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Die finanziellen Forderungen der Chandlers

by on 20. July 2015

Money Lyrics

(https://www.julienslive.com/view-auctions/catalog/id/3/lot/478/https://www.julienslive.com/view-auctions/catalog/id/3/lot/478)

Song
Anything for money

I’ll lie I’ll cheat I’ll steal
I’ll anything for money
I’ll twist the truth I’ll kill
I’ll do anything for money
It’s my lust my pill
I’ll do anything for money

Alles für Geld
Ich werde lügen Ich werde betrügen Ich werde stehlen
Ich werde alles für Geld
Ich werde die Wahrheit verdrehen Ich werde töten
Ich werde alles für Geld machen
Es ist meine Begierde meine Pille
Ich werde alles für Geld machen

English: https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/the-chandlers-monetary-demands/

Die Tatsache, dass sich Michael Jackson mit seinem ersten Ankläger 1994 außergerichtlich einigte, wird oft als Zeichen von Schuld gegen ihn vorgebracht. Der Vergleich und die Begebenheiten, die dazu führten, werden im Artikel Das Chandler-Settlement / Der Chandler-Vergleich erörtert. Die Kritiker, die den Vergleich zur Sprache bringen, realisieren folgendes nicht: Hätte Jackson seine Ankläger „zum Schweigen bringen“ wollen, hätte er das tun können, bevor die Unterstellungen publik und die Behörden involviert wurden. Tatsächlich war das Ziel der Klägerseite von Anfang an, eine Abfindung zu erhalten. Der Grund, warum sie sich mit ihren Unterstellungen an die Öffentlichkeit und die Behörden wandten (indirekt, indem sie auf die Vorschrift setzten, dass alle Psychiater Missbrauchsvorwürfe melden müssen), ist eindeutig, dass sie die verlangte Abfindung nicht bekamen.

Bevor sie ihre Unterstellungen einer Person mitteilten, die verpflichtet ist, den vermeintlichen Missbrauch zu melden – einem Psychiater, und mit den Unterstellungen an die Öffentlichkeit gingen, forderte Jordan Chandlers Vater Evan Chandler Geld von Michael Jackson. Jordans Onkel Ray Chandler bestreitet in seinem Buch All That Glitters vehement, dass die Forderung Erpressung war und bevorzugt, es „Verhandlung“ zu nennen. Wie auch immer man es bezeichnen möchte, so lief es ab:

[Es wird empfohlen, die Artikel Evan Chandlers “Verdächtigungen” und Wie kamen die Unterstellungen der Chandlers zum Vorschein? zu lesen, da das Folgende auf den Ereignissen aufbaut, die in diesen beiden Artikeln beschrieben werden. Im Artikel über Evan Chandlers „Verdächtigungen“ wird näher auf Dr. Abrams’ Schreiben eingegangen, den Evan Chandler als „Verhandlungstool“ nutzte.]

Laut Ray Chandlers Buch All That Glitters versuchte Evan, mit Dr. Mathis Abrams’ Schreiben in der Hand, mit Michael Jackson zu „verhandeln“ und wollte dies alleine tun. Im Kapitel „1. August“ legt das Buch dar:

„Obwohl Evan überzeugt war, dass Michaels Handlungen Jordie gegenüber schädlich waren, glaubte er dennoch nicht, dass sie vorsätzlich waren. So absonderlich Michael auch war, Evan glaubte, dass sich Michael aufrichtig um Jordie sorgte, und wenn er alleine mit Michael sprechen könnte, würde Michael verstehen und gemeinsam könnten sie eine Lösung erarbeiten, „ohne die verdammten Anwälte.“ [1, Seite 99]

Jackson weigerte sich allerdings, mit Evan „ohne die verdammten Anwälte“ zu verhandeln. Laut All That Glitters übermittelte Jordans Stiefvater David Schwartz bereits die Neuigkeit über Abrams’ Schreiben an Jacksons Privatdetektiv Anthony Pellicano, also konnte Jackson schon vermuten, dass Evan etwas im Schilde führte. Darüber hinaus hatte Jackson bereits das heimlich aufgezeichnete Telefongespräch zwischen Evan und Schwartz vom 8. Juli 1993 gehört (https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/taped-phone-conversations-between-evan-chandler-and-david-schwartz-on-july-8-1993/). Dennoch stimmte Jackson einem Treffen mit Evan zu, allerdings nur im Beisein seines Anwalts Bert Fields oder Pellicano. Das Telefonat zwischen Evan und Jackson wird in All That Glitters wie folgt beschrieben:

„Ich möchte nur herausfinden, was zwischen euch beiden vor sich geht“ erklärte Evan. „Du brauchst keinen Anwalt. Wir können das allein lösen.”

Michael rührte sich nicht vom Fleck: Pellicano oder Fields mussten anwesend sein.

„Wir könnten über einige Dinge reden, die euch beiden peinlich sind.“ warnte Evan.

„Alles, was Du mir sagst, kannst Du auch Bert sagen.“ beharrte Michael.

„Aber ich denke nicht, dass sonst irgendjemand diese Dinge hören sollte. Ich möchte Dich nicht in Schwierigkeiten bringen. Ich […] nur…“ Klick.

Dieser Anruf war ein Wendepunkt für Evan. „Ich verstand, dass ein Mann in Michaels Position für alles Anwälte brauchte, aber das war kein Geschäft, nicht für mich. Ich dachte wirklich, wir könnten das lösen, wenn wir all die Anwälte aus dieser Situation raushalten könnten und ich dachte, Michael würde das ebenfalls wollen. Wenn ich keinen Anwalt mitnahm, warum brauchte er einen?“ [1, Seite 100]

Das Treffen fand am 4. August im Westwood Marquis Hotel statt. Anwesend waren Michael Jackson, Anthony Pellicano, Evan und Jordan Chandler. Mary A. Fisher beschreibt es 1994 in dem GQ- Artikel folgendermaßen:

„Als er Jackson sah, sagte Pellicano, umarmte Chandler den Sänger herzlich (eine Geste, so meint manch einer, welche die Verdächtigungen des Zahnarztes, dass Jackson seinen Sohn belästigt habe, zu widerlegen scheint), dann griff er in seine Tasche, zog Abrams’ Schreiben heraus und begann, Passagen daraus vorzulesen.

Laut Pellicano senkte der Junge, als Chandler zu den Abschnitten über Kindesbelästigung kam, den Kopf und blickte mit einem überraschten Gesichtsausdruck zu Jackson auf, als wolle er sagen „Ich habe das nicht gesagt.“

Am Schluss des Treffens zeigte Chandler mit seinem Finger auf Jackson, sagt Pellicano, und warnte: „Ich werde Dich ruinieren.“ [2]

Die Umarmung wird in Ray Chandlers Buch ebenfalls erwähnt: Dann ging Evan zu Michael rüber und begrüßte den Star mit einer großen schön-Dich-zu-sehen Umarmung. Dabei tätschelte er ihm den Rücken wie einem alten Freund.“ [1, Seite 102]

Und dann wird das auf seltsame Art und Weise erklärt:

„In einem Interview mit Vanity Fair, welches sechs Monate nach dem Westwood Marquis Treffen stattfand, wies Pellicano auf den Umstand hin, dass Evan Michael zu Beginn des Treffens umarmte. „Wenn ich glaubte, jemand habe mein Kind belästigt und ich käme demjenigen so nahe, wäre ich jetzt in der Todeszelle.“ Das scheint zu bedeuten, dass er wirklich nicht glaubt, die Belästigung passierte, weil Evan Michael nicht gleich auf der Stelle umbrachte.

Pellicano gab natürlich vor, dass Evan Michael bereits als Bestandteil eines Erpressungsversuchs beschuldigt hatte, Jordie belästigt zu haben, also zeigte ihm Evans Umarmung, dass er wusste, dass Michael so etwas nicht getan hat.

Doch wenn Evan dorthin ging, um Michael zu erpressen, warum würde er mit einer großen Umarmung beginnen? Warum würde er sich freundschaftlich verhalten? Würde er nicht zumindest vorgeben, dass er glaubte, Michael hätte Jordie belästigt und dass er aufgebracht war? Vor allem mit Michaels Audioexperten / Privatdetektiv als Zeuge anwesend!

Dass Evan das Treffen damit begann, Michael eine große Umarmung zu geben, bestätigt nur, dass Evan mit der Überzeugung dorthin ging, dass Michael sich aufrichtig um Jordie kümmerte und nichts Vorsätzliches tat, um ihn zu verletzen. Schließlich entstand die Idee, Michael zu beschuldigen, dem Jungen vorsätzlich geschadet zu haben – dass eine „Belästigung“ stattgefunden hat – nicht in Evans Gedanken. Es waren Anthony Pellicano und Bert Fields, die jenen Begriff erstmalig verwendeten.“ [1, Seite 107]

Wie viele Eltern würden demjenigen, den sie verdächtigen, ihr Kind belästigt zu haben, eine „schön-Dich-zu-sehen Umarmung“ geben und „ihm den Rücken klopfen wie einem alten Freund“? Und wie viele Eltern müssten „vorgeben“, auf den vermeintlichen Kinderschänder wütend zu sein – statt wirklich aufgebracht zu sein?

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der oben zitierten Textstelle ist Evans erkennbarer Versuch, den Gebrauch des Begriffes „Belästigung“ zu vermeiden. Erinnert euch: dieses Treffen fand nach Jordans angeblichem „Bekenntnis“ Evan gegenüber statt (siehe Wie kamen die Unterstellungen der Chandlers zum Vorschein?).

Jackson und seine Leute verstanden, dass Jackson Kindesmissbrauch vorgeworfen wurde, obwohl Evan vorsichtig genug war, diese Anschuldigung nicht selbst zu tätigen. Im Westwood Marquis Hotel las Evan lediglich Dr. Abrams’ Schreiben vor; er brachte keine Anschuldigungen mit seinen eigenen Worten vor. Anscheinend versuchten Evan und sein Anwalt Barry Rothman sicher zu gehen, dass Evan später nicht verklagt werden könnte, wenn sich die Anschuldigungen als falsch herausstellen. Tatsächlich warnte Rothman Pellicano laut Ray Chandlers Buch am 1. August, dass Evan nicht verklagt werden könnte, selbst wenn sich die Anschuldigungen als falsch herausstellen:

„Aber Barry war nicht eingeschüchtert. Er informierte Pellicano, dass Evan keine öffentlichen verleumderischen Äußerungen über Jackson in jeglicher Art und Weise getätigt hatte. Und weiters [führte er aus], dass Evan als Zahnarzt dazu verpflichtet war, Bericht zu erstatten, geleitet von den gleichen Vorschriften wie jede zugelassene Gesundheitsfachkraft. Er war nicht nur verpflichtet, seine Verdächtigungen den zuständigen Behörden zu melden, noch dazu kann er nicht dafür verklagt werden, wenn sie sich als falsch herausstellen.“ [1, Seite 100]

Was Mary A. Fischers Aussage über Jordans Reaktion, als sein Vater Abrams’ Schreiben vorliest, betrifft, so wird in einem Artikel, den Ray Chandler 2005 für seine nun gelöschte Webseite schrieb, etwas zur Sprache gebracht, dessen Kontext dazu tendiert, Pellicanos Schilderung zu bestätigen: Ray Chandler verwendet es als Verteidigung gegen die Behauptung, dass Jordan Sodium Amytal verabreicht wurde. [Details darüber und wie es dazu tendiert, Pellicanos Schilderung zu bekräftigen, sind hier zu finden: Der Gebrauch von Sodium Amytal?]

Laut All That Glitters rief Pellicano Rothman angeblich einen Tag nachdem Rothman Pellicano warnte, dass Evan nicht verklagt werden kann, selbst wenn sich die Anschuldigungen als falsch herausstellen, an und kündigte an, er habe einen Weg, alles zu lösen. Michael würde Jordie und Evan helfen, „ihre Beziehung wieder aufzubauen“, indem er ihnen dabei hilft, eine Drehbuchautorenkariere aufzubauen. So können sie viel Zeit miteinander verbringen, während sie das machen, was sie am meisten lieben.“ [1, Seite 101]

Laut dem Buch war dieser Vorschlag das erste, was Evan am 4. August im Westwood Marquis Hotel zur Sprache brachte, aber Pellicano weigerte sich, das Angebot zu machen und es wurde klar, dass er nicht bereit war, ihm irgendetwas anzubieten. Laut All That Glitters machte dies Evan frustriert über Pellicanos Haltung und Michael, der es offensichtlich entschuldigte“ [1, Seite 102-103] und Evan sagte dem Entertainer angeblich, dass er wüsste, was er Jordan getan hat und dass der Junge es bestätigt hat. Das Buch behauptet „Evan forderte seinen Sohn dann auf, zu bestätigen, dass er [„gestanden“] hatte und der Junge nickte zustimmend“ [1, Seite 103], woraufhin Jackson direkt in Jordans Augen schaute und sagte: „Ich habe nichts getan.“ [1, Seite 103]

Angeblich war das für Evan „der entscheidende Moment“:

„Für Evan war das der entscheidende Moment. „Ich wusste, Michael war verkorkst, aber bis zu diesem Punkt war ich nicht sicher, wo das herrührte. Ein Teil von mir glaubte immer noch, dass er wirklich in Jordie verliebt war und unschuldig aus einer abartigen Fantasie heraus handelte, ohne Voraussicht oder Cleverness.

Aber sein Lächeln war eisig, wie das Lächeln eines Serienkillers oder Vergewaltigers, der trotz Bergen von Beweisen gegen ihn immer wieder seine Unschuld beteuert. Ich wusste es sofort; Michael Jackson war ein Kinderschänder! Es war plötzlich so offensichtlich, June wurde reingelegt, Jordie wurde reingelegt, und ich wurde reingelegt. Die ganze Welt wurde von diesem erbärmlichen Geschöpf mit brillantem aber kriminellem Kopf reingelegt.“ [1, Seite 103]

Laut All That Glitters „gestand“ Jordan Evan am 16. Juli, doch Ray Chandler beschreibt diesen Moment am 4. August als den definierenden Moment; ein Moment, in dem Jackson in Jordans Augen blickte und sagte, dass er nichts getan hat. Wir sollen glauben, dass dies Evan überzeugte, das Jackson ein Kinderschänder war? Nicht, dass ihm sein Sohn früher „gestand“? Ray Chandler beendet die Schilderung des Treffens, in dem er erklärte:

„Evan fühlte sich siegreich. Nicht, weil er irgendetwas gewonnen hatte, aber weil er schließlich das Puzzle gelöst hatte. Es gab nicht nur Sex zwischen seinem Sohn und Michael, aber jetzt verstand er Michaels wahre Gefühle. Er hatte Einblick in das Herz des Mannes und es war kein schöner Anblick.“ [1, Seite 104]

Jordan „gestand“ seinem Vater angeblich am 16. Juli, aber laut dieser Geschichte „löste Evan das Puzzle“ erst am 4. August, indem er Jacksons Leugnung in einer recht merkwürdigen Art interpretierte.

Evans neue Überzeugung hinderte ihn jedoch nicht daran, seine „Verhandlungen“ mit Jackson weiterzuführen. Nach dem Treffen im Westwood Marquis Hotel wurde Pellicano aufgefordert, sich mit Barry Rothman und Evan in Rothmans Büro zu treffen, wo Evan und Rothman ihre 20 Millionen Dollar Forderung stellten.

Ray Chandlers Begründung dafür ist folgende:

„Evan hatte zwei Ziele. In erster Linie war es das Wohlergehen seines Sohnes. Oberflächlich betrachtet schien Jordie in Ordnung, aber das war kein oberflächliches Zeug. Dr. Abrams drückte tiefe Besorgnis über den Jungen aus und ließ Evan mit dem Eindruck zurück, dass bereits beträchtlicher Schaden entstanden sein könnte. [Beachte: Dr. Abrams ist Jordan zu diesem Zeitpunkt noch nicht begegnet. Evan bezieht sich hier auf Dr. Abrams’ Schreiben, welches auf den Erzählungen von ihm und seinem Anwalt basiert.] Evan hoffte auf das Gute, musste sich aber auf das Schlimmste vorbereiten.

Wenn Jordie langfristige Seelsorge benötigt, könnte das teuer sein und sie müssten einen Bundesstaat finden, wo von Psychotherapeuten nicht verlangt wird, den Behörden Kindesmissbrauch zu melden. Das könnte einen Umzug und die Schließung seiner Zahnarztpraxis bedeuten. Wie würde er seine Familie unterstützen? Zwar ein worst-case-scenario, aber denkbar.

Angesäuert von seiner Erfahrung mit Pellicano und Michael – besonders von „Michaels Blick in Jordies Augen und die Leugnung ihrer Intimität“ – war Evans zweites Ziel, Michael zu bestrafen. „Ich wollte nicht, dass er ungeschoren davonkommt. Aber wenige Millionen sind Kleingeld für ihn. Ich dachte, zwanzig Millionen seien definitiv ein bestrafender Betrag. Geringstenfalls würde es ihm etwas zum Nachdenken geben. Wenn sich herausstellt, dass Jordie okay ist und keine umfassende Seelsorge benötigt, umso besser*. Er hätte für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Das hat er verdient, nachdem Michael ihm das angetan hat.

„Und es war nicht nur der Sex. Jeder machte eine große Sache aus dem Sex – die Presse, die Polizisten, die Staatsanwaltschaft. Das war wesentlich, sicher, aber es war nicht die Hauptsache für mich. Es war, was Michael tat, um so weit zu kommen. Er übernahm seinen Verstand und isolierte ihn von seiner Familie, seinen Freunden und jedem, der sich um ihn kümmerte. Er machte ihn zu seinem eigenen kleinen Sklaven. Von außen betrachtet sah es so aus, als zeigte er Jordie die beste Zeit seines Lebens, aber genauer betrachtet beraubte er ihn seiner Individualität, seiner Seele. Das war das wahre Verbrechen, und dafür wollte ich Michael bezahlen lassen.“ [1, Seite 108-109]

(*Jordan brauchte – nicht überraschend – in der Tat nicht viel Seelsorge.)

Andere brachten abweichende Schilderungen darüber, wo der von Evan (einem aufstrebenden Drehbuchautor) geforderte Betrag über die 20 Millionen Dollar herkam. Am 28. August 1993 schrieb die Los Angeles Times: Quellen aus der Filmindustrie berichteten, dass der Vater des Jungen eine 20 Millionen Dollar Produktion und einen Finanzierungsdeal mit Jackson anstrebte.“ [4]

Ein Freund von Jackson, Maler David Nordahl, führte das 2010 in einem Interview mit der Webseite Reflections on the Dance weiter aus:

„Ich arbeitete an Skizzen für seine [Jacksons] Filmproduktionsfirma „Lost Boys Productions“. Sony gab ihm (Michael) 40 Millionen Dollar, um diese Produktionsfirma zu gründen und dieser Vater des kleinen Jungen (Evan Chandler), der sich selbst als Teil des Showbusiness betrachtete, weil er einen Teil eines Drehbuchs geschrieben hat. Danach betrachtete er sich selbst als Hollywood Drehbuchautor und als Freund von Michael und sein Sohn war mit Michael befreundet, dieser Typ hat angenommen, dass Michael ihn zum Partner in dieser Filmproduktionsfirma machen wird und da kommt der 20 Millionen Betrag her. Er wollte die Hälfte von diesem Sony Geld. Es war bewiesen. Es war eine Erpressung. Michael hörte auf seine Geschäftsberater und sie alle wiesen ihn an, den Mund zu halten und nach Korea zu gehen, mach’ weiter mit Deiner Tour, Du bist mitten in einer Tour. Wir werden uns darum kümmern.“ [5]

Zurück zu Evan Chandlers Erachtung, dass 20 Millionen Dollar ein „bestrafender Betrag“ wären: warum überließ er die Bestrafung nicht den zuständigen Behörden? Die Antwort darauf in All That Glitters ist, dass Evan dachte, sie würden ihnen nicht glauben und er war wegen der Publicity besorgt, welche die Beschuldigungen mit sich ziehen würden. Ray Chandler schreibt über diese Sorge:

„Es ging nicht nur um die Tatsache, dass Evan diese Behauptungen machte. Sechs Wochen bevor die Angelegenheit publik wurde, äußerte er auf Daves geheimem Band seine Ängste über eine öffentliche Bekanntmachung. „Das wird größer werden als wir alle zusammen und die ganze Sache wird einfach auf alle hereinbrechen und jeden im Umfeld zerstören.“ Seinen Sohn und ihn selbst eingeschlossen.“ [1, Seite 109]

Es gibt allerdings ein Problem mit dieser Behauptung. In dem aufgezeichneten Telefonat zwischen Evan und David Schwartz (siehe https://themichaeljacksonallegations.com/2016/12/26/taped-phone-conversations-between-evan-chandler-and-david-schwartz-on-july-8-1993/), und im Kontext, war diese Aussage kein Ausdruck von Besorgnis. Im Gegenteil.

„MR. CHANDLER: Leider wird es dann zu spät sein und nichts wird an dieser Stelle mehr von Bedeutung sein.
MR. SCHWARTZ: Warum?
MR. CHANDLER: Weil der Umstand so verdammt überwältigend ist –
MR. SCHWARTZ: So?
MR. CHANDLER: – dass alle im Verlauf zerstört werden. Die Umstände selbst werden – sobald die Sache ins Rollen gerät –
MR. SCHWARTZ: Ja.
MR. CHANDLER: – die Umstände selbst werden erdrücken. Das wird größer werden als wir alle zusammen und die ganze Sache wird einfach auf alle hereinbrechen und jeden im Umfeld zerstören. Das ist [Bandstörung] demütigend, glaube mir.
MR. SCHWARTZ: Ja. Und ist das gut?
MR. CHANDLER: Ja. Das ist großartig.
MR. SCHWARTZ: Warum?
MR. CHANDLER: Großartig, weil –
MR. SCHWARTZ: Ich meine, ist das wie Du –
MR. CHANDLER: Weil June und Jordy und Michael –
MR. SCHWARTZ: Ja.
MR. CHANDLER: – mich dazu gezwungen haben, es zum Äußersten zu treiben –
MR. SCHWARTZ: Ja.
MR. CHANDLER: – um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Wie erbärmlich, verdammt erbärmlich sie sind, das getan zu haben.” [3]

(Gegen Ende unseres Artikels Das Chandler-Settlement / Der Chandler-Vergleich könnt ihr mehr Fakten lesen, die sich gegen die Behauptung richten, dass die Chandlers dem Vergleich zustimmten und einen Strafprozess zu verhindern versuchten, weil sie der Publicity skeptisch gegenüber eingestellt waren.)

Laut All That Glitters war Rothman überzeugt, dass Jackson keine 20 Millionen Dollar zahlen würde, also versuchte er, Evan auf 5 Millionen Dollar herunterzuhandeln, aber Evan war hartnäckig, da er glaubte, „fünf Millionen wären eine Auszahlung, keine Bestrafung.“ Er wollte Michael dafür bestrafen, was er jetzt für eine eklatante Belästigung hielt.“ [1, Seite 109]

Laut dem Buch kam Pellicano am 9. August mit einem Gegenangebot von 1 Million Dollar zurück, um drei Drehbücher zu finanzieren, die von Evan und Jordan geschrieben wurden. Pellicano sagte später, dass das Angebot eine Geste Jacksons war, die Vater und Sohn ermöglichen würde, zusammen zu arbeiten und ihre Beziehung neu aufzubauen. Evan lehnte es ab. Am 13. August schockte Pellicanos nächstes Angebot Rothman und Evan, da es klar machte, dass Pellicano sie eher verspottete, als mit ihnen zu verhandeln: 350.000 Dollar.

„Barry konnte seinen Ohren nicht trauen. Pellicano ignorierte die Spielregeln völlig. Barry begann bei zwanzig Millionen, Pellicano konterte mit einer Million, somit sollte das nächste Angebot irgendwo dazwischen sein. Und so seltsam es war, dass Pellicano sein Angebot über eine Million unterschritt, war es noch verrückter, dass er ablehnte, es wieder einzusetzen, als Barry ihm sagte, dass er „drei Tage lang sehr hart daran gearbeitet hat … Evan hoffentlich zum Zustimmen zu bringen” [1, Seite 117-118]

Laut dem Buch rief Pellicano Rothman am 17. August an, um zu eruieren, ob Evan das Angebot akzeptiert hat.

„Barry verneinte, deutete allerdings an, dass Evan das ursprüngliche Angebot über die Million Dollar annehmen würde, wenn Pellicano gewillt wäre, es zu erneuern. „Das wird niemals geschehen.“ insistierte der Detektiv.“ [1, Seite 121]

Tags zuvor, am 16. August, informierte June Chandlers Anwalt Michael Freeman Rothman, dass sie einen Antrag für einen Gerichtsbeschluss eingereicht haben, um Jordan an seine Mutter June Chandler zurückzuschicken. In Erwiderung darauf und frustriert über Jacksons Weigerung, ihn auszuzahlen, brachte Evan Jordan zu Dr. Abrams, wo der Junge seine Unterstellungen gegen Michael Jackson vorbrachte, was zwangsläufig die Behörden hineinzog und Evan die Befähigung gewährte, das Sorgerecht für Jordan zu bekommen.

Laut All That Glitters:

„In einem Telefongespräch, das in der Nacht vor der Gerichtsanhörung von Freemans Antrag stattfand, beriet Barry Evan, dass er keine Chance zu gewinnen hatte, es sei denn, er wäre gewillt, in den Gerichtssaal zu gehen und Michael vorzuwerfen, dass er Jordie belästigt hat; June hatte das Sorgerecht und das war alles, was sie brauchte, um Jordie zurückzubekommen.“ [1, Seite 119]

Wenn man die obigen Ereignisse verfolgt hat, ist klar, dass Jackson eine Menge Möglichkeiten hatte, den Chandlers Schweigegeld zu bezahlen, wenn er das wirklich gewollt hätte, bevor der Fall publik wurde oder an die Behörden ging. Er entschied sich dagegen, was Evan verwirrte. Ray Chandler schreibt in seinem Buch:

„Fields und Pellicano wussten bereits, dass Evan bereit war, zu verhandeln. Warum ihn nicht bezahlen und den Alptraum im Keim ersticken während Du die Gelegenheit dazu hast? Insbesondere wenn Du weißt, dass Dein Mann zumindest schuldig ist, mit kleinen Jungs zu schlafen. Du vermeidest nicht nur eine Zivilklage, sondern erkaufst Dir auch Deinen Weg an den Behörden vorbei, in dem der Hauptzeuge beseitigt wird, was noch wichtiger ist. Zehn, zwanzig, dreißig Millionen? Geld spielt keine Rolle. Der Deal könnte innerhalb von Stunden vollendete Tatsache sein. Und wenn es nicht funktioniert, kannst Du doch allemal in die Offensive gehen.“ [1, Seite 126]

und

“Am Morgen des 17. August 1993, als er mit Barry Rothman verhandelte, hatte Anthony Pellicano eine Kopie des psychiatrischen Gutachtens mit fehlenden Namen in seinem Besitz. Er hielt die Zukunft des berühmtesten Entertainers der Menschheitsgeschichte in seiner Hand. Dennoch ist das Band voll mit Beispielen davon, wie Pellicano ablehnte, einen Kompromiss zu schließen, was bei Jackson Kleingeld gleichkommen würde. Warum es darauf ankommen lassen, dass Michaels Name auf diesem Bericht landet und Ermittlungen ausgelöst werden?“ [1, Seite 138]

Ob man nun den Begriff Erpressung verwendet, um die obigen Vorgänge zu beschreiben oder nicht, Ray Chandler schließt das Kapitel über die „Verhandlungen“ mit einem eigenständigen Absatz ab, wie um das Kapitel zusammenzufassen und zu betonen:

„Hätte Michael die von ihm geforderten zwanzig Millionen Dollar im August bezahlt, statt im darauffolgenden Jänner, hätte er die nächsten zehn Jahre als welt-berühmtester Entertainer verbringen können, statt als welt-anrüchigster Kinderschänder.“ [1, Seite 128]

Quellen:

[1] Raymond Chandler – All That Glitters: The Crime and the Cover-Up (Windsong Press Ltd, September 2004)

[2] Mary A. Fischer: Was Michael Jackson Framed? (Wurde Michael Jackson etwas angehängt) (GQ, Oktober 1994)

[3] Aufgezeichnetes Telefonat zwischen Evan Chandler und David Schwartz (8. Juli 1993)
https://themichaeljacksonallegationsblog.files.wordpress.com/2016/12/plugin-schwartz_chandler.pdf

[4] Charles P. Wallace and Jim Newton – Jackson Back on Stage; Inquiry Continues (Los Angeles Times, August 28, 1993)
http://articles.latimes.com/1993-08-28/news/mn-28760_1_michael-jackson

[5] Friendship & A Paintbrush – Interview mit David Nordahl (2010)
Ursprüngliche Quelle: http://www.reflectionsonthedance.com/interviewwithdavidnordahl.html – die Audioclips, welche die Unterhaltung enthielten, sind nicht mehr verfügbar.
Als Sekundärquelle dient z.B.: http://vindicatemj.wordpress.com/2010/11/04/transcript-of-“frozen-in-time-a-riveting-behind-the-scenes-view-of-the-michael-jackson-cases”-part-3/

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