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TV Guide Interview Dezember 1999

by on 4. December 2016

Dieses kleine Interview wurde am 29.11.1999 in Michaels Hotel Suite in New York aufgezeichnet und erschien im TV Guide* am 4 Dezember 1999.

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Originalversion englisch

TV Guide: „Thriller“ veränderte Musikvideos für alle Zeiten. Wie kamst du auf die Idee?

Michael: Mein Bruder Jackie kam zu mir nach Hause und sagte: „Hast die diese Show im Fernsehen gesehen? Sie spielen immer nur Musik, es heisst MTV.“ Ich sah es an und fand das Konzept sehr interessant. Was mir nicht gefiel war, dass diese Videos wie eine Bildercollage wirkten; ich dachte mir, wenn ich ein Video machen würde, hätte es mehr Unterhaltungswert. Mein Traum war es, etwas mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende zu drehen, wie einen Kurzfilm.

TV Guide: Hast du dir je vorgestellt, dass Thriller und die Videos für dieses Album deine Karriere in die Stratosphäre katapultieren würden?

Michael: Ich hab nicht darüber nachgedacht, wie sich das Album entwickeln würde, ich wollte einfach nur etwas erschaffen, das ich auch selbst gerne ansehen würde. Und mein Ziel bei dem Video für Thriller war, etwas zu kreieren, das gleichzeitig beängstigend, lustig und aufregend wäre.

TV Guide: Wie blickst du jetzt auf diese Ära zurück?

Michael: Ich sehe es als glückliche und traurige Zeit zugleich. Ich konnte viele meine Träume verwirklichen. Die Bekanntheit war wunderbar.

TV Guide: Du sagst auch, dass es eine traurige Zeit war.

Michael: Yeah. Wenn ich nicht genau das bekomme, was mir vorschwebt, werde ich schnell deprimiert.

TV Guide: Du willst sagen, dass das Album trotzdem nicht genau das war, was du dir vorgestellt hattest?

Michael: Nicht ganz.

TV Guide: Welche Songs haben dich enttäuscht?

Michael: “Wanna Be Startin’ Something.” Das Songschreiben ist eine oft frustrierende Kunstform. Du muss exakt das aufs Band bringen, was du in deinem Kopf hörst. Wenn ich es da oben höre (Tippt sich an den Kopf), ist es wundervoll. Ich muss genau das versuchen, zu beschreiben und aufs Band zu bringen. „The Girl Is Mine“ (sein Duett mit Paul McCartney) war nicht genau das, was ich wollte, aber es ist sehr schön. „Billie Jean“ jedoch ist genau richtig. Ich arbeitete sehr hart daran, drei Wochen alleine nur an der Basslinie.

TV Guide: Der Handschuh, die weißen Socken, die rote Lederjacke – wer kam auf diese Dinge?

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Michael: Bei dem Handschuh war es einfach so… ich dachte, einer sei cooler als zwei. Ich akzentuiere gerne meine Bewegungen. Das Auge folgt immer dem Hellen – also dem Handschuh. Und die Füße, wenn du tanzt kannst du besonderes Augenmerk auf deine Bewegungen legen, du musst etwas Licht darauf lenken. Deshalb trug ich die weißen Socken. Und für das Design der Jacke setzte ich mich mit den Leuten zusammen, die die Kleidung herstellen und sage ihnen, an welcher Stelle ich Knöpfe, Schnallen oder ein bestimmtes Design möchte.

Aber ich trage diesen Look trage nicht mehr. Man sollte nicht in der Vergangenheit gefangen bleiben. Aus diesem Grund habe ich in meinem Haus auch keine Auszeichnungen. Keine Goldenen Schallplatten, keine Grammys. Sie sind alle in einem Lagerraum. Ich möchte nicht überheblich sein, denn dann würde ich denken, es gäbe nichts mehr, was ich noch erreichen könnte. Aber das stimmt nicht.

TV Guide: Denkst du, dass deine kreativste Zeit noch kommt?

Michael: Ich glaube, das Beste kommt noch, aber ich möchte in andere Bereiche gehen und nicht ein Pop-Album nach dem anderen machen.

TV Guide: Gibt es andere Künstler die aus musikalischer Sicht interessante Dinge tun?

Michael: Es gibt einige wunderbare, kreative Ideen, aber ich sehe niemanden, der innovativ ist. Sie nehmen meistens was schon vorhanden ist und versuchen, es in das Neue zu integrieren.

TV Guide: Gibt es jemanden mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest?

Michael: Es gibt viele Künstler, die ich bewundere, aber mit ihnen zusammen arbeiten… nein.

TV Guide: Was ist deine Lieblingsmusik?

Michael: Du wirst überrascht sein. Heute morgen sang ich Rogers and Hammerstein. Solche Sachen singe ich zuhause. „My Favorite Things“ aus „The Sound of Music“, und den Song von Streisand, „Absent Minded Me”. Ich bin auch Liebhaber der großen, alten MGM Musicals. Ich liebe großartige Melodien, ich bin ein großer Fan davon.

TV Guide: Welchen Song performst du am liebsten?

Michael: „Billie Jean”, aber nur, wenn ich es nicht immer auf die gleiche Art machen muss. Das Publikum möchte immer bestimmte Dinge sehen. Ich muss in diesem Lichtkegel moonwalken. (Lacht) Ich würde gerne eine andere Version machen.

TV Guide: Wer ist heute dein Publikum?

Michael: Ich weiß es nicht. Ich versuche nur, wundervolle Musik zu schreiben, und wenn sie es mögen, dann ist es wunderbar. Ich denke nicht über demografische Daten nach. Die Plattenfirma versucht mich dahin zu bringen, dass ich so denke, aber ich erschaffe einfach das, was ich gerne hören würde.

TV Guide: Gibt es für das Millennium einen „neuen Michael“?

Michael: Yeah, ich habe einige Dinge geplant. Es wird völlig anders sein, als das, was ich bisher tat. Auf dem neuen Album ist ein Song namens „I Have This Dream“. Es ist ein Millennium Song über die Welt und die Umwelt, den ich mit Carol Bayer Sager und David Foster zusammen schrieb

TV Guide: Wirst du wieder auf Tour gehen?

Michael: Ich glaube nicht. Es strapaziert mich zu sehr.

TV Guide: Du bist in der Öffentlichkeit nur selten ohne Verkleidung unterwegs. Warum?

Michael: Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich habe alles versucht. (Lacht) Fett-Kostüme, Nonnen, Clowns. Trick or Treat ist das tollste für mich. Und Fasching.

TV Guide: Denkst du, es wird je möglich sein, dass du dich draussen einfach als du selbst ungestört bewegen kannst?

Michael: Ich verkleide mich aus verschiedenen Gründen. Ich beobachte gerne Menschen – wie eine Fliege an der Wand. Auch wenn es nur zwei ältere Damen sind, die auf eine Bank sitzen oder ein paar Kinder auf einer Schaukel. Weil ich nicht weiß, wie sich solche alltäglichen Situationen anfühlen. Einmal war ich in einem Plattenladen, komplett verkleidet, und da waren diese Mädchen, die mein Album betrachteten und über mich redeten. Ich stand quasi genau neben ihnen. Es war wunderbar! Ich liebe das.

Aber wenn ich ohne Verkleidung in die Öffentlichkeit gehe, kann ich nicht diese Art Spaß haben. Die Leute sagen immer: „Warum gehen wir nicht einfach auf eine Party?“ Aber sobald ich dort ankomme ist die Party vorbei – zumindest für mich. Für sie ist es eine Party, aber alle halten ihre Karten in mein Gesicht und fragen: „Erinnerst du dich an mich? Wir haben uns vor 4 Jahren getroffen…“ Und ich antworte: „Ich kann mich nicht erinnern.“ Für mich ist das also kein Genuß. Sie spielen alle meine Songs. Aber ich kam ja nicht, um meine eigene Musik zu hören. Und jeder ruft mir zu: „Tanze!“ Schön, aber zur Abwechslung würde ich eigentlich lieber euch tanzen sehen.

TV Guide: Wenn du all die negative Presse bedenkst, die du bekamst, glaubst du, dass die Leute dich einmal nur nach deiner Musik beurteilen?

Michael: Das glaube ich nicht. Weil die Presse mich zu diesem Monster gemacht hat, zu dieser irren Person, die bizarr und verrückt ist. Aber ich bin nichts dergleichen.

TV Guide: Gibt es etwas, was du tun kannst, um diesen Eindruck zu verändern?

Michael: Nun ja, alles war ich tun kann, ist einfach ich selbst zu sein, und von meiner Seele aus zu kreieren. Aber sie nehmen alles und manipulieren es.

TV Guide: Aber wie könntest du erreichen, dass die Leute, die denken: „er ist verrückt“, „er hat diese exotischen Tiere in seinem Haus“ und solche Dinge, doch glauben würden, dass du ok bist?

Michael: Gott hat die Tiere erschaffen. Sie sind liebenswert, sie sind wunderbar. Ich sehe das genau so, wie die Anthropologin Jane Godall, oder andere Naturforscher. Ich halte mein Interesse für Tiere nicht für irgendwie seltsam oder verrückt.

TV Guide: Was ist mit den kosmetischen Operationen?

Michael: Ganz Hollywood hat kosmetische Operationen! Ich weiß nicht, warum man immer mich nennt. Die Presse übertreibt es. Es ist nur meine Nase. Aber sie tun so, als wäre es überall. Nur die Nase reicht ihnen nicht. Elvis hat seine Nase operiert, Lisa Marie hat es mir gesagt. Aber darüber reden sie nicht. Sie picken immer mich heraus. Das ist nicht fair.

TV Guide: OK, du hast Lisa Marie genannt. Ich habe gelesen, dass du gesagt hättest, sie bereue, nicht einen Sohn mit dir zu haben und dass sie immer noch ein Kind mit dir wolle. Stimmt das?

Michael: Also ich weiß nur, dass sie es damals so empfand. (Lacht) Aber egal, was ich sage, diese Frage bringt mich in Schwierigkeiten – die nächste Ausgabe von TV Guide wird wahrscheinlich schreiben: „Lisa Marie sagt, sie will ihn nie wieder sehen!“

TV Guide: Seid ihr beiden jetzt Freunde?

Michael: Lisa ist süß. Ich mag sie sehr gerne und wir sind befreundet. Und wer weiß, was morgen sein wird? Ich habe keine Ahnung, wie sie sich heute fühlt. Ich sage nur soviel, dass sie mich und die Kinder (aus Jacksons 2. Ehe mit Debbie Rowe) besuchen kommt, oder wir reden am Telefon, solche Dinge.

TV Guide: Glaubst du, dass du noch einmal heiraten wirst?

Michael: Das wäre schön.

TV Guide: Alle guten Dinge sind drei?

Michael: Es muss mich einfach umhauen. Ich muss diese Person treffen und denken: „Das ist sie. Das ist die Richtige.“

TV Guide: War das bei deinen beiden Heiraten der Fall?

Michael: Yeah. Natürlich!

TV Guide: Wärst du gerne immer noch verheiratet?

Michael: Ja, wäre ich. Aber man muss sich für das entscheiden, was am besten ist. Was passiert, passiert. Das muss man respektieren.

TV Guide: Wer sind deine engsten Freunde?

Michael: Auf jeden Fall Elizabeth [Taylor]. Wir gehen jeden Donnerstag zusammen ins Kino.

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TV Guide: Ihr geht in ein öffentliches Kino?

Michael: Ich wollte in die Warner Bros. Studios, aber sie war dagegen. Sie sagte: „Nein, ich werde dich hier raus bringen.“ Also gingen wir genau in diese Gegend – ich kann natürlich nicht sagen, wohin – und liefen einfach ins Kino. Und meistens ist es leer, weil die meisten Leute um diese Zeit arbeiten. Die Kino-Angestellten sagten: „Wow! Kommt herein,“ und wir müssen nicht einmal bezahlen. Dabei sind wir die, die es sich leisten können. (Lacht)

TV Guide: Lass uns über deine Kinder sprechen. [Prince Michael, 2, und Paris Katherine, 1]. Ich muss dich über eine Sache befragen, die kürzlich in der Zeitung stand, dass du und Debbie nicht die biologischen Eltern deiner Kinder wärt. Das ihr eine Eizelle einer anderen Frau eingepflanzt wurde und sie künstlich befruchtet wurde.

Michael: Alles totaler Blödsinn. Nur Müll, nichts davon ist wahr.

TV Guide: Leben die Kinder mit dir zusammen auf Neverland?

Michael: Vor zwei Wochen waren sie auf Neverland. Ich glaube, ihnen ist zum ersten Mal bewusst geworden, dass das ihr Zuhause ist. Sie dachten immer, ihr Zuhause wäre irgendein Hotel oder Resort. Wir sind überall in Hotels. Sie realisierten garnicht, dass der Zug und die Bahnstation für sie ist, dass all diese Fahrgeschäfte für sie sind. Jetzt sagen sie ständig: „Wir möchten nach Neverland!“

TV Guide: Beschreibe ihre Persönlichkeiten.

Michael: Prince erzählt mir ständig, er möchte Filme machen. Ich kaufte ihm diese Videokamera. Und ich sage: „was machen wir dieses mal?“ Und er antwortet: „Star Wars!“. Also stellen wir ein paar Figuren auf den Tisch und bewegen sie.

Paris beginnt gerade zu sprechen und zu laufen. Sie ist so süß. Und es überrascht mich, dass sie Puppen mag. Meine Schwester Janet mochte solche Sachen nicht. Sie war ein Wildfang, und ich dachte, Paris wäre auch so.

TV Guide: Du wechselst ihnen die Windeln und fütterst sie?

Michael: Yeah, und ich mache das gerne. Und es ist ganz schön viel Arbeit. Ich dachte, ich sei darauf vorbereitet, weil ich alles über Kindererziehung gelesen habe, aber es ist viel, viel spannender, als ich es mir je hätte vorstellen können! Ich bereue nur, dass ich es nicht schon früher getan habe.

TV Guide: Singst und tanzt du für sie?

Michael: Ja, auf die Art beruhige ich sie, wenn sie weinen. Ich beginne zu tanzen und sie beruhigen sich.

TV Guide: Hättest du gerne noch mehr Kinder?

Michael: Natürlich! Ich denke, ich werde Joes Rekord brechen, und er hatte 10.

TV Guide: Wie ist das Verhältnis zu deinem Vater heute? Ihr wart eine Zeit lang zerstritten.

Michael: Mein Verhältnis mit ihm ist jetzt besser, als je zuvor. Ich glaube, mit dem Alter wurde er weicher und ein netter Mensch. Er fragt mich Dinge wie: „Wie geht es dir?, oder „Isst du ausreichend? Das wollte ich immer von ihm hören. Nicht solche Sachen wie: „Hast du diesen Vertrag unterzeichnet?. Jetzt will er einfach nur wissen, ob es mir gut geht. Ich denke, das ist sehr schön. Und meine Mutter (Katherine) ist ein wahrer Engel.

TV Guide: Mit 41 Jahren, bist du glücklich?

Michael: Normalerweise bin ich glücklich. Ich lasse mich nicht von irgend welchen Dingen runterziehen. Ich liebe es, dem Klang von Wasser, Vogelgezwitscher und Kinderlachen zuzuhören. Ich liebe alle diese echten, natürlichen, unschuldigen Dinge. Ich würde nie zu einer Party oder in einen Club gehen. Das habe ich schon als Kind gemacht und jetzt lege ich darauf keinen Wert mehr.

TV Guide: Ich fand es erschütternd, als ich ein von dir kürzlich gesagtes Zitat las, dass du das Handtuch werfen und dich umbringen würdest, wenn du nicht den sehnlichen Wunsch hättest, den Kindern der Welt zu helfen. Fühlst du wirklich so?

Michael: Das habe ich immer so empfunden. Ich hätte sonst nichts, wofür ich leben wollte.

TV Guide: Nicht einmal für dich und deine Kreativität?

Michael: Es wäre mir egal. Alles, was ich erschaffe wird durch diese Art der Unschuld inspiriert. Dadurch, und durch die Natur. Es muss so sein, es ist das Wesentliche.

………….

Übersetzung: M.v.d.L.

…………..

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*Das Cover-Foto des TV Guide Magazins stammt von einem Shooting mit dem deutschen Fotografen André Rau. Hier kann man ein Interview mit ihm anhören (auf deutsch) in dem er auch über das Shooting mit Michael spricht. Allerdings sagt er nicht nur schöne Dinge…

http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=7898706/1vefj0o/index.html

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