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HIStory Teaser / Teil III: Eine ganz neue Art von Held

by on 7. December 2014

Post vom 27/11/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com


Willa:
Diese Woche werden Eleanor Bowman und ich unsere 3-teilige Serie über den Kurzfilm abschließen, den Michael erschaffen hat, um sein HIStory Album zu promoten. In Teil I der Serie haben wir uns auf die offensichtlichsten Einflüsse konzentriert und darauf, worauf sich Kritiker konzentriert haben: den Nazi-Propagandafilm Triumph des Willens. In Teil II haben wir uns mit einem zwar subtileren, aber dennoch signifikanten Einfluss beschäftigt: Charlie Chaplins Filmsatire Der große Diktator. Und heute gehen wir auf andere Werke und historische Referenzen im HIStory Teaser ein. Danke, dass du wieder bei mir bist, Eleanor! Durch unsere Diskussionen über HIStory habe ich so viel gelernt.

Eleanor: Danke für das Aussprechen der Einladung, Willa. Ich habe auch sehr viel gelernt. Während meiner andauernden Bemühung, HIStory zu verstehen, habe ich Anspielungen auf drei weitere Filme entdeckt, die wiederum neue Türen zu neuen Bedeutungsebenen öffnen.

Willa: Ja, und es gibt noch eine weitere, die wir bis jetzt noch nicht herausgefunden haben…

Eleanor: Mindestens!

Willa: Da ist auch noch der Ort, an dem HIStory gefilmt wurde – der Heldenplatz in Budapest – von dessen Bedeutung du mir auch berichtet hast. Darüber möchte ich heute auch mit dir sprechen.

Eleanor: Genau, der Schauplatz von HIStory, in Budapest, Ungarn 1994, war alles andere als zufällig gewählt. Wenn ich darüber nachdenke, scheint mir dieses kraftvolle Bild der Enthüllung der Statue von MJ in der HIStory-Schlussszene symbolisch für die Verwendung von Referenzen und Anspielungen in HIStory zu stehen, um das Wesen und die Ziele dieses bemerkenswerten Mannes zu offenbaren. Aber je tiefer wir diesen Film studieren, desto mehr habe ich auch das Gefühl, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben.

Willa: Da stimme ich dir zu. Und ich denke wir beginnen am besten damit, diese anderen Referenzen zu identifizieren. Welche Filme außer Triumph des Willens und Der große Diktator, werden in HIStory noch zitiert?

Eleanor: Hättest du gedacht, dass es die Teaser, und auch die Filme selbst, von Terminator 2, Jagd auf Roter Oktober und Apocalypse Now sind?

Wofür ich keine Haftung übernehme, Willa. Ich hätte diese Verbindungen nie ohne einen Kommentar von KonstantinosZ hergestellt, den ich auf der Film Score Monthly Seite fand. KonstatinosZ, wer immer du bist, vielen Dank dafür. Auf Apocalypse Now, bei dem Francis Ford Coppola, wie auch bei Captain EO, Regie führte, bin ich durch die Hubschrauber gekommen.

Willa: Das ist so interessant – und völlig unerwartet, Eleanor! Michael Jackson ließ sich wirklich von allen Seiten inspirieren. Hochkultur, Popkultur, Gemälde, Filme, Geschichten für Kinder, Gedichte, Cartoons, Symphonien, Stepptanz, Hip-Hop, Pantomime, Ballett … die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Aber warum nun genau diese Filme? Wo ist die Verbindung?

Eleanor: Also, bei oberflächlicher Betrachtung scheinen sie sehr verschieden zu sein, aber alle drei handeln von dem Irrsinn des Krieges.

Willa: Das stimmt, und es geht immer um eine spezielle Art von Krieg – einem globalen Krieg, oder einem Krieg mit globalen Auswirkungen. Apocalypse Now spielt in Vietnam, einer früheren französischen Kolonie, während des Vietnam Krieges, als Südost-Asien zum Kriegsspielfeld für den Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und China auf der einen Seite, und den USA auf der anderen Seite wurde. Jagd auf Roter Oktober spielt auch während des Kalten Krieges, und konzentriert sich speziell auf militärische Spannungen zwischen den USA und den UdSSR. Und Terminator 2 handelt von der Zeitreise aus einer erschreckenden Zukunft, in der Menschen und Maschinen gegeneinander um die globale und sogar interstellare Vormacht kämpfen. Ziel dabei ist, die Gegenwart so zu verändern, dass diese fürchterliche Zukunft vermieden werden kann. Und sowohl Triumph des Willens als auch Der große Diktator handeln von der Verbreitung einer Ideologie mit globaler Auswirkung, wobei Triumph diese Ideologie unterstützt und Der große Diktator sie bekämpft – eine Ideologie, die letztlich im Zweiten Weltkrieg endete.

Also jeder dieser fünf in HIStory zitierten Filme befasst sich mit dem Schrecken eines globalen Krieges und dem Aufbau einer globalen Herrschaft

Eleanor: Ja, sie alle befassen sich mit einem Aspekt von Krieg oder Nationalismus – und sie zeigen die Faszination, die das auf uns ausübt.

Willa: Das stimmt – wir scheinen davon zugleich fasziniert und entsetzt zu sein. Ich finde es besonders spannend, dass Terminator 2 und Jagd auf Roter Oktober darin enthalten sind. Michael Jackson hat in der ersten Hälfte des HIStory Teasers aus beiden Filmen Musik verwendet und es sind auch noch subtilere Andeutungen enthalten. Sich gerade auf diese beiden Filme zu beziehen kommt sehr unerwartet, aber wenn ich darüber nachdenke, dann gibt es sehr interessante Parallelen zwischen ihnen. Beide Filme drehen sich um sehr beängstigende Dinge, durch die die globale Vernichtung der Menschheit droht. In Terminator 2 wird ein Attentäter in Form eines Robotermenschen aus der Zukunft zurückgesendet und findet den zukünftigen Führer der Menschheit im Krieg mit den von ihnen selbst gebauten Maschinen vor. Und in Jagd auf Roter Oktober navigiert ein sowjetischer U-Boot-Kapitän eine nuklear bewaffnete U-Boot-Einheit in Richtung der US-Gewässer – eine Situation, die den Dritten Weltkrieg auslösen könnte. Der entscheidende Punkt jedoch ist, dass sich herausstellt, beide sind in Wirklichkeit dabei einen globalen Krieg zu vermeiden und die Menschheit zu schützen und zu bewahren. Während der Robotermensch im ersten Teil des Terminator-Films noch versucht, sein menschliches Ziel zu vernichten, hat er in Terminator 2 eine neue Mission und widmet sich jetzt ganz dem Schutz seiner Zielperson.

Eleanor: Genau. Im Original Terminator-Film wird der Terminator mittels des Computernetzwerks Skynet, das einen nuklearen Holocaust lanciert hat, um die Menschheit auszulöschen, aus der Zukunft zurückgesendet. Er kommt mit dem Auftrag in der pre-nuklearen Holocaust-Vergangenheit an, um die Frau umzubringen, die die Mutter von John Connor werden wird – dem Mann, der den Widerstand der post-nuklearen Holocaust-Überlebenden gegen Skynet anführt – und soll seine Geburt und den Widerstand verhindern. Aber der Terminator versagte und John Connor wurde geboren.

In Terminator 2 wurde der Terminator von den Widerstandskämpfern selbst neu gebaut, die ihn zurück in die pre-nukleare Holocaust-Vergangenheit senden, und neu programmiert, um das Kind John Connor zu beschützen. Zurück in der Vergangenheit, wird er von Johns Mutter mit der Fähigkeit zu lernen verkabelt, und seine Mission weitet sich darauf aus, Skynet zu zerstören und dadurch den gesamten nuklearen Holocaust zu verhindern. Er rettet nicht nur den Jungen, sondern er verändert die Zukunft und rettet die Menschheit.

Willa: Genau so ist es, eine großartige Zusammenfassung, Eleanor. Und der U-Boot-Kapitän in Jagd auf Roter Oktober versucht überzulaufen und die neue Technologie mit den USA zu teilen, so dass das empfindliche Gleichgewicht des Kalten Krieges zwischen Ost und West ausgeglichen bleibt. Also ist es in beiden Filmen so, dass jemand, der anfangs als Bedrohung für die Menschheit angesehen wird, in Wirklichkeit für deren Rettung arbeitet. Und ist das nicht auch genau die Position, in der sich Michael Jackson befindet? Viele sahen ihn als bedrohlich, als eine „Bestie“ (a beast), ein „Monster“ (a monster), den „lebenden Toten“ (the living dead) und „deinen schlimmsten Albtraum“ (your worst nightmare), wie er es in Threatened singt – obwohl er in Wirklichkeit daran arbeitete, die Welt zu heilen. Und auch das ist eine Ebene, auf der der HIStory-Promofilm funktioniert. Auf den ersten Blick berührt es einen unangenehm und wirkt einschüchternd. Michael Jackson führt eine Armee an? Was!? Aber wenn wir unsere Angst und Animosität lange genug unterdrücken, um den tieferen Sinn herauszufinden, beginnen wir auch damit, die Dinge anders zu sehen. …

Eleanor: Das gefällt mir, Willa. Wir müssen genug Vertrauen in MJ haben, um unser anfängliches Unbehagen gegenüber HIStory zu überwinden, denn wenn wir uns bemühen, es zu verstehen wird das auch unser Verständnis für ihn und seine Geschichte vertiefen.

Willa: Da stimme ich zu. Jedenfalls weiß ich, dass die Erforschung dieser unterschiedlichen Referenzen meine Interpretation und Reaktion auf HIStory verändert hat. Und die Veränderung von Interpretationen ist auch ein wichtiges Element in diesen beiden Filmen.

Ich will damit sagen, dass Jagd auf Roter Oktober zwar ein Actionfilm ist, aber die wirkliche Spannung liegt in der Entscheidung, ob die Amerikaner dem sowjetischen Kapitän vertrauen sollen oder nicht. Versucht er überzulaufen oder versucht er eine Atomwaffe auf eine US-amerikanische Großstadt zu richten? Ist er ein Retter oder ein Schurke? Ein Abtrünniger, der mit seiner Führung und seiner Vergangenheit bricht, oder eine Schachfigur der Sowjets? Oder vielleicht ist er einfach nur ein „Verrückter“, wie der Sicherheitsberater des Präsidenten ihn nennt, der sich, dem Selbstmord seiner Frau folgend, umbringen will und entschieden hat, die ganze Welt dabei mitzunehmen. Wie soll man ihn und sein Handeln einschätzen? Und wie sollen wir als Zuschauer das Geschehen interpretieren? Herauszufinden, wie seine Handlungen zu verstehen sind, ist die entscheidende Frage des Films.

Und Interpretation – besonders, herauszufinden, wem oder was wir trauen können – ist auch der Kern von Terminator 2. Wir erfahren ziemlich früh, dass der Terminator versucht John Connor zu schützen, aber er beschützt ihn vor einem anderen Robotermenschen aus flüssigem Metall, der seine Gestalt wandeln kann. Dieser Roboter kann in jeder Gestalt erscheinen – als Polizist, kleines Mädchen, Johns Mutter und sogar als lebloser Gegenstand.

Eleanor: Richtig. Und die von dir erwähnten visuellen Effekte sind wesentlicher Bestandteil der Story, sie repräsentierten einen wichtigen Durchbruch bei den computergenerierten virtuellen Darstellungen. Ich glaube auch das zog MJ zu diesem Film hin. Obwohl Technologie oft als Widerspruch zu Kunst gesehen wird, sahen Michael Jackson (und James Cameron, der Regisseur von Terminator 2) Technologie als ein wirkungsvolles Mittel für den künstlerischen Ausdruck.

Willa: Oh, das ist interessant, Eleanor. Es stimmt, Michael Jackson war sehr an neuen Technologien interessiert und im Allgemeinen schnell bereit, sie anzunehmen. Das ist ein wichtiger Punkt.

Wir fragen uns also sowohl in Terminator 2 als auch in Jagd auf Roter Oktober ständig, können wir dem, was wir sehen, vertrauen? Sind die Menschen (und Dinge) wirklich das, was sie zu sein scheinen? Wie können wir sicher sein, alles richtig zu interpretieren? Und natürlich war auch Michael Jackson ein Gestaltwandler, und viele Menschen waren sich auch bei ihm nicht sicher, wie man ihn einschätzen soll oder ob man ihm vertrauen kann.

Eleanor: Das stimmt, Willa. In diesen beiden Filmen gibt es eine Menge Gestaltveränderungen. In Terminator 2, vollzieht sich die Verwandlung des Bösewichts äußerlich. In seinem Innern bleibt er immer seiner eigentlichen Mission treu. Auf der anderen Seite verändern der Terminator und der U-Boot-Kapitän nie ihre Gestalt, sie sehen äußerlich immer gleich aus, ihre Mission verändert sich jedoch grundlegend. Auf diese Filme anspielend sagt uns HIStory, dass Michael Jackson sich vielleicht äußerlich verändert haben mag, aber immer seiner Mission, die Welt durch Musik zu heilen, treu geblieben ist. Wir können ihm voll und ganz vertrauen. Aber es sagt uns auch, dass Menschen, wenn es darauf ankommt, zu tiefgehenden psychologischen Veränderungen in der Lage sind.

Willa: Das ist eine interessante Sichtweise, Eleanor. Es ist auch so, dass die Filme selbst ständig ihre Gestalt verändern, indem unsere Interpretationen sich durch die Handlung verändert. Und auch die Interpretationen von Michael Jackson ändern sich ständig – bedenke nur, wie schnell sich die Dinge nach seinem Tod verändert haben.

Eleanor: Und es beweist auf diese tragische Weise auch seinen Glauben daran, dass die Menschen sich verändern können – so wie in seinem Fall, quasi über Nacht. Nur kam es für ihn leider zu spät. Es brauchte etwas so furchtbar Tragisches wie seinen Tod, um viele Menschen aufzurütteln – auch mich selbst, wie ich bedauerlicherweise gestehen muss – und erkennen zu lassen, was wir an ihm hatten und wie groß das Ausmaß unseres Verlustes und der ihm zugefügten Ungerechtigkeit ist. Was mich schließlich dazu brachte zu untersuchen, was unser Umgang mit ihm über uns selbst aussagt.

Und vielleicht braucht es auch die drohende Zerstörung unseres Planeten und allem, was darauf lebt, um uns zu der Erkenntnis zu bringen, unsere selbstzerstörerischen kulturellen Auffassungen über die Menschheit und deren kollektivem Überleben zu erkennen und zu verändern.

HIStory drückt jedoch durch seine vielen Anspielungen MJ’s Glauben an die Fähigkeit der Menschen aus, ihre zentralen Werte zu verändern, so wie es beim Terminator dadurch geschieht, dass Sarah Connor seinen Kopf öffnet (seinen Geist öffnet?), den Prozessor entfernt und so den Schalter umlegt und ihm ermöglicht, zu lernen und seine Vision und Mission auszudehnen!

Willa: Ich denke, ich bräuchte vielleicht auch so einen Schalter…

Eleanor: Genau, ich liebe dieses Bild. Wäre es nur so einfach, unseren Geist für ein verändertes Bewusstsein zu öffnen! Aber das Gute daran ist, dass unterschiedliche menschliche Gesellschaftsformen zu unterschiedlichen Zeiten und Orten sehr unterschiedliche kulturelle Auffassungen hatten, was zeigt, dass kulturelle Überzeugungen nicht fest programmiert sind. Wir können nur hoffen, dass unsere Kultur sich für das Überleben entscheiden wird, wie der U-Boot-Kapitän und der Terminator, und einige drastische Veränderungen unseres Wertesystems vornimmt, insbesondere hinsichtlich solcher Begriffe wie Macht und Hierarchie. Mit seiner Kunst hat Michael Jackson versucht, uns den Weg dahin zu zeigen.

Willa: Das ist eine wunderbare Interpretation davon, Eleanor. Ich denke, wir sollten wieder etwas zurückgehen und ausfindig machen, wo wir all diese Referenzen in HIStory finden, und wie sie eingesetzt werden.

Eleanor: Gute Idee. In unserem letzten Post sprachen wir darüber, dass HIStory ohne Bilder beginnt, nur mit einem schwarzen Bildschirm und den auf Esperanto gesprochenen Worten, welche HIStory und Michael Jacksons Geschichte mit Der große Diktator und seinem Star und Regisseur Charlie Chaplin sowie mit dem Thema Internationalismus verbindet. Und obwohl der erste Hinweis eher etwas ist, was wir hören, hat auch der leere Bildschirm eine Aufgabe – er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Worte. Und wenn man darüber nachdenkt fällt auf, dass auch Apocalypse Now mit einem leeren Bildschirm und dem Geräusch eines Hubschraubers beginnt, was symbolisch mehr für Krieg als für Frieden steht.

Willa: Das ist wirklich interessant, Eleanor. Das ähnelt sehr dem Anfang von HIStory, wobei das Intro von HIStory uneindeutiger ist. Wir hören einen Mann rufen, aber wissen nicht, warum, und wir verstehen nicht, was er sagt, es sei denn, wir sprechen Esperanto, was die meisten von uns nicht tun.

Eleanor: Ja, und er klingt auch nicht sehr friedlich.

Willa: Nein.

Eleanor: In dem restlichen Film sind sowohl die historischen als auch die filmischen Referenzen in den Bildern und den Geräuschen von HIStory zu finden – die Geräusche unterstützen, was wir sehen – eine non-verbale und manchmal indirekte Erzählung. Zum Beispiel ist das erste Bild, das wir in HIStory sehen, die Statue des Turul, dem Staatsvogel Ungarns, der den ungarischen Nationalismus repräsentiert. Und die Geräusche, die wir nach den auf Esperanto gesprochenen Worten hören, ist der militärische Klang von Soldatenstiefeln.

Willa: Dadurch entsteht ein irgendwie bedrohliches Gefühl – ähnlich wie bei dem Geräusch der Hubschrauber am Beginn von Apocalypse Now, das du gerade erwähnt hast?

Eleanor: Ja. In diesen Eröffnungsszenen platziert HIStory Michael Jacksons Geschichte in den Kontext der ungarischen Geschichte, die symbolisch für die Geschichte imperialer Eroberungen steht. Und da auf das Esperanto so unmittelbar das Geräusch von Soldatenstiefeln folgt, scheint es, dass Michael Jacksons Geschichte – und seine Weltsicht – durch gegensätzliche Bilder und Geräusche und der Gegenüberstellung von Krieg und Frieden erzählt werden soll.

Willa: Sehr interessant, Eleanor. Es stimmt, die Geräusche und die Bilder scheinen nicht zusammen zu passen. Wie Bjørn Bojesen für uns in einem Beitrag vom letzten Jahr übersetzt hat, spricht der Mann auf Esperanto von „globaler Mutterschaft und Liebe und der heilenden Kraft der Musik“, während die Bilder dazu militärisch und beängstigend sind. Wenn wir also die Bedeutung der Worte auf Esperanto kennen, ist es eine kraftvolle „Gegenüberstellung von Krieg und Frieden“, wie du es ausgedrückt hast.

Eleanor: Richtig. Als nächstes kommt die Szene, in der die Arbeiter eine anscheinend riesige Statue aufbauen, begleitet von lauten und bedrohlichen industriellen Geräuschen – dem Zischen von geschmolzenem Metall und dem metallischen Klopfen von Hämmern, was die Erinnerung an die Szene des Trailers von Terminator 2 in Erinnerung ruft, in der der Robotermensch neu gebaut und mit seiner neuen Mission programmiert wird.

Willa: Ja, und im Hintergrund spielt diese sehr monotone, industriell klingende Musik die man auch in den Konfrontationsszenen von Terminator 2 hört. In diesem Clip kann man es hören:

Besonders auffallend ist es etwa zwischen der 35. und 50. Sekunde in diesem Clip. Beim HIStory Teaser hören wir exakt die gleiche, ächzende, monotone, industriell klingende Musik zwischen der 15. und der 40. Sekunde.

Eleanor: Und wenn diese Bilder und Geräuschkulisse dann mit Bildern von Truppen in den Uniformen der roten Armee überblendet werden, wechselt der Soundtrack von HIStory zur Hymn to Red October, der Filmmusik aus Jagd auf Roter Oktober, was nicht nur den Film in Erinnerung ruft, sondern auch Themen, die im Zusammenhang mit der Sowjetunion und den Schrecken des Kalten Krieges steht.

Willa: Ja, und ich halte das für einen wichtigen Bezugspunkt. Hier ein Link zu Hymn to Red October mit den Lyrics auf Russisch und Englisch:

Diese Lyrics versetzen uns in den Kopf eines Soldaten oder Seemanns, der vielleicht monatelang von zuhause fort ist. Hier eine Übersetzung des russischen Textes, den wir in HIStory hören:

Kalt, hart, leer
Das Licht hat mich verlassen
Wie konnte ich wissen, dass du sterben würdest?
Lebe wohl, unser geliebtes Land
 so schwer, sich vorzustellen, es ist wirklich und kein Traum
Mutterland, Heimatland
Lebe wohl, unser Mutterland

Cold, hard, empty
Light that has left me
How could I know that you would die?
Farewell again, our dear land
So hard for us to imagine it is real and not a dream
Motherland, native home
Farewell, our Motherland

Die Eröffnungszeilen scheinen sich auf die Hintergrundgeschichte des U-Boot Kapitäns zu beziehen. Seine Frau verübte während seines letzten Einsatzes Selbstmord. (Wie konnte ich wissen, dass du sterben würdest?) obwohl er, wie er es ausdrückt, soviel Zeit auf See verbrachte dass „ich sie am Tag unserer Hochzeit schon zur Witwe machte“. Jetzt geht er erneut zur See was bei ihm sehr widersprüchliche Gefühle auslöst. Aber dann wechseln die Pronomen von „mich“ zu „uns“ und die folgenden Zeilen scheinen eher die Gefühle von Soldaten und Seeleuten allgemein wiederzugeben, wenn sie für Monate ihre Heimat verlassen (Lebe wohl, unser geliebtes Land / so schwer, sich vorzustellen, es ist wirklich und kein Traum).

Wie wir es schon im Post der letzten Woche besprochen haben, kritisiert Michael Jackson (wie auch schon Chaplin zuvor) Krieg und Imperialismus, verteufelt dabei aber nicht die Soldaten und Seeleute, die die Befehle von oben ausführen. Stattdessen scheint er sich mit ihnen und ihrer schwierigen Lebenssituation zu sympathisieren, was auch diese Textzeilen widerspiegeln.

Eleanor: Danke, dass du diesen Text gefunden hast, Willa. Und deiner Interpretation stimme ich völlig zu.

Willa: Diese Musik hört man in der ersten Hälfte des HIStory Teasers, etwa 40 Sekunden nach Filmbeginn, wobei die Musik aus Terminator 2 direkt in Hymn for Red October übergeht. Wie du schon erwähnt hast, Eleanor, ist das ein weiteres Beispiel wo Bild und Sound nicht wirklich zusammen passen – oder besser gesagt, wo der Sound die Bilder verkompliziert. Oberflächlich betrachtet sehen wir Soldaten, die triumphierend in Richtung des Heldenplatzes marschieren, aber dieser russische Text gibt uns einen traurigeren, menschlicheren und differenzierteren Einblick in die möglichen Gefühle dieser Soldaten. Diese Musik wurde übrigens von Basil Poledouris komponiert, der auch für den Soundtrack des ersten Teils des Films Free Willy verantwortlich ist. Und natürlich war auch Michael Jackson an beiden beteiligt – er schrieb und sang Will You Be There, der zum Titelsong des ersten Films wurde, und Childhood, der im zweiten Teil verwendet wurde. Diese Filme kamen 1993 und 1995 heraus, also etwa um die Zeit, in der HIStory entstand. Es scheinen also Mitte der neunziger Jahre viele Verbindungen zwischen Michael Jackson und Basil Poledouris zu bestehen.

Eleanor: Das wusste ich nicht. Das ist sehr interessant.

Willa: Ja, nicht wahr? Zurück zu dem, was du über Terminator 2 gesagt hast. Ich habe nach Trailern davon gesucht, und bemerkt, dass es viele verschiedene davon gibt. Die Director’s Cut DVD beinhaltet sogar acht verschiedene Trailer – ein sehr gut publizierter Film. Dieser hier scheint jedoch der Wichtigste zu sein, und er ist auch am nächsten an HIStory. Hattest du über diesen gesprochen, Eleanor?

Eleanor: Ja, das ist er. Etwa ab 1:03 beginnt die Szene, in der der Terminator neu gebaut wird. Der Terminator wird von Arnold Schwarzenegger gespielt, dessen erste Textzeile „Ich werde zurückkommen“ („I’ll be back“) am Beginn des original Terminator-Films zu seinem Kennzeichen wurde. In diesem Film wird er mit allem, was man sich nur vorstellen kann attackiert, aber wie man im Trailer zu Terminator 2 sehen kann, überlebt er, um erneut zu kämpfen. Er ist zurück!

Wenn das keinen Hinweis auf die Denkweise Michael Jacksons gibt, während er an HIStory arbeitete, dann weiß ich es auch nicht! Sowohl der Teaser als auch der Film selbst, der 1991, kurz bevor die Angriffe auf Michael Jackson eskalierten, heraus kam, dienen dazu, MJ’s Geschichte zu erzählen. Ich sehe es so, dass ein sehr aufgebrachter und empörter Michael Jackson durch das Zitieren von Terminator 2 das Statement abgab, dass er sich von niemanden unterkriegen lassen würde. Er kam im großen Stil zurück.

Willa: Oh, das ist witzig, Eleanor! Er sagt also wie der Terminator, „Ich werde zurückkommen“?

Eleanor: Genau. Und in Terminator 2 gehen auch noch einige andere Dinge mit Beziehung zu Michael Jackson und seiner Geschichte vor sich. Zum Beispiel sagt der Erzähler: „Einst wurde er programmiert, um die Zukunft zu zerstören, jetzt ist seine Mission, sie zu beschützen; seine Loyalität gilt einem Kind …“ Und dann sagt „der Arnold“: „Vertraue mir“, eine weitere Textzeile, die durch ihn berühmt wurde. Es ist kein Wunder, dass MJ sich an diesem Punkt seines Lebens auf diesen Teaser bezieht – und mittels des Teasers den Film zitiert, der davon handelt, ein Kind und die Zukunft zu schützen. Er hätte keine direktere, Reaktion, durch die er es ihnen mit gleicher Münze heimzahlt, auf die Vorwürfe zum Kindesmissbrauch geben können. Und in Folge der Anschuldigungen wurde mangelndes Vertrauen zu einem großen Problem für ihn.

Willa: Wow, stimmt, wenn man es so sieht – dass der Terminator als Bedrohung gesehen wird, während er in Wirklichkeit „die Zukunft und ein Kind beschützt“ – macht es sehr viel Sinn, dass Michael Jackson diesen Film zitiert hat. Und die Zeile „Vertraue mir“ bringt uns auch zu der zuvor erwähnten Interpretation zurück. Können wir wirklich jemanden vertrauen, (einem Robotermensch, einem sowjetischen U-Boot Kapitän, einem Pop-Star, der ein Gestaltwandler ist) der für die Welt so bedrohlich zu sein scheint?

Eleanor: Und durch das Schaffen dieser Zusammenhänge verkündet MJ lautstark „Ja, ihr könnt mir vertrauen. Ihr könnt meiner Musik vertrauen. Erinnert euch, ‘Ich singe es nicht, wenn ich es nicht so meine’. (“I don’t sing it if I don’t mean it”)“ Ein Großteil der Kraft seiner Musik liegt in der unverstellten Wahrhaftigkeit seiner Emotionen, seiner außergewöhnlichen Fähigkeit Wahrheiten aus seinem tiefsten Innern musikalisch auszudrücken und uns dementsprechend tief im Innern zu berühren. Wahrheiten, die für manche befreiend sind und für andere bedrohlich. Was der Grund dafür ist, dass der „Mainstream“ ihn „mit allem, was man sich nur vorstellen kann“ attackiert hat – um ihn zu diskreditieren und ihm seine Macht zu entziehen.

Willa: Es ist auch interessant, dass sie in dem Trailer das Metallgerüst eines Roboters zusammen schweißen, aus dem später der Terminator entsteht. Es erinnert sehr an die Szenen in HIStory, in der geschmolzenes Metall gegossen und der riesige Esperanto-Stern zusammengeschweißt wird.

Eleanor: Ja, der Hinweis auf die Szene, in der der Terminator gebaut wird, passt perfekt. Der Terminator kehrt zurück, um die Menschheit zu retten (tatsächlich vor sich selbst, da die Menschen Skynet erschaffen haben und deren Roboter-Anhängerschaft dabei ist, sie zu zerstören). Und Michaels künstlerische Rückkehr mit dem HIStory Album, was wohl bis heute sein politischstes Album ist, bekräftigt und betont erneut seine Hingabe, eine ernsthaft aus dem Gleichgewicht geratene Welt zu heilen, und uns somit vor uns selbst zu retten. Ich finde auch interessant, wie Michael durch diese Anspielung mit einem Roboter assoziiert wird, erinnert man sich doch an seine berühmten Roboter-Tanzbewegungen.

Wusstest du, dass das Wort „Roboter“ von einem tschechischen Schriftsteller geprägt wurde? Es stammt von dem tschechischen Wort „robotnik“ ab, was von dem Wort für „Zwangsarbeit“ und einer alten slawischen Bezeichnung für „Sklave“ abgeleitet wurde, und im österreichisch-ungarischen Kaiserreich bezeichnete man damit die Bauernschaft, die im späten 19. Jahrhundert gegen die reichen Landbesitzer revoltierte. (Wie wir wissen, wurde HIStory in Ungarn gefilmt).

Willa: Nein, davon wusste ich nichts.

Eleanor: Ich auch nicht. Da steckt sehr viel Geschichte in einem einzigen Wort! Und durch das, was ich bei meiner HIStory-Recherche herausgefunden habe, bin ich sicher, dass MJ von all dem wusste. Und indem man MJ – oder seine Statue – mit einem Roboter verbindet, verbindet HIStory auch die Versklavung von Afroamerikanern mit der Zwangsarbeit der Bauernschaft im österreichisch-ungarischen Kaiserreich und gleichzeitig streift HIStory auch die Thematik von Befreiung und Veränderung aus einer roboterhaften Existenz. HIStorys Referenz an Terminator 2 sagt uns, dass Michael Jackson zurück ist. Und genau wie der Terminator uns nach unserem Vertrauen fragt, fragt HIStory uns danach, MJ‘s Darlegung der Ereignisse zu vertrauen, anstatt „IHRERstory“ seines Lebens. Aber diese Referenz sagt uns auch etwas über uns selbst – trotz der Tatsache, dass die Menschheit in einer selbstzerstörerischen Kriegsspirale gefangen zu sein scheint, sind wir zu Veränderungen fähig, und ein grundliegender Wandel ist möglich. So wie es Sarah Connor am Ende von Terminator 2 sagt: „Wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des menschlichen Lebens erlernen kann, dann können wir es vielleicht auch.“

Willa: Das ist ein wirklich wichtiger Punkt. Und es erinnert mich an eine weitere Verbindung zwischen Terminator 2, Jagd auf Roter Oktober, und HIStory … und eigentlich auch Der große Diktator: Sie alle konzentrieren sich auf einen neuartigen Helden. Der Held in Terminator 2 ist nicht John Connor oder Sarah Connor, auch wenn sie beide mutig sind. Es ist der Terminator, ein Attentäter in Form eines Robotermenschen, der programmiert wurde, um menschliches Leben zu bewahren. Wir sprechen von einem ungewöhnlichen Helden!

Und eigentlich ist Jagd auf Roter Oktober sogar noch ungewöhnlicher. Dort gibt es gleich zwei Helden: ein sowjetischer U-Boot Kapitän und einen amerikanischen Marineanalytiker der CIA. Der Kapitän will überlaufen und die neue Technologie mit dem Westen teilen, und als die sowjetische Führung dieses bemerkt, ordnen sie ihre Marine an, das U-Boot zu versenken, anstatt es in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Sie teilen ihren amerikanischen Kollegen außerdem mit, dass er skrupellos und gefährlich ist, und bitten das US Militär darum, sein Schiff anzugreifen – und die meisten Amerikaner tun das nur zu gerne …

Eleanor: „Skrupellos und gefährlich“, wie „bewaffnet und gefährlich“! Das erinnert mich sehr an die Szene in Terminator 2, in der Sarah, John und der Terminator die Computergesellschaft sprengen um Skynet kurzzuschließen, und dadurch einen nuklearen Holocaust vereiteln. Die Polizei war darüber informiert, dass sie „bewaffnet und gefährlich“ seien. Aber wenn hier jemand gefährlich war, dann war es die bis zu den Zähnen bewaffnete Polizei, die gekommen war um den Terminator zu zerstören.

Und wenn im Handlungsablauf von Jagd auf Roter Oktober „die Guten“ (das US-Militär oder die Polizei) „die Bösen“ umbringen (den russischen U-Boot Kapitän oder den Terminator), fällt für uns der Vorhang. Also sagt Michael damit, ‘Ihr wisst, dass sie mit dem Finger auf mich zeigen und sagen ich sei eine Bedrohung, dabei versuche ich nur, die Welt zu heilen und eine Katastrophe zu vermeiden, die dann eintreten wird, wenn wir unser Verhalten nicht ändern’.

Willa: Das stimmt – die Filme stellen wirklich die konventionelle Vorstellung von „den Guten“ und „den Bösen“ in Frage, nicht wahr? Und der traditionelle „Böse“ stellt sich in beiden Fällen als der Held heraus. In Jagd auf Roter Oktober ist der Filmausgang sogar noch unkonventioneller, es wird Empathie erzeugt, die Fähigkeit, sich in die Rolle einer anderen Person zu versetzen – auch wenn sie eine völlig andere Vorgeschichte hat – und eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sie die Welt sehen mag. Action- und Abenteuerfilme legen im Allgemeinen nicht viel Wert auf Empathie, aber bei Roter Oktober steht dies im Mittelpunkt. Der CIA-Analytiker hat den U-Boot Kapitän genau studiert und ihn sogar einmal getroffen, und er scheint ihn und was für ihn von Bedeutung ist, zu verstehen. Noch wichtiger dabei ist, dass der Analytiker ein zu Empathie fähiger Mensch und in der Lage ist, sich in die Rolle des Kapitäns zu versetzen und dessen Motive und Vorhaben zu erahnen. Denn dank dieser außergewöhnlichen Empathiefähigkeit interpretiert er die Handlungen des U-Boot-Kapitäns völlig anders als alle anderen: nicht als Attacken sondern als Hilfe.

Eleanor: Genau wie Sarah und John den Terminator verstanden – und die Fans von Michael Jackson MJ verstehen.

Willa: Das stimmt, Eleanor. Besonders Michael Jacksons Fans sehen ihn ganz anders als die meisten Menschen, denn wir fühlen mit ihm mit und versuchen die Dinge aus seiner Perspektive zu sehen. Das ist ein wichtiger Punkt. In Roter Oktober fordern diese beiden Männer, die aus sehr unterschiedlichen Kulturen stammen, sowohl gängige Meinungen als auch ihre eigene Führung heraus. Sie geben sich einen großen Vertrauensvorschuss, treffen sich zu einer Verständigung an einem neutralen Ort im Atlantik. Was sie also zu Helden macht, sind nicht mutige Kampfeinsätze. Es ist viel mehr die Fähigkeit zur Empathie und das gegenseitige Verständnis, den Mut zu haben, jemanden mit völlig anderem Hintergrund zu vertrauen, und die Klugheit zu besitzen, Krieg zu vermeiden – was genau dem entspricht, was Charlie Chaplin in seiner aussagekräftigen Schlussrede im Film Der große Diktator verfechtet. Und natürlich ist auch das ein weiterer Film mit einem unkonventionellen Helden: ein schüchterner, sensibler Friseur, der gegen seinen Willen auf die Weltbühne gestossen wurde, dem es dann aber gelingt, diese Position zu nutzen, um Faschismus zu verurteilen und Krieg zu vermeiden.

Bedenkt man all das, kann Empathie also auch beeinflussen, wie wir HIStory interpretieren. Oberflächlich betrachtet, scheint es beängstigend und bedrohlich zu sein, das Werk eines Größenwahnsinnigen – „die kühnste, prahlerischste Selbst-Vergötterung, die je ein Pop-Sänger unternahm, ohne eine Miene zu verziehen,“ wie Diane Sawyer einen Kritiker zitierte. Aber wenn wir uns mit Empathie für Michael Jackson daran begeben, wenn wir daran denken, was ihm 1993, in dem Jahr bevor er HIStory machte, passierte, und mit Empathie für alles, was er während seiner Karriere zu erreichen versuchte und dann noch genau und sorgfältig auf das achten, was wirklich in HIStory geschieht – auf die Bedeutung der Worte auf Esperanto zu Beginn und den anschließenden russischen Text, auf die vielen Anspielungen auf Der große Diktator und andere Filme, auch auf Triumph des Willens – beginnen wir, die Dinge ganz anders zu interpretieren, so wie es auch der CIA Analytiker in Roter Oktober tut. Michael Jackson ist keineswegs Verfechter von Faschismus oder „Selbstvergötterung“, wie Diane Sawyer meinte. Stattdessen versucht er unsere Überzeugungen und Wahrnehmungen zu ändern und einen umfassenden kulturellen Wandel herbeizuführen.

Eleanor: Genau. Und bei allem, was ich über Michael Jackson gelernt habe und was ihn getrieben hat, glaube ich, dass er überzeugt davon war, wir Menschen wären zu den notwendigen Änderungen fähig, um uns selbst zu retten – dass wir eben nicht hoffnungslos in unseren kulturellen Mustern, die uns zum Kriegführen und zur Plünderung der Erde treiben, gefangen sind.

Wie John Connor, genau bevor er, seine Mutter und der Terminator die Zukunft durch Zerstören der Computertechnologie verändern, die, wenn sie weiter existieren würde, den Holocaust verursachen würde, in Terminator 2 sagt: „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Es gibt kein Schicksal außer dem, was wir selbst daraus machen.“ Was natürlich die Botschaft von Michael Jacksons Lyrics in dem Song HIStory ist:

Jeden Tag erschaffst du deine eigene Geschichte
Auf jedem Weg, den du gehst, hinterlässt du dein Erbe …
Alle Nationen singen
Lasst uns alle auf der Welt in Harmonie leben

Every day create your history
Every path you take you’re leaving your legacy …
All nations sing
Let’s harmonize all around the world


Song für Song kehrte Michael Jackson zu dem Thema der Veränderung, die zu weltweiter Harmonie führen würde, zurück. Er glaubte, dass Menschen die Kraft haben, selbst zu verändern – dass wir unsere eigene Geschichte erschaffen, sich zu weigern, dass die Vergangenheit unsere Zukunft bestimmt.

Willa: Das ist wahr – dieser Gedanke zieht sich durch sein ganzes Leben und durch sein Werk. In Much Too Soon, das, glaube ich, in den frühen 80ern geschrieben wurde, singt er diese Zeilen, die ich einfach liebe:

Ich hoffe, ich kann nun eine Änderung zum Besseren bewirken
Niemals das Schicksal meine Seele kontrollieren lassen

I hope to make a change now for the better
Never letting fate control my soul

Und im Earth Song als Segment von This Is It, aufgenommen nur einen oder zwei Tage, bevor er starb, sagt er dies:

Die Zeit ist gekommen. Dies ist es. Die Leute sagen immer: „Sie kümmern sich drum. Die Regierung wird es tun … Keine Sorge, sie werden …“ Sie wer? Es beginnt bei uns. Wir sind dran oder sonst wird es nie getan werden.

Während seiner gesamten Karriere bis zum allerletzten Tag seines Lebens hat er uns dazu aufgefordert, Kontrolle über unser eigenes Schicksal auszuüben, unsere eigene Geschichte zu erschaffen, „die Welt zu heilen“ (to „Heal the World“).

Eleanor: Und er sah Musik als etwas, das diese Änderung herbeiführen konnte – dass sie aufgrund ihrer Kraft unsere Gefühle berühren kann. Um dir die Wahrheit zu sagen, Willa, ohne Michael Jackson und seinen starken Glauben an die Kraft der Musik, und besonders seiner Musik, die menschliche Natur (oder was wir dafür halten) zu beeinflussen und neue Wege einzuschlagen, glaube ich, hätte ich schon längst jede Hoffnung verloren.

Ich glaube, dass Michael Jackson selbst eine neue Version von Menschlichkeit repräsentiert, ein neues Modell des vollkommenen Menschen, einen neuartigen Held, der uns dazu inspiriert Frieden statt Krieg zu leben. Indem die Statue mit dem neu programmierten Robotermensch vereinigt wurde, sagt HIStory, dass es bei Michael Jackson rund um die Revolution geht, aber um eine innere Revolution, im Denken und im Fühlen – aber um besonderes Fühlen – nicht um eine militärische Aktion. Und er glaubte fest daran, dass die Kraft der Kunst unsere Herzen berührt und das Mitgefühl als ein Mittel zur Veränderung erzeugt, über das du gesprochen hast.

Willa: Ja, immer wieder ermutigte er uns durch seine Kunst dazu, „eure eigene Geschichte zu erschaffen“, wie du sagst, und er dachte außerdem, dass es wichtig ist, dass wir unsere Geschichte kennen. Es gibt viele geschichtliche Bezüge sowohl im HIStory Album, als auch in HIStory, dem Song, wie Lisha, Joie und ich bereits im vergangenen Frühjahr besprochen haben. Und da sind auch bedeutende geschichtliche Referenzen in dem HIStory Promotionfilm, besonders aufgrund des Schauplatzes. Ich weiß, dass du eine Recherche darüber durchgeführt hast, Eleanor. Würdest du berichten, was du herausgefunden hast?

Eleanor: Ja, Willa. Nicht zuletzt belegt HIStory, dass MJ ein weitaus besseres Verständnis für Geschichte besaß als die meisten von uns (und ich kann es nicht oft genug wiederholen, allein HIStory zu untersuchen, war eine Lektion in Geschichte für mich), und dass er ein großer Verfechter des Gedankens war, dass jene, die nicht aus der Geschichte lernen dazu verdammt sind, sie zu wiederholen.

Mit der Wahl des Schauplatzes in Budapest, Ungarn im Jahr 1994, das auf Ungarns lange Zeitspanne folgte, in der es von den Sowjets dominiert wurde, und indem er mit der Sowjetunion verbundene Bildsprache einsetzte, verbindet Michael Jackson seine jüngste persönliche Geschichte, die Geschichte der Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten und die Geschichte unterdrückter Menschen im Allgemeinen mit der Geschichte der Ungarn, die unter der sowjetischen Herrschaft „gequält, geprüft und in Konzentrationslager oder als Sklavenarbeiter in Kolchosen interniert wurden, wobei viele starben“.

Und um sicherzugehen, dass wir die Verbindung erkennen, tragen die marschierenden Soldaten in HIStory die Uniform der Sowjetunion und ihr Ziel ist Budapests Heldenplatz, welcher sich rund um Ungarns Millennium Monument, errichtet 1896, als Ungarn noch ein Teil des österreichisch-ungarischen Reiches war, erstreckt und das zum Gedenken an den tausendsten Jahrestag der Gründung des ungarischen Staates im Jahr 896 errichtet wurde.

Erwähnenswert ist, dass, obwohl das Millennium Monument den zentralen Punkt auf dem Heldenplatz besetzt, der Platz architektonisch durch das Museum der Bildenden Künste und den Palast der Künste flankiert wird und die Themen Kunst und Heldentum – Eine heldenhafte Kunst? Der Künstler als Held? – den Erinnerungen des Reiches gegenüberstellt.

Willa: Oh, wie mir das gefällt, Eleanor! Der Gedanke des „Künstlers als Held“, einer anderen Art von Held. Und wir erkennen diesen Gedanken auf visuelle Art umgesetzt durch das Errichten der Statue von Michael Jackson selbst in HIStory.

Der Heldenplatz ist ein Ort angefüllt mit Statuen zum Gedenken an militärische und politische Helden, und in HIStory werden wir Zeugen des Hinzufügens einer neuen Statue – einer, die all die anderen überragt. Aber es ist eine Statue von einem neuartigen Held. Er ist kein militärischer oder politischer Führer, niemand der Armeen anführt, um geografische Grenzen auf der Landkarte zu ändern. Er ist vielmehr ein einflussreicher Künstler, der unsere Art zu denken verändert und uns auffordert mit Menschen der ganzen Welt aus sehr verschiedenen Kulturen und Völkergruppen mitzufühlen. Diese Statue repräsentiert also wahrlich „den Künstler als Held“, wie du sagst.

Eleanor: Die über die Bilder der in Sowjetuniformen gekleideten Soldaten gelegte Hymn to Red October (Titelmusik zum Film Jagd auf Roter Oktober) erinnert mich an zwei Oktoberrevolutionen, die mit „den Roten“ verbunden sind: Oktober 1917 bolschewistische Revolution, durch die der Zar im russischen Reich gestürzt wurde und die Sowjets an die Macht brachte sowie die gescheiterte ungarische Revolution 1956 gegen die Sowjets, die Ungarn seit dem Ersten Weltkrieg unter ihrer Kontrolle hatten – eine Revolution, die „Jahrzehnte später eine Rolle beim Zerfall der Sowjetunion“ spielte. Dadurch, dass er auf diese Art auf die Historie hinweist, betont er, dass im Allgemeinen eine Revolution auf die nächste folgt und so weiter. Dieses Muster hört nie auf.

Willa: Das ist eine interessante Interpretation, Eleanor. Und auf die Oktoberrevolution in Russland wird in den Lyrics zu Hymn to Red October Bezug genommen:

Segle furchtlos weiter
Stolz der nördlichen Meere
Hoffnung der Revolution
Du bist der Durchbruch des Glaubens für die Menschen
Im Oktober, im Oktober
Wir berichten unseren Sieg an dich, unsere Revolution
Im Oktober, im Oktober
Und dem Erbe, das bei dir für uns hinterlassen wurde

Sail on fearlessly
Pride of the northern seas
Hope of the Revolution
You are the burst of faith of the people
In October, in October
We report our victories to you, our Revolution
In October, in October
And to the heritage left by you for us

Eleanor: Während er eine neue Art einer Armee (uns, seine Fans?) anführt, deren Gewehre (Waffen/engl. „arms“) weiß „bandagiert“ sind (wie sein Arm bandagiert ist?) und sie auf Budapests Heldenplatz, der mit Fahnen verziert ist, einmarschiert und seine „nicht-eiserne“ Faust öffnet, um Küsse zu verteilen, repräsentiert Michael Jackson einen Helden aus einem ganz neuen Zeitalter, dessen Ziel es ist, den Zyklus von Eroberung – Revolution – Eroberung zu beenden – und ein neues Bild einer neuen Menschlichkeit anzubieten, die fähig ist zum Wohlergehen aller zusammenzuarbeiten.

Ich wünschte, ich würde Russland kennen, aber so ist es nicht, also weiß ich nicht, was die Fahnen oder die Abzeichen der Uniformen bedeuten.

Willa: Eigentlich habe ich versucht die Botschaft auf den Fahnen mit Google Translate und Babelfish zu übersetzen, aber ich hatte nicht viel Glück – es scheint kein erkennbares Wort zu sein. Dann befragte ich Bjørn, unseren in Europa ansässigen Sprachexperten, darüber und zu den Armbinden der Soldaten, und seine Antwort war faszinierend:

Ich glaube nicht, dass die Armbinden der Soldaten kyrillische (russische) Buchstaben zeigen. Sie sehen eher aus wie Runen. Sie waren wahrscheinlich von den SS-Abzeichen der Nazis inspiriert. Ich habe mich ein wenig umgesehen und ich kann die Zeichen in keinem Runenalphabet finden. Ich vermute, sie wurden für den Film erfunden. Die drei sichtbaren Armbinden sehen aus wie Variationen dieses Modells:

Teaser Runen

Eventuell können sie gelesen werden, vielleicht aber auch nicht.

Während es also Vermutungen gibt, dass es sich bei den Soldaten um Russen handelt, wie du sagst, oder eventuell um Deutsche oder sogar Amerikaner, so sind sie doch nicht eindeutig bezeichnet.

Vielleicht sollen wir sie also eher allgemein deuten als eindeutig als Russen? Die „erfundenen“ Armbinden scheinen dies anzudeuten. Und Arcadio Coslov schrieb letzte Woche folgenden Kommentar:

Militärparaden gibt es in Russland, Frankreich, Deutschland, China und den USA. Sie sind üblicherweise Teil der militärischen Kultur. Der Flitter, der beispielsweise auf die Parade herunterregnet ist typisch US-amerikanisch.

Gemäß Arcadio und Bjørn gibt es gemischte Anzeichen für die Nationalität dieser Soldaten. Michael Jackson scheint Uniformen im russischen Stil mit einer Armbinde im Stil der Nazis und einer Militärparade im amerikanischen Stil zu kombinieren, um es nun noch komplizierter zu machen, wie wir diese Armee „lesen“ sollen.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn ergibt dies für mich – dass die Nationalität der Soldaten absichtlich mehrdeutig gelassen wurde, mit einer „erfundenen“ Sprache auf ihren Armbinden, eher als mit Worten oder Symbolen, die sie eindeutig mit einem bestimmten Land verbinden würden.

Eleanor: Nun, die Soldaten wurden tatsächlich aus England angeheuert, weil keiner der Ungarn eine sowjetische Armeeuniform anziehen wollte – eine interessante Tatsache aus einem Artikel voller interessanter Fakten.

Willa: Wow, das ist interessant! Sie haben wirklich alle Mühen auf sich genommen um sicherzustellen, dass die Soldaten sowjetische Uniformen tragen würden, nicht wahr? Und die Übersetzung des Artikels sagt:

Michael … hat 5 Millionen US Dollar aus seinem eigenen Vermögen investiert, damit die Fertigstellung dieses Films spektakulär würde. Einige Hundert junger Ungarn hatten das Vergnügen als Komparsen in diesem Video eingesetzt zu werden, aber sie alle wollten Angehörige des Friedens darstellen.

Die ungarischen Komparsen weigerten sich Uniformen von Soldaten der Roten Armee anzuziehen, damit ein ähnlicher Ablauf des Triumphmarsches nachgestellt werden konnte, und in dem sie Hitlers Truppen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ähneln. Deswegen mussten die Dienste einer britischen Personalvermittlung in Anspruch genommen werden, damit echte Soldaten eingesetzt werden konnten. Sie trafen mit 100 Marinesoldaten und einigen Fallschirmjägern ein. Diese Soldaten erhielten ein Honorar in Höhe von 135 US Dollar pro Tag zuzüglich des Aufenthaltes in einem Vier-Sterne-Hotel und natürlich einer kostenfreien Anreise. Der Einsatz dieser Soldaten kostete insgesamt 150.000 US Dollar.

Michael Jackson muss es für so bedeutsam befunden haben, dass die Soldaten sowjetische Uniformen tragen, dass er diese Umstände und Kosten auf sich nahm. Wahrscheinlich sollen wir sie also als sowjetische Soldaten sehen. Das ist sehr interessant, Eleanor.

Dann, auf diese Szenen folgende, in denen Michael Jackson mit den Soldaten marschiert, haben wir einen seltsamen Zwischenteil. Ich weiß nicht so recht, wie es nennen soll – wenn dies ein Song wäre, würde ich es eine Bridge nennen. Die Stimmung ist ganz plötzlich völlig anders, sehr chaotisch und angstvoll. Plötzlich ist es Nacht und es brennt ein Auto, Helikopter schießen unvermittelt vom Himmel herab, es gibt Explosionen, Menschen schreien und rennen entweder weg oder ducken sich in Angst … mit anderen Worten, es ist eine Szene voller Chaos und Aufruhr, die so vollkommen anders ist verglichen mit der extremen Ordnung und Präzision der Szenen davor.

Eleanor: Ja. Und hier zitiert HIStory den Helikopter-Angriff aus Apocalypse Now, bei dem die Helikopter schwarz gegen die rote Sonne auftauchen – eine Szene, die sehr eng an diesen Film angelehnt ist.

Willa: Da stimme ich dir zu. Ich habe die Verbindung gar nicht gesehen, bis du sie erwähnt hast, aber nun, da du darauf hingewiesen hast, erscheint es wie ein direktes visuelles Zitat, nicht wahr? Hier sind Screen Shots von der Helikopter-Szene in Apocalypse Now und in HIStory und sie sind sich bemerkenswert ähnlich.

Teaser III helicopters

Eleanor: Apocalypse Now ist ein Film über den Schrecken und den Irrsinn von Krieg im Allgemeinen, und ganz speziell des Vietnam-Kriegs, in dem Amerika „seine Unschuld verlor“, in dem Amerikaner in den Sechs-Uhr-Nachrichten erfuhren, dass auch sie zu Gräueltaten fähig sind und wo Abertausende junger Männer, die ihrer patriotischen Pflicht nachkamen, in einer gigantischen Kriegsmaschinerie gefangen waren, die sie zerkaute und wieder ausspuckte, körperlich, mental und moralisch zerbrochen, wenn sie nicht sogar ihr Leben verloren.

Die Menschen, die beim Erblicken der Helikopter panisch davonrennen, sind wie die verängstigten vietnamesischen Schulkinder und Fischer, die sich in Apocalypse Now vor dem Helikopterangriff verstecken – genau bevor die Geschosse treffen und ihre Welt explodiert. Die unschuldigen Opfer des Krieges. Wieder sind die guten Jungs die bösen Jungs und umgekehrt.

Und wenn man bedenkt, dass in HIStory auch Riefenstahl und die Nazis zitiert werden, dann ist es interessant, dass die Helikopter in Apocalypse Now mit Lautsprechern ausgestattet sind, die Wagners Ritt der Walküre schmettern, während sie einfliegen um zu töten. Egal auf welcher Seite wir stehen, wir sind alle Opfer irrsinniger nationalistischer politischer Systeme, die immer wieder in Krieg münden.

Willa: Das sind so interessante Verbindungen, Eleanor, mit wichtigen Folgerungen für die Interpretation von HIStory, denke ich. Für viele Amerikaner ist der Vietnamkrieg eine beschämende Episode, die zum Symbol für militärischen Exzess ohne klaren Auftrag geworden ist. Junge US-Soldaten – viele von ihnen in ihren späten Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern – wurden in ein fremdes Land geworfen, in dem es nicht immer eindeutig war, wer Zivilist und wer ein Kämpfender war und dann unter verwirrenden und feindseligen Umständen ohne klare Führung freigelassen. Es war verheerend für die Vietnamesen und für die jungen Amerikaner, die dorthin gesandt wurden.

Auch wenn wir nicht den Bezug zu Apocalypse Now erfassen – und ich tat es nicht – ist es doch klar, dass diese Szene in HIStory panische Zivilisten in Angst vor dem Militär darstellt. Dies ist solch eine widersprüchliche Botschaft zu der bewundernden Menschenmenge, die im ersten Abschnitt das Militär willkommen heißt, das von Michael Jackson angeführt wird. Wieder einmal also stellt er sich widersprechende Bildaussagen einander gegenüber, um die Bedeutung komplexer zu machen.

Weißt du, so erschreckend und verstörend dieser seltsame kleine Zwischentrakt ist, glaube ich doch, dass er einer der bedeutendsten Szenen in HIStory darstellt und einer sehr wichtigen Funktion dient. Er unterminiert und verkompliziert auf eindrucksvolle Weise die Riefenstahl-typische Bildsprache, die vorher gezeigt wurde – Bilder, die das Militärische idealisieren – und zwingt uns dazu uns dieselbe Armee vorzustellen, wie sie gegen uns gerichtet ist. Faktisch zeigt es uns, dass die furchterregende Kraft eines starken Militärs eine Bedrohung, ebenso wie Schutz bedeuten kann.

Eleanor: Ja, ich sehe die Bedeutung dieser Szene genauso wie du. Und vielleicht erklärt diese Szene, warum MJ so auf sowjetischen Uniformen bestand. Wenn man ihre jüngsten Erfahrungen mit der Sowjetunion in Betracht zieht, würde es Sinn ergeben das ungarische Volk als „argwöhnisch“ zu beschreiben – so skeptisch und bereit zur Panik beim ersten Anzeichen dessen, was wie ein Angriff einer Armee erscheint, die die Uniformen eines Landes trägt, das erst kürzlich ihr Unterdrücker gewesen ist. Haben sie sich wirklich geändert? Sind dies wirklich gute Jungs? Können wir ihnen vertrauen?

Willa: Das ist eine gute Feststellung, Eleanor. Und Budapest ist der perfekte Ort, um zu zeigen, wie bedrohlich mächtige Armeen sein können. Ich habe, ich glaube es war im Sommer 1991, eine Freundin in Budapest besucht und wir standen tatsächlich auf dem Heldenplatz, als sie mir einiges aus der Geschichte ihres Landes erzählte. Und ich war deswegen schockiert – sie waren mal durch die eine Gruppe, mal durch eine andere für hunderte von Jahren besetzt, zuletzt durch die Sowjetunion.

Und während ich sicher bin, dass sich die Dinge seit 1991 sehr verändert haben, so waren die physischen Hinweise des Zweiten Weltkriegs doch sehr sichtbar, als ich dort war – beispielsweise durch Löcher von Granaten an Gebäuden. Das gab es nicht in irgendeinem anderen europäischen Land, das ich in jenem Sommer besucht habe, aber in Ungarn waren die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg noch deutlich spürbar. Es scheint deshalb angemessen, dass, da HIStory sich durch so reichhaltige Bildsprache auf den Zweiten Weltkrieg – besonders Triumph des Willens – bezieht, es an einem Ort gefilmt wurde, an dem die Auswirkungen dieses Krieges noch so gegenwärtig sind.

Bedeutsam ist, dass diese Eintrittslöcher von Granaten von Alliierten stammten – vor allem Sowjets – da Ungarn Teil der Axis war (die die Amerikaner als die Bösen sahen im Zweiten Weltkrieg) und die UdSSR schloss sich den Alliierten an (die die Amerikaner als die Guten ansahen). Wenn also Amerikaner eine Szene aus der Ära des Zweiten Weltkriegs sehen, in der sowjetische Soldaten in Ungarn einmarschieren, wie in HIStory, dann sollten wir uns mit den Sowjets identifizieren – schließlich waren wir im Zweiten Weltkrieg auf derselben Seite.

Aber besonders in der Helikopter-Szene scheint es so, dass wir als Zuschauer eher dazu tendieren, mit den ungarischen Zivilisten (Axis) unter der Bedrohung der sowjetischen (alliierten) Truppen mitzufühlen. Stichwort: Vermischung der guten Jungs mit den bösen Jungs! Die Sowjets besetzten Ungarn dann für Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, wie du bereits erwähnt hast, Eleanor, und setzten dabei brutale Maßnahmen ein, um Widerspruch und Rebellion zu unterdrücken – was irgendwelche vereinfachenden Annahmen über gute Jungs und böse Jungs weiter verkompliziert.

Das ist einer der Gründe, warum es so interessant und bedeutend ist, dass Michael Jackson, ein Amerikaner, HIStory in Ungarn filmte und dabei die Bildsprache aus dem Zweiten Weltkrieg benutzte. Die Ungarn waren unsere Feinde in diesem Krieg, und die Sowjets waren unsere Verbündeten, aber dieses Gefühl hat man nicht, wenn man diesen Film ansieht. Er verkehrt also unsere Wahrnehmung und unsere Emotionen ins Gegenteil.

Eleanor: Hmmm … Willa, das ist interessant, denn ich betrachte MJ nicht so sehr als einen Amerikaner, sondern als Weltbürger, und ich sehe den Schauplatz von HIStory nicht im Zweiten Weltkrieg, sondern im Jahr 1994. Und 1994 wurde die seit kurzem nicht mehr bestehende UdSSR sowohl von Ungarn, als auch von Amerika als Feind gesehen. Was es doppelt verwirrend macht – und kompliziert – dass MJ solch eine Armee in Budapest anführt.

Siehst du es wirklich im Zweiten Weltkrieg angesiedelt?

Willa: Das ist eine gute Frage, Eleanor. Die kurze Antwort ist Nein, aber die Bildsprache á la Riefenstahl und andere geschichtliche Anspielungen machen es sehr viel komplizierter.

Vermutlich sehe ich den Schauplatz von HIStory in der Gegenwart, wobei jedoch die Vergangenheit stark heraufbeschworen wird, da es ständige Bezugnahmen auf den Zweiten Weltkrieg und die sowjetische Besetzung gibt. Es ist fast wie eine Art doppelte Vision mit Bildern aus der Vergangenheit – die langen Reihen von Truppen aus Triumph des Willens und Der große Diktator, den Monumenten der Macht im Hintergrund – neben der Menschenmenge, die nach heutigen Maßstäben gekleidet ist. Da ist also Ungarn, das im Zweiten Weltkrieg gegen die UdSSR gekämpft hat (und indirekt gegen die Vereinigten Staaten) und das Ungarn, das nach dem Krieg jahrzehntelang unter der sowjetischen Besetzung gelitten hat, was als Geisterbild neben dem Ungarn von 1994 zur Zeit der Entstehung des Films existiert.

Wie siehst du das?

Eleanor: Ich sehe HIStory in einem Land spielend, dessen Volk immer noch so traumatisiert ist durch die sowjetische Besetzung, dass es nicht einmal für einen Film sowjetische Uniformen anziehen würde. Als also die Helikopter in dem Film auftauchen, ist ihre Angst glaubwürdig, da sie dies mit der vorangegangenen Besetzung verbinden. 1994 sind sie keine Bürger der Axis, aber als Ungarn erst kürzlich befreit und immer noch nicht vertrauensvoll gegenüber Russen, sie tun nur so als ob. Und ich sehe nicht unbedingt Amerikaner als Publikum für diesen Film.

Willa: Ich stimme dir zu. Das ist einer der Gründe, warum ich denke, dass es so interessant ist, dass er von einem Amerikaner gemacht wurde – eben weil es keine typisch amerikanische Sichtweise ist. Sondern genau das Gegenteil. Ich meine, wie oft haben wir einen Amerikaner gesehen, der eine sowjetische Armee anführt? Ich denke nicht, dass ich das jemals vorher gesehen habe. Es ist eine weitere dieser Gegenüberstellungen von sich widersprechenden Bildern, über die du schon vorher gesprochen hast, Eleanor. Da sind die bösen Jungs, wir sind die guten Jungs – das ist die typische Sicht – warum also ist er da mit ihnen zusammen? Es ist interessant darüber nachzudenken, wie ein amerikanisches Publikum darauf reagieren würde, emotional und psychologisch, aber ich denke durchaus nicht, dass Amerikaner das einzige Publikum sind.

Und ich muss einfach noch einmal sagen, dass das, was er hier macht wirklich kompliziert und schwer zu entschlüsseln ist. Ich kämpfe immer noch damit …

Eleanor: Das ist durchaus kein Wunder. Michael Jackson hat mit HIStory eine schrecklich komplizierte (da ist das Wort wieder) Aufgabe übernommen und eine enorme Menge an Informationen in einem sehr kurzen Film verdichtet. Aber ich habe das Gefühl, dass wir ein ganzes Stück damit vorangekommen sind, ihn zu verstehen.

Willa: So geht es mir auch.

Eleanor: Und um noch mal auf deine Feststellung über den Zweiten Weltkrieg zurückzukommen, ich stimme dir zu, dass es hilfreich ist, über die Helikopter-Szene nicht nur als Anspielung auf den Vietnamkrieg nachzudenken, sondern auch dahingehend, dass sie über die Erinnerung an einen Krieg gelegt ist, der viele Jahre zuvor stattfand, als Ungarn Amerikas Feind war, nicht dessen Freund. Ich denke, dass das, was MJ in HIStory sagen will, ist, dass egal, wer die Macht hat, Machtstrukturen, die auf Prinzipien von Trennung und Eroberung basieren, niemals Gerechtigkeit bringen werden, sondern nur die Fortsetzung der Ungerechtigkeit sicherstellen, und dass Krieg niemals Frieden bringt, sondern nur noch mehr Krieg. Die Spieler mögen wechseln, aber das Muster bleibt gleich. Die sich ständig ändernde Interpretation darüber, wer die Guten und wer die Bösen sind, stellt die Ethik des Krieges grundsätzlich in Frage.

Und es passt zu unserer vorangegangenen Diskussion über Chaplin – dass jene, die während des Zweiten Weltkriegs Anti-Faschisten (also die Guten) waren und während des Kalten Krieges nur ein paar Jahre später in Kommunisten (die Bösen) umbenannt wurden.

Wenn man sich also diese Themen im Licht des konstanten Treibsandes betrachtet, passt Budapest ganz besonders als Schauplatz zu HIStory.

Willa: Ja, das denke ich auch.

Eleanor: Und obwohl die Ungarn 1994 im Frieden lebten, die Welt tat es nicht. Eigentlich war gerade ein besonders brutaler Krieg im Gang, nicht sehr viele Meilen entfernt, in Bosnien.

Willa: Das ist wahr. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.

Eleanor: Und das war ein Krieg, der so kompliziert war, dass ich wirklich nie richtig verstanden habe, worum es da ging.

Aber HIStory macht bald deutlich, dass das Erscheinen der Helikopter nicht das Zeichen für den Beginn eines Militärangriffs ist, sondern einer Feier. Der feierlichen Enthüllung einer Statue geschmiedet zu Ehren dieses neuen Helden – einem Helden, dessen Mission es ist, uns aus diesem niemals endenden Zyklus zu erlösen.

Aber Willa, von diesem Punkt an, bleiben mir HIStory‘s Anspielungen versagt. Und wenn man bedenkt, welche großartigen Hinweise im Soundtrack, ebenso wie beim Ansehen von HIStory zu finden sind, dann bin ich sicher, dass ich sehr viel von dem, was hier vorgeht, verpasse.

Willa: Da stimme ich zu. Ich habe wirklich versucht herauszufinden, woher die Musik stammt, die wir während der Enthüllung der Statue hören, aber ich habe es nicht geschafft, es zurückzuverfolgen – und wie du, habe ich das Gefühl, dass es bedeutsam ist. Ich dachte, es könnte vom Soundtrack von Jagd auf Roter Oktober stammen – eventuell etwas anderes als der Titelsong – aber ich habe mir die gesamte Filmmusik angehört und habe dieses bestimmte Stück nicht gehört. Dann dachte ich, es könnte aus Carmina Burana sein, einem ähnlich klingenden Werk, das Michael Jackson liebte und auf seiner Dangerous Tour verwendet hat. Aber ich habe mir auf YouTube eine Performance angehört (das Eröffnungsstück O Fortuna wird den Fans von Michael Jackson wahrscheinlich bekannt sein) und es ist auch dort nicht dabei. Ich habe auch versucht, nach Song Credits für HIStory zu suchen (dem Promotionfilm, nicht dem Album) und habe noch andere Recherchen vorgenommen – ich habe sogar einem Orchestrator gemailt, der daran mitgearbeitet haben könnte – aber bis jetzt konnte ich es nicht identifizieren.

Ich stimme dir also darin zu, Eleanor, dass diese Musik wichtig zu sein scheint, aber ich weiß nicht, was es ist. Es könnte aus Jagd auf Roter Oktober oder andere Musik von Basil Poledouris sein – es klingt so – aber ich weiß es nicht.

Eleanor: Okay Willa, ich vermute, wir müssen einfach improvisieren.

HIStory’s Schlussszenen haben eine futuristische, sci-fi-ähnliche Anmutung – vollkommen anders als der erste Teil des Films, der von der Vergangenheit dominiert wird, architektonisch, historisch und filmtechnisch. Und HIStory nutzt CGI (Computer-Generated Imagery), um den Heldenplatz komplett zu transformieren. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erkennen wir, dass die große Säule, die Teil des Millennium Monuments ist, von ihrer zentralen Position auf dem Platz entfernt und reproduziert wurde.

Willa: Was ein wichtiges Detail ist, denke ich. Auf jener großen Millennium-Säule sitzt ein Erzengel, also wird nun auf dem digital modifizierten Heldenplatz, den wir in HIStory sehen, die lange Prachtstraße von Erzengeln gesäumt, wie wir in diesem Screen Shot sehen:

Teaser III archangels-history

Dies scheint bedeutsam in Hinblick auf Michael Jacksons symbolische Assoziation mit dem Erzengel Michael, wie Stephenson vor ein paar Wochen in einem Kommentar festgestellt hat. Stephenson erwähnte „die Rolle des Erzengels Michael in Schriften und Legenden als dem Führer von Gottes Armee der Engel“, und deutet an, dass dies eine weitere Art ist die Szene in HIStory zu deuten, in der „Michael“ eine Armee führt. In dieser Hinsicht scheint es bedeutend zu sein, dass eine Reihe von Säulen, jede versehen mit einem Erzengel, die Szenerie umgibt und einrahmt.

Eleanor: Ja, ich bin sicher, dass dieser Erzengel, der sich als Gabriel herausstellt, bedeutsam ist, besonders da die von MJ angeführten Soldaten in einer Szene durch seine Flügel hindurch gesehen werden. Aber die Bedeutung scheint nicht ganz eindeutig zu sein. Auf der einen Seite spielt Gabriel eine wichtige Rolle in der ungarischen Legende, indem er die Krone Ungarns dessen erstem König, dem heiligen Stephan, anbietet. Gabriels Position oben auf dem Millennium Monument vertieft also die symbolische Bedeutung im Hinblick auf die Geschichte des ungarischen Volkes.

Das Entfernen Gabriels und der Säule – und was die Säule zusammen mit dem Erzengel repräsentiert – aus der Mitte des Geschehens, drängt die imperiale Botschaft an den Rand, was Sinn macht in Hinblick auf die anti-imperiale Botschaft von HIStory.

Wie du allerdings festgestellt hast wurde die Säule mit Gabriel oben drauf nicht gänzlich aus der Szene entfernt, sondern, dank CGI, kopiert, und seine Kopien umrahmen nun den Platz. Und Gabriel, auch abseits der ungarischen Legende, ist bekannt als der Verkünder großer Neuigkeiten, die zu tun haben mit Anfängen und Beendigung. Seine den Platz umgebende, reproduzierte Anwesenheit weist darauf hin, dass wichtige Dinge passieren werden – etwas Großes wird enthüllt.

Willa: Oh, ich mag diese Interpretation, Eleanor. Etwas sehr Großes wartet auf seine Enthüllung! – sowohl wortwörtlich, als auch im übertragenen Sinn …

Eleanor: An der Stelle des Millennium Monuments, in der Mitte des Heldenplatzes, steht eine gigantische Statue, eingewickelt und -gebunden, und die Stimmung der Menschenmenge ändert sich von Feierstimmung zu Erwartung. Als die Scheinwerfer angehen, illuminieren sie die Statue und einen Mann, gekleidet in militärische Kleidung, angeseilt an ihrer Seite, der eine explosive Ladung entzündet. Der Ausdruck ändert sich von Verwunderung zu Angst. Was geht da vor? Ist er dabei, die Statue zu sprengen?

Als er sich erst einmal an der Seite der Statue abgeseilt hat und in Sicherheit ist, gibt der repräsentativ aussehende ältere Mann (Symbolisierung der imperialen Vergangenheit ) dem Offizier (Symbolisierung der militärischen Autorität), der die coole Fernglas-ähnliche Klappe seiner Brille herunterklappt, ein Signal (Symbolisierung der militärischen Technologie), nimmt die Statue ins Fadenkreuz und gibt dem Mann am Sprengzünder (Symbolisierung des Ausführenden der Befehle der imperialen/militärischen Autoritäten) das endgültige Kommando, der dann durch Drücken des Hebels die Explosion (Symbolisierung eines militärischen Angriffs) auslöst.

Zu jedermanns großer Erleichterung bleibt die Statue stehen. Es sind die Bänder, die auf dramatische Art auseinander gesprengt werden und dadurch der Umhüllung erlaubt langsam zu Boden zu schweben und so die Statue von Michael Jackson zu enthüllen, der da unerreichbar hoch steht. Durch die Repräsentation seiner Kunst, seines Vermächtnisses, ist dies ein Monument für einen Mann, der durch seine Persönlichkeit und seine Kunst die alten Mythen sprengt, die das Gedankengut erschufen, das immer wieder in Kriegen resultiert. Ein Monument für einen Mann, dessen Kunst eine neue Energie trägt und freisetzt, die uns dazu antreibt, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten. Ein Monument für ein neues Jahrtausend, in ein neues Zeitalter führend, basierend auf der Kraft der Kunst, nicht auf militärischer Macht, sondern um eine globale Gesellschaft zu erschaffen, in der die Menschen nicht länger in Angst voreinander leben müssen.

teaser Statue_

Willa: Das ist eine faszinierende Art diese Szene zu interpretieren, Eleanor. Wie du denke ich auch, dass es ganz besonders wichtig ist, dass die neue Statue eher einen Künstler zelebriert als einen politischen oder militärischen Führer, die Erschaffung einer neuen Ideologie und einer neuen Weltordnung andeutend – „basierend auf der Kraft der Kunst, nicht auf militärischer Macht“, wie du sagst.

Eleanor: Und in dieser Schlussszene zeigt HIStory Kunst durch das Hinzuziehen all der Symbole eines Reiches und durch ihr Einbinden in den Dienst der Kunst. HIStory transformiert Technologie von einem Mittel, um Menschen in Ketten zu halten zu einem Mittel, um sie zu befreien – einem Instrument des Friedens, nicht des Krieges.

Technologie kann zur Entstehung eines Kunstwerks beitragen, und sie kann es in jeden Teil der Welt tragen. Es ist also passend, dass Technologie in HIStory das Mittel ist, das eingesetzt wird um eine Statue zu enthüllen, die Michael Jacksons künstlerisches Vermächtnis repräsentiert. Was mich an Charlie Chaplins Fokus auf Technologie als einem vereinenden Mittel, nicht einem trennenden, in der Schlussrede in Der große Diktator erinnert:

Das Flugzeug und das Radio haben uns näher zusammengebracht. Die ureigene Natur dieser Erfindungen schreit förmlich nach dem Guten im Menschen – schreit förmlich nach umfassender Brüderlichkeit – für die Einheit von uns allen. …

Ihr, das Volk, habt die Macht – die Macht Maschinen zu erfinden. Die Macht Glück zu erschaffen! Ihr, das Volk, habt die Macht dieses Leben frei und schön zu gestalten, dieses Leben zu einem wundervollen Abenteuer werden zu lassen.

Dann lasst uns – im Namen der Demokratie – diese Macht nutzen – lasst uns alle einig sein. Lasst uns für eine neue Welt kämpfen …

Willa: Ich bin so froh, dass du uns zu Chaplins Rede zurückgebracht hast, Eleanor. Auf viele Arten dient es als Blaupause für HIStory, und du hast Recht, Chaplin spricht ausführlich über die Macht der Technologie zum Guten wie zum Bösen – für den Einsatz im Frieden wie auch im Krieg, uns zu vereinen, wie auch uns zu trennen.

Eleanor: Genauso wie die explosive Sprengung durch Einsatz der neusten und größten Technologie ausgelöst wurde und die Statue von ihren Fesseln befreit hat, wird Technologie die volle Kraft von Kunst für die Welt freisetzen, um diese zu heilen.

Als die Statue erst einmal enthüllt ist, umfliegen die Helikopter sie weiterhin wie Libellen, die Menge bricht in Freudenschreie aus und das Feuerwerk beginnt.

In HIStory’s Schlussbildern fokussiert sich die Kamera auf das Gesicht der Statue, auf ihren nachdenklichen Ausdruck, einen Ausdruck, den man regelmäßig in Michael Jacksons Gesicht sehen konnte. Er weiß, dass wir unser Schicksal ändern können. Aber fragt er sich, ob wir die Zukunft verändern können, bevor es zu spät ist?

Willa: Eine entscheidend wichtige Frage, die er auf verschiedene Arten viele Male gestellt hat. Ich muss wieder an die Worte denken, die er in dem Earth Song-Segment von This Is It und die, die er fast am Ende des Films gesagt hat, als er die anderen Musiker und Tänzer dazu auffordert „ihr Bestes zu geben“:

Wir geben Liebe zurück, um die Welt daran zu erinnern, dass Liebe wichtig ist. Liebe, einander zu lieben, ist wichtig. Wir alle sind eins. Das ist die Botschaft – und sich um den Planeten zu kümmern. Wir haben vier Jahre, um es hinzubekommen, sonst ist er unumkehrbar, der Schaden, den wir angerichtet haben.

Es ist nun mehr als vier Jahre her, dass er diese Worte gesprochen hat …

Eleanor, ich danke dir so sehr, dass du hier mitgemacht hast! Wir haben eine Wahnsinnsmenge in diesen drei Posts über den HIStory Teaser berichtet, und ich schätze zutiefst all die Informationen und Einblicke, die du über diesen komplexen und beunruhigenden Kurzfilm mit uns geteilt hast. Du hast mir wirklich die Augen geöffnet, ihn auf neue Art zu sehen und zu interpretieren und uns allen eine Menge Stoff zum Nachdenken gegeben.

Eleanor: Danke Willa, für deine Einladung und dafür, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, in die Geheimnisse von HIStory einzutauchen. Und Happy Thanksgiving für dich und alle deine Leserinnen und Leser. Ich bin ganz besonders dankbar für Michael und seine Musik.

Willa: Danke und dir ebenfalls ein Happy Thanksgiving.

Ich möchte außerdem noch schnell hinzufügen, dass Susan Fast gerade einen faszinierenden Artikel über Michael Jackson und den „Posthumanismus“ veröffentlicht hat. Hier ist ein Link.

Übersetzung: M.v.d.L.🔹Ilke
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