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Ebony Interview, 2007 – Michael Jackson spricht mit Ebony

by on 3. December 2012

Am 25. Sept. 2007:

Fünfundzwanzig Jahre nach dem Rekord-Album Thriller gewährt der King of Pop einen seltenen Einblick in seine Kreativität. Anlässlich des 25 Geburtstags des Thriller-Albums gab es ein Fotoshooting und ein Interview mit Ebony.

Art meets Beauty

Sitzt man auf dem Sofa neben Michael Jackson, blickt man schnell hinter das Licht der rätselhaften Ikone; fast durchscheinende Haut, und man erkennt, dass diese afro-amerikanische Legende mehr ist als nur oberflächlich. Mehr als ein Entertainer, mehr als ein Sänger oder ein Tänzer; der erwachsen gewordene Vater dreier Kinder offenbart einen selbstbewußten, kontrollierten und reifen Mann, der sich in seinem Inneren eine Menge Kreativität bewahrt hat.
Michael Joseph Jackson rockte im Dezember 1982 die Musikwelt, als er mit Thriller auf der Pop-Szene detonierte, dem satten, rhythmischen, ansteckenden Album, das viele Weiße mit einem Talent bekannt machte, welches die meisten Schwarzen bereits seit Jahrzehnten kannten, und das beinahe jeden Branchen-Rekord auf dem Planeten brach. Das historische Projekt war ein weiterer, wenngleich gigantischer Schritt in eine musikalische Karriere, die achtzehn Jahre zuvor im Alter von sechs Jahren begann, mit seinen Brüdern als die Jackson 5.
In seinem ersten Interview mit einem US-Magazin seit einem Jahrzehnt und zum 25. Jahrestag von Thriller setzte sich Jackson mit dem EBONY-Magazin zu einem seltenen, intimen und exklusiven Gespräch über die Erschaffung von Thriller, die historische Motown 25-Performance, seine Vaterschaft, den Zustand der Musikindustrie und die treibende Kraft hinter seiner Kreativität zusammen.

♥ ♥ ♥ Aufnahme von Audio-Ausschnitten aus dem Interview:

>> script english: http://mjjjusticeproject.wordpress.com/2012/07/10/michael-jackson-speaks-to-ebony-2007/

Hier ist Michael Jackson, mit seinen eigenen Worten …

F (Bryan Monroe): Wie hat alles begonnen?

A (Michael Jackson): Motown schickte sich an, diesen Film, The Wiz, zu machen … und Quincy Jones sollte der Mann sein, der die Musik machen würde. Nun, ich hatte bereits zuvor von Quincy gehört. Als ich ein Kind in Indiana war, pflegte mein Vater Jazz-Alben zu kaufen, so kannte ich ihn als Jazzmusiker.
Nachdem wir diesen Film gemacht hatten – wir wurden uns ziemlich vertraut während des Films, er half mir, bestimmte Worte zu verstehen, er war wirklich wie ein Vater – ich rief ihn nach dem Film an, aus voller Aufrichtigkeit – ich bin ein schüchterner Mensch, vor allem damals, ich habe die Leute nicht einmal angesehen, wenn sie mit mir sprachen, ich scherze nicht – und ich sagte: ‘Ich bin bereit, ein Album zu machen. Glauben Sie, dass … könnten Sie mir jemanden empfehlen, der daran interessiert wäre, es mit mir zu produzieren oder mit mir zu arbeiten?’ Er hielt inne und sagte: ‘Warum läßt du es nicht mich tun?’’ Ich sagte: ‘Ich weiß nicht, warum, aber daran habe ich garnicht gedacht.’ Wahrscheinlich, weil ich dachte, er sei eher wie ein Vater, und ziemlich jazzig. Also, nachdem er das sagte, sagte ich: ‘Wow, das wäre toll.’ Das Tolle an der Arbeit mit Quincy ist, er läßt dich dein Ding machen. Er steht dir nicht im Weg.
Das erste, womit ich zu ihm kam, war von Off The Wall, unserem ersten Album, und Rod Temperton kam im Studio, und er kam mit diesem Killer – das ist dieser kleine deutsche Kerl aus Worms, Deutschland – er kommt mit dieser … ’doop, dakka dakka doop, dakka dakka dakka doop’, der kompletten Melodie und dem Refrain, Rock With You. Und ich, WOW! Also, als ich das hörte, sagte ich: ‘Okay, ich muss jetzt wirklich arbeiten.’ Und jedes Mal, wenn Rod etwas präsentierte, präsentierte ich auch etwas, und wir veranstalteten einen freundschaftlichen kleinen Wettstreit. Ich liebe es, so zu arbeiten. Ich habe darüber gelesen, wie Walt Disney zu arbeiten pflegte, als sie an Bambi arbeiteten oder an einer animierten Show; sie stellten ein Reh mitten in den Raum und ließen die Animateure, gewissermaßen wetteifernd, verschiedene Stile zeichnen. Wer den am meisten stilisierten Effekt erzielte, der Walt gefiel, den pickte er sich heraus Sie rivalisierten irgendwie; es schien freundschaftlich, doch es war ein Konkurrenzkampf, denn es erforderte immer höheren Einsatz. Daher, immer wenn Rod etwas brachte, brachte ich etwas, dann brachte er etwas, dann brachte ich etwas anderes. Wir erschufen dieses wunderbare Gebilde.
F: Also, nach Off The Wall, im Frühjahr ’82, gingst du erneut ins Studio, um an Thriller zu arbeiten.

A: Nach Off The Wall hatten wir all diese Nr.1 Hits daraus – Don’t Stop ‘Til You Get Enough, Rock With You, She’s Out of My Life, Workin’ Day and Night – und wir waren für den Grammy Award nominiert. Aber ich war einfach nicht glücklich damit, wie das Ganze lief, weil ich noch viel mehr machen wollte, viel mehr präsentieren wollte, noch viel mehr von meiner Seele und meinem Herzen hineinlegen wollte.

F: War es ein Übergang für dich?

A: Ein absoluter Übergang. Seit ich ein kleiner Junge war, studierte ich Arrangement und Komposition. Und es war Tschaikowsky, der mich am meisten beeinflusste. Auf einem Album wie der Nußknacker-Suite ist jedes Lied ein Killer, jedes. Also sagte ich mir: ‘Warum kann es nicht ein Pop-Album geben, wo jedes …’ – Die Leute machten Alben, wo man einen guten Song kriegte, und der Rest war wie B-Seiten. Sie nannten sie “Album Songs” – und ich sagte mir: ‘Warum kann nicht jeder Song ein Hit werden? Warum kann nicht jeder Song so großartig sein, dass die Leute ihn kaufen würden, wenn man ihn als Single-Auskopplung veröffentlichen könnte?’ Also habe ich immer versucht, danach zu streben. Das war mein Ziel für das nächste Album. Das war das ganze Konzept. Ich wollte einfach nur alles, was wir mochten, rausbringen. Ich arbeitete hart dafür.

F: Der kreative Prozess – war er wohl durchdacht oder passierte es nur irgendwie?

A: Nein, er war schon sehr durchdacht. Auch wenn sich alles auf irgendeine Weise zusammenfügte, ich war mir bewusst, es wurde in diesem Universum erschaffen, aber wenn die Chemie im Raum stimmt, muss etwas Magisches geschehen. Es muß. Es ist, als würde man bestimmte Elemente einer Gehirnhälfte nehmen und das erzeugt diese Magie in der anderen. Das ist Naturwissenschaft. Und dorthin zu gelangen, mit einigen dieser großartigen Menschen, ist einfach wunderbar.
Quincy hatte einen Spitznamen für mich, ‘Smelly’. Smelly kam von … und Steven Spielberg nennt mich auch so … damals, vor allem damals – ich sage jetzt manchmal ein paar Schimpfwörter – aber vor allem damals konnte man mich nicht dazu bringen, zu fluchen. Also sagte ich: ‘Das ist ein ‘smelly’-Song.’ Das bedeutete ‘Der ist so toll’, dass er dich völlig gefangen nimmt. Deshalb nannte er mich ‘Smelly’.
Und ja, die Arbeit mit Quincy war so wunderbar. Er lässt dich experimentieren, dein Ding machen, und er ist Genie genug, um ungewöhnliche Wege in der Musik zu gehen, und wenn ein Element hinzugefügt werden muss, fügt er es hinzu. Und er hört diese kleinen Dinge. Wie zum Beispiel in Billie Jean, ich sollte diesen Teil des Bass Licks entwickeln, und die Melodie, und die ganze Komposition. Aber beim Anhören fügte er ein hübsches Riff hinzu …
Wir arbeiteten an einem Track und dann trafen wir uns bei ihm zu Hause, spielten, woran wir gearbeitet hatten, und er sagte: “Smelly, lass ihn zu dir sprechen.” Und ich: “Okay”. Er sagte: “Wenn der Song etwas braucht, sagt er es dir. Lass ihn zu dir sprechen.” Ich habe gelernt, das zu tun. Der Schlüssel, ein großartiger Songschreiber zu sein, liegt nicht darin, zu schreiben. Du mußt nur aus dem Weg gehen. Tritt beiseite, damit Gott hereinkommen kann. Und wenn ich etwas schreibe, von dem ich weiß, es ist richtig, knie ich nieder und sage Danke. Danke, Jehova!

F: Wann war das letzte Mal, dass du dieses Gefühl hattest?

A: Nun, vor kurzem. Ich schreibe ständig. Wenn du weißt, es ist richtig, dann spürst du manchmal, wie etwas kommt, wie etwas heranreift, beinahe wie eine Schwangerschaft oder so etwas. Es bewegt dich, und du fühlst etwas erblühen, und die Magie, sie ist da! Es ist die Eruption von etwas, das so schön ist, dass du denkst: WOW! Da ist es. So funktioniert es, durch dich. Es ist wunderschön. Es ist ein Universum, in das du eintauchen kannst, mit diesen zwölf Noten …
[Er hört nun eine frühe Aufzeichnung von Billie Jean auf einem iPhone]
Was ich mache, wenn ich schreibe, ist, dass ich eine knappe, raue Version mache, nur um den Refrain zu hören, nur um zu sehen, ob mir der Refrain gefällt. Wenn es so für mich stimmt, so spartanisch, dann weiß ich, es wird funktionieren … Hör dir das an, das ist zu Hause. Janet, Randy, ich … Janet und ich machen “Whoo, Whoo…Whoo, Whoo…” Ich mache das, den gleichen Vorgang, mit jedem Song. Es ist die Melodie, die Melodie ist das Wichtigste. Wenn die Melodie mich fesselt, wenn mir dieses Ungeschliffene gefällt, dann mache ich den nächsten Schritt. Wenn es in meinem Kopf gut klingt, ist es meist auch gut, wenn ich es mache. Die Idee ist, das, was in deinem Kopf ist, auf ein Tonband zu übertragen.
Nimm einen Song wie Billie Jean, wo die Bassline der markante, dominante Teil ist, wo der wichtigste Protagonist des Songs das treibende Riff ist, das du hörst – den Charakter dieses Riffs genau so hinzukriegen, wie du es haben willst, braucht viel Zeit. Hör zu, man hört dort vier Bässe, die vier unterschiedliche Persönlichkeiten haben, und das ist es, was ihm den Charakter gibt. Aber es bedeutet viel Arbeit.

F: Ein weiterer großer Moment war die Motown 25 Performance …

A: Ich war im Studio, um Beat It zu bearbeiten, und aus irgendeinem Grund war ich zufällig in den Motown Studios, um das zu tun – ich hatte das Unternehmen bereits lange zuvor verlassen. Sie waren gerade dabei, etwas im Zusammenhang mit dem Motown-Jubiläum zu machen, und Berry Gordy kam vorbei und fragte mich, ob ich in der Show auftreten würde, und ich sagte: “NEIN!” Ich sagte Nein. Ich sagte Nein wegen der Thriller-Sache, an der ich gerade arbeitete und ich war dabei, etwas zu schaffen, das ich geplant hatte, und er sagte: “Aber es ist das Jubiläum …” Also, hier ist, was ich zu ihm gesagt habe. Ich sagte: “Ich werde es tun, aber ich werde es nur dann tun, wenn du mich einen Song singen lässt, der kein Motown-Song ist.” Er sagte: “Was ist es?” Ich sagte: “Billie Jean.” Er sagte: “Okay, fein.” Ich fragte: “Du wirst mich wirklich Billie Jean singen lassen?” Er sagte: “Ja.”
Also habe ich geprobt und choreographiert und meine Brüder vorbereitet und die Songs und das Medley ausgewählt. Und nicht nur das, es mussten auch alle Kameraeinstellungen ausgearbeitet werden.
Ich inszeniere und bearbeite alles, was ich mache. Jede Einstellung, die du siehst, ist meine Einstellung. Laß mich erklären, warum ich es so machen muss. Ich habe fünf, nein, sechs Kameras. Wenn du performst – ganz gleich, welche Art von Performance es ist – und wenn du es nicht ordentlich aufnimmst, werden die Leute es niemals sehen. Es ist das egoistischste Medium der Welt. Du filmst, was die Leute sehen sollen, wann sie es sehen sollen, wie sie es sehen sollen und welche Einstellungen sie sehen sollen. Du lenkst mit deinen Einstellungen und Aufnahmen den Gesamteindruck der präsentierten Sendung absolut in die von dir gewollte Richtung. Weil ich weiß, was ich sehen will. Ich weiß, was ich dem Publikum geben will. Ich weiß, was ich wieder zurückbekommen will. Ich erinnere mich an das Gefühl, das ich hatte, als ich performte, und ich versuche, genau dieses Gefühl wieder einzufangen, wenn ich schneide und bearbeite und Regie führe.

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F: Wie lange machst du all diese Dinge schon?

A: Seit ich ein kleiner Junge war, mit meinen Brüdern. Mein Vater sagte immer: “Zeig’s ihnen, Michael, zeig’s ihnen.”

F: Waren sie jemals eifersüchtig deswegen?

A: Sie haben es damals nie gezeigt, aber es muss hart gewesen sein, weil ich während der Proben oder des Trainings nie verhauen wurde [lacht]. Aber anschließend bekam ich Schwierigkeiten [lacht]. Es stimmt, da bekam ich sie. Mein Vater probte mit einem Gürtel in der Hand. Du durftest nichts vermasseln. Mein Vater war ein Genie, wenn es darum ging, uns beizubringen, wie man etwas inszeniert, wie man das Publikum mitreißt, wie man vorausdenkt, was als Nächstes zu tun ist, oder das Publikum niemals merken zu lassen, wenn man leidet oder wenn etwas falsch läuft. Er war erstaunlich gut darin.

F: Denkst du deshalb, dass du nicht nur einen guten Geschäftssinn hast, sondern auch die Kontrolle über das ganze Paket haben willst?

A: Absolut. Mein Vater; Erfahrung; aber ich habe viel von meinem Vater gelernt. Er hatte eine Gruppe namens The Falcons, als er jung war. Sie kamen zu uns und sie spielten Musik, die ganze Zeit, wir hatten immer Musik und Tanz. Es ist diese kulturelle Sache, die Schwarze machen. Sie räumen alle Möbel beiseite, drehen die Musik auf … wenn Besuch kommt, ist jeder auf den Füßen, alle machen irgendwas. Ich liebte das.

F: Tun deine Kinder das jetzt auch?

A: Sie tun es, aber sie sind schüchtern. Doch sie tun es für mich, manchmal.

F: Reden wir über Selbstdarstellung: MTV, sie spielten keine Black Folkmusik. Wie hart war das für dich?

A: Sie sagten, sie spielen keine schwarzen Künstler. Es brach mir das Herz, aber gleichzeitig entzündete es etwas. Ich sagte mir: “Ich muss etwas machen, was sie … ich lehne es schlicht ab, ignoriert zu werden.” Yeah, Billie Jean; sie sagten: “Wir werden es nicht spielen.”
Doch als sie es dann spielten, stellte es einen bislang unerreichten Rekord auf. Und dann baten sie mich um alles, was wir hatten. Sie rannten uns die Türen ein. Dann kam Prince, es öffnete die Tür für Prince und all die anderen schwarzen Künstler. Es war 24-Stunden Heavy Metal, ein Potpourri verrückter Bilder …
Sie kamen in der Vergangenheit so viele Male zu mir und sagten: “Michael, wenn du nicht gewesen wärst, gäbe es kein MTV.” Sie sagten mir das höchstpersönlich, immer und immer wieder. Ich vermute, damals verstanden sie es nicht … doch ich bin sicher, sie meinten es nicht böse [lacht].

F: Das war in der Tat die Geburtsstunde des modernen Video-Zeitalters …

A: Ich schaute immer MTV. Mein Bruder Jackie, das werde ich nie vergessen, er sagte: “Michael, du mußt diesen Kanal sehen. Oh, mein Gott, das ist eine Super-Idee. Sie zeigen vierundzwanzig Stunden am Tag Musik … vierundzwanzig Stunden am Tag!” Also sagte ich: “Laß mich sehen.” Und ich schaute es mir an und sah all diese Sachen da und sagte: “Wenn sie diesem ganzen Zeug bloß etwas mehr Unterhaltungswert geben würden, mehr Inhalt, ein bisschen mehr Tanz, ich bin sicher, die Leute würden es noch mehr lieben.” Und ich sagte, wenn ich etwas mache, muss es doch eine Geschichte haben – einen Anfang, eine Mitte und ein Ende – so kann man einem klaren Faden folgen, es muss sich ein Faden hindurchziehen. Wenn du dir also dessen Unterhaltungswert ansiehst, fragst du dich, was da passiert. Das war der Moment, als ich mit Thriller, The Way You Make Me Feel und Bad und Smooth Criminal zu experimentieren begann und mit Regieführung und Schreiben.

F: Was denkst du über den Zustand der heutigen Musikvideos und Musik?

A: Die Branche ist an einem Scheideweg. Es ist ein Wandel im Gang. Die Leute sind verwirrt und wissen nicht, was passieren wird, wie man Musik vertreiben und verkaufen soll. Ich denke, das Internet bringt irgendwie alle aus dem Konzept. Weil es so mächtig ist, die Kids lieben es so sehr. Die ganze Welt liegt auf Knopfdruck vor ihnen. Alles, was sie wissen wollen, jeder, mit dem sie kommunizieren wollen, jede Art von Musik, jede Art von Film … Diese Sache bringt einfach jeden aus dem Konzept. Gerade jetzt, all diese Starbucks- und Wal Mart-Angebote, direkt an Künstler gerichtet, ich weiß nicht, ob das die Lösung ist. Ich denke, die Lösung ist einfach phänomenale, tolle Musik. Die Massen erreichen. Ich glaube, die Leute sind noch immer auf der Suche. Es ist im Moment auch noch keine wirkliche musikalische Revolution im Gange. Aber wenn sie da ist, werden die Menschen Mauern niederreißen, um sie zu bekommen. Ich meine, weil es vor Thriller genauso war. Die Leute haben keine Musik gekauft

ebony

F: Wer beeindruckt dich?

A: Soweit es Künstler betrifft, denke ich, Ne-Yo macht es wunderbar. Aber er hat eben auch dieses Michael Jackson-Feeling. Das mag ich an ihm. Ich kann sagen, dass er jemand ist, der schreiben kann.

F: Arbeitest du mit diesen jungen Künstlern?

A: Sicher. Ich war immer jemand, mir ist egal, ob es der Briefträger ist oder der Typ, der den Fußboden wischt. Ein toller Song ist ein toller Song. Einige der genialsten Ideen kommen von ganz alltäglichen Menschen, die nur sagen: “Warum versuchst du nicht dies oder tust das?” Wenn es eine tolle Idee ist, sollte man es versuchen. Chris Brown ist wundervoll. Akon, er ist ein wunderbarer Künstler.
Ich will Musik machen, die eine andere Generation inspiriert oder beeinflusst. Du willst, dass das, was du erschaffst, lebt, sei es eine Skulptur oder Malerei oder Musik. Wie Michelangelo, er sagte: ‘Ich weiß, der Schöpfer wird gehen, doch sein Werk wird fortbestehen. Das ist der Grund, warum wir dem Tod entkommen. Darum versuche ich, meine Seele in meine Arbeit zu legen.’ Und das ist es, was ich fühle. Ich gebe alles für meine Arbeit, denn ich will, dass sie lebt.

F: Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass du die Geschichte verändert hast? Denkst du oft darüber nach?

A: Ja, da tue ich, das tue ich wirklich. Es macht mich sehr stolz, dass wir Türen geöffnet haben, dass wir geholfen haben, so viel niederzureißen. Rund um die Welt, auf den Touren, in den Stadien sieht man den Einfluss der Musik. Wenn du über die Bühne schaust, so weit du mit bloßem Auge sehen kannst, siehst du Menschen. Und es ist ein wunderbares Gefühl, aber es brachte eine Menge Schmerz mit sich, eine Menge Schmerz.

F: Wie das?

A: Wenn du an der Spitze bist, wenn du ein Pionier bist, fallen die Leute über dich her. Es ist so, wenn jemand ganz oben ist, will man an ihn herankommen.
Aber ich bin so dankbar, angefangen mit all diesen Rekorden über die größten Alben bis zu den Nr. 1 Hits, ich bin noch immer sehr dankbar dafür. Ich war ein Junge, der in seinem Wohnzimmer saß und seinem Vater zuhörte, wie er Ray Charles spielte. Meine Mutter weckte mich um drei Uhr morgens: “Michael, er ist im Fernsehen, er ist im Fernsehen!” Ich rannte zum Fernseher und James Brown war im TV. Ich sagte: “”Das ist es, was ich machen will.”

Michael+Jackson+Ebony+^

F: Können wir mehr von Michael Jackson erwarten?

A: Ich schreibe eine Menge Sachen im Moment. Ich bin fast jeden Tag im Studio. Ich denke, diese Rap-Sachen momentan, als das rauskam, hatte ich immer das Gefühl, es bräuchte mehr melodische Struktur, um es universeller zu machen, denn nicht jeder spricht Englisch [lacht]. Und man ist auf sein Land beschränkt. Aber wenn man eine Melodie hat, und jeder kann eine Melodie summen, dann kommt sie nach Frankreich, in den Nahen Osten, überall hin! Um die ganzen Welt, weil dieser melodische, lineare Faden darin ist. Man muss es summen können, von dem Bauern in Irland über die Frau, die Toiletten in Harlem scheuert und jeden, der pfeifen kann bis hin zu einem Kind, das mit den Fingern schnipst. Man muss es summen können.

F: Du bist jetzt fast fünfzig. Glaubst du, du wirst dies noch mit achtzig machen?

A: Die Wahrheit ist, äh, nein. Nicht so, wie es James Brown tat oder Jackie Wilson. Sie machten einfach weiter, arbeiteten, zerstörten sich selbst. Ich wünschte, Brown hätte sich bremsen und entspannen und seine harte Arbeit genießen können.

F: Wirst du wieder auf Tour gehen?

A: Lange Touren sind mir nicht wichtig. Aber was ich am Touren liebe, ist, daß es das Handwerk wunderbar schärft. Das ist es, was ich am Broadway liebe, deshalb gehen Schauspieler zum Broadway, um ihre Fertigkeiten zu schärfen. Das tut es. Denn es dauert Jahre, ein großer Entertainer zu werden. Jahre. Man kann nicht einfach irgendeinen Kerl aus dem Dunkel rausgreifen und ihn da hinauswerfen und voraussetzen, dass diese Person mit jener Person konkurrieren kann. Das wird niemals funktionieren. Und das Publikum weiß es, sie können es sehen. Die Art, wie sie [die Künstler] mit den Händen gestikulieren, wie sie ihren Körper bewegen, die Art, wie sie alles Mögliche mit dem Mikrofon machen oder wie sie sich verbeugen. Das Publikum kann es sofort sehen.
Stevie Wonder, er ist ein musikalischer Prophet. Er ist noch jemand, dem ich etwas verdanke. Ich sagte mir immer: ‘Ich will mehr schreiben.’ Ich sah [den Produzenten] Gamble und Huff zu, und Hal Davis und die Corporation schrieben all diese Hits für die Jackson 5, und ich wollte wirklich die Anatomie studieren. Was sie zu tun pflegten, sie ließen uns reinkommen und singen, nachdem sie den Track fertig hatten. Das hat mich aufgeregt, denn ich wollte zusehen, wie sie das Stück machen. Sie gaben mir ABC, nachdem der Track fertig war oder I Want You Back oder The Love You Save. Ich wollte das alles miterleben.
Stevie Wonder ließ mich buchstäblich da sitzen wie eine Fliege an der Wand. Ich bekam zu sehen, wie Songs entstehen, einige der goldenen Dinge. Ich saß da mit Marvin Gaye und … und das waren die Leute, die einfach zu uns nach Hause kamen und rumhingen und am Wochenende mit meinen Brüdern Basketball spielten. Diese Leute waren immer um uns herum. Und wenn du tatsächlich die Wissenschaft, die Anatomie und die Struktur sehen kannst, und wie alles funktioniert, das ist einfach so wunderbar.

F: Du spielst auf der Weltbühne. Wie siehst du die Verfassung der Welt, wie sie heute ist?

A: Ich bin sehr besorgt über das schlimme Phänomen der globalen Erwärmung. Ich wußte, dass es kommen wird, aber ich wünschte, sie hätten im Interesse der Menschen früher gehandelt. Doch es ist nie zu spät. Es wurde als ein außer Kontrolle geratener Zug beschrieben; wenn wir ihn nicht stoppen, werden wir ihn nie wieder zurück bekommen. Deshalb müssen wir das Problem beheben, jetzt. Das ist es, was ich mit Earth Song, Heal the World, We Are the World versucht habe zu tun, ich habe diese Songs geschrieben, um das Bewusstsein der Menschen zu öffnen. Ich wünschte, die Menschen würden auf jedes einzelne Wort hören.

F: Was denkst du über das nächste Präsidentschafts-Rennen? Hillary, Barack?

A: Um die Wahrheit zu sagen, ich verfolge das alles nicht. Wir wurden dazu erzogen, nicht … wir verlassen uns nicht darauf, daß die Menschheit die Probleme der Welt lösen kann, das tun wir nicht. Sie können es nicht. So sehe ich das. Es ist nicht an uns. Schau, wir haben keine Kontrolle über die Erde, sie kann beben. Wir haben keine Kontrolle über die Meere, sie können Tsunamis hervorbringen. Wir haben keine Kontrolle über den Himmel, es gibt Stürme. Wir sind alle in Gottes Hand. Ich denke, der Menschen sollten das bedenken. Ich wünschte nur, sie würden mehr für die Babys und Kinder tun, ihnen mehr helfen. Das wäre großartig, nicht wahr?

F: Apropos Babys – als Vater, spule fünfundzwanzig Jahre zurück. Was ist der Unterschied zwischen jenem Michael und dem Michael heute?

A: Jener Michael ist vermutlich der gleiche wie dieser Michael hier. Ich wollte nur bestimmte Dinge zuerst erreichen. Aber ich hatte immer dieses Ziehen in meinem Hinterkopf; was ich wollte, war, Kinder großzuziehen, Kinder zu haben. Ich genieße das sehr.

33

F: Was denkst du über all das Zeug, das da draußen über dich kursiert, all die Sachen, die du liest? Wie fühlst du dich dabei?

A: Ich schenke dem keine Beachtung. Meiner Meinung nach ist es Unwissenheit. Es basiert gewöhnlich nicht auf Tatsachen. Es basiert, weißt du, auf Mythen. Der Typ, den man nicht zu sehen kriegt. In jeder Nachbarschaft gibt es diesen Kerl, den man nicht zu sehen kriegt, also klatscht man über ihn. Man hört diese Geschichten über ihn, es kursieren Mythen, daß er dieses tat oder jenes. Die Menschen sind verrückt!
Ich will nur großartige Musik machen.
Aber zurück zu Motown 25 – eines der Dinge, die mich am tiefsten berührten, geschah, nachdem ich die Performance beendet hatte – ich werde es nie vergessen. Da war Marvin Gaye in den Kulissen, und die Temptations und Smokey Robinson und meine Brüder, sie umarmten mich und küssten mich und hielten mich fest. Richard Pryor kam zu mir herüber und sagte mit leiser Stimme: “Das war die beste Performance, die ich jemals gesehen habe.” Das war meine Belohnung. Dies waren Menschen, denen ich zuhörte, als ich ein kleiner Junge in Indiana war, Marvin Gaye, die Temptations, und als sie mir diese Anerkennung schenkten, fühlte ich mich einfach geehrt. Dann am nächsten Tag rief Fred Astaire an und sagte: “Ich sah es letzte Nacht, und ich habe es aufgezeichnet, und heute Morgen habe ich es wieder gesehen. Du bist ein höllisch guter Tänzer. Du hattest sie alle in der Hand letzte Nacht!” Später, als ich Fred Astaire sah, machte er dies mit seinen Fingern [macht eine kleine Moonwalk-Geste mit zwei Fingern auf seiner ausgestreckten Handfläche].

Ich erinnere mich so deutlich an diese Performance, und ich erinnere mich, dass ich so verärgert über mich selbst war, denn es war nicht das, was ich gewollt hatte. Ich wollte, daß es mehr wäre. Allerdings erst, als ich fertig war. Da war ein kleines Kind, ein kleines jüdisches Kind hinter der Bühne, mit einem kleinen Smoking bekleidet; er sah mich an, und er sagte [mit einer fassungslosen Stimme]: “Wer hat dir beigebracht, dich so zu bewegen?” [lacht] Und ich sagte:
“Ich schätze, Gott … und üben.”

……………………………………………

Übersetzung: Pearl, mj-net

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3 Comments
  1. Thank you so much for translating !!!

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