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17. May 2012

Will.I.Am – Michael Jackson, “The Last Emperor”

The Last Emperor – Der letzte Kaiser
Vorwort von Will.I.Am  im Buch “Michael- by the editors of Rolling Stone”

Ich bin in einer Sozialbausiedlung aufgewachsen. Wenn Du inmitten von Gewalt aufwächst, Leute Crack verkaufen, ins Gefängnis gehen und sterben, dann ist Musik die einzige Sache, die Dir übrig bleibt, um daraus zu entfliehen. Wenn Du der Musik zuhörst, weil eine Menge dramatische Dinge um Dich herum passieren, ist sie wie ein Raumschiff, das Dich an einen gänzlich anderen Ort bringt. Das ist es, was Michael Jackson für mich war.

Aber warum lieben wir alle Michael Jackson? Warum ist Michael Jackson wichtig? Wegen seines überragenden Talents. Seiner Fähigkeit, seinen Körper zu beherrschen – seiner Stimme, seines Tanzes. Und wegen seiner Vorstellungskraft, seiner Fähigkeit zu denken, nicht nur außerhalb der Grenzen, sondern zu denken, bis die Grenzen gar nicht mehr existieren. Michael tat es am besten, und ich rede nicht nur über Performance und Verkäufe. Er tat es auf einem hohen Business Level, er war ein Unternehmer. In diesem Sinn war er nicht nur der King of Pop, sondern der King der (Musik-) Industrie. Er war wie die Wall Street der Musik. Es würde keinen Jay-Z geben ohne Michael Jackson. Es würde keinen Usher oder Justin Timberlake geben. All dese Leute sind nicht mehr da, wenn Du Michael Jackson aus der Gleichung herausnimmst.

Ich habe mit ihm an der Wiederauflage des Thriller Albums zu dessen 25-jährigen Jubiläum gearbeitet und auch an dem Album, an dem er arbeitete, als er starb. Zuallererst war es schwierig, mit ihm zusammen im Studio zu sein, weil Du nicht anders kannst, als ein Fan zu sein. Ich fragte all die Fragen, die ich schon immer fragen wollte: „Wie war es, als Du das Thriller Video gemacht hast?“ „Warum die Glitzersocken?“ Ich erzählte ihm, dass, als er das Thriller Video drehte, es ganz in der Nähe von dem Haus geschah, in dem ich wohnte. Ich fragte meine Mutter, ob ich dahin gehen dürfe, aber sie sagte Nein. „Aber warum?“ fragte Michael. Ich erklärte ihm, dass es deswegen war, weil wir in einer schlechten Nachbarschaft wohnten und es gefährlich sein könnte. Er sagte daraufhin: “Also, wenn Sie Ja gesagt hätte, wären wir vielleicht jetzt nicht hier.“ Wir schufen uns eine richtige Verbundenheit. Wir wurden Freunde.Für das neue Album, so sagte er immer, wollte er die Aufnahme wie „noch nie dagewesen“ haben. Ich hatte diesen Ausdruck noch nie benutzt, ging nach Hause und schlug ihn nach. „Wir müssen ‚bis zur Kehle’ gehen“, sagte er. Nummer Eins. Wir müssten überall Nummer Eins sein.

Er wollte sich selbst übertreffen. Ich sagte ihm, dass er nicht übertreffen könne, was er getan habe. Wir hatten richtige Diskussionen darüber, und wir haben einige tolle Sachen gemacht. Ich hoffe, sie werden einmal herauskommen. Als ich mit ihm arbeitete, war er stimmlich und spirituell in erstklassiger Form. Wie er durch’s Leben gegangen ist, unter permanenter Beobachtung und Kritik – ich weiß nicht, wie er das gemacht hat. Beurteilt und gefragt von der ganzen Welt. Er war immer noch aufgeregt bei der Musik, immer noch aufgeregt zu proben und mit Leuten rund um den ganzen Globus zu arbeiten.

Um Michael Jackson zu verstehen, musst Du verstehen, woher er kommt. Im Jahr 2005, um die Zeit, als ich mit ihm gearbeitet habe, hatte ich auch das Vergnügen, mit James Brown zu arbeiten, einem von Michaels Idolen. Ich erzählte Michael, dass ich James fragte, ob er mit mir ein Foto aufnehmen würde, woraufhin er zweimal in die Hände klatschte, eine Dame aus der Ecke sprang und anfing sein Haar zu kämmen. Michael sagte nur: „Wow. Ist das Showbusiness nicht aufregend?“ Als er das sagte, machte alles einen Sinn. Im Showbusiness ist die Bühne überall. Die Bühne ist nicht bei den Grammys. Die Bühne ist da, wenn Du den Parkplatz verlässt. Sie ist da, wenn Du einkaufen gehst. Es geht um Inspiration, darum Dein Bestes zu geben, um perfekt zu sein. Das ist der Grund, warum Michael Jackson eine königliche Persönlichkeit war. Wenn er die Straße hinunterging, war das ein Ereignis. Für all die Leute, die er bewunderte, als er aufwuchs, Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Elizabeth Taylor, war die Show überall.

Michael ist der letzte Kaiser dieser Ära.

Übersetzung: Lilly

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Will.i.amThank You, Michael Jackson…

Ich möchte mir die Zeit nehmen, Michael Jackson zu danken.
Danke, dass Du in mein Leben getreten bist mit so wunderbarer Musik.
Danke, dass Du mir Freude geschenkt hast, dass Du dem Planeten Freude geschenkt hast.
Danke, dass Du mir einen Ausweg aufgezeigt hast.
Danke, dass Du mir geholfen hast, mich und meine Träume zu finden.

Wenn Du in den Ghettos aufwächst, umgeben von Gewalt….
Du gabst mir einen Ausweg, ich konnte fliehen aus dem ganzen Drama, das mich umgab,als ich Deine Musik hörte.
Danke für die Träume.
Ich tanzte, ich wollte immer tanzen können wie du.
Ich malte Bilder von Dir…
Danke, dass ich mit Dir arbeiten durfte.

Danke, dass Du Deine Hand nach mir ausstrecktest und versucht hast, mir etwas über die Musikindustrie beizubringen und darüber, wie grausam Menschen sein können und dass Du trotzdem am Ende des Tages, Dein Handwerk gewürdigt und geliebt hast, Deine Fans gewürdigt hast.
Danke, dass Du mich nach Irland gebracht hast, damit ich dort mit Dir arbeiten konnte.
Danke, dass Du so oft mit mir telefoniert hast.

Er hat mich am Vatertag angerufen, weil er wusste, dass ich nie einen Vater hatte. .
Ich danke Dir so sehr.
Danke, dass Du ein Freund warst.
Du hättest mich nicht kennenlernen müssen, aber Du wolltest es.
Danke.

Wir haben alle einen großen Künstler verloren, ein Licht der Welt, ein wahres Talent, ich werde mich immer an Dich erinnern.
Du bist einer der stärksten Menschen, die ich je traf.
Du musstest durch so viele Prüfungen, so viel Kritik durch bösartige Journalisten, die nichts Besseres zu tun hatten, als Dich zu kritisieren.
Du hast die Musikindustrie aufsteigen und fallen sehen. Du bist nicht nur der König des Pop, Du bist der König der Industrie, Du bist der König der Musikindustrie.
Es wird nie wieder einen Künstler geben, der auf der Welt so einschlägt, wie du es getan hast.
Es wird nie wieder einen Künstler geben, der so viele Platten verkauft wie Du.
Niemals.
Wie könnte das auch sein?

Es wird immer nur Michael-Jackson-Nachahmer geben.
Ich danke Dir so sehr. Du hast aus der Welt einen wunderbaren Ort gemacht, Du hast uns Freude gebracht und wir danken Dir dafür und wir werden für Dich und Deine Familie beten.
Wir werden Dich immer lieben.
Danke, Michael Jackson.

9. May 2012

“Big Al” Scanlan: Michael Jackson und Neverland

“Big Al” Scanlan,  Angestellter von Neverland..

Von 1990 – 2005 arbeitete Big Al Scanlan auf Neverland als Chef der Verwaltung/Instandhaltung. Er war für das Grundstück und die vielen Attraktionen verantwortlich, inclusive dem Theater, den Fahrgeschäften und dem Zug. Er wurde auch zu einem Freund von Michael.

Hier einige seiner  Erinnerungen:

Ich hatte gerade erst seit ein paar Wochen auf Neverland gearbeitet. Es wr ein sehr warmer Tag. Ich trug einen Anzug – und dachte bei mir, dass es viel zu warm ist, einen Anzug zu tragen. Ich stand in der Nähe des Amusementparks und zerkleinerte Eis für die Eismaschine, mit dem Rücken zu dem Weg, der vor dem Park entlangführt. Aus dem Augenwinkel sah ich ein Golf Cart kommen, was hinter mir anhielt. Ich zerkleinerte weiter mein Eis und hörte: “Ganz schön heiß heute, oder?” Ich drehte mich um, stimmte zu und machte weiter mit dem Eis. Dann “Wums!”- ein Wasserballon traf mich mitten am Rücken. Als das Golf Cart davon brauste, hörte ich Mr. Jackson sagen: “Ich war’s nicht.” Ich merkte, dass es mir jetzt schon viel kühler war und dachte, “Ich hatte noch nie einen Chef, der mich mit einem Wasserballon beworfen hat, ich glaube, das ist ein lustiger Arbeitsplatz.” Diese Erinnerung ist haften geblieben, denn ich war damals erst ein paar Wochen auf Neverland und hatte noch garkeinen Kontakt mit Mr. Jackson, ausser dass er ein paar Fahrten auf den Karussells machte.

Die einzige Freizeit die er hatte war auf Neverland. Ich denke, er genoss alles auf Neverland: Karussellfahren, Filme ansehen, den Zoo besuchen und ohne Zweifel die Wasserballon Schlachten. Neverland gab Mr. Jackson und auch seinen Gästen eine Möglichkeit, zu entspannen, dem Alltagsstress zu entkommen. Auch wenn er im Studio war, wollte er immer alles hören, von den Gästen und wie ihr Tag auf Neverland gewesen war. Es war sehr wichtig für ihn, dass sie dort einen guten Tag verbrachten.

Ich versuchte immer realistisch zu sein, dass er der Arbeitgeber ist und ich der Angestellte. Das war manchmal hart, denn er behandelte dich besser wie sich manche Freunde untereinander behandeln. Er war immer sehr höflich, respektvoll , ehrlich und mitfühlend. Wenn du einmal einen Freund findest, der so ist, die ganze Zeit…verliere den Freund nicht mehr! Ich war angestellt, um mich um den Amusement Park zu kümmern, der aus den Karusells, Zügen, der Spielhalle und dem “Wasser Fort” bestand. Bevor ich auf Neverland arbeitete, war ich in der ganzen Welt unterwegs. Dank diesen Reisen und einigen meiner Klienten, sammelte ich Erkenntnisse über gute Gastfreundschaft. Wenn ich diese Kenntnisse auf die Gastfreundschaft auf Neverland beziehe, dann bleibt mir nur noch “den Hut zu ziehen”, wie man sagt. Es war eine sehr dankbare und gnädige Zeit für mich.

Was ein Tag auf Neverland an Eindrücken bei den kränklichen Kindern aus den Stadtzentren hinterlies, ist unbeschreiblich. Um Mr.Jackson zu helfen seinen Traum für diese Kinder wahr werden zu lassen, Teil dieser Magie und den bleibenden Erinnerungen dieser Kinder zu sein, war ein Segen. Ich muss leider sagen, dass trotz der vielen Bilder und Geschichten von Neverland, die man im Internet findet, keiner wirklich vermitteln kann wie ein Tag auf Neverland wirklich war. Das ist etwas was man selbst erleben muss….Ich liebte meinen Job auf Neverland. Es war mein Job, den grössten Entertainer der Welt zu unterhalten. Wieviele Leute können das sagen?  Michael Jackson, der Mensch: Liebevoll, mitfühlend, ungekünstelt, ein Witze-macher und ein unbeschreiblicher, liebevoller Vater. Während meiner 15 Jahre auf Neverland, hatte ich viele lange Gespräche mit Mr. Jackson über Neverland, oft saßen wir an einem Tisch unter einer großen Eiche. Wenn man in seine Augen sah, seine Stimme hörte, blieb kein Zweifel daran, dass diese wohltätige Arbeit eines der wichtigsten Dinge seines Lebens war. Mit der Zeit, denke ich, dass die Bedeutung dieser magischen Tage mit den kranken Kindern wieder den Weg in Michaels Herz gefunden hätte. Die Briefe von Ärzten und Schwestern der Kinderkrankenhäuser, die Briefe der Eltern über die Erinnerungen ihrer Kinder an den Neverland-Trip, machen sehr deutlich, wie wichtig diese wohltätige Arbeit Mr. Jacksons durch Neverland war.

Ich freundete mich mit einem Kind mit Cystischer Fibrose an. Jeff besuchte Neverland zum erstenmal mit dem Kinderkankenhaus von LA und das zweitemal im Rahmen des jährlichen Familien Tages für die Angestellten. Nach einem Tag auf Neverland sah er mich an und sagte: “Ich weiß nicht, ob ich Michael Jackson den Entertainer mag, aber ich bin sicher, ich mag Michael Jackson als Mensch.” Jeff verstand Michael und die Bedeutung von Neverland…und während ich das hier schreibe und an Jeff und die schöne Zeit auf Neverland denke, verstehe ich auch die Bedeutung von Neverland. Ich möchte, dass die Medien endlich “satt” sind, und sich mit jemand oder etwas anderem beschäftigen. Ich möchte, dass Mr. Jacksons Kinder von dem Medien Zirkus verschont bleiben. Immer, wenn ich ein Foto der Kinder sehe, werde ich emotional. Es sind einmalige und wunderbare Kinder, und sie müssen unter dem großen Verlust und dem großen Schmerz leiden, worunter eigentlich kein Kind leiden sollte. Ich schliesse sie jeden Tag in meine Gebete ein…

Noch eines…zu allen Fans…bitte gebt es an die nächste Generation weiter, die Bedeutung und Grösse von Michael, sowohl als Entertainer als auch als als gütiger, mitfühlender Mensch, der wirklich die Welt heilen wollte.!

Michael Jackson, Worldcongress of Children, Neverland 1995

Text-Auszüge aus:

http://www.examiner.com/article/allan-big-al-scanlan-and-brian-friedman-remember-michael-jackson-honored-guests-at-mj-tribute

http://www.google.de/imgres?hl=de&client=firefox-a&hs=Y0l&sa=X&rls=org.mozilla:de:official&biw=1690&bih=1039&tbm=isch&prmd=imvnso&tbnid=VfeHgoDGvoTtNM:&imgrefurl=http://valmaiowens.blogspot.com/2011/02/back-to-neverland-with-big-al-scanlan.html&docid=IxvlpYhV4_esHM&imgurl=http://1.bp.blogspot.com/_HTSmmyF_Xhc/TUioiY2wK2I/AAAAAAAAAEc/__WxKB9ycuo/s1600/gal_mj_4.jpg&w=376&h=500&ei=cluqT-neEoj34QSF_u3NAg&zoom=1&iact=rc&dur=473&sig=109322954766764524553&page=1&tbnh=159&tbnw=128&start=0&ndsp=40&ved=1t:429,r:3,s:0,i:77&tx=72&ty=85

Übersetzung: M.v.d.Linden

5. May 2012

Michael Jackson – Earth Song

Earth Song

Das ist die Übersetzung eines Kapitels aus dem Buch “M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance ” von Willa Stillwater

(Michael Jacksons Kunst der Zusammenhänge und Herausforderungen )

http://www.amazon.de/Poetica-Jacksons-Connection-Defiance-ebook/dp/B004WDRVP8

…ein großartiges Buch über Michaels Kunst, Kurzfilme und Songs und deren Hintergründe und Zusammenhänge, (leider nur auf englisch und als Kindle e-book erhältlich)
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Kapitel 7 – EARTH SONG
Dies ist, für mich, die Botschaft von Earth Song. Im Laufe vieler Jahrhunderte haben vorangegangene Generationen Geschichten kreiert, die eine bestimmte Sichtweise der Natur vorantrieben. Diese Geschichten haben besonders junge Männer ermutigt, auf einen Wald zu blicken und Bauholz zu sehen, auf einen Fluss zu blicken und Bewässerung und Wasserkraft zu sehen, einen Elefant zu erblicken und Elfenbein zu sehen, Land, das von einem Urvolk bewohnt wird, zu erblicken und einen Standort für eine neue Kolonie zu sehen.

Jackson beginnt Earth Song, indem er die Geschichten hinterfragt, die uns überliefert wurden. Speziell scheint er ein symbolisches Mitglied einer früheren Generation über einige der Dinge zu fragen, die diese Geschichten ignorieren oder auslassen oder uns ermuntern, sie als bedauernswerte Notwendigkeit abzutun und er fragt, ob diese Geschichten ihre Versprechen wirklich erfüllen:

Was ist mit dem Sonnenaufgang?
Was ist mit dem Regen?
Was ist mit all den Dingen, von denen du sagtest, wir würden sie erreichen?
Was ist mit den Schlachtfeldern?
Gibt es eine Zeit?
Was ist mit all den Dingen, von denen du sagtest, sie wären dein und mein?
Hast du jemals aufgehört all das Blut zu bemerken, das wir zuvor vergossen haben? [...]
Was haben wir der Welt angetan?
Sieh, was wir getan haben.

Während er singt, sehen wir die Auswirkungen dieser Erzählmuster der Ausbeutung: planierte und abgebrannte Wälder; ein niedergemetzelter Elefant, dessen Stoßzähne abgeschnitten wurden, sein totes Junges neben ihm liegend; eine vom Krieg zerstörte Stadt; ein zappelnder Delphin, gefangen in einem Netz, unfähig die Oberfläche zu erreichen und zu atmen; ein hungerndes Kind, das sich an seine Mutter lehnt; eine Babyrobbe, die für ihr Fell mit einer Keule erschlagen wird.

Durch die Gegenüberstellung dieser Bilder, deutet Jackson an, dass sie verbunden sind. Das Problem besteht nicht nur in diesen einzelnen Taten und Misshandlungen; es besteht darin, dass wir trainiert wurden, die Welt auf eine Weise zu sehen, die logischerweise zu dieser Art von Übergriffen führt. Das ist es, was passiert, wenn wir unseren Planeten und die lebenden Dinge, die ihn bevölkern, als Rohstoffe sehen: als Ressourcen, zu kaufen und zu verkaufen, zu gebrauchen und wegzuwerfen oder als wertlos beiseite zu schieben, wenn sie unseren Zwecken nicht dienen. Das Problem ist nicht einfach der Mann mit der Keule; es ist eine Weltsicht, die ihn dazu bringt, eine tote Babyrobbe höher zu bewerten, als eine lebende. Diese Weltsicht wurde durch kulturelle Erzählungen und kulturelle Konditionierung errichtet – durch Jahrhunderte von Geschichten, die die Ausbeutung und Beherrschung der Länder und Meere unseres Planeten aufwerten, seiner Minerale und Wälder und Flüsse, seiner Pflanzen und seiner Kreaturen, andere Menschen eingeschlossen.

Wir müssen diese kulturellen Geschichten umschreiben und neue Geschichten erschaffen, die eine andere Beziehung zwischen uns, unserem Planeten und den anderen lebenden Dingen, die unseren Planeten bewohnen, vorantreiben. Aber wie können wir möglicherweise unsere kulturelle Konditionierung rückgängig machen? Wie schreiben wir Geschichten, die so verbreitet und alt wie diese sind, neu? Viele dieser Geschichten von Eroberung, vom die Natur bekämpfenden und bezwingendem Menschen, sind älter als die Industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts oder der Aufstieg moderner Kolonialisierung, die im 15. Jahrhundert begann. Manche mögen tausende Jahre zu den Ursprüngen der modernen Zivilisation selbst zurückreichen. Und wie Jackson bewies, ist eine Erzählung einmal etabliert, wird sie so real für uns, dass es schwer ist, sich irgendeine andere Art, die Dinge zu sehen, vorzustellen. Wenn wir Jacksons Gesicht nicht einmal sehen können, wenn es direkt vor uns ist und nicht realisieren, dass die Erzählung, die uns dazu brachte, sein Gesicht zu fehlinterpretieren, falsch ist, wie können wir dann hoffen, uns von Geschichten zu befreien, die seit Jahrhunderten erzählt und wiedererzählt wurden? Wie fangen wir überhaupt an?

Eine der charakteristischen Eigenschaften, die ich am interessantesten und anregendsten an Jacksons Werk finde, ist, dass er beides, ein Realist und ein Optimist ist. Es ist eine faszinierende Kombination. Er pocht darauf, entschlossen auf Probleme zu sehen (allerdings ist er nicht sadistisch – er schwenkt die Kamera, bevor die Babyrobbe erschlagen wird, bevor der Delphin ertrinkt), aber er stellt uns selten vor ein Problem ohne auch seine eigene einzigartige Lösung vorzuschlagen. Er nimmt sich dem scheinbar unüberwindlichen Thema der Gangbrutalität in Beat It und Bad an und schlägt eine Lösung vor: die Macht der Kunst. Und es ist eine Lösung, die funktioniert, wie der Aufstieg des HipHop bewiesen hat. Er untersucht das Problem der Frauenfeindlichkeit in  The Way You Make Me Feel und schlägt eine andere Art von Romantik für diese Umgebung vor – einen Weg für Männer und Frauen eine vertrauliche Beziehung zueinander aufzubauen. Er konzentriert sich auf die spirituelle Unfruchtbarkeit des modernen Lebens in Jam und empfiehlt die Erfüllung, die von der Entwicklung und dem Ausdruck unserer eigenen inneren Kreativität kommt. Persönlicher sieht er sich in Billie Jean und Stranger In Moscow und Ghosts  falsche Anschuldigungen an, die gegen ihn aufgebracht wurden und entwirft jedes Mal eine interessante Antwort auf das Problem. Er macht dasselbe in Earth Song mit dem Thema der Umweltzerstörung.

Nachdem er uns die Auswirkungen der kulturellen Erzählungen, die seit Generationen überliefert wurden gezeigt hat, beginnt Jackson eine Litanei von allem zu singen, was von diesen Erzählungen ignoriert oder als unwichtig beiseite geschoben worden war – all die Lebewesen und an den Rand gedrängte Menschen, die Wälder und Dörfer, die Ökosysteme und ganzen Zivilisationen, die von diesen Erzählungen ausgeschlossen wurden – während ein Chor von Stimmen mit „Was ist mit uns?“ antwortet (die fettgedruckten Worte werden vom Chor gesungen).

Was ist mit dem Wert der Natur?
Sie ist der Schoß unseres Planeten.
Was ist mit uns?
Was ist mit den Tieren?
Was ist mit uns?
Wir haben Königreiche zu Staub gemacht.
Was ist mit uns?
Was ist mit den Elefanten?
Was ist mit uns?
Haben sie ihre Stoßzähne verloren?
Was ist mit uns?
Was ist mit den singenden Walen?
Was ist mit uns?
Wir verwüsten die Meere.
Was ist mit uns?
Was ist mit den Waldwegen?
Wurden sie trotz unserer flehenden Gebete niedergebrannt?
Was ist mit uns?
Was ist mit dem Heiligen Land?
Was ist damit?
Es ist durch Glaube zerrissen.
Was ist mit uns?
Was ist mit dem einfachen Mann?
Was ist mit uns?
Können wir ihn nicht befreien?
Was ist mit uns?
Was ist mit den Kindern, die sterben?
Was ist mit uns?
Könnt ihr sienicht weinen hören?
Was ist mit uns?
Wo sind wir auf Abwege geraten?
Sag mir jemand warum.

 

Als Jackson und der Stimmenchor unsere Aufmerksamkeit auf all die Dinge richten, die von unseren Geschichten von Eroberung und Entwicklung und Beherrschung ignoriert wurden, verlagert sich die Perspektive von Earth Song. Plötzlich sind wir im Weltall, sehen die Welt aus einer globalen Perspektive und die Welt beginnt sich rückwärts zu drehen. Wir gehen in der Zeit zurück und der globale Schaden, der von unseren kulturellen Erzählungen entfesselt worden war, wird ungeschehen gemacht. Umgestürzte Bäume beginnen sich selbst aufzurichten und strecken ihre Zweige zur Sonne. Ein Panzer zieht sich aus einem kriegsgeschundenen Dorf zurück und ein toter Zivilist öffnet seine Augen. Rauch fließt zurück in die Schornsteine einer Fabrik. Die Stoßzähne des niedergemetzelten Elefanten wachsen nach und sie beginnt sich zu erheben und zu trompeten. Tiere kehren in die Ozeane und die Savannen zurück. Die Geschichten von Industrialisierung und Kolonialisierung und Umweltzerstörung werden un-erzählt.

Die Lösung, nach Jackson, ist alles einzugestehen, was von den bestehenden kulturellen Erzählungen ignoriert oder als unwichtig deklariert wurde. Wenn wir einmal unseren Fokus verschieben und anfangen all den Dingen Aufmerksamkeit zu schenken, die diese Geschichten ausgeschlossen haben – wenn wir einmal anfangen, diese Lebewesen und Bewohner und marginalisierte Menschen ernsthaft zu respektieren und wertzuschätzen und nicht einfach sagen, wir tun es – ändert das unsere Wahrnehmungen und unser Verständnis von unserem Platz in der Welt völlig. Wie John Muir sagte: „Wenn einer an einem einzelnen Ding in der Natur zerrt, findet er es am Rest der Welt befestigt.“ Besitzen wir die emotionale Kapazität, uns wirklich um einen Delphin oder eine Robbe oder einen Elefanten zu sorgen? (Wie der Stimmenchor fragt: „Was ist mit uns?“) Können wir uns aufrichtig um ein hungerndes Kind auf der anderen Seite der Welt sorgen? („Was ist mit uns?“) Können wir uns um einen zerstörten Wald oder ein zerbombtes Dorf sorgen, die wir nie sehen werden? („Was ist mit uns?“) Mit anderen Worten, können wir den kulturellen Erzählungen trotzen, die uns erzählen, dass diese Dinge weniger wichtig sind, als der unerlässliche Fortschritt und beginnen, die Welt auf eine Weise wahrzunehmen, die ihnen die Wichtigkeit zugesteht, die sie verdienen? Können wir anfangen, die Verbindungen zwischen uns zu verstehen und wertzuschätzen?

Uns wurde seit Jahrhunderten erzählt, dass es albern wäre, sich um Tiere oder die Umwelt zu sorgen – um Wale oder Flusskrebse oder Kolibris, um Bäume oder Sumpfgebiete oder Ströme – genau wie den frühen Siedlern erzählt worden war, es wäre falsche Sentimentalität, sich um die Gefühle der indigenen Menschen zu sorgen, denen sie begegneten, oder den Amerikanern vor dem Bürgerkrieg erzählt worden war, es wäre eine intellektuelle Schwäche, sich um die Gefühle von Sklaven zu sorgen. Haben wir die emotionale Fähigkeit, uns um die Dinge zu sorgen, von denen uns unsere kulturellen Erzählungen sagen, wir sollen sie ignorieren? Können wir uns genug sorgen, um unsere Lebensart zu ändern?

Viele Südstaatler vor dem Bürgerkrieg wussten, dass Sklaverei falsch war, aber sie waren überwältigt von der Aufgabe ihre gesamte Kultur zu verändern. Wie soll man überhaupt anfangen? Das Fortbestehen der Sklaverei war nicht einfach ein Versagen des Herzens; es war ein Versagen der Vorstellungskraft. Es war damals schwierig für viele Südstaatler, sich überhaupt eine andere Lebensart vorzustellen. Die Geschichten, die zu glauben sie erzogen worden waren, brachten sie dazu zu denken, dass ihre Art zu leben akzeptabel, sogar normal wäre und machte sie blind für andere Möglichkeiten. Es war einfacher, die Gewissensbisse zu verdrängen und die Dinge weiterlaufen zu lassen, wie sie waren.

Wir befinden uns nun in einer ähnlichen Situation, wenn es darum geht, wie wir unseren Planeten behandeln. Wir zerstören ganze Ökosysteme und verursachen Massenaussterben und wir wissen, dass es falsch ist, aber die Aufgabe, unsere Lebensart komplett zu verändern scheint überwältigend. Es ist schwer, sich überhaupt vorzustellen, wie eine neue Art zu leben aussehen könnte. In Earth Song bietet Jackson eine Anleitung dafür, wie man sich dieser Aufgabe annähern kann – dafür, wie man unsere kulturelle Konditionierung herausfordern und anfangen kann, diese Geschichten von Beherrschung und Ausbeutung neu zu schreiben. Der Schlüssel, um unsere kulturellen Erzählungen zu ändern, besteht darin, alles ausfindig zu machen, was diese Geschichten ignorieren oder abwerten und dann ebendiese Dinge, die sie ausschließen, einzuschließen. Wir müssen neue Geschichten schreiben, die den Dingen Respekt zollen, die unsere bestehenden Erzählungen ausschließen oder trivialisieren.

Doch war das keine neue Botschaft für Jackson. Das war auch die Botschaft in Ben, als er uns herausforderte, uns um eine Ratte zu sorgen. Das war die Botschaft von Thriller,als er uns aufforderte, einen sexy jungen Werwolf namens Michael zu akzeptieren, wie auch die ausgeschlossenen Teile unserer eigenen Persönlichkeiten. Dies ist eine Botschaft, die er im Laufe seiner Karriere in vielen verschiedenen Kontexten wiederholte. Immer wieder in Jacksons Werk sehen wir ihn ähnliche Fragen stellen: Welche Geschichten werden erzählt und welche nicht? Was wird ausgeschlossen aus den Geschichten, die uns erzählt werden und warum? Wem ist es erlaubt zu sprechen und seine Geschichten zu erzählen und wer wird ignoriert oder verspottet, weil sie als unwichtig oder unglaubwürdig oder anders angesehen werden, und ist das fair? Haben wir die emotionale Fähigkeit, uns um jene Gedanken zu machen, die ins Abseits gedrängt oder ausgeschlossen werden? Und wie ändert es unsere Wahrnehmungen, wie ändert es unsere Kultur, wie ändert es uns, würden wir anfangen die Dinge, die unsere Erzählungen uns zu ignorieren anerzogen haben, zu bemerken und uns um sie zu kümmern?

Übersetzung: Biba, mjjackson-forever.com..Danke!

28. April 2012

Namaste

“Namaste” ist die bekannteste und am häufigsten gebrauchte hinduistische Grußform. Bei der Aussprache dieses Grußes werden beide Handflächen in Herznähe zusammen gepresst und der Kopf wird leicht nach vorne gebeugt. Hinter dieser Gestik, die „Anjali Mudra“ heißt, liegt eine große symbolische Bedeutung.

Die beiden Hände sollen die positiven und negativen Kräfte darstellen, ähnlich dem Jing und Yang. Diese Dualität in zusammengebrachter Form hebt sich auf und verdeutlicht eine gewisse Ausgeglichenheit.

Der gegenseitige Gruß ist ein Zeichen höchstem Respekts und hat die ungefähre Aussage:

„ Du und ich, wir sind eins. Ich grüße, ehre und verehre das Göttliche in dir.“

In Sanskrit bedeutet das Wort „Namaste“: „Ich beuge mich vor dem Göttlichen in dir.“

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Namaste is a composite of the two Sanskrit words, nama, and te. Te means you, and nama has the following connotations:
to bend- to bow-to sink-to incline- to stoop

All these suggestions point to a sense of submitting oneself to another, with complete humility.

Namaste recognizes the duality that has ever existed in this world and suggests an effort on our part to bring these two forces together, ultimately leading to a higher unity and non-dual state of Oneness.

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Einer Überlieferung zufolge soll Mahatma Gandhi auf eine Nachfrage von Albert Einstein, was er denn mit dem bei ihm beobachteten Gruß Namaste ausdrücken wolle, dem Wissenschaftler Folgendes geantwortet haben:

„Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert.

Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir.

Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“

Namaste

I am so grateful
to all of you
for loving me
the real me

I am so grateful
that you chose to look past
the judgements of society
to see the truth of who I am

I am so grateful
that the messages I left behind
hidden in plain sight
are being understood
and shared

I am so grateful
for every prayer
every thought of love
and action taken
in my name

You are my heros
my inspiration
my friends

I bow before you
in eternal love and gratitude
Namaste

(poem by MJEverAfter)

 NAMASTE

ich bin euch allen so dankbar
dafür, dass ihr mich liebt
mein wirkliches ich

ich bin so dankbar
dass ihr hinter vorurteile
der gesellschaft seht
um das zu erkennen
was ich wirklich bin

ich bin so dankbar
dass die botschaften die ich hinterlies
im offensichtlichen verborgen
verstanden und geteilt werden

ich bin so dankbar
für jedes gebet
jeden gedanken der liebe
und jede aktion
die in meinem namen gemacht wird

ihr seid meine helden
meine inspiration
meine freunde

ich verbeuge mich vor euch
in ewiger liebe und dankbarkeit

 

Let me walk on holy ground with you
as you touch my soul and my world expands.
Your strength is the power I inherited
when I faced the winds.
Your love is the defense when I can’t believe in peace.

I was alone but you showed me
the light of my own being,
the ignored depths of my heart.

Namaste!
I honor the place within you
where the entire universe resides.

(poem by Karla Bardanza)

23. April 2012

Michael Jackson und Ryan White

Honoring the Legacy of Ryan White: Im Oktober 2009 unterzeichnete Präsident Obama das Ryan White-Erweiterungsgesetz zur HIV/AIDS Behandlung  (HIV/AIDS Treatment Extension Act of 2009) Auch Jeanne White-Ginder, die Mutter von Ryan White, ist Unterzeichnerin dieses Gesetzes.

Aus der Rede von Obama:

Obama: “A number of events and advances over the years have broadened our understanding of this cruel illness.  One of them came in 1984, when a 13-year-old boy from central Indiana contracted HIV/AIDS from a transfusion.  Doctors assured people that Ryan White posed no risk to his classmates or his community.  But ignorance was still widespread.  People didn’t yet understand or believe that the virus couldn’t be spread by casual contact.  Parents protested Ryan’s attendance in class.  Some even pulled their kids out of school.  Things got so bad that the White family had to ultimately move to another town.

(…) We can’t give Ryan White back to Jeanne, back to his mom.  But what we can do — what the legislation that I’m about to sign has done for nearly 20 years — is honor the courage that he and his family showed.  What we can do is to take more action and educate more people.  What we can do is keep fighting each and every day until we eliminate this disease from the face of the Earth.      So with that, let me sign this bill.  “

Obama: “Viele Ereignisse und Bestrebungen haben über die Jahre unser Verständnis für diese grausame Krankheit erweitert. Eine davon begann 1984, als ein 13 Jähriger Junge aus Indiana sich durch eine Infusion mit HIV/AIDS ansteckte. Die Ärzte bestätigten den Leuten, dass Ryan White kein Risiko für seine Klassenkameraden oder seine Gemeinde sei. Aber es herrschte immernoch weitverbreitetes Unwissen. Die Menschen verstanden oder glaubten nicht, dass sich der Virus nicht über ganz normale Umgangs-Kontakte verbreiten konnte. Eltern protestierten gegen Ryans Teilnahme am Unterricht. Einige nahmen ihre Kinder von der Schule. Die Dinge entwickelten sich so schlecht, dass die Familie White schliesslich in eine andere Stadt zog. (…) Wir können Ryan seiner Mutter Jeanne nicht zurückgeben. Aber was wir tun können – und worum es in diesem Gesetz hier seit über 20 Jahren geht  – ist, das wir die Courage würdigen, die er und seine Familie zeigten. Was wir tun können ist, mehr zu unternehmen und mehr Menschen aufzuklären. Was wir tun können ist, jeden Tag weiter zu kämpfen, bis wir diese Krankheit von der Erde ausgelöscht haben. In diesem Sinne unterzeichne ich dieses Gesetz.”

Obamas Speech:  http://www.whitehouse.gov/the-press-office/remarks-president-signing-ryan-white-hivaids-treatment-extension-act-2009

Auszüge aus dem Buch: “Ryan White – My Own Story”

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__…ry+++&x=22&y=18

Wenn wir Restaurants besuchten, standen die Leute auf und gingen, damit sie nicht irgendwo in meiner Nähe sitzen mussten. Sogar in der Kirche wollte niemand mir die Hand schütteln.

In der Stadt hatten sie Panik. Oft drückten sich die Kinder dicht an die Wände, wenn ich vorbei lief. Ich hörte, wie Kinder Ryan White Witze erzählten. Und Erwachsene erzählten Lügen darüber, dass sie gesehen hätten, dass ich Leute biss oder im Laden über das Gemüse gespuckt hätte. Ich habe so etwas nie gemacht und würde es auch nie tun.

Als ich schließlich zurück in meine Klasse kam, nachdem ein Richter festgestellt hatte, dass die Schule im Unrecht war, wollten trotzdem viele Leute, dass ich lieber weggeblieben wäre.

AIDS kann eine Familie zerstören wenn du es zulässt, aber zum Glück für mich und meine Schwester brachte uns Mutter bei, trotzdem immer voran zu gehen. Sie sagte “Gebt nicht auf, seid stolz auf das, was ihr seid und bedauert euch nicht selbst.”

Eines Tages rief Michael Jackson mich an. Ich dachte “Wow”, ich wusste nicht warum er anrief, höchstens vielleicht, weil er auch aus Indiana stammt. Er war im Auto, sagte er.

“Wenn wir unterbrochen werden, dann rufe ich dich zurück.” sagte er.
Ich habe ihm erzählt, was ich mache, welche Filme ich gesehen hatte, wie die Schule war, wie ich mit John einen Schaufensterbummel gemacht hatte – irgendwas über irgendjemand. Und ich sagte, ich höre seine Alben. Ich mochte Man in the Mirror am liebsten.

Michael ist nicht seltsam oder verrückt, wie man es in den Zeitungen lesen kann, die man im Supermarkt bekommt. Er ist sehr ruhig und sanft. Manchmal dauert es eine Zeit, bis er etwas sagt. Er ist so freundlich und friedlich. Es war schön für mich, ihn als neuen Freund zu haben.
“Wenn du das nächstemal in LA bist, treffen wir uns, und werden etwas Spaß zusammen haben” sagte er mir. Ich konnte es nicht erwarten.

An dem Tag, den wir mit Michael verbringen sollten, kam eine Limo Mama, Andrea, Heather und mich früh vom Hotel abholen. Als wir einstiegen, wurde uns gesagt, dass wir keine Kameras mitnehmen durften, weil wir keine Fotos machen durften. Nach etwa 3 Stunden ca. um 10.00 Uhr, fuhren wir durch das Haupttor von Neverland., Michaels Ranch.

Michael trug schwarze Hosen und eine rot-schwarze Jacke und einen schwarzen Hut. Er trug immer meine Lieblingsfarben. Er zeigte uns das Haupthaus. So wie ich, träumt auch er davon einmal Kinder zu haben, deshalb hatte das Haus ein Schlafzimmer für ein kleines Mädchen und einen kleinen Jungen, und Spielzimmer mit allen Arten von Spielzeugen – sogar ein Miniatur Karussell .

Beim Mittagessen – Huhn mit Mais und Kürbiskuchen – trafen wir Michaels Affen. Der bekannteste, Bubbles, war nicht da, aber die anderen ersetzten ihn gut. Sie hatten alle Windeln an und T-shirts in verschiedenen Farben. Sie haben ihre eigenen Babysitter und gehen “zur Schule” um Benehmen zu lernen. Sie benehmen sich wirklich gut. Sie liefen herum und spielten mit unseren Schuhbändern, während wir aßen. Hin und wieder fütterte Michael sie mit einem Stückchen. Ich wollte mich garnicht mehr von ihnen trennen.

Ich fühlte mich sehr wohl mit Michael, weil ich sah, dass er genauso schüchtern war wie ich. Er war eine ganz normale Person für mich. Ich konnte mich wirklich entspannen bei ihm.

Beim Essen gab es Saft und Pepsi. Mama fragte, ob es kein Coke gab. Dann erinnerte sie sich an Michaels Pepsi Werbung. Sie dachte, sie hätte es voll getroffen.

Michael lachte, er wusste was sie dachte. Er sagte, Mama sei genau wie seine Mutter. So brachte Mama den Mut auf und fragte eine typische “Mutter Frage”: Michael, ist es wahr, dass du in einem Sauerstoff Tank schläfst?” Das war etwas, was die Klatschpresse über ihn berichtete.

Michael lachte und sagte: “Also Jeanne, du kennst doch die ganzen Geschichten, die über dich und Ryan geschrieben werden.” ” Oh Gott”..sagte Mama ” Ich verstehe.”

Nach dem Essen fragte Michael mich, ob ich mit ihm auf der Ranch herumfahren wollte. “Yeah” sagte ich. Andrea probierte sein Trampolin aus und Mama und Heather probierten seinen “Out Door Hot Tub” aus, mit einer Video Leinwand dabei.

Michael und ich fuhren über die unbefestigten Wege der Ranch. Ich fuhr vorne und er saß hinten. Ich gab Gas und Michael schrie ” Mach langsamer, Ryan!” Als wir ein paar Meilen gefahren waren fragte er, ob ich den Weg zum Haus zurück wieder finden würde..
“Aber sicher” sagte ich, denn ich hatte mir ein paar Anhaltspunkte gemerkt.
“Das ist schön für dich” sagte er “aber jetzt lass mich fahren!”

Als wir Mama und die Mädchen wieder trafen, war es schon spät. Wir hatten noch selbst gemachte Pizza und dann wurde es Zeit für uns zurück nach LA zu fahren. Ich sagte Michael, ich hätte wirklich gerne ein Foto von uns. Er schickte jemand los, eine Polaroid Kamera zu holen und fuhr mit uns bis zum Eingang der Ranch. Mama machte ein paar gute Aufnahmen und dann sagten wir Tschüss.

Als die Limo auf dem Highway war, schlug Heather die Hände vors Gesicht und schaukelte vor und zurück, und begann zu lachen und lachen.. “Ich kann es einfach nicht glauben! Ich glaub’ es nicht!” schrie sie ” Wir haben einen Tag mit Michael Jackson verbracht. Ich kann es nicht glauben, wir waren zusammen mit Michael Jackson.”

An schlechten Tagen musste ich für soziale Kontakte aufs Telefon zurückgreifen. Michael rief an, um mir zu sagen, dass er fleissig an einem neuen Album arbeitet. “Wir müssen uns wieder treffen und etwas rumtrödeln” sagte Michael. Er wollte wissen, ob ich nach Weihnachten wieder auf die Ranch kommen könne.

Also, wenn Michael dich einlädt, dann sagst du nicht nein. Dr. Kleinmann wusste, dass ich weiter durchhalten wollte, und diese Trips nach Kalifornien ließen mich nach Vorne sehen. Ich konnte auf ihn zählen, dass ich in dieses Flugzeug kam. Deshalb antwortete ich Michael “Darauf kannst du wetten.”

Die Fahrt dauerte ca. 3 Stunden. Die Limo fuhr mich bis zum Bungalow Nr. 3, für eine Erholungspause. Michael sagte : “Ich seh’ dich um 19.00 Uhr” Das war Essenszeit. Ich war verwirrt, mein Magen schmerzte und ich hatte Krämpfe. Ich rief Mama an.

“Ich hätte nicht herkommen sollen,” sagte ich zu ihr. ” Ich will hier bei Michael nicht krank sein.”

“Weisst du, du hast eine Zeit nichts gegessen,” meinte Mama. Ich brauchte normalerweise mindestens alle paar Stunden einen Snack. ” Warum wartest du nicht ab, wie du dich nach dem Essen fühlst?”

Ich machte ein Schläfchen und ging dann zum Essen ins Haupthaus – Hühnchen “Bier ribs” und Bratkartoffeln. Dann gingen Michael und ich in sein Privat Kino und sahen uns 2 ein halb Stunden Three Stoges an. Wir aßen Pop Corn von der Maschine im Kino und liessen uns vom Haus eine Pizza liefern. Ich fühlte mich viel besser und hatte eine gute Zeit. Ich war jetzt froh, dass ich hergekommen war.

“Ich mag deine Jacke” sagte Michael zu mir, ” Aber ich will, das du eine “schwerere” bekommst.” Deshalb fuhren wir beide in Michaels Bentley in einen Laden in der Nähe. Das beste war, dass der Mann im Laden nicht glaubte, dass Michael und seine Kreditkarte echt waren! Michael gab ihm die NR. der Security von der Ranch, und er rief dort an um das mit der Karte und Michael abzuklären.

Ich war glücklich, als es zum Abendessen Tacos gab. Danach zeigte ich Michael ein Video, das Mama, Andrea und ich für ihn von unserem Haus gemacht hatten – jedes Zimmer, jedes Poster und sämtliche Dekoration an unseren Wänden. Ich sagte zu ihm: “Wenn du uns jetzt besuchen kommst, kennst du dich schon überall aus.”

Nachts sahen wir den neuen Indiana Jones Film an. “Wie viel Glück kann man haben?”, dachte ich.

Am nächsten Tag hatte Michael geschäftliche Treffen. Als er wieder Zeit hatte, gingen wir wieder in die Stadt und besorgten ein paar Geschenke für Mama und Andrea.

Beim Essen am Neujahrsabend gab mir Michael eine wunderschöne Uhr. Sie läutet jede Stunde, und sie zeigt das Datum, den Wochentag, den Monat und das Jahr an. Ich bedankte mich.
“Ich muss morgen früh los, noch bevor du fort musst.” sagte Michael, ” es tut mir leid, dass ich dann nicht da bin. Leider habe ich auch noch nicht das Foto mit dem Autogramm was du wolltest, aber ich schicke es dir zu.”

Als wir uns zum Abschied umarmten sagte Michael: “Gib niemals auf, tu es für mich.”

Neujahrstag, mein letzter Tag auf der Ranch. Ich spielte mit Max, einem von Michaels Affen. Ich freute mich, ihn wieder zusehen und er freute sich, meine Schuhbänder wieder zusehen. Ich wollte einen Kuss und Max gab mir einen dicken.
Ich rief Mama an um ihr zu sagen, dass ich am Weg nach Hause sei.

” Am Tor der Ranch ist eine große Kiste für mich,” sagte ich zu ihr, “es macht mich ganz verrückt, was denkst du was darin ist?”
Es war eine komplette neue Stereo Anlage mit CD Wechsler. Ein paar Tage später bekam ich das signierte Foto von Michael. “Für Ryan”  Er trug etwas schwarz, rot und weißes, Danke Michael!

..später, als Ryan wegen seiner Krankheit nicht mehr selbst an dem Buch schreiben konnte, half ihm Ann Marie Cunningham und schrieb weiter:

(..) In der nächsten Woche blieb Ryan bewustlos, in kritischem Zustand und auf der Intensivstation des Riley Hospitals. Dr. Kleinman sagte Jeanne, dass er sicher sei, dass Ryan keine Schmerzen habe. Aber die Chancen für Ryan, durchzukommen stünden nur bei 10%. (…)

Als Michael Jackson anrief, konnte Ryan nur 2 Minuten sprechen. “Ryan, Elton John sagt, du könntest einen Superstar doch nicht so runterziehen. er sei nur B-Klasse im Vergleich mit Michael!” Er (Elton) hielt das Telefon an Ryans Ohr, damit Michael ihn aufmuntern konnte. (..)

Ungefähr um 1 Uhr morgens rief Michael wieder von Atlantic City aus an. Als Jeanne ihm sagte, dass Ryan nicht mehr lange leben würde, sagte Michael er fliege sofort nach Indeanapolis.

..Ryan wird sterben.” “Ich fühle mich furchtbar” sagte er. Ungefähr um 1 Uhr morgens nahm Jeanne ein Gespräch von dem Freund der Familie, Michael Jackson an. Michael hatte Ryan vor kurzem  einen roten Mustang gekauft und die Whites waren häufiger Gäste auf seiner Ranch. Michael wollte kommen, er war in Atlantic City. “Wie lange wirst du brauchen, Michael?”  fragte Jeanne und sah dabei eine Krankenschwester an. “Zwei Stunden?” fragte sie die Schwester – aber die schüttelte ihren Kopf.

“Michael, komm nicht. Ryan wir es keine 2 Stunden mehr überleben. Wir wissen, wie sehr du ihn liebst.” Jackson sagte, er wäre morgens da, und das war er auch.
Als er ankam, ging er sofort in das Zimmer der Whites. Er war sehr erschüttert, dass er es nicht geschafft hatte, bevor Ryan starb.

Zuhause ging er in Ryans Zimmer, welches voller Poster, Sammlungen und Souveniers war, auch sein Regiestuhl vom Filmset war darunter. Im Schrank war die schwere Ledejacke, die Michael ihm gekauft hatte.

Michael saß da und sah sich still alles an.. Jeanne bot ihm an, alles was er wolle als Erinnerung mit zu nehmen, aber Michael sagte, sie solle den Raum so lassen, wie er war.

Im Hof der Whites stand der rote Mustang, den Michael Ryan gab. Jetzt war er bedeckt mit Blumen und Ostereiern, Geschenken von Kindern. Andrea nahm Michael mit nach draussen, und zeigte ihm das Auto. Als Michael den CD Spieler anschaltete, kam Ryans Lieblingslied, Man in the Mirror. Michael lächelte. Er wusste, es musste das letzte Lied gewesen sein, was Ryan gehört hatte.

Ryan starb am 8. April 1990, um 7.11 Uhr Morgens. Es war Palmsonntag.

Ryan White -December 6, 1971 – April 8, 1990

Michael spricht über Ryan:

Ich versuche nicht philosophisch zu werden, aber ich denke wirklich, dass es meine Aufgabe ist, Kindern zu helfen. Ich denke, es ist meine Berufung. Es ist mir egal wenn die Leute lachen, oder was sie sagen.

Kinder haben in der Gesellschaft nichts zu sagen und ich denke jetzt ist ihre Zeit gekommen. Von jetzt an ist es ihre Zeit. Sie müssen von der Welt wahr genommen werden und sie brauchen Entscheidungen, mit denen sie umgehen können. Und wenn ich das Licht sein kann, dieses Podest, von wo aus einfach etwas Licht auf das, was sie sind, geworfen wird und darauf, wie wichtig Kinder sind, dann ist es das, was ich tun will. Ich weiß nicht, wie Gott die Menschen auswählt, oder welche Schachzüge er mit ihnen spielt, er bringt dich in eine Position und stellt dich an deinen Platz. Manchmal fühle ich es so, so als wäre das genau mein Platz.

Ryan White. Das härteste für mich… Ich verstehe nicht, dass ein Kind stirbt. Wirklich nicht. Ich denke, es gibt dort ein Fenster (Abschnitt) in dem man sterben kann, aber nicht in diesem Zeitfenster. Wenn ein Kind stirbt oder krank ist, dann kann ich das wirklich nicht verstehen.

Aber ich hörte Ryan White zu, er war 12 Jahre alt, und in meinem Esszimmer auf  Neverland sagte er seiner Mutter, wie er beerdigt werden wolle. Er sagte: ” Mama, wenn ich sterbe, zieh mir keinen Anzug mit Kravatte an. Ich will nicht in einem Anzug mit Kravatte sein. Zieh mir OshKosh Jeans und ein T-shirt an.”

Ich sagte: “Ich muss mal ins Badezimmer,” und rannte ins Bad und weinte mir die Augen aus dem Kopf. Diesem kleinen Jungen zu zuhören, wie er seiner Mutter erzählte wie er beerdigt werden wollte. Das tat mir so weh. Es war, als wäre er bereit dazu und als er starb, trug er OshKosh Jeans und ein T-shirt und eine Uhr, die ich ihm gab. Wie kann dein Herz nicht mit sojemanden sein?

Und ich saß alleine in diesem Raum mit ihm, und er lag da, ich fühlte mich so elend, wollte ihn nur festhalten und küssen und ihm sagen, dass ich ihn liebe, all diese Dinge, die ich sagte als er noch lebte. Ich kümmerte mich um ihn und er war bei mir zuhause.  Aber ihn einfach da liegen zu sehen…ich sprach mit ihm und sagte: “Ryan, ich verspreche dir, etwas auf meinem nächsten Album dir zu Ehren zu machen. Ich werde ein Lied für dich machen. Ich werde es singen. Ich möchte, dass die Welt weiß, wer du warst.” Ich schrieb Gone Too soon. Es war für ihn.

Übersetzung: M.v.d.Linden

Ryan White  – (Michael Jackson – Dancing The Dream)
***
Ryan White, symbol of justice
Or child of innocence, messenger of love
Where are you now, where have you gone?
***
Ryan White, I miss your sunny days
We carelessly frolicked in extended plays
***
I miss you, Ryan White
I miss your smile, innocent and bright
I miss your glory, I miss your light
***
Ryan White, symbol of contradiction
Child of Irony, or child of fiction?
***
I think of your shattered life
Of your struggle, of your strife
While ladies dance in the moonlit night
Champagne parties on chartered cruises
I see your wasted form, your ghostly sight
I feel your festering wounds, your battered bruises
***
Ryan White, symbol of agony and pain
Of ignorant fear gone insane
In a hysterical society
With free-floating anxiety
And feigned piety
***
I miss you, Ryan White You showed us how to stand and fight
In the rain you were a cloudburst of joy
The sparkle of hope in every girl and boy
***
In the depths of your anguished sorrow
Was the dream of another tomorrow.
*
……………………………………………………………………………..
Jeanne White-Ginder, die Mutter von Ryan erinnert sich:
http://www.cbsnews.com/stories/2009/07/03/earlyshow/leisure/celebspot/main5131656.shtml
Was auch immer war, ich habe nie gezögert Ryan Zeit auf Neverland verbringen zu lassen. Er ging dort nach Weihnachten 1989 zum erstenmal alleine hin. Alles beruhte auf gegenseitigerAchtug. Ryan rief mich an und ich fragte “was hast du heute gemacht?” Er sagte “Oh heute Nacht haben wir 3 Stunden lang die “3 Stooges” angesehen. Ryan war 18. Ryan war schon etwas erwachsener und Michael war viel mit jüngeren Kindern zusammen und es interessierte ihn sehr, was Ryan mochte, was einen 18 jährigen interessierte.
Michael liebte Kinder, es interessierte ihn nicht, welche Rasse, welche Hautfarbe oder welches Handicap oder welche Krankheit sie hatten. Er liebte einfach alle Kinder. Michael kaufte Ryan einen 1989er Mustang – und einfach nur die Freude auf dem Gesicht des Kids zu sehen… Aber das Schönste was Michael tat, war das Gone Too Soon Video…Oh mein Gott, das Auto stand draussen, während der Trauerfeier, an der Michael teilnahm und die Leute warfen Blumen, jeder musste ein Andenken da lassen. Meine Tochter Andrea und Michael gingen in das Auto und Michael startete es und Man In The Mirror erklang..und die kleinsten Dinge konnten Michael so glücklich machen. Du konntest es in seinen Augen sehen, er lächelte von einem Ohr zum anderen und er sagte: “Ich war der letzte Mensch, dem Ryan zuhörte”. Und ich sagte “Ja,” denn Ryan spielte Man In The Mirror immer und immer wieder.” Drei Tage nach der Beerdigung rief Michael an und fragte, wie es mir gehe. Und ich fragte ihn: ” Michael, was hat dich mit Ryan so verbunden?” Er sagte: “Weisst du Jeanne, die meisten Menschen können nicht ausblenden wer ich bin, deshalb benimmt sich niemand bei mir normal” Er sagte, “Ryan wußte wie ich behandelt werden wollte, nämlich genauso normal, wie auch er behandelt werden wollte.” Und er sagte “Vertrauen, Jeanne, ich kann niemand vertrauen, jeder will etwas von mir. Weißt du ich habe Ryan versprochen in meinem nächsten Video mitzuspielen. Aber jetzt ist er fort, ich kann ihn nicht mehr ins Video nehemen, aber könnte ich ein Video für ihn machen?” Und ich sagte: “Es ist unglaublich, du würdest ein Video machen? Und Michael machte das Gone Too Soon Video, eine Erinnerung für die Ewigkeit.
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 Am 19. Januar  1993, bei der Amtseinführungs-Gala vom frisch gewählten Amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, hält Michael eine kurze Rede bevor er “Gone Too Soon” singt:

“Thank you, Mr. President elect, for inviting me to your inauguration gala. I would like to take a moment from this very public ceremony to speak of something very personal. It concerns a dear friend of mine, who is no longer with us. His name is Ryan White. He was a haemophiliac, who was diagnosed with the AIDS virus when he was 11. He died shortly after turning 18, the very time most young people are beginning to explore life’s wonderful possibilities. My friend, Ryan, was a very bright, very brave and very normal young man who never wanted to be a symbol or a spokesperson for a deadly disease. Over the years, I’ve shared many silly, happy and painful moments with Ryan, and I was at the end of his brief, but eventful journey. Ryan is gone, and just as anyone who has lost a loved one to AIDS, I miss him deeply and constantly. He is gone, but I want his life to have meaning beyond his passing. It is my hope, President elect, Clinton, that you and your administration commit the resources needed to eliminate this awful disease that took my friend… and ended so many promising lives before their time. This song is for you, Ryan.”

“Danke, Mr. Präsident, für die Einladung zu ihrer Amtseinführungs Gala. Ich möchte gerne einen Moment dieser öffentlichen Zeremonie nutzen, um über etwas sehr persönliches zu sprechen. Es betrifft einen lieben Freund von mir, der nicht mehr unter uns ist. Sein Name ist Ryan White. Er war Bluter und mit 11 Jahren wurde bei ihm der AIDS Virus diagnostiziert. Er starb kurze Zeit nach seinem 18. Geburtstag, in einem Alter, indem die meisten jungen Menschen anfangen, die wunderbaren Möglichkeiten des Lebens zu erforschen. Mein Freund Ryan war ein sehr fröhlicher, mutiger aber ganz normaler junger Mann, der nie Symbol oder Sprecher einer tödliche Krankheit sein wollte. Über die Jahre habe ich viele lustige, glückliche aber auch schmerzhafte Momente mit Ryan geteilt, und ich war mit ihm bis zum Ende seiner kurzen aber ereignisreichen Lebensreise. Ryan hat uns verlassen und so wie jeder, der einen geliebten Menschen an AIDS verloren hat, vermisse ich ihn sehr und für immer. Er ist gegangen, aber ich möchte, dass sein Leben über seinen Tod hinaus eine Bedeutung hat. Es ist meine Hoffnung, Präsident Clinton, dass sie und ihre Regierung die Resourcen aufbringen, die nötig sind um diese schreckliche Krankheit auszulöschen, die mir meinen Freund nahm und soviele andere Leben vor ihrer Zeit beendete. Dieses Lied ist für dich, Ryan…”

16. April 2012

Armond White: The Gloved One Is Not A Chump – Der mit dem Handschuh ist kein Trottel

Auszug aus einem Interview mit Armond White:

Vor etwa einem Jahr entdeckte ich ein kleines Taschenbuch vom New Yorker Film und Musikkritiker Armond White, welches er selbst publiziert hatte. “Moving on: The Chronicals Of Michael Jackson” Damals, so wie auch heute noch war es fast unmöglich Literatur zu finden, die Michaels Lebenswerk, oder den Menschen, der er bei fairer und nicht-sensationeller Sicht war, untersucht. Nachdem ich herausgefunden hatte, wer Mr. White war und was er in seinem Buch ansprach, dachte ich, dass diese Veröffentlichung etwas ganz besonderes war. Mr. White schrieb seit Mitte der 80er Kritiken über Michaels Musik und Kurz Filme, und machte damit weiter bis in die späten 90er. Ich fand seinen Einblick und Analysen von Michaels Kunst sehr fesselnd und verständnisvoll, weil er tief in die Denkprozesse und kraftvollen Botschaften eintaucht, die Michael in seine Arbeiten mit eingehen lies. Mr. White untersuchte Black Or White sehr tiefgehend und belegt erstaunliche Interpretationen des Panther Dance, oder den Zeichen (Coda) am Ende des Kurzfilms. Er bespricht auch Scream, Jam  und andere wichtige Veröffentlichungen, hinsichtlich der Musik, den Lyrics und der visuellen Umsetzung. Ich genoss es, an Mr. Whites zunehmender Wertschätzung von Michaels Courage und Entschlossenheit, seine Kreativität angesichts des mächtigen Gegenwindes auszudrücken, teilzuhaben. (Lauren Trainor – mjtribute portrait)

http://thejamcafe-mjtpmagazine.com/issue/star-dancer/article/interview-with-armond-white-author-of-keep-moving-the-michael-jackson-chronicle-s

…über Armond White:  geboren und aufgewachsen in Motown (Detroit, Michigan), Bachelor Abschluss in Journalismus, Master Abschluss in Filmgeschichte, Theorie and Criticism an der Columbia University; war Kritiker und Kunst Editor in der New Yorker The City Sun (1984 – 1996); gewann für die Kritik “The Gloved One Is Not A Chump” 1992 den “ASCAP-Deems Taylor Award for Music Criticism”; Chef Film Kritiker bei der New York Press (1997 – bis jetzt); dreimal Vorsitzender des New York Film Critics Circle. Bücher: The Resistance: Ten Years of Pop Culture That Shook the World, Rebel for the Hell of It: The Art Life of Tupac Shakur, and Keep Moving: The Michael Jackson Chronicles. (woraus dieser Artikel entnommen und übersetzt wurde)

http://www.resistanceworks.blogspot.de/

The Cloved One Is Not A Chump – Der mit dem Handschuh ist kein Trottel

Aufgewachsen mit der Motown-Moral aus Anpassung und Entgegenkommen, meint MJ es ernst, wenn er in „Black Or White“ von Brüderlichkeit predigt. Integration und ethnische Einheit sind unerlässliche Lehren seiner Philosophie über Erfolg im Showbiz (teilweise aus praktischen Bedürfnissen schwarzer Künstler heraus, um mit Musikern, Technikern und Geschäftsleuten arbeiten zu können und teilweise, weil Jackson daran zweifelsohne glaubt). Jackson pfeift nicht einfach nur Dixie, um Akzente zu setzen, er fügt auch der Politik eine neue, schockierende Ehrlichkeit/Offenheit hinzu.

Wenn dies in dem Song „Black Or White“ – einer sehr guten Popmelodie, die romantische Vorstellungen als Plattform nutzt, um Rassenhass und Rassenangst anzusprechen – auch nicht sofort deutlich erkennbar ist, so macht das Video zu „Black Or White“ doch Jacksons Botschaft durch seine durchaus übernatürliche bildliche Darstellung lebhaft deutlich.

Vielleicht weil „Black Or White“ eben keine „Geschichte“ erzählt und doch in vier Erzählungen aufgegliedert ist, die in Rhythmus und Melodie zusammenfließen, haben wohl viele Leute den Stilmix mit Jacksons persönlicher Verwirrung verwechselt. Die Wahrheit ist, „Black Or White“ ist eines der besten je gedrehten Musikvideos – wahrscheinlich das bedeutendste im Jahre 1991 – und Jackson sprach in keinem anderen Video sein eigenes Bewusstsein mit Hilfe visuellen und musikalischen bildlichen Ausdrucks gewagter, ambitionierter und präziser an als in diesem.

Auch wenn es in den Danksagungen zum Video heißt, dass „John Landis Regie geführt hat“, dieses Video trägt maßgeblich die Handschrift eines Autoren, dessen Image und Persönlichkeit jedes Bild dominiert. „Black Or White“ ist ganz deutlich eine Hollywood Produktion, vollgestopft mit Millionen Dollar teurem Know-how und Showbiz-Elan. Es ist voller überschäumender Fotografie und übersprudelnder Vorstellungskraft. Die Farben ahmen nicht alte MGM Musicals nach, wie es Janet Jacksons „Alright“ tut, hier gibt es eine hellere, weichere Palette, wie in Steven Spielbergs Produktionen, mit denen er begeisterte. Die Cleverness und der Schwung generieren eine aufgekratzte/fröhliche Stimmung, so als vergegenständlichten sie eine Philosophie wohlwollender Transformation, die in der vierten Sequenz des Videos gezielt zum Ausdruck kommt.

„Black Or Whites“ erhebende Botschaft wendet sich an das breite öffentliche Publikum. Ja, und das heißt überwiegend an das weiße Publikum, Jackson dreht damit erfahrungsgemäß den Afro-Amerikanern jedoch nicht den Rücken zu. Er hat nichts vergessen, die Eröffnungsszene, die sich wegbewegt von der kosmischen, allwissenden Sicht zu der Ansicht eines weißen Vororts, offenbart die Strategie eines Diskurses in die breite Öffentlichkeit, ein Diskurs, der die breite Öffentlichkeit absichtlich manipuliert.
Das ist scharfsinniges Marketing, aber es trifft auch eine Aussage. Macaulay Culkin (der Star aus „Kevin allein zu Haus“ und Jacksons neuester Starfreund) verkörpert das junge, weiße, enthusiastische, beeindruckbare, Rockmusik hörende Publikum. Die laute Rockmusik, die er sich anhört,stört seinen Vater (George Went aus den TV Cheers), der sich, wie in dem alten Video der Twister Sisters (eine Nummer, die heutzutage ein klassisches Stück des Rock n‘ Roll Varietés darstellt) lauthals beschwert. Das rebellische weiße Kind schiebt zwei riesige Lautsprecher ins elterliche Wohnzimmer, dreht die Lautstärke auf und schießt seinen Vater damit durchs Dach… bis nach Afrika.

Dies ist eine ideologische Überleitung wie der Schnitt zwischen Georgia und Afrika in der Briefsequenz des Films „Die Farbe Lila“. Die sprichwörtliche Gegenwehr der Weißen gegen die Musik der Wilden trifft hier auf Afro-fixierte Herkunft. Es ist ein angemessener Anfang für diesen Song und Jacksons erstes Auftreten hier in einer Gruppe Schild und Speer tragender Krieger mit schwarz und weiß bemalten Gesichtern, die einen leichtfüßigen Watusi Tanz aufführen, verweigert sich dieser Gegenwehr und umarmt die Herkunft.

Jacksons Forderung nach afrikanischen Wurzeln ist teilweise ein Akt von Universalität, doch die Szene mit den Kriegern vervollkommnet auch die Eigentümlichkeit des Performers. Er passt sich in die Szene ein wie ein Popkultur Schamane, der sein eigenes Opferritual feiert. Doch die Auswirkungen seiner kosmetischen OPs, vorgeschrieben durch seine Anpassung ans Showbiz, scheinen die Identität des Massenpublikums zu verkörpern. Genauso wie der strahlende Stil des Videos ist auch Jacksons helles scharf umrissenes Gesicht eher arttypisch als eigentümlich. Er wurde zu Neutralität gebleicht. Ob dies nun politisch korrekt ist oder nicht, es wischt sicherlich die vorangegangenen Behauptungen der Massen gegen Jackson oder gegen das Bedeutungsspektrum, zu dem er in seiner Kunst fähig ist, weg. Und wie ein Schamane oder ein Arzt erweist er der Weltgemeinschaft einen Dienst (er tanzt mit einer Truppe Indonesier), aber er bleibt autonom.

Das ist Musikvideophilologie. Jackson verbindet Welt und Kulturgeschichte durch Bilder der Popmusik, die seiner eigenen Vorstellungskraft und seiner Reaktion auf Hollywoods Medienarchetypen entspringen. Die hartnäckige Melodie des Songs verleiht diesen Fantasien einen eindringlichen Impuls. Die Gitarrenriffe besitzen die besondere Popresonanz der Rolling Stones und deren, der schwarzen Tradition entliehenen, kulturellen Mischung. Somit folgt das Video einer unterschwellig vorherbestimmten Route zurück nach Amerika, während Jackson von den afrikanischen Kriegern und den indonesischen Tänzerinnen auf eine Bühne mit Menschen springt, einer rhythmischen Nation, die ihres Landes, Amerika, enteignet wurde – er tanzt mit den Ureinwohnern Amerikas. Diese turbulente Szene bedient sich der gleichen westlichen modernen Mythologie wie „Zurück in die Zukunft III“, sie reist entlang eines anthropologischen Zeit/Raumkontinuums.

Jacksons dritte Welttournee geht nicht um Marktbeherrschung; er tritt heraus aus der Abgeschlossenheit der Vororte, um sich mit einer Reihe von kulturellen, musikalischen Kernaussagen zu identifizieren. Es geht ihm um etwas Reineres und Besseres als die kindische, rockige Idee von Popmusik als Rebellion. Jackson weiß, dass Popmusik mehr als das bedeutet und er zeigt es bereits in einem der ersten unterschwelligen Bildern des Videos: ein Pas de deux mit einer Inderin inmitten eines verkehrsreichen Highway mit einer im Hintergrund befindlichen Ölraffinerie. Die vorbeirasenden Autos und der anmutige Tanz visualisieren die Idee von Polyrhythmik, während der Hintergrund an die Industriealisierung menschlicher Energie erinnert, die die Welt der Popmusik definiert (es erinnert auch an Spielbergs Erklärung für das Design des Raumschiffs in „Unheimliche Begegnung der dritten ART“, er entwarf es nach einer Raffinerie, die er bei Nacht in Indien gesehen hatte).

Als der anrührende Tanz auf dem Highway von sanftem Schneefall bedeckt wird, wechselt die Szene zu den Zwiebeltürmen der russischen Architektur; in dieser Szene kämpfen Jackson und kostümierte Russen gegen einen symbolischen Kalten Krieg an. Diese Szene friert ein, wird zu einem spielzeugartigen Relikt, mit dem ein Pärchen, bestehend aus einem schwarzen und einem weißen Baby, das auf einer Weltkugel sitzt, spielt. Doch bevor dieses zuckersüße Bild schal werden kann, verwandelt es sich in eine Apokalypse. Das Bild wird rechtzeitig der harten Brücke des Songs geopfert und Jackson erscheint wieder durch Flammenwände laufend und singt:

„Ich habe genug von diesem Teufel
Ich habe genug von diesem Zeug
Ich habe genug von diesem Geschäft
Was genug ist, ist genug“

Als Jackson die Flammen zerteilt, blitzen im Hintergrund Bilder von Krieg und Elend auf, doch er schreitet weiter auf uns zu. Letztendlich, als er ein brennendes Kreuz beiseite schleudert, schreit er uns zu:

„Ich habe keine Angst vor eurer Bruderschaft
Ich habe keine Angst vor weißen Laken“

Dies erinnert stark an die kühne Szene aus Madonnas „Like A Prayer“, doch Jackson spiegelt eine deutlich aufsässigere Empörung wider. Und als er in der Mitte des „Eine-Welt-Idealismus“-Videos ankommt, besitzt Jacksons Wut eine noch größere Wirkung (sie ist „böser“ als all die vielgepriesene Profanität von Ice Cube). Es ist das hartnäckige Zentrum des gesamten Videos, sein Kern der Kraft. Selbst dort, wo er am abstraktesten ist, verliert Jackson nicht seine Griffigkeit: Da, wo Madonna und ihre Regisseurin Mary Lambert danach strebten, den Gebrauch des brennenden Kreuzes beim Ku-Klux-Klan zu untergraben und zur mittelalterlichen Bedeutung des Zornes Gottes zurückzukehren, führt Michael den Beweis weltlich, als er die Flammen des Chaos durch die Flammen aus der Fackel der Freiheitsstatue ersetzt (Die Zweideutigkeit dieser Verdopplung spiegelt auch den Misserfolg der amerikanischen Demokratie wider).

Dann folgt eine Szene, in der Michael gemeinsam mit Macaulay Culkin und einer Horde Kindern auf der Eingangstreppe eines Stadthauses steht (wie in dem 1945 gedrehten Film „The House I Live In“ mit Frank Sinatra) und mit den Lippen den Rap synchronisiert:

„Es geht nicht um Rassen
Nur Orte
Gesichter
Da, wo du herkommst
Ist dein Platz
Ich sah das Strahlende trübe werden
Ich werde mein Leben nicht damit verbringen
Eine Farbe zu sein“

Dies ist eine Erwiderung auf die Meinung von Public Enemy in ihrem Album „Fear Of The Black Planet“ und es ist politisch sehr scharfsinnig, auch wenn es eine persönliche Aussage ist. Der Rap zeigt Jacksons Entschlossenheit, über Politik hinauszuwachsen, es wird jedoch in einen Rap gepackt (synchronisiert durch seinen weißen Autor), da dieses Begehren, wie der Rap selbst, an sich schon ein politischer Akt ist.

Das triumphierende Bild Jacksons hoch droben auf der Freiheitsstatue (er zeigt dort die Pose aus seinem Bad Video), das Barbra Streisands Narzissmus in Funny Girl verneint, kündigt einen neuen Level der Symbolik an. Als das Bild breiter wird, sieht man Jackson in einer fantasiereichen Collage umringt von Eiffelturm, Sphinx, dem Taj Mahal, der Akropolis, Big Ben und anderen Weltwundern. Ganz offensichtlich spricht er so zu der Welt im Allgemeinen, doch die weniger vordergründige Bedeutung des Bildes zeigt, dass er selbst diesen Wundern entspricht: er ist gleichermaßen berühmt, gleichermaßen legendär, in gleichem Maße „groß“.

Seine Berühmtheit platziert Jackson an einen Ort jenseits durchschnittlicher, menschlicher Erfahrungen, genau wie sein verändertes Gesicht dies tut, es ist eine wissenschaftliche Meisterleistung, möglicherweise das achte Weltwunder. Die letzte Sequenz des Videos erklärt dies, während sie die universell-internationalen Empfindungen des Songs zusammenfasst. Erreicht wird dies durch die „Morphing“ genannte Special Effekt Technik, die durch Filme wie „Terminator 2“ populär wurde, doch das ist nicht einfach nur ein Gimmick. Die Bedeutsamkeit, die zum Ausdruck gebracht wird, wenn sich das Gesicht einer Person in das einer anderen verwandelt, transzendiert ähnliche Porträtstudien wie 1989 das Musikvideo von New Order (Round and Round) und Godley & Cremes „Cry“ von 1985.

Mindestens 15 Gesichter sind Teil dieser wundersamen Metamorphose, manche Gesichter erscheinen nur für den Bruchteil einer Sekunde: das breite Gesicht eines Chinesen verwandelt sich in ein schmales Gesicht einer Afrikanerin, die wiederum zu einer rothaarigen keltischen Frau wird usw., es geschieht in einer multi-ethnischen Staffelung. Die unterschwellige physische Entwicklung, die durch das „Morphing“ ausgedrückt wird, verbindet Wissenschaft und Natur, Technologie und Körper. Wenn man sich allein diese Sequenz betrachtet, ist es unmöglich zu glauben, dass Jacksons eigene Veränderungen seines Gesichts irgendetwas anderes seien als der Versuch, die Menschheit zu transzendieren. Sein Text „Es spielt keine Rolle, ob du schwarz bist oder weiß“ erscheint nun prophetisch. Charles Darwin hätte jetzt leben müssen, um diese Demonstration elektronischer Genetik sehen zu können. Es ist ein Anblick, der einen vollkommen demütig werden lässt.

Die Originalversion

Nachdem „Black Or White“ am 14. November 1991 landesweit zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, kam Jackson durch Beschwerden der Zuschauer über die vierminütige Schlusssequenz, in der er einen gewalttätigen, sexuellen a capella Solotanz aufführt, zu der Überzeugung, diese vier Minuten bei weiteren Ausstrahlungen wegzulassen. Dies war der erste Erfolg der Mächte der Unterdrückung.

Doch vergessen Sie die Bedeutung von Jacksons originellem Akt nicht. Sein Solo zwang die amerikanische Öffentlichkeit, die Kehrseite ihrer umnachteten Rassenfantasien zu betrachten und die unbändigen Gefühle im Innern ihres berühmtesten Entertainers zu begreifen. Kein anderer afro-amerikanische Entertainer hatte so etwas gewagt (sicher nicht in dem Ausmaß wie in „Black Or White“) und auch kein weißer Entertainer hatte das je in vergleichbarem Maße überhaupt versucht.

Es ist zweifelhaft, ob die hingebungsvollsten Jackson Fans auf die in der Schlusssequenz gezeigte komplexe, zügellose Wut vorbereitet waren. Als auf der Bühne der Dreh für das „Morphing“ abgeschlossen ist, schleicht ein Panter, von den Technikern unbeobachtet, am Set umher und wandert weiter an ein Set, das eine dunkle, dunstige Straße darstellt, wo der Panter sich in Jackson verwandelt. Schwarz gekleidet mit weißen Socken, Armbinde und schwarzem Hut ändert Jackson seine 80er Jahre Roboterbewegungen in abgehackte, angespannte und letztendlich sinnliche Comicfigur-artige Krampfbewegungen (seine Gelenke scheinen sich um 360° drehen zu können).

Dies ist die Film Noir Version von Gene Kellys berühmter „Singin‘ in the Rain“ Nummer und Jacksons Umsturz dieses heiter verspielten Archetypus zerstörte ganz sicher die Vorstellung der meisten Leute über das, worum es im Showbiz geht. Doch dieser Abspann ist Michaels Wahrheit, seine erstaunliche Performance lässt die Welt seine Unzufriedenheit über das Showbusiness erkennen. Hier gibt es keine Musik, da Jackson, der bereits seit seiner Kindheit performt, keine Tradition für den musikalischen Ausdruck von Wut besitzt. Dieses unruhige Ballet läuft nach inneren Rhythmen ab; das, was er nicht in Worte kleiden kann, kommt in Form des Gebrülls eines schwarzen Panters aus ihm heraus (recht so!).

Als Jackson auf das Dach eines Autos springt und mit einem Brecheisen die Scheiben zerschlägt, entlädt sich seine Feindseligkeit gegen das gleiche Objekt, das Godard benutzte, um die bourgeoise Gesellschaft 23 Jahre zuvor in „Week End“ zu versinnbildlichen. Um die sozialen und ethnischen Themen seines Ärgers zu unterstreichen, lässt Jackson seiner Zerstörungswut eine „Mülltonne-gegen-die-Gedanken-an-der-Wand-schleudern“ Geste folgen, die direkt dem Film „Do the Right Thing“ entspringt.

Ohne diese Feindseligkeiten ist „Black Or White“ bloß ein exzellentes Video, diese Bitterkeit jedoch macht es zu einem großartigen, da die vorangehende liebende Botschaft in einer verbitterten sozialen Sichtweise verwurzelt ist. Die lieblichsten Gefühle waren hart verdient. Es ist wahrhaftig ein visionäres Musikvideo, das die gesamte Palette von Jacksons Empfindsamkeit widerspiegelt; dies zeigt 12 Jahre nach „Off The Wall“, dass er sich in einen reiferen, selbstsichereren, bedeutenderen Künstler verwandelt hat.
Das war 1982 nicht der Fall, als die hübsche Sammlung von Popliedchen auf „Thriller“ sich über alle Erwartungen hinaus verkaufte und aus ihm eine Weltklassefigur machte. „Thriller“ war nicht halb so originell oder intensiv wie Prince‘ „1999“, was zur gleichen Zeit herauskam, und bis zu „Black Or White“ stand Jackson immer im Schatten von Prince. Doch „Black Or White“ kommt aus Jacksons erschreckendsten Tiefen, sodass er in seinem wütenden Solo weiter geht als Prince in irgendeinem seiner dreisten, jedoch kalkulierten Ausbrüche.

Indem er seine Leistengegend liebkost und seine Brustwarzen berührt, geht Jackson über Exhibitionismus hinaus und geht somit über in eine kunstvoll huldigende Obsession. Jedem, der ihn als harmlosen Eunuchen eingeordnet hat, sagt dieser Abspann: „Nicht so schnell! Ich bin erwachsen und ich habe einen Schwanz. Und ich bin sauer!“
Der symbolträchtigste Augenblick im Abspann ist eine Nahaufnahme Jacksons, während er den Reißverschluss seiner Hose hochzieht. Der unsichtbare Penis ist das, was man „aufbauende Abwesenheit“ nennt – der Schwung des gesamten Videos repräsentiert das Vertrauen in sein Ego. Bis jetzt war Jacksons sexueller Ausdruck entweder konventionell oder unvollständig, doch meist bezeichnend wie etwa in Songs wie „Billy Jean“ und „Dirty Diana“ oder dem Titelsong aus dem neuen exzellenten Album „Dangerous“, der Schuld und Angst eines Erwachsenen vor ihrer/seiner eigenen Sexualität porträtiert.

Jacksons Kampf, seine sexuelle Natur in seiner Kunst herauszulassen kam mit dem „Bad“ Album und dem dazugehörigen Video vom Thema ab, in dem Leder, Schnallen und Rowdy-Verkleidung sein Gefühl für ihn selbst falsch darstellten. Selbst das Video „The Way You Make me Feel“, in dem Jackson und eine LA Gang ununterbrochen eine langbeinige Frau verfolgen, bis sie sich ergibt und kichert, verwechselte sexuelle Belästigung mit der Rolle konventionellen heterosexuellen Liebeswerbens (oder etwa nicht?).
Beide Videos ließen einen Außenseiter bei seinem peinlichen Versuch im Stich, konformistische Geschichten zu erfinden und versagten ostentativ. Solch populistische Impulse beschränkten Jacksons Kunst in dem gleichen Maße wie sie sie verschleiert haben; die Entscheidung, die letzten vier Minuten von „Black Or White“ herauszuschneiden ist Teil des gleichen Instinkts, der Masse zu gefallen. Dieser Instinkt ließ ihn auch aus „Beat It“ ein pseudo West Side Story Gangdrama machen, wo doch die wahre Bedeutung des Songs irgendwo zwischen Elvis Costellos „Pump It Up“ und Prince‘ „Little Red Corvette“ anzusiedeln ist – beides subjektive Fantasien über Flucht durch Masturbation. Im Abspann simuliert Jackson Masturbation in drei sich auflösenden Bildern, die seine blindwütige Isolation betonen. Es erinnert an die Zeile aus „Beat It“: „Du spielst mit deinem Leben/ das hier ist keine Wahrheit oder Mutprobe“.

Es gibt wohl keinen Tag, an dem die Mainstream Medien zu einem ernsthaften Blick auf schwarze Künstler aufrufen, ohne diesen automatisch auf weiße Künstler zu übertragen. Doch Jacksons Abspann reduziert Madonnas Wagnis auf eine triviale Verrücktheit, seine Rolle zu spielen ist sein Lebenswerk. Der Schock, den der Abspann von „Black Or White“ angerichtet hat, rührt aus dem unmissverständlichen Beleg dafür, dass Jackson jedem das Handwerk legen wollte, der seine Rekorde aus dem Rhythmus bringen will. Dieser Solotanz lässt ihn die Frustrationen abwerfen, die sich in 22 Jahren guten Betragens, einer verlorenen Kindheit und eines entfremdeten persönlichen Lebens aufgebaut hatten. Wie ein Kritiker über Marlon Brandos sich selbst offenbarendes Auftreten in „The Last Tango in Paris“ schrieb, wenn Michael Jackson diese Hölle kennt, warum sollten wir so tun, als ob wir sie nicht auch kennen?

Wenn es nicht so populär wäre, Jackson der schwarz-faschistischen, homophoben Gegenreaktion zuzuordnen, hätten die Leute keine Probleme damit zu erkennen, dass das Dilemma, das am Ende des Videos ausagiert wird, essentiell für die Erfahrungen schwarzer Persönlichkeiten ist, die in der Öffentlichkeit stehen. Einzeln betrachtet müssen Schwarze, wo immer sie sich beruflich bewegen, zwischen persönlicher Kultur und weißem Sozialverhalten wählen, ob sie nun letztlich ausgebucht sind oder nicht (und ob sie es nun zugeben oder nicht, wie Jackson singt: „Sag mir nicht, du stimmst mir zu, wenn ich sehe, dass du mir Dreck ins Gesicht wirfst!“)

Der Konflikt – nicht die Verwirrung – liegt darin, dass „Black Or White“ psycho-dramatisiert. Zwischen seinem Watusi-Tanz zu Beginn und dem Tanz des schwarzen Panters am Ende verdeutlicht Jackson, dass er seinen eigenen Zustand analysiert. Gleichberechtigung und Humanismus, die er besingt, sind Fantasie und in Wirklichkeit viel weniger solipsistisch (ichbezogen) als die Art Rachefantasien, die Prince sich in „Lady Cab Driver“ zusammengebraut hat. Jackson konnte seine Konflikte nicht in einer so schlüpfrigen Komposition wie dieser lösen, doch er hat gelernt, seine Thesen in makellosen, musikalischen Ausdruck zu kleiden. Im Refrain von „Black Or White“ verleiht er konditionalen Begrifflichkeiten rhythmische Dramen: „ Doch wenn du darüber nachdenkst, mein Baby/Schatz/Schnuckelchen zu sein, ist es egal, ob du schwarz bist oder weiß“.

Diese Redewendung, die von jemand anderem stammt, berüchtigterweise von Motown-Ansässigen, die ethnische Unterscheidungen geringschätzig betrachten, war hochgradig offensiv. Doch die Empfindungen, die aus Jackson herauskommen, der sich diesen Glauben buchstäblich in die Haut graviert hat, muss viel ernster genommen werden.

Michaels physische Transformation ist nicht ein bloßes Spiel mit der Wahrheit oder ein bloßes Wagnis wie die Kostüme von Madonna oder David Bowie, die sie an- und ausziehen können. Bedenken Sie, dass weder Madonna noch David Bowie je mit der Idee geflirtet haben, die Identität einer anderen Rasse anzunehmen. Doch deren Seriosität ist eher gerissen denn urteilsfähig; sie kennen die Identität, der die Freiheit des Ausdrucks für gewöhnlich vorenthalten wird. Lautlosigkeit ist für sie das ultimative Tabu. Doch Jacksons Lautlosigkeit entfesselt den Teil in ihm, der stets in seinen Songs unterdrückt wurde. Er tanzt frei von persönlichen, sozialen und ethnischen Beschränkungen, die in der Art, wie es mächtige Weiße wohl niemals verstehen können, untrennbar mit seinen menschlichen Erfahrungen und seinen Erfahrungen als Schwarzer verbunden sind.
Es ist bedeutsam, dass schwarze Menschen Jacksons physische Erscheinung nicht so vordergründig pathetisch als „weiß sein wollen“ verstehen. Sein größter Wunsch ist es, „dich selbst über das Geläufige, über kleinkarierte Fesseln und Trennungen zu erheben“, die sich auf das Leben der meisten Menschen auswirken. Das Ausmaß, in dem er dies versucht hat, verwandelt „Black Or White“ in eine Frage über ihn selbst, eine Frage, die sich selbst unwichtig macht durch ihre offensichtliche Beantwortung: „Mensch“.
Viel Bedeutung mag wohl verlorengehen, wenn das Publikum davor bewahrt wird die Schlusssequenz zu sehen zu „Black Or White“. Ich habe mich sehr lange darüber ausgelassen, da das Video für mich die persönlichste Geste eines amerikanischen Künstlers seit Jahren zu sein scheint. Zu einer Zeit, in der Filme meist schäbig sind, erhellt „Black Or White“ den Zeitgeist. Michael Jackson hat der Popmusik damit einen unvergesslichen Ruck der Ernsthaftigkeit gegeben.

Die verzweifelte Trivialität der meisten Popmusikstücke und sogar seine Vorherrschaft wird durch das derzeitige Hammer Video „Too legit to Quit“ repräsentiert: Hammer postuliert eine ausgedachte Rivalität zwischen sich und Jackson und ernennt sich selbst dann als gesalbter Traditionalist, indem er sich mit seinem „Patenonkel“ James Brown bespricht. Doch James Brown nimmt die beste Stelle in Hammers Launenhaftigkeit ein, als er warnt: „Der mit dem Handschuh ist kein Trottel!“

Mit „Black Or White“ beweist Jackson, dass ihn, wenn er die höheren Bedeutsamkeiten von Kunst und derzeitiger Politik miteinander in Einklang bringt, niemand antasten kann. Er hat die Welt bereits verzaubert; „Black Or White“ zeigt, dass er auch noch den Mut besitzt, sie wachzurütteln.

The City Sun
27. November-3. Dezember 1991

Übersetzung: Achildsbliss..DANKE!

…weiter mit dem Interview mit Armond White :

Lauren: Was reizte sie an einer Schriftsteller Karriere und wie wurden sie Filmkritiker?

Armond: Als ich Pauline Kaels Review Collection “Kiss Kiss Bang Bang” las, verdeutlichte es mir, dass Kritiken eine literarische Form sein können, und ein Weg solche Reaktionen auf die populär Kultur / Popkultur und ihre Bedeutung für die Gesellschaft, zu verstehen.

Lauren: Gab es besondere Mentoren, oder Personen, die sie bewunderten und die sie dazu brachten ihre eigene Arbeit weiter zu verfolgen?

Armond: Meine Familie waren in erster Linie immer meine Mentoren, sowie viele Beispiele von guten Denkansätzen/Ansichten und Schriftstücken.

Lauren: Mit welchen Herausgebern/ Verlagen arbeiten sie jetzt zusammen? Ist es angenehm/unterhaltsam?

Armond: Um für das politische Bewusstsein zu arbeiten war die von Schwarzen geführte Sun City eine Inspiration, worauf schon ihr Motto “Speaking Truth to Power” (“vor den Mächtigen die Wahrheit auszusprechen”) hindeutet. Jetzt für die New York Press zu schreiben ist eine großartige Möglichkeit “vor den Mächtigen die Wahrheit auszusprechen”. Ich bin glücklich, dort zu sein.

Lauren: Ich stelle mir vor, dass sie viel Zeit mit dem Ansehen von Filmen und mit Recherchen verbringen. Können sie darüber etwas erzählen?

Armond: Alles im Leben hat Auswirkung darauf, wie du auf Kunst reagierst. Ich sehe lese und höre viel Musik, Filme und Bücher, eine Form beeinflusst die andere und alles ist hilfreich.

Lauren: Was ist die größte Herausforderung bei ihrer Arbeit?

Armond: Auf dem neusten Stand zu bleiben, und neue sowie alte Künstler zu entdecken. Auch, Aufrichtigkeit in eine Kultur zu bringen, die von Gier und Unaufrichtigkeit und Rassismus korrumpiert ist.

Lauren: Können sie uns etwas zu den beiden von ihnen vor Keep Moving The Michael Jackson Chronicals, veröffentlichten Büchern berichten?

Armond: “The Resistance” sammelt Schriften von 1984 – 1994, als die Pop Kultur große Veränderungen durchmachte, aufgrund des Aufkommens von Hip Hop und dem Einfluss von Künstlern wie MJ, Public Enemy, Morrissey, Steven Spielberg, Pedro Almodovar und August Wilson. “Rebell For The Hell Of It” gab eine Chance, die kulturelle Bedeutung von Tupac zu bewerten – ein Thema welches ich auch in der kommenden Monografie über MJ, mit dem Titel “Souvenirs” verfolgen werde. Haltet danach Ausschau.

Lauren: Was bewog sie dazu, über Michael Jacksons Kunst zu schreiben? Haben sie es in jungen Jahren gehört und geschätzt, wie so viele andere?

Armond: MJ war ein phänomenaler Künstler. Ich wusste es von dem Moment an, wo die J5 1969 im Hollywood Palace auftraten. Ab da war seine Karriere eine Überraschung nach der andern. Er ist die größte Herausforderung an Kunst und Politik für mehr als das vergangene Viertel Jahrhundert. Seit Thriller war er die größte Inspiration für Musik und Video.

Lauren: Ihre Review zu Michaes Kurzfilm Black Or White von 1991, “The Gloved One Is Not A Chump”, gewann 1992 den ASCAP Deems Taylor Award für Filmkritiken. Ihre Besprechung, besonders über den letzten Teil des Coda-Dance, ist sehr lehrreich, aufschlussreich und regt zum nachdenken an. Können sie etwas darüber sagen, wie wichtig dieser Film war und immer noch ist?

Armond: Ich hoffe dass Essay spricht für sich selbst und wird Black Or White gerecht, und verdeutlicht dessen Bedeutung als künstlerischer Wendepunkt und großartiger politischer Aussage. Es ist voll mit Geschichte, Entrüstung, Schönheit und Vertrauen in das Potential der Menschheit.

Lauren: Würden sie etwas zu dem Mut sagen, den es von Michael verlangte, sich selbst in der Art auszudrücken, wie er es tat, und wie er es erreichte, dass die ganze Welt es gemeinsam erfuhr und ihm dabei zusah?

Armond: Black Or White ist ein gutes Beispiel für das, was ein prinzipientreuer Künstler erreichen kann. MJ hatte die Aufmerksamkeit der ganzen Welt und nutzte diesen Moment vollständig. Aber er tat das wiederholt – mit Bad, Scream und This is It.

Lauren: Denken sie, er war sich der möglichen Gegenreaktionen bewusst, besonders bezüglich der Schluss-Aussage, aber er tat es trotzdem, um seine Botschaft so vielen wie möglich mitzuteilen?

Armond: Ein Künstler muss sich selbst ausdrücken, er kann sich keine Gedanken um Gegenreaktionen machen. Black Or White war MJs brillante und furchtlose Botschaft an die Welt. Er erholte sich immer von Gegenreaktionen, und kam dann jedes mal stärker wie zuvor zurück. Scream setzt die Courage, die Wut und die Vision der Coda von Black Or White fort.

Lauren: sie schrieben auch tiefgehend über Jam und They Don’t Really CareAbout Us. Der Feuersturm, der von einigen Autoren in Gang gesetzt wurde, nach der Veröffentlichung von TDRCAU war profund. Denken sie, dass mit der Zeit und durch die Veröffentlichung fairer und nicht-verdrehter Studien zu dieser Arbeit, mehr Menschen das Geniale und die kraftvollen sozialen Aussagen, die darin enthalten sind, verstehen werden?

Armond: Natürlich! Aber weil auch MJ sich darum sorgte, “die Wahrheit gegenüber den Mächtigen auszusprechen”, müssen seine Visionen immer von seinen Befürwortern/Bewunderern vor den Angriffen und den durch die Medien verübten Verleugnungen, die den Status Quo beibehalten wollen, geschützt werden.

Lauren: Sie schreiben über die oberflächlichen Reviews zu Michaels Werken durch die Medien, verzerrt durch die Linse von Rassismus, die Beurteilung seiner Person, seines Lebensstils, seiner persönlichen Vorlieben etc. Warum denken sie, dass Michael für die Behandlung, die er erfuhr herausgesucht wurde?

Armond: Nochmal, MJ sprach den Mächtigen gegenüber die Wahrheit aus, mit einer Stimme, die nicht ignoriert werden konnte und wurde, und die Medien schlugen zurück – brutal.

Lauren: Haben sie eine Meinung dazu, warum die Medien damit fortfahren auch nach seinem Tod, Michaels Werk zu marginalisieren (ins Abseits zu drängen)? Warum all diese Anstrengungen, “sowohl den Beat als auch das Feiern von Jackson” zu stoppen?

Armond: Die einfache und umfassende Antwort ist Rassismus. Es gibt ein paar Typen im Mainstream, die es eingestehen werden, aber James Brown, James Baldwin, Dr. King, Malcolm X, Miles Davis, Sammy Davis, Jr., Marlon Brando, Elizabeth Taylor, und Ralph Ellison wussten es. MJ steht in dieser Linie. Wir haben es mit einem Künstler zu tun, aber es geht auch um Politik. Ein schwarzer Künstler steht in Amerika immer einem schweren Kampf mit einer immer noch voreingenommenen Macht Struktur gegenüber, die von tief sitzenden Vorurteilen aus agiert. Das alles läuft im Hintergrund/ohne Worte und kommt oft getarnt als “Moral” und “Geschmack” daher, aber im Endeffekt ist es einfach nur weiße Überlegenheit.

Lauren: Wo würden sie Michael Jackson in der Geschichte der modernen Musik und des Films einreihen, hinsichtlich seiner Bedeutung und seines kulturellen Einfluss?

Armond: MJs musikalische und cinematische (filmischen) Leistungen reihen ihn in die rare Gesellschaft der Künstler ein, die verschiedene Medien beherrschen. Er sollte in einer Rehe mit den größten Multi-Taskern stehen: Charles Chaplin, Jean Cocteau, Laurence Olivier, Orson Welles, und Marlon Brando.

Lauren: Wie denken sie über Michael als Sozial-Aktivist?

Armond: Der politische Gehalt – seine Botschaften – von MJs Werk muss erst noch entdeckt und geschätzt werden, aber es ist ein ausschlaggebender Punkt seines künstlerischen Projekts. Ich hoffe, dass “Keep Moving..” dabei helfen wird, die Entwicklung seiner politischen Stimme und Vision zu verdeutlichen.

Lauren: Was denken sie, wird sein bleibender Einfluss, seine Legacy sein?

Armond: MJ erschuf Musik, die das Leben von vielen, vielen Menschen begleitete. Er machte einige der Songs, die sehr verbindend waren. Diesen Einfluss kann man nicht aufhalten, egal wie viele so genannte Experten es auch immer verleugnen wollen.

Lauren: Haben sie einen persönlichen Lieblings-Song und Film?

Armond: Nicht ein einzelnes Lieblingsstück. MJs Musik und Videos bereichern so viele verschiedene Stimmungen. “The Love You Save”, “Ben”, “Billie Jean”, “Bad”, “Jam”, “You Are Not Alone”, der Tony Moran mix von History.” Es hängt immer von der momentanen Gefühlslage ab – obwohl ich “Black Or White” für eine herausragende Leistung halte.

Lauren: Wie haben die vielen Jahre, die sie sich mit Michaels Musik befassten sie persönlich beeinflusst?

Armond: Es ist inspirierend, zu den Songs und Videos zurückzukehren, die ich Anfangs als ganz selbstverständlich nahm, und mich von ihnen zu neuem Leben erwecken zu lassen.

Lauren: Und abschließend, was sehen sie als wichtigste Botschaft die jeder Mensch von seinem Werk lernen und aufnehmen kann?

Armond: Was auch Jesus befahl: “Love One Another’. und “You Are Not Alone’. (“Liebt einander” und “ihr seid nicht allein”)

Übersetzung: M.v.d.Linden

9. April 2012

“Mit den Augen eines Kindes” – Lionel Richie

Als wir (The Commodores) bei Motown unterzeichneten, hatten sie uns als Vorgruppe der Jackson 5 vorgesehen. Diese Tour startete im April ’71 und ging durch bis ’73. Unterwegs ging es zu wie in einem großen Universitäts-Schlafsaal, ein echtes Miteinander und eine lehrreiche Zeit. Jedes Kind in der Band suchte sich einen der Commodores zum rumhängen aus. Jermaine zum Beispiel hing mit Ronald (La Pread, Bassgitarre, Trompete) rum, Tito mit Tommy (McClary, Leadgitarre) und Michael mit mir.
Es hatte einfach Klick gemacht. Wir waren beide Spaßvögel; Tatsache war ich war selbst noch ein großes Kind, deshalb fühlte ich mich ihm verbunden; und ich denke, für Michael bedeutete ich einen Ausbruch aus der Routine. Routine hatten er und seine Brüder natürlich dennoch. Die Jungs spielten Fangen hinter der Bühne, sie gaben dir einen Klaps und rannten lachend davon. Doch dann erloschen die Lichter, und ich hatte wieder Auftritte.
Sie mußten diese Kinder irgendwo zwischen dem Ankleideraum und der Bühne ausgetauscht haben, dachte ich – denn eines Tages, als sich der Vorhang hob, waren sie plötzlich keine kleinen Jungs mehr. Sie waren absolute, vollendete Entertainer. Sie waren ernsthafte Künstler.
Ich erinnere mich, als wir in New York spielten, steckte Michael seinen Kopf durch den Vorhang und sagte: “Li-o-nel (er sprach es immer Ly-oh-nell aus), wir haben Madison Square Garden ausverkauft!”
Ich lachte in mich hinein und dachte, daß die Commodores damit sicher nichts zu tun hatten. Ihr Jungs wart das und ich hab einfach nur Glück, dabei zu sein!
Es war sehr interessant zuzusehen, wie Michael in diesem jungen Alter mit gewissen Dingen umging, zum Beispiel mit seinen Fans, die kreischend die Hotelhalle niederrissen um zu ihm zu gelangen. Anfangs war das alles ein Spaß für ihn; dann, als die Menschenmassen größer wurden, bemühte er sich es aus einer anderen Perspektive zu betrachten. “Werden sie dich verletzen?” fragte er mich. Ich antworte immer: “Nein”.
Jeder tauchte bei ihm auf, jeder wollte ihn treffen. Michael flüsterte mir zu: “Lionel, wer sind diese Leute?”. Es waren nicht nur Fans, es waren Politiker, Würdenträger und Berühmtheiten, obwohl ich davon überzeugt bin, daß auch sie Fans waren.
Michael und ich waren für zwei Jahre zusammen und er stellte mir jede nur vorstellbare Frage auf diesem Planeten. Er wollte alles wissen.
Dann eines Tages, war die Tour zu Ende. Wir unternahmen nicht wirklich noch etwas zusammen bis wir “We are the world” schrieben. Während der ersten paar Tage brachten wir uns lediglich auf den neuesten Stand, aßen spät zu Abend, redeten und lachten. Aber schließlich machten wir uns an die Arbeit. Zuerst trafen wir die Entscheidung, daß der Song um einer Hymne ähnlich zu sein, auch wie eine Hymne klingen müsse, und nicht wie R&B oder Pop.


Es war interessant zusammenzuarbeiten. Keiner von uns las oder schrieb Musik; im Grunde summten wir nur die Musik, die man auf der Aufzeichnung hört. Wir nahmen es auf Band auf, dann nahm Michael es mit und spielte die Musik drauf. Ein paar Tage später setzten wir uns hin und verfassten den Text. Wir arbeiteten beide auf die gleiche Weise, du singst die “da da da da’s” – die Melodie – und dann machst du dich daran, die Lücken zu füllen.
Wir waren voller Tatendrang und wir brauchten nicht sehr lange. Der Rest ist Geschichte.
Die nächste Gelegenheit Zeit miteinander zu verbringen war, als Michael ein paar Jahre später Neverland kaufte. Er liebte, es die Ranch mit Menschen zu teilen. Wir wurden wieder zu Kindern, Michael nahm mich mit zu einem Ausritt rund um die Ranch – wir waren wie eine afro-amerikanischen Version dieses Films City Slickers! Einmal wandte er sich zu mir um und sagte: “Wir müssen umkehren, wir müssen Muscles füttern”. Nun, ich komme aus Alabama, und für mich ist eine Schlange eine Schlange. Sie braucht keinen Namen.
Wir kommen also zum Haus zurück und da ist dieser Kerl, der eine Ratte in der Hand hält, und Michael sagt: “Lionel, schau dir das an. Wir werden jetzt die Schlange füttern. Ist das nicht faszinierend?” Mir tat die Ratte leid, und ich drehte mich um und ging. Aber das war der Teil von Michael, der gern auf deine Knöpfe drückt und dabei genau weiß, daß du rausrennst und um dein Leben schreist. Der Schelm in ihm kann dem einfach nicht widerstehen. Die ganze Zeit, die ich dort war – und das nicht nur an einem Tag, sondern jeden Tag – konnte ich in ein Zimmer spazieren und mich hinsetzen und da lag Muscles aufgerollt auf der Sofalehne. Ich stand dann immer sehr schnell auf und wir lachten darüber.
Der Tag an dem du erwachsen und ein kleines bißchen reifer wirst, ist irgendwie deprimierend, weil du nicht mehr so unbeschwert über das Leben lachen kannst wie früher.
Ich begriff, dass als ich Kinder hatte – und ich denke Michael ebenfalls, als er seine eigenen Kinder hatte; du willst mit ihnen spielen, aber irgendwann mußt du doch für Disziplin sorgen und ihnen eine Autoritätsperson sein. Und trotzdem geht er an alles im Leben mit den Augen eines Kindes heran – immer fröhlich, das ist es, was ihm seine Offenheit erhält.
Irgendwann nach meinem Besuch in Neverland verloren wir völlig den Kontakt zueinander. Und dann, eines Tages, wie aus dem Nichts heraus, viele, viele Jahre später, mache ich eine Show in Vegas, ich schaue runter, und in der ersten Reihe sitzt Michael Jackson. Nach der Show kam er hinter der Bühne, um mich zu sehen und sagte: “Ich hörte, daß du hier bist, Lionel. Ich komme nur vorbei, um Hi zu sagen”.

Michael war ein Engel, der auf die Erde fiel und der sein Bestes tat, sich in das Leben einzufügen, das für ihn vorgesehen war. Der Michael, den ich kannte und an den ich mich immer erinnern werde, war ein wunderbarer Mensch mit einer großartigen Persönlichkeit und dem größten Herzen der Welt.

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