Vincent Paterson blickt zurück auf mehr als 16 Jahre kreative Zusammenarbeit mit Michael Jackson. Anfangs ein Tänzer in Short-Films wie „Beat It“ und „Thriller“, übernahm er später die Choreografie für Short-Films wie „Smooth Criminal“ und „Blood On The Dance Floor“. Ferner arbeitete er an der „Bad World Tour“, Michaels Super Bowl Performance und dem MTV 10th Anniversary Special. Paterson bewunderte Jacksons außergewöhnliches Talent, seine Musik durch Bewegung auszudrücken und spricht von ihm als wahren Meister.
Vincent Paterson:
„Ich glaube, ich nahm Thriller das erste Mal wirklich wahr, als ich das Motown 25 Special mit Michael Jackson ansah. Offen gestanden mochte ich ihn vor dieser Show nicht besonders, aber als ich ihn dort sah, war es um mich geschehen. Nie zuvor sah ich jemanden so tanzen, mit so viel überkochender Energie, mit so viel Kraft und Beherrschung. So etwas sah ich nach Fred Astaire nie mehr. Ich dachte, es sei unmöglich, das zu wiederholen. Ich verliebte im wahrsten Sinne des Wortes mich auf der Stelle in ihn.
Anfang der 1980er zog ich nach Hollywood. Ich wollte Tänzer werden. Ich war gerade von einer Welt-Tournee mit Shirley MacLaine zurückgekehrt, und war mit dem Choreografen, der an Michael Jacksons Projekten arbeitete, bekannt. Sein Name war Michael Peters. Ich war einer seiner Schüler und half ihm, Tanzkurse zu unterrichten. Ich bewarb mich als einer der Tänzer für das Video Beat It. In Los Angeles fing ich gerade erst an, und zuvor war ich mehr mit Schauspielerei beschäftigt, und begann mit dem Tanzen erst relativ spät, erst mit 24 Jahren. Als ich dann in die engere Auswahl kam und hörte, dass es in dem Video um Streetgangs ging, blieb ich unrasiert, steckte mir einen falschen Ohrring ins Ohr, gelte meine Haare und zog mir die Klamotten an, die man zu der Zeit auf den Straßen trug. Ich kam in den Raum, wo die Auswahl stattfand, und dort standen eine Menge Leute in glänzenden Tanz-Leggings. Im Vergleich zu ihnen, stach ich sofort hervor. In diesem Raum waren auch Michael Jackson und Michael Peters. Nach meiner Audition sagte Michael sofort: „Den Typ brauche ich! Den Typ brauche ich!“ Ich glaube, er traf seine Wahl zum großen Teil deshalb, weil ich zu dieser Probe kam und schon in meiner Rolle war. Deshalb war es für Jackson und Peters viel leichter, den Charakter, den sie suchten, in mir zu erkennen.
Ich weiß nicht, ob zu dem Zeitpunkt das Script schon vollständig geschrieben war. Michael Peters rekrutierte einfach eine Gruppe von Tänzern und wies ihnen schrittweise die Rollen zu. Es stellte sich heraus, dass Peters auch selbst in dem Video mit tanzen würde. Er sagte zu mir: „Warum wirst du nicht einfach zu meinem Gegenspieler? Ich werde die Leute in zwei Gangs einteilen, rivalisierende Gangs. Du führst die eine an, und ich die andere.“ Das veränderte wirklich meine komplette Karriere als Tänzer! Von dem Augenblick an wurde ich auf der ganzen Welt bekannt und für eine Weile sogar zu einem Star. Peters und ich (er war mein bester Freund) liefen durch die Stadt, Los Angeles, New York oder Hollywood, und Leute kamen auf uns zu und wollten Autogramme. So etwas passiert Tänzern normalerweise nie! Vielleicht ist es heute anders, aber zu der Zeit war Tanz eine neue Kunstform, und auch Musikvideos waren eine neue Kunstform.

Am Set von Beat It
Michael Jackson war sehr, sehr schüchtern, er war introvertiert. Bei der Auswahl begrüßte ich ihn nur, er war sehr still und sprach mit niemandem. Als ich die Rolle bekam und Peters mit Jackson zu arbeiten begann, schloss ich mich Peters anderem Assistenten, Frances Morgan, an. Wir arbeiteten mit Jackson im gleichen Raum. Das war großartig! Er war so liebenswert und höflich, aber immer noch sehr still. Obwohl er auch gerne lachte und Leute neckte. Ich denke, er fühlte sich in diesem kleinen Raum, in dem nur wir vier waren, recht wohl.
Im Thriller-Video mitzutanzen war dank dessen außergewöhnlichen Drehbuchs eine phänomenale Erfahrung! Zu der Zeit brachen wir mit jedem veröffentlichten Video die Rekorde. Es wurde zu einem historischen Ereignis. Das Video von Thriller war etwas anders als Beat It. Michael Peters führte auch hier, zusammen mit John Landis als Regisseur, die choreografische Regie. Peters übernahm einige Tänzer des vorherigen Videos und auch welche, die er aus der Zusammenarbeit bei anderen Projekten kannte. Wir waren begeistert! Waren wir doch schon durch Michael Jacksons Erfolg mit dem Beat It Video inspiriert, arbeiteten wir jetzt mit John Landis an Thriller. Ein zehn Minuten langes Video – von so etwas hatte man nie zuvor gehört! Wir wussten, wir würden in die Geschichte eingehen!

Anfangs war ich Choreografie Assistent und zugleich auch einer der Zombie Tänzer. Als ich zum ersten Mal mit Peters ins Studio kam, noch bevor Jackson erschien, begann Peters schon diese Moves zu entwickeln und ich war wirklich fasziniert. Ich fragte Peters, woher diese Choreografie kommt, wie er auf solche Ideen kommt. Und er antwortete: „Ich habe keine Ahnung, die Musik hat mich mitgerissen und diese verrückten Dinge zeigten sich mir. Ich weiß auch nicht, in welche Richtung es gehen wird.“
Ich hatte das Talent, mir alles zu merken, was Peters tat und es dann zu wiederholen. Als Jackson dann eintraf… oh mein Gott, er war wirklich völlig aus dem Häuschen! Er hatte nicht gewusst, dass wir es auf diese Art choreografieren würden. Und als er sah, was Peters erschaffen hatte, war er begeistert und sehr zufrieden mit der Art, auf die Peters seine Musik interpretierte.
Jahre später, als ich selbst als Choreograf und Bühnendirektor mit Michael Jackson zusammen arbeitete, sagte er etwas zu mir, das auch durch Peters Arbeit perfekt gezeigt wurde: “Versuche nie, der Musik eine Bewegung aufzuzwingen. Lass die Musik zu dir sprechen. Lass die Musik dir zeigen, welche Bewegungen sie verbunden werden möchte. Wenn du sorgfältig zuhörst, wird sie zu dir sprechen und dir den kompletten Tanz schenken.“ Das war es wohl auch, was mit Peters geschah, als er diesen Song hörte.
Als die Tänzer zusammenkamen und die Choreografie lernten, waren wir geschockt. Es war unglaublich! „Oh mein Gott, es sieht so unheimlich aus!“ – zu der Zeit war es etwas wirklich Neues. Und seht nur, was vorgefallen ist, dieser Tanz lebt noch heute, auf der ganzen Welt.
Thriller zu tanzen war einfacher, als Beat It, denn es war ein komplettes Stück und wir tanzten alles an einem Ort. Wir drehten irgendwo Downtown Los Angeles. In dieser Nacht war es furchtbar kalt… ich weiß nicht mehr, ob unser Atem kondensierte, aber wenn es so war, dann war es echt. Uns war sehr kalt, daran erinnere ich mich. Auch daran, dass wir ständig zu den Trailern rannten, weil es dort eine Heizung gab. Der Dreh fand etwa morgens um 3 Uhr statt. Ich weiß wirklich nicht mehr, wie viele Aufnahmen von dem Tanz wir in dieser Nacht machten, ich glaube 30 oder 40. John Landis verfolgte die Close-ups und individuellen Sequenzen der Tänzer persönlich, er erschien überall und filmte Michael aus unterschiedlichen Winkeln. Es waren bestimmt 30 – 40 Wiederholungen. Auch das Make-up dauerte mehrere Stunden. Es wurde von Rick Baker gemacht. Jede von uns hatte sein eigenes Make-up, es gab nicht einfach nur ein Zombie Make-up. Von jedem wurde ein Abdruck vom Gesicht abgenommen und für jeden wurde ein eigenes Image entworfen, eine eigene Maske. Wenn du dann vor dem Spiegel sitzt und siehst, wie sich ein junger, gesunder Mann in Aas verwandelt, überfordert das deinen Verstand! Du siehst, wie deine Zähne ausfallen. Jeder von uns hatte sein eigenes Gebiss, ich habe meins nach dem Dreh mitgenommen, ich hätte das nicht machen sollen, aber ich habe sie gestohlen und habe sie immer noch.
Ich habe also mit Michael Jackson in 2 Videos getanzt. Ich war der Ganganführer in Beat It und ein Zombie in Thriller, und ich arbeitete zudem als Assistenz-Choreograf für Michael Peters. Und dann, eines Nachts, riefen sie mich zu Hause an. Eine sanfte, ruhige Stimme fragte nach Vincent Paterson. Ich dachte, jemand versuchte mich zu verscheißern, indem er so tat, als sei er Michael Jackson. „Wer ist da?“, fragte ich. „Michael Jackson“ bekam ich zur Antwort. „Wer zum Teufel ist da?“, fragte ich. Die gleiche Antwort wie zuvor. „Ich werde jetzt auflegen, wenn du nicht sagst, wer dran ist!“ Ich war gereizt. Aber es stellte sich heraus, es war wirklich Michael Jackson… und ich entschuldigte mich mehrfach.
Michael arbeitete in einem Studio in Hollywood an einem neuen Album und fragte, ob ich vorbeikommen könne. Ich rannte förmlich hin und wartete darauf, dass er mich fragen würde, in seinem nächsten Video zu tanzen. Wir gingen ins Studio und er spielte mir Smooth Criminal vor und fragte, was ich denke. Es gefiel mir sehr! Dann fragte er, ob ich mir Ideen für das Video ausdenken könne und ob ich dazu eine Tanz-Nummer kreieren wolle. Ich war überrascht und geschmeichelt, dass mir diese Ehre zukam.
Michael kam mit der Idee eines eleganten Clubs, indem zehn Männer mit Frack und Hut tanzen sollten. Aber er wollte auch meine Ideen hören.

Ich wusste, dass Michael die Filme von Fred Astaire mochte, und recherchierte die Tanzeinlagen dieser Musicals, die meist von Hermes Pan choreografiert waren. Während ich das tat und mit den Tänzern arbeitete, war Michael die meiste Zeit im Aufnahmestudio. Er stellte mir einen separaten Pavillon zur Verfügung, ausgestattet mit einem hölzernen Tanzboden, damit die Tänzer sicher proben konnten. Zudem stattete er den Pavillon auch mit einem grandiosen Audiosystem und einer Videokamera aus und stellte mir 10 Tänzer zur Verfügung, um eine Choreografie zu erarbeiten. Jeden Morgen kamen wir zusammen und ich erarbeitete die Choreografie in diesem Pavillon und übte sie mit den Tänzern ein. Ich filmte alles, was den Tag über passierte und anschließend sah ich mir mit Michael das Band an. Er sagte immer: „Das ist großartig! Aber ich glaube, du brauchst noch mehr Tänzer.“ Ich engagierte letztlich 50 Tänzer für dieses Video!
Wie lange wir probten und filmten, weiß ich nicht mehr, aber es waren wohl 4 oder 6 Wochen. Zuerst war es nur ein Clip, dann wurde es zu einer Szene im Film „Moonwalker“. Ich arbeitete mit Michael zusammen daran, den Song zu erweitern, und es entstand eine zehn Minuten lange Tanzeinlage in dem Film. Nachdem ich die Choreografie soweit fertig hatte, arbeitete ich mit Michael persönlich.
Auf diese Art arbeiteten Michael und ich immer zusammen, probten zusammen. Ich hatte ihm schon die Vorstellung davon vermittelt, wie der Tanz aussehen würde, und er änderte noch einige Kleinigkeiten hier und da. Michael wiederholte die Choreografie dann für Stunden vor dem Spiegel.
Ich liebte die Zusammenarbeit mit Michael als Künstler und Partner. Er vertraute mir. Ich inszenierte die Bewegungen für ihn und die Tänzer und ließ ihm Raum, seine eigenen Moves zu erschaffen, seine Performance.- Er arbeitete hart, seinen eigenen Stil zu kreieren und ich versuchte ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Tanz hervorzuheben.

Als wir an Black Or White arbeiteten, integrierte ich Tänze aus aller Welt. Ihm gefielen sämtliche Vorschläge. Meine beste Erinnerung an Black Or White entstand während der Proben. Als wir begannen, das Ende des Films zu drehen, diese Szene, in der er auf der Straße tanzt, begann Michael damit, sich in den Schritt zu fassen. Er knöpfte sogar die Hose auf und zog den Reißverschluss runter. Es war cool!
Zu der Zeit war das Publikum allerdings schockiert und wir mussten einige Schläge dafür einstecken. Aber wenn man bedenkt, wie viele solche Videos und Präsentationen man danach sehen konnte….

Michael Jackson ist einer der weltweit besten Tänzer. Jacksons Talent liegt in der Fähigkeit, seine Emotionen, seine Musikalität mit seinem Körper auszudrücken – so wie es Opernsänger, Pianisten oder andere großartige Künstler können. Sie werden mit diesem Talent geboren. Aber natürlich muss man auch wissen, wie man diese Fähigkeiten verbessern kann, wie man damit arbeiten kann, wie man es trainiert. Michael Jackson verließ sich nicht einfach nur auf seine angeborenen Fähigkeiten. Hier ein Beispiel von unserer Zusammenarbeit bei Smooth Criminal: Ich erschuf einen Basisschritt, der das ganze Stück hindurch wiederholt wurde. Michael Jackson nahm dieses kleine Teilstück, (es war höchstens 4 von 8 Takten lang), und wiederholte es ununterbrochen für mindestens 4 Stunden in einer Ecke vor dem Spiegel, bis er es so perfektioniert hatte, dass es, wenn er Musik dazu spielte, aussah, als würde er dazu improvisieren. So arbeiten großartige Künstler und Michael wusste das.
Im Lauf meiner Karriere arbeitete ich mit vielen Leuten. Mit großartigen Tänzern und Künstlern. Aber unter all denen war keiner mit diesem angeborenen Talent, dieser Fähigkeit zu tanzen, wie Michael Jackson. Niemand! Er ist die Musik persönlich! Sein Körper ist Musik. Er ist ein wahrer Meister.
In all den Jahren, in denen ich mit Michael arbeitete – es waren über 16 Jahre – hörte ich nie ein grobes Wort. Bei unserem Arbeitsprozess sagte er immer: „Das war wirklich cool, aber ich habe noch eine Idee, die wir darüber hinaus ausprobieren könnten…“ Er war einfach einmalig und er wird für immer vermisst!

Quellen: diverse Interviews, z.B. MJBeats
The Man Behind the Throne, featuring Vincent Paterson
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Michael Jacksons Rede | Oxford Union Society | Oxford Speech
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