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Talun Zeitoun: Ich war ein Junge in Michael Jacksons Leben und nichts von dem, dessen man ihn in dieser Dokumentation beschuldigt, passierte.

by on 1. February 2019

> I was a boy in Michael Jackson’s life, and nothing of what he’s being accused of in this documentary happened <

Talun Zeitoun on stage with Michal Jackson

https://talunzeitoun.com/2019/01/30/michael-jackson-and-me/

Ich war ein Junge in Michael Jacksons Leben und nichts von dem, dessen man ihn in dieser Dokumentation beschuldigt, passierte.

(Übersetzung eines Post von Talun Zeitoun)

Ich wollte das hier schon schreiben, bevor Leaving Neverland letzen Freitag beim Sundance-Film-Festival gezeigt wurde. Denn als ich aufwuchs, hatte ich ein enges Verhältnis zu Michael Jackson, und nichts von dem, dessen man ihn immer wieder beschuldigt, ist mir je passiert. Ich entschied mich abzuwarten, denn ich wollte sehen, ob dieser Film, in Anbetracht Wade Robsons sprunghafter und nicht erfolgreicher Klagen gegen Michael Jackson in der Vergangenheit, irgendwelchen Aufwind bekäme. Lasst ihn nur seine Geschichte erneut erzählen. Die Wahrheit und Gerechtigkeit werden ans Licht kommen, so wie sonst auch. Kurz nach der Premiere googelte ich kurz nach „Leaving Neverland“ und erfuhr durch Nachrichtenartikel, dass die vierstündige Dokumentation stürmischen Beifall bekam. Ich konnte es nicht glauben und suchte deshalb unter dem hashtag auf Instagram, um Aufnahmen aus dem Theater zu finden – und da waren sie – Wade Robson, James Safechuck und der Regisseur des Films, Dan Reed – gemeinsam auf der Bühne und ihnen zu Füßen das applaudierende Publikum. Ich bin nicht sicher, ob das Publikum applaudierte, weil sie als „Überlebende“ angesehen wurden, die in die Öffentlichkeit traten, oder ob der Film in ihren Augen wirklich so gut war, oder beides zusammen. Ich dachte nur, dass ihre Strategie leider erfolgreich war.

Das Thema Kindesmissbrauch ins Bewusstsein der Menschen zu bringen und Betroffenen eine sicheren Plattform zu geben, um über ihre Wahrheit zu sprechen, ist wichtig, aber Michael Jackson als Vehikel dazu zu benutzen ist einfach nur falsch.

Damit irgendeine Geschichte plausibel ist, muss ein Stück Vertrauen vorhanden sein, und ich traue den Leuten, die mit diesem Film in Verbindung stehen, nicht. Eines ist jedoch klar: Michael Jackson stellte sich immer wieder: Er gab öffentliche Interviews, beantwortete schwerverdauliche Fragen, stimmte interrogativen Dokumentationen zu, stand eine 10-Jährige Überprüfung durch das FBI und einen 18 Monate dauernden Prozess durch, bis er schliesslich in allen 14 Anklagepunkten, darunter auch der des Kindesmissbrauchs, für unschuldig befunden wurde. Der Umstand, dass 12 Jahre kriminaltechnischer Untersuchungen und staatliche Gerichtsverfahren durch die Medien komplett übergangen werden, in dem diese Geschichten von ein paar wenigen manipuliert werden (insbesondere von denjenigen, die zuvor auf Seiten der Verteidigung waren), ist höchst besorgniserregend, ja sogar erschreckend.

Ich habe die Dokumentation nicht gesehen, aber sie „dreht sich um zwei Männer, die als Kinder von Pop Star Michael Jackson mißbraucht wurden“(Wikipedia).

Jeder hat das Recht, seine/ihre Geschichte zu erzählen, und ich glaube, dass jede Geschichte so wahr wie es ihr/ihm möglich ist, erzählt werden sollte, aber mein Problem mit Leaving Neverland ist die übermässige Abhängigkeit von nur einer Seite, und diese Seite besteht zudem nur aus zwei Personen. Dazu kommt noch, dass diese beiden Personen sich kennen. Das Ergebnis setzt sich also zusammen aus den in einer 236 Minuten langen Dokumentation glorifizierten Erzählungen von zwei Bekannten, die als Kinder an Michaels Leben teilhatten. Man muss bedenken, dass der Film schon Robsons zweiter Anlauf ist, seine Story zu erzählen. Er erzählte die gleiche verkürzte Version schon 2013 und reichte gleichzeitig eine Klage gegen Michael Jacksons Estate ein, die das Gericht später jedoch abwies. Das war 8 Jahre nachdem er zweimal in dem Prozess, dessen Jury Michael nicht schuldig sprach, unter Eid explizit ausgesagt hatte, dass Michael sich ihm gegenüber nie unangemessen verhalten habe. Es ist eindeutig, dass dieser Film Michael als Kinder-Prädator positionieren will, aber ich denke, dass diese ganze Neverland-Saga in Wirklichkeit eine Hetzjagd auf einen mächtigen, wohlhabenden Mann ist, der mittlerweile fast 10 Jahre tot ist und sich deshalb nicht verteidigen kann.

Ich war Teil von Michaels Leben von dem Tag an, als ich 1987 geboren wurde, bis 2001. Das letzte mal, als ich ihm buchstäblich nahe war, war hinter der Bühne des Staples Centers, als sein Sarg an mir vorbeirollte. Ich kannte ihn gut, weil meine Mutter, Janet Zeitoun, die ihn sogar noch besser kannte, während dieser Zeit seine einzige Haarstylistin war. Man könnte sagen, sie hätten Geschwister sein können. Es war tatsächlich so, dass meine Mutter eine der wenigen Personen war, die nicht zur Familie zählte und zur privaten Trauerzeremonie auf dem Friedhof eingeladen war, die Stunden vor der öffentlichen Zeremonie in Downtown L.A., abgehalten wurde. Michael fühlte sich in Anwesenheit meiner Mutter immer sehr wohl, denn sie brachte ihn zum Lachen wie kaum jemand sonst, zudem war sie auch sehr versiert in ihrem Beruf. Michael schrieb ihr sogar einmal, sie sei „der Michelangelo der Haare“.

Karen Faye, Michael Jackson, Janet Zeitoun

Karen Faye, Michael Jackson, Janet Zeitoun

In den 1980ern, 1990ern bis in die frühen 2000er Jahre ist meine Mutter mit Michael rund um den Globus gereist. Sie kümmerte sich an Sets, in Umkleideräumen, Backstage bei seinen Konzerten, bei ihm Zuhause, in Flugzeugen, Hotelzimmern, Autos und auch auf Neverland um seine Haare. Als meine Mutter 1986 mit mir schwanger war, sagte Michael zu ihr, es würde bestimmt ein Jung werden, und am Tag meiner Geburt schickte Michael eine Limousine voller Geschenke zu uns ins Haus. Und von da an nahm meine hart arbeitende, alleinerziehende Mutter mich oft mit zu ihrer Arbeit, weil sie soviel Zeit wie möglich mit mir verbringen wollte. Ich wuchs also an den Sets von Michaels Musikvideos auf, spielte am Boden in seinen Umkleidezimmern und manchmal kam er auch zu uns nachhause, um seine Haare machen zu lassen. Als ich etwas älter wurde und laufen konnte, wurde ich als der Junge auserkoren, der dafür zuständig war, dass Michael während der Proben für seine Konzerte Süßigkeiten bekam. Michael lies geduldig jeden warten, bis ich zu ihm auf die Bühne gewackelt kam. Ich erinnere mich auch daran, dass ich ihm in seinem Trailer „I just can’t wait to be a King“ vorsang (sehr peinlich), aber er gab mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit und lächelte. Ich besuchte mehrmals Neverland, wenn Michael dort war, und er gab uns jedesmal eine Tour durch sein Haus. Ich erinnere mich an mein liebstes Golfcart mit einem Emblem von Peter Pan. Ich erinnere mich an die mit Süßigkeiten gefüllte Theke in seinem Filmtheater, wo du dir nehmen konntest, was du wolltest und dann einen Film ansehen konntest. Ich erinnere mich daran, mit dem Dampfzug gefahren zu sein, der dich vom einen Ende der Ranch zum anderen brachte. Ich erinnere mich an ein Hängebauchschwein namens Petunia und dass ich den Namen für ein neugeborenes Rehkitz und ein Kaninchen aussuchen durfte. Ich wählte Cuddie und Thumper, sehr originell, ich weiß, aber Michael gefielen die Namen.

Talun Zeitoun Janet Zeitoun son hairstylist

Anders als Robson und Safechuck, war ich mit Michael nicht im Auge der Öffentlichkeit. Das einzige Öffentliche war, dass er im Tour-Buch von 1995 auf der Mittelseite ein Foto von uns abdruckte. 14 Jahre später, während seiner Trauerfeier, erkannte mich sein Kindermädchen hinter der Bühne des Staples Centers, und erzählte mir, dass dieses Foto zu Michaels Lieblingsbildern gehört hatte, und zu der Zeit, 2009, noch immer gerahmt auf seinem Piano in Neverland stand.

Ich erinnere mich, dass ich Neverland immer als glückliches Kind verlassen hatte und nicht abwarten konnte, wieder zurück zukehren. Ich erinnere mich, dass ich meiner Mutter sagte, ich wollte noch einmal eine Geburtstagsfeier dort abhalten, oder wieder Zeit mit Michael auf der Ranch verbringen.

Der Großteil meiner Beziehung zu Michael fand während der 1990er Jahre statt, genau als die FBI Untersuchungen wegen der Vorwürfe des Kindesmissbrauchs begannen. In dem Wissen, dass das stattfand, und dass es diese Vorwürfe gegen ihn gab, glaube ich nicht, dass meine fürsorgliche und gut informierte Mutter mir erlaubt hätte, weiterhin Zeit mit Michael zu verbringen, oder nach Neverland zu kommen, wenn sie ihm nicht vertraut hätte.

Man muß mir natürlich nicht glauben, aber sollte wissen, dass die Wahrheit vor Gericht bewiesen wurde. Die Geschichten, die in Leaving Neverland präsentiert werden, sind völlig einseitig. Dieser Film erzählt nur die Wade Robson & James Safechuck Story, denn auch ich erinnere mich daran, Neverland verlassen („leaving Neverland“) zu haben, so wie auch meine Mutter und so viele andere Menschen in seinem Leben, die froh wären, in einem Film mit diesem verallgemeinernden Titel, der jetzt zu Unrecht in Anspruch nimmt, Michaels Leben und sein missverstandenes Verhältnis zu Kindern darzustellen, auch zu Wort kommen zu dürfen. Jeder glaubwürdige Regisseur, der auf der Suche nach der Wahrheit ist, würde ihrer/seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und die ganze Geschichte mit Hilfe einer sorgfältig ausgewählten und sinnvollen Vielfalt an Quellen erzählen. Bei einer Länge von 4 Stunden hätte es dafür sicherlich Platz gegeben. Aus diesem Grund bin ich sehr enttäuscht über die Pläne von HBO und Channel 4 UK, diesen Film im Frühjahr zu senden. Die Sender lassen sich auf etwas Falsches ein und werden dafür verantwortlich sein, einen schlecht recherchierten, auf den äussert verzerrten Ansichten einiger weniger basierenden Film zu verbreiten, den viele ihrer Zuschauer als wahr ansehen werden.

Leaving Neverland stellt eine Verbindung her, weil Robsons und Safechucks gut geschauspielerte Geschichten denen von wirklichen Opfern, die diesen Film ansehen, ähneln. Das ist clever, jedoch eine korrupte Art, von den Verletzlichkeiten einer ganzen Gemeinschaft zu profitieren. Sie stellen diese Verbindung auch deshalb her, weil ihre Geschichten davon unterstützt werden, dass sie auf einem überzeugenden Medium erzählt werden und auf einer anerkannten Plattform wie Sundance, als Premiere gezeigt werden. Sie reiten auf der Welle der #MeToo und #TimesUp Bewegung, aber das rechtfertigt kaum die kurzsichtige Gleichung, auf die viele Leute glauben schon ein Antwort zu haben: Michael Jackson + immer umgeben von Kindern = er ist ein Kinderschänder.

Das Ergebnis? Ein Produkt aus Lügen, übertüncht von einer dünnen Schicht Glaubwürdigkeit, dazu gemacht, die Medien in Wut zu versetzen und sich auf die Seite der selbsternannten Opfer zu stellen. Und weil die Leute hinter diesen Formen der Medien eine Gefolgschaft haben (oder nicht), und vielleicht Teil eines „größeren“ Impressums sind, und ihre Information umhüllt ist von Journalisten, die tatsächlich die Wahrheit suchen, wird die Allgemeinheit nach und nach überzeugt, bewertet Informationen nach leichter Zugänglichkeit, die ihnen in Wirklichkeit durch Algorithmen präsentiert werden, die dazu geschaffen wurden, nur das zu zeigen, was einzelne Individuen sehen wollen. Das ist der Punkt, an dem die Zerstörung eskaliert. Das ist der Punkt, an dem der Schneeball zu Lawine wird. Deshalb schreibe ich jetzt meine Geschichte.

Ich fordere Sie also auf, es zu Ihrer unsterblichen Aufgabe zu machen, die Wahrheit zu suchen und alle Seiten mit einzubeziehen, wenn Sie die Darstellung Michaels in diesem Film konsumieren. Aus Situationen Kapital zu schlagen, spaltende Inhalte einzusetzen und die Manipulation der Medien – in Kombination mit dem falschen Eindruck, das Recht dazu zu haben – kann einen Urteilsspruch schnell aufheben und die Wahrheit zu Gunsten des Anderen für immer verändern. Das ist die Lücke unseres digitalen Ökosystems, das tatsächlich das Schicksal eines Einzelnen bestimmt, und es ist genau dieser Mechanismus, der in Leaving Neverland genutzt wird, insbesondere, da es um viel Geld geht. Es wird letztendlich seine Familie zerstören, sein Vermächtnis diffamieren und seine Kunst vernichten. Wenn Sie denken, dass dieses kleine Schlupfloch sicher nicht so große Auswirkungen haben wird, dann für den Anfang nur soviel: Es hat Michael Jackson bereits umgebracht.

Michael hat mir einmal einen Brief mit dem Briefkopf von Neverland geschrieben. Er endete mit folgendem: „von deinem beschützenden und älteren Bruder Michael Jackson.“

Ich finde, dass es jetzt an der Zeit ist, ihn zu beschützen, in dem ich meine Geschichte erzähle, denn ich schwöre feierlich, dass dieser gutherzige, begnadete Mann unschuldig ist. Ich würde es sonst wissen.

…………………………

Übersetzung: M.v.d.L.

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