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“A lot of people misunderstand me. That’s because they don’t know me at all.” – Michael Jackson

Dieser Beitrag bietet einen tiefgreifenden Einblick in die enge Partnerschaft zwischen Michael Jackson und seinem Stilberater Michael Bush. Die Geschichte erzählt von komplexen Stilprojekten, wie der Herstellung einer Replik der königlichen Staatskrone von England, bis hin zu Persönlichem, wie Jacksons Vorliebe für Florsheim Schuhe und seinem speziellen Umgang mit weißen T-Shirts. Es kann Michael Jacksons Wunsch nach Einzigartigkeit, Kreativität und Rebellion, versteckt unter Glamour und Leistung, offenbaren.

Auszüge aus Interviews und aus dem Buch: „The King Of Style – Dressing Michael Jackson“ von Michael Bush

„Imperial State Crown“

Regelmäßig und ohne Vorwarnung rief Michael mich an, und fragte, ob ich sofort zur Neverland -Ranch kommen könne, um Dinge zu besprechen. Ich fuhr 3 Stunden von meinem Haus in LA, manchmal, um konkrete Instruktionen zu erhalten, manchmal, um nur eine kryptische rhetorische Frage gestellt zu bekommen.

Michael bevorzugte direkte Treffen, denn sie ermöglichten ihm, die Leute „zu lesen“. Er besaß eine scharfe emotionale Intelligenz, die es ihm ermöglichte, Körpersprache und Gesichtsausdruck zu interpretieren. Er konnte sagen, ob du gelangweilt, mit der Sache beschäftigt oder von einer Idee begeistert warst, wenn er dich ansah. Am Telefon konnte er nicht feststellen, ob du mit anderem beschäftigt warst, oder zu seinen neusten Vorschlägen die Augen rolltest, und das mochte er nicht. Wenn er mit dir Blickkontakt hatte, wusste er, dass deine Aufmerksamkeit ungeteilt war, und er konnte das Gespräch besser kontrollieren. Michael war auch extrem privat. Zu den seltenen Gelegenheiten, wo wir Gespräche am Telefon führten, begann er den Anruf mit „Hört man mich über Lautsprecher?“ oder „Wer ist gerade bei dir?“ Ich vermutete, dass dadurch, dass er eine so große Familie hatte, Michael nie viel Privatleben hatte und es deshalb so herbeisehnte.

Egal, was, ich fuhr beschwingt zur Neverland-Ranch, angetrieben von dem Gedanken „was kommt jetzt?“

1990 verlieh Präsident G.W. Bush Michael den Titel „Entertainer Of The Decade“, und die Ehrung wurde begleitet durch eine Preisverleihungs-Zeremonie durch die American Cinema Awards. Kurz danach, bei einem meiner Besuche der Neverland-Ranch, war ich mit Michael in seiner Bücherei und wir sahen uns ein Buch an, was er aus seiner ausgedehnten Sammlung von Büchern über Geschichte, Philosophie und Kunstbüchern herausgesucht hatte. Darin, auf einer Hochglanzseite, gab es ein Foto der königlichen Staatskrone von England – ein Teil der Kronjuwelen von England. Die kunstvollst verzierte Krone, die nur von der Königin getragen wird, blendet mit den wertvollsten Steinen. Michael sprach weiter mit mir, hatte aber seine Nase immer noch in dem Buch. Es war Zeit für ein angemessenes Stück, um diesen Meilenstein zu feiern.

Nicht lange danach stiegen ich und Dennis in ein Flugzeug nach London, um einen genauen Blick auf die Kronjuwelen zu werfen, die im Jewel House im Tower von London zu sehen waren. Heute hätte man einfach das Internet benützen können, um die Krone zu sehen, aber ich denke, Michael hätte uns trotzdem hingeschickt. Es war ihm wichtig, dass wir Spaß hatten und uns voll einbezogen fühlten in den Prozess. Von den Ansichten, Geräuschen und der Kultur Englands inspiriert zu werden, war essenziell. Leider waren die Ansichten, Geräusche und die Kultur nur so unmittelbar, wie wir bei dieser Reise an die Kronjuwelen herankamen. Als wir im Jewel House ankamen, stand an der kugelsicheren Scheibe, der Vitrine, in der sie sein sollten, ein kleiner Vermerk: „Für zwei Wochen nicht ausgestellt“ Wir schnappten einen Moment nach Luft, wegen so einem Pech, aber es gab keinen Grund zur Panik. Wir zogen durch London und kauften jedes Buch und sahen uns andere Juwelen in Museen an. Zur zusätzlichen Inspiration hatten wir auch den Blick auf den Buckingham-Palast, vom Fenster unseres Zimmers im Hilton, von wo aus man einen Blick über den Hyde Park hatte.

Dennis begann, auf einem gelben Notizblock zu zeichnen, weil es das war, was er gerade zur Hand hatte. Für Dennis war jedes Papier, auf das man zeichnen konnte, wertvoll, er war im Hinblick auf Papier nicht wählerisch. Mit seinem Nr.2 Bleistift begann er die „Imperial State Crown“ aus einem Buch abzuskizzieren. Aber sein Talent lag nicht im Designen, es lag in der technischen Umsetzung – darin, alles für Michaels Körper passend zu machen. Dennis wusste, er könnte eine erstaunliche Replik der State Crown herstellen, aber könnte Michael sie auch tragen? Das war sein Anliegen. Deshalb war Dennis in erster Linie bestrebt, die Größe der Juwelen anzupassen, denn wenn Michael diese Krone tragen sollte, mussten die verwendeten Juwelen skaliert werden, damit sie auf Michaels Kopf passten, anstatt auf den der Queen.

Anhand Michaels Maßen gestaltete Dennis unter Berücksichtigung von mathematischen Größenverhältnissen. Als wir wieder zu Hause waren, begann sein Lieblingsteil des Prozesses: der Teil, in dem er die Materialien mit seinen Händen berühren konnte. Für Dennis übertraf die Freude, wirklich etwas herzustellen, bei Weitem die Freude an der Recherche oder der Konzeption.

   (…)

Dennis brauchte 6 Wochen ohne Unterbrechung, um dieses Teil herzustellen. Als es an der Zeit war, es Michael zu geben, hielt er sich in seiner Wohnung im Wilshire Corridor/Westwood auf. Michael begrüßte uns in seiner nachlässigen Aufmachung und in Slippern, und obwohl er äußerlich ganz entspannt wirkte, sagte uns die Geschwindigkeit, mit der er sprach, dass er diesem Moment entgegengesehen hatte, seit dem Tag, da er uns damit beauftragte.

„Bush, zeig es mir nicht einfach so. Mach eine Show daraus.“ Darauf waren wir vorbereitet. Wir gaben Michael nie etwas, „einfach nur so“; wir präsentierten es. Die Show fand auf einer roten Samtdecke statt, die über seinen Esstisch gelegt wurde. Die Krone platzierten wir auf einem roten Samtkissen und deckten sie mit einem Tuch aus weißem Satin ab. Dann kam die große Enthüllung. Die Ehre, der Enthüllung war an Dennis, und wir alle drei standen ehrfürchtig darum und bewunderten, was wir kreiert hatten.

Michael sagte nichts. Alles, was er tun konnte, war zu Klatschen. Dennis wurde in dem Moment verdientermaßen gefeiert. Wir fragten Michael, ob er die Krone aufsetzen wollte, aber er sagte, es sei nicht der richtige Zeitpunkt. Michael begleitete uns hinaus, und sobald wir im Flur waren, hörten wir, dass sich die Tür schnell schloss und das Sicherheitsschloss einrastete. „Du weißt, dieses Teil ist jetzt schon auf seinem Kopf“, sagte ich zu Dennis. Und Michael bestätigte mir später, dass ich recht hatte.

Als Dennis und ich damit begannen, Dinge von Michaels Wunschliste zu kreieren, die weit über seine Kleidung hinausging, bewunderten wir, wie er darauf achtete, Vorkommnisse seines Lebens zu würdigen. Auch wenn es nicht keine Krönung war, war „Entertainer Of The Decade“ dennoch eine Leistung, und eine, für die Michael unserer Hilfe in Anspruch nahm, um sie zu würdigen, so wie er es auch oft zu anderen Gelegenheiten und aus anderen Gründen, ob groß oder klein – tat. Durch dieses Verhalten lehrte er uns, dass es in Ordnung war, sich selbst zu feiern. Michael war demütig, aber Demut ist nicht das Gegenteil davon, um die Wichtigkeit zu wissen, sich an wichtige Ereignisse/Leistungen zu erinnern. Denn so toll sich Errungenschaften auch in dem Moment, wo sie passieren, anfühlen, sind diese Augenblicke doch flüchtig. Michael hielt die Magie dieser Momente fest, und die Krone war einer seiner Tricks, um das zu erreichen.

Fechtanzug für die Dangerous-Tour

„Fechten ist in Europa als Sport der Könige bekannt.”, sagt Bush. „Wir dachten gar nicht daran, bis wir es gemacht hatten, aber weil Elizabeth Taylor ihn King Of Pop genannt hatte, passte es dann genau.“ Ursprünglich war es aus schwarzem Leder gemacht, für einen Fotoshoot mit Herb Ritts, dann sagte Jackson, er wolle so etwas auf seiner Dangerous Tour tragen, und half dabei, das goldene Outfit zu skizzieren, welches dadurch Aufsehen erregte, weil es die Aufmerksamkeit auf seinen Schritt lenkte.

Michaels Anzüge für den Prozess….

Michael für seinen Prozess von 2005 einzukleiden, war eine Herausforderung. „Wenn Michael in den Gerichtssaal gekommen wäre, mit einem schwarzen Anzug aus dem Laden, hätte er nicht wie er selbst ausgesehen,” sagt Bush, der mit Tompkins zusammenarbeitete, um konservative Kleidungsstücke zu kreieren, mit einem MJ Touch. Die Jacken waren meist schwarz oder in dunklen Erdtönen. „Einmal machten wir etwas Verrücktes und kreierten eine knallblaue (Jacke)“, sagt Bush, „aber sogar Michael sagte dazu, „das können wir nicht machen.“ Deshalb peppten sie die Westen auf, die Michael unter seinen Jacketts trug. Trotzdem ging Jacksons Verhalten während des Prozess vlt. etwas weit, als er auf ein Autodach sprang, vor applaudierenden Fans. Bush erklärt: „Ich denke, danach dachte er wohl „ohoh”..aber es war einfach Michael. Er war sein ganzes Leben auf der Bühne und dachte „wenn sie kommen und mich sehen wollen, muss ich ihnen etwas bieten“ Nach seinem Freispruch wollte Jackson, dass seine Gerichtskleidung weggeschlossen wurde. Er sagte zu Bush. „Ich möchte diese Sachen nie wieder sehen.“

Michaels „magische“ Schuhe…

„Er sollte maßgeschneiderte Schuhe oder Designer-Schuhe tragen“, das hörte ich oft.

Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass das das Ende der Karriere bedeuten konnte….

Auf Tour war ich für alles Mögliche verantwortlich, und ich dachte, das Mindeste, was ich für Michaels zerknitterte, abgewetzte, zerlumpte Florsheim Schuhe tun konnte, wäre, diese zu polieren.

Michael fand mich in einem Hotelzimmer sitzend, als ich, wie ein Schuhputzjunge, die Florsheims polierte.

„No! Don’t touch my shoes! Poliere nie meine Schuhe“, sagte er. Er war ärgerlich. Das war eine Seite von ihm, die ich noch nie gesehen hatte. Mein Herz sank in die Kniekehlen. Er hob nie die Stimme. Aber die Kombination seiner Gesten, seines Tonfalles, und seiner betont langsam gesprochenen Worte machten deutlich, dass er es ernst meinte.

Michael wollte, dass ich aus diesem Fehler lernte. Er erklärte: „Das Leder ist so eingetragen, wie ich es mag. Und wenn du es mit Politur behandelst, werden die Schuhe rutschen. Wenn ich hinfalle und mir den Knöchel breche, hättest du keinen Job mehr.“

Michael hatte sich das Tanzen in Florsheim Schuhen selbst beigebracht, und er befürchtete, dass er die Magie seiner Schritte verlieren würde, wenn er in irgendwelchen anderen Schuhen tanzen würde.

„Das sind die Schuhe, die meine Familie sich leisten konnte, und in denen ich tanzen gelernt habe. Ich kümmere mich nicht darum, was du mit meinen Kleidern machst, aber rühre meine Schuhe nicht an. Das sind meine Tanzschuhe. Ich liebe meine Schuhe. Lass sie in Ruhe.“

Nur um brandneue Schuhe aus der Schachtel zu nehmen, war es überhaupt erlaubt, die Schuhe anzufassen. Mit einer Rasierklinge wurden die unbenutzten Sohlen eingeritzt, die Gummisohlen wurden durch Tanzledersohlen ersetzt, die es Michael ermöglichten, über die Bühne zu gleiten.

Für den Captain Eo Film musste Michael in einem Raumfahrerkostüm tanzen, und dazu passten seine Florsheims überhaupt nicht. Hohe Reeboks passten viel besser, aber er würde nicht darin tanzen. Deshalb hatte er die Sohlen der Reeboks mit einer Säge herausgeschnitten, damit seine Florsheims hineinpassten.

Die Schuhe waren heilig…. Es war ein Paradox, aber es gehörte zu seinem Mysterium. Er konnte 18-karätige goldene Beinschoner tragen, und seine Ausstattung mit Glitzersteinen drapieren, aber man durfte ihm keine Designerschuhe geben. Sie konnten nicht moonwalken, oder Stepptanzen, oder auf den Zehenspitzen stehen. Die Florsheims konnten alles das und viel mehr.

Auf Tour hatte ich zwei Paar von eingetragenen Florsheims dabei, und ich hatte solche Angst sie zu verlieren, dass ich jede Nacht mit einem Paar davon unter meinen Kopfkissen geschlafen habe.

Weiße T-Shirts…

Unter der eindrucksvollen Stärke einer überverzierten Militär-Jacke war ein weiteres Michael-Paradoxon verborgen: ein weißes T-Shirt, immer in der Mitte des Halsausschnitts eingerissen. Es war die Botschaft von Rebellion unter der Jacke, die die Botschaft von Kontrolle ausdrückte. Mit der Schere an das T-Shirt zu gehen, begünstigte den Street-Look, den Michael immer erreichen wollte. Es war nur ein kleines Detail, welches aber in der extravaganten magischen Gesamtheit eine große Rolle spielte. Die Botschaft sollte sein: „Das ist der ganz alltägliche Teil von mir.“

Die Größe des Risses war abhängig von Michaels Tagesstimmung. Er nahm selbst die Schere zur Hand und schnitt. An manchen Tagen war es ein kleiner Schnitt, an anderen riss er es bis ganz unten auf. „Die Mädchen möchten bisschen von der Torte sehen,” sagte er dazu. „Torte“ war sein Spitzname für Brust. An manchen Tagen übertrieb er es so und sagte zu mir: „Ich brauche ein neues T-Shirt, das hier ist zu zerrissen.“

Als ich für seine Kleidung sorgte, brachte ich immer 6 – 8 Nordstrom T-Shirts mit, weil ich nie vorhersehen konnte, wie der Riss sich entwickeln würde. Ich kaufte sie in Packungen zu 20 $. Sie waren am besten geeignet, denn sie waren dicker, tailliert und passten ordentlich eingesteckt wie eine  Bodysuit aus Spandex, um seine Taille zu betonen, wenn er tanzte.

Das gleiche rebellische Paradoxon bewerkstelligte er dadurch, dass er seine Kleidung beschmutzte. Als er es zum ersten Mal tat, traute ich meinen Augen nicht. Er stand in seinem Ankleidezimmer und nahm etwas Make-up in seine Finger, sah mich herausfordernd an, und schmierte es auf seine Schulter. „Du kannst nicht schmutzig sein, du bist schließlich Michael Jackson.“ Genau.

Als Designer denkst du, das ist der ultimative Horror, aber als Michael Jackson damit fortfuhr, seine Kleidung durcheinanderzubringen, gewöhntest du dich daran. Für ein Fotoshooting für das Life-Magazin auf seiner Ranch, 1993, trug Michael eine Socke in Pink, und eine in Gelb. Die Welt rastete aus. „Wer zieht diesen Mann an?“ „Tja, das bin dann wohl ich.“ Nicht so  ganz stolz wand ich mich da heraus. Und Michael liebte es, wenn ich mich wand. Er empfand es als lustig. Während die Fans sich wunderten, warum er beschmutzte und zerrissene Kleidung trug, genoss Michael die unausgesprochene Kommunikation, die da vor sich ging: „Wen geht es was an, was ich trage? Warum müssen meine Socken passend sein? Wer hat gesagt, dass sie passen müssen? Und die Fans reagierten darauf: „Vielleicht ist er so wie wir, nur darf er es nicht sein, weil er Michael Jackson ist… aber er ist manchmal schmutzig, so wie ich, und hat zerrissene Kleider… aber er ist nicht so wie ich, seine Levis passt perfekt… ihm folgen überall die Scheinwerfer… aber sieh dir seine Schuhe an… er ist doch so wie ich.“

Perlenverzierte Jacken…

„Wenn du jemand erzählst, dass ein Mann Perlen tragen soll, reagieren sie mit „huh, was?“, sagt Bush, aber Michael reagierte nicht so. Bei Jacksons Oskar-Date mit Madonna, 1991, hörten Bush und Tompkins vorher, dass Madonna weiß tragen werde – so entwarfen sie, inspiriert von alten, perlenverzierten königlichen Kostümen, zwei Modelle. Jackson trug das „Dinner“ Jacke zu der Oskar Verleihung und das Military Jackett, geschmückt mit fast 400 Perlen zu den Grammys 1993, in Begleitung seiner Schwester Janet. „Normalerweise bekamst du von Michael immer einen Applaus“, sagt Bush,” Er machte eine anmutige japanische Verbeugung, gab dir eine Umarmung und sagte: „Ich kann gar nicht glauben, dass ich das tragen darf.“ Das Military Jackett wurde Jacksons Lieblingsstück und inspirierte die Jacke, mit der er beerdigt wurde.

Michaels letztes Kostüm

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