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Michael Jackson und der irische Arzt Dr. Patrick Treacy haben eine enge Freundschaft entwickelt. Treacy erzรคhlt von ihren Gesprรคchen รผber Musikprojekte, Familienangelegenheiten und Behandlungen. Jackson verbrachte Zeit mit Treacys Kindern, begleitete Blanket zum Zahnarzt und zeigte Interesse an verschiedenen kosmetischen Eingriffen. Treacy betont Jacksons Liebe und Sorge fรผr seine Familie und das Missverstรคndnis, das von den Medien geschรผrt wurde. Jacksons Hoffnung war es, seine Karriere fortzusetzen und seine Kinder in Irland groรŸzuziehen. Trotz der negativen Berichterstattung blieb Treacy dankbar fรผr die Freundschaft, die er mit Michael Jackson erleben durfte.

Teil I

Zu der Zeit, als die langen Sommertage kรผrzer wurden, war es mir und Michael zur Gewohnheit geworden, uns zwanglos zu unterhalten, manchmal fรผr mehr als eine Stunde, bevor ich mit der Behandlung begann. Er rief mich fast tรคglich an, und ich freute mich auf unsere Gesprรคche. Mit der Vertiefung unserer Freundschaft erรถffneten mir diese Gesprรคche Einblicke in seine Gedankenwelt. Gelegentlich erwรคhnte er noch das HIV Konzert in Afrika, aber meist war er mit den Gedanken bei seinem neuen Album, an dem er mit dem amerikanischen Sรคnger will.i.am arbeitete. Er sagte, er sei so glรผcklich wie seit Langem nicht mehr, und er genieรŸe das Leben im lรคndlichen Irland und die Ausritte in die Berge mit seiner Familie. โ€žIch muss dir mein Haus zeigen, es wird dir gefallenโ€œ, sagte er.

Michael und Will.I.Am, Grouse Lodge, Westmeath, Irland, 2006

โ€žWo wohnst du, Michael?โ€œ, fragte ich.

โ€žJetzt in der Nรคhe eines Aufnahmestudios in Westmeath.โ€œ

Es wurde mir jetzt erst bewusst, dass ich ihn wรคhrend all unseren Telefongesprรคchen und Besuchen in der Klinik nie gefragt hatte, wo er wohnte, und er hatte es auch nie erwรคhnt. Grace hatte mir gesagt, dass in der Vergangenheit Leute, denen er vertraut hatte, ihn immer wieder betrogen hatten. Er hatte wohl mit der Zeit gelernt, nicht zu viele Informationen preiszugeben, besonders, wenn es um seine persรถnlichen Angelegenheiten ging.

โ€žIch wohne in der Nรคhe des geografischen Zentrums Irlands, wo die Kรถnige gekrรถnt wurden.โ€œ, erzรคhlte er. Ich war nicht ganz sicher, welchen Ort er meinte, erinnerte mich aber daran, dass er รผber Wanderungen mit seinen Kindern in den Wicklow Hills und entlang des Whitecastle Creeks (Bach) in Cork gesprochen hatte. Mir war aufgefallen, dass er mir auf dem Formular zur Anamnese keine genaue Adresse angegeben hatte, aber ich hatte das akzeptiert, da ich dachte, er wollte sicher nicht die Details seines Aufenthaltsortes preisgeben, die dazu genutzt werden kรถnnten, sein Privatleben zu stรถren. Ich nahm an, dass er neben der Grouse Lodge wohnte, dem Anwesen von Paddy Dunning, lies es mir aber nicht anmerken. Ich fragte: โ€žNimmst du neue Sachen auf?โ€œ, und er antwortete: โ€žIch probiere ein paar neue Songs aus.โ€œ

Grouse Lodge – Umgebung

Als Michael mich erneut zu seinem Haus einlud, sagte ich, es sei mir eine Ehre, das Aufnahmestudio zu sehen und scherzte, dass ich ja auf einer seiner Background-Aufnahmen mit will.i.am und ihm ein wenig Gitarre spielen kรถnnte. Zeitweilig alberten wir herum und dann fragte er, ob ich einen guten Zahnarzt kennen wรผrde, da Blanket ein Problem habe. Michael hatte bereits einen Zahnarzt in Dublin aufgesucht und war damit zufrieden, aber er suchte jemanden, der auf die Behandlung von Kindern spezialisiert war, und natรผrlich auch jemanden, der diskret sein wรผrde. Ich empfahl ihm einen Zahnarzt, der seine Praxis neben meiner Klinik hatte, und sagte ihm, seine Arbeit sei ausgezeichnet und er kรถnne sich auch auf seine Diskretion verlassen.

Am nรคchsten Abend riefen wir seinen Dermatologen, Dr. Klein, in Kalifornien an. Michael sprach eine Weile mit ihm, und wendete sich dann an mich. โ€žPatrick, ich mรถchte, dass du mit Carrie Fischer sprichstโ€œ, sagte er. โ€žSie ist eine sehr enge Freundin von mir und gerade bei Arnie in der Praxis.โ€œ Die Ungezwungenheit รผberraschte mich, und รผber Carrie Fisher wusste ich nur, dass sie in George Lucasโ€™ Film Star Wars mitgespielt hatte. Aber ich musste mir keine Gedanken machen, da sie eine nette und angenehme Frau war und damit vertraut schien, mit Fremden umzugehen.

โ€žHi Patrick. Wie ich hรถre, kรผmmerst du dich hervorragend um Michael in Irlandโ€œ, sagte sie.

โ€žOh ja, es gefรคllt ihm hier.โ€œ

โ€žDas hat er mir gesagt โ€“ und er hat mir auch von dir erzรคhlt.โ€œ

โ€žIch hoffe, nur Gutes.โ€œ

Die Schauspielerin lachte und unterhielt sich noch eine Weile mit mir, bis ich den Hรถrer an Michael zurรผckgab.

โ€žSie ist eine enge Freundin von mir. Ich freue mich, dass ihr miteinander gesprochen habtโ€œ, flรผsterte er. Solche Dinge schienen ihm zu gefallen. Wรคhrend der gesamten Zeit, die wir zusammen verbrachten, hatte Michael die Angewohnheit, den Telefonhรถrer an mich weiterzureichen und seine Freunde und Bekannten mit mir zu teilen.

Michael mit seinen Kids und Carrie Fisher, Weihnachten 2008, L.A.

Nun kam Dr. Klein ans Telefon und Michael sprach ein paar Worte mit ihm, bevor er ihn an mich weiter gab.

โ€žHallo, Dr. Treacy? Hier spricht Arnie Klein.โ€œ Michael saรŸ links von mir und hรถrte mit geneigtem Kopf unserem Gesprรคch zu und schien sich fรผr jedes Wort zu interessieren. Als wir uns darรผber geeinigt hatten, was zu tun wรคre, begannen Dr. Klein und ich zu fachsimpeln โ€“ zwei Kollegen aus der gleichen Branche, die darรผber sprachen, was sie auf ihrem Gebiet erreicht hatten.

โ€žHast du meinen Artikel im Journal of Dermatological Surgery gelesen?โ€œ, fragte er. โ€žEr hieรŸ Minimal Invasive Esthetics: My Lifeโ€™s Journey.โ€œ Zum Glรผck hatte ich den kompletten Artikel gelesen; im selben Magazin war auch ein Artikel von mir, รผber Bio-Alcamid Gesichts-Implantae fรผr von Gesichts Lipoatrophie betroffene HIV Patienten. Wir sprachen zeitweilig รผber HIV und ich vergaรŸ Michael, der geduldig auf das Ende des Gesprรคchs wartete. Ich erklรคrte ihm die Vorteile von Bio-Alcamid, und er fragte: โ€žHast du in Irland viele HIV-Patienten?โ€œ โ€žIch antwortete: โ€šIch hatte viele, aber es werden weniger, weil jetzt auch die Krankenhรคuser รคsthetische Behandlungen durchfรผhren.โ€˜ Michael stand auf und lief hin und her, anscheinend von dem Gesprรคch gelangweilt, das wohl lรคnger dauerte, als er gedacht hatte. Ich wusste, dass er wegen des kommenden Events in London beunruhigt war und brachte das Telefongesprรคch zu einem Ende.

Er fragte: โ€žWas ist HIV Lipotrophie? Mir gefรคllt, was du mit diesem neuen Produkt fรผr die HIV-Patienten tust. Ist es eine Art Filler? Kรถnnte man es auch in Afrika einsetzen?โ€œ

Ich erklรคrte ihm, dass Lipotrophie eine Art Fettschwund im Gesicht ist, wahrscheinlich eine Nebenwirkung der eingesetzten Medikamente, um HIV Patienten am Leben zu erhalten. Weil afrikanische Patienten, besonders in der Sub-Sahara Region, diese Medikamente von ihrer Regierung vorenthalten bekommen, besteht dort kein groรŸer Bedarf an Fillern. โ€žUnd was ist mit HIV Patienten in Uganda? Fragt er, und nahm sein Mobiltelefon aus seiner Jackentasche.

โ€žIch habe in der Tat schon Dr. Alex Coutinho in Kampala angerufen, und mit ihm รผber eine Versuchsreihe mit dortigen Patienten gesprochen. Aber es gibt Probleme mit der italienischen Herstellerfirma des Produkts, und er war nicht sehr glรผcklich mit ihren Antwortenโ€œ, sagte ich.

Michaels Telefon klingelte und er nahm das Gesprรคch an. Mit leuchtenden Augen reichte er das Telefon an mich weiter. โ€žSprich mit ihm!โ€œ, sagte er. โ€žMach nur, es ist mein Freund. Er wird uns mit dem Konzert in Afrika helfen.โ€œ Ich seufzte und nahm das Telefon. Es war nicht wirklich der richtige Zeitpunkt, mit jemandem zu sprechen, von dem ich annahm, dass es ein Konzertveranstalter sei. Im Hintergrund hรถrte ich eine markante Stimme, und ich nahm an, dass die Person sicherlich Afrikaner sei.

โ€žSie werden also Michael und mir dabei helfen, das Konzert in Afrika zu organisieren?โ€œ, fragte ich.

โ€žJa, wie geht es ihnen? Wir kรถnnen alles hier in Sรผdafrika mรถglich machenโ€œ, sagte der Mann am Telefon. โ€žAlso ich glaube, das Konzert wird in Rwanda stattfindenโ€œ, antwortete ich und sah scharf zu Michael hinรผber. Diese Person schien nicht einmal zu wissen, wo das Konzert stattfinden sollte!

Ich fragte: โ€žVon wo sprechen sie?โ€œ โ€žVon Kapstadtโ€œ โ€žOh, ich habe einmal in Kapstadt gelebtโ€œ, sagte ich freundlich und war bemรผht, meine Verรคrgerung zu vergessen.

Michael begann zu lachen. Mit dem Gefรผhl, dass ich gerade veralbert wurde, fragte ich den Mann am Telefon, wer er sei. โ€žIch bin Madibaโ€œ, lachte er. โ€žWer ist Madiba?โ€œ, fragte ich abwesend und versuchte mich zu konzentrieren. Michael nahm das Telefon wieder an sich, gerade in dem Moment, als mir klar wurde, dass die markante Stimme am Ende der Leitung Nelson Mandela war. Ich konnte nicht glauben, dass der Mensch, den ich einst auf meine bescheidene Art in seinem Kampf um Freiheit unterstรผtzt hatte, gerade mit mir gesprochen hatte und ich so kurz angebunden war. Michael fuhr fort, mit ihm zu sprechen und trotz all der Gesten, die mit meinen Hรคnden machte, wollte er mir nicht noch einmal das Telefon geben. Vielleicht war das nur Michaels Art zu sagen, dass er etwas verรคrgert war, weil ich so viel Zeit mit Dr. Klein am Telefon vertrรถdelt hatte, jedenfalls beendete er das Gesprรคch und steckte das Telefon wieder in die Tasche.

โ€žIch wollte ihm noch mein Beileid zum Verlust seines Sohnes, der vor Kurzem an AIDS gestorben war, ausdrรผckenโ€œ, sagte ich.

โ€žKeine Sorgeโ€œ, antwortete er, als er meine Enttรคuschung bemerkte, โ€žer wรผrde sich wahrscheinlich ohnehin nicht daran erinnern. Es wissen nicht viele Leute, aber er ist im Anfangsstadium von Alzheimer. Wir mรผssen mit seinem Sohn zusammenarbeiten, um das Konzert zu organisieren. Aber ich verspreche dir, dass wir ihn persรถnlich treffen werden, wenn wir in Afrika sind.โ€œ

Michael Jackson & Nelson Mandela

โ€žVor ein paar Jahren ging zum Thema HIV die Geschichte herum, dass du nicht den Blarney Stone kรผssen wolltest, aus Angst, dir AIDS oder etwas anderes einzufangen.โ€œ Er sagte: โ€žDas meiste davon ist Quatsch. Aber es waren andere Zeiten, als die Leute noch dachten, man kรถnnte durch Kรผssen AIDS bekommen, und es dafรผr noch kein Medikament gab.โ€œ

โ€žIch weiรŸ โ€“ ich wurde einmal mit einer HIV infizierten Injektionsnadel gestochenโ€œ, antwortete ich und zog mein Hosenbein nach oben, um ihm meine Narbe an der Stelle zu zeigen, an der ich versehentlich injiziert wurde. Er sah sich schweigend die Narbe an und wusste nicht, was er sagen sollte. โ€žEs ist alles okโ€œ, sagte ich. โ€žIch lief in den Operationssaal und lieรŸ mir ein Stรผck aus dem Bein schneiden. Ich wurde nie positiv getestet โ€“ es ist fast 20 Jahre her.โ€œ

โ€žDann bedeuten die afrikanischen Kinder mit HIV fรผr dich dasselbe, wie die Fotografien in deinem Buch fรผr michโ€œ, sagte Michael. Das war ein sehr philosophisches Statement, und wir umarmten uns fest. Zeitweise sprach keiner von uns. Es gab keinen Grund dazu. Ich hatte meinen Gegner geschlagen, indem ich einen emotionalen Preis zahlte, wรคhrend Michael immer noch seinen Albtraum durchlebte. Dennoch waren unsere Schicksale durch diese Ereignisse verbunden: Ohne meine Verletzung durch die infizierte Nadel, hรคtte Afrika mich nicht so angezogen, und ohne meinen HIV Artikel รผber Afrika, wรคre Michael Jackson wohl nie mein Patient geworden.

Ich war in meinem Bรผro, als Carmel mich rief: โ€žDu musst nach oben in den Glas-Raum! Er nimmt all unsere Cremetuben und steckt sie in seine Taschen.โ€œ Der Glas-Raum war ein Bereich der Klinik, der fast vollstรคndig aus Glas gebaut war, mit von hinten beleuchteten Regalen, in denen wir unsere teuren Kosmetik-Artikel ausstellten. Der Raum war groรŸ genug, um ein Beratungsgesprรคch abzuhalten, war mit Tisch und Stรผhlen, sowie mit Hautanalyse Gerรคten ausgestattet. Ich ging nach oben und sah Michael mit dem Rรผcken zu mir, wie er sich streckte, um an die oberen Regale zu gelangen und von dort noch mehr teure Flaschen zu nehmen und in seine Taschen zu stecken. Als diese voll waren, sammelte er eine Auswahl an medizinischen Hautcremes auf einem Stuhl und steckte sie dann in eine Plastiktรผte, die er in einer der Schubladen gefunden hatte.

โ€žDir ist schon klar, dass ich dir das berechnen muss, oder?โ€œ, fragte ich ihn. Er drehte sich zu mir um, sah mich verlegen an, und stellte einige der Flaschen und Tiegel vorsichtig zurรผck in die Regale, und tat so, als hรคtte er diese poliert. Seine flieรŸenden Bewegungen waren beeindruckend, vor allem, da er schon in den 40ern war. Als er sich entschieden hatte, von welchen Produkten er sich trennen konnte, und diese zurรผck in die Regale gestellt hatte, drehte er sich zu mir um und zeigte die Dinge, die er noch in den Hรคnden hielt, und sagte: โ€žDie hier werde ich mitnehmen.โ€œ

Ich war von seiner Impulsivitรคt รผberrascht, aber ich nehme an, dass er dachte, er kรถnne sich alles nehmen, was er brauchte, wenn er eine Klinik besuchte, weil er Michael Jackson war.

โ€žEs wird nichts fรผr die irischen Ladys รผbrig bleibenโ€œ, erwiderte ich ernst.

Natรผrlich hatte ich Reportagen in irischen Zeitungen gelesen, in denen man Michael einen โ€žKind-Mannโ€œ(child-man) nannte, aber das war weit von der Wahrheit entfernt. In Wirklichkeit war es so, dass er, wenn er entspannt war, kindgleich (childlike) wurde. Und zwischen den beiden Phrasen besteht ein riesiger Unterschied. Der Mann, den ich kennenlernte, war ein intelligenter, redegewandter, kรผnstlerischer und unglaublich fokussierter Mensch, der gleichzeitig auch sehr sanft und freundlich war.

Als er mich am nรคchsten Tag anrief und mich zu der Grouse Lodge einlud, war ich nicht wirklich รผberrascht. โ€žWenn ich dir einen Fahrer schicke, kรถnntest du heute Abend zu mir nach Hause kommen?โ€œ, fragte er. โ€žIch wรผrde dir gerne mein Zuhause zeigen.โ€œ

Grouse Lodge

Der Fahrer hieรŸ Ray O’Hara. Er hatte als DJ mit Phantom Radio gearbeitet, deshalb hatte ich seine Stimme schon einmal gehรถrt. Ray war der primรคre Fahrer Michaels in Irland, es gab aber auch andere. Wir unterhielten uns wรคhrend der Fahrt und er erzรคhlte mir, dass er fรผr Paddy Dunning, dem Besitzer des Grouse Lodge Recording Studios, als Chauffeur arbeitete. รœber die Jahre hatte er alle mรถglichen Bands vom Flughafen abgeholt und sie sicher zur Lodge gebracht. Wir kurvten eine Weile durch die irische Landschaft, und als Ray sicher war, dass uns keiner folgte, machten wir uns auf den Weg nach Rosemount im Bezirk Westmeath. Anscheinend sind ein paar Nรคchte zuvor ein paar Leute auf dem Grundstรผck herumgeschlichen, die man aufgriff und hinausbefรถrdert hat.

โ€žGerade jetzt ist will.i.am dort. Ich habe ihn vom Flughafen her gebracht,โ€œ sagte Ray. โ€žSie arbeiten zusammen an einem Album.โ€œ Ray erzรคhlte mir auch, dass Billy Bush von Access Hollywood vor Kurzem Michael im Aufnahmestudio interviewte und anschlieรŸend jedem, den er traf, erzรคhlte, wo er wohnte. Seitdem waren viele Reporter ins Dorf gekommen und fragten die Bewohner danach, ob sie etwas gesehen hรคtten. โ€žDie Dorfbewohner sagen nichts!โ€œ Sie sind klasseโ€œ, sagte er.

Wir erreichten den Eingang des Anwesens. Die Sonne wurde langsam von der Landschaft verschluckt, und รผber die nahen Hรผgel legten sich schnell der Schatten. Ich sah ein paar kurvige Wege, umrundet von einer niedrigen Steinmauer, und der Fahrer deutete auf die Sicherheitsleute, die das Grundstรผck bewachten. Wir kamen an dem Studio vorbei, indem Michael sein Album aufnahm und fuhren weiter zum Coolatore House.

Die Abgeschiedenheit des Anwesens hatte schon zuvor Dichter und Musiker angezogen, wie den Nobelpreistrรคger Seamus Heaney. Die beiden Weltklasse Studios wurden von R.E.M. รผber Snow Patrol hin zu Shirley Bassey von jedem gern genutzt.

Der Eingang zur Grouse Lodge

In dem gedรคmpft beleuchteten Vorbau wartete Grace, um mich zu begrรผรŸen. Es war eine ziemlich kalte Novembernacht, und wir redeten kurz รผber das Wetter, bevor sie mir meinen grรผnen Mantel abnahm, um ihn aufzuhรคngen. Es war der Mantel, den meine Mutter mir geschenkt hatte, bevor sie gestorben war, und er war mir kostbar. Kurz danach kam Michael und trug meine Arzttasche hinein. Wir unterhielten uns eine Weile in einem der Zimmer im Erdgeschoss, das mit altmodischen Mรถbeln und einer hohen, neu gestrichenen Decke ausgestattet war. Kurz darauf stand er unerwartet auf und sagte, dass er wohl besser die Kinder ins Bett bringen sollte. Er sagte, ich solle mit ihm in eines der Schlafzimmer kommen, in dem Prince Michael schon im Bett lag. In dem gedรคmpften Licht beugte Michael sich รผber ihn und gab ihm einen gute Nacht Kuss.

โ€žI love you Daddy,โ€œ sagte das Kind.

โ€žI love you too,โ€œ erwiderte Michael.

Diesen Augenblick in dem schwach beleuchteten Zimmer inmitten des irischen Hinterlandes mitzuerleben, war auรŸergewรถhnlich.Hatte die ganze Welt diesen Menschen verkannt? Und lag ich falsch damit, ihn nicht in das Krankenhaus mitzunehmen, damit er die Murray Kinder besuchen konnte? Michaels ganze Persรถnlichkeit, seine Wรคrme und sein Mitgefรผhl waren ganz klar in der Verbindung zwischen ihm und seinen Kindern zu sehen.

Michael und ich gingen dann die Treppe hinunter in einen der anderen Wohnrรคume, in dem Paris und Blanket, zugedeckt mit einer Jacke, auch schon eingeschlafen waren. Michael nahm eines der Kinder in seine Arme, um es nach oben zu tragen und bat mich, das andere zu nehmen. Ich trug das schlafende vierjรคhrige Kind in meinen Armen zum Bett. Da ich es nicht wusste und nur die langen Haare sah, dachte ich, ich trage ein Mรคdchen. Auf halbem Weg drehte ich mich zu Michael um und sagte: โ€žSie ist ein sรผรŸes Kind.โ€œ

โ€žLass ihn das bloรŸ nicht hรถrenโ€œ, entgegnete Michael lachend. โ€žEr ist mein jรผngster Sohn!โ€œ Das war also Blanket, das Kind, das Michael fรผr seine Fans รผber den Balkon des Adlon Hotels in Berlin gehalten hatte. Ich erinnerte mich immer noch an die Boulevard-Bilder des 9 Monate alten Kindes in einem blauen Strampler und einem Tuch รผber dem Kopf, die begannen, meine positiven Eindrรผcke von Michael anzufressen. Was war die Wahrheit? Der liebevolle Vater oder das unberechenbare Individuum, wie es die britische Klatschpresse zeigte? Mein Innerstes schrie, es sei ersteres und einen Augenblick lang dachte ich daran, ihn zu fragen, was in dieser Nacht wirklich vorgefallen war. Aber es schien nie der richtige Zeitpunkt zu sein, ihm solche Fragen zu stellen.

Ich fragte: โ€žWarum hast du ihn Blanket genannt?โ€œ

โ€žDas ist ein Spitzname โ€“ sein wirklicher Name ist Prince Michael Joseph Jackson II. Blanket ist sein Kosename und bedeutet โ€šSegenโ€˜.โ€œ

Wir legten die Kinder in ihre Betten. Paris kuschelte sich an ihn und er kรผsste sie zart auf die Stirn. Ich hatte immer gedacht, Michael Jacksons Element wรคre die Bรผhne, aber das hier war sein Element! Die Liebe und Normalitรคt, die diese Szene ausstrahlte, berรผhrte mich. Er war ganz augenscheinlich ein hingebungsvoller Vater, von seinen Kindern heiรŸ geliebt und sehr weit entfernt von dem Bild, das die Medien von ihm zeichneten. Mehr als einmal hatten diese angedeutet, dass er seinen Kindern Schaden zufรผge, indem er ihre Gesichter hinter Schleiern verstecke und sie zu Hause unterrichten lasse.

Grouse Lodge – Interieur

Als er sicher war, dass die Kinder schliefen, brachte er mich nach oben in ein anderes Zimmer. Zeitweise sprachen wir รผber die Fortschritte, die die Murray Kinder machten und wie er mit seinen Kindern den Tag verbracht hatte. Dann kamen wir auf einen geplanten Eingriff zu sprechen.

โ€žWie stark werden die Schmerzen sein?โ€œ, fragte er.

โ€žEs ist schon etwas schmerzhaftโ€œโ€œ antwortete ich. โ€žAber wenn du gerne eine Narkose mรถchtest, kann ich es selbst tun und ich bestelle einen Anรคsthesisten von einem Krankenhaus in der Nรคhe auf Abruf.โ€œ Ich hatte kein Problem damit, es selbst zu handhaben, da ich durch meine Arbeit mit dem Royal Flying Doctor Service in Australien und in Unfallstationen und Notaufnahmen sehr viel Erfahrung mit IV-Narkose gesammelt hatte. Bevor er etwas darauf entgegnete, dachte er einige Zeit darรผber nach.

Dann sagte er: โ€žIch werde es ohne Narkose machen. Ohne die Anwesenheit eines Anรคsthesisten mรถchte ich keine Narkose bekommen.โ€œ

Auch wenn diese Aussage zu der Zeit keine groรŸe Bedeutung hatte, hรถrte ich sie in den Jahren nach seinem Tod oft deutlich in meinem Kopf. Wรคhrend des Prozesses gegen die Person, die beschuldigt wurde, seinen Tod verursacht zu haben โ€“ Dr. Conrad Murray โ€“ riefen die Anwรคlte der Verteidigung Dr. Paul White als ihren Star Zeugen auf. Er lieferte eine Expertise, in der er den berรผhmten Sรคnger beschuldigte, seinen Tod selbst verursacht zu haben. Er sagte aus, Michael Jackson hรคtte sich selbst Propofol injiziert, nach dem die Wirkung der von Murray verabreichten Dosis nachgelassen habe. Das widerspricht jedoch vรถllig dem, was ich in jener Nacht in Irland hรถrte. Mein Patient erklรคrte mir gegenรผber, dass er sich keiner Narkose unterziehen wรผrde, wenn sie nicht durch einen Anรคsthesisten verabreicht wรผrde. Ich sah in Michaels Haus niemals Medikamente und er wollte nie etwas von mir verschrieben haben, das stรคrker als Diรคtpillen war. Wie ein Kardiologe dazu kam, ihm in seinem Haus, in der Nรคhe seiner Kinder, selbst Propofol Infusionen zu verabreichen, kann ich mir absolut nicht erklรคren.

Michael fragte mich, ob ich es eilig hรคtte, zurรผck nach Dublin zu fahren. Aber ich war nicht in Eile. Ich wollte auรŸerdem noch mit ihm รผber seine offenen Rechnungen sprechen. Er antwortete: โ€žEs tut mir wirklich leid, Patrick, ich fรผrchte, du musst noch warten, bis ich aus London zurรผck bin. Mein Geld ist momentan noch fest angelegt, aber meine Leute arbeiten daran.โ€œ Da mir nichts anderes รผbrig blieb, stimmte ich zu, zu warten. Es muss kaum tragbar fรผr ihn gewesen sein, nicht รผber flรผssiges Geld zu verfรผgen, nachdem er doch sein ganzes Leben lang so viele Millionen verdient hatte. Manche Prominente hatten die Einstellung, dass ich doch dafรผr dankbar sein kรถnne, sie behandeln zu dรผrfen โ€“ aber da ich nicht รผber sie sprechen durfte, hatte ich keinerlei Nutzen davon. Michael hatte diese Einstellung jedoch nicht โ€“ ihm war diese ganze Situation fremd und ungewohnt.

Er sagte: โ€žIch muss meine Finanzen wieder unter Kontrolle bringen. Ich mรถchte nicht als einer dieser verarmten, schwarzen Kรผnstler sterben, wรคhrend andere an mir profitieren.โ€œ โ€žNun ja, diese Gefahr besteht zum Glรผck nicht, weil du gesund wie ein Fisch im Wasser bist.โ€œ, entgegnete ich. โ€žGesund wie ein Fisch im Wasserโ€œ, wiederholte er und lachte dann รผber diesen Ausdruck. โ€žDas gefรคllt mir.โ€œ

Michael รถffnete eine Flasche Wein und wir tranken ein paar Glรคser. โ€žVermisst du Neverland?โ€œ, fragte ich ihn.

โ€žNein, Neverland ist Vergangenheit. Die Medien wundern sich wahrscheinlich darรผber, dass ich รผberleben kann, ohne tรคglich mit meinem Riesenrad fahren zu kรถnnen. Sie sind dumm!โ€œ

Er fuhr fort zu erklรคren, dass Neverland sein Traum gewesen sei, dass er es lange Zeit geliebt habe, aber es in etwas Schmutziges verwandelt worden sei. Sein Zuhause war immer viel mehr als nur ein Freizeitpark. Es diente dazu, Tausende Kinder zu unterhalten: nicht nur kranke, sondern auch welche, die aus unterprivilegierten Schichten stammten und dort eine Pause von ihrem Alltag finden konnten.

โ€žIch erbaute ein Zuhause, in dem Kinder sich sicher fรผhlen konnten, eine Art Zufluchtsortโ€œ, sagte Michael.

Er lieรŸ sich in den Sessel fallen und seufzte. Ich kam nicht umhin zu denken, dass viel von der negativen Presse nicht stattgefunden hรคtte, hรคtte er keine Vitiligo gehabt. Er sah seltsam aus, ergo musste er auch seltsam sein โ€“ auf diese Art schien es zu laufen, und als diese Vorstellung einmal im Bewusstsein der ร–ffentlichkeit verankert war, fรผtterten die Medien weiter den Wahnsinn, den sie selbst erschaffen hatten.

โ€žEs gibt viele verrรผckte Leute in Amerikaโ€œ, sagte Michael. โ€žIch verschleiere meine Kinder, damit sie ihre Zeit unbehelligt verbringen kรถnnen, wenn sie mit ihrer Nanny unterwegs sind. Indem ich ihre Bilder aus den Zeitungen fernhalte, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Ziel der Medien werden.โ€œ

โ€žKannst du dir vorstellen, hier eine neue Heimat zu finden?โ€œ, fragte ich ihn.

โ€žPatrick, ich liebe Irland, es wรคre ein wunderbarer Ort, um meine Kinder groรŸ zuziehen. Wir machen hier vieles gemeinsam. Ich arbeite noch daran. Ich muss mein Leben und meine Finanzen sortieren und dann kann ich hier ein Zuhause grรผnden. Sicherlich wรคre es mir nicht mรถglich, das ganze Jahr รผber hier zu leben, aber bestimmt einen groรŸen Teil davon.โ€œ

Wir unterhielten uns etwas รผber die World Music Awards. Ich sagte ihm, dass Andrea Bocelli dort sein wรผrde. Ein paar Jahre zuvor hatte ich Bocelli und Pavarotti innerhalb einer Woche gesehen. Ich erzรคhlte ihm auch, dass ich Pavarotti Backstage getroffen hatte, und diese ganze Woche fรผr mich auรŸergewรถhnlich gewesen war, weil ich auch noch ein U2 Konzert in Mรผnchen besucht hatte. โ€žBono tut auch viel fรผr Afrika. Wenn du dich hier niederlรคsst, kรถnntet ihr beiden euch zusammentunโ€œ, sagte ich scherzhaft.

โ€žIch glaube nicht, dass Bono mich magโ€œ, entgegnete er.

Ich fragte ihn nie nach, warum er das dachte.

Er fragte mich: โ€žWoher kommst du? Hast du schon immer in Dublin gewohnt?โ€œ

โ€žNein, eigentlich stamme ich aus Fermanagh in Nord Irland.โ€œ

โ€žOh ja, stimmt, du hattest das schon zuvor erwรคhnt. Wie viele seid ihr in eurer Familie?โ€œ

โ€žIch habe 3 Brรผder und 3 Schwestern.โ€œ

โ€žFast wie bei mir. Aus welchem Teil von Fermanagh kommst du genau? Ich habe gehรถrt, es gibt dort ein paar wunderschรถne Grundstรผcke.โ€œ

โ€žAufgewachsen bin ich in Garrison, einem kleinen Ort am Rande von Lough Melvin. Du magst doch Charlie Chaplin. Er hat einmal in diesem See geangelt.โ€œ

โ€žIch liebe Charlie Chaplin! Das ist klasse! Wir mรผssen unbedingt dahin fahren, und dem See einen Besuch abstatten.โ€œ

โ€žEs wird dir da gefallen, es ist wunderschรถn dort.โ€œ

Ich erzรคhlte ihm, dass ich gerade ein Video von Lough Melvin auf YouTube hochgeladen hatte, und erklรคrte ihm, dass wir dort einen Laden, eine Tankstelle und eine Werkstatt besessen hatten, und ich im Sommer immer im See schwimmen war.

Er sagte: โ€žDas klingt nach einer wunderbaren Kindheit. Hattest du ein gutes Verhรคltnis zu deinem Vater?โ€œ

โ€žOh jaโ€œ, entgegnete ich. Ich erzรคhlte ihm dann, dass mein Vater schon vor ein paar Jahren verstorben war, aber dass er ein guter Mensch gewesen sei, den jeder mochte.

โ€žIch hoffe, dass meine Kinder das รผber mich auch eines Tages sagen werden, Patrick.โ€œ

โ€žIch habe euch zusammen erlebt und bin sicher, dass sie das sagen werden, Michael.โ€œ

โ€žDanke, mein Freund.โ€œ

Er hatte mich an meinen Vater erinnert und ich begann, รผber die guten Zeiten zu erzรคhlen, die wir zusammen verbracht hatten, und dass er immer fรผr alle von uns da war. Ich erzรคhlte ihm eine Geschichte von meinem Vater aus der Zeit, in der ich noch am St. Michaels College in Enniskillen war. Ich hatte in diesem Jahr am Irish Aer Lingus Biochemist of the Year Wettbewerb teilgenommen und hatte eine Studie รผber die Auswirkungen verschiedener Tonschwingungen auf das Wachstum von Mungbohnen erstellt. Fรผr dieses Projekt brauchte ich besondere hรถlzerne Lautsprecherboxen mit einer speziellen Akustik-Dรคmmung, um sicherzustellen, dass die Pflanzen von anderen Schallwellen isoliert sein und nur von denen beeinflusst wรผrden, die ich mit einem Schwingungsoszillator erzeugte. Die Materialien dazu waren kostenintensiv und ich ging eines Abends zu Bett und war deprimiert darรผber, dass ich nicht das Geld hatte, um sie mir zu kaufen, erklรคrte ich Michael.

โ€žUnd was geschah dann?โ€œ, fragte er.

โ€žNun ja, am nรคchsten Morgen wachte ich auf und stellte fest, dass mein Vater mir in der Nacht diese Lautsprecherboxen gebaut hatte. Er hatte das groรŸe Holzdisplay, das auรŸen an der Werkstatt war, abmontiert und die ganze Nacht durch gearbeitet, um dieses Vorhaben fertigzustellen.โ€œ

Ich erklรคrte ihm, dass dieses Werbedisplay etwa 4,5 x 3 m groรŸ gewesen war, und es einmal sehr viel Geld gekostet hatte. Michael war von der Geschichte ganz begeistert und klatsche in die Hรคnde und wollte wissen, was denn aus dem Projekt geworden war. Er war fasziniert, als ich ihm sagte, dass die Pflanzen fast 4 Mal so groรŸ gewachsen waren, wie normalerweise und ich den Wettbewerb gewonnen hatte.

โ€žDas ist unglaublich!โ€œ, sagte er. โ€žWas, denkst du, sind die Grรผnde dafรผr? Haben sie auf einen bestimmten Sound reagiert, der ihnen gefallen hat?โ€œ

Als ich ihm von den unterschiedlichen Wellenlรคngen erzรคhlte, die ich eingesetzt hatte, hรถrte er gespannt zu und nickte enthusiastisch. Ich konnte mir schon fast vorstellen, dass er diese zukรผnftig fรผr einen Song zur Rettung der Erde einsetzen wรผrde. Ich wusste, er hรคtte gerne gehรถrt, dass die Pflanzen auf ein bestimmtes Gerรคusch reagiert hรคtten, und aus dem Grund besser gewachsen waren. Aber in Wirklichkeit war es nicht ganz so romantisch. Die Pflanzen waren wohl nicht besser gewachsen, weil sie einen bestimmten Sound mochten, vielmehr reagierten sie auf das Ethylengas, das aus der Erde strรถmte, wenn die Schallwellen sie in Schwingungen versetzte. Das war die plausibelste Erklรคrung, die ich zur Zeit des Experiments dazu abgeben konnte. Michael schien von meiner trockenen, wissenschaftlichen Begrรผndung enttรคuscht zu sein, und ich bekam den Eindruck, dass er dachte, ich wรผrde Blรถdsinn reden. Zu dem Zeitpunkt glaubte ich jedoch, ihn schon gut genug zu kennen, um das Gesprรคch etwas humorvoller zu gestalten. Deshalb sagte ich: โ€žMichael, hรคtte ich dich damals schon gekannt, dann hรคtte ich den Pflanzen sicher den Earth Song vorgespielt.โ€œ Er sah mich kurz nachdenklich an und lachte dann los. โ€žNeinโ€œ, sagte er, โ€ždiese Pflanzen hรคtten eher Beat It zuhรถren sollen, und zwar ziemlich laut! Mitsamt Eddie van Halen an seinem Marshall Verstรคrker, das hรคtte sie zum Wachsen gebracht!โ€œ

Wir lachten eine Zeit darรผber und tranken ein paar Schlucke Wein.

โ€žDu musst doch heute keine Patienten mehr behandeln, oder?โ€œ

โ€žNein.โ€œ

Michael schwieg einen Moment.

โ€žDas war wirklich klasse, was dein Vater getan hatโ€œ, sagte er dann. โ€žIch glaube nicht, dass Joe das fรผr mich getan hรคtte. Hat dein Vater dich jemals geschlagen?โ€œ

โ€žOh mein Gott, nein! Er hat niemals gegen uns die Hand erhoben, er hรคtte das nie.โ€œ

โ€žJoe tat es, stรคndigโ€œ, unterbrach mich Michael. โ€žEr wollte einmal Profiboxer werden. Wenn er dich geschlagen hat, dann hast du es richtig bekommen.โ€œ

Der Gedanke daran, dass der Mann einmal vorhatte, Boxer zu werden, machte die Vorstellung, dass er seine Kinder geschlagen hatte, noch schlimmer. Mir war klar, dass es damals andere Zeiten waren, in denen kรถrperliche Zรผchtigung noch akzeptiert wurde, aber laut Michael hatte Joe wohl auch zu der Zeit schon die Grenzen der Akzeptanz รผberschritten.

โ€žIch versuche es zu verstehenโ€œ, sagte Michael. โ€žManchmal denke ich, dass er wohl glaubte, das sei das Beste, was er mit so vielen Kindern und in einer schlechten Gegend tun konnte.โ€œ

Michael machte eine Pause und versuchte, seine Worte vorsichtig auszuwรคhlen.

โ€žEr wollte Musiker werden, musste aber seine Kinder durchfรผttern. Vielleicht war es gescheiterter Ehrgeiz, vielleicht sah er unser Talent, und trieb uns unermรผdlich an, immerzu…. Ich hatte Angst vor ihm. Manchmal denke ich, wir waren einfach nur sein โ€žMeal ticketโ€œ. Vater zu sein, kann anstrengend sein, aber ich hoffe, meine Kinder werden schรถnere Erinnerungen an mich haben.โ€œ

โ€žDas werden sie ganz sicherโ€œ, entgegnete ich.

โ€žMeine Mutter war ganz andersโ€œ, sagte Michael. โ€žSie ist eine ganz besondere Frau: freundlich, sanft und viel zu vertrauensvoll. Sie ist die Matriarchin der Familie und ich habe meine Stimme von ihr.โ€œ

Wenn Michael von seiner Familie sprach, wurde er defensiv. Er sagte: โ€žIch mag meine Familie nicht besonders. Trotzdem wรผnschte ich mir eines Tages ein besseres Verhรคltnis zu meinem Vater zu haben.โ€œ

Mir war bekannt, dass seine Schwester La Toya, zu der Zeit, als er der beschuldigt wurde, Kinder zu belรคstigen, ein Presse-Statement abgab, in dem sie sagte, sie kรถnne seinen Umgang mit Jungen nicht lรคnger billigen. Er war noch immer enttรคuscht von ihr. Er sprach etwas von seinen Brรผdern, hรถrte aber schnell damit auf.

Als ich spรคter darรผber nachdachte, verstand ich Michael etwas besser. Seine Mutter Katherine hatte Polio, als sie noch recht jung war, und hinkte seitdem. Er hatte die Auswirkungen dieser Krankheit seit seiner frรผhsten Kindheit miterlebt. Er wurde von einem gewalttรคtigen Vater erzogen und dachte, Jesus sei der Erlรถser. Sein Schicksal war es, berรผhmt, aber dennoch ohne Geld und von anderen abhรคngig zu sein. Seine Menschlichkeit hatte ihn Millionen fรผr andere spenden lassen, wรคhrend er selbst momentan nicht einmal ein paar Hautcremes bezahlen konnte. Es war keine รœberraschung, dass er versuchte, alles besser zu machen und die Welt heilen wollte.

Als wir beide noch etwas mehr getrunken hatten, begann er รผber den Prozess (von 2005) zu sprechen und wies deutlich darauf hin, dass er hereingelegt wurde.

โ€žIch wรผrde niemals ein Kind verletzen โ€“ jeder, der mich kennt, weiรŸ das. Sie sagten mir, ich solle einen Teil meines Musikkatalogs abgeben, oder sie wรผrden diesen Fall gegen mich vor Gericht bringen.โ€œ

Ich fragte: โ€žWer sagte das? Dein Plattenverlag?โ€œ

Jetzt, im Nachhinein, weiรŸ ich, dass dieses Gesprรคch fรผr die ร–ffentlichkeit von Bedeutung war, aber er hat diese Frage nie wirklich beantwortet. Er sagte, er bekam einen Anruf und bekam das unheimliche Gefรผhl, dass er sich sehr vor jemanden zu fรผrchten hatte.

โ€žSie beobachten dich, sie beobachten uns alleโ€œ, sagte er.

Ein kalter Schauer รผberkam mich und ich fiel automatisch in die Rolle des Arztes, der am Bett seines Patienten sitzt, und ihn aufmuntert, sich alles von der Seele zu reden. In Amerika glaubte man also immer noch weitverbreitet daran, dass er schuldig war, trotz des Freispruchs, weshalb er sich von seinem eigenen Volk im Stich gelassen fรผhlte โ€“ sogar von denjenigen, fรผr die er sich immer eingesetzt hatte. Er sprach auch รผber Martin Bashir und dann verstummte er. Ich sah ihm in die Augen und sah, wie sie sich mit Trรคnen fรผllten. Er wischte sie mit dem Handrรผcken fort, und sagte fรผr lange Zeit nichts mehr.

โ€žEs wird Zeit fรผr mich wieder nach Dublin aufzubrechenโ€œ, sagte ich.

โ€žIch hoffe, du musst heute Nacht keine Patienten mehr besuchen. Danke fรผr das Gesprรคchโ€œ, sagte er und schรผttelte meine Hand.

โ€žKein Problemโ€œ, entgegnete ich. โ€žSieh mal in den Spiegel โ€“ die Filler sind schon verschwunden.โ€œ Er holte einen Spiegel und sah sich sein Gesicht an. โ€žWunderbar! Genau so hatte ich es mir vorgestelltโ€œ, sagte er. Wir standen auf und ich wollte meinen grรผnen Mantel holen, aber er hing nicht mehr im Flur. Wรคre es irgendein anderer Mantel gewesen, hรคtte ich Michael einfach gebeten, ihn beim nรคchsten Besuch in der Klinik mitzubringen. Michael und ich suchten die unteren Zimmer ab, konnten ihn aber nirgends finden. Wir baten sogar Ray, im Auto nachzusehen, fรผr den Fall, dass ich ihn gar nicht mit hineingebracht hรคtte, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass ich es hatte. SchlieรŸlich fanden wir ihn hinter dem Sofa des Zimmers, in dem Blanket geschlafen hatte. Michael versuchte vergeblich nicht zu lachen, als er ihn mir รผberreichte und sagte mit einem fรผrchterlichen irischen Akzent: โ€žEr ist wohl ein kleiner Dieb, ganz wie sein Vater!โ€œ

Ein paar Tage danach flog Michael nach London, um bei den World Music Awards aufzutreten. Es war sein erster Auftritt in England seit fast zehn Jahren, und er wurde mit dem Diamond Award fรผr den Verkauf von mehr als 100 Millionen Alben ausgezeichnet. Ein paar Jahre zuvor war er schon mit dem Millennium Award ausgezeichnet worden, fรผr den Verkauf einer drei viertel Milliarde Alben im Laufe seiner Karriere. Obwohl der Applaus bei seinem Erscheinen auf der Bรผhne unbeschreiblich war, lief es spรคter nicht mehr so gut, als das Publikum merkte, dass er wohl nicht mit Chris Brown zusammen Thriller singen wรผrde. Die Zuschauer waren nicht davon beeindruckt, dass er nur eine Version von We Are The World zusammen mit einem Kinderchor performte, wobei der Chor den grรถรŸten Teil des Liedes sang. Michael sang nur den Refrain, bevor er sich an sein Publikum wandte und ihm โ€žI Love Youโ€œ zurief.*

Die britischen Medien waren gnadenlos mit ihren Kritiken. Der Daily Mirror schrieb: โ€žAls er aufhรถrte zu singen, verstand keiner warum. Aber als er dann herumrannte, verloren viele Leute die Geduld. An dem Punkt begann das Ausbuhen, das lauter und lauter wurde, bis er die Bรผhne verlieรŸ.โ€œ Die letzte Zeile des Berichts fasste dann zusammen: โ€žDas sollte das groรŸe Comeback des King Of Pop sein, aber es endete im Chaos.โ€œ

Als Michael nach Irland zurรผckkehrte, tat er mir leid. Nach ein paar Tagen gestand er mir, dass er sich nicht mehr zutraue, die Queen zu treffen, nachdem was nach de World Music Award passiert war. โ€žIch habe das wohl vermasseltโ€œ, sagte er. โ€žIch werde die Zeitungen erst gar nicht lesen. Ich weiรŸ, dass sie mich hassen.โ€œ

World Music Award, London 2006

World Music Awards, London 2006 โ€“ was wirklich geschah

Es gab Zeiten, da spรผrte ich, dass Michael einsam war und einen Freund zum Reden brauchte. Sicher hatte er Grace, aber es gab noch andere Dinge, die sein Leben schwer machten. Er fรผrchtete, seine Fans wรผrden ihn im Stich lassen und er wรผrde isoliert werden, weg von seinem Zuhause, seinen Freunden und seiner Arbeit. Er wollte ein neues Album aufnehmen, aber seine Zuversicht war angeschlagen, und ich konnte ihm dabei auch keine Hilfe sein. (โ€ฆ)

Gegen Ende November machte ich eine weitere Reise mit Kostas Giotas, dem Direktor von Direct Hair Implant, nach Abu Dhabi, um dort 20 Patienten zu behandeln, die an dieser Methode interessiert waren. Wir flogen รผber Manchester, wo ich noch fรผr ein paar ร„rzte einen Vortrag รผber Bio-Alcamid Implantate bei HIV Patienten hielt. Wรคhrend des Vortrags rief Michael an, um zu fragen, wie es mir geht, und er fragte die erstaunte Dame, die wรคhrend meiner Rede mein Telefon festhielt, ob er mich sprechen kรถnne. Er wรผnschte mir alles Gute und fragte, ob ich ihm als Souvenir eine Menรผ-Karte des Emirates Palace in Abu Dhabi mitbringen kรถnnte.

โ€žUnd wenn du aus Abu Dhabi zurรผck bist, mรถchte ich mit dir noch รผber ein paar weitere kosmetische Behandlungen sprechen. Ich hasse es, รคlter zu werden und ich werde wohl fรผr immer in Irland bleiben mรผssen, damit du mich jung bleiben lรคsstโ€œ, sagte er lachend.

Als ich aus den Emiraten zurรผck war, rief Michael wieder an, um zu fragen, ob ich mit Blanket zum Zahnarzt gehen kรถnnte. Er sagte, er sei den ganzen Tag im Studio und kรถnne seinen Sohn deshalb nicht begleiten, wรผrde ihn aber mit einem Fahrer nach Dublin schicken. Michaels Kinder waren liebenswerte, anstรคndige Kinder โ€“ eine Anerkennung, die ihm gebรผhrt. Blanket war der stillste, aber er erinnerte mich sehr an Michael. Auch wenn er nicht viel sprach, erstaunte es mich immer wie wachsam er war, er nahm alles auf, was um ihn herum vorging. Sein Vater sagte, zu Hause sei er nicht so still, aber er brauche eine Weile, um mit neuen Menschen warmzuwerden. Mich hatte er schon mehrmals getroffen, deshalb war ich fรผr ihn kein Fremder mehr.

Als Blanket gebracht wurde, holte ich ihn vom Auto ab, nahm ihn an der Hand um ihn zum Zahnarzt zu begleiten. Wie immer sah er tadellos aus. Er erweckte immer den Eindruck, als sei er frisch gebadet. Seine glรคnzendes schwarzes Haar, das zu einem Zopf gebunden war, umrahmte sein blasses Gesicht und die dunklen, intelligenten Augen. Die Ailesbury Klinik lag nur ein paar Schritte von der Zahnklinik entfernt, deshalb brachte ich ihn mit meiner Arztkleidung hinรผber. Er sah sehr klein aus, in dem groรŸen Behandlungsstuhl und er lieรŸ mein Gesicht nicht aus den Augen.

Als die Behandlung beendet war, nahm ich ihn mit in meine Klinik und setzte ihn auf das Sofa im Wartezimmer, wo er vรถllig fasziniert die blinkenden Lichter des Weihnachtsbaums ansah. Ich sagte ihm, dass er kurz fernsehen kรถnne, wรคhrend ich mich umziehen wรผrde, um zum Mittagessen zu gehen. Es dauerte nur ein paar Minuten, und als ich zurรผck zum Wartezimmer ging, sagte man mir, dass sein Fahrer da sei. Blanket stand jetzt bei dem Kamin, genau neben einem Schneemann aus Holz, der viel grรถรŸer war, als er. Seinen Arm hatte er um den Hals des Schneemanns gelegt. Ich stand in der Tรผr und sagte ihm, dass der Fahrer jetzt da sei. Er blieb, wo er war. Ich streckte meine Hand aus und signalisierte ihm, dass er kommen solle, aber er bewegte sich nicht. Er kniff die entschlossen die Lippen zusammen, hielt den Schneemann noch fester, und hielt den Atem an.

โ€žWarum nimmst du deinen Freund nicht einfach mit?โ€œ, fragte ich ihn. Man konnte sehen, wie er erleichtert ausatmete und mir dann ein wunderbares Lรคcheln schenkte, das sein ganzes Gesicht aufleuchten lieรŸ und mich an seinen Vater erinnerte. Er ging in meine Richtung, wurde aber von dem Gewicht des Schneemanns, den er neben sich her schleppte, behindert. Ich wollte ihm tragen helfen, aber er zog ihn von mir weg โ€“ niemand auรŸer ihm sollte ihn anfassen! Blanket kรคmpfte sich mit dem Schneemann aus der Tรผr, wo der Fahrer ebenfalls versuchte, ihm zu helfen, aber auch das wollte er nicht. Es war lustig zu sehen, wie der kleine Kerl fest entschlossen seinen neuen Freund zum Auto schleppte, ein Bild, das ich nie vergessen werde.

Blanket, Dezember 2006- zurรผck in  in Las Vegas

Ich sprach Michael noch einmal auf seine Rechnung an und er sagte, er wรผrde einen Fahrer nach Dublin schicken. Der Fahrer kam und hatte, wie erwartet, Dollarbรผndel dabei. Als Weihnachten nรคher kam, schien er wieder sehr glรผcklich zu sein. Er hatte seine Familie um sich und sich รผberlegte, welche Geschenke er fรผr sie kaufen wollte.

In der ersten Dezemberhรคlfte zog ein atlantisches Tief รผber Irland, und brachte viel Regen mit sich. Gegen Ende des Monats war es frostig kalt, und Michael rief mich an, um zu sagen, dass er zurรผck in die Staaten gehen wรผrde, um dem kalten irischen Winter zu entkommen. Ich schรคtzte, es war schon lange her, dass er wรคhrend des Winters in einer kalten Klimazone gelebt hatte, obwohl er in Gary, Indiana, aufgewachsen war. Am Weihnachtstag starb die Soul-Ikone James Brown, und ich schickte Michael eine Nachricht, um mein Mitgefรผhl auszudrรผcken. Ich erhielt nie eine Antwort und nahm an, dass Michael sein irisches Telefon nicht mehr benutzte. Spรคter kontaktierte er mich jedoch, und teilte mir mit, dass er in Las Vegas wohne und so bald wie mรถglich nach Irland zurรผckkehren wolle. Die Jahre vergingen und viele andere Dinge passierten in Michaels Leben. Er kam nie zurรผck nach Irland.


รœbersetzung: M.v.d.Linden


Dr. Patrick Treacy ist Facharzt fรผr kosmetische Medizin und Grรผnder der Ailesbury Clinic in Dublin. Sein biografisches Buch, in dem ein Kapitel seiner Freundschaft mit Michael Jackson gewidmet ist, schrieb er 2015.


2011 hielt Dr. Patrick Treacy anlรคsslich des Festakts zur Wiederenthรผllung von Michaels Namen am Auditorium der Gardener School, Los Angeles, eine Rede. Hier ein paar Auszรผge daraus:

Elie Wiesel, ein Holocaust รœberlebender, sagte 1999 in einer Rede vor dem WeiรŸen Haus: โ€žDankbarkeit ist, was die Menschlichkeit eines Menschen auszeichnet.โ€œ

Und Dankbarkeit ist das, was wir heute einem schwarzen Jungen aus Amerika zeigen sollten. Sein Name ist Michael Jackson, und ich habe die Ehre, ihn einen Freund nennen zu dรผrfen. Oft stand er ganz allein auf, um sich fรผr die Kinder der Welt, oder fรผr Opfer von Krankheit und Ungerechtigkeit einzusetzen.

Michael war sehr betrรผbt รผber das Elend, das er รผberall auf der Welt sah, aber noch mehr betrรผbte ihn die Gleichgรผltigkeit, die diesem Elend entgegengebracht wurde.

โ€žIch danke dir, dass du dich fรผr Afrika eingesetzt hast.โ€œ

Ohne Starallรผren, ohne Glanz und Gloria, galt seine Sorge allein dem Leben anderer Menschen, die auf einem anderen Kontinent lebten und auf dem keiner von uns beiden geboren war.

(โ€ฆ)

In seiner Rede sagte Elie Wiesel auch ein paar Worte zur Gleichgรผltigkeit. Er sagte: โ€žGleichgรผltigkeit gegenรผber den Leidenden der Welt ist, was die Menschen unmenschlich macht.โ€œ

Fรผr eine gleichgรผltige Person ist der oder die Nachbar(in) unwichtig. Ihre Leben sind bedeutungslos, weil Gleichgรผltigkeit einen anderen zu etwas Abstraktem reduziert. Gleichgรผltigkeit schafft immer einen Vorteil fรผr den Aggressor – nie fรผr sein Opfer, dessen Schmerzen noch vermehrt werden, wenn er oder sie sich vergessen fรผhlt.

Michael Jackson fรผhlte diesen Schmerz, nicht nur den der hungrigen Kinder, sondern auch seinen eigenen, als die Menschen Amerikas gegenรผber der Ungerechtigkeit, der er ausgesetzt war, gleichgรผltig blieben. Er wurde zu einem Gefangenen in seinem eigenen Land und floh deshalb in den Mittleren Osten und schlieรŸlich nach Irland, meine Heimat.

Welche Ironie, dass der Mensch, der sich so sehr um die Menschheit sorgte, von dieser zurรผckgewiesen wurde. Es schmerzte ihn sehr, und einmal sprach er mit mir darรผber, meistens jedoch wollte er nicht darรผber reden und ich sprach ihn deshalb nie auf diese schmerzhaften Erinnerungen an.

Michael Jackson war niemals gleichgรผltig. Er brachte Licht, wo Dunkelheit war, Hoffnung, wo Verzweiflung war, er wandte sich nie von Grausamkeiten ab, wenn er Mitgefรผhl zeigen konnte. Wir haben gerade erst ein neues Jahrhundert begonnen, ein neues Jahrtausend. Die ersten 10 Jahre waren einige der brutalsten Zeiten, denen der Planet je gegenรผberstand. Das Jahrhundert begann mit den Terror-Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon. Diese Aktionen brachten dieses groรŸe Land in Konflikte mit dem Irak und Afghanistan. Es gab Kriege in mehr als 20 Lรคndern, was einen dunklen Schatten auf die Menschlichkeit wirft: So viel Gewalt, so viel Schmerz …

Wenn es heute eines gibt, um das Andenken an Michael Jackson zu bewahren, ist das, nicht gleichgรผltig gegenรผber dem Leid zu bleiben, das wir รผberall in der Welt sehen.

(โ€ฆ)

Lasst uns Gott dafรผr danken, dass er uns einen Engel wie Michael schickte, der fรผr eine Weile unter uns lebte, und lass uns nicht dem Unrecht, das wir um uns herum sehen, gleichgรผltig gegenรผberstehen. Wenn Michael etwas von uns erwarten wรผrde, das ihn glรผcklich machen wรผrde, wenn er heute auf uns herunterschaut, dann wรคre es, dass wir uns nicht von den Opfern von Unterdrรผckung und Gewalt abwenden und wenn wir jemals im Unklaren darรผber sind, wie wir zu handeln haben … รผberlegt einfach:

โ€žWas wรผrde Michael tun?โ€œ

Patrick Treacy visits MJ’s School Los Angeles

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