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Joe Vogel bietet mit seinem Buch โ€žThe Man in the Music: The Creative Life and Work of Michael Jacksonโ€œ eine tiefgehende Analyse von Michaels Kunst. Er deckt รผberraschende Dimensionen seiner Musik auf und zeigt das Genie hinter dem Kรผnstler in einem neuen Licht. Der Review wรผrdigt die Leidenschaft und Sensibilitรคt, mit der Vogel die Innigkeit und Komplexitรคt von Jacksons Werk aufgreift und dabei einen einzigartigen Einblick in dessen kreatives Leben und seine Bedeutung fรผr die Welt bietet.

Eine Review von Lauren Trainor, MJ-Tribute Portrait, von Joe Vogels Buch Man In The Music

http://mjtpmagazine.presspublisher.us/issue/facing-the-challenge/article/a-review-man-in-the-music-the-creative-life-and-work-of-michael-jackson-by-joe-vogel

Danke, dass du Michael der Welt so zeigst, wie er fรผr immer sein wird…The Man In The Music

Unter all den aufrichtigen Stellungnahmen und Tributes, kam eine der innigsten und aussagekrรคftigsten Eulogien von dem langjรคhrigen Freund Michael Jacksons, Stevie Wonder. Wonder sah Jackson natรผrlich niemals performen, er wurde nie Zeuge der Verรคnderungen seines Erscheinungsbilds, er sah nie die Musikvideos, Kostรผme oder Masken. Trotzdem kannte er Jackson auf einer viel tieferen Ebene als die meisten. Und er hรถrte seine Musik. Michael, sagte er immer, war ein Geschenk.

Vor ein paar Monaten bekam ich von Joe Vogel die Gelegenheit, sein neues Buch โ€žThe Man in the Music:  The Creative Life and Work of Michael Jacksonโ€œ zu begutachten. Ich sagte sofort zu, denn ich wusste, dass es die erste in die Tiefe gehende Analyse von Michaels Kunst sein wรผrde, der erste Meilenstein, um klar zu definieren, wer Michael war, und warum er so vielen Menschen so viel bedeutet. Er sagte uns, dass wir, wenn wir ihm nahe sein wollten, seiner Musik zuhรถren sollten, denn darin wรผrden wir seine Seele und seine Liebe finden. Nach Juni 2009 tauchte ich in den Sound, und die Lyrics und die Emotionen dieser einmaligen Stimme ein, in dieses umfangreiche Schaffenswerk, und ich fand Trost inmitten der Konfusion und den Gefรผhlen รผber diesen tiefen Verlust.

Ich dachte, die Musik zu kennen, aber ich entdeckte, dass ich hรถchstens an der Oberflรคche kratzte – zufrieden mit den vertrauten Klรคngen und der sichtbaren Qualitรคt, die mich durch mein Leben begleitet hatte. Joe hat eine Studie รผber Michaels Werk angefertigt, die die verschachtelten Ebenen und die Details eines Meisters beim Erschaffen, Spielen und Zusammenarbeiten mit dem Medium, fรผr das er geboren war, enthรผllt. So wie Michael immer wieder sagte: Seine Musik war schon im Universum vorhanden, und er war nur der Kanal, durch die sie zu uns kam, von einem anderen Ort und Wesen, der diesem einen Menschen vertraute, uns – der wartenden Welt –  seine perfekte, liebevolle Gabe zu รผberbringen.

Werfen wir einen nรคhren Blick auf Joes Absicht, Inspiration und Ziel, als er mit diesem 5 Jahres Werk mit Liebe zum Detail begann, in dem er die Vision des Kรผnstlers und kreativen Genies fair bewertet und wieder herstellt. Er sagt dazu: โ€žIch wollte etwas Historisches und Umfassendes schreiben, aber mich dem Thema mit weniger Zynismus und mehr Neugierde annรคhern. Was versuchte Jackson zu vermitteln? Was beleuchtete, verรคnderte seine Arbeit? Was drรผckte sie aus, was rief sie hervor? Wie ist sie gemacht?  Und welche Reaktionen wollte er hervorrufen?

Die Einleitung des Buches beschreibt Joes zahllose Quellen, die ihm ermรถglichten, diese sorgfรคltig beschriebene Liebe zum Detail fรผr jeden Song, jedes Albums, ausgehend von โ€žOff The Wallโ€œ hin zu โ€žInvincibleโ€œ zu formulieren. In Joes Worten: โ€žBeim Erschaffen dieses Buchs reiste ich tief in dieses beseelte Werk.  Mit jedem neuen Besuch entfalteten sich neue, aufregende Entdeckungen. Ich hoffe, dass Man In The Music auch anderen รคhnliche Erfahrungen ermรถglicht, und als Eintrittstor in die Welt einer der grรถรŸten und einzigartigsten Kรผnstlern des vergangenen Jahrhunderts dient.โ€œ

Freiheit und Befreiung, ohne Grenzen zwischen Geschlechtern, Nationalitรคt oder Kultur, gemischt mit unbegrenzter Imagination, Tatendrang und Talent, unterstรผtzt durch die besten, handverlesenen Mitarbeiter, erschuf einige der groรŸartigsten und beliebtesten Musik des 20. Jahrhunderts. Weil es wichtig ist, alles auch im Zusammenhang mit den politischen, sozialen und kulturellen Krรคften zu verstehen, bezieht Joe auch viele Hintergrundinformationen und erklรคrende Aspekte jeder ร„ra mit ein. Wรคhrend Michael sich persรถnlich und professionell entwickelt, lernen wir den Einfluss und die Auswirkungen von dem zu verstehen, was in der Welt um ihn herum geschah. Diese Schilderungen genoss ich besonders, da auch ich noch einmal nachempfinden konnte, und mir jede Dekade vorstellen konnte, und wie sie mich selbst zu der Zeit beeinflusste.

Im Sommer 1979 war ich noch am College und erinnere mich an den Disco-Wahn, aber es ist โ€žDonโ€™t Stop Till You Get Enoughโ€œ, was eine โ€žhรถrbareโ€œ Erinnerung an Tanz und die Minuten von purer Freude hervorruft, wenn es aus dem Auto oder einem kleinen Radio schallte. Es war die grundsรคtzliche Reaktion auf die Musik, diese Stimme, die neu und wundervoll war. Joe nimmt uns mit in diese Zeit und an diesen Ort, und enthรผllt die Sehnsucht nach der Qualitรคt, die Michael mit dieser Verรถffentlichung gelang, und dem Rest des Albums. Immer noch sehr jung und sichtlich freudig, mit seinem Talent im Einklang lebend, ist der sรผรŸe kleine Junge zu einem wunderschรถnen jungen Mann herangewachsen und wir liebten ihn. Joe nimmt uns mit ins Innere des musikalischen Schaffensprozesses, mit dem Michael und Quincy Jones die Zukunft der Musik verรคnderten. Ich hรถrte Off The Wall noch einmal, wie mit โ€žneuen Ohrenโ€œ, ich versuchte neue, verschiedene Gerรคusche, Ebenen und Bedeutungen herauszuhรถren und zu definieren, die ich zuvor nie genรผgend beachtet hatte.

 1982 verรถffentlicht, ruft Thriller deutliche Erinnerungen an Motown 25 und die Auswirkungen von Michaels Performace hervor. Die Magie dieses Augenblicks ist sogar am TV ist schwer zu beschreiben, diese wenigen Minuten, die zum ersten Mal seit den Beatles, durch ihr sichtbares Gelingen aufregten und sprachlos machten. Auch an Beat It und The Girl Is Mine erinnere ich mich im Kontext dieser Zeit. Das eine revolutionรคr, das andere vertraut, so wie es McCartney wรคhrend der letzten 20 Jahre gewesen war. Meine noch kleinen Kinder sangen es immer, und Michael begleitete uns so รผberallhin.

Jeder Song hegt die Struktur und die Mentalitรคt des Kรผnstlers, wie sie von seinen Kollegen beschrieben wird, wenn Joe in die musikalische Konstruktion eintaucht. wenn Billie Jean bis zum heutigen Tag die ร„therwellen schmรผckt, muss man es laut spielen, wirklich laut, denn seine Prรคgung verlangt nicht weniger als das. Joe zeigt uns das wiederum, mit detailgenauen Juwelen an Information und Reflexionen von Studio Technikern, Produzenten und befreundeten Songschreibern. Bruce Swedien war jetzt ein fester Bestandteil von Michaels Team und ist verantwortlich fรผr einen groรŸen Teil der musikalischen Identitรคt jedes Tracks auf Thriller.  Michael begann die neue Dekade als schillernder, neuer Prince of Pop, und verwandelte sich innerhalb von 3 – 4 Jahren in den glanzvollsten kulturellen und musikalischen Tsunami seit den Beatles. Thriller bescherte ihm 1984 8 Grammys, etablierte ihn als Retter von MTV, und zeigte Michaels Macht im Wandel des sozialen Bewusstseins und der Rassentoleranz durch die Kraft seiner Musik und seines Tanzes.

1987 zogen Gewitterwolken รผber Michaels Kariere auf. Joe benennt taktvoll die Vorurteile der Medien, die auf vermeintlichen personenbezogenen Exzentrizitรคten basierten. Musikkritiker werden ohne Umschweife verwarnt fรผr ihre vordergrรผndigen und unfairen Beurteilungen nach der Verรถffentlichung von Bad – ihre Kritiken zielten eher auf den Kรผnstler ab als auf seine Kunst. Durch das ganze Buch stellt Joe groรŸzรผgig verschiedene Eindrรผcke von Kritiken gegenรผber, manche fair und andere, die sich auf irrelevante Dinge bezogen, die nichts mit der Freude von The Way You Make Me Feel oder der starken Botschaft von Man In The Mirror zu tun haben. [Er]schaut tief in Michaels Herz und Seele, sein wachsendes soziales Bewusstsein, und seine zunehmende Erkenntnis, um seine einzigartige Position, um Verรคnderungen zu bewirken, werden wunderbar beschrieben. Jede Aufnahme von Bad wird ausfรผhrlich besprochen, und bietet wiederum Einblick in den rastlosen Geist des Schรถpfers, dem es mithilfe seiner Kollegen und Freunde gelingt, dass wir uns jung fรผhlen, gestรคrkt und inspiriert.

Der Kritiker Christopher Sunami schreibt รผber Smooth Criminal โ€žDurch das Ganze gleitet Michael, manchmal bewegt er sich im Einklang, manchmal als Kontrapunkt und manchmal in einem komplexen Verhรคltnis zu den anderen Tรคnzern โ€ฆ Michaels Performance ist quicklebendig, wechselt von einem Augenblick zum anderen, durch Bewegungsformen, fรผr die andere Tรคnzer wahrscheinlich Jahre benรถtigen, sie zu entwickeln und zu perfektionieren โ€ฆ Er tanzt nicht so sehr zur Musik, wie eine gewรถhnliche Person das tun wรผrde. Sein Tanz schwebt eher รผber der Musik, eine schwindelerregende Weiterentwicklung von technischer Virtuositรคt.โ€œ Fรผr diesen Autor ist dieser Kurzfilm einfach flieรŸende Sinnlichkeit, ausgehend von einem tanzenden Mann, mit unvergleichlicher Anmut und Originalitรคt โ€ฆ brillant!

Zu Dangerous, verรถffentlicht 1991, sagt Joe: โ€žWechselweise dรผster, eindringlich und transzendent, wurde es nicht nur zu dem bis dahin sozial bewusstesten Album des Sรคngers, sondern auch das, was am persรถnlichsten war. Als eine umwerfende musikalische Odyssee ist Dangerous Michael Jacksons โ€žSongs in the Key of Lifeโ€œ (โ€žSongs in the Key of Lifeโ€œ ist ein Album von Stevie Wonder, das 1976 verรถffentlicht wurde.) Die Arbeit eines Kรผnstlers, der sich mit der Welt um ihn herum – und in seinem Innern – auseinandersetzt wie nie zuvor.โ€œ Joe leitet unsere Erinnerungen geschickt zu den Tagen von Guns N’ Roses, U2, REM, Madonna und Nirvana zurรผck. Er beschreibt den Fluss der kreativen Sรคfte in dem Studio, wo sich die Talente von Bill Bottrell, Brad Buxer und Matt Forger mit denen von Teddy Riley und Bruce Swedien vermischten. Buxer sagte รผber Michael: โ€žEr sagte oft: Brad, kreiere mir einen Sound, der richtig weh tut.โ€œ

Joe fรผgt hinzu, โ€žMichael hรถrte einfach in allem Musikโ€œ.

Zwischen Bad und Dangerous hatte Michael sein neues Zuhause erworben, Neverland. Er fand darin Trost und war gestรคrkt durch den Frieden und die Abgeschiedenheit dieses Ortes, und entwickelte seine Liebe zum Bรผcher lesen weiter. Joe beschreibt wunderbar, was Neverland fรผr Michael bedeutete, was es ihm bot, und wie er seine eigene Welt kreierte und wie er begann, eine universelle Spiritualitรคt wahrzunehmen, mit einem inklusiveren Weltbild. โ€žZurรผckgezogen auf Neverland, konnte Jackson, der jetzt 41 Jahre alt war, sich frei fรผhlen, um Regionen seiner Identitรคt, seines Weltbildes und Bestimmung zu erforschen, wie nie zuvor. Wenn er nicht kreativ war, las er mit HeiรŸhunger: alles, von den Gedichten Emersons und Wordsworths, รผber die Biografien von Michelangelo und Beethoven, von Freuds und Jungs Psychologie hin zu Sufi Gedichten (Jacksons persรถnliche Bibliothek wuchs auf mehr als 20.000 Titel an, inklusive vieler Erstausgaben seiner Lieblingsklassiker). Dancing The Dream wurde in dieser Zeit konzipiert. Sein spiritueller Berater zu der Zeit, Deepak Chopra, รคuรŸert sich zu dem โ€žGott Gefรผhlโ€œ, was Jackson in seine Performance einbrachte. Joe erklรคrt โ€žโ€ฆ ein transzendenter, โ€šekstatischer Zustandโ€˜, der harte Linien, Grenzen und Ideologien auflรถste, und stattdessen die Einheit aller Existenz wahrnahm โ€ฆโ€œ

Es ist fesselnd zu lesen, wenn Joe Dancing The Dream bespricht, so wie auch sein wunderbarer Blick auf die Kunst und Interpretation des Dangerous Covers. Genau in der Mitte des Covers ist eine Spur, die suggeriert, wenn man ihr nach innen folgt, kรถnnte man hinter die Maske kommen und die kreative Welt und Seele von Michael Jackson betreten. Mit anderen Worten, die Maske ist nur die Oberflรคche, in seiner Musik entdeckt man nicht nur seine Essence, sondern auch den eigentlichen Zweck seiner Arbeit, und der ist es, Leben und Energie in die Welt zu โ€žpumpenโ€œ, durch den Rhythmus, die Melodien und die Worte seiner Songs.

Und die Musik? Will You Be There, Who Is It, Remember The Time, Keep The Faith … Tage nachdem Michael gestorben war, verreiste ich mit jungen Teenagern und einem Dreijรคhrigen, wir drehten die Lautstรคrke hoch, รถffneten die Fenster und sangen unsere Erinnerungen an Michael laut und lange heraus. Black Or White fรผgte unsere kleine Gruppe zusammen, als das jรผngste Kind lachte und Michaels Legacy in die Zukunft klatschte. Und ich glaube, das war genau das, was er geliebt hรคtte.

Ende 1995 verรถffentlichte Michael History: Past Present And Future Book1. Joe beginnt seine Review, in dem er dieses feststellt:

History ist Michaels persรถnlichstes Album. Von der leidenschaftlichen Wut von Scream bis zur schmerzlichen Verletztheit von Childhood, war diese Platte – in Michaels Worten – ein musikalisches Buch. Es umfasst all die turbulenten Emotionen und Kรคmpfe der vergangenen Jahre: Es war sein Protokoll, seine Leinwand, seine Widerlegung.

Joe beschreibt prรคgnant die Reaktionen der Kritiker auf History und den Aufruhr รผber die Entscheidungen zur Promotion fรผr das neue Album. Noch wichtiger ist, dass er deutlich รผber Michaels schmerzhafte Erfahrungen spricht, beginnend 1993 und wie diese Erfahrungen ihn so tiefgehend betrafen. Wie immer drรผckte Michael seine Ernรผchterung und seinen Schmerz durch seine Kunst aus. Soziale, kulturelle und individuelle Verantwortung, sowie auch die grausame Macht der Medien, werden in den Lyrics von They Don’t Care About Us, Scream und Earth Song beleuchtet. Bei DS kommt persรถnliche Entrรผstung und Wut zum Ausdruck, und zur gleichen Zeit, in der You Are Not Alone und Stranger In Moscow von herzbrechender Entfremdung berichten, und eine Bitte sind, Michaels Heirat mit Lisa Marie und dem Glรผck, was er dort erlebte, zu verstehen und emotional zu unterstรผtzen, dienen sie als ausgleichende Balance gegen all die Negativitรคt dieser Jahre. Wie รผber Scream als Erรถffner fรผr das Album entschieden wurde und รผber Janets Erinnerungen von diesem Prozess wird humorvoll berichtet. Durch Joes Worte treffen wir einen Mann, der Demรผtigung, Ungerechtigkeit und Betrug auf einer globalen Bรผhne erlebt hat. Kreativitรคt und Liebe waren seine Rettung.  Zahlreiche detaillierte Berichte geben Auskunft darรผber, wie das im Studio umgesetzt wurde.

Come Together verdrehte mir den Kopf mit der รผberwรคltigenden Interpretation der visuellen Umsetzung Michaels. Es wird gesagt, dass Michael diese Performance als Hommage an Lennon uns als Geschenk an dessen Sohn Sean in Moonwalker zeigte.

So wie Joe es beschreibt, โ€žFรผhlte Jackson, dass John Lennon in vieler Hinsicht eine verwandte Seele war, jemand, der nicht richtig in die konventionelle Gesellschaft passt, dessen Genialitรคt trotzdem sehr unorthodox darauf basierte. Dazu passt es genau, dass Jackson Come Together nahm, ein Song, der bekanntlich alle Konventionen herausfordert, und offen Freiheit von den Einschrรคnkungen von Sprache, Autoritรคten und Ideologien umfasst.โ€œ

Mit seinem fantastischen Kurzfilm Ghosts wurde ich erst nach seinem Tod vertraut. Auch heute noch รผberrascht und bezaubert er mich, obwohl das, was unter dem wunderbaren Tanz und der verrรผckten Story liegt – die mit Stephen Spielberg geschrieben wurde – das ist, was Joe beschreibt als: โ€žSeine beste Reaktion auf die รถffentliche Wahrnehmung von ihm, als Kombination aus Spektakel, Bรถsewicht und Freak. Wenn Childhood sein persรถnlichster Song ist, wie Jackson einst sagte, ist Is It Scary der unerlรคssliche Kontrapunkt.โ€œ Die Verรถffentlichung von Ghosts korrespondierte mit Michaels Album Blood On The Dance Floor, worauf das eindringliche Morphine und – einer meiner Lieblinge – Is It Scary sind.  Vielleicht hรคlt Morphine momentan das Herz mehr gefangen, wegen der laufenden Ereignisse. Joe berichtet:

โ€žAber Morphine ist am besten zu verstehen als Experiment – sowohl klanglich als auch lyrisch – indem es die Erfahrung von physischem und psychischem Leiden und seine zeitweise Erlรถsung darstellt (buchstรคblich in Form von narkotischen Schmerzmitteln wie Demerol und Morphine, von denen Jackson zeitweise seit Beginn der 90er abhรคngig war) Diese Erfahrung ist genauso brillant รผbertragen in die Form des Songs: Etwa in der Mitte des Tracks verstummt der grelle Beat, beschreibt symbolisch den beruhigenden Effekt der Droge. โ€žRelax, das wird dir nicht wehtunโ€œ singt Jackson besรคnftigend aus der Perspektive des Drogen/Arztes.

Jenseits der wรถrtlichen Bedeutung der Droge, liegt Jacksons stรคndiges Sehnen danach, Schmerz, Einsamkeit, Verwirrung und unbarmherzigem Druck zu entkommen. In diesem kurzen Zwischenspiel, vermittelt er wunderschรถn die beruhigende, verlockende, aber zeitlich begrenzte Flucht vor der Realitรคt. Es hat etwas von Flehen, von Verzweiflung vor dem abrupten Ende, und die Zuhรถrer werden zurรผckgeworfen in die brutale Welt von Anklagen und Qual.

Michaels letztes Studioalbum Invincible, wurde im Oktober 2001 verรถffentlicht. Neben Teddy Riley waren viele neue Mitarbeiter zu verschiedenen Zeiten an der Erschaffung Invincibles beteiligt, zusammen mit Rodney Jerkins. Joe zitiert Rodney: โ€žEr war stimmlich sehr stark. Er war so aktiv dabei. Ich spreche dabei vom [Einsatz des] High Hat (Becken) bis zu allem. Die Qualitรคt des Sounds war so wichtig fรผr ihn. Er betrachtete alles wie unter dem Mikroskop, so in der Art: โ€žDie mittleren Frequenzen sind zu stark โ€ฆโ€œ – er war sehr technisch. Er sagte immer โ€žDie Melodie ist der Kรถnig und er konzentrierte sich wirklich auf die Melodie.โ€œ

Joe beschreibt grรผndlich die jahrelange Erschaffung von Invincible, die Krรคfte, die lauerten am Weg zu seiner Promotion, inklusive der Ereignisse des 11 Septembers, und den Konflikten zwischen Michael und dem damaligen Chef von Sony. Trotz des Mangels an Michaels visuellen Interpretationen durch Kurzfilme, bis auf You Rock My World, und ohne eine begleitende Tour, verkauften sich schlieรŸlich trotzdem mehr als 10 Millionen Kopien von Invincible. Es ist ein wunderschรถnes, bewegendes, heilsames Album, durchtrรคnkt mit dem musikalischen Genius eines reifen, kreativen Mannes, wie es vom Autor elegant beschrieben wird. Geliebte Kinder und die Freude von Vaterschaft und Familie, zusammen mit dem immer prรคsenten Verlangen zu kreieren, bewirkte bei Michael ein heilendes und wiederbelebtes Vertrauen, das in Aufnahmen wie Unbreakable, Butterflies und You Are My Life ganz offensichtlich ist.

Vor ein paar Monaten versuchte ich aufzuschreiben, wie der Song Don’t Walk Away in mir tiefe, emotionale Auswirkung hat. Nachdem ich es noch einmal gehรถrt hatte, denke ich, es ist wirklich einfach das Fรผhlen des Klangs, jede Silbe in jeder Note und jedem Wort, das Michael singt, ist einfach perfekt. Verlangen, Trauer, Hoffnung und Kummer – all das kommt zusammen in einer wunderschรถnen Melodie, die hรคlt, was Michael verspricht โ€ฆ seine ist Seele in seiner Musik.

Das letzte Kapitel beschรคftigt sich mit Michaels letzten Jahren. Wie Joe es beschreibt: โ€žHinter den Kulissen, ein wie immer zwanghaft-kreativer und ruheloser Jackson, beschreibt gegenรผber Ebony, dass er genauso geschรคftig sei wie eh und je. Tatsรคchlich schrieb er in den Jahren nach seinem Prozess 2005 dutzende neue Songs und nahm sie auf. Einige davon machte er zusammen mit kreativen Partnern, die er schon lange kannte, wie Brad Buxter und Michael Prince; andere mit Freunden wie Eddie Cascio; und manche mit aktuellen Kรผnstlern wie Will.I.Am, Neff-U, Ne.Yo, RedOne und Akon. Man munkelte, das neue Studio-Album sei so stark wie immer, es war sein Beweis, dass er seine kreative Magie nicht verloren hatte. In seinen letzten Jahren begann er auch an einem klassischen Album zu arbeiten, mit dem Komponisten David Michael Frank, und begann mit den Vorbereitungen fรผr sein bemerkenswertes Konzert-Spektakel, This Is It,  50 Shows im O2 Stadion in London, die das grรถรŸte Comeback in der Geschichte der Pop-Musik gewesen wรคren.โ€œ

Joe spricht รผber Michaels Plรคne, seine Vorbereitungen und seine vรถllige Vertiefung in This Is It, und von dem, was er der Welt damit vermitteln wollte. Michaels Tod und dessen Nachbeben, wird liebevoll beschrieben, wie im Memorial Sevice am 7.7.2009.

Joes Worte รผber Michaels guten Freund und Mentor Stevie Wonder, die am Anfang dieser Review zitiert sind, sind besonders ergreifend wegen der einmaligen Erfahrung Stevies mit Michael. Ohne all die umgebenden Dinge, die den Rest der Welt beeinflussten, hat sein ausgeprรคgter Hรถrsinn ohne Zweifel Michaels musikalische Begabung verstรคrkt und personifiziert [wahrgenommen]. Ohne Umweg gingen die Gefรผhle und Sounds, eingebettet in der Musik, direkt in Stevies Herz.

Joe schreibt von Stevies Eulogie fรผr seinen Freund, auf Michaels Memorial:

Er sagt: โ€žDas ist ein Augenblick, von dem ich mir wรผnschte, dass ich ihn nie hรคtte erleben mรผssen.โ€œ In dem folgenden Medley – eine leidenschaftliche Kombination von Never Dreamed Youโ€™d Leave in Summer und They Wonโ€™t Go When I Go – erlaubt Wonder der Musik zugleich zu enthรผllen, zu klagen und zu Zeugnis abzulegen. โ€žNo more lying friends/wanting tragic ends,โ€œ (Keine lรผgenden Freunde mehr/die ein tragisches Ende wollen โ€ฆ) singt er in letzterem Lied, dem ein schweigendes Publikum lauscht. Es war ein tiefer Gospel-Soul, der einen sehr schweren, persรถnlichen, emotionalen Schmerz beschwor. Es war ein Lied รผber den Verlust eines Freundes, nicht einer Ikone.

Danke Joe, fรผr dieses wunderbare Buch und deine harte Arbeit รผber so viele Jahre.

Danke, dass du Michael der Welt so zeigst, wie er immer sein wird โ€ฆ The Man In The Music.


รœbersetzung: M.v.d.Linden


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