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Dr. Patrick Treacy ist Facharzt fรผr kosmetische Medizin und Grรผnder der Ailesbury Clinic in Dublin. Sein biografisches Buch, in dem ein Kapitel seiner Freundschaft mit Michael Jackson gewidmet ist, schrieb er 2015.
Im Jahr 2006 wurde Michael Jackson angeblich in Irland gesichtet, was Spekulationen รผber seinen Aufenthaltsort und seine Plรคne auslรถste. Dr. Patrick Treacy, ein Arzt, der spรคter eine Freundschaft mit Jackson entwickelte, erzรคhlt von einer Begegnung mit dem Sรคnger in seiner Klinik. Jackson hatte Vitiligo, eine Hauterkrankung, die seinen Kรถrper entstellte. Treacy diskutierte auch รผber Jacksons Wohltรคtigkeitsarbeit und seinen Wunsch, ein Benefizkonzert in Afrika abzuhalten. Obwohl Treacy anfangs zรถgerte, war er von Jacksons Sensibilitรคt und Engagement beeindruckt.

Ende Juni 2006 ging in den irischen Medien das Gerรผcht um, dass man in der Nรคhe der Ortschaft Kinsale, im Landkreis Cork, Michael Jackson gesehen hรคtte. An den darauffolgenden Tagen wurden diese Sichtungen glaubwรผrdiger, besonders nachdem Bert Hughes, ein Reporter von RTร‰, den Besitzer des Hughes &Hughes Buchladens in Dun Laoghaire interviewt hatte, der einen รผberraschenden Besuch von Michael Jackson und seinen Kindern in seinem Laden bestรคtigte. Die Spekulation, dass Irland das Land sein kรถnnte, das der Sรคnger fรผr sich und seine Familie ausgewรคhlt hรคtte, verbreitete sich, da man gehรถrt hatte, er wolle nicht auf seine Neverland Ranch in Kalifornien zurรผckkehren. Wรคhrend der nรคchsten Tage wurde รผber weitere Sichtungen Jacksons berichtet โ€“ auf einer Bowling-Bahn und an einer Pommesbude โ€“ aber ich machte mir keine groรŸen Gedanken darum.

Als der Sรคnger nicht, wie es gemunkelt wurde, bei einem Bob Dylan Konzert in Kilkenny auftauchte, waren die Fans enttรคuscht, aber die Spekulationen gingen weiter. Ich war zu der Zeit kein Fan von Michaels Musik, ich mochte eher Bands wie U2, die Stones und Pink Floyd, aber auch ich erkannte, dass er ein Genie war, wenn ich ihn auf der Bรผhne performen sah. Seine Kreativitรคt รผberschritt nicht nur Musikgenres, sondern auch ethnische Grenzen, und lieรŸ uns glauben, dass wir die Welt zu einem besseren Ort machen kรถnnten. So wie viele andere hatte auch ich vor Kurzem seinen Missbrauchs-Prozess vor dem kalifornischen Gericht beobachtet und wurde durch die Medien mit den meisten Fakten vertraut.

Jacksons Probleme begannen 2002, als er einem britischen Dokumentarfilm-Team unter der Leitung von Martin Bashir erlaubte, ihm รผber 6 Monate zu folgen. Im Februar 2003 wurde Living With Michael Jackson ausgestrahlt, und es wurde schnell deutlich, dass der Reporter alles daran gesetzt hatte, den Sรคnger sehr unvorteilhaft darzustellen. Nachdem die Dokumentation gesendet worden war, beschuldigte Gavin Arvizo, ein junger Krebspatient, den Sรคnger des Missbrauchs, und Jackson wurde verhaftet. Ich denke, man kann sagen, dass man in den Medienkreisen allgemein von einer Schuld Jacksons ausging. 1993 wurde er schon einmal beschuldigt, von einem Jungen namens Jordan Chandler, und wie in den Medien berichtet wurde, hatte er diesen ausbezahlt.

Als der Arvizo Prozess voranschritt, wurde es deutlich, dass es keine Beweise gegen den Sรคnger gab. Seine Anklรคger waren keine glaubwรผrdigen Zeugen, und der Prozess zeigte, dass die Familie schon zuvor versuchte, Geld von Stars zu erpressen, unter anderem auch von Jay Leno. Die Eltern Arvizos hatten seine Krankheit fรผr ihre eigenen Zwecke missbraucht. Rรผckblickend kann ich sagen, dass eine Sache mich gleich zu Anfang verwunderte: Die Tatsache, dass es keine weiteren Opfer gab. Wird ein Pรคdophiler nach Jahren รถffentlich gemacht, รถffnen sich normalerweise die Fluttore und eine Reihe von Opfern trauen sich schlieรŸlich auch hervor zu kommen. Aber so etwas geschah nicht. Viel mehr war es so, dass diejenigen, die als Kinder mit Jackson zusammen gewesen waren, kategorisch jedes unangemessene Verhalten seinerseits bestritten.

Wรคhrend sich die eine Hรคlfte der Medien in Irland damit beschรคftigte, herauszufinden, ob Michael Jackson sich tatsรคchlich in Irland aufhielt, konzentrierte sich die andere Hรคlfte auf die boomende Wirtschaft, darunter auch das starke Wachstum des Bereichs der kosmetischen Chirurgie. An einem Morgen im August sprach ich mit Ryan Turbridy von RTร‰ in einem Interview รผber dieses Thema. Als ich zurรผck nach Ailesbury kam, war ich etwas รผberrascht, eine gut gekleidete Frau in meinem Wartezimmer vorzufinden, die, ohne einen Termin zu haben, schon einige Zeit dort auf mich gewartet hatte. Sie war dunkelhรคutig, attraktiv, sprach mit einem weichen afrikanischen Akzent und hatte Safran farbig getรถntes Haar, das ihr in kleinen Locken ins Gesicht fiel. Sie stellte sich nur als Grace vor, und fragte, ob sie fรผr einen sehr angesehenen Klienten einen Termin auรŸerhalb der ร–ffnungszeiten vereinbaren kรถnne.

Diese Anfrage war nicht ungewรถhnlich. Viele Prominente senden einen Vertreter in die Klinik, bevor sie sich entscheiden, selbst zu kommen. Ihre grรถรŸte Sorge ist, dass die Medien vor der Tรผr lauern und ihre Ankunft mit der Kamera in der Hand erwarten. Solches Verhalten hatte ich ein paar Jahre zuvor selbst miterlebt. Ich wurde damals angefragt, eine berรผhmte New Yorker Sรคngerin mit einer neuartigen Lasertechnik in einer Praxis in der Harley Street in London zu behandeln. Ich hatte in Ailesbury Studien mit dieser neuen Technik durchgefรผhrt, und nur wenige hatten die Fรคhigkeit, sie mit den bestmรถglichen Ergebnissen anzuwenden. Zu meiner Verรคrgerung hatte der Eigentรผmer anscheinend der Presse einen Tipp gegeben, und die Sรคngerin wurde fotografiert, als sie das Gebรคude betrat. Er sagte mir, dass Prominente oft erwarteten, umsonst behandelt zu werden, da sie ihre Unterstรผtzung โ€“ und die dazugehรถrende Publicity – als Privileg fรผr die Klinik ansahen. So etwas fand in Ailesbury niemals statt.

Es war etwas ungewรถhnlich, dass Grace, nachdem sie mit mir gesprochen und die Klinik angesehen hatte, weiterhin nicht den Namen ihres Klienten nennen wollte, auch wenn sie ihn als einen sehr berรผhmten Sรคnger bezeichnete, wenn sie sich auf ihn bezog. Ich war neugierig, sogar fasziniert. Bevor sie ging, sagte Grace noch, dass der Sรคnger รผber seinen Besuch keine Aufmerksamkeit seitens der Medien wolle und mein Ruf, das Patientenverhรคltnis vertraulich zu behandeln, einer der Hauptgrรผnde dafรผr sei, dass er sich fรผr die Ailesbury Klinik entschieden hatte. โ€žDer Sรคnger findet es sehr schwer, Menschen zu vertrauenโ€œ, sagte sie. โ€žDie Leute versuchen immer, etwas von ihm zu bekommen. Bitte sprechen sie mit niemand รผber unser Treffen. Der Sรคnger kennt ihre Arbeit und er wรผrde gerne ihr Patient werden.โ€œ Sie lรคchelte zustimmend, als ich sie fragte, ob der Sรคnger Amerikaner sei, wollte aber keine weiteren Informationen geben.

รœber die nรคchsten Tage rรคtselte ich darรผber, wer der Sรคnger sein kรถnnte, halb in der Hoffnung, vielleicht Jay-Z oder Puff Daddy in meinem Wartezimmer vorzufinden. Zu dieser Zeit waren die Hyaluron-Dermal Filler, die wir einsetzen, in Amerika nicht verfรผgbar, und ich dachte mir, dass das wahrscheinlich der Grund des Besuchs sein wรผrde, da wir regelmรครŸig Patienten aus Kalifornien und New York behandelten.

An dem vereinbarten Abend kamen meine Krankenschwester Carmel und ich gegen 21:00 Uhr zurรผck in die Klinik. Sie vermutete, es sei ein schwarzer Sรคnger und scherzte mit mir darรผber, ob sie wohl ein Autogramm bekommen wรผrde, wenn es Jay-Z wรคre. Wir verbrachten etwas Zeit damit, aufzurรคumen und dann, genau um 22:00 Uhr, klingelte es. Bemรผht, professionell zu bleiben, sahen wir auf den schwarz-weiรŸen Bildschirm und konnten darauf Grace und eine grรถรŸere, mรคnnliche Gestalt erkennen. Carmel fรผhrte sie schnell durch die Klinik und ich wartete an der Rezeption. Einen Augenblick spรคter รถffnete sich die Tรผr, und die Besucher kamen herein. Grace kรผsste mich zur BegrรผรŸung und wollte den Mann hinter ihr vorstellen. Bevor sie jedoch etwas sagen konnte, steckte er schon die Hand aus und schรผttelte meine: โ€žHi Dr. Treacy, ich bin Michael Jackson.โ€œ

Es geschah so schnell, dass ich vรถllig unvorbereitet war. Nie hรคtte ich damit gerechnet, dass er durch meine Tรผr kommen wรผrde. Einen รผberraschten Moment lang dachte ich, warum er es รผberhaupt fรผr notwendig hielt, sich vorzustellen โ€“ es gab sicher nur sehr wenig Menschen auf diesem Planeten, die ihn nicht erkennen wรผrden. Michael war etwas grรถรŸer, als ich es erwartet hรคtte: schlank, aber nicht zu dรผnn. Er trug einen schwarzen Fedora, sein welliges Haar war hinten zusammengebunden und er hatte ein so ansteckendes Lรคcheln, dass es unmรถglich war, nicht mit ihm warmzuwerden. Seine Jacke war aus samtigem Wildleder und darunter trug er ein eng anliegendes weiรŸes T-Shirt. An beiden Handgelenken trug er kleine Bรคndchen, von der Sorte, die man im Urlaub am Strand in Griechenland bekommt.

Wir standen neben den Glastรผren des Empfangsbereichs der Klinik und er drehte sich zu mir um: โ€žGrace haben sie ja schon kennengelernt, und sie sagte mir, dass sie sich sehr fรผr Afrika interessieren.โ€œ
โ€žJa, wir trafen uns vor ein paar Tagenโ€œ, sagte ich, und mit einem Lรคcheln in ihre Richtung: โ€žIch dachte mir, dass sie aus Afrika stammen. Aus welchem Land sind sie?โ€œ
โ€žIch wurde in Rwanda geboren, aber wuchs in Kampala in Uganda aufโ€œ, antwortete sie.
โ€žKampala … Ich war noch nie dort, traf aber vor Kurzem Dr. Alex Coutino und seine Frauโ€œ, sagt ich. โ€žEr beschรคftigt sich mit der Forschung von HIV an der Makerere Universitรคt.โ€œ
โ€žIch kenne Makerere โ€“ sie ist sehr berรผhmtโ€œ, antwortete sie. โ€žIch verlieรŸ Uganda, nachdem sich die Zustรคnde nach Idi Amin dort verschlimmert hatten, und wuchs dann in den USA auf.

Ich hatte Alex 2003 beim UNA-USA Global Leadership Awards Dinner in New York kennengelernt, bei dem er fรผr seine Pionierarbeit geehrt wurde. Er arbeitete daran, HIV-infizierten Menschen eine bessere Versorgung von lebensverlรคngernden Medikamenten zu ermรถglichen. Ich erzรคhlte Michael, dass Bono Dr. Coutino den Global Leadership Award รผberreicht hatte.
โ€žIch weiรŸ, dass sie in Afrika an humanitรคren Projekten gearbeitet habenโ€œ, sagte er.

โ€žWoher wissen sie das?โ€œ, fragte ich, und dachte, dass er bei seiner Recherche sicher ein paar meiner YT Videos gesehen hatte.

Natรผrlich fรผhlte ich mich geschmeichelt, wusste ich doch, dass Jackson mit Lionel Richie die Single โ€žWe Are The Worldโ€œ geschrieben und alle Gewinne daraus fรผr die Bedรผrftigen in Afrika gespendet hatte. Durch fast 200 Millionen verkaufte Singles wurden Millionen fรผr die Hungerhilfe aufgebracht und der Song wurde zu einem der meistverkauften Singles aller Zeiten.

Michael Jackson & Lionel Richie mit einem Grammy fรผr We Are The World, 1986

Ich war vรถllig erstaunt, als Jackson ein altes Health & Living Magazin aus der Innentasche seiner Jacke zog und begann, laut daraus vorzulesen. Etwas verwundert hรถrten wir zu. Es war ein Artikel, den ich ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte. Ich hรคtte nie erwartet, einen Auszug davon von Michael Jackson vorgelesen zu bekommen, wรคhrend er im Wartezimmer meiner Klinik stand.

โ€žEs liegt eine immer gleichbleibende Magie in der Landschaft Afrikas, spรคter jedoch kamen wir an leeren Dรถrfern und verlassenen Hรผtten vorbei, die wie ein Testament der vernichtenden Kraft der Seuche sind, deren Spuren wir folgenโ€œ, las er.

Ich drehte mich um zu Carmel. Sie sah mich mit groรŸen Augen an. Jackson fuhr fort:

โ€žDiese verlassenen Dรถrfer verfolgen mich, und in dem steten Wind, der das blaue Gras der Savanne aufwirbelt, lausche ich in der Erwartung, die Gerรคusche spielender Kinder oder bellender Hunde zu hรถren, aber es gibt keine Gerรคusche.โ€œ

Er lieรŸ das Magazin sinken. โ€žWissen sieโ€œ, sagte er zu mir, โ€žals ich diesen Artikel las, musste ich weinen. Er fรคngt die Zerstรถrung Afrikas durch HIV ein.โ€œ
Einen Moment lang dachte ich, dass er sicher jemand meinen Background hatte รผberprรผfen lassen, aber dann wurde mir klar, dass Grace diesen Artikel wohl von einem Stapel auf dem Tisch im Wartezimmer mitgenommen hatte. Manchmal beschwere ich mich darรผber, wenn Patienten einfach die dort ausliegenden Magazine mitnehmen, aber in diesem Fall machte ich eine Ausnahme.

โ€žIch spiele mit dem Gedanken, in Rwanda ein groรŸes Konzert zu geben, fรผr all die Kinder, die unter HIV leidenโ€œ, sagte Jackson. โ€žVielleicht sollten wir dort zusammen etwas unternehmen.โ€œ Ich dankte Michael fรผr seine netten Komplimente รผber meinen Artikel, der schon ein paar Auszeichnungen bekommen hatte, weil er das Thema HIV einem groรŸen Publikum nรคher gebracht hatte. Einen Moment lang war ich mit nicht sicher, ob er mein Patient werden wollte oder ob er wollte, dass wir zusammen ein Benefizkonzert in Afrika planen. Mit der Erkenntnis, dass es sich wohl eher um ersteres handelte, fรผhrte Carmel Michael und Grace in das Wartezimmer, um ein paar Formulare zu seiner bisherigen Krankheitsgeschichte auszufรผllen. Dann kam Grace zu mir zurรผck und sagte: โ€žHeute werden wir nur besprechen, welche Behandlungen Michael mรถchte, damit sie sich etwas besser kennenlernen.โ€œ Michael kam zu uns. Er sagte: โ€žGrace meint, ich kรถnnte in einem Stadion in Kigali, mit Platz fรผr 50.000 Zuschauern, ein Konzert geben, oder alternativ auf einem verlassenen Flugfeld.โ€œ Ich antwortete ihm, dass ich ihm sehr gerne helfen wรผrde, ein HIV Benefizkonzert in Afrika zu planen, aber ich sei mir nicht sicher, ob Rwanda der ideale Ort dazu sei. Ich schlug dann vor, dass es vielleicht besser sei, das Konzert in Cape Town, Sรผdafrika, zu veranstalten. Als ich das sagte, achtete ich darauf, Grace nicht zu verletzen, indem ich ihr Heimatland als Veranstaltungsort infrage stellte, und wusste auch nicht, wie weit das Projekt tatsรคchlich schon geplant war. Bevor sie antworten konnte, sprach Michael: โ€žNein, wir machen es in Rwanda und fliegen dann mit meinem Privatflugzeug runter nach Sรผdafrika und besuchen Nelson Mandela.โ€œ

Die Idee, zusammen mit Michael Jackson etwas gegen HIV in Afrika zu planen, war eine sehr attraktive Vorstellung fรผr mich. Mit seiner Hilfe kรถnnten sich viele meiner Trรคume und Vorstellungen verwirklichen. Ich hatte das Gefรผhl, die Probleme dieses Kontinents schon seit Jahren zu vernachlรคssigen, auch wenn ich in den Medien immer auf all diese Dinge aufmerksam machte. Die Einladung, mit einem der weltweit berรผhmtesten Menschen ein Konzert zu organisieren, und die Vorstellung, Nelson Mandela zu treffen, gab mir das Gefรผhl, dass alles, was ich bisher in meinem Leben getan hatte, schlieรŸlich zueinander fand. Ich versuchte, meinen Enthusiasmus zu dรคmpfen. SchlieรŸlich kannte ich ihn gerade erst seit 40 Minuten, und es war mir klar, dass er auch seine Plรคne รคndern kรถnnte โ€“ aber ich hoffte, er wรผrde es nicht tun.

Ich wusste nicht sehr viel รผber den Sรคnger, auรŸer dass er Millionen fรผr wohltรคtige Zwecke gespendet hatte โ€“ etwas, das ich sehr bewunderte. Er hatte das schon in sehr jungen Jahren getan, wรคhrend er noch Mitglied der Jackson 5 war und seinen Anteil der Konzerteinnahmen spendete. Er tat es immer ohne viel Trara oder รถffentliche Aufmerksamkeit, wie andere in seiner Position es vielleicht getan hรคtten. Er hatte mit Luciano Pavarotti Benefizkonzerte organisiert und die Einnahmen an Projekte wie dem Nelson Mandela Children’s Fond gespendet. Er hat sich dafรผr eingesetzt, Projekte zu verwirklichen und hat entschieden, dieses nicht mehr von den USA aus zu tun. Hรคtte man ihn dort fรผr schuldig befunden und ins Gefรคngnis geschickt, hรคtte das all seine Wohltรคtigkeiten gestoppt und Wohltรคtigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt, besonders die, die HIV Opfern in Afrika helfen, hรคtten diese Auswirkung ganz direkt zu spรผren bekommen.

In der Klinik war es an der Zeit zum geschรคftlichen zu kommen โ€“ der รคrztlichen Beratung โ€“ deshalb ging sich Grace mit Carmel ein paar Kosmetika ansehen, und Michael kam mit mir in mein Sprechzimmer. Etwas sehr faszinierendes ging von ihm aus. Er nahm seine dunkle Sonnenbrille ab, legte seinen Hut auf meinen Tisch und setzte sich mir gegenรผber hin. Es war ein unwirklicher Augenblick โ€“ ich wusste, dass es sicher nicht derselbe Hut war, den er sonst bei einem Konzert auf dem Kopf hatte und am Ende ins Publikum warf, aber es fรผhlte sich so an.

Ich kam um den Tisch herum, um das Gesicht des Sรคngers nรคher zu betrachten. Seine Lippen schienen mit einem hellen rot gefรคrbt zu sein, sicherlich ein semi-permanent Make-up. Es musste erst vor Kurzem gemacht worden sein, da dieses Art Tattoos innerhalb weniger Wochen zu einem mehr natรผrlichen Ton verblassen. Seine Augenbrauen und Wimpern waren rabenschwarz; angesichts seines Alters nahm ich an, dass sie gefรคrbt waren. Ein besonderes Merkmal war seine Hautfarbe, ein kรผnstlich aussehendes Pfirsich-weiรŸ, stark รผberdeckt mit beigefarbener Foundation und Rouge und gesprenkelt mit Bartstoppeln. รœber seine Nase trug er einen hautfarbenen Pflasterstreifen, von dem ich annahm, dass er Schรคden von vorhergegangenen Operationen in diesem Bereich verdecken sollte.
Das Ganze hatte den Effekt einer Fusion mit David Bowies Ziggy Stardust und Michael Jackson in einer Art Kabuki Make-up. Auch wenn ich dafรผr bekannt bin, in meinen Ansichten zu einem รคsthetischen Aussehen immer ehrlich zu sein, hielt ich es fรผr sinnvoller, zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar zu Michael Jacksons Aussehen zu geben. Er unterbrach meine Gedanken, in dem er sich in seinem Stuhl nach vorn beugte, sich rรคusperte und verlegen sagte: โ€žIch habe schon viel von ihnen gehรถrt, und wรผrde gerne ihr Patient werden.โ€œ Seine Falsetto-Stimme unterstรผtzte dabei den theatralischen Effekt noch zusรคtzlich. Es war einer dieser Augenblicke, in denen du mit einem Patienten allein bist und hรถren kannst, wie ihre Emotionen sich in ihrem Atmen ausdrรผcken. Ich hatte das Gefรผhl, er wollte รผber etwas sprechen, war aber zu schรผchtern, es zu sagen.
In den nรคchsten 30 Minuten sprachen wir รผber seine bisherigen Erkrankungen. Er war nervรถs und zurรผckhaltend, als er รผber bestimmte Aspekte sprach, aber nachdem ich seine ร„ngste gemildert hatte, war er offener und entspannter. Er sprach รผber verschiedene kosmetische Prozeduren, denen er sich eventuell unterziehen wollte und wir sprachen รผber jede davon. Nach meiner medizinischen Beratung beschlossen wir, mit einer kosmetischen Behandlung seines Gesichts zu beginnen.

โ€žIch werde die Queen treffen, und mรถchte mรถglichst gut aussehenโ€œ, sagte er.
โ€žFantastisch! Wann werden sie sie treffen?โ€œ, fragte ich.

โ€žIn ein paar Monaten, in London.โ€œ

Michael erzรคhlte mir, dass die Queen und Prince Philip an der Premiere des Films Casino Royale am Leicester Square teilnehmen wรผrden, und dass er zu der Premiere eingeladen war, wo er ihr vorgestellt werden wรผrde. Es schien ihn etwas nervรถs zu machen. Aber bis dahin waren es ja noch ein paar Monate, und ich dachte, dass er auรŸer seinem perfekten Aussehen noch andere Bedenken hatte.

Er lenkte seine Aufmerksamkeit auf ein Bild an meiner Wand, das er eingehend betrachtete. Es war ein Foto einer jungen ร„rztin, Sneha Ann Philip, die nach den World Trade Center Anschlรคgen vermisst wurde. Ich hatte das Bild von einem Besuch in New York mitgebracht und es als Collage mit der amerikanischen Flagge und einer Metall-Struktur eingerahmt. Ich hatte es ausgewรคhlt, weil sie im St. Vincentโ€™s Krankenhaus in Manhattan gearbeitet hatte, wo die meisten der Opfer hingebracht wurden. Wรคhrend meines Aufenthalts in New York schrieb ich 2 Artikel รผber die medizinischen Aspekte der Terrorattacke, auch darรผber, wie das Krankenhaus mit den Notfรคllen umging. Ich hatte auch viele der Angestellten interviewt, und man zeigte mir ihr Zimmer, in das sie nie zurรผckgekehrt war. Der Besuch in ihrem Zimmer und dieses Poster verbanden mich auf direkte Art auf menschlicher Ebene mit diesen schrecklichen Ereignissen. Vieles war mir in den Jahren danach passiert, aber was jetzt geschah, war bemerkenswert. Ich dachte wieder an New York zurรผck und beobachtete, wie Michael aufstand, das Bild von der Wand nahm und es eingehend betrachtete. Sein Gesichtsausdruck hatte sich vรถllig verรคndert, und seine Augen wurden traurig, als er das Bild der Vermissten vor dem Hintergrund der Gebรคudereste ansah. Es bestand kein Zweifel daran, dass er eine sehr empathische Person war.

โ€žEs ist entsetzlich traurigโ€œ, sagt er mit schwermรผtiger Stimme. โ€žWaren sie in New York und haben geholfen?โ€œ Ich sagte ihm, dass ich nach der Tragรถdie dort war, weil ich dachte, auf meine Weise irgendwie helfen zu kรถnnen. Er nahm einen hรถrbaren Atemzug, als ich ihm erzรคhlte, dass ich ihr Zimmer im St. Vincent Hospital besucht hatte, wo mir ihre Kollegen bestรคtigten, dass sie nie zurรผckgekommen war, und ich davon ausging, dass sie eines der Opfer war.
โ€žEs war so furchtbar โ€“ all die Menschenโ€œ, antwortete er. Er schรผttelte leicht den Kopf und erinnerte sich an den Horror von 9/11 und dann erzรคhlte er:
โ€žIch war in New York. Ich dachte, die Terroristen wรผrden die ganze Stadt in die Luft sprengen.โ€œ

โ€žEs muss eine beรคngstigende Erfahrung gewesen seinโ€œ, erwiderte ich und nahm ihm das Bild ab, das ihn etwas zu verstรถren schien.
โ€žJaโ€œ, sagte er, โ€ždas war es, aber wir alle sind Gottes Kinder und wir mรผssen fรผr eine Zukunft beten, in der wir uns alle wieder gegenseitig lieben kรถnnen.โ€œ
Ich fragte: โ€žSie haben ein Konzert fรผr 9/11 gegeben, oder?โ€œ
โ€žJa, ich habe in Washington D.C. ein Konzert gegeben, aber das bringt auch niemand mehr zurรผck, oder?โ€œ, entgegnete er mit einer Stimme, die nur noch ein Flรผstern war.

United We Stand, Washington D.C., 2001

โ€žBei diesem Konzert gab es auch eine Verbindung zu Afrikaโ€œ, sagte ich, in dem Versuch, die Stimmung wieder etwas aufzuheitern und weil ich mich an Grace erinnerte, die drauรŸen auf uns wartete.
โ€žGab es die?โ€œ, fragte er, als ob er einen wichtigen Teil des Konzerts verpasst hรคtte.

โ€žDer Song What More Can You Give wurde doch ursprรผnglich fรผr Nelson Mandela geschrieben, oder?โ€œ โ€žStimmtโ€œ, antwortete er mit einem Lรคcheln und deutete mit dem Finger auf mich, โ€žSie kennen ihre Musik.โ€œ

โ€žNein, ich kenne Mandela, ich habe einst fรผr seine Entlassung demonstriert,โ€œ entgegnete ich lachend.

โ€žAh, hervorragend. Nelson ist ein enger Freund von mirโ€œ, antwortete er, als ob er einen Namen eines Nachbars erwรคhnen wรผrde.

Ich dachte, nach dieser neuen Verbindung und nachdem er sich weiter geรถffnet hatte, wรผrde er mich jetzt sicher fragen, was ich von seiner Musik hielt. Stattdessen aber wurde er sehr nachdenklich.

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Vor dem Fenster meines Bรผros sah ich einen Anwohner einparken und etwas aus seinem Kofferraum holen. Ich schloss die Jalousien, um sicherzustellen, dass niemand hineinsehen kรถnnte und ging zu Michael. Die Tรผr zur Bibliothek stand etwas offen und ich fand dort ihn Anthony Viviers 630-Seiten starken Atlas of Clinical Dermatology lesend vor. Er saรŸ ganz still und fuhr mit den Fingern die Zeilen entlang. Auf der Seite, die er aufgeschlagen hatte, waren grรถรŸtenteils schwarze, afrikanische Erwachsene und Kinder abgebildet, manche mit Lepra, aber alle befanden sich in unterschiedlichen Stadien der Hyperpigmentierung. Eine der Abbildungen, von einem Kind, das einen groรŸen weiรŸen Fleck auf dem Bauch und weitere auf den Beinen hatte, schien seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er sah es lange Zeit an, bevor er laut aus dem Buch zu lesen begann:

โ€žVitiligo ist meistens symmetrisch, aber kann manchmal auch segmental auftreten. Die Flecken sind vollstรคndig de-pigmentiert und scheinen weiรŸ zu sein, aber im Anfangsstadium nicht immer.โ€œ Er hielt inne und drehte sich zu mir: โ€žKeiner weiรŸ, wie verheerend sich dieses Kind fรผhlt. Diese Bilder zeigen nur einen kleinen Teil der Geschichte. Sie kรถnnen niemals die Emotionen zeigen, die das Kind hier drinnen fรผhltโ€œ, sagte er und presste seine Faust fest an seine Brust. Er schob eines seiner Hosenbeine nach oben und sagte: โ€žSehen Sie, ich habe auch Vitiligo!โ€œ

Ich war sehr erschrocken, als ich das AusmaรŸ seiner Erkrankung sah. Eine Zeit lang sprach keiner von uns, weil wir uns nicht wagten, unsere Gedanken in Worte zu fassen. Konnte es sein, dass die Welt Michael Jackson Unrecht tat, in dem sie ihn beschuldigte, seine Rasse zu verleugnen und er in Wirklichkeit eine Krankheit hatte, die seine Haut weiรŸ aussehen lieรŸ?

Ich fragte: โ€žWie schlimm ist es?โ€œ Er schien einen Augenblick lang รผber die Antwort nachzudenken und lehnte sich dann im Stuhl zurรผck. Er hielt schรผchtern die Hรคnde an sein Gesicht und hob dann sein T-Shirt um mir die porzellanweiรŸen Flecke auf seinem Kรถrper zu zeigen, und sagte: โ€žEs ist ziemlich schlimm.โ€œ

Michael Jacksons Vitiligo – hier deutlich zu erkennen

Dann zog Michael seine Hose aus und ich konnte sehen, dass seine Beine so schlimm betroffen waren, dass sie aussahen wie die Beine eines weiรŸen, mit groรŸen, braunen Flecken, manche mit einem Durchmesser von etwa 6 โ€“ 8 Zentimetern. Die Krankheit รผberzog seinen ganzen Kรถrper, sodass ich davon ausging, dass er schon seit vielen Jahren daran litt. Im Durchschnitt bricht Vitiligo im Alter von Mitte 20 aus, kann aber in jedem Alter auftreten. Es neigt dazu, sich mit der Zeit zu verschlimmern, und immer grรถรŸere Areale der Haut verlieren die Pigmente. Bei manchem Menschen mit Vitiligo sind auch die Haare vom Pigmentverlust betroffen. Er erzรคhlte mir, dass er die vergangenen 20 Jahre bei einem kalifornischen Arzt namens Arnold Klein war, der seine Akne und die durch Vitiligo verursachte Depigmentierung behandelte.

Ich sah ihn an und dachte an all die Zeitungsberichte, in denen er beschuldigt wurde, seine Hautfarbe zu verleugnen. Er tat mir sehr leid. Jemand, der unter einer Krankheit wie Vitiligo leidet, hat mit genรผgend psychologischen Problemen zu kรคmpfen, denn ihr Leben ist von so vielen kleinen Dingen beeintrรคchtigt, die wir uns nicht einmal vorstellen kรถnnen. Das vรถllige Fehlen von Melanin bedeutet, dass man auch anfรคlliger fรผr Hautkrebs ist und sich stรคndig vor der Sonne schรผtzen muss, auch im Winter. Seit Jahren trug Michael Hรผte, Handschuhe und Schals und benutzte einen Schirm, egal, ob es regnete oder die Sonne schien. AuรŸer dem erhรถhten Krebsrisiko hielt ihn die entstellte Haut auch davon ab, T-Shirts zu tragen, oder ohne komplette Bekleidung in einen Pool zu springen. Ich hatte Aufnahmen von ihm gesehen, in denen er vollstรคndig bekleidet in seinen Pool sprang, aber niemals mit Badekleidung. Er lebte mit dieser Erkrankung, seitdem er ein junger Mann war. Eine Zeit lang unterhielten wir uns รผber die Krankheit. Er erzรคhlte mir, dass er frรผher versuchte, die Erkrankung zu verstecken, weil er dachte, seine Fans wรผrden nicht mehr seiner Musik zuhรถren, wenn er nicht perfekt aussah. Anfangs versuchte er die Flecken mit dunklem Make-up abzudecken, aber mit der Zeit breitete sich die Krankheit aus und es wurde einfacher, die kleinen verbliebenen dunklen Flecke im Gesicht und auf den Hรคnden auszubleichen.

Ich fing an zu glauben, dass die Welt Michael grausam behandelt hatte. Als er in meiner Bibliothek รผber die emotionalen Auswirkungen von Vitiligo bei dem afrikanischen Kind auf dem Foto sprach, verstand er die psychologischen Aspekte dieser Krankheit auf einer wesentlich tieferen Ebene, als ich mir vorgestellt hatte. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es sein musste, von den Medien beschuldigt zu werden, seine Abstammung zu verleugnen, wรคhrend man ganz allein solch eine Bรผrde zu tragen hatte, die Haut mit Cremes behandeln musste, um eine Krankheit in Schach zu halten und nicht, um seine Rassen zu รคndern. Als er schlieรŸlich den Mut fand, der Welt von seiner Erkrankung zu erzรคhlen, wurde es als unwahr hingestellt, als Entschuldigung dafรผr, die Hautfarbe zu รคndern.

Er fragte mich, ob er Anthony du Viviers Buch behalten dรผrfe, aber ich sagte, es sein das einzige Exemplar davon, das ich hatte. Er sagte dann, dass er gerne รผber medizinische Themen lese, und ich bot ihm ein kleineres Buch an, in dem es auch viele Informationen zu Vitiligo gab, aber er lehnte es ab.

โ€žHier ist meine private Mobil-Nummer, damit sie mit mir in Kontakt bleiben kรถnnen. Geben Sie sie niemand anderemโ€œ, sagte er. โ€žOh, und auรŸerdem brauche ich einen Anรคsthesisten, wenn wir die Behandlung im Gesicht durchfรผhren. Die Region im Bereich meiner Nase ist sehr empfindlich. Kรถnnen sie das arrangieren?โ€œ

Ich hielt das fรผr eine eher unรผbliche Anfrage, aber er hatte erklรคrt, dass er nach einem verpfuschten Eingriff an seiner Nase eine Hypersensibilitรคt im Gesicht entwickelt hatte. Ein paar meiner Patienten bevorzugten eine Vollnarkose, wenn sie invasive Eingriffe hatten, und wir hatten immer einen Anรคsthesisten auf Abruf. So entschied ich, seiner Anfrage nachzukommen. โ€žDas sollte kein Problem seinโ€œ, sagte ich.

Nachdem er gegangen war, dachte ich darรผber nach, dass er ein sehr sensibler Mensch war. Wir teilten einige Interessen und es wรคre schรถn, ihn besser kennenzulernen und dabei zu helfen, ein Konzert fรผr die HIV-Hilfe in Afrika zu organisieren. Gerne hรคtte ich jemanden von meinem Treffen mit dem Star erzรคhlt, aber das konnte ich natรผrlich nicht. Fast hรคtte ich dem Drang, meinen Bruder Sean anzurufen, nachgegeben, aber die Vernunft hatte sich dann doch durchgesetzt. Es hatten schon einige Prominente aus Irland und รœbersee meine Klinik besucht, aber jetzt hatte ich zum ersten Mal das Gefรผhl, diese Neuigkeit gerne mit jemandem zu teilen. Aber stattdessen durchstรถberte ich das Internet, um so viel wie mรถglich รผber meinen renommierten neuen Patienten herauszufinden.

Zu meiner รœberraschung erhielt ich wenige Tage spรคter einen Anruf von Michael. Er fragte, ob er mich sehen kรถnne, da er noch รผber ein paar Dinge sprechen wollte. Es war schon dunkel, als er in einem kleinen schwarzen VW Transporter eintraf. Sein amerikanischer Fahrer Frank wartete am Parkplatz auf ihn. Wir sprachen รผber seine Vitiligo, wรคhrend er die Titel der Bรผcher in den Regalen durchging. Dann fragte er, ob ich etwas รผber die Behandlung von Verbrennungen von Kindern hรคtte. Es รผberraschte mich etwas, und ich fragte, warum er รผber dieses Thema lesen wollte.

Er nahm eine Doppelseite der Irish Times und faltete sie auf dem blauen Granit meines Tresens auf. Ich war รผberrascht, dass er diese Zeitung las und dachte, dass ich wohl noch einiges รผber ihn zu lernen hรคtte. Den Artikel, den er mir zeigte, berichtete รผber zwei Kinder, die in Myoross, Limerik, im Westen Irlands, im Fond eines Autos in Brand gesetzt worden waren. Ihre Mutter, die einen Freund besucht hatte, war von zwei Jugendlichen gefragt worden, ob sie sie mitnehmen kรถnnten. Sie hatte das abgelehnt und sie sind dann, nach einigen Beleidigungen, gegangen. Kurz darauf kamen sie jedoch zusammen mit einem Freund und einer Plastikflasche mit Benzin zurรผck. Sie steckten einen Lappen in den Flaschenhals, zรผndeten ihn an und warfen die Flasche ins Auto. Die beiden Kinder im Auto waren schnell inmitten eines Infernos. Gavin, 5 Jahre alt und Millie, 7 Jahre alt, krรผmmten sich vor Qual vor den Augen ihrer entsetzten Mutter. Sheila Murray gelang es dann ihre Tochter, Millie, aus dem Auto zu ziehen, wรคhrend Nachbarn, darunter auch einer der Tรคter, der Schmiere gestanden hatte, aber nicht realisiert hatte, dass Kinder in dem Auto saรŸen, Gavin retteten. Beide Kinder mussten unter Narkose gesetzt werden, bevor man sie ins Kinderkrankenhaus Mid-Western-Regional Hospital to Our Ladys in Crumlin brachte.

โ€žOh Patrick, ich denke immerzu an diese armen Kinderโ€œ, sagte Michael. โ€žSie mรผssen unglaubliche Schmerzen haben. Sie geben ihnen Morphium, oder?โ€œ โ€žJa, wahrscheinlich haben sie eine Morphium Infusion. Ich habe sogar schon in diesem Krankenhaus in der Unfallstation und der Orthopรคdie gearbeitet. Es wird sich bestimmt hervorragend um sie gekรผmmert.โ€œ

Wรคhrend des Gesprรคchs wurde Michael immer aufgeregter. Es war eine entsetzliche Geschichte, und ich konnte mir vorstellen, dass er sie nicht aus dem Kopf bekam, aber irgendetwas war anders โ€“ es war so, als kรถnnte er ihre Schmerzen tatsรคchlich spรผren.

โ€žKennen sie das Krankenhaus? Kรถnnen Sie mich bitte zu einem Besuch mit dorthin nehmen, damit ich sehen kann, dass es ihnen gut geht?โ€œ fragte er.
Ich zรถgerte, weil ich dachte, es sei unklug, wenn er, so kurz nachdem er des Kindesmissbrauchs beschuldigt worden war, diese Kinder besuchen wรผrde, noch dazu, weil eines der Kinder den gleichen Vornamen trug, wie sein Anklรคger. Ich sagte: โ€žIch glaube, das ist keine gute Idee, Michael.โ€œ โ€žPatrick, ich weiรŸ, welche Schmerzen sie durchmachen. Es ist entsetzlich โ€“ einfach entsetzlich. Vielleicht kann ich ihnen irgendwie helfenโ€œ, antwortete er.
โ€žIch bin sicher, dass die ร„rzte alles tun, damit sie mรถglichst wenig leiden mรผssenโ€œ, sagte ich und wusste nicht, wie ich meine wirklichen Bedenken anbringen sollte: dass die Medien einen groรŸen Tag mit seinem Besuch haben wรผrden.

โ€žWarum denkst du, dass ich nicht dorthin gehen sollte?โ€œ, fragte er ruhig. Mir war klar, dass er abschรคtzen wollte, wie ich den Ausgang seines Prozesses empfand, und ich dachte sorgfรคltig รผber meine Antwort nach. โ€žWarum denken sie, dass ich nicht dorthin gehen sollte?โ€œ, fragte er noch einmal.

โ€žWeil die Medien denken werden, dass es nicht angemessen ist, wenn sie ein Kinderkrankenhaus besuchenโ€œ, sagte ich. Er war sehr still und ich spรผrte, dass meine Antwort ihn enttรคuscht hatte. Ich hรคtte das nicht sagen sollen, aber ich konnte es nicht mehr zurรผcknehmen.

Zu dem Zeitpunkt war mir nicht bekannt, dass er, wenn er auf einer Tour war, viele Kinderkrankenhรคuser besucht hatte, besonders Verbrennungsstationen fรผr Kinder รผberall auf der Welt. Oft verbrachte er Zeit mit diesen Kindern nach seinen Konzerten, wenn die meisten Kรผnstler entweder ausgelaugt waren, und schlafen wollten, oder noch voller Energie und in Partylaune waren. Michael hatte auf seinen Tourneen jeder Klinik in jeder Stadt, die er besuchte, einen wichtiges, teures Ausrรผstungsteil gespendet. Ich hรคtte ihm eine andere Antwort geben mรผssen, ich hรคtte sagen sollen, dass die Medien herausfinden wรผrden, wo er sich aufhielt und ihn und seine Kinder verfolgen wรผrden. Meine Antwort musste fรผr ihn so klingen, als wรผrde ich den Ausgang des Prozesses nicht glauben.

โ€žDenkst du, ich wรผrde Kinder anrรผhren?โ€œ, fragte er mit Trรคnen in den Augen.
โ€žNein, ich glaube, du bist so etwas wie Jesus unserer Zeitโ€œ, antwortete ich ihm ehrlich.

Das strahlende Licht in seinen Augen war jetzt erloschen, und seine Schultern schienen in sich zusammenzufallen, als er sich in seinem Stuhl nach vorn beugte. Seine ganze Person schien sich aufzulรถsen, und die energetische Persรถnlichkeit verschwand vor meinen Augen. Dann nahm er seine schwarze Perรผcke ab und zeigte mir seinen Skalp. Sein natรผrliches Haar war kurz geschnitten, an manchen Stellen dรผnn, mit kahlen Stellen und einer langen Narbe am Scheitel seines Kopfs.

โ€žDeshalb mรถchte ich dort hingehen; deshalb wollte ich heute mit dir sprechenโ€œ, sagte er. โ€žIch habe auch Verbrennungen und ich weiรŸ, wie es sich anfรผhlt.โ€œ

Mir fehlten die Worte, also besann ich mich auf das, was mir am meisten liegt โ€“ Medizin. Ich stand auf und fragte, ob ich seinen Skalp untersuchen dรผrfe. Ich legte meine Hand auf seine Schulter, und konnte die entstandene Spannung spรผren. Mein Mund war trocken und ich wusste, dass ich zรถgerte. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte.

Er erzรคhlt mir, dass 1984, wรคhrend des Drehs eines Pepsi Werbespots, ein fehlgeleiteter Feuerwerkskรถrper auf seinen Kopf gefallen war und seine Haare in Brand gesetzt hatte. Es war offensichtlich, dass er Verbrennungen 2. und 3. Grades davongetragen hatte. Erst spรคter erfuhr ich, dass er auch die 1,5 Millionen $ Schmerzensgeld der Versicherung an eine Verbrennungsstation fรผr Kinder in Los Angeles gespendet hatte. Das Brotman Medical Center in Culver City, das spรคter die Verbrennungsstation zu Ehren Michaels umbenannte, kaufte mit dem Geld modernste Ausstattung zu Behandlung von Verbrennungsopfern.

Michael im Brotman Medical Center, 1984

Als ich die Untersuchung seines Kopfes abgeschlossen hatte, sprachen wir รผber eine Behandlung des Bereichs mit Haarimplantaten. Michael erzรคhlte mir, dass er Ballonimplantate hatte, um die Haut zu dehnen, damit die Narben herausgeschnitten werden konnten, und das Haar sich so regenerieren kรถnnte. Diese Behandlung zog sich รผber Jahre, und er gestand, dass er die Hoffnung aufgegeben hatte, diesen Bereich zu regenerieren und deshalb dazu รผbergegangen war, eine Perรผcke zu tragen.

Das Ereignis war jedoch noch umso dramatischer, weil Michael, wie ich spรคter herausfand, wรคhrend dieser Zeit von Schmerzmitteln abhรคngig geworden war. Das war nachvollziehbar, weil auch viele ganz normale Menschen Schmerzmittel nehmen, wenn ihnen etwas Furchtbares zugestoรŸen ist, und dann Schwierigkeiten haben, sich selbst wieder davon zu entwรถhnen. Mein Gefรผhl war, dass es in Michaels Fall durch das Einmischen der Medien noch schwieriger war. Als er sich selbst in eine Reha-Klinik einwies, hatte ein verdeckter Reporter mehr als 40.000 $ gezahlt, um die Chance zu bekommen, vielleicht mit Michael Jackson in einer Gruppentherapie zu sitzen.
Angesichts des vorhandenen Narbengewebes, das durch die misslungenen Versuche, eine Verbesserung herbeizufรผhren, entstanden war, entschied ich ziemlich schnell, dass Michael kein geeigneter Kandidat fรผr Haarimplantate war. Ich dachte daran, wie ein einziger Vorfall das Leben eines Menschen fรผr immer verรคndern konnte. Er tat mir leid.

Ich sagte zu ihm: โ€žMichael, ich werde morgen persรถnlich die Klinik besuchen, um fรผr sie herauszufinden, wie es diesen Kindern geht, aber ich denke immer noch, dass es nicht so gut wรคre, wenn sie selbst dort hingehen wรผrden.โ€œ
โ€žGibt es etwas, das ich fรผr sie tun kรถnnte, damit es fรผr sie angenehmer wird?โ€œ
โ€žLass mich mir erst einen รœberblick รผber die Situation verschaffenโ€œ, antwortete ich, und dachte daran, vielleicht mit den Eltern sprechen zu kรถnnen, um herauszufinden, ob die Kinder alt genug waren, um Michaels Musik und auch ein Besuch zu schรคtzen.

Michael setzte seine Perรผcke wieder auf, richtete sie in einem kleinen Spiegel und fasste sich wieder. Ich fรผhlte mich immer noch unbeholfen. Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass ich ihn im Stich gelassen hรคtte. Bevor er ging, versicherte ich ihm noch einmal, dass ich am nรคchsten Morgen die Klinik aufsuchen und ihn รผber die Situation der Murray Kinder berichten wรผrde.
Am nรคchsten Morgen holte ich, wie versprochen, Informationen รผber die Kinder ein. Viele der ร„rzte, die ich auf den Korridoren traf, waren damals in den Achtzigern zusammen mit mir Assistenzรคrzte gewesen, es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, nur, dass wir alle รคlter geworden waren. Gavin, der Junge, hatte fรผrchterliche Verletzungen davongetragen. Seine รคltere Schwester Millie hatte 30 % ihres Kรถrpers verbrannt, darunter ihr Gesicht, der rechte Arm, das rechte Bein und der untere Rรผckenbereich.

Ich entschied, dass es nicht sehr klug wรคre, wenn Michael das Krankenhaus besuchen wรผrde. Die Mรถglichkeit, dass sein Besuch unentdeckt bleiben wรผrde, bestand nicht, und es war nahezu sicher, dass auch die auslรคndische Presse davon erfahren wรผrde. Sie wรผrden keine Ruhe geben, bis sie herausgefunden hรคtten, wo er wohnte. Fรผr die Murray Kinder wurde gut gesorgt, sie waren ruhig gestellt und man versuchte, es ihnen so angenehm wie menschenmรถglich zu machen. Ich dachte auch, dass sie zu ihrer Genesung ihre Ruhe haben und nicht mรถglicherweise Objekte eines Medienzirkus werden sollten. Nun musste ich diese Neuigkeiten nur noch Michael mitteilen.

Ich rief ihn an und erzรคhlte ihm, wie es den Kindern ging. Er war entsetzt รผber das AusmaรŸ ihrer Verletzungen und wollte sie immer noch besuchen, aber er hatte auch รผber das, was ich gesagt hatte, nachgedacht, und zugegeben, dass es stimmte โ€“ das Medien-Interesse wรคre zu viel. Ich war erleichtert und sagte ihm, dass ich seine Entscheidung richtig fand.

โ€žFรผr Eltern gibt es nichts Schlimmeres, als wenn deinen Kindern etwas zustรถรŸtโ€œ, sagte Michael. โ€žIch wรผnschte wirklich, dass ich sie besuchen kรถnnte.โ€œ Dann sprach er darรผber, wie sehr er die viele Zeit, die er jetzt mit seinen Kindern verbringen konnte, genoss: โ€žIch fรผhle mich wirklich gesegnet, dass ich diese Zeit in Irland mit meinen Kindern verbringen kann. WeiรŸt du, heute unternahmen wir einen Ausritt mit den Pferden. Ich liebe diese Abgeschiedenheit der irischen Landschaft.โ€œ Er erzรคhlte, wegen all der frischen Luft wรผrden sie schlafen wie die Murmeltiere, sobald ihr Kopf das Kissen berรผhrte.

Prince, Paris und Blanket, Irland 2006

Ich fragte: โ€žVermissen sie nicht das sonnige Wetter Kaliforniens?โ€œ
โ€žNein, nicht wirklich. Ich mag den Nebel und den Regen, besonders, nachdem ich im Bahrain gelebt habe. Wir sind von dort abgereist und werden nicht zurรผckgehen. Ich wรผrde mich gerne in Irland niederlassen.โ€œ
โ€žWo genau wรผrden sie gerne wohnen?

โ€žWicklow gefรคllt mir und im Moment sehen wir uns auch andere Anwesen an.โ€œ
โ€žVielleicht sollten sie sich Fermanagh ansehen, wo ich aufgewachsen binโ€œ, sagte ich. โ€žEs ist voller Schlรถsser und Seen.โ€œ

โ€žSchlรถsser und Magie โ€“ das wรผrde den Kindern gefallen.โ€œ

Michael erwรคhnte, seine Kinder sollten ein ungestรถrtes Privatleben haben. Er erzรคhlte, dass Prince William und Prince Harry nach dem Tod ihrer Mutter auch aufwachsen durften, ohne รœbergriffe der Medien. Er fragte sich, ob man in Irland fรผr seine Kinder durch eine รคhnliche Vereinbarung auch diese Art Freiheit erreichen kรถnnte. Sie wurden Eltern, und er wusste, dass es an der Zeit wรคre, sie in eine normale Schule zu schicken, damit sie auรŸerhalb ihrer Familie soziale Kontakte knรผpfen und eigene Freundschaften aufbauen kรถnnten. Sie schienen es sehr zu genieรŸen, mit den irischen Kindern an dem Ort irgendwo mitten in Irland, an dem sie wohnten, zu spielen.

Nach einer Weile kamen wir auf den World Music Award zu sprechen, an dem Michael im November teilnehmen sollte. Er wusste, dass die britische Regenbogenpresse schon proklamierte, dass er bei dieser Veranstaltung ein triumphales Comeback liefern wรผrde.

โ€žWann war ihr letztes Konzert in London?โ€œ, fragte ich.

โ€žDas letzte Mal, dass ich in London gesungen habe, war anlรคsslich des Brit-Awards 1996โ€œ, antwortete er. โ€žDas ist keine angenehme Erinnerung, weil so ein britischer Typ auf die Bรผhne gesprungen ist.โ€œ

Zehn Jahre waren seitdem vergangen und ich hatte vergessen, dass seine โ€žEarth Songโ€œ Performance durch Jarvis Cocker, Sรคnger der Gruppe Pulp, gestรถrt worden war, der damit dagegen protestieren wollte, dass Michael auf der Bรผhne als eine Christus รคhnliche Figur herรผberkam.

>> Fortsetzung folgt in Teil II <<

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