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Howard Bloom über Michael – War Michael Jackson ein Heiliger?

by on 16. June 2011

Howard Bloom  – Was Michael Jackson a Saint?

20. Juli 2009

Gast-Blogger Howard Bloom begann seine legendäre Karriere in Musik-PR, als er 1976 die Howard Bloom Organization Ltd. Mitbegründete und dabei mithalf, die Karrieren von Michael Jackson, Prince, Bob Marley, Queen, Billy Joel, John Cougar Mellencamp, Simon&Garfunkel, Bette Middler, Joan Jett, AC/DC, Talking Heads, Grandmaster Flesh and the Furious Five und rund hundert anderer Stars der 70er und 80er Jahre mit aufzubauen. Hier teilt er uns einige seiner persönlichen Überlegungen zum Tod seines Klienten Michael Jackson mit und führt uns hinter das große Getöse an einen stilleren Ort.

In der Nacht des 25. Juni, als ich um 1 Uhr auf dem Weg zu meinem nächtlichen Spaziergang, der mich auf einem Rundgang zum Prospect Park und wieder zurück zu meinem Sandsteinhaus führte, ging ich zu dieser einsamen Stunde, als die Straßen und Gehwege für gewöhnlich menschenleer waren, an einem etwa 18-Jährigen Pärchen vorbei. Der Junge hatte langes, dunkles lockiges Haar und das Mädchen einen blonden Kurzhaarschnitt und sie trug Shorts. Der Junge sagte etwas zu mir, als ich vorbeiging. Ich ging zurück, nahm meine Kopfhörer ab und bat ihn, zu wiederholen, was er gesagt hatte. Er sagte: „Michael Jackson ist tot.“
Ich fragte ihn, warum er das zu mir sagte. Ich fragte mich, ob er mich von der Tea Lounge an der Union Station her kannte, wo ich schreibe oder von der Straße und ob er meine Beziehung zu Michael Jackson kannte. Nein, davon wusste er nichts. Er sagte es jedem. Er wollte, dass es niemand überhörte.
Er wollte vor allem dafür sorgen, dass niemand, der über 30 war, vorbeiläuft und es nicht mitbekommt. Er hatte das Gefühl, dass Michaels Tod ein Verlust für uns alle war, ob wir es nun wahrhaben wollten oder nicht.

Wie kam es dazu, dass ich mit Michael und seinen Brüdern zusammenarbeitete?
Es war im Frühling 1983, als die Jacksons zusammenkamen, um zu ihrer Victory Tour aufzubrechen. Alle waren dabei, auch ihr Vater, der den Aufstieg der Jackson Five ursprünglich managte. Ihr Manager für die Victory Tour rief mich vier Monate lang immer wieder an und bat mich, mit den Jacksons zusammenzuarbeiten. Ich lehnte immer wieder ab. Zu dieser Zeit war ich gerade dabei, Amnesty International zu helfen, sich in Nordamerika zu etablieren und ich hatte mit Simon and Garfunkel gearbeitet, als sie sich für ein Publikum von einer halben Million Menschen wiedervereint hatten, um im Central Park ein kostenloses Konzert zu geben. Danach gingen die beiden auf Tour und ich kümmerte mich um die Tour in Queens, wo sie im südamerikanischen Soccer Stadium vor 110.000 Menschen spielten.
Doch ich liebte „Feldzüge“ – für eine Wahrheit zu kämpfen, die andere nicht sahen. Die Tour der Jacksons fühlte sich für mich nicht nach einer Herausforderung an. Sie hatten es schon geschafft. Michael hatte gerade 36 Millionen „Thriller“-Alben verkauft. Das war fast dreimal so viel wie der bisherige Rekordhalter Peter Frampton geschafft hatte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Jacksons mich brauchten. Also schlug ich ihr Angebot immer wieder aus. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass, wenn man jemandem absagt, sollte man es ihm wenigstens persönlich sagen. Als die Jacksons dann also nach New York kamen und mich baten, sie im Helmsley Palace Hotel zu treffen, musste ich hingehen. Auch wenn das Treffen um Mitternacht an einem Samstag war und ich seit 9 Uhr morgens gearbeitet hatte.

In dem Moment, in dem ich den Raum betrat, den die Jacksons für Meetings vorgesehen hatten, waren zwei Dinge offensichtlich. Man konnte erstens an der Körpersprache dieser Brüder erkennen, dass sie die ehrlichsten, moralischsten und offensten Menschen waren, die man jemals kennenlernen konnte. Und zweitens, dass sie in wirklich großen Schwierigkeiten steckten. Sie wussten nicht, was es war und ich wusste es auch nicht. Doch was ich wusste war: Hier bot sich eine Herausforderung. Hier war etwas falsch, was richtigzustellen war. Etwas unsichtbar Falsches. Etwas Falsches, was jeder von uns spüren und doch nicht benennen konnte. Ich musste einfach zusagen.
Mein erstes Treffen mit Michael fand erst vier Monate später statt. Ich war in Marlons Pool-Haus in Encino, einem kleinen zweistöckigen Häuschen neben Marlons Pool mit jeweils einem Zimmer pro Etage. Bis dahin hatte ich meine Hausaufgaben erledigt. Ich hatte tausende Artikel über Michael gelesen. Ich hatte ein Dossier über das Leben der Jacksons erstellt. Es gab eines, worin sich all diese Artikel einig waren: Michael war kein normales menschliches Wesen. Die Artikel nannten ihn ein „Blubberndes Baby“, sie beschrieben ihn als jemanden, der zusammenschreckt, wenn man ihn berührt.

Doch Tatsache war, dass weder Michael noch ich in einer konventionell normalen Kindheit aufwuchsen, noch waren wir mit anderen Kindern aufgewachsen. Ich kannte also die alltäglichen Rituale eines normalen Lebens auch nicht. Ich musste lernen, indem ich andere Menschen beobachtete, als seien sie Muster und ich ein Beobachter vom Mars. Eines der Rituale, das ich beobachtete, war das Händeschütteln zwischen Fremden. Wissen Sie, Sie treffen jemanden, den Sie nie zuvor sahen, weil andere wollen, dass Sie ihn treffen. Sie gehen auf sie oder ihn zu, strecken ihm die Hand entgegen und sagen: „Hallo, meine Name ist…“. Dies war ein Ritual, das ich so gut wie nie benutzte. Doch als Michael die Tür zum Poolhaus öffnete, ging ich auf ihn zu, streckte ihm meine Hand entgegen und sagte: „Hallo, ich bin Howard.“ Ich wusste, was geschehen würde. Die Artikel hatten es ja beschrieben. Michael würde vor meiner Berührung zurückschrecken. Doch das geschah ganz und gar nicht. Michael gab mir die Hand, schüttelte die meine und sagte: „Hi, ich bin Michael.“ Es war so normal und natürlich wie es sein sollte. Die Stories in den Medien waren falsch. Doch tausende Medien hatten sie als Wahrheit nachgeplappert. Irgendetwas Merkwürdiges war geschehen in Michaels „Nicht-Bereich“ – im Bereich der Presse-Wahrnehmung bekommen wir das als Realität serviert. Letztendlich haben diese Missverständnisse ihn getötet. Doch das ist eine Geschichte, die zu einer anderen Zeit erzählt wird.

Ein paar Minuten stiegen Michael und ich die schmale Treppe hinauf, in den Raum, in dem Marlon seine Ausrüstung für Aufnahmen aufbewahrte. Ich hatte eine Pressemitteilung geschrieben und wollte Michaels Zustimmung dazu. Wir fanden inmitten von Stapeln aus Verstärkern und Keyboards einen Platz zum Sitzen. Ich las die Pressemitteilung laut vor. Und während ich das tat, entspannte sich Michaels Körper. „Das ist wunderschön“, sagte er, nachdem ich fertig war. „Hast du das geschrieben?“ Klar, hatte ich das. Und Tatsache war, dass es für mich kein Job war, etwas für die Presse schnell dahin zuschreiben, ich sah es als Kunst an. Ich hatte ein literarisches Magazin herausgegeben, das zwei Preise in der National Akademie der Poesie gewonnen hatte. Seit dieser Zeit beschrieb die Washington Post die Beiträge in meinen Büchern mit dem Wort „wunderschön“. Doch kein anderer sonst hatte je die versteckte Kunst und Kreativität in etwas so Alltäglichen erkannt. Michael offensichtlich schon.

Als Michael der Pressemitteilung zugestimmt hatte, gingen wir wieder nach unten in den kleinen Raum der unteren Etage. Entlang der Wand standen Videospielkonsolen, Geräte, die sich zu dieser Zeit nur Vergnügungsparks leisten konnten. Und mitten im Raum stand ein Billardtuch, der den größten Platz im Raum einnahm. Die Jacksons hatten einen Termin mit einer Art-Direktorin von CBS, mit die Gruppe sich für ein Albumcover für die Victory-Tour entscheiden konnte. Sie wollten mich dabeihaben.
Als die Art-Direktorin kam, hatte sie Portfolios von fünf Künstlern bei sich, die sie auf dem Billardtisch ausbreitete. Es waren nicht die einfachen schwarzen Vinyl-Portfolios, die die meisten Künstler zu dieser Zeit hatten, um ihr Werk zu präsentieren. Jedes einzelne war in einem maßgeschneiderten Koffer aus handgefertigtem Leder oder Kirschholz. Und jedes war von einem legendären Künstler, einem Topkünstler auf seinem Gebiet.

Die Art-Direktorin platzierte uns alle auf die andere Seite des Billardtisches. Michael stand in der Mitte. Ich stand zu seiner Linken. Die Brüder versammelten sich um uns herum. Die Art-Direktorin hielt Michael das erste Portfolio entgegen. Er öffnete ganz behutsam die erste Seite, gerade mal so viel, um ein winziges Stück davon zu sehen. Als er es sah, die Ellbogen gebeugt, bebten seine Knie und alles, was er sagen konnte war: „ooooooooooooooh”  Ein sanftes orgastisches „oooooooooh“.
In dieser einzigen Silbe konnte man spüren, was er sah.

Kennen Sie das Gedicht von William Blake?

Um eine Welt in einem Sandkorn zu erkennen
Und einen Himmel in einer Wildblume
Halte die Endlosigkeit fest in deiner Hand
Und die Unendlichkeit in einer Stunde…

Das intensive Streben dieses Gedichts, die ungeheure Sehnsucht nach Verwunderung, lebte in Michael. Lebendiger als alles, was ich jemals sah.
Michael sah die Unendlichkeit in einem winzigen Teil. Als Michael die Seite Stück für Stück öffnete, bogen sich seine Knie und Ellbogen immer mehr und seine „ooooooooooooooohs“, dieser Klang eines ästhetischen Orgasmus, wurde noch intensiver. Ellbogen an Ellbogen und Schulter an Schulter neben ihm zu stehen ließ mich Dinge in Pinselstrichen und Tintenklecksen erkennen, die selbst der Künstler niemals sah. In dem Moment, als er die Seite vollends geöffnet hatte, drückten sein Körper und seine Stimme Ekstase aus. Ein ästhetisches Dreikönigsfest. So etwas habe ich nie erlebt. Michael erspürte die Schönheit dieser Seite mit jeder Zelle seines Seins.
Ich habe mit Prince, Peter Gabriel, Billy Joel und Bette Middler gearbeitet, mit einigen der begabtesten Menschen unserer Zeit und nicht einer hatte diese Besonderheit der Verwunderung, die in Michael lebendig wurde. Er sah das Wunder in ALLEM. Die Natur seiner Verwunderung reichte über alles hinaus, was die meisten von uns überhaupt ermessen können.

Sehen Sie, außer den vielen anderen Dingen, die ich bin, bin ich ein Wissenschaftler. Die Wissenschaft ist meine Religion. Das war bei mir schon so im Alter von 10 Jahren. Die ersten beiden Regeln der Wissenschaft sind: 1. Wahrheit um jeden Preis, einschließlich deines Lebens. 2. Schau dir die Dinge an, die direkt vor deiner Nase liegen, so als hättest du sie nie zuvor gesehen und mache dann von dort weiter. Und das ist nicht nur eine Regel der Wissenschaft. Es ist eine Regel der Kunst. Und es ist eine Regel für das Leben. Nur sehr wenige Menschen wissen das. Und noch weniger Menschen leben danach. Michael jedoch war es, Michael verkörperte es in jedem Follikel seines Seins. Michael war der Mensch für mich, der einem weltlichen Engel am nächsten kam. Ein weltlicher Heiliger.

Sehen Sie, ich bin Atheist. Michael war das nicht. Er glaubte daran, eine Gabe von Gott bekommen zu haben. Er glaubte daran, Begabungen, Verwunderungen und Erstaunen geschenkt bekommen zu haben, die uns zerbrechlichen menschlichen Wesen selten gewährt werden. Da Gott ihm diese enorme Begabung schenkte, hatte er das Gefühl, die Erfahrung der Verwunderung, des Erstaunens, der Ehrfurcht und Blakes Unendlichkeit seinen Mitmenschen schuldig zu sein. Doch anders als bei anderen großzügigen Menschen, wie etwa Melinda und Bill Gates, war das bei Michael keine zeitweise Angelegenheit. Die Notwendigkeit, anderen zu geben, lag in jedem seiner Atemzüge an jedem einzelnen Tag.
Michaels ganzes Leben bestand aus empfangen und geben und der ganze Sinn seines Empfangens bestand darin, weiterzugeben. Er arbeitete mit jeder Zelle seines Körpers daran, die Gabe dieses Staunens und der Verwunderung an seine Mitmenschen weiter zu verschenken. Diese Verherrlichung durch die Massen zu brauchen, WAR Michaels Verbindung zu anderen, seine tiefgründigste Verbindung und sehr viel heilsamer, tiefer und heilsamer als seine Verbindung zu seiner Familie oder zu seinen Freunden (auch wenn diese unverzichtbar war). Dieser Akt des Gebens hält eine Ikone, einen Menschen, der Normalität niemals kennenlernte, am Leben.

Ich würde Ihnen gern diese Geschichten erzählen, in denen Michael dies verdeutlichte. Doch auch diese Geschichten müssen auf ein anderes Mal warten.
Es erscheint seltsam, dies zu sagen, doch Michael war immer ein Teil von mir. Kein anderer Superstar, mit dem ich arbeitete, hat sich in meinem Inneren so sehr mit mir verwoben wie er. Michael öffnete für mich ein Fenster für Verwunderung, wie es nichts und niemand anderes in meinem Leben jemals tat. Für diese Gabe hatte ich das Gefühl, ihm etwas zu schulden. Ich hatte das Gefühl, dass wir das alle müssen. Und das ist immer noch so. Wir schulden ihm einen ehrlichen Blick auf das, was er war.
Dies werden wir ihm so lange schuldig bleiben, bis wir endlich den Mist der Sensationspresse weggefegt haben und klar und deutlich sehen, warum die, die ihn lieben, mehr über ihn wissen, als irgendein Experte oder Journalist, die behaupten, sein Leben überprüft zu haben. Diese Journalisten und Experten kennen Michael Jackson nicht.

Doch wenn du ihn liebst, hast du eine gute Chance.

Quelle: http://neighborbee.com/category/the-swarm-guest-bloggers/

Übersetzung: achildsbliss – mjjackson-forever.com

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2 Comments
  1. Daniela permalink

    Mein Gott, ist das schön.

  2. Marion Schmidt permalink

    Danke Howard, Sie haben das erkannt, was wir Fans schon so lange wissen und warum wir IHN so schmerzlich vermissen! Danke Michael, für die vielen Momente der Verwunderung und des vollkommenen Glücks!

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