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Michael Jacksons erste Ankläger – lerne die Chandler Familie kennen!

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Original: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/michael-jacksons-first-accuser-meet-the-chandler-family/

Michael Jackson im Mai 1993 mit Jordan Chandler und seiner kleinen Schwester in Monaco– die Mutter der Kinder, June Chandler, war auch dort, siehe nächstes Foto

Michael Jackson traf seinen ersten Ankläger, Jordan Chandler, im May 1992, nachdem das Auto des Stars am Wilshire Boulvard, Los Angeles eine Panne hatte und er zu einer nahegelegenen Mietwagenagentur, die dem Stiefvater des Jungen, David Schwartz, gehörte, ging. Schwartz rief seine Frau June Chandler (manchmal auch June Schwartz oder June Chandler Schwartz genannt) an, um ihr von dem berühmten Kunden zu erzählen und sie zu bitten, ihren 12 jährigen Sohn Jordan, der ein großer Fan des Stars war, vorbeizubringen. David Schwartz bot Jackson einen Deal an: er würde ihm gratis ein Auto vermieten, wenn Jackson zustimmt, Jordans Telefonnummer anzunehmen und ihn anzurufen. Jackson nahm den Deal an, hielt sein Versprechen und rief den Jungen einige Tage später an. Ein Mitarbeiter von Schwartz, Mel Green, erinnerte sich:

„Es war fast so, als würde [die Mutter des Jungen] ihm [den Jungen] aufdrängen“, erinnert sich Green. „Ich denke, Michael dachte, er schuldete dem Jungen etwas und so fing alles an.“ [1]

Laut den Chandlers hatten sie in den 80ern ein paar zufällige Begegnungen mit Jackson. Angeblich sendeten ihm Jordan und seine Mutter einen „Gute Besserung“ Brief, nachdem Jacksons Haar 1984 während den Dreharbeiten für einen Pepsi Werbespot Feuer fing, wofür Jackson anrief, um sich bei ihnen zu bedanken. Er lud sie auch zu einem Casting ein, wo Jordan die Chance hatte, in einer Werbung mit Jackson aufzutreten. Jordan wurde allerdings nicht ausgewählt und traf Jackson nicht am Set, wie die Chandlers erwartet hatten. Sie behaupten auch, dass sie 1985 eine kurze Begegnung mit Jackson in einem Restaurant hatten. [2; Seite 12]

June Chandler, ihre Tochter und Michael Jackson in Monaco im Mai 1993

*****

Jordan Chandler wurde am 11. Jänner 1980 geboren. Seine biologischen Eltern trennten sich 1985 und er lebte bei seiner Mutter und ihrem zweiten Ehemann David Schwartz. Aus dieser Ehe hatte er eine Halbschwester. Sein Vater Evan Chandler (geboren als Evan Robert Charmatz) hatte auch eine neue Familie, eine Frau und einen weiteren Sohn und eine Tochter aus dieser Ehe.

Evan Chandler hatte eine Zahnarztpraxis in Beverly Hills, er war aber auch ein angehender Drehbuchautor.

1992 wirkte Evan an der Erstellung des Drehbuchs für die Komödie Robin Hood: Men In Thights (Robin Hood: Helden in Strumpfhosen) unter der Regie von Mel Brooks mit. Der Film erschien im Juli 1993. Obwohl Mel Brooks, J. David Shapiro und Evan Chandler offiziell als Drehbuchautoren angegeben wurden, kam es unter ihnen zu einem Rechtsstreit darüber, wer welchen Anteil davon geschrieben hat [2; Seite 37]. Laut June Chandlers Zeugenaussage im Jahr 2005 half Jordan seinem Vater dabei, seinen Teil zu schreiben, wofür ihm Evan $5.000 versprochen hat, die er allerdings nie gezahlt hat [3]. Jordans Onkel Ray Chandler beschreibt in seinem Buch All That Glitters aus dem Jahr 2004 einen Streit zwischen Evan und June Chandler, bei dem die Frau ihren Ex-Mann „einen schrecklichen Vater“ nennt, weil er Jordan das Geld versprochen, aber nie gezahlt hat. Evan behauptet in dem Buch, dass Jordans Beitrag letztendlich nicht so groß war und dass er es „auf die Bank“ gebracht hat, statt es dem Jungen direkt zu geben [2; Seite 55-56]. Laut Junes Zeugenaussage 2005 hat Evan seinem Sohn das versprochene Geld allerdings nie gezahlt [3].

Das war nicht das einzige Versprechen, das Evan seinem Sohn gegenüber nicht gehalten hat. Laut Michael Freeman, der June Chandlers Anwalt war, als die Unterstellungen formuliert wurden, versprach Evan seinem Sohn auch einen Laptop, den er nie gekauft hat [1]. Und June Chandler selbst verklagte Evan im August 1993 auf $68.000 Unterhaltsnachzahlungen, obwohl sie diese Forderung später zurückgezogen hat [1] [4].

2005 bekundete sie in ihrer Zeugenaussage, dass Evan in der Zeit, bevor Jackson in ihr Leben kam, damit beschäftigt war, Drehbücher zu schreiben und nicht viel Zeit mit seinem Sohn verbrachte, worüber sie sich bei ihrem Ex-Mann beschwerte [3].

Evan Chandler

Es gibt auch einige Berichte darüber, dass Evan Chandler jähzornig war und einen gewalttätigen Charakter hatte. Mary A. Fischer zitiert in ihrem Artikel aus dem Jahr 1994 für das GQ Magazin einen namentlich nicht genannten Familienfreund, der behauptet, dass „Einer der Gründe dafür, dass June Evan verlassen hat, sein Temperament war“ [1]. Später in dem Artikel beschreibt Fischer einen Zwischenfall, der 1993 in Larry Feldmans (der Zivilrechtsanwalt der Chandlers während der Unterstellungen) Büro passiert ist. Laut Fischers Quellen:

„[Evan Chandler] ist völlig durchgedreht und hat Dave [Schwartz] verprügelt. Schwartz, der zu dieser Zeit von June getrennt lebte, stand bei Entscheidungen, die seinen Stiefsohn betrafen, außen vor und er nahm es Chandler übel, dass er den Jungen zu sich genommen und nicht wieder zurückgebracht hatte.

Dave wurde wütend und sagte Evan, dass es sowieso nur um Erpressung geht, woraufhin Evan aufgestanden ist, hinüberging und Dave zu schlagen begonnen hat, sagt eine zweite Quelle.“ [1]

Jordans Onkel Ray Chandler versuchte den Zwischenfall in einem Artikel, den er 2005 für seine jetzt stillgelegte Webseite (atgbook.com) geschrieben hat, herunterzuspielen und beschrieb es als einen „einmaligen Faustkampf“ in der Hitze eines Streits über das Geld aus dem Vergleich, das sie bislang noch gar nicht bekommen haben, aber er gibt zu, dass Evan Schwartz tatsächlich geschlagen hat [4]. Er räumt diesen Zwischenfall auch in seinem Buch ein:

„Bis jetzt unterdrückte [Evan] seinen Ärger bewusst, aber in der Hitze dieser verbalen Schlacht sprang er von seinem Sessel auf und schlug Dave ins Gesicht. Mehrere Anwälte traten zwischen die beiden Männer und trennten sie.“ [2; Seite 170]

Geraldine Hughes, eine Rechtsanwaltssekretärin des Anwalts Barry K. Rothman, der die Chandlers zunächst während der 1993 Unterstellungen repräsentiert hat, spricht in ihrem Buch Redemption aus dem Jahr 2004 über eine Klage, die David Schwartz gegen Evan Chandler eingereicht hat und schreibt:

„Mr. Schwartz behauptet, dass Dr. Chandler am 9. Juli 1993 in Dr. Chandlers Haus in Brentwood auf bedrohliche Art mit einer geballten Faust an ihn herangetreten ist und ihm gedroht hat, ihn mit Händen und Füßen zu schlagen. Er gab an, dass Dr. Chandler ihn zu Boden gerungen und ihn zu treten und anzuspucken begonnen hat.

Mr. Schwartz behauptet des Weiteren, dass es in Mr. Feldmans Büro im August 1993 erneut eine weitere Auseinandersetzung gab, bei der Dr. Chandler Mr. Schwartz auf seine Schläfe geschlagen hat, was ihn das Bewusstsein verlieren ließ [5; Seite 136].“

David Schwartz

In einem heimlich aufgezeichneten Telefonat zwischen Evan Chandler und David Schwartz sagt Evan, als er über seine damalige Frau „Monique“ (ihr richtiger Name war Nathalie Chandler, aber in dem Transkript und in Ray Chandlers Buch wurde das Pseudonym „Monique“ benutzt) spricht, dass er sie umbringen würde, wenn er jemals erfährt, dass sie ihn betrogen hat, ohne es ihm vorneweg zu erzählen:

„Sie wird nächstes Jahr auf das Cannes Film Festival gehen… richtig? Weißt Du, was das ist? Dieses Film Festival ist eine verdammte Sexparty. Nächstes Jahr, ohne mich, okay? Also, wenn ich keine Chance habe, mit ihr über meine Befürchtungen zu reden, meine [Band Unregelmäßigkeit], erschieße sie wahrscheinlich, oder ich würde mich von ihr scheiden lassen.“ [6]

und

„Und möchtest Du wissen, was ich ihr gesagt habe? Ich habe ihr das gesagt. Ich sagte June… „Monique“ sagte ich „wenn Du jemals mit jemandem anderen schlafen willst oder wenn Du mich nicht mehr liebt, wenn Du zu mir kommt und mir sagst, dass [Band Unregelmäßigkeit] aus dem Haus raus und ficke seinen Verstand raus, ich werde Dich immer lieben, ich werde Dich unterstützen und wünsche Dir alles Gute. Aber wenn es anders herum ist, Du fickst ihn zuerst und dann [Band Unregelmäßigkeit], werde ich Dich umbringen, Punkt.“ Ich habe gesagt „Das sind die Regeln. Wenn Du bei mir bleiben willst, musst Du verstehen, dass das der einzige Weg ist, wie ich überleben kann. So lebe ich.“ [6]

Es ist niemand anderes als Ray Chandler, der 2005 in seinem Artikel enthüllt, dass „June, als sie 1994 in einer eidesstattlichen Erklärung zu Evans Gewalttätigkeit befragt wird, gesagt hat, dass sie im Jänner 1992 von einem Streit zwischen Evan und seiner damaligen Frau Monique gehört hat, der körperlich wurde.“ [4]

Obwohl Ray Chandler in seinem Buch Evans körperliche Angriffe gegenüber Schwartz und anderen bestritt (bis auf den „einmaligen Faustkampf“ in Feldmans Büro), und er sowohl in dem Buch, als auch in seinem Artikel von 2005 behauptet, dass „[June Chandler] keinen Grund wusste, warum Evan eine Gefahr für Jordie darstellte“ [4], gipfelte Evans Gewalttätigkeit schließlich in einer Attacke gegen seinen Sohn, in der er ihn fast getötet hat.

Evans Bruder Raymond Chandler, der 2004 das Buch All That Glitters veröffentlicht hat (nicht zu verwechseln mit dem berühmten Schriftsteller Raymond Chandler)

Am 6. Juli 2005 – weniger als drei Wochen nach Michael Jacksons Freispruch im Arvizo Prozess – schlug Evan Chandler [Jordan] mit einem zwölfeinhalb Pfund [etwa 5,5kg; Anm.d.Übers.] schweren Gewicht von hinten auf den Kopf, sprühte ihm Pfefferspray in seine Augen und versuchte ihn zu würgen“ [7]. Ein Richter stellte später fest, dass das Gewicht schwere körperliche Verletzungen oder Tod verursachen hätte können [7] Am 5. August 2005 erwirkte Jordan eine einstweilige Verfügung gegen seinen Vater. Obwohl der Richter in diesem Fall erklärte, dass er keinen Beweis sah, dass der Angeklagte (Evan Chandler) ein Muster gewalttätigen und kontrollierenden Verhaltens [7] zeigte und Jordans Antrag auf endgültiges Kontaktverbot abgewiesen hat, stellen die oben angeführten Vorfälle zusammen betrachtet durchaus ein Muster dar.

Das war nicht das Ende von Evan und Jordan Chandlers Rechtsstreitigkeiten. Am 24. Juli 2005 reichte Evan Chandler eine Klage gegen Jordan ein, die mit Jordans Treuhandfonds zu tun hatte. Der Prozess wurde 2007 abgewiesen.

*****

Jordans Beziehung mit seinem Vater schien sehr ambivalent, wohingegen Evans Beziehung mit seinen anderen Kindern nach den Unterstellungen praktisch nicht existent war. Wie wir bereits erwähnt hatten, verbrachte Evan laut June Chandlers Aussage im Jahr 2005 nicht viel Zeit mit Jordan, bevor Jackson in ihrem Leben aufgetaucht war. Während der Unterstellungen von 1993 und mit deren Hilfe erlangte er das Sorgerecht für den Jungen, der 1994 aufgrund des Vergleichs mit Jackson ein Multimillionär war.

1995 emanzipierte sich Jordan allerdings von seinen beiden biologischen Eltern und lebte eine Zeit lang bei Evans zweiter Frau Nathalie („Monique“) und seinen jüngeren Geschwistern. Nathalie ließ sich von Evan scheiden und heiratete später einen Hollywood-Drehbuchautor, der Evans beide jüngere Kinder wie seine eigenen großzog. Evan zeigte kein Interesse an seinen beiden jüngeren Kindern, er war nur daran interessiert, eine Beziehung zu dem millionenschweren Jordan aufrechtzuerhalten.

Evan, seine zweite Frau Nathalie („Monique“), Jordan und Evans jüngerer Sohn kurz nach den Unterstellungen 1993 – 1995 ließen sich Evan und seine zweite Frau scheiden und Jordan emanzipierte sich gerichtlich

Aus Gerichtsdokumenten zwischen Nathalie und Evan zeigt sich, dass Evan trotz der Emanzipierung irgendeine Art psychischer oder emotionaler Kontrolle über Jordan behielt, da sich Nathalie in diesen Dokumenten beschwert, dass sich Jordan nach einer Weile weigerte, mit seinen jüngeren Geschwistern zu sprechen oder sich mit ihnen zu treffen, genau wie ihr Vater, der sie verlassen hat.

In dem Rechtsstreit beklagte Nathalie auch, dass Evan sich weigerte zu arbeiten und nicht für seine minderjährigen Kinder sorgte, er war auch nicht erreichbar für sie und begnügte sich damit, vom Geld seines Sohnes Jordan zu leben. Sie gab auch bekannt, dass sich Evan von allen Familienmitgliedern, die mit seinem Verhalten nicht einverstanden waren, getrennt hat. Sogar sein loyaler Bruder Ray Chandler gab in seinem Buch All That Glitters zu, dass Evan seine Familie nach den Unterstellungen nicht mehr beachtete [2; Seite 248]. (Mehr dazu in dem Kapitel https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/evan-chandlers-1996-lawsuit-against-michael-jackson/)

Das rückt die Darstellung von Evan als bekümmerten Vater, den einzig verantwortungsbewussten Erwachsenen in Jordans Leben, die einzige Person, die sich um sein Wohlergehen Gedanken machte, in eine andere Perspektive.

Jordan selbst sprach die Unterstellungen niemals öffentlich an und hielt sich immer zurück. Laut Jacksons FBI Akten weigerte sich Jordan, bei Jacksons Prozess 2005 auszusagen, als die Staatsanwälte ihn dazu aufgefordert hatten und er teilte ihnen mit, dass er jeglichen Versuch“, ihn zu einer Aussage gegen Jackson zu bringen, gerichtlich bekämpfen würde [8]. Jacksons Anwalt Thomas Mesereau sagte, dass er Zeugen hatte, die er einberufen hätte, wenn Jordan ausgesagt hätte. Diese Zeugen waren Leute, die Jordan persönlich kannten und laut Mesereau hatte Jordan ihnen unter vier Augen anvertraut, dass Jackson ihn niemals missbraucht hat [9].

Am 5. November 2009, vier Monate nach Michael Jacksons Tod, beging Evan Chandler Selbstmord. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief. Berichten zufolge starb er als einsamer Mann, geplagt von schwerwiegenden und schmerzhaften Krankheiten. Laut der Journalistin Diane Dimond (die Ray Chandler im Buch All That Glitters als Evan Chandlers „engste Verbündete“ in den Medien beschreibt [2; Seite 194], litt Evan auch an bipolarer Störung.

In seinem Testament verfügte Evan, dass alle seine Familienmitglieder erst lange nach seinem Begräbnis von seinem Tod unterrichtet werden. Er gab auch bekannt, dass er nicht möchte, dass irgendeinem seiner drei Kinder irgendetwas hinterlassen wird: Aus unter uns bestens bekannten Gründen treffe ich in diesem meinem letzten Willen und Testament gezielt keine Vorkehrungen für irgendeines meiner Kinder oder deren leiblicher Nachkommenschaft.“ [10]

Derzeit kommt Jordan gut mit seiner Mutter June aus und steht seinen jüngeren Halbgeschwistern und deren Mutter Nathalie wieder nahe.

Quellen:

[1] Mary A. Fischer: Wurde Michael Jackson etwas angehängt? (GQ, Oktober 1994)

[2] Raymond Chandler – All That Glitters: The Crime and the Cover-Up (Windsong Press LTD, September 2004)

[3] June Chandlers Aussage bei Michael Jacksons Prozess 2005 (11. April 2005) https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/court-transcripts.zip

[4] Raymond Chandlers Artikel auf seiner jetzt stillgelegten Webseite (Allthatglittersbook.com, Atgbook.com, Atgbook.net, Jänner-Februar 2005) http://web.archive.org/web/20050208010747/atgbook.net/GQFinal.html

[5] Geraldine Hughes – Redemption: The Truth Behind the Michael Jackson Child Molestation Allegations (Hughes Publishing, Jänner 2004)

[6] Aufgezeichnetes Telefonat zwischen Evan Chandler und David Schwartz (8. Juli 1993) https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/plugin-schwartz_chandler.pdf

[7] Gerichtsdokument über Evan Chandler, der seinen Sohn 2005 attackiert und beinahe umgebracht hat http://law.justia.com/cases/new-jersey/appellate-division-unpublished/2006/a0422-05-opn.html und https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/jordan-versus-evan-chandler-2006.pdf

[8] Jacksons 2009 veröffentlichte FBI Akten http://vault.fbi.gov/Michael%20Jackson/Michael%20Jackson%20305%20File%20Part%201%20of%201/view (Seite 4)

[9] Michael Jackson was Innocent – Tom Mesereau talks about how Jordan Chandler Lies http://www.youtube.com/watch?v=-eSC997_HH0

[10] Letzter Wille & Testament – Evan Robert Chandler

 

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Michael Jackson, Leonard Bernstein und die Rolle des Künstlers in einer chaotischen Welt

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https://dancingwiththeelephant.wordpress.com
Post vom 12. April 2017


Lisha:
Hey Willa! Es ist lange her, dass wir miteinander gesprochen haben.

Willa: Ja, so ist es, und seitdem ist schrecklich viel passiert.

Lisha: So wahr. Hier in den USA fühlt es wie Luxus an, an etwas anderes als die neusten Nachrichten des Tages zu denken – es geht hier so viel politisch Beunruhigendes vor sich. Aber vor kurzem entdeckte ich etwas, das mich wirklich ansprach und es interessierte mich, ob es für dich auch so wäre.

Es handelt sich um ein Zitat des Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein, veröffentlicht im Boston Globe am 5. Juli 1970. Es stammt aus den Anmerkungen, die er anlässlich des Tanglewood Musikfestivals gemacht hatte, und in denen er „die Rolle des Künstlers in einer chaotischen Welt“ anspricht:

Es sind die Künstler dieser Welt, die Fühlenden und Denker, die schließlich unsere Rettung sein werden, die wortgewandt sind, erziehen, die standhalten, auf etwas bestehen, singen und die großen Träume ausrufen. Nur die Künstler können das „noch-nicht“ in die Realität wenden.

Willa: Danke, Lisha! Ich liebe alles an diesem Zitat – ganz besonders diese kühne Anfangszeile „Es sind die Künstler dieser Welt, … die schließlich unsere Rettung sein werden“.

Wenn ich über all die Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt und über die steigende Intoleranz hier in den USA lese, und wenn ich darüber nachdenke, wie rasant sich der Klimawandel vollzieht, und über die kürzlichen politischen Veränderungen, die anzeigen, dass wir in den kommenden Jahren nicht nur zu langsam reagieren, sondern uns wahrscheinlich in die falsche Richtung zurückbewegen werden, dann frage ich mich, ob wir fähig sein werden, uns selbst und die anderen Bewohner auf diesem Planeten zu retten.

Lisha: Es sind gefährliche Zeiten, das ist sicher.

Willa: Es fühlt sich so an, nicht wahr? Als wären wir am Rande eines Abgrunds. Aber es gibt eine Chance, sie liegt bei den Künstlern.

Lisha: Ja! Künstler spielen solch eine wichtige Rolle dabei, uns aufzuzeigen, wo wir stehen und wohin wir gehen müssen. Sie sind die Spitze dessen, wozu wir mit unserer Vorstellungskraft und beim Kreieren und Werden imstande sind.

Willa: Genau! Sehr gut gesagt, Lisha. Bernstein sagte: “Nur die Künstler können das „noch-nicht“ in die Realität wenden.“ Ich glaube das wirklich. Bevor du „die Veränderung vornehmen“ kannst („Make that change“), um einen anderen visionären Künstler zu zitieren, musst du erst einmal fähig sein, diesen Wandel zu visualisieren. Und dann musst du die Leute dazu bringen, sich genug darum zu kümmern, damit sie etwas veranlassen.

Diese zwei Taten – sich einen neuen gesellschaftlichen Weg vorzustellen und die Leute dazu zu bringen, sich genug einzusetzen, um dies zu erreichen – sind wohl die zwei wichtigsten und schwierigsten Schritte, um soziale Veränderung voranzubringen. Und diese Talente liegen in einzigartiger Weise bei Künstlern: die Fähigkeit das „noch nicht“ zu visualisieren und die Leute dazu zu bringen, sich zu kümmern.

Lisha: Das ist es, wirklich. Und ich denke, wir können sowohl mit den Werken Leonard Bernsteins als auch Michael Jacksons zwei ganz konkrete Beispiele dafür aufzeigen.

Leonard Bernstein war einer der ersten, der einen sehr breit angelegten Blickwinkel auf amerikanische Musik hatte und verstehen wollte, was einen Sound „amerikanisch klingen“ lässt, so dass sich jeder Amerikaner mit ihm identifizieren kann. Mit dem Ergebnis, dass er unter den ersten war, die die Trennung von hoher Kunst und unterhaltender Kunst in der amerikanischen Musik hinterfragten und der die darin begraben liegenden rassenpolitischen Aspekte untersuchte. Dies war eine Haltung, von der er während seiner gesamten Karriere niemals abrückte.

Willa: Das ist sehr interessant, Lisha. Wir haben so einige Male darüber gesprochen, wie Michael Jackson – neben anderen Künstlern wie Andy Warhol, Fred Astaire, Salvador Dali, Jean Cocteau und in einem gewissen Ausmaß sogar Walt Disney – die Grenzen zwischen hoher und populärer Kunst verwischt hat. Und du hast Recht – Bernstein arbeitete ebenfalls an der Überbrückung dieser Trennung.

Lisha: Ja. Bernstein schien sich in der Welt der symphonischen Musik genauso wohl zu fühlen wie im Musicaltheater und –film, sogar in Nachtclubs, was das betrifft! Als Komponist und Dirigent stellte er die Grenze zwischen „ernster“ und „populärer“ Musik in Frage, weigerte sich, musikalische Stile zu trennen und nutzte Musik als eine Form gesellschaftlichen Engagements. Auch war er ein äußerst dynamischer Künstler. Es ist also keinesfalls überraschend für mich, dass er ein riesiger Fan von Michael Jackson war.

Der Autor Jonathan Cott, der das letzte bedeutende Interview mit Bernstein bei einem Abendessen in dessen Haus führte, beschrieb dessen Bewunderung für Michael Jackson folgendermaßen:

Vor allem war Bernstein, in jedem einzelnen Aspekt seines Lebens und Arbeitens, ein grenzenloser Enthusiast. Während meiner Unterhaltung bei dem Dinner mit ihm setzte er mich darüber in Kenntnis, dass das Wort „Enthusiasmus“ von dem griechischen Adjektiv ‚entheos‘ abstammt, was „Gott in sich tragen“ bedeutet, mit dem ihn begleitenden Sinn von ‚Leben ohne zu Altern‘, wie es die Götter auf dem Olymp taten.

Eine meiner liebsten Geschichten über Bernstein, die auf perfekte Art sein enthusiastisches Temperament veranschaulicht und reflektiert, erzählt von einem Ereignis, als der Dirigent den damals achtundzwanzigjährigen Michael Jackson – ein weiterer dem Alter trotzender musikalischer „Gott“, den Bernstein unbändig verehrte – zu einem Konzert, das er 1986 mit den New Yorker Philharmonikern in der Los Angeles Royce Hall gab, einlud. Jackson war sprachlos nach Bernsteins hyperkinetischer Performance, und er ging während der Unterbrechung hinter die Bühne, um seinem musikgewaltigen Kollegen seine Anerkennung auszusprechen. Der äußerst wertschätzende Bernstein schlang daraufhin beide Arme um Jackson, hob ihn hoch und küsste ihn auf die Lippen. Als dieser wieder auf festem Boden gelandet war, sah sich der Sänger nur noch imstande den Dirigenten zu fragen: „Benutzt du immer denselben Taktstock?“

Hier ist ein Foto, von dem ich glaube, dass es von diesem Treffen 1986 backstage in der Royce Hall stammt:

Willa: Das ist eine wundervolle Geschichte, Lisha! Ich mag die Vorstellung, wie Bernstein Michael Jackson schwungvoll für eine große Umarmung hochhebt. Es haut mich immer wieder um, wie andere talentierte und kreative Leute ihn als verwandte Seele erkennen, wie Baryshnikov, als er über seinen Tanz spricht.

Es ist lustig über Michael Jacksons Ehrfurcht vor anderen Stars nachzudenken, aber ich habe schon über einige solche Beispiele gelesen, bei denen er überwältigt war, jemanden zu treffen, den er bewundert, also glaube ich, es passierte manchmal wirklich.

Lisha: Ja, es erscheint lustig, denn Michael Jackson war ganz offensichtlich ein viel größerer Star. Und es ist höchst amüsant, dass er auf Bernsteins enthusiastische Begrüßung mit der Frage nach seinem Taktstock reagierte!

Willa: Ja, so ist es, und es erinnert mich an etwas, das David Michael Frank Joe Vogel erzählt hat. Frank arbeitete mit Michael Jackson im Frühjahr 2009 an einem Album mit klassischer Musik – dies hatte Priorität vor allem anderen, das Michael Jackson in den Monaten, vor seinem Tod machte, als er auch die Proben für This Is It begann.

Frank sprach später mit Joe Vogel darüber und er erwähnte Bernsteins Taktstöcke:

Ich hoffe, dass seine Familie eines Tages entscheiden wird, diese Musik als eine Hommage an ihn einzuspielen und der Welt die Tiefe seiner Kunst zu zeigen. … Ich erzählte Michael, ich würde einen von Leonard Bernsteins Taktstöcken benutzen, den ich auf einer Auktion ersteigert hatte, als wir die Aufnahmen machten. Ich wusste, das würde ihm einen großen Kick geben.

Lisha: Wow! Wie cool ist das denn?

Willa: Wäre es nicht wundervoll, wenn das verwirklicht würde? Ich würde zu gern ein Video von Frank sehen, wie er mit einem von Bernsteins Taktstöcken ein Orchester dirigiert, das Michaels Jacksons klassische Musik spielt.

Lisha: Oder noch besser, vielleicht hören wir es eines Tages live!

Willa: Das würde ein Erlebnis sein! Gemäß einem Post von David Pack, der ein Treffen zwischen Bernstein und Michael Jackson arrangierte, beruhte die Bewunderung auf Gegenseitigkeit. Pack schrieb, dass Bernstein 1986 ein paar Tage vor seinem Geburtstag in Los Angeles war, und Pack fragte ihn, wie er dies gern feiern würde: „Ohne mit der Wimper zu zucken, sagte Leonard: ‘Ich möchte Michael Jackson treffen.‘“ Leider ist der Post nicht mehr da, glaube ich, aber hier ist ein Repost auf Reflections on the Dance, der die Geschichte dieses Abends wiedergibt. (Anm. d. Übers.: Die Übersetzung ist dieser Diskussion am Schluss beigefügt.)

Lisha: Das ist solch eine bezaubernde Geschichte. Ich würde zu gern wissen, was Leonard Bernstein und Michael Jackson an dem Abend besprochen haben!

Willa: Das würde ich auch gern wissen.

Lisha: Ich vermute, diese Dinner Party fand am selben Abend statt, an dem Michael Jackson das Konzert der New Yorker Philharmoniker in Los Angeles besuchte, da mir aufgefallen ist, dass Michael Jackson auf all den Fotos dieselbe Kleidung trägt. Bernstein trägt einen Smoking in dem oberen Foto, aber eher zwanglose Kleidung beim Dinner. Dirigenten ziehen sich üblicherweise nach einem Konzert um und tragen ihren Smoking nicht außerhalb der Konzerthalle, es ist meiner Meinung nach also ziemlich wahrscheinlich, dass dieses Dinner direkt nach dem Konzert stattfand.

Willa: Oh, ich wette, du hast Recht, Lisha. Gute Detektivarbeit! Es ist plausibel, dass Michael Jackson und Quincy Jones beim Dinner mit Bernstein sind, nachdem sie ihn backstage getroffen haben.

Lisha: Ja, und es klingt so, als hätte Bernstein gehofft, dass sich aus diesem Treffen eine Zusammenarbeit ergeben würde. Gemäß Pack war es so, dass „Leonard Michael mit der klassischen Musik vertraut machen und möglicherweise zu einer Zusammenarbeit von klassischer und populärer Musik inspirieren wollte“. Ich frage mich, ob aufgefallen ist, dass keine Einführung Michael Jacksons in klassische Musik nötig war. Jermaine Jackson erzählt dies in seinem Buch You Are Not Alone:

Michael betrachtete Musik ebenso als “Wissenschaft” wie auch als ein Gefühl. Von dem Moment an, an dem wir in das Haus am Bowmont Drive (1972) einzogen, begann er Komposition zu studieren. Er wollte unbedingt den Aufbau eines Songs verstehen, auf dieselbe Art, auf die ein Wissenschaftler beabsichtigt, die DNA einer Person zu verstehen. Zusammen hörten wir in jeden Klassik-Sender hinein, den wir auf dem Radio finden konnten, hörten in die Struktur eines Musikstücks hinein und „sahen“, welche Farben, Stimmungen und Gefühle jedes Instrument hervorrief … er liebte so viele klassische Stücke, wie sie langsam mit den Streichern begannen, zu etwas Dramatischem oder Rasenden anschwollen und sich dann wieder beruhigten. Dieser Aufbau – die A-B-A-Form – war etwas, was wir ständig analysierten. Und diese Inspiration aus der Klassik findet sich wie ein roter Faden in so vielen seiner Musikstücke … (S. 129).

Gemäß Michael Jacksons eigenen Worten basiert das Album Thriller (das vier Jahre vor seinem Treffen mit Bernstein veröffentlicht worden war) auf Tchaikovskys Nussknacker Suite. Jetzt sag noch mal, dies sei ein Widerspruch!

Willa: Ja, Susan Fast sprach darüber vor ein paar Jahren in einem Post. Ich war wirklich überrascht darüber, aber nachdem Susan es erklärt hatte, ergab es großen Sinn.

Lisha: Ja, sie versteht es, komplizierte Dinge kristallklar erscheinen zu lassen!

Und es gibt einen weiteren interessanten Einfluss. Ich glaube, fast jeder, der etwas Zeit mit dem Short Film Beat It verbracht hat, kann in Michael Jacksons Werken sehr viel von Bernsteins West Side Story entdecken.


Willa: Ja, der Regisseur Bob Giraldi hat zwar verneint, dass es irgendeine Verbindung gäbe, aber ich habe herausgefunden, dass Michael Jacksons Regisseure oft ein ziemlich oberflächliches Verständnis seiner Filme zu haben scheinen. Und es scheint zweifelhaft, dass die West Side Story keine Inspiration für Beat It gewesen sein soll, ob Giraldi das nun bemerkt hat oder nicht – es gibt einfach zu viele Gemeinsamkeiten.

Lisha: Da stimme ich zu. Ich zweifle Giraldis Berichte darüber, wie es sich zutrug, nicht an, aber ich denke auch nicht, dass der Einfluss der West Side Story deswegen ausgeschlossen werden muss.

Willa: Ja, das ist eine gute Sichtweise, Lisha. Ich denke, du hast Recht.

Lisha: Michael Jackson kannte sich mit der Geschichte der populären Musik, des Theaters und Films gut aus. Richtig gut. Viele betrachten die West Side Story als den Inbegriff dieses Genre, so dass es kaum zu glauben wäre, dass es seiner Aufmerksamkeit entgangen sein sollte. Es gibt einfach zu viele Gemeinsamkeiten zwischen Beat It und West Side Story, um sie einfach als Zufall abzutun.

Willa: Sehe ich auch so. Die ersten Worte, die man zum Beispiel sich in Abständen wiederholend in der West Side Story hören kann, als die beiden Gangs aufeinandertreffen, lauten „Beat it!“ (unten bei 4:36 und 5:21 min). Auch auf dem Weg, den die beiden Gangs gemeinsam in der West Side Story gehen, wobei sie beim Gehen mit den Fingern schnippen – erkennen wir eindeutig immer wieder den Widerhall von Beat It. Und grundsätzlich ist die ganze Idee von einem Musical über die Überwindung von Bandengewalt im Kern beider Werke verankert. Es scheint für mich also ziemlich wahrscheinlich zu sein, dass Michael Jackson die West Side Story in einem gewissen Ausmaß im Sinn hatte, als er an Beat It arbeitete.

Lisha: Das sind brilliante Beobachtungen, Willa! Und überhaupt, jeder, der nicht deine Analyse von Beat It in M Poetica gelesen hat, verpasst etwas. Du zeigst so überzeugend auf, wie Künstler von vorausgegangen Werken beeinflusst werden, indem du die Punkte zwischen Beat It, West Side Story und Shakespeares Romeo und Julia verbindest. Michael Jackson aktualisiert vorherige Inbegriffe der Geschichten, indem er eine Welt vergegenwärtigt, in der starke Gruppenidentifikation nicht auf ethnischen oder familiären Verbindungen basiert, so wie es den Werken der Fall ist, die seinem vorausgegangen waren.

Das Eddie Van Halen Gitarrensolo, das mitten im Song aufploppt, illustriert diesen Punkt auf musikalische Weise, da es eindeutig als „weiß“ codiert ist, in einem Stück, das sonst in die Schublade „schwarze Musik“ gesteckt würde. Und ganz am Schluss von Beat It schwenkt die Kamera weg, um die vierte Wand zwischen Zuschauer und der Darstellung wegzuziehen. In der Annahme, dass es jeder sieht, wird deutlich, dass es sich hier um eine Vision der Welt handelt, wie sie sein könnte, als um eine naive Ausführung dessen, wie die Welt wirklich ist.

Willa: Das ist eine wichtige Beobachtung, Lisha – eine, die die Kritiker, die Beat It als naiv bezeichnen, eindeutig verpasst haben.

Lisha: Sich eine friedlichere, mehr farbenblinde Gesellschaft durch Musik auf der Bühne und der Leinwand zu vergegenwärtigen, fällt mir auch als ein typischer Zug á la Bernstein auf. Es erinnert sehr stark an Bernsteins erste Broadway Show On the Town, 1944 auf dem Höhepunkt des 2. Weltkriegs in Zusammenarbeit mit drei weiteren jüdischen Künstlern geschrieben: Jerome Robbins (dessen Choreografie in Michael Jacksons Werk auftaucht), Betty Comden und Adolph Green (dem Drehbuchautor für zwei sehr wichtige Einflüsse auf Michael Jackson: The Band Wagon und Singin‘ in The Rain).

Willa: Interessant! Es gibt tatsächlich mehr kreative Verbindungen zwischen Bernstein und Michael Jackson, als ich bisher bemerkt habe.

Lisha: Ja, und ich finde das sehr faszinierend. Besonders wenn du in Betracht ziehst, wie revolutionär die Show On the Town zu ihrer Zeit war. Es war das erste Broadway-Musical, das von einem Sinfoniker komponiert wurde, und es war die erste Show, die Schauspieler auf eine integrierte, farbenblinde Art castete. Afroamerikanische Schauspieler spielten eine Vielzahl von Rollen direkt neben ihren weißen Gegenparts, und erschienen als typische New Yorker, Matrosen und Fußgänger – das war etwas, was wirklich niemals vorher passiert war. Es gab einen gemischtrassigen Chor, der Tänze aufführte, bei denen man sich an den Händen hielt. Everett Lee dirigierte das Orchester, das machte ihn zum ersten afroamerikanischen musikalischen Direktor am Broadway.

Aber die vielleicht revolutionärste Besetzungsentscheidung war die für die weibliche Hauptrolle, die die japanisch-amerikanische Tänzerin Sono Osato als ultimative „All-American-Beauty“ Ivy Smith zeigte. Das war zu jener Zeit ein wahrlich radikaler Schritt, wenn man bedenkt, dass Osatos Vater einer der 120.000 internierten Japan-Amerikaner während des Krieges war.

Hier ist ein Bild von Sono Osato und John Battles in On the Town aus Carol J. Ojas Bernstein Meets Broadway: Collaborative Art in a Time of War:

Und hier ist ein Bild der Original Broadway-Besetzung von On the Town im Jahr 1944:

Willa: Wow, Danke für den Einblick in On the Town, Lisha! Es klingt wirklich nach einer Produktion á la Michael Jackson, nicht wahr? Ich meine, denk dran, wie er den ganz und gar weißen Nachtclub aus The Band Wagon in die multi-ethnischen Besucher von Smooth Criminal oder You Rock My World verwandelt hat.

Lisha: Ja, es ähnelt der kreativen Philosophie von Michael Jackson. Und ich bin so froh, dass du You Rock My World erwähnt hast, Willa, denn das ist eine weitere starke Verbindung zu Leonard Bernstein. Bernstein schrieb die Musik für den Film On the Waterfront (Die Faust im Nacken) mit Marlon Brando, auf den in You Rock My World durchgängig angespielt wird, inklusive eines Cameo-Auftritts von Brando persönlich.

Willa: Das stimmt! Ich hab das alles nicht im Zusammenhang gesehen, Lisha, aber das ist eine weitere wichtige Verbindung … und eine wirklich interessante. Danke, dass du den Zusammenhang aufgezeigt hast.

Und ich bin immer noch fasziniert von deiner Beschreibung von On the Town. Es klingt, als wäre dies ein früher Wegbereiter der Art grenzüberschreitender Sensibilität, die wir durchgängig in Michael Jacksons Werk sehen – und das zu einer Zeit, als gemischtrassige Beziehungen weit weniger akzeptiert waren. Eigentlich war es eher so, dass es 1944 in vielen Staaten Gesetze gegen die Rassenmischung gab.

Lisha: Ja und vergiss nicht, dass dies während des Zweiten Weltkriegs stattfand, als Amerika trotz offensichtlicher Unzulänglichkeiten hier zu Hause im Ausland für Menschenrechte und Freiheit kämpfte.

Willa: Das ist richtig, und als die Angst vor “Fremden” an seinem Höhepunkt war, besonders gegen Japan-Amerikaner. Was du vorhin sagtest, Lisha, hat mich wirklich getroffen, dass der Vater der Hauptdarstellerin einer der Tausende war, denen das Zuhause genommen wurde und die gezwungen waren, während des Krieges in Lagern zu leben.

Lisha: Ich musste es wirklich einen Moment sacken lassen, besonders im Hinblick auf unsere gegenwärtige Situation. 1944, als Japan-Amerikaner abtransportiert und in Internierungslager gebracht wurden, reagierte eine Gruppe junger jüdischer Künstler damit, ein neues Schönheitsidol aufzubauen: die Japan-Amerikanerin Sono Osato als das jugendlich-frische, typisch amerikanische Mädchen von nebenan.

Willa: Ja, es ist sehr kreativ, den Mächtigen auf diese Art die Wahrheit zu sagen.

Lisha: Das ist sicher. Wenn man sich aus der Perspektive von 2017 diese Fotos der Originalbesetzung von On the Town ansieht, würde man niemals darauf kommen, dass hier etwas ganz Radikales vor sich geht, bis einem jemand die Geschichte dieser Show erzählt. Es gibt da absolut nichts zu sehen, das für unsere Augen des 21. Jahrhunderts ungewöhnlich erscheint. Aber im Jahr 1944 war es ganz und gar nicht das, was das Publikum erwartete.

Ein Indiz dafür, wie wahrlich radikal die Show war, war die Tatsache, dass, als MGM fünf Jahre später eine Filmversion veröffentlichte, die rassenpolitischen Hinweise entfernt wurden waren, ich muss hinzufügen, auf sehr verstörende Weise. Und der Großteil von Bernsteins Musik war ebenfalls entfernt worden – alles außer drei Songs und dem Ballett. Die Produzenten waren der Meinung, es wäre zu symphonisch, also nahmen sie an, das Publikum würde es nicht mögen oder verstehen.

Willa: Wirklich? Obwohl Bernstein als einer der größten Komponisten und Dirigenten des 20. Jahrhunderts galt? Ich muss sagen, Geschichten wie diese bringen mich auf die Palme – es erinnert mich daran, was mit dem Panther Dance Segment von Black or White passiert ist. Man denkt normalerweise, dass, wenn ein Künstler vom Kaliber eines Bernstein oder Michael Jackson ein revolutionäres, neues Werk veröffentlicht, es ein gewisses Maß an Vertrauen in ihr Urteilsvermögen gibt, und man eher zögert, es zu schnell zu verurteilen. Aber das scheint nicht der Fall zu sein.

Lisha: Ja, es ist wirklich schwer zu ertragen. Ich empfehle, sich die MGM Version von On the Town einmal anzusehen, einfach um zu sehen, wie schrecklich die neue Musik ist und wie fürchterlich die rassendiskriminierenden Nachtclub-Szenen wirklich sind! Und warum? Es kostete sie viel Geld das Original durch schwache Qualität zu ersetzen!

Willa: Wow, Lisha, es birgt eine ziemliche Ironie in sich, wenn du es auf diese Art betrachtest …

Lisha: Aber vielleicht ist es das, was passiert, wenn Künstler ihrer Kultur zu viele Schritte voraus sind: Nicht jeder kapiert es. Michael Jackson schien sich dessen bewusst zu sein. Ich vermute, dass das der Grund dafür ist, dass er einlenkte und eine Entschuldigung für den Panther Dance veröffentlichte. Wenn du zu schnell zu weit vorpreschst, kommt die Botschaft nicht rüber.

Das ist eines der interessantesten Dinge an Bernstein und der Originalproduktion von On the Town. Er überhäuft dich nicht direkt mit zu offensichtlich politischen Statements – durch die Show kann man sich einfach vorstellen, wie die Welt sein könnte, was schon immer der Einflussbereich der Kunst war. Die Musikwissenschaftlerin Carol Oja schreibt in ihrem Aufsatz „Bernstein‘s Musicals: Reflections of Their Time“ Bernstein war …

… jemand, dessen Musik die Art politischer Orientierung hatte, die es wert war, dass man ihr folgt. Aber die politischen Botschaften in Bernsteins Aufführungen waren selten konflikthaft und belehrend … Vielmehr entwickelten sich die politischen Gedanken durch den allgemeinen Ethos der Aufführung …

Mir fällt auf, dass genau dies der Ansatz Michael Jacksons für viele seiner Songs und Kurzfilme ist.

Willa: Ja, wir könnten viele seiner Filme oder auch so etwas Subtiles wie „The Girl is Mine“ als Beispiele nennen. Es gibt nicht eine einzige Erwähnung von Rasse in dem Song, aber sobald du Paul McCartneys Stimme und Michael Jacksons Stimme erkennst – was 1983 so ziemlich jeder tat – dann weißt du, dass ein Schwarzer und ein Weißer darüber singen mit derselben Frau auszugehen und darüber debattieren, wen sie lieber mag. Das war 1983 ein radikales Szenario.

Lisha: Da hast du Recht. So peinlich wie es ist, dies zuzugeben, das war ein radikales Szenario 1983. Aber der Song behandelt das Thema auf solch eine wenig konfrontative Art, dass ich wetten möchte, nur wenige bemerkten die politischen Andeutungen überhaupt, als sie die Botschaft vergnügt aufnahmen und mitsangen.

Willa: Da magst du Recht haben, Lisha – besonders junge Zuhörer. Und ich denke, du sprichst einen wesentlichen Punkt in Bezug auf Kunst an, nämlich, dass sie nicht zu moralisierend oder konflikthaft sein sollte.

Ich habe in den vergangenen Monaten sehr oft über sozialen Wandel und wie er tatsächlich entsteht, nachgedacht. Wir wissen – und dafür gibt es umfangreiche Beweise -, dass das Überwinden von Rassismus und anderer Arten der Intoleranz sehr wichtig für Michael Jackson war und dass er jederzeit für eine gerechtere Gesellschaft eintrat. Aber gleichzeitig ließ er Leute mit rassistischer Haltung sich niemals dumm oder unaufgeklärt oder schlecht fühlen. Ich denke, es ist wirklich wichtig für uns, dass wir das im Kopf behalten, aus dem ganz pragmatischen Grund, weil es einfach nicht funktioniert. Man kann die Herzen oder Gedanken der Menschen nicht ändern, indem man ihnen erzählt, sie seien ignorant. Im Grunde glaube ich, dass es oft genau den gegenteiligen Effekt hat und die Leute in ihrer Haltung noch bestärkt.

Was dagegen wirklich zu wirken scheint, ist Kunst. Wie du über On the Town sagtest: „Es war … die erste Aufführung, in der die Rollen der Schauspieler auf integrierende, farbenblinde Art besetzt wurden“ – etwas, was Michael Jackson ebenso wiederholte Male tat und darüber viele Male sprach, indem er sagte, er stelle Talente ein, nicht Farben.

Lisha: Bei Michael Jackson gab es immer die Vorstellung von radikaler Inklusivität. Er sagte 1984 in einem Rolling Stone Interview:

Ich bin farbenblind, ich stelle keine Farben ein, ich stelle Kompetenz ein. … Rassismus ist nicht meine Devise. Ich erwarte ganz stark, dass sich eines Tages alle Farben als eine einzige Familie fühlen.

Willa: Ja, genau, und diese Weigerung an den sozialen Normen jener Zeit, besonders in rassenbezogener Hinsicht, festzuhalten, war sowohl für Bernstein als auch für Michael Jackson eine revolutionäre Haltung. Schließlich weigerten sich zahlreiche Radiostationen „The Girl is Mine“ zu spielen, weil in dem Song gemischtrassiges Dating impliziert wurde … ganz abgesehen von der Kühnheit eines Schwarzen, der einem Weißen (keinem Geringeren als einem Beatle!) sagt, sie würde ihn bevorzugen.

Aber so radikal dies 1983 auch gewesen sein mag, er erledigte dies mit einer gewissen Leichtigkeit. Ich denke, diese Art von Kunst, die ganz subtil die Grenzen dessen, was akzeptabel ist, hinterfragt, hat eine führende Rolle bei der Veränderung allgemeiner Vorstellungen über Rasse und gemischtrassige Beziehungen übernommen.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich die sozialen Konventionen geändert haben, sind die Reaktionen – oder Nicht-Reaktionen – des Publikums auf die neue Version von Disneys Beauty and the Beast (Die Schöne und das Biest), welches ganz subtil „eine Besetzung auf eine integrierende, farbenblinde Art“ hat, wie du vorhin über On the Town gesagt hast. Es gibt dort eine Vielzahl von Mitwirkenden, die durch eine böse Zauberei in Haushaltsgegenstände verwandelt wurden, und die sich danach sehnen, die Gesichter ihrer Lieben berühren zu dürfen, es aber nicht können, weil sie in diese leblosen Formen eingesperrt sind – wie zum Beispiel in ein Klavier, eine Kommode, einen Kronleuchter oder was auch immer. Am Ende wird der Bann gebrochen und jene Darsteller, die uns schon ans Herz gewachsen sind, werden in ihre menschliche Form zurückgeführt, unter ihnen zwei gemischtrassige Paare. Eigentlich sind in Beauty and the Beast die ersten zwei Fälle eines gemischtrassigen Kusses in einem Disney Film enthalten … und so gut wie nichts wurde darüber gesagt, weder positiv noch negativ.

Gemischtrassige Beziehungen sind so sehr zum Mainstream geworden, dass sie sogar in Disney Filmen vorkommen, und dass kaum Notiz von ihnen genommen wird. Ich glaube, auf vielfältige Art und Weise können wir diese Veränderung visionären Künstlern wie Bernstein und Michael Jackson zuschreiben.

Lisha: Ich stimme dir vollkommen zu, Willa. Es spielt durchaus eine Rolle, wenn ein Leonard Bernstein oder ein Jerome Robbins eine sich an den Händen haltende Tanzgruppe zusammenstellen, damit man sehen und spüren kann, um was es bei Rassengerechtigkeit geht. Es spielt eine Rolle, wenn Michael Jackson eine riesige Brücke auf der Bühne aufbauen lässt und er uns dabei hilft, uns den Klimawandel als ein Problem vorzustellen, an dessen Lösung sich jeder beteiligen sollte, ungeachtet der Zugehörigkeit, denn es handelt sich hier um eine Krise, die nicht von einer Nation oder irgendeiner Gruppe allein gelöst werden kann. Unsere einzige Hoffnung, das Desaster abzuwenden, liegt in unserem Willen als eine Einheit zusammenzuarbeiten. Und es ist ein Versagen der eigenen Vorstellungskraft, nicht voraussehen zu können, wie desaströs das Ergebnis sein könnte, wenn wir nicht sofort handeln.

Willa: Ja, gut gesagt, Lisha. Und Bernstein sagte dies in dem Statement, das du zu Beginn dieses Posts zitiert hast, es sind die Künstler, die uns auf diesem Weg anführen werden.

Lisha: Bevor wir aufhören, möchte ich den zweiten Teil jenes Zitats über die Verwandlung „des ‚noch nicht‘ in die Realität“ teilen:

Wie machst du das? Finde heraus, was du besonders gut kannst, einzigartig gut, und dann tu es mit aller Kraft. Und ich meine nicht „sein eigenes Ding machen“ im hippen Sinn, wie es gerade in ist. Das ist Passivität, das scheidet aus, das bringt gar nichts. Ich rede über das Tun in dem Sinn, deiner Gemeinschaft zu dienen, ob es nun eine kleine Stadt ist oder sechs Kontinente.

Willa: Das ist wirklich inspirierend, Lisha.

Lisha: Das denke ich auch, Willa. Man spürt, dass wir unsere Bernsteins und Michael Jacksons jetzt mehr denn je brauchen!

 

Michael Jackson, Jesus und ich
Meine Geschichte über christliche Verbundenheit mit dem King of Pop

Von links: Quincy Jones, Michael Jackson, Leonard Bernstein, Jamie Bernstein und David Pack

Von David Pack

Im August 1986 befand sich der berühmte Komponist Leonard Bernstein in Los Angeles, um in der UCLA Royce Hall ein klassisches Konzert zu dirigieren. Da ich wusste, dass sein Geburtstag in diese Woche fallen würde, fragte ich ihn, was er sich wünsche. Ohne eine Sekunde zu verlieren, sagte Leonard: „Ich möchte Michael Jackson treffen.“

Zu jener Zeit war Michael der größte Popstar des Universums. Er hatte gerade den überwältigenden weltweiten Erfolg von Thriller, eine ausverkaufte Welttournee und zahlreiche Grammy-Gewinne hinter sich gelassen, was ihn, wo auch immer er hinkam, in anspruchsvolle Höhen beatlesquer Tumulte katapultierte. Er wurde in der Musikindustrie als das größte, noch unverfälschte Talent seiner Generation gesehen, und die Kombination von Michael Jackson und Quincy Jones in einem Studio setzte einen Standard, der wohl nie wieder erreicht werden würde.

Leonard war seinerseits ein globaler Superstar und eine Persönlichkeit des Fernsehens auf ganz eigene Art – er wird in vielen Veröffentlichungen als der am meisten gefeierte Musiker, Dirigent und Komponist des 20. Jahrhunderts genannt. Und doch erstarrte Leonard in Ehrfurcht vor Michaels Talent, beschrieb ihn als „den am meisten durch und durch gehenden Popstar, den ich seit den Beatles gesehen habe“. Leonard wollte Michael mit klassischer Musik vertraut machen und ihn eventuell zu einer Zusammenarbeit mit klassischer und Popmusik zu inspirieren.

Ich war entschlossen Leonard seinen Geburtstagswunsch mit einem Treffen meiner beiden Freunde zu erfüllen. Also rief ich einen weiteren Freund an, Quincy Jones, ebenfalls ein Musiktitan und eine Legende, den ich Leonard im Jahr vorher bei einem anderen Dinner vorgestellt hatte.

Quincy betete Leonard Bernstein an, also sagte er, er würde Michael anrufen und fragen. Eine Stunde später rief er mich zurück, um mitzuteilen, dass Michael nicht kommen könne. Als ich Leonard erzählte, dass Michael nicht kommen würde, sagte er: „Was? Du musst ihm sagen, dass ich, Leonard Bernstein, ihm befehle, zu meinem Konzert zu kommen!“ Ich ging zurück zu meinem Telefongespräch mit Quincy. Zwei Stunden später rief Quincy an, um zu sagen, dass Michael kommen würde. „Aber er war noch nie bei einem klassischen Konzert, das wird also interessant werden!“

Bei dem Konzert liebte Michael es Leonard zu beobachten, der an einer Stelle während eines Instrumentalabschnitts drei Fuß hoch in die Luft sprang und mit einem lauten ‚Aufprall‘ wieder auf dem Boden landete. (Quincy, Michael und ich waren ziemlich sicher, dass Leonard hiermit versuchte vor Michael eine Schau abzuziehen.)

Später an diesem Abend, während des Dinners in meinem Haus, erlebte ich Michael als einen Mann mit der süßesten Seele, die ich je erlebt habe. Er dankte mir immer wieder dafür, ihm „befohlen“ zu haben zu dem Konzert zu kommen. Er bat mich ihm einige von meinen Hits mit Ambrosia in Erinnerung zu bringen, also sang ich den Refrain von „Biggest Part of Me“. Seine Augen begannen zu leuchten wie die eines kleinen Kindes, und er übernahm den Gesang und sang mir den gesamten Refrain vor.

An einer Stelle drapierte Leonard für eine Reihe Fotos seinen langen weißen Schal um seinen und Michaels Hals, stand dann auf und gab Michael spontan eine Lektion im Dirigieren. Später unterhielten sich diese zwei musikalischen Giganten über … Akne! Sie hatten beide Probleme damit und irgendwie war dieses peinliche, persönliche Thema ihre große Verbindung. Leonard erzählte dies immer wieder in den folgenden Jahren. Michael rief mich am nächsten Tag an und fragte nach Fotos von dem Abend, und er war aufgeregt, als er sie erhielt.

David Pack steht und stößt mit Michael Jackson, Leonard Bernstein, Quincy Jones und anderen an

An diesem besonderen Abend hatte ich das Gefühl mit ihm über meinen Glauben sprechen zu müssen und ihn wissen zu lassen, dass neben ihm ein weiterer christlicher Künstler sitzt. Als er mir also zuflüsterte „Wie kann ich dir jemals für diesen wunderbaren Abend danken?“ sagte ich: „Michael, nicht ich habe dies zusammengestellt, Gott hat es getan!“ Er sagte: „O ja, das glaube ich aus ganzem Herzen.“

Ich erzählte ihm, dass ich Christ sei und er sagte, das sei er auch. Wir sprachen über den ersten christlichen Song, den wir beide als Kind gehört hatten: „Jesus loves me, this I know, for the Bible tells me so. Little ones to him belong, they are weak but he is strong.” (Jesus liebt mich, das weiß ich, denn die Bibel sagt mir das. Die Kleinen gehören zu ihm, denn sie sind schwach, aber er ist stark.) Während um uns herum die Dinner Party geräuschvoll weiter ging, steckten wir still die Köpfe zusammen, sangen den Song und lächelten dabei wie Chorknaben. „Yes, Jesus loves me. Yes, Jesus loves me.“ Dann umarmten wir uns kurz.

Ich wusste in diesem Moment, dass dieses junge Genie mit der süßen Seele seinen ewigen Frieden im Himmel finden würde. Ich fand Michael gar nicht verrückt, derangiert oder sonst irgendetwas, das man über ihn hörte. Ich möchte sagen, dass ich spüre, dass all die Anklagen, die jemals gegen ihn erhoben wurden, falsch waren und dass er meinem Urteilsvermögen nach nicht die Fähigkeit hatte, mit Kindern jemals etwas anderes zu tun als sie aufrichtig zu lieben und sie wissen zu lassen, dass er alles tun würde, um für sie aufzustehen und ihnen zu helfen. Man muss sich nur sein großartiges Werk für sie ansehen, indem er „We are the World“ mitproduzierte und die 39 großzügig bedachten Wohltätigkeitseinrichtungen für Kinder. Das war Michael. Ich glaube, dass er sein Schicksal während seines Prozesses mit dem Leiden Christi in Zusammenhang brachte und um dessen Einschreiten betete, denn er war wegen etwas angeklagt, was ihm am meisten am Herzen lag – die Kinder. Dies verursachte wahrscheinlich größeren Schmerz als sonst irgendetwas in seinem Leben.

Ich weiß, Michael liebte Jesus von ganzem Herzen. Quincy hatte mir darüber erzählt, dass er seinen Glauben mit anderen teilte, oft indem er von Tür zu Tür ging, denn er war als gläubiger Zeuge Jehovahs aufgewachsen. Später in seinem Leben erzählte er den Leuten, er wäre nichtkonfessioneller Christ. Erst kürzlich machten Berichte die Runde, er wäre zum Islam konvertiert. Aber der Michael, den ich kannte, hatte ernsthaft erwogen, die Musik aufzugeben, um sein Leben mit christlichem Wirken zu verbringen.

Wenn es irgendetwas geben kann, das mir in diesem Moment des Verlustes Frieden bringt, dann ist es das Wissen, dass einer der größten Künstler unserer Zeit genau in diesem Moment mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht entlang der golden gepflasterten Himmelswege, wo Straßen keine Namen haben, moonwalked und ein Orchester bestehend aus Engeln ihn zuhause empfängt.

Michael, mein Freund, ruhe in himmlischem Frieden.

 

David Pack ist ein grammy-gekrönter Musiker, Produzent und musikalischer Direktor. Als Mitglied der Saddleback Church arbeitet er mit Rick Warren an speziellen Projekten, einschließlich dem PEACE Plan und den AIDS & Worship Conferences. Besucht seine Website: http://www.davidpack.com

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„Die Truman Show“ für Michael Jackson und sein Publikum

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Original: https://vindicatemj.wordpress.com/2011/01/16/the-truman-show-for-michael-jackson-will-they-notice-that-everyone-is-acting-their-part/comment-page-1/

Jemand hat uns gefragt, ob wir Zugriff auf exklusive oder nicht veröffentlichte FBI Akten haben. Ich habe geantwortet, dass wir das nicht haben. Die besondere Eigenschaft dieser Seite ist, dass wir keine exklusiven Quellen nutzen. All unsere Quellen sind für jeden völlig frei zugänglich, um angesehen und analysiert zu werden. Das einzige, was man dafür braucht ist der Drang, wirklich hinzusehen und sie zu erforschen.

Es ist ein absolutes Wunder, all diese Möglichkeiten zugänglich und frei verfügbar zu haben, um zu recherchieren. Eine eigene kleine Untersuchung unter solchen Umständen vorzunehmen, ist ein schierer Nervenkitzel. Wozu liest man erfundene Detektivgeschichten, wenn man die Chance hat, nicht nur darüber zu lesen, sondern sich tatsächlich an einer echten Ermittlung zu beteiligen, in der all die Mysterien um Michael Jackson enträtselt werden?

Zu Beginn griff ich jede neue Informationsquelle über Michael Jackson mit etwas Angst auf – was, wenn ich Fakten finde, die ihn belasten? Obwohl jeder Versuch, diese tiefen Gewässer zu betreten, erforderte, alle Kraft zusammenzunehmen, war der Drang, die Wahrheit zu erfahren, viel größer und die Erkenntnis, dass dies der einzige Weg war, die Wahrheit zu erfahren, siegte schließlich.

Je mehr ich mir ansah, desto überraschter war ich allerdings zu sehen, dass all diese schäbigen Storys bloß Sandburgen oder Spekulationen waren, die von nichts realem bestätigt wurden. Das Hauptziel war, Dich mit ein paar „knalligen“, entsetzlichen Tatsachen zu schockieren, die dazu gedacht waren, Dich zu verwirren und Dich daran zu hindern, überhaupt zu versuchen, weiterzusuchen – wenn man allerdings den anfänglichen Widerwillen überwunden und hingesehen hast, wurde man damit belohnt, eine weitere ihrer Lügen aufzudecken und die unschuldige Wahrheit zu erfahren.

Als sich die Zuversicht weiter aufgebaut hat, kam ein Moment, in dem man realisiert, dass sogar die schlimmste Lüge, die auf den ersten Blick völlig unschlagbar aussah, eines Tages widerlegt werden würde – man musste nur geduldig sein, weiter forschen und sich niemals erlauben, an Michaels Unschuld zu zweifeln. Man ist auf der Suche nach der Wahrheit unterschiedliche Wege gegangen, hat dies und jenes versucht, hat das Ergebnis vieler Stunden Arbeit verworfen, ist zurück gegangen und hat alles neu begonnen und obwohl der Vorgang wirklich ermüdend war, war der Kick, endlich die Wahrheit gefunden zu haben, mit nichts zu vergleichen, was man jemals zuvor erlebt hat.

Mit so vielen Fakten über Michael Jacksons Unschuld zur Hand ist man verblüfft, dass manche Leute immer noch die scheußlichen Geschichten über ihn von Michaels Hassern glauben. All die Fakten, die man untersucht hat, erwiesen sich als nichts als plumpe Lügen – Deine Gegner beharren dennoch auf ihrem Hass gegenüber Michael, sie setzen sich über jegliche menschliche Logik hinweg und ignorieren zahlreiche Fakten über seine Unschuld. Deren Beharren auf all jenen Absurditäten war so groß, so unlogisch und so unerklärlich, dass man sich alleine darüber zu wundern begonnen hat…

Zu diesem Zeitpunkt ist mir der Film „Die Truman Show“ von 1998 eingefallen, in dem eine inszenierte TV Realität 24 Stunden am Tag an Milliarden Menschen auf der ganzen Welt ausgestrahlt wurde. Die spektakuläre Show drehte sich um einen Mann, der nicht wusste, dass er seit seiner Geburt vor dreißig Jahren die Hauptrolle spielte und dass alles um ihn herum künstlich war – seine Freunde, Verwandten und Kollegen waren Schauspieler, die den Anweisungen des genialen Schöpfers der Show folgten. Der Hauptdarsteller dachte, er würde wirklich sein Leben leben, wohingegen die Akteure sein Leben in Wirklichkeit nur benutzten, um Produkte zu bewerben, die sie in der Show konsumieren oder tragen.

Selbst bevor ich mich an diesen Film erinnerte, hatte ich das seltsame Gefühl, dass Michaels Leben in eine Art Show verwandelt wurde, in eine öffentliche Lektion oder zumindest in ein Spiel, das von jemandem arrangiert wurde, dem langweilig war und der die Rolle eines großen Entertainers anstrebte.

Die Quintessenz des Michael Jackson Spiels ist, dass die Organisatoren eine aufregende Mobbingkampagne gegen einen Mann arrangiert haben, die das Publikum erfreuen soll, es soll eine aktive Rolle darin übernehmen, es soll durch das Spiel verwirrt werden, die Lügen schlucken, die wiederholt von der Besetzung erzählt werden und es soll versuchen, das Rätsel der Story zu lösen. Es richtig zu verstehen wurde absichtlich schwer gemacht – der Großteil aller Argumente war auf deren Seite und er hatte nur seine einzelne Stimme, um für sich selbst auszusagen, aber trotz all ihrer Anstrengungen ließ Dich irgendetwas immer noch denken, dass sie Dir nicht die volle Wahrheit sagen.

Der Zweifel war da, weil kleine Teile der Wahrheit im Licht geblieben sind und jeder konnte sie sehen, wenn er das wollte. Das war der größte Trick des Spiels – nur Lügen über den Mann zu erzählen, lag nicht im besten Interesse der Produzenten, da es der Show die ganze Spannung entziehen würde – für jene Zuseher, die es wirklich wissen wollten, wurden also gelegentlich ein paar Hinweise hinterlassen und echte Fakten wurden über dem Gesamtbild verstreut. Das ganze Konzept des Spiels lag in der Frage, ob das Publikum aufmerksam sein und es letztendlich bemerken würde. Die Organisatoren schlossen womöglich Wetten untereinander ab – „Werden sie es bemerken? Ich wette, sie sind zu faul dafür…“

Der gottgleiche Christof überwacht Trumans Leben aus dem Mondstudio

Ja, Michael Jacksons Geschichte erinnert mich definitiv an „Die Truman Show“, wo der große Schöpfer, der die Show von keinem geringeren Ort als dem Mond überwacht, zu den Zusehern sinngemäß sagt „wenn er die Wahrheit erfahren möchte, wird er einen Weg finden“.

Nur war Jim Carreys Charakter in dem Film fiktional und er lebte ein ruhiges, stabiles und gemütliches Leben, bis er schließlich entkommen ist, doch Michael Jackson war ein echter Mensch, der den fürchterlichen Schmerz des grausamen Spiels, das mit ihm gespielt wurde, wirklich fühlen konnte.

Die Michael Jackson Reality-Show war qualvoll, skrupellos und tödlich für den Helden und ein großer, menschenunwürdiger Nervenkitzel für die Zuschauer. Und während dieses Spiels wussten weder der Hauptdarsteller noch die Zuseher, dass sie Teil davon waren, besonders da es niemals irgendjemand für nötig gehalten hat, ihnen die Regeln zu erklären.

Und die Regeln waren höchstwahrscheinlich sehr einfach – man musste nur aufmerksam sein und alles, was einem präsentiert wurde, mit Vorsicht genießen. Die Produzenten der Show erwarteten offenbar sogar solche Interaktionen mit ihrem Publikum, da sie sonst nicht all die Hinweise, Spuren und echten Dokumente frei herumliegen gelassen hätten. Mit solch einem sagenhaften Arrangement der Show ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie sich als schlampig herausstellen und so viele echte Fakten sichtbar für das Publikum zurücklassen würden.

Was für eine Schande, dass wir diesen Fakten vorher keine Aufmerksamkeit geschenkt haben und niemals Einspruch erhoben haben – der Mann könnte noch am Leben sein, wenn wir das getan hätten…

Jetzt, da Michael Jackson die Bühne verlassen hat, geht die Show mit den verbliebenen Akteuren immer noch weiter. Besteht die Chance, dass wir je feststellen werden, dass all das einfach nicht real war – und die Medien und die anderen Hauptakteure nur ihren Job machen?

Truman wurde sogar im Badezimmer von der Öffentlichkeit beobachtet

So, wie der Film beschrieben wird, könnte Michael Jackson ein Prototyp für den Film, dessen ursprüngliche Idee 1991 entstand, gewesen sein.

„Andrew Niccol vollendete im Mai 1991 ein einseitiges Filmkonzept unter dem Namen „The Malcolm Show“. Der Originalentwurf hatte eher die Note eines Science Fiction Thrillers, dessen Story in New York City platziert wurde. Niccol sagte „Ich denke, jeder stellt die Authentizität seines Lebens zu bestimmten Zeitpunkten in Frage. Das ist, wie wenn Kinder fragen, ob sie adoptiert wurden“…

Er ist der Star der Show – aber das weiß er nicht. Jim Carrey hinterließ sowohl bei den Kritikern, als auch beim Publikum einen tiefen Eindruck als ahnungsloser Truman Burbank in diesem Wunderwerk eines Films vom Regisseur Peter Weir über einen Mann, dessen Leben eine pausenlose TV Show ist. Truman erkennt nicht, dass seine idyllische Heimatstadt ein gigantisches Studio ist, das von einem visionären Produzent/Regisseur/Schöpfer (Ed Harris) betrieben wird, dass die Leute, die dort leben und arbeiten, Hollywood Schauspieler sind, dass sogar seine ständig quirlige Frau eine Vertragsschauspielerin ist. Allmählich versteht Truman. Und was er aus seiner Entdeckung macht, wird sie zum Lachen, Weinen und Jubeln bringen, wie es nur wenige Filmstorys jemals getan haben.

Trumans Frau bewirbt Produkte, als die Einschaltquoten steigen

Seine heile Heimatstadt Seahaven ist in Wirklichkeit ein gewaltiges Filmstudio, das mit 5000 versteckten Kameras ausgestattet ist. Seine Freunde, Nachbarn, sogar seine toxisch gutgelaunte Frau (Laura Linney) sind alle Schauspieler, genauso authentisch wie Naugahyde [eine amerikanische Kunstledermarke; Anm.d.Übers.]. Aber Truman muss das erst herausfinden, weil das die einzige Welt ist, die er je gesehen hat. Er ist im Fernsehen aufgewachsen.

In gewisser Hinsicht könnte das auch über den Rest von uns gesagt werden, was exakt der Punkt dieser ermahnenden Fabel ist, bei der Peter Weir hervorragend Regie geführt hat und die von Andrew Niccol geschrieben wurde.“

Über die Handlung der „Truman Show“

Der Film steigt am Tag 10.909 von Trumans Leben ein. Er beginnt im Stil einer Fernsehsendung, mit Vorspann und Interviews mit drei Hauptcharakteren; Christof (der Schöpfer des Programms), Merly (Truman Burbanks Frau) und Marlon (Trumans bestem Freund). Im Verlauf des Films werden Aufnahmen von Truman mit Szenen von Leuten aus der realen Welt gespickt, die den Truman Channel anschauen.

Seine Freunde und Familie fokussieren sich auf ihre Bemühungen, seine wachsende Unruhe und seine Fragen über sein Leben zu kontrollieren. Truman beginnt, Ereignisse zusammenzufügen, die ihm in zunehmendem Maße erkennen lassen, dass es irgendeine Art Komplott gibt, das sein ganzes Leben umfasst, obwohl er nicht in Worten ausdrücken kann, was es genau ist. Er beginnt zu vermuten, dass „alle daran beteiligt sind“.

Er entdeckt, dass seine Frau auf einem Hochzeitsfoto die Finger kreuzt und bemerkt, dass sie ständig mit tollen neuen Gegenständen auftaucht. Nach einem Streit und einem Gerangel verkündet sie schluchzend, dass sie „unter diesen Umständen nicht arbeiten kann, das ist nicht professionell!“ und verläßt ihn (und die Show).

Sein bester Freund Marlon

Sein Freund Marlon, der von dem Produzenten durch ein Headset gecoacht wird, beharrt auf seiner Loyalität und Ehrlichkeit, indem er behauptet, „Du bist wie ein Bruder für mich“ und, ironischerweise, „das letzte, das ich jemals tun würde, ist Dich zu belügen“. Dann bringt er Trumans „Vater“ in einer bewegenden Wiedereinführungsszene zurück.

Ein Fernsehinterview mit Christof, dem Produzent der Show, offenbart, dass Truman bei der Geburt von der Fernsehgesellschaft adoptiert wurde und auf einer konstruierten Bühne aufgezogen wurde, die als die vollständige Stadt erbaut wurde, in der er lebt. Er verrät, dass jeder, dem Truman begegnet – Freunde, Familie, Bekannnte und umstehende Personen – in Wahrheit Schauspieler sind, die von den Produzenten der Truman Show angestellt wurden. Christof bestätigt, dass er Trumans gesamtes Leben inszeniert hat.

Obwohl ihn seine Frau verläßt, hat er immer noch vor, ihn mit einer neuen Liebe zum Vater eines Babys zu machen; „die erste Empfängnis auf Sendung“. Auf diese Weise kann das Programm auf einen zweiten Kanal expandieren. Widerlicherweise würde das einen weiteren Gefangenen in Christofs Welt erschaffen.

Er sagt, dass der Grund, warum Truman die Wahrheit nie herausgefunden hat, einfach ist: „Wir akzeptieren die Welt, die uns präsentiert wird.“

Er erklärt auf arrogante Art, dass Truman die Wahrheit einfach nicht herausfinden will; dass er seine „Gefängniszelle“ bevorzugt und sie niemals verlassen wird. Wie um das zu beweisen, wird wieder zum Programm zurückgeschalten und Truman scheint zur Normalität zurückgefunden zu haben.

Doch während Truman vorgibt zu schlafen, schleicht er sich von seinem Zuhause weg und geht trotz seiner Angst vor dem offenen Meer segeln, um Seahaven zu entkommen. Alle Darsteller werden für eine Notfallsuche zusammengerufen, um Truman zu finden und um die Suche zu erleichtern, befielt Christof, die Sonne drei Stunden früher aufgehen zu lassen, um das Set zu beleuchten. Sie entdecken Truman, der in einem Boot entkommt.

„Du kannst ihn nicht live im Fernsehen umbringen“

Christof erzeugt einen riesigen Sturm, um ihn zur Umkehr zu zwingen. Manche seiner Mitarbeiter protestieren, dass sie Truman nicht live im Fernsehen umbringen können, aber Christof, der überzeugt ist, die volle Kontrolle über Truman zu haben, sagt „er wurde live im Fernsehen geboren.“

Truman überlebt den Sturm allerdings und segelt weiter, bis er gegen eine Wand fährt, die wie der Himmel bemahlt ist, die Grenze des Showsets. Truman folgt der Wand, bis er eine Tür mit der Aufschrift „Ausgang“ entdeckt. Er öffnet die Tür, doch bevor er geht, spricht Christof mit ihm über einen Lautsprecher in einem letzten Versuch, ihn zum Bleiben zu bringen. Er zeigt ein gottähnliches Mitgefühl für Truman und sagt ihm, dass er ihn sein ganzes Leben beobachtet hat, „Es gibt da draußen nicht mehr Wahrheit als in der Welt, die ich für Dich erschaffen habe“, sagt Christof.

Nachdem Christof geendet hat, sagt Truman seine berühmten Worte „Und falls wir uns nicht mehr sehen sollten… guten Tag, guten Abend und gute Nacht!“, verbeugt sich und geht durch die Tür.

Am 29. April 2011 aktualisiert

Zu meiner totalen Verblüffung war meine Vermutung, dass der Film „Die Truman Show“ auf Michael Jacksons Leben basiert, absolut korrekt!

Ich habe ein paar Artikel gefunden, die den Regisseur des Films mit der Aussage zitieren, dass Michael Jackson ein Prototyp für Truman war. Beide wurden von der Unterhaltungsindustrie wie Objekte behandelt – aber das ist nicht die einzige Verbindung…

Ich habe diese Entdeckung gemacht, als ich spanische Posts auf mjhideout.com gelesen habe. Hier ist ein von Google aus dem Spanischen übersetzter Artikel und obwohl die Übersetzung miserabel ist, hoffe ich, dass die Quintessenz immer noch klar ist:

Ein Interview mit dem Hollywood Regisseur Peter Weir offenbarte, dass der Film „Die Truman Show“ von 1998 mit Jim Carrey in der Hauptrolle auf dem Leben des King of Pop basiert.

„Mit „Der Truman Show“ und „Simone“ wollte ich dem Publikum eine Nachricht hinterlassen. Wenn man sich „Die Truman Show“ ansieht – und ich möchte sagen, dass Jim Carrey einen fantastischen Job gemacht hat – Michael Jackson ist Truman. Er ist der Mensch, auf den ich mich bezogen habe und der Truman am nächsten kommt. Er verkörpert den Hohn der Promi-Kultur. Es braucht keine Schattenseiten, das ist eine Beleidigung dieser Person.

Die Verbindung zwischen Michael und Truman ist einfach – beide haben ein Herz und wurden von den Leuten in der Unterhaltungsindustrie wie Objekte behandelt. Und das ist nicht die einzige Verbindung.“

„Lassen Sie es mich erklären. Es gibt eine Szene in „Simone“, in der es mehr Schlagzeilen über die Oscar-Nominierungen gibt als über den Krieg in Nahost und einen Bombenanschlag auf eine Schule. Das wird in der heutigen Gesellschaft als völlig akzeptabel betrachtet. Bewerten wir die meisten Leute in der Welt des Entertainments wirklich höher als das Leben anderer Menschen? Ich finde das absurd und deshalb habe ich entschieden, mich mit diesem Thema zu befassen.“

http://mjhideout.com/forum/showthread.php?t=14802

Die Medien haben gezeigt, wie man hervorragend live im Fernsehen tötet.

Das gleiche Interview wird von popdirt.com erwähnt:

Peter Weir enthüllt in einem Interview, dass der Film „Die Truman Show“ von 1998 auf Michael Jackson basiert.

„Man sieht sich „Die Truman Show“ an – und ich möchte sagen, dass Jim Carrey einen fantastischen Job gemacht hat – Michael Jackson ist Truman. Er ist es, auf den ich mich bezogen habe und der Truman am nächsten kommt.“

Weir sagt auch, dass der Film „Simone“ auf Michael basiert. „Und Michael Jackson, er ist auch der echte Victor in „Simone“. Er hatte ein Talent und alles, was er wollte, war, es zu teilen und den Leuten Freude und Eskapismus durch Unterhaltung zu bringen. Und die Leute drehen es herum, ihnen geht es mehr um die Einzelperson als um das Werk. Es sind die Filme, die Musik – darum geht es… Die Leute verlieren das aus den Augen und bei den Medien geht es nur um Prominente.“ http://popdirt.com/the-truman-show-based-on-michael-jackson/9310/

Truman hat es geschafft, der Show zu entkommen. Michael lebte bis zu seinem letzten Tag darin

Ich habe auch herausgefunden, dass das ursprüngliche Drehbuch in einer Tragödie geendet hat, für den gegenwärtigen Film wurde es allerdings in ein Happy End umgeschrieben.

Wenn man bedenkt, dass der verleumdete, schikanierte und zu Tode geprügelte Michael Jackson mit nur 50 Jahren verstorben ist, stellt sich heraus, dass die ursprüngliche Variante des Drehbuchs viel näher an der Realität war.

Etwas anderes, das ich herausgefunden habe, ist, dass der Produzent der „Truman Show“ Richard Luke Rothschild, oder einer der Familie, ist. Könnte er uns einen Hinweis gegeben haben, welche Spiele die Mächtigen spielen und wie sie sich in einem großen und wahrlich kosmischen Maßstab amysieren?

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Und das sagt die Öffentlichkeit über den Film (sie wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Michael Jackson der Prototyp ist):

„Ein Satz, der in dem Film meine Aufmerksamkeit erregt hat, war Meryls Bemerkung, dass Truman eigentlich wieder ein Teenager werden möchte. Ironischerweise scheint Truman diese geistige Reife in seinem Leben trotz seines körperlichen Wachstums nicht erreicht zu haben. Im Grunde ist er ein Mann-Kind. Auf gewisse Weise kann ich seine Sehnsucht, seiner begrenzten Umgebung zu entkommen und wahre Freiheit zu suchen, nachvollziehen. Ich habe diese Sehnsüchte verspürt, als ich ein Teenager war.“

Jeder Aspekt von Trumans Welt ist eine durchorganisierte Fälschung, von den gezielt platzierten Produkten bis zu seiner Familie und seinen Freunden. Doch die wichtigste Person in Trumans Leben ist jemand, dem er nie begegnet ist. Christof, der Schöpfer der Truman Show, kontrolliert die Leute, Ereignisse und sogar das Wetter in Trumans Welt. Christof ist wohl der Charakter, der das stärkste Gefühl der Unheimlichkeit in dem Film hervorruft, hauptsächlich wegen der großen Macht, die er hat.

Christofs Rolle könnte in diesem Film gewissermaßen als die Rolle Gottes betrachtet werden. In diesem Sinne wird Christof für seine Rolle in dieser Welt sowohl geliebt, als auch gefürchtet. Alle befolgen jeden seiner Wünsche und folgen dem Plan, den er für sie gestaltet hat. Er entscheidet sogar, was die Leute zu Truman sagen. Die Darsteller sehen ihn natürlich nicht als einen Gott, aber es ist eine interessante Parallele. Am Ende des Films, dem ersten Mal, dass Truman mit seinem „Schöpfer“ spricht, erinnert die Unterhaltung an eine Begegnung aus der Bibel, wo Gott aus dem Himmel spricht. Man kann sich nur vorstellen, was Truman in solch einer Situation fühlt, da er gerade erst das Ende der Welt erreicht hat und jetzt von einer unsichtbaren mächtigen Stimme von oben angesprochen wird.

Die Figuren außerhalb Trumans Welt haben Auswirkungen auf mehreren Bedeutungsebenen, um ihre Existenz zugleich behaglich und unbehaglich zu machen. Es sind Leute, die Fans der Truman Show sind; sie beobachten Truman und die Darsteller in seinem Leben. Gleichzeitig nehmen wir sie als Darsteller wahr, die Leute spielen, die Darsteller betrachten, die Leute in einer Fernsehshow spielen. Darüber hinaus nehmen wir sie als Charaktere wahr, denen wir zusehen: wir sind Leute, die Darstellern zusehen, die Leute spielen, die anderen Darstellern zusehen, die Leute in Trumans Welt spielen, in der sie die Handlung für ihn aufrechterhalten.

Es ist dieses sich ausweitende Verständnis, das uns unbehaglich fühlen lässt, als es uns in die Matrix der Beobachtung hineinzieht. Als wir unser Bewusstsein darüber, wer wen beobachtet und wer für wen spielt, erweitern, wird uns die Anspielung des Films auf unsere Beziehung zu dem Inhalt und den Leuten, die wir im Fernsehen, Film und am Computer beobachten, bewusst. Gleichzeitig sind die Charaktere, die wir die Truman Show anschauen sehen, höchst liebenswert, weil man sich leicht mit ihnen identifizieren kann, da sie die Jedermanns dieser Welt repräsentieren, eine Gruppe, der wir angehören.

Unsere Empathie für sie ist an die Fähigkeit dieser außerhalb befindlichen Charaktere gekoppelt, für uns die aufrichtige Authenzität in dem Film, der selbst so auf der Veränderlichkeit der Realität fokusiert ist, zu repräsentieren. „Wir akzeptieren die Realität, die uns gegeben wird“ sagt Christof, als er erklärt, warum Truman seine konstruierte Realität nicht früher angezweifelt hat.

1998 war „Reality TV“ noch keine Realität. Fernsehen wurde noch von den guten alten Sitcoms wie Boy Meets World, Dawson’s Creek und Friends beherrscht. Nach 2007 haben wir Survivor, The Bachelor, Big Brother, American Idol, The Apprentice usw. miterlebt. In den echten Emotionen, Geheimnissen, Unsicherheiten und Leben gewöhnlicher Leute zu schnüffeln wurde eine beunruhigende und zugleich akzeptable Realität. Was diese Shows allerdings gemein haben, ist die Bereitwilligkeit der „Nullen“, „Reality TV“ bewusst und wissend zu gestatten, ihr Leben an Millionen auszustrahlen.

Mit welchem Recht nehmen sich die Medien ein Baby und verwandeln sein Leben in eine Farce?

Was bei der Truman Show anders ist, ist, dass der in die Show geborene Star keine Ahnung hat, dass er ein fiktionales Leben lebt, das rund um die Uhr von millionen Fremden beobachtet wird, und der frappierendste Fakt ist, dass die Welt erlaubt hat, den Medien ein Baby zu überlassen. Truman, „das erste legal von einer Fernsehshow adoptierte Kind“, manipuliert und inhaftiert ein unschuldiges Leben für die Unterhaltung anderer. Mit welchem Recht nehmen sich die Medien ein Baby und verwandeln sein Leben in eine Farce?

Die niederträchtige Umkehrung tritt ein, als der Sendervorstand warnt „Um Gottes Willen, Chris! Die ganze Welt sieht zu. Wir können ihn nicht vor einem Livepublikum sterben lassen!“ Worauf Christof antwortet „Er wurde vor einem Livepublikum geboren.“ Diese plötzliche Verwandlung des Schöpfers in den Zerstörer zeigt die verstörend vollständige Kontrolle, die die Medien über Trumans Leben haben. Seine ungewollte und nichts ahnende Geburt in eine Fernsehshow hinein war einfach nur eine Frage des zur ersten Folge passenden Geburtstermins.

„Die Nähe des Films zur heutigen Realität erzeugt die gleiche Beunruhigung, die durch Uncanny Valley [„Unheimliches Tal“ – bezeichnet einen empirisch messbaren, paradox erscheinenden Effekt in der Akzeptanz von dargebotenen künstlichen Figuren auf die Zuschauer, Anm.d.Übers.] hervorgerufen wird. Unsere Gesellschaft hat bereits verdrehte Leute aus Kinderberühmtheiten geschaffen, die im Entertainmentbusiness groß geworden sind (Michael Jackson zum Beispiel), aber niemals in dem Ausmaß, unwissentlich und literarisch für die Medien geboren worden zu sein… aber vielleicht ist das nur eine Frage der Zeit.“

Nein, es ist keine Frage der Zeit. Die größte Realityshow der Welt hat bereits stattgefunden und wurde fast 50 Jahre von Michael Jacksons Leben ausgestrahlt.

Außerdem geht sie immer noch weiter.

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Aus dem Kommentarbereich des Originalposts: Michaels Leben – eine Truman Show (untermalt mit Musik aus dem Film “Edward mit den Scherenhänden” – Michael war Tim Burtons erste Wahl für die Besetzung)

 

Das Rezept des Genies: Michael Jackson und Steve Jobs

ORIGINAL: The Formula of Genius: Michael Jackson and Steve Jobs

“Michael und Steve Jobs waren sich sehr darin ähnlich, wie sie jedes ihrer Produkte – sei es ein Album, ein Video oder eine Single – zu einem Event machten. Der Hype und die Vorfreude hatten viele Formen. Diese Spannung war Teil der Marke, denn man wußte, was auch immer veröffentlicht wird, wird hochmodern, einzigartig und von höchster Qualität sein. (..)

Ich denke, das wichtigste, das ein Unternehmer oder Geschäftsmann von Michael Jackson lernen kann ist, dass es Visionen und Arbeit erfordert, um etwas wirklich Großartiges zu erschaffen. Michael begann jedes neue Projekt mit grenzenloser Leidenschaft, und diese Energie wirkte ansteckend auf seine Mitarbeiter. Aber was diejenigen, die mit ihm zusammenarbeiteten wirklich beeindruckte, ist, dass er seine Ideen auch verwirklichen konnte. Er hatte große Träume und arbeitete unermüdlich daran, diese Träume lebendig werden zu lassen.”

Joseph Vogel, in einem interview mit Business Daily

michael jackson steve jobs

Vor ein paar Jahren, kurz nach Steve Jobs Tod, las ich seine von Walter Isaacson geschriebene Biografie (das Buch verkaufte sich zu der Zeit wie warme Semmeln). Ich war zu dieser Zeit generell von allem fasziniert, was mit Michael Jackson zu tun hatte, und sah die ganze Welt durch den Filter seines Schicksals und seiner Person. Als ich die Biografie Jobs las, konnte ich nicht umhin, Parallelen zwischen diesen beiden herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu ziehen. Zudem interessierte mich von je her das Wesen eines Genies und ich nutzte diese Gelegenheit, diese beiden Personen zu vergleichen, und sozusagen eine Art „Rezeptur des Genies“ herauszuarbeiten.

Natürlich waren Michael Jackson und Steve Jobs sehr unterschiedliche Charaktere, mit unterschiedlichen Eigenarten und Interessen. Sie waren jedoch beide bemerkenswerte Menschen, die in ihrem Leben Aussergewöhnliches erreichten. Dieser Erfolg fiel ihnen jedoch nicht einfach so in den Schoß. Blickt man auf ihr Leben zurück, erkennt man deutlich, dass sie neben ihren naturgegebenen Talenten, eine Reihe ähnlicher Eigenschaften besassen, die ihnen dabei halfen, diese Ergebnisse zu erreichen. Hier die auffälligsten Komponenten ihres Erfolgs:

1. Arbeite nicht für Geld, sondern um die Welt zu verändern

Obwohl sowohl Michael als aus Steve schon in ihrer Jugend unglaublich reich wurden, sahen sie nie den Sinn ihres Lebens im Reichtum und persönlichem Wohlstand. Steve Jobs hatte ein wettbewerbsfähiges Interesse daran, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, aber sein Ziel war nie der persönliche Profit. Nachdem er Apple in den 80ern verlassen hatte, verkaufte er all seine Anteile, und als er sich später entschloss, zurückzukehren, lehnte er es ab, Geschäftsführer zu werden und arbeitete stattdessen ein paar Jahre lang als Berater für ein symbolisches Jahresgehalt von 1$. Er baute sich keine Paläste, machte keine ausufernden Urlaube in teuren Resorts – für all das hatte er keine Zeit. Er führte keine Zielgruppenuntersuchungen oder Marktforschungen durch, denn auf die finanzielle Berechtigung von Ideen legte er keinen Wert. Er glaubte, wenn man ein gutes Produkt herstellt, werden die Menschen es auch kaufen. Michael spendete seine Gewinne ganzer Welttourneen für wohltätige Zwecke – von Tourneen die körperlich auszehrend für ihn waren. Aber seine Konzerte waren immer fantastisch, denn der Masstab für die Qualität war nicht Geld, sondern die Zufriedenheit des Publikums. Das erklärt auch ihre Bescheidenheit in ihrem Privatleben. Obwohl sie Bequemlichkeiten nutzten, machten sie keinen Kult daraus. Jobs lebte in einem fast unmöblierten Haus und liebte es, barfuß zu gehen. Michael schlief oft auf einer Matratze am Boden oder in einem Schlafsack.

Das scheint das Grundprinzip zu sein, um großartiges zu erschaffen – Brillanz wird nicht aus dem Gedanken heraus geboren, möglichst großen Profit zu machen. Um die Welt zu verändern, musst du eine romantische Idee haben, und du musst wissen das Verlangen danach in anderen Menschen zu inspirieren. Um die Welt zu verändern, musst du über die wunderbare Zukunft der Menschheit nachdenken. Ein Genie des 20. Jahrhunderts muss im Sinn der ganzen Welt denken, und mit ganzem Herzen daran glauben, dass er/sie sie verändern kann. Weder Michael noch Steve haben jemals daran gezweifelt. Es gibt keine Grenzen für das, was du tun kannst, behauptete Jackson. Du musst nur an dich selbst glauben. „Ich möchte nicht einfach nur eine Dose am Fliessband sein,“ sagte er. „Der Schwerpunkt meines Lebens liegt darin, etwas zu verändern, unbekanntes, unerforschtes Gelände zu betreten und dort Spuren zu hinterlassen.“ Jobs lockte Talente mit einer einfachen Frage: „Möchtest du für den Rest deines Lebens Zuckerwasser verkaufen? Oder willst du mit mir kommen, und die Welt verändern?“

2. Charisma und die Fähigkeit, zu inspirieren.

Jedes Produkt eines Talents, auch wenn es von einem Genie erdacht wurde, ist letztlich das Ergebnis einer Teamarbeit. Es reicht also nicht, die Welt verändern zu wollen, man muss wissen, wie man diese Sehnsucht bei anderen inspiriert. Jobs war ein sehr charismatischer Mensch, der die Leuten um sich herum davon überzeugen konnte, dass das Unmögliche möglich ist. Seine Kollegen machten machten Witze darüber, dass er ein „Wirklichkeit verzerrendes Feld“ ausstrahle – Menschen um ihn herum wurden völlig durchdrungen mit seinen Visionen und verloren die Fähigkeit, die Dinge klar zu sehen. Michael inspirierte die Menschen mit seinen Ideen auf ähnliche Art. Hört man seinen Mitarbeitern und Mittänzern von TII zu, oder liest ihre Erinnerungen, erfährt man, dass sie alle enthusiastisch Tag und Nacht daran arbeiteten Neues zu erfinden und zu erschaffen, denn jeder hatte das Gefühl, dass man dabei war, Geschichte zu schreiben.

3. Perfektionismus

Es ist nicht möglich, etwas wirklich cooles zu erzeugen, wenn du nicht ein Perfektionist bist, der Unmengen von Zeit in jedes noch so kleine Detail steckt, und andere mit dieser Detailverliebtheit auf die Palme bringst. Denn wenn du nicht auf die Qualität deines Produktes achtest, wird der Kunde es sofort sehen. Jobs wurde hysterisch, wenn die Computer mit dem falschen Laufwerk zusammengebaut wurden, die einen extra Schalter hatten. Jackson weinte, wenn sein Album nicht so klang, wie er es sich vorgestellt hatte, und lies seine Toningenieure alles neu abmischen. Jobs lies Erscheinungstermine platzen, in dem er endlose Verbesserungsvorschläge für seine Produkte machte. Jackson machte 20 Aufnahmen eines Vocal-Parts, obwohl anschliessend oft die erste Aufnahme im veröffentlichten Stück landete. Solange die Produkte nicht fertiggestellt waren, durfte sie niemand sehen. Das Publikum sollte nichts geringeres als vollendete Perfektion bekommen.

Und diese extrem hohen Standards galten für alle, die sie umgaben. Michael erklärte dem besten Produzenten sehr höflich und nett, dass keiner seiner 20 Songs gut genug war; Steve scheute nicht davor zurück seinen Leuten mitzuteilen, dass sie Mist gebaut hatten; jeder der beiden hatte seine ganz eigene Methode, sie wussten, wie sie das Beste aus den Leuten herauslocken konnten. Über Jackson sagten Kollegen: „Er brachte uns bei, alles so gut wie nur irgend möglich zu tun: Michael war Perfektionist und wir mussten ganz von vorne beginnen und die Musik auf die bestmögliche Art zu produzieren.“ Kollegen von Pixar schrieben über Jobs: „Seine Stärke, Integrität und Lebensfreude machten uns alle zu besseren Menschen.“

4. Weniger ist mehr

Durch all diese Perfektion, Abwägung von Möglichkeiten und unermüdlicher Suche, verstanden beide dennoch den Wert von Einfachheit und Minimalismus. Als Jobs zu Apple zurückkehrte, verwarf er die vielfältige Produktlinie und beliess es bei nur 4 Modellen. Jedes davon musste die einfachste Benutzeroberfläche haben, die möglich war. Er nahm denKunden die Qual der Wahl ab, und auch die Last, unnötige Dinge erlernen zu müssen. „Steve Jobs hat einen leistungsstarken Computer entwickelt, den selbst ein 60-Jähriger ohne Anweisung benutzen kann,“ schrien ein Editor von Forbes. „wenn das keine Magie ist, dann weiß ich es auch nicht.“ „Melodien müssen einfach sein“, sagte Michael Jackson gerne über seine Kunst. Eine großartige Melodie ist die, die selbst ein Kind singen kann. In den geräumigen Hallen der Applestores stehen nur 4 Modelle auf den Tischen, aber die Auswahl zwischen diesen vier macht viel mehr Freude, als unter 44 auszuwählen. Jackson veröffentlichte 7 Alben in 30 Jahren, aber jeder darin enthaltene Song war perfekt. Jedes Produkt der kurzen Liste von Apple ist für den Nutzer ideal. Jedes der 7 Alben Michaels ist kostbar. Und das ist der Grund, warum jede Ankündigung eines neuen Apple Produkts, genau wie jede Ankündigung eines neuen Michael Jackson Albums, immer ein großes Event war.

Jobs Apple Museum Prague

Steve Jobs – Think Different, Apple Museum Prag

5. Neugierde

Auf den ersten Blick scheint es, dass großartige Ideen einfach aus dem Nichts kommen. Aber in Wirklichkeit kommt nichts einfach so von selbst – das menschliche Gehirn funktioniert so, dass es Neuartiges nur aufgrund von Beobachtungen des Lebens, der Kultur und vorherigen Erfahrungen synthetisieren kann. Ein Genie zu sein bedeutet, diese Erfahrungen zum Wohl der Menschen und mit durchgreifendem Effekt anzuwenden. Jobs wurde oft beschuldigt, die Grafische Benutzeroberfläche (GUI) von Xerox gestohlen zu haben. Er hat es nicht gestohlen; er hat sich die vorausgehenden Grundlagen zu Nutze gemacht. Er wurde von der Idee inspiriert, hat sie ausgiebig untersucht, und so verbessert und perfektioniert, wie Xerox es nie gekonnt hätte. Jackson hat auch nicht den Moonwalk erfunden – so wie viele seiner Moves, hat er ihn bei anderen Tänzern gesehen und es zu etwas Eigenem gemacht. Er adaptierte Tanzelemente seiner Idole – James Brown und Fred Astaire – er verwendete sogar Bewegungen von Bruce Lee oder von einem computergesteuerten Dinosaurier aus „Jurassic Park“. Mit anderen Worten, er besass die wertvolle Fähigkeit interessante Dinge in seinem Umfeld auszumachen, sie zu sezieren und sie dann für sein Werk neu einzusetzen.

Jobs sagte einmal in einem Interview: „Wenn die Leute älter werden, stecken sie fest, sie werden unbeweglich. Deine Gedanken bilden eine Art Muster, ein Gedankengerüst… in den meisten Fällen stecken die Leute in diesen Mustern fest, wie in den Rillen von Schallplatten, und sie kommen nie heraus. Ein Mensch, der Rillen schnitzt, die anders verlaufen, als diese bestimmte Art, Dinge zu sehen, ist aussergewöhnlich. Es ist selten, dass dir ein Künstler begegnet der in seinen 30ern oder 40ern noch Verblüffendes erschafft. Natürlich gibt es auch ein paar Menschen, die von Natur aus neugierig sind, die immer wie kleine Kinder das Leben bestaunen, aber sie sind selten.“

In veröffentlichten Gesprächen, die Michael mit einem Freund führte sagte er: „Ich denke, als Kinder haben wir alle den selben Grad an Wissensdurst/Neugierde, davon bin ich überzeugt. Aber manche Menschen verlieren das mit der Zeit. Das ist es, was ich an Kindern so liebe: Sie sind von allem fasziniert. Deshalb kannst du oft beobachten, dass sie Dinge auseinandernehmen, sie brechen sie entzwei, weil sie wissen wollen, wie es funktioniert…“

Durch diese Eigenschaft, die nur wenige Aussenstehende verstanden, war es ihnen möglich, Ideen zu entwickeln, die normalen Menschen nicht in den Sinn kamen. Und vielleicht hatten sie auch aus diesem Grund beide eine Art kindlichen Humor.

6. Das Verstehen ihrer Rolle

Als Jobs zu Isaacson kam, und beantragte, seine Biografie zu schreiben, weil Isaacson auch über Eistein geschrieben hatte, schien das etwas anmaßend zu sein. Aber Steve hatte Recht – nach seinem Tod wurde das Buch zu einem Bestseller, und so haben wir jetzt eine faszinierende Lebensgeschichte eines der Genies des 20. Jahrhunderts. Als Michael überall in Europa Statuen von sich aufstellte, verübelten Kritiker ihm das als Hochmut; das Ergebnis war jedoch, dass sich jeder an diese Statuen erinnert. Auch sein sorgfältig zusammengestelltes Videoarchiv ist heue von großem Wert. Zeitgenossen sind oft nicht in der Lage, wirkliche Brillanz von selbst zu erkennen, also muss man ihnen manchmal erklären, wer das Genie ist. Das Rezept dazu ist einfach: Wenn du in die Geschichte eingehen willst, schreib dir selbst dein Kapitel hinein.

Michael und Steve waren fast gleichaltrig, und es ist bemerkenswert, dass sie in vielen Dingen die gleichen Idole hatten: Disney, Edison, Chaplin, Gandhi und Martin Luther King – alles Leute in denen sie die Pioniere erkannten, die einen Qualitätssprung erreichten.

Und genau darum geht es auch in dem Apple Werbespot „Think Different“, der sowohl auf Michael, als auch zu Steve hervorragend passt.

(Übersetzung: M.v.d.L. – Originalartikel: Morinen, Michael Jackson.ru)

Think Different – gesprochen von Steve Jobs

An alle, die anders denken: Die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker, die, die sich in kein Schema pressen lassen, die, die Dinge anders sehen. Sie beugen sich keinen Regeln, und sie haben keinen Respekt vor dem Status Quo. Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen. Das einzige, was wir nicht können, ist sie zu ignorieren, weil sie Dinge verändern, weil sie die Menschheit weiterbringen. Und während einige sie für verrückt halten, sehen wir in ihnen Genies. Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun.

The Epitome of Artistry – „Der Inbegriff von Kunst“ – Zitate von Michael Jackson

Großartige Musik und große Melodien sind unsterblich. Die Mode ändert sich, die Kultur verändert sich, die Gewohnheiten ändern sich – große Musik ist unsterblich. Noch heute hören wir Mozart… und all die Großen. Großartige Musik ist wie eine großartige Skulptur oder ein großartiges Gemälde. Sie ist für die Ewigkeit, weißt Du, für Generationen über Generationen, die sie immer schätzen werden. Ich weiß, dass es so ist.

Ich möchte nicht nur einer in einer Reihe von vielen sein. (“keine Dose am Fliessband sein”) Ich möchte erschaffen. Etwas tun, das vollkommen anders und ungewöhnlich ist.

Das ist es, was mich antreibt. Es ist das Medium, es ist die Kunst. Ich liebe es. Und das ist die Welt, in der ich mich am wohlsten fühle.

Man kann das nicht lehren… Man kann es nicht lehren. Es muss von innen her kommen. Es ist ein Geschenk, eine Gabe.

Ich weiß nicht, ob es es etwas Psychologisches ist oder was auch immer. Ich liebe es einfach, hart an etwas zu arbeiten, es zusammenzufügen, darüber zu schwitzen, und es mit anderen zu teilen und zu sehen, dass sie es lieben. Und ich bete immer, dass es ihnen gefällt. Das gibt mir als Künstler eine große Zufriedenheit.

Ich habe das Tanzen immer geliebt. Als ich klein war, schaute ich mir Sammy Davis an, Fred Astaire, James Brown… Und ich tanzte durch das ganze Haus.

Ich fühle es und sehe es. Ich habe eine Vision. Wenn ich sie vermitteln kann, tue ich es. Ich liebe es, das mit Musik, mit Film, mit Tanz zu tun.

Der Punkt ist, manchmal scheinen Künstler sich der Musik in den Weg zu stellen. Versperre der Musik nicht den Weg, weißt Du… Schreibe die Musik nicht – lass die Musik sich selbst erschaffen.

Würde ich hier sitzen und ein paar Akkorde schreiben oder so und sagen, “Ich schreibe jetzt den besten Song, der jemals geschrieben wurde” – es würde nichts passieren. Etwas dort oben im Himmel muss zu mir sagen, “Sieh, das ist der richtige Augenblick, dies wird Dir aufgetragen und jetzt ist der Moment, in dem Du es haben sollst.”

Es geht um Innovation und Pioniergeist – das Medium an einen neuen Ort zu bringen.

Ich mag es, Klänge zu nehmen und sie unter das Mikroskop zu legen und darüber zu reden, wie man ihren Charakter verändern will.

Es ist schwer zu sagen, wie man Musik kreiert, denn es fällt mir schwer, dafür Dank einzuheimsen. Ich spüre, es ist eher etwas Spirituelles oder Überirdisches.

Wenn ich meine Musik kreiere, fühle ich mich wie ein Instrument der Natur. Ich frage mich, welche Freude die Natur empfinden muss, wenn wir unsere Herzen öffnen und unser von Gott gegebenes Talent zum Ausdruck bringen.

(Übersetzung: M.v.d.L.)

Billie Jean


 

 

 

 

Andersartigkeit und Macht – Amerikanischer Messias

by

Copyright © 2014 by Susan Woodward

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Andersartigkeit und Macht – Einleitung

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Michael Jacksons Thriller Album wurde am 1. Dezember 1982 veröffentlicht. Es wurde rasch zum bestverkauften Album aller Zeiten, was es bis heute geblieben ist. Im Mai 1983 performte Jackson „Billie Jean“ beim TV Special zu Motowns 25-jährigem Jubiläum, elektrisierte die Zuseher mit seinem Tanz und spornte das Interesse an Thriller weiter an. Im Dezember 1983 debütierte Jacksons Musikvideo zu „Billie Jean“ auf MTV nach seinem Kampf, um den Sender dazu zu bringen, das erste Video eines schwarzen Künstlers auszustrahlen. Im Mai 1984 wurde Jackson ins Weiße Haus eingeladen, um Präsident Reagan zu treffen und eine Auszeichnung für seine Unterstützung einer Kampagne gegen jugendliche Trunkenheit am Steuer entgegenzunehmen. Aber seine womöglich größte Leistung war, Rassenschranken in einer geteilten Musikszene zu Fall zu bringen und eine rückläufige Musikindustrie durch den enormen Erfolg von Thriller neu zu beleben.

Jackson war natürlich seit seiner Kindheit der Star der Jackson 5, aber als Thriller veröffentlicht wurde, war er nicht mehr daran interessiert, mit seinen Brüdern aufzutreten. Er stimmte allerdings widerwillig zu, sich ihnen für eine letzte Konzertserie, der Victory Tour, anzuschließen, nachdem er von seiner Familie dazu gedrängt wurde. Die Ankündigung der Tour im September 1983 wurde mit enormer Aufregung begrüßt, da Jackson seit der Veröffentlichung von Thriller nicht mehr live aufgetreten war. Doch als Probleme mit der Tourplanung auftraten, änderte sich die Stimmung der Medien und der Öffentlichkeit. Das Publikum war bestürzt über den Ticketpreis von $30, was für damalige Zeiten sehr hoch war, und der Bedingung, dass die Tickets in Viererblöcken gekauft werden mussten, ein Konzept, von dem viele dachten, es schließe unterprivilegierte Fans aus. Jackson und seine Brüder wurden darüber hinaus dafür kritisiert, nicht in Gegenden aufzutreten, in denen viele ihrer afroamerikanischen Fans lebten. Aus diesem Debakel entwickelte sich die erste wirklich vernichtende Kritik an Jackson durch die Medien. Jackson bemühte sich, einen Teil des Schadens wieder gut zu machen, indem er den Fans ermöglichte, einzelne Tickets zu kaufen, Tickets an Fans verschenkte, die sich die $30 nicht leisten konnten, und bekannt gab, dass er seinen gesamten Gewinn spenden wollte. Seine Ankündigung beendete die Kritik der Medien allerdings nicht.

Einer der Journalisten, der Jackson zu jener Zeit kritisiert hatte, war Dave Marsh, ein Musikkritiker, der einen Bestseller über Bruce Springsteen geschrieben hat. Im Dezember 1985 veröffentlichte Marsh Trapped: Michael Jackson and the Crossover Dream, die erste Kritik Jacksons in Buchlänge. Der Aufbau des Buchs ist ungewöhnlich. Trapped besteht aus Kapiteln in Form offener Briefe an Jackson, die sich mit Kapiteln detaillierter, gut recherchierter Biographie abwechseln. Während die Biographie-Kapitel unvoreingenommen formuliert wurden, sind die Kapitel mit den offenen Briefen sehr kritisch. Der Tenor der sich abwechselnden Kapitel ist so auffallend unterschiedlich, dass es wirkt, als würde Trapped aus zwei Büchern bestehen.

Ich werde mich auf die Kapitel mit den offenen Briefen konzentrieren. Marsh sagt, dass er diese offenen Briefe schreibt, weil er annimmt, dass Jackson nicht mit ihm sprechen würde. Er sagt, dass „es keine Möglichkeit gegeben hat, ein Gespräch zu erzwingen“, also verlässt er sich auf Interviews, die Jackson anderen Journalisten gegeben hat, und seinen eigenen Beobachtungen.

Marsh begann als leidenschaftlicher Fan, der Jackson als jemanden betrachtete, der die Macht hatte, den Amerikanern oder sogar der ganzen Welt beispiellose Einheit zu bringen, oder zumindest den Traum dieser Einheit repräsentiert.

Du stiegst höher als jeder andere Popstar je aufgestiegen ist. … In jenen Monaten Deines Aufstiegs wurde der bloße Name Michael Jackson ein Totem. Die Verbindung zwischen Dir und Deinen Fans schien so kraftvoll, dass sie alle Hindernisse überwinden, alle Grenzen überschreiten konnte. Diese Verbindung war die Darstellung eines Traums, ihr Ausdruck im Grunde amerikanisch, doch wahrhaft weltweit, wo alle Gegensätze in Einklang gebracht wurden, sexuelle und ethnische und politische Zwiespältigkeiten wurden durch schieres Wohlwollen ausgelöscht oder vielmehr miteinander verschmolzen. … Der Traum, von dem ich spreche, ist zu utopisch, um realisiert zu werden, weder genau hier und jetzt, noch in einem zukünftigen Leben. … Aber das macht ihn als einen Traum nicht weniger wertvoll, nicht solange die Leute daran festhalten. Ich denke, das ist das einzige, das die Menschheit davon abhalten könnte, sich selbst zu zerstören. … (1)

Marsh konkretisiert, wie Jacksons Ruhm nach der Veröffentlichung von Thriller in der Lage war, dieses Versprechen der Einheit zu ermöglichen.

Für mich stellte sich Dein wahrer Erfolg mit Thriller ein, als Du ein Publikum von nahezu beispielloser Vielfalt vereint hast und Schwarze und Weiße, Reiche und Arme, Junge und Alte, Jungs und Mädchen und alle anderen dazu gezwungen hast, sich für einen Augenblick gegenseitig anzuerkennen. (2)

Marsh, der weiß ist und ein Mann mit liberalen Tendenzen zu sein scheint, setzte seine Hoffnung in Jackson als eine Persönlichkeit, die das furchtbare ethnische Erbe Amerikas letztendlich verbessern könnte.

Aber bevor Michael Jackson ein Sänger oder ein Triumph oder ein Star oder irgendetwas anderes ist, ist er eine schwarze Person in Amerika. Deshalb ließ er einige Ketten klirren, scheuchte einige alte Geister auf, und stachelte einige ehrwürdige Träume an. Die Geister der Sklaverei und des Rassismus sind vierhundert Jahre alt, aber deren Macht ist frisch und stark. Die von ihm angestachelten Träume sind genauso alt – die märchenhafte Hoffnung, dass wir irgendwie lange genug zusammengeführt werden können, um diese Geister beizusetzen. Gib diesen Träumen auch ihre Namen: Emanzipation, Integration, Befreiung. Oder benenne sie mit dem Ausdruck, den das Show Business jetzt verwendet: Crossover. (3)

Trotz Marshs Wahrnehmung von Jacksons großem Potential, soziale Spaltungen zu heilen, änderten sich seine Gefühle als Folge der Machenschaften, welche die Victory Tour umgaben, und der Qualität der Auftritte, die er gesehen hat. Marsh besuchte einige Auftritte der Tour, einschließlich der ersten und letzten Nacht. Er empfand alle Auftritte uninspiriert, mechanisch und sich von Nacht zu Nacht exakt wiederholend, und er hatte das Gefühl, dass Jackson einen Hang dazu hatte, sich eher den Kameras zuzuwenden, statt dem Publikum. Marsh wurde mit einem Gefühl tiefen Verrats zurückgelassen.

Als sich die Verbindung, die uns mit Dir und Deinem Gefühl der Freude so eng verbunden hat, löste – selbst wenn es nur ein Haarriss war – fühlte es sich an, als ob die Gesamtkonstruktion zusammengebrochen wäre und uns mit nach unten gezogen hätte … Du hast Dich vom Mr. Kann-nichts-falsch-machen zu einem Schurken entwickelt. (4)

Der fatale Haarriss wurde für Marsh von seiner Wahrnehmung ausgelöst, dass Jackson seine Fans betrogen hat, indem er seine Macht nur für kommerzielle Zwecke missbraucht hat, seine Fans, die hochpreisige Tickets gekauft und dann uninspirierte Shows gesehen haben, ausgenutzt hat. Dieses Gefühl der Verheißung, gefolgt von Verrat, kristallisiert sich in Marshs Analyse der Bedeutung von Jacksons einzelnem Handschuh heraus: „Mit dieser einen Hand bleibe ich rein, unberührt von der Realität, wie ihr sie kennt; mit der anderen Hand manipuliere ich eure schmutzige Welt.“ (5) Die Ernüchterung in Folge der Victory Tour zerstörte Marshs „märchenhafte Hoffnung, dass wir irgendwie zusammengeführt werden können“ und führte ihn zu der Schlussfolgerung, dass „die Geschichte von Michael Jackson einfach ausgebrannt ist.“ (6)

Marsh sieht ein, dass Jackson dazu gezwungen wurde, an der Victory Tour teilzunehmen, da er zwei Mal sagt, dass er seiner Familie „in die Falle gegangen“ ist, und er weiß, dass Jackson nicht für den Ticketverkauf verantwortlich war, aber das reicht nicht, um sein gewaltiges Gefühl des Verrats zu lindern.

Obwohl Marshs Kritik mit der Victory Tour begonnen hat, fährt er fort, Jackson an vielen Fronten zu attackieren, wobei es meist um Jacksons angebliche Unehrlichkeit seinen Fans gegenüber, seinen Mangel an Selbstbewusstsein und seine Andersartigkeit geht. Marsh sieht Jackson als zu motiviert durch kommerzielle Interessen, er sei sich seiner Macht, ethnische und andere Spaltungen zu heilen, nicht bewusst, er sei sich seiner musikalischen Geschichte nicht bewusst, ihm sei sein Bedienen ethnischer Stereotypen nicht bewusst, er sei nicht intelligent (Jackson ist „ein Kartenspiel, dass nur wenige Karten hoch ist“ (7)), er würde seine eigenen Probleme mit Kontrolle und Sexualität nicht anpacken und sich nicht auf eine gesellschaftlich konventionelle Art benehmen. In Anbetracht der detailgetreuen historischen Genauigkeit der biographischen Kapitel des Buches ist es überraschend, dass viele Vorwürfe Marshs keine solide, sachliche Untermauerung haben und auf Vermutungen basieren.

Marsh führt Beweise an, dass Jackson seine Fans betrügt. Er fühlt sich betrogen, als Jackson in einer TV Werbung für eine Sonderausgabe des People Magazins erscheint, die Jackson gewidmet ist und er dann feststellt, dass sich im Magazin keine Interviews mit Jackson selbst befinden. Er führt eine Pressekonferenz an, die einberufen wurde, um Boulevardgerüchte zu zerstreuen: Jacksons Manager nimmt ohne ihm an der Konferenz teil, was Marsh signalisiert, dass sich Jackson nicht aufrichtig daran beteiligt, mit seinem Publikum zu kommunizieren.

People Magazin 1984 zum Durchblättern

Marsh nimmt Unehrlichkeit auch in Teilen von Jacksons Kunst wahr. Er nennt Eddie Van Halens Gitarrensolo in „Beat It“ ein „einmaliges Gimmick“ (8) Er erklärt, dass Jackson „am Inhalt [seiner] Songs nicht sehr interessiert scheint“ (9), sondern mehr Interesse an Verkaufszahlen und Gewinn hat. Er sieht Unehrlichkeit sogar in Jacksons frühesten Zeiten bei Motown, als er gerade 10 Jahre alt war, und sagt „Du kamst in die Musikindustrie, indem Du einen Haufen Märchen und Lügen ausgelebt hast.“ (10) Bezüglich der Märchen und Lügen führt Marsh unter anderem an, dass Jacksons Darbietung in dem Jackson 5 Song „I Want You Back“, der aufgenommen wurde, als Jackson 11 Jahre alt war, emotional aufrichtig ist und dass Diana Ross die Gruppe entdeckt hat.

Marsh sieht einen weiteren Verrat an dem utopischen Traum, den Jackson zu verkörpern schien, als er seine Fans nicht an seinen Bemühungen beteiligt, dass seine Musik von weißen Radiostationen und seine Videos auf MTV gespielt werden. „… Ich bin stinksauer, weil die Gelegenheit, nur eine einzige kleine Sache zu tun – den Leuten die Lüge zu zeigen, auf der Rassismus basiert – verspielt, weggeworfen, angepisst wurde.“ (11)

Er erläutert seine Gewissheit ausführlich, dass sich Jackson seiner schwarzen musikalischen Wurzeln, besonders Blues, Gospel, Rhythm and Blues, und sogar Country und Bluegrass nicht bewusst ist. Er vergleicht Jackson abfällig mit den weißen Musikern Bruce Springsteen, Bob Dylan, den Rolling Stones, den Beatles und Bill Munroe, und den schwarzen Musikern Chuck Berry und Little Richard, die sich alle der afroamerikanischen Wurzeln ihrer Musik sehr bewusst sind, wie er sagt. Marshs Annahme basiert auf seiner Interpretation von Jacksons Musik, nicht auf irgendwelchen Kenntnissen von Jacksons tatsächlichem Verständnis seiner musikalischen Wurzeln.

Als weiteres Beispiel für Jacksons fehlendes historisches Wissen richtet Marsh seinen Fokus eingehend auf einen Baumstamm, der sich im Backstagebereich des Apollo Theater in Harlem befindet und traditionsgemäß von den Künstlern vor ihrem Auftritt berührt wird, um ihnen Glück zu bringen. Obwohl Jackson im Apollo aufgetreten ist, behauptet Marsh ohne Belege anzuführen, dass Jackson die Geschichte dieses Baumstamms nicht kennt und wie er ein Glückssymbol wurde. Marsh erläutert die Geschichte des Baumstamms und die der schwarzen und weißen amerikanischen Popmusik, wodurch er zeigt, dass er selbst in amerikanischer Musikgeschichte versiert ist.

Marsh sagt, dass Jackson vor kurzem über ein Video von Mahalia Jackson „gestolpert“ ist und dass er in Folge dessen während der Victory Tour zum ersten Mal begonnen hat, Gospelphrasierung zu verwenden. Tatsächlich hat Jackson Gospelphrasierung zumindest schon bei der Triumph Tour 1981 verwendet, drei Jahre vor Beginn der Victory Tour. (12)

Er behauptet auch, dass Jackson die Geschichte des Moonwalks nicht kennt. Er sagt, dass Jackson am Inhalt seiner eigenen Songs nicht sehr interessiert scheint und dass es überraschend sei, wenn Jackson an irgendetwas interessiert wäre, wie Mahalia Jacksons Auftritten, die 30 Jahre zurück liegen. Er behauptet erstaunlicherweise sogar, dass Jackson nicht einmal weiß, dass sein eigener Großvater Country Musik gehört hat. Marsh gibt für diese Vermutungen keine Beweise an.

Dann vergleicht Marsh Jackson mit Künstlern in Minstrel Shows. Er behauptet, dass Stephen Foster, dessen sentimentale Songs weithin von Minstrels verwendet wurden, „für Minstrel ist, was Du für zeitgenössischen Pop bist.“ (13) , weil Jacksons Songs eskapistisch sind und Liebe darbieten, die frei von Sexualität sind. Und er stellt Jackson als einen modernen Minstrel-Künstler dar, weil die vielen weißen Leute, die Thriller gekauft haben, in Jackson die Minstrel-Stereotype eines „faulen, überheblichen, frivolen, sorglosen, verantwortungslosen und kindischen“ schwarzen Mannes gesehen haben, „der es liebt, Weiße zu unterhalten“. (14) Marsh beleidigt Jackson und weiße Fans, wenn er sagt „So gemein es auch klingt, Deine Anziehungskraft ist eng verbunden mit der Erfüllung dieser Stereotypen.“ (15) Dann beleidigt er Jacksons schwarze Fans, als er sagt „Zumindest hast Du ihnen etwas gegeben, zu dem sie tanzen können, also lieben sie Dich immer noch.“ (16)

Jacksons Bezugnahmen auf Magie, Eskapismus und Träume in Interviews entfachen bei Marsh erhebliche Verachtung: „Es steht quasi außer Frage, dass Du essentiell abergläubisch und an einen Glauben an Magie und die Macht des Unbegreiflichen gebunden bist.“ (17) und er nennt Jackson wegen seines Glaubens ein intellektuelles „Faultier“. Er spottet über Jacksons Aussagen, dass Songs eher aus Träumen oder von Gott zu ihm kommen, als von bewusster und vorsätzlicher harter Arbeit. „Michael, Du sprichst davon, dass Deine Songs in Träumen wie durch Magie zu Dir kommen. Das ist ein zentrales Dogma Deiner Kampagne, um die Welt davon zu überzeugen, dass Du eine wahrlich einzigartige Persönlichkeit bist, wirklich überlebensgroß.“ (18)

Auf die eine oder andere Art stellt er wiederholt fest, dass sich Jackson seiner selbst nicht bewusst ist oder über sich selbst verwirrt ist, aber Marsh verwechselt seine eigene Verwirrung mit Jacksons: „Niemand wird große Fortschritte darin machen, Dich zu durchschauen, solange Du Dich selbst nicht besser verstehst. Man kann ein Puzzle nicht lösen, solange es seine eigene Lösung nicht gefunden hat. … Wenn Du weniger verwirrt wärst über Dinge, würde es sich zeigen. Die Leute wären weniger verwirrt wegen Dir – vielleicht nicht wegen ihrer Gefühle Dir gegenüber, aber zumindest weniger durcheinander darüber, wer Du ihrer Meinung nach bist.“ (19) Marshs Unbehagen mit Jacksons Unlesbarkeit ist deutlich, obwohl er wieder seine eigene Unsicherheit für Jacksons hält: „Zu versuchen, Dein Image dingfest zu machen, ist wie zu versuchen, Rauch in Flaschen zu füllen. Eigentlich frage ich mich, ob Du Dein Image zum Stillhalten bringen kannst, wenn Du in einen Spiegel starrst.“ (20)

Marshs Verwirrung über Jackson ist besonders im Bereich der Sexualität und der Anpassung an erwartete Geschlechterrollen offenkundig. Obwohl er sagt, dass er Jackson geglaubt hat, als er bestritt, schwul zu sein, erläutert er seitenlang die Gründe, warum die Leute Jacksons Heterosexualität anzweifeln und er wiederholt alte Gerüchte über seine Sexualität, wobei er andeutet, dass die Gerüchte wahr sein könnten. „Die Leute denken, dass Du schwul bist, weil Du hübsch bist, um es kurz zu sagen. Das kann viele Ressentiments befeuern. … Einer der Beinamen, mit denen hübsche Jungs wie Du attackiert werden, ist, dass sie Schwuchteln sind. … Mit anderen Worten, Michael, die Leute denken, dass Du schwul sein musst, weil Du einem altbewährten Stereotyp entsprichst, wie schwule Männer sind.“ (21)

Aber was Marsh noch mehr Sorgen zu bereiten scheint, ist seine Wahrnehmung, dass Jackson einfach gar kein Interesse an Sex hat oder Angst vor Sex hat. „Was Du also machst, ist im Grunde nicht nur das Verleugnen eines Interesses an Homosexualität, Du leugnest den Bedarf jeglichen sexuellen Ausdrucks. Ich hoffe, Du wirst zugeben, dass wenn das nicht abnormal ist für einen sechsundzwanzigjährigen Menschen, ist es jedenfalls höchst ungewöhnlich.“ (22) Das ist eine offenkundige Kritik. Jackson scheint der einzige berühmte Popmusiker gewesen zu sein, der keinen Sex mit Groupies hatte. Man kann sich leicht vorstellen, wie diese anderen Popstars für ihre sexuelle Freizügigkeit kritisiert werden und Jackson für seine Selbstbeherrschung und seinen respektvollen Umgang mit Frauen gelobt wird; aber Jackson wurde für seine Zurückhaltung kritisiert (und das nicht nur von Marsh), und die sexuellen Exzesse anderer Popstars wurden als zu normal erachtet, um von Musikjournalisten thematisiert zu werden.

Marsh wird von Jacksons Interview mit dem Journalisten Stephen Demorest aus dem Jahr 1979 durcheinandergebracht, sowohl von seinem Inhalt, als auch von der Art der Durchführung, auf der Jackson bestand. Während dieses Interviews ließ Jackson seine Schwester Janet Demorests Fragen wiederholen, bevor er antwortete. Marsh versteht das nicht als den Scherz, der es vermutlich war, sondern als „extrem sonderbar“ (23) und arrogant. Während des Interviews erzählt Jackson Demorest, dass er, wenn er eine Familie hat, lieber adoptieren als „zeugen“ (24) wird. Jackson hinterfragt die Notwendigkeit, typischen Erwartungen zu entsprechen, wie er sein Leben führen sollte: „Wer sagt, dass man in einem gewissen Alter heiraten muss? Wer sagt, dass man mit achtzehn ausziehen muss? Ich bin nicht Auto gefahren, bevor ich zwanzig war und ich mag es immer noch nicht.“ (25) Marshs sarkastische Antwort darauf ist „Das war nur eine weitere Deiner Tiraden, warum Michael Jackson, der außergewöhnlichste Typ der Welt, niemals ersucht werden sollte, irgendetwas zu tun, das nicht seinem absoluten Herzenswunsch entspricht.“ (26)

Demorest fragt Jackson, ob er es für möglich hält, „Eskapismus“ zu sehr zu schätzen. Jackson sagt „Nein, das tue ich nicht. Es gibt einen Grund dafür, warum Gott den Sonnenuntergang rot oder violett oder grün gemacht hat. Es ist schön, sich das anzusehen – es ist eine Minute der Freude. Es gibt einen Grund dafür, warum wir einen Regenbogen nach dem Regen sehen oder einen Wald, aus dem Rehe kommen. Dieses Wunder, das ist Eskapismus – es berührt Dein Herz und es liegt keine Gefahr darin … und man sagt „Gott, das ist wundervoll – ich würdige das.“ (27) Marshs Erwiderung darauf ist „Nun, Michael, wenn alles, was das Herz berührt, sicher ist, was ist dann mit Hitlers Anziehungskraft auf die innersten Gefühle der Deutschen?“ (28)

Marsh kritisiert Jacksons lebenslange Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas und sieht das als Nachweis fehlender Intelligenz. Man möchte meinen, das Verunglimpfen der Religion eines anderen wäre tabu, aber Marsh zögert nicht: „Es ist deren [Zeugen Jehovas] Unlogik, die Dich anzieht, weil sie Dir den Raum bietet für solche absichtlich kindischen Erklärungen wie … „Wissenschaft ist manchmal so dumm.““ (29)

Er verspottet Jacksons Liebe für die Kindheit, indem er sie mit seiner Religion verbindet:

Ich würde sagen, was Dir an der Weltsicht der Zeugen gefällt, ist das gleiche, was Du an Kinderliteratur und Cartoons findest, beides sind Formen des „Eskapismus“, für den Du unbändigen Enthusiasmus äußerst. … Sie [die Kirche] verlangt nichts von Dir als Erwachsener. Sie gibt starre Regeln und Bestimmungen aus, eine vollständige Geschichte davon, wie sich das Universum entfaltet hat und einen Entwurf, was als nächstes passiert, mit Helden und Schurken und einem Happy End für jene, die es wirklich verdienen. In ihrem Halt wirst Du ein ewiges Kind, für nichts verantwortlich, was passiert. (30)

Er beleidigt sogar Jacksons Glauben an Gott: „… Dieser Glaube an Gott als die wirkende Kraft, durch die alle Dinge passieren ist nicht christlich sondern heidnisch oder genauer gesagt barbarisch.“ (31) Marsh deutet an, dass Jacksons Glaubensvorstellungen einen „Barbar“ aus ihm machen und er zitiert James George Frazers The Golden Bough (Der goldene Zweig), als er einen „Barbar“ als jemanden definiert, der keine Unterscheidung machen kann zwischen natürlichen Ereignissen und dem Übernatürlichen.

Marsh vergleicht Jackson mit dem Künstler Red Grooms und beschwert sich, dass Jackson im Gegensatz zu Grooms keinen Sinn für Humor hat. Er führt den Song „Rock with You“ vom Album Off the Wall als trauriges Beispiel für Jacksons Unfähigkeit an, aus sich herauszugehen und Spaß zu haben:

Was auf einer Platte wie „Rock with You“ durch diese glücklichen Lyrics dringt, ist eine unerträgliche Traurigkeit. Sie drückt sich aus in der Art, wie Du „all night“ nicht singst, sondern es dem Chor überlässt, in der flehenden Art, wie Du das Wort „rock“ ausdrückst, als ob Du nicht um Sex bittest, sondern um etwas noch intimeres. (32)

Marsh scheint in den Liner Notes für Off the Wall nicht gelesen zu haben, dass der Chor ausschließlich aus Jacksons Stimme besteht, was seine Theorie widerlegt, dass Jackson zu verklemmt war, um die Worte „all night“ zu singen.

Dave Marshs ursprüngliche Reaktion auf Michael Jackson nach der Veröffentlichung von Thriller war, ihn als eine Figur mit der Macht, ethnische, sexuelle und politische Gegensätze in der amerikanischen Gesellschaft und sogar weltweit zu vereinen, zu idealisieren. Der „Crossover Dream“ vom Untertitel des Buchs scheint sich sowohl auf Marshs, als auch Jacksons Traum zu beziehen. Seine fürchterliche Enttäuschung über Jackson begann mit den kommerziellen Manipulationen rund um die Victory Tour, obwohl Jackson nicht für die Tourplanung verantwortlich war, und wurde von anderen Einschätzungen, dass Jackson mehr an Selbstpromotion interessiert war als daran, ein Katalysator für sozialen Wandel zu sein, vorangetrieben. Anders gesagt hatte Marsh das Gefühl, dass Jackson nicht verstanden hat, dass er die Macht hatte, sozialen Wandel voranzubringen, oder noch schlimmer, dass er sich seiner Macht bewusst war, sich aber entschied, sie nur für kommerziellen Gewinn zu nutzen.

Aber war sich Jackson seiner Situation auf die gleiche Art bewusst wie Marsh? Hat er sich selbst in der einzigartigen Position gesehen, soziale Spaltungen zu vereinen oder zumindest den Traum sozialer Einheit voranzutreiben? Hat er seinen enormen Erfolg zynisch missbraucht, um mehr Ruhm und Reichtum anzusammeln?

Das Video zu „Can You Feel It“ von den Jacksons, welches 1980 entstand und auf einem Konzept von Jackson basiert, zeigt Jackson und seine Brüder dabei, der Welt Frieden, Einheit und Magie zu bringen, was sehr nahe legt, dass sich Jackson zu der Zeit, als Thriller zwei Jahre später veröffentlicht wurde, eine messianische Rolle für sich selbst vorstellt. Und wir wissen von dem Werk, das Jackson nach Thriller geschaffen hat, beginnend mit „We Are the World“, dass ihm das Fördern von Mitgefühl und das Verbessern sozialer Bedingungen zutiefst am Herzen gelegen ist, besonders für Kinder.

Jackson schien allerdings keine solchen messianischen Intentionen gehabt zu haben, als er Thriller erschuf. Das erste Soloalbum seiner Erwachsenenkarriere, Off the Wall (1979), wurde von den Kritikern gut aufgenommen und verkaufte sich ganz gut. Aber er schrieb über seine schreckliche Enttäuschung, als er 1980 als Folge darauf bei den Grammys nur in der Kategorie Best R&B (sprich: schwarz) Vocal Performance ausgezeichnet wurde. „Ich fühlte mich von meinen Kollegen ignoriert und es tat weh… Ich sagte zu mir selbst „wartet bis zum nächsten Mal“ – sie werden das nächste Album nicht ignorieren können… Diese Erfahrung entzündete ein Feuer in meiner Seele. Alles, woran ich denken konnte, war das nächste Album und was ich damit machen würde. Ich wollte, dass es wahrlich großartig wird.“ (33)

Jene Worte wurden zweieinhalb Jahr nach der Veröffentlichung von Trapped veröffentlicht, aber die biographischen Kapitel, welche sich mit den Kapiteln der Kritik in Trapped abwechseln, beschreiben ebenfalls Jacksons Reaktion auf die Grammys von 1980. Marsh zitiert Jackson, der gegenüber Billboard gesagt hat, dass „ich viel geweint habe. Meine Familie dachte, ich würde verrückt werden, weil ich deshalb so viel geweint habe.“ (34) Marsh folgert daraus, dass sich Jackson „von seinen Kollegen brüskiert fühlte.“ (35)

Jacksons Ziel mit Thriller war, Rassismus zu überwinden und Respekt zu gewinnen, indem er ein „wahrlich großartiges“ Album erschafft, das niemand ignorieren konnte, das nicht in die R&B Kategorie abgeschoben werden konnte in einer Musikszene, die damals ethnisch sehr gespalten war. Dieses Ziel war erreicht, als Thriller acht Grammy Awards gewonnen hat, von den Kritikern bejubelt und in beispielloser Auflage sowohl an weiße, als auch an schwarze Fans verkauft wurde. Obwohl Marsh nicht damit alleine war, Jackson als eine verbindende Figur zu sehen, gibt es keine Belege, dass Jackson die Ambition hatte, ein großer Vereiner zu sein oder dass er erkannte, dass er diese Macht hätte haben können. Es scheint, dass die Handlungen, die Marsh als Verrat an einer nahezu messianischen Macht sah, einfach nur Jacksons Karriere zuzuschreiben sind, in der er sich selbst voranbringt, wie alle Künstler das tun müssen, und den Rassismus überwindet, durch den er herablassend behandelt wurde. Für Jackson war kommerzieller Erfolg ein wichtiges Element bei der Überwindung ethnischer Barrieren.

Der Traum von Gleichheit, den Marsh in Jacksons Kunst und Persona vergegenwärtigte, hätte ohne dem Element des kommerziellen Erfolges niemals zu einem utopischen Level anwachsen können. Der Traum war teilweise deshalb utopisch, weil Jackson solch ein großes Publikum erreichen konnte. Wäre er ein unbedeutender Künstler gewesen, wäre er von einigen wenigen sehr geschätzt gewesen, aber er hätte niemals einen Traum von nationaler oder weltweiter Einheit hervorrufen können.

Hatte Jackson tatsächlich die Macht, um ein großer Vereiner zu sein? Hätte Jackson der Katalysator sein können, um eine Gesellschaft zu erschaffen, „in der alle Gegensätze in Einklang gebracht wurden, sexuelle und ethnische und politische Zwiespältigkeiten durch schieres Wohlwollen ausgelöscht oder vielmehr miteinander verschmolzen wurden“? Das scheint nicht wahrscheinlich. Sogar der sehr hochgeachtete Bob Marley hatte nur begrenzte Möglichkeiten, um echten Wandel zu bewirken. Marley versuchte durch seine Musik, gegnerische politische Fraktionen in Jamaika zu vereinen und schwarzen Stolz und historisches Bewusstsein zu steigern. Obwohl er damit Erfolg hatte, jamaikanische Musik auf die Weltkarte zu bringen und Jamaikaner stolzer auf ihre ethnische und kulturelle Herkunft zu machen, hatte er keinen anhaltenden Effekt auf politische Gewalt in Jamaika oder irgendeinen anderen Aspekt der jamaikanischen Gesellschaft. Obwohl sich Marsh über Jacksons Verzicht seiner Macht beschwert hat, half Jackson dennoch dabei, ethnische Barrieren in der Musikindustrie zu reduzieren, auch wenn er scheinbar nicht Bob Marleys große Ambitionen hatte. Reverend Al Sharpton führte sogar Jacksons Akzeptanz durch ein breites weißes Publikum als Hilfe an, um den Weg für den Erfolg von Oprah Winfrey, Tiger Woods und Barack Obama zu ebnen. (36)

Marsh schien Jacksons Macht nicht gefürchtet oder verübelt zu haben, wie es die anderen in diesem Buch untersuchten Autoren taten, er wollte, dass Jackson seine Macht erkannte und für entsprechende Zwecke nutzte. Aber nachdem Marsh von Jacksons Weigerung oder Unvermögen, die Rolle des Vereiners zu übernehmen, enttäuscht wurde, wendete er sich gegen ihn und listete in dem Versuch, ihm jegliche Macht abzusprechen, alles auf, was er an Jackson als andersartig sah. Marsh stellte Jackson als eine kindische, ignorante, verwirrte, wenn auch talentierte Person dar, deren Macht eine Illusion war.

Marsh machte also klar, was er an Michael Jackson nicht mochte. Aber wer hätte Jackson sein müssen, um Dave Marsh zufrieden zu stellen? Wenn wir seine Kritik umkehren, bekommen wir ein Bild davon, wer Jackson Marsh zufolge möglicherweise hätte sein sollen: jemand, der wenig Interesse an kommerziellem Erfolg hatte (der aber trotzdem zufällig kommerziell sehr erfolgreich war, damit er immer noch den utopischen Traum von Einheit inspirieren konnte), dessen Musik zeigte, dass er mit schwarzen Musiktraditionen fest verbunden war, der selbstbewusst war und sich seiner Rolle als Katalysator für sozialen Wandel bewusst war, der offensichtlich sexuell (vor allem heterosexuell) war, der intellektuell und nicht religiös war, der keine Probleme mit Kontrollverlust und Spaß hatte. Künstler sind allerdings selten so konventionell. Als Marsh einige von Jacksons Aussagen und Verhaltensweisen als „bizarr“ beschrieben hat, schien er nicht realisiert zu haben, dass Künstler, besonders außerordentlich begnadete, dazu tendieren, zumindest leicht exzentrisch zu sein und das Bedürfnis verspüren, Konformität zu widerstehen, um kreativ zu bleiben.

Marsh kritisiert Jacksons kindliche Eigenschaften sehr und nimmt diese als Zeichen fehlender Intelligenz oder Erfahrenheit wahr. Er scheint die Verbindung zu ignorieren, die viele Künstler mit der Kindheit aufrechtzuerhalten versuchen, um zu erschaffen. Künstler wie Pablo Picasso, Salvador Dali, Martha Graham, Igor Stravinsky, William Blake und viele weitere hielten starke Bindungen zu ihrer Kindheit aufrecht, um ihre Kreativität zu fördern.

Marsh hat kein Verständnis für Jacksons fehlende Konformität und versteht nicht ganz, dass die Macht von Jacksons Persona und Kunst, auf die Marsh anfangs so stark angesprochen hat, von genau dieser Eigenschaft stammt, die er später so verstörend fand, Jacksons Andersartigkeit. Diese Charakteristika, Jacksons kindliche Persona und seine unklaren ethnischen und sexuellen Eigenschaften, waren es, die Jackson solch einen breiten Anklang verliehen haben, die ihn faszinierend und aufregend machten, und die es Fans wie Marsh ermöglicht hatten, die Macht, die Welt zu verändern, auf ihn zu projizieren. Marsh legt das ungehobelt dar, wenn er schreibt „Ein Schlüssel zu Deinem Ruhm ist, dass Du dem Leitbild des Ausgestoßenen gut genug entsprichst, damit sich andere „Freaks“ mit Dir identifizieren und Dir helfen wollen.“ (37), obwohl er auf diese Idee nicht näher eingeht. Statt den Ursprung von Jacksons Macht zu würdigen, stellt er die Elemente seiner Andersartigkeit in dem Versuch, ihm Glaubwürdigkeit und Handlungskompetenz abzuerkennen, als erhebliche Fehler dar.

Marsh hat nicht verstanden, dass manche Verhaltensweisen, die er beunruhigend fand, scherzhaft gemeint gewesen sein könnten oder einen nicht sofort ersichtlichen Zweck hatten. Zum Beispiel fand Marsh verstörend, dass Jackson darauf bestand, dass seine Schwester Janet bei seinem Interview mit Stephen Demorest anwesend war und alle Fragen für ihn wiederholte, bevor er antwortete. Autor J. Randy Taraborelli versuchte Jackson 1981 unter gleichen Bedingungen zu interviewen. Taraborelli fand die Situation nicht durchführbar, beendete das Interview rasch und entschied, keinen Artikel darüber zu veröffentlichen. Jacksons Vater entschuldigte sich später bei Taraborelli und erklärte, dass sein Sohn zu jener Zeit keine Interviews geben wollte. Taraborelli interpretierte das so, dass Jackson nicht zu den Eheproblemen seiner Eltern befragt werden wollte. Taraborelli sagt, er verspürte „eine widerwillige Hochachtung dafür, wie Michael bekommen hat, was er wollte … keine Story.“ (38)

Warum hat Dave Marsh Jackson anfangs verehrt, nur um sich gegen ihn zu richten, als vermeintliche Unzulänglichkeiten auftauchten? Eine der Linsen, durch die dieses Rätsel betrachtet werden kann, ist die psychologische. Es handelt sich um ein Phänomen, das als Splitting/Abspaltung bekannt ist. Splitting ist ein Abwehrmechanismus des Egos, der bei manchen Persönlichkeitstypen häufiger zu beobachten ist als bei anderen. Dabei wird die Welt in polarisierten Formen der Idealisierung oder Abwertung betrachtet, alles ist entweder gut oder schlecht, schwarz oder weiß, ohne Graustufen dazwischen. Diese duale Sicht schützt gegen das Unbehagen, sich mit den Wirren der Abstufungen zu beschäftigen. Obwohl manche Menschen viel gewillter sind, alles auf diese polarisierte Art wahrzunehmen, spaltet jeder gelegentlich, besonders wenn man sehr wütend ist (sehr typisch in Form von „Du bist völlig böse, ich bin völlig gut“).

Ein Merkmal dieses Phänomens ist, dass sich ein Splitting manchmal völlig umdreht. Etwas oder jemand, der zuvor als völlig schlecht oder gut betrachtet wurde, kann plötzlich als das genaue Gegenteil erscheinen. Das ist die Basis vieler romantischer Komödien: eine Frau findet einen Mann extrem lästig und versucht ihm auszuweichen, bis sie ihn plötzlich in einem anderen Licht sieht und sich verliebt.

Marsh selbst gibt am Anfang seines Buches an, dass er gesplittet hat, ohne diesen Ausdruck zu verwenden, und dass sich sein duales Bild von Jackson gedreht hat: „Als sich die Verbindung, die uns mit Dir und Deinem Gefühl der Freude so eng verbunden hat, löste – selbst wenn es nur ein Haarriss war – fühlte es sich an, als ob die Gesamtkonstruktion zusammengebrochen wäre und uns mit nach unten gezogen hätte … Du hast Dich vom Mr. Kann-nichts-falsch-machen zu einem Schurken entwickelt.“ Sein anfängliches Gefühl für Jackson als messianische Figur war sicherlich eine unrealistische Idealisierung, die zu einer Enttäuschung führen musste. Sobald diese Enttäuschung eintrat, wertete Marsh Jackson ab und betrachtete ihn als unzuverlässig, wirr und bizarr.

Wenn Marsh nicht mit solch einer höchst idealisierten Sicht auf Jackson begonnen hätte, wäre seine Reaktion auf eine Enttäuschung nicht zu dem Extrem einer fast vollständigen Abwertung geworden. Ein ähnlicher Mangel an Abstufungen ist auch in den anderen Arbeiten ersichtlich, die in den folgenden Kapiteln untersucht werden, und das in Trapped offenkundige Splitting nimmt viel blumigere Formen an.

__________

(1) Marsh, Trapped: Michael Jackson and the Crossover Dream (1985), pp. 6, 7.

(2) Ibid., p. 205.

(3) Ibid., p. 257.

(4) Ibid., p. 8. Emphasis in the original.

(5) Ibid., p. 247.

(6) Ibid., p. 257.

(7) Ibid., p. 76.

(8) Ibid., p. 80.

(9) Ibid., p. 80.

(10) Ibid., p. 74.

(11) Ibid., p. 206.

(12) The Jacksons Live (CD), 1981. Marsh later contradicts himself when he states on page 254 that Jackson had been using “gospel ruminations” for years.

(13) Marsh, Trapped, p. 204.

(14) Ibid., p. 204.

(15) Ibid., p. 204

(16) Ibid., p. 207

(17) Ibid., p. 119

(18) Ibid., p. 47

(19) Ibid., p. 180

(20) Ibid., p. 74

(21) Ibid., p. 111

(22) Ibid., p. 112

(23) Ibid., p. 112

(24) Ibid., p. 112

(25) Ibid., p. 113

(26) Ibid., p. 113.

(27) Ibid., p. 121.

(28) Ibid., p. 121.

(29) Ibid., pp. 120-121.

(30) Ibid., p. 122.

(31) Ibid., p. 121.

(32) Ibid., p. 182.

(33) Michael Jackson, Moon Walk (1988), p. 176.

(34) Marsh, Trapped, p. 178.

(35) Ibid., p. 178.

(36) Rev. Al Sharpton, speech at Jackson’s memorial service, July 7, 2009.

(37) Marsh, Trapped, pp. 201-202.

(38) Randy Taraborrelli, Michael Jackson: The Magic, The Madness, The Whole Story (2009), pp. 216-221.

Präsidiale Politik, Teil 3

by

Presidential Politics, Part 3

Quelle: https://dancingwiththeelephant.wordpress.com
Post vom 8. Dezember 2016


Willa:  Lisha, so vieles hat sich verändert seit unserem letzten Post. Diese gefühlt qualvolle Wahl ist endlich zu Ende, und ich bin so fassungslos und demoralisiert. Es fühlt sich an, als wäre unser politischer Prozess tief beschädigt, vielleicht sogar zerbrochen, wie viele Leute sagen, und es scheint, dass es jetzt mehr als jemals zuvor wichtig ist, über alternative Machtformen zu sprechen – in der Bedeutung, dass man andere Wege als Politik finden sollte, um soziale Veränderungen hervorzubringen.

Lisha: Es war eine solch schwere Zeit für mich – angesichts der Tatsache, wie tief gespalten wir als Nation sind. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Institutionen stark genug sind, dem Druck, unter dem sie stehen, standzuhalten, und ich denke, da ist eine Antwort erforderlich. Michael Jackson sagte bereits in This Is It: „Es beginnt bei uns. Wir sind dran, andernfalls wird es niemals getan werden.“

Willa: Ich glaube, du hast Recht, Lisha, und das ist ein großartiges Beispiel. Er spricht hier ausdrücklich über die Eingeschränktheit der Regierung und darüber, wie Politiker eher dazu neigen, der öffentlichen Meinung zu folgen als sie anzuführen. Das wird deutlich in den Sätzen, die den von dir zitierten Sätzen vorangehen:

Die Leute sagen immer: „Oh, sie werden sich schon darum kümmern. Die Regierung wird es tun. Keine Sorge, sie werden …“ Sie wer? Es beginnt bei uns. Wir sind dran, andernfalls wird es niemals getan werden.

Lisha: Michael Jackson machte diese Feststellung damals 2009 in dem Part des Earth Song, bei dem er eindringlich an den Klimawandel erinnerte. Er warnte, dass dieses Problem unsere Beteiligung erfordere, wenn es jemals gelöst werden sollte, und er wusste, dass die Zeit knapp werden würde. Ich kann mir also nicht im Entferntesten vorstellen, was er nun, mehr als sieben Jahre später, fühlen würde, mit dem Wissen, dass ein Leugner des Klimawandels als Oberhaupt der US Environmental Protection Agency (US-Umweltschutzbehörde) nominiert ist.

Willa: Ich habe genau dasselbe gedacht. Es fühlt sich in dieser Zeit großer Umweltgefährdung an, als würden wir einen Riesenschritt in die falsche Richtung machen. Ein winziger Hoffnungsschimmer ist, dass Ivanka Trump ein Treffen zwischen ihrem Vater und Al Gore arrangiert hat, welches Gore anschließend „eine ausführliche und sehr produktive Besprechung“ genannt hat und sagte, es würde „fortgesetzt werden“.

Lisha: Ja, es ist wenigstens ein Hoffnungsschimmer.

Willa: Aber ich weiß nicht, ob wir uns einfach zurücklehnen und darauf hoffen können, dass alles gut ausgeht. Schließlich hat Michael Jackson nie viel Vertrauen in die Politik gesetzt.

Lisha: Stimmt. Als das Ebony Magazin ihn damals 2007 zu seinen politischen Ansichten befragte, sagte er:

Um die Wahrheit zu sagen, ich verfolge diese Dinge nicht. Wir wurden nicht so erzogen … wir bauen nicht auf diese Menschen, damit sie die Probleme in der Welt wieder in Ordnung bringen, das tun wir nicht. Sie können das nicht. So sehe ich das. Es geht um mehr als unsere Belange.

Willa: Das ist ein großartiges Zitat, Lisha. Aber obwohl er skeptisch gegenüber der Politik war, bedeutet das nicht, dass er nicht sozial engagiert war. Er glaubte ganz besonders leidenschaftlich daran, dass der Einfluss der Kunst die Wahrnehmung, Vorstellungen und Gefühle der Menschen verändern könne.

Lisha: Er war bereit die Initiative zu ergreifen und zu tun, von dem er wusste, dass es zu tun war. Und ich denke, er hat einige erstaunliche Beiträge geleistet, von denen wir heute noch profitieren.

Willa: Richtig. In einem Interview von 1980 auf 20/20 beschrieb er, wie das Publikum reagierte, wenn er und seine Brüder auf der Bühne auftraten, und dann stellte er die Verbindung dieser Reaktionen zu bedeutenden, kulturellen Veränderungen her – der Art von tiefgreifenden emotionalen Veränderungen, die Künstler hervorrufen können, aber Politiker eben nicht. Er sagte es so:

Wenn wir uns alle an den Händen halten und jeder bewegt sich mit, und da sind Menschen jeder Hautfarbe, aller Rassen, dann ist das die wundervollste Sache. Das ist etwas, was Politiker nicht erreichen.

Lisha: Wow. Er war noch so jung, als er das sagte. Aber es steht sinnbildlich für so vieles in seinem Lebenswerk und für das, was noch kommen sollte.

Willa: Genauso ist es. Und wir erkennen diesen Fokus auf tiefgreifenden kulturellen Wandel nicht nur bei seinen Konzerten, sondern auch in seinen Song Lyrics, Kurzfilmen, Gedichten und Kurzgeschichten wie auch anderer Kunst.

Allerdings bezeichnete sich einiges seiner Kunst nicht selbst als Kunst und oft empfinden wir es gar nicht als Kunst. Aber diese andere Art der „Kunst“ war auch sehr wichtig dahingehend, soziale Veränderungen zu bewirken.

Lisha: Das ist so wahr.

Willa: Zum Beispiel sein Zusammentreffen mit Ronald Reagan oder dem ersten Präsident Bush im Weißen Haus könnte man als eine Art öffentliches Theater sehen, wie wir schon letztes Mal besprochen haben. Mit Bühnenbild und Kostümen, Fotografie und Kameraaufnahmen und der weltweiten Verbreitung der daraus entstandenen Aufnahmen – alle Elemente einer ausgearbeiteten, weltweit veröffentlichten Theaterproduktion.

Und jene Bilder von Michael Jackson, die zeigen, wie er als hochangesehener Gast wie ein ehrenvoller Würdenträger im Weißen Haus empfangen wurde, hatten sowohl eine politische, als auch eine künstlerische Wirkung – sie waren dabei behilflich, die öffentliche Wahrnehmung über den „angemessenen“ Platz eines schwarzen Mannes in Amerika zu verändern. Diese Bilder eines Schwarzen, der mit Selbstvertrauen durch das Weiße Hause schreitet, kann dabei behilflich gewesen sein, dass Amerikaner sich vorstellen können, dass eines Tages ein schwarzer Mensch im Weißen Haus leben würde, und auf diese Art und Weise könnte dies den Weg für Barack Obama geebnet haben.

Lisha: Das ist solch eine wesentliche Feststellung, Willa. Jene Bilder waren so einflussreich, dass sie dabei halfen, alte, unbewusste Vorstellungen über den großen, weißen Mann, der einzig und allein zur Führung qualifiziert sein sollte, zu lockern.

Ich denke, viele Amerikaner hören das Wort „Rassismus“ und versuchen sofort es zu verleugnen, denken, dass es ausschließlich für jene Art hasserfüllter Vorurteile steht, die durch David Duke und den Ku Klux Klan ausgedrückt werden. Wir wissen aus Erfahrung, dass die meisten Amerikaner nicht so sind, trotzdem möchte ich sagen, dass es bei diesem Wahlzyklus einen schockierenden Grad der Toleranz für diese Gruppen gegeben hat.

Willa: So ist es. Das ist eine der entmutigendsten Erkenntnisse dieser Wahl – dass ein großer Anteil der Amerikaner fähig war Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, religiöse Intoleranz und andere Arten von Vorurteilen im Austausch für Versprechungen im Hinblick auf wirtschaftliches Wachstum zu ignorieren.

Lisha: Es war so schmerzhaft für mich, mich damit auseinanderzusetzen. Und ich habe das Gefühl, dass dazu einfach so viel geleugnet wird. Auch ohne irgendwelche Rassenfeindlichkeit zu hegen ist Rassismus zum Beispiel immer noch Teil unseres Lebens in den Vereinigten Staaten, ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht. Bei dem Ausdruck „Rassismus“ handelt es sich nicht einfach nur um hassende Gruppen oder Hassreden. Er bezieht sich auch auf eine rassenbasierte Kastenordnung, bei der die vorherrschende, weiße Kultur einen eindeutigen Vorteil genießt. Und das ist etwas, was wir dringend ansprechen müssen.

Willa: Absolut. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, Lisha.

Lisha: Aber wie du sagtest setzte Michael Jackson damals -1984 – seine Kunst dafür ein, das System auf den Kopf zu stellen, als er einen funkelnden Militäranzug anzog und den Rasen des Weißen Hauses beherrschte. Er stahl allen Beteiligten die Schau, der Präsident und Mrs. Reagan inbegriffen. Meiner Meinung nach war das solch ein kluger, kühner Schachzug, mit dem er auf clevere Art die Funktion von Macht auf den Kopf stellte.

Willa: Ja, und diese Bilder von ihm mit Präsident und Mrs. Reagan, und später mit Präsident Bush, wurden überregional ausgestrahlt, und ich denke, sie hatten weltweit eine einflussreiche, politische Wirkung.

Du weißt ja, wir begannen unseren letzten Post mit Frederick Douglass, der einer der ersten war, der den großen Einfluss von Bildern bei der Überwindung von Rassismus erkannte. Wir erwähnten auch, dass Douglass Abraham Lincoln besucht hat, deshalb dachte ich, dass es interessant war, dass Dave Chappelle darüber nach unserer aktuellen Wahl in einem bewegenden Monolog in Saturday Night Live sprach.

Bei 9:50 min beschreibt Chappelle, wie er vor einigen Wochen zu einer Party im Weißen Haus ging:

Nun, ich bin nicht sicher, ob es stimmt, aber meines Wissens war der erste Schwarze, der offiziell ins Weiße Haus geladen wurde, Frederick Douglass. Sie hielten ihn vor dem Tor an. Abraham Lincoln musste persönlich hinausgehen und Frederick Douglass ins Weiße Haus begleiten. Und das wiederholte sich, soviel ich weiß, nicht wieder, bis Roosevelt Präsident war. Als Roosevelt Präsident war hatte er einen schwarzen Kerl zu Besuch und geriet dadurch so unter Beschuss der Presse, dass er wörtlich sagte: „Ich werde niemals wieder einen Nigger in diesem Haus haben.“

Lisha: Ich muss sagen, dass Chappelles Worte mich schwer getroffen haben. Wie beschämend – wie absolut erbärmlich – dass eine Gruppe Amerikaner auf diese Weise gesehen und auf solch eine furchtbare Art behandelt wurde.

Willa: Ja, und gerade von Präsident Roosevelt, der gemeinsam mit seiner Frau Eleanor oft als Verfechter der Menschenrechte bezeichnet wird. Michael Jackson band sogar ein Bild von Roosevelt in die Prison Version von They Don’t Care About Us ein.

Er erwähnt Roosevelt außerdem namentlich in den Lyrics und singt diese machtvollen Worte des Lobes:

Sag mir, was ist aus meinen Rechten geworden?
Bin ich unsichtbar, nur weil du mich ignorierst?
Deine Verkündung versprach mir Freiheit,
Nun bin ich es leid das Opfer von Scham zu sein
Sie werfen mich in einen Topf mit denen, die einen schlechten Ruf haben
Ich kann nicht glauben, dass dies das Land ist, aus dem ich komme
Weißt du, ich hasse es wirklich dies zu sagen
Die Regierung will es einfach nicht sehen
Aber wenn Roosevelt noch leben würde
Würde er dies nicht zulassen, nein nein

Michael Jackson wiederholt diese letzten zwei Zeilen in einer späteren Strophe, ersetzt Roosevelt Namen durch den von Martin Luther King, womit er andeutet, dass er beide auf die gleiche Art sieht. Er deutet vor allem an, dass weder Roosevelt noch Martin Luther King Ungerechtigkeit tolerieren würden – sie „würden es nicht zulassen“.

Aber wenn Dave Chappelle Recht hat, dann stimmt das wohl nicht. Vielleicht hat sich Roosevelt letzten Endes dem politischen Druck gebeugt, wie es Präsidenten oft tun, und wie er es seinerseits tat, als er „einen schwarzen Kerl zu Besuch im Weißen Haus hatte“ und vor all der Kritik kapitulierte, die er dafür von der Presse erhielt.

Lisha: O.K. gut, lass uns hier innehalten und mal darüber nachdenken. Ganz klar, es gab eine Grenze, wie weit er gehen würde bei der Verteidigung des rassenbezogenen „Anderen“.

Willa: Das stimmt, oder inwieweit er das Gefühl hatte, bis wohin er gehen konnte. Wenn Politiker sich zu weit von den Menschen, die sie gewählt haben, entfernen, riskieren sie ihre Wählerschaft zu verlieren. Als Lyndon Johnson den Civil Rights Act von 1964 unterzeichnete, sagte er Berichten zufolge zu einem Berater: „Wir haben gerade den Süden für eine Generation lang verloren.“ Und er hatte Recht. Mit ein paar kleinen Ausnahmen wählt der Süden seitdem komplett republikanisch, obwohl einige Staaten wie North Carolina und Virginia wieder umzuschwenken scheinen.

Aber du sagst es sehr richtig, Lisha. Im Allgemeinen können Politiker die Menschen einfach nicht auf die Art bewegen, wie es ein Künstler wie Michael Jackson vermag. Wenn sie ihre Wählerschaft weit mehr fordern als diese es wollen, verlieren sie möglicherweise ihre Macht.

Lisha: Michael Jackson schrieb „They Don’t Care About Us” vor mehr als zwanzig Jahren, aber es ist heute so relevant, wie es schon immer war. Der Song taucht immer wieder auf, wenn er gebraucht wird, zum Beispiel als Protestierende auf die Straßen gingen, um diese einfache Forderung zu verteidigen: „Alle Leben können nicht zählen, ehe nicht das Leben aller Schwarzen zählt.“ (“All lives can’t matter until black lives matter.”)

Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir versuchen an jenen hohen Idealen festzuhalten, zu deren Durchführung wir nie gekommen sind, Dinge wie „Freiheit und Gerechtigkeit für alle“. Michael Jackson machte sie auf künstlerische Weise, die unsere rationalen Vorstellungen umging, sichtbar und traf damit tief vergrabene, unbewusste Vorstellungen und Geisteshaltungen. Es liegt in unserer Hand diese als bedeutungsvolle Orte des Widerstands zu erkennen und weiter voran zu gehen.

Willa: Absolut. Er sprach darüber ausdrücklich in Filmen wie They Don’t Care About Us, Black or White und Can You Feel It, aber ebenso bei zahlreichen Gelegenheiten auf subtile Art und Weise. Wir erkennen einige dieser subtilen Ergründungen in Thriller und Ghosts und auf eher radikale Art in seiner sich ändernden Hautfarbe. Wir sehen es außerdem in unkonventioneller Kunst wie der politischen Theateraufführung seines Besuches im Weißen Haus.

Aber es gab Gelegenheiten, bei denen er ausdrücklich die Macht und Inszenierung der Politik nutzte, um die Aufmerksamkeit auf Anliegen, um die er sich kümmerte, zu lenken.

Lisha: Ein Beispiel, von dem ich inspiriert wurde, ist die Gala zur Inauguration für den damals gewählten Präsidenten Bill Clinton im Jahr 1993. Obwohl Michael Jackson zuvor von zwei republikanischen Regierungen geehrt worden war, stand er auch wieder im Mittelpunkt, als ein Demokrat gewählt worden war. Er nutzte die Gelegenheit Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das ihn tief beschäftigte und würdigte Ryan White mit „Gone Too Soon“. Es lohnt sich, dies noch einmal anzusehen und wirklich auf sich wirken zu lassen:

Willa: Das ist so ein starker Moment. Und du hast Recht, Lisha. Es ist außerdem ein eindeutiges Beispiel dafür, dass Michael Jackson das politische Theater rund um die amerikanische Präsidentschaft nutzte, um Aufmerksamkeit auf Themen und Personen, die ihm am Herzen lagen – in diesem Fall Aids – zu lenken.

Lisha: Ich muss noch einmal bemerken, wie gerührt sowohl der Präsident als auch Ministerin Clinton bei diesem Auftritt sind. Wie wir alle wissen, gründeten sie später eine Wohltätigkeitsorganisation, die heute lebensrettende Medikamente für über die Hälfte aller AIDS-Betroffenen bereitstellt.

Willa: Ja, und es ist wirklich wichtig, sich daran zu erinnern. Ich glaube nicht, dass Bill Clinton viel politisches Kapital für die AIDS Krankheit aufwendete, bevor sich Michael Jackson für das Thema bei diesem Auftritt zur Inauguration einsetzte. Und dieser künstlerische Akt hat durch die Clinton Foundation einen Langzeiteffekt, wie du sagst, und rettet weltweit tausende Leben.

Wir erkennen einen ähnlichen Fokus, Bewusstsein für besondere, politische Themen zu schaffen, als Michael Jackson sich mit dem früheren Präsident Carter für das Heal LA Project zusammentat, das später auf Atlanta ausgeweitet wurde. Michael Jackson sprach über das LA Project während einer Rede über seine bevorstehende Superbowl Halbzeit Show 1993, und er nennt sowohl Präsident Carter als auch Präsident Clinton als Inspiration:

Und natürlich bezog er diese Themen auch in die Halbzeit Show selbst ein, besonders in das große Finale mit „Heal the World“.

Präsident Carter kam wirklich nach Neverland, als sie an dem Projekt arbeiteten. Hier ist ein Bild, das während seines Besuches aufgenommen wurde:

Lisha: Ich liebe das Bild.

Willa: Ich auch! Und es gibt auch noch einige Fotos von der Ankündigung des Atlanta Projekts. Hier ist eine Video Slideshow von einigen davon:

Lisha: Die sind wunderbar, Willa. Eins ist sicher, Michael Jackson hing wirklich mit den Präsidenten ab, nicht wahr?

Willa: Das tat er wirklich – eine weitere Eigenschaft, die er mit Frederick Douglass teilte.

Lisha: Nun, wir haben immer noch mehr über dieses Thema zu berichten. Fortsetzung folgt …

Michaels Interview mit Ebony/Jet, Mai 1992

 

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Dieses Interview führte Michael mit Ebony/Jet Editor Robert E. Johnson während seines Besuchs von mehreren afrikanischen Staaten (Gabun, Republik Elfenbeinküste,Tansania) im Februar 1992. Während dieser Reise wurde Michael in einer besonderen Zeremonie auch zum ‘King of Sanwi’ (Königreich in der Republik Elfenbeinküste) gekrönt.



Ebony/Jet: Was hast du empfunden, als du auf den afrikanischen Kontinent zurückgekehrt bist?

Michael: Für mich ist es “die Wiege der Zivilisation“. Es ist der erste Ort, an dem eine kulturelle Gesellschaft entstand. Dieser Ort hat sehr viel Liebe gesehen. Und ich glaube, es besteht eine Verbindung, denn hier liegt die Quelle des Rhythmus. All das. Es ist Heimat.

Ebony/Jet: 1974 hast du Afrika schon einmal besucht. Kannst du die beiden Besuche vergleichen?

Michael: Dieses Mal habe ich alles bewusster wahrgenommen: die Menschen und ihre Lebensumstände und ihre Regierung. Aber noch deutlicher habe ich die Rhythmen, die Musik und die Menschen wahrgenommen. Das habe ich mehr als alles andere gespürt. Die Rhythmen sind unglaublich. Du siehst es besonders an der Art, auf die sich schon die Kinder bewegen. Sogar die Kleinsten beginnen zu tanzen, wenn sie die Trommeln hören. Die Rhythmen und wie sie ihre Seelen berühren und wie sie sich dazu bewegen. Es ist das, was auch die Schwarzen in Amerika in sich tragen.

King of Sanii

Ebony/Jet: Wie fühlt es sich an, ein echter König zu sein?

Michael: Ich denke nicht so oft daran, ich will nicht, dass es mir zu Kopf steigt. Aber es ist eine große Ehre…

https://www.youtube.com/watch?v=CNJk84s2bew

Ebony/Jet: Um auf das Thema Rhythmus und Musik zurück zukommen: Wie hast du die Gospel-Songs auf deinem letzten Album zusammengestellt?

Michael: Ich schrieb „Will You Be There“ in meinem Zuhause auf Neverland, in Kalifornien. Ich habe nicht lange darüber nachgedacht. Deshalb ist es auch so schwer, mir die Lorbeeren für die Songs, die ich schreibe, anzurechnen, denn ich spüre immer, dass es von einer höheren Quelle kommt. Ich schätze mich glücklich, das Instrument zu sein, durch das diese Musik fliesst. Ich bin nur die Quelle, durch die es strömt. Ich kann mir nicht den Verdienst daran gutschreiben, denn es ist Gottes Werk. Er nutzt mich als seinen Botschafter.

Ebony/Jet: Kannst du uns etwas über das Konzept des Dangerous Albums sagen?

Michael: Ich wollte ein Album machen, das so sein sollte, wie Tschaikowskys Nussknacker-Suite. Ein Album, das die Menschen in 1000 Jahren immer noch anhören werden. Etwas, das ewig leben würde. Ich würde es lieben, wenn Kinder, Teenager, Eltern aller Ethnien der ganzen Welt in hunderten von Jahren immer noch die Lieder dieses Albums anhören und versuchen würden, es zu analysieren.

Ebony/Jet: Uns ist aufgefallen, dass du auf dieser Reise besondere Anstrengungen unternommen hast, um Kinder zu besuchen.

Michael: Ich liebe Kinder, wie man sieht. Und Babys.

Ebony/Jet: …und Tiere.

Children Africa 1992

Michael besucht Abidjan, 1992

Michael: Es gibt da ein bestimmtes Gespür, das Kinder und Tiere gleichermassen besitzen, und das mir eine kreative Energie verleiht. Eine bestimmte Kraft, die später im Leben, auf Grund der vielfältigen Konditionierung, die von allen Seiten ausgeübt wird, irgendwie verloren geht. Ein großer Dichter sagte einmal: „Wenn ich Kinder sehe, erkenne ich, dass Gott die Menschen noch nicht aufgegeben hat.“ Ein indischer Dichter, mit dem Namen Tagore, sagte das. Die Unschuld der Kinder repräsentiert für mich die Quelle unerschöpflicher Kreativität. Das ist das Potential eines jeden Menschen. Aber wenn du erwachsen bist, bist du konditioniert; du passt dich an die Gegebenheiten deiner Umgebung an, und du verlierst es. Liebe. Kinder sind liebevoll. Sie lästern nicht, sie lamentieren nicht, sie sind einfach offenherzig. Sie nehmen dich so wie du bist. Sie urteilen nicht. Sie teilen die Welt nicht in schwarz und weiß ein. Sie sind sehr Kind-gleich. Und das ist das Problem mit den Erwachsenen, denn sie verlieren diese Kind-gleichen Eigenschaften. Und genau das ist die Inspirationsebene, die so wichtig ist zum Erschaffen von Songs, aber auch für einen Bildhauer, einen Dichter oder einen Schriftsteller. Es ist diese Ebene der Unschuld, die gleiche Bewusstseinsebene, von der aus du kreierst. Und Kinder haben das. Bei Kindern, Tieren oder der Natur fühle ich das besonders intensiv. Und selbstverständlich auch, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich kann ohne diese Art Ping-Pong Austausch mit dem Publikum nicht performen. Weißt du, dieses Spiel mit Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion. Ich spiele mit ihnen. Sie nähren mich und ich handele aufgrund ihrer Energie.

Ebony/Jet: Wohin führt all das?

Michael: Ich glaube wirklich daran, dass Gott Menschen dazu auserwählt, bestimmte Dinge zu tun. So wie Michelangelo oder Leonardo daVinci, Mozart, Muhamad Ali oder Martin Luther King auserwählt waren. Und ihre Mission ist es, genau diese Dinge zu tun. Und ich glaube, ich habe bisher nicht einmal an der Oberfläche dessen gekratzt, was der wirkliche Zweck meines Daseins hier ist. Ich bin meiner Kunst verpflichtet. Ich glaube, das höchste Ziel jeder Kunst ist die Vereinigung des Materiellen mit dem Spirituellen, des Menschlichen mit dem Göttlichen. Und ich glaube, dass das der wahre Grund für die Existenz jeder Kunst ist und für alles, was ich erschaffe. Und ich fühle mich glücklich, das Instrument zu sein, durch das die Musik fliesst.

Tief in mir spüre ich, dass diese Welt in der wir leben, ein großes, riesiges, monumentales Sinfonieorchester ist. Ich glaube, jede Schöpfung ist in ihrer ursprünglichsten Form Klang und es ist nicht nur ein willkürlicher Klang, sondern Musik. Kennst du den Ausdruck ‘Sphärenmusik’? Das eine sehr wörtliche Formulierung. In den Evangelien lesen wir: “Und Gott der Herr erschuf den Menschen aus dem Staub der Erde und blies in seine Nüstern den Atem des Lebens und der Mensch wurde eine lebendige Seele.” Dieser Atem des Lebens ist für mich die Musik des Lebens und sie durchdringt jede Faser der Schöpfung. In einem der Stücke des Dangerous-Albums* sage ich:

“Lebenslieder ganzer Zeitalter pulsieren in meinem Blut, sie tanzen den Rhythmus von Ebbe und Flut.”

Das ist eine sehr wörtliche Aussage, denn die gleichen geheimnisvollen Intervalle und biologischen Rhythmen, die die Bausteine meiner DNA bestimmen, lenken auch die Bewegungen der Sterne. Die gleiche Musik bestimmt den Rhythmus der Jahreszeiten, den Puls unseres Herzschlags, die Wanderung der Zugvögel, Ebbe und Flut der Ozeane, die Zyklen von Wachstum, Entstehung und Zerfall. Es ist Musik, es ist Rhythmus. Und mein Ziel im Leben ist, der Welt zurückzugeben, was mir glücklicherweise zuteil wurde: die Ekstase göttlicher Vereinigung durch meine Musik und meinen Tanz. Das ist meine Bestimmung, das ist der Grund, weshalb ich hier bin.

* Zitat aus Dancing The Dream

Will You Be There

Will You Be There?

Ebony/Jet: Was ist mit Politik?

Michael: Ich beschäftige mich niemals mit Politik. Aber ich denke, Musik besänftigt die wilde Bestie. Wenn man Zellen unter ein Mikroskop legt und Musik einschaltet, sieht man, wie sie sich bewegen und anfangen zu tanzen. Es berührt die Seele… Ich höre Musik in allen Dingen.

Weißt du, soviel habe ich seit acht Jahren nicht mehr gesagt. Du weißt, ich gebe keine Interviews. Es ist nur, weil ich dich kenne und weil ich dir vertraue. Du bist der einzige Mensch, dem ich genug vertraue, um ihm Interviews zu geben.


Übersetzung: M.v.d.Linden

Ebony 1992 Cover

Interview mit John Bähler

Ein Interview mit John Bähler – Übersetzung aus dem Buch:

Let’s Make HIStory: An insight into the HIStory album von Brice Najar

John Bähler begann, wie sein Bruder Thomas, mit Michael und den Jackson 5 zusammenzuarbeiten, als sie bei Motown unterzeichneten. Als Musik- und Stimmarrangeur war er noch über viele Jahre sowohl beruflich als auch freundschaftlich mit Michael verbunden, nachdem er Motown verlassen hatte. John Bähler ist einer der Macher von Heal The World, wo er auf großartige Art den Chor leitete, der die Stimme des King Of Pop unterstützt und zugleich die Ohren der Zuhörer erfreut. Nach seinem jüngeren Bruder ist es jetzt an John, meine Fragen zu beantworten und seine Erinnerungen mit uns zu teilen.

Wie dein Bruder Tom, hast auch du während der Motown-Ära mit Michael als Stimm- und Musikarrangeur zusammen gearbeitet. War dir zu der Zeit schon bewusst, dass er ein großer Star werden würde? Hast du ihn unter den anderen Künstlern bei Motown als etwas Besonderes erkannt?

Absolut! Als ich anfangs mit Michael arbeitete, sagte jeder, er sei 11Jahre alt, aber er war 13, sah aber aus wie 11. Ich arbeitete mit der Gruppe, mit allen fünf Jungs. Michael stach nicht nur in der Gruppe hervor, sondern in der Musik generell. Ich will sagen, dass er sehr aussergewöhnlich und besonders war. Dieser Mensch hatte mehr Liebe in sich, als irgend jemand anderes. Ich habe über ihn gehört und auch selbst oft gesagt, dass ein Bild von Michael Jackson erscheinen sollte, wenn man im Lexikon das Wort „Liebe“ nachschlägt. Er war der liebenswürdigste, netteste, großzügigste süßeste, charismatischste Kerl, und er liebte es, den Leuten Streiche zu spielen. Mir fehlen wirklich die Worte, wenn ich von Michael Jackson spreche, denn ich liebe ihn so sehr und unsere Verbindung bestand über eine sehr lange Zeit, eigentlich bis etwa 1,5 Jahre bevor er starb.

Es war also wirklich ganz offensichtlich. Als wir mit ihm Ben aufnahmen, ich glaube, das war seine erste Single als Solo Künstler, wussten wir schon, dass es keine Grenzen gab. Nichts konnte diesen Kerl stoppen! Sogar als er mit 50 Jahren starb, war die Quelle seiner Kreativität noch lange nicht versiegt. Er hatte noch so viel mehr zu geben. Natürlich kam er in das Alter, in dem das Performen nicht mehr ganz so leicht war, als Jahre zuvor, aber seine Seele war noch immer jugendlich.

Etwa 18 Monate bevor er starb, rief er mich an. Genauer gesagt war es sein musikalischer Direktor, der anrief und sagte: „Michael würde gerne mit dir sprechen.“ Ich sagte: „Großartig! Ruf mich jederzeit an, ich bin immer da, ich stehe immer zur Verfügung.“ Normalerweise kamen solche Anrufe immer kurz bevor einem großen Projekt, deshalb dachte ich, dass er anrufen würde, damit ich ihm bei der Tour helfen würde, die er nicht machen konnte. Aber dann rief er nicht an, und ich sah die Leute, mit denen er sich umgab, und machte mir Gedanken, denn meiner Meinung nach, (und das ist wirklich meine ganz persönliche Meinung, und ich möchte nicht, dass die Öffentlichkeit mich deshalb steinigt) hatte er sich mit „Jasagern“ umringt. Mein Bruder und ich waren Michael gegenüber nie Jasager. Michael war für uns wie ein jüngerer Bruder, und Michael wählte nie nach „Farbe“ aus, sondern er suchte immer nach Talenten. Als ich also einige dieser Jasager um ihn herum sah, war ich beunruhigt, aber ich konnte nichts tun…

Erinnerst du dich noch daran, als du ihn zum ersten Mal getroffen hast? Welche Erinnerungen hast du an diese Sessions bei Motown?

Oh ja, ich habe einige Geschichten! Ich traf ihn zum ersten Mal etwa 1970 oder ’71, als sie bei Motown unterzeichneten. Ich produzierte und arbeitete schon mit ein paar anderen Künstlern bei Motown, und sie riefen mich, um mit den Jungs zu arbeiten. Michael war sehr jung. Eine Sache, an die ich mich erinnere ist, dass sie als Jungs immer viel herumblödelten, während sie arbeiteten, weil sie Brüder waren. Damals hatte ich lange Haare und zu der Zeit war sie auch noch braun. Ich war also still und lies sie gewähren. Was ich aber nicht wusste und was Michael mir Jahre später erzählte war, dass ich immer meine Haare zurückstrich, wenn ich nervös war. Und Michael sagte dann jedes Mal: „Hey Jungs, John streicht seine Haare zurück, wir sollten uns besser wieder beruhigen!“ Das war ihr Zeichen.

J5 Motown

Du hast zu vielen Songs von MJ und den J5 bei Motown beigetragen, man könnte Stunden darüber sprechen. Kannst du uns etwas mehr über den kreativen Prozess einer der anspruchsvolleren Kompositionen berichten?

Ich weiß nicht mehr genau, welche Aufnahme es war, an der wir arbeiteten, aber ich hatte ein besonders kompliziertes Gesangs-Arrangement für sie geschrieben und sie sagten nur: „Das können wir nicht singen, das können wir nicht…“ Und ich sagte nur: „Doch, das könnt ihr.“ Also übte ich mit ihnen all die einzelnen Teile ein, aber es war immer noch schwierig für sie, deshalb sang ich sie mit ihnen zusammen. Als wir dann bereit für die Aufnahme waren, stand ich neben dem Mikrophon um die Background Teile mit zu singen, und Michael machte sich bereit für den Lead Gesang. Der Produzent kam aus dem Studio und sagte: „Du kannst bei der Aufnahme nicht mitsingen!“ Was aber ganz eindeutig eine Sache von „schwarz und weiß“ war. Ich sagte: „Ok, kein Problem.“ Der Produzent ging also wieder in sein Studio-Abteil zurück. Der Toningenieur (er war ebenfalls schwarz und sehr cool, leider weiß ich seinen Namen nicht mehr) kam heraus und winkte mir zu und stellte das Mikrophon so ein, dass die Jungs in Richtung des Aufnahmestudios blickten und ich mit dem Rücken dazu gegenüber von ihnen stand. Das Mikrophon war so eingestellt, dass es von beiden Seiten offen war. Ich konnte also mit ihnen mitsingen, ohne dass es jemand bemerkte. Mein Dank geht an diesen netten Ingenieur, er war klasse! Ich sang also auf dieser Aufnahme mit und keiner wußte es – bis jetzt, jetzt weiß es jeder. Ich sang jeden Teil mit ihnen, es war wunderbar. Es war nur der eine Song, ich glaube, es müsste Looking Through the Window gewesen sein. Die meiste Zeit war es nicht nötig, mit ihnen zu singen. Aber das hatte ich über ihre Köpfe hinweg geschrieben – damit meine ich nicht ihr Talent, sondern dass das Konzept ungewöhnlich war. Ich denke, ich sang noch bei mehreren Sachen mit. Ich sang bei einigen Aufnahmen von Michael, aber was die Gruppe betrifft, ist das eine der Geschichten, an die ich mich erinnere. Jetzt weiß es die ganze Welt! (lacht)

jackson5 lookin' through the window

Du sagst, es war ganz eindeutig eine Sache von „schwarz und weiß“. Warst du der einzige Weiße, der bei Motown arbeitete?

Ja, mein Bruder und ich waren tatsächlich die einzigen weißen Typen im ganzen Gebäude. Wir beide sind mit Gospelmusik aufgewachsen, wir waren quasi auch farbenblind. Ich meine damit, dass Black Music das war, womit wir aufwuchsen, und wir teilten es nicht in „weiß“, „schwarz“, „lila“ ein – egal was es war, es war einfach großartige Musik. Das war auch ein Grund, weshalb wir zu Motown kamen, weil Berry Gordy mit bekommen hatte, dass jemand bei Motown etwas gehört hatte, das ich geschrieben hatte und sie es für sehr „soulful“ hielten und mich dann zu sich riefen.

Zu der Zeit hatte Michael noch nicht seine Erwachsenenstimme. Wie bist du als Stimm-Arrangeur damit umgegangen, jemanden aufzunehmen, dem während der Aufnahme die Stimme brach?

So weit ich es wahrnahm hat seine Stimme sich nie verändert. Er konnte diesen Stimmbruch abfangen, wie man es nie zuvor gehört hatte, und seine Sprechstimme war sowieso sehr hoch. Er sprach ganz hier oben! (imitiert MJ) Er hatte viele hohe Noten in seinem Repertoire, und die Songs, die er als Kind sang, wie ABC und solche Sachen, hat er dann zwar in einer anderen Tonlage gesungen, aber die Qualität war immer gleich hoch und auch die Energie war immer gleichbleibend! Es war also nie ein Problem. Das heisst, jeder Song an dem ich mit ihm gearbeitet habe, über all diese Jahre, all diese Songs wurden für ihn geschrieben, weshalb ich wirklich nie darüber nachdachte. Daran sieht man, wie gut es lief. Ganz ehrlich – ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, es gab nie ein Gespräch darüber. Wie du weißt, war Michael so unglaublich talentiert und zu 100% professionell. Er war einfach nur umwerfend!

Hast du, abgesehen von Michael, auch Erinnerungen an seine Brüder?

Michael sagte mir einmal, als er noch sehr klein war, dass Jackie der beste Sänger und Tänzer der ganzen Familie sei. Aber er war so schüchtern, extrem schüchtern, sogar noch schüchterner als Michael. Später habe ich Jackie davon erzählt und er sagte zu mir: „Ich fühle mich einfach im Vordergrund nicht wohl. Ich bleibe lieber im Hintergrund. Michael war der jüngste, und wir waren alle größer als er. Deshalb schoben wir ihn immer nach vorne.“ Und so begann es.

Damals, in den 1970ern, fuhr Jackie immer zu meinem Haus (er fuhr einen Rolls Royce Convertible), um zu sehen, was ich so machte. Und dann hielt er an und wir unterhielten uns. Auch mit Jermaine hatte ich ein gutes Verhältnis. Ich mag dieses Kind. Also, er ist natürlich kein kein Kind mehr, aber für mich ist er trotzdem eins. Tito und Marlon waren so klein, dass ich sie nicht so gut kennenlernte, wie Jermaine und Jackie. Eines Tages ging ich mit meiner Frau zu einer Grammy Award Verleihung, und auf dem Weg dahin sah ich Jermaine auf der anderen Strassenseite, wollte ihm aber nicht über die Strasse zurufen. Aber dann drehte er sich um und sah mich und rief: „John!!“ Er kam über die Strasse und umarmte mich. Es war etwas peinlich und gleichzeitig aufregend, dass er sich nach all den Jahren noch an mich erinnerte. Sie sind eine ganz besondere Familie und es passiert dir im Lauf deiner Karriere nicht so oft, dass du mit solchen Leuten arbeiten kannst – und dann ist es auch nicht wirklich Arbeit.

Obwohl die J5 Motown verliessen, bist du mit Michael in Kontakt geblieben, und er buchte dich über Jahre hinweg regelmässig für Gesangs-Arrangements. Denkst du, dass ihr ein besonderes Verhältnis hattet, das über die rein professionelle Zusammenarbeit hinausging?

Wir haben jahrelang mit Michael und den Jungs und dann mit Michael alleine zusammengearbeitet, bis sie Motown verliessen um bei EPIC zu unterzeichnen. Dann begann ich mit Michael zu arbeiten. Ich kann euch garnicht sagen, wie oft Michael 16 Takte von Songs schrieb und mich dann anrief, um in sein Haus auf der Neverland Ranch zu kommen, wo ich dann diese 16 Takte aufnahm und er mich bat, etwas zu schreiben. Ich schrieb etwas und sang die Teile und irgendwann später hörte ich einen Song und dachte: „Das klingt irgendwie vertraut! Ach ja, genau, dazu habe ich den Refrain geschrieben.“ Er hat viele dieser Demos gemacht, deren Rhythmen einfach erstaunlich waren, und ich kam dann zu ihm und wir nahmen alles auf, was er von einem Song schon hatte, manchmal war es nur ein Stückchen. Es waren bestimmt 20 oder 25 davon. Wenn die Familie etwas davon veröffentlicht, würde ich es sehr gerne hören wollen.

Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich ganz alleine mit ihm dort war. Ich erinnere mich deshalb an diesen Tag, weil er seinen Hut, den er immer trug, abgenommen hatte und ich ihn mir auf den Kopf gesetzt hatte, und er passte perfekt! Ich sagte: „Michael, ich brauche auch so einen!“ Er antwortete: „Du hast keinen?“ „Nein!” Und er: „Dann werde ich dir einen besorgen!“ Aber natürlich hat er es nie getan, und wenn ich jetzt daran denke, wünschte ich, ich hätte einfach gesagt: „Ich hätte gerne diesen!“ Er hätte einfach „ok“ gesagt. Aber ich war nicht einer von diesen aufdringlichen Typen. Ich glaube, ich besitze nicht einmal ein Foto von uns beiden…

Wie auch immer… Michael und ich singen also Teile des Background-Gesangs und aus irgendeinem Grund hatte ich zwei Ohrhörer in den Ohren. Über all die Jahre, die ich schon Background-Sänger war, trug ich immer nur einen Ohrhörer, damit ich mich selbst live mithören konnte. Heute tragen die meisten Sänger zwei, denn sie wollen sich zusammen mit allem hören, was der Toningenieur einspielt. Ich möchte das aber nicht hören und benutze deshalb nie zwei Ohrhörer. Jedenfalls trug ich an dem Tag aber dennoch zwei, und nach den ersten beiden Takten des Stücks hörten wir einen fürchterlich schiefen Gesang. Wir beide sahen uns an und dachten: “Was zum Teufel ist das?!“ Wir hielten das Band an und ich nahm die Ohrhörer raus und Michael sah mich an und sagte: „Das bist du! Hahaha…!“ Ich hatte diese Ohrhörer an, und konnte mich nicht singen hören und hatte deshalb völlig schief gesungen. Ich hoffe, dass sie das nicht aufgenommen haben, es war wirklich das übelste, das mir in meiner Laufbahn passiert ist. Als ich dann wieder nur mit einem Ohrhörer sang, war alles wieder gut. Aber Michael lag vor Lachen am Boden, denn er nannte mich immer Mr. Perfect, und als das passierte fand er es einfach nur zu gut!

Ich vermisse ihn. Ich spreche ständig mit ihm. Ich weiß nicht einmal, ob er überhaupt zuhört, er antwortet ja nie. Aber vielleicht eines Tages, wer weiß? Bei mir hier im Flur habe ich einen Brief, den Michael meiner Frau Janet geschrieben hatte, nachdem wir auf Neverland waren. Als er starb habe ich daraus für uns eine Art Gedenken an ihn gemacht. Ich habe den Brief zusammen mit dem Umschlag eingerahmt, alles von Michael handgeschrieben, und jeden Tag, wenn ich daran vorbei komme sage ich „Hi!“ zu ihm.

Heal The worlsd LLardo

Michael hatte immer große Ideen für mich, aber weil ich ihn nicht ständig anrief und bedrängte, vergass er es oft. Er hatte so viel um die Ohren. Den Hut, den er mir nie gab und da war noch eine kleine Heal The World Statue mit Figuren von Kindern, die mit Michael zusammen eine Weltkugel hielten. Er hatte sie in seinem Bahnhof stehen, und als Janet und ich sie sahen, sagte ich: „So eine hätte ich gerne! Wo kann man sie bekommen?“ Michael sagte: „Ich werde dir eine besorgen!“ Natürlich kam er nie dazu, und ich rief ihn auch nie an und fragte: „Wo bleibt sie?“. Ich glaube, das ist auch einer der Gründe dafür, dass er mich und meinen Bruder respektierte. Wir gehörten für ihn nie zum Showbusiness. Ich meine, wir sahen ihm wirklich dabei zu, wie er von dem Michael Jackson, den wir kannten, zu dieser Michael Jackson-Persona heranwuchs. Je nachdem, wer in den Raum kam, wenn es ein Fremder war, zog er seine Sonnenbrille, den Hut und all das an, schwarze Hosen und Hemden trug er sowieso. Wenn er mit uns alleine war, nahm er all das ab und war einfach nur der Michael, den wir schon immer kannten. Nicht so viele Menschen haben ihn so erlebt und das ist sehr Schade. Ich denke, sie würden anders über ihn denken, hätten sie ihn so erlebt. Er war die Verkörperung von Liebe. Er liebte Kinder, denn er hatte keine Kindheit. Als er 13 oder 14 Jahre alt war, rief er bei mir zuhause an und meine Frau rief mich und sagte: „Schatz, da ist Michael am Telefon!“ Ich nahm den Hörer und sagte: „Hi, Michael!“ Und er antwortete: „Hi!“ (imitiert Michael)

Was machst du?“

Oh, ich bin auf Tour.“

Ok, wo bist du?“

Cincinnati.“

Einsilbige Antworten. Ich denke, er rief einfach nur an, um meine Stimme zu hören, und ich musste ihn in ein Gespräch drängen, weil er so schüchtern war. Aber zumindest war er mutig genug, den Hörer zu nehmen und mich anzurufen. Er tat das ständig, nur um eine Stimme von zuhause zu hören. Ich sah mich immer als einen Ersatzvater, aber ich denke, ich war eher ein älterer Ersatzbruder, wie auch mein Bruder, und ich glaube, er respektierte mich und meinen Bruder auch wie Brüder. Er sagte sogar ganz oft: „Welcher bist du? Hast du We Are The World gemacht oder Heal The World?“ Und ich antwortete: „Ich habe Heal The World gemacht. Mein Bruder ist der mit We Are The World. „Oh, ja.. Ok“! Ich glaube, er dachte wir sind nur eine Person.

Ich habe gelesen, dass du gesagt hast, es war David Paich, der das Projekt Feed The World, aus dem später Heal The World wurde, vorschlug, und dass ihr beide später an den ersten Arrangements für diese Aufnahme gearbeitet habt. Kannst du uns einen kleinen Einblick in den kreativen Prozess geben?

Auf den ersten Demos dazu waren nur meine Frau, ich und Jon Joyce. Dann ging ich damit zu David und er spielte mir den Track vor und erzählte mir, worauf es ankam. Ich schrieb dann das Background-Arrangement für 4 Stimmen und wir sangen für das Demo jeden Teil 3 – 4 mal ein, damit er so voluminös wie möglich wurde, denn Michael wollte einen Chor, aber er wollte nicht so viel Geld für einen 16 – 20 stimmigen Chor ausgeben. Und Michael mochte es! Danach machten wir 2 oder 3 weitere Demos, bevor wir schliesslich die eigentliche Aufnahme machten. Als wir das machten, konnte Michael wegen einer Erkältung nicht dabei sein, also spielten wir es ihm übers Telefon vor und er weinte! Er war so ein emotionaler Mensch. Er sagte: „John, dass ist genau das, was ich wollte. Es ist unglaublich, ich glaub’ es einfach nicht…“

Was sehr interessant ist, und ich erst vor ein paar Monaten, also 20 Jahre danach, herausfand, ist, dass Michael damals auch meinen Bruder anrief und sagte: Ich hätte gerne, dass du mir ein Chorarrangement für Heal The World machst.“ Und mein Bruder arbeitete daran, ohne dass ich davon wusste, aber er schwört, dass Michael beide Arrangements benutzt hat. Also ich bin sicher, dass alles, was ich geschrieben habe auch auf der letztlichen Aufnahme ist, ich kann es hören, besonders wenn man genau hinhört, bemerkt man das, worauf ich besonders stolz bin, den Bass-Teil. (singt es) Es war eine bewegende Melodie die das, was Michael singt unterlegt. Daran erkenne ich z.B. dass es mein Arrangement ist, denn darauf war ich sehr stolz, und Michael auch. Es sticht nicht hervor, aber wenn du es herausnimmst, fühlst du, dass es da ist. Du hörst immer wieder etwas neues, wenn du seinen Songs zuhörst. Ob er 14 oder 35 war, er wußte immer, was man noch hinzufügen musste und das machte ihn meiner Ansicht nach zu einem Genie.

Kannst du uns noch mehr über die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern von Toto erzählen?

Als ich nach Kalifornien zog, waren Steve und Jeff Pocaro meine Nachbarn. Ich kaufte 1967 ein Haus genau neben den Pocaros. Ich kannte sie gut, ihr Vater war ein hervorragender Percussionist. Jeff übte immer Schlagzeug. Das Haus war ziemlich lang und in der Mitte gab es einen Übungsraum und der war genau gegenüber des Fensters von dem Zimmer, in dem ich an meinen Arrangements schrieb. Während ich also schreibe, spielt Jeff gegenüber mit Kopfhören Schlagzeug. Ich rief dann immer zu ihm rüber: „Kannst du mal aufhören?“ Aber er hörte mich natürlich nicht, wegen der Kopfhörer. (lacht) Also, ich kannte diese Jungs wirklich schon, seitdem sie noch ziemlich jung waren.

David (Paich) traf ich, weil er eine Band gründen wollte. Sie hiess nicht Toto, aber es war eine Band von Jeff und er war damals etwa 15 Jahre alt, also konnte David nicht viel älter gewesen sein. Ich kannte Davids Vater, Marty Paich, sehr gut. In der Nähe von unserem Haus gab es einen kleinen Stadtpark, und Joe Pocaro erzählte mir, dass die Jungs dort Samstags auf einer Tanzveranstaltung spielen würden, falls ich es gerne sehen wollte. Ich ging also hin, und es haute mich um, wirklich – und sie spielten nicht einmal etwas besonderes, nur Standard-Nummern. Ich ging dann am nächsten Tag zu ihnen rüber und ihre Mutter, Eileen, öffnete die Tür. Ich sagte: „Ma’am, ihre Jungs sind absolut unglaublich!“ Ich glaube, es waren Jeff und Steve (Pocaro) und David (Paich) und noch ein anderer Junge. Ich glaube, sie waren zu viert oder fünft. Ich fuhr fort: „Ich habe morgen eine Session. Könnte ich Jeff dafür haben? Sie sage: „Nein.“ Ich sagte: „Aber er ist großartig! Viel besser, als die meisten Leute, mit denen ich arbeite!“ Sie entgegnete: „Er ist erst 15 Jahre alt und wenn ich ihm erlaube, mit ihnen eine Session aufzunehmen, wird er nicht mit der Highschool weiter machen. In unserem Haus gibt es eine Regel: Keine Sessions bevor du nicht deinen Highschool-Abschluss gemacht hast.“

Ich habe schon einiges mit ihnen gemacht, bevor sie Toto waren, und auch noch danach, nachdem Jeff starb. Das war das schlimmste, was passieren konnte…

Könnte man Heal The World als eine Fortsetzung der Arbeit sehen, die du 1990, im Jahr davor, mit Totos Compilation Past To Present gemacht hast? Um es präziser zu machen: du hast auf dieser Platte bei 3 Liedern den Chor geleitet.

Es könnten die gleichen Leute gewesen sein, oder auch nicht. Wir hatten so eine große Gruppe an hervorragenden Sängern. Es könnte z.B. sein, dass ich für Michaels Sachen mehr schwarze Sänger eingesetzt hatte und für Totos vielleicht nicht so viele. Ich habe mich wirklich immer nach dem Sound gerichtet, den wir erreichen wollten und dann die Leute engagiert, mit denen ich glaubte, diesen Sound erreichen zu können. Die Zusammensetzung des Chors war also nicht immer gleich. Es gab eine Zentrale Gruppe von etwa 5 – 8 Leuten, die wir meistens einsetzten, und dann nahmen wir andere dazu, um 16 oder 20 Stimmen zu bekommen, je nachdem…

Als David Paich mit diesem Projekt begann, hatte er da schon Michael als Sänger im Kopf, oder hatte er noch an keinen speziellen Sänger gedacht?

Michael hat es ja geschrieben, aber ich weiß, dass ganz zu Anfang des Songs David beteiligt war. Das war, als es noch Feed The World hieß. Als wir das erste Demo machten, gab es noch keinen Text, nur die Melodie der Strophen. Ich fragte Michael: „Was möchtest du versuchen zu sagen?“ Er sagte: „Ich weiß es nicht. Es wird einfach zu mir kommen.“ Er sass immer in dem großen Baum hinter seinem Haus und die Dinge kamen zu ihm. Er bat David, für ihn das Arrangement und das Demo zu machen. Der Song war aber noch nicht vollständig bis dahin. Aber Michael arbeitete oft so. Die Aufgabe war, die Samen von Michaels Idee zu nehmen und dabei zu helfen, sie erblühen zu lassen. Denn Michael schrieb keine Musik. (Noten) Er schrieb seine Texte und er brauchte immer einen Musikalischen-Leiter, und meistens waren es Keyboarder. Obwohl David nie sein Musikalischer-Leiter war, war er doch sehr fähig, und Michael wußte das. Ich wünschte, ich wüsste, wie diese beiden in Verbindung gekommen waren. Ich habe nie daran gedacht, David zu fragen. Er rief mich an, er gab mir das Band von einem Demo und dann nahmen wir in seinem Haus ein weiteres Demo auf.

Human Nature ist wohl wie ein Symbol für die Zusammenarbeit von Michael und Toto. Aber ich denke, das trifft auch bei Heal The World für David Paich, Jeff und Steven Pocaro, die alle darauf spielen, zu. Würdest du dieser Aussage zustimmen, da du auch an dieser Komposition beteiligt warst?

Absolut. Michael hatte ein Gespür für Talente. Und wenn er ein Talent erkannte, hat er es auch genutzt. Nachdem er Motown verlassen hatte und eigenständig arbeitete, nahm er sein erstes Album mit Quincy Jones auf. Dabei war Michael mehr mit meinem Bruder (Thomas) involviert, als mit Quincy. Als er Quincy verlies, hatte ich wieder mehr mit ihm zu tun.

Jeden Tag schrieb Michael 4, 6, 8 oder 12 Liedanfänge! Manchmal war es auch ein Refrain, und nicht der Anfang, und er wusste noch garnicht, wie die Strophen sein würden. Er entwickelte einen Rhythmus, und darauf ein Stück von einem Song aufzubauen: Das war seine Arbeitsweise, und so wurde aus Feed The World Heal The World und die endgültige Version. Mehrere talentierte Leute arbeiteten daran und Michael war der Kapitän des Schiffes. Er war der Kapitän und wir warfen nur Gedanken in den Raum und warteten ab, was davon hängen bleiben würde. Und alles, was ihm gefiel, wurde weiter verfolgt. Was mir sehr an der Zusammenarbeit mit Michael gefiel war, dass er dich immer ermutigte, du selbst zu sein. Er hat dir nicht gesagt, was du tun sollst – er wollte hören, was du denkst und was du in musikalischer Hinsicht gedacht hast. Das liebte ich an ihm! Er hatte auch eine besondere Art, dir zu sagen: “Nein, das ist es nicht“, ohne dass du dich schlecht fühlen musstest. Du hattest so viele Freiheiten bei ihm. Wenn er dir sagte: „Nein, das ist nicht das, was ich hören wollte“, hast du einfach gesagt: „Ok, dann versuchen wir es mit einer anderen Idee.“

Ich erinnere mich nur an eine Sache während all dieser Jahre, die wir zusammen arbeiteten, die mir auch leid tut, aber leider passierte. Einmal habe ich Michael enttäuscht. An den Song, oder den Teil des Songs, kann ich mich nicht erinnern, aber ich schrieb die Harmonien. Wir beide sangen sie zusammen und er sagte: „Da fehlt eine Note.“ Ich sah das Notenblatt an und dachte: „Wie kann da eine Note fehlen, es sind wirklich alle Noten da.“ Ich konnte den Fehler nie finden, und er war ganz frustriert. Er war nicht sauer, er war einfach nur frustriert, weil er nicht das hörte, was er hören wollte. Das war das einzige Mal, wo ich leider nicht hören konnte, was er von mir hören wollte…

Heal The World cover

Heal The World transportiert die Botschaft von Brüderlichkeit, und natürlich verstärkt Michaels talentierte Darbietung diese Komposition, aber dennoch denke ich, dass dieses Werk mehr als alle anderen in seiner Karriere, das Ergebnis einer Teamarbeit ist, die zu diesem großartigen Erfolg führte. Sind alle Beteiligten im Studio in das Thema des Songs eingetaucht, um dieses Ergebnis zu erreichen?

Es wurde nicht ausgesprochen, aber du konntest es zumindest bei dem Chor spüren, dass sie genau verstanden hatten, was Michael sagen wollte. Die Botschaft kam bei jedem von uns an. Von meinem Standpunkt aus kann ich sagen, dass es beim Schreiben unterschiedliche Elemente gibt, das menschliche und das sprachliche Element. Wenn ich etwas inspirierendes schreibe, spüre ich das, ich fühle mich dann wie ein Gefäß. Es kommt von irgend woher zu mir, durch mich hindurch und auf das Papier. Wenn ich schreibe wie ein Handwerksgeselle (journeyman), ist es uninspiriert und das hört man. Ich sage das, weil Heal The World von Anfang an, noch bevor ich alle Lyrics gehört hatte, nicht in meiner Hand lag. Es ist voll und ganz durch Inspiration geschrieben, und ich glaube, deshalb bedeutete der kleine Teil, den ich beisteuerte, Michael so viel: er konnte das fühlen.

Wenn du mit Michael darüber gesprochen hast, hattest du das Gefühl, dass er HTW besonders mochte, musikalisch gesehen, aber auch weil er seine Charity Organisation danach benannte?

Das war Michaels Lieblingslied und deshalb spielten sie es auch als letzten Song bei seinem Memorial. Er liebte vieles von dem, was er geschaffen hatte, aber bei Heal The World sagt die Botschaft meiner Meinung nach mehr über Michael aus, als bei jedem anderen Song, den er geschrieben hat. Das ist, wie er die Welt sah und es begann als Feed The World, weil er dachte, das sei eine Sache, bei der etwas verändern könne. Je mehr er darüber nachdachte, und sich in die Lyrics und Strophen vertiefte, desto deutlicher wurde ihm, dass es um etwas viel größeres als Feed The World geht, dass es darum geht, die Welt zu heilen (Heal The World)! Und das sagt alles über ihn als Mensch aus. Es drückt aus, wer er war und wie er sein Leben lebte. Die Leute können es nicht glauben… ER WAR LIEBE! Es ist schwer zu glauben, denn es glaubt dir keiner, dass ein Mensch so liebevoll und freundlich sein kann. Hatte er Fehler? Yeah, hatte er. Er lies zu oft seine Nase machen. Ich meine, es war auch etwas Verrücktes an ihm, aber in der Tiefe seiner Seele – so wie ich ihn kannte, und ich denke, auch mein Bruder würde das sagen – war er die Verkörperung von Liebe. Ich sah Michael nie wütend. Niemals! Ich sah ihn weinen, Ich hörte ihn weinen. Wir weinten zusammen wenn wir betroffen waren, aber er war nie wütend auf mich.

Heal The World – das ist absolut die Botschaft, die aus der Tiefe von Michaels Herzen kommt. Ich denke, deshalb sind auch so viele Menschen davon berührt

An diesem Song haben sowohl David Paich als auch Marty Paich (als Dirigent des Orchesters) wahrscheinlich zum letzten mal gemeinsam während ihrer Karriere mitgewirkt, und ich könnte natürlich David selbst fragen, aber ich dachte es ist sinnvoll deine Meinung zu dieser besonderen Konstellation zu hören.

Die letzte Session, an der ich 1994 arbeitete, bevor ich nach Branson zog, war für einen Country Sänger, dessen Name mir nicht mehr einfällt – aber egal – Marty Paich arrangierte die Saiteninstrumente und er war auch bei der Session anwesend. Das war nur wenige Monate, bevor er starb. Ich traf ihn, umarmte ihn und es war wunderbar. Aber ich war nicht persönlich dabei, als Marty und David gemeinsam (an HTW) arbeiteten. Ich denke, Marty war auch dort mit den Saiteninstrumenten beschäftigt, bin mir aber nicht sicher. Es wäre eine gute Idee, David danach zu fragen.

Das Ende des Songs ist wunderschön, besonders, weil dein Chor von Jeff Pocaros Schlagzeug unterstützt wird, dessen Snare-Drum-Sound sehr einzigartig ist. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich es anhöre, auch wenn ich es sicher schon hunderte Male angehört habe. Wie hast du den Chor arrangiert, um MJ möglichst gut zu unterstützen, ohne ihn zu übertönen aber dennoch so, dass dieser Teil einer der Teile ist, die diesen Song ausmachen?

Zuerst war da Jeff Pocaros Schlagzeug, und alles, was vorhanden war, beeinflusste das, was ich schrieb. Das Chorarrangement wurde von allem beeinflusst, was bereits vorhanden war. Und Michaels Lead Gesang war noch nicht einmal aufgenommen. Ich glaube, als wir schliesslich den großen Chor aufnahmen, hatte er eine grobe Version der Vocals aufgenommen. Manchmal begann er die Sachen vom Ende her und arbeitete sozusagen von hinten nach vorne. Je nachdem, welche Idee ihm zuerst kam. Anfangs gab es keine Lyrics und wir wussten nicht, was er damit sagen würde, und er schrieb viele seiner Songs auf diese Weise. Nicht, dass es vor ihm oder nach ihm keiner so macht. Jeder Songschreiber hat seine eigene Art, sich jedem seiner Songs zu nähern. Burt Bacharach würde vielleicht eine seiner verrückten Melodien schreiben und sich dann von David Paich die absolut passenden Lyrics dazu schreiben lassen. Es kam mir wirklich immer so vor, als ob sich Burt nur an sein Klavier setzte und den Song einfach so spielte. Es fiel ihm einfach so zu. Michael, der ja kein ausgebildeter Musiker war, dafür aber ein unbeschreibliches musikalisches Gehör hatte, konnte Musik zwar nicht lesen, aber er hörte sie und er süpürte instinktiv, wie ein Song sich anfühlte. Das war wichtiger, als alles andere. Was immer ihm zuerst in den Kopf kam, konnte die Saat für einen neuen Song sein. Er sagte immer, er würde auf seinem großen Baum sitzen – und ich weiß genau, welchen Baum er meint – und ich weiß, dass er das tat.

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Denkst du, dass du zu Michael eine besondere emotionale Verbindung aufbauen konntest, weil du ihn schon als Junge gekannt hast? Hast du ihn ihm immer mehr den Teenager gesehen, als den ikonischen Superstar? Hat Michael das gespürt, und sich mit dir wohler gefühlt, als mit anderen Leuten?

Vor vielen Jahren besuchte ich zusammen mit meiner Frau die Ranch. Michael sagte: „Lass uns in den Proberaum gehen.“ Es war eher ein Tanzstudio (inklusive vieler Instrumente und anderem Equipment), in dem wir probten. Zu meiner Frau sagte er: „Würdest du für mich auf Prince aufpassen?“ Prince war 18 Monate alt, und Michael lies ihn bei meiner Frau, und das war sehr cool, denn es war sonst niemand im Haus. Die Ranch war so groß, dass wir ein Golf-Kart nehmen mussten, um mit Brad Buxer, seinem damaligen Musikalischen-Leiter, zum Proberaum zu kommen. Wir arbeiteten – und es dauerte Stunden. Als wir schliesslich fertig waren, suchte er draussen nach Buxer, damit er mich zurück bringen würde, aber er war nicht da. Michael sagte: „Ok, dann bringe ich dich zurück.“ Und ich sagte: „Nein, nein, das ist ok, ich warte auf ihn.“ Aber er sagte: „Komm schon!“ Er hatte ein schwarzes Golf Kart, mit schwarzem Dach und Fenstern aus Plastik in den Türen, und einem höllischen Soundsystem, mit riesigen Verstärkern! Unglaublich, dieses Golf Kart! Er kämpfte zu der Zeit mit ein paar rechtlichen Problemen und auf dem Weg zurück zum Haus fragte ich ihn nach seinen Anwälten und solchen Sachen. Ich gab ihm immer Ratschläge – ob er sie annahm oder nicht. Als wir am Haus ankamen, bekam ich meine Tür nicht auf und Michael sprang heraus, rannte um das Auto und öffnete sie für mich. Als ich ausstieg sah ich ihn an und sagte: „Was ist an dem Bild hier falsch? Michael Jackson hält mir die Tür auf und ist mein Fahrer!“ Es war lustig.

Er war ein lustiger Kerl. Wenn er mit meinem Bruder und mir zusammen war, war er einfach nur Michael. Auch wenn ich ihn vermisse, spüre ich, dass er immer noch hier ist, weil ich von Zeit zu Zeit seine Anwesenheit spüre, denn er ist ein kleiner Schlingel, der uns die ganze Zeit Streiche spielte. Zumindest versuchte er es, aber mein Bruder und ich waren auch nicht schlecht darin, und oft lag er vor Lachen am Boden.

Er nahm Rockin’ Robin auf und wir sangen darauf. Eines Tages waren mein Bruder und ich nur so zum Spass zu Besuch auf der Ranch. Michael hatte in seinem Wohnzimmer eine unglaublich Limoges-Porzellan-Sammlung. Er besuchte diese Firma und verliebte sich in diese Sachen und sagte: „Ich nehme ein Stück von jedem.“ Sein Piano und das ganze Wohnzimmer stand voll damit – es war fantastisch! Als wir zusammen in dieses Zimmer gingen, sahen mein Bruder und ich uns an, nahmen Michael in unsere Mitte und sangen ihm harmonisch von beiden Seiten „Tweedele-lee-dee-dee“ in die Ohren. Michael lies sich vor Lachen auf die Knie fallen und sagte „Ich glaub’s nicht, ihr Verrückten!“ Wir überraschten ihn immer mit solchen Sachen. Er hatte einen großartigen Humor, und wie ich schon sagte, spielte er gerne Streiche und es war sehr schwer, auch ihn hereinzulegen – aber mein Bruder und ich schaffen es, weil unser Humor wirklich verrückt ist!

Ich habe kleine Tonbänder in einer Plastiktüte und ich habe meinen Kindern gesagt: „Werft die nicht weg, wenn ich sterbe, denn ich habe jedes Treffen, das ich mit Michael und anderen Produzenten hatte, darauf aufgezeichnet!“ Ich hatte einen dieser kleinen Rekorder, das war noch vor der digitalen Zeit. Eines Tages hatte ich ihn in meiner Tasche und nahm ihn heraus und fragte Michael: „Stört es dich, wenn ich das aufnehme?“ Michael antwortete: „Nein, garnicht.“ Ich schaltete den Rekorder ein und er sagte: „Warte, was ist das denn?“ Er hatte noch nie einen so winzigen Rekorder gesehen. Er sah ihn sich an und sagte: „Hast du den schon einmal in deine Tasche gesteckt, und eingeschaltet, ohne es jemand zu sagen?“ Ich sagte: „Nein, weißt du, ich würde so etwas nicht tun.“ Er sagte: „Ich würde das tun! Sofort!“ So war Michael! (lacht)

Meiner Meinung nach war er wie zwei verschiedene Personen, so wie es bei den meisten Performern ist. Der Michael, den du auf der Bühne gesehen hast, war die eine Seite von ihm, und die andere Seite war Michael, der Mensch. Das ist die Seite von ihm, die mein Bruder und ich immer sahen, die Seite, die ausser seiner Familie nicht so viele Leute zu sehen bekommen. Seine Kinder sagen ja, dass er eingroßartiger Vater war. Es gibt nichts besseres, was man über seinen Vater sagen kann als das, was Paris an seiner Trauerfeier sagte. Mein Bruder und ich kannten diese Seite von ihm. Wir hatten ein besonderes und einzigartiges Verhältnis zu ihm, weil wir keine „Jasager“ sind, und er uns deshalb respektierte. Er akzeptierte unsere Meinung, und wir seine. Wir respektierten ihn als Musiker, als Sänger, als Songschreiber und der Umstand, dass er ein Superstar war, hat unser Verhältnis nie beeinflusst.

Möchtest du uns zum Schluss noch sagen, was du heute machst?

Also, ich bin 74 Jahre alt, ich sollte mich schon zur Ruhe gesetzt haben. Aber es geht nicht, ich fühle mich immer noch jung! Ab und zu mache ich ein paar Background-Gesänge – es macht einfach Spass, das zu tun, was ich 25 Jahre lang getan habe. Ich bin immer noch sehr aktiv und bin mit der Tour meiner Frau und ihrer Schwestern, den The Lennon Sisters, beschäftigt. 2016, zu ihrem 60 -Jährigen Jubiläum, werden wir wohl das sechzigste Mal auf Tour gehen. Sie haben es immer noch drauf, und du würdest nie darauf kommen, wie alt sie sind. Und wir haben drei Enkeltöchter, die auch auftreten. Für eines ihrer Alben habe ich 2 Songs geschrieben.

…………………….

Danke an Tom Bähler und Brice Najar!

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Andersartigkeit und Macht: Michael Jackson und seine Medienkritiker – Einleitung

by

Beim Folgenden handelt es sich um eine autorisierte Übersetzung des Buchs „Otherness and Power: Michael Jackson and his Media Critics“ von Susan Woodward. Nach Erscheinen ihres Buches war Susan Woodward beim „Dancing with the Elephant“ Blog zu Gast, um über ihre Erkenntnisse zu sprechen. Diese Unterhaltung kann hier nachgelesen werden.

Link zum Buch: https://www.amazon.com/Otherness-Power-Michael-Jackson-Critics/dp/0578138026/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1488488740&sr=8-1&keywords=otherness+and+power

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Copyright © 2014 by Susan Woodward

Alle Rechte vorbehalten: Dieses Buch oder Teile davon dürfen ohne ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Verlages nicht vervielfältigt oder in irgendeiner Form verwendet werden, ausgenommen kurze Zitate in einer Buchrezension oder einem wissenschaftlichem Fachblatt.

Über die Autorin

Susan Woodward ist psychoanalytisch ausgebildete klinische Sozialarbeiterin, die in New York City lebt. Sie kann unter mj.othernessandpower@gmail.com kontaktiert werden.

Kapitel 1: Einleitung

Michael Jacksons Erwachsenenkarriere umfasste etwa dreißig Jahre, in denen er viele Millionen leidenschaftliche Fans um sich versammelt hat. Seine Fans sahen ihn als einen unglaublich talentierten Sänger, Songwriter, Tänzer und Produzent, dessen Persönlichkeit eine Liebenswürdigkeit zu haben schien, die in anderen Popmusikern nicht zu erkennen ist, und eine sprunghafte Natur, die ihn für viele faszinierender machte als andere Künstler seiner Ära.

Leute, die mit Jackson gearbeitet haben, beschrieben ihn als schüchtern, höflich und oft wahrhaft kindlich. Er war nicht dafür bekannt, sich wichtig zu machen, Wutanfälle zu haben, Mitarbeiter zu beschimpfen oder die Paparazzi anzugreifen, die ihn unerbittlich drangsaliert haben. Leute, die ihn gekannt haben, bemerkten seine Empathie für andere und seine außerordentliche Gutherzigkeit.

Die Medien, besonders in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, zeichneten häufig ein völlig anderes Bild von Jackson. Obwohl er seit Beginn seines Erwachsenenruhms als exzentrisch betrachtet wurde, fingen der ernsthafte Spott und die boshaften Bemerkungen 1984 während der Planung einer Konzerttour mit seinen Brüdern an und diese nahmen im Laufe der Zeit nur zu. Als Details zu der Tour, genannt Victory Tour, aufgetaucht sind, wurde Jackson verdächtigt, die Bewunderung seiner Fans zugunsten seines kommerziellen Erfolges auszubeuten. Doch nachdem die Tour lange hinter ihm lag, wurde Jackson weiterhin für vermeintliche Exzentritäten und seine sich verändernde Erscheinung verspottet, manchmal in hasserfüllter Ausdrucksweise, und sein bemerkenswertes Talent wurde oft herablassend behandelt. Als er zwei Mal des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde, schienen sich die meisten Journalisten seiner Schuld sicher und erwägten nicht die Möglichkeit, dass Jackson unschuldig sein könnte. Weite Teile der Öffentlichkeit nahmen an, dass ihnen von den Reportern eine korrekte Darstellung vermittelt wurde und übernahmen die negative Darstellung Jacksons durch die Medien als allgemein akzeptierte Weisheit.

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Michael verkündet bei einer Pressekonferenz, dass er seine gesamten Einnahmen aus der Victory Tour für karitative Zwecke spenden wird

Wie kamen zwei so extrem entgegengesetzte Meinungen über ein und dieselbe Person zustande? Wie konnten Jacksons Fans und viele in den Medien, die letztendlich auf die gleichen Informationen reagieren, zu solch unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, wobei jede Seite absolut überzeugt davon ist, dass sie Recht hat?

Typischerweise werden von Jacksons Fans zwei Gründe für die negativen Medienreaktionen auf Jackson angeführt: Rassismus und tiefgehendes Unbehagen mit seiner „Andersartigkeit“, womit seine angeblichen Exzentrizitäten und seine unklaren Identitätsmerkmale gemeint sind. Obwohl mir diese Gründe offensichtlich wahr erschienen, hatte ich das anhaltende Gefühl, dass hier noch irgendetwas anderes vor sich ging. Nachdem ich feindselige Schriften über Jackson analysiert habe, erkannte ich einen weiteren Faktor, auf den Journalisten mit Misstrauen oder sogar Angst reagierten: eine Wahrnehmung von außerordentlicher Macht.

Jackson wird oft nachgesagt, dass er so berühmt war wie die Beatles oder Elvis Presley. Die Beatles und Elvis wurden von der älteren Generation aufgrund ihres Einflusses auf die jungen Leute kritisiert und sogar bis zu einem gewissen Grad gefürchtet. Die negative Reaktion auf Jackson war nicht generationsbedingt; seine Kritiker waren sowohl fortschrittliche, junge (meist weiße) Leute, als auch ältere Personen. Jacksons Kritiker reagierten auf eine völlig andere Eigenschaft als die von Elvis oder den Beatles: die einer königlichen oder elitären Person oder sogar die eines übernatürlichen Wesens. Und diese außerordentliche Macht entstammt Jacksons Andersartigkeit.

Die Wahrnehmung Jacksons als „andersartig“ rührt von seiner unklaren und unlesbaren Identität her, sowie manchen seiner Verhaltensweisen. Die unklaren, unlesbaren Merkmale waren seine Rasse (er war Afroamerikaner, obwohl er wegen sehr komplexer Gründe weiß zu werden schien), Geschlecht (er war eindeutig männlich, aber ein Mann, der sich mit weiblichen Attributen wie hoher Singstimme, sanfter Sprechstimme und Interesse an Mode und Make-Up sehr wohl fühlte), Sexualität (es gab viele Spekulationen, dass er schwul war oder dass er ein Pädophiler war oder dass er einfach asexuell war), und Alter (als Kind schien er sehr erwachsen, aber als Erwachsener war er auffallend kindlich). Seine Andersartigkeit kam auch von seinem manchmal unkonventionellen Verhalten und Lifestyle (Neverland, öffentliche Auftritte mit seinem Schimpansen, getrennter Wohnsitz mit seiner zweiten Ehefrau sind Beispiele) und sogar vom Level seines Talents als Sänger und Tänzer.

Jacksons Andersartigkeit wurde wohl am eloquentesten von Susan Fast in ihrem Artikel „The Difference That Exceeded Understanding: Remembering Michael Jackson“ beschrieben: „Diese Gegensätze waren undurchschaubar, nicht fassbar, und sie erzeugten gewaltige Angst. Bitte sei schwarz, Michael, oder weiß, oder schwul oder hetero, Vater oder Mutter, Kindsvater, nicht selbst ein Kind, damit wir zumindest wissen, worauf wir unsere tolerante (In)toleranz richten können. Und versuche nicht, alle Normen gleichzeitig durcheinanderzubringen.“(1)

Ich habe für dieses Buch drei Schriften ausgewählt, in denen die Wahrnehmung von Jacksons Macht und das Unbehagen damit klar zum Ausdruck kommen. Im Gegensatz zu den Arbeiten, die ich für eine eingehende Untersuchung gewählt habe, kam viel Medienkritik in Form von Boulevardgeschichten oder herablassenden Rezensionen von Alben oder Auftritten. (Ein gutes Beispiel ist Jon Pareles „Michael Jackson Is Angry, Understand?“, New York Times, 18. Juni 1995.) Demgegenüber sind die von mir ausgewählten Arbeiten ausführliche, eingehende Beiträge, die Jacksons Leben und Karriere umfassend kritisieren, statt sich auf ein Werk oder einen Auftritt zu fokussieren. Ich glaube allerdings, dass die Boulevardgeschichten und herablassenden Rezensionen ebenfalls Reaktionen auf Jacksons ungewöhnliche Macht sind, obwohl sie es für gewöhnlich nicht explizit aussprechen, wie es die Autoren machen, deren Arbeiten ich hier analysiere.

Alle in diesem Buch analysierten Autoren empfinden Jackson als „andersartig“, wenn auch auf etwas unterschiedliche Art und sie nehmen ihn auf unterschiedliche Art als mächtig wahr. In jedem Fall rührte die Macht, welche sie Jackson zuschrieben, allerdings nicht nur von seinem Ruhm und Reichtum her, sondern auch von seiner Andersartigkeit.

Das erste von mir betrachtete Werk ist Trapped: Michael Jackson and the Crossover Dream, ein Buch von Musikkritiker Dave Marsh, welches 1985, am Höhepunkt von Jacksons Ruhm, veröffentlicht wurde. Außerdem untersuche ich einen Artikel von der Journalistin Maureen Orth, der 2003 im Vanity Fair Magazin offensichtlich als Reaktion auf die Ausstrahlung der Dokumentation Living with Michael Jackson veröffentlicht wurde. Das letzte Werk ist The Resistible Demise of Michael Jackson, das von Mark Fisher herausgegeben und 2009, wenige Monate nachdem Jackson starb, veröffentlicht wurde. Dieses Buch ist eine Essaysammlung von 23 hauptsächlich britischen Musikschriftstellern, Bloggern und Akademikern.

Das Unbehagen und die Wut dieser Autoren über Jacksons Andersartigkeit sind nicht verschleiert, aber dasselbe kann nicht über rassistische Gefühle gesagt werden. Obwohl ich glaube, dass Rassismus bis zu einem gewissen Grad in diesen drei Schriften vorhanden sein könnte, wird er bis auf wenige Ausnahmen nicht deutlich gemacht, weshalb es schwierig ist, ihn direkt zu thematisieren. Natürlich gehörte es zu Jacksons Andersartigkeit, dass er Afroamerikaner war, also waren rassistische Gefühle oft Teil der Unbehaglichkeit, die manche wegen seiner Andersartigkeit empfanden.

Es ist nicht das Hauptziel dieses Buches, eine Punkt-für-Punkt Erwiderung auf all die haltlosen Vermutungen und falschen Fakten zu schaffen, die in diesen Werken enthalten sind, aber bis zu einem gewissen Grad ist das nicht vermeidbar. Sofern es nicht anders angegeben ist, werde ich das Wissen über Jackson nutzen, das den Autoren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihrer Schriften zugänglich war.

Die schädlichste Annahme der Medien über Jackson war, dass er ein Kinderschänder war. Basierend auf dem, was ich über die Umstände und Einzelheiten der Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs und über Jacksons Charakter gelesen habe, glaube ich trotz der jüngsten Anschuldigungen von Wade Robson nicht, dass Jackson Kinder belästigt oder ein sexuelles Interesse an Kindern hatte. Ich werde das Kindesmissbrauchsthema nicht im Detail ansprechen, da dies sonst ein völlig anderes Buch werden würde. Das Kindesmissbrauchsthema wurde an anderer Stelle wirklich gründlich und kompetent untersucht, insbesondere in „Wurde Michael Jackson etwas angehängt?“ von Mary A. Fischer, GQ, Oktober 1994, Michael Jackson Conspiracy von Aphrodite Jones (2007), und My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man von Frank Cascio (2011). Die Feindseligkeit der Medien gegenüber Jackson begann ohnehin Jahre vor den ersten Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs und spätere Anfeindungen der Medien waren nicht zwingend ausschließlich eine Reaktion auf diese Unterstellungen, wie wir sehen werden.

Für jemanden, der viel über Michael Jackson gelesen hat und sehr positive Gefühle für ihn hat, war es schwer, im Zuge der Recherchen so viele Schriften zu lesen, die ihm gegenüber so brutal kritisch sind. Ich verstehe, dass viele, die dieses Buch lesen, dieselben Schwierigkeiten mit dem Inhalt der Schriften haben, die ich analysiere, und sich fragen, welchen Nutzen es haben könnte, abträgliche oder falsche Geschichten zu wiederholen. Mein Ziel ist jedoch, mehr über Jacksons kulturelle Bedeutung zu verstehen, in dem ich mehr über seine Kritiker verstehe, sowie zu untersuchen, wie wir jene behandeln, die als fremd oder „andersartig“ betrachtet werden. Und aus der Negativität dieser Kritiker kommt eine überraschend positive Sicht auf Jacksons Macht als Künstler zum Vorschein.

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(1) Susan Fast, “The Difference That Exceeded Understanding: Remembering Michael Jackson (1959-2009),” Popular Music and Society, Vol. 33, No. 2, May 2010.

Brett Ratner Interview mit Michael, Feb. 2004

Erklärung von Brett Ratner zum Entstehen dieses Interviews:

Vor einigen Jahren waren Michael und ich auf Reisen in Florida und eines frühen Morgens kam Michael in mein Zimmer mit SEINER Videokamera, begann zu filmen und befragte mich zu meinem Leben und warum ich davon geträumt habe, einmal Regisseur zu werden. Er war immer interessiert an Leuten und neugierig auf ihre Hoffnungen und Träume. Nach etwa einer Stunde fragte ich ihn, ob ich ihn interviewen über sein Leben und seine Träume interviewen könnte. Er sagte ja und gab mir seine Kamera. Ich nahm mir dann einen Stift und ein paar Blatt Papier und schrieb einige Fragen an ihn auf, von denen ich dachte, dass sie interessant wären. Als ich ihm die Fragen vorlas, bemerkte ich mitten drin, dass die Kamera nicht angeschaltet war. Also schaltete ich sie an. Ich habe hunderte von Stunden Filmmaterial von uns, wie wir zusammen abhängen, reisen, tanzen und unsere Gedanken über das Leben teilen. Dieses Video war ein sehr persönliches Gespräch zwischen zwei Freunden, das ich zugänglich machen wollte, damit die Leute seine Menschlichkeit und seine wunderbare Seele sehen. Das Interview wurde vor einigen Jahren transkribiert und im „Interview Magazine“ mit Michaels Erlaubnis veröffentlicht. Bitte, schaut einfach nach. Er war glücklich, es zu teilen und es gefiel ihm, dass es ein Gespräch zwischen zwei Freunden war und kein Journalist, der versuchte, neugierig seine Nase in sein [Michaels] Privatleben zu stecken.“

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Brett Ratner & Michael Jackson

(Anmerkung: Leider konnte ich die schriftliche Version des Interviews im Interview Magazine nicht finden, weiß also auch nicht, ob es wirklich je dort veröffentlicht wurde.)

BRETT RATNER: Hast Du einen Mentor oder jemanden, der Dich inspiriert?

MICHAEL JACKSON: Ja, das habe ich: Berry Gordy, Diana Ross, Thomas Edison, Walt Disney, James Brown, Jackie Wilson.

BR: Und was hast Du von ihnen gelernt?

MJ: Ich habe eine Menge von ihnen gelernt — wie man ein Visionär ist, wie man kreativ ist, wie man ausdauernd ist, wie man zielstrebig ist, wie man einen eisernen Willen bekommt und niemals aufgibt, egal, was kommt. Weisst Du?

BR: Was war Dein erster Job in der Musikindustrie, und wie bekamst Du ihn?

MJ: Mein erster Job, wahrscheinlich … Mann, ich erinnere mich nicht so weit zurück. Ich war etwa 6 Jahre alt. Vielleicht war es “Mr. Lucky’s”. Ich glaube, es war ein Klub — ja, “Mr. Lucky’s”. Wir sind dort aufgetreten.

BR: Und wie bekamst Du den Job?

MJ: Ich weiss nicht; mein Vater würde das wissen. Ich war zu klein.

BR: Was war Deine erste große Chance und das erste große Ding, das Dir jemals passiert ist?

MJ: Die wirklich große Chance war, als Motown uns unter Vertrag nahm. Wir spielten in Detroit vor, und Berry Gordy lud alle unsere Lieblingsstars, die wir als Kinder sahen, in eine kleine Stadt in Indiana ein: Diana Ross, Smokey Robinson & The Miracles, The Tempations und Stevie Wonder — jeder war da. Es es fand neben einem Indoor-Pool in einer riesigen Villa statt, Marmor überall. Wir traten auf, und sie flippten einfach aus. Sie liebten es. Und [Gordy] sagte, “Jungs, ihr seid engagiert.”

BR: Wirklich?

MJ: Ja.

BR: Und Du erinnert Dich an diesen Tag?

MJ: Oh, ich erinnere mich an ihn.

BR: Welche Elemente Deines Jobs bringen Dich dazu, jeden Tag zur Arbeit zu gehen?

MJ: Ich will jeden Tag arbeiten — Einfach die Idee, Welten zu schaffen …! Es ist wie eine Leinwand zu nehmen, eine leere Leinwand, weisst Du, eine leere Tafel. Man gibt dir Farbe, und wir kolorieren und malen einfach und erschaffen Welten. Ich liebe einfach diese Idee. Und auch, wenn Leute es sehen und ehrfürchtig inspiriert sind, wenn sie es sehen.

BR: Welche Deiner Eigenschaften halfen Dir, Dich dorthin zu bringen, wo Du heute bist?

MJ: Glaube und Entschlossenheit. Und Übung.

BR: Genau. Übung macht den Meister. Was hättest Du in Deiner Karriere anders gemacht, wenn Du damals gewusst hättest, was Du jetzt weisst?

MJ: Was hätte ich anders gemacht…? Mal sehen … mehr üben.

BR: Mehr üben?

MJ: Ich habe viel geübt.

BR: Du hast verdammt viel geübt! [Michael lacht] Aber Du würdest mehr üben? [Michael nickt]

Was ist die größte Lektion, die Du gelernt hast?

MJ: Nicht jedem zu vertrauen. Nicht jedem in der [Entertainment-]Industrie zu vertrauen. Es gibt eine Menge gieriger Betrüger. Und Plattenfirmen stehlen. Sie betrügen. Du musst sie überwachen. Und es ist Zeit für Künstler, gegen sie aufzubegehren, weil sie Künstler völlig ausnutzen. Total. Sie vergessen, dass es die Künstler sind, die die Firma erschaffen, nicht die Firma, die die Künstler erschaffen. Ohne das Talent würde die Firma nichts als nur Hardware sein. Und man braucht ein wirklich gutes Talent, das die Öffentlichkeit sehen will.

BR: Was sind einige Deiner Lieblingsalben?

MJ: Meine Lieblingsalben wären Tschaikowskis “Nussknacker Suite”, Claude Debussys größte Hits, welche sind, Du weisst, “Claire de Lune” und “Arabesque” und “The Afternoon Of A Faun”. Ich liebe Marvin Gayes “What’s Going On”, James Browns “Live At The Apollo”, “The Sound Of Music” [Soundtrack]. Ich liebe Rodgers and Hammerstein. Ich liebe die großen Film-/Musical-Schreiber sehr, und ich liebe Holland-Dozier-Holland von Motown — sie waren Genies. So viele großartige Schreiber. So viele Große.

BR: Irgendwelche andere großartige Alben, etwa zeitgenössische Alben?

MJ: Großartige Alben … Es ist schwer, weil Alben heutzutage einen oder zwei großartige Songs haben und die restlichen sind Mist.

BR: Oder ältere — sowas wie Marvin Gaye oder Sly.

MJ: Sly & the Family Stone — Ich mag alles, was sie tun. Stevie Wonder ist ein Genie.

BR: Welches Album?

MJ: Alle. “Talking Book”. Ich liebte es, als er “Living For The City” gemacht hat. Ich vergesse den Namen [des Albums]. Fantastisch. Ich glaube, es war “Innervisions” — fantastisch. Diese Musik zu hören, lässt mich zu mir sagen: ‘Ich kann das tun, und ich glaube, ich kann das auf einer internationalen Ebene tun.’

BR: Wirklich?

MJ: Wirklich, und dann, als die Bee Gees in den 70ern herauskamen, das hat es mir gegeben. Ich habe geweint. Ich habe geheult, während ich ihre Musik gehört habe. Ich kannte jede Note, jedes Instrument.

BR: [singt] “This broken heart …”

MJ: [singt] “How can you mend …”

BR: [sings] “This broken heart …”

MJ: [singt] “How can you stop the rain from falling down?” Ich liebe das. [singt mit Ratner] “How can you stop the sun from shining? What makes the world go ’round.” Ich liebe dieses Zeugs. Und als sie Saturday Night Fever gemacht haben, das hat’s mir gegeben. Ich sagte, “Ich muss das tun. Ich weiß, ich kann das tun.” Und wir kamen mit Thriller heraus. Und ich habe einfach Songs geschrieben. Ich schrieb “Billie Jean”. Ich schrieb “Beat It”, “Startin’ Somethin'”. Habe einfach geschrieben und geschrieben. Es war klasse.

BR: Hast Du irgendwelche Poster in Deinem Zimmer aufgehängt, als Du ein Kind warst?

MJ: Ja. Brooke Shields, überall. Meine Schwestern wurden eifersüchtig und rissen sie von der Wand ab.

BR: Was sind die großen Shows, die Du gesehen hast, Konzerte?

MJ: James Brown. Jackie Wilson. Die wirklichen Entertainer, die Wahren, lassen einen Gänsehaut bekommen.

BR: Es war James Brown? Wo hast Du ihn gesehen?

MJ: Wir mussten immer nach ihm auf der Bühne sein, weil er auftrat und danach waren wir dran in der Amateur-Stunde. Also war ich in den Seitenflügeln [des Theaters] und habe jeden Schritt, jede Bewegung studiert —

BR: — am Fernseher?

MJ: Nein, im Apollo [Theater].

BR: Amateur-Stunde im Apollo. Und Du hast ihn auftreten sehen?

MJ: Ja, und Jackie Wilson. Alle von ihnen – The Delphonics, The Temptations.

BR: Aber erinnerst Du Dich an eine Show? Du hast The Temptations auch gesehen?

MJ: Ja.

BR: Aber gab es eine Show, wo Du sagtest: “Oh, mein Gott”?

MJ: James Brown, Jackie Wilson.

BR: Im Apollo?

MJ: Ja, sie brachten mich zum Weinen. Ich habe sowas noch nie gesehen. Diese Art der Emotion, diese Art des Fiebers, Gefühls — es war, als wären sie auf einer höheren, spirituellen Ebene. Sie waren wie in Trance, und sie hatten das Publikum in den Händen. Ich liebte es einfach, wie sie es derartig kontrollieren konnten, diese Art von Macht. Als sie sangen, hatten sie Tränen, die auf ihren Gesichtern herunterkullerten. Sie steckten da derartig drin.

BR: Was sind einige Deiner Lieblingssongs?

MJ: Lieblingssongs für alle Zeit? Ich liebe Burt Bacharach sehr. Alles von Motown. The Beatles, z.B. “Eleanor Rigby”, “Yesterday”. Alles von The Surpremes. All diese Sachen sind großartig. Ich glaube, die 60er hatten einige der besten Melodien aller Zeiten mit Peter, Paul and Mary, und, Du weißt, alle anderen dieser Leute. The Mamas and the Papas waren wundervoll. Und The Drifters liegen ein bisschen weiter zurück, aber ich liebe diesen Song “On Broadway” — er ist genial. Die einfachen sind die besten, glaube ich. Ich liebe “Alfie” — so wunderschön. Es gibt so viele. Genauso Filme, es gibt so viele großartige Filme.

BR: Nenne ein paar Dinge, die hilfreich sein könnten für jemanden, der ins Musikgeschäft einsteigen will.

MJ: Glaub an dich selbst. Studiere die Großen und werde größer. Und sei ein Wissenschaftler. Analysiere, analysiere.

BR: Du hast vorher etwas anderes gesagt: Gib nicht auf.

MJ: Egal, was kommt. Egal, ob die ganze Welt gegen dich ist oder dich ärgert oder sagt, du wirst es nicht schaffen. Glaube an dich selbst. Egal, was kommt. Einige der großartigsten Menschen, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben, wurden so behandelt — Du weißt schon, “Du wirst es nicht schaffen, du wirst es nirgendwohin bringen.” Sie lachten über die Wright-Brüder. Sie lachten über Thomas Edison. Sie lachten über Walt Disney. Sie machten Witze über Henry Ford. Sie sagten, er wäre unwissend. Disney flog von der Schule. Sie liessen vor Gericht seine Intelligenz testen. Das ist, wie weit sie gingen. Diese Menschen haben unsere Kultur geformt und verändert, unsere Gewohnheiten, die Art, wie wir leben, die Art, wie wir Dinge tun.

Und ich glaube, durch die Menschen pflanzt Gott solche Samen auf die Erde. Du bist einer, ich bin einer. Wir bringen etwas Glück, Wirklichkeitsflucht, etwas Freude, etwas Magie auf diese Welt. Weil ohne Entertainment, was wäre die Welt dann? Weißt Du? Was wäre sie wirklich ohne das? Und am liebsten von allem mag ich den Film. Die Macht und Magie der Filme. Sie ist die größte, sie ist die ausdrucksstärkste aller Kunstformen. Ich denke, sie berührt die Seele. Musik und Filme sind die ausdrucksstärksten. Es ist beinahe wie eine Religion: Du wirst so hineingezogen, so darin gefangen genommen. Du gehst in ein Kino als eine andere Person als Du herauskommst. Es beeinflusst einen derartig. Das ist machtvoll. Ich glaube, das ist stark. Ich liebe das.

BR: Wenn du ein Publikum fühlen lässt.

MJ: Ja. Ja.

BR: Sie identifizieren sich damit.

MJ: Ja, sie leben es. Sie sind ein Teil davon. Sie vergessen, dass sie im Kinosessel sitzen.

BR: Die Erfahrung, einen Kinofilm zu sehen, beeinflusst ihr Leben.

MJ: Ihr ganzes Leben. Es könnte ihr Leben verändern.

BR: Ja, ich erinnere mich daran, Star Wars gesehen zu haben, in einem Kino, als ich 7 Jahre alt war. Es ist eine andere Erfahrung für Paris und Prince, es auf DVD heute zu sehen, 27 Jahre später. Ich sah es, als es gerade herauskam, mit all dem Schock und Ehrfurcht der damaligen Zeit. Niemand hatte jemals ähnliches vorher gesehen. Es gab Warteschlangen, die sich [mehrere] Straßenblöcke weit hingezogen haben, und ich konnte zuerst gar nicht hinein in der ersten Zeit. Ich musste am nächsten Tag wiederkommen, um es wieder zu versuchen. Die Erinnerung daran, so verzweifelt gewesen zu sein mit 7 Jahren, um diesen Film zu sehen, macht es zu einer sogar noch unvergesslicheren Erfahrung. Wenn du sowas zu ersten Mal sieht, dann beeinflusst es dein Leben andauernd. Es ist wie einen Song oder einen Künstler zum ersten Mal auftreten zu sehen. James Brown zu sehen und dieser Moment der Tränen, die aus deinen Augen kommen, ist anders als es 20 Jahre später im Radio zu hören.

MJ: Ich kann Dir nicht sagen, wie unglaublich das war. Ich liebe die großen Entertainer einfach, die großen Performer, die großen Showmenschen, die großen Geschichtenerzähler. Allein vom Zuschauen wird man hypnotisiert/verzaubert. Du bist darin gefangen. Ich liebe es. Nur ein Spotlight, Baby.

BR: Frank Sinatra.

MJ: Ja, diese Jungs sind cool. Und Sammy Davis. Ich liebe es einfach, die ganze Sache. Es ist magisch, es ist wirkliche Magie. “

(Übersetzung: CTE)

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