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Interview mit Yamuna Sangarasivam, (Odissi-Dancer, Black or White Short Film)

by on 17. January 2022

Auszüge aus einem Interview mit Yamuna Sangarasivam von Dez. 2021. („Vox Popoli“)

(to read the english version please scroll down!)

Yamuna war Teil des Black Or White Videos, in dem sie mit Michael Jackson in einem vom traditionellen indischen Odissi Tanz inspirierten Duett zu sehen ist. Yamuna ist Doktor der Anthropologie und studierte u.a. an der University of California (UCLA) die Geschichte des klassischen indischen Tanzes.

Wie es dazu kam:

Yamuna Sangarasivam: Ich bekam die Gelegenheit, an den Auditions (für Black or White) teilzunehmen, weil ich zu der Zeit an der UCLA Geschichte des Tanzes studiert. Es wurden ständig Auditions an die UCLA geleitet, besonders an dem Studienbereich für Darstellende Kunst. Dieser Aufruf ging also ein, und ehrlich gesagt dachte ich nicht, dass es da eine Rolle für mich geben würde. Aber ein paar meiner Freunde sagte zu mir, Yamuna, wir gehen alle dorthin, es ist eine Audition für ein Michael Jackson Video! Du solltest mit uns kommen! Und ich dachte, naja, vielleicht… aber eher nicht. Ich studierte den klassischen, traditionellen Odissi Tanz. Wir haben unsere eigene Musik, unser kulturelles Erbe und ich war mir nicht sicher, wie das in ein Michael Jackson Video passen sollte. Als ich an dem Abend nach Hause kam, sprach ich mit meinen Eltern, und sagte meinem Vater, dass ich mir nicht sicher sei… Aber meine Mutter sagte, Schatz, du musst unbedingt zu dieser Audition! Es wäre eine großartige Gelegenheit für eine ethnografische Studie! Ja, und so endete ich schliesslich bei dieser Audition.

Michael Jackson war bei der Audition nicht anwesend, nur seine Choreografen und das Produktions Team. Sie filmten unsere Performance und auch ein Interview mit uns. Etwa eine Woche später bekamen wir Bescheid. Zu der Zeit arbeitete ich für einen Soziologie Professor. Ich nahm den Hörer ab und sie sagten: „Hallo, hier ist das Produktions Team von Michael Jackson. Wir würden ihnen gerne eine Rolle in dem Video anbieten. Es handelt sich um eine besondere Rolle, denn die Choreografen und Michael Jackson möchten, dass sie mit ihm ein Duett tanzen.“ Das war einfach nur fantastisch! Natürlich sagt ich zu. Sie fragten, ob ich einen Agenten habe, ich hatte natürlich keinen, würde aber schnellstens einen besorgen. Als ich den Hörer auflegte, sprang ich schreiend durchs Zimmer und rief sofort meine Eltern an. Es war alles sehr aufregend!

Am Drehtag

Y. S.: Es gab zwei Drehtage. Nach dem original Konzept wurden wir alle im Studio gefilmt. Alle Tänzer, die für das Projekt ausgewählt waren, trafen im Studio ein. So konnten wir zum größten Teil die Vorführung der anderen ansehen. Ich wurde also zuerst im Studio gefilmt, wo auch die Thai-Tänzerinnen oder die Afrikanischen Tänzer ihren Tanz aufführten. Etwa eine Woche danach riefen sie dann an, und sagten, sie wollten noch einmal an einer anderen Drehort filmen.

Sie wollten auf einem Highway drehen. Zu der Zeit war meine Mutter bei mir und sie organisierten unsere Anreise. Wir wurden mit einem Mercedes abgeholt, es war sehr beeindruckend. Sie brachten meine Mama und mich zu diesem Abschnitt des Highway, ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wo es war, aber als wir uns näherten, fiel mir auf, dass es beim Gegenverkehr, auf der anderen Seite des Highway, zu einem riesigen Stau gekommen war. Mir wurde klar, dass Michael Jacksons Produktions Team einfach einen ganzen Abschnitt des Highways gesperrt hatte, und der ganze Verkehr jetzt umgeleitet werden musste! 

Als wir am Set ankamen, bekamen wir unseren eigenen Trailer, für das Make Up und zum Anlegen des Kostüms. Es war irgendwo in der Wüste und nachts kühlte es ziemlich ab Wir fingen etwa um 20:00 Uhr mit dem Drehen an, und dann wurde die ganze Nacht hindurch gefilmt. Es war eine tolle Erfahrung. Wir bekamen unsere eigenen Regiestühle direkt neben Michael. Er war so nett, so herzlich, freundlich und bescheiden, einfach ein liebenswürdiger Mensch. Er sorgte so gut für meine Mutter, fragte sie, ob ihr kalt sei und holte eine Decke aus seinem Trailer und legte sie ihr um die Schultern. Er unterhielt sich die ganze Zeit mit ihr. 

Es war eine 3-spurige Straße und sie hatten Stunt-Fahrer. Der Verkehr lief also ständig vor und hinter uns vorbei. Michael und ich tanzten auf der mittleren Spur, und auf den anderen beiden fuhren die Autos. De Fahrer hatten LKW und alle möglichen Fahrzeuge. Ich war so aufgeregt und in meine Vorführung vertieft, dass ich manchmal etwas dem sicheren Bereich überschritt, und meine Mutter machte sich Sogen, ich könnte von dem Verkehr erfasst werden! Sie rief dann solche Sachen wie: „Michael! Michael!, du musst auf Yamuna achten, sie passt nicht richtig auf!“ Und er antwortete: „Ja natürlich, Mama, wir passen auf sie auf!“ 

Er war so aufmerksam und zeigte echtes Interesse, sogar als wir uns das erste Mal im Studio trafen. Er wollte alles über die Geschichte des Odissi-Tanzes wissen, über die Verbindung zur Spiritualität und Kosmologie, die durch die Tanzbewegungen ausgedrückt werden. Er wollte die Bedeutung aller Mudras wissen, und warum ich Odissi studierte. Er interessierte sich für mich als Mensch, und sah mich nicht nur als irgendeine Person, die für sein Projekt engagiert war.

Und ich sah bei einigen Gelegenheiten während dieses Projekts, dass Personen, die twas zu sagen hatten, die Performer oder auch das Catering Team, wirklich herablassend behandelten. Sie behandelten sie fast so, als seien sie keine Menschen. Und ich denke, das ist eine der Gefahren in diesem Geschäft, oder auch in anderen Bereichen. Leute, die irgendeine bessere Position innehaben, vergessen wo sie herkommen und dann werden Menschen schlecht behandelt. 

Aber bei Michael war es nicht so! Er ging mit jedem Künstler bei diesem Projekt respektvoll um, und wollte jeden kennenlernen, wollte, dass sie sich vorstellen, sprach mit ihnen und hat sie als talentierte Künstler, die mit ihm an diesem Projekt arbeiteten, anerkannt.

Er ist eine aussergewöhnliche Ikone des 20. und 21. Jahrhunderts. Egal, in welche Ecke der Welt du kommst, man wird Michael Jackson kennen. Keinen anderen Künstler wird man so gut kennen, wie ihn, sein Talent und die Geschichte von Michael Jackson.

Und dieses Video ist, setzt man es in den historischen und politischen Kontext, so bedeutungsvoll. Das war die Zeit des ersten Golfkriegs der USA.. Es war die Zeit, wo es erneut zu rassistischen Ausschreitungen kam. Erneut wurden wir daran erinnert, in welchem Ausmaß schwarze und braune Körper das ziel von Polizeigewalt waren. Zu der Zeit war es Rodney King, und es war zu der Zeit, als gerade jeder damit begann, mit Videos selbst zu dokumentieren, und dieses Video (von Rodny King) ging viral. Das alles wurde bekannt als „L.A. Krawalle“ – aber in Los Angeles nannte man es Rebellion… das war die Lage von der aus wir starteten.

In dem (BoW) Video geht es um Spaltung und um die Gewalt die durch eine gespaltene und rassifizierte Gesellschaft, wie die, in der wir leben, entsteht. Und um Polizeigewalt. Diese Bilder, die im Hintergrund zu sehen sind, der KKK und die weißen Bettlaken in dem Rap-Segment. Und natürlich dieser kontroverse Teil mit dem Black Panther, wenn er sich in einen schwarzen Panther verwandelt und dann wieder zurück. Der Erfahrung verinnerlichter Gewalt in diesem Teil war es, die sehr kontrovers gesehen wurde. Es war sogar so, dass ich mit einigen Kollegen am UCLA eine Art akademisches Forum bildeten und dieses Musikvideo analysierten und es dann auf mehreren Symposien vorstellten. Da gab es diese Verbindung von Wissenschaftlern und Künstlern, und wir waren sehr froh, diese Verbindung erfahren zu dürfen.

Das war also meine Realität zu dieser Zeit, und auch Michael durchlebte das. Und er wurde als Künstler zu einem Aktivist und brachte diese Dinge durch die Pop-Kultur zur Sprache! Durch einen Pop Song sagte er „es ist egal, ob du schwarz oder weiß bist, du kannst mein Baby (Schatz) sein“ Grenzüberschreitend denken in dem man rassistische Grenzen überschreitet! …und bis heute frage ich meine Studenten: „wenn wir darüber nachdenken, wer die Liebe unseres Lebens sein könnte, in wen wir uns verlieben würden, wenn wir über unser Verlangen träumen… wie ist dieses Ideal unserer Liebe des Lebens rassifiziert? Stellt ihr euch eine Identität ausserhalb eurer eigenen Rasse vor? Ausserhalb eurer nationalen oder religiösen Identität?“

All diese Visionen die Kriege schürten und immer noch schüren, sowohl in unseren intimsten Beziehungen als auch grenzüberschreitend, quer durch alle Gesellschaften und Nationen. Er sprach in diesem Musikvideo all diese Probleme an und stellte gleichzeitig auch noch diese coole Morphing-Technik vor. Er war einer der Künstler, die Musikvideos zu einem Phänomen machte, so wie auch Thriller… das ist ein ikonisches Musikvideo. Er hatte also diesen gewaltigen Einfluß. 

Und in seiner Gesellschaft zu sein, und zu diesem Projekt eingeladen zu werden war mehr als eine große Ehre!

Dance rehearsal Black or White:

English version:

Interview with Yamuna Sangarasvam Odissi Dancer at Black or White (excerpts, full interview in the video on top of the page)

Festember is thrilled to kick off the Vox Populi series of guest lectures for the year with the exuberant Yamuna Sangarasivam! 

Yamuna Sangarasvam: The way that the audition came to me was that I was a student of UCLA at the time studying the Anthropology of dance. And there are constantly auditions that come through to UCLA, especially to the departments of the perfoming arts. So the call for audition came and to be honest, didn’t think that were was a role for me. And a group of friends was like, „Yamuna, we’re all gonna go, there’s a call for audition for a Michael Jackson video, so you should come with us!“ But I was like, „maybe, but I don’t think so“ I was at that classical Odissi tradition, we have our music, classical heritage, not sure how this is gonna fit into a Michael Jackson video. So I came home that evening and I was talking to my parents, and I said, „dad, I don’t know..“ But mum said, „darling, you absolutely should go for this audition! It would be a great opportunity for an ethnographic study!“ And I said, „mum, of course!“ And that’s how I ended up at the audition. 

At the audition Michael Jackson was not there, the choreographer and the production people were there and they recorded our performance and they recorded an interview. And then a week or so later they informed us. I was working for a sociology professor at the time and so I picked up the phone and they said, „hello, this is the Michael Jackson Production company, we’d like to offer you a position, a role in the video. And it’s a very special role, because the choreographers and Michael Jackson want to perform a duet with you.“ Which was just amazing! And of course I said yes and they wanted to know whether I had an agent, and I’m like, no, but I definitly find one! And as soon as I put down the phone I just screamed and was just jumping off the walls and immediately called my parents… so it was very exciting! 

The day of the shoot

There were two sessions of filming and recording. So the original conceptualisation was to have all of us filming at the studio. All of the dancers that were selected for the project, we all arrived at the studio so we were able to see each others peformance for the most part. So originally I was recorded in the studio where you see the Javanese dancers or the Thai dancers performing, as well were you saw the African dancers perform. And then a week or so later they called back and informed us that they wanted to shoot on location. 

They wanted to shoot it on a Highway. And my mum was with me at the time and they organized a transportation to come and pick us up, so a Mercedes came and it was just like, wow, this is amazing! So they came and picked up mum and I and we travelled to this segment… I’m not exactly remembering where it was, but as we’re aproaching the other side of the Highway, the opposing traffic, there was this back up of traffic and then I finally realized that the Michael Jackson production company had blocked up this segment of the Highway and had to redirect all this traffic. So sorry to be inconvenience to all those drivers at tat time!

So we arrived on set and we got our own trailer to get ready with make up and costume. And it’s the desert, so it gets pretty cold at night. We probably started shooting at around 8pm and once we started filming we filmed all through the night. And it was such a wonderful learning experience, we had our own director’s chairs right to Michael’s and he was so gracious, such a warm, kind and interested down to earth, really humble, sweet person. He took such good care of my mum. He asked her – you know, it was getting cold – and he went to his trailor and collected a blanket and put it around mum’s sholders, and he was always talking with her…

It was a three-lane traffic and they had stunt drivers, so that was live traffic that was flowing in front of us and behind us. In three lanes Michael and I were dancing in the center lane and on the lanes behind and in front of us there was traffic. So the stunt drivers were driving trucks and all different kinds of vehicles. And I’d be so excited and carried away in the performance so that I kind of lost track of my spacing and mum got worried that I might get run over by traffic! So she would say, „Michael, Michael, you have to take care of Yamuna because she’s not paying attention!“ And he’s like, „Yes of course, mum, we make sure that she’s safe…“ and things like that.

You know, he was so attentive and really interested even then we were in the studio rehearsing, when we first met. He wanted to know the history of the dance and it’s connection to spirituality, the mythology and te cosmology that are represented in the movement. What all the mudras meant. And how I came to learn and study odissi. He wanted to learn about me as a person, recognize me as an interesting person that he wanted to meet. Not just as someone who’s been hired for this project. 

And I saw it in some instances when I was was involved in this project where people who were in positions of power would treat performers or the catering staff pretty in a mean spirited way. They almost dehumanized them. And I think that’s one of the dangers in any industries… that people who got in to a position of power forget where they came from and then, unfortunately, people get mistreated.

But not so with Michal Jackson! With each artist and performer that showed up for his project, he was so respectful and really wanted to get to know each and every person and to introduce themselfes and talked to people to get to know them and recognized them as talented artists that joined him in this project. That was really memorable!

He’s such an extraordinary icon of the 20th- and 21th-century, just an extraordinary icon. …You go to any corner of the world, they’ll know Michael Jackson! They wont know other artist to the extent of the name and the figure and the talent and the history of Michael Jackson.

…and that video is really meaningfull at that time, placing it in an historical political context. It was the time when the US was embarking into the first Gulf war. It was the time of just another explosion of racialized violence. We continued to be reminded how black and brown bodies are targeted for police brutality. At that time it was Rodney King. That was the time then the video documentation by every day people began and that video going viral. And then what was known as the LA riots but in LA people talked about it as the rebellion… you know, we were coming out of that situation. 

So that video talked about the division and the violence that comes out an segregated racialized society that we live in. And police brutality. Those images that flowed through… the KKK and the white sheets in that segment of rap. And then of course the controversial segment of the black panther when he morphes into the black panther and he morphes out again. And the experience of internalized violence that we saw in that segment that became really controversial. 

In fact some collegues from UCLA, we created an academic panel and analysed this music video at the time und we presented it at several symposia. There’s the connection of academics and performes and it was really beautiful that we found that connection.

So those were the realities at the time that I lived through, that Michael was living through and as an artist he himself was an activist to bring these issues to live through popular culture! And through a popular song to say „it don’t matter if you’re black or white. You can be my baby.“ To think about transnational in acrossing racional lines! … and to this day I ask students, „if we imagine who would be the love of our life, who we would fall in love with, and who would we dream about in our desires… how is that ideal love of your life racionolized? Do you imagine someone outside of your racionalized identity. Your national identity, your religious identity?“

All those visions that created and continue to create wars, both, whithin us in our most intimate relation and then across boarders, communities and across nations. So he was addressing all of these issues in that music video at the time and introducing the cool morphing technique in music video. And he was one of those artists creating music videos as this phenemen, like Thriller… that was an iconic music video. So he really had a great impact. And to be in his presence and to be invited into this project is truly, truly an honor!

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