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“A lot of people misunderstand me. That’s because they don’t know me at all.” – Michael Jackson

Der Artikel von Billboard erzählt, wie L.A. Reid, CEO von Epic Records, sich mit John Branca, Michael Jacksons Rechtsberater und Nachlassverwalter, traf, um die Idee zu entwickeln, ein neues Album mit unveröffentlichten Jackson-Songs zu produzieren. Das Album „Xscape“, das am 13. Mai erscheint, enthält acht Tracks mit Jacksons Vocals und neuer Musik von Timbaland und anderen. Dies ist das zweite Album eines Deals, um unveröffentlichtes Material von Jackson zu veröffentlichen. POV der Geschichte ist Reid, der seine Bemühungen um die Produktion des Albums und seine Begegnungen und Erinnerungen an Jackson erzählt.

Vor etwas weniger als einem Jahr traf sich L.A. Reid mit John Branca zum Dinner bei Cecconi’s in West Hollywood. Reid war seit Juli 2011 Vorsitzender und CEO von Epic Records („Das Haus, das Thriller erbaute“, wie Reid es ausdrückt) und er hatte ein kaltes Label übernommen, was bis dahin auch nicht viel heißer geworden war. Branca hatte seine Rolle als Michael Jacksons Berater und Anwalt kurz vor Jacksons Tod 2009 wieder aufgenommen, und während seiner Zeit als Co-Testamentsvollstrecker von Jacksons Estate, dank des This Is It-Konzert-Films (der weltweit 261 Mio. $ einspielte) und lukrativen Performance-Projekten mit dem Cirque du Soleil die 500 Millionen-Dollar Schuld des Estates getilgt.

Eines der Themen, die an diesem Abend auf den Tisch kamen, war Reids Idee für eine Jackson-Film-Biografie, die sein Leben zwischen dem Alter von 19 – als er The Wiz filmte und zum ersten Mal mit Quincy Jones arbeitete – und 24 Jahren beleuchtete, als er und Jones mit Thriller die Welt neu formten. Branca hatte eine einfache Antwort für Reid: Nein.

Reid, 57, erinnert sich heute: „John sagte zu mir, ‘Das ist wunderbar. Warum? Warum sollten wir dem zustimmen?’“ Branca beklagte sich darüber, dass Reid während seiner Anfangszeit bei Epic nichts für Jackson getan hatte. Die ersten beiden Jahre Reids bei dem Label waren mit seiner Beschäftigung als Richter bei X-Faktor auf Fox zusammengetroffen, (einer Entscheidung, die er heute als „fürchterlich“ bezeichnet) und Branca ging auch darauf ein. „Er sagte, ‘Du sprichst nicht über Michael, wenn du im Fernsehen bist“, sagt Reid. „Er fing an, mich zu schimpfen. Ich bin voll aufgelaufen.“ Aber Reid sah eine Chance, sich selbst zu beweisen, und fragte nach etwas anderem, etwas Größerem: in die Schatzkammern zu gehen und die Aufnahmen zu hören, die Jackson – der dafür bekannt ist, für jedes Album an etwa 70 Songs gearbeitet zu haben – zurückgelassen hat. „Lass mich alles anhören“, sagte er zu Branca. „Und dann lass mich ein Team zusammenstellen und ein Album von Michael machen.“

„Ich lehnte mich ziemlich weit aus dem Fenster“, sagt Reid. „Denn ich wusste nicht, was in den Schatzkammern war.“ Aber jetzt sagt er das mit einem Lächeln und dem Selbstvertrauen, was durch das Verfolgen einer unorthodoxen Strategie und der Erschaffung von etwas, was keiner für möglich hielt, entsteht: Einem Album, das es verdient, mit der bemerkenswerten Musik in Zusammenhang genannt zu werden, die Jackson von Off The Wall, 1979, hin zu Invincible, 2001, machte.

Xscape“, erscheint am 13. Mai und enthält 8 Tracks von Jacksons Vocals, mit neuer Musik von Timbaland und J-Roc, Rodney Jerkins, Stargate und John McClain, dem ehemaligen Manager von A&M Records, der mit Branca zusammen Co-Testamentsvollstrecker des Jackson-Estates ist. Die Originale, mit denen sie arbeiteten, wurden zwischen 1983 und 1999 aufgenommen – dem Zeitraum nach Thriller bis kurz vor Invincible.

Die fertigen Songs sind keine Remixe. Reid wählte einen riskanteren Weg, er beauftrage jeden seiner Produzenten etwas zu erschaffen, was im Grunde neue Songs sind, die auf Jacksons Vocal-Tracks basieren. Timbaland, der leitende Produzent des Projekts, der zusammen mit seinem Kollegen J-Roc fünf Tracks überwachte, spricht davon fast wie von einer Geistergeschichte; Jacksons körperlose Stimme, die ihn zu Sounds drängte, oder von denen abbrachte, die nicht innovativ genug waren, und der seinen Segen gab, wenn sie es waren.

Das ist das zweite komplette Album eines Deals zwischen dem Jackson-Estate und Sony Music, um zuvor unveröffentlichtes Material herauszubringen, welches Berichten zufolge einen Wert von 250.Mio. $ hat. Das erste Album Michael von 2010 konzentrierte sich auf das Material, was Jackson in den letzten Jahren vor seinem Tod aufnahm. Es wurde von einem halben Dutzend Produzenten fertiggestellt, von denen viele an den Original-Sessions beteiligt waren, und die versuchten, seine Absichten so gut wie möglich umzusetzen. Das Ergebnis erfüllte nicht die Erwartungen von Jacksons Studio-Perfektionismus. Branca nennt den Prozess „irgendwie chaotisch“ und bemerkt, es fehlte an einer umfassenden, richtungsweisenden Vision. Seit seiner Veröffentlichung wurden von Michael 540.000 Alben verkauft – nicht gerade überwältigend. Trotzdem bleibt Jackson auch 5 Jahre nach seinem Tod groß im Geschäft. Vergangenes Jahr wurde The Immortal World Tour, ein Partner-Projekt zwischen dem Jackson Estate und Cirque du Soleil, die neunt kommerziell erfolgreichste Tour aller Zeiten, sie übertraf die Voodoo Lounge Tour der Rolling Stones von 1994 und 1995, mit Einnahmen von 325,1 Mio. $ aus 407 Shows und wurde von fast 3 Millionen Zuschauern besucht. Immortal ist erneut in Nordamerika auf Tour und eine zweite Cirque du Soleil Show, One, startete im Mai 2013 in Mandalay Bay in Las Vegas.

Seit seinem Tod verkauften sich Jacksons Alben in den USA lt. Nielsen SoundScan 12,8 Mio. mal – 8 Mio. davon in den Monaten direkt nach dem 25.6.2009, was ihn zum Künstler mit den meisten Verkäufen dieses Jahres machte. Seitdem haben sich die Verkäufe verlangsamt. Im vergangenen Jahr verkauften sich 584.000 Alben, das sind weniger als bei Elvis Presley (1,1 Mio.) und Johnny Cash (969.000), aber mehr als bei Whitney Houston (310.000) und Jimi Hendrix (539.000). Xscape wird die Zahl steigen lassen, in welcher Größenordnung ist jedoch unklar.

Auch wenn ein Hit sehr willkommen wäre, sehen Raid und alle anderen Beteiligten auch einen darüber hinaus gehenden Zweck: Jacksons Präsenz im heutigen Pop-Universum wiederzubeleben. Es steht außer Frage, dass sein Einfluss weiterlebt. Hört man sich die Songs der Billboard 100 an, wird man Tracks von Jacksons Schülern hören – momentan ist es Pharrell Williams, der das, was er Jacksons „Stutter-Pop“ nennt, mit Happy auf Nr. 1 getrieben hat, und Justin Timberlake, auf Nr. 9 mit Not A Bad Thing – koproduziert mit einem Teil des Xscape-Teams, Timbaland und J-Roc. Beim Arbeiten an dem Album fragte Timbaland sich: „Wie würde ich das im Radio im Vergleich mit Katy Perry hören? Würde es alt oder neu klingen? Ich musste sichergehen, dass es mit allem, was in der heutigen Pop-Welt stattfinden, konkurrieren kann.“

Im April versammelte sich Reid mit den Produzenten, die an Xscape arbeiteten, außer McClain, um mit Billboard über die Entstehung des Albums zu sprechen und um eine Dokumentation zu filmen. Sie trafen sich in den früheren A&M Studios in La Brea, 966 neben Charlie Chaplins Studio erbaut. Jones und Jackson nahmen dort im Studio A We Are The World auf, und Jackson, der sich obsessiv Aufnahmen von Chaplin zu Studienzwecken ansah, war dafür bekannt, auf dieser Soundstage zu proben.

THE XSCAPE TEAM: TIMBALAND, L.A. REID, RODNEY JERKINS, J-ROC

Photo: Austin Hargrave

Einige dieser Männer haben Jackson gekannt und mit ihm gearbeitet. Jerkins, 36, Hit-Schreiber für Brandy und Destiny’s Child, traf Jackson zum ersten Mal mit 16 und begann mit ihm zu arbeiten, als er 19 war. „Er fragte mich an für ein Jahr“, sagt Jerkins. Es wurden dann fast drei Jahre daraus, von 1999 bis 2001. Reid selbst produzierte einen der Tracks, die Xscape als Quelle dienten: Slave To The Rhythm, zusammen mit seinem Partner Kenneth ‘Babyface’ Edmunds im Jahr 1989. (Und er nahm Jackson 2005 beinahe unter Vertrag, als er Vorsitzender/CEO von Island Def Jam war) Der Song wurde für Xscape von Timbaland umgestaltet. „Er fragte Rodney (Jerkins) an, um ein Jahr für ihn zu arbeiten“, witzelt Reid. „Das sagt dir was darüber, wie ich als Produzent dastehe – mich fragte er für zwei Wochen an.“

Jackson wollte mit dem norwegischen Produzentenduo Stargate arbeiten – Mikkel Eriksen und Tor Hermansen, beide 41 – bekannt für ihre Hits mit Rihanna und Perry. Der Sänger war Fan ihrer Songs für Ne-Yo, und er traf sich mit ihnen im Midtown Manhattan Chinese Restaurant Mr.K’s, um zukünftige Projekte zu besprechen. „Nur wir beide und Manager, und Blanket war auch dabei“, sagt Eriksen. „Unten im Basement.“ „Hat er gegessen?“, fragt Reid. „Er hat gegessen – er brachte seine eigenen Ess-Stäbchen mit“, sagt Hermansen.

So wie Timbaland, fühlte auch Reid, dass seine konsequenten Innovationen sich mit Jacksons Bestreben, immer einen einmaligen Sound zu erschaffen, deckten. So wie Jackson spielt auch Timbaland Sounds in seinem Kopf ab und beatboxt und vokalisiert sie im Studio. Und wie Jackson ist auch er unermüdlich bei seiner Suche nach neuen Herangehensweisen. „Es kam mir immer vor, als ob ich der Zeit voraus sei und keiner versteht meine Methode der Musik. Ich fühle, dass alles um uns herum Musik ist. Deshalb benutze ich in meinen Songs Grillen, oder Vögel und Löffel oder Türgriffe, oder einen Automotor, und mache daraus einfach einen Rhythmus.“

Timbaland war der Erste, den Reid anrief. „Ich sagte, ich möchte ins Studio kommen. Ich möchte das nicht am Telefon besprechen“, erinnert sich Reid. Die beiden trafen sich in den Jungle Studios in Manhattan, erbaut und im Besitz von Alicia Keys. „Wie üblich war der Kontrollraum im Studio voller Leute – Musiker, Toningenieure, Assistenten, Freunde und Songschreiber – viele Leute im Raum“, sagt Reid. „Ich wollte darüber nicht in einer Gruppe sprechen. Deshalb sagte ich, ‘Tim, können wir reden?’ Wir gingen raus und ich flüsterte in sein Ohr, als wäre es DAS besondere Projekt. Ich sagte, ‘Wie hört sich das an: ‘Michael Jackson produziert von Timbaland.“

„Ich spürte, dass er mich herausfordern wollte“, sagt Timbaland. „Als wolle er sagen, ‘Lass mich sehen, wie gut du wirklich bist. Wie wäre es mit Michael Jackson?’“

Für Reid persönlich ist das Projekt ebenfalls eine Chance zu beweisen, wie gut er wirklich ist. „Als ich zu Epic-Records kam, wusste ich nicht genau warum“, sagt er. Seit er vor 25 Jahren zusammen mit Edmunds LaFace Records gegründet hat, ist Reid in die Topliga von Arista und Island Def Jam aufgestiegen, und überwacht bahnbrechende Platten von TLC, Usher, Outkast, Pink, Avril Lavigne und Rihanna. „Brauchte ich wirklich noch einen Job bei einer weiteren Platten-Firma?“, fragt er. Und obwohl Epik gerade im Aufschwung ist, dank jüngster Hits von Future, Kongos und A Great Big World, waren seine ersten 18 Monate schwierig. „Bis wir anfingen, an dem Michael Jackson Projekt zu arbeiten… ich hatte es einfach nicht verstanden, verstehst du?“, sagt er. „Ich musste mich erst in etwas verbeißen, was das Potenzial hatte, großartig zu werden.“

Der Prozess begann damit, dass Jacksons Estate die Aufnahme-Archive durchforstete, die sich in verschiedenen Lagerhallen in Süd Kalifornien befinden, in denen Jacksons Besitz verwahrt wird, – alles, von seiner Kleidung, Schmuck und Autos hin zu Notizen und Handschriften. „Vieles davon haben wir in Computern digitalisiert“, sagt Branca über die Aufnahmen. „Wir haben es aufgezeichnet und Verzeichnisse aufgestellt, damit wir immer Zugang zu den Sachen haben.“

Es besteht keine Knappheit an Material. In seiner Glanzzeit arbeitete Jackson unerbittlich. Er benutzte unterschiedliche Studios, so konnte er von Song zu Song gehen, manchmal 18 Stunden am Stück. Er sang mehr, als dass er etwas spielte, aber er konnte seinem Team Akkorde und Arrangements vorsingen, und brachte ihnen Demos, bestehend aus vokalisierten-Orchestrierungen (mit beatbox-Rhythmen), die er in seinem Heimstudio zusammengestellt hatte. „Er hat eine vollständige Aufnahme in seinem Kopf und versucht zu erreichen, dass die Leute es ihm genau so umsetzen“, sagt Songschreiber/Produzent/Toningenieur Bill Bottrell zu Joseph Vogel, dem Autor von „Man In The Music“ (und dem Text im CD-Begleitheft von „Xscape“). „Sein Job ist es, von den Musikern, Produzenten und Ingenieuren zu bekommen, was er hört, wenn er morgens aufwacht.“

Jackson nahm für jedes Projekt viel mehr auf, er arbeitete jahrelang an Songs und kam manchmal für spätere Alben wieder auf sie zurück – mit „Wanna Be Startin’ Somethin‘“ begann er während der Off The Wall-Sessions, aber es endete auf dem Thriller Album. Er trieb sich selbst und andere an. Als er mit Jerkins an (dem Song) Xscape arbeitete, das zwischen 1999 und 2001 aufgenommen wurde, schickte er den Produzenten mit einem DAT-Rekorder auf Schrottplätze, um neue Percussion-Sounds zu finden.

Rodney Jerkins & Michael Jackson

„Ich klopfte auf Sachen und dachte ‘wow, das könnte in einen Song passen. Das könnte gut zur Basstrommel passen. Nach einer Zeit wurden die Sounds zum Leben erweckt, und für ihn waren das die Momente, warum er immerzu auf der Suche nach dem nächsten war. Er war so begeistert davon, zu versuchen herauszufinden, wie man neue Sounds erschafft.“

„Wo ist genau der Sound, der erreicht, dass du es immer wieder anhören willst?“, fragte er Jerkins. „Wir müssen Pioniere sein und diesen neuen Sound erschaffen.“

Angesichts all dieses Materials hatten Reid und John Doelp von Sony A&R ein klares Ziel. Reid sagt, sie wollten Songs finden, die „Michael von Anfang bis Ende mehrmals gesungen hatte, mehrspurige Tracks, denn das, was das Einzige für mich erkennbare Zeichen, welches etwas über Michaels Liebe zu den Songs aussagte.“ Reid kannte das gut – als er und Edmunds während der Dangerous-Sessions mit Jackson 1989 in Los Angeles das Original von Slave To The Rhythm aufnahmen, nahm Jackson die Vocals 24 Mal auf. „Und es war nicht einmal, um eine misslungene Note zu verbessern“, sagt Reid. „Nein, er sang den Song 24 Mal von Anfang bis Ende durch, ohne Pause, ohne etwas zu trinken, ohne ein ‘warte mal einen Moment’. Er sang den Song und sagte ‘ok, lass’ mich noch eine Aufnahme machen, ich kann es noch besser’, und dann machte er es noch einmal. Jedes Mal wurde er besser, aber als wir etwa bei der 14. Aufnahme waren, verloren wir den Überblick, denn alles hörte sich gleich an. Zu dem Zeitpunkt hatte er es perfektioniert – aber er machte trotzdem weiter.“

Branca und Karen Langford – die sich in den Archiven der Lagerhallen auskennt, wie sonst keiner – gingen in die Schatzkammern und wählten 24 Möglichkeiten aus, die Reids und Doelps Anforderungen entsprachen. Sie reduzierten die Auswahl zunächst auf 20, danach auf 14. Acht davon werden auf Xscape sein, obwohl ein paar mehr vorbereitet wurden. (auf einer Deluxe Edition werden auch die Originalaufnahmen sein) Die Auswahl mag nicht überraschen, dafür eher das, was nicht berücksichtigt wurde. Die Tracks, die Jackson 1983 mit Freddie Mercury von Queen aufnahm, sind nicht auf Xscape, obwohl sowohl Brian May als auch Roger Taylor davon sprachen, letztes Jahr daran gearbeitet zu haben. Und obwohl eine Version von Slave To The Rhythm featruring Justin Bieber im letzten August leakte (unterstützt von einer Menge Bieber-Tweets), wirst du es nicht auf Xscape hören.

Hardcore Jackson-Fans werden die meisten der Aufnahmen wieder erkennen. Die meisten lagen in irgendeiner Fertigstellungsform vor und leakten über die Jahre, entweder komplett oder in Teilen. Einige der Leaks können immer noch online gehört werden. Aber das bedeutet nicht, dass die Produzenten von Xscape sie auch gehört haben. Timbaland und Eriksen begannen damit, das Ausgangsmaterial zu hören, was Reid ihnen präsentierte, und beide entschieden sich schnell, auf die instrumental Tracks zu verzichten und nur mit Jacksons Vocals und ein paar Geräuschen, die das Mikrofon mit aufgezeichnet hatte, zu arbeiten.

‘Stargate’–  Mikkel Eriksen Storleer + Tor Erik Hermansen mit Michael Jackson (2007)

„Du hörst seine Füße in der Aufnahmekabine, wenn er singt, und sein Fingerschnippen“, sagt Jerkins. „Es war alles authentisch, real. Es wurde nicht gesagt, ‘schneide die Snaps ‘raus und das Fußstampfen’.“ Nein, es ist alles authentisch. Es ist ER, wie er in der Aufnahmekabine steht, und fühlt, was er tut.“

„Er macht den Job eines Produzenten einfach“, sagt Hermansen. „All diese Dinge, die auf den Vocal-Tracks sind, sorgen dafür, dass du aufstehen und tanzen willst.“

Soweit es Eriksen und Hermansen betrifft, brachte das Projekt sie zu ihren frühen Tagen zurück, als sie in den späten 90ern amerikanische R&B Hits für den europäischen Markt mixten – Mary J. Blige, Mariah Carey, Brandy – indem sie neue instrumental Tracks hinter acapella-Vocals legten. Aber was für sie ein Vergnügen war, war für Timbaland komplizierter. „Es gab Augenblicke, da brach ich zusammen“, sagt er. „Es war sehr schwer. Ich dachte ‘ich bearbeite Michael Jackson, aber ich kann nicht mit ihm sprechen. Aber wie kann ich ihn channeln?’“ Als er mit J-Roc im Studio war und an Lovin’ You arbeitete – einem Song, der von Jackson in seinem Studio in seinem Haus in Encino, Kalifornien, geschrieben und aufgenommen worden war, wo er lebte, bevor er nach Neverland zog, war ihre erste Version furchtbar. „Ich dachte, ‘ich glaube nicht, dass Michael das gefallen würde. Wir müssen von vorn anfangen. Wir müssen es einfacher halten.“ Als sie das taten – mit einem Sound, von dem er sagt, er klinge wie „Boyz II Men trifft auf heute“, hörte er Jacksons Stimme sagen ‘das ist es, Tim’.“ „Ich sah mich um, aber es war keiner im Zimmer“, sagt er. „Ich habe diese Geschichte nie erzählt, nicht mal meinem Co-Produzenten Jerome. Er sagte so etwas wie ‘Alles ok?’ und ich ‘Ja, alles cool, Mann. Ich bin nur …’ Und ich sitze da und denke ‘Yo, ich habe gerade etwas gehört. Ich weiß, dass ich nicht verrückt bin. Ich weiß, was ich gehört habe.’ Es war, als ob sein Geist in mir nachhallte, um mir sein OK zu geben.“

Das Fokussieren auf Jacksons acapella-Vocals wurde zum Leitmotiv von Xscape. Die neuen Versionen stellen ihn nach vorn und ins Zentrum („er ist lauter“, sagt Reid). „Wir haben tatsächlich einiges herausgenommen, um Michael atmen zu lassen“, sagt Hermansen. „Michael singt und er klingt großartig – lass ihm Platz zum Atmen und sein Ding machen.“

LA Reid & Michael Jackson

Für Reid ist dieses Projekt auf verschiedenen Ebenen persönlich. 1956 geboren, zwei Jahre vor Jackson, wuchs er mit Jacksons Musik auf und sah die Jackson 5 zum ersten Mal auf dem Ohio State Fair. „Ich war ein Kind, und Michael war ein Kind, und ich war einfach überwältigt von ihm“, sagt er. „Als der kleine Michael seinen Mund öffnete, erhob sich seine Stimme über das Konzertgelände.“

Reid erinnert sich an sein erstes Treffen mit Jackson bei einem BMI-Event in Los Angeles. „Ich machte ein Foto mit ihm“, sagt er. „Ich hatte den Kopf voller wirklich nasser Jheri-curls, die Soße lief mir den Rücken runter“, sagt er. Nicht viel später lies Jackson Reid und Edmunds nach Neverland fliegen, um über eine Zusammenarbeit zu sprechen. Sie trafen mit einem Helikopter ein, unterzeichneten eine Vertraulichkeitsvereinbarung („so war das, wenn du Michael besucht hast“) und warteten in der Bücherei auf Michael. „Wir waren etwa 5 Minuten dort, aber für mich fühlte es sich wie 20 Minuten an – Erwartung, Nervosität, die Augen immer auf die Tür gerichtet, darauf wartend, dass Michael hereinkommt – Michael kommt. Er kommt nie durch diese Tür. Er kommt aus einer geheimen Tür – die Bücher bewegen sich, und Michael kommt herein.“ Die drei sprachen über Musik, darüber, was sie zu der Zeit mochten. Jackson erwähnte The Knowledge, ein Song seiner Schwester Janet vom Album Rhythm Nation 1814, produziert von Jimmy Jam und Terry Lewis. Reid begann sich zu wundern. „Jeder Song, den er erwähnte, war von Jimmy Jam und Terry Lewis geschrieben und produziert. Ich sah also Kenny an, mit einem Blick, der etwa ausdrückte ‘ich glaube, Michael hat die Falschen hier. Ich glaube, er wollte Jimmy Jam und Terry.’“

Aber schon bald nannte Jackson Songs von Edmunds Tender Lover, die zu der Zeit die R&B und Pop-Charts dominierten. Der Tag endete mit einer Filmvorführung in Jacksons Kino („da gab es einen Angestellten in voller Uniform, mit einer Kappe, als ob wir in den 1940ern wären“), und sie sahen ein Video von 1983 an, mit Jackson und Prince zusammen mit James Brown auf der Bühne, gefolgt von Prinzess Film Under The Cherry Moon, von 1986.“

Als sie begannen zusammenzuarbeiten, gab Jackson ihnen ein Demo, nur Drums und Bass, und sagte ‘das ist es. Stellt es fertig’. Aber der Track Slave to the Rhythm wurde bis zu Xscape nie richtig fertiggestellt.

Als Reid mit seiner Arbeit bei versch. Labels weitermachte, blieb er in Kontakt mit Jackson und sprach davon, ihn bei Island Def Jam unter Vertrag zu nehmen. „Er nannte mich Mr. Präsident“, sagt Reid. „Es war das netteste Ding der Welt.“ Die beiden trafen sich in London im Dorchester Hotel. „Er sagte, ‘Ich will keinen weiteren Hit, ich will nicht einfach nur eine Platte mehr machen. Ich möchte etwas Großartiges machen. Wenn es nicht großartig werden kann, wenn es nicht innovativ sein kann, nicht gewaltig, wenn du dich dafür nicht in dem Maß engagierst, wie ich, dann sollten wir es nicht tun. Wenn du dich jedoch mir anvertraust, verspreche ich, ich vertraue mich auch dir an.’“ Aber es sollte nicht sein. Jackson unterzeichnete einen kurzlebigen Vertrag mit Sheik Abdulla bin Hamad Al Khalifa, dem Prinz von Bahrain.

„Michael und ich trennten uns in dem Wissen, wieder zusammenarbeiten zu wollen“, sagt Reid. Xscape ist die Erfüllung dieser Absicht. Es ist so fokussiert und stimmig, wie ein posthumes Album sein kann, es drückt die kreative Freiheit aus, die Jackson in seiner Musik suchte. Von Grund auf um Jacksons Stimme und Legacy herumgebaut, ist es einfach dadurch erfolgreich, weil es wie Michael Jacksons Musik klingt, freudvoll und verzweifelt, oft mit keiner klaren Unterscheidung zwischen beidem. Und es transportiert den Spirit des verstorbenen Pop-Genies von der Vergangenheit in die Zukunft, an den Ort, von dem Jackson immer wollte, dass seine Musik lebt.


Übersetzung: M.v.d.L.


Aus den Linernotes des Xscape-Booklets:

Posthume Alben sind natürlich anders, als Alben, die ein Künstler fertigstellt und veröffentlicht, während er selbst das Steuer in der Hand hält. Michael Jacksons offizieller Kanon – die Alben, Performances und Kurzfilme, die er selbst zu seinen Lebzeiten überwachte und realisierte – ist vollständig. Der Katalog bleibt einer der beeindruckendsten und beständigsten der Musikgeschichte, und inspiriert immer noch gleichermaßen neue Generationen von Fans und Künstlern. Michael Jacksons Songs zeitgemäß zu machen („contemporizing“) ist deshalb eine Art parallel-Weg, um Michael Jacksons Legacy erfolgreich („blühend“) zu halten. Es geht nicht darum, zu ersetzen, was Jackson hinterlassen hat, oder einen Entwurf zu beenden, ohne dass der Künstler hier ist – das ist unmöglich. Es geht vielmehr um eine kreative Verbindung mit seinem Werk, mit dem Versuch, neue und fesselnde Wege zu finden, um seine Essenz – die Begeisterung und die Magie – festzuhalten, für die Michael Jackson steht.

„Wir alle sind dem sensationellsten Künstler aller Zeiten, dem King Of Pop Michael Jackson unseren Dank schuldig. Deine Talente, Großzügigkeit und wegweisenden Gaben an die Welt sind unübertrefflich. Danke, dass du bist, wie du bist.“

English Version

Posthumous albums are off course different than albums an artist finishes and releases while at the helm. Michael Jackson`s official canon-the albums, performances and short films he oversaw and realized during his lifetime – is complete. That catalog remains one of the most impressive and durable in the history of music, still inspiring new generations of fans and artists alike.

“Contemporizing“ Jackson`s songs, then is a kind of parallel track in keeping Jacksons legacy thriving. It is not about replacing what Jackson left behind or even about finishing a specific blueprint, without the artist here, that is impossible. Rather, it is about creatively connecting with his work about finding new and compelling ways to capture the essence, the excitement and the magic that Michael Jackson is.

„We all owe a debt of gratitude to the most sensational performer of all time, the KING OF POP MICHAEL JACKSON. Your talents, generosity and groundbreaking gifts to the world are second to none. Thanks for being you.“

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