Das Buch โRemember The Timeโ von Bill Whitfield und Javon Beard erzรคhlt die Geschichte von Michael Jacksons letzten Jahren aus der Perspektive seiner Leibwรคchter. Es gibt Einblicke in seine Isolation, seine persรถnlichen Probleme und seine Beziehung zur Familie. Das Buch zeigt, dass Michael ein normales menschliches Wesen war, nicht nur ein Superstar. Es zeichnet ein faszinierendes Bild eines Mannes, der bereit war, alles zu opfern, um seine Kinder zu schรผtzen, wรคhrend er unter dem Druck der Medien und anderer Menschen litt. Die Autoren liefern einen emotionalen Bericht, der die Leser zum Nachdenken anregt. Es ist eine Geschichte von Leidenschaft, Wut und Trauer und ein Abschied von einem einzigartigen Kรผnstler und Menschen.
รbersetzung einer ausfรผhrlichen Review zum Buch von Bill Whitfield und Javon Beard: ‘Remember The Time โ Protecting Michael Jackson in his final days’.
Die Review stammt im Original von Raven (All For Love Blog) und ich habe sie โ da sie sehr meiner eigenen Sicht entspricht โ mit ihrem Einverstรคndnis รผbersetzt.1
Thank You, Raven!
Nachdem ich letzte Nacht Bill Whitfield und Javon Beards Buch โRemember The Time: Protecting Michael Jackson In His Final Daysโ fertig gelesen habe, stehe ich da und verspรผre brennende, ohnmรคchtige Wut und Traurigkeit. โOhnmรคchtigโ ist genau das richtige Wort dafรผr. Diese Emotionen sind ohnmรคchtig, einfach deshalb, weil, – egal, wie stark sie auch nach Beenden des Buchs sein mรถgen โ das, was bleibt, ein anhaltendes Gefรผhl von Hilflosigkeit ist. Michaels Leben ist das, zu dem es wurde und jetzt ist er fort. Er ist gegangen und niemand kann daran etwas รคndern; niemand kann zurรผckgehen und irgendetwas รคndern. Wir kรถnnen nicht all die Verletzungen, die einem menschlichen Wesen zugefรผgt wurden, ungeschehen machen. Uns bleibt nur, den Scherbenhaufen anzusehen und zu versuchen, zu verstehen. Das ist, neben allem anderen, was ich von diesem Buch mitnehme.
Ich glaube auch, dass Whitfield und Beard auf ihre Art auch noch immer versuchen zu verstehen, was mit Michael Jackson, dem Mann den sie liebevoll als ihr โBossโ bezeichnen, geschehen ist, und dass es ihr Bestreben ist den Fans dabei zu helfen, es auch zu verstehen. In welchem Ausmaร das Buch dieses Ziel erreicht oder verfehlt, hรคngt zu einem groรen Teil davon ab, was der Leser von ihm erwartet. Es hat seine starken und seine schwachen Bereiche.
Der Titel ist etwas klischeehaft und auรerdem auch schon Titel eines anderen MJ-Buchs, geschrieben von Theresa Gonsalves. Aber fรผr Titel gibt es kein Copyright und es ist definitiv nicht dasselbe Buch.
Trotzdem werden MJ-Fans und clevere Leser wissen, warum einige Teile des Buchs vertraut klingen. Das kommt daher, dass ein Teil des Buchs schon zuvor erzรคhlt wurde, von Dr. Karen Moriarty in ihrem selbst-herausgegebenen Buch โDefending A King: His Life & Legacyโ. Dieses Buch-Projekt startete damit, dass Dr. Moriarty sich ursprรผnglich mit Whitfield, Beard und Michael Garcia (der sich spรคter davon zurรผckzog) getroffen hatte, mit der Absicht, die Ghostwriterin fรผr deren Buch zu werden. Was schlieรlich mit dieser Abmachung passierte, ist in der Einleitung zu Moriartys Buch ausgefรผhrt, wo sie sagt, dass sie letztlich einfach nicht mit der Geschichte, die sie erzรคhlen wollten, auf der gleichen Linie lagen. Das Ergebnis ist, dass Moriartys Buch, was sich dennoch in den Kapiteln, die die letzten zwei Jahre seines Lebens portrรคtieren (besonders die Zeit in Las Vegas), sehr auf die Erzรคhlungen der Bodyguards stรผtzt, sich aber dann zu einem eigenen Buch entwickelte, zu einer Biografie anstatt eines Memoirs. Nachdem ich das Buch gelesen habe, verstehe ich besser, wodurch diese Differenzen entstanden. Ich komme spรคter kurz darauf zurรผck.

Die Wahl des Cover-Fotos ist interessant. Es ist das gleiche Foto, welches fรผr die Promo der M. Bashir Dokumentation โLiving with Michael Jacksonโ benutzt wurde. Es ist ein sehr schรถnes Foto aus Michaels spรคteren Jahren, welches passend ist, weil das Buch etwa die letzten beiden Jahre seines Lebens beschreibt. Aber es ist zugleich ein Foto, was seine Einsamkeit und Isolation hervorhebt. (Michael lรคchelt auf dem Foto nicht, seine Pose ist eher nachdenklich, sein Ausdruck meditativ, melancholisch, sein Blick geht in die Ferne als ob er etwas sucht, was dort nicht zu finden ist.) Fรผr den Leser gibt dieses passende und eindringliche Bild einen ersten Eindruck auf den Inhalt, da Michaels Isolation wirklich zum zentralen Thema des Buchs wird.
Jedes Mal, wenn ich ein Buch lese, das von jemand geschrieben wurde, der Michael wirklich kannte oder mit ihm zusammen gearbeitet hat, versuche ich, unvoreingenommen zu bleiben und auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Unvoreingenommenheit ist wichtig, denn ich bedenke immer, dass ich nicht behaupten kann, mehr รผber Michael zu wissen, als diejenigen, die rund um die Uhr um ihn herum waren. Gelegentlich bedeutet das, dass das Bild, das sie prรคsentieren, nicht mit dem Michael รผbereinstimmt, den ich glaubte so gut zu kennen. (Ich fand allerdings, dass es hier nie der Fall war; glรผcklicherweise habe ich nicht eine idyllische Version von Michael im Kopf, und ich denke, das hilft dabei, unvoreingenommen zu bleiben.) โEine kleine Prise Salzโ (nicht alles auf die Goldwaage zu legen) hilft aber auch dabei. Ich weiร aber auch, dass letztlich jede Sicht auf Michael โ auch die derjenigen, die sich als Freunde bezeichnen oder die Angestellte waren, und jeden Tag fรผr ihn arbeiteten โ letztlich eine durch ihre eigene Erfahrung beeinflusste Wahrnehmung sein wird, ob positiv oder negativ. Es besteht auch immer die Gefahr des โich war der Einzige, dem er vertrauen konnte/ der Einzige auf den er sich verlassen konnteโ – Syndroms, dem sich der Leser jederzeit bewusst sein muss, wenn er ein Buch in die Hand nimmt, welches von jemand geschrieben wurde, der nahe an Michael herankam. Ich rechne Beard und Whitfield positiv an, dass sie รผber dieses Syndrom sehr ehrlich berichten (sie behaupten nicht, dass sie dagegen immun waren, oder sie die Ausnahme von der Regel seien.) Und im Buch analysieren sie auch ausfรผhrlich dieses eigenartige Phรคnomen, das mit Berรผhmtheit einhergeht โ was jedoch nicht so eigentรผmlich ist, wenn man bedenkt, dass es immer um den Kampf nach Macht geht, wenn man รผber Michael Jackson und sein Imperium spricht, darum, wer die Kontrolle hat, wer in welchem Moment seine Aufmerksamkeit hatte. Und auch nicht zu vergessen, dass Michael diese angeborene Fรคhigkeit โ diese Aura โ hatte, die jeden in seiner Nรคhe sich als etwas Besonderes fรผhlen lieร, so als sei man der Einzige und Wichtigste in seiner Welt. Es war eine besondere Gabe Michaels, aber es war auch eine, die sich manchmal als Nachteil erwies.
Doch Whitfield und Beard waren es gewohnt, mit berรผhmten Menschen zusammen zu sein, auch wenn sie zugegebener Weise zuerst etwas beeindruckt (starstrucked) waren, als ihnen klar wurde, dass sie fรผr Michael Jackson arbeiteten. Das gab sich jedoch bald, als sie sich in ihren Job eingearbeitet hatten, nรคmlich einfach eine Familie zu schรผtzen – einen alleinerziehenden Vater, seine drei Kinder und eine wachsende Menge an Tieren, mit denen die Kinder, die in ihrem einzigen dauerhaften Zuhause Neverland aufgewachsen waren, versuchten, die entstandene Leere zu fรผllen. Es gibt Abschnitte, da scheint die Geschichte fast wie ein Pilotfilm zur Fernseh-Serie โThe Brady Bunchโ zu sein (Wikipedia: Drei Mรคdchen und drei Jungen) – โHier die Geschichte eines liebenswerten Vaters/ der drei sehr liebenswerte Kinder aufziehtโ – und alles, was dazu noch fehlen wรผrde, ist eine โAliceโ – aber dafรผr haben wir Grace, Bill und Javon, die eigentlich diese Rolle รผbernehmen, auch wenn sie dabei Waffen tragen. Alles ist sehr nett, aber รผber allem hรคngt das Wissen um die Tragik dieser Familie; einer Familie, die gelernt hat, in einer schรผtzenden Blase zu leben und die niemals einfach nur โnormalโ sein kann. (obgleich ihr Bestreben nach Normalitรคt den schmerzlichen Kern der Geschichte ausmacht.) Und es ist eine Geschichte, von der wir leider schon wissen, wie fatal sie endet.
Es ergeben sich einige der Fragen, die man auch stellen kรถnnte, wenn man z. B. einen Film wie Titanic ansieht. Wenn wir schon das Ende kennen, warum lesen wir dann ein solches Buch? Einfache Antwort. Immer, wenn wir schon wissen, wie die Geschichte endet, lesen wir nicht wegen des Zieles, sondern wegen des Weges dahin. Wir lesen, weil wir immer mehr darรผber lesen/lernen wollen, wer Michael war/ist. Die Faszination damit hรถrt niemals auf. Natรผrlich kรถnnen wir sagen, er sagte uns alles, was wir wissen mรผssen, mit seiner Musik โ und es ist in der Tat so, dass er uns durch seine Musik und seine Gedichte mehr sagte, als wir es jemals von einer Biografie bekommen werden. Aber dennoch bleibt da ein Verlangen zu wissen โฆ wie war sein Alltags-Leben? Wie war es, mit ihm zusammen zu sein? Wie kam er mit dem Irrsinn seines Lebens und mit diesen stรคndigen Machtkรคmpfen in seinem Umfeld zurecht? Und wir lesen, weil wir immer noch Antworten suchen. Was passierte mit Michael Jackson gerade in seinen letzten Tagen? Remember The Time gibt uns diese Antworten nicht, aber es gibt uns viele Einblicke in dieses Leben. Ich glaube, was viele, so wie auch ich, von diesem Buch mitnehmen ist, dass trotz all des Reichtums und Ruhms Michaels, wir nicht unser Leben gegen seines eintauschen wollen. Beim Lesen des Buchs durchlief ich viele Emotionen, manchmal musste ich lachen – ‘ja, das hรถrt sich genau nach Michael an!’ – manchmal fรผhlte ich ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit, als sie sahen, wie die Dinge sich um Michael herum entwickelten (Dinge, die sie nur mit ansehen konnten, ohne etwas machen zu kรถnnen, um sie zu stoppen). Ich musste oft mit dem Lesen aufhรถren, um Trรคnen fortzuwischen, und am Ende fรผhlte ich Whitfiels brennende Wut, als er bei Michaels Memorial saร und aus nรคchster Nรคhe die Scheinheiligkeit all derer bezeugen konnte, die behaupteten, Michaels Freunde zu sein โ aber niemals da gewesen waren.

Ich hoffe, das nimmt denen, die es bisher noch nicht gelesen haben, nicht zu viel vorweg, aber das ist genau der Ton, mit dem dieses Buch endet. Es ist ein in mancher Hinsicht merkwรผrdiges Ende. Es gibt keine Resolution, keine groรartigen Ausfรผhrungen darรผber, wer Michael war, oder was er der Welt als Kรผnstler und Ikone bedeutete, nichts in der Art von โWow, wenn Michael all diese Liebe, die dort fรผr ihn zum Ausdruck kam, hรคtte sehen kรถnnen.โ Stattdessen endet es mit einer Bemerkung, die sehr aufrรผttelt, aber auch schonungslos ehrlich ist. Whitfield war mit Michael in der Zeit zusammen, in der er isoliert und einsam war, er erinnert sich nur zu gut an die, die sich niemals blicken lieรen, an die, die nur Lippenbekenntnisse ablegten, dass sie Michael unterstรผtzen wรผrden, an die, die anriefen und sagten โIch bete fรผr dichโ – aber sich niemals blicken lieรen. Ich erkenne es an, dass das Buch hier nichts beschรถnigt, denn das ist offen gesagt ein Teil der Geschichte, der erzรคhlt werden muss. Die Geschichte hรคtte auch, wie so oft, unter den Klรคngen von โMan In The Mirrorโ enden kรถnnen, wobei sich alle an den Hรคnden fassen, um daran zu erinnern, welch helles Licht Michael ausstrahlte, und wie sehr ihn alle liebten โ und natรผrlich tun wir das, auch dann, wenn wir uns nicht immer genug Zeit nahmen, es zu sagen.
Stattdessen endet es in einem bitteren, aufrรผttelnden Ton, wie die betรคubende Stille nach einem Gewehrschuss. Wie zuvor erwรคhnt, es ist nicht angenehm, und es lรคsst den Leser beunruhigt zurรผck, aber ich schรคtze es als aufrichtige Emotion, nichts wird versรผรt und beschรถnigt. Vielleicht gibt es ein paar Leute, die die Wahrheit hรถren โmรผssenโ. Wahrscheinlich sind es sogar viele, die es hรถren mรผssen.
Es sind ehrliche Emotionen und sie bringen einige der interessanten Unterschiede zwischen einem Memoir und einer Biografie zum Vorschein. Und das ist ein wichtiger Unterschied, den wir immer bedenken sollten, wenn wir ein solches Buch lesen. Memoiren โ bei denen dem Autor die Begebenheit, รผber die er schreibt, bekannt ist und die deshalb aus eigener Erfahrung geschrieben wird โ sind von Natur aus intimer und persรถnlicher, als Biografien, die von neutralen Journalisten oder auรenstehenden Personen geschrieben werden. Aber aufgrund dieser Intimitรคt haben sie auch zu erwartende Begrenzungen. Wir mรผssen uns damit abfinden, nur ein schmales Spektrum des Bildes zu bekommen, eines, das die Erfahrungen aus erster Hand dieser Menschen gefiltert und durch diese Erfahrungen auch eingeschrรคnkt ist. So wie bei jedem Ich-Erzรคhler (fiktional oder nicht), kann der โIchโ Erzรคhler sich nur auf das beziehen, was das โIchโ weiร. Das wird besonders dann problematisch, wenn das Thema auch Personen aus dem wirklichen Leben beinhaltet und besonders dann, wenn es sich um jemand handelt, der so komplex ist und der so sehr versuchte, sein Leben in unterschiedliche Bereiche aufzuteilen, wie Michael. So wie es Michael gelang, seine Dates komplett vom Leben mit seinen drei Kindern zu trennen, (keine von Michaels geheimen โFreundinnenโ wurde jemals in sein Haus gebracht, sondern sie trafen sich immer in Hotels) glaube ich auch, dass oft die Seite, die Freunde und Angestellte von Michael zu sehen bekamen, genau die war, die er ihnen zeigen wollte. Damit soll nicht suggeriert werden, er wollte etwas verbergen; ich denke, es war einfach eine Strategie, die sich entwickelt hat, um mit seinem sehr ungewรถhnlichen Leben zurechtzukommen.
Obwohl er mit Whitfield und Beard sehr vertraut wurde und ihnen zu vertrauen schien, waren sie dennoch nur Angestellte; ihr Platz war in der Garage oder im Security-Trailer. Als Leser mรผssen wir berรผcksichtigen, dass ihre Geschichte zumindest auch durch diese Distanz gefiltert ist โ eine Distanz, die sie befรคhigte, unparteiische Beobachter zu sein aber auch โ weil die Zahl der Angestellten auf ein Minimum geschrumpft war – eine bestimmte Art der Nรคhe beinhaltete. Man kennt den Ausdruck โWie eine Fliege an der Wandโ. Genau so – sie waren immer dort und gleichzeitig โnicht dortโ โ Zeugen von Vorgรคngen und teilweise auch darin involviert, aber nie wirklich eng darin eingebunden.
In anderen Worten heiรt das, wir kรถnnen nie erwarten, dass die Geschichte eines Einzelnen das definitive Bild von Michael โ wer er war oder wie er sein Leben lebte โ wiedergibt. Es ist vielmehr so, dass jede individuelle Geschichte ein kleines Teil des Puzzles ist. Ich versuche immer, an jedes Memoir รผber Michael unter diesem Aspekt heranzugehen, es zu sehen, als das, was es ist: nicht mehr und nicht weniger als die Version der Wahrheit einer Person (oder von zwei, wie in diesem Fall) – die Wahrheit, wie sie sie erfahren haben. Das Wort Memoir stammt vom Wort memory (Erinnerung) ab.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Bรผcher รผber Michael, die ich am meisten genieรe, die sind, die ihn als menschliches Wesen mit Fehlern portrรคtieren, nicht zu dem Zweck, ihn auszubeuten oder fertig zu machen (dazu gibt es schon genug Bรผcher am Markt), sondern um ihn in all seiner menschlichen Komplexitรคt zu zeigen, weder mit Teufelshรถrnern noch mit Engelsflรผgeln und Heiligenschein. Mich interessiert Michael Jackson, das menschliche Wesen, und nicht ein Gott.
Remember The Time hรคlt diese Balance, aber wir dรผrfen dabei nicht die Begrenzungen von Erinnerungen vergessen.
Bill Whitfield und Javon Beard kannten Michael nur wรคhrend den letzten zweieinhalb Jahren seines Lebens persรถnlich. Sie wurden schon kritisiert dafรผr, weil der Untertitel des Buchs โProtecting Michael Jackson In His Final Daysโ lautet (Michael Jackson in seinen letzten Tagen schรผtzend), aber beim Lesen des Buchs geben sie zu, dass sie in diesen letzten Monaten nicht mit ihm in LA waren. Zu der Zeit waren ihre Verantwortlichkeiten sehr reduziert und sie blieben in Las Vegas zurรผck. (besonders Bill Whitfield quรคlt sich mit dieser Tatsache am Ende des Buchs herum). Folglich beruhen die letzten Kapitel des Buchs dann auch mehr auf Hรถren-Sagen als auf persรถnliche Erfahrungen. Mit anderen Worten: sie kennen die Details von dem, was in diesen letzten Monaten in Holmby Hills passierte, zum Groรteil durch die gleichen Quellen, wie wir- durch das, was sie lasen und in den Medien hรถrten. In diesem Punkt enttรคuscht das Buch etwas, falls jemand erwartete neue Erkenntnisse รผber das zu gewinnen, was wirklich mit Michael in diesen letzten Tagen passierte. Die Bodyguards haben diese Antworten einfach nicht โ oder wenn sie sie haben, schweigen sie vielleicht aus gutem Grund. Wie in vielen Bรผchern gibt es da einige Spekulationen, aber letztlich bleibt das, was mit Michael an seinen letzten Tagen โ bis auf das, was durch die Medien und den Prozess schon bekannt wurde โ ein Mysterium.
Was Whitfield und Beard aber liefern, ist ein faszinierender Einblick in die Monate, die Michaels Abreise nach LA vorangingen, und sie sparen nicht damit, die Haupt-Beteiligten zu nennen, die die Falle bauten, die Michael letztlich verzehrte und umbrachte. Was dabei entsteht, ist ein wirklich furchtbares Bild. Und womit man zurรผckbleibt, ist das quรคlende Bild eines Mannes, der buchstรคblich von seinem eigenen Imperium verzehrt wird โ ein Imperium, das er selbst schuf, was aber letztlich grรถรer wurde, als er selbst, und zu groร, um es noch selbst kontrollieren zu kรถnnen.
Weil Whitfield und Beards Erfahrungen auf diese letzten zweieinhalb Jahre, in denen sie ihn kannten, begrenzt sind, sollten wir auch bedenken, dass ihr Portrรคt von Michael nicht ein definitives ist, und das sollten wir auch nicht erwarten. Wir mรผssen einige Dinge aus dem richtigen Blickwinkel sehen. Der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten, war ein Mensch, der gerade aus einer Art Exil zurรผckkam, nachdem er etwas durchgemacht hatte, was zu den traumatischsten Erfahrungen gehรถrt, die man als Mensch durchmachen kann. Michael leidet immer noch unter post-traumatischem Stress, verursacht nicht nur durch den Prozess und die Beschuldigungen, sondern auch durch die jahrelange negative Presse; durch all die Jahre, in denen die Welt ihn als โWacko-Jackoโ wahrnahm, durch jahrelange Konfrontation mit Gerichtsverfahren, Aasgeiern und Druck. Seine Kreativitรคt war nicht ausgebrannt, aber was sein Leben betraf, war er zu diesem Zeitpunkt sehr ausgebrannt. Solche post-traumatischen Belastungsstรถrungen, die bei jedem, der solches durchgemacht hat, verstรคndlich wรคren, sind sicher eine Erklรคrung dafรผr, warum Michael zu diesem Zeitpunkt sich und seine Kinder von der Welt isolieren wollte. Er wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Wie er es immer wieder sagte, er wollte in Ruhe gelassen werden und einfach sein Leben mit seinen Kindern genieรen.

Michaels Isolation wird zu einem zentralen Thema des Buchs. Wie ich schon vor ein paar Jahren sagte, als ich eine Review zum Buch von Dr. Moriarty schrieb, ist der qualvollste Aspekt dieser Geschichte, vielleicht der des alleinerziehenden Vaters und seinen Kindern, deren Leben durch die Umstรคnde zunehmend eingeschrรคnkt wird. Ihre Existenz hat sich von der ausgedehnten Freiheit auf einem 2700-acre Anwesen, รผber stรคndig wechselnde Hotelzimmer und gemietete Hรคuser hin zu einem beengten Wohnort entwickelt, wo man nicht einmal mehr im Pool schwimmen konnte, ohne dass man von den Nachbarn beobachtet wurde. Und jeder, der das liest und sich denkt โNa ja, das ist immer noch besser als das Leben, das ich meinen Kindern bieten kann โ ich habe nicht mal einen Pool!โ sollte es noch einmal รผberdenken. Das hรคtte auch mein erster Gedanke sein kรถnnen. Bis du einen Bericht aus erster Hand darรผber bekommst, wie es sich anfรผhlt, noch nicht einmal in der Lage zu sein, einfach bei Chuck E Cheese an einem Tisch zu sitzen, um den Geburtstag deiner Tochter zu feiern, oder nebenan in einem geparkten Auto sitzen zu mรผssen, damit du aus der Distanz deine Kinder beim Spielen beobachten kannst. Dieses letzte Bild verfolgt mich, seitdem ich das Buch geschlossen habe. Es ist nicht so, dass mir diese Aspekte von Michaels Leben nicht bewusst gewesen wรคren. Nur manchmal bedarf es eines guten Autors oder Erzรคhlers, der dich genau in einem solchen Moment mitnimmt โ und dich fรผhlen lรคsst, wie es ist, dort mit Michael in dem geparkten Auto zu sitzen und deine Kinder nur aus der Entfernung beobachten zu kรถnnen โ das macht es wirklich greifbar. Michael Jackson, der Mann, der so viel Zeit seiner Kindheit damit verbrachte, anderen Kindern beim Spielen auf Spielplรคtzen zu sehen zu mรผssen, kann jetzt nur in einem geparkten Auto sitzen, und durch einen Spalt im Fenster seinen eigenen Kindern aus der Ferne beim Spielen zu sehen.
Noch schlimmer ist die Vorstellung, nicht zu wissen, ob du mit deinen Kindern eine ruhige Nacht unter dem eigenen Dach verbringen kannst โ oder ob du plรถtzlich von einem Warnruf deiner Security aus dem Schlaf gerissen wirst, die dir sagt, dass du dich mit deinen Kindern sofort in Sicherheit bringen musst, weil es eine Drohung gab.
Michaels Kinder hatten sicherlich jeder Art materiellen Besitz. Und solange ihr Vater lebte, hatten sie einen Mittelpunkt, ein Elternteil, von dem sie wussten, dass er immer fรผr sie da sein wรผrde. Aber sieht man von den Spielsachen und den materiellen Dingen ab, war das die Art, auf die sie lebten, und man kann erkennen, wie es ihren Vater innerlich zerfrisst. Welche Eltern wollen ihren Kindern nicht ein sicheres Leben bieten? Das war es, was Michael seinen Kindern in diesen letzten Jahren nicht bieten konnte – diese Sache, die seine Kinder mehr brauchten als alle Spielsachen von FAO-Schwarz zusammen โ das war es, was ihn innerlich zerfraร.
Das war der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten โ ein Mann, der durch furchtbare Ereignisse seines Lebens traumatisiert war, und der um das Wohl seiner Kinder kรคmpfte, um alles zusammenzuhalten. Unter diesen Umstรคnden ist es kein Wunder, dass er sich vom Leben zurรผckziehen wollte. Sich zurรผckzuziehen ist ein natรผrlicher Instinkt, wenn man unter post-traumatischem Stress leidet. Auch wenn Beard und Whitfield oft zumindest zum Teil andere beschuldigen, an Michaels Isolation schuld zu sein, frage ich mich doch, ob es nicht auch bis zu einem gewissen Grad ein Ergebnis der Signale war, die Michael in die Welt aussendete. Anders gesagt, wenn genug Leute spรผren โ und den Hinweis laut und deutlich bekommen โ dass du einfach nur in Ruhe gelassen werden willst, werden sie letztlich irgendwann ganz genau das tun. Sie werden dich in Ruhe lassen. Ich habe das Gefรผhl, dass Michael wรคhrend dieser Zeit nicht ausdrรผcklich versuchte, andere zu erreichen โ aber es kรถnnte auch sein, dass er es zu diesem Zeitpunkt auch einfach nur satthatte, es zu versuchen. Ein Mensch, der immer wieder gegen eine Wand rennt, gibt es letztlich auf.
Die zwei Mรคnner gaben auch mehrmals an, dass der Mann, den sie โBossโ nannten, nicht zwangslรคufig der gleiche war wie der, der als King Of Pop bekannt ist. (das war ein anderer Typ, eine andere Person. Eine, die sie nur zu bestimmten Gelegenheiten sahen, wie beim Vogue- und Ebony-Shooting, oder wenn er fรผr eine Gruppe Fans โMichaelโ wurde.) Er war auch ein anderer, als der Sohn oder Bruder, den seine Familie kannte, oder der Freund, den viele seiner Musikerkollegen beim Memorial priesen. Sie sagen, der Michael, den sie kannten, war anders. Und einer der schmerzlichsten Momente des Buchs ist ziemlich am Ende, als Whitfield beim Memorial sitzt, aufgebracht durch die Scheinheiligkeit, die er รผberall um sich herum sieht. Da gab es viel zu viele, die nur dort waren, um gesehen zu werden; die nicht aufrichtig trauerten. Aber unter den Hunderten, die dort waren, nur weil das Memorial ein trendiger Ort war, wo man an diesem Tag gesehen werden musste, waren auch ein paar wirklich trauernde โ die Familienmitglieder, die einen Sohn, einen Bruder verloren hatten, die Kinder, die den Vater verloren hatten, die Fans, die ihn wie ein Familienmitglied liebten, ein paar wirkliche, langjรคhrige Freunde aus dem Musikgeschรคft, wie Berry Gordy; ein paar Entertainer, die vielleicht wirklich um den Verlust eines Helden und Mentors trauerten; ein paar Frauen, so wie โFriendโ, die ihn als Liebhaber und als Freund gekannt hatten โฆ und dann war da Whitfield selbst, irgendwie ein Auรenseiter, der immer noch versuchte, sich รผber seine Rolle in Michaels Leben klar zu werden, und mit den vielen damit verbundenen Emotionen.
Schlieรlich war das der Mann, der auch eingesteht, dass er, als Michael ihn anrief, um ihm zu sagen, er brauche ihn in LA, irgendwie gehofft hatte, dass es vielleicht nur eine weitere vorรผbergehende Laune von ihm sei
โSo, wie er mich beauftragte, ein Riesenrad oder einen Hubschrauber-Simulator fรผr ihn zu finden. Ich wartete ein paar Tage, bevor ich danach sah, um herauszufinden, ob er die Idee fallen lieร oder ob er wieder davon sprechen wรผrde โฆ Und so ging es mir auch, als er mich anrief, damit ich nach LA kommen sollte. Es schien nicht dringend. Das ist, was ich darรผber dachte. Ich dachte, wenn es wichtig ist, dann wird er wieder anrufen. Er rief nicht wieder an.โ (Auszug aus ‘Remember The Time’, S. 295)
Es war Mitte Juni 2009, als Whitfield diesen Anruf erhielt. Wir alle wissen, wie die Geschichte endete.
Natรผrlich ist dieses Buch polarisierend, so wie anscheinend alles, was heutzutage รผber Michael verรถffentlicht wird. Aber die meisten Kritiken scheinen aus den drei Fraktionen zu kommen โ diejenigen, die eine bestimmte Agenda haben (so wie entweder pro-Estate oder anti-Estate), die automatisch jedes Buch niedermachen, welches fรผr ihre Begriffe die falschen Leute kritisiert; dann diejenigen, deren Reaktionen auf sensationellen Tabloid-Geschichten basieren, und diejenigen, die es so empfinden, dass jedes Buch โ geschrieben von jemand, der Michael kannte, oder fรผr ihn arbeitete โ einen Betrug darstellt, unabhรคngig vom Inhalt.
Ich versuche auf die Bedenken von allen drei Gruppen einzugehen. Ich kann aufrichtig sagen, dass ich, – als jemand, der selbst keine Agenda hat, der nicht einer Gruppe ‘pro-‘ oder ‘kontra-‘ irgendwas angehรถrt – nicht an irgendwelche versteckte Absichten bei diesem Buch glaube, auรer dass die Autoren fรผhlten, dass diese Geschichte erzรคhlt werden sollte. Raymond Bain und einige andere bekommen in diesem Buch sicherlich ihr Fett weg. Aber die Bodyguards beschrรคnken ihre persรถnliche Kritik auf diejenigen, mit denen sie direkt zu tun hatten, und Raymond Bain war ihre Ansprechpartnerin wรคhrend ihrer Beschรคftigungsdauer bei Michael und Grund fรผr viel Verdruss, insbesondere, als sie monatelang nicht bezahlt wurden. Dieses Buch lรคsst einen sicherlich mit einem รผblen Nachgeschmack hinsichtlich Raymond Bain zurรผck, die sich anscheinend selbst auf Michaels Kosten mit groรzรผgigen Wohnungen in Vegas belohnte โ natรผrlich ohne sein Wissen. Das ist eine Vorgehensweise, die sich tragischerweise durch das ganze Buch hindurch wiederholt. Die Namen รคndern sich, aber die Verhaltensmuster und Vorgehensweisen bleiben gleich.

Dieses Buch scheint in vieler Hinsicht im starken Kontrast zu einem anderen MJ-Buch dieses Sommers zu stehen: โMichael Jackson Inc.โ von Zack Greenburg, welches Michaels brillante Business-Instinkte beleuchtet und beschreibt, wie er sein Imperium aufbaute und ihm auch den Groรteil seines Erfolgs nach seinem Tod anschreibt. Das birgt eine oft gestellte Frage: ‘Wie kann es sein, dass ein Mann, der ein Multimillionen-Dollar Imperium aufbaute โ der Mann, den Michael Jackson Inc. beschreibt โ der gleiche Mann ist, der in Remember The Time als jemand beschrieben wird, der knapp an Bargeld ist (wenn auch immer noch sehr wohlhabend am Papier) und der anscheinend die Kontrolle รผber sein Geld verloren hat?
Ich habe รผber diese Frage selbst lange nachgedacht. Aber ich glaube, diese beiden anscheinend sehr unterschiedlichen Seiten Michaels โ oder seiner Geschichte โ schlieรen sich nicht zwingend gegenseitig aus. Sie sind eher die extrem gegensรคtzlichen Seiten der gleichen Realitรคt. In seiner Jugend war Michael nicht zu stoppen, nicht zu รผbertreffen โ ein musikalisches Genie, mit messerscharfen Geschรคfts-Instinkten, der immer die Kontrolle รผber sein Imperium und die Leute, die es fรผhrten, hatte; der auf clevere Weise seine Anziehungskraft nutzte, damit seine Vorstellungen umgesetzt wurden. Er war der Mann, der 1990 genรผgend Macht und Einfluss in der Musikindustrie besaร, um fast alles auszuhandeln, was er wollte โ und er tat es, mit dem bis dahin lukrativsten Plattenvertrag der Musikgeschichte. Und all das geschah zusรคtzlich zu seinem Kauf des ATV Katalogs und der spรคteren Fusion zu Sony/ATV.
Aber der Mann, fรผr den Whitfield und Beard arbeiteten, war ein anderer, einer, der emotionale Traumata durchgemacht hatte und sich als Ergebnis davon zurรผckgezogen hatte. An diesem Punkt schien es, dass Michaels Art, mit dem Chaos seines Lebens umzugehen (denn das war, was zu dem Zeitpunkt daraus geworden war), darin bestand, unangenehme Situationen und unangenehme Personen, von denen er nicht belรคstigt werden wollte, zu ignorieren. Es schien leichter, alles zu verweigern und zu hoffen, es wรผrde auf magische Weise von selbst verschwinden, oder dass die Leute, denen er darin vertraute, es verschwinden zu lassen, ihren Job erledigen wรผrden.

Auch wenn das schon immer eine Art Muster in Michaels Leben war (schlieรlich hatte er seit dem Alter von 10 Jahren immer Leute um sich, die Dinge aushandelten, oder sich um seine Belange kรผmmerten) scheint es sich dann durch die Traumata und Krisen von allem, dem er ausgesetzt war, verschlimmert zu haben. Besonders eine Passage im Buch hat mich sehr getroffen, weil diese Stelle den Nagel auf den Kopf trifft, wie und warum Michael so anfรคllig fรผr Gerichtsprozesse wurde โ und sie erklรคrt auch ganz gut, warum ein unschuldiger Mann eine Anschuldigung wegen Kindesbelรคstigung auรergerichtlich beilegte:
โ… Michael Jackson war wie ein Fliegenfรคnger fรผr Gerichtsprozesse. Zu jeder Zeit standen buchstรคblich hunderte Verfahren gegen ihn aus. Manche waren albern. Vaterschaftsklagen von Stalkern, solche Sachen. Aber viele davon waren ernst zu nehmende, Multimillionen-Dollar-Klagen. Dadurch, dass sich keiner fรผr seine geschรคftlichen Angelegenheiten mehr zustรคndig fรผhlte, wurden Leute nicht bezahlt. Vertrรคge wurden nicht eingehalten. Es lief ganzes Spektrum an Charakteren auf. Ehemalige Manager und Mitarbeiter, die behaupteten Teil von diesem und jenem zu sein, oder dass sie nicht bezahlt wurden, oder dass ihnen ein Teil von etwas zustehe. Leute, die an seinen Alben und Musikvideos gearbeitet hatten, die behaupteten, nicht ihre anteiligen Tantiemen zu bekommen. Ein Problem verfolgte das andere. Ich bekam all diese Dokumente รผber FedEx, um sie von ihm unterzeichnen zu lassen, ich sah, wie viel Geld zur Tรผr hinausging. Er zahlte Settlements von einer viertel Million, einer halben Million โ was immer gefordert wurde. Die Leute verklagen dich fรผr gewรถhnlich dann, wenn sie denken, sie kรถnnen etwas bekommen, und jeder wusste, verklagst du Michael Jackson, bekommst du eine auรergerichtliche Einigung. Die frivolen Klagen hat er angefochten, diesen Vaterschaftsunsinn. Die konnte er abwehren. Aber wenn du einen Anspruch geltend machen konntest, der sich irgendwie fรผr einen Gerichtsprozess eignete? Er wรผrde einfach bezahlen, damit du verschwindest, denn nachdem, was er 2005 durchgemacht hatte, wรผrde er nie mehr im Leben einen Fuร in einen Gerichtssaal setzen.โ (Auszug ‘Remember The Time’, S. 194)
Natรผrlich hat das Settlement mit den Chandlers sie nicht abgehalten, einen Strafantrag zu stellen (wenn sie gewollt hรคtten) und es beendete auch nicht die Ermittlungen in dem Fall. Aber wie Michael es 2003 selbst zu Martin Bashir sagte, wollte er einfach nur, dass diese Sache verschwindet. โIch wollte nicht, dass es zu einer langen, ausufernden Sache wird, wie bei O.J., es hรคtte einfach nicht richtig ausgesehen.โ
Es scheint, dass Michael in einem scheuรlichen Kreislauf gefangen war, dem er nicht entkommen konnte. Je mehr Fรคlle er auรergerichtlich beilegte, in der Hoffnung, dass sie einfach verschwinden, desto mehr Klagen kamen hinzu.
War es nรถtig, in dem Buch so viel รผber Michaels Finanzen zu sprechen? Das ist sicher einer der kontroversen Aspekte dieses Buchs, aber ich denke, die Rechtfertigung dafรผr ist, dass Whitfield und Beard wirklich wollten, dass Leser und Fans wissen sollten, wogegen Michael ankรคmpfte โ und wer dafรผr verantwortlich war. Sie machen es sehr deutlich, dass sie fรผr vieles, was vor sich ging, nicht Michael verantwortlich machen (sie blieben bei ihm, auch wenn das bedeutete, manchmal Wochen oder gar Monate nicht bezahlt zu werden), auch wenn sie sich manchmal etwas รผber ihn รคrgerten, und sich wunderten, warum er nicht einfach โseinen Mann standโ; warum er nicht einfach den Bullen bei den Hรถrnern packte und wieder selbst die Kontrolle รผber sein Geld รผbernahm. Aber die Momente der Verรคrgerung waren nur sehr kurzlebig, weil sie mit der Zeit realisierten, dass das fรผr Michael nie wieder so einfach mรถglich sein wรผrde.
Auรerdem war die Finanz-Diskussion jahrelang Futter fรผr die Tabloids, wobei viel zu viele ignorante Leute behaupteten, es sei einfach das Ergebnis davon, dass er selbst zu viel ausgebe und verschwenderisch sei. Es schien nie in Betracht gezogen zu werden, dass er von genau den Leuten hintenherum ausgenommen werden kรถnnte, die eigentlich in seinem besten Interesse handeln sollten; nie in Betracht gezogen wurde, dass er so lange gegeben hatte, bis fast nichts mehr zum Geben da war; nicht in Betracht gezogen wurde, dass es dort eine verletzte Seele gibt, die unter dem Gewicht von Rechnungen und Gerichtsprozessen erstickte, wobei sie eigentlich nichts lieber sein wollte, als ein Vogel, frei, um zu singen und zu fliegen. Remember The Time erzรคhlt uns wenigstens diese Seite der Geschichte in all ihren Facetten. Und auch wenn es intrusiv erscheint, ist es wichtig, um Michaels Denkweise wรคhrend dieser zwei Jahre zu verstehen und die Verzweiflung, die ihn in den Vertrag mit AEG trieb. Es ist wichtig, um zu verstehen, warum es im Frรผhjahr 2009 nicht weniger als drei Leute gab, die behaupteten, Michaels Manager zu sein; und alle handelten Geschรคfte aus und unterzeichneten in seinem Namen. Es ist entscheidend, um zu verstehen, wie tief, dunkel und beรคngstigend das Loch, in dem er lebte, geworden war.
Die Kehrseite davon ist natรผrlich, dass die Medien Auszรผge aus dem Buch vรถllig aus dem Kontext nehmen, um daraus etwas Sensationelles zu machen. Ein anschauliches Beispiel dafรผr ist ein Artikel von Peter Sheridan (UK) der die Abschnitte รผber Michaels โgeheimeโ Freundinnen โFlowerโ und โFreundโ vollkommen falsch darstellte:
โSie beharren darauf, dass trotz aller Vorwรผrfe der Pรคdophile โ welche sie abweisen โ Jackson sich zu Frauen hingezogen fรผhlte. Sie erรถffnen, dass er geheime Rendezvous mit zwei Frauen genoss, denen er die Codenamen โFriendโ und โFlowerโ gab. Laut Whitfield war letztere umwerfend schรถn und hatte einen osteuropรคischen Akzent. Die Bodyguards fuhren herum, wรคhrend Jackson am Rรผcksitz seiner Limo Sex hatte. โWir hatten einen Vorhang, der den Rรผcksitz abschirmte, du konntest den Rรผcksitz nicht einsehenโ, sagt Whitfield, der immer noch ihre lauten Gerรคusche hรถrt. Jackson war immer aufgeregt, wenn Friend in die Stadt kam und schickte seine Bodyguards, um ihr verschwenderische Geschenke in Lรคden wie Tiffanys zu kaufen. Flower kam ein paar Tage, nachdem Friend abgereist war und Jackson hat seine heimliche Sex-Session wiederholt โฆโ (Auszug Artikel Sheridan)
Express: Michael Jackson’s bodyguards reveal star’s bizarre briefcase and women he saw in secret
Und jetzt, was Beard wirklich im Buch schrieb:
โAls Friend wieder kam, sagte Mr. Jackson eines Nachts, er wolle mit ihr nach D.C. fahren. Er wollte sich das Lincoln Memorial ansehen und ein paar der anderen Sehenswรผrdigkeiten. Also machten wir das Auto fertig. Es war etwa um Mitternacht. Grace blieb bei den Kindern, ich und Bill holten mit Mr. Jackson Friend von ihrem Hotel ab und fuhren in die Stadt. Wรคhrend wir fuhren, waren sie hinten im Wagen und unterhielten sich und flรผsterten. Der Vorhang war geschlossen und wir hatten das Radio angestellt, damit sie ihre Privatsphรคre haben konnten. Wir parkten den Wagen etwa eineinhalb Blocks vom Washington Monument entfernt. Von dort mussten wir laufen. Als wir ankamen, stellte ich das Radio leiser, um Mr. Jackson zu sagen, dass wir angekommen waren, und alles, was wir hรถrten, waren schmatzende Lippen hinter diesem Vorhang. Ich kannte das Gerรคusch genau. Ich wollte sie nicht stรถren, deshalb hustete ich etwas und sagte: โMr. Jackson? Mr. Jackson, wir sind da.โ (Auszug aus Remember The Time, S. 178)
Was dort offensichtlich als ein wenig harmlose Knutscherei auf dem Rรผcksitz beschrieben wird, wurde dann, als der Textauszug in den Medien erscheint, groร aufgeblasen, um es nach einer Orgie aussehen zu lassen! Das ist nur ein Beispiel dafรผr, wie die Medien absichtlich den Inhalt verdrehen und manipulieren, aus reiner Sensationsgier.
Aber unabhรคngig davon, wie jemand es empfindet, dass diese Art Information enthรผllt wird, wurde ein sehr wichtiger Punkt von den Bodyguards selbst dazu genannt. Wรคre es irgendein anderer Pop-Star gewesen, der sich mit einem heiรen europรคischen Modell in einem Hotel getroffen hรคtte, wรคre es einfach nicht anders zu erwarten gewesen, und keiner wรผrde deshalb eine Augenbraue hochziehen. Es wรคre einfach โnormalesโ Verhalten eines Pop-Stars. Geht es aber um Michael Jackson, versuchen die Medien es immer als bizarres Verhalten zu verkaufen.
Und ich muss auch noch sagen, dass jeder Tag, an dem โMichael Jackson hat Sex mit einer Frau am Rรผcksitzโ das schlimmste ist, was ein Tabloid รผber Michael Jackson schreibt, eigentlich ein guter Tag ist. Diese Geschichten, kontrรคr zu der Absicht, mit der sie verdreht werden, dienen letztlich trotzdem dazu, Michael menschlich zu machen und ihn vor den Augen der Welt โnormalโ aussehen zu lassen. Wie die Bodyguards es ausdrรผcken, bedeutete fรผr sie all das nur, dass er ein normaler Typ war, der einfach nur die Dinge tun wollte, die normale Typen tun.
Wirft das Buch neues Licht auf Michaels manchmal kompliziertes Verhรคltnis zu seiner Familie? Ich wรผrde sagen, nicht wirklich. Hรถchstens, dass man รผberrascht ist zu erfahren, dass Michael ausdrรผcklich anordnete, seine Familie nicht hereinzulassen (auรer Katherine) und er einmal, als Joe unangemeldet auftauchte, sagte, er wolle ihn nicht sehen, wenn er keinen Termin habe. Nur โwarumโ Michael mit seiner Familie so hartnรคckig nichts zu tun haben wollte, wird nie erklรคrt, grรถรtenteils deshalb, weil Whitfield und Beard es nicht wirklich wussten, auรer dass es das war, was der โBossโ angeordnet hatte und es ihr Job war, jeden drauรen zu lassen, den Michael nicht hinein lassen wollte, ohne Fragen dazu zu stellen. Man kann nur Vermutungen anstellen; allerdings machen die Bodyguards deutlich, dass ihre Einstellung zur Jackson Familie neutral ist. Obwohl zu Randy doch deutlich beschrieben wird, nur aus einem Zweck aufgetaucht zu sein – โum mein Geld zu bekommen!โ – und sie zu Jermaine sagen, dass er fรผr gewรถhnlich โnach etwas angelteโ, wird es nie klar, ob andere Besuche mit schรคndlichen oder harmlosen Absichten geschahen. Zumindest bei ein paar dieser Vorfรคlle scheint es sich um geplante Interventionen gehandelt zu haben. Sie hatten gehรถrt, ihr Bruder sei โkrankโ. Michaels Reaktion war fรผr gewรถhnlich โSag ihnen, es geht mir gut.โ Das scheint wenigstens den von der Familie oft gemachten Behauptungen etwas Glaubwรผrdigkeit verleihen, dass sie versucht hรคtten, um Michaels Willen Interventionen durchgefรผhrt zu haben, sie aber nie zu ihm durchkommen konnten.

Hinsichtlich des angespannten Verhรคltnisses Michaels zu seiner Familie in seinen letzten Jahren, wirft das Buch mehr Fragen auf, als es beantwortet โ und das wiederum deswegen, weil Whitfield und Beard diese Antworten nicht haben. Es war sicher nicht eine Sache, รผber die sie mit ihrem Kunden gesprochen hatten. Sie haben ausgefรผhrt, was ihnen gesagt wurde. Mein Eindruck war der, dass Michaels Burn-out und sein Verlangen, einfach die Welt auszublenden, sich zu dem Zeitpunkt auch auf seine Familie ausgedehnt hatte. Ihre Anwesenheit bedeutete fรผr gewรถhnlich, sich wieder mit unerfreulichen Dingen auseinandersetzen zu mรผssen, und Michael brauchte zu der Zeit einfach kein weiteres Drama.
Aber es ist interessant, wie die Familie jedes Mal, wenn sie zu diesem Thema befragt wird, sagt, dass es dort Leute gab, die versuchten sie von Michael fern zuhalten. Whitfield und Beard haben nur ihre Anordnungen ausgefรผhrt, aber sie reprรคsentierten die Torwรคchter; sie waren die Puffer zwischen Michael und allem, mit dem er nichts zu tun haben wollte. Ich habe gehรถrt, wie einige Mitglieder der Jackson-Familie sagten, wenn sie dann doch bis zu Michael vorgedrungen waren, und ihm sagten, dass man ihnen gesagt habe, er wollte sie nicht sehen, hรคtte er immer geschockt reagiert und gefragt โWirklich? Wer hat das gesagt?โ Es wรคre tragisch, wenn all das nur durch einen Kommunikations-Fehler entstanden wรคre, aber es ist wohl wahrscheinlicher, dass Michael nicht die Gefรผhle seiner Familie verletzen wollte, indem er ihnen direkt sagte, er wolle sie nicht sehen. Es war einfacher, wenn diese unschรถne Arbeit von anderen fรผr ihn รผbernommen wurde. Das Erste, was Joe Jackson angeblich zu Whitfield sagte, war nicht โHalloโ, sondern โSie mรผssen einer von denen sein, die meinem Sohn Nadeln in den Arm stecken.โ Solche Anmerkungen fallen รถfter in dem Buch, wie scharfe Bomben, werden aber nie weiter ausgefรผhrt. Woher z. B. kamen Joes Verdรคchtigungen? Von Bekannten? Den Medien? Wusste er etwas, was die Bodyguards nicht wussten? War er einfach nur paranoid?
Eine der Schwรคchen des Buchs ist, wie ich schon zuvor erwรคhnte, dass wir immer noch keinen Bericht aus erster Hand darรผber bekommen, was passierte, nachdem Michael Las Vegas verlassen hat und fรผr die TII-Proben nach LA umgezogen war. Wie sie sagen, hatte zu dem Zeitpunkt รผberwiegend Michael Amir Michaels Aufmerksamkeit, und es gab die Three Stooges… bzw: โdie drei Managerโ – Tohme, DiLeo und Leonard Rowe, die alle drei gleichzeitig in Michaels Namen handelten, und nicht zu vergessen, ein vollkommen neues Security-Team und natรผrlich Dr. Murray.
Zu Murray wird in dem Buch nicht allzu viel gesagt, wenn man bedenkt, dass er derjenige war, der die tรถdliche Dosis in Michaels Venen spritzte; nur dass er kurzzeitig in Las Vegas der Arzt der Kinder war und Michael wollte, dass AEG ihn fรผr die TII-Proben und die Tour anstellte (das sind ihre Worte, nicht meine). Die Ereignisse vom 25. Juni 2009 und die Details aus dem Report der Gerichtsmedizin werden oberflรคchlich angesprochen und sie bieten Murrays Timeline der Ereignisse laut der offiziellen Aussage, die er bei der Polizei ablegte, ohne auf die gewaltigen Abweichungen und Lรผcken hinzuweisen, die diese Timeline hat und die in der Gerichtsverhandlung zum Vorschein kamen, oder auf Murrays 17 ungeheuerlichen Abweichungen vom medizinischen Standard, wie sie von Dr. Shafer genannt wurden, einzugehen. Der einzige Einwand, der an dieser Stelle von Whitfield gemacht wird, ist sein emotionaler Kommentar dazu, dass er nie verstehen wird, warum Michael so spรคt ins Krankenhaus gebracht wurde:
โSpรคter, als ich den 911-Notruf hรถrte, hรถrte ich, wie sie am Telefon sagten, โWir haben einen Herrn hier. Er atmet nicht.โ Vergesst das! Ich hรคtte ihn ins Auto geworfen und ihn selbst ins Krankenhaus gebracht. Es war nur ein paar Meilen weg. Ich hรคtte ihn da rausgeholt. Er atmet nicht? Dann los! Wir fahren los! Vielleicht wรคre es anders gewesen, wenn ich wirklich dort gewesen wรคre. Vielleicht stelle ich mir jetzt nur vor, wie ich reagiert hรคtte, aber ich glaube wirklich, ich hรคtte nicht einfach da gesessen und auf den Notarzt gewartet.โ (Bill Whitfield, Auszug Remember The Time S. 301)
Abgesehen von diesen emotionalen Worten wird Murrays Beteiligung und Verantwortung seltsam neutral behandelt, und es scheint Dr. Karen Moriartys Aussage zu stรผtzen, die sie in ihrem eigenen Buch im Kapitel โThe Black Doorโ macht: โWir hatten Dr. Murray betreffend eine andere Meinung, und ich habe unverรคnderte Wutgefรผhle zu Murrays Rolle beim Tod von Michael Jackson.โ Das war schlieรlich โ unter anderem โ eines der Probleme, was dazu fรผhrte, dass man getrennte Wege ging, und zwei verschiedene Bรผcher schrieb.
Nicht, dass sie jemals angeben wรผrden, Murray sei unschuldig, oder habe es nicht verdient, verurteilt worden zu sein. Aber indem sie sich rein an Fakten halten, wie denen von Murrays Polizei-Befragung, ist das eine seltsam neutrale Sichtweise. Den einzigen Grund, den ich mir dazu denken kann, ist, dass sie mit Murray etwas wie ein persรถnliches Verhรคltnis aufgebaut hatten, als dieser die Kinder in Las Vegas behandelte. Es war auรerdem auch Beards Cousin Jeff Adams, der Dr.Murray empfohlen hatte. (Murray war Adams Hausarzt), es sieht also so aus, als gรคbe es dort ein paar Verbindungen. Vielleicht denken sie auch, wie so viele, Murray sei nur ein Bauernopfer gewesen. Auch wenn ich diese Mรถglichkeit nie ausgeschlossen habe, spricht das dennoch Murray in keiner Weise von seiner Verantwortung bei Michaels Tod frei.
Das empfand ich als einer der grรถรten Mรคngel des Buchs. Wenn jemand das Buch kauft, um neue Details รผber Michaels letzte Wochen, oder die Tage vor seinem Tod zu erfahren, wird er enttรคuscht sein, denn in der Sache gibt es nicht viel Neues.

Mir kommt dazu auch noch ein anderer verwirrender Gedanke. Kรถnnte es sein, dass, wenn Michael Whitfield und Beard in dem Maรe vertraute, wie sie es im Buch sagen, er dieses Vertrauen auch auf Murray ausgedehnt hatte, der ihm ja schlieรlich in Verbindung mit ihrem Angestelltenverhรคltnis empfohlen worden war? Ich bin mir sicher, dass Adams es gut meinte, als er Murray empfahl (der bis dahin ein unbescholtener Arzt war, und es deshalb kein Grund gab, ihm zu misstrauen, und sicherlich konnte auch keiner die Tragรถdie vorhersehen, die letztlich dieser Empfehlung folgte.) – und dennoch ist es eine verstรถrende Sache, die man nicht einfach unter den Teppich kehren kann.
Das Buch bestรคtigt jedoch auch etwas zu Michaels Schlaflosigkeit, das ich mir immer so gedacht hatte. Es war fรผr ihn nur dann ein Problem, wenn er unter Stress stand, oder wenn er sich an strenge Terminplรคne halten musste. Wenn Michael nicht damit belastet war, performen zu mรผssen, oder einen engen Terminplan einhalten musste, war es kein Problem, die ganze Nacht wach zu sein und dann irgendwann am Tag eine Auszeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen. Die Bodyguards nahmen einfach seine Kinder mit zum Spielplatz und gaben ihm die Zeit, sich zu entspannen. Ohne den Stress von Proben stellte sich sein Kรถrper von selbst auf den Rhythmus ein, mit dem es ihm gut ging, er brauchte kein Propofol und auch keine der โBehandlungenโ Murrays.
Die Stรคrke des Buches liegt in dem Kern der Erzรคhlung, die Geschichte รผber den berรผhmten alleinerziehenden Vater, der darum kรคmpft, seine Familie zusammenzuhalten, trotz groรer Hindernisse. Meine liebsten Abschnitte sind diese ersten Szenen im ersten Haus in Las Vegas und spรคter, wenn die Familie in Middleburg, Virginia wohnt (was als Urlaub geplant war und dann zu einem ausgedehnten Aufenthalt am Land wurde.) Das waren einfache, glรผckliche Zeiten โ Michael ging tatsรคchlich zu Wallmart einkaufen (eine der lustigsten Szenen im Buch); er kaufte Feuerwerkskรถrper und lies sie mit seinen Kindern drauรen am Feld los. Man wรผnscht sich, das Buch kรถnnte diese Zeit einfrieren und dort, in diesen kleinen Augenblicken, in denen wir ihn am glรผcklichsten erleben, stehen bleiben.
Sind solche Bรผcher ein Vertrauensbruch? Sicher gibt es zu dieser Frage keine einfache Antwort. Diese Jungs arbeiteten fรผr Michael Jackson. Viele der kleinen Sachen, von denen sie Mitwisser geworden sind โ auch so scheinbar harmlose Dinge, wie ein Vorrat an Tabasco Soรe oder das Feuerwerk abbrennen mit den Kindern โ waren Dinge, die Michael fรผr sich und die Kinder behalten wollte. Wir kรถnnen uns wohl nur vorstellen, was er รผber das Enthรผllen der โgeheimenโ Freundin gedacht hรคtte. Oder die Peinlichkeit, wenn jeder weiร, seine Kreditkarten waren nicht gedeckt. Der allererste Satz im Buch lautet:
โDu wรผrdest dieses Buch nicht lesen, wenn Michael Jackson noch leben wรผrde.โ
Das ist zweifellos wahr. Ich verstehe die Funktion dieses Statements. Es ist wie: ‘Ok, wenn du das eingestehst und das Buch auch schon besitzt, dann warst du zumindest schneller als andere.’
Aber hier ist die Realitรคt. Michael ist gegangen, und in der durch seinen Tod entstandenen Leere, wรผrden es zum groรen Teil nur die Tabloids sein, die seine Geschichte erzรคhlen wรผrden, wenn es nicht ehrliche Bรผcher wie dieses gรคbe, die sich dem Mรผll entgegenstellen. Wir kรถnnten sagen, alles, was zรคhlt โ oder zรคhlen sollte โ sind seine Songs, seine Kunst, seine humanitรคren Leistungen. Wir kรถnnen das so lange wiederholen, bis wir blau im Gesicht werden, aber es wird auch dann nichts an der Tatsache รคndern, dass es einen unersรคttlichen Markt fรผr Tratsch und Klatsch gibt. Fakt ist, es wurden (und werden) hunderte von Bรผchern รผber Michaels Leben geschrieben. Manche davon sind absoluter Mรผll, in denen Michael unter ein Mikroskop gelegt wird, und wie eine Spezies studiert wird, anstatt dass er als komplexe Person, Kรผnstler, Mann, Vater und Mensch verstanden werden wรผrde. Bรผcher von Fans โ wenn auch oft besser recherchiert und wirklichkeitsnรคher als die Angebote der groรen Verlage โ werden nur selten vom Mainstream ernst genommen. Bei Bรผchern von neutralen Journalisten heiรt es oft โaber sie haben ihn ja nicht mal gekannt.โ Und Bรผcher von Freunden und Mitarbeitern โ die ihn kannten โ werden oft als Betrug angegriffen, auch wenn sie wohlwollend sind.
Unter den Umstรคnden wird es unmรถglich, es jedem recht zu machen. Ich denke aber, dass Bรผcher wie dieses wesentlich dazu beitragen, die Geschichte und (oft falsche) Wahrnehmung Michaels in der รffentlichkeit zu verรคndern. Wir kรถnnen natรผrlich nicht alles auf einmal haben. Es kann sein, dass wir fรผr jeden Bericht, der ihm zugutekommt, ein paar inhaltliche Mรคngel an anderer Stelle in Kauf nehmen mรผssen. Michael war nicht perfekt, und ein Bericht aus erster Hand, der ihn so portrรคtieren wรผrde, wรคre zwangslรคufig eine Lรผge. Trotzdem โ wenn wir ein paar Mรคngel akzeptieren (ok, er gab gerne Geld aus, sammelte manchmal seltsame Dinge wie Puppen und Tabasco Soรe, – ja und?) ist die Belohnung dafรผr, dass wir einen auรergewรถhnlichen Mann und Vater kennenlernen, der mit seinem Leben und seiner Musik Berge versetzte, und der beherzt darum kรคmpfte das zu behalten, was ihm am wertvollsten war, trotz allen Hindernissen, die sich ihm in den Weg stellten.

DAS ist die Geschichte, die das Buch versucht zu erzรคhlen. Es wird dich mit den guten Momenten zu Lachen bringen und mit den sรผรen zum Lรคcheln. Aber alles in allem wird man mit einem Gefรผhl der ohnmรคchtigen Wut zurรผckgelassen werden, darรผber, dass das friedliche Leben und der Seelenfrieden, nachdem Michael sich in seinem Leben so verzweifelt sehnte, nie ein realistisch erreichbares Ziel war.
Nicht, solange man noch einen Dollar mehr mit ihm machen konnte, und noch ein paar gnadenlose Forderungen stellen konnte.
รbersetzung: M.v.d.L.
- Der Link http :// www .allforloveblog .com/?p=9205 funktioniert leider nicht mehr. โฉ๏ธ
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