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Über die Transzendenz und Legacy von Michael Jackson

by on 23. February 2012

In diesem Video sind Textauszüge der Professoren, Denker, Sozialkritiker und Historiker Dr. Michael Eric Dyson und Dr. Cornell West zu hören, die das Vermächtnis, den kulturellen Einfluss und das Ausmass besprechen, mit dem Michael Jackson als Ikone alle Grenzen überschritt.

Dyson: Also, offensichtlich braucht es Zeit, um das Ausmaß seines Beitrages, die Tiefe seines Genius und den globalen Einfluss, den er hatte, richtig zu beurteilen, obwohl ich vermute, dass wir sofort bemerken, was das bedeutet.
Man sagt, Journalismus sei die treibende Kraft in der Geschichte. Historiker, 20 oder 25 Jahre in der Zukunft, werden sicher in der Lage sein, seinen unmittelbaren Einfluss auf die Musik richtig und angemessen einzuschätzen. Aber ich denke, es besteht kein Zweifel daran, dass Michael Jackson der führende Entertainer seiner Generation war, vielleicht auch für alle Zeiten, der die Fähigkeiten von Sammy Davis Junior übernahm, der den Street Dance der Afro-Amerikanischen Straßen-Kultur damit verband, alles zur “Staatskunst” des Tanzes verband, alleine schon in dem Bereich von Fred Astaire und Gene Kelly.
Und dann das, was er mit seiner Stimme tat, und zwei Karrieren, die sich aufteilen in seine Kindheit, als er ein Junge von 8, 9 und 10 Jahren war, gerade aus der Grundschule, wenn man es so will, aus Gary Indiana, aus der schwarzen Arbeiter Klasse, der eine der durchschlagendsten Karrieren von allen Gruppen aus den Nachwirkungen der Bürgerrechtsbewegungen anschürte, und der mit dieser kraftvollen, vom Blues durchtränken Stimme Gefühle und Emotionen zu Ausdruck brachte, die weit tiefer und älter und aus einer ganz anderen Zeit sind, als er.

Und dann in der zweiten Karriere, wird die Stimme zu einem der feinfühligsten Instrumente, die ein Spektrum an Emotionen ausdrückt, die im Tenor, im Falsetto und in überraschend tiefen Vibratos gipfelt. Ich denke deshalb, dass Michael Jackson, gerade als Entertainer, als eine Figur, die die Widersprüche der schwarzen Identität verkörpert und die Möglichkeiten von R&B in den 70ern und 80ern, immer eine der am meisten wahrgenommenen und beeindruckendsten Menschen bleiben wird, die wir in unserer Tradition je hervorbrachten.

West: Ich denke, sie haben es versucht, aber es ist unmöglich, wirklich die Tiefe und Komplexität von Michael Jacksons Genius zu erfassen, (…)Es ist nicht einfach nur ein großer Verlust, es ist ein monumentaler Verlust, (…)Michael Jackson war Teil dieser gigantischen Welle im Ozean des menschlichen Ausdrucks, und es geschah zuerst und vor allem anderen in Gary, Indiana, in der Arbeiterklasse (…)Aber Michael Jackson war so diszipliniert und dem, wozu er berufen war so verbunden, jemand der seine Arbeit machte und sie gut machte und auf einem so exzellenten Niveau, dass die Welt immer davon Notiz nehmen muss. (…)Wichtig dabei ist, dass man bereit sein muss, alles von seinem Geist, seinem Körper, seinem Herz und seiner Seele, nicht nur auf einem exzellenten Level, sondern aus der Erhabenheit heraus zu geben. Das ist Michael Jackson…

Dyson: Insgesamt denke ich, dass Michael Jacksons Menschlichkeit in Wahrheit so tief ist, die Auswirkungen und Einflüsse seiner Kunst so monumental und weltweit grandios sind, dass kein amerikanischer TV-Sender etwas tun konnte, um seinen Charakter zu besudeln und, wenn Sie so wollen, keiner seine gesetzmäßige Genialität, die er darstellt und auf die Amerika, ebenso wie die ganze Welt, reagiert hat, bestreiten kann.

West: (…) ich denke, dass das jeder große Künstler könnte, etwa Beethoven, der mit seinem Neffen, den es zu Selbstmordversuchen drängte, kämpfte. Oder Dostojewski mit seinem Hang zum Glücksspiel.

Jeder große Künstler kämpft mit seiner Traurigkeit und Einsamkeit, mit seinen Ängsten, seinen Unsicherheiten und verklärt dies zu komplizierten Ausdrucksformen, die unsere Herzen, unseren Verstand und unsere Seelen berühren und uns daran erinnern, wer wir sind, sie erinnern uns an den fragilen Status unseres Menschseins und an die Unausweichlichkeit des Todes.

Michael Jackson war ein so großartiger Künstler, (…) der größte Entertainer war und das nicht nur für seine Generation, sondern für das 20. Jahrhundert (…) Zuallererst war er Katherines und Josephs Sohn, der versuchte, die Welt zu verstehen, dem dieses Wahnsinnstalent geschenkt wurde, ungeheurere Disziplin und Entschlossenheit, sich auszudrücken und, was am wichtigsten war, echt zu sein in Bezug darauf, seine Arbeit zu tun. Ja, so hatte er diese Art politische Wirkung, doch zu allererst war er als großartiger Künstler und größter Entertainer in der Lage, sich in einer Art auszudrücken, dass er uns damit erlaubte, zu spüren, wie es ist, lebendig zu sein.

Er liebte das Leben. Da war eine Freude, die man spürte, wenn er auf der Bühne stand, er ließ uns nicht nur uns gut fühlen, sondern drängte uns auch, auf uns selbst zu schauen. Mit „Man in the mirror“ brachte er uns dazu, uns selbst kritisch zu betrachten. Mit „Black or White“ zeigte er uns, was es bedeutet, im Gegensatz zu einer reichen Geschichte und Kultur in einer Hautfarbe gefangen zu sein.

Mit „Maybe tomorrow“ was es bedeutet, über Zukunft zu sprechen. Mit seinen künstlerischen Ausdrucksformen können wir immer weiter machen.
Er ist ein Mensch, der die Welt auf allerhöchstem Niveau verstand und die Menschen werden über ihn in der gleichen Weise sprechen, wie sie all die Jahrhunderte hindurch über alle großartigen Künstler sprachen (…)

Dyson: Michael Joseph Jacksons Genie lag in seiner Begabung, selbst diese Rohware zu sein – er selbst war die Ware. Er ist Teil der afro-amerikanischen Gesellschaft, die an den Rand gedrängt wurde. (…)Jacksons Kindheit unterlag einer ungeheuren, erstaunlichen Entwicklung.
Er war ein Wunderkind. Er war sozusagen eine Praline unter den Genies. Er war als Kind dazu fähig, Gefühle zu erzeugen, die weit über sein Alter hinausreichten. Denken Sie daran, wie er mit 10 den Titel von Smokey Robinson sang, „When I had you“. (…) Er war also ein Mann, dem seine Kindheit abgesprochen wurde, der schon ein Erwachsener war und der dann, als er erwachsen war, versuchte, mit verhängnisvollen Folgen, bis zu einem gewissen Maß seine eigene Kindheit zu bergen.
Vielleicht können Scott F. Fitzgeralds Worte umgedreht werden, in Amerika gibt es keine zweite Kindheit, doch Michael Jackson gab uns, aus der Tiefe seiner Qualen, eine transzendentale Möglichkeit die schwarze Identität durch das Prisma schwarzer Kunst zu betrachten und damit blieb der universelle Gebrauch unserer Menschlichkeit unangetastet. (…)

West: Das ist richtig. Ich denke, diejenigen die darin Freude finden, anderen zu dienen, die sich auswählen, mit ihrer Stimme für andere zu sprechen und gemäss ihrer Visoin zu handeln, müssen oft vieles ertragen. Es ist fast wie eine Kreuzigung im Sinne von einem Kreuz, was man zu tragen hat.

Und wir ernten die Früchte der Widerauferstehung, im Sinne von der Kraft, die durch dieses Leiden entsteht. Er ertrug seine Kindheit, weil er uns so liebte, er hat uns nicht nur unterhalten, er hat uns ERhalten. (…) in der Hinsicht ist es Teil des Päckchens der Berufung jedes großen Künstlers. Ich kenne keinen großen Künstler der nicht leiden musste, und dabei mit den Tiefen von Einsamkeit und Traurigkeit zu Kämpfen hatte..(…)

Dyson: Keine Frage. Ich denke, er zog seine Freude und Erfüllung aus dem, was andere an ihm genossen und was ihm selbst verwehrt war. Es gibt keinen Zweifel darüber, dass die von ihm erschaffene überragende Kunst ein Mittel, ein Instrument oder eine Möglichkeit für andere war, das zu erfahren was er selbst nicht erfuhr. (…) seine Seele war mehr in der existentiellen Qual verwurzelt und dem sozialen Leid im Erbe der Schwarzen. Und er ermöglichte uns, durch das Instrument seiner Stimme ein Stück des Himmels zu sehen, der ihm selbst verwehrt war. Sein Leiden war die ultimative Erlösung, die er uns schenkte. (…) wir feiern dieses Genie, wir danken ihm für das, was er ertragen hat, wir lieben seine Seele, wo immer sie jetzt wohnt, an diesem himmlischen Ort, den er uns gab bevor er uns verlies.

West: Aber zugleich erinnern wir uns an das Leiden, was mit jedem Hand in Hand geht, der sich dazu berufen fühlt, anderen zu dienen. Lang lebe das Genie, das Vermächtnis von Michael Joseph Jackson. Es gibt keinen zweiten wie ihn, es wird niemals einen geben. Wir sollten immer der Spur seiner Musik und Kunst folgen und für seine Menschlichkeit und für das Leben beten, für die die ihn lieben, uns selbst und seine Familie.

Übersetzung: M.v.d.Linden, Achildsbliss

gesamtes Script der Diskussion (englisch): http://www.pbs.org/wnet/tavissmiley/interviews/georgetown-university-professor-dr-michael-eric-dyson/

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From → Allgemein

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