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Brett Ratner Interview mit Michael, Feb. 2004

by on 24. February 2017

Erklärung von Brett Ratner zum Entstehen dieses Interviews:

Vor einigen Jahren waren Michael und ich auf Reisen in Florida und eines frühen Morgens kam Michael in mein Zimmer mit SEINER Videokamera, begann zu filmen und befragte mich zu meinem Leben und warum ich davon geträumt habe, einmal Regisseur zu werden. Er war immer interessiert an Leuten und neugierig auf ihre Hoffnungen und Träume. Nach etwa einer Stunde fragte ich ihn, ob ich ihn interviewen über sein Leben und seine Träume interviewen könnte. Er sagte ja und gab mir seine Kamera. Ich nahm mir dann einen Stift und ein paar Blatt Papier und schrieb einige Fragen an ihn auf, von denen ich dachte, dass sie interessant wären. Als ich ihm die Fragen vorlas, bemerkte ich mitten drin, dass die Kamera nicht angeschaltet war. Also schaltete ich sie an. Ich habe hunderte von Stunden Filmmaterial von uns, wie wir zusammen abhängen, reisen, tanzen und unsere Gedanken über das Leben teilen. Dieses Video war ein sehr persönliches Gespräch zwischen zwei Freunden, das ich zugänglich machen wollte, damit die Leute seine Menschlichkeit und seine wunderbare Seele sehen. Das Interview wurde vor einigen Jahren transkribiert und im „Interview Magazine“ mit Michaels Erlaubnis veröffentlicht. Bitte, schaut einfach nach. Er war glücklich, es zu teilen und es gefiel ihm, dass es ein Gespräch zwischen zwei Freunden war und kein Journalist, der versuchte, neugierig seine Nase in sein [Michaels] Privatleben zu stecken.“

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Brett Ratner & Michael Jackson

(Anmerkung: Leider konnte ich die schriftliche Version des Interviews im Interview Magazine nicht finden, weiß also auch nicht, ob es wirklich je dort veröffentlicht wurde.)

BRETT RATNER: Hast Du einen Mentor oder jemanden, der Dich inspiriert?

MICHAEL JACKSON: Ja, das habe ich: Berry Gordy, Diana Ross, Thomas Edison, Walt Disney, James Brown, Jackie Wilson.

BR: Und was hast Du von ihnen gelernt?

MJ: Ich habe eine Menge von ihnen gelernt — wie man ein Visionär ist, wie man kreativ ist, wie man ausdauernd ist, wie man zielstrebig ist, wie man einen eisernen Willen bekommt und niemals aufgibt, egal, was kommt. Weisst Du?

BR: Was war Dein erster Job in der Musikindustrie, und wie bekamst Du ihn?

MJ: Mein erster Job, wahrscheinlich … Mann, ich erinnere mich nicht so weit zurück. Ich war etwa 6 Jahre alt. Vielleicht war es “Mr. Lucky’s”. Ich glaube, es war ein Klub — ja, “Mr. Lucky’s”. Wir sind dort aufgetreten.

BR: Und wie bekamst Du den Job?

MJ: Ich weiss nicht; mein Vater würde das wissen. Ich war zu klein.

BR: Was war Deine erste große Chance und das erste große Ding, das Dir jemals passiert ist?

MJ: Die wirklich große Chance war, als Motown uns unter Vertrag nahm. Wir spielten in Detroit vor, und Berry Gordy lud alle unsere Lieblingsstars, die wir als Kinder sahen, in eine kleine Stadt in Indiana ein: Diana Ross, Smokey Robinson & The Miracles, The Tempations und Stevie Wonder — jeder war da. Es es fand neben einem Indoor-Pool in einer riesigen Villa statt, Marmor überall. Wir traten auf, und sie flippten einfach aus. Sie liebten es. Und [Gordy] sagte, “Jungs, ihr seid engagiert.”

BR: Wirklich?

MJ: Ja.

BR: Und Du erinnert Dich an diesen Tag?

MJ: Oh, ich erinnere mich an ihn.

BR: Welche Elemente Deines Jobs bringen Dich dazu, jeden Tag zur Arbeit zu gehen?

MJ: Ich will jeden Tag arbeiten — Einfach die Idee, Welten zu schaffen …! Es ist wie eine Leinwand zu nehmen, eine leere Leinwand, weisst Du, eine leere Tafel. Man gibt dir Farbe, und wir kolorieren und malen einfach und erschaffen Welten. Ich liebe einfach diese Idee. Und auch, wenn Leute es sehen und ehrfürchtig inspiriert sind, wenn sie es sehen.

BR: Welche Deiner Eigenschaften halfen Dir, Dich dorthin zu bringen, wo Du heute bist?

MJ: Glaube und Entschlossenheit. Und Übung.

BR: Genau. Übung macht den Meister. Was hättest Du in Deiner Karriere anders gemacht, wenn Du damals gewusst hättest, was Du jetzt weisst?

MJ: Was hätte ich anders gemacht…? Mal sehen … mehr üben.

BR: Mehr üben?

MJ: Ich habe viel geübt.

BR: Du hast verdammt viel geübt! [Michael lacht] Aber Du würdest mehr üben? [Michael nickt]

Was ist die größte Lektion, die Du gelernt hast?

MJ: Nicht jedem zu vertrauen. Nicht jedem in der [Entertainment-]Industrie zu vertrauen. Es gibt eine Menge gieriger Betrüger. Und Plattenfirmen stehlen. Sie betrügen. Du musst sie überwachen. Und es ist Zeit für Künstler, gegen sie aufzubegehren, weil sie Künstler völlig ausnutzen. Total. Sie vergessen, dass es die Künstler sind, die die Firma erschaffen, nicht die Firma, die die Künstler erschaffen. Ohne das Talent würde die Firma nichts als nur Hardware sein. Und man braucht ein wirklich gutes Talent, das die Öffentlichkeit sehen will.

BR: Was sind einige Deiner Lieblingsalben?

MJ: Meine Lieblingsalben wären Tschaikowskis “Nussknacker Suite”, Claude Debussys größte Hits, welche sind, Du weisst, “Claire de Lune” und “Arabesque” und “The Afternoon Of A Faun”. Ich liebe Marvin Gayes “What’s Going On”, James Browns “Live At The Apollo”, “The Sound Of Music” [Soundtrack]. Ich liebe Rodgers and Hammerstein. Ich liebe die großen Film-/Musical-Schreiber sehr, und ich liebe Holland-Dozier-Holland von Motown — sie waren Genies. So viele großartige Schreiber. So viele Große.

BR: Irgendwelche andere großartige Alben, etwa zeitgenössische Alben?

MJ: Großartige Alben … Es ist schwer, weil Alben heutzutage einen oder zwei großartige Songs haben und die restlichen sind Mist.

BR: Oder ältere — sowas wie Marvin Gaye oder Sly.

MJ: Sly & the Family Stone — Ich mag alles, was sie tun. Stevie Wonder ist ein Genie.

BR: Welches Album?

MJ: Alle. “Talking Book”. Ich liebte es, als er “Living For The City” gemacht hat. Ich vergesse den Namen [des Albums]. Fantastisch. Ich glaube, es war “Innervisions” — fantastisch. Diese Musik zu hören, lässt mich zu mir sagen: ‘Ich kann das tun, und ich glaube, ich kann das auf einer internationalen Ebene tun.’

BR: Wirklich?

MJ: Wirklich, und dann, als die Bee Gees in den 70ern herauskamen, das hat es mir gegeben. Ich habe geweint. Ich habe geheult, während ich ihre Musik gehört habe. Ich kannte jede Note, jedes Instrument.

BR: [singt] “This broken heart …”

MJ: [singt] “How can you mend …”

BR: [sings] “This broken heart …”

MJ: [singt] “How can you stop the rain from falling down?” Ich liebe das. [singt mit Ratner] “How can you stop the sun from shining? What makes the world go ’round.” Ich liebe dieses Zeugs. Und als sie Saturday Night Fever gemacht haben, das hat’s mir gegeben. Ich sagte, “Ich muss das tun. Ich weiß, ich kann das tun.” Und wir kamen mit Thriller heraus. Und ich habe einfach Songs geschrieben. Ich schrieb “Billie Jean”. Ich schrieb “Beat It”, “Startin’ Somethin'”. Habe einfach geschrieben und geschrieben. Es war klasse.

BR: Hast Du irgendwelche Poster in Deinem Zimmer aufgehängt, als Du ein Kind warst?

MJ: Ja. Brooke Shields, überall. Meine Schwestern wurden eifersüchtig und rissen sie von der Wand ab.

BR: Was sind die großen Shows, die Du gesehen hast, Konzerte?

MJ: James Brown. Jackie Wilson. Die wirklichen Entertainer, die Wahren, lassen einen Gänsehaut bekommen.

BR: Es war James Brown? Wo hast Du ihn gesehen?

MJ: Wir mussten immer nach ihm auf der Bühne sein, weil er auftrat und danach waren wir dran in der Amateur-Stunde. Also war ich in den Seitenflügeln [des Theaters] und habe jeden Schritt, jede Bewegung studiert —

BR: — am Fernseher?

MJ: Nein, im Apollo [Theater].

BR: Amateur-Stunde im Apollo. Und Du hast ihn auftreten sehen?

MJ: Ja, und Jackie Wilson. Alle von ihnen – The Delphonics, The Temptations.

BR: Aber erinnerst Du Dich an eine Show? Du hast The Temptations auch gesehen?

MJ: Ja.

BR: Aber gab es eine Show, wo Du sagtest: “Oh, mein Gott”?

MJ: James Brown, Jackie Wilson.

BR: Im Apollo?

MJ: Ja, sie brachten mich zum Weinen. Ich habe sowas noch nie gesehen. Diese Art der Emotion, diese Art des Fiebers, Gefühls — es war, als wären sie auf einer höheren, spirituellen Ebene. Sie waren wie in Trance, und sie hatten das Publikum in den Händen. Ich liebte es einfach, wie sie es derartig kontrollieren konnten, diese Art von Macht. Als sie sangen, hatten sie Tränen, die auf ihren Gesichtern herunterkullerten. Sie steckten da derartig drin.

BR: Was sind einige Deiner Lieblingssongs?

MJ: Lieblingssongs für alle Zeit? Ich liebe Burt Bacharach sehr. Alles von Motown. The Beatles, z.B. “Eleanor Rigby”, “Yesterday”. Alles von The Surpremes. All diese Sachen sind großartig. Ich glaube, die 60er hatten einige der besten Melodien aller Zeiten mit Peter, Paul and Mary, und, Du weißt, alle anderen dieser Leute. The Mamas and the Papas waren wundervoll. Und The Drifters liegen ein bisschen weiter zurück, aber ich liebe diesen Song “On Broadway” — er ist genial. Die einfachen sind die besten, glaube ich. Ich liebe “Alfie” — so wunderschön. Es gibt so viele. Genauso Filme, es gibt so viele großartige Filme.

BR: Nenne ein paar Dinge, die hilfreich sein könnten für jemanden, der ins Musikgeschäft einsteigen will.

MJ: Glaub an dich selbst. Studiere die Großen und werde größer. Und sei ein Wissenschaftler. Analysiere, analysiere.

BR: Du hast vorher etwas anderes gesagt: Gib nicht auf.

MJ: Egal, was kommt. Egal, ob die ganze Welt gegen dich ist oder dich ärgert oder sagt, du wirst es nicht schaffen. Glaube an dich selbst. Egal, was kommt. Einige der großartigsten Menschen, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben, wurden so behandelt — Du weißt schon, “Du wirst es nicht schaffen, du wirst es nirgendwohin bringen.” Sie lachten über die Wright-Brüder. Sie lachten über Thomas Edison. Sie lachten über Walt Disney. Sie machten Witze über Henry Ford. Sie sagten, er wäre unwissend. Disney flog von der Schule. Sie liessen vor Gericht seine Intelligenz testen. Das ist, wie weit sie gingen. Diese Menschen haben unsere Kultur geformt und verändert, unsere Gewohnheiten, die Art, wie wir leben, die Art, wie wir Dinge tun.

Und ich glaube, durch die Menschen pflanzt Gott solche Samen auf die Erde. Du bist einer, ich bin einer. Wir bringen etwas Glück, Wirklichkeitsflucht, etwas Freude, etwas Magie auf diese Welt. Weil ohne Entertainment, was wäre die Welt dann? Weißt Du? Was wäre sie wirklich ohne das? Und am liebsten von allem mag ich den Film. Die Macht und Magie der Filme. Sie ist die größte, sie ist die ausdrucksstärkste aller Kunstformen. Ich denke, sie berührt die Seele. Musik und Filme sind die ausdrucksstärksten. Es ist beinahe wie eine Religion: Du wirst so hineingezogen, so darin gefangen genommen. Du gehst in ein Kino als eine andere Person als Du herauskommst. Es beeinflusst einen derartig. Das ist machtvoll. Ich glaube, das ist stark. Ich liebe das.

BR: Wenn du ein Publikum fühlen lässt.

MJ: Ja. Ja.

BR: Sie identifizieren sich damit.

MJ: Ja, sie leben es. Sie sind ein Teil davon. Sie vergessen, dass sie im Kinosessel sitzen.

BR: Die Erfahrung, einen Kinofilm zu sehen, beeinflusst ihr Leben.

MJ: Ihr ganzes Leben. Es könnte ihr Leben verändern.

BR: Ja, ich erinnere mich daran, Star Wars gesehen zu haben, in einem Kino, als ich 7 Jahre alt war. Es ist eine andere Erfahrung für Paris und Prince, es auf DVD heute zu sehen, 27 Jahre später. Ich sah es, als es gerade herauskam, mit all dem Schock und Ehrfurcht der damaligen Zeit. Niemand hatte jemals ähnliches vorher gesehen. Es gab Warteschlangen, die sich [mehrere] Straßenblöcke weit hingezogen haben, und ich konnte zuerst gar nicht hinein in der ersten Zeit. Ich musste am nächsten Tag wiederkommen, um es wieder zu versuchen. Die Erinnerung daran, so verzweifelt gewesen zu sein mit 7 Jahren, um diesen Film zu sehen, macht es zu einer sogar noch unvergesslicheren Erfahrung. Wenn du sowas zu ersten Mal sieht, dann beeinflusst es dein Leben andauernd. Es ist wie einen Song oder einen Künstler zum ersten Mal auftreten zu sehen. James Brown zu sehen und dieser Moment der Tränen, die aus deinen Augen kommen, ist anders als es 20 Jahre später im Radio zu hören.

MJ: Ich kann Dir nicht sagen, wie unglaublich das war. Ich liebe die großen Entertainer einfach, die großen Performer, die großen Showmenschen, die großen Geschichtenerzähler. Allein vom Zuschauen wird man hypnotisiert/verzaubert. Du bist darin gefangen. Ich liebe es. Nur ein Spotlight, Baby.

BR: Frank Sinatra.

MJ: Ja, diese Jungs sind cool. Und Sammy Davis. Ich liebe es einfach, die ganze Sache. Es ist magisch, es ist wirkliche Magie. “

(Übersetzung: CTE)

>>  Interview Transcript English

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