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Dr. Conrad Murray – nicht Michael Jackson – steht vor Gericht

by on 3. October 2011

Übersetzung des Original-Artikels “Dr. Conrad Murray not Michael Jackson on Trial”

von Earl Ofari, New Amerika Media, 2.10.2011

Dr. Conrad Murrays Verteidigung, seine einzige wirkliche Verteidigung gegen den Vorwurf der fahrlässigen Tötung Michael Jacksons, ist eine sehr simple. Er sagt, dass Jackson sich faktisch selbst tötete. Er sei so hoffnungslos drogenabhängig gewesen, dass er sich selbst die fatale Droge, oder Kombination von Drogen verabreichte, die ihn umbrachte. Ungesagt bleibt, dass angesichts Jacksons weltbekannter Unnahbarkeit und Exzentrizität seine Selbstzerstörung praktisch vorherbestimmt war. Bei jedem Anderen und unter anderen Umständen, wäre dieses eine lächerliche Verteidigung.

Nicht zu verleugnende Tatsache ist, dass Murray ein ausgebildeter Arzt ist. Er wurde von Jackson angestellt um Medikationen zu verabreichen und zu überwachen, sowie zur medizinischen Betreuung. Er sagte nicht “nein” zu Jacksons Gebrauch des potentiell tödlichen Medikaments. Er rief nicht sofort den Notarzt, als Jackson in das fatale Koma fiel. Egal, für wie selbst zerstörerisch und an seiner Grenze man Jackson halten mag, oder ob man denkt, dass er eine lange Vorgeschichte von Abhängigkeit habe, es ist sehr weit hergeholt einen Patienten für seinen eigenen Tod verantwortlich zu machen, wenn der Arzt genau neben an sitzt.

 Aber Jackson ist nicht einfach irgendein Patient. Seit dem Tag, an dem er 2005 wegen Kindesbelästigung vor Gericht geschleppt wurde, und dem Tag, Monate später, an dem er unschuldig gesprochen wurde in allen Punkten der Anklage, war Jacksons Name ein Synonym für Kontroversen. Der Freispruch im Belästigungs-Fall hatte für Millionen Menschen keine Bedeutung. Viele tuschelten immer noch weiter und andere verleumdeten ihn öffentlich als Kinderbelästiger. Auch sein Rückzug aus der Öffentlichkeit nach dem Prozess stoppte nicht den endlosen Strudel von gemeinen Fragen zu seinen Handlungen, Motiven und angeblichen Perversionen.

 Sein Tod änderte die Dinge auch nicht. Millionen von Jackson-Fans trauerten, litten und waren wütend über seinen Tod. Zahllose andere tauchten auf und spulten die gleichen alten, gemeinen Beschuldigungen über Jackson als Freak, Verrückter und – natürlich – Kinderbelästiger ab.

 Präsident Obama wählte einen umsichtigen Weg, um auf Jacksons Tod zu reagieren. Er schickte die traditionelle Kondolenz an die Familie Jackson. Aber er gab auch versteckte Hinweise zu Jackson als kontroverse Figur, indem er bemerkte, dass Aspekte seines Lebens traurig und tragisch waren. Andere Politiker hatten keine solchen Bedenken. Sie prangerten Jackson öffentlich als Perversen an, dem kein öffentlicher Beifall zustehe, sondern Empörung.

 Jacksons Name, Ruhm und Kontroversen stehen über allem, was im und vor dem Gerichtssaal während des Conrad Murray Prozess’ vor sich geht. Dort gibt es die tränenreichen und aufrichtigen Erinnerungen und Mahnungen von Fans und Prozess-Beobachtern über Jacksons wachsende Bedeutung in der Welt der Musik und Kunst, und seinem anhaltenden, begeisternden Einfluss auf Millionen. Die Rechtsexperten spekulieren währenddessen endlos über Beweismittel in dem Fall und ob sie ausreichen werden für die hochgelegte Messlatte der kriminellen Verantwortlichkeit.

 

Letztendlich sind Murrays rechtliches Schicksaal und Jacksons berühmter Name in der Hand der Geschworenen. Zwischen beiden besteht eine Verbindung, denn keiner der ausgewählten Geschworenen gab an, den Namen Michael Jackson noch nie gehört zu haben. Die Staatsanwaltschaft und Strafverteidigungsanwälte machten nicht den Versuch herauszufinden,  wie stark die Tendenz der Geschworenen für oder gegen Jackson ist. Einige der Geschworenen sagten deutlich, sie seien Jackson Fans, oder dass sie ihn für einen großartigen Entertainer halten. Keiner äußerte irgendwelche Bedenken gegen Jackson. Die einzigen Bedenken gehen in die Richtung, ob die Justiz die Reichen und Berühmten mit Samthandschuhen anfasst.  Mehr als einer dachte, das sei der Fall. Ob das bedeutet, dass die Geschworenen  so Pro-Jackson sind, dass Murray keine große Chance auf einen Freispruch hat, ist eine andere Sache.

 Es sollte in der Tat keine Rolle spielen. Die Geschworenen haben eine Aufgabe, und nur diese, und das heißt, dass sie genau die vorliegenden Beweise und Zeugenaussagen abzuwägen haben um zu entscheiden, ob Murray das tat, was er laut Staatsanwaltschaft getan hat, und dass dieses Jacksons Tod verursachte. Das ist der einzige Maßstab der bei jedem Geschworenengericht zählen sollte, um Schuld oder Unschuld in einem Kriminalfall festzustellen. Natürlich wäre es der Gipfel an Naivität zu denken, dass Fakten alleine über den Ausgang in einem berühmten Fall entscheiden.

 Viele Studien und Umfragen über Kriminalfälle an denen Prominente beteiligt sind zeigen, dass Geld und Ruhm eine große Rolle in diesen Fällen spielen. Geld ermöglicht Prominenten nicht nur, die besten und cleversten Anwälte zu beauftragen, sondern auch, dass diese die Unschulds-Botschaft ihrer berühmten Klienten außerhalb des Gerichtssaals verbreiten. Murray benutzte seinen  – kraft seiner Verbindung mit Jacksons Tod – berühmten Namen dazu, ein gerissenes Verteidigungs-Team zu bekommen, um sicherzustellen, dass sie seine Unschuld außerhalb des Gerichtssaals verbreiten. Ein großer Teil davon ist ihr Schlag gegen Jackson, dass er sich selbst getötet haben soll. Nach normalen Regeln sollte so etwas nicht funktionieren. Aber unter Berücksichtigung der bei so vielen immer wiederauftauchenden Kontroversen und Zweifel an Jackson, hoffen sie darauf, Jackson und nicht Murray vor Gericht zu stellen. Das sollte definitiv nicht funktionieren.

Übersetzung: M.v.d.Linden

Quelle: http://www.washingtoninformer.com/index.php?option=com_content&view=article&id=7133:dr-conrad-murray-not-michael-jackson-on-trial&catid=50:local&Itemid=113

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From → Presse Artikel

One Comment
  1. Vorbildlich, dass hier staendig geschrieben wird.

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