In diesem Essay untersucht Toni Bowers die Bedeutung und Wirkung von Michael Jacksons Musik auf die Welt. Sie verbindet Jacksons Einfluss mit aufflammenden sozialen Unruhen, indem sie die Geschichte von Dimitri Reeves erzählt, der während der Unruhen in Baltimore zu Jacksons Musik tanzte. Sie argumentiert, dass Jacksons Musik Hoffnung und Heilung darstellt und die Menschen dazu anregt, Gemeinschaft zu schaffen und Freude zu teilen. Sie appelliert an alle, sich an Jacksons Vermächtnis zu erinnern und mit ihm zu tanzen.

Come and see, when moon is shining.
Come and see, the moon is walking.
Come and see, the moon is dancing.
- Ladysmith Black Mambazo
Komm und sieh, wenn der Mond scheint.
Komm und sieh, der Mond wandert.
Komm und sieh, der Mond tanzt.
Got a feeling that we’re gonna raise the roof off!
Everybody just get down!
- Michael Jackson
Habe das Gefühl, dass wir das Dach anheben werden!
Beginnt alle einfach zu tanzen!
Inzwischen wurden Videos vom tanzenden Dimitri Reeves zu den Klängen von Michael Jacksons Musik in mehreren Teilen Baltimores weltweit millionenfach gesehen. Im bekanntesten Clip, der vom Reporter Shomari Stone gefilmt wurde, erfreut Reeves erschrockene Zuschauer, als er zu den vom Bordstein dröhnenden Klängen von „Beat It“ unerwartet beginnt, sich eine verschmutzte Straße hinunterzubewegen, in dem er Jacksons jubilierende, aufgebrachte Tanzschritte nachahmt, und Behutsamkeit in einen aufrührerischen Moment bringt.
Don’t want to see no blood, don’t be a macho man.
They’ll kick you, they’ll beat you, they’ll tell you it’s fair, so beat it.
Willst kein Blut sehen, sei kein Macho.
Sie werden Dich treten, sie werden Dich schlagen, sie werden Dir sagen, dass es fair ist, also hau ab.
Auf seiner Facebook-Seite bittet Reeves die Zuseher der Videos, den etwaigen Stellenwert der von ihm gewählten Lyrics, zu denen er tanzt – „Beat It“, „Smooth Criminal“, „Will You Be There“, „Black or White“ und andere – nicht zu genau zu analysieren. „Ich wollte einfach tanzen.“, sagt er. Es war ein hervorragender Instinkt. Sobald Reeves die Lautstärke aufdrehte und magische Tanzschritte aus alten Zeiten wiederbelebte, keimte geteilte Freude in der wütenden, trauernden Stadt auf und die Stadt reagierte. Erst begann vereinzelt jemand, an Reeves Seite zu jammen, dann schlossen sich einige junge Männer an und schließlich große Menschenmengen. Entschlossenheit und Freude zeichneten sich unmissverständlich in deren Gesichtern ab. Eine ungewöhnliche, unerwartete Anmut taucht plötzlich vor unseren Augen auf und wir erblicken ein anderes Baltimore, ganz anders als in den Mediendarstellungen – eine Stadt findet einen Weg, von innen heraus zu heilen.

Zeitgleich zu Reeves erstem gefilmten Tanz ging ich durch einen teuren „Spezialitäten“ Lebensmittelladen in Philadelphia. Die Hintergrundmusik musste unbemerkt davon geschwirrt sein, als es plötzlich geschah: die Luft füllte sich mit einem zeitlosen, rauen Beat und „Thriller“ ertönte. Sofort bewegten sich alle. Der Mann hinter der Fleischtheke schunkelte ständig leicht hin und her. Das Gesicht des bewaffneten Wachmanns am Eingang (der einzige Schwarze in dem Geschäft) wurde weich, er begann zu nicken. Eine Frau in meiner Nähe hielt inne und blickte in die Ferne. Mit den Füßen wippend. Für einen mystischen Augenblick vergegenwärtigte sich etwas, das wir brauchten, jedoch verloren hatten.
Es war ein großartiger Moment, aber es fehlte auch etwas. Obwohl alle auf die Musik reagierten, taten sie es mit einer seltsamen Verstohlenheit – nicht offen, gemeinsam oder mit dem ansteckenden Jubel wie in Baltimore. Keine Augen trafen sich, niemand lachte oder sang, niemand bewegte sich ohne Zurückhaltung oder verschmolz mit dem Beat. Ein anderer Song kam. Wir schoben unsere Einkaufswagen weiter und begutachteten handgemachten Käse. Nichts veränderte sich.
Seither denke ich über diese beiden Szenen nach, die, so unterschiedlich sie auch waren, eines gemeinsam hatten: Michael Jackson. Dimitri Reeves hätte sich für sehr viel neuere und hippere Titel als „Beat It“ entscheiden können, aber seine Entscheidung, zu Jacksons Lied zu tanzen, war treffsicher. Michael Jackson gestaltete seine Musik – vielleicht mehr als jeder andere Entertainer – bewusst als Geschenk der Hoffnung und Heilung. Jeder Song bietet eine einzigartig mitfühlende Vision, einen hartnäckigen Glauben an die menschliche Fähigkeit zur Verbundenheit, Freude und die Schaffung von Gerechtigkeit. Erscheinen Dir diese Ideale konserviert oder wunderlich? Scheint die Vorstellung, dass Musik die Welt umgestalten kann, abwegig? Ich war selbst geneigt, so zu denken. Aber die von Reeves geschaffenen schimmernden Momente legen etwas anderes nahe.
Reeves’ mächtiger Tanz erinnert uns daran, dass Jackson mehr schuf als unwiderstehliche, hervorragend vermarktbare Titel oder sogar grandiose Musik. Sein Werk bleibt auch politisch machtvoll. Einer der Gründe dafür ist Jacksons Beharrlichkeit auf Verantwortung und Empathie – who am I to be blind, pretending not to see their need? (Wer bin ich eigentlich, dass ich davor die Augen verschließe, so tue, als ob ich ihre Not nicht bemerke?) Ein weiterer ist seine stetig wiederholte Aufforderung: Come and dance with me. (Komm und tanz mit mir.) Wir beschäftigten Käufer lehnten es ab, zu tanzen und der Verlust war der unsere, aber Dimitri Reeves und seine Nachbarn entschieden sich – weiser als wir – mit Michael Jackson zu tanzen: Dreh’ es laut auf, bring’ es zu anderen, lehne Befangenheit und Urteil ab, und sei glücklich.
Wird tanzen mit Michael Jackson auf magische Art die Welt heilen (heal the world) und es für die gesamte Menschheit zu einem besseren Ort machen (make it a better place for the entire human race)? Wird es die Frage eines kleinen Mädchens an einen Polizisten in „We’ve Had Enough“ beantworten – „Warum können sie wählen, wer leben und wer sterben wird?“ (How is it that you get to choose who will live and who will die?) Wird es Gerechtigkeit für Freddie Gray herbeiführen oder ein rassistisches „Rechts“-system reparieren? Nein. Aber es kann tatsächlich helfen. Wie Reeves gezeigt hat, hilft es bereits.
Befremdlich ist, dass sich die Mainstreamkultur in den Vereinigten Staaten, die jede Hilfe braucht, die sie bekommen kann, gegen Jacksons ausgestreckte Hand zu wehren scheint. Es ist bemerkenswert: für einen Mann, der die Welt der Popmusik bis vor Kurzem über Jahrzehnte beherrschte, wurde Michael Jackson zu einer seltsam schattenhaften Figur. Natürlich nicht am Las Vegas Strip oder bei Sony Music, wo er jedes Jahr weiterhin Millionen einbringt und bei Weitem der meistverdienendste Musiker der Welt bleibt, größtenteils wegen Verkäufen nach Übersee.

Worüber ich spreche, ist der Mainstream, die Kultur der Hauptstraßen in den Vereinigten Staaten, insbesondere die Kultur privilegierter, weißer Amerikaner – wie jener in dem Lebensmittelgeschäft in Philadelphia. Dort wird Michael Jackson und seiner Musik vermehrt die kalte Schulter gezeigt, einhergehend mit einer Abneigung, Jacksons unerschrockenen Idealismus, seine wegweisende, ungewöhnliche Rolle und seine Ausübung von Integration und Mitgefühl zu zelebrieren. Es gibt sogar einen Widerwillen dagegen, seine hervorragende Kunst anzuerkennen. Wir begegnen Michael Jackson nicht geradewegs mit Anerkennung. Wir schätzen seine bedeutende Leistung nicht mit dem verdienten Staunen. Wir tanzen nicht.
Ganz gleich in welchem Kontext, wäre das eine ziemlich unwürdige Art und Weise, sich gegenüber einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu verhalten. Obendrein ist es eine besonders unkluge Haltung, die jetzt eingenommen wird, weil es uns ermöglicht, die Herausforderungen der Denkweisen und Verhaltensmuster abzuleiten, denen sich Jackson, sowohl menschlich als auch künstlerisch stellte und welche die Gesellschaft in diesem Land fortlaufend vergiftet. Warum sollte das sein?
Ich fragte einen Freund in den Zwanzigern, was er von Michael Jacksons Musik hält: tanzen die Kids immer noch dazu? Die Antwort meines Freundes war aufschlussreich: „Großartige Musik“, sagte er, „aber wenn jemand damit beginnt, was er mit kleinen Kindern getan hat, ist er besser vergessen.“ Ich war fassungslos. Ist das möglich? Nach einem der teuersten und intensivsten Prozesse in der Geschichte Amerikas, der in „nicht schuldig“ in allen Anklagepunkten resultierte, nach wiederholten Beweisführungen, die zeigten, dass Michael Jackson nichts Falsches getan hatte, sondern Erpressern zum Opfer fiel und angesichts der riesigen Anzahl übereinstimmender Aussagen, die bezeugen, dass Jackson tatsächlich ein ehrenvoller, geschädigter Menschen war – kann es sein, dass der Medien-Abschaum, der sein Lynchen als Möglichkeit zur Gewinnbringung wahrnahm, Jackson bis heute definiert und die Macht seines Schaffens beschränkt? Anscheinend. Die Kreuzigung von Jacksons Ansehen im Zeitlupentempo, die vor über einem Jahrzehnt stattfand, geht immer noch weiter.
Es geht darüber hinaus in unerwarteter Art weiter. Ich möchte nicht behaupten, dass das, was Jackson passierte, in irgendeiner Weise damit vergleichbar wäre, was Freddie Gray, Michael Brown, Eric Garner und anderen farbigen Amerikanern passierte, die vor Kurzem durch Exekutivbeamte starben. Jackson überlebte sein Martyrium schließlich (gerade noch) und machte (kurzzeitig) weiter. Ich sage nicht, dass all das jüngste Leid und die Ungerechtigkeit in direktem Zusammenhang mit Jacksons speziellen Erfahrungen steht. Aber ich möchte darlegen, dass dieselben Strukturen der Ungerechtigkeit, die augenblicklich zivilrechtlichen Behörden erlauben, unbewaffnete Amerikaner zu ermorden, auch Jackson Schaden zufügten und uns sein Fall helfen kann, diese Strukturen zu verstehen und sich dagegen zu wehren.
Die gleiche Nation von Zuschauern, die gewillt war, Jackson von diesem Albtraum verschlingen zu lassen, sieht jetzt sogar noch grauenvollere Erlebnisse über dutzende andere hereinbrechen. Manche Beobachter verwenden die verantwortungslos selektiven Aufnahmen aus Baltimore, welche die bundesweiten Medien als Futter für die Verstärkung ihrer Vorurteile präsentierten. (Wer würde aufgrund der Fernsehbilder vermuten, dass Zerstörung weniger häufig waren als geordnete Demonstrationen und Gesten der Solidarität?) Jacksons Erlebnisse sind nicht dieselben wie die von den vielen, vielen farbigen Menschen, die kürzlich in Konflikt mit der Polizei gerieten und starben. Aber sie sind in gewisser Art und Weise ähnlich. Sie sind auf ähnliche Art und Weise beschämend und die Gründe dafür sind gleichartig. Sie zeigen ähnliche Pathologien, die uns zerfressen und die uns mehr über uns selbst zeigen als wir sehen möchten.
Es gibt etwas, das Michael Jacksons Erfahrung verdeutlicht. Die Ungerechtigkeit, die wir jetzt miterleben, beruht auf einer entsetzlichen, langjährigen Tatsache über das Leben in den Vereinigten Staaten (und diese wird gewissermaßen dadurch autorisiert): sobald es um Respekt, Bürgerrechte und Gerechtigkeit geht, ist es von Bedeutung, ob Du schwarz oder weiß bist. Jackson war der meist gesehendste farbige Amerikaner der letzten Jahre und er musste feststellen, dass er nur beschuldigt werden musste, um grausam behandelt zu werden. Aber diese Erkenntnis traf ihn keineswegs alleine. (einzigartig war, wie unmittelbar die Medien für Jacksons Leiden verantwortlich waren. Wenige tatsächliche Kriminelle müssen die Schmach ertragen, die er vor globalem Publikum erleiden musste.) In Jacksons Fall wurde wie in jedem der widerlichen Fälle, von denen wir in den vergangenen Jahren gehört haben, einem farbigen Amerikaner eines der wertvollsten Rechte vorenthalten, welches angeblich jeder Amerikaner innehat: die Unschuldsvermutung. Jeder dieser Fälle ist anders, aber dieser entscheidende Faktor ist in all diesen Fällen gleich.
In Jacksons Fall war möglicherweise die Tatsache, dass jede von ihm getätigte Aussage irgendwie automatisch bestritten wurde, am gröbsten und intimsten von Fremden und in der Öffentlichkeit, am beachtenswertesten. Es gab keine Regeln und keinen Respekt. Als frisch gebackener Ehemann hörte sich Jackson an, wie eine Journalistin seine Frau live im internationalen Fernsehen fragte, ob er zum Sex fähig ist. Nicht lange davor fragte ihn eine andere unverblümt, ob er Jungfrau ist. Das Unbehagen, welches sich im Verlauf von Jacksons Leben entwickelte und verstärkte, war tatsächlich eine verständliche Reaktion auf solche Ungeheuerlichkeiten. Keine andere gejagte Berühmtheit, ausgenommen der verstorbenen Prinzessin Diana, erfuhr diese Art der skrupellosen, unerbittlichen Übergriffe, die Jackson erlitt. Selbst Diana war mit diesem Ansturm nur als Erwachsene konfrontiert; Jackson musste damit sein ganzes Leben lang umgehen – von den Nächten an, in denen sein käuflicher Vater Gruppen kichernder Mädchen eskortierte, um den jugendlichen Michael schlafen zu sehen, bis zu diesen letzten, ungeheuerlichen, weltweit verbreiteten Fotos, die durch das Fenster der Ambulanz geschossen wurden und einen sterbenden oder bereits toten Jackson zeigen, der mit Fäusten bearbeitet und intubiert wird. Und dann gab es da noch die oft nachgedruckte Darstellung des nackten Leichnams am Tisch der Gerichtsmedizin.
Diese Ausschreitungen der Medien und unzählige andere wurden (und werden) routinemäßig mit dem Verweis auf Jacksons merkwürdigen Charakter erklärt. Er sei selbst schuld, wird uns gesagt, wegen dieser verwirrenden öffentlichen Rolle – fast schon vergleichbar mit einem unbewaffneten, rassisch gekennzeichneten Teenager, der „bedrohlich aussieht“. Aber der Rückgriff auf diese Art der engstirnigen, persönlichen Darlegung lenkt die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen ab – weitverbreitetem Rassismus und systemischer Ungerechtigkeit. Die Eigenheiten oder Fehler jener Person, die man brutal behandelt, anzuführen, um die eigene Verrohung zu erklären (zu entschuldigen? zu verharmlosen?), schiebt dem Opfer in gewissem Sinne die Schuld zu. Es ermöglicht zu ignorieren, wie die eigenen Verhaltensweisen und Angewohnheiten Brutalität beherbergen, wenn auch nur durch Passivität.
Das zu sagen, ist nicht dasselbe, als zu sagen, dass Michael Jackson nicht außergewöhnlich angreifbar war oder er keine schwerwiegenden Fehler machte. Das war er, die machte er. Gefühlvoll, zurückhaltend und übermäßig entgegenkommend, wie das Opfer von Misshandlungen in der Kindheit oft sind, isoliert, verletzlich, narzisstisch, ungewöhnlich, stinkreich, Konfrontationen ausweichend, ungleichmäßig ausgebildet, jedoch mit Genialität belastet und gewohnt, seine Familie durchzubringen, war Jackson, wie Steven Spielberg bekanntermaßen sagte, „wie ein Rehkitz in einem brennenden Wald“. Doch nichts davon macht aus ihm einen Kriminellen – genauso wenig wie eine Straße entlangzulaufen oder eine unbefugte Hausdurchsuchung nicht zu gestatten oder die Schule abzubrechen Anlässe sind, erschossen zu werden. Kein Wunder: Jackson war überwältigt. Kein Wunder: Amerikaner gehen auf die Straße, um zu demonstrieren. Wer könnte anderes tun?
Jenseits des reduzierenden Schwerpunktes auf individuelle Eigenheiten gibt es eine andere Erklärung, die sowohl für Jacksons Leiden, als auch für die Krise der Bürgerrechte, der wir jetzt gegenüberstehen, relevant ist: Rassismus. Das ist das Wort und es ist Zeit, es laut auszusprechen. Bei Rassismus geht es in erster Linie nicht um die Leute, die darunter leiden, es geht um jene, die ihn ausüben. Es geht nicht um andersartige oder fremde Personen, es geht um gewöhnliche Leute, die entscheiden, wer anders und fremd ist und die sich dazu entscheiden, sie lieber zu fürchten, als sie zu feiern.
Gelegentlich zeigte der Rassismus, der Jackson immer wie ein Schatten verfolgte, deutlich sein dämonisches Gesicht – beispielsweise, als die Ignoranten ihm vorwarfen, „weiß sein zu wollen“, als seine Vitiligoerkrankung sichtbar wurde. Michael Jackson bezeichnete sich stets als schwarz (Ich sehe einfach in den Spiegel; ich weiß, dass ich schwarz bin) und führte schwarze Entertainer (James Brown, Jackie Wilson, Diana Ross, Stevie Wonder, Otis Blackwell, und Sly Stone, um nur einige zu nennen) als seine wichtigsten Einflüsse auf. Er zelebrierte sein afroamerikanisches Erbe so weit, dass er seinen beiden Söhnen den Sklavennamen seines Ur-ur-Großvaters gab, Prince. Seine Musik verherrlichte die glorreichen Traditionen schwarz-amerikanischer Musik immer und verließ diese nie. Dennoch wird Jackson für seinen vermeintlichen Wunsch, weiß sein zu wollen, gehasst.

Dieser irrationale Hass verfolgte Jackson sogar über seinen Tod im Juni 2009 hinaus. Charlie Hebdo’s Cover im Juli jenes Jahres zeigte ein Skelett im Jackson-Stil mit dem Titel „Michael Jackson, en fin blanc“ – „Michael Jackson, endlich weiß“. Eine sarkastische Andeutung, die gerade im Internet die Runde macht, enthält ein Foto eines Modells mit Vitiligo und erinnert uns dankenswerterweise daran, dass es sich hierbei um dieselbe Krankheit handelt, die Jackson „behauptete“, gehabt zu haben. „Behauptete“ – trotz Fotobeweisen aus unterschiedlichen Lebensabschnitten, den einstimmigen Bezeugungen vom Familienmitgliedern, Dermatologen und Visagisten, dem Umstand, dass der älteste Sohn des Entertainers ebenfalls unter dieser seltenen Erbkrankheit zu leiden scheint und sogar der endgültigen Diagnose des Autopsieberichts. Welchem weißen Entertainer wurde jemals so wenig Mitgefühl für eine lebenslange, belastende Krankheit (eine von mehreren, unter denen Jackson litt) entgegengebracht? Wann wurde je so wenig im-Zweifel-für-den-Angeklagten gewährt, so viel bösartiger Nonsens konstruiert? „Ihm wird nicht so schnell dafür vergeben werden, so viele Spieße umgedreht zu haben.“, schrieb James Baldwin vorausschauend, als Thriller die Welt eroberte.
Es sollte niemanden überraschen, dass Michael Jackson, wie praktisch jeder andere farbige Mensch in dieser Gesellschaft, unter Rassismus litt. Was bemerkenswert ist, ist wie extrem und routinemäßig die individuelle Begründung in Jacksons Fall für die Gesellschaft substituiert wurde. Das Muster ist so ungeheuerlich, dass es uns, sobald wir es erkannt haben, über unseren gegenwärtig verheerenden Stand der Dinge unterrichten kann und uns die Wichtigkeit zeigt, die Angewohnheit der Umlenkung, Selbstgerechtigkeit und andauernde Schmähung zu benennen und korrigieren. Privilegierte weiße Amerikaner müssen lernen, deren Tendenz, Unterdrückung zu individualisieren, zu erkennen. Natürlich trägt jeder einzelne etwas zu seinem eigenen Leben bei, aber im Kontext mit Amerikas rassischen Schwierigkeiten ist das Problem nicht primär ein einzelner Schwarzer, sondern das System und die übliche Haltung jener, die alle Bürgerrechte genießen.
In den Vereinigten Staaten tendieren wir dazu, Verschiedenheit als pathologisch zu begreifen. Jeder, der unseren Kategorien überschreitet, unsere Vorurteile stört oder vorherrschende Binsenwahrheiten herausfordert, ist uns unangenehm. Michael Jackson und seine Musik taten all das auf vielen Ebenen. Was allerdings am wichtigsten ist und nicht vergessen werden darf: Er tat es mit Freude. Allzu lange über Jacksons Leid nachzudenken, würde bedeuten, seine unbezwingbare Verspieltheit und Willensstärke zu vergessen. Schlussendlich ist das Erstaunliche nicht, wie seltsam Michael Jackson war oder wie beschwerlich sein Leben war, sondern wie groß seine Fähigkeit zur Freude war, seine Großzügigkeit, seine Fähigkeit und Entschlossenheit, anderen Freude zu bereiten. Grenzenlos neugierig, von Menschen begeistert und von der Schönheit der Welt bezaubert hatte er einfach so viel Spaß. Er litt, ja; er war am Boden und machte schmerzhafte Erfahrungen. Aber das macht seine Überschwänglichkeit so bemerkenswert und die Tatsache, dass er anderen Menschen Freude brachte (und immer noch bringt), so wertvoll. Ganz gleich, was passierte, er tanzte. Das müssen wir honorieren und nicht vergessen – und weiter tanzen.
Dimitri Reeves hat uns letzten Monat vieles beigebracht. Darunter auch, dass wir Michael Jackson jetzt mehr denn je brauchen. Die schändliche Behandlung, die Jackson von der Volkskultur erfuhr, die er so sehr bereicherte, war kein isoliertes Phänomen – sie war nur zu charakteristisch. Jacksons Erfahrung deckt nach reiflicher Überlegung schädliche Gesinnungen und Verhaltensweisen auf, die auch heute noch sehr weitverbreitet sind. Es wäre natürlich weit besser gewesen, wenn Jackson nicht hätte durchmachen müssen, was er durchmachen musste. Genauso, wie es besser wäre, wenn farbige Amerikaner unsere Straßen sicher vor Gesetzesvertretern entlanggehen könnten. Die mächtigere Mehrheit sollte imstande sein, zu lernen, wie man sich verhält, ohne bereits Benachteiligten Leid zuzufügen und kein Maß an Bildung und Entwicklung der bereits Priviligierten kann beginnen, die Formen der Ungerechtigkeiten, über die wir sprechen, wettzumachen. Gleichzeitig ist es aber entscheidend, dass jene, die Privilegien genießen, realisieren, dass es nicht jedem so geht und ihre Macht dazu nutzen, das zu ändern. Geringstenfalls sollten wir jetzt darauf bestehen, dass jedem die Unschuldsvermutung zusteht, was Verbesserungen in der Art und Weise, wie die Medien und der Gesetzesvollzug arbeiten, erfordert.
Dank Dimitri Reeves haben wir einen kleinen Weg gesehen, in eine heilende Richtung aufzubrechen, einen Weg, den er direkt von Michael Jackson bezog: Wir können heraustreten und auf der Straße tanzen, Freude verbreiten statt Angst. Come and dance with me (Komm und tanz mit mir), schrieb Jackson, Join me in my dance, please join me now (Folge mir in meinem Tanz, bitte folge mir jetzt). Reeves nahm Jacksons Einladung an.
Mit Michael Jackson zu tanzen, seine ausgestreckte Hand zu nehmen, ist mehr als nur ein schwieriges, außergewöhnliches Leben und enorme Begabungen zu ehren – obwohl es höchste Zeit ist, das ohne Widerwillen und Beurteilungen oder Lügen zu tun. Wir müssen es für uns selbst tun und füreinander – nicht in dem Versuch, uns selbst vor dem gegenwärtigen Schmerz und der Gefahr zu schützen, aber um weiter in die verwirrendsten Aspekte unserer eigenen Leben einzutauchen und ihnen Freude gegenüberzustellen. Es ist eine Möglichkeit, die Art der Zukunft zu wählen, die wir haben wollen und den Menschenschlag, der wir sein wollen.
Mit Michael Jackson zu tanzen wird bedeuten, Hass und Angst loszulassen, Schönheit darin zu würdigen, was uns fremd erscheint und bereit zu sein, die Gelegenheit wahrzunehmen. Es wird einfordern, dass wir andere Menschen fantasievoll und einfühlsam behandeln, in dem Raum, der unserer Auffassung nach unser eigener ist, und mit Respekt. So ist der Tanz, zu dem uns Jackson einlädt zu tanzen, eine Art ethische Übung. Es ist eine Art, unseren Überzeugungen und Bekenntnissen gerecht zu werden und für unsere Privilegien Verantwortung zu übernehmen.
Verstanden? Gut. Lasst uns tanzen.

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