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Bin ich das Biest, das du dir vorstellst? Der kulturelle Missbrauch Michael Jacksons (von Joe Vogel)

Übersetzung des Artikels:

Am I the Beast You Visualized?: The Cultural Abuse of Michael Jackson – Von Joe Vogel

http://voiceseducation.org/content/am-i-beast-you-visualized-cultural-abuse-michael-jackson

Dieser Artikel wurde im November 2011 geschrieben/veröffentlicht, während dem Prozess von Murray. Im April beginnt Katherine Jacksons Prozess gegen AEG – Auch die Inhalte dieses Artikels werden dann wieder ganz aktuell….

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In den letzten Wochen haben wir ständig gehört, dass es nicht Michael Jackson ist, der vor Gericht steht, sondern Conrad Murray. Aber wir wissen natürlich, wie die Wirklichkeit aussieht. Das hier ist der „Prozess über Michael Jacksons Tod“. Er ist, wie es immer schon war, die Hauptfigur, das aufreizende Schauspiel. Es ist Michael Jackson, der unter dem Mikroskop liegt, während wir, wieder einmal, neugierig in seinem Haus, seinen Krankenakten und seinem Körper herumschnüffeln. Und nun, da das Publikum nach Jacksons Tod größtenteils verständnisvoller geworden ist, bleibt er doch das Objekt endloser Untersuchungen und Beurteilungen.

Spielt das denn noch eine Rolle, jetzt, da der Mensch selbst den Missbrauch nicht mehr spüren kann? Sollte es den Durchschnittsmenschen kümmern, ob eine „Berühmtheit“ wie Jackson herzlos gering schätzend behandelt wird? Projekte wie „Voices“, deren „Words and Violance“-Serie die verstörende Flugbahn unseres gesellschaftlichen Diskurs hervorhebt, sagt JA. Worte sind von Belang. Egal auf wen sie abzielen. Worte können, wie wir erst kürzlich bei jugendlichem Mobbing und Selbstmorden miterlebt haben, zu verheerenden dramatischen Ausgängen führen.

Genauso können sie auch benutzt werden, um zu beflügeln und zu heilen.

Michael With Mask

Michael Jackson wusste das. 1988 schloss er mit dem AIDS-Opfer Ryan White, einem Jungen aus Kokomo, Indiana, Freundschaft. White war aufgrund unaufhörlicher verbaler Attacken und Gewaltandrohungen gezwungen worden, die Schule zu verlassen. Jackson gab ihm, so White, das Gefühl, „normal“ zu sein. „Michael interessierte es nicht, welcher Rasse du angehörtest, welche Hautfarbe du hattest oder welche Behinderung“, erinnert sich Ryan Whites Mutter Jeanne. „Er liebte einfach alle Kinder.“
White ist einer von Tausenden von „Außenseitern“, denen Jackson sich zuwandte, mit denen er Freundschaft schloss und denen er mit Liebenswürdigkeit begegnete. Er identifizierte sich mit ihnen. Er verstand ihren Schmerz und ihre Einsamkeit. Er hatte Mitgefühl mit ihrem Kampf, in einer Welt zu leben, die sich weigerte, sie so, wie sie waren, anzunehmen, ob nun wegen einer Krankheit, ihrer physischen Erscheinung, ihrer Rasse, ihrer sexuellen Orientierung oder aus anderen Gründen.

Schon als Junge besaß Jackson dieses Einfühlungsvermögen. Hört euch den Song „Ben“ an. In der Art, wie Jackson den Song abliefert, finden sich aufrichtiger Schmerz und Mitgefühl (Sie sehen dich nicht so, wie ich dich sehe/ Ich wünschte, sie würden es versuchen). Den Song kann man als eine der ersten künstlerischen Stellungnahmen Jacksons ansehen, gesungen im Namen all derer, die ins Abseits gedrängt und missverstanden werden. Viele weitere sollten folgen.

Jacksons Außenseiterrolle begann schon während seiner Kindheit (da es nie eine Zeit gab, in der er sich als „normal“ empfand und auch nie eine Zeit, in der er so wahrgenommen wurde). Doch die Heftigkeit der Feindseligkeiten, die ihm durch sein „Anderssein“ entgegenschlugen, wurde mit der Zeit immer stärker. David Yuan behauptete in seinem 1996 geschriebenen Essay „Der berühmte Freak: Michael Jacksons grotesker Ruhm“, dass Michael Jackson der festgelegte Freak unserer Zeit sei. Keine andere öffentliche Person der Welt rief einen derartigen Level an Lächerlichmachen, extremster Musterung und „Hyper-Infrage-stellen“ hervor. Bereits 1985 wurde Jackson von der Klatschpresse als „Wako Jacko“ bezeichnet, einer Bezeichnung, die er hasste. In der Presse wurde er stets mit „bizarr“, „verrückt“ und „exzentrisch“ beschrieben. Tatsächlich wurde kaum etwas, was er Mitte der 80er sagte oder tat von den Medien anders bezeichnet.

Jackson wurde ununterbrochen wegen seiner Vitiligo-Erkrankung verspottet, von der die meisten Leute glaubten, er habe diese Krankheit nicht wirklich, bis sie schließlich im Obduktionsbericht definitiv bestätigt wurde. Er wurde wegen seiner Liebe zu Tieren, seiner Liebe zu Kindern und seiner Liebe zu unserem Planeten verspottet. Er wurde wegen seiner Ehen, seiner Kinder und seiner Neverland-Ranch verspottet. Man machte sich über seine Sexualität, seine Stimme und sein kindliches Verhalten lustig. Selbst bei Rezensionen über seine Musik konnte man nicht widerstehen, Pseudo-Psychoanalysen und persönlichen Beleidigungen den meisten Platz einzuräumen. Kann es einen Zweifel daran geben, dass diese Behandlung durch die Medien und die Kultur größtenteils missbräuchlich war?

Das Opfer dieser unmenschlichen Angriffe fühlte sich ganz sicher so. Hört euch die Texte seiner Songs an. In „Tabloid Junkie“ beschreibt er die Medien als „Parasiten“, die ihm das Leben aussaugen, während sie die allgemeine Öffentlichkeit mit stetigen Dosen von Sensationsmache betäuben und verwirren. In „Stranger In Moscow“ ist er ein Künstler im Exil, der von seinem eigenen Land, in dem er geboren wurde, aufgezehrt und wieder ausgespuckt wird. „Ich lief im Regen herum“, singt er in der Rolle eines einsamen Vagabunden, „hinter Masken/ fühle mich, als sei ich wahnsinnig“.

In „Scream“ ist er es leid, herum geschubst zu werden, er fleht: „Oh Bruder, bitte hab Gnade, denn ich halte es nicht mehr aus.“ Der Song dient jedoch auch als Medium von Stärke und Entschlossenheit (Treten sie mich nieder, muss ich wieder aufstehen). Michael und seine Schwester Janet liefern einen heftigen Schlag gegen das System, das sie sehr richtig als korrupt und ungerecht ansehen. In einem Vers singt Janet „Ihr betreibt einen Ausverkauf von Seelen und ich mache mir Gedanken um meine.“ Es ist ein herausfordernder Song darüber, sich gegen Grausamkeiten zur Wehr zu setzen, auch wenn der Schmerz und die Empörung so tief sind, dass sie nur in einem Schrei ausgedrückt werden können, der tief aus der Kehle kommt.

Scream

In zahlreichen Songs benutzt Jackson die Musik gleichsam als gebündelten Aufschrei all derer, die schlecht behandelt werden. In „They Don’t Care About Us“ legt er Zeugnis ab für all jene, die erniedrigt und ihrer Bürgerrechte beraubt wurden. „Sagt, was wurde aus meinen Rechten, bin ich unsichtbar, nur weil ihr mich ignoriert?“, singt er dort. In „Little Susie“ richtet er die Aufmerksamkeit auf die Not der Vernachlässigten und Verlassenen, indem er die Geschichte eines Mädchens erzählt, dessen Gabe unbemerkt bleibt, bis es tot am Fuße der Treppe ihres Hauses gefunden wird. („Hebt sie ganz vorsichtig hoch“, singt Jackson, „Blut ist in ihrem Haar“). Der „Earth Song“ liefert eine epische Wehklage im Namen unseres Planeten und seiner verwundbaren Einwohner (repräsentiert durch die leidenschaftlichen Ausrufe des Chors: Was wird aus uns?). Durch solche Songs (wie auch durch sein ganzes Leben und seine ganze Persönlichkeit) wurde Jackson zu einer Art globalem Repräsentanten der „Anderen“.
Die Massenmedien jedoch hielten nie sonderlich viel von Jacksons „Anderssein“, genauso wie sie nie viel von den „Anderen“ hielten, von denen er in seinen Songs sprach. Sie fanden wohl eher eine einfache, profitable Geschichte – Jackson als exzentrischer „Freak“ – und an dieser Geschichte hielten sie nahezu 30 Jahre fest und sie erhöhten stets und ständig ihren Einsatz.

Die fesselndste Reaktion Jacksons auf die öffentliche Wahrnehmung von ihm kommt wahrscheinlich in diesen drei Songs zum Ausdruck: „Ghosts“, „Is It Scary“ und „Threatened“. Hier hält Jackson der Gesellschaft den Spiegel vor, die ihn verachtet und er verlangt von ihr, in ihr eigenes groteskes Spiegelbild zu blicken. „Erschreckt dich das?“, fragt er. Die Songs, mit den sie begleitenden bildlichen Darstellungen, sind nicht nur extrem selbstbewusst, sie demonstrieren auch sein sehr scharfsinniges Verständnis der giftigen Mächte, die ihn umgeben und jagen.

In dem Kurzfilm „Ghosts“ verhöhnt der Bürgermeister (eine konservative Autoritätsperson, inspiriert von DA Tom Sneddon) von „Normal Valley“ Jacksons Charakter: „Freaky Boy! Freak! Zirkusfreak!“ Interessanterweise ist es Jackson selbst, maskiert als Bürgermeister, der diese Worte sagt und man kann spüren, wie sehr er sie verinnerlicht hat. Es sind Beleidigungen, die beschmutzen und demütigen sollen (was sicher 1993 und 2005 auch der Zweck der Jagd auf Jackson war). Für den Bürgermeister ist Jacksons Anwesenheit in der Gemeinde nicht zu tolerieren. Es ist nicht so, dass Jackson irgendwem wehgetan hätte, es ist einfach, weil er anders ist und Anderssein bedrohlich ist.
In solch künstlerischen Ausdrucksformen erkennt Jackson ganz klar, was ihm angetan worden ist. Er wurde von äußeren Mächten in eine Schublade gesteckt. Er ist ein Phantom, das sie sich in ihren eigenen Köpfen erschaffen haben, wie er in „Is It Scary“ singt. „Wenn du exzentrische Seltsamkeiten sehen willst, werde ich vor deinen Augen grotesk“. Das heißt mit anderen Worten, dass er grotesk sein wird, weil es genau das ist, „was das Publikum sehen will“. Sie wurden so konditioniert, genau das zu sehen. Später in diesem Song nimmt er die Reaktionen des Publikums vorweg, indem er fragt: „Amüsiere ich euch/oder verwirre ich euch nur/bin ich das Biest, das ihr euch vorstellt?“ Wurde er weniger als ein Mensch? Warum? Ist es seine physische Erscheinung? Seine mehrdeutige Identität? Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte? Keine Frage, Michael Jackson war anders. Die Frage ist, warum dieses „Anderssein“ eine solch glühende Herabwürdigung und Verunglimpfung entfachte.

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Eine der bemerkenswertesten Qualitäten von Michael Jacksons Leben und Werk besteht jedoch darin, dass er sich weigerte, sein Anderssein aufzugeben. Er wird niemals „normal“, wie es, sagen wir, vom Bürgermeister von Normal Valley erwartet wird. Er passt sich keinen Erwartungen an. Lieber bleibt er sich selbst treu und stellt seine einzigartige, facettenreiche Identität zur Schau, zum Verdruss all derer, die sich wünschen, er möge in vorhersehbarere Schubladen passen. Seine Andersartigkeiten, wie Susan Fast schreibt, waren „undurchdringlich und unerschöpflich und riefen große Beunruhigung hervor. Sei doch bitte schwarz, Michael, oder weiß oder schwul oder hetero, Vater oder Mutter. Sei deinen Kindern ein Vater, aber sei doch bitte nicht selbst Kind, damit wir endlich wissen, auf wen wir unsere liberale (In)Toleranz richten sollen. Und versuch doch bitte nicht, alle gleichzeitig mit Kodes zu verwirren“.

Selbst über zwei Jahre nach seinem tragischen Tod, scheint es so zu sein, dass die Menschen immer noch nicht wissen, was sie mit Jackson anfangen sollen. Deshalb wird er einfach auf einen „Medikamentenabhängigen“ reduziert. Herzlos pflastert ein Foto seines leblosen Körpers die Nachrichtenseiten. Ein grausames, missbräuchliches Verhalten, unter dem Deckmantel „normal“. Vielleicht nutzte Jackson deshalb einen Gruselfilm als Medium, um sich zu wehren. Es war sein Weg, den Spieß umzudrehen, um symbolisch die Welt so darzustellen, wie er sie oft empfand: monströs und grotesk. Seine „Horrorstorys“ waren sicherlich nicht dafür vorgesehen, einfach nur zu unterhalten.

„Freaks werden Freaks genannt“, bemerkt Autor James Baldwin, „und sie werden behandelt, wie sie behandelt werden – in der Hauptsache abscheulich – weil sie Menschen sind, die tief in uns unsere grundlegendsten Ängste und Wünsche widerspiegeln.“ Doch so sehr Jackson zum symbolischen Magnet wurde, auf den diese kulturellen Ängste projiziert wurden, so war er doch auch ein Mensch aus Fleisch und Blut, der versuchte, sein Leben zu leben. Gegen Ende von „Is It Scary“ singt er: „Ich bin einfach nicht das, was ihr in mir sucht“, bevor er dem leidenschaftlichen Zuhörer offenbart: „Doch wenn ihr euch aufmacht/ die Wahrheit und Reinheit zu erkennen/ liegt sie hier in einem einsamen Herzen/ als lasst die Performance beginnen!“

Ironischerweise finden wir diese Wahrheit und Reinheit in der Performance seiner Kunst. Hier treibt er seine Dämonen aus, dort wo seine Qual sich in schöpferische Energie verwandelt. Hier stürzen Mauern ein und Masken fallen. Für die Außenwelt mag er in Spektakel sein, eine Karikatur, ein Freak; doch hier, in seiner Musik, offenbart er letztendlich seine Seele. Er ist ein Mensch.

Die Frage ist: Was sehen wir?

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Übersetzung: achlidsbliss – mjjackson-forever.com

Susan Fast – Anderssein, das über das Verstehen hinausging:

http://all4michael.com/2012/09/25/anderssein-das-uber-verstehen-hinausging-erinnerung-an-michael-jackson-1958-2009/

Todd Gray – Erinnerungen an Michael – “before he was king”

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Im Jahr 1979 , nach dem Abschluss der High School ging ich an die Kunstschule. Mit 17 hatte ich bereits in der Zeitschrift “Life” veröffentlicht und war auf Tour mit den Rolling Stones. Zu dieser Zeit hatte ich ein wirklich gutes Portfolio an Konzert Fotos und CBS Records (jetzt Sony) mochte meine Arbeit weil Ich “Gladys Knight and the Pips” für sie fotografiert hatte, und deren Manager mochte die Fotos und die Art, wie ich auftrat. Ich hatte keine Ahnung, dass sie auch die Jacksons managten und ziemlich schnell bekam ich den Auftrag, die Gruppe bei ihrem Auftritt bei “American Band Stand” und “Soul Train” zu fotografieren. Als ich dort auftauchte ging ich in die Garderobe und dort waren all diese Menschen, die um Michaels Aufmerksamkeit buhlten. Ich gebe zu, ich war ein wenig eingeschüchtert und dachte sofort, dass ich von dieser Situation lieber etwas Abstand haben wollte… und so zog ich mich lieber erst Mal etwas zurück, um mich aus dem Trubel um Michael herauszuhalten.

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Es war offensichtlich, dass Michael einen besondere “Aura” hatte, und jeder wurde davon angezogen, einschließlich der Platten-Bosse, den Radioleuten – einfach alle – sie folgten ihm nicht nur, sie klebten förmlich an ihm. Wieder traf ich eine bewusste Entscheidung, nicht zu diesem Kreis zu gehören, es war nicht meine “Liga”. Es war ein immer gleiches Szenario, aber Michael war pflichtbewusst und hatte sein Management-Team stets an seiner Seite, denn Michael, der eigentlich schüchtern und introvertiert war, war aber gleichzeitig in einem der öffentlichsten Berufe, so hatte er immer eine Art Schutzschild von Leuten um sich, die von ihm ablenkten und wenn jemand zu ihm wollte, musste er erst an diesen Leuten vorbei. Mike sprach immer nur wenig Worte mit leiser Stimme und wenn jemand von den Medien oder anderswo etwas von ihm wollte, flüsterte er ins Ohr eines seiner Helfer und der gab die wie auch immer lautende Antwort weiter. Michael tat dies, weil er keine direkte Konfrontation mochte und nicht die Gefühle eines anderen verletzten wollte. Dennoch war seine Stimme nicht wirklich so sanft wie die, die er oft in der Öffentlichkeit verwendet, so dass ich denke, Michael tat das auch zu seinem Schutz. Wenn ich mit ihnen (den Jacksons) unterwegs war, war Michael immer kritisch mit ihren Auftritten und redete darüber, wie sie ihre Leistungen verbessern könnten und er tat es immer mit dieser sanften Stimme. Aber denkt nichts falsches… wenn Michael sprach, hörten sie alle zu.

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War Michael nur von seiner Familie und Freunden umgeben, war er oft ausgelassen ein Spaßmacher. Manchmal rief mich mit verstellter Stimme und falschem Namen an, und bat mich, irgendetwas albernes zu tun. Er konnte eine Vielzahl von Stimmen imitieren und spielte mir viele Streiche. Einmal machte ich Bilder von ihm während er im Bett war, weil er zu spät war für ein Treffen, das wir ausgemacht hatten und er wollte nicht aufstehen. Er sagte: “Todd, ich werde dich da für noch dran kriegen!” Und das tat er. Ich hatte es längst vergessen. Viel später, während einem Auftritt sollte ich, so sagte er zu mir, an einem bestimmten Ort vor der Bühne stehen, um Fotos von ihm zu machen während er sang. (She’s out of my life) Ich tat wie mir angewiesen wurde. Kurz bevor ich an meiner Position war, ließ Michael sich plötzlich auf den Boden fallen und rief: “Ich bin so einsam, kann nicht jemand kommen und mich berühren, ich brauche euch.. ” und jede Frau an diesem Ort ist auf mich eingestürzt. Ich stand genau zwischen ihnen und der Bühne mit Michael und ich konnte nicht einmal ein Foto machen, und Michael warf mir diesen Blick zu: “jetzt hab ich dich“. Danach sagte ich zu ihm: “Du denkst, du bist clever….” und er sagte ganz unschuldig: “Was meinst du,Todd?“ Ich sagte: „Die haben mich eingeklemmt, es hat weh getan” und er antwortete: “Todd, ich plane solche Sachen nicht, irgendetwas packt mich einfach, und dann denke ich nicht nach, was ich tue.”

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Dieser Mann war wie ein Rätsel. Ich habe nie jemanden getroffen in dem sich solche Eigenschaften vereinen, wie diese reife Weisheit eines Erwachsenen und die Qualitäten eines Kindes. Michael war in vielem ein authentisch Kind. Ich konnte versuchen was ich wollte, ich konnte diese beiden polaren Gegensätze in ein und demselben Körper nicht fassen. Wir gingen ein paar mal zu Disneyland und wenn du neben ihm in einer Achterbahn sitzt, mit Michaels Geschrei, dann wurde ich genauso und ließ mein Kind raus. Ich bin ihm dafür dankbar. Er machte, dass es in Ordnung war, um ihn herum wie ein Kind zu sein, und das waren alle in seinem Lager, wir alle wurden ab und zu wieder zu Kindern. Michael erschuf diese Atmosphäre und diesen Raum und du bist darin aufgegangen, bevor du es realisieren konntest. Anfangs war ich distanziert und hatte eine professionelle Einstellung, aber ich merkte, dass er sich wohler fühlte wenn man spielerischer war und er sich dann mehr öffnete. Was sehr großartig war am Zusammensein mit Michael ist, dass ich meine Erwachsenen-Maske fallen lassen konnte und mein inneres Kind pflegen konnte.

Ich war etwas modebewusst und er fragte mich deshalb manchmal, was er anziehen sollte, oder ich ging durch seine Garderobe suchte etwas für ihn raus. Es war in jenen Momenten, dass er seine Unsicherheit mir gegenüber ausdrückte. Ich erinnere mich, dass ich ihm sagte, er solle seinen Mickey-Mouse- Hut ausziehen, aber er behielt ihn und sagte: “Oh, Todd, ich mag ihn, es ist mein Lieblingsstück.” Was die Leute vielleicht überrascht zu erfahren ist, dass Michael mit seinem Geld anfangs nicht verschwenderisch umging. Ich erinnere mich dass er eine Statue besonders toll fand und mich los schickte, um den Preis herauszufinden. Als ich zurückkam und ihn nannte sagte er, dass es ihm zu viel Geld sei. Ich konnte es nicht glauben, denn es war zu der Zeit als er wirklich das große Geld machte.

Wegen seiner Religion war er immer im Zwiespalt und darauf bedacht nicht alles im Übermaß zu haben, er akzeptiere auch nicht das Geburtstagsgeschenk, was ich ihm gekauft hatte, weil seine Religion Geburtstage nicht anerkannte. Ich konnte die Enttäuschung sehen, als er das Geschenk von mir abgelehnte. Du konntest auch nicht in Michaels Umgebung fluchen oder locker daherreden. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, wo ich und einer der anderen Kumpel auf Tour gingen auf der Suche nach Frauen, und als wir wieder zurückkamen fragte Michael, was wir am Abend gemacht hätten. Der andere sagte: “Wir waren fischen.“ “Fischen ?” Er brauchte eine Minute, um darauf zukommen was der Kumpel sagen wollte, aber als er endlich begriff, lachten wir und es wurde zu unserem “Running Gag”, so dass er uns jedes Mal wenn wir ihn sahen fragte: “Na Jungs, wart ihr heute wieder “fischen”? “

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Als ich ihn kennen lernte unterschätze ich ihn völlig und dachte, er ist ein „Leichtgewicht”, wie ein Kind, aber ich merkte, er ist ein scharfer Denker mit hohem Intellekt. Einige Experten glauben, dass man seinen kreativen Geist fördern kann, indem man sich mit seinem inneren Kind verbindet und kulturelle Zwänge außer Acht lässt. Man bekommt dann eine bessere Verbindung zur Kreativität, weil man entspannter ist und die Ideen kommen von selbst. Michael hatte sich nie eingeschränkt und zurückgenommen und er hatte immer diesen Erneuerungs-Prozess und bekam so neue, erfrischende Ideen.

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Ich erinnere mich, ich hatte den Auftrag ein Cover für das “Time Magazine” zu machen und Michael saß in seinem Heim-Kino, hatte seine Beine auf den Stuhl gelegt und ich bemerkte, dass er zwei verschiedenfarbige Socken trug und ich sagte: “Mike, du hast zwei verschiedene Socken an.” Das war, als “Thriller” gerade richtig loslegte und Mikes Zuversicht am größten war. Er sagte: “Ich weiß, nimm das Bild auf.” Und ich sagte: “Aber Mike, sie werden über dich reden.” Und er antwortete mit hochgezogenen Augenbrauen: “Ich weiß, Todd. Mach das Bild.” Da wußte ich, ich war in dem Moment einfach nur ein Angestellter und kein Freund. In diesem Moment verstand ich, dass Michael bereits begonnen hatte, sein überlebensgroßes Image zu schaffen. Und er hatte Recht, alle sprachen darüber.

Ich war in meinem Studio in Inglewood, umgeben von Michaels Fotos um sie für ein Buch zu bearbeiten, als meine Frau herein kam und sagte, Michael sei gestorben. Dann rief mein Sohn an und brach in Tränen aus und sagte wie sehr er ihn vermisse, er sei doch mit ihm aufgewachsen. Aber mich traf es erst so richtig, als ich sein Memorial ansah, und Magic Johnson sagte, er sei ein besserer Spieler geworden – wegen Michael. Mike entzündete etwas in dir, was dich immer inspirierte besser zu werden.

http://www1.essence.com/news_entertainment/entertainment/articles/michael_jacksons_photographer_todd_gray_shares_intimate_moments_with_the_king_of_pop#ixzz0t6IRbfWy

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Michael zeigte mir sein erst kürzlich fertiggestelltes Privattheater, komplett mit Plüschsitzen aus rotem Samt. Ich dachte, sein blauer Pullover würde das Tiefrot gut ergänzen und bat ihn, Platz zu nehmen und so zu tun, als ob er einen Film sehe. ”Welchen Film?” fragte er. Ich sagte: ”Das spielt keine Rolle. Jeder Film tut’s” Doch Michael bestand darauf: ”Todd, du musst mir schon sagen welchen Film ich schaue, wenn du eine Reaktion von mir erwartest.” “Ok, wie wäre es mit einer Charlie Chaplin Komödie?” schlug ich vor. ”Welche?” fragte Michael. ‘Es gibt so viele, weißt du.” Ich hatte einen Aussetzer, zum Glück rief mein Assistent ”Modern Times.”  Michael antwortete: ”Ok, welcher Teil?” Ungeduldig sagte ich: ”Michael, es ist eine Komödie, lach einfach!” Es war schon spät und wir alle waren müde und leicht gereizt, aber Michael hatte seinen Spaß damit. ‘Nun”, begann er, ”wenn du mich zum lachen bringen willst, musst du mir einen Witz erzählen. Aber du sagtest, ich soll so tun, als würde ich einen Film schauen. Was möchtest du denn jetzt?” Schließlich gab ich auf und machte ein lächerliches Clownsgesicht, das ihn zum lachen brachte.

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Michael war anfangs sehr schüchtern und unsicher vor der Kamera. Es brauchte zwei Jahre Zusammenarbeit, um unser Verhältnis aufzubauen. Aber als es erst einmal gefestigt war, spürte ich wie entspannt er vor der Kamera wurde, er musste nicht extra posieren, er fühlte sich so entspannt, dass er einfach er selbst sein konnte, und sicher wußte, dass ich ein gutes Foto von ihm machen würde. Er vertraute mir genug, um ganz er selbst zu sein.

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Todd Gray – Michael Jackson: Fotografien 1974 – 1983

http://www.amazon.de/Michael-Jackson-Fotografien-1974-1983/dp/3941376136

Todd Gray – Michael Jackson before he was king

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Auszug aus dem Buch:

Schon sehr früh fiel mir auf, wie engagiert Michael bei der Arbeit war. Er arbeitete fast immer und schien sich selten zu entspannen. Zweifellos war er harte Arbeitszeiten gewohnt und hatte so die freie Zeit der Kindheit größtenteils verpasst. Seine Fähigkeiten reichten weit über sein verblüffendes Talent als Sänger und Tänzer hinaus. Ein großer Teil der Arbeit fand im Tonstudio statt – der Erfolg der Jacksons beruhte auch auf ihrem Perfektionismus, was ihre Produkte anging -, und Michael war unbestritten der in der Gruppe, der am konzentriertesten und härtesten arbeitete. Wenn er im Regieraum an der Technik saß und mit den Toningenieuren das Mischpult bediente, gab er seinen Brüdern geflüsterte Anweisungen zu Gesangsarrangements. Er flüsterte nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil er schüchtern war und seine Ideen nicht hinausschreien wollte. Mit gerade mal zwanzig Jahren traf er Entscheidungen über die Gestaltung von Albumcovers, las Verträge, gab Interviews und nahm im Studio auf – manchmal alles an einem Tag.

Im Frühjahr 1981 begannen Michael und seine Brüder mit den Proben für die Triumph-Tour, die sie in 35 nordamerikanische Städte führte. Michael, der Perfektionist, forderte das Äußerste von sich und den anderen, so als wäre jede Probe ein richtiges Konzert. Er hielt sich nie zurück und gab bei jeder Probe alles, trainierte seinen Körper und seine Stimme. Mit einem Zerstäuber wärmte er seine Stimmbänder auf, um hinter der Bühne Tonleitern zu üben. Er ging vorsichtig mit seiner Stimme um, um sicherzustellen, dass sie jederzeit absolut einsatzbereit war und er verlässlich konstante Höchstleistungen abliefern konnte. Jeder Auftritt sollte großartig sein und jede Performance eine neue Erfahrung, was nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Risiko darstellte. Weil ihm so viel an den Auftritten lag, war Michael oft angespannt und nervös, bevor er auf die Bühne ging. Aber gerade die Hingabe und der Perfektionismus machten ihn zu einem unvergleichlichen Künstler.

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Wenn Michael Zeit zum Entspannen fand, blätterte er gerne in Bildbänden. Er nahm seine Lieblingsbücher mit auf Tour und kaufte unterwegs neue. Immer wenn wir eine Stadt verließen, war der Bus mit noch mehr Kartons beladen. Die Triumph-Tournee begann in Memphis ohne Kisten, nach ein paar Tagen in Dallas waren es zwei, dann kam Houston, und als wir in San Antonio waren, sah ich, wie ein ganzer Berg Bücherkisten eingeladen wurde. Er liebte besonders Bücher über das glamouröse Hollywood der Dreißigerjahre, ebenso reich illustrierte Kinderbücher und hochwertige, großformatige Bildbände. Michael verkroch sich meist ganz hinten im Bus, während die anderen vorne zusammenblieben. Auch ich zog die Ruhe vor und saß bei ihm, während er in ein Buch mit prachtvollen Hollywoodbildern aus den Dreißigerjahren vertieft war. Er betrachtete eine besonders eindrucksvolle Aufnahme und sagte: „Das ist zauberhaft. Solche Fotos macht heute niemand mehr.“ Er studierte die Posen, Augen, Make-up und Ausdruck – alles, was einem solchen Bild Glanz verleiht. Außerdem liebte er Bücher mit Bildern von Kindern aus aller Welt. Ich weiß noch, wie er im Bus einmal sagte: „Alle Kinder sind schön. Es spielt keine Rolle, woher sie kommen, sie sind alle so schön. Ich wünschte, ich könnte ein Buch über die Kinder der Welt schreiben. Ich möchte sämtliche Länder bereisen und zeigen, dass alle Menschen auf Erden schön sind. Ich will nach Indien fahren und die Armut und das Elend der Kinder dort dokumentieren, und vielleicht könnte ich helfen, ihre Lage zu verbessern. Oder Afrika, wo es so viel Hunger und Krankheiten gibt. Todd, würdest du das mit mir machen wollen?“ Ich war sprachlos, weil ich mich fragte, wie Michael je Zeit dafür finden wollte – und, weil er mich als Fotograf dafür haben wollte. Ja, sagte ich, ich wünschte, wir könnten eines Tages ein solches Projekt zusammen machen. Ich empfahl ihm die Bilder von Lewis Hine, dem einflussreichen Fotojournalisten, dessen Werk dazu beitrug, dass im frühen 20. Jahrhundert Gesetze gegen Kinderarbeit eingeführt wurden. Als er Hines Aufnahmen gesehen hatte, sagte er, das sei die Art Bilder, die ich machen sollte. „Sie sind so traurig und bewegend. Sie rühren mich zu Tränen.“ Immer mal wieder kam Michael auf die Idee unseres Buchs über die Kinder der Welt zurück, aber irgendwann war die Sache vom Tisch; ein unerfüllter Wunsch, der sich jedoch ein paar Jahre später in anderer Form in „We Are The World“ wiederfand, das dank Michaels Ko-Autorschaft und Mitwirkung Millionen für die Wohltätigkeitsorganisation USA for Africa einspielte. Es war eine typische Michael-Geste – großzügig, kreativ, bahnbrechend.

Ich begleitete Michael oft zu Konzerten, Benefizveranstaltungen und Preisverleihungen, und er liebte es, sich mit anderen Berühmtheiten fotografieren zu lassen. In Gegenwart anderer Stars war er so aufgeregt wie jeder normale Fan. Nervös fragte er mich: „Glaubst du, Soundso macht ein Bild mit mir?“ Ich lachte im Stillen und antwortete: „Michael, du bist ein viel größerer Star als Soundso … Sicherlich möchte er oder sie sich mit dir fotografieren lassen.“

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Michael war ein einzigartiger Mensch. Obwohl ich manchmal dachte, ich hätte ihn durchschaut, ist mir das nie wirklich gelungen. Heute ist mir klar, dass er etwas Ungreifbares, Unerreichbares an sich hatte. Ich weiß jetzt, dass in ihm immer das Kind verborgen blieb, das ahnte, dass das Geheimnis seiner Kreativität darin lag, seine jugendliche, liebevolle Unschuld zu bewahren. Ich hatte das Glück, viel Zeit mit ihm verbracht zu haben, und in der Zeit, als ich mit Michael und seiner Familie arbeitete, wurde ich immer mit Wärme und Güte behandelt. Ich danke Michael dafür, dass er mich mit einem Arbeitsethos vertraut gemacht hat, an dem ich bis heute festhalte. Wann immer ich müde bin und keine Lust habe, Höchstleistungen zu erbringen, frage ich mich: „Würde MJ Kompromisse schließen? Würde MJ minderwertige Arbeit abliefern?“ Die Antwort ist selbstverständlich: Nein. Dieses Wissen motiviert mich, immer weiterzumachen und mein Bestes zu geben.

Meine Fotografien von Michael zeigen ihn als den einnehmenden, bezaubernden, jugendlichen Menschen, der er war, ehe die Begleiterscheinungen seines außergewöhnlichen Ruhmes ihre Wirkung zeigten. Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir klar, dass das die schönste Zeit war, die Zeit, bevor er der „King of Pop“ wurde.

Dave Dave (David Rothenburg) – Erinnerungen an Michael

Dave Dave wurde 1983 von seinem Vater mit Benzin übergossen und erlitt schwerste Verbrennungen. Er freundete sich 1983 mit Michael an, der ihn über viele Jahre unterstützte. In einem Interview von 2009 berichtet Dave Dave über seine Freundschaft mit Michael.

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Tom Mesereau über Dave Dave:

“Auf seiner Beerdigung war Dave Dave (David Rothenburg) Michael hatte sich um ihn gekümmert und er (Dave Dave) redete auf der Trauerfeier darüber, welch eine liebenswürdige, ehrbare, großzügige Person Michael Jackson war. Ich habe mitbekommen, dass überall in der Welt solche Kinder waren für die er das tat. Benachteiligte und kranke Kinder. Michael hat Checks geschrieben, aber niemand hat darüber berichtet. Er hat es nicht getan, um damit bekannt zu werden, er hat es getan, weil es von seinem Herzen kam.”

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David: “Er hatte von mir gehört, mich kontaktiert und wollte mich treffen. Ich war gerade 7 Jahre alt damals. Es ging auf und ab mit meinen Operationen. Er befreundete sich mit mir und nahm mich in sein Leben auf. Er öffnete seine Arme und akzeptierte mich als guten Freund. Und über die Jahre ließ er mich nie fallen. Der Besuch von ihm in seinem Haus in Encino war noch sehr improvisiert und wurde von meiner Mutter geheimgehalten. Ich war immer ein Bewunderer von ihm – nicht wirklich ein Fan – aber ich liebte seine Musik. Eines Tages überraschte mich meine Mutter und brachte mich nach Neverland, ich ging in die Arcaden und da war überall diese Musik von Paul McCartney, “This girl is mine” und alles mögliche andere. Ich setzte mich hin und mein Lieblings Video- Spiel damals war “Pole-Position”, ich spielet also “Pole-Position” und dann tippte mich jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und da war Michael und in dem Moment wurde ich auch schon umarmt, und diese Umarmung endete nie, durch unsere ganze Freundschaft hindurch.  Ich glaube, dass die Leute nicht realisieren, dass Michael auch nur ein Mensch war. Über die Jahre wurde er von den Medien stigmatisiert und das war weder gut für ihn, noch für sein Umfeld. Ich glaube Michael war eine großartige Person, er hat niemals eine Seele verletzt und ich bin froh, dass ich all die Jahre sein Freund sein durfte. Ich war ein treuer Freund. Michael war immer für mich da, immer, wenn ich jemanden zum Reden brauchte. Michael unterstütze mich emotional sehr, er öffnete Neverland für mich, als ein Mittel zu Ablenkung. Eigentlich könnte man sagen, er war für mich eher der Vater, den ich nie hatte, als ein Freund.”

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Miko Brando: „Er liebte Dave von dem Tag an, wo er ihn kennenlernte. Sie wurden Freunde und Michael half ihm über all die Jahre. So ein Mensch war Michael…“

Hier das Interview im Original (LarryKing Live):

https://www.youtube.com/watch?v=En5Q4syywcw

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Noch eine Geschichte über Dave Dave und Michael:
Eines Tages rief Michael an und sagte: „Hast du Zeit, mit deiner Familie zum Essen zu kommen? Ich habe einen Freund zu Besuch, den ihr kennenlernen sollt.“ Ich wusste, dass es interessant sein würde, wenn er so etwas sagte, und man wäre hinterher froh, die Einladung angenommen zu haben. Ich sagte ihm, wir würden sehr gerne kommen. Er sagte: „ Ich muss dich zuerst noch etwas fragen. Denkst du, deine Kinder würde es verstören, jemanden zu treffen, der von einem Unfall verunstaltet ist?“ Ich sagte ihm: „Michael, ich kann dir versichern, meine Kinder werden diesen Mensch so behandeln, als hätte er keine Deformationen. Ich habe ihnen schon sehr früh beigebracht, nie etwas Verletzendes zu irgendwem zu sagen. Besonders nicht, wenn es Dinge betrifft, für die man nichts kann. Ich werde ihnen aber davon erzählen, bevor wir zu dir kommen.“ Michael sagte: „Gut, dann freue ich mich, wenn ihr zum Dinner kommt und David Rothenberg kennenlernt.“

Zu dem Zeitpunkt waren wir schon so oft auf der Ranch, dass man uns für gewöhnlich durchwinkte, und nicht mehr zum Anmelden anhielt. Auch dieser Besuch war nicht anders und nach unserer Ankunft parkten wir vor dem Haus. Obwohl ich es Michael schon oft gesagt hatte, dass es nicht nötig wäre, dass die Köche und das Hauspersonal sich immer vor dem Eingang aufstellten, standen sie auch jetzt wieder dort, um uns willkommen zu heißen. Michael bestand auf dieses Protokoll. Ich sagte zu ihm: „Ich kenne doch längst jeden beim Namen, weil ich schon so oft hier war. Ich fühle mich schuldig, dass sie ihre Arbeit unterbrechen müssen, um hier zu unserer Begrüßung zu stehen.“ Michael antwortete: „Du musst dir keine Gedanken machen. Es ist eine der Tätigkeiten, für die ich sie bezahle.“

Dieses Haus zu betreten war immer besonders. Es war ein liebevoller Anschlag auf alle Sinne. Wir gingen nach links, durch das Esszimmer. Am anderen Ende davon war ein großer Kamin, dem gegenüber sich die große Theke der Küche befand.  An diesem Abend saßen die Gäste rechts vom Kamin. Michael sah uns an und sagte: „Das ist David Rothenberg.“ Und dann stellte er uns gegenseitig vor. Die Kinder liefen herum, um im Haus zu spielen und ich, Chriss, Michael und David blieben am Tisch sitzen und unterhielten uns. Ich glaube, es gibt Bilder von David, für diejenigen, die sehen möchten, wie er aussieht, aber es genügt, wenn ich sage, dass er irgendwann in seinem Leben Verbrennungen erlitten hat.  Ich erinnere mich daran, dass er am Hinterkopf lange Haare hatte, und dass ein Mädchen, eine Cousine von Michael, damit beschäftigt war, die Haare zu einem Zopf zu flechten, während David uns von seinem Tag auf der Ranch erzählte. Als wir dann alle beim Essen waren, wandte Michael sich an ihn und fragte: „David, hast du heute etwas gemalt?“ David antwortete: „Ja, ich hab heute mein allerbestes Werk erschaffen.“ Michael sagte: „ Gut. Ich möchte, dass du jeden Tag, den du hier bist, malst. Ich möchte, dass du dich selbst ausdrückst.“ David versicherte ihm, dass er das tun würde.

Später am Abend ging ich mit Michael zum See, wo eine Staffelei aufgebaut war, und er zeigte mir ein paar von Davids Gemälden. Es waren einfache Figuren darauf, und V-förmige Vögel. Michael sagte zu mir: „Es macht nichts, wenn er kein großartiger Maler wird. Ich denke, es ist einfach wichtig für ihn, das zu tun, während er hier ist. Ich möchte, dass er beschäftigt ist.“ Ich fragte Michael: „Wie hast du David kennengelernt?“ Michael sagte: „Als er noch sehr jung war, hat ihn sein Vater mit Benzin übergossen und angezündet. Die Gründe spielen keine Rolle mehr. Und es gibt eigentlich auch keine. Jedenfalls hat er es überlebt, und ich habe all die Jahre auf ihn geachtet. Vor kurzem las ich in der Zeitung, David Rothenburg hätte versucht Selbstmord zu begehen. Er war verzweifelt darüber, dass er keinen Job bekam. Ich habe ihn herholen lassen. Einer meiner Fahrer hat ihn zur Ranch gebracht. Als er hier war, sagte ich ihm, dass ich gehört hatte, was passiert war. David sagte, es sei wahr und dass er wirklich niedergeschlagen sei, weil niemand jemand einstelle, der so aussähe, wie er. Ich sah ihn an und sagte ‚Ich würde dich einstellen. Ich möchte, dass du für mich arbeitest. Würdest du das tun?‘ David sagte, ja, das würde er. Also habe ich ihm Arbeit gegeben.“

Ich fragte Michael, ob er wirklich einen Job für ihn hatte. Er sagte: „Nein, aber ich habe einen erfunden.“ Ich fragte, was es sei, was er ihm zu tun gab. Er antwortete: „Ich gebe ihm Briefe oder Pakete und er muss sie in andere Städte transportieren, und ich sage ihm, es sei wichtig, dass sie dahinkommen. Ich habe ihn z.B. nach Los Angeles geschickt, oder nach San Diego. Ich habe ihm ein Auto gegeben, damit er überall hin kann. Er hat  vergessen, dass er für etwas gebraucht wird, und ich wollte ihm dieses Gefühl, gebraucht zu werden, zurückgeben.

Ich habe David danach nie wieder gesehen und ich habe Michael auch nicht gefragt, was aus ihm geworden ist. Ich erinnere mich an alte Geschichten aus den Nachrichten, dass David 1983, als er 6 Jahre alt war, und sein Vater im Scheidungsstreit mit seiner Mutter war, von seinem Vater angezündet wurde und dass über 90% seines Körpers verbrannt waren.

Es gibt ein Video auf YT, in dem David, der sich jetzt Dave Dave nennt (was sich anhört, wie ein Name, den Michael ihm gegeben haben könnte) mit Larry King spricht, kurz vor Michaels Beerdigung 2009. Er spricht über Michaels Freundlichkeit ihm gegenüber, die, wie David sagt, begann, als er 7 Jahre alt war, und die seine Mutter immer geheim gehalten hatte. Dave erzählte King, dass Michael ihm Neverland geöffnet hatte und ihn emotional unterstütze und zu ihm wie ein Vater war, den er nie hatte.

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Aus: Private Conversations in Neverland with Michael Jackson – Dr.William B. van Valin

http://www.amazon.de/Private-Conversations-Neverland-Michael-Jackson/dp/1481079727

Robert Hilburn erinnert sich an Michael Jackson

Als ich von Michaels Tod hörte, dachte ich daran, als ich zum letzten Mal mit ihm gesprochen hatte. Ich werde immer bedauern, dass mein letztes Gespräch mit Michael Jackson damit endete, dass er verärgert den Telefonhörer auflegte – zumindest dachte ich lange Zeit, Michaels Stimmung an diesem Tag sei zornig gewesen. Heute – je mehr ich über die Traurigkeit in seinem Leben nachdenke – begreife ich, dass er an dem Tag am Telefon eher verletzt war.

> The Jackson 5

Ich war bei der LA Times von 1970 – 2005 als Popmusik-Kritiker, aber meine Zeit mit Michael geht noch weiter zurück.  Er war bei den Jackson 5, der heißesten jungen Popband Amerikas. Ich war Freelancer bei der Times und ich sollte eine Story über sie bringen. Ich war garnicht so sehr an dieser Musik interessiert eher an Dylan und solchen Leuten, aber ich dachte, es könnte eine interessante kleine Story werden. Ich ging zu ihnen nach Hause, ungefähr abends um 20.00 Uhr. Man öffnete mir die Tür, seine älteren Brüder waren da und warteten auf unser Gespräch. Ich bemerkte, dass Michael nicht da war.  Und – ich glaube es war seine Mutter – die sagte: „Ich gehe und hole Michael, er guckt bestimmt wieder Cartoons.“ Und dann kam sie mit ihm zurück – er war einfach so niedlich, und man konnte erkennen, dass das letzte, was er an einem Abend um 20.00 tun wollte, war, sich mit mir zu unterhalten. Er sagte nicht viel, aber er musste im Zimmer bleiben. Die anderen Jungs sprachen von ihren Erfahrungen, von Gary Indiana, von Motown und all das. Schließlich, etwa um 20.45 Uhr, war das Interview zu Ende und ich wollte jedem der Gruppe noch die Hand schütteln. Und Michael rannte vor alle anderen, um mir zuerst die Hand zu geben und sagte: „Jetzt kann ich meine Cartoons weiter ansehen.“ Und sein Vater antwortete: „Ok, Michael, aber nur eine halbe Stunde.“  Er musste ja am nächsten Tag zur Schule. Er war einfach niedlich, er war so niedlich auf der Bühne und ein großartiger kleiner Sänger, ein großartiger Tänzer. Aber es gab in der Historie nur wenige Kinderstars, die auch noch als Erwachsene Stars waren – so dass ich zu dieser Zeit nie daran dachte, dass es für die Jackson 5 noch irgend ein „Leben danach“ geben könnte. Und es war auch tatsächlich so, dass die Gruppe für einen Großteil der 1970er Jahre verschwand. Ich denke, das hatte tiefe Auswirkungen auf Michael – er wurde von der ganzen Welt geliebt und dann mehr oder weniger zurückgewiesen. Und diese Ablehnung war noch viel tiefer, als ich ursprünglich dachte.

young michael jackson

 

> Motown verlassen

Keiner hätte 1974 je gedacht, dass Michael Jackson einmal der Künstler mit den meistverkauften Platten sein würde. Man hätte Wetten von 1  : 1.000.000 dagegen abschließen können. Keiner machte sich große Gedanken über Michael Jackson. Dann explodierte er, mit Off The Wall. Doch vorher mussten sie noch Motown verlassen. Motown wollte Musik produzieren, Motown wollte Musik kontrollieren, dann (solange) warst du gut. Michael wusste, dass er von Motown weg müsste und mit anderen Leuten zusammen arbeiten müsste. Er war wirklich ein cleverer (taffer) junger Mann, als er Motown verließ. Er traf Quincy Jones,  sie machten Off The Wall, es war ein riesiger Erfolg – 1981 gingen die Jacksons wieder auf Tour –und das war auch der Punkt, an dem ich wieder in ihr Leben trat. Ich flog nach St. Louis und fuhr mit ihnen im Tourbus nach Detroit. Die anderen Brüder waren so fröhlich – genau wie es 1970 in ihrem Haus war – sie sprachen über ihr Leben, aber Michael war nicht dabei.  Dieses Mal guckte er zwar keine Cartoons, sondern er saß hinten im Bus und war irgendwie nervös, ängstlich, verschüchtert…und ganz am Ende meines Interviews ging ich dann im Bus nach hinten und sprach auch mit ihm. Er war so anders als dieser 11 Jährige – jetzt war er 23 – er hatte sich so verändert. Wir alle verändern uns – aber es war so auffällig, dieser niedliche, glückliche Junge war so zurückgezogen/zurückhaltend, er sah beim Sprechen auf den Boden… Ich fragte ihn, warum er jetzt nicht in einer eigenen Wohnung lebe: „Du bist ein großer Star, warum wohnst du immer noch bei deinen Eltern“? Und er sagte etwas, an das ich mich immer erinnere:  „Oh nein, ich glaube, dann würde ich sterben. Ich wäre so einsam. Sogar zuhause bin ich einsam. Ich sitze in meinem Zimmer, und manchmal weine ich. Es ist so schwer, Freunde zu finden, und mit deiner Familie kannst du nicht immer über alles sprechen. Manchmal laufe ich nachts draußen herum, nur in der Hoffnung, jemanden um reden zu finden. Aber schließlich gehe ich einfach wieder nach Hause.“

Das sagte er – ich verstand seine Einsamkeit nicht ganz – aber es war deutlich, dass er mit dieser Sache sehr zu kämpfen hatte.

> Der Moonwalk

Auch wenn ich Michael nach diesem Interview 3 oder 4 Jahre lang nicht getroffen hatte,  war ich auf vielen Events in dieser Zeit, die sicher zu den stolzesten Tagen in seinem Leben gehörten. Vor allem das Motown 25 Special, wo Michael auf die Bühne kam und zum ersten Mal den Moonwalk zeigte. Ich saß unter den Zuschauern, und jedem blieb einfach vor Staunen die Luft weg. Ich wusste nicht, ob es ein Trick war, ich schrieb meine Notizen – aber ich wusste nicht, wie ich den Moonwalk beschreiben könnte, ich hatte keine Vorstellung davon, was das war – es war einfach magisch. Das war auch Michaels Lieblingsausdruck „magisch“. Er wollte, dass alles magisch sein sollte. Ich rief also am nächsten Tag seinen Manager an und fragte ihn: „War es ein Fließband oder irgendetwas anderes auf dieser Bühne, was sich bewegte? Was war das?“ Er sagte: „Nein, das war ganz alleine er, der sich so bewegte.“ Ich konnte es nicht wirklich glauben und dachte es wäre ein Trick gewesen, aber ich schrieb darüber einen Artikel in der Zeitung.

> Der Thriller –Moment

In der Nacht, in der er die 8 Grammys gewann war ich auch im Publikum. Es war ein klarer Triumph, er hatte seine Unabhängigkeit von Motown deutlich bewiesen, er war am Gipfel der Welt. Aber an was ich mich am besten erinnere , das faszinierendste – als ich mit ihm am Abend nach der Grammy-Verleihung sprach – also, die meisten Leute würden sich doch ein paar Tage Auszeit nehmen, etwas relaxen…aber er war schon wieder im Studio und arbeitete an einer weiteren Platte – in genau der Nacht – ist das nicht erstaunlich? Das war diese Hingabe – er war so engagiert/ehrgeizig, wirklich ein Perfektionist. Er beschwerte sich oft darüber, dass die Leute um ihn herum nicht hart genug arbeiteten. Er war manchmal frustriert deswegen.

 8 grammys michael Jackson

Der Buch-Deal

Er liebte es, mit berühmten Leuten in Verbindung zu sein, er bekam dadurch das Gefühl, ein noch größerer Star zu sein. Und mit je mehr Leuten er Kontakt hatte, desto faszinierender wäre auch er für die Öffentlichkeit, denn er war immer daran interessiert, seinen Stardome auszubauen, er wollte der größte Star sein.

Die nächste Begegnung mit Michael war, als ich mit ihm auf der Victory Tour war, ich war mehrere Wochenenden mit ihm unterwegs. Das entstand dadurch, dass er einen Vertrag mit Doubleday unterzeichnet hatte, um seine Autobiografie zu schreiben. Und der Grund, warum er das unterzeichnet hatte war, dass Jacqueline Kennedy Onassis dort Redakteurin war, was ihn beeindruckte. Aber er wollte eigentlich nicht wirklich eine Autobiografie schreiben. Ich war mit ihm unterwegs und fand heraus, dass er eigentlich einen Bildband machen wollte, er wollte viele Bilder zusammenstellen mit kurzen Texten dazu. Sie wollte ein Buch, was alles enthüllt, aber Michael dachte, dass, je weniger du über einen Mensch weißt, über einen Star, desto faszinierter ist man von ihm. Er sagte zu mir: „Elvis gab keine Interviews, Howard (?) gab keine Interviews…“ das war sein Konzept, er sah sich an, was die größten Stars getan hatten und studierte deren Leben. Wir verbrachten mehrere Wochenenden mit diesem Buch und die Frustration wurde immer grösser – er suchte die Bilder zusammen und er war so sehr dagegen irgendetwas über sich selbst preiszugeben. Ich erinnere mich daran, dass wir ein Bild heraussuchten, von einem älteren Mann, und ich fragte Michael, wer das sei. „Oh, das ist mein Großvater.“ Und ich fragte, was man dann zu dem Bild schreiben könne. „Mochtest du deinen Großvater?“  „Oh, ja, ich liebte ihn!“ „Ok, dann schreiben wir das dazu..“ „Oh nein, das ist viel zu persönlich…“ Es war wirklich sehr schwer. Letztlich kam es zum Showdown. Jacqueline Kennedy Onassis kam nach Los Angeles, in sein Haus und diskutierte mit uns das Buch, weil es nicht richtig voranging. Aber er war zu nervös, er hatte Angst, er mochte solche Gespräche nicht. Er sagte „Robert, sprich du mit ihr“ und er verschwand noch oben und blieb in seinem Schlafzimmer. Ich sprach dann mit ihr und sie sagte man müsse sich Gedanken über verschiedene Wege für dieses Buch machen. Letztlich – nachdem sie abgereist war – bekam ich einen Anruf von Michaels Anwalt und ich war dann nicht mehr an dem Buch beteiligt, sie hatten sich für einen anderen Weg entschieden, ich denke Doubleday übernahm die Regie bei dem Buch, anstatt dass er das selbst tat.

> Eine Lektion über Ablehnung

Etwas auf das er sich immer wieder bezog war diese Ablehnung/Zurückweisung in diesen Jahren Mitte der 70er, als die Jackson 5 nicht mehr populär waren.  Er war zu der Zeit 16 oder 17 Jahre alt. Einmal hatten wir ein Bild von ihm in dem Alter herausgesucht, und er hatte Akne – es war ein privates Foto, wo nichts abgedeckt war. Er dachte, seine Nase sei zu groß und er sagte „Sieh dir das an, es ist hässlich.“ Er drehte das Bild um. Er schreckte fast davor zurück. Ich sprach mit ihm darüber und er sagte, dass es manchmal so schlimm war, dass Leute zu ihnen kamen, nach Michael Ausschau hielten, mit ihm sprachen, ihn ansahen und fragten „wo ist Michael?“ Und er bekam das Gefühl, dass sie den niedlichen, kleinen Michael suchten, und nicht wahr haben wollten, dass er älter geworden war. „Wer bist du? Du bist nicht „unser“ Michael. Du hast uns „unseren“ Michael weggenommen.“ Das war sehr verstörend und verletzend für ihn, und ich glaube, dass auch das für ihn ein Grund dafür war, der größte Star zu werden, so einzigartig, und  geschützt durch den Ruhm, so dass keiner ihn mehr zurückweisen könnte.

Michael ca 1975

> Auf dem Weg zu Nr. 1

Während dieser Zeit auf der Tour, sprachen wir über Thriller und den Erfolg davon. Und er sagte: „Robert, weißt du, von dem nächsten Album werde ich doppelt so viele verkaufen, wie von Thriller.“ Ich dachte, er macht nur Spaß, aber es war ihm sehr ernst damit. Und ich denke letztlich war dieser Drang, die Nr. 1 sein zu müssen, diese Bedeutung der Charts, die fast noch wichtiger als die Qualität der Musik war, das was ihn verletzte, weil die Musik deshalb etwas von ihrer Seele verlor, sie musste kalkulierbarer sein, er musste Dinge einbringen, die so waren, dass es im Radio gespielt werden würde. Michaels Unschuld ging bei dem Prozess verloren und das war eigentlich der Anfang davon, dass es bergab ging. Es war wieder so, dass er befürchtete, sein Ruhm könne verblassen und er wurde verzweifelt über diesen Aspekt seines Lebens.

> Die Comeback-Tour

Ich dachte nicht, dass er noch einmal auf Tour gehen würde. Ich dachte nicht, dass er noch einmal eine gute Platte machen würde. Deshalb war ich sehr überrascht über diese Shows in London, und noch mehr überraschte mich, dass es 50 Termine waren. Ich wusste nicht wie er körperlich und emotional 50 Shows überstehen sollte, wenn etwas schief gehen würde. Ich bin sicher, es gab ihm Auftrieb, zu hören, dass er 50 Shows ausverkauft hatte, er sah, dass die Menschen ihn immer noch liebten – aber trotzdem musste er jeden Tag während dieser Tour-Vorbereitungen auch daran denken „Was ist wenn es nicht funktioniert? Was ist, wenn ich nicht mehr so magisch bin, wie ich einmal war? Mit 50 bin ich nicht die gleiche Person, die ich mit 25 war.“ Ich denke, das muss eine schlimme Vorstellung in seinen Gedanken gewesen sein, das Comeback zu wollen und darüber nachzudenken, was ist, wenn es nicht funktionieren wird. Es wird dann nie wieder ein Comeback geben. Es stand alles am Spiel, dort in London. Und er kam dann nicht mal bis zu diesem „Spiel“.

This Is It

> Erwachsen und doch wie ein Kind

Er fühlte sich ganz sicher wohler, wenn er mit Kindern zusammen war, als mit den meisten Erwachsenen. Nach einem der Konzerte der Victory Tour in Los Angeles, gab es eine große Party in einem der großen Hotels. Es kamen viele berühmte Gäste, Brooke Shields z.B. Aber er verbrachte den ganzen Abend in seinem Schlafzimmer und spielte mit den Kindern dieser Stars, er kam nie raus  – Brooke Shields wartete die ganze Zeit und ging schließlich. Es war diese Unschuld, die er spürte, wenn er mit Kindern zusammen war. Sie urteilten nicht über ihn, sie wiesen ihn nicht zurück, er musste sich bei ihnen keine Sorgen machen.  Er war sehr smart, taff, wenn es ums Verhandeln ging, wenn es darum ging, zu entscheiden, was gut für seine Kariere war. Er war nicht diese unschuldige Person, die keine Entscheidungen treffen konnte. Gewisse Entscheidungen konnte er treffen. Aber gesellschaftliche Verbindungen zu Erwachsenen, besonders in dieser Zeit, in den 80ern, waren sehr schwer für ihn.

> Angespanntes Verhältnis zu einem Beatle

Paul hat sich sehr aufgeregt, dass Michael den Beatles Katalog kaufte. Denn Paul machte ihn mit den finanziellen Vorteilen des Besitzes von Songrechten vertraut. Als Michael dann diese Songs von McCartney kaufte, war Paul sehr verstimmt. Aber für Michael war es eine großartige geschäftliche Investition, und es war ein Stück Geschichte, denn die Beatles waren die größte Band, die es je gab. Und wenn er das besitzen könnte – mein Gott – er war wirklich ein Geschäftsmann und es war ein großartiger Kauf, ein riesiger Wert, denn dieser Katalog ist jetzt vielleicht. eine Billion $ wert. Und er kaufte ihn für 47Mio.$. Ich war dort im Haus, weil ich eine Story darüber machte, darüber, wie das alles zustande kam, und er war einfach so glücklich darüber. Das kam im Zuge der Victory Tour, im Zuge des Thriller Albums, er war einfach begeistert. So sollte sein Leben sein.  Aber leider war es einige Zeit danach nie mehr so wie damals, ich bezweifle zumindest, dass es je nochmal so war.

> Ich habe mir nicht ausgesucht, zu singen und zu tanzen

Wenn es eine Zeit gab, wo du garantieren konntest, dass Michael glücklich war, war es, wenn er auf der Bühne war. Das war sein Heiligtum. Keiner konnte dorthin vordringen. Er wollte nicht von Leuten angestarrt werden, wenn er nicht auf der Bühne war. Er hatte dann nicht dieses Make up, nicht den Handschuh, nicht seine Kostüme – er wollte immer magisch sein und ohne all diese Dinge konnte er nicht magisch sein. Wenn er einfach die Straße entlang geht, ist er nicht die gleiche Person (wie auf der Bühne). Deshalb lebte er eher zurückgezogen.  Ich befragte ihn einmal über die Bühne und er sagte zu mir – es war 1981 im Bus nach Detroit – er sagte: „ Mein wirkliches  Ziel ist es, Gottes Bestimmung zu erfüllen. Ich habe mir nicht ausgesucht, zu singen oder zu tanzen, aber das ist meine Bestimmung und ich möchte sie besser erfüllen, wie jeder andere. Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten Mal im Kindergarten sang. Ich sang Climb Every Mountain. Und alle waren so begeistert darüber. Es ist wunderschön bei diesen Shows, dass die Menschen zusammenkommen, es ist unsere eigene kleine Welt, für die eineinhalb Stunden, in denen wir versuchen zu vermitteln, dass es Hoffnung und das Gute gibt. Erst wenn du wieder aus dem Gebäude kommst, siehst du wieder all das Verrückte um dich herum.“

Und das traurige für Michael war, dass für ihn diese  eineinhalb Stunden auf der Bühne nicht ausreichend waren.

Michael Jackson on stage

 

> Das letzte Telefongespräch mit Michael

Ich hatte einen Artikel über eine Abstimmung der Plattenindustrie geschrieben, sie sollten die 30 einflussreichsten Personen im Musik Business nennen, die populärtsten Personen. Michaels Name wurde dort nicht genannt. Also, er wurde schon genannt, aber nicht in positivem Zusammenhang. Sie sagten, dass seine Karriere seit 1995 vorbei sei. Sie sagten Dinge wie, dass es zu viel Hype gab und die Leute das Vertrauen in ihn verloren hätten. Die Plattenindustrie, die Käufer hätten das Vertrauen in ihn verloren. Ich druckte diese Wort in der Zeitung ab und Michael rief mich am nächsten Tag an – ich denke jetzt, dass er dadurch verletzt war – denn er war ein sehr empfindsamer junger Mann – ich denke immer noch an ihn, als junger Mann –  Er sagte: „Warum schreibst du solche Sachen in die Zeitung, warum schreibst du diese Lügen in die Zeitung?“ Und ich sagte: „Michael, ich glaube, einige von diesen Dingen, die dort gesagt wurden, sind die Wahrheit. Es könnte für dich wichtiger sein, eine großartige Platte zu machen, als eine die Nr.1 ist, weil du dann wieder mehr Herz/Seele in deine Musik legen kannst, weil du davon etwas verloren hattest.“ Er antwortete: „Nein, Robert, das tut weh, das verletzt mich.“  Ich versuchte ihm noch mehr dazu zu sagen, ich wollte ihm aufmunternde Worte sagen, weil ich mich dabei unwohl fühlte erreicht zu haben, dass er sich schlecht fühlte, aber ich konnte nur noch einen halben Satz sagen, da legte er auf. Und das war das letzte Mal, dass ich etwas von ihm hörte.

> Die liebevollste Erinnerung an Michael

Das, an was ich mich am liebsten bei Michael erinnere ist, dass er während der Victory -Tour, trotz all der Hektik und dem vollen Terminplan noch Zeit fand, um Kinder in Krankenhäusern zu besuchen, manchmal auch Nachts. Und er ging in die Zimmer mit den Kindern die unheilbare Krankheiten hatten und er versuchte mit ihnen zu sprechen und sie aufzumuntern. Es gab dort eine so liebevolle Begebenheit, und ich erinnere mich, dass sein Manager Frank DiLeo, der als harter Geschäftsmann bekannt ist, das Zimmer verlassen musste, weil er anfing zu weinen. Ich verstand sehr  gut, warum ihm die Tränen kamen.  Aber Michael blieb dort und sprach mit diesen Kindern für viele Minuten und das war für mich der Zeitpunkt wo ich dachte, dass er der stärkste Mensch ist – das war magisch.

Michael visits hospital

>  Von Michaels Tod erfahren

Ich hatte den Tag mit anderen Dingen verbracht und ich wollte nicht Radio hören weil an dem Abend eine NBA Entscheidung fiel – ich hörte deshalb an dem Tag kein Radio, bis meine Frau kam und mir sagte, dass Radiostationen und Zeitungen versuchten, mich zu erreichen. Ich fragte warum. Und sie sagten zu mir: „Hast du nicht gehört, wer gestorben ist?“

Ich stelle mir immer die Augenblicke vor, wo er in den Krankenhäusern war,  oder den Augenblick, als man ihm sagte, dass sein Ticketverkauf so gut läuft…die Zeiten… wo er mit dieser Unschuld verbunden war, die Unschuld des jungen Mannes, den ich 1970 kennengelernt hatte, als dieser Teil von ihm am deutlichsten zu erkennen war. Und ich wünsche nur, dass es in seinem Leben viele Tage und Wochen gab, wo er diese Freude empfinden konnte.

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Übersetzung: MvdL

Michael und die Familie Agajanian – ein Interview mit J.C. Agajanian

J.C. Agajanian, Mitglied der berühmten Agajanian-Rennfahrer Familie – gibt in einem Interview in der “Hounted Saloon Radio Show” 2009 Auskunft über die Freundschaft seiner Familie mit Michael.

(J.C. Agajanian Jr., member of famous racing Agajanian family – on the Haunted Saloon radio show, 7/2009)

Übersetzt nach einem Script des Audios:

http://vindicatemj.wordpress.com/2011/08/29/jc-agajanians-stunning-interview-about-michael-jackson-he-will-never-be-replaced/

Teil 1 (kein Audio vorhanden)

J.C.Agajanian: Ich sage dir, was wir wirklich verloren haben. Ich glaube, die Welt hat ein sehr, sehr besonderes Talent verloren. Und ich denke, das sollte uns immer bewusst sein, wenn wir jetzt all die Spekulationen und den Klatsch und all das, was da kommt, hören werden. Was wirklich zählt ist, dass wir jemanden verloren haben, der nie mehr zu ersetzen ist.

Wir verbrachten 2 Wochen dort auf der Neverland Ranch mit Michael. Es war etwas ganz besonderes, und ich muss kurz die Hintergrundgeschichte dazu erklären: Es kam zustande durch einen alten Freund, aus den Ascot Tagen, Sandy Seamen, der bei LA Gear arbeitete, die Firma, die mit Michael zusammen arbeitete – so kam ich in Kontakt mit Michael. Es war so, dass meine 3 Kinder J.C., David und Amy, für LA Gear einen Werbespot drehten und sie waren am Set, als Michael seinen Spot drehte.  Michael verstand sich gut mit den Kids, und es waren viele Kinder dort am Set, als Michael den Werbespot drehte. LA Gear macht natürlich Schuhe für Kinder und Erwachsene, deshalb war es eine ganz normale Zusammenstellung. Michael war dort…und meine Frau Francie war auch mit dort, ich arbeitete an dem Abend, und sie arbeiteten auch – so könnte man das sagen. Irgendwann sagte Michael, wir müssten raus zu ihm nach Neverland kommen.

Es war eine Ranch, wunderschön und…er hatte Pferde dort…und er mochte wirklich Pferde, das ist vlt. ewas, was die, die jetzt hier zuhören garnicht über Michael wissen…er mochte (wilde) Tiere, er liebte all die exotischen Tiere, die er dort hatte. Es liefen Wildpferde dort herum, er hatte Giraffen, und als ich da war, wurde eine kleine Giraffe geboren.

Michael with Horse

Also, wir wurden nach Neverland eingeladen, und ich dachte zuerst, er sagt das nur aus Höflichkeit, aber wir verbrachten wirklich eine ganze Zeit dort, und er wollte uns Eltern dort haben, und natürlich genoss er es auch, die Kinder dort zu haben. Ja, natürlich – sobald ich das sage, sehe ich, wie hier Augenbrauen hochgezogen werden, aber es war alles andere als das. Und ich muss euch sagen, seine Ehrlichkeit in diesem Interview ist, (Anmerkung – er meint das Bashir Interview) was ihm Ärger einbrachte. Und er sagte einfach nur, was von seinem Herzen kam. Er sagte, was er wirklich fühlte und die Erwachsenen zogen die Augenbrauen hoch und verdrehten alles, und gaben dem Gesagten eine Bedeutung, die nicht seine Absicht war.

Also, dieser Ort war schlicht bewundernswert, es war wie DisneyLand, es waren 2500 acres, und vieles davon gepflegt. Es war einfach ein Ort zum Spaß haben. Er war ein sehr, sehr großzügiger Mensch. Die Kinder rannten herum, warfen ihre Jacken irgendwo auf den Boden, oder ihre Turnschuhe, und sprangen auf diesem gigantischen Trampolin herum, was am gleichen Platz war, wie der riesige Swimmingpool. Am Abend wurde alles eingesammelt, gewaschen, zusammengefaltet und lag dann wie durch Magie morgens wieder in ihren Zimmern. Die Angestellten waren einfach unglaublich. Es gab Wasserballon Kämpfe, er hatte ein Indianerdorf, wir aßen in den Tipis, es gab dort sogar Heizungen – es gab alles, was man sich nur vorstellen kann.

Es war wirklich so, dass Michaels Anwälte anfragten, ob meine Kinder im Prozess von 2005 für Michael aussagen würden, und sie waren bereit, dorthin zu fliegen. J.C. und David von San Diego aus, und Amy von hier, Hermosa Beach, aus – aber in der letzten Minute brauchten sie dann doch keine weiteren „Charakter“Zeugen mehr. Aber lasst mich eines sagen, etwas zu seinem Schlafzimmer und dem “geheimen“ Zimmer, und all dem Zeug, was da gesagt wurde. Francie und ich waren in seinem Schlafzimmer, meine Kinder waren in seinem Schlafzimmer, sein Schlafzimmer war ein Spielparadies, es gab dort Disney-Sachen, es war wie ein Wohnzimmer. Alle Kinder wollten dort eine Übernachtungsparty machen, und der „geheime“ Raum, von dem immer geredet wird, war abgeschlossen, das war, wo er zum Schlafen hinging.  Als er sagte: „Ich bin glücklich, wenn ich mein Bett mit Kindern teilen kann..“, meinte er es so, dass als er aufwuchs, hatte er kein Bett für sich allein. Alle Jackson Kinder schliefen in einem Raum. In einem eigenen Bett zu schlafen war etwas Besonderes! Und die Leute verstehen einfach nicht, dass er sagen wollte, wenn du jemand deinen Schlafplatz überlässt und du in einen anderen Raum gehst, wenn du jemand dein Bett gibst, dann teilst du das Beste, was du hast. Es ist, wie wenn man am Tisch sitzt und sagt: „Ja, nimm nur mein Steak und iss. Ich esse die Bohnen hier.““ Sie verstanden es einfach nicht, und seine Aufrichtigkeit brachte ihn in Schwierigkeiten.

(…)  Eines Abends, als wir an Michaels Esstisch saßen – einem wunderschönen Esstisch, ein wunderbares Tudor-Stil-Haus, er hatte auch einen wunderbaren Koch, der alles gewünschte kochte – und es war so, dass wir gefragt wurden, bevor wir nach Neverland kamen, was die Kinder gerne essen. Also, wir saßen an diesem Esstisch, und ich wollte ein Tischgebet vor dem Essen sprechen. Michael war sehr spirituell – das hat auch nie jemand zuvor gesagt – das soll man wohl nicht wissen, aber wir beteten am Tisch vor dem Essen, und während dem Essen sprachen wir über alles Mögliche. Und Michael bestand darauf, dass wir alles fragten, was wir wissen wollten, wenn wir etwas in den Nachrichten gesehen hatten, über Knochen vom Elefantenmensch oder über Schlafen in einer Sauerstoffkammer – über all das. „Fragt mich, fragt mich alles, was ihr wissen wollt“… Und meine Frau Francie fragte einiges. Und er sagte irgendwann während des Essens zu den Kindern: „Hört zu, Kinder, ich möchte nicht unbedingt, dass ihr in der Schule etwas über unsere Freundschaft erzählt.“ Sie sahen sich verwirrt an, sahen Michael an und fragten: „ Aber warum nicht, Michael?“ Und Michael sah sie an und sagte: „Es gibt so viele gemeine Leute da draußen, und Menschen, die gemeine Dinge über mich erzählen, und ich möchte euch nicht in die Situation bringen, mich verteidigen zu müssen.“ Er wollte nicht, dass sie ihn verteidigen müssten und in Streitereien gerieten, wo sie sagen müssten: „Nein, Michael ist wirklich ein wunderbarer Typ und sagt nicht solche schlechten Sachen über ihn.“ Er war so umsichtig, dass er den Kids sagte, sie sollen diese schöne Zeit  und die Freundschaft für sich behalten, und es nicht mit jemand teilen. Und so war er immer.

Teil 2

Er hatte nie Gelegenheit einfach Zeit für sich selbst zu haben, er wuchs auf, ohne Kindheit, wie jeder weiß. Und er arbeitete, seit er ein kleines Kind war. Und nicht zu vergessen dass Michael viele Fassetten hatte, und das, was die Leute im Fernseher sahen, nur der Celebrity Teil war, er war auch ein liebevoller Vater, das ist kein Witz, er war ein sehr liebevoller Vater, und er war auch der nette, großzügige Freund, ganz ohne Frage. Und er war sehr schüchtern, als wir das erste Mal nach Neverland kamen, hatte er seine Sonnenbrille auf und den Hut, und er war sehr zurückhaltend, uns wieder zu sehen. Aber schließlich wurde er mit dir warm. Als wir zum ersten Mal dorthin kamen, nahm er uns in seinem Golfkart mit – einem extra langen Golfkart – und zeigte uns die ganze Ranch. Als wir dahin fuhren, dachten wir, es würde uns so etwas wie eine Cowboy Ranch erwarten.. mit Dreck und Pferden und all dem… Aber es war genau das, was jetzt überall im Fernseher zu sehen ist, mit Fahrgeschäften und Kino… er zeigte uns alles. Gerade fällt mir noch etwas ein…er hatte ein Kino, das war extra für Kinder ausgestattet, für kranke Kinder, und er hatte bequeme, gepolsterte Sitze dort, etwa 35 – 45 Sitze, ein richtig großes Kino…oben war der Projektionsraum, aber hinten, hinter den Sitzen gab es zwei Schlafzimmer. Diese hatten Fenster bis zum Boden, und waren ausgestattet mit Sauerstofftanks, breiten Krankenhausbetten, die man hochstellen konnte. Und alle Kinder die zur Ranch kamen, über Make A Wish oder anderen Organisationen, konnten die aktuellen Filme dort sehen, Dinge, die sie sonst nicht hätten tun können, weil es im Kino keine Sauerstofftanks gibt. Und Michael scheute keine Kosten und er hatte auch einiges zu organisieren, um diese zwei Räume für die kranken Kinder auf seiner Ranch ein zu richten.

Gott, Es gibt so viele Geschichten, die nie in einer Zeitung zu lesen waren, es wurde nie über Michaels Großzügigkeit berichtet und darüber, wie sehr er wirklich aufrichtig Kinder liebte. Und über das, wovon wir vorher sprachen, dass er keine Kindheit hatte, er beneidete die Kinder, die draußen im Park spielten, während er im Studio probte, während er sang oder seine Tanzschritte übte.

Teil 3

Wir kannten Michael schon vor einigen Jahren, und ich wusste, er hatte ein Problem mit Schmerzmitteln, von seiner Verbrennung während dem Pepsi Werbefilm – die ein paar Jahre zurücklag – und es zog wirklich viele Schmerzen hinterher. Und ich glaube, er hatte auch emotionale Schmerzen. Er trug vieles mit sich, er hielt vieles in seinem Innern verschlossen, er hatte nicht so viele Leute, denen er vertrauen konnte.

Und…ich möchte es nicht „bewundern“ nennen, weil das ist nicht ganz das richtige Wort – aber er genoss es wirklich, mit einer Familie, wie den Agajanians zusammen zu sein, einfach eine Familie, mit Mutter, Vater und Kindern, einfach herumalbern…wo die Kinder gesagt bekamen „setz dich hin, und mach nicht so einen Lärm“… und er lachte…er genoss es einfach mit „echten“ Leuten zusammen zu sein, denn er war immer von Leuten umgeben, die entweder „Ja“-Sager waren oder daran interessiert waren, was sie von ihm bekommen könnten. Und wir waren nichts davon.

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(Neverland -Waterballoonfort)

Also, die Kinder liebten es, zu reiten. Sie gingen immer in ein Cowboycamp, hier in Kalifornien, jedes Jahr. Sie liebten es. Es war wie die kleinere Version von Tombstone. Sie lernten dort, richtig zu reiten, allesmögliche – einfach perfekt. Und dann kamen wir nach Neverland und Michael hatte Pferde und Cowboys dort, und er fragte die Kinder, ob sie reiten wollten, und natürlich sagten sie Ja. –es war während dem Essen und er sagte: „Ruft einfach den Verantwortlichen an, den „Chef Cowboy“, und sagt ihm wann ihr reiten wollt, und sie werden alles für euch vorbereiten.“ Also beschlossen die Kids, am nächsten Morgen auszureiten, und das taten sie auch. Natürlich bin ich nicht früh genug aufgestanden, es war Francie, die mit den Kindern aufstand, die sie zu den Cowboys brachte und zum Frühstück im Haupthaus.

Unsere Quartiere waren außerhalb des Haupthauses, in dem Michael wohnte, wir wohnten immer an einem kleinen See. Eine sehr schöne Umgebung. Also, ich schlief weiter, und ein oder zwei Stunden später klopfte es an meiner Tür…. Michael hatte ein vollständiges Security Team, überall gab es auch Kameras, und er konnte sehen, ob es den Kindern die dort waren, gut ging – am Pool, überall gab es Security. Manche liefen Wache über das Gelände, in voller Uniform, das ganze Anwesen war sicher und geschützt. Er hatte sogar eine eigene Feuerwehr, eigene Helikopter, Erste Hilfe. Alles in Reichweite. Es hätte keinen sichereren Ort geben können. Vieles von dem, worüber jetzt geredet wird, hätte überhaupt nicht passieren können, denn ich ging einmal in den Raum der Security, ein eigentlich geheimer Raum, privat, und es gab dort Monitore, auf denen man jeden Winkel von Neverland sehen konnte. Man war nie unbeobachtet, egal, wo man war. Die Kinder waren also mit den Cowboys und den Pferden unterwegs, ein Cowboy vorne, einer hinten, und die Kids dazwischen. Sie ritten in die Berge hinauf, wo es Bären und Wild gab. Francie war auch dabei. Sie ritten einen Pfad entlang, und eines der Pferde hatte wohl einen Bären gewittert, und erschreckte sich, und die Pferde scheuten, drehten sich um und rannten mit voller Geschwindigkeit wieder den Berg hinunter, Richtung Stall, in Sicherheit. Sie gerieten wirklich außer Kontrolle. Als sie unten am Berg ankamen, konnte J.C. sein Pferd zügeln, er war größer und stärker – die Kinder konnten alle reiten, aber die Pferde waren durchgegangen. David, der mittlere, sprang runter und rollte sich ab, und hatte nur ein paar blaue Flecken, aber war ok. Aber unsere Jüngste, Amy, wurde abgeworfen. Sie schlug am Boden auf, mit dem Kopf, und sie verlor das Bewusstsein. Francie wurde auch abgeworfen und war ohne Bewusstsein. Innerhalb von Minuten waren Notärzte vor Ort, eine Ambulanz. Und bei mir an der Tür – wie ich schon sagte – klopfte ein Security Mann, weil ich noch im Bett lag. „Mr Agajanian, es gibt einen Notfall und sie müssen sofort mitkommen.“ Ich sprang in das Auto und wir fuhren direkt zu der Stelle, und dort war jede Menge Trubel. Es wurde sich sofort um alles gekümmert. Ich fuhr mit Amy in die Stadt, und in der Ambulanz bekam sie Krämpfe, und ich hatte solche Angst um sie. Francie war auch in dem Krankenwagen, aber sie wusste garnicht, was passiert war.

Wir kamen in die Notaufnahme, und dort sagten sie uns, wir müssten in die Stadt, in ein anderes Krankenhaus. Sie fuhren uns mit einem anderen Krankenwagen zum Cottage Hospital, in der Nähe von Santa Barbara. Michaels Leute waren in dem Krankenhaus, die ganz Zeit, während wir da waren. Ich betete, und hatte Angst, Amy zu verlieren. Sie bekam einen Hirnscan, und man fand eine Schwellung, aber es war alles gut. Und Michaels Leute waren die ganze Zeit dort. Sie hatte einen Schädelbruch, und da wir Gäste auf Neverland waren, hatten Michaels Angestellte Bedenken, dass wir Neverland verklagen würden, Michael verklagen würden, und ein Anwalt rief uns an, um zu fragen, wie es uns ging. Und natürlich sagten wir: „Freunde verklagen keine Freunde wegen einem Unfall!“ Amy ging es schnell wieder besser und Michael hatte eine Limo zum Krankenhaus geschickt, er wäre gerne auch selbst gekommen, aber es würde zu einem Auflauf führen, zu viel Durcheinander verursachen, deshalb ließ er uns zum Essen zum Haus und dann wieder zurück ins Krankenhaus fahren, wo Francie dann bei Amy blieb. Michael war an dem Morgen zum Aufnahmestudio in der Stadt aufgebrochen, aber als er hörte, dass Amy einen Unfall hatte, schickte er alle Musiker nach Hause, und nahm einen Hubschrauber – was er wirklich nicht sehr gerne tat – aber er flog zurück, auch wenn er nicht ins Krankenhaus kommen konnte. Er wartete dort auf Neverland, bis er sicher war, dass mit Amy alles in Ordnung ist. Das zeigt, was er für ein Mensch war. Er brach seine Arbeit ab, und schickte all die Musiker nach Hause, damit er nach Neverland zurück konnte, weil er gehört hatte, dass meine Tochter sich dort verletzt hatte. Ich weiß, das war eine lange, ausführliche Geschichte – aber es musste einfach gesagt werden – wenn ich all die Dinge höre, die über diesen Mensch erzählt werden, der wirklich unschuldig, aufrichtig und liebevoll war, und sich wirklich sorgte, kümmerte. Ich muss einfach meine Seite der Geschichte erzählen.

Teil 4

Mein Eindruck, wie die Medien ihn behandelten?… tragisch, tragisch…so behandelten sie ihn sein ganzes Leben lang, es war eine Freakshow! Ich bitte jeden, seine Kommentare für sich zu behalten, hört nicht auf den ganzen Klatsch, die ganzen Sensationsmeldungen. Ja, Michael hatte viele Fassetten, viele Seiten, aber er war kein Kinderschänder!

Das erste Kind (Jordy Chandler) sagte, „ich kann nicht da oben stehen und über Michael lügen“. Und das war der Punkt, an dem der ganze Fall auseinanderbrach. Leute, ich hab‘ tonnenweise Geschichten, wenn ich euch das nächste mal sehe, dann erzähle ich euch wie und warum diese Gerichtsprozesse einfach „verschwanden“, und warum das erste Kind nicht in den Zeugenstand treten wollte, als sein Vater das forderte, um Lügen über Michael zu erzählen. Er sagte zu seinem Vater: „Ich kann nicht in den Zeugenstand. Mir ist egal, wieviel Geld du bekommst, mir ist diese Zukunft mit der Rekordingcompany egal,“ und daran ist der Fall zerbrochen. Und die 25Millionen Dollar an die Famile gingen an einen Trust Fond, und es war nicht so viel Geld, es war viel weniger, die Summe wurde nur künstlich aufgeblasen.

Wartet nur ab, bis ihr mit der Wahrheit konfrontiert werdet. Gerade eben, bevor ich in dieser Sendung hier angerufen habe, habe ich „Extra“ angesehen, und dort haben sie solche Dinge gezeigt, wie die, über die ich gerade eben sprach.. „Da gibt es einen mysteriösen, geheimen Raum, voll mit Kinderspielzeug..“ Das ist nur ein Haufen Schwachsinn! Es gab ein Zimmer mit Spielsachen für kranke Kinder, die dort hinkamen, und es gab Tische voller Spielsachen, womit sie spielen konnten, und es gab einen Werkraum, all das gab es. Es war ein Zimmer am zweiten Stock des Hauses und man konnte einfach hinein gehen. Und nur dieser eine Raum, über den ich vorhin sprach, das war sein privates Schlafzimmer, in das er ging, wenn die Kinder eine Übernachtungsparty machten –er ging dann, um in diesem Zimmer alleine zu schlafen. Er gab ihnen sein Bett, er lud die Kinder ein, in seinem Bett zu schlafen, aber…Er war nicht darin! Er wies darauf hin. Aber es wurde einfach verdreht, und ich bitte jeden, bitte, hört nicht auf die Lügen! Hört nicht auch den Klatsch! Hört nicht auf die ausgedachten Dinge! Auch wenn ich weiß, dass es schwierig ist, zu wissen, was reiner Sensationalismus ist, und wo doch etwas Wahres drin enthalten ist, aber wie ich schon sagte, Francie und ich sahen nicht nur Access Hollywood an, sondern auch den ganzen Rest – und sie nehmen diese Dinge, verdrehen sie und machen, dass sie verrückt und seltsam werden, und das sind sie einfach nicht. Es hatte alles seinen Grund.

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Er war nie ein schwerer (dicker) Typ, er war immer dünn.  Er war meistens Vegetarier, und er war sehr gesundheitsbewusst. Er meditierte. Er machte Übungen. Er arbeitete viel und er versuchte, sein Gewicht unten zu halten, damit er tanzen konnte. Er tat viele Dinge,  um so fit wie möglich zu bleiben. Und am Ende, als es ihm nicht so gut ging… es gab vlt. ein paar Krankheiten, die nicht entdeckt waren – aber er war immer sehr schlank.

Es gab dort alles, was Kinder mochten, von Hot Dogs über Hamburger bis zu Steaks und so weiter. Es gab keinen Alkohol auf Neverland, als ich dort war. Ich weiß, dass jemand sagte, unter dem Gameroom wäre ein Weinkeller, mit sehr guten Weinen. Er hatte das wohl für besondere Gäste. Aber es stand kein Alkohol herum, wenn du auf Neverland warst. Und er hatte zwei Köche dort, sie machten das Essen für Michael, so wie er es mochte, er aß indisch und viel vegetarisch, und Francie erinnerte mich daran, dass, als wir Hotdog saßen, er einen Tofu Hot Dog aß, oder etwas, was aussah, wie ein Hotdog, und so schmeckte, aber zu seiner Diät passte.

Und es ist schwer zu begreifen, warum er so unsicher mit seiner Erscheinung war. Vergesst nicht, er war 50 Jahre alt. Er sah sehr jung aus, und er tanzte immernoch wie ein 20 Jähriger. Und das wird herauskommen, wenn man von den Proben im Staples Center hört, für seine London Tour.

Das hier ist die einzige Sendung, die etwas von mir zu hören bekommt.Iich habe schon andere Interviews abgelehnt, und ich wollte, das ihr und die Zuhörer weltweit diese Informationen bekommen, von jemand aus erster Hand, der wirklich dort war, und den Unsinn erkennt, den all die Leute erzählen. Ja, er hatte in vielen Teilen seines Lebens nicht leicht, aber er war ein netter, großzügiger Gentleman, und so sollte man ihn in Erinnerung behalten.

Das ist die Wahrheit, und lasst das nicht in all dem Hirnrissigen verloren gehen.

Neverland Good bye

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Amy Agajanian war zu einem Gespräch bei Oprah (zur Vorbereitung auf das Interview mit Michael 1993) Sie war mit Michael bei seinem Auftritt beim Superbowl. Sie sagte, sie habe nicht gewusst, dass es so etwas großes sein würde, weil Michael ihr nur gesagt habe, sie gingen zu einem Konzert. Sie wusste nicht, was sie erwarten würde und war völlig überwältigt. Sie hatte nicht mal gewusst, dass Michael so berühmt war – bis zu diesem Moment.

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(Amy ist rechts unten von Michael, mit der Schleife im Haar und dem roten Pulli)

Aus dem Interview mit Oprah (video siehe unten):

Oprah: Man hört oft, dass Michael Jackson von Kindern umgeben ist, und über die Jahre freundete er sich mit jungen Schauspielern wie Emmanuel Lewis und Macauley Culkin an.  Aber du musstest kein Kinderstar sein, damit Michael Jackson auf dich aufmerksam wurde. Ich traf meinen nächsten Gast um ersten Mal, als ich Michaels Ranch vor ein paar Wochen besuchte, um den Promofilm zu drehen. Ihr bester Freund war zufällig der größte Star der Welt, und ich sah sie an Michaels Seite während seiner Super Bowl Performance. Amy, schön dich hier zu haben. An dem Tag, als wir dort waren und den Promofilm drehten, wollte Amy, dass wir endlich  fertig würden, damit wir raus gehen könnten um mit Michael zusammen zu spielen, ist das richtig?

Amy: (nickt)

Oprah: Wie ist er wirklich, Amy?

Amy: Er ist wie ein Kind. Er will ein Kind bleiben, aber er ist erwachsen geworden.

Oprah: Verbringst du viel Zeit mit ihm?

Amy: Wenn ich dorthin komme, verbringe ich die meiste Zeit mit ihm beim Spielen.

Oprah: Was spielt ihr?

Amy: Ich spiele auf seinen Karussells und wir spielen Verstecken.

Oprah: Und wie hast du ihn kennengelernt? Wir wollen wissen, ob wir das auch können.

Amy: Ich habe einen Werbespot mit ihm gemacht. Ich war 4 Jahre alt und wusste überhaupt nichts über ihn. Ich ging in seinen Trailer und setzte mich auf seinen Schoß und er sagte, dass wir für immer Freunde seien.

Oprah: Ihr beide?

Amy: (nickt)

Hier noch das Video mit dem Teil des Oprah- Pre Interviews mit Amy und der ganzen Familie Agajanian:

Oprah: (zur Familie Agajanian): Ich frage mich, ob eure Kindern wissen, wie glücklich sie sein können, auf der Ranch von Michael Jackson sein zu dürfen?

Francie Agajanian: Wie Amy schon sagte, am Anfang wusste sie nicht, wer Michael ist, sie war gerade 4 Jahre alt – er war einfach nur ein netter Typ, den sie kennengelernt hatte und mit dem sie befreundet war,. Die Jungs wussten wer er war, dass er ein berühmter Sänger war – aber er war einfach ein Freund, es machte so viel Spaß mit ihm zusammen zu sein, und das ist es immer noch –wir sind einfach nur seine Freunde.

Oprah: Was mich auch sehr beeindruckte auf der Ranch, als ich dort war, um den Teaser für das Interview drehen – und worüber wir auch heute Abend sprechen werden ist, dass er dort Betten in seinem Theater eingebaut hat, für kranke Kinder. Das hat mich sehr bewegt, weil wenn jemand solche Dinge baut, dann muß er sich wirklich um Kinder sorgen.

Michaels Liebe zur klassischen Musik

David Michael Frank und François Glorieux berichten über ihre Projekte mit Michael, in denen sie mit ihm, oder für ihn, an klassischer Musik arbeiteten. David M. Frank arbeitete 2009 mit Michael an einem klassischen instrumental Album, mit Stücken, die Michael komponiert hatte und die er arrangieren/orchesrtieren sollte. Francois Gloriuex arbeitete 1989 im Auftrag von Michael an der Orchestrierung seiner Hits, wie Beat it, Bad oder Liberian Girl.

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David Michael Frank über sein Treffen mit Michael 2009:

Link zum Text in englisch:  http://weblogs.baltimoresun.com/entertai…rumental_a.html

Vor vier oder fünf Monaten erhielt ich einen Anruf von Michael Jacksons langjährigem Aufnahmeleiter Michael Prince, der mir erklärte, dass Michael jemanden suchte, der die Arrangements für Orchestermusik schreiben könnte. Ich wusste, dass er vor hatte auf Tour zu gehen. Den drauffolgenden Monat und auch den nächsten rief er mich an, um mir zu sagen „Michael Jackson lässt Ihnen sagen, dass er Sie anrufen wird.“

Ende April rief mich ein anderer Michael an, Michael Jacksons persönlicher Assistent, und fragte mich, ob ich am nächsten Tag 10 Uhr kommen könne und fragte mich nach der Bauart und marke meines Wagens. Ich fuhr nach Holmby Hills. Ich fuhr am Eingangstor vor und traf dort auf einen Assistenten, der mich hereinbat. Dort traf ich eine Frau, gekleidet wie eine Hausdame und mit einem weißen Turban auf dem Kopf. Sie sagte: „Michael Jackson wird in Kürze bei Ihnen sein.“ Ungefähr zwei Minuten später kam er die Treppe runter.

Ich zögerte seine Hand zu schütteln, da ich gehört hatte, dass er wegen Keimen besorgt sei, aber er strecke sofort seine Hand aus und begrüßte mich einen sehr festen Händedruck. Er war ziemlich dünn, aber dennoch nicht zerbrechlich. Er trug einen Anzug und Hut. Er hatte vor, später noch an den Proben für die Tour teilzunehmen. Er sagte: „Sie kommen mir bekannt vor.“  Ich erzählte ihm, dass wir vor langer Zeit an einem Sammy Davis Jr. TV Tribute im Shrine Auditorium zusammengearbeitet hatten. Ich sagte ihm, dass ich ihn dort kurz getroffen hätte. Er sagte: „Ich vergesse nie ein Gesicht.“

Er erzählte mir, „Ich habe drei Projekte gleichzeitig laufen“. Das eine war die Tour, von der die ganze Welt erfahren hatte. Von den anderen beiden wusste niemand was. Eines würde ein Album mit Pop Songs werden. Dann sagte er, „Das andere, was ich aufnehmen möchte, ist ein Album mit klassischer Musik.“

Er sagte er höre immer klassische Musik, es sei seine absolute Lieblingsmusik. Ich war beeindruckt von den Stücken, die er erwähnte. Aaron Coplands, Fanfare for the Common Man und Lincoln Portrait, Westside Story von Leonard Bernstein. Ich erwähnte On the Waterfront von Bernstein. Michael erwiderte, dass er Elmer Bernsteins Filmmusik liebe und erwähnte besonders ‘To Kill a Mockingbird’ (nach dem Roman von Harper Lee – „Wer die Nachtigall stört“)

Mir fiel auf, dass die meisten klassischen Stücke, die er erwähnte, kindlich, sehr einfach und bezaubernd waren, wie Prokofievs Peter und der Wolf und Tschaikovskys Nussknacker Suite. Auch von Debussy sprach er mehrmals, besonders von Arabesque No1 und Claire de Lune. Er sprach sehr sanft, wenn er über Musik sprach, aber wenn er durch etwas sehr angeregt wurde, war er wie ausgewechselt. Er erwähnte, wie er Elmer Bernstein liebte, und als ich sagte, dass ich ‚The Magnificent Seven’ (‚Die glorreichen Sieben’) orchestriere, begann Michael das Thema sehr laut zu singen, er schmetterte es.

Er sagte: „Ich spiele Ihnen eine CD vor.“ Dann kam sein Sohn Prince Michael rein und Michael bat ihn einen CD Player zu bringen. Paris fand einen und brachte ihn mit zusammen mit Prince. Michael spielte die CD. Es war ganz zauberhafte Musik. Er sagte, „Ein Abschnitt fehlt.’ Er spielte das zweite Stück.  Und er sagte: „Aber hier fehlt auch ein Stück. Aber ich kann es für Sie summen. „Ich fragte, ob es im Haus einen Flügel gäbe und er erwiderte, dass es im Poolhaus einen gäbe. Wir machten uns auf den Weg, aber Michael ging nicht weiter, als er sah, dass der Hund draußen war, klatschnass, weil er im Pool gewesen war. Er wollte nicht, dass wir nass gespritzt wurden. Das war ziemlich witzig. Michael bat einen anderen Assistenten, den Hund solange fest zu halten, während wir zum Poolhaus gingen.

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Ich setzte mich an den Flügel und Michael summte den fehlenden Teil von einem der Stücke. Ich hatte ein kleines digitales Aufnahmegerät dabei, und fragte ihn, ob ich ihn aufnehmen könne. Er traf die perfekte Tonlage. Und ich versuchte, die richtigen Akkorde dazu zu finden, um sein Summen zu begleiten. Er sagte, „Sie haben ein sehr gutes Gespür für die Akkorde.“

Wir sprachen über noch mehr klassische Musik. Ich spielte einige Stücke von Debussy. Michael schien sehr glücklich darüber und war sehr ungezwungen. Er erwähnte wieder Leonard Bernstein und ich spielte was aus der ‘West Side Story’. Er erzählte mir, dass er Bernstein mal getroffen hätte und dass dieser ein großer Fan von ihm sei.

Wir waren wieder zurück im Haus und als wir von Zimmer zu Zimmer gingen hören wir jedesmal ‘Ich liebe dich, Daddy!’ –  ‘Ich liebe dich, Paris!’ Sie waren alle ziemlich normal und fröhlich.

Michael war sehr gespannt, die Stücke zu arrangieren und die Musik mit einem großen Orchester aufzunehmen. Ich schlug vor, dass wir bei Fox, Sony oder Warner Brothers aufnehmen könnten. Ich bat ihn, dass mich jemand anrufen und das Budget aushandeln solle und er sagte, er würde sich darum kümmern. Als ich ging, waren einige Fans vor dem Tor.

Einige Zeit später telefonierte ich mit Michael. Er fragte mich, wie weit das Projekt sei, und ich erwiderte, dass ich darauf warte, jemanden zu sprechen um den Deal festzumachen. Ich schlug vor, dass wir die Musik in London aufnehmen könnten, wo er die Show machen würde. Die Idee sagte ihm zu. Und er spielte wieder ‚Arabesque’.

Ich habe keine Vorstellung, was damit passieren wird und ich hoffe, die Familie wird helfen das zu vollenden. Ich werde das nicht eher angehen, bis ich das Gefühl habe, das die Zeit reif dafür ist.

Meine Vorstellung geht dahin, dass die Stücke sieben bis zehn Minuten lang sein werden. Jedes einzelne ist bedeutender als ein Song. Es ist ganz wunderbare Musik. Ein Stück hat einen irischen Charakter. Ich schlug vor, dass wir eine keltische Harfe einsetzen könnten. Das Stück klingt wie wunderschöne Filmmusik in sehr traditionellen Akkorden und sehr klangvollen Melodien. Eines der Stücke hörte sich ein bisschen wie eines von John Barry an, wie ‚Out of Africa’ – wie eine John Barry Partitur. Ich konnte mit meinem ‚inneren Ohr’ dramatische Streicher und Waldhörner im Gleichklang hören.

Ich erzählte Michael, dass ich vorhabe, wenn wir die Aufnahmen machen würden,  einen von Leonhard Bernsteins Taktstöcken zu benützen, die ich bei einer Auktion gekauft hatte. Ich wusste, dass würde ihm einen ziemlichen Kick geben. Ich denke, ich werde diesen Taktstock nehmen, wenn ich je diese Musik dirigieren werde.

(Übersetzung R.I.P. Michael –  mjnet)

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François Glorieux – arbeitete für Michael an klassische Arrangements von Michaels größten Hits

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http://www.michaeljacksontributeportrait…?article_id=246

“The five hours I spent with Michael Jackson in Los Angeles will certainly be the most emotional of my musical career. It was fantastic to discover so many common points: passion for music (without limits), for peace and freedom, love for animals and nature. In one word: for humanity!”

„Die fünf Stunden, die ich mit Michael Jackson in Los Angeles verbringen durfte, waren sicher die emotionalsten meiner musikalischen  Karriere. Es war fantastisch, so viele Gemeinsamkeiten zu entdecken: Die grenzenlose Leidenschaft für Musik, für Frieden und Freiheit, die Liebe für Tiere und die Natur. In einem Wort: Menschlichkeit.“

Francois Glorieux traf Michael am 2. Mai 1989, weil Michael ihn privat treffen wollte, um über klassische Musik zu sprechen. Michael fragte Francois danach, klassische Arrangements seiner größten Hits zu machen. (Aus dem Video: Michael hatte Glorieux‘ Arrangements der Beatles Songs gehört, die ihm sehr gut gefielen, und er hatte dann Branca beauftragt, mit Glorieux Kontakt auf zunehmen.) Ein Jahr später trafen sie sich wieder, und Michael war “hin und weg” von den 3 Stücken die Francois schon fertig hatte. (Bad, Liberian Girl, Smooth Criminal) sie hatten einen Plan, ein großes Klassik-Event in London zusammen zu gestalten, als Charity Veranstaltung, wenn alle Kompositionen fertig gestellt wären. Mit den Jahren änderten sich diese Planungen, aber sie blieben Freunde. Seit Michaels Tod führte Francois die klassischen Hits von Michael, die er schon fertig hatte weiter, mit dem National Symphony Orchestra (life for BBC), und als Michael starb spielte er sie in Prag, wo er zu der Zeit Konzerte gab.
Francois ist jetzt 78. Michaels Tod ist immer noch sehr emotional für ihn. Francois veröffentlichte kürzlich eine CD In Memoriam Of Michael Jackson, wo einige MJ Hits, arrangiert für Piano, und einige eigene Arbeiten, als Tribute für Michael, enthalten sind.

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Hier ein Video, in dem Francois über sein Treffen mit Michael berichtet… er ist immer noch sehr berührt davon, das versteht man auch, ohne das Holländische Interview wortwörtlich zu verstehen…  Er spielt da auch „She‘s out of my Life“ am Klavier … (was er während ihrem Treffen auch mal für Michael spielte..)

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Die Fotos von Glorieux und Michael entstanden bei dem Treffen 1989 – Michael hörte sich dort auch Glorieuxs Arrangement „Tribute to Michael Jackson“, an und sagte:

‘Francois’ orchestra is wonderful, he is an exceptional musician and I am fascinated by his work on my compositions. I have asked him to proceed with the arrangements of a large number of my successes.’

„Francois Orchester ist wundervoll, er ist ein außergewöhnlicher Musiker und ich bin fasziniert von seiner Arbeit und seinen Kompositionen. Ich habe ihn gefragt, ob er für mich einige meiner Erfolge bearbeiten möchte.“

http://www.francoisglorieux.com/friends/michael_jackson.shtml

“Music & Michael” – Interview mit Chris Apostle und Cory Rooney

Original Interview (7/2009) und Audio:

http://www.cyinterview.com/2009/07/industry-bigs-music-michael/

Chris Yandek (CY) interviewt Cory Rooney (CR) und Chris Apostle (CA) zwei Insider der Musikindustrie (Epic/ Sony) die mit Michael viele Jahre zusammen im Studio arbeiteten.

(Übersetzung in Auszügen)

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Chris Yandek: Cory, du hattest die Chance, mit Michael zusammen zu arbeiten, du hast mit ihm zusammen Songs geschrieben und produziert. Wie war euer Verhältnis zueinander?

Cory Rooney: Das hat mich schon einmal jemand gefragt, und ich sagte:“ Ich habe mein ganzes Leben und meine ganze Karriere lang darauf gewartet – und schließlich hatte ich die Chance, mit Michael zu arbeiten, ich hatte die Chance, dass Michael meine Fähigkeiten erkannte.“ Als wir dann schließlich zusammen im Studio waren, haben wir fast einen ganzen Monat damit verbracht, nur zu reden und er hat mir so viele verschiedene Dinge beigebracht. Wir haben erstmal nicht sehr viel Musik gemacht. Es war ganz anders, als ich es erwartet hätte.

Chris Yandek: Also alle möglichen Ablenkungen, aber nicht viel gearbeitet und über alles Mögliche geredet?

Cory Rooney: Ja, und es das Verhältnis änderte sich so, dass ich eher eine Art temporärer Manager war. Ich glaube, meine Stärken zu dieser Zeit lagen nicht darin, für ihn zu schreiben oder zu produzieren, sondern ein Insider für ihn zu sein, weil diese Zeit war sehr chaotisch. Er fühlte sich zu der Zeit bei Sony so, als hätte er nicht viele Verbündete oder Leute, die auf seiner Seite waren. Ich wurde zu seinem besten Vertrauten in dieser Firma.

Chris Yandek: Was hast du gelernt in der Zeit als sein Verbündeter? Wie er war? Es sieht so aus, als seien da immer Leute gewesen die ihn “aussaugen” wollten und ihm sagten, tu dieses oder jenes. Es sah so aus, als hätte er manchmal nicht die Kontrolle über ein Leben.

Cory Rooney: Ja, da triffst du es genau. Das war der Punkt. Das erste was ich über ihn lernte war, dass er immer unbedingt gefallen wollte. Er wollte unbedingt jedem alles Recht machen, dass er sich manchmal zu viele Gedanken über zu viele Dinge machte. So zum Beispiel,  wenn er ein Album fertig hatte und du seiner Musik lauschen würdest und sagst: „Michael, das ist unglaublich..“  und er: „ja, aber ich denke es ist noch nicht fertig“ – weil er immer noch 1Million Leute im Ohr hat, die ihm verschiedene Dinge aus verschiedenen Richtungen sagten.

Chris Yandek: Chris (Apostle), du warst für mehr als ein Jahrzehnt eine wichtige Person bei Sony Music Entertainment. Was hattest du mit Michael zu tun, und was hast du über ihn gelernt, in der Zeit bei Sony?

Chris Apostle: Ich hatte – anders als Cory – nicht so viel mit ihm direkt zu tun. Die Zeit die ich wirklich mit ihm verbrachte, beschränkte sich nur auf wenige Tage. Er arbeitete an einem Mix mit Jay Z, und Jay Z  hatte zu der Zeit auch schon einen Namen in dem Business. Ich erinnere mich, dass ich ins Studio kam bevor Michael da war und Jay Z schon drin war und an den Lyrics arbeitete, und ich sah ihn nie so bescheiden, wie dort. Er war regelrecht etwas aufgeregt darüber, dass er mit Michael Jackson zusammenarbeiten sollte. Das hat mich beeindruckt.

Ich bin älter als Cory, und ich bin mit Michael aufgewachsen. Was ich lernte als Innenansicht von Sony war, dass es dort viele Leute gab, Manager etc., die ihm eine Richtung vorgeben wollten, sie hatten immer Vorschläge, was er tun und lassen solle. Eine Sache, die oft bei Michael und allem was er tat vergessen wird ist, dass er IMMER an Musik arbeitete. Du hörst alles Mögliche, was so vor sich geht, aber es ist lustig, wenn du ein Interview…dieses Martin Baschir Ding – hörst und der sagt: “Ja, es ist schön, dass du wieder an Musik arbeitest” und es war äußerst rührend, als Michael antwortete: “Ich habe IMMER an Musik gearbeitet”

C.Y.: Die Kommentare, die er über Mottola machte, einige Jahre zurück. Die Kommentare, dass er nicht mit dem 2001 veröffentlichten Album zufrieden sei. Es steckten 30 Millionen Dollar darin, aber warst du überrascht als er diese sehr direkten Bemerkungen machte, als er Mottola eine Bande von allem Möglichen nannte?

C.R.: Es überraschte mich nicht. Wie ich schon sagte, es war nicht so, dass er viele Leute in dieser Firma auf seiner Seite hatte. Größtenteils denke ich, dass die Leute in dieser Firma ihm nicht die Liebe und den Respekt entgegenbrachten wie sie es hätten sollen. Sicher, sie haben 30 Mio. Dollar darein gesteckt aber zur selben Zeit waren die Angelegenheiten mit dieser Platte so gesetzt, dass Michael garnicht mehr gewinnen konnte…Verstehst du?

Sie setzten so hohe Erwartungen hinein, und er seinen ganzen Aufwand – es war wie eine „Lose-lose“ Situation, auf jeder Seite. Und sie dachten, sie könnten ihn antreiben, wie einen Esel mit einer Karotte, und sie sagten,  ‘Ok, wir wollen das Gesamtpaket von dir, du musst Platten verkaufen, du musst auf Tour gehen’. Und sie dachten, er würde „dieser Karotte“ hinterherlaufen und sagen „Oh ja, super, ich mach das alles, damit ich meinen Einsatz wieder reinhole“.

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C.A.: Ein so einflussreicher Künstler wie Michael ist nicht der erste, der seine Meinung gesagt hat, wenn er sich in  seiner „Firma“ nicht mehr wohlfühlt. Wenn Künstler auf diesem Level nicht mehr zufrieden sind, sagen sie das. Jemand wie er, der immer nur mit den Besten zu tun hat…ich denke, seine Frustrationsgrenze war überschritten. Es gibt viele Umstände, die ihn zu diesem Punkt gebracht haben.

Worüber ich sehr entsetzt bin – aber es ist nur ein Gerücht – aber ich glaube es trotzdem, ich glaube er wurde in diesem ganzen Skandal erpresst. Ich denke, irgendwann wird die Wahrheit herauskommen. Dieser Mann gab viele Millionen an andere Menschen, für Wohltätige Zwecke. Es wird nie alles bekannt werden, was er tat. Ich denke, er hat nur natürlich reagiert und ich denke, er wurde da hinein gedrängt. Wenn du die Qualität seiner Arbeit ansiehst, bis zurück zu Off The Wall…jede einzelne Platte, egal ob Dangerous oder was auch immer – all diese Platten sind perfekt, alles voller Hits.

Was ich gerne mitteilen möchte ist, dass er nicht genug Anerkennung bekommt für das, was er der Welt gegeben hat, musikalisch. Er ist sicher der größte Musiker, den wir für lange Zeit gesehen haben. Jemand wie ihn wirst du sicher nicht wieder sehen. Darüber sollte gesprochen werden, das sollte erwähnt werden.

C.Y.: In wieweit wird die Musikindustrie in ihrer Entwicklung davon betroffen sein?

C.R.: Ich glaube die Musikindustrie hat noch nicht genau genug hingesehen, um die Bedeutung Michael Jacksons auf jeden – auf uns Künstler, Produzenten und Darsteller, auf die gesamte Unterhaltungsbranche – zu erkennen. Ich denke, sie haben noch nicht genau hingesehen, da sie noch zu sehr mit ihrem eigenen Arsch beschäftigt sind. Als Michael seine Verhandlung hatte, hat niemand…..wirklich niemand innegehalten, um ihn zu unterstützen.

CR: Er ist in 10 Punkten angeklagt und niemand sagte:  “Das tut uns so leid, Michael” niemand sagte: ”Michael, wir wissen du bist unschuldig”.  Niemand veranstaltete einTribute für ihn, keiner spielte seine Musik, niemand rief zu einem Konzert für ihn auf.

(…)

C.Y: Nach ‘93, hätte er es nicht besser wissen sollen mit der Bashir Dokumentation, wo er sagte, es sei OK mit einem Kind im Bett zu übernachten? Denkst du nicht, die meisten Leute sagen es in dem Sinn richtig, dass er sich damit selbst reingeritten hat?

C.R: Lass mich dir erklären, was Michael mir dazu gesagt hat. Michael und ich sprachen darüber und er sagte: „Cory, als ich ein Kind war, wurde mir nicht allein die Kindheit vorenthalten, sondern auch Liebe. Wenn ich meinen Vater umarmen wollte, umarmte er mich nicht zurück. Wenn ich im Flugzeug Angst hatte, legte er nicht den Arm um mich und sagte, dass alles gut sei. Wenn ich Angst hatte, auf die Bühne zu gehen sagte er ”Bring deinen Arsch auf diese Bühne.” Nicht nur er, auch jeder andere Erwachsene um ihn herum…
Michael sagte zu mir: “Cory, ich werde niemals einem Kind Liebe vorenthalten und wenn es bedeuten würde dafür gekreuzigt zu werden oder ins Gefängnis zu gehen, dann ist es halt das, was sie tun müssen”.
Als er zum ersten Mal vor Gericht sollte, sagten seine Berater, es sei nicht gut und er solle das Kind ausbezahlen, und einfach weitermachen. Beim zweiten Mal sagte er: “Weißt du, das alles hat mich schuldig aussehen lassen, als hätte ich etwas zu verbergen. Diesmal wird es keine Zahlungen geben. Ich werde vor Gericht kämpfen und du wirst sehen, dass ich unschuldig bin“.

Genau an dem Tag dann, als das Urteil kam, sprach ich mit seiner Familie. Ich sah die Nachrichten, und dort sagten sie, Michael habe 45 Minuten, um zum Gericht zu kommen. Ich telefonierte mit Mitgliedern seiner Familie, in seinem Haus, und fragte „Was macht er jetzt gerade?“ Er ist oben und macht sich fertig. Dann kam er nach unten. Er sprach mit seiner Familie ein Gebet und sagte zu jedem: „Ich möchte nicht, dass ihr euch um mich sorgt, es wird alles ok. sein mit mir.“ Und dann fuhr er dorthin, er war sicher nervös und  klopfte mit den Füssen und sang ein Lied…. Aber er war nicht beunruhigt. Ich sag dir eins – ich wäre ein Wrack gewesen. Ich glaube, ich hätte im Gericht nicht einmal mehr aufstehen können.

MJ 2005

(…)

C.A.: Ich denke, er hat sich für diese Comeback Tour entschieden, und hätte eine Menge Geld damit gemacht, was ihm auch wirklich zugestanden hätte. Aber ich denke trotzdem, dass er an die Grenze getrieben wurde, von sehr mächtigen Leuten und dass er nicht fair behandelt wurde. Dieses Geschäft ist nichts ohne den Künstler. Ohne den Künstler kannst du nichts tun. Und es scheint mir, dass einige derer, die jetzt das breiteste Lächeln zeigen, das bei ihm an irgendeinem Punkt vergessen haben.

C.R.: Etwas, was schon ein paar Jahre zurückliegt, etwa 8 Jahre vielleicht. Michael sagte damals zu mir: „Cory, ich kann nicht mehr auf  Tour gehen.”  Ich fragte, warum. Er sagte: „Es wird mich umbringen.“ Das sagte er zu mir. Er sagte: „ Es wird mich umbringen. Erinnerst du dich daran, als ich mich auf mein Konzert vorbereitete und ich brach hier im Sony Studio zusammen? Das passierte – weil wenn ich mich auf eine Tour vorbereite, dehydriere ich.  Ich esse nicht, ich trinke nicht, ich schlafe nicht, ich stecke alles von mir in die Tour-Vorbereitung.“ Er sagte: „ Ich mache das nicht absichtlich. Es passiert einfach. Verstehst du? Ich bin so in die Sache vertieft, dass ich an solche Dinge garnicht mehr denke. Das letzte Mal hingen sie mir schon Infusionen an. Ich habe also beschlossen – und meine Ärzte auch- dass ich so etwas nicht mehr tun sollte.“ Er sagte, er möchte sein Invincible Album fertig machen, und fertig. Keine Tour mehr. Er wollte aber noch Alben machen. Er sagte: „Ich werde noch ewig Alben machen, ich kann nur nicht mehr touren.“

(…)
C. R.: Es gibt Zeiten, da saß ich im Studio und sage, ich kann es nicht glauben, dass ich  mit diesem Mensch zusammenarbeitete. Und so viele andere haben die Dreistigkeit, sich aufzuspielen. Und dann arbeitest du mit einem Kerl wie Michael Jackson… Er kam zu spät, er sollte um 12 Uhr im Studio sein und er erschien um viertel nach eins. Er fühlte sich so elend für das Zuspätkommen, dass er sich die ganze Session hindurch entschuldigte. Am nächsten Tag schickte er einen großen, gigantischen Korb, weil wir uns über Filme unterhalten haben und darüber wie sehr ich Filme liebe. Also schickte er mir diesen gigantischen Korb.

C. Y.: Mit all diesen verschiedenen Filmen darin?

C:.R.:  Ach du meine Güte, er enthielt wahrscheinlich 100 DVDs. Da war auch Popcorn, Süßigkeiten, alle Arten von Büchern und Filmtrivialitäten, alles Mögliche. Auf der Karte stand nochmals „Es tut mir sehr leid, deine Zeit nicht respektiert zu haben.“

C. Y.: Es ist der Gedanke der zählt. Auf jeden Fall!

C. R.: Richtig! Ich sagte Mike, um wie viel Uhr möchtest du Morgen anfangen? Er sagte: „ Cory du bist der Boss. Du sagst mir um welche Zeit. Wenn du mich um 7 Uhr morgens hier haben möchtest, werde ich um 7 Uhr morgens hier sein.“ Er sagte: „Du bist der Boss. Was auch immer du (mir) sagst.“

C. Y.: Was ich interessant an all diesen Äußerungen (über MJ) finde ist die Art, wie es die Mainstream Medien so darstellen, dass er wollte, dass die Dinge immer nach seinem Willen geschehen.

C. R.: Ganz und gar nicht. Ganz und gar nicht.

(…)
C.R.: Es sind so viele Geschichten. Es sind so viele Dinge. Michael – er liebte es dazu sitzen und Geschichten zu erzählen. Er liebte zu reden… reden… reden über Alles. Jedesmal wenn er in eine Stadt oder so kam… ich erinnere mich, wollte er in eine Buchhandlung gehen. Sie schlossen die Buchhandlung. Er ging hin, um Bücher zu kaufen. Er las sie. Und dann unterrichtete er mich über Afrika und wie wunderschön Afrika ist. Er sagte: „Weißt du, die Menschen möchten nicht das du weißt, wie schön Afrika ist, weil sie dort drüben sind, um all seine Reichtümer zu stehlen.“ Aber er sagte: „Es ist der schönste Ort, den ich je in meinem Leben gesehen habe.“ Er zeigte mir ein Bild. Es ist einfach erstaunlich.

Erinnerst du dich, Chris, an David Blaine der sich lebendig begraben hat?

C.A.: Ja. Sicher. Er pflegte auf unserem Stockwerk bei Sony rum zu hängen. Du erinnerst dich vielleicht nicht mehr, aber er hing oft da oben rum, zur der gleichen Zeit, als dein Freund “50 Cent” noch herum rannte, um uns Kaffee zu besorgen.

C.Y.: Das ist eine sehr beiläufige Geschichte, aber mach weiter.

C.R.: Also David Blaine begrub sich lebendig in der Stadt, drüben an dem Trump-Gebäude.

CY: Dem Trump National Hochhaus

C.R.: Richtig. Sobald ich Michael erzählte, was da passiert war, sagte er: „Du machst Witze?“ Ich sagte: „ Nein, wenn ich’s dir sage.“ Er wusste überhaupt nicht wer David Blaine war. Ich begann, uns Videomaterial zuschicken zu lassen und alles Mögliche, weil wir damals kein YouTube hatten. Ich fing an uns Filmmaterial schicken zu lassen, um ihm zu erklären, wer David Blaine war. Er war so fasziniert. In dieser Nacht stieg er in einen Lieferwagen und wir fuhren spät abends los, um David Blaine zu sehen. Wir gingen dorthin.
Wir sprangen aus dem Lieferwagen, er in einer Art „Teilverkleidung“ und es ahnte wirklich keiner, dass er es war. Er sprang heraus und er lief direkt da rüber und wir saßen da und er war fasziniert davon. Es war lustig. Dann lachten wir, weil er manchmal sagte: „Weißt du was? Die Hälfte der Zeit  wird sowieso geglaubt, es ist ein Double und nicht ich. Manchmal kann ich einfach herumlaufen.“

C.Y.: Du scheinst eine Menge persönlicher Gespräche mit ihm gehabt zu haben, aber hast du jemals mit ihm über Plastische Chirurgie gesprochen?

C.R.: Ja.

C.Y.: Und was erzählte er dir?

C.R.: Er sagte: „Was ist der Unterschied zwischen mir und Sylvester Stallone oder jemand anderem in Hollywood?“ Er sagte: „Meine Hautkrankheit… ich möchte nicht weiß sein. Das ist nicht, was ich versuche zu tun.“ Er sagte: „Aber ich kann nichts für meine Hautkrankheit. Ich versuchte eine Operation, um alles auszugleichen und tat Dinge wie diese. Es fiel nicht so aus, wie ich es mir wünschte, aber das ist nicht der Grund, warum ich mich in einen hellhäutigen schwarzen Mann verwandelte.“ Was seine Nase anbelangt, sagte er „Ich hasste meine Nase, genauso wie Sylvester Stallone seine hasste.“

C.A.: Was er auch schon sagte, dass sein Vater ihm das so einredete.

C.R.: Ja. Er sagte „ Ich hasste mein Kinn. Ich hasste meine Nase.“ Er sagte „ Und wenn schon?“ Warum bin es nur ich?“ Er sagte „Warum bin es nur ich ?  Ich kann dir 20 Leute in Hollywood zeigen, die eine Nasenkorrektur gemacht haben, Lippen, Botox, alle möglichen Dinge.“

C.Y.: Gibt es noch etwas, was du (mit-) teilen möchtest?

C.A.: … Ich hoffe einfach, dass der „Erdrutsch“ (hier i.S. von Triumph oder Sieg) in den nächsten Wochen herauskommen wird. Ich hoffe, dass einige Leute beginnen, über all das Gute was er tat, zu sprechen, weil… wenn du das Gute gegen das Schlechte aufwiegst… Er ist die berühmteste Person der Welt. Er ist rund um die Uhr, 6 Tage lang im TV zu sehen gewesen. Das ist einfach meine Hoffnung. Gott segne ihn und lasse ihn in Frieden ruhen und… wir werden ihn alle eines Tagen in unserem späterem Leben wieder sehen und ich bin mir sicher er tanzt und singt sich die Seele aus dem Leib.

(…)

C.R.: … Michael Jackson war für uns wie eine Christus ähnliche Figur. Zu wissen, dass dieser Mann über die letzten 15 Jahre diskreditiert, gekreuzigt, verleumdet und beschimpft worden ist. Jeder möchte lieber über etwas Negatives sprechen, z.B. dass er die Knochen des Elefantenmenschen kaufen wollte. Und wenn schon? Wissen Sie was? Ich würde sie auch kaufen.

C.A.: Ich auch.

C.R.: Ich denke das ist cool. Ich würde es auch tun. Aber weil er es war, hatten sie stets etwas Negatives anstatt Positives. Mein Herz ist gänzlich gebrochen. Meine Inspiration, das Licht der Inspiration, dass ich einmal als Kind hatte ist jetzt für mich völlig verdunkelt…. Ich weiß es nicht, weil ich nicht einer dieser Jünger oder was auch immer war, die Christus folgten und die zusehen mussten als er gekreuzigt wurde und am Kreuze hing. Aber ich bin mir sicher, auch deren Herzen waren genauso gebrochen… Und mein Herz ist gebrochen. Und weiter zu machen mit dem (Musik-) Geschäft… alles was ich sagen kann ist, dass ich glücklich bin, dass es eine Zeit im Leben gibt, in denen wir Dinge ziemlich unabhängig tun können und wir uns nicht so viel mit den Heuchlern auseinandersetzen müssen… aber wir sind umgeben von Heuchlern in diesem Geschäft. Es ist (einfach) eine Tragödie. Ich fragte mich immer, wie es sein würde wenn … Gott behüte!  Michael etwas zustößt. Ich glaube nicht, dass ich es jemals wirklich fühlen wollte. Ich fragte mich nur immer irgendwie „Du meine Güte, was würde geschehen?“ Nun, jetzt sind wir an dem Punkt. Und alles, was bisher geschah, ist so ziemlich genau so, wie ich dachte, dass es sein würde.

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C.A.: Als das geschah (Todesnachricht)… sendete ich Cory eine E-mail und einmal hatte ich seine Frau am Telefon… und das war’s. Ich hörte drei Tage nichts von Corey. Keine E-mails, keine Telefonanrufe, keine Antwort. Ich wusste, dass er trauert und ich war bestürzt darüber.

C.R.: Weil ich drei Tage weinte.

C.A.: Er rief mich am Montagmorgen an und ich denke es ist eine sehr zutreffendes Zitat: „Ok, es ist Montag. Wir müssen zurück an die Arbeit, weil Michael wieder zurück an die Arbeit gegangen wäre .“

C.R.: Und das ist die Wahrheit. Michael wäre wieder zurück an die Arbeit gegangen. Er stand es durch. Wie ich sagte, er steckte seine Beulen weg, er steckte seine Schläge weg. Er war einer der zähesten Männer, die ich jemals traf… und das ist die Wahrheit. Er war ein unverwüstlicher, zäher Bursche. Da gab es nichts zaghaftes an Michael Jackson.

C.Y.: Nun, es scheint so… dass die Medien ihr Augenmerk nicht ganz darauf richteten, wie wichtig dieser Mann insgesamt wirklich war.

C.R.: Nö.

C.A.: Nö. Nicht einmal annähernd.

C.R.: Sie kratzen noch nicht einmal an der Oberfläche.

C.Y.: Vielleicht, weil sie nicht informiert sind. Wie ihr wisst, stecken sie in diesen 24 Stunden Nachrichtenzyklus… Es kümmert sie nicht mehr. Es geht darum wie man Nachrichten veröffentlicht, wie schnell man sie veröffentlicht und wer zuhört.

C.R.: Ich denke, sie werden sich immer für diesen billigen Journalismus entscheiden anstatt zu sagen, lass uns nach Köpfen abzählen und sehen, wie vielen Kindern Michael Jackson das Leben verändert hat oder irgendetwas wohltätiges getan hat.

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“Stranger In Moscow” – Wie fühlt es sich an?

How does It feel? – Wie fühlt es sich an?

Auch wenn du eine sehr bekannte Persönlichkeit bist, wenn du erfolgreich bist und überall auf der Welt bekannt, gibt es Zeiten, in denen du dich sehr einsam fühlst. Innerlich ganz kalt. Dein Geist und deine Seele frieren. Ich weine viel. Besonders, wenn du weißt, dass es so viel Liebe in der Welt gibt, aber es Momente gibt, in denen du sie nicht erreichen kannst. Du bist einsam und stehst alleine im Abseits. 1994 schrieb ich Stranger In Moscow – einen Song über eine sehr schwere Zeit in meinem Leben. Es war nicht nur wegen der tatsächlichen Ereignisse schwer, ich war auch sehr lange Zeit einsam. Ich fror.

~ Michael, Official Photobook My World

Although you are a very popular person, you have success and you are known around the world, there are times in which you feel very lonely. Very cold inside. Your mind and your soul is freezing. I am crying a lot. Especially when you know that there is so much love in the world, and there are moments in which you just can´t reach out. You are lonely and left outside alone. In 1994 I wrote “Stranger In Moscow” – a song about a very difficult period in my life. It was difficult not only because of what was going on actually, but I was very lonely for a very long time. I was freezing.

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„Ich glaube nicht, dass du es wirklich begreifen kannst … ich habe die ganze Welt gegen mich, die denkt, dass ich ein Kindesbelästiger bin. Du weißt nicht, wie es sich anfühlt, falsch angeklagt zu sein und ‚Wacko Jacko‘ genannt zu werden. Tagein tagaus muss ich auf diese Bühne gehen und auftreten, muss so tun, als sei alles perfekt. Ich gebe alles, was ich habe, ich gebe die Performance, die jeder sehen will. In der Zwischenzeit sind mein Charakter und mein Ruf ständigen Angriffen ausgesetzt. Wenn ich von der Bühne herunterkomme, sehen die Leute mich an, als wäre ich ein Krimineller.“

Frank Cascio zitiert Michael (aus My Friend Michael)

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Stranger In moscow1

Joe Vogel über Stranger In Moscow

Obwohl es nie auf einer seiner Greatest Hits Alben zu finden war, ist Stranger In Moscow eine der eindrucksvollsten künstlerischen Leistungen Michael Jacksons und wird in der Zukunft ohne Zweifel auch als solche anerkannt werden.

Poetisch und atmosphärisch enthüllt Stranger In Moscow das, was sich hinter der Wut der zwei vorherigen Songs verbirgt (Scream / The Don’t Care About Us, [HIStory Album] ) es ist Jacksons Version vom Song  A Day In The Life der Beatles: Ein eindringlicher Ausdruck von Isolation, Ernüchterung und Entfremdung. Musikkritiker Tom Molley beschreibt ihn als eine „ätherische und aufwühlende Beschreibung eines Mannes, verwundet durch den ‚rasanten, plötzlichen Absturz‘ (swift and sudden fall from grace), der im Schatten des Kremls wandert. Der langjährige Toningenieur Bruce Swedin empfindet ihn als einer der besten Songs, die der Sänger je geschaffen hat. Armond White stimmt dem zu und nennt ihn „Jacksons beste Aufnahme seit Billie Jean“. Seine Geschichte des aus dem Takt geratenen und tiefgehenden Schmerz‘ ist ausreichend eloquent, um mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Popmusik mythifiziert zu werden und ruft eine Erinnerung an die Ängste der Zeit des Kalten Kriegs und der Bürgerrechts -Ära hervor.

Jackson schrieb den Song 1993, während er in Moskau auf Tour war und in einer besonders schweren und einsamen Zeit seines Lebens. „Er fiel mir in den Schoß“,  erinnert er sich, „denn so fühlte ich mich zu der Zeit. Ich war alleine in meinem Hotel, es regnete und ich begann einfach mit dem Schreiben.“ Und wirklich, an dem Morgen, als die Inspiration für den Song kam, rief Jackson seinen musikalischen Direktor und Keyboarder Brad Buxer zu sich, der im selben Hotel wohnte. Es war 10.30 Uhr am Morgen und auf Jacksons Anfrage hin kam Buxer sofort zu ihm. „Ich klopfte an, und sagte: ’O.K. Michael, ich denke, du hast mich gerufen, weil du die Sachen für SEGA hören willst [Jackson hatte zugestimmt, eine Melodie für das Video-Spiel Sonic The Hedgehog3 zu schreiben] Er sagte: „Nein, nein, ich möchte einfach etwas arbeiten.“ Es gab dort ein Piano, und ich begann irgendwas zu spielen, und er sagte ‚spiel einfach, spiel einfach nur‘.“ Buxer, der eine klassische Ausbildung hat und verschiedene Instrumente beherrscht, arbeitete seit  vier Jahren eng mit Jackson zusammen. Stranger In Moscow war jedoch ihre bis dato bedeutsamste Zusammenarbeit. Während der Session im Hotel gab Jackson manchmal Anweisungen, manchmal hörte er einfach nur zu, bis er etwas hörte, was ihm gefiel. „Ich spielte ihm einen Abschnitt vor, und es gefiel ihm“, erinnert sich Buxer, „dann sagte er, spiel mir noch etwas anderes“, und es entwickelte sich genau zu diesen Akkorden. Es ist eine einfache Sequenz, aber mit einer eigenartigen Modulation. Terzen und Septimen sind in der Musik das A&O. Nimmst du von einem Dreiklang den Grundton und die fünfte Note– so wie das As und Es eines As-Dreiklangs und diese Noten dann als Dritte und Siebte eines neuen Akkords (in dem Fall E maj7) kannst du die Stimmung etwas verändern und es hat eine psychologische Wirkung. Du erhältst eine kraftvolle und doch fast unsichtbare Modulation, welche die Psyche beeinflusst nur dadurch, dass du eine Note verändert hast. Deshalb tat ich das. Und dann gibt es einen neuen Abschnitt mit Emaj7 zu A und Dmaj7 zum G, nur einen Schritt tiefer, gleiche Sequenz. Das sind die beiden Sequenzen und das war Stranger In Moscow“.

Als die Basissequenzen da waren, entwickelte Jackson die Melodie, die über den Noten der Akkorde schwebt. In nur eineinhalb Stunden hatten Jackson und Buxer im Wesentlichen den ganzen Song erschaffen. (Jackson vollendete später noch die bemerkenswerten Lyrics und fügte noch andere Elemente hinzu.)

Nicht lange, nachdem er diesen Song geschrieben und aufgenommen hatte, entschied Jackson, ein ganzes Album aus neuem Material zu schreiben, anstatt nur ein paar Aufnahmen zu einem Greatest Hits Album hinzuzufügen. Beide – Jackson und Buxer – wussten, dass sie etwas Außergewöhnliches erschaffen hatten. Indes fängt die anscheinend simple Moll-Ton-Ballade Stranger In Moscow , mit ihrem sparsamen Arrangement perfekt das Gefühl von der Leere ein, die ein Mann empfindet, der sich von der Welt um ihn herum entfremdet fühlt. Die Aufnahme beginnt mit dem Geräusch von Regen, dann kommt ein langsamer, mechanischer Beat dazu, (der sich auf Jacksons Beat-Boxing aufbaut) und der weiche Klang einer Gitarre. In den Strophen singt Jackson exquisite Call & Response Zeilen, deren Echo perfekt sein Gefühl der Isolation wiederspiegeln. „I Was Wandering In The Rain“ singt er, „Mask Of Life, Feelin‘ Insane“. (Ich wanderte durch den Regen/ Maske des Lebens, ich verliere den Verstand ) Es beginnt mit den wohl beeindruckendsten Zeilen in Jacksons Karriere, und erinnert an die Gedichte von T.S. Elliot oder Rainer Maria Rilke. Die fragmentierte Geschichte, die er präsentiert, handelt von kognitiver Dissonanz: Entweder die Welt verliert den Verstand, oder er selbst. Oder vielleicht sind es auch beide. Im Refrain fragt er wiederholt: „How Does It Feel?/How Does It Feel?/ When You’re Alone And You’re Cold Inside?” (Wie fühlt es sich an/Wenn du einsam bist/ Und innerlich kalt) Die Frage bleibt jedoch durch den ganzen Song hindurch unbeantwortet in der Luft hängen. Später singt Jackson davon „seinem Ruhm ausgeliefert“ zu sein. Er empfindet so etwas wie Betrug, Einsamkeit und Verzweiflung, was – wie es im Rolling Stone geschrieben wurde „dem Schmerz jedes Rockers von Seattle Konkurrenz macht.“ Er ist ein tragischer Charakter, ähnlich wie Jay Gatsby („es ist was ihn quälte, der stinkende Staub, der sich in seine Träume einschlich“) Jackson beschreibt seinen Geisteszustand als „Armageddon Of The Brain“ die Wortgebilde, die er mit den Versen malt, sind so lebendig“, stellt der Musikkritiker Jonathan Conda fest, „…er setzt ein Leben in Schmerz in Kontext mit Gedankenbildern und dem Gefühl von Russland während des kalten Krieges.“ Gegen Ende des Songs hat Jackson eine Aufnahme eines KGB Agenten integriert, der fragt: „Warum bist du vom Westen hergekommen? Gestehe! Um die großartigen Errungenschaften der Menschen, die Erfolge der Arbeiter zu stehlen.“

Für Michael Jackson, einer Ikone der westlichen Welt, repräsentiert der Song ein faszinierendes Paradox: als ehemaliges schwarzes Kind der heruntergekommenen Straßen von Gary, Indiana, wurde er zum berühmtesten pop-Star der Welt, er war ein wahrgewordenes Symbol des amerikanischen Traums. Zu Hochzeiten von Thriller erlaubte die damalige Sowjetunion nicht, dass dort seine Musik gehört werden durfte, sie musste als Bootleg eingeschleust werden. Jetzt, zehn Jahre danach, performte Jackson von hunderten und tausenden von Fans an solchen Orten wie  Prag oder Moskau, während er im Grunde aus Amerika verbannt wurde. In dem Song steht er deshalb als Heimatloser, als Vagabund da. Er wurde von seinem eigenen Land und System  benutzt und ausgespuckt. (ein „rasanter, plötzlicher Absturz“) Aber er ist auch ein „Fremder“ in Moskau. – gefangen in einem Hotel, wo „Stalins Tomb won’t let him be“ (Stalins Grab lässt ihn nicht sein) Er ist ein Ausgestoßener, ein unsichtbarer Mann, der sich deprimiert, heimatlos und einsam fühlt.

Durch das Musikvideo kommt jedoch ein wenig Erlösung. (was genau wie der Song selbst, oft zu wenig beachtet wird) Der Musikkritiker Owen Hatherly nennt es eine „impressionistische, semi-noir, Le Carré ähnliche Geschichte … Bettler und beeindruckende Gebäude einer Stadtlandschaft, die zum Einen an Tim Burton, aber auch an Andrei Tarkovsky erinnern.

Unter der Regie von Nicholas Brandt verzichtet man auf theatralische Showelemente und Tanzchoreografien, wie in vielen Kurzfilmen Jacksons zu sehen, zu Gunsten von mehr Subtilem und Düsterem: eine visuelle Erzählung, in der die Leben von sechs isolierten Fremden dargestellt werden, während die Welt sich in Zeitlupe um sie herum dreht. Jackson identifiziert sich mit diesen „normalen Leuten“: Er ist ebenfalls alleine und wandert in einem schwarzen Regenmantel, wie ein Geist, unerkannt durch die Straßen. Etwa in der Mitte des Videos treten er und die anderen Charaktere jedoch hinaus in den strömenden Regen. Als ob jeder von ihnen durch das Wasser getauft würde, verändert sich etwas: es ist, als ob diese schmerzhafte Entfremdung, die jeder von ihnen fühlte, vorübergehend weggewaschen würde, sie werden gereinigt und durch eine gemeinsame Erfahrung verbunden: ihrem Leiden. Das Paradox des Videos ist, dass sie nur miteinander in Verbindung treten können, indem sie sich gegenseitig ihre ihnen gemeinsame Einsamkeit und den Schmerz ausdrücken und sich dem öffnen.

(aus Joe Vogel – Man in the Music: The Creative Life and Work of Michael Jackson: http://www.amazon.de/Man-Music-Creative-Michael-Jackson/dp/1402779380/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1359581588&sr=8-1 )

Übersetzung: M.v.d.L.

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Stranger In moscow2

Und hier ein sehr schöner Beitrag über Stranger In Moscow, aus dem Blog “Dancing With The Elephant”

(Übersetzt von Lilly & Biba..Danke!)

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com/

Wandering in the Rain – Im Regen wandernd

Willa: Also Joie, wann immer ich mit jemandem über Michael Jacksons Videos rede, weiß ich, dass sie mir schließlich die gefürchtete Frage stellen werden – welches ist dein liebstes? Und das ist so schwer für mich zu beantworten. Es ist so, als würdest du eine Großmutter fragen, welches Enkelkind ihr am liebsten ist. Wie jede Großmutter dir erzählen wird, liebt sie sie alle gleich! Und wenn du dich manchen nicht so verbunden fühlst wie anderen, so ist es vielleicht deswegen, weil du sie einfach nicht alle gleich gut kennst.

You Rock My World zum Beispiel gab mir lange Zeit ein unbehagliches Gefühl – es war ein schwieriges Kind für mich, mit dem ich warm werden musste. Aber nachdem wir einige Male darüber gesprochen haben – im November und Dezember 2011 – erkannte ich, dass darin so viele faszinierende Dinge zu finden sind, die ich zuvor nie gesehen hatte, und ich verstand es immer besser, und nun liebe ich es wirklich und genieße es, es mir anzusehen.

All dies drückt auf Umwegen aus, dass ich kein Michael Jackson Lieblingsvideo habe – ich liebe sie wirklich alle – aber ich muss zugeben, dass Stranger In Moscow einen ganz besonderen Platz dabei einnimmt. Zum einen ist es so wunderschön: das Konzept, die Bilder, seine erstaunliche Stimme. Ich liebe alles daran.

Joie: Ich liebe dieses Video auch. Für mich ist es visuell einfach überwältigend. Ich mag es einfach, dazusitzen und darin wirklich die Spezialeffekte zu betrachten; ich sitze immer wie hypnotisiert da, wenn es läuft. Es ist sehr hypnotisierend auf gewisse Art. Weißt du, meine Cousine sagte einmal zu mir: ‚Sieh dir dieses Video nicht an, es ist so deprimierend!‘ Und ich verstehe, was sie damit sagen will, aber ich konnte einfach nicht glauben, dass sie das gesagt hat, denn für mich ist dieses Video wunderschön. Ein wahrer Augenschmaus.

Willa: Das ist es wirklich, obwohl ich auch nachvollziehen kann, was deine Cousine gesagt hat. Es scheint mir, als würde er versuchen, seinen emotionalen Zustand zu jener Zeit zu vermitteln, in den Monaten sofort nach den Anschuldigungen 1993, und das war eine schreckliche Zeit für ihn. Wie er uns in den Lyrics erzählt, „fühlte er sich, als würde er wahnsinnig werden“ (feeling insane), so als würde er einen „Weltuntergang des Verstandes“ (Armageddon of the brain) erleben. Es scheint mir, als würde er uns auffordern, uns vorzustellen, was er durchmachen musste, um zu verstehen, wie diese Situation für ihn ist – um mit den Anderen zu empfinden, wie er es so oft in seinen Werken macht. Also wiederholt der Refrain in erster Linie ständig die Zeile „Wie fühlt es sich an“ (How does it feel):

Wie fühlt es sich an?
(Wie fühlt es sich an?)
Wie fühlt es sich an?
Wie fühlt es sich an?
Wie fühlt es sich an?
Wie fühlt es sich an?
(Wie fühlt es sich jetzt an?)
Wie fühlt es sich an?
Wie fühlt es sich an?

Wenn du einsam bist und innerlich kalt
Wie ein Fremder in Moskau?

Es scheint ziemlich klar zu sein, dass er uns dazu bringen will, uns in diese Lage zu versetzen – wie in die von jemandem, der fälschlicherweise eines schrecklichen Verbrechens angeklagt und dafür in der ganzen Welt verurteilt wird, ohne daraus entkommen zu können. Wie fühlt sich das an? Wie würde es sein, sich in einer solchen Situation zu befinden?

Frank Cascio spricht darüber in seinem Buch My Friend Michael: An Ordinary Friendship with an Extraordinary Man und er zitiert ihn so:

„Ich glaube nicht, dass du es wirklich begreifen kannst … ich habe die ganze Welt gegen mich, die denkt, dass ich ein Kindesbelästiger bin. Du weißt nicht, wie es sich anfühlt, falsch angeklagt zu sein und ‚Wacko Jacko‘ genannt zu werden. Tagein tagaus muss ich auf diese Bühne gehen und auftreten, muss so tun, als sei alles perfekt. Ich gebe alles, was ich habe, ich gebe die Performance, die jeder sehen will. In der Zwischenzeit sind mein Charakter und mein Ruf ständigen Angriffen ausgesetzt. Wenn ich von der Bühne herunterkomme, sehen die Leute mich an, als wäre ich ein Krimineller.“

Ich denke nicht, dass wir überhaupt anfangen können uns vorzustellen, wie das für ihn war, Tag für Tag, Jahr für Jahr, ohne Unterlass. Wir können versuchen es zu verstehen, aber ich denke nicht, dass wir es jemals wirklich können. Aber in Stranger In Moscow versucht er, uns einen kleinen Einblick in das zu geben, was diese Erfahrung für ihn bedeutet hat.
Und das ist bedeutsam auf einer ganz persönlichen Ebene – einfach wie ein Mensch versucht einen anderen Menschen zu verstehen – aber es ist auch wichtig auf einer kulturellen Ebene, denn im Laufe seiner Karriere wurde er zur menschlichen Verkörperung des Abweichenden, des Andersseins. In gewisser Weise also stellt dieses Video genau dieselbe Frage, die Ben 40 Jahre zuvor gestellt hat: Haben wir die emotionale Fähigkeit mit jemandem zu empfinden, der ausgeschlossen ist, verlacht wird und gefürchtet ist, weil er als anders gekennzeichnet ist? Können wir diese Situation vom Standpunkt des Außenseiters sehen? Und „wie fühlt sich das an“, wenn wir das tun?

Joie: Das ist eine sehr fesselnde Frage, Willa. Können wir uns selbst in die Schuhe eines anderen stellen und uns ihre Welt aus seiner Perspektive betrachten? Wir können es sicherlich versuchen, wenn wir unser Herz und unsere Gedanken an der richtigen Stelle haben, aber weißt du, es ist nicht immer eine leichte Sache für manche Menschen, dies zu tun. Es war fast so, als hätte Michael verstanden, dass dies eine schwierige Aufgabe für die meisten Menschen war und so versuchte er immer wieder, uns durch verschiedene Songs zu zeigen, was diese Erfahrung für ihn bedeutete. Im Grunde haben wir beide dies im Herbst 2011 bereits in der Tiefe diskutiert, als wir über Is It Scary  gesprochen haben. Und ich sagte am Schluss dieses Posts, dass ich das Gefühl hätte, er sei einer der tapfersten Menschen jemals gewesen, dass er den Mut hatte, seinen Kopf in dieser Situation Tag für Tag hochzuhalten und dabei immer noch fähig zu sein, die schönste, tiefgründigste Kunst zu erschaffen und sie der Welt zu präsentieren, die sich gegen ihn gewendet hatte. Es ist einfach unglaublich für mich.

Willa: Oh, ich kann dir nur aus ganzem Herzen zustimmen. Es braucht enormen Mut und großes Selbstvertrauen – und ebenso Selbsterkenntnis. Er wusste, wer er war, und er besaß die innere Stärke an sich selbst zu glauben, sogar nachdem sich die Welt gegen ihn gewendet hatte. Aber es musste trotzdem unglaublich schmerzhaft für ihn gewesen sein, und ich denke, er untersucht dies in den Eröffnungsszenen in Stranger In Moscow.

Stranger in moscow3

Joie: Weißt du Willa, ich denke genauso. Dieser Kurzfilm versetzt einen wirklich in eine gewisse Stimmung, direkt in den Eröffnungsszenen. Aber der Song selbst gibt auch eine gewisse Stimmung vor, und ich glaube, dies ist eins der seltenen Videos, in denen die Bilder auf der Leinwand den Song perfekt porträtieren. Wie Dirty Diana.

Willa: Das ist ein interessanter Punkt, Joie. Einige seiner Videos gehen wirklich in eine ganz andere Richtung – ich denke nicht, dass irgendjemand das Leave Me Alone  Video hätte voraussagen können nur durch das Anhören des Songs. Aber manche sind viel näher dran, und bei Stranger In Moscow  gibt es wirklich einige direkte Korrelationen zwischen dem, was im Song gesagt wird und dem, was auf der Leinwand passiert. Zum Beispiel singt er „ein Betteljunge rief meinen Namen“ und plötzlich verändert sich die Szenerie hin zu einigen Straßenkindern, die Baseball spielen. Dann hören wir im nächsten Zwischenspiel einen Jungen, der „Michael!“ ruft und sehen einige Kinder vorbeilaufen. Also gibt das Video auf vielerlei Weise die Lyrics des Songs wieder.

Aber ich denke, dieses Video verdeutlicht den Song auf wichtige Art und Weise. Zum Beispiel nannten einige Kritiker diesen Song „paranoid“, weil er den Kreml und Stalin erwähnt und sagt, der „KGB verfolgte mich“. Aber wie das Video klarstellt, spricht er auf metaphorische Weise. Er fühlt sich wie ein „Fremder in Moskau“, aber das Video spielt ganz eindeutig in den Vereinigten Staaten: die Autos, der Coffeeshop, die Straßenschilder, die Telefonzelle sind alle amerikanisch, und als der Passant einen Quarter zu dem obdachlosen Mann auf der Straße schnippt, ist es ein amerikanischer Quarter. Also befindet er sich in den Vereinigten Staaten, seinem Geburtsland, aber es ist ihm so fremd geworden, dass er sich emotional so fühlt, als würde er in einem fremden Land leben. Das ist es, was es für mich bedeutet, wenn er sagt „Ich lebe einsam, Baby / Wie ein Fremder in Moskau“. Es erinnert mich an diese Zeile in They Don’t Care About Us, in der er sagt „Ich kann nicht glauben, dass dies das Land ist, aus dem ich komme“. Sein Heimatland ist ihm so fremd und nicht wiedererkennbar geworden, es fühlt sich nicht länger wie sein Zuhause an.
Und es ist sehr wichtig zu realisieren, dass er nicht die einzige Person in diesem Video ist, die „einsam lebt“. Wir sehen auch andere Menschen im Schmerz, die irgendwie aus dem Lebensfluss ausgeschlossen sind. Dies wird visuell dadurch dargestellt, dass einige der leidenden Menschen hinter Glas gezeigt werden – wie die traurige Frau in dem Coffeeshop, die man durch eine Glasscheibe sieht und den einsamen Mann in seinem Apartment, den man durch sein Apartmentfenster sehen kann. Es ist daher symbolisch gesehen wesentlich, als das Glas zerbricht, und es ist wesentlich, dass es spielende Kinder sind, die es zerbrechen lassen.

In meinen Augen ist das Vorhandensein der Kinder ein subtiles Mittel in diesem Video, aber eines von entscheidender Bedeutsamkeit, zum Teil weil sie eine Wende herbeiführen in dem, was passiert. Im Grunde sehe ich Straßenkinder, die Baseball spielen und als Höhepunkt des Films das Fenster zerbrechen. Weißt du, es gibt da dieses allgemeine Missverständnis, dass der Höhepunkt eines Filmes oder einer Geschichte auch der aufregendste Teil sein müsste, aber technisch ist es nicht das, was das Wort „Höhepunkt“ bedeutet, wenn du Literatur oder Filme analysierst. Stattdessen bezeichnet der Höhepunkt den Wendepunkt, den Moment, der den Ausgang der Geschichte bestimmt. Manchmal ist es aufregend, aber oft ist es das nicht – oft ist es ein ruhiger Augenblick, in dem der Held oder die Heldin eine schicksalhafte Entscheidung treffen, die bestimmt, welchen Weg er oder sie einschlagen wird und wie die Geschichte schließlich endet. Zum Beispiel ist der Höhepunkt von Star Wars nicht die große Kampfszene am Schluss, als Luke Skywalker den Death Star zerstört. Es ist die viel frühere traurige Szene, als er entdeckt, dass seine Tante und sein Onkel getötet wurden und er sich entschließt mit Ben zu gehen und die dunkle Seite zu bekämpfen. Das ist der Wendepunkt von Star Wars. Und für mich ist der Wendepunkt oder der Höhepunkt von Stranger In Moscow, als die Straßenkinder das Glas zerbrechen.

Joie: Das ist sehr interessant, Willa. Und ich mag, was du gesagt hast über den Höhepunkt einer Geschichte oder eines Films, dass es oft ein stiller Moment ist, in dem eine Entscheidung getroffen wird.

Aber ich möchte darüber sprechen, was du über die Menschen im Schmerz in diesem Video gesagt hast. Du sagtest, sie sind alle irgendwie vom Fluss des Lebens ausgeschlossen, und das ist wirklich wahr. Aber ich glaube, all diese Aufnahmen von ihnen, die man durch die Glasscheiben oder Fenster sieht, sind auch dazu bestimmt, ein Gefühl der Isolation und Verzweiflung hervorzurufen. Das ist wirklich das Gefühl, das Michael Jackson in diesem Song zu erfassen versucht, denke ich.

Wie fühlt es sich an?
(Wie fühlt es sich jetzt an?)
Wie fühlt es sich an?
Wie fühlt es sich an?
Wenn du einsam bist und innerlich kalt

Jeder dieser Menschen – der einsame Mann in seinem Apartment, die traurige Frau im Coffeeshop, sogar der obdachlose Mann, der auf der Straße liegt und der Teenagerjunge, der die anderen Kinder beim Ballspiel beobachtet – sie sind alle sehr isoliert und in einem Zustand der Verzweiflung. Und jedes Mal, wenn ich dieses Video ansehe, möchte ich noch mehr von dieser Geschichte wissen, weißt du? Warum spielt der Teenagerjunge nicht Ball mit den anderen Kindern? Was hat die Frau im Coffeeshop so mitgenommen? Warum ist dieser Mann in seinem Apartment ganz allein eingesperrt, und wie ist die Geschichte des obdachlosen Mannes? Wir wissen, warum Michael sich wie ein Fremder in Moskau fühlt, aber was ist mit den anderen?

Willa: Das ist ein wirklich guter Punkt, Joie, und ich denke, unsere Unfähigkeit wirklich zu wissen was sie durchmachen, wie sie sich fühlen und warum sie auf diese Art reagieren, verstärkt das Gefühl der Isolation. Wir wissen nicht, was sie gerade erleben, wir kennen nicht ihren Schmerz und diese Unfähigkeit das Leiden der anderen wirklich zu verstehen, ist ein bedeutendes Element dieses Videos, denke ich. Sie „leben auch einsam“, genau wie er, und diese Isolation verstärkt den Schmerz noch. Also kommen wir wieder einmal zurück zu der zentralen Frage: „Wie fühlt es sich an?“

Joie: Und das ist solch ein wichtiger Punkt, Willa. Sie „leben einsam“, genau wie er. Und das lässt uns auf gewisse Weise über uns selbst nachdenken. Bis wir uns nicht aktiv selbst nach anderen ausstrecken und unsere Last teilen, leben wir alle genauso einsam wie jene Menschen in diesem Kurzfilm. Und dieses Gefühl der Isolation verstärkt den Schmerz und das emotionale Leiden. Und sogar wenn wir manchmal von Menschen umgeben sind, die sich um uns sorgen, ist es doch noch möglich, das Gefühl zu haben, als würde man „einsam leben“.

Willa: Das stimmt, Joie, und es ist auch eine bedeutende Feststellung. Und manchmal, wenn wir verletzt sind, dann isolieren wir uns selbst. Es ist, als würden wir Zeit für uns allein benötigen, um uns zu erholen und unser Gleichgewicht zurückzuerlangen, aber uns selbst auf diese Art zurückzuziehen, kann genauso auch Probleme hervorrufen.

Joie: Weißt du, Willa, der Schluss dieses Videos verwirrt mich irgendwie. Das hat es bisher nicht getan, aber nun, da du und ich darüber reden, beginne ich darüber nachzudenken, wie ich es nie zuvor getan habe. Am Schluss sehen all diese einsamen, gepeinigten Menschen, den Regen herunterkommen, und sie gehen hinaus und begrüßen ihn. Sie lassen ihre Gefühle von Isolation für einen kurzen Moment los und stehen unter dem fließenden Wasser und lassen sich vom Regen abspülen. Nichts ist geklärt. Aber trotzdem, jeder von ihnen scheint durch dieses Vorgehen in gewisser Weise beruhigt zu werden.
Das ist nicht genau das, was ich als Ende davon erwartet hätte. Man könnte doch bei dem Thema dieses Filmes denken, dass wir am Ende all diese isolierten Menschen sehen würden, wie sie zueinander finden und zusammenkommen. Oder sich vielleicht Familie und Freunden anschließen, so dass sie nicht länger so isoliert sind. Aber das ist nicht das, was hier passiert. Was schließt du daraus?

Willa: Das ist solch eine schwere Frage. Dies ist ein wirklich uneindeutiges Video – eines seiner unklarsten überhaupt, denke ich. (Das mag ein weiterer Grund dafür sein, warum ich es so sehr mag!) Also ist es möglich, das Ende auf viele verschiedene Arten zu interpretieren, aber er bietet uns einige wichtige Hinweise an. Bevor zum Beispiel diese leidenden Menschen in den Regen hinausgehen, sehen und hören wir Kinder, die im Regen herumrennen. Der Mann in seinem Apartment hört ihre aufgeregten Rufe, sieht nach unten durch sein Fenster, verlässt schließlich sein Apartment und steht im Regen. Die Art, wie diese Sequenz strukturiert ist, deutet an, dass es die Kinder sind, die ihn dazu inspirieren.

Wir sehen ebenso, wie Michael Jackson durch die Kinder inspiriert wird. Er sucht gerade unter einem Dach Unterschlupf, als die Kinder an ihm vorbeilaufen, durch die Pfützen rennen, und dann tritt er hinaus in den Regen. Dies ist eine wirklich lange Sequenz, die Szenen der Kinder, die ständig durch den Regen rennen unterbrochen von den Szenen, in denen Michael Jackson sie beobachtet, wie sie vorbeilaufen und denen der anderen traurigen Erwachsenen ebenfalls. Es gibt eine Aufnahme der Kinder aus der Entfernung, dann von Michael Jackson, wie er sie beobachtet und dabei singt „How does it feel? Wie fühlt es sich an?“, dann einen langen Abschnitt der Kinder von Nahem, eine schnelle Einblendung von Michael Jackson, der wieder singt „Wie fühlt es sich an?“, ein weiterer Abschnitt der Kinder von Nahem in Zeitlupe, dann der Mann in seinem Apartment, der seine Hand über das Glas des Fensters gleiten lässt, während wir hören „Wie fühlt es sich an?“, der obdachlose Mann, der seine Hand zum Regen ausstreckt, Michael Jackson im Hintergrund, während die Kinder vor ihm vorbeirennen, der obdachlose Mann regendurchtränkt mit erhobenem Gesicht, Michael Jackson und die Kinder sind alle zusammen auf der Bildfläche zu sehen, eine Rückansicht der Kinder, wie sie durch den Regen spritzen, der Geschäftsmann im Regen, eine Rückansicht von Michael Jackson, der in den Regen tritt, der obdachlose Mann, der Geschäftsmann, Michael Jackson, so geht es reihum …
Ich liebe diese Sequenz und die Art, in der diese Bilder miteinander verwoben werden. Es ist sehr geschickt gemacht und es verstärkt wieder die Vorstellung, dass Kinder ein subtiler, aber äußerst wichtiger Bestandteil dieser Geschichte sind. Und Joie, dies wirst du mögen – in der letzten Aufnahme der Kinder halten sie sich an den Händen.

Stranger in moscow4

Aber dies wirft eine weitere komplizierte Frage auf: Was repräsentiert der Regen?

Joie: Nun, das ist wirklich eine interessante Frage, Willa! Was stellt der Regen dar? Weißt du, da gibt es im Grunde viele, viele mögliche Antworten auf diese Frage. Regen stellt eine Quelle des Lebens dar; er ist äußerst wichtig für das Leben. Er nährt Menschen, Tiere und Pflanzen. Ohne ihn könnten wir nicht überleben. Und in Regionen, in denen es nicht viel Niederschlag gibt, gilt er als Symbol von Leben und Neugeburt.
Regen kann auch für Segnungen stehen, die vom Himmel herabfließen, aber ebenso auch für Flüche. Im Grunde baute Noah, gemäß der Bibel, die Arche aus einem bestimmten Grund, richtig? Und es hatte niemals vorher auf der Erde geregnet, also kein Wunder, dass alle Menschen dachten, Noah sei vollkommen verrückt. Wasser, das vom Himmel fällt? Yeah, genau!
Aber ich denke, in der modernen heutigen Welt symbolisiert Regen oft Tränen und Traurigkeit und Depression. Aber er ist auch, sehr oft, symbolisch zu sehen für eine emotionale Reinigung oder Heilung. Und manchmal impliziert er auch einen Hauch von Romantik! Also sind die Möglichkeiten wahrlich endlos, Willa.

Willa: Wow, das ist eine wunderbare Aufzählung, Joie! Und du hast Recht, der Regen kann viele verschiedene Dinge bedeuten. Eigentlich denke ich, dass sich die Bedeutung des Regens im Verlauf des Videos verändert, was wahrscheinlich der Hauptgrund dafür ist, dass dieses Video so eindrucksvoll für mich ist. Am Anfang scheint der Regen „Tränen und Traurigkeit und Depression“ zu repräsentieren, wie du erwähnt hast, Joie. So wie er in der Eröffnungsstrophe singt:

Ich wanderte im Regen
Maske des Lebens, ich verliere den Verstand
Rasant und plötzlich in Ungnade gefallen
Die sonnigen Tage scheinen weit weg
Der Schatten des Kremls verkleinert mich
Stalins Grab lässt mich nicht sein
Immer weiter und weiter geht es
Ich wünschte, der Regen würde mich einfach in Ruhe lassen

Er scheint also eindeutig den Sonnenschein mit Glück gleichzusetzen („Die sonnigen Tage scheinen weit weg“) und den Regen mit der emotionalen Qual, durch die er gehen muss („Immer weiter und weiter geht es / Ich wünschte, der Regen würde mich einfach in Ruhe lassen“).

Aber dann sieht er die Kinder durch den Regen laufen, und er beginnt, anders darüber zu denken. Diese Kinder inspirieren ihn dazu aus seinem Unterstand herauszutreten und aufzuhören den Regen zu meiden, und er taucht im Grunde darin ein – er erlebt den Regen vollständig. Er streckt seine Arme aus, wirft seinen Kopf nach hinten und steht da mit offenem Mund, um ihn zu trinken. Diese Schlussszene, in der er sein Gesicht nach oben dreht und seinen Mund öffnet, um Regentropfen einzufangen, erinnert mich immer an jemanden, dem die Kommunion erteilt wird. Aber der Regen fließt auch an seinem gesamten Körper entlang, wie bei einer Taufe, und so scheint er dies auch zu erfahren. Es fühlt sich also für mich so an, dass der Regen für ihn zu etwas physisch und spirituell Nährendem geworden ist, „zu einer emotionalen Reinigung und Heilung“, wie du es so wunderschön gesagt hast, Joie.

Joie: Ich stimme dir zu, Willa. Ich denke, die Bedeutung des Regens verändert sich im Verlauf des Kurzfilms und wir sehen das nicht nur an Michael Jacksons Verhalten, sondern auch am Verhalten der anderen. Die Frau in dem Coffeeshop, der alte Mann in seinem Apartment, der Teenager, der den anderen Kindern beim Ballspielen zusieht. Selbst der obdachlose Mann auf der Straße. Sie alle entscheiden sich dafür, unter dem Guss des Regens zu stehen und diese emotionale Reinigung und Heilung über sich ergehen zu lassen.

Willa: Das ist wahr, die Bedeutung des Regens hat sich für sie alle verändert – sie alle scheinen eine spirituelle Erneuerung durch den Regen zu erlangen – und das ist ein entscheidend wichtiger Punkt. Ich bin so froh, dass du das angesprochen hast, Joie. Sie alle erfahren etwas und profitieren von dieser Verschiebung in der Bedeutung des Regens und das ist emotional so bewegend für mich und thematisch so faszinierend.

Weißt du, Regen ist nichts als Wassertropfen vom Himmel. Er „bedeutet“ nichts, eigentlich, aber wir Menschen haben ihn mit gewaltiger Bedeutung ausgestattet und das haben wir seit Jahrhunderten. So wie die Farbe unserer Haut, für sich selbst gesehen, nichts bedeutet oder die Form unserer Augen oder ein Fluss zwischen zwei Regionen, die als getrennte Länder ausgewiesen werden, oder ein mehrfarbiger Stoff, der an einer Fahnenstange weht, oder ein schwarzes Stück Stoff, das auf dem Kopf getragen wird, oder die Länge unserer Haare oder der Stil unserer Kleidung oder der Akzent unserer Sprache oder tausend andere Merkmale. Aber wir haben diesen beliebigen Zeichen Bedeutung auferlegt und lassen sie Bedeutungen transportieren – Bedeutungen eingeschlossen, die sehr schmerzhaft für uns sein können.
Was wichtig ist, wir haben die Macht diese Bedeutungen zu verändern – und Michael Jackson wusste wie man es macht. Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig das ist. Ich denke, dass Michael Jackson seine gesamte Karriere hindurch sehr fokussiert darauf war, die konnotative Bedeutung, oft negative Bedeutung, die von bestimmten Merkmalen transportiert wird, in Frage zu stellen und zu verändern – ganz so wie er die Bedeutung des Regens in diesem Video verändert.
In der Tat stellt Stranger In Moscow für mich im Mikrokosmos das zentrale Projekt seiner ganzen Karriere dar: Zu verändern, wie wir beliebige körperliche Zeichen interpretieren und emotional darauf reagieren, ganz so wie er verändert, wie die leidenden Menschen in Stranger In Moscow den Regen interpretieren und wie sie emotional auf ihn reagieren – von etwas Negativem, das sie außerdem isoliert und bedrückt, zu etwas Positivem, das sie nährt und belebt. Also für mich ist Stranger In Moscow  zu einer Metapher für sein Lebenswerk geworden. Das ist es, was Michael Jacksons Werk für mich bedeutet und das ist der Grund, warum es für mich so wichtig und so mächtig ist.

Tatsächlich gehe ich hier noch einen Schritt weiter. Dies ist nicht nur eine Metapher dafür, wie ich Michael Jacksons Kunst sehe, sondern wie ich Kunst mittlerweile generell sehe. Kunst hat die Macht, entscheidend zu verändern, wie wir unsere Welt wahrnehmen, erfahren und verstehen – zum Beispiel die Bedeutung des Regens zu verändern oder die Bedeutung unserer Hautfarbe oder unseres Geschlechts oder unserer Nationalität oder des Akzents unserer Stimmen oder einer Menge anderer Zeichen – und ich sehe dies jetzt als den höchsten Zweck von Kunst. Und Joie, zu dieser Vorstellung gelangte ich durch Michael Jackson. Er hat meine Vorstellungen revolutioniert, nicht nur über Kunst, sondern auch darüber, wie wir als Individuen unsere Welt erfahren. Diese Ideen werden für mich alle durch Stranger In Moscow  repräsentiert und dadurch, wie er die Bedeutung des Regens verändert.

Joie: Das ist eine sehr interessante Idee, Willa. Sie gibt uns sicher eine Menge zum Nachdenken. Aber was auch immer die Bedeutung des Regens oder die Bedeutsamkeit all dieser Merkmale sein mag, die du gerade erwähnt hast… Stranger In Moscow  ist einer von Michael Jacksons tiefgründigsten Kurzfilmen. Ich denke, wir können uns beide in diesem Punkt einig sein.

Link zum Video:
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How Does It feel now? – Wie fühlt es sich jetzt an?

Interview mit Debbie Rowe – “The Missing Tapes”

Interview mit Debbie Rowe. Debbie spricht über ihre Beziehung und Ehe mit Michael, über die Probleme mit den Medien, über die Geburt von Prince und Paris…

Frage: Es gibt Berichte darüber, dass Michael Schmerzmittel missbrauchte und dass seine eigene Familie erfolglos versuchte, zu intervenieren. Hast du etwas vom Medikamentenmissbrauch gemerkt, als ihr verheiratet wart?

Debbie: Nein. Wenn es so wäre, wären die Kinder nicht da. Ich weiß, ihr seht mich als eine Mutter, die raus aus allem ist…aber das ist nicht so.

Frage: Ok, du warst also Debbi Rowe, Debbie aus dem Wohnblock… Und dann war da plötzlich die ganze Medienaufmerksamkeit, nachdem du geheiratet hattest, es geschah allesmögliche, und seitdem lebst du damit… Kannst du mir sagen, wie das so ist, im Alltag, und wie du mit dieser Aufmerksamkeit umgehst?

Debbie: Es ist die letzten Jahre leichter geworden, aber am Anfang war es… wirklich unbeschreiblich. Ich hatte das wirklich nicht erwartet. Ich dachte, es wird so schlimm nicht werden.

F: Erzähl mir, wie es dir ergangen ist. Wie hat man dich behandelt?

D: Am Anfang war es, als ob du verfolgt würdest, und du denkst dir, dass sie ja nur ein Foto wollen. Aber das ist ein Eindringen. Also eigentlich weißt du, dass die Kamera dich nicht verletzt, es ist nur ein Foto. Aber es ist ein Foto von mir, und wenn ich von mir ein Foto veröffentlicht haben wollte, dann hätte ich das selbst getan. Ich hätte gesagt: „Seht, das bin ich, schwanger“ – und es wäre gut. Aber weißt du… Schwangerschaft ist etwas sehr privates, persönliches, es ist etwas, was nur mich und Michael angeht. Nicht mich und den Rest der Welt. Michael auf der Bühne ist Michael auf der Bühne, für die ganze Welt…Das ist ihr Michael, das ist nicht mein Michael. Das ist nicht der Mann, den ich geheiratet habe, der Mann mit dem ich Kinder habe. Sie kennen nicht den Michael, den ich kenne. Es ist eine Schande, es ist einfach übel. Denn er ist so ein wunderbarer [Debbie weint]… er ist wirklich wundervoll, fürsorglich, und er wird nicht so dargestellt, wie er wirklich ist. Und das stinkt mir wirklich. Es könnte niemand ein besserer Vater sein. Und ich widerspreche jedem, der Vorwürfe anbringt, dass er kein richtiger Vater sei. Niemand hat jemals mehr über Erziehung und Elternschaft gelesen. Niemand hat je geprobt, Eltern zu sein. Eltern zu sein ist eine Kunst. Man muss sich den Titel „Eltern“ verdienen.  Nur weil du Kinder auf die Welt bringst, jemand schwanger machst, bekommst du nicht automatisch den Titel „Mutter“ oder „Vater“, diesen Titel musst du dir verdienen. Meine Kinder nennen mich nicht Mutter, weil ich es nicht möchte. Sie sind Michaels Kinder. Nicht, dass es nicht meine Kinder wären, aber ich habe sie bekommen, weil ich wollte, dass er Vater wird. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die Eltern sein sollten. Und er ist einer davon. Wir haben eine ungewöhnliche Familie, und wenn Leute das komisch finden, ist es eine Schande, dass sie nicht offener sind. Wir sind eine Familie. Michael und ich sind immer über die Kinder verbunden. Ich werde immer für ihn da sein, ich werde immer für die Kinder da sein. Und die Leute machen Bemerkungen wie: „Oh, ich kann nicht glauben, dass sie ihre Familie verlassen hat.“ Verlassen? Ich habe meine Kinder verlassen? Ich habe meine Kinder nicht verlassen, sie sind bei ihrem Vater. Da, wo sie sein sollten. Ich sage dir, er ist der beste Vater, so fürsorglich… Noch bevor das Baby etwas brauchte, wusste er schon, was es ist.

Debbie Rowe MJ

F: Wolltest du Kinder haben, bevor du Michael kennen gelernt hast?

D: Nein.

F: Es war also nicht das, was du immer wolltest?

D: Nein. Aber das sind wirklich Kinder der Liebe. Ich erinnere mich an das Gespräch und ich sagte: „Lass mich das für dich tun.“ Und er sagte: „Du tust das für mich?“ Ich sagte: „Ja, bitte lass mich das für dich tun.“ Und fragte: „Warum?“  „Weil ich dich liebe, warum sonst.“

F: Was denkst du, ist an der Sache so faszinierend? Warum lässt es nicht nach?

D: Soweit es mich betrifft – keine Ahnung. Keine Ahnung. Ich denke, es geht niemanden etwas an. Und ich denke, die Leute lieben Klatschgeschichten.

F: Hat Michael dich bezüglich dieser Medienaufmerksamkeit vorgewarnt?

D: Ja.

F: Was hat er gesagt?

D: Er sagte: „Du weißt nicht, was sie alles tun.“ Und ich sagte: „Ach Michael. Wir bekommen einfach nur ein Baby, was sollte daran besonderes sein? Wir werden ein Kind haben. Wenn es überhaupt etwas ist, dann ist es einfach etwas Schönes, etwas Wunderbares, Großartiges.“ War das etwa nicht so? Aber anscheinend war es das nicht.

F: Und wie wurde das Ganze dann in deinen Augen dargestellt?

D: Ich erinnere mich… am Anfang, als es niemand wusste. Es war wie ein kleines Geheimnis. Und ich wurde dicker und dicker… Und dann fand ich heraus, dass ein Foto von mir, schwanger, eine halbe Million Dollar wert ist. Für wen? Und warum? Hat man vorher noch nie jemand schwangeres gesehen? Denkt man, dass ich anders aussehe, weil es Michaels Baby ist? Schwanger ist schwanger. Also, das Ganze wurde sehr stressig. Es wurde so schlimm, dass ich mir eine Woche von der Arbeit frei nahm, und auf die Ranch ging (Neverland) um wieder zur Ruhe zu kommen. Und dann rief Michael an und sagte „komm nach Australien“. Und das tat ich dann.

F: Es gab Gerüchte, dass du einen Schrein für Michael hattest, dass du, bevor du ihn kennenlerntest, ein besessener Fan warst. Ist davon etwas wahr?

D: [lacht] Ich gestehe, als kleines Mädchen hatte ich sein Bild an der Wand hängen, neben Bobby Sherman und Jack Wild und Donny Osmond. Was mein Appartement betrifft, da gab es ein großes Bild, in einem Magazin abgedruckt, ohne meine Erlaubnis. Und der Kaminsims…  am Kaminsims hatte ich Kerzen. Ja, ich hatte dort Kerzen und ein Bild von Michael und mir, ich hatte ein Bild von einem meiner Hunde, eins von meiner Nichte und meinem Neffen. Das war also der „Schrein“… nein, leider kein Schrein, sorry.

F: Was habt ihr zusammen gemacht? Warst du oft auf der Ranch? Hat er mit dir geflirtet – entwickelte sich eine Romanze? … So etwas, wie dass er versuchte dich zu küssen…

D: OK… Darüber werde ich nicht sprechen. Ich denke, wir haben vieles gemeinsam, eine ähnliche Persönlichkeit, bisschen flirten, miteinander reden und herumblödeln… aber ich denke, dass ich dir nichts Besonderes nennen kann…

F: Hattet ihr Sex?

D: Warum interessiert euch Typen das? Ok, ich sag‘ dir was. Wenn sich diese Tür schließt, ist das allein meine Angelegenheit, nicht eure. Und das ist eine extrem unangebrachte Frage. Das ist meine Antwort: diese Frage ist unangemessen.

F: Ok. Es gibt Berichte darüber, dass du bezahlt wurdest, um seine Kinder zu bekommen, so wie bei einer Samenspende – also, wenn du ein Mann wärst.

D: Wirklich?

F: Stimmt es?

D: Ich denke, ich wäre ziemlich unbezahlbar. Nein, nein!

F: Warum habt ihr geheiratet?

D: Um eine Art Tabu zu vermeiden. Du weißt, wenn man ein uneheliches Kind hat – die Kinder würden es, so wie es war, schwer genug haben. Sie brauchten nicht auch noch diesen Stempel, so wie ihr Vater, der so viele Stempel aufgedrückt bekommt. Es war ein Weg das zu tun, von dem die Leute denken, dass es „normal“ ist… Ich denke, dass Heirat etwas Gutes ist, wenn Kinder beteiligt sind. Ich persönlich halte es nicht für notwendig, wenn du keine Kinder hast. Es ist eine Option. Manche Menschen brauchen dieses Stück Papier – andere nicht.

F: Wann wusstest du, dass du mit Prince schwanger bist?

D: Oh, du möchtest schon wieder Daten wissen. Ich glaube, ich fragte schon meinen Arzt, als ich zwei Tage drüber war. Ich hatte eine Fehlgeburt, bevor wir Prince bekamen… es war… ich war am Boden zerstört. Ich dachte, ich würde nie wieder ein Baby haben können und es war einfach furchtbar, ich war 38, und wollte es nicht glauben, ich wollte das wirklich tun und es hat sich so entwickelt, es passierte einfach. Und wer war die ganze Zeit da, und hat mich unterstützt? Michael.

F: Und dann habt ihr es wieder versucht.

D: Oh ja.

F: Also war Prince wirklich geplant, gewünscht…

D: Natürlich, beide Kinder. Sonst wären sie jetzt nicht da.

Debbie Michael Paris Prince

F: Wie hat Michael um deine Hand angehalten, wie war die Hochzeit? Hat er dir einen Ring gegeben, auf Knien?

D: Als ich in Neverland war, und immerzu weinte, sagte er: „Würdest du nach Australien kommen?“ Und ich sagte „ok“.

F: Warum hast du geweint?

D: Die Leute jagten mich, ich dachte, mein Leben sei vorbei, ich wusste nicht, was da passierte und warum.

F: Das war, nachdem alle Welt Bescheid wusste?

D: Ja. Ich hab’s nicht verstanden. Wir sprachen schon vorher darüber (über Heirat), es war ein Hin und Her.

F: Gab er dir einen Ring?

D: Ja, und ich zeige ihn nicht, denn das ist sehr persönlich. Ich glaube aber, ihr würdet irgendwo ein Bild davon finden. Ich hebe ihn an einer bestimmten Stelle zu Hause auf, kein Schrein, nur ein besonderer Platz. Wir heirateten, ich war für eine Woche in Australien, und er war auf Tour, und als ich zurückkam, hatte er schon Babysitter engagiert, Bodyguards… die Dinge spitzten sich zu. Er sagte: „Dein Appartement ist nicht sicher, ich möchte nicht, dass du da bist.“ Ich wohnte dann bei guten Freunden in Moorepark.

F: Gab es Flitterwochen?

D: Er war am Arbeiten, was denkst du? Wir waren in Australien, ein sehr schönes Land…

F: Die Hochzeit ging ziemlich schnell von statten dort…

D: Ja.

F: Gab es einen Pfarrer?

D: Nur ein Friedensrichter und Freunde von uns, es ging schnell, ich war erschöpft, denn ich war gerade erst angekommen, und er hatte gerade vorher eine Show, und war sehr aufgedreht.

F: Hast du deine Hochzeitsnacht mit Michael verbracht?

D: Nein, haben wir nicht. Ich war sehr müde und erschöpft, weil ich gerade erst angekommen bin, und er hatte gerade ein Konzert gegeben. Wir waren in derselben Suite, ich sagte, ich muss mich erholen, ich bin schwanger, ich muss in einen anderen Gebäudeteil. In der Suite waren immerzu Leute, es gab Partys und all so etwas. Ich ging also in einen anderen Teil, um etwas Ruhe zu haben.

F: War es eine richtige Hochzeit? Ihr habt nie ein Schlafzimmer geteilt, ihr habt nie im gleichen Bett geschlafen, wurde die Ehe vollzogen?

D: Eine sehr unverschämte Frage. Was hinter den Türen zwischen mir und meinem Ehemann passiert, ist alleine unsere Sache. Und ich weiß nicht, ob ich es noch deutlicher sagen muss. Es geht nur mich und Michael an… Wenn da noch andere Leute gewesen wären… dann würden die Tabloids wohl schreiben: Da ist eine Orgie. Wenn wir da noch andere Leute im Bett hätten, dann könnten wir darüber diskutieren.  Ich verbrachte eine Nacht dort. Und wir waren im Bett und sahen fern. Ich sage dir eines der besten Dinge, die man tun kann:  Wenn du jemanden liebst, bist du dann noch nie mitten in der Nacht aufgewacht und hast ihn einfach nur angesehen? Und siehst all das Schöne… es ist friedlich, still, du siehst genau, wie der Mensch ist. Du siehst nicht den ganzen Stresss, wie tagsüber.. Und ich konnte dort sitzen, und ihn stundenlang betrachten. Denn es war so friedlich und still.

F: Erzähle mir etwas von der Geburt. Wie war die Geburt deines ersten Kindes?

D: Da gibt es viele Kontroversen. Es ist viel Arbeit. Und, noch einmal: du musst verstehen, dass ich es nicht deshalb tat, weil ich Mutter werden wollte. Wenn man Mutter werden will, freut man sich darauf…voll freudiger Erwartung. Oh Gott, wir waren sehr aufgeregt. Michael war definitiv aufgeregter als ich. Er war so aufgeregt, als die Wehen einsetzten. Und… Er war dabei! Wir hatten Videos, Musik…und es dauerte lange, 23 Stunden … Ich habe eine sehr direkte Sprache, und immer, wenn ich etwas sagte, machte Michael „schschht..“

F: Er mag nicht, wenn man flucht?

D: Er dachte, es sei nicht nötig, wenn man auch andere Worte gebrauchen könnte… Aber er war die ganze Zeit da. Er hielt meine Hand, streichelte meinen Kopf. Einmal musste ich mich übergeben, und es war mir peinlich und er sagte: „Es ist ok, alles ist wunderbar…“ Ich sagte: „Ich glaube, ich sterbe!“ „Nein, du wirst nicht sterben, du machst es großartig.“ Wir machten auch das Ding mit der Atemtechnik….Dann wurde Michael [Prince Michael] geboren… Michael sagte „Er ist da, es ist alles so wunderbar.“ Ich mit meinem medizinischen Hintergrund dachte, das kann nicht schön sein, mit dem ganzen Blut und Zeug, sorry, unmöglich. „Michael, so schön kann es gar nicht sein.“ Er weinte, und dann war sein Sohn geboren. Und ich sah in sein [Michaels] Gesicht… (Debbi weint) Ich habe ihn nie so glücklich gesehen. Und das machte das alles für mich so wunderschön. Diesen Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen. Er durchschnitt die Nabelschnur. Er ging mit, das Baby wiegen und alles.. Michael kam zu mir “Bist du ok, geht es dir gut?“ „Ja, mir geht es gut.“. Und ich weiß nicht mehr, wie wir alle dort herauskamen. Michael war nicht ansprechbar…er war ganz bei seinem Sohn… es ging allen gut. Man fragt normalerweise „Wie geht es Mutter und Kind?“ Mutter und Kind geht es gut!“ Und hier war es: „Vater und Sohn geht es gut“. Das war schön…

F: Hattest du irgendwelche Bedenken, dass dein Kind mit Michael auf der Ranch aufwuchs?

D: Nein, warum sollte ich? Soll das sarkastisch gemeint sein? Warum sollte ich? Wir reden vom Himmel auf Erden – hast du die Ranch gesehen?

F: Nein, habe ich nicht.

D: Es ist so nah am Himmel, wie du nur sein kannst…wo sonst, außer im Himmel, hast du so viel Liebe, wo sonst bekommst du so viel liebeswürdige Aufmerksamkeit? Sei dir sicher, es war alles ok. Es war ruhig und friedlich. Wenn man irgendetwas brauchst…es wird alles für dich getan…

F: Wolltest du als Familie dort leben? Ihr drei zusammen? … weil du wohntest ja nicht dort. Wolltest du nicht Teil davon sein?

D: Ich muss dir meine Philosophie zur Mutterschaft erklären. Ich glaube, ich habe es schon erklärt, wahrscheinlich wiederhole ich mich, aber ich versuche zu erklären, wie ich es wirklich sehe. ..dass man sich den Titel „Eltern“ verdienen kann. Wir sind eine Familie. Wir sind keine konventionelle Familie. Ozzy Osburne – jeder denkt über ihn, was er für eine dysfunktionale Familie hat. Dabei ist er wohl einer der liebevollsten Väter, so wie Michael, ihre Familie kommt immer an erster Stelle. Die Leute können das nur schwer glauben und ich weiß nicht warum. Nur weil man nicht am gleichen Ort lebt, das gleiche Essen isst, am gleichen Tisch sitzt, ist man keine Familie? Es ist keine traditionelle Familie. Die meisten Menschen der Welt leben nicht in dem, was man als perfekte Familie beschreibt. Es gibt solche Leute, schön für sie. Es ist schwierig. Ich habe große Achtung und Respekt für Eltern. Ich denke, es ist das Schwerste, was man tun kann. Wenn ich es tun müsste, wäre es das. Ich habe die Wahl, und meine Wahl ist es, die Kinder mit ihrem Vater aufwachsen zu sehen. Wenn sie sein Gesicht sehen könnten, ihre Gesichter, es ist… Ich würde niemals meine Einstellung ändern. Es gibt nichts, was ich anders machen würde. Für mich ist es ok, es ist richtig.

Michael and Prince

F: Und dann die Entscheidung, Paris zu bekommen – ich meine, so kurz nach Prince…warst du bereit dafür?

D: Ja. Uns wurde gesagt, wir sollten warten –aber ich flog nach Paris, und daher hat sie ihren Namen, von dem Ort, an dem sie gezeugt wurde. Wir sprachen über Namen. Jemand schlug vor, sie Michael zu nennen. „Du kannst sie nicht Michael nennen, sie ist ein Mädchen“. Mir gefiel es. „Michael“ wäre schön. Er sagte nein, er sagte “Paris Michael”, und ich sagte, „ich hätte gerne, dass sie den Namen deiner Mutter trägt“. Also: Paris Michael Katherine. Und wir riefen sie „Little Princess“.

F: Und Prince heißt nach Michaels Großvater?

D: Ja.

F: Es war wohl aufregend, ein Mädchen zu bekommen. Wann hast du herausgefunden, dass es ein Mädchen wird?

D: Ich wollte einfach nur schwanger sein.

F: Wolltest du einen Jungen, oder ein Mädchen?

D: Nein, einfach nur schwanger sein (lacht). Ja, einen Jungen und ein Mädchen, das ist von jedem etwas, es könnten noch 11Jungs danach kommen. Ich hätte noch 11Kinder bekommen, aber die Dinge entwickelten sich nicht gut.

F: Mit jedem Kind gab es mehr Rummel…

D: Ja, mehr Aufmerksamkeit, und es war so…“Ich liebe dich wirklich sehr, aber ich kann das nicht..“ Es lag nicht an den Babys… es waren die Medien. Weißt du, egal was passierte… es käme in den 4 Uhr Nachrichten. Für mich wäre das ein Unding. Auch wenn nichts passierte, dann hätte man getan, als ob es etwas gäbe, es war so sehr stressig. Ich würde nicht sagen, dass ich weggehen wollte…ich wollte nur nicht im Zentrum dessen sein. Ich wollte außen vor sein, in der Peripherie.

F: War die Geburt von Paris leichter, als die von Prince?

D: Er [Michael] war von Princes Geburt so überwältigt, von dieser ganzen Erfahrung. Als Paris geboren wurde, verkraftete er es besser. Er sagte „Oh mein Gott, sie ist wunderschön.“ Wir berührten sie am Kopf, als sie herauskam, und er konnte mehr dabei tun, es gab dort nicht so viele Ärzte, die sagten „Oh Gott, das ist Michals Kind, und wir müssen alles richtig machen.“ Es war eine viel normalere Geburt. Und er sagte nur „Oh mein Gott, das ist so wunderbar.“ Ich werde das nie vergessen… und wie er es sagte.

F: Bei Paris Geburt schrieben die Klatschblätter… sie sagten: „Michael schnappte sich die neugeborene Paris aus dem Kreissaal, noch mit der Plazenta, und kidnappte sie und rannte mit ihr davon.“

D: Wie kann man sein eigenes Kind entführen? Er hinterließ keine Lösegeldforderung, also bezweifele ich, dass es eine Entführung war…

F: (lacht)…er rannte weg, und lies dich dort. Ist das richtig?

D: Ich war nicht in der Lage, zu laufen. Ich war von der Taille abwärts mit Epidrol betäubt, man fühlt sich bewegungsunfähig. Was tat er also? Natürlich nahm er sein Baby.

F: Du wolltest also nicht nach der Geburt bei deiner Tochter sein?

D: Diese Zeit gehörte ihnen. Weißt du…Bonding Time. Es war sehr wichtig für mich, bei beiden Geburten, dass Michaels Kinder seine Stimme kannten, dass sie von ihm wussten. Er machte Kassetten. Ich weiß nicht, was darauf war, es war etwas  nur zwischen ihm und den Kindern. Und nachts, wenn ich ins Bett ging – ich hatte solche weiten Kopfhörer, die hatte ich um meinen Bauch gelegt. Ich las noch eine halbe Stunde, oder 45 Minuten, und Michaels Tape lief in dieser Zeit. Wenn es zu Ende war, legte ich es auf den Nachttisch und schlief. Und sie erkannten seine Stimme von der ersten Sekunde an. Und die ersten Augenblicke, die ersten Tage nach der Geburt, das sind die Wichtigsten. Aber nicht für jeden, sondern es ist Bonding Zeit für die Eltern. Jeder will dann vorbei kommen, und die Kinder sehen. „Wir möchten das neue Baby sehen.“ Das ist wie eine Invasion. Dieser Moment ist sehr besonders, für die Eltern und das Kind.

F: Ich weiß, dass Michael noch mehr Kinder wollte, denn jetzt hat er noch ein weiteres. War er verärgert, dass du mit ihm keine mehr wolltest? Wollte er noch welche mit dir?

D: Falls er es war, dann war er rücksichtsvoll genug, keinen Druck auf mich auszuüben. Er wollte nie das, was ich dir erzählte [über 11 Jungs] Es war sehr emotional für uns beide. Unsere Freundschaft veränderte sich an dem Punkt etwas. Es fühlte sich an, als würde ich einen Freund verlassen. Aber er lies mich nicht so fühlen, er verstand es. Und er wusste, dass er mich rufen kann, wenn er mich braucht.

F: Du wolltest zurück zu einem normalen Leben?

D: Das kann gut sein.

F: Hast du dich mit anderen Männern verabredet?

D: Er ist sehr schwer, zu überbieten. Weißt du, wenn jemand sich um dich kümmert, auch auf einer freundschaftlichen Basis, ist es schwer zu überbieten, sehr schwer. Ich liebe ihn immer noch, verstehst du… Ich habe kein Verlangen, mich anderweitig umzusehen. Niemand wird je seinen Platz einnehmen können.

F: Wie oft siehst du Michael und die Kinder jetzt?

D: Ich habe eine knappe Antwort dafür. Nie. Denn wenn ich „Ja“ sage, dann kommt „wie oft?“, “was tut ihr zusammen?” Es wird immer weiter vorgedrungen. Deshalb musst du dich mit meiner Antwort zufrieden geben: „Nie“

F: Du siehst sie nicht?

D: Weil ich diese nachforschenden Fragen nicht möchte. Tut mir leid.

F: Ok.

D: Ich weiß, dass du mich alles fragen kannst, aber manchmal muss ich eine Grenze ziehen, denn das ist meine Angelegenheit. Es ist meine Familie, und da bin ich sehr eigensinnig.

Prince and Paris

F: Kann ich dann fragen, ob du immer noch Teil ihres Lebens bist?

D: Das müsstest du sie fragen, es ist wieder etwas, was meine Familie betrifft. Aber anscheinend habe ich aber noch Einfluss, da ihre Gesichter immer noch verhüllt sind. Das war meine Forderung, nicht seine. Michael ist sehr stolz auf seine Kinder. Ich bin diejenige, die Angst hat. Ich habe die Zettel gesehen, dass jemand seine Kinder entführen könnte. Sie wurden es nicht…. Es gibt nichts schlimmeres, als einen Zettel zu finden, auf dem steht: „Ich kriege sie“.  Und ich sagte: „Wenn ich einen Schal trage, ist es nichts Besonderes. Tu so, als sei Halloween.“ Ich denke, Michael wird ihnen das Richtige sagen, damit sie damit umgehen können. Und ich bin sicher, er wird die Kinder irgendwann fragen: „Wollt ihr das [einen Schal] tragen?“ Ich würde einen Herzanfall bekommen, aber er würde nie etwas tun, was sie nicht wirklich wollten. Er ist so ein Vater. Nie würde er das erzwingen. Und ich verstehe wirklich nicht, warum sich jeder darauf stürzt. Ist es ein Fashion-Statement? Sind die Schals farblich unpassend? Irgendwer machte eine Bemerkung darüber, dass er sein Baby unter einem Schal fütterte. Aber was ist der Unterschied, zwischen einer Mutter, die ihr Baby an der Brust beim Stillen mit einem Tuch verhüllt? Besteht da ein Unterschied? Wird das Kind dadurch traumatisiert? Ich habe solche Berichte noch nicht gelesen, dass das Verhüllen eines Kindes während dem Füttern traumatisch wäre.

F: Wie siehst du die Zukunft deiner Kinder?

D: Glücklich.

F: Denkst du, sie können die Welt richtig einschätzen, wenn sie so ungewöhnlich aufwachsen, nicht wegen Michael, sondern wegen den ganzen Sicherheitsvorkehrungen um ihn herum. Machst du dir darüber Gedanken?

D: Ich denke, wenn die Zeit reif ist, werden sie verstehen, was vor sich geht. Sie kennen ihren Vater. Sie wissen, warum sie hier sind, und auf diese Welt kamen. Er führt kein traditionelles Leben, wie kann man erwarten, dass er eine traditionelle Familie hat? Weißt du, wir haben unsere eigene Familie, und sie funktioniert. Und ich verübele es den Menschen, wenn sie etwas anderes behaupten.

F: Vermisst du es, verheiratet zu sein?

D: Michael kümmert sich sehr gut um mich…es war keine traditionelle Heirat. Ich vermisse die Nähe… die engere Verbindung. Aber wenn du einmal Kinder hast… Weißt du, wäre es nicht wegen den Medien so gekommen, wäre ich für immer mit ihm verheiratet geblieben, bis er mich vielleicht irgendwann über hätte.

F: Es war also wirklich deine Idee, es zu beenden?

D: Es war meine Idee. Und es war nicht „beenden“, ich hasse es, es so zu nennen, denn viele Leute denken „Scheidung“ – und das war‘s dann. Es war aber eher so: „Bitte, ich möchte das…bitte, lass mich das tun, bitte…“ Sie haben eine fabelhafte Nanny. Ein wunderbares Mädchen. Sie haben also eine Mutterfigur dort, den weiblichen Teil… Es gibt viele Mütter, die sich Mütter nennen, aber sich lieber nicht so nennen sollten. Und die Leute, die mich angreifen, weil ich diesen Part nicht übernehmen will, sollten sich lieber einmal die Leute ansehen, die sich die Rolle angeeignet haben, aber gar nicht in der Lage sind, diese Rolle zu erfüllen. Michael erfüllt beide Rollen hervorragend. Diesen Kindern fehlt es an nichts. Sie könnten gar nicht mehr geliebt werden, wie er sie liebt. Unmöglich.

F: Während seiner ganzen Kariere hatte er Jungen als Freunde, oder?

D: Ja, Jungs hängen mit Jungs herum.

F: Hast du ihm dazu mal etwas gesagt, weil es für den Rest der Welt nicht so gut aussehen würde?

D: Ich bin nicht seine Mutter. Ich habe daran auch nichts Unangemessenes erkennen können. Wie hätten die Leute es gesehen, wenn ich es wäre, oder du? Ist das nicht unpassend? So was tut man nicht? Ich bin sehr verwirrt darüber, dass die Leute so ein Blanko-Statement abgeben, darüber, dass es unangebracht sei. Es ist, weil sie vorgefasste Meinungen haben, die absolut nicht korrekt sind. Punkt.

F: Du fühlst dich wohl, wenn er mit deinen Kindern zusammen ist, trotz all dieser Gerüchte immerzu?

D: Er ist ihr Vater und kein Pädophiler!

F: Du weißt, er würde ihnen nie etwas tun…

D: Absolut nicht! Nicht seinen Kindern und auch nicht den Kindern von anderen. Außer ihnen zu helfen, wenn sie es brauchen. Wenn er irgendetwas tun kann, damit ihr Leben schöner wird, damit jemand weniger Schmerzen hat, damit das Leben angenehmer wird, wenn auch nur für eine einzige Minute, dann würde er das tun. Aber er würde nie etwas tun, was ein Kind verletzt. Ich habe es satt, das zu hören. Ich kann die Lügen nicht mehr länger ertragen, ich hab das Limit erreicht. Und deshalb tue ich das hier. Ich habe die Lügen so satt. Ich habe diesen ganzen Mist satt.

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Debbie Rowe, Holly Terrace, 3/2010 – Foto by Lisa Burks – read more:

http://lisaburks.typepad.com/gravehunting/2010/03/debbie-rowe-mj-fans-share-grief-at-forest-lawn.html

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Übersetzung: M.v.d.L.

Transcript in english: http://www.michaelfan.fora.pl/rodzice-zony-dzieci,25/wywiad-z-debbie-rowe-niepublikowany-fragment-z-take-2,830.html  

Über Kinder, Neverland und Magie….”Honoring A Childs Spirit”

Gottes Wunder ist in einem Kind festgehalten

Durch meine Kinder erkenne ich Gott. Ich spreche mit Gott durch meine Kinder. Ich danke ihm jeden Tag dafür, dass er mich mit meinen Kindern gesegnet hat. Gottes Wunder ist in einem Kind festgehalten. In meiner Familie lieben wir Kinder. Wenn ein Baby oder ein Kind hereinkommt, wollen wir alle das Kind umarmen oder auf den Arm nehmen. So sind meine Brüder und Schwestern. Ich verstehe nicht, warum Menschen Kinder nicht anerkennen, warum sie auf die Seite gestoßen werden, als wären sie nichts. Sie sind das, was morgen sein wird. Kindern muss ein wenig Anerkennung gezeigt werden, dafür, dass sie das Richtige tun. Freundlich und liebevoll zu jemanden zu sein, der gebend ist, auf dem Schoß von jemand zu sitzen. Kinder zeigen ständig diese Verliebtheit. Aber sie haben Angst.

Wenn z.B. jemand einem Kind etwas gibt, und es springt vor Freude herum. Wenn diese Person das nächste Mal kommt, läuft das Kind wieder vor Freude zu ihm hin. Ist das Ok? Natürlich ist das Ok. Kinder brauchen unser Lächeln als Anerkennung in vielerlei Hinsicht, und wir geben es ihnen nicht…  unsere Kinder genießen alles nur einfach ganz natürlich.

…ich denke, Erwachsene und Eltern sind zu beschäftigt damit, sie so zu machen, wie wir denken, dass sie sein sollten, anstatt sie so anzunehmen wie sie sind und als was sie auf diese Welt gekommen sind. Es gibt so viele talentierte Menschen, die für ihre Talente und Fähigkeiten nicht die Anerkennung ihrer Eltern gewinnen konnten, und das finde ich einfach schlimm.

Wenn ich weiß, dass Kinder leiden, das schmerzt mich am meisten. Das schmerzt mehr wie alles andere. Ich kann nicht so tun, als würde ich das nicht spüren, ich fühle es einfach so stark.

Ich dachte, ich wäre darauf vorbereitet, Vater zu sein, aber ich war es nicht. Mein ganzes Leben lang habe ich darüber gelesen, wie wunderbar Kinder sind. Die Leute sagten: “Wie ist das, mit dir und Babys?” Ich lese immer Bücher über Kinderpsychologie. Aber es macht noch viel mehr Freude. Prince und Paris haben mein Leben in so vieler Weise verändert. Ich lerne soviel von ihnen, wie sie von mir lernen. Du lernst, ein gutes Herz zu haben und ein gutmütiger Mensch zu sein. Und so wie ich bin, versuche ich sie zu imitieren. Die Leute sagen immer: “(Handele) Benimm dich deinem Alter entsprechend”. Aber ich versuche mehr wie die Kinder zu sein, und mich so zu verhalten, denn sie sind so unschuldig, so gottgleich, sie sind rein. Ich versuche so demütig und süß zu sein, wie sie.

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Kinder sind wie eine Erinnerung daran, wie wir bleiben sollen, woran wir uns erinnern sollten

Es ist schwer, das zu erklären. Ich bin einfach ehrlich mit mir selbst. Ich glaube nicht, dass die meisten Leute mit sich selbst ehrlich sind. Ich lasse einfach los und wenn ich völlig loslasse, dann ist das die reinste Form von mir selbst, die Unschuld. Aber ich habe es nie verloren, kindgleich zu sein, denn das ist es, wo mein Herz ist. Es ist einfach nie mit mir erwachsen geworden. Ich weiß nicht warum. Ich wollte es nicht absichtlich, aber ich denke, ich habe das Herz eines unschuldigen Kindes, und ich klopfe mir nicht selbst dafür auf die Schulter, oder so was. Aber ich empfinde das Leben, genau wie Kinder es tun. Was sie fühlen, fühle ich auch.

Die Welt zwingt uns, erwachsen zu werden. Es ist überall um uns, und es beginnt mit den Kindern, mit dem Einfluss von anderen, älteren Kindern. Wenn die Eltern ihre Kinder vor der Schule absetzen und sie zum Abschied küssen, was sagt ein Kind dann? “Nicht jetzt, Mama, meine Kumpel gucken schon.” Können wir nicht unseren eigenen Kindern unsere Liebe zeigen? Weißt du, weil diese anderen Kinder schon von der Welt beeinflusst sind. Sie sticheln: “Das ist nicht cool.. Ich muss jetzt cool sein.” Diese Botschaft hat jemand in ihr Hirn eingeträufelt.

Ich glaube an Kinder – daran, wieder kindgleich zu werden. Wenn wir jeden lehren können, an die Kinder zu glauben, dann ist das das Geheimnis. Das glaube ich wirklich.

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Neverland – Peter Pan ist eine alte, alte Seele…

Wenn ich nicht allen möglichen Dingen der Erwachsenen-Welt schon als Kind ausgesetzt gewesen wäre, dann würde ich sie jetzt tun, denn ich würde denken, es fehlt mir etwas. Die Leute wollen aus Neugierde die Welt kennen lernen, die sie nie erfahren haben. Aber ich habe es gesehen, bin durch damit. Aber ich bin der Typ der sagt: “Schau, dein Leben ist jetzt die schönste, magischste Erfahrung. Versuche nicht dich selbst zu zwingen, erwachsen zu werden. Versuche nicht, dich selbst zu zwingen so zu werden wie jemand anders. Du hast noch den ganzen Rest deins Lebens, um ein Erwachsener zu sein. Das Magische ist hier. J.M. Barrie, der Peter Pan schrieb, drückte es am besten aus. Als sein jüngerer Bruder mit 12 Jahren starb, war er immer neidisch, denn er sagte, sein Bruder musste nie erwachsen werden. Er blieb für immer ein Junge, und das ist Gold wert. Das inspirierte Peter Pan. Es ist wahr. Peter Pan entstand daraus. Er fühlte, dass sein Bruder für immer ein Junge bleiben würde, und so war es. Weil er die Unschuld für immer behalten wollte und er wusste worum es bei der magisch-goldenen Kindheit geht. Er wollte, dass wir alle immer so blieben, und es für immer bei uns behalten. Denn wenn du einmal erwachsen bist, ist es alles vorbei, und deshalb ist Peter Pan eine alte, alte Seele. Er ist wie E.T. Er war schon seit Millionen von Jahren da, aber er wurde nie älter und er findet diese Familie und er nimmt die Kinder mit nach Neverland, wo sie für immer jung bleiben können.

….ich kann dort [auf Neverland] herumlaufen und weiß, ich werde nicht beobachtet und ich werde eins mit der Natur und klettere auf einen Baum und mache jede Menge Dinge, die ich als Kind nie tat. Und ich liebe es. Wenn ich oben in dem Baum sitze und von dieser Welt aus Ästen und Blättern umgeben bin und ich höre das Plätschern des Wassers von unten, dann bin ich im Himmel. Ich bin im perfekten Paradies und ich fühle, dass ich alles tun könnte. Das ist das gleiche, wie wenn ich mit Kindern zusammen bin. Ich könnte alles tun. Es gibt kein Limit für das was ich tun könnte.

Um die Wahrheit zu sagen, ich habe dort einfach die Welt so erschaffen, wie ich sie gerne sehen würde, und ich erschuf Dinge die ich als Kind nie tun konnte, wie Karussells und Kinos. Ich wollte einfach alles was ich tun möchte hinter diesen Toren haben, denn ich kann dazu  nicht einfach raus in die Welt gehen und ich wollte, dass es ein Ort wird, wo kranke und unterprivilegierte Kinder aus aller Welt hinkommen können, als ein Platz für sie, an dem sie sich sicher fühlen und Eskapismus erleben können. Oder für Kinder aus den Innenstädten, die nie solche Sachen zu sehen bekommen, damit sie die frische Luft atmen können und die Berge und das alles sehen können. Ich stelle mir Neverland mit noch viel mehr Wasser vor. So sehe ich es in der Zukunft. Ich denke, Wasser ist heilsam und Tiere sind die beste Therapie…Natur.

…ich denke, wenn die Menschen dort hinkommen, fühlen sie sich hinterher viel besser. Sie fühlen sich verjüngt, sie fühlen sich geheilt… und das habe ich sehen können. Es verändert Menschen. Es ist Natur und es ist Liebe. Die Musik geht durch die Wiesen und läst die Bäume besser wachsen, und die Vögel kommen hinzu. Ich halte diese Synergien die ganze Zeit am laufen. Wenn du Kinder dorthin bringst, kannst du es fühlen, du kannst die Unschuld fühlen. Die Rehe kommen und ich liebe all das. Das ist die Welt in der ich zuhause bin.

Was mich am glücklichsten macht ist, wenn ich einen Haufen Kinder sehe, die in einer schönen Umgebung Spaß haben, wo es Wasser gibt und Bäume. Ich mag Seen, wegen dem ruhigen Wasser (Ich bin ein bisschen eingeschüchtert vom Ozean), und alle spielen, und es gibt Wiesen, sanfte Hügel und Bäume. Es gibt nichts magischeres als das.

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 Alle Kreativität entsteht von dieser Ebene der kindlichen Unschuld…

[Prince, Paris und Blanket ] Sie stehen an erster Stelle in meinem Leben. Die Arbeit, die ich jetzt mache, scheint die höchste Form meiner kreativen Fähigkeiten zu sein, denn sie inspirieren das in mir….sie inspirieren mich. …und ich kann ganz ich selbst sein und Teil ihrer magischen Welt werden. Das ist die Welt, in der ich immer gelebt habe, mein ganzes Leben lang. Das ist die Ebene und das Bewusstsein, wo  alle Kreativität entsteht, jegliche Begabung, ob es ein Bildhauer ist, ein Künstler, ein Maler – es ist diese Ebene der kindlichen Unschuld. daher kommt es. Es ist diese Reinheit Gottes, und ich denke, dass wir nicht einmal an der Oberfläche dessen gekratzt haben, zu verstehen, was Kinder sind.

Kinder werden geprägt/konditioniert von dem System /der Gesellschaft, von dem, was die Leute Gruppenzwang nennen, und sie passen sich dem an, wovon wir denken, wie wir zu sein hätten – benimm dich deinem Alter entsprechend, ich will ein Mann sein – und sie verlieren diese goldene Magie, die bedeutet nicht kindisch sondern kindgleich zu werden. Jede Kreativität, von dem Werk Michaelangelos bis hin zu Spielberg und George Lukas…die kreativsten Menschen handeln meistens wie Kinder.

Sie spielen kleine Spiele, wie Nintendo oder lesen Comics, und die meisten Menschen wären schockiert, wenn sie das wüssten. Aber ich bin mit diesen Leuten zusammen und ich sehe es und weiß es. Ich tue es. Ich habe Comics und ich liebe das. Unsere Kinder sind das wertvollste was wir haben und um zu verstehen was vor sich geht, ich erkenne dadurch die Probleme die wir auf dieser Welt mit unseren Kindern haben, und ich verstehe ganz gut, warum. Das ist die wichtigste Botschaft in einem Wort, für alle Zeiten, es ist LIEBE. Und Kinder zeigen dir, wie man liebt.

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Ich höre Musik und wundere mich, dass sich sonst keiner bewegt

Ich habe gehört, dass sich die Zellen deines Körpers zu der Musik, die wir hören bewegen. Und man zeigte, dass sie verschieden reagieren, auf eine Oboe, eine Flöte oder ein Fagott. Und Kinder werden körperlich von Rhythmus bewegt. Sie fühlen es in ihrem Körper.

Ich höre Musik und wundere mich, dass sich sonst keiner bewegt. Mein Körper tut das einfach. Ein echter Tänzer ist ein Mensch, der die Geräusche, die er hört interpretiert/umsetzt. Du wirst zum Bass, du wirst zur Trommel, du wirst zur Violine, zur Oboe. Alles geschieht in deinem Innern, nicht von außen. Es geht nicht um Denken. Wenn ein Tänzer anfängt zu zählen – eins und zwei und drei – dann denkt er und alles ist vorbei. Du kannst es in ihren Gesichtern sehen, wenn sie zählen. Dein Ausdruck muss Eins sein mit dem, was dein Körper fühlt. Wenn ich es tue, weiß ich nicht einmal, was genau ich tue. Es ist Improvisation. Es schafft sich von selbst. Aber dein Körper muss trotzdem durch die Hölle gehen, um dich selbst auszudrücken. Du musst diese Hingabe haben.

Es ist ein Geschenk des Himmels, wirklich. Wenn mir ein Lied oder ein Tanz geschenkt wird und einfach in meinen Schoß fallen, wie eine jungfräuliche Geburt, dann falle ich wirklich auf meine Knie und ich sage Danke.

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Je mehr ich herausfinde, desto unwissender fühle ich mich

Ich finde alles interessant, besonders, wenn man anfängt sich mit dem Universum und all diesen Dingen zu beschäftigen…Je mehr ich herausfinde, desto unwissender fühle ich mich….Das ist, was ich an Kindern liebe…sie sind so neugierig. …Ich bin einfach an Allem interessiert, auch an den einfachsten Dingen. Was befindet sich in einem Wassertropfen? Ich wollte einmal etwas über Augenwimpern lesen und fand heraus, dass sich da eine ganze Kolonie Leben in unseren Wimpern befindet. Für mich war das erstaunlich. Ich finde alles interessant, besonders, wenn man anfängt sich mit dem Universum und all diesen Dingen zu beschäftigen. Es ist eine riesige Menge an Information und es erstaunt mich einfach. Es macht, dass ich mich wegen all dem, was ich nicht weiß so unwissend fühle. Je mehr ich herausfinde, desto unwissender fühle ich mich. Wirklich. Ich realisiere, dass es so viel zu lernen gibt. Deshalb faszinieren mich Bücherläden so. Ich kann dort Stunden verbringen und Bücher mitnehmen und komme heraus mit Kisten voller Bücher. das ist etwas, was ich an meiner Mutter liebe. Wir gingen immer in Bücherläden und verbrachten dort Stunden und sie ließ uns alles kaufen, was wir wollten. Wir durften es haben, sie sagte niemals nein. Wir lasen und lasen. Ich liebe das. Es ist wunderbar, oder? Ich bin sehr an allem interessiert. Es gibt nichts, woran ich kein Interesse habe.

Ich hebe Dinge [vom Boden] auf und die Leute sagen: “Was gibt es denn da zu sehen?” Und da liegt vielleicht Blatt am Boden und ich hebe es auf und betrachte es. Ich bin fasziniert davon. Oder du siehst dir einen Käfer ganz genau an, und denkst über alles Mögliche nach, darüber, wie klein sein Herz ist und sein Gehirn und ob sie auf die gleiche Art denken wie wir. Ich möchte das alles wissen. Ich wünschte, ich könnte noch mehr Dinge verstehen. Ich wünschte, ich hätte die Zeit für mehr Nachforschungen und könnte noch mehr lernen und fragen, ich möchte einfach alles wissen über das Universum. Es verblüfft mich einfach mit vielen Dingen und Tieren und dann findest du Dinge heraus, wie z.B. ein Seepferdchen Junge bekommt, das Männchen gebiert die Jungen. Oder wie bestimmte Südamerikanische Frösche ihr Geschlecht ändern können, erst ist es ein Männchen und dann wird er zu einem Weibchen. Ich finde das irgendwie verrückt und unglaublich. Ich liebe solche Dinge.

Viele [Erwachsene] verlieren es. Ich kann nichts beobachten, ohne Fragen zu stellen. “Warum passiert das?” Hast du je Vögel gesehen, wenn sie sich auf Wanderschaft begeben, Hunderte zur gleichen Zeit? Woher wissen sie, wie sie fliegen sollen, alle zur gleichen Zeit? Was ist das? Ist das Telepathie? Warum können wir Menschen das nicht? So etwas beeindruckt mich.

Ich denke, manche Menschen sind wissbegieriger als andere. Ich denke, als Kinder ist es bei allen gleich. Das glaube ich wirklich. Aber bei manchen Menschen geht das im Laufe der Zeit verloren. Das ist, was ich an Kindern liebe. Sie sind von allem fasziniert. Deshalb nehmen sie viele Dinge auseinander, sie zerbrechen es, weil sie wissen wollen, wie es funktioniert, und man kann es nur heraus finden, wenn man es auseinander nimmt. Sie realisieren das nicht, sie nehmen etwas auseinander um es zu studieren und wir sagen zu ihnen: “Mach das nicht, fass das nicht an.” Wir sollten sie lassen. Sie sind neugierig. Sie wollen sehen, was im Innern ist.

Ich brachte Prince heute, am Weg hierhin dazu, mit dem Fernsehen aufhören, um aus dem Fenster zu schauen. Er sah aus dem Fenster und fing an, alles zu benennen. “Was transportieren sie mit dem Truck?” “Ich denke, sie transportieren Obst und Gemüse.” “Warum?” “Wahrscheinlich bringen sie es zum Markt. Jemand hat es geerntet…” Er kam mit all diesen großartigen Fragen über alles, was draußen vor dem Fenster passierte und ich fand das klasse. Er stellte viele gute Fragen. Aber er macht auch Dinge, die mir unheimlich/nicht zu erklären sind. Er sitzt da, und sieht fern und benennt jede Einstellung und alles, was der Kameramann tut und alle Entscheidungen des Regisseurs. Er sitzt da und sagt: “Die Kamera bewegt sich nach vorne für ein Close Up. Jetzt fährt sie wieder zurück. Jetzt geht sie…” Er beschreibt jede Einstellung. Ich habe ihm das nicht beigebracht. Er sitzt da und sagt es laut. Er stellt wirklich einen ganzen Film zusammen. Ich denke, das ist erstaunlich. Ich weiß nicht wie er das gelernt hat, aber er ist sehr an Film und Kameras interessiert.

Ich kaufte ihm eine eigene Kamera und er dreht seine eigenen Filme und gibt Paris Regie-Anweisungen. Er sagt, “Du stehst hier und ich möchte, dass du dort entlang gehst.” Ich habe Filmmaterial von ihm, wo er Regie führt. Ich finde das wirklich süß. Ich liebe es. Meine Mutter sagte, dass ich das auch machte, als ich klein war, dass ich choreographierte und den Brüdern sagte, wie sie sich bewegen sollten. Sie beobachtete mich und war erstaunt und wusste nicht, woher ich das habe, aber ich machte die ganze Choreographie, die ganzen Harmonien, und sie sagte, sie war verblüfft, weil sie nicht wusste, dass ich all das weiß. Wenn Menschen mich fragen, woher kommt das, sage ich, “Es kommt von oben und es arbeitet einfach durch mich.” Ich kann das nicht kreieren. Es muss ein Channel sein. So ist es wirklich.

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Aus: Honoring A Childs Spirit, S. Boteach im Gespräch mit Michael Jackson

Übersetzung: M.v.d.L.

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