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MJJC – Interview mit Joe Vogel

by on 23. July 2012

Ein neues Interview mit Joe Vogel (Autor von “Man in the Music: The Creative Life and Work of Michael Jackson) – mit der MJJComunity.

http://www.mjjcommunity.com/forum/threads/123560-MJJC-Exclusive-Q-amp-A-with-Joe-Vogel-Read-Joe-s-Answers

MJJC: Welche Besonderheit von Michael hat dich anfangs so angesprochen und dich motiviert, so tief in die Studien seiner Musik einzutauchen? Warum hast du dich entschieden, besonders Michaels Werk zu analysieren, eher, wie das eines anderen Künstlers? Ich denke, es gibt viele Gründe, weshalb du ihn schätzt, viele davon hast du wohlmöglich während deiner Arbeit entdeckt, aber ich würde gerne wissen, was sozusagen der Auslöser war.

Joe Vogel: Michael Jackson war einfach so anders. Ich bin fasziniert von Künstlern, die sich über Konventionen und Kategorien hinwegsetzen, Künstler, die uns an Orte bringen können, wo wir nie zuvor waren, die uns herausfordern. Michael bezahlte natürlich einen furchtbaren Preis dafür, mutig und anders zu sein. Als ich 2005 mit meinem Buch begann, war der Hass und Betrug, dem er ausgesetzt war, furchtbar. Wenn jemand einen Blick in die Archive der Medien aus der Zeit nimmt, ist der Gehalt an Gefühllosigkeit und Grausamkeit erschreckend.

MJJC: Du hast mit dem Buch Man In The Musik vor Michaels Tod begonnen und wolltest ihn interviewen. Hattest du Fragen vorbereitet, die du Michael stellen wolltest, und wenn ja, kannst du und dafür ein paar Beispiele geben? Auch wenn du keine Fragen vorbereitet hattest, was hättest du Michael gefragt, wenn du dazu Gelegenheit gehabt hättest?

Joe Vogel: Ich hatte Fragen vorbereitet. Die meisten drehten sich um den Schaffensprozess. Michael war immer so vage über seinen kreativen Prozess. Natürlich war ein Teil des Problems, dass nur wenige Interviewer ihn je tiefgründige Fragen zu seiner Kreativität stellten. Deshalb gingen meine Fragen sehr ins Detail. Ich war nicht so interessiert am Sensationalismus (wie viele plastische Operationen?) oder an “großen” Fragen (wie soll man sich an dich erinnern?) sondern an spezifischen Dingen (erzähl mir etwas über diese Textzeilen in Stranger In Moscow oder über das Panthersegment in Black Or White). Ich wollte ihm die Kapitel zeigen, die ich fertig hatte, damit er sehen konnte, wie es angelegt war, dass sich alles um seine Kunst drehte, und sich dann von da weiter entwickelt, insofern, dass Lücken geschlossen wurden und neue Geschichten hinzu kämen.

MJJC: In deinem letzten Artikel “Die Top Ten Michael Jackson Songs aller Zeiten” hast du geschrieben “Wenn ich eine Sammlung von Liedern zusammenstellen sollte, die gegen die besten Arbeiten der Beatles oder Bob Dylan oder Prince aufgestellt werden sollten, wären das diejenigen, die ich nennen würde.” Ich würde gerne wissen, wenn du gefragt würdest, ein Album zusammen zustellen, nicht für die Fans, sondern für Menschen, die Michael nicht kennen, oder seine Musik nie besonders schätzten, welche Songs würde dieses Album enthalten, damit diese Leute Michael Jackson kennen lernen und verstehen könnten, als Künstler und als den “Mann und seine Musik”.

Joe Vogel: Zum Teil war das auch schon die Philosophie meiner Top Ten Liste: Welche 10 Songs zeigen wirklich Michaels Genius, das Arbeiten mit verschiedenen Stilen in unterschiedlichen Teilen seiner Karriere. Aber wenn ich einen Mix für einen Nicht-Fan zusammenstellen sollte, wären es : In the Back, Butterflies, Cheater, In the Closet, Give in to Me, Morphine, Stranger, 2Bad, Human nature, Little Susie, Will You Be There, Threatened. Ich habe da sicher viele weniger bekannte Tracks dabei, denn Teil des Problems mit Michael Jackson ist, dass seine klassischen Songs so bekannt sind, dass manche Leute sie nicht mehr hören wollen.

MJJC: Was, von den Dingen, die dir bei deiner Nachforschung über Michael Jackson begegnet ist, hat dich am meisten überrascht?

Joe Vogel: Ich kann nicht nur eine Sache nennen. Ich war wirklich beeindruckt, von der Intelligenz, die mit in seine Arbeit einfloss. Ich liebe die Geschichten von ihm, wie er Leute aufspürte, sie mitten in der Nacht anrief, wie er einen alten Kumpel besuchte, um Walt Disneys Heilmasseurin zu besuchen, wie er zu versuchte, alle Leute zu erreichen, die er respektierte oder bewunderte. Er war so neugierig (wissbegierig), und das ist eine großartige Eigenschaft für einen Künstler.

MJJC: Warum denkst du, das viele Michaels Arbeiten nach Thriller nicht beachtet haben?

Joe Vogel: Das ist eine komplizierte Frage. Teil davon ist die Gegenreaktion auf seinen Erfolg, ein Teil davon hängt mit dem Thema Rasse zusammen, ein Teil davon mit seinem Anderssein und der Medienkarikatur, die entwickelt wurde. Und ein Teil war auch einfach nur Bequemlichkeit. Kritiker haben sich auf eine einfache Geschichte eingeschossen – “vom Tellerwäscher zum Millionär zum Ruin” – und konnten anscheinend nicht ihren Intellekt dahingehend schärfen, um dahinter zusehen, und die Revolution in Jacksons Kunst wahrzunehmen.

MJJC: Wenn du dich auf Michael Jacksons Musik beziehst, verwendest du oft Begriffe wie “er erfand wieder neu”. Das klingt für mich wie ein Versuch zu sagen, er war der erste, der etwas neues in der Musik erschaffte, während dir bewusst ist, dass ein paar andere, wenn auch weniger bekannte Musiker, das schon vor Michael getan haben. Ist das richtig so? Und falls nicht, warum sagst du “wieder neu erfunden” anstatt “erfunden”?

Joe Vogel: Also, niemand kreiert aus einem Vakuum, deshalb stehe ich dem Ausdruck “erfunden” bei einem Künstler skeptisch gegenüber. Du beziehst dich immer auf das, was vor dir kam (du nutzt immer das, was vor dir kam). Michael hat R&B oder Soul oder Disco nicht erfunden, aber er stilisierte die Genres auf eine Art, wie es vorher nicht getan wurde. Ich denke wirklich, dass Michael im Grunde den Pop, wie wir ihn heute kennen, erfunden hat, aber ich denke, mit dem Dangerous Album hat er ihn nocheinmal neu erfunden. Auf ähnliche Weise fühle ich mich Wohl dabei zu sagen, dass Michael die neuartigen Musikvideos “erfand”. Natürlich gab es sie schon vor Michael, aber er hatte einen enorm ausschlaggebenden Einfluss auf das, was daraus geworden ist.

MJJC: Was hältst du von diesen Rock Journalisten die über “Kriterien”  in der Musik schreiben, und behaupten, dass “Innovation” und “Einfluss” die wichtigsten Kriterien sind, um Musik zu beurteilen, und nach diesen Kriterien Michael Jackson nicht für einen wichtigen Musiker in der Geschichte des Pop halten.

Joe Vogel: Innovation und Einfluss sind wichtige Kriterien, aber es sind auch Kriterien, die auf Michael in großem Umfang zutreffen. Sieh dir die heutige musikalische Landschaft an: Michaels Einfluss ist überall. Davon abgesehen denke ich nicht, dass die Großartigkeit von Michael Jackson in irgendeiner Weise mit der Existenz von Justin Bieber verbunden ist, genau wie die Beatles nicht durch ihren Einfluss auf die Jonas Brothers bewertet werden.

MJJC: Denkst du, dass Michaels Kunst und sein Einfluss auf die Pop Kultur in der Zukunft noch von mehr Gelehrten ganz erforscht werden wird?

Joe Vogel: Absolut. Es passiert schon jetzt. Es gibt da eine Zunahme in der Forschung über Jackson innerhalb der letzten Jahre, das beinhaltet auch Fachzeitschriften und Konferenzen. Man lehrt über ihn in vielen Bereichen – Musik, Film Studien, Englisch, Tanz, visuelle und kulturelle Studien, Afro-Amerikanische Studien, etc – an Universitäten überall auf der Welt.

Was ein wenig länger zu dauern scheint, ist ernsthaftes (seriöses) Schreiben über MJ, gerichtet an ein “mainstream” Publikum. Dieses Publikum habe ich mit meinen Artikeln und Büchern versucht aufzubauen. Es gibt immer noch viele Menschen, für die ist Michael mehr ein Celebrity oder Entertainer, als wie ein ernsthafter Künstler. Das ist seltsam, denn Michael hat so eine riesige Fan-Base, aber das Publikum für diese Art Material ist immer noch relativ gering. Da ist noch viel Weg zu gehen, um mit den Beatles, oder Dylan oder sogar Springsteen und U2 aufzuschließen.

MJJC: Warst du gleichermaßen frustriert wie die Fans, das Michael zu einer Tabloid-Karikatur reduziert wurde, und dass seine Musik und seine Errungenschaften ziemlich übersehen wurden? Denkst du, die Zeiten wenden sich und die Menschen sehen ihn endlich als den brillanten Showman und Musiker und seine Musik wird unüberhörbar?

Joe Vogel: Die Zeiten wenden sich definitiv. Es gab eine enorme Verschiebung in der öffentlichen Wahrnehmung seit 2009. Es ist sehr traurig, dass es das brauchte um die Menschen an seinen Genius zu erinnern, aber so ergeht es Künstlern seines Kalibers oft. Ich hatte das Privileg, ein Berater bei der kommenden BAD 25 Dokumentation von Spike Lee zu sein, und seine Aufnahmen anzusehen war einfach unbeschreiblich. Je mehr Menschen mit Michael Jackson und seiner Kunst in Berührung kommen, desto mehr wird seine Legacy gedeihen.

MJJC: Was ist dein Lieblings Album von MJ. Und welcher Song?

Joe Vogel: Meine Favoriten wechseln jeden Monat, jedes Jahr. Im Moment ist BAD mein Lieblings Album, besonders die Outtakes und Demos. Meine Lieblings Songs sind im Moment “Destiny,” “Cheater” und “She Drives Me Wild”

MJJC: Wie geht es mit den Stücken über Stranger in Moscow und Scared Of The Moon voran, an denen du arbeitest?

Joe Vogel: Leider bekomme ich dafür gerade sehr viel Gegenwind. Für solche Projekte ist es fast unmöglich, Verleger zu finden, es sind also große Herausforderungen. Am liebsten hätte ich sie so [als unabhängiges Werk] veröffentlicht, wie ich es mit Earth Song getan habe.

MJJC: Wer schrieb denn wirklich On The Line? Es gibt sehr verwirrende Informationen von Spike Lee, der sagte Babyface schrieb den Song. Aber auf Warner/Chappell’s website & Ultimate listen sie beide MJ als Autor auf.

Joe Vogel: So weit ich es verstanden habe wurde es von Jackson und Babyface zusammen geschrieben.

MJJC: Wird es in der Taschenbuchausgabe von Man In The Mirror neue Kapitel geben?

Joe Vogel: Hmm…wohl keine neuen Kapitel, aber sicherlich neues Material in den bestehenden Kapiteln.

MJJC: Nach “Featuring Michael Jackson”, was können wir jetzt von dir erwarten, in Beziehung auf MJ und auch überhaupt? Hast du noch mehr Bücher über Michael geplant? So wie z.B. ein Buch über Michaels Musik Videos oder unveröffentlichte Songs? Oder gar ein Buch über Michaels Leben?

Joe Vogel: Es gibt endlos viele Projekte, an denen man über Michael arbeiten könnte. (Ein paar habe ich im Kopf..) Aber mein nächstes Buch wird über einen anderen Künstler sein. Momentan habe ich keine Pläne, über Michaels unveröffentlichte Songs oder an einer Biografie zu schreiben.

 Übersetzung: M.v.d.Linden

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Bisher erschienene Bücher von Joe Vogel über Michael Jackson:

Featuring Michael Jackson: Collected Writings on the King of Pop – http://www.amazon.com/Featuring-Mich…/dp/0981650686

Man in the Music: The Creative Life and Work of Michael Jackson – http://www.amazon.com/Man-Music-Crea…/dp/1402779380

Earth Song: Inside Michael Jackson’s Magnum Opus – http://www.amazon.com/Earth-Song-Ins…/dp/0981650694

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