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Eine Unterhaltung mit Really, Really Brad Sundberg

by on 10. February 2014

A Conversation with Really, Really Brad Sundberg
Post vom 16/01/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: In dieser Woche haben Lisha McDuff und ich die große Ehre Brad Sundberg begrüßen zu können, der fast zwanzig Jahre lang mit Michael Jackson zusammengearbeitet hat. Er fungierte als technischer Direktor bei der Erstellung der Alben Bad, Dangerous und HIStory und war maßgeblich am Entwurf des Soundsystems auf Neverland beteiligt. Während der Arbeit an Bad gab Michael ihm den Spitznamen Really, Really Brad so wie etwa „I’m Brad, I’m Brad, I’m Really, Really Brad“. Ich könnte mich kaputtlachen!

Seit dem vergangenen Jahr hat Brad Seminare in den Vereinigten Staaten, in Kanada und Europa angeboten, um seinen Einblick wie auch Aufnahmen aus seiner Arbeit mit Michael Jackson zu zeigen. Mehrere unserer Freunde und Mitwirkenden – wie Lisha, Susan Fast und Joe Vogel – haben an seinem Seminar in Toronto teilgenommen und aus allem, was ich gehört habe, kann ich entnehmen, dass es unglaublich war! Lisha hat Brad gefragt, ob er mit uns reden würde, und er hat Ja gesagt. Brad, vielen Dank, dass du mitmachst!

Brad: Danke Willa, es ist großartig Zeit mit dir und Lisha zu verbringen.

Willa: Ich bin gespannt mehr über dein Seminar  In The Studio with Michael Jackson zu hören. Und wenn ich es richtig verstanden habe, planst du ein ganz besonderes Seminar in Disney World über die Aufnahmen zu Captain EO. Ist das richtig?

Brad: Die Seminare machen sehr viel Spaß, und ich glaube, dies wird mein zehntes sein! Jedes ist ein wenig anders, manchmal füge ich etwas hinzu oder entferne etwas, wenn es die Zeit vorgibt. Damals im Jahr 1984 traf ich Michael zum ersten Mal in den Westlake Studios, wo er mit Matt Forger Captain EO aufnahm. Matt und ich sind die ganzen Jahre über Freunde geblieben und haben an zahllosen Michael-Projekten zusammen gearbeitet. Disney hat nachhaltig angedeutet, dass EO 2014 geschlossen wird, also dachte ich, es würde ganz amüsant sein Matt nach Orlando zu holen und ein Seminar mit ihm zusammen zu machen, mit einer starken Betonung auf dem Captain EO Projekt. Damit es noch mehr Spaß macht, werden wir für das Seminar einen ganzen Tag im Studio sein (einschließlich dem „Family Friday“ Dinner!), dann werden die Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich mit uns am nächsten Wochenende in Epcot zu treffen, um mehrere Male EO zusammen anzusehen, weitere Fragen zu stellen und den ganzen Tag im Park verbringen zu können. Ich denke, es wird ein verblüffendes Wochenende für MJ Fans werden.

Lisha: Ich würde sagen, das ist eine Untertreibung! Das Seminar, an dem ich in Toronto teilgenommen habe, war wahrlich unglaublich und außerdem glaube ich nicht, dass schon annähernd genug über Captain EO gesagt oder geschrieben wurde, also ist dies etwas, was ich ungern verpassen würde. Captain EO in Disneys Epcot Center anzusehen ist eine völlig andere Erfahrung, als den Film auf irgendeine andere Art zu sehen, richtig? Nicht nur, dass Captain EO der erste Film mit 4D-Effekten war (also ein 3D-Film mit Spezialeffekten im Kino selbst), sondern er war außerdem der erste Film mit Surround-Sound (Raumklang), der je produziert wurde.

Brad: Das ist korrekt! Ich habe vor einigen Monaten mit Matt Forger gesprochen und wir sprachen über EO. Ich war damals `84/’85 ein Runner (jemand, der Essen, Staubsauger, Kabel etc. besorgt) in Westlake, als Matt die Aufnahmen für Captain EO machte. Disney entwickelte im Grunde  ein rein digitales Soundsystem nur für EO. Matt musste den Klang, wie er im Kino klingen würde, im Studio nachbilden, also hatte er Lautsprecher überall im Raum verteilt, überall waren Kabel … es war fantastisch!  Aber es erlaubte ihm die Musik zu mischen, so dass es immer noch wie Michael klang, aber trotzdem auch diese gigantischen Kinos ausfüllte, die Disney baute.

Im Studio mit Matt Forger

Im Studio mit Matt Forger

Lisha: Ich habe mich immer gefragt, wie das ursprünglich geplant und ausgearbeitet wurde, also bin ich wirklich gespannt darauf, mehr darüber von Matt Forger zu hören. Ich hatte die Gelegenheit den Film vor einiger Zeit in Disneyland zu sehen, und ich erinnere mich, dass überall im Kino Lautsprecher waren, sogar an der Rückwand des Hauses hinter dem Publikum. Captain EO ist aus einer ganzen Reihe von Gründen historisch bedeutend, denke ich, besonders in Hinsicht darauf, wie das Klangkonzept und die 4D-Effekte entwickelt wurden. Es muss aufregend gewesen sein, Brad, Zeuge dessen, wie dies alles zusammengefügt wurde, gewesen zu sein.

Brad: Hier ist eine lustige Randnotiz: Meine Frau und ich sind immer Disney-Fans gewesen, und wir gingen oft sonntags abends zum Essen nach Disneyland. Wir waren am Eröffnungswochenende für Captain EO dort, gemeinsam mit halb Los Angeles, und es war amüsant zu sehen, wie etwas, von dem ich im Studio ein kleiner Teil gewesen war, Disneyland eroberte. Wir haben immer noch unsere Original T-Shirts, so dämlich es sich anhören mag. Und ja, das Kino hat einige Disney-„4D“-Effekte, die die Erfahrung sehr viel umfassender machen, als es nur auf einem Computerbildschirm zu sehen. Dazu kommt noch, dass das Soundsystem original von Matt abgestimmt wurde, also klingt es außergewöhnlich.

Lisha: Ich finde überhaupt nicht, dass es sich dämlich anhört! Ich bin sicher, du bist froh, diese Original T-Shirts behalten zu haben – das ist solch eine großartige Erinnerung. Und ich finde auch, dass das Soundsystem erstaunlich ist, außerdem liebe ich all die theatralischen Spezialeffekte ebenso.

Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass da unter jedem Sitz Kabel lagen, die mit dem Film synchronisierte Bewegungen  erzeugten. Wenn das Raumschiff beim Landen aufprallt, kannst du wirklich die Wirkung des Aufpralls in deinem Sitz spüren. Ein weiterer großartiger Effekt ist, dass da winzige Fächer und Bedunster in den Rückenlehnen eingebaut sind, so dass du, wenn Hooter seine Elefantentöne von sich gibt, einen kleinen Luftzug und Nebel direkt in dein Gesicht geblasen bekommst, gerade so, als würde es direkt aus seinem Rüssel kommen!

Willa: Das ist lustig!

Lisha: Das ist es wirklich! Es gibt auch eine Menge spezielle Lichteffekte, die aus jeder nur vorstellbaren Richtung kommen, sogar von der Unterseite der Sitze, und einen glitzernden Discokugel-Effekt, der eingesetzt wird, wenn sich der „Oberste Führer“ in eine wunderschöne Göttin verwandelt. Auf der großen Leinwand sind unzählig viele Details zu sehen, die du nicht erkennen kannst, wenn du es auf andere Art ansiehst, wie die kleinen, bunten Lichter, die Michaels elektrifiziertes Kostüm schmücken.

Ich denke, die Surround-Sound-Effekte waren ebenfalls amüsant. Ich erinnere mich besonders an die Kampfszene und wie der Klang des Laserfeuers sich so schnell durch das ganze Kino bewegt. Ich konnte hören, wie es über die Köpfe hinweg von der Rückseite des Kinos den ganzen Weg bis nach vorne gerast ist und den Zuschauer so in die Filmszene hineingezogen hat.

Ich befürchte, dass wenn Captain EO erst einmal nicht mehr bei Disney gezeigt wird, es keinen Weg mehr gibt, den Film zu erleben, wie er von seinen Erschaffern, Michael Jackson, George Lucas und Francis Ford Coppola, einem  der herausragendsten Kreativteams, das jemals zusammenkam, beabsichtigt worden war! Dies könnte wirklich die letzte Gelegenheit sein ihn zu erleben.

Willa: Wow Lisha. Du gibst mir wirklich das Gefühl, dass ich dorthin gehen muss, ehe sie schließen. Ich habe Captain EO im Epcot Center nicht mehr gesehen, seit, hmmm … 1986, glaube ich. Und ich erinnere mich daran, wie die Sitze ruckeln  und vibrieren, aber ich erinnere mich nicht mehr an irgendwelchen Nebel aus Hooters Rüssel! Und ich erinnere mich auch nicht mehr an diese Klanglandschaft, die du so lebhaft beschreibst – ich weiß, du bist Musikerin! Ich erinnere mich nur, dass die klanglichen und visuellen und technischen Effekte ziemlich unglaublich waren.

© Disney-From the Walt Disney Archives, for the Archives Web Site Only.

Brad: Captain EO ist anders als jeder andere Sci-Fi-Film oder Musikvideo (Short Film), der jemals gemacht wurde. Es war ein enormes Budget (für die Zeit) und der Pool an Talenten ist ziemlich bemerkenswert. Ja, die Kostüme und Frisuren schreien nach den Achtzigern!! Aber es waren die Achtziger, und es hat Spaß gemacht. Ich kann weder sagen, noch weiß ich es genau, wann die Attraktion geschlossen wird, aber das Gerücht wird lauter, dass seine Tage gezählt sind, also wollte ich das Seminar lieber jetzt als in ein paar Monaten.

Lisha: Wie ich gehört habe, war das Budget beispiellos in der Geschichte. Mit Kosten von 30 Millionen Dollar für einen 17-minütigen Film kommt man auf 1.76 Millionen Dollar pro Minute! Es ist der teuerste Film pro Minute, der je produziert wurde, und es war ein riesiges Unterfangen für Disney, Lucas, Coppola und Michael Jackson. Wie du gesagt hast, Brad, halb Los Angeles tauchte bei der Premiere auf!

Für die Fans, die niemals die Gelegenheit hatten Michael Jackson live auftreten zu sehen, kommt die Erfahrung des 4D-Films dem vielleicht am nächsten, meinst du nicht?

Brad: Ich nehme an, das ist leider wahr. Hatte jemand von euch jemals die Chance ihn live zu sehen?

Lisha: Nein, unglücklicherweise nicht! Ich bin einer der neuen Fans. Mehrere Leute haben gesagt, es sei unmöglich zu wissen, wie es ist Michael Jackson live auftreten zu sehen, bis du es tatsächlich selbst erlebt hast. Was ist mit dir, Willa? Das ist etwas, das ich dich fragen möchte. Hast du Michael Jackson jemals live auftreten sehen?

Willa: Nein, habe ich nicht, und das aus dem gegenteiligen Grund. Ich habe immer eine sehr starke Verbindung zu Michael Jackson gespürt, seit ich wirklich sehr jung, noch in der Grundschule war, und es fühlte sich einfach so intensiv persönlich an, dass ich mir nicht vorstellen konnte, ihn mit tausenden schreienden Menschen zusammen in einem Stadion zu erleben. Und er hat nie irgendwo in meiner Nähe ein Konzert gegeben – ich bin sicher, wenn er das hätte, dann hätte ich einfach nicht widerstehen können. Aber trotzdem … ich hätte auf jeden Fall gehen sollen. Es ist schwer zu erklären, aber das erste Konzert, das ich je sah, war Aerosmith – ein Freund hat mich dazu überredet und es hat wirklich Spaß gemacht, war aber ziemlich überwältigend für mich – und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, Michael Jackson auf diese Art zu sehen. Es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Obwohl ich es jetzt wirklich bereue.

Lisha: Oh, ich auch. Ich bereue es wirklich – was habe ich nur gedacht?

Willa: Was ist mit dir, Brad? Ich kann mir vorstellen, dass du ihn einige Male erleben konntest …

Brad: Darf ich euch eine oder zwei kurze Geschichten erzählen? 1984, als ich noch im College war, kamen die Victory Tour Tickets im Dodger Stadium in L.A. in den Verkauf.  Ich wollte wirklich dahin, aber du musstest vier Tickets auf einmal kaufen in einer Art Lotterie. Es war kompliziert und teuer, und ich habe es einfach nicht geschafft. Wenn ich nur vier Jahre weiterspule ins Jahr 1988, da habe ich die Show mit meiner Frau von Backstage im Madison Square Garden angesehen!

Willa: Wow!

Brad: Nun, jetzt kommt das Verrückte – ich hatte intensiv mit Michael an EO und Bad gearbeitet und habe Zeit mit ihm verbracht, aber ich hatte ihn niemals auf der Bühne gesehen. Es ging einem durch und durch – es war, als würde ich ihn kennen, aber gleichzeitig keinen Schimmer haben, wer er war.

Willa: Weißt du, ich habe so etwas verschiedene Leute wie Bruce Swedien und Frank Cascio sagen hören, und ich möchte so gern mehr darüber wissen. Das muss erstaunlich gewesen sein, ihn sich von seinem Selbst außerhalb der Bühne in sein Selbst auf der Bühne verwandeln zu sehen.

Brad: Ich hatte das Glück, ihn viele Male auf der Bad, Dangerous und HIStory Tour auftreten sehen zu können, ebenso wie bei seinen Proben mit der Band und den Tänzern. Während einer Show in Paris 1997 bei der HIStory Tour war meine Tochter Amanda (zu der Zeit sieben Jahre alt) mit mehreren anderen Kindern während Heal The World auf der Bühne.

Willa: Oh, das ist wundervoll!

Lisha: Unglaublich.

Brad: Es war amüsant, das zu sehen. Aber meine liebste Tourgeschichte ereignete sich hinter der Bühne während der Bad Tour im Madison Square Garden NYC. Pepsi war der Sponsor, und sie hatten eine VIP-Lounge Backstage. Meine Frau Debbie und ich streiften durch die Räume hinter der Bühne, und ich verschwand in einem Badezimmer. Auf dem Weg nach draußen, der zurück zur Bühne führte, spazierte ich in die VIP-Lounge, um mir eine Pepsi zu nehmen. Es war nur eine andere Person dort: Supermodel Christie Brinkley! Ich sagte Hi und wir unterhielten uns ganz kurz, und ich sagte, ich würde hoffen, dass sie die Show genießen würde und ging dann wieder hinaus. Deb wartete etwas entfernt auf mich und fing an zu lachen, als sie mich sah. Ich ging weiter und sie lachte noch mehr. Ich zog etwa 2 m Toilettenpapier an meinen Schuhen hinter mir her. Ich erzählte ihr, wen ich gerade getroffen hatte, und daraufhin lachte sie noch mehr! OK, ich schweife vom Thema ab, und ich blamiere mich … wie war die Frage noch gleich?

Lisha: Ok, ich könnte schreien vor Lachen. Sorry, aber das ist wirklich saukomisch! Ich hoffe, dass jeder ein Gefühl dafür bekommt, wie lustig es ist, dich diese Geschichten erzählen zu hören!

Willa: Das macht wirklich Spaß! Also ich weiß nur sehr wenig darüber, wie Musikfilme gemacht werden. Was kommt normalerweise zuerst – das Filmen oder das Aufnehmen? Was ich meine ist, wurden bei Captain EO die Songs zuerst aufgenommen und Michael Jackson sang sie dann während der Filmaufnahmen? Oder kam das Filmen zuerst und dann sang er die Songs passend zum Film? Und an welchem Punkt wurdest du in das Captain EO Projekt mit einbezogen?

Brad: Das ist eine großartige Frage, und die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Die Musik wird als erstes aufgenommen, aber manchmal ist es nötig, dass die Musik bearbeitet wird, damit sie in eine bestimmte Szene passt. Er sang im Film lippensynchron zu der Musik, die Matt im Studio aufgenommen hatte. Captain EO war (nach meiner Erinnerung) in einem frühen Produktionsstadium, als ich anfing in Westlake zu arbeiten.

Willa: Und was bedeutet „frühes Produktionsstadium“? Ich weiß wirklich nicht viel über all dies. Waren die Handlung, die Rollen, Songs, Dialoge, Choreografien alle schon ziemlich mit einbezogen, oder gab es noch Details, die ausgearbeitet werden mussten?

Brad: Ich weiß es nicht sicher, da wir nur an der Musik gearbeitet haben. Da ich an vielen Produktionen mitgewirkt habe, ist meine Vermutung, dass der größte Teil der Story geschrieben war, aber die Ad-Libs und Änderungen in letzter Minute noch ins Spiel kamen.

Willa: Das ist interessant. Und wie sehr war Michael Jackson in diese Änderungen in letzter Minute und bei anderen Entscheidungen involviert? War er ziemlich ausschließlich auf seinen Auftritt konzentriert oder hatte er auch Vorstellungen darüber, wie das fertige Stück aussehen und klingen sollte?

Brad: Ich weiß, dass Michael es liebte bei Filmaufnahmen dabei zu sein. Er liebte es zuzusehen und den ganzen Prozess von den Profis zu lernen. So wie ich ihn kenne, stelle ich mir vor, dass er sehr auf seine Performance fokussiert war und wahrscheinlich dem Produktionsteam vertraute. Schließlich ist es schwer mit Francis Coppola und George Lucas etwas falsch zu machen.

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Lisha: Brad, kannst du uns erzählen, wie du mit deinen Seminaren begonnen hast und was jemand erwarten kann, der daran teilnehmen möchte?

Brad: Großartige Frage. Die ganz kurze Version einer langen Geschichte ist, dass ich vor etwa zwei Jahren von einigen französischen Fans angesprochen worden war, meine Geschichten mit ihnen zu teilen. Ich flog im Sommer 2012 für einige Tage nach Paris, und wir hatten eine Gruppe von etwa 12 Personen in einem Studio. Ich brachte Unmengen von Bändern mit Aufnahmen mit und es war irgendwie unorganisiert, hat aber sehr viel Spaß gemacht. Ich nahm dann ein Band mit einer Aufnahme, spielte einen alten Mix ab und erzählte dann von einigen Erinnerungen, die ich dazu hatte.

Willa: Oh, das klingt fabelhaft! Was für ein unglaubliches Erlebnis.

Brad: Sie haben es wirklich genossen, und ich dachte mir, ich sollte es im darauffolgenden Frühjahr noch einmal in New York durchführen. Ich hielt dort zwei Seminare, ergänzte es aber durch einige Videos und ging in Hinsicht meiner Jahre, die ich mit Michael arbeitete, ein bisschen chronologischer vor. Diese Seminare verliefen auch sehr gut,  ziemlich bald hielt ich eins in Orlando, dann in Paris, Stockholm, Toronto und nun wieder am 8. Februar in Orlando ab.

Michael hatte durch seine Musik, seinen Tanz, seine Menschlichkeit, seinen Humor und vielleicht auch durch seinen Schmerz zu vielen Leuten eine einzigartige Verbindung. Ich bin weder in seinen Schuhen gegangen, noch war ich sein bester Freund – aber ich liebte es mit ihm zu arbeiten, und ich bin stolz, dass ich ihn als Freund bezeichnen darf. Ich kann immer noch sein Lachen hören, und ich sehe immer noch seine Begeisterung über einen großartigen Mix im Studio oder ein neues Karussell auf der Ranch. Er war wie niemand, den du jemals vorher getroffen hast. Er war Michael – und wenn ich Menschen ein Gefühl dafür vermitteln kann, wie es war, in seiner Nähe zu sein, dann macht mich das glücklich.

Willa: Das klingt wundervoll. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, der an deinem Seminar teilgenommen hat, Brad, schwärmt davon. Stephenson zum Beispiel war bei einem Seminar in New York und schickte uns eine E-Mail darüber mit lauter interessanten Details und Anmerkungen, wie diese hier:

Er spielte Teile einer zweistündigen Aufnahme von MJ und Bill Bottrell, während der Entwicklung von Give In to Me – es war so erstaunlich, denn der Song – die Musik und die Lyrics – entwickelten sich langsam aus experimentellen Klängen von Bills Gitarre und MJ’s Gesang, und du konntest hören, wie es Stück für Stück Form annahm. WOW!!!!!

Und nur die unglaubliche Klangqualität allein in deinen Seminaren … Mir wurde gesagt, es sei, als würdest du zum ersten Mal seine Musik hören – ich meine, sie wirklich hören. Im Anschluss an Captain EO im Epcot Center mit dem vollständigen Erlebnis dessen, wie es ursprünglich beabsichtigt war, ist ein zusätzlicher Bonus.

Brad: Gerüchten zufolge wird Disney Captain EO nach einer ungewöhnlichen Laufzeit irgendwann beenden, also kontaktierte ich Matt Forger und fragte ihn, ob er sich für ein Seminar mit einem speziellen Part über Captain EO und Thriller anschließen würde. Er stimmte zu, es wird also ein ziemlich besonderer Tag werden.

Was einen dann erwartet, ist schwer zu sagen. Ich gehe in jedes Seminar mit einem Minimum an Vorbereitung und sehe dann, wohin es sich entwickelt. Manchmal verbringen wir ein wenig mehr Zeit mit Bad oder wir graben etwas tiefer bei Dangerous. Ich mag es, es ziemlich flexibel zu halten und nicht übermäßig strukturiert. Es gibt gewissen Momente, über die geschrieben worden sind, und über die die Teilnehmer mehr erfahren wollten, aber ich mag es, wenn jemand kommt und keine Vorstellung davon hat, was ihn erwartet. Ich hatte eine Teilnehmerin zu Gast, die ihren Mann, den man nicht gerade als einen Mega-Fan bezeichnen würde, mitgebracht hat. Er war ein wirklich cooler Typ, und es bedeutete so viel für mich, dass er sagte, er hätte den Tag wirklich genossen. Ich mag die Vorstellung, dass etwas über Michaels Arbeitsstil und die Gruppe von erstaunlichen Leuten im Studio zu erfahren, für so viele Menschen, die vielleicht nicht von sich denken, dass sie MJ Fans sind, von Interesse ist. Abgesehen davon habe ich sicherlich einige unglaubliche Fans getroffen, die so sehr schätzen, was ich mache.

Willa: Oh, das klingt fabelhaft, und ich würde gern mehr über seinen Arbeitsstil und den kreativen Prozess erfahren! Wie ich es verstanden habe, komponierte er die meisten seiner Songs, in dem er seine Einfälle mit einem Kassettenrecorder aufnahm – ist das richtig? Er sang die Melodie, die Harmonien, sogar Klänge wie Drums oder Streichinstrumente oder Blechinstrumente oder Gitarrenspuren, um zu zeigen, wie er sich den Klang der Instrumentalisierung vorstellte. So brachte er es dann ins Studio, und was geschah dann? Wie geht der Prozess weiter, seine Ideen von einem Kassettenrecorder in einen Song auf einem Album zu verwandeln?

Brad: Manchmal gaben wir Michael einen Kassettenrecorder, aber vergesst nicht – innerhalb von 45 Sekunden, nachdem wir ihm etwas gegeben hatten, hatte Michael es schon wieder verloren. Im Ernst. Es war typischer für ihn Matt anzurufen (oder jemandem aus dem Team), um sich im Studio zu treffen. Wir brachten dann eventuell John Barnes oder Michael Boddicker mit, damit sie dabei behilflich waren, den Track zusammenzusetzen. Michael sang dann einen Teil der Melodie und die Rhythmus-Parts und wir fingen dann an, es in einem Sequenzer zusammenzusetzen. Andere Male sang er die Teile einfach auf’s Band, und wir ersetzten seine Stimme später durch Instrumente.

Willa: Das ist so interessant! Lisha hatte in einem Posting vor einigen Wochen schon vermutet, dass er es so gemacht hat – dass er Parts sang, die später dann durch Instrumente ersetzt wurden. Lisha, du lagst richtig!

Lisha: Ich bin so fasziniert davon, wie es funktionierte!

Brad: Er liebte es auch mit anderen Songschreibern wie Siedah Garret oder Bill Bottrell an einigen Songs zusammenzuarbeiten.  Wenn ein Song erst einmal über das Stadium als Demo hinaus war, begannen wir damit immer mehr Musiker dazu zu holen, um alles auf eine neue Ebene zu bringen. Während meiner Jahre mit Michael nutzten wir für seine Stimme nie die digitale Tonhöhenkorrektur. Er sang jede Note, jede Notenfolge, jeden Part. Ich gehe bezogen auf diesen Prozess in meinem Seminar sehr ins Detail.

Lisha: Du hast in Toronto erwähnt, dass Bruce Swediens Geheimnis, um eine großartige Leadstimme zu erhalten, vor allem einfach die Wahl des richtigen Mikrofons und eine korrekte Aufnahme ist! Ich bin nicht sicher, ob die Leute überhaupt realisieren, wie eng du mit Bruce Swedien zusammenarbeitest.

Brad: Oh Mann, Bruce ist ein lieber Freund und mein Mentor. Meine Jahre mit Michael hätten ohne Bruce niemals stattgefunden, Punkt. 1986 arbeitete ich an Aufnahmen in Westlake, und Bruce und ich wurden Freunde. Ich denke, er sah mich als Hoffnungsträger und fragte, ob ich bei einer Aufnahme für Michaels neues Album dabei sein wolle. Könnt ihr euch das vorstellen?? Ich ergriff die Gelegenheit!

Lisha: Wie surreal!

Brad: Tagsüber arbeitete ich an einem Werbespot für Taco Bell („Run for the Border!“) und abends sah ich Michael zu, wie er Man in the Mirror oder Smooth Criminal sang.

Willa: Wow, das ist ein Kontrast!

Brad: Es war nichts Geringeres als einfach außergewöhnlich. Als das Album veröffentlicht war, wollte sich Bruce‘ Assistent Craig beruflich verändern, und  so wurde ich für fast eine Dekade Bruce‘ Assistent (Technischer Direktor). Als nächstes folgte Quincys Back on the Block und danach Michaels Dangerous und HIStory. Die verrückte Sache ist, dass jedes dieser Projekte manchmal zwei Jahre oder mehr in Anspruch nahm, wenn du die Produktionszeit insgesamt, die Remixe, Dance Mixes, Video Mixes usw. rechnest. Bruce ist ein Meister, er ist der Meister seiner Zunft. Sein Humor schafft eine ungezwungene Atmosphäre, aber seine Fähigkeit Musik aufzunehmen und zu mischen, eine Klanglandschaft zu erschaffen ist unvergleichlich. Niemand sonst ist wie Bruce, und ich bin dankbar für alles, was er mir beigebracht hat.

Lisha: Ich habe dein Interview in Bruce Swediens neuem Buch The Bruce Swedien Recording Method gelesen, und ich dachte dabei, dass du wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen hast, als du sagst: „Wenn Bruce einen Mix fertiggestellt hat, dann verlässt dieser wirklich die Lautsprecher – er setzt sich genau vor dir und überall um dich herum in Bewegung.“ Es ist einfach eine magische Erfahrung dem zuzuhören, was Bruce Swedien mit Klang alles machen kann.

Wir alle wissen, dass eine Menge technisches Know How nötig ist, um ein großer Klang- und Aufnahmeingenieur zu sein, aber ich bin nicht sicher, ob wirklich verstanden wird, wie viel künstlerisches Geschick und schlicht gutes musikalisches Handwerk einfach auch nötig ist. In deinem Seminar zum Beispiel, Brad, bemerkte ich, dass, als du zur Gruppe gesprochen hast, du ständig deiner eigenen Stimme gelauscht hast, wie sie durch die Lautsprecher klang und sie dann justiert hast. Du hast mehrere Male zu den Reglern hinübergegriffen und winzige Änderungen vorgenommen, was die großartigste Klangqualität zur Folge hatte. Mir kam der Gedanke, dass es der Art und Weise ähnlich ist, auf die ein guter Musiker zuhört und sich dem anpasst, was er hört.

Willa: Das ist interessant!

Brad: Wow Lisha, du hast wirklich aufgepasst! Ich mache meine Frauen zuhause verrückt, weil ich den Equalizer in ihren Autos oder den Klang beim Fernseher einstelle oder wenn wir zu Hause einen Film angucken. Ich bin sogar schon während eines Films aus dem Kino gegangen, weil der Klang so schlecht war.

Lisha: Berufsrisiko! Du hast auch eine faszinierende Geschichte über das Arbeiten mit Bruce Swedien unter nicht gerade optimalen Umständen erzählt und wie du mit Erstaunen beobachtet hast, wie er einen Weg gefunden hat, dass es funktionierte. Es hat mich wirklich überzeugt, dass das Equipment und all die technischen Zaubereien, die bei den Aufnahmen im Spiel sind, zweitrangig sind, gemessen am künstlerischen Geschick der Person, die es ausführt.

Brad: Ich arbeitete einmal mit Bruce in einem Heimstudio in L.A. Es war alles andere als unser typisches tadelloses Umfeld wie das Record One oder die Hit Factory. Es war ein Mischpult in einem Wohnzimmer mit Couches und Lampen und einer typischen Wohnumgebung. Daran ist nichts auszusetzen, aber es nicht ganz das, was wir gewohnt waren.

Lisha: Gelinde gesagt!

Brad: Jedenfalls hat Bruce auf diesem alten Mischpult einen Mix erstellt, der mir eine Gänsehaut verursacht hat – und das tut es immer noch. Er war so deutlich und ausdrucksstark, er passte absolut nicht zu dem Ort seiner Entstehung. So als ob man zu Dairy Queen geht und ein perfektes Lammkarree mit einer großartigen Flasche Wein bekommt. Gott hat Bruce mit einem erstaunlichen Paar Ohren gesegnet und mit dem Talent, Klänge zu erschaffen, die eine Klasse für sich darstellen.

Lisha: Als er zu einer Gruppe Studenten der Full Sail University sprach sagte Bruce Swedien etwas, das mich völlig zum Stillstand brachte. Mit einem sehr einfühlsamen Ton in seiner Stimme sagte er: „Das erste, was ich euch erzählen möchte ist – dass ganz gleich, wie gut ein Song ist oder wie fähig die Musiker sind, die ihn spielen, eine unzureichend ausgeführte Aufnahme und Mix dieses Songs dich kalt lassen wird.“ Hier ist ein Clip dazu:


Was für eine dramatische Aussage! Und ich denke, er hat Recht. Am Ende des Tages ist das musikalische Handwerk, das die Aufnahme- und Klangingenieure zeigen, mindestens so wichtig wie jedes andere musikalische Element in einem Song. Du und deine Kollegen, ihr habt eine so wesentliche Rolle bei der Erschaffung einiger der feinsten Aufnahmen, die jemals produziert wurden, gespielt. Es war wahrlich eine umfassende Zusammenarbeit, und ich habe das Gefühl, Michael Jackson hat das in jeder Hinsicht verstanden.

Brad: Dies soll keinesfalls arrogant klingen, aber es ist schwer zu beschreiben, wie außergewöhnlich es war, im selben Raum zu sein mit Quincy Jones, Bruce Swedien, Rod Temperton, Bill Bottrell, David Foster, Teddy Riley, Greg Phillinganes, Steve Porcaro, Siedah Garrett, Michael Boddicker, John Robinson, David Williams, Paulinho da Costa … Dies Liste ließe sich unendlich fortführen. Außergewöhnlich talentierte Menschen, die alle zusammengearbeitet haben, eine Ansammlung dieser Talente, um Michaels Aufnahmen so musikalisch, kreativ und klanglich unglaublich wie möglich zu machen.

Es brauchte einen Künstler wie Michael, um diese Art Produktionsarmee zusammenzubringen. Ich höre Dinge in diesen Alben, die zahllose Erinnerungen zurückbringen – was aber über dem Ganzen lag, war die Liebe für das, was wir taten und die Liebe für denjenigen, für den wir arbeiteten. Ich denke, Michael wusste das, denn er arbeitete einfach noch ein bisschen härter als jeder andere von uns. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, aber ich war so gesegnet, Teil von etwas zu sein, das so viel größer war, als ich es mir jemals hatte vorstellen können, und ich bin dankbar, ein kleiner Teil davon gewesen zu sein.

Lisha: Ich möchte einfach noch sagen, obwohl du sehr bescheiden und zurückhaltend bist, Brad, sollte sich niemand täuschen! Für mich war es ganz offensichtlich, als ich dich bei der Arbeit beobachtet habe, dass es einen Grund dafür gibt, dass du mit all diesen Größen zusammen in einem Raum warst. Ich erkenne, dass du bei allem, was du machst, nach vortrefflicher Leistung strebst – in den Seminaren, im Studio und auf der Neverland Ranch. Ich glaube wirklich, dass ich verstanden habe, warum Michael Jackson dich geschätzt und dir so sehr vertraut hat.

Willa: Und ich bin froh, dass du die Erinnerungen an deine Arbeit mit Michael Jackson und diesem unglaublich talentierten Team von Musikern und Künstlern durch deine Seminare und auch heute mit uns teilst. Es war wirklich wunderbar dich darüber reden zu hören!

Also, ich weiß, dass Lisha vorhat, an deinem Seminar in Orlando am 8. Februar teilzunehmen. Wenn andere auch kommen möchten oder etwas über weitere Seminare herausfinden möchten, wie können sie sich anmelden oder informieren?

Brad: Der 8. Februar in Orlando wird ein außergewöhnlicher Tag werden. Ich habe Matt viele Jahre nicht gesehen, ihn also im selben Raum zu haben, seine Geschichten und Erinnerungen mit ihm zu teilen, wird fantastisch werden. Wir werden über Thriller, Captain EO, Bad, Dangerous und HIStory berichten und außerdem ein paar Überraschungen bereit halten. Das Ganze findet in einem wunderschönen Studio in Orlando statt, und ich werde meine Lautsprecher aus Westlake mitbringen. Das sind genau die Lautsprecher, die Bruce und ich benutzt haben, um Dangerous und HIStory abzumischen. Ihr werdet die Musik und die Mixes ganz genau so hören, wie Michael sie gehört hat.

Zusätzlich werde ich Linda mitbringen, meinen Catering Rock Star, sie wird uns ein außergewöhnliches Essen zubereiten, genauso, wie wir es an den „Family Fridays“ gehabt haben, an denen Michael uns dazu aufforderte, unsere Familien für ein paar Stunden mit Lachen, Geschichten und großartigem Essen mitzubringen.

Tickets kann man hier bestellen:

https://inthestudiowithmichaeljackson.ticketbud.com/in-the-studio-with-mj—orlando

Es gibt auch noch mehr Informationen auf meiner Website:

http://inthestudiowithmj.com

und auf meiner Facebook Seite:

https://www.facebook.com/inthestudiowithmj

Ich freue mich darauf neue Freunde kennenzulernen und einen aufregenden Tag miteinander zu verbringen.

Lisha: Ich kann es kaum erwarten! Wir sehen uns.

Brad-Sundberg

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