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Review zum Buch „Remember The Time – Protecting Michael Jackson in his final days.“

by on 17. June 2014

Übersetzung einer ausführlichen Review zum Buch von Bill Whitfield und Javon Beard: ‘Remember The Time – Protecting Michael Jackson in his final days’.

Die Review stammt im Original von Raven (All For Love Blog) und ich habe sie – da sie sehr meiner eigenen Sicht entspricht – mit ihrem Einverständnis übersetzt.

Thank You, Raven!

Link zum Original: http://www.allforloveblog.com/?p=9205

Nachdem ich letzte Nacht Bill Whitfield und Javon Beards Buch „Remember The Time: Protecting Michael Jackson In His Final Days“ fertig gelesen habe, stehe ich da und verspüre brennende, ohnmächtige Wut und Traurigkeit. „Ohnmächtig“ ist genau das richtige Wort dafür. Diese Emotionen sind ohnmächtig, einfach deshalb weil, – egal wie stark sie auch nach Beenden des Buchs sein mögen- das was bleibt ein anhaltendes Gefühl von Hilflosigkeit ist. Michaels Leben ist das, zu dem es wurde und jetzt ist er fort. Er ist gegangen und niemand kann daran etwas ändern; niemand kann zurückgehen und irgend etwas ändern. Wir können nicht all die Verletzungen, die einem menschlichen Wesen zugefügt wurden ungeschehen machen. Uns bleibt nur, den Scherbenhaufen anzusehen und zu versuchen, zu verstehen. Das ist, neben allem anderen, was ich von diesem Buch mitnehme.

Ich glaube auch, dass Whitfield und Beard auf ihre Art auch noch immer versuchen zu verstehen, was mit Michael Jackson, dem Mann den sie liebevoll als ihr „Boss“ bezeichnen, geschehen ist, und dass es ihr Bestreben ist den Fans dabei zu helfen, es auch zu verstehen. In welchem Ausmass das Buch dieses Ziel erreicht oder verfehlt, hängt zu einem großen Teil davon ab, was der Leser von ihm erwartet. Es hat seine starken und seine schwachen Bereiche.

Der Titel ist etwas klischeehaft und ausserdem auch schon Titel eines anderen MJ-Buchs, geschrieben von Theresa Gonsalves. Aber für Titel gibt es kein Copyright und es ist definitiv nicht das selbe Buch.

Trotzdem werden MJ- Fans und clevere Leser wissen, warum einige Teile des Buchs vertraut klingen. Das kommt daher, dass ein Teil des Buchs schon zuvor erzählt wurde, von Dr. Karen Moriarty in ihrem selbst-herausgegebenen Buch „Defending A King: His Life & Legacy“. Dieses Buch-Projekt startete damit, dass Dr. Moriarty sich ursprünglich mit Whitfield, Beard und Michael Garcia (der sich später davon zurückzog) getroffen hatte, mit der Absicht, die Ghostwriterin für deren Buch zu werden. Was schliesslich mit dieser Abmachung passierte, ist in der Einleitung zu Moriartys Buch ausgeführt, wo sie sagt, dass sie letztlich einfach nicht mit der Geschichte, die sie erzählen wollten, auf der gleichen Linie lagen. Das Ergebnis ist, dass Moriartys Buch, was sich dennoch in den Kapiteln, die die letzten zwei Jahre seines Lebens portraitieren (besonders die Zeit in Las Vegas), sehr auf die Erzählungen der Bodyguards stützt, sich aber dann zu einem eigenen Buch entwickelte, zu einer Biografie anstatt eines Memoirs. Nachdem ich das Buch gelesen habe, verstehe ich besser, wodurch diese Differenzen entstanden. Ich komme später kurz darauf zurück.

Jonathan Exley Neverland 2004

Die Wahl des Cover-Fotos ist interessant. Es ist das gleiche Foto, welches für die Promo der M. Bashir Dokumentation „Living with Michael Jackson“ benutzt wurde. Es ist ein sehr schönes Foto aus Michaels späteren Jahren, welches passend ist, weil das Buch etwa die letzten beiden Jahre seines Lebens beschreibt. Aber es ist zugleich ein Foto, was seine Einsamkeit und Isolation hervorhebt. (Michael lächelt auf dem Foto nicht, seine Pose ist eher nachdenklich, sein Ausdruck meditativ, melancholisch, sein Blick geht in die Ferne als ob er etwas sucht, was dort nicht zu finden ist.) Für den Leser gibt dieses passende und eindringliche Bild einen ersten Eindruck auf den Inhalt, da Michaels Isolation wirklich zum zentralen Thema des Buchs wird.

Jedesmal, wenn ich ein Buch lese, das von jemand geschrieben wurde, der Michael wirklich kannte oder mit ihm zusammen gearbeitet hat versuche ich, unvoreingenommen zu bleiben und auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Unvoreingenommenheit ist wichtig, denn ich bedenke immer, dass ich nicht behaupten kann, mehr über Michael zu wissen, als diejenigen die rund um die Uhr um ihn herum waren. Gelegentlich bedeutet das, dass das Bild, das sie präsentieren nicht mit dem Michael übereinstimmt, den ich glaubte so gut zu kennen. (ich fand allerdings, dass es hier nie der Fall war; glücklicherweise habe ich nicht eine idyllische Version von Michael im Kopf, und ich denke, das hilft dabei, unvoreingenommen zu bleiben.) „Eine kleine Prise Salz“ (nicht alles auf die Goldwaage zu legen) hilft aber auch dabei. Ich weiß aber auch, dass letztlich jede Sicht auf Michael – auch die derjenigen, die sich als Freunde bezeichnen oder die Angestellte waren, und jeden Tag für ihn arbeiteten – letztlich eine durch ihre eigene Erfahrung beeinflusste Wahrnehmung sein wird, ob positiv oder negativ. Es besteht auch immer die Gefahr des „ich war der Einzige, dem er vertrauen konnte/ der Einzige auf den er sich verlassen konnte“ – Syndroms, dem sich der Leser jeder Zeit bewusst sein muss, wenn er ein Buch in die Hand nimmt, welches von jemand geschrieben wurde, der nahe an Michael herankam. Ich rechne Beard und Whitfield positiv an, dass sie über dieses Syndrom sehr ehrlich berichten (sie behaupten nicht, dass sie dagegen immun waren, oder dass sie die Ausnahme von der Regel seien.) Und im Buch analysieren sie auch ausführlich dieses eigenartige Phänomen was mit Berühmtheit einhergeht – was jedoch nicht so eigentümlich ist wenn man bedenkt, dass es immer um den Kampf nach Macht geht, wenn man über Michael Jackson und sein Imperium spricht, darum, wer die Kontrolle hat, wer in welchem Moment seine Aufmerksamkeit hatte. Und auch nicht zu vergessen, dass Michael diese angeborene Fähigkeit – diese Aura – hatte, die jeden in seiner Nähe sich als etwas Besonderes fühlen lies, so als sei man der Einzige und Wichtigste in seiner Welt. Es war eine besondere Gabe Michaels, aber es war auch eine, die sich manchmal als Nachteil erwies.

Doch Whitfield und Beard waren es gewohnt, mit berühmten Menschen zusammen zu sein, auch wenn sie zugegebener Weise zuerst etwas beeindruckt (starstrucked) waren, als ihnen klar wurde, dass sie für Michael Jackson arbeiteten. Das gab sich jedoch bald, als sie sich in ihren Job eingearbeitet hatten, nämlich einfach eine Familie zu schützen – einen allein erziehenden Vater, seine drei Kinder und eine wachsende Menge an Tieren, mit denen die Kinder, die in ihrem einzigen dauerhaften Zuhause Neverland aufgewachsen waren, versuchten, die entstandene Leere zu füllen. Es gibt Abschnitte, da scheint die Geschichte fast wie ein Pilotfilm zur Fernseh-Serie „The Brady Bunch“ zu sein (http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Mädchen_und_drei_Jungen) – „Hier die Geschichte eines liebenswerten Vaters/ der drei sehr liebenswerte Kinder aufzieht“ – und alles was dazu noch fehlen würde ist eine „Alice“ – aber dafür haben wir Grace, Bill und Javon, die eigentlich diese Rolle übernehmen, auch wenn sie dabei Waffen tragen. Alles ist sehr nett, aber über allem hängt das Wissen um die Tragik dieser Familie; einer Familie, die gelernt hat in einer schützenden Blase zu leben und die niemals einfach nur „normal“ sein kann. (obgleich ihr Bestreben nach Normalität den schmerzlichen Kern der Geschichte ausmacht.) Und es ist eine Geschichte von der wir leider schon wissen, wie fatal sie endet.

Es ergeben sich einige der Fragen, die man auch stellen könnte, wenn man z.B einen Film wie Titanic ansieht. Wenn wir schon das Ende kennen, warum lesen wir dann ein solches Buch? Einfache Antwort. Immer, wenn wir schon wissen, wie die Geschichte endet, lesen wir nicht wegen dem Ziel, sondern wegen dem Weg dahin. Wir lesen, weil wir immer mehr darüber lesen/lernen wollen, wer Michael war/ist. Die Faszination damit hört niemals auf. Natürlich können wir sagen, er sagte uns alles, was wir wissen müssen mit seiner Musik – und es ist in der Tat so, dass er uns durch seine Musik und seine Gedichte mehr sagte, als wir es jemals von einer Biografie bekommen werden. Aber dennoch bleibt da ein Verlangen zu wissen… wie war sein Alltags-Leben? Wie war es, mit ihm zusammen zu sein? Wie kam er mit dem Irrsinn seines Lebens und mit diesen ständigen Machtkämpfen in seinem Umfeld zurecht? Und wir lesen, weil wir immer noch Antworten suchen. Was passierte mit Michael Jackson gerade in seinen letzten Tagen? Remember The Time gibt uns diese Antworten nicht, aber es gibt uns viele Einblicke in dieses Leben. Ich glaube, was viele, so wie auch ich, von diesem Buch mitnehmen ist, dass trotz all des Reichtums und Ruhms Michaels, wir nicht unser Leben gegen seines eintauschen wollen. Beim Lesen des Buchs durchlief ich viele Emotionen, manchmal musste ich lachen – ‘ja, das hört sich genau nach Michael an!’ – manchmal fühlte ich ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit, als sie sahen, wie die Dinge sich um Michael herum entwickelten (Dinge, die sie nur mit ansehen konnten, ohne etwas tun zu können, um sie zu stoppen). Ich musste oft mit dem Lesen aufhören, um Tränen fort zu wischen, und am Ende fühlte ich Whitfiels brennende Wut, als er bei Michaels Memorial saß und aus nächster Nähe die Scheinheiligkeit all derer bezeugen konnte, die behaupteten Michaels Freunde zu sein – aber niemals da gewesen waren.

Memorial

Ich hoffe, das nimmt denen, die es bisher noch nicht gelesen haben, nicht zu viel vorweg, aber das ist genau der Ton mit dem dieses Buch endet. Es ist ein in mancher Hinsicht merkwürdiges Ende. Es gibt keine Resolution, keine großartige Ausführungen darüber, wer Michael war, oder was er der Welt als Künstler und Ikone bedeutete, nichts in der Art von „Wow, wenn Michael all diese Liebe, die dort für ihn zum Ausdruck kam, hätte sehen können.“ Stattdessen endet es mit einer Bemerkung, die sehr aufrüttelt aber auch schonungslos ehrlich ist. Whitfield war mit Michael in der Zeit zusammen in der er isoliert und einsam war, er erinnert sich nur zu gut an die, die sich niemals blicken liessen, an die, die nur Lippenbekenntnisse ablegten, dass sie Michael unterstützen würden, an die, die anriefen und sagten „Ich bete für dich“ – aber sich niemals blicken liessen. Ich erkenne es an, dass das Buch hier nichts beschönigt, denn das ist offen gesagt ein Teil der Geschichte, der erzählt werden muss. Die Geschichte hätte auch, wie so oft, unter den Klängen von „Man In The Mirror“ enden können, wobei sich alle an den Händen fassen um daran zu erinnern, welch helles Licht Michael ausstrahlte, und wie sehr ihn alle liebten – und natürlich tun wir das, auch dann, wenn wir uns nicht immer genug Zeit nahmen, es zu sagen.

Stattdessen endet es in einem bitteren, aufrüttelnden Ton, wie die betäubende Stille nach einem Gewehrschuss. Wie gesagt, es ist nicht angenehm, und es lässt den Leser beunruhigt zurück, aber ich schätze es als aufrichtige Emotion, nichts wird versüßt und beschönigt. Vielleicht gibt es ein paar Leute, die die Wahrheit hören „müssen“. Wahrscheinlich sind es sogar viele, die es hören müssen.

Es sind ehrliche Emotionen und sie bringen einige der interessanten Unterschiede zwischen einem Memoir und einer Biographie zum Vorschein. Und das ist ein wichtiger Unterschied, den wir immer bedenken sollten, wenn wir ein solches Buch lesen. Memoiren – bei denen dem Autor die Begebenheit, über die er schreibt, bekannt ist und die deshalb aus eigener Erfahrung geschrieben wird – sind von Natur aus intimer und persönlicher, als Biographien, die von neutralen Journalisten oder aussenstehenden Personen geschrieben werden. Aber aufgrund dieser Intimität haben sie auch zu erwartende Begrenzungen. Wir müssen uns damit abfinden, nur ein schmales Spektrum des Bildes zu bekommen, eines, das die Erfahrungen aus erster Hand dieser Menschen gefiltert ist und durch diese Erfahrungen auch eingeschränkt ist. So wie bei jedem Ich-Erzähler (fiktional oder nicht), kann der „Ich“ Erzähler sich nur auf das beziehen, was das „Ich“ weiß. Das wird besonders dann problematisch, wenn das Thema auch Personen aus dem wirklichen Leben beinhaltet und besonders dann, wenn es sich um jemand handelt, der so komplex ist und der so sehr versuchte, sein Leben in unterschiedliche Bereiche aufzuteilen, wie Michael. So wie es Michael gelang, seine Dates komplett vom Leben mit seinen drei Kindern zu trennen, (keine von Michaels geheimen „Freundinnen“ wurde jemals in sein Haus gebracht, sondern sie trafen sich immer in Hotels) glaube ich auch, dass oft die Seite, die Freunde und Angestellte von Michael zu sehen bekamen, genau die war, die er ihnen zeigen wollte. Damit soll nicht suggeriert werden, er wollte etwas verbergen; ich denke es war einfach eine Strategie, die sich entwickelt hat um mit seinem sehr ungewöhnlichen Leben zurecht zu kommen.

Obwohl er mit Whitfield und Beard sehr vertraut wurde und ihnen zu vertrauen schien, waren sie dennoch nur Angestellte; ihr Platz war in der Garage oder im Security-Trailer. Als Leser müssen wir berücksichtigen, dass ihre Geschichte zumindest auch durch diese Distanz gefiltert ist – eine Distanz, die sie befähigte, unparteiische Beobachter zu sein aber auch – weil die Zahl der Angestellten auf ein Minimum geschrumpft war – eine bestimmte Art der Nähe beinhaltete. Man kennt den Ausdruck „Wie eine Fliege an der Wand“. Genau so – sie waren immer dort und gleichzeitig „nicht dort“ – Zeugen von Vorgängen und teilweise auch darin involviert, aber nie wirklich eng darin eingebunden.

In anderen Worten heisst das, wir können nie erwarten, dass die Geschichte eines Einzelnen das definitive Bild von Michael – wer er war oder wie er sein Leben lebte – wiedergibt. Es ist vielmehr so, dass jede individuelle Geschichte ein kleines Teil des Puzzles ist. Ich versuche immer, an jedes Memoir über Michael unter diesem Aspekt heran zu gehen, es zu sehen, als das, was es ist: nicht mehr und nicht weniger wie die Version der Wahrheit einer Person (oder von zwei, wie in diesem Fall) – die Wahrheit, wie sie sie erfahren haben. Das Wort Memoir stammt vom Wort memory (Erinnerung) ab.

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Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Bücher über Michael, die ich am meisten geniesse die sind, die ihn als menschliches Wesen mit Fehlern portraitieren, nicht zu dem Zweck, ihn auszubeuten oder fertig zu machen (dazu gibt es schon genug Bücher am Markt), sondern um ihn in all seiner menschlichen Komplexität zu zeigen, weder mit Teufelshörnern, noch mit Engelsflügeln und Heiligenschein. Mich interessiert Michael Jackson, das menschliche Wesen, und nicht ein Gott.

Remember The Time hält diese Balance, aber wir dürfen dabei nicht die Begrenzungen von Erinnerungen vergessen.

Bill Whitfield und Javon Beard kannten Michael nur während den letzten zwei-einhalb Jahren seines Lebens persönlich. Sie wurden schon kritisiert dafür, weil der Untertitel des Buchs “Protecting Michael Jackson In His Final Days” lautet (Michael Jackson in seinen letzten Tagen schützend), aber beim lesen des Buchs geben sie zu, dass sie in diesen letzten Monaten nicht mit ihm in LA waren. Zu der Zeit waren ihre Verantwortlichkeiten sehr reduziert und sie blieben in Las Vegas zurück. (besonders Bill Whitfield quält sich mit dieser Tatsache am Ende des Buchs herum). Folglich beruhen die letzten Kapitel des Buchs dann auch mehr auf Hören-Sagen, als auf persönliche Erfahrungen. Mit anderen Worten: sie kennen die Details von dem, was in diesen letzten Monaten in Holmby Hills passierte zum Großteil durch die gleichen Quellen, wie wir- durch das, was sie lasen und in den Medien hörten. In diesem Punkt enttäuscht das Buch etwas, falls jemand erwartete neue Erkenntnisse über das zu gewinnen, was wirklich mit Michael in diesen letzten Tagen passierte. Die Bodyguards haben diese Antworten einfach nicht – oder wenn sie sie haben, schweigen sie vielleicht aus gutem Grund. Wie in vielen Büchern gibt es da einige Spekulation, aber letztlich bleibt das, was mit Michael an seinen letzten Tagen – bis auf das, was durch die Medien und den Prozess schon bekannt wurde – ein Mysterium.

Was Whitfield und Beard aber liefern, ist ein faszinierender Einblick in die Monate, die Michaels Abreise nach LA vorangingen, und sie sparen nicht damit, die Haupt-Beteiligten zu nennen, die die Falle bauten, die Michael letztlich verzehrte und umbrachte. Was dabei entsteht ist ein wirklich furchtbares Bild. Und womit man zurückbleibt ist das quälende Bild eines Mannes, der buchstäblich von seinem eigenen Imperium verzehrt wird – ein Imperium, das er selbst schuf, was aber letztlich größer wurde, als er selbst, und zu groß, um es noch selbst kontrollieren zu können.

Weil Whitfield und Beards Erfahrungen auf diese letzten zwei-einhalb Jahre, in denen sie ihn kannten, begrenzt sind sollten wir auch bedenken, dass ihr Portrait von Michael nicht ein definitives ist, und das sollten wir auch nicht erwarten. Wir müssen einige Dinge aus dem richtigen Blickwinkel sehen. Der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten, war ein Mensch, der gerade aus einer Art Exil zurückkam, nachdem er etwas durchgemacht hatte, was zu den traumatischsten Erfahrungen gehört, die man als Mensch durchmachen kann. Michael leidet immer noch unter post-traumatischem Stress, verursacht nicht nur durch den Prozess und die Beschuldigungen, sondern auch durch die jahrelange negative Presse; durch all die Jahre, in denen die Welt ihn als „Wacko-Jacko“ wahrnahm, durch jahrelange Konfrontation mit Gerichtsverfahren, Aasgeiern und Druck. Seine Kreativität war nicht ausgebrannt, aber was sein Leben betraf, war er zu diesem Zeitpunkt sehr ausgebrannt. Solche post-traumatischen Belastungsstörungen, die bei jedem, der solches durchgemacht hat, verständlich wären, sind sicher eine Erklärung dafür, warum Michael zu diesem Zeitpunkt sich und seine Kinder von der Welt isolieren wollte. Er wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Wie er es immer wieder sagte, er wollte in Ruhe gelassen werden und einfach sein Leben mit seinen Kindern geniessen.

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Michaels Isolation wird zu einem zentralen Thema des Buchs. Wie ich schon vor ein paar Jahren sagte, als ich eine Review zum Buch von Dr. Moriarty schrieb, ist der qualvollste Aspekt dieser Geschichte, vielleicht der des allein erziehenden Vaters und seinen Kindern, deren Leben durch die Umstände zunehmend eingeschränkt wird. Ihre Existenz hat sich von der ausgedehnten Freiheit auf einem 2700-acre Anwesen, über ständig wechselnde Hotelzimmer und gemietete Häuser bis hin zu einem beengten Wohnort entwickelt, wo man nicht einmal mehr im Pool schwimmen konnte, ohne dass man von den Nachbarn beobachtet wurde. Und jeder, der das liest und sich denkt „Naja, das ist immer noch besser, wie das Leben, was ich meinen Kindern bieten kann – ich habe nicht mal einen Pool!“ sollte es nocheinmal überdenken. Das hätte auch mein erster Gedanke sein könen. Bis du einen Bericht aus erster Hand darüber bekommst, wie es sich anfühlt, noch nicht einmal in der Lage zu sein, einfach bei Chuck E Cheese an einem Tisch zu sitzen, um den Geburtstag deiner Tochter zu feiern, oder nebenan in einem geparkten Auto sitzen zu müssen, damit du aus der Distanz deine Kinder beim Spielen beobachten kannst. Dieses letzte Bild verfolgt mich, seitdem ich das Buch geschlossen habe. Es ist nicht so, dass mir diese Aspekte von Michaels Leben nicht bewusst gewesen wären. Nur manchmal bedarf es eines guten Autors oder Erzählers, der dich genau in einem solchen Moment mitnimmt – und dich fühlen lässt, wie es ist, dort mit Michael in dem geparkten Auto zu sitzen und deine Kinder nur aus der Entfernung beobachten zu können – das macht es wirklich greifbar. Michael Jackson, der Mann der so viel Zeit seiner Kindheit damit verbrachte, anderen Kindern beim Spielen auf Spielplätzen zu sehen zu müssen, kann jetzt nur in einem geparkten Auto sitzen, und durch einen Spalt im Fenster seinen eigenen Kindern aus der Ferne beim Spielen zu sehen.

Noch schlimmer ist die Vorstellung, nicht zu wissen, ob du mit deinen Kindern eine ruhige Nacht unter dem eigenen Dach verbringen kannst – oder ob du plötzlich von einem Warnruf deiner Security aus dem Schlaf gerissen wirst, die dir sagt, dass du dich mit deinen Kindern sofort in Sicherheit bringen musst, weil es eine Drohung gab.

Michaels Kinder hatten sicherlich jeder Art materiellen Besitz. Und solange ihr Vater lebte, hatten sie einen Mittelpunkt, ein Elternteil, von dem sie wussten, dass er immer für sie da sein würde. Aber sieht man von den Spielsachen und den materiellen Dingen ab, war das die Art, auf die sie lebten, und man kann erkennen, wie es ihren Vater innerlich zerfrisst. Welche Eltern wollen ihren Kinden nicht ein sicheres Leben bieten? Das war es, was Michael seinen Kindern in diesen letzten Jahren nicht bieten konnte – diese Sache, die seine Kinder mehr brauchten als alle Spielsachen von FAO-Schwarz zusammen – das war es, was ihn innerlich zerfrass.

Das war der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten – ein Mann der durch furchtbare Ereignisse seines Lebens traumatisiert war, und der um das Wohl seiner Kinder kämpfte um alles zusammenzuhalten. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass er sich vom Leben zurückziehen wollte. Sich Zurückzuziehen ist ein natürlicher Instinkt, wenn man unter post-traumatischem Stress leidet. Auch wenn Beard und Whitfield oft zumindest zum Teil andere beschuldigen, an Michaels Isolation schuld zu sein, frage ich mich doch, ob es nicht auch bis zu einem gewissen Grad ein Ergebnis der Signale war, die Michael in die Welt aussendete. Anders gesagt, wenn genug Leute spüren – und den Hinweis laut und deutlich bekommen – dass du einfach nur in Ruhe gelassen werden willst, werden sie letztlich irgendwann ganz genau das tun. Sie werden dich in Ruhe lassen. Ich habe das Gefühl, dass Michael während dieser Zeit nicht ausdrücklich versuchte, andere zu erreichen – aber es könnte auch sein, dass er es zu diesem Zeitpunkt auch einfach nur satt hatte, es zu versuchen. Ein Mensch, der immer wieder gegen eine Wand rennt, gibt es letztlich auf.

Die zwei Männer gaben auch mehrmals an, dass der Mann, den sie „Boss“ nannten nicht zwangsläufig der gleiche war wie der, der als King Of Pop bekannt ist. (das war ein anderer Typ, eine andere Person. Eine, die sie nur zu bestimmten Gelegenheiten sahen, wie z.B. beim Vogue- und Ebony-Shooting, oder wenn er für eine Gruppe Fans „Michael“ wurde.) Er war auch ein anderer, als der Sohn oder Bruder, den seine Famile kannte, oder der Freund, den viele seiner Musikerkollegen beim Memorial priesen. Sie sagen, der Michael, den sie kannten war anders. Und einer der schmerzlichsten Momente des Buchs ist ziemlich am Ende, als Whitfield beim Memorial sitzt, aufgebracht durch die Scheinheiligkeit, die er überall um sich herum sieht. Da gab es viel zu viele, die nur dort waren, um gesehen zu werden; die nicht aufrichtig trauerten. Aber unter den Hunderten, die dort waren, nur weil das Memorial ein trendiger Ort war, wo man an diesem Tag gesehen werden musste, waren auch ein paar wirklich trauernde – die Familienmitglieder, die einen Sohn, einen Bruder verloren hatten, die Kinder, die den Vater verloren hatten, die Fans, die ihn wie ein Familienmitglied liebten, ein paar wirkliche, langjährige Freunde aus dem Musikgeschäft, wie Berry Gordy; ein paar Entertainer, die vielleicht wirklich um den Verlust eines Helden und Mentors trauerten; ein paar Frauen, so wie „Friend“, die ihn als Liebhaber und als Freund gekannt hatten… und dann war da Whitfield selbst, irgendwie ein Aussenseiter, der immer noch versuchte, sich über seine Rolle in Michaels Leben klar zu werden, und mit den vielen damit verbundenen Emotionen.

Schliesslich war das der Mann, der auch eingesteht, dass er, als Michael ihn anrief um ihm zu sagen, er brauche ihn in LA, irgendwie gehofft hatte, dass es vielleicht nur eine weitere vorübergehende Laune von ihm sei – „so, wie er mich beauftragte, ein Riesenrad oder einen Hubschrauber-Simulator für ihn zu finden. Ich wartete ein paar Tage bevor ich danach sah, um heraus zu finden, ob er die Idee fallen lies oder ob er wieder davon sprechen würde… Und so ging es mir auch, als er mich anrief, damit ich nach LA kommen sollte. Es schien nicht dringend. Das ist, was ich darüber dachte. Ich dachte, wenn es wichtig ist, dann wird er wieder anrufen. Er rief nicht wieder an.“ (Auszug aus ‘Remember The Time’, S. 295)

Es war Mitte Juni 2009, als Whitfield diesen Anruf erhielt. Wir alle wissen, wie die Geschichte endete.

Natürlich ist dieses Buch polarisierend, so wie anscheinend alles, was heutzutage über Michael veröffentlicht wird. Aber die meisten Kritiken scheinen aus den drei Fraktionen zu kommen – diejenigen, die eine bestimmte Agenda haben (so wie z.B. entweder pro-Estate oder anti-Estate), die automatisch jedes Buch niedermachen, welches für ihre Begriffe die falschen Leute kritisiert; dann diejenigen, deren Reaktionen auf sensationellen Tabloid-Geschichten basieren, und diejenigen die es so empfinden, dass jedes Buch – geschrieben von jemand der Michael kannte, oder für ihn arbeitete – einen Betrug darstellt, unabhängig vom Inhalt.

Ich versuche auf die Bedenken von allen drei Gruppen einzugehen. Ich kann aufrichtig sagen, dass ich, – als jemand der selbst keine Agenda hat, der nicht einer Gruppe ‘pro-‘ oder ‘kontra-‘ irgendwas angehört – nicht an irgendwelche versteckte Absichten bei diesem Buch glaube, ausser dass die Autoren fühlten, dass diese Geschichte erzählt werden sollte. Raymond Bain und einige andere bekommen in diesem Buch sicherlich ihr Fett weg. Aber die Bodyguards beschränken ihre persönliche Kritik auf diejenigen, mit denen sie direkt zu tun hatten, und Raymond Bain war ihre Ansprechpartnerin während ihrer Beschäftigungsdauer bei Michael und Grund für viel Verdruss, insbesondere, als sie monatelang nicht bezahlt wurden. Dieses Buch lässt einen sicherlich mit einem üblen Nachgeschmack hinsichtlich Raymond Bain zurück, die sich anscheinend selbst auf Michaels Kosten mit großzügigen Wohnungen in Vegas belohnte – natürlich ohne sein Wissen. Das ist eine Vorgehensweise, die sich tragischerweise durch das ganze Buch hindurch wiederholt. Die Namen ändern sich, aber die Verhaltensmuster und Vorgehensweisen bleiben gleich.

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Dieses Buch scheint in vieler Hinsicht im starken Kontrast zu einem anderen MJ-Buch dieses Sommers zu stehen: „Michael Jackson Inc.“ von Zack Greenburg, welches Michaels brillante Business-Instinkte beleuchtet und beschreibt, wie er sein Imperium aufbaute und ihm auch den Großteil seines Erfolgs auch nach seinem Tod anschreibt. Das birgt eine oft gestellte Frage: ‘Wie kann es sein, dass ein Mann, der ein Multimillionen-Dollar Imperium aufbaute – der Mann, den Michael Jackson Inc. beschreibt – der gleiche Mann ist, der in Remember The Time als jemand beschrieben wird, der knapp an Bargeld ist (wenn auch immer noch sehr wohlhabend am Papier) und der anscheinend die Kontrolle über sein Geld verloren hat?

Ich habe über diese Frage selbst lange nachgedacht. Aber ich glaube, diese beiden anscheinend sehr unterschiedlichen Seiten Michaels – oder seiner Geschichte – schliessen sich nicht zwingend gegenseitig aus. Sie sind eher die extrem gegensätzliche Seiten der gleichen Realität. In seiner Jugend war Michael nicht zu stoppen, nicht zu übertreffen – ein musikalisches Genie, mit messerscharfen Geschäfts-Instinkten, der immer die Kontrolle über sein Imperium und die Leute, die es führten, hatte; der auf clevere Weise seine Anziehungskraft nutzte, damit seine Vorstellungen umgesetzt wurden. Er war der Mann, der 1990 genügend Macht und Einfluss in der Musikindustrie besaß, um fast alles auszuhandeln was er wollte – und er tat es, mit dem bis dahin lukrativsten Plattenvertrag der Musikgeschichte. Und all das geschah zusätzlich zu seinem Kauf des ATV Katalogs und der späteren Fusion zu Sony/ATV.

Aber der Mann, für den Whitfield und Beard arbeiteten, war ein anderer, einer, der emotionale Traumen durchgemacht hatte und sich als Ergebnis davon zurückgezogen hatte. An diesem Punkt schien es, dass Michaels Art, mit dem Chaos seines Lebens umzugehen (denn das war, was zu dem Zeitpunkt daraus geworden war), darin bestand, unangenehme Situationen und unangenehme Personen, von denen er nicht belästigt werden wollte, zu ignorieren. Es schien leichter, alles zu verweigern und zu hoffen, es würde auf magische Weise von selbst verschwinden, oder dass die Leute, denen er darin vertraute es verschwinden zu lassen, ihren Job erledigen würden.

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Auch wenn das schon immer eine Art Muster in Michaels Leben war (schliesslich hatte er seit dem Alter von 10 Jahren immer Leute um sich, die Dinge aushandelten, oder sich um seine Belange kümmerten) scheint es sich dann durch die Traumen und Krisen von allem, dem er ausgesetzt war, verschlimmert zu haben. Besonders eine Passage im Buch hat mich sehr getroffen, weil diese Stelle den Nagel auf den Kopf trifft, wie und warum Michael so anfällig für Gerichtsprozesse wurde – und sie erklärt auch ganz gut, warum ein unschuldiger Mann eine Anschuldigung wegen Kindesbelästigung aussergerichtlich beilegte:

… Michael Jackson war wie ein Fliergenfänger für Gerichtsprozesse. Zu jeder Zeit standen buchstäblich hunderte Verfahren gegen ihn aus. Manche waren albern. Vaterschaftsklagen von Stalkern, solche Sachen. Aber viele davon waren ernst zu nehmende, multimillionen-Dollar-Klagen. Dadurch, dass sich keiner für seine geschäftlichen Angelegenheiten mehr zuständig fühlte, wurden Leute nicht bezahlt. Verträge wurden nicht eingehalten. Es lief ganzes Spektrum an Charaktären auf. Ehemalige Manager und Mitarbeiter, die behaupteten Teil von diesem und jenem zu sein, oder dass sie nicht bezahlt wurden, oder dass ihnen ein Teil von etwas zustehe. Leute, die an seinen Alben und Musikvideos gearbeitet hatten, die behaupteten, nicht ihre anteiligen Tantiemen zu bekommen. Ein Problem verfolgte das andere. Ich bekam all diese Dokumente über FedEx, um sie von ihm unterzeichnen zu lassen, ich sah, wie viel Geld zur Tür hinaus ging. Er zahlte Settlements von einer viertel Million, einer halben Million – was immer gefordert wurde. Die Leute verklagen dich für gewöhnlich dann, wenn sie denken, sie können etwas bekommen, und jeder wusste, verklagst du Michael Jackson, bekommst du eine aussergerichtliche Einigung. Die frivolen Klagen hat er angefochten, diesen Vaterschaftsunsinn. Die konnte er abwehren. Aber wenn du einen Anspruch geltend machen konntest, der sich irgendwie für einen Gerichtsprozess eignete? Er würde einfach bezahlen, damit du verschwindest, denn nachdem, was er 2005 durchgemacht hatte, würde er nie mehr im Leben einen Fuß in einen Gerichtssaal setzen.“  ( Auszug ‘Remember The Time’, S. 194)

Natürlich hat das Settlement mit den Chandlers sie nicht abgehalten, einen Strafantrag zu stellen (wenn sie gewollt hätten) und es beendete auch nicht die Ermittlungen in dem Fall. Aber wie Michael es 2003 selbst zu Martin Bashir sagte, wollte er einfach nur, dass diese Sache verschwindet. „Ich wollte nicht, dass es zu einer langen, ausufernden Sache wird, wie bei O.J., es hätte einfach nicht richtig ausgesehen.“

Es scheint, dass Michael in einem scheusslichen Kreislauf gefangen war, dem er nicht entkommen konnte. Je mehr Fälle er aussergerichtlich beilegte, in der Hoffnung, dass sie einfach verschwinden, desto mehr Klagen kamen hinzu.

War es nötig in dem Buch soviel über Michaels Finanzen zu sprechen? Das ist sicher einer der kontroversen Aspekte dieses Buchs, aber ich denke, die Rechtfertigung dafür ist, dass Whitfield und Beard wirklich wollten, dass Leser und Fans wissen sollten, wogegen Michael ankämpfte – und wer dafür verantwortlich war. Sie machen es sehr deutlich, dass sie für vieles, was vor sich ging, nicht Michael verantwortlich machen (sie blieben bei ihm, auch wenn das bedeutete, manchmal Wochen oder gar Monate nicht bezahlt zu werden), auch wenn sie sich manchmal etwas über ihn ärgerten, und sich wunderten, warum er nicht einfach „seinen Mann stand“; warum er nicht einfach den Bullen bei den Hörnern packte und wieder selbst die Kontrolle über sein Geld übernahm. Aber die Momente der Verärgerung waren nur sehr kurzlebig, weil sie mit der Zeit realisierten, dass das für Michael nie wieder so einfach möglich sein würde.

Ausserdem war die Finanz-Diskussion jahrelang Futter für die Tabloids, wobei viel zu viele ignorante Leute behaupteten, es sei einfach das Ergebnis davon, dass er selbst zuviel ausgebe und verschwenderisch sei. Es schien nie in Betracht gezogen zu werden, dass er von genau den Leuten hintenherum ausgenommen werden könnte, die eigentlich in seinem besten Interesse handeln sollten; nie in Betracht gezogen wurde, dass er solange gegeben hatte, bis fast nichts mehr zum geben da war; nicht in Betracht gezogen wurde, dass es dort eine verletzte Seele gibt, die unter dem Gewicht von Rechnungen und Gerichtsprozessen erstickte, wobei sie eigentlich nichts lieber sein wollte, als ein Vogel, frei, um zu singen und zu fliegen. Remember The Time erzählt uns wenigstens diese Seite der Geschichte in all ihren Facetten. Und auch wenn es intrusiv erscheint, ist es wichtig, um Michaels Denkweise während dieser zwei Jahre zu verstehen und die Verzweiflung, die ihn in den Vertrag mit AEG trieb. Es ist wichtig um zu verstehen, warum es im Frühjahr 2009 nicht weniger als drei Leute gab, die behaupteten Michaels Manager zu sein; und alle handelten Geschäfte aus und unterzeichneten in seinem Namen. Es ist entscheidend um zu verstehen wie tief, dunkel und beängstigend das Loch in dem er lebte geworden war.

Die Kehrseite davon ist natürlich, dass die Medien Auszüge aus dem Buch völlig aus dem Kontext nehmen, um daraus etwas sensationelles zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Artikel von Peter Sheridan (UK) der die Abschnitte über Michaels „geheime“ Freundinnen „Flower“ und „Freund“ völlig falsch darstellte:

Sie beharren darauf, dass trotz aller Vorwürfe der Pädophile – welche sie abweisen – Jackson sich zu Frauen hingezogen fühlte. Sie eröffnen, dass er geheime Rendezvous mit zwei Frauen genoss  denen er die Codenamen „Friend“ und „Flower“ gab. Laut Whitfield war letztere umwerfend schön, und hatte einen osteuropäischen Akzent. Die Bodyguards fuhren herum, während Jackson am Rücksitz seiner Limo Sex hatte. „Wir hatten einen Vorhang, der den Rücksitz abschirmte, du konntest den Rücksitz nicht einsehen,“ sagt Whitfield, der immernoch ihre lauten Geräusche hört. Jackson war immer aufgeregt, wenn Friend in die Stadt kam und schickte seine Bodyguards um ihr verschwenderische Geschenke in Läden wie Tiffanys zu kaufen. Flower kam ein paar Tage, nachdem Friend abgereist war und Jackson hat seine heimliche Sex-Session wiederholt…“ (Auszug Artikel Sheridan)

http://www.express.co.uk/news/showbiz/479900/Michael-Jackson-bodyguards-book-briefcase-woman-credit-card

Und jetzt, was  Beard wirklich im Buch schrieb: „Als Friend wieder kam, sagte Mr. Jackson eines Nachts, er wolle mit ihr nach D.C. fahren. Er wollte sich das Lincoln Memorial ansehen und ein paar der anderen Sehenswürdigkeiten. Also machten wir das Auto fertig. Es war etwa um Mitternacht. Grace blieb bei den Kindern, ich und Bill holten mit Mr. Jackson Friend von ihrem Hotel ab und fuhren in die Stadt. Während wir fuhren, waren sie hinten im Wagen und unterhielten sich und flüsterten. Der Vorhang war geschlossen und wir hatten das Radio angestellt, damit sie ihre Privatsphäre haben konnten. Wir parkten den Wagen etwa ein-einhalb Blocks vom Washington Monument entfernt. Von dort mussten wir laufen. Als wir ankamen, stellte ich das Radio leiser um Mr. Jackson zu sagen, dass wir angekommen waren, und alles was wir hörten, waren schmatzende Lippen hinter diesem Vorhang. Ich kannte das Geräusch genau. Ich wollte sie nicht stören, deshalb hustete ich etwas und sagte: „Mr. Jackson? Mr. Jackson, wir sind da.“  (Auszug aus Remember The Time, S. 178)

Was dort offensichtlich als ein wenig harmlose Knutscherei auf dem Rücksitz beschrieben wird, wurde dann, als der Textauszug in den Medien erscheint, groß aufgeblasen um es nach einer Orgie aussehen zu lassen! Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Medien absichtlich den Inhalt verdrehen und manipulieren, aus reiner Sensationsgier.

Aber unabhängig davon, wie jemand es empfindet, dass diese Art Information enthüllt wird, wurde ein sehr wichtiger Punkt von den Bodyguards selbst dazu genannt. Wäre es irgend ein anderer Pop-Star gewesen, der sich mit einem heissen europäischen Modell in einem Hotel getroffen hätte, wäre es einfach nicht anders zu erwarten gewesen, und keiner würde deshalb eine Augenbraue hochziehen. Es wäre einfach „normales“ Verhalten eines Pop-Stars. Geht es aber um Michael Jackson, versuchen die Medien es immer als bizarres Verhalten zu verkaufen.

Und ich muss auch noch sagen, dass jeder Tag, an dem „Michael Jackson hat Sex mit einer Frau am Rücksitz“ das schlimmste ist, was ein Tabloid über Michael Jackson schreibt, eigentlich ein guter Tag ist. Diese Geschichten, konträr zu der Absicht, mit der sie verdreht werden, dienen letztlich trotzdem dazu, Michael menschlich zu machen und ihn vor den Augen der Welt „normal“ aussehen zu lassen. Wie die Bodyguards es ausdrücken, bedeutete für sie all das nur, dass er ein normaler Typ war, der einfach nur die Dinge tun wollte, die normale Typen tun.

Remember The Time Cover

Wirft das Buch neues Licht auf Michaels manchmal kompliziertes Verhältnis zu seiner Familie? Ich würde sagen, nicht wirklich. Höchstens, dass man überrascht ist zu erfahren, dass Michael ausdrücklich anordnete, seine Familie nicht herein zu lassen (ausser Katherine) und dass er einmal, als Joe unangemeldet auftauchte, sagte, er wolle ihn nicht sehen, wenn er keinen Termin habe. Nur „warum“ Michael mit seiner Familie so hartnäckig nichts zu tun haben wollte, wird nie erklärt, größtenteils deshalb, weil Whitfield und Beard es nicht wirklich wussten  ausser dass es das war, was der „Boss“ angeordnet hatte und es ihr Job war, jeden draussen zu lassen, den Michael nicht hinein lassen wollte ohne Fragen dazu zu stellen. Man kann nur Vermutungen anstellen; allerdings machen die Bodyguards deutlich, dass ihre Einstellung zur Jackson Familie neutral ist. Obwohl zu Randy doch deutlich beschrieben wird, nur aus einem Zweck aufgetaucht zu sein – „um mein Geld zu bekommen!“ – und sie zu Jermaine sagen, dass er für gewöhnlich „nach etwas angelte“, wird es nie klar, ob andere Besuche mit schändlichen oder harmlosen Absichten geschahen. Zumindest bei ein paar dieser Vorfälle scheint es sich um geplante Interventionen gehandelt zu haben. Sie hatten gehört, ihr Bruder sei „krank“. Michaels Reaktion war für gewöhnlich „Sag ihnen, es geht mir gut.“ Das scheint wenigstens den von der Familie oft gemachten Behauptungen etwas Glaubwürdigkeit verleihen, dass sie versucht hätten um Michaels Willen Interventionen durchgeführt zu haben, sie aber nie zu ihm durchkommen konnten.

Jackson Family

Hinsichtlich des angespannten Verhältnis Michaels zu seiner Familie in seinen letzten Jahren, wirft das Buch mehr Fragen auf, als es beantwortet – und das wiederum deswegen, weil Whitfield und Beard diese Antworten nicht haben. Es war sicher nicht eine Sache, über die sie mit ihrem Kunden gesprochen hatten. Sie haben ausgeführt, was ihnen gesagt wurde. Mein Eindruck war der, dass Michaels Burn-Out und sein Verlangen, einfach die Welt aus zu blenden, sich zu dem Zeitpunkt auch auf seine Familie ausgedehnt hatte. Ihre Anwesenheit bedeutete für gewöhnlich, sich wieder mit unerfreulichen Dingen auseinander setzen zu müssen, und Michael brauchte zu der Zeit einfach kein weiteres Drama.

Aber es ist interessant, wie die Familie jedes mal, wenn sie zu diesem Thema befragt wird sagt, dass es dort Leute gab, die versuchten sie von Michael fern zuhalten. Whitfield und Beard haben nur ihre Anordnungen ausgeführt, aber sie repräsentierten die Torwächter; sie waren die Puffer zwischen Michael und allem, mit dem er nichts zu tun haben wollte. Ich habe gehört wie einige Mitglieder der Jackson-Familie sagten, wenn sie dann doch bis zu Michael vor gedrungen waren, und ihm sagten, dass man ihnen gesagt habe, er wollte sie nicht sehen, hätte er immer geschockt reagiert und gefragt „Wirklich? Wer hat das gesagt?“ Es wäre tragisch, wenn all das nur durch einen Kommunikations-Fehler entstanden wäre, aber es ist wohl wahrscheinlicher, dass Michael nicht die Gefühle seiner Familie verletzen wollte indem er ihnen direkt sagte, er wolle sie nicht sehen. Es war einfacher, wenn diese unschöne Arbeit von anderen für ihn übernommen wurde. Das erste, was Joe Jackson angeblich zu Whitfield sagte war nicht „Hallo“, sondern „Sie müssen einer von denen sein, die meinem Sohn Nadeln in den Arm stecken.“ Solche Anmerkungen fallen öfters in dem Buch, wie scharfe Bomben, werden aber nie weiter ausgeführt. Woher z.B. kamen Joes Verdächtigungen? Von Bekannten? Den Medien? Wusste er etwas, was die Bodyguards nicht wussten? War er einfach nur paranoid?

Eine der Schwächen des Buchs ist, wie ich schon zuvor erwähnte, dass wir immer noch keinen Bericht aus erster Hand darüber bekommen, was passierte, nachdem Michael Las Vegas verlassen hat und für die TII-Proben nach LA umgezogen war. Wie sie sagen, hatte zu dem Zeitpunkt überwiegend Michael Amir Michaels Aufmerksamkeit, und es gab die Three Stooges… bzw: „die drei Manager“ – Thome, DiLeo und Leonard Rowe, die alle drei gleichzeitig in Michaels Namen handelten, und nicht zu vergessen, ein völlig neues Security-Team und natürlich Dr. Murray.

Zu Murray wird in dem Buch nicht allzu viel gesagt, wenn man bedenkt, dass er derjenige war, der die tödliche Dosis in Michaels Venen spritzte; nur dass er kurzzeitig in Las Vegas der Arzt der Kinder war und dass Michael wollte, dass AEG ihn für die TII-Proben und die Tour anstellte (das sind ihre Worte, nicht meine). Die Ereignisse vom 25 Juni 2009 und die Details aus dem Report der Gerichtsmedizin werden oberflächlich angesprochen und sie bieten Murrays Timeline der Ereignisse laut der offiziellen Aussage, die er bei der Polizei ablegte, ohne auf die gewaltigen Abweichungen und Lücken hinzuweisen, die diese Timeline hat und die in der Gerichtsverhandlung zum Vorschein kamen, oder auf Murrays 17 ungeheuerlichen Abweichungen vom medizinischen Standard, wie sie von Dr. Shafer gensannt wurden, einzugehen. Der einzige Einwand, der an dieser Stelle von Whitfield gemacht wird, ist sein emotionaler Kommentar dazu, dass er nie verstehen wird, warum Michael so spät ins Krankenhaus gebracht wurde:

Später, als ich den 911- Notruf hörte, hörte ich, wie sie am Telefon sagten, „Wir haben einen Herrn hier. Er atmet nicht.“ Vergesst das! Ich hätte ihn ins Auto geworfen und ihn selbst ins Krankenhasus gebracht. Es war nur ein paar Meilen weg. Ich hätte ihn da raus geholt. Er atmet nicht? Dann los! Wir fahren los! Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich wirklich dort gewesen wäre. Vielleicht stelle ich mir jetzt nur vor, wie ich reagiert hätte, aber ich glaube wirklich, ich hätte nicht einfach da gesessen und auf den Notarzt gewartet.“ (Bill Whitfield, Auszug Remember The Time S. 301)

Abgesehen von diesen emotionalen Worten wird Murrays Beteiligung und Verantwortung seltsam neutral behandelt, und es scheint Dr. Karen Moriartys Ausage zu stützen, die sie in ihrem eigenen Buch im Kapitel „The Black Door“ macht: „Wir hatten Dr. Murray betreffend eine andere Meinung, und ich habe unverändertere Wutgefühle zu Murrays Rolle beim Tod von Michael Jackson.“ Das war schliesslich – unter anderem – eines der Probleme, was dazu führte, dass man getrennte Wege ging, und zwei verschiedene Bücher schrieb.

Nicht, dass sie jemals angeben würden, Murray sei unschuldig, oder habe es nicht verdient, verurteilt worden zu sein. Aber indem sie sich rein an Fakten halten, wie denen von Murrays Polizei Befragung, ist das eine seltsam neutrale Sichtweise. Den einzigen Grund, den ich mir dazu denken kann ist, dass sie mit Murray etwas wie ein persönliches Verhältnis aufgebaut hatten, als dieser die Kinder in Las Vegas behandelte. Es war ausserdem auch Beards Cousin Jeff Adams, der Dr.Murray empfohlen hatte. (Murray war Adams Hausarzt), es sieht also so aus, als gäbe es dort ein paar Verbindungen. Vielleicht denken sie auch, wie so viele, Murray sei nur ein Bauernopfer gewesen. Auch wenn ich diese Möglichkeit nie ausgeschlossen habe, spricht das dennoch Murray in keiner Weise von seiner Verantwortung bei Michaels Tod frei.

Das empfand ich als einer der größten Mängel des Buchs. Wenn jemand das Buch kauft, um neue Details über Michaels letzte Wochen, oder die Tage vor seinem Tod zu erfahren, wird er enttäuscht sein, denn in der Sache gibt es nicht viel Neues.

June 24 Michael

Mir kommt dazu auch noch ein anderer verwirrender Gedanke. Könnte es sein, dass, wenn Michael Whitfield und Beard in dem Masse vertraute, wie sie es im Buch sagen, er dieses Vertrauen auch auf Murray ausgedehnt hatte, der ihm ja schliesslich in Verbindung mit ihrem Angestelltenverhältnis empfohlen worden war? Ich bin mir sicher, dass Adams es gut meinte, als er Murray empfahl (der bis dahin ein unbescholtener Arzt war, und es deshalb kein Grund gab, ihm zu misstrauen, und sicherlich konnte auch keiner die Tragödie vorhersehen, die letztlich dieser Empfehlung folgte.) – und dennoch ist es eine verstörende Sache, die man nicht einfach unter den Teppich kehren kann.

Das Buch bestätigt jedoch auch etwas zu Michaels Schlaflosigkeit, das ich mir immer so gedacht hatte. Es war für ihn nur dann ein Problem, wenn er unter Stress stand, oder wenn er sich an strenge Terminpläne halten musste. Wenn Michael nicht damit belastet war, performen zu müssen, oder einen engen Terminplan einhalten musste, war es kein Problem, die ganze Nacht wach zu sein und dann irgendwann am Tag eine Auszeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen. Die Bodyguards nahmen einfach seine Kinder mit zum Spielplatz und gaben ihm die Zeit, sich zu entspannen. Ohne den Stress von Proben, stellte sich sein Körper von selbst auf den Rhythmus ein, mit dem es ihm gut ging, er brauchte kein Propofol und auch keine der „Behandlungen“ Murrays.

Die Stärke des Buch liegt in dem Kern der Erzählung, die Geschichte über den berühmten allein erziehenden Vater, der darum kämpft, seine Familie zusammen zu halten, trotz großer Hindernisse. Meine liebsten Abschnitte sind diese ersten Szenen im ersten Haus in Las Vegas und später, wenn die Familie in Middleburg, Virginia wohnt (was als Urlaub geplant war und dann zu einem ausgedehnten Aufenthalt am Land wurde.) Das waren einfache, glückliche Zeiten – Michael ging tatsächlich zu Wallmart einkaufen (eine der lustigsten Szenen im Buch); er kaufte Feuerwerkskörper und lies sie mit seinen Kindern draussen am Feld los. Man wünscht sich, das Buch könnte diese Zeit einfrieren und dort, in diesen kleinen Augenblicken, wo wir ihn am glücklichsten erleben, stehen bleiben.

Sind solche Bücher ein Vertrauensbruch? Sicher gibt es zu dieser Frage keine einfache Antwort. Diese Jungs arbeiteten für Michael Jackson. Viele der kleinen Sachen, von denen sie Mitwisser geworden sind – auch so scheinbar harmlose Dinge, wie ein Vorrat an Tabasco Sosse oder das Feuerwerk abbrennen mit den Kindern – waren Dinge, die Michael für sich und die Kinder behalten wollte. Wir können uns wohl nur vorstellen, was er über das Enthüllen der „geheimen“ Freundin gedacht hätte. Oder die Peinlichkeit, wenn jeder weiß, seine Kreditkarten waren nicht gedeckt. Der allererste Satz im Buch lautet:

Du würdest dieses Buch nicht lesen, wenn Michael Jackson noch leben würde.“

Das ist zweifelos wahr. Ich verstehe die Funktion dieses Statements. Es ist wie: ‘Ok, wenn du das eingestehst und das Buch auch schon besitzt, dann warst du zumindest schneller als andere.’

Aber hier ist die Realität. Michael ist gegangen, und in der durch seinen Tod entstandenen Leere, würden es zum großen Teil nur die Tabloids sein, die seine Geschichte erzählen würden, wenn es nicht ehrliche Bücher wie dieses gäbe, die sich dem Müll entgegenstellen. Wir könnten sagen, alles was zählt – oder zählen sollte – sind seine Songs, seine Kunst, seine humanitären Leistungen. Wir können das solange wiederholen, bis wir blau im Gesicht werden, aber es wird auch dann nichts an der Tatsache ändern, dass es einen unersättlichen Markt für Tratsch und Klatsch gibt. Fakt ist, es wurden (und werden) hunderte von Büchern über Michaels Leben geschrieben. Manche davon sind absoluter Müll, in denen Michael unter ein Mikroskop gelegt wird, und wie eine Spezie studiert wird, anstatt dass er als komplexe Person, Künstler, Mann, Vater und Mensch verstanden werden würde. Bücher von Fans – wenn auch oft besser recherchiert und wirklichkeitsnäher als die Angebote der großen Verlage – werden nur selten vom Mainstream ernst genommen. Bei Büchern von neutralen Journalisten heisst es oft „aber sie haben ihn ja nicht mal gekannt.“ Und Bücher von Freunden und Mitarbeitern – die ihn kannten – werden oft als Betrug angegriffen, auch wenn sie wohlwollend sind.

Unter den Umständen wird es unmöglich, es jedem Recht zu machen. Ich denke aber, dass Bücher wie dieses wesentlich dazu beitragen, die Geschichte und (oft falsche) Wahrnehmung Michaels in der Öffentlichkeit zu verändern. Wir können natürlich nicht alles auf einmal haben. Es kann sein, dass wir für jeden Bericht, der ihm zugute kommt, ein paar inhaltliche Mängel an anderer Stelle in Kauf nehmen müssen. Michael war nicht perfekt, und ein Bericht aus erster Hand, der ihn so portraitieren würde, wäre zwangsläufig eine Lüge. Trotzdem – wenn wir ein paar Mängel akzeptieren (ok, er gab gerne Geld aus, sammelte manchmal seltsame Dinge wie Puppen und Tabasco Sosse, – ja und?) ist die Belohnung dafür, dass wir einen aussergewöhnlichen Mann und Vater kennenlernen, der mit seinem Leben und seiner Musik Berge versetzte, und der beherzt darum kämpfte das zu behalten, was ihm am wertvollsten war, trotz allen Hindernissen die sich ihm in den Weg stellten.

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DAS ist die Geschichte, die das Buch versucht zu erzählen. Es wird dich mit den guten Momenten zu Lachen bringen und mit den süßen zum Lächeln. Aber alles in allem wird man mit einem Gefühl der ohnmächtigen Wut zurückgelassen werden, darüber, dass das friedliche Leben und der Seelenfrieden, nachdem Michael sich in seinem Leben so verzweifelt sehnte, nie ein realistisch erreichbares Ziel war.

Nicht solange man noch einen Dollar mehr mit ihm machen konnte, und noch ein paar gnadenlose Forderungen stellen konnte.

………………………..

Übersetzung: M.v.d.L.

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