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“A lot of people misunderstand me. That’s because they don’t know me at all.” – Michael Jackson

Im seltenen Interview mit Glenn Plaskin am 16. August 1992 äußert sich Michael Jackson über seine persönliche Spiritualität, künstlerische Kreativität, seine Sicht auf Kinder und Tiere, Einsamkeit und das Unbehagen, das Antrieb zur Kreativität ist. Jackson stellt klar, er würde sich nicht selbst als ein Philosoph sehen, und bekräftigt, er lebe im Hier und Jetzt mit freudiger Erwartung auf die Zukunft.

Zwischen den Auftritten seiner stürmischen Europa-Tour stimmte Michael Jackson diesem außergewöhnlichen Interview mit Glenn Plaskin zu. Ein Abgesandter wurde nach Deutschland geschickt, um die Fragen, nach seinem Konzert in München, persönlich an Jackson zu überreichen. Er diktierte daraufhin seine Antworten, die an seinen Literatur-Agenten in Washington weitergeleitet wurden. Die Antworten wurden abgetippt und zur Veröffentlichung an Plaskin gefaxt.

Glenn Plaskin: Mir gefällt es, dass du dich sorgst und die Aufmerksamkeit in deinem neuen Buch „Dancing The Dream“ auf ein „Kind, das in Äthiopien weint, eine Seemöwe, die in einer Öllache um ihr Überleben kämpft, einen vor Angst zitternden Teenager-Soldaten …“ lenkst. Denkst du, wir sind solchen Dingen gegenüber schon gefühllos geworden?

Michael Jackson: Nein, ich glaube nicht, dass wir angesichts solcher Tragödien gefühllos geworden sind. Wir erleben ein weltweites Aufflammen für – und eine Rückbesinnung auf – die grundlegenden menschlichen Werte und die Sorge für die Unverletzlichkeit allen Lebens auf unserem Planeten.

Glenn Plaskin: Dein Buch ist angefüllt mit der Lebensweisheit einer alten Seele. Siehst du dich selbst als Philosoph?

Michael Jackson: Ich sehe mich nicht als ein Philosoph. Ich glaube, ich habe, wie jeder andere auf dieser Welt, eine Bestimmung. Diese Bestimmung herauszufinden und danach zu leben bedeutet, den göttlichen Funken in uns zu entzünden.

Glenn Plaskin: Stammen all deine Gedichte und Essays in dem Buch aus einem Tagebuch?

Michael Jackson: Ich führe kein Tagebuch. Ideen reifen, entwickeln sich in meinen Gedanken.

Glenn Plaskin: Du sagst immer, es sei wichtig, zu träumen. Hast du all deine Träume verwirklicht?

Michael Jackson: Nein, habe ich nicht. Ohne Träume gibt es keine Kreativität. Der Antrieb zur Kreativität entsteht aus einem Unbehagen – einen göttlichen Unbehagen, das verändern, umgestalten, die Welt mit mehr Magie erfüllen möchte. In meinem Leben steht an erster Stelle, etwas zu verändern, unbekanntes, unerforschtes Gelände zu betreten und Spuren zu hinterlassen.

Glenn Plaskin: Was magst du an Kindern und wie beleben sie dich, wenn du unter Belastung stehst?

Michael Jackson: Kinder sind unschuldig und urteilen nicht. Sie beleben mich, denn sie helfen mir dabei, mein eigenes inneres Kind zu finden, ohne dass ich verloren wäre. Von Kindern können wir lernen zu lieben, zu vergeben, in allem etwas Neues zu erschaffen und die Welt zu heilen.

Glenn Plaskin: Fühlst du dich, wenn du alleine bist, einsam oder zufrieden?

Michael Jackson: Ich weiß das Alleinsein zu erleben. Einsamkeit kann eine harte Erfahrung sein, aber Alleinsein ist Liebe und Bewusstsein für das Leben.

Glenn Plaskin: Du sprichst oft von Gott und Spiritualität, und du wurdest als ein Zeuge Jehova erzogen. Hältst du dich heute für religiös?

Michael Jackson: Ich denke nicht, dass ich religiös bin in dem Sinn, dass ich mich einer bestimmten Glaubenslehre verschrieben hätte. Ich würde mich als spirituell bezeichnen – insofern ich glaube, dass es einen Bereich des Bewusstseins gibt, der uns ermöglicht unsere Universalität zu erfahren. Ich lese alle Arten religiöser Literatur, denn ich glaube, dass in allen etwas Wahres enthalten ist.

Glenn Plaskin: In deinem Buch schreibst du in deinem Gedicht „Trust“: „Wir denken, uns von anderen zu separieren, würde uns schützen, aber das funktioniert nicht. Dadurch fühlen wir uns einsam und ungeliebt.“ Fühlst du dich als ein Gefangener deines Ruhms?

Michael Jackson: Ja. Ruhm kann dich gefangen halten. Aber das Beste daran, Michael Jackson zu sein ist, dass du mit Millionen Menschen interagieren kannst; und bei diesem Zusammenspiel tauschen wir etwas aus.

Glenn Plaskin: Das wäre …

Michael Jackson: Liebe. Es ist beglückend. Es ist magisch.

Glenn Plaskin: Ich wette, du hättest auch ein großartiger Balletttänzer werden können. Deine Mutter sagte einmal, du konntest schon mit 5 Jahren fast jede Tanzbewegung nachahmen. Wie fühlt es sich an, wenn du auf der Bühne tanzt, und wie hart arbeitest du daran?

Michael Jackson: Ich tanze, um meine Glückseligkeit auszudrücken. Wenn ich tanze, verlasse ich mich nicht auf ein Training, ich fühle, wie der Tanz selbst sich durch mich zum Ausdruck bringt. Ich bin das Instrument zum Ausdruck der Ekstase.

Glenn Plaskin: Verrate uns ein paar Geheimnisse: Was isst du, und wie trainierst du?

Michael Jackson: Mein Leben ist nicht eingeengt durch besondere Diäten oder Trainingspläne! Ich habe Spass mit meinen Freunden oder alleine. Ich sehe gerne Filme an, lese Bücher, tanze – und manchmal tue ich gar nichts.

Glenn Plaskin: Du schreibst viel über Tiere. Was können wir von ihnen lernen?

Michael Jackson: Tiere töten nicht aus Grausamkeit, Gier oder Eifersucht. Und die meisten töten nicht ihre eigene Spezies. Wir sind die einzigen Tiere, die die Erde plündern und zerstören! Aber wir lernen und es ist noch nicht zu spät.

Glenn Plaskin: Wo wir gerade von Tieren sprechen … nachdem das sexy, gewalttätige Panther-Segment von Black or White zu vielen Kontroversen geführt hat, spekulieren Amateur Psychologen, dass du enorme Wutgefühle herausgelassen hast, über …

Michael Jackson: Wut und Zorn sind das Vorspiel für eine Veränderung des Bewusstseins. Solange die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft uns nicht wütend machen, gibt es keine Hoffnung auf Veränderung.

Glenn Plaskin: Deine Videos sind State of the Art, wie kleine Kinofilme. Würdest du gerne lange Spielfilme drehen?

Michael Jackson: Ich werde Regie führen und viele Filme produzieren; Filme, die die Magie des Lebens zeigen, die unterhalten, aber die Leute auch zum Nachdenken anregen.

Glenn Plaskin: In der Zwischenzeit, wenn du die Lieder für dein nächstes Album komponierst, kommen die Texte, oder die Musik zuerst?

Michael Jackson: „Ich höre als Erstes die Musik und spüre den Tanz, die Worte kommen dann spontan.“

Glenn Plaskin: In deinem Essay „On Children of the World“ sagst du, so vielen Kindern wäre ihre Kindheit gestohlen worden. Hast du es als ein Kinderstar so empfunden?

Michael Jackson: Ich hatte ganz sicher keine gewöhnliche Kindheit. Aber die Magie war immer da.

Glenn Plaskin: Wir haben alle gesehen, wie Elizabeth Taylor sich so leidenschaftlich für Spenden und Mitgefühl für AIDS einsetzt. Welche Eigenschaft schätzt du an ihr als Freundin am meisten?

Michael Jackson: Elizabeth hat sehr viel Lebenslust. Wir müssen mit der Leidenschaft leben.

Glenn Plaskin: Nachdem du letzten Oktober der Gastgeber für Elizabeth Taylors Hochzeit warst, träumst du davon, eines Tages selbst zu heiraten?

Michael Jackson: Ich lebe in der Gegenwart. Und das Spannende am Leben ist, sich jeden Morgen in das Unbekannte zu begeben. Ich freue mich auf die Zukunft, was auch immer sie mir bringen wird.


Übersetzung: M.v.d.L.


English Version

Between performances on his whirlwind European tour, Michael Jackson agreed to this rare interview with Glenn Plaskin. An emissary was sent to hand-deliver the questions to Jackson in Germany after his Munich concert, whereupon he dictated his answers, which were then transmitted to his literary agent in Washington, D.C. The answers were typed and faxed to Plaskin for publication.

I like that you care, drawing attention in your new book ”Dancing the Dream” to ”a child crying in Ethiopia, a sea gull struggling pathetically in an oil spill, a teen-age soldier trembling with terror. . .” Do you think we`ve become numb to all this?

”No, I don`t think we have become numb to these tragedies. We are seeing a worldwide resurgence and restoration of basic human values and concern for the sacredness of all life on our planet.”

Your book is filled with an old soul`s wisdom about life. Do you think of yourself as a philosopher?

”I don`t think of myself as a philosopher. I think I have a purpose, as does everyone else on Earth. To find that purpose and to live to express it is to ignite the spark of divinity within us.”

Did all the poems and essays in the book come from a daily journal?

”I don`t keep a journal. Ideas gestate and incubate in my mind.”

You always say dreaming is so important. Have you realized all your dreams?

”No. I haven`t. Without dreams there is no creativity. The creative urge in us comes from discontent-a divine discontent that seeks to change, to transform, to fill the world with more magic. My priority in life is to make a difference, to tread unfamiliar, uncharted territory and to leave some trails behind.”

What do you like about kids and how do they revive you when you feel burdened?

”Children are innocent and they are non-judgmental. They revive me, because they help me find my own inner child, without whom I would be lost. From children we can learn to love, to forgive, to create anew in everything and to heal the world.”

When you`re alone, do you feel lonely or contented?

”I know how to experience solitude. Loneliness can be a harsh experience, but solitude is love and consciousness with all of life.”

You often speak of God and spirituality, and you were reared as a Jehovah`s Witness. Do you consider yourself a religious person today?

”I don`t consider myself religious in the sense of subscribing to a particular dogma. I would consider myself spiritual-in that I believe there is a domain of awareness in which we can experience our universality. I read all kinds of religious literature, because I believe there is truth in all of them.”

In your book`s essay ”Trust,” you write: ”We think separating ourselves from others will protect us, but that doesn`t work. It leaves us feeling alone and unloved.” Do you feel imprisoned by your fame?

”Yes. Fame can be imprisoning. But the best part of being Michael Jackson is that I know I can interact with millions of people; and in that interaction we exchange something.”

Which is . . .

”Love. It is exhilarating. It is magic.”

I bet you could have been a great ballet dancer. Your mother once said you could imitate almost any dance move by the time you were 5. When you`re dancing onstage, how does it feel and how hard do you work at it?

”I dance to express my bliss. I do not strain at practice when I`m dancing. I just feel that the dance is dancing itself through me. I`m an instrument for the expression of ecstasy.”

Give us a few secrets: What do you eat, how do you exercise?

”My life is not constrained by special diets or exercise routines! I have fun with my friends or by myself. I like to see movies, read books, dance-and sometimes do nothing.”

You write so much about animals. What can we all learn from them?

”Animals do not kill out of cruelty, greed or jealousy. And most do not kill their own kind. We are the only animals that plunder and destroy the Earth! But we are learning, and it is not too late.”

Speaking of animals, after the sexy, violent ”panther” section of ”Black or White” created so much controversy, amateur psychologists speculated that you were letting off tremendous feelings of anger about . . .

”Anger and rage are the prelude to a shift in consciousness. Unless we feel rage at some of the inequities and injustices of our society, there is no hope for transformation.”

Your videos are state-of-the-art, like a mini-motion picture. Would you like to make feature-length films?

”I`m going to produce and direct many feature films; movies that bring out the magic of life-that entertain but also make people think.”

In the meantime, when you`re composing songs for your next album, do the words come first or the music?

”I first hear the music and feel the dance, and then the words come spontaneously.”

In your essay ”On Children of the World,” you say so many children have had their childhoods stolen from them. As a child star, did you feel that way?

”I certainly did not have a routine childhood. But the magic was always there.”

We`ve all seen Elizabeth Taylor fight so passionately for AIDS funding and compassion. What quality do you like most about her as a friend?

”Elizabeth has passion for life. We must live with passion.”

Having hosted Elizabeth Taylor`s wedding last October, do you dream that one day you might have a wedding of your own?

”My life is the present. And the excitement of life is to step into the unknown every morning. I look forward to the future-whatever it brings.”

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