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„Guerrilla-Dekontextualisierung“ und der King Of Pop

by on 17. January 2014

Übersetzung des Artikels: Guerrilla Decontextualization* and King Of Pop (by Aberjhani)

http://www.guerrilla-decontextualization.net/1/post/2012/08/guerrilla-decontextualization-and-king-of-pop-michael-jackson.html

(*Begriffserklärung siehe Artikel-Ende)

In welchem Ausmass könnte der phänomenale Entertainer und Humanist Michael Joseph Jackson in der zweiten Hälfte seines Lebens das Ziel einer ausgedehnten Dekontextualisierungs-Kampagne gewesen sein?

Hardcore Liebhaber von Jacksons Musik und altruistischen humanitären Visionen würden sagen, es steht ausser Frage, dass er Ziel solcher Methoden war. Hardcore Zweifler würden sagen, vielleicht förderte er diese Guerilla-Dekontextualisierung selbst, durch die sich entwickelnden Manipulationen seines öffentlichen Profils als Performance Künstler. Sie verweisen auf die chamelionartige Veränderung seines eindeutig afrozentrischen (afro-amerikanischen) Aussehens in einer Dekade, zu einem androgynen, multi-ethnischem in der nächsten, und in seinen letzten Jahren zu einer fast ätherischen Projektion – einer Figur, vollkommen in dieser Welt, aber irgendwie schon aus ihr hinaus treibend.

Die Antwort auf die Frage, wer wen mit Guerilla-Methoden dekontextualisierte, kann mit einem einfachen Vergleich beantwortet werden. Man sehe sich die Grösse der Buchstaben in Zeitungs-Überschriften an, den Platz, der in Magazinen eingeräumt wurde, sowie der Zeit, die man sich im Radio und TV dazu nahm, um über Jackson zu berichten, als in den 1990-ern und 2005 die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn aufkamen. Dann vergleiche man all diese Elemente – Schlagzeilen etc. – mit denen, die in Berichten genutzt wurden, um etwas diese Vorwürfe betreffendes zu widerlegen, über Gegenbeweise zu berichten, oder um eindeutige Meineide zu bestätigten. Die erstgenannten dominierten die Medien zu einem fast überwältigenden Ausmass, während letztere Elemente fast nicht existierten.

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Oder das: Führe ein Experiment durch indem du dir einen der eher reisserischen Filme der Medien über Jackson ansiehst und dabei den Ton ganz herunter drehst. Ein besonders spannendes Exemplar für dieses Experiment wäre der berühmte „O Gott! Er-lässt- (dangeling) sein-Baby-vom-Balkon-baumeln“- Vorfall. Das Wort „dangle“ (baumeln, herabhängen) ist, wie im Websters Dictionary, definiert als: „to hold loosely and swaying.” („locker und schwankend/taumelnd halten“). Dreh also den Ton ab, wenn du den Nachrichten-Film von Jackson mit seinem jüngsten Kind an der Balustrade ansiehst und du wirst keinen Mann erkennen, der sein Kind auf lockere/wackelige/unsichere Art hält. Wenn man auch die Entscheidung, das Kind für die jubelnde Menge über die Balustrade zu halten vielleicht nicht als beste Eltern-Entscheidung einordnen kann die er je traf, ist es aber sehr deutlich, dass er seinen Sohn sehr sicher festhält. Auf den Gedanken, dass er das nicht tut, kommt man nicht von selbst. Er entstand durch die Tendenz der Medien, die zu dieser Zeit darauf festgelegt waren, das zuhörende, zusehende und lesende Publikum zu präparieren, Verrücktheiten von Michael Jackson zu erwarten. Kurz gesagt: die Leute sahen und hörten das, was ihnen gesagt wurde, dass sie sehen und hören sollten.

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 – Michael mit Paris, auch am Fenster des Hotel Adlon –

 Undeutliche Sprache oder nicht…

Die Essenz von dem, wer und was Michael Jackson war – der Umstand, der ihn wohl deutlicher als alles andere definierte – offenbarte sich in einem Augenblick, der schmerzhaft zu erleben war. Es geschah während des Todschlags-Prozess von Conrad Murray, als die Öffentlichkeit einer Aufnahme Michael Jacksons zuhören durfte, der deutlich unter dem Einfluss von Propofol stand, auf das sich die beliebte Ikone verlies, um schlafen zu können. Das starke Medikament wirkte ähnlich wie ein Wahrheitsserum. Jacksons schwächer werdendes Bewußtsein drückte zuerst seine Angst über die geplanten This Is It Konzerte aus und dann, unter Anstrengung, seine Besorgnis über die Kinder der Welt: „… ich nehme dieses Geld, eine Million Kinder, Kinderkrankenhaus, das größte der Welt, Michael Jacksons Kinderkrankenhaus… Ich werde das für sie tun… Gott möchte, dass ich es tue…“

Ob undeutliche Sprache oder nicht, es waren die Worte, um deren Aussprechen er kämpfte, die den schutzlosen, verletzlichen Kern seines Herzens und seiner Seele offenbarte. Er macht deutlich, die Gewinne der Tour zu nehmen, um damit ein Krankenhaus für Kinder zu bauen. Seine jahrelanges wohltätiges Arbeiten und Spenden hatten schon bewiesen, dass seine Kapazitäten zu Helfen und zu Geben endlos waren. Des weiteren ist dieser Aufnahme auch keinerlei Egoismus zu entnehmen: es geht nur darum, zu tun, was Gottes Wille war. So hat Murray, wenn auch unabsichtlich, weitere eindeutige Beweise für das geliefert, über das sich Jackson selbst sehr bewusst war.

ChildrenHospic

Skandal und Integrität

Die Popkultur selbst, die Mainstream-Medien und Teile der Gesellschaft bedienten sich Jacksons scheinbar überlebensgroßer Persönlichkeit und Talent auf vielerlei ungesunder Art. Skandale sind oft viel profitabler als Integrität. Viele waren entweder eifersüchtig auf ihn oder fürchteten sich vor der Macht seiner zunehmenden Beliebtheit. Die Markt-Mechanismen des seelenlosen Kommerz’, angetrieben durch rücksichtslose Gier formten sein Image um – egal ob es Jacksons Realität entsprach oder nicht- zu einem täglich fetter werdenden Goldesel (cash-cow). Egal, ob einzelne Interessengruppen ihn mochten oder nicht mochten, alle genossen es, sich jedes Stück seines Ruhms, was sie für sich nutzen konnten, herauszuschneiden.

Bedeutet das, die Geschichte seiner wirklichen Intentionen und die authentische Substanz seiner Handlungen wurden zu einem solchen Aussmass guerrilla-dekontextualisiert, dass sogar er selbst möglicherweise – zu Zeiten, in einer Flut von falschen Reflexionen, die das Leben eines Einzelnen verschlingen können – den Blick auf sein innerstes Selbst verlor?

Einige Fragen sind an dieser Stelle vor allem zu bedenken:

Warum war es für viele so wichtig, negative Anschuldigungen, geeignet, das Leben eines Menschen zu zerstören, hervorzubringen, gegenüber nachweislich positiven Attributen, welche die Lebensqualität von Millionen steigerten?

Und genauso wichtig: welchen Einfluss hat dieses Verlangen/Bedürfnis und dessen Ermöglichung durch die Öffentlichkeit auf die Psyche derer, die dem so eifrig nachgehen? Was sind die Welleneffekte/die sich ausbreitenden Wirkungen, die sich in diesem Moment durch unsere ganz normalen Leben fortsetzen?

(By Aberjhani – founder of Creative Thinkers International and co-author of ELEMENTAL The Power of Illuminated Love)

Award-winning author Aberjhani is a member of PEN American Center and the Academy of American Poets as well as the founder of Creative Thinkers International. 

Übersetzung: Mv.d.L.

Guerrilla-Dekontextualisation – Begriffserklärung: Herauslösung von Ereignissen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang (Kontext), mit dem Ziel, verdeckte Absichten zu unterstützen. Das Ergebnis geht oft über eine „einfache“ üble Nachrede hinaus, die üblicherweise durch absichtlich falsche Botschaften, die der Reputation eines Menschen oder einer Organisation schaden, definiert wird. Guerrilla-Dekontextualisation nutzt im heimtückischen Kontrast dazu auch Teilwahrheiten, die aber als ganze Wahrheit hingestellt werden. G-D geht über üble Nachrede oder Verleumdung hinaus, denn man entwickelt dazu eigens eine komplette Kultur, die der Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung dient, mit politischen, finanziellen oder gesellschaftlichen Zielen. http://www.examiner.com/article/putting-text-and-meaning-to-the-guerrilla-decontextualization-test-pt-1-of-2

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From → Presse Artikel

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