN MEIN GESICHT GESPIELT?“ – MIKE SUCHT EINE ANTWORT AUF EINE DER VERWIRRENDSTEN FRAGEN DES LEBENS!

Michael erschien derjenige zu sein, der die Stiche der wiederholten Zurückweisungen und die garstigeren Aspekte der Rivalität am meisten gespürt hat:

WILL.I.AM (Kopf der Black Eyed Peas; Ist live mit Prince aufgetreten und hat mehrere Titel für Michael Jackson produziert): Ich hatte 2008 eine Show mit den Black Eyed Peas und später an diesem Abend bin ich mit Prince im Palms Hotel aufgetreten. Ich rief Micheal kurz vor der Show an und sagte „Hey Mike, ich bin in Vegas.“ Ich erzählte ihm von dem Auftritt im Palms mit Prince und fragte ihn, ob er kommen wollte. Er war anfangs etwas beklommen, aber ich sagte ihm „Lass mich Prince anrufen, um zu sehen, ob alles OK ist.“ Ich saß neben Mike, nachdem ich einen Song mit Prince beendet hatte und er kommt Bass spielend von der Bühne runter, genau auf unseren Tisch zu… bearbeitete den Bass bis zum Geht nicht mehr! Es war das coolste Erlebnis, das ich jemals hatte. Ich war mit meinen beiden Helden zusammen. Während wir an neuem Material für sein Album arbeiteten, fragte mich MJ, warum die Leute ihn nicht genauso als ernstzunehmenden Songwriter sahen wie Prince. Es war ein Schock, das von solch einem ikonischen Künstler zu hören. (Ravens Betonung).

http://www.vibe.com/content/michael-jackson-prince-oral-history-pg-4

Das obige ist eine wichtige Offenbarung. Michael war sich dessen sehr bewusst, dass seine Talente und Leistungen als Songschreiber nicht den gleichen Respekt erhielten wie die von Prince, obwohl er in die Songwriter’s Hall of Fame aufgenommen wurde (eine Ehrung, die Prince ironischerweise nicht zuteilwurde). Es zeigt auch, dass er auf einer sehr tiefgehenden Ebene als Künstler ernstgenommen werden wollte, nicht nur als ein großartiger Showman. Er wollte Prince‘ Level an künstlerischem Respekt; er sehnte sich danach auf die gleiche Weise, in der ein Mensch Brot begehrt, selbst wenn ihm Kaviar gegeben wird. Wenn man berücksichtigt, dass sie beide getriebene und erfolgreiche Künstler waren, die einige der gefeiertsten und beständigsten Popklassiker unserer Zeit erschufen, ist es verständlich, warum Michael die Hauptlast der zwischen ihnen gemachten Unterschiede so stark fühlte. Wenn er vielleicht nur ein Showman gewesen wäre – statt einer der besten Songschreiber unserer Zeit – hätte es nicht annähernd so geschmerzt. Aber Michael kannte die Wahrheit.

Prince selbst war immer schnell damit, Michaels Kunst zu verteidigen und bezeichnete ihn mehr als einmal als ein „schieres Genie“.

Und vielleicht hatte Michael in gewisser Hinsicht letztlich doch das letzte Wort!

2008 lud Will I Am Michael zu einem Konzert in Las Vegas ein, wo The Black-Eyed Peas mit Prince gemeinsam auftraten. Es war das letzte Mal, dass sich die beiden Legenden persönlich getroffen haben.

Will I Am spricht hier über dieses Konzert (und andere Erinnerungen an Michael):

http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/8123506.stm

Dieser Bericht über das Konzert und was sich laut einem Interview mit Will I Am in dieser Nacht abgespielt hat, wurde aus einem deutschen Artikel übersetzt:

Will.i.am: … Ich war mit den Black Eyed Peas vor ein paar Monaten in Las Vegas. Da ruft mich Prince an, der in einem Casino spielte: „Hey, willst Du heute mit mir auftreten?” Klar, sage ich, natürlich! Am nächsten Tag rief mich sein Assistent an und sagte: „Prince würde gern wissen, ob Du Lust hättest, heute Abend noch einmal mitzuspielen.” Lust? Was gibt es Cooleres als mit Prince aufzutreten? Genau: An zwei Tagen hintereinander mit ihm aufzutreten! Ein paar Minuten später bekomme ich einen weiteren Anruf: „Hey, hier ist Mike, was machst du gerade so?” Mike? Michael Jackson? Wow! Er hatte zu dem Zeitpunkt das Studio gewechselt, von Irland nach Las Vegas. Ich sage also: „Hey, ich trete heute Abend hier mit Prince auf.” – „Prince? Das ist toll!” – „Du solltest vorbeikommen!” – „Wirklich? Meinst Du, das wäre cool?” – „Das wäre verdammt cool!” – „Okay, dann komm ich.” Das muss man sich mal vorstellen: Ich trete mit Prince auf, und Michael Jackson sitzt im Publikum! Heilige Scheiße! Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Mensch innerhalb von zehn Minuten erst einen Anruf von Prince bekommt und dann einen von Michael Jackson?

SZ: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei null.

Will.i.am: Richtig. Okay, ich mache mich also am frühen Abend auf den Weg zum Konzert und – bleibe im Verkehr stecken! Fuck, denke ich, gibt es einen schlechteren Zeitpunkt im Stau zu stehen? Ich springe also irgendwann aus dem Auto und renne los. Ich schaffe es in der allerletzten Sekunde in den Club. Alles läuft wunderbar, nach drei Minuten bin ich wieder runter von der Bühne, Prince ruft noch ins Mikrofon „Give it up for Will.i.am!”, ich schleiche mich in den Saal und setze mich an den Tisch von – Michael Jackson. Er ist also wirklich gekommen! „Wie fandest Du mich?”, frage ich ihn. Er antwortet: „Ich wusste gar nicht, dass du rappst.” Wie bitte? Der Mann hat mich für ein paar Aufnahmen ins verdammte Irland einfliegen lassen, und er wusste nicht einmal, dass ich nicht nur Produzent bin, sondern auch Rapper! Ich sage: „Hörst du nie meine Musik, guckst du nie meine Videos? Ich bin verdammt nochmal der Hauptrapper der Black Eyed Peas!” Anyway. Neben Michael Jackson sitzt noch der Schauspieler Chris Tucker, und dann kommt Prince von der Bühne runter auf uns zu…

SZ: … und sieht Michael Jackson am Tisch mit Ihnen sitzen?

Will.i.am: Yo. Er hat seinen Bass umgeschnallt und bleibt vor unserem Tisch stehen. Da sitzen wir also: Michael Jackson, Chris Tucker und ich. Prince steht direkt vor Michael Jackson und improvisiert auf seinem Bass: Slap! Sonst macht er – nichts! Sagt – nichts! Spielt einfach. Was für eine Szene! Als Prince wieder zurück auf der Bühne ist, sagt Michael Jackson zu mir: „Prince hat mir mit seinem Bass mitten ins Gesicht gespielt! Was sollte das denn?” Naja, sage ich: „Du bist schließlich inkognito hier! Stell dir doch mal vor, Prince hätte gesagt: ,Ja, und hier sitzt übrigens Michael Jackson.’ Die Leute sind ja schon wegen Prince genug ausgerastet, geschweige denn, sie hätten gewusst, dass du auch da bist!” Tja, das war sie dann, die verrückteste Nacht meines Lebens.

http://prince.org/msg/7/312585

[deutscher Originalartikel: http://www.sueddeutsche.de/kultur/interview-mit-william-wen-interessieren-silberne-plastikscheiben-1.251061; Anm.d.Übers.]

Nun, ich weiß nicht, wie sehr man den Gerüchten Glauben schenken kann. Aber ich habe (unbestätigt) gehört, dass Michael an jenem Abend gesagt haben soll, dass er froh sei, niemals eine Gitarre gebraucht zu haben, um zu beweisen, dass er einen Penis hat.

Autsch.

Michael hat sich zumindest öffentlich nie über Prince geäußert, ebenso wie er sich nur sehr selten über irgendwelche andere Künstlerkollegen geäußert hat. Um die Frage zu beantworten, wie sie miteinander zurechtgekommen sind: Ich denke nicht, dass sie jemals wahre Freunde waren (trotz Bobby Zs Beharren: http://www.drfunkenberry.com/2009/06/27/prince-michael-jackson-were-friends/). Ich kann sie mir nicht als „beste Kumpel“ vorstellen. Ich denke, sie hatten einen sehr fest verwurzelten, manchmal missgönnenden Respekt für einander, gepaart mit einem heftigen Sinn für Konkurrenzdenken – was für beide gleichermaßen gilt. Die wenigen Male, die sich ihre Wege kreuzten, waren sie immer herzlich zu einander, obwohl die unterschwelligen Spannungen fast immer spürbar waren. Ich bin mir sicher, dass sie zeitweise eine lockere Kameradschaft hatten. Ich kann sie mir leicht dabei vorstellen, ein paar Körbe zu werfen, vielleicht mit einem Crown anzustoßen und ein paar Witze zu machen. Sie hätten diese Art der Verbundenheit haben können, die einfach aus dem gegenseitigen Verständnis heraus entsteht, weil sie beide den gleichen Berühmtheitsgrad hatten. Vielleicht war es ihnen in jenen raren Momenten, wenn die Welt nicht zusah – wenn sie ihre Masken und ihre Schutzmechanismen lange genug fallen lassen konnten, um einfach Michael Joseph Jackson und Prince Roger Nelson zu sein – möglich, dieses verwandtschaftliche Verhältnis zu finden. Doch für wie lange oder wie oft, werden wir vielleicht niemals mit Sicherheit wissen.

Zwei seltene, jugendlich frische Fotos: Michael und Prince ohne ihr bekanntes Makeup:

Michael Jackson PHM

Prince 10

Als uns Michael am 25. Juni 2009 verlassen hat, gab es viele Spekulationen darüber, ob sich Prince den Rängen der Prominenten anschließen würde, die offizielle Stellungnahmen abgaben. Er äußerte sich in einem französischen Interview auf diese sehr kurze und bündige Art:

„Es ist immer traurig, jemanden zu verlieren, den man liebt.“

Auf typisch kryptische Prince-Art war das vielleicht alles, was gesagt werden musste. Seither begnügte er sich wie immer damit, die Musik sprechen zu lassen und inkludierte einige Michael Jackson Songs in seine Liveauftritte als Tribute.

War er aufrichtig, als er sich auf Michael bezog als jemanden, den er liebte?

Ich würde sagen, nach seinem besten Vermögen, ist diese Antwort ja.

Update: Ich verfasste den ganzen obigen Text vor mehr als fünf Jahren im Jahr 2011, offenkundig lange vor Prince‘ tragischem Tod am 21. April diesen Jahres. Damals war es meine Absicht, eine ausgewogene Beschreibung ihrer „Rivalität“ und ihrer persönlichen Freundschaft zu präsentieren, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Als ich mir das Geschriebene von damals erneut durchgelesen habe, war ich versucht, ein paar Passagen im Nachhinein zu überarbeiten. Aber dann dachte ich nein, es würde keinem der beiden wirklich einen Gefallen tun, die Wahrheit zu beschönigen. Es mindert den enormen Respekt, den ich für beide empfinde, in keinster Weise. Es zeigt einfach die menschlichen Schwächen der beiden und auch die Tatsache, dass beide niemals diesen Erfolg gehabt hätten, wenn sie nicht solche Egos gehabt hätten und die enorme wetteifernde Ader, die notwendig ist, um ein erfolgreicher Performer zu sein.

In der Woche seit Prince‘ Tod haben wir eine ähnliche globale Welle des Schocks und der Trauer gesehen, die wir 2009 gesehen haben. Michael Jackson Fans fühlten diesen Schmerz; für uns ist es ein weiterer Verlust, der diesen kulturellen Nerv getroffen hat. In den Jahren nach dem Verlust Michaels empfanden viele von uns, dass Prince immer noch zu haben, zumindest eine Art Trost war – dass wir zumindest einen Teil der Magie unserer Jugend immer noch hatten. Jetzt ist es nur noch ein Gefühl der Leere.

Prince TrauerDie Fan-Gedenkstätten vor Paisley Park bringen für MJ Fans schmerzvolle Erinnerungen hervor

In der letzten Woche war ich wie viele andere des „Prince Pauken“ schuldig – plötzlich wollte ich möglichst viel über einen Künstler lernen, den ich geliebt habe, den ich aber zugegebenermaßen als zu selbstverständlich betrachtet habe, als er noch hier war. Es war die gleiche Phase der Entdeckung, die ich mit Michael durchgemacht habe, als ich immer erstaunter wurde über solch einen begabten Künstler und großartigen Menschen, den ich mir irgendwie nie erlaubt habe, zu Lebzeiten besser kennen zu lernen. Über Prince habe ich ebenfalls so viel gelernt, das ich zuvor nie wirklich beachtet habe – sein humanitäres Wirken, worüber, wie bei Michael, oft zu wenig berichtet wurde; die Tiefe seines privaten Schmerzes, das Leid und der Mut, da er trotz oft lähmender Schmerzen weiter erschuf, immer sein tapferstes Gesicht für seine Fans zeigte; oder einfach nur, wie sarkastisch lustig er in Interviews sein konnte, wie in dem Interview in der Arsenio Hall Show 2014.

Auf typische Art und Weise haben viele MJ und Prince Fans versucht, die Ungeheuerlichkeit dieses zweifachen Verlustes auszugleichen, wie es nur jene von uns wirklich können, die diese Zeiten durchlebt haben – mit einer gesunden Dosis Humor. Ich möchte euch hier ein paar meiner liebsten Bildunterschriften der letzten Woche zeigen, die einige Tränen in Glucksen verwandelt haben.

In diesem Sinne, gute Nacht, lieber King und Prince.

Prince Michael Jackson Humor

*Prince betritt das Himmelstor*

Hm, hm, hm. Wenn es nur nicht Michael ist.

*Michael dreht sich um* Ach Du Hölle.

Übersetzung: Ilke & Doris