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“A lot of people misunderstand me. That’s because they don’t know me at all.” – Michael Jackson

Fotograf Douglas Kirkland über Michael – „The Making of Thriller“

In einem Interview spricht Douglas Kirkland über seine Arbeit mit Michael Jackson am Set von „Thriller“. Er beschreibt Jackson als eine schüchterne, doch außerordentlich freundliche Persönlichkeit und lobt sein besonderes Talent und seine künstlerische Genialität. Rückblickend betrachtet, äußert Kirkland Bedauern über Jacksons spätere Jahre, schätzt jedoch sein einzigartiges Talent und sein andauerndes Erbe in der Popkultur.

30 Jahre Thriller …

Douglas Kirkland im Gespräch mit Nancy Griffin (aus ‘The Making Of Thriller- 4 Days / 1983’)

Ein Interview über den Filmdreh am Thriller-Set …

Nancy Griffin: Erinnerst du dich an deine ersten Eindrücke von Michael?

Douglas Kirkland: Ich traf ihn zum ersten Mal in der Nacht, als sie im Palace Theater filmten, ich sollte ihn dann in seinem Trailer treffen. Offen gestanden war ich zuerst etwas eingeschüchtert. Ich war schon mit vielen Leuten zusammen, aber ich wusste nicht, was für ein Typ Mensch er sein würde. Er war schon von so vielen Mythen umgeben. Ich fragte mich, ob er seltsam oder verrückt sein würde – wer war diese Person, mit der ich zusammen sein sollte und wie könnte ich meinen Job am besten machen?

Mit der Power, die Michael auf der Bühne demonstrierte und der Aura, die um ihn herum geschaffen worden war, erwartete ich, dass er sich sicher wie ein Gigant gegenüber einem Life-Magazine Journalist und Fotografen verhalten würde.

Ich fand jedoch jemand, der überhaupt nicht verängstigend oder einschüchternd war. Er war sehr offen und entgegenkommend. Er erreichte, dass ich mich wie zu Hause fühlte. Er hatte eine leise Stimme und lächelte leicht, kein großes Lachen, nur ein kleines Lächeln. Ein sehr leichter Händedruck, kein fester, soweit ich mich erinnere.
Alles an ihm ließ mich denken, dass er eine sanfte Person ist.

Nancy Griffin: Hatte seine Schüchternheit einen Einfluss darauf, wie du dich ihm als Fotograf genähert hast?

Douglas Kirkland: Es war mir wichtig, nicht zu laut zu sein, mich höflich zu verhalten. Ich habe meine Sensoren immer sehr fein abgestimmt, dass ich nicht zu weit gehe oder zu anmaßend werde. In diesen wenigen ersten Minuten versuchte ich ihm zu zeigen, dass ich ihn respektiere.

In meiner Rolle als Fotograf versuchte ich jedoch schnell in zum Wesentlicheren zu kommen, die “Hallos“ sind immer nur zum Aufwärmen gedacht. Es funktionierte gut, er war sehr empfänglich dafür.

Nancy Griffin: Ich erinnere mich, dass er draußen vor dem Theater herumhing, bevor wir anfingen zu drehen. Es überraschte mich, dass er zwar so scheu, aber so freundlich war und überraschend zugänglich.

Douglas Kirkland: Als ich in seinen Trailer kam, wurde gerade sein Make-up gemacht und er war bereit, bevor seine Crew fertig war. Er ging raus und setzte sich in einen Regiestuhl und redete mit jedem. Sie hatten da auch einen Flipper, und ich habe Fotos davon, wie er damit spielt.

Nancy Griffin: Michael spielte einen netten jungen Kerl, der ein Date mit einem hübschen Mädchen hat. John Landis stellte sicher, dass er sexy aussah und gekleidet war, so wie ein Filmstar.

Douglas Kirkland: Er sah sehr gut aus. Ich sehe mir Leute sehr sorgfältig an, und ich dachte sofort, das ist cool, denn ich habe ein sehr gut aussehendes (Foto) Motiv, und wenn er keine Allüren hat, wird das gut funktionieren.

Nancy Griffin: Gabst du Michael Anweisungen, bestimmte Posen einzunehmen oder etwas Besonderes zu tun?

Douglas Kirkland: Nein, ich machte es so wie immer, wenn ich anfange, mit jemand zu arbeiten, ich fotografiere erst nur zurückhaltend als Beobachter. Ich denke, diese Zeit braucht es, um mit meiner Anwesenheit vertraut zu werden. Was ich Michael anfangs am häufigsten fragte war, „könntest du dich für eine Sekunde in diese Richtung drehen?“ Aber mit der Zeit fragte ich auch nach anderen Dingen.

Nancy Griffin: Schien er sich mit deiner Arbeit oder mit Fotografie im Allgemeinen auszukennen?

Douglas Kirkland: Ich denke, für ihn repräsentierte ich einfach nur das Life Magazine. John Landis und alle anderen an Thriller Beteiligten waren sehr erfreut darüber, dass das Life Magazine da war. Ich bekam nicht den Eindruck, dass Michael sich mit Fotografie auskannte und er sprach auch nicht darüber. Ich hörte, er sammelte antike Kameras, aber er kannte sich nicht mit meinen 300 mm (Tele) Objektiven aus und wofür ich dieses Teil meiner Ausrüstung benutze. Es war das Objektiv, das ich benutze, um interessante Nahaufnahmen aus der Ferne zu machen.

Nancy Griffin: Du warst nicht dicht an ihm dran, um Nahaufnahmen zu machen?

Douglas Kirkland: Nein, ich machte Fotos mit einer langen Brennweite, als er in seinem Stuhl saß. Ich hatte einen Blitz auf ihm, weil er im Dunkeln saß. Es gibt ein Bild von ihm, im Profil, wo er sich auf die Zunge beißt, und ein Licht irgendwo aus dem Hintergrund bildet eine Art Blase um sein Gesicht. (…)

Nancy Griffin: Die Porträts, die du in der ersten Nacht als er mit Ola drehte, machtest, bevor er in einen Werwolf oder einen Zombie verwandelt wird, sind sehr glamourös.

Douglas Kirkland: Als er in die Filmbeleuchtung heraustrat und sich auf seinen Auftritt vorbereitete – das war der Augenblick, in dem man seine Star-Qualitäten wirklich sehen konnte. In diesen Minuten, kurz bevor dem Dreh. Ich beobachtete ihn mit dem Teleobjektiv. Dieser scheue Mensch bekam plötzlich Selbstvertrauen. Er hatte dieses besondere Lächeln, was jedes Herz erwärmte. Meine liebsten Bilder von ihm zeigen dieses Lächeln. Das war Michael, wenn er Michael war, und als ich meine besten Aufnahmen von ihm bekam. (…) Time Magazine beauftragte Andy Warhol eines dieser Bilder für ihr Cover zu interpretieren. Und Jahre später hatte ich eines davon in meinem Buch „Freezed Frame“.

Nancy Griffin: Ola Ray sah aus, als wäre sie scharf auf ihn …

Douglas Kirkland: Das habe ich auch bemerkt. Was für eine Verschwendung. Dieses hübsche Mädchen, das ihn sicher wirklich mochte. Und er hätte nur „einen Penny in ihre Richtung werfen“ müssen, und es wäre eine gemachte Sache gewesen. Aber es war nicht seine Art.

Nancy Griffin: Wir haben wirklich beobachtet, wie Geschichte geschrieben wurde: Das Thriller-Album hatte Pop-Musik neu definiert, und jetzt beabsichtigte Michael, die Musik-Videos zu revolutionieren.

Douglas Kirkland: Es war solch eine innovative Phase für ihn, es war wirklich aufregend. Er war von den J5 weg und hatte seine Karriere selbst in die Hand genommen. Er sah so gut aus, er hatte so außerordentliche Fähigkeiten, und ihn zu beobachten, wie er Thriller performte, oder wie er den Moonwalk bei Motown 25 offenbarte, fühlte sich an, als wolle er förmlich explodieren, einfach sein Allerbestes geben. Er war immer noch auf der Suche nach sich selbst als Performer, und er schaffte, was er erreichen wollte, und er war brillant.

Nancy Griffin: Michael sagte, dass er nie wirklich gerne Horror-Filme sah, aber ihm gefiel ‘American Werwolf in London’, weil hier Komödie und Horror zusammentrafen.

Douglas Kirkland: Er kam mit John Landis zusammen, und sie schufen Thriller und hatten so viel Spaß damit. Es war ein Meilenstein, es zeigte, was ein Musik-Video sein konnte – mehr, als nur da zustehen und Gitarre zu spielen. Es wurde eine Geschichte erzählt wie ein Kurzfilm. Zu der Zeit gab es noch keine solchen Videos, und danach kopierte es jeder und es veränderte die Musikvideos für immer.

Nancy Griffin: Ich erinnere mich, dass er stundenlang bei Rick Baker am Stuhl saß und sich sein Make-up machen ließ.

Douglas Kirkland: Es war ein langwieriger Prozess und es war wirklich unbequem für ihn. Sie setzten gelbe Kontaktlinsen in seine Augen, durch die man nur schlecht sehen konnte und die in den Augen weh taten. Er amüsierte sich bei dem Anblick im Spiegel. Ich erinnere mich auch noch daran, dass am Ende der Nacht der Kleber, mit dem die Maske befestigt war, wieder entfernt werden musste, und auf manchen Fotos kannst du seine Schmerzen sehen, es war, als ziehe jemand Pflaster von seinem Gesicht. Aber es war immer in Ordnung für ihn. Ich erinnere mich nicht, dass er deshalb zu jemand unfreundlich war. Ich sah nie, dass er sich gegen etwas wehrte, oder er jemanden anschrie.

Nancy Griffin: Er war schon so lange im Showgeschäft, er war ein wirklicher Profi.

Douglas Kirkland: Ohne Zweifel. Er wusste, warum er da war, warum Leute wie du und ich da waren. Da gab es keine Naivität. Er war sehr gut auf die Rolle vorbereitet. Thriller wurde so perfekt produziert wie eine gut geschmierte Maschine.

Nancy Griffin: Das Foto, auf dem Michael als Zombie nach dir greift, war eines der Fotos, die du nicht geplanten hattest. Wie kam es dazu?

Douglas Kirkland: Ich hatte die Idee, dass er mich gruseln sollte, er sollte so tun, als wolle er mich in dieser verrückten Welt, in der als Werwolf lebte, erwürgen. Es war der Tag, an dem sie in den Ralaigh Studios an den Zombie Szenen arbeiteten. Ich fragte Michael, ob er Lust habe, das Foto zu machen, und er sagte, er würde gerne, müsse aber vor Ort bleiben und auf den Dreh warten. Ich wartete und war besorgt, dass die Sonne untergehen würde. Endlich bekamen wir die Erlaubnis, nach draußen zu gehen, hinter die Bühne. Ein Regieassistent kam mit, für den Fall, dass Michael doch plötzlich am Set gebraucht würde.

Der Job eines Fotografen ist es, das, was man in seinem inneren Auge gesehen hat, in einen Rahmen zu bekommen. Das Licht war perfekt und ich stellte Michael in Position, damit ich gleich los fotografieren konnte. Ich setzte einen Spot auf ihn und setzte meine Verschluss-Zeit auf eine achtel Sekunde, damit auch der dämmerige Hintergrund auf dem Bild richtig belichtet wurde. Ich benutzte ein 28/50 Weitwinkel Objektiv. Wir verbrachten vielleicht max. 5 Minuten zusammen. Ich wusste genau, was ich benötigte, um zu bekommen, was ich wollte. Ich arbeite schnell, denn die Uhr tickt immer, besonders bei der Arbeit mit Stars.

Ich sagte: „Michael, Ich will, dass du mir Angst einjagst, du bist der Werwolf – mach mir höllische Angst!“

Er machte das vielleicht dreimal, er streckte die Hände nach mir aus und streckte sie dann hoch Richtung Himmel. Ich habe ihn mit Worten angefeuert, während ich fotografierte, damit sein Ausdruck noch intensiver wurde. Das ist eines der Geheimnisse, das hinter solchen Fotos steckt – man muss genau in diesem Moment bereit sein, ihn nicht vorübergehen lassen.
(…)

Nancy Griffin: Einer der ersten Personen, die Einfluss auf Michael hatten, war Diana Ross, die mit den J5 zu Motown Zeiten befreundet war. Er himmelte sie an. Du hast mehrere Jahre mit Diana zusammengearbeitet. Hat sie je über Michael gesprochen?

Douglas Kirkland: Ich machte die meisten Fotos mit Diana in einer Zeitspanne von etwa 10 Jahren, bevor das Thriller-Video entstand. Manchmal sprach sie über Michael, auf sehr nette Art. Sie bewunderte und liebte ihn wirklich – ihre Augen leuchteten immer auf, wenn sie über ihn sprach.

Nancy Griffin: Von all den Entertainern, mit denen du zusammen warst, gibt es da irgendjemand, der dich an Michael erinnert?

Douglas Kirkland: Ich habe viele Leute fotografiert und einige Genies gesehen. Peter Sellers war ein Genie: Er wusste genau, welche Knöpfe man drücken musste, um einen bestimmten Eindruck zu erzielen, um Leute zum Lachen zu bringen und sich gut zu fühlen. Michael war kein Komödiant, aber er hatte vergleichbare Qualitäten, er wusste genau, wie man das Beste aus einer Performance herausholte. Die Leute, die nicht mit dem Showgeschäft vertraut sind, erkennen nicht, dass die Spontaneität, die sie wahrnehmen, erst sorgfältig erschaffen werden muss. Michael konnte, wenn er vor die Kamera trat, für die Zuschauer strahlen und wirklich eine Persönlichkeit darstellen, oder Freude oder was immer nötig war.

Nancy Griffin: Hast du dich über das gewundert, was später, nachdem das Thriller-Video gedreht war, mit Michael passierte?

Douglas Kirkland: Ja, mich hat Michael Jacksons Leben, nach der Zeit, in der ich ihn traf, manchmal traurig gemacht. So wie viele Leute, war ich ungeduldig mit ihm, und dachte, er hat alles Geld der Welt, warum kann er sich nicht zusammen nehmen? Ich weiß nicht, wie die Leute über das denken, was er mit seinem Gesicht gemacht hat, und über seine Art zu leben. Aber er versuchte, sich selbst sein Leben zu gestalten, deshalb hat er seine Kinder. Ich bin sicher, er versuchte irgendwie ein normales Leben zu führen, auf die einzige Weise, die er kannte. Ich denke leider, dass es ihm nicht so gut gelungen ist. Das Leben war letztlich nicht gut zu ihm. Es ist kein Geheimnis, dass sein Vater zu ihm als Kind in der Zeit der J5, sehr hart war.

Nancy Griffin: Nachdem ich den Film TII gesehen habe, glaube ich, dass ihm noch mal ein Comeback gelungen wäre.

Douglas Kirkland: Das denke ich auch. Als ich ihn sah, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich habe es genossen und konnte sehen, dass er das weiterführte, was er bei Thriller machte. Sicher war er älter, er hatte nicht mehr das jugendliche Gesicht und sein Äußeres war von dem beeinflusst, was er über die Jahre gemacht hat. Aber wenn er mit der Performance begann, war es magisch, er bewegte sich immer noch auf diese wundervolle flüssige Art.

Und alle diese Sachen, all die Probleme, die er hatte, was immer auf Neverland los war, es hat für mich keine Bedeutung. Ich glaube, Michael Jackson war wie ein Kind, als ich ihn kennenlernte, ein talentiertes Kind. Und als ich ihn in diesem letzten Film wiedersah, fühlte ich, dass er dieses Kind geblieben ist, so war er. Mich hat es erfreut, ihn proben zu sehen. Er war wie ein Kind, und er lebte in einer Kinder-Fantasie. Ein Teil seiner Entwicklung war stehen geblieben, vielleicht als Ergebnis davon, wie er aufgewachsen ist.

Aber das Genie war immer noch zu erkennen. Es ist tragisch, dass der Vorhang für diesen überragenden, brillanten Künstler gefallen ist. Wenn Michael den Beat traf, tanzte er mit absoluter, raffinierter Perfektion. Ich glaube nicht, dass es das je zuvor gegeben hat. Und vielleicht auch nie mehr danach.


Übersetzung: M.v.d.L.


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