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“A lot of people misunderstand me. That’s because they don’t know me at all.” – Michael Jackson

Gotham Chopra teilt berührende Momente und Interaktionen mit dem verstorbenen musikalischen Idol Michael Jackson. Durch die ungewöhnliche Freundschaft, die sich dank seines Vaters, Deepak Chopra, entwickelte, konnte Gotham Einblicke in Michaels tiefe Spiritualität und Leidenschaft für Alltägliches, Musik und seine Kinder erlangen. Trotz der Skandale und Schwierigkeiten, die Michael durchlief, hebt Gotham die menschlichen Qualitäten und die tiefe Sensibilität des verstorbenen Superstars hervor.

Yesterday is History, Tomorrow is a Mystery, Today Is A Gift – Thats Why they call it the Present“

Kapitelauszug, english version:

http://www.scribd.com/doc/37808554/Scribd-Exclusive-Walking-Wisdom-Advance-Chapter-4

Übersetzung aus Kapitel 4 /S 83 – 92

 … Gotham Chopra war am 25.6.2009 in Italien, um eine Fahrradtour zu machen, und telefonierte mit seinem Vater Deepak Chopra …

(…)

Papa? Bist du (noch) dran?“ sagte ich.  Eine kurze Zeit verging, bis er endlich antwortete. „Schalt deinen Fernseher ein!“, seine Stimme war merklich verändert.

„Warum?“, fragte ich….

Wieder eine Pause. „Sie sagen, Michael Jackson wäre möglicherweise gestorben….“

Ich traf Michael zum ersten Mal, als ich 15 war. Mein Vater wurde ihm von Elizabeth Taylor vorgestellt, die eine ständige Besucherin des alternativen Gesundheitszentrums von Massachusetts war, wo mein Vater der medizinische Leiter war. Je mehr Ms. Taylor über meinen Vater und die spirituellen Dinge, mit denen er sich beschäftigte, lernte, desto überzeugter war sie davon, dass Michael von ihm fasziniert sein würde. Während sie hauptsächlich sehr interessiert an dem Spa Bereich des Centers war, natürlich auch, weil dieses weit weg von Hollywood und dem damit verbundenen Chaos lag, erinnert sich mein Vater daran, dass sie sagte, Michael würden aber sicher all die anderen, magischen Dinge mehr interessieren, über die mein Vater immer sprach. Dinge wie Meditation, Bewusstsein und Karma.

Sie hatte recht. Michael wurde vertraut, von dem Moment an, da er und Vater sich trafen. Aber es waren nicht immer nur die „magischen Dinge“ für die er sich interessierte, es waren auch die alltäglichen Dinge. Nur ein paar Monate, nachdem Vater und Michael sich kennengelernt hatten, lud Michael ihn nach Neverland ein.

Papa erwähnte diese Reise eines Abends beim Essen. Er sagte es so beiläufig, als würde er übers Wetter reden.

„Wie lange fährt man von Los Angeles nach Santa Barbara? Ich habe dort nächste Woche ein Meeting und könnte dann Michael Jacksons Ranch besuchen. Er möchte mich sehen.“

Mallika und ich starrten ihn ungläubig an. „Was ist?“, fragte er, als wir uns bemühten, die richtigen Worte zu finden.

„Michael…..?“, sagte ich endlich.

„Jackson….?“ vollendete meine Schwester.

Papa nickte. „Wollt ihr mit mir kommen?“ Mallika war untröstlich, sie wollte unbedingt mit, musste aber am nächsten Morgen abreisen in die Dominikanische Republik wegen einer Wohltätigkeits-Mission. `

Ich jedoch hatte gerade keinen solchen menschenfreundlichen Einsatz. Meine Sommerpläne beschränkten sich darauf, im Fenway Park abzuhängen. Ich spielte ganz cool. Immerhin war ich gerade 15, auf der Höhe der Teenie-Arroganz und coolen Haltung. Ich konnte nicht so reagieren, wie ich eigentlich wollte: „Willst du mich verar***en? Natürlich geh’ ich mit, um Michael Jackson zu treffen!“ Stattdessen zuckte ich mit den Schultern: „Ja, klingt ganz cool, dann komm’ ich mit….“

Wie viele meiner Generation bin ich als Michael Jackson Anhänger aufgewachsen. Ich war nicht nur von seiner Musik besessen, sondern von IHM. Sein Video Thriller inspirierte mich für 7 aufeinander folgende Halloween Kostüme und zum Kauf einer roten Lederjacke, die ich so veränderte, dass sie der von ihm im Video getragenen glich. Seine Billie Jean Performance bei Motown 25 brachte mich dazu, mir gleich ein halbes Dutzend Penny Loafers zu kaufen.  Der Handschuh, den er trug, brachte mich dazu, mir einen Skihandschuh zu kaufen, der dem von ihm getragenen am nächsten kam. Und dann gab es noch den schwarzen Fedora, den meine Eltern mir schenkten und den ich ununterbrochen trug, bis er eher dem ähnelte, was Indiana Jones auf dem Kopf hatte. Ich sah sehr seltsam aus, mit 11 und diesem übergroßen Hut, aber weil jeder Michael zum Idol hatte, war es cool.

Michael war COOL. Die Art, wie er ein Stadion im Griff hatte, und es mit seiner Superhelden-Power und seinem unglaublichen Talent rockte, aber dann, weg von der Bühne, so verletzlich und menschlich schien … cool.

Deepak Chopra und Michael Jackson

Da ich mit dem „Guru der Stars“ aufwuchs, konnte ich viele berühmte Personen treffen. Und wenn ich eines gelernt habe, ist es, dass sie normalerweise als Mensch längst nicht so einschüchternd sind, wie ihr Ruhm es glauben macht. Mit der Zeit verstand ich, dass sie nicht „so“ waren, sondern dass wir es von ihnen erwarteten, „so“ zu sein. Wir vergöttern Prominente, machen Ikonen aus ihnen und sind dann enttäuscht oder sogar verärgert, wenn sie den Standards, die wir für sie geschaffen haben, nicht entsprechen. Diese Erfahrungen habe ich persönlich gemacht. Da gab es den Bestseller-Autor, für den ich in der Highschool schwärmte, den ich bei einer Dinner-Party traf und den es wurmte, dass Barnes & Noble seine Bücher nicht in der optimalen Augenhöhe präsentierte.  Und nicht genug damit beschwerte er sich auch noch während dem ganzen Essen über die Versandmethoden von Amazon. Da ich wusste, wie sehr er die Leute verachtete, die seine Bücher in die Öffentlichkeit brachten, fand ich es schwer dann noch seine geschriebenen Worte zu schätzen. Da gab es auch noch die sexy Schauspielerin, von der ich fasziniert war, bis ich sie über die Angestellten des Gesundheitszentrums sagen hörte, sie seinen alle keinen Cent wert. Danach fand ich sie nie wieder in der Art faszinierend wie vorher. In dieser Welt, mit der wir mit der Zeit vertraut wurden, ging es manchmal noch verrückter zu. Ehevermittler, deren eigene Ehe voller Skandale und Untreue waren, Ernährungsgurus, die in Hinterhöfen fettiges Essen verschlangen und mit Limonade herunterspülten. Anwälte, die anderen helfen wollten, ihr Leben zu vereinfachen, aber selbst mit einer Entourage sondergleichen umgaben …

All das war bei Michael nicht so. Er war genau das, was ich mir vorgestellt hatte, und noch mehr. Mit den Jahren wurden wir Freunde. Familie. Ich lernte, dass er nicht nur ein unbeschreiblicher, energiegeladener und brillanter Künstler war, ein Fest des göttlichen Talents, sondern auch eine zerrissene und gequälte Seele. Michael schien ein Mensch zu sein, der mit dem „Kopf in den Wolken“ war, soweit entfernt von der Normalität der normalen Menschen, aber er war auch derjenige, der menschliche Emotionen in einer Tiefe fühlte, wie ich es nie bei jemand anderen erlebte.

Jahre, nachdem ich ihn kennengelernt hatte, schrieb ich mich an der Universität von Columbia ein, weitestgehend wegen einer Empfehlung, die er für mich schrieb. Michael lebte zu der Zeit größtenteils in New York City, im Penthouse des Four Season Hotels, und ich besuchte ihn regelmäßig, einfach um nur herumzuhängen oder auch, um an Projekten mitzuarbeiten – aber immer, um ihn aus seiner Isolation, in der er selbst und seine Berater ihn „eingehüllt“ hatten, herauszuholen. Meistens funktionierte es nicht. Um mich für einige Vorschläge, die ich für seine Projekte erledigt hatte, zu entschädigen, bezahlte er mich mit Bargeld, was er in einem Versteck hinter der Toilette aufbewahrte. Mit dem Haufen Geld konnte ich mich mit Freunden verabreden und mit ihnen „Downtown“ die Zeit mit unserer wichtigsten Beschäftigung verbringen: Dem Besuch von Stripclubs.

Die Zeit verging, Michael wurde vom ikonischen Rock-Star, dem größten Talent, das die Welt je gesehen hat, zu einem von Skandalen geplagten Prominenten.  Sein Gesicht veränderte sich – nicht nur als Resultat von Schönheitsoperationen, um tiefere psychologische Probleme zu bekämpfen, sondern durch eine Hautkrankheit, von der nur wenige wussten. Die Presse unterstellte ihm, ein Rassist oder ein Freak zu sein, diese Vorwürfe machten Michael entweder melancholisch oder wütend. Und dann waren da auch noch die viel zerstörenderen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Jungen, die eine Zeit lang all seinen Ruhm überschatteten. Für mich, der einst jedem stolz erzählte, dass ich MJ kennengelernt hatte, als ich 15 war, war es jetzt eine Sache, die Angst auslöste, durch den Anblick von hochgezogenen Augenbrauen und verächtlichem Grinsen. Nachdem der Sturm sich gelegt hatte und die Wolken abgezogen waren, begann Michael einen neuen Abschnitt seines Lebens, und ich folgte ihm bald: Vaterschaft.

Wir nahmen verschiedene Straßen zum gleichen Ziel. Während ich die altmodische Art wählte, erschuf sich Michael eine Familie, die ihn so liebte, wie es nie zuvor jemand tat. Es war leicht zu erkennen, an der Art wie er mit seinen drei Kindern umging, dass sie die wichtigste Sache in seinem Leben waren, mehr wert als alles andere. Jahre, nachdem er schon mit der Familiengründung begonnen hatte, bekam Candice (Frau von Gotham) ihr erstes Kind, Krishnu. Michael rief mich an und sagte: „Siehst du – Ich hab’s dir gesagt, Igger“, (das war sein Spitzname für mich, er hatte für jeden einen Nicknamen) „es ist das Größte, was du je erleben wirst!“ Ich fragte ihn natürlich, ob er Krishnus Patenonkel werden wolle, aber seltsamerweise sagte er, er denke nicht, dass er ein guter Pate sein werde. „Ich denke, du solltest jemand suchen, der darin besser ist“, erklärte er „da gibt es so viele schlechte Dinge in meinem Leben, die er nicht lernen sollte.“

Sein Spitzname für Krishnu war „Chindian“, und er fragte alle paar Wochen nach ihm und wollte sichergehen, dass Candice und ich verschiedene Sprachen mit ihm sprechen würden …

„Michael“, sagte ich ihm anfangs, „er ist erst wenige Monate alt.“ „Das macht nichts, er ist cleverer als wir alle. Ihr müsst sehen, dass das so bleibt.“

Während der letzten Jahre seines Lebens, auch wenn er dort größere spirituelle und emotionale Erfüllung durch seine Kinder fand, hatte Michael trotzdem zu kämpfen. Diejenigen, die ihm nahe standen, wussten das, und doch, trotz wiederholter Versuche, gab es nicht viel, was man wirklich tun konnte. Wieder einmal übertraf er sich selbst darin, um sich herum einen Kokon zu schaffen, besonders, weil er dachte, er hätte ein Geheimnis, von dem er nicht jeden wissen lassen wollte.

Ein paar Wochen bevor ich nach Italien ging, rief er mich an, mitten in der Nacht, sowie es häufig vorkam. Er hörte sich sehr klar und konzentriert an. Er hatte über das Schicksal meiner Freundin, der Journalistin Laura Ling gehört, die in Nordkorea inhaftiert worden war und wollte wissen, ob ich mehr Informationen dazu hätte, die in den Nachrichten nicht gesagt würden. (Aus eigener Erfahrung vertraute er ihnen nicht sonderlich) Als ich ihm sagte, man bekäme von dort nicht viele Informationen, weil Nordkorea ein totalitäres Regime sei mit kontrollierter Presse, hielt er inne. Er sagte, er hätte Bilder von Kim Jong Il gesehen, dem „Führer“ von Nordkorea, der diese isolierte Nation mit eiserner Faust regiert. Er hatte bemerkt, dass dieser oft Militär-Jacken trug, so ähnlich wie die von Michael, wenn er in die Öffentlichkeit ging oder auftrat.

„Denkst du, er ist Fan von mir?“ merkte Michael an. Ich zuckte in meinem dunklen Zimmer mit den Schulten „Ich weiß es nicht.“

„Wenn es so wäre, könnte ich vielleicht irgendwie helfen“.

Ich versprach ihm, dass ich versuchen würde, etwas herauszufinden.

„Okay“, dankte er mir „Ich hoffe, es geht ihnen gut.“ Er hatte gelesen, dass Laura und ihre Kollegin Euna in Isolation gehalten würden. „So allein gestellt zu sein ist nicht leicht, isoliert von Menschen und Zeit.“ Ich nickte, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. “Sag “HI“ an Chindian“, flüsterte er, „Gute Nacht“.

Nachdem ich das Gespräch mit meinem Vater beendet hatte, lief ich in meinem italienischen Hotelzimmer umher. Ich ging zum Fernseher und zappte durch die Kanäle. Jeder nur denkbare Nachrichten-Sender zeigte die Bilder von Michael, wie er in LA in ein Krankenhaus transportiert wurde. Viele hatten die erste Schlagzeile, wo es hieß, er sei schon tot, ersetzt durch Meldungen, er sei im Koma und in kritischem Zustand. Ich wusste, die Todeswächter waren schon alle unterwegs, mit ihren Satelliten Trucks parkten sie vor dem Krankenhaus, vor Michaels Haus in LA und Neverland, vor seinem Elternhaus in Encino, überall, gierig nach Nachrichten und dem kleinsten Gerücht.

Ich saß in dem Hotelzimmer und hatte mich für ein italienisches Programm entschieden, wo ich nicht einmal alles verstand – ich beobachtete es mit zunehmend schlechtem Gefühl in meinem Bauch. Ein grob aufgelöstes Video von TMZ, wo man den Notdienst sehen konnte, wie er einen Körper in eine wartende Ambulanz lud, lief in Endlosschleife. Diese Bilder stellten sich später als die letzten von Michael Jackson heraus. Andere Videos zeigten die immer größer werdende Menschenmenge vor dem Sinai Medical Center in Beverly Hills. Die Reporterin rappelte mit sich fast überschlagender Stimme auf Italienisch, während sie mitteilte, was immer die neuste Nachricht war. Mein Handy platzte schon fast vor SMS und E-Mails von Freunden, die wissen wollten, ob ich nichts Genaueres wusste. Ich sah auf die Uhr – es war jetzt kurz nach 10.00 Uhr. Wir wollten an dem Morgen zu einer Fahrradtour aufbrechen. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch länger in Italien bleiben würde … Seltsame Gedanken rasten durch meinen Kopf – sollte ich hier bleiben oder nach Hause eilen. Das Gefühl in meinem Bauch wuchs immerzu und bestätigte mir immer mehr den Verdacht über das, was mit Michael war, egal, was die Nachrichten über Michaels Zustand brachen, meine Intuition schien mir glaubwürdiger.

In einem Moment entschied ich, den Fernseher und das Handy auszuschalten. Das Zusammenspiel von Jetlag, Reise, Vorfreude und diese Bauchschmerzen verursachenden Nachrichten gaben mir den Rest. Ich spürte, morgen gäbe es ein noch größeres emotionales Chaos, aber jetzt könnte ich mich noch für ein paar Stunden davon distanzieren und mich nicht mit all dem konfrontieren. Es war keine kopfgesteuerte Entscheidung, es geschah instinktiv.

Als ich wenig später im Bett lag, dachte ich an Michael, als ich ihn zum ersten Mal traf, an den Sommer, als ich mit ihm durch Europa reiste, und an all die Zeiten, die wir miteinander verbrachten. Mein Herz war so schwer und ich versuchte an die humorvollen Begebenheiten mit Michael zu denken – die Zeiten, in denen wir uns an Halloween aus seinem Appartement in LA schlichen und einen Nachtklub besuchten, wo er so tanzte, dass alle innehielten und ihm zujubelten – dem unbekannten Mann mit der Godzilla Maske. Oder an die Zeit in NY, im Aufnahmestudio, als er dem Rapper Ice-T erzählte, ich sei sein Leibwächter. Ice-T musterte mich und sagte zu Michael, er könne sich gerne auch zur Verfügung stellen, wenn er über seinen Schutz sicher sein wolle.

Aber ich konnte meine Emotionen nicht von der Trauer ablenken, die ich in mir wachsen fühlte. „Lass die Illusion von Kontrolle fallen“ erinnerte mich Meister Shifu. So versuchte ich es anders. Ich ließ dem Trauergefühl freien Lauf. Ich lieferte mich den Gefühlen aber nicht aus, sondern nahm Besitz davon und lies sie durch mich strömen. Innerhalb von 5 Minuten war ich in einen tiefen Schlaf gefallen.

Am nächsten Morgen wurde ich mit den Sternen wach. Ich benötigte keinen Wecker, um mich von meinem erstaunlich erholsamen Schlaf zu wecken. Ich starrte auf den Fernsehschirm und überlegte, ob ich ihn einschalten sollte oder nicht. Stattdessen schaltete ich mein Mobil Phone ein. (…) das Telefon klingelte gleich – es war Papa.

„Wie geht es dir?“, fragte er.

„Du weißt …“, ich hielt inne, unsicher, was ich sagen wollte.

„Sie haben vor Kurzem den Tod bestätigt.“, sagte er sanft.

„Richtig“ ich nickte innerlich und fühlte eine tiefe Traurigkeit, aber auch das Fehlen von einem tiefen Schock.

„Ich denke, du solltest in Italien bleiben und deine Rad-Tour machen.“ schlug Papa vor.

„Wirklich?“, ich hatte mir Gedanken darum gemacht und dachte, ich solle es lieber absagen und heim fahren.

„Hier wird ein Zirkus ausbrechen“, sagte Papa, „Ich habe schon Anfragen von jeder denkbaren Nachrichten-Agentur und Zeitung, die du dir nur vorstellen kannst, bekommen. Ich war bei Larry King. Sie haben nach dir gefragt.“

„Ja“, murmelte ich, nicht überrascht. Der Gedanke zurück in diesen Medienrummel zu fahren war nicht sehr attraktiv.

„Ich weiß nicht viel übers Radfahren“, sagte Papa, „aber wenn ich du wäre, würde ich mich aufs Rad schwingen und mich einfach nur auf die Straße vor mir konzentrieren.“

Nicht überraschend, kannte Deepak sich sehr wohl mit Radfahren aus, denn sein Rat war genauso weise, wie es Experten gesagt hätten. Versuch nie ein Rennen herauszufordern, nutze deine Chance, wenn die Zeit dazu kommt. Denk nicht mal an die ganze Strecke, teil’ es in Abschnitte ein. Die großen Radfahrer sagen dir, sie denken nicht mal an Abschnitte, sondern sehen nur die Pedale drehen über der Straße. Manchmal finden sie ihren Rhythmus und ihr Tempo mithilfe der Straßenmarkierungen – bis alles andere, die Strecke, die anderen Fahrer, sogar sie selbst – wegfällt. Es ist der Zustand, wo alles um dich herum verschwindet und du eins mit allem um dich herum wirst. Das ist das Bewusstseinsstadium, was alle großen Schriften, östliche und westliche, beschreiben.

Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, das Erste und das Letzte“, sagt die Bibel.

Ich bin der Anfang, das Sein und das Ende“, sagt Lord Krishna in der Bhagavad Gita.

Ich dachte einen Moment über die Straße, meinen Vater und meinen Freund nach. Ich dachte an meine Mutter und an Nana, an Candice und Krishnu, und daran, dass das Leben so flüchtig ist, wie es in einem Augenblick vorbei sein kann. Aus dem Training wird das Normale. Wir verwickeln uns selbst in ein Netz von Erwartung, Vorfreude, Erinnerungen und fühlen uns darin wohl, denn es gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Voraussagbarkeit. Wir füllen unser Leben mit Zielen und Codes. Wir planen. Wir bereiten vor. Und sogar die von uns, die in den Genuss dieser seltenen großartigen Momente kommen, des vollkommen mit dem Jetzt und Hier verbunden zu sein, sehen auch, dass es dort noch Gefahren gibt. Denn dann, wenn sie nicht in diesem Zustand sind – wie mein Freund Michael Jackson – vermissen sie diese „Höhen“ im normalen Leben.

Papa brach das Schweigen: „Erinnerst du dich daran, wie Michael uns mit in sein Studio nahm, während unseres ersten Besuchs auf Neverland, und wie er Billie Jean anstellte und tanzte?“  Zu Beginn war Michael etwas schüchtern und nickte nur mit dem Kopf im Takt der Musik. Aber binnen weniger Sekunden konnte er sich nicht mehr beherrschen und schnippte und bewegte sich zu dem Beat und dem Bass, tanzte so fließend, wie nur er es konnte.  „Es war wunderschön“, sagt Papa, „Denn er war genau im Jetzt und Hier. Er war nicht nur der Tänzer, er war der Tanz und die Musik.“

Ich erinnerte mich.


Übersetzung: M.v.d.Linden


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Kommentare

Eine Antwort zu „„Walking Wisdom“ von Gotham & Deepak Chopra“

  1. ich vermisse michael sehr. Ich wünschte, er war noch am Leben