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Interview mit Ton-Ingenieur Brad Sundberg – “In The Studio With Michael Jackson”

Brad Sundberg war fast zwei Jahrzehnte lang technischer Direktor/Toningenieur von Michael. Vor kurzem hat er eine Reihe von Seminaren – “In The Studio With Michael Jackson” – angekündigt, die im Juni 2013 in New York und Paris stattfinden.

Wir haben mit Brad Sundberg über Michaels Musik aber auch über seine “In The Studio With Michael Jackson”-Seminare gesprochen. Seine Antworten sind hier zu lesen.

Link zur mjjcomunity zum Original Interview:

http://www.mjjcommunity.com/forum/threads/129219-MJJC-Exclusive-Q-amp-A-with-Brad-Sundberg-Read-his-Answers

sundberg

MJJC: Was genau ist die Aufgabe eines technischen Direktors, und was beinhaltete diese Position, als du an einigen der MJ Alben mitgearbeitet hast?

Brad Sundberg: Es gibt dazu eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze Antwort lautet: „sei für alles bereit“. Die lange Antwort geht ungefähr so: Meine Verantwortung lag darin, das, egal in welchem Studio wir arbeiteten, überall auf der Welt, es immer der Michael Jackson Qualität entsprach. Ich arbeitete eng mit Bruce Swedin zusammen (nicht nur bei MJ Alben, auch bei Quincy Jones, Barbara Streisand, unter anderen) und seine Detailgenauigkeit ist unvergleichlich. Jedes Mikrophon, jede Patch-Point Verbindung, jede Maschine und jedesGerät im Studio musste getestet werden(wenn das möglich war) und perfekt kalibriert werden. Es war nicht ungewöhnlich, dass dieser Prozess alleine schon zwei Wochen dauerte, bevor das Projekt überhaupt begann. Das lustige ist, dass nur wenige Produktions-Teams das tun, obwohl es ein wichtiger Teil davon ist, dass unsere Projekte so gut klingen.

Ausserdem war ich noch an den täglichen Aufnahmen beteiligt, richtete Mikrophone ein, Kopfhörer, ich buchte Studios, organisierte die Bänder und stellte Michaels heisses Wasser bereit wenn er sang, ich übertrug Michaels Lyrics in das CD-Begleitheft und ich kochte sogar Kaffee. Weil viele Produktions Teams am selben Projekt arbeiteten, waren das lange aber auch bereichernde Tage. Die harte Arbeit und die Hingabe war auch sehr bereichernd, weil ich das Privileg hatte, zu sehen und Teil davon zu sein, wie solche Musikgeschichte erschaffen wurde.

MJJC: Warst du Fan von Michael bevor du angefangen hast, in seinem Team zur Zeit von Captain EO zu arbeiten?

Brad Sundberg: Als ein Kind, was in den 1970ern in Santa Cruz, CA, aufwuchs, hörte ich sehr viel Musik: Pink Floyd, Steely Dan, Led Zeppelin, Van Halen, etc., aber ich mochte auch Tanzmusik wie Abba, The BeeGees, Glorya Gaynor, Blondie, Donna Summer und natürlich Michael Jackson. Ich merkte, dass ich die Songs „zerlegte“ wenn ich sie hörte, weil ich jeden Sound, jeden Hall und jeden Effekt verstehen wollte. Ich spielte das Thriller Album solange ab, bis es zerkratzt und abgenutzt war, und dann kaufte ich mir ein neues. Die Tiefe des Sound warf mich um, noch bevor ich was vom Aufnehmen verstand. Ja, ich war Fan.

MJJC: Was sind deine 3 Top Songs von Michael und warum?

Brad Sundberg: Schwere Frage – also dann:

  1. Human Nature. Diesen Song habe ich immer geliebt, und mein Freund Steven Pocaro weiß das. Wir nahmen einen Nachfolger davon auf, er heißt „Someone Put Your Hand Out“, aber er schaffte es nicht auf das Dangerous-Album.
  2. Smooth Criminal. Die Basslinie, der Groove, die verrückte Rhythmusgitarre von David Williams, Jerry Heys Hörner, wie Quincy dieses Who-Is-Who der Musiker leitete und Michael dabei an vorderster Front… es ist ein erstaunliches Werk! Ich wünschte, ihr hättet dabei sein können.
  3. Lady In My Life. Es war nie eine Single, aber was für eine Aufnahme! Vom technischen Standpunkt aus gesehen, ist es eine 5-Minütige Lehrstunde über Aufnahmetechnik. Jeder Klang ist pur und rein. Aus musikalischer Sicht bin ich eingroßer Fan von Rod Temperton. Ich habe jahrelang mit Rod zusammen gearbeitet, ein wahres Genie. Wunderschöner Song.
  4. Ich weiß, ihr wolltet nur drei wissen, aber ich bin mal großzügig. Streetwalker. Das ist wie „ the little engine that could“ (ein Buch über eine kleine blaue Eisenbahn wovon mir der deutsche Titel nicht einfällt – oder es heisst was ganz anderes…) Dieser Song hat mich jedes mal umgehauen, wenn ich ihn hörte, aber Quincy mochte ihn nicht. Ich erinnere mich daran, wie ich in der Nacht, nachdem Michael die Vocals aufgenommen hatte, aus dem Studio nach Hause fuhr, und ihn im Auto mit offenem Dach, morgens um 3 Uhr hörte. Fast sind die Lautsprecher geplatzt, und ich sang aus vollem Hals. Es ist vielleicht nicht der am besten geschriebene Song, aber dieser Groove packt dich und lässt dich nicht mehr los.

Es ist auch nicht fair, eine Liste zu haben ohne Will You Be There, Who Is It, Earth Song, Stranger In Moscow, Billie Jean, Startin’ Something, She’s Out Of My Life, Jam, etc. Ich war noch nie gut darin, mich an die Regeln zu halten.

MJJC: Du sagtest, Michael habe dich beauftragt in wirklich jede Ecke von Neverland Musik zu bringen. Welche Art Musik wurde auf Neverland gespielt? Welche Musikstücke waren auf den Playlists, die Michael für bestimmte Bereiche der Ranch erstellte?

Brad Sundberg: Ich möchte nicht zuviel erzählen, aber es gab eine Regel auf Neverland: Michael wollte nicht, dass seine Musik – trotz meinem Protest – gespielt wurde. Aber er war der Boss, deshalb hatte seine Stimme mehr Gewicht als meine. Auf dem Grundstück (um den See, dem Haupthaus, den Gäste-Units) lief eine Auswahl an klassischen Stücken und den beliebtesten Disney-Songs. Für den Vergnügungspark suchte er Stücke von Janet, Yes und Joe Satriani aus. Auch ein paar Sachen von Van Halen und Led Zeppelin wurden für besondere Karussells ausgewählt. Im Bereich hinter dem Vergnügungspark, wo die Pferde und der Streichelzoo waren, hatten wir mehr traditionelle Cowboy Musik. In den Zügen spielte auch vorwiegend klassische Musik.

MJJC: Was war allen Songs, an denen du mit Michael im Studio gearbeitet hast, dein liebster? Oder bei welchem Song war der kreative Prozess zwischen Demos und dem fertiggestellten Song so beeindruckend, dass es dich umgehauen hat?

Brad Sundberg: Auch eine schwierige Frage, weil es da so viele gibt. Ich denke, ich nehme Man In The Mirror. Ich war immer noch in meiner Lernphase im Studio, und es war eine Ehre für mich gefragt zu werden, um dabei zusein, um zu beobachten, zu lernen und beim BAD Album zu helfen. Man In The Mirror war so ein gewaltiger Song, eine Riesen-Produktion, und wir wussten alle, er war nicht aufzuhalten. Ich konnte sehen, wie die ersten Aufnahmen gemacht wurden, die verschiedenen Musiker, die ihr Talent einbrachten, die vielen Lagen der Gesangs-Harmonien, der Andre Crouch Chor und schliesslich der eindrucksvolle Lead-Gesang von Siedah und Michael. Es gab während dieser Zeit im Westlake Studio B so viel Talent, dass es überwältigend war. Bruce und Michael spielten diesen Song in voller Lautstärke, ich meine wirklich volle Lautstärke (118db), für jeden Gast, der vorbeischaute. Die Leute waren sprachlos, und manchmal in Tränen aufgelöst, wenn die letzte Note verklang.

MJJC: Kannst du uns ganz genau erzählen, wie der Demo-Prozess war? Was sagte MJ, nachdem du seine Ideen gespielt hattest und inwieweit waren die anderen – ausser MJ – daran beteiligt; hast du einfach alles gemacht, was er sagte oder war es mehr eine Kollaboration, wobei er deinen Ideen mit den Arrangements zuhörte?

Brad Sundberg: Es gab keinen einheitlichen Ablauf, wie die Demos entstanden, aber es war nicht unüblich für MJ, einen von uns zu fragen, nach einer Session mit ihm an einem neuen Song zu arbeiten. Wir hatten dann einen Keyboard Spieler bzw. Programmierer (John Barnes, Michael Boddicker, Larry Williams, Rhett Lawrence, Brad Buxer) und Michael sang uns den Groove und die Rhythmus-Tracks vor. Der Programmierer setzte Michaels Vorstellungen mit der Drum-Machine um. Dann wurden Bass und Melodie dazu gefügt. Normalerweise nahmen wir eine raue Version der Vokals auf und auch ein paar Harmonien, nur als Andeutung. Dieser ganze Prozess dauerte etwa 3 – 4 Stunden, und dann war der Song geboren. Es war sehr kooperativ und es wurden viele Ideen angenommen und aufgenommen. Nicht jede Idee wurde auch beibehalten und benutzt, aber es war schon eine Arbeit in der Gruppe, mit Ideen herumzuspielen und auszuprobieren.

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MJJC: Was würdest du als den schwierigsten Aspekt dabei beschreiben, als Teil des Produktions-Teams einem Michael Jackson Album zu arbeiten?

Brad Sundberg: SCHLAFEN! Die Stunden waren hart, weil ich normalerweise schon zwei Stunden vor allen anderen im Studio war, und auch oft noch zwei bis drei Stunden, nachdem jeder wieder gegangen war. Mein Tag begann normalerweise etwa um 9 oder 10 Uhr morgens, und dauert oft bis Nachts um 2.00 Uhr, und ich wohnte etwa 40 Minuten vom Studio entfernt. Das ist ok, ein paar Tage lang, aber versuche das mal über 10 – 14 Monate zu tun. Trotzdem habe ich es wirklich geliebt, zur Arbeit zu gehen. Wenn man erstmal im Studio war, war es klasse mit dem Team zu arbeiten. Es gab gutes Essen, tolle Studios, großartige Musik, unbeschreibliches Talent – es gibt wirklich nicht viel, worüber ich mich beschweren könnte.

MJJC: Welches Projekt hatte während der Zeit, die du mit Michael zusammen gearbeitet hast, den größten Einfluss auf deine Karriere?

Brad Sundberg: Dangerous. Es war eine Übergangszeit für mich. Ich betrieb mein eigenes Geschäft BSUN Media Systems (was ich wirklich genoss) und arbeitete gleichzeitig im Studio. Quincy war an diesem Projekt nicht beteiligt, was sich komisch anfühlte. Die Musikindustrie und die Musik, die die Leute hörten, veränderte sich, also benutzte Michael für das Projekt drei Produktions-Teams, und das war brillant. Auf technischer Ebene durchbrachen wir alle Regeln, mit noch mehr Tonspuren, mehr Studios, größeren Mixen etc. Ich glaube, beim Song Jam waren es etwa 160 Tonspuren, auf Tape-4 Maschinen, die man auf zwei Konsolen abmischen musste, gleichzeitig in zwei Studios. Es war irre, aber wir machten es wahr. Ich schätze, das beeinflusste meine Karriere (sowohl im Studio als auch ausserhalb) insofern, dass ich keine Angst habe etwas auszuprobieren, und immerzu nach Perfektion strebe.

MJJC: Wie hat Michael sich über die Jahre, und die Arbeit an Bad bis hin zu Blood On The Dancefloor, entwickelt oder verändert? Wie hat er sich verbessert?

Brad Sundberg: Während Captain EO war er fast noch ein Kind, nur 5 Jahre älter als ich. Ich kann aufrichtig sagen, dass sein Humor, sein Mass an Vertrauen, seine Hingabe an vorzügliche Leistungen und seine Liebe für das Performen und Kreieren sich nicht veränderten oder verschwanden, im Gegenteil, sie sind mit zunehmendem Alter noch mehr aufgeblüht. Ich denke, er begann bei den späteren Alben mit Songs und Sounds, wie bei Morphine und Ghosts zu experimentieren. Dunklere Themen, aber ein großartiger Groove.

MJJC: Wie arbeitete Michael an der Auswahl für die Alben, wie suchte er die Songs aus? Hast du dazu Insiderinformationen, und warum die uns bekannten Lieder ausgewählt wurden, und die anderen nicht? Und gibt es Beispiele für Songs, die es beinahe auf ein Album geschafft hätten, die wir noch nicht gehört haben, von denen du aber denkst, sie könnten heute große Hits sein?

Brad Sundberg: Die berühmte Pinnwand!! Bei jedem Album erinnere ich mich daran, dass er eine Pinnwand auf einer Staffelei in seinem Büro hatte. Jeder Songtitel war auf eine Karteikarte geschrieben und an die Wand getackert, sortiert vom stärksten bis zum schwächsten. Sie wurden auf der Wand herumgeschoben, wenn wir neue Teile hinzufügten, neue Songs aufnahmen etc. Normalerweise wurde das, abhängig vom Projekt, von Quincy/Michael/ Bruce gesteuert. Wenn die 15 Songs einmal ausgewählt waren, wurde die Pinnwand benutzt um die Reihenfolge auf dem Album auszuwählen.

Zu den Songs, die es beinahe geschafft hätten: Meine persönlichen Favoriten waren Streetwalker, Someone Put Your Hand Out, und Monkey Business.

MJJC: Erinnerst du dich an irgendwelche Songs von Michael, die bis heute unveröffentlicht sind und wenn ja, welche davon magst du am liebsten? Kannst du uns etwas zu diesen unveröffentlichten Songs erzählen?

Brad Sundberg: Sorry – ich kenne viele Songs, aber ich lasse diese Frage aus.

MJJC: Wie gut kannte Michael sich mit den Knöpfen und Dingen imStudio aus, hat er sich mehr da hineingearbeitet, nachdem du mehrere Jahre mit ihm gearbeitet hast?

Brad Sundberg: Michael war überhaupt kein Techniker. Null. Er konnte vielleicht ab und zu an einem Fader schieben, aber er stellte nicht die EQS oder den Hall ein. Abgesehen davon denke ich aber, dass das Studio sehr angenehm für ihn war, fast wie ein Zuhause. Es war ein sehr sicherer Ort und ein Ort wo er einfach arbeiten, lachen und er selbst sein konnte.

MJJC: Wie viele Instrumente konnte MJ wirklich spielen? Welche Instrumente waren das und wie gut war er? (Ehrlich)

Brad Sundberg: Er konnte Melodien auf dem Keyboard spielen, aber ich würde ihn nicht als großartigen Spieler bezeichnen. Bedenkt auch, dass du Greg Phillinganes und Randy Kerber auf Abruf hattest, dann braucht man wirklich nicht mehr viel mehr. Vor meiner Zeit spielte er die Flaschen-Sound Percussion bei „Don’t Stop“. Michaels Instrument war seine Stimme – für alles andere hatten wir jede Menge Talente.

MJJC: Aus was bestand deine Tour-Vorbereitung für eine MJ-Tour?

Brad Sundberg: Tour-Vorbereitung war die Zeit, nachdem ein Album veröffentlicht war (oder zumindest im Presswerk) und die Band mit den Proben angefangen hatte. Im wesentlichen mussten wir die Songs so bearbeiten, dass sie für Michael in den Shows leichter zu singen und zu performen waren. Darüber werde ich ausführlicher in meinen Seminaren sprechen.

MJJC: Bitte erzähle uns etwas mehr über Keep The Faith und wie du die Original-Version verwerfen musstest und in einer Session, die über die ganze Nacht ging, eine neue Version aufnehmen musstest.

Brad Sundberg: Sorry, diese Frage möchte ich jetzt auch überspringen, weil es auch etwas ist, worüber ich im Seminar spreche. Ich kann nicht zuviel preisgeben! :)

MJJC: Wir würden gerne eine Geschichte hören, die auf deiner persönlichen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit MJ beruht. Welche hast du in Erinnerung?

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Brad Sundberg: Er war sehr neugierig, und er mochte meine Töchter. Als meine Tochter Amanda noch ein Baby war, brachte meine Frau Debbie sie mit ins Studio (während Dangerous), so dass wir uns ab und zu mal sehen konnten. Michael hockte dann mit Amanda am Boden, auf ihrer Decke, und spielte mit ihren kleinen Spielzeugfiguren. Er sagte dann immer: „Sie ist ganz in ihrer eigenen kleinen Welt.“

Ein anderes Mal lieferten wir einen dieser Züge auf die Ranch. Ich hatte darin ein riesiges Musik-System installiert, und es war einsatzbereit, als Michael den Zug zum ersten mal sah. Er war mehr wie begeistert, er lachte und grinste als wir es einschalteten. Deb und Amanda waren an diesem Tag auf der Ranch, und er hielt Amandas Hand als der Zug seine erste Fahrt über die Ranch machte. Er konnte garnicht aufhören, zu lächeln.

MJJC: Was ist deine liebste Erinnerung an Michael (als Mensch, nicht als Künstler)?

Brad Sundberg: Die Make A Wish Foundation. Als Neverland für Besucher bereit war, hatten wir Gäste aus der ganzen Welt, die Zeit mit Michael verbringen wollten. Viele dieser jungen Besucher waren Teil des Make A Wish-Programms, und sie waren schwer krank. Wenn Michael mit ihnen eine Tour über die Ranch machte, sie eine Giraffe streicheln lies oder eine Fahrt mit dem Riesenrad machte, war das viel mehr, als die meisten Menschen je tun würden. Es war ihr letzter Wunsch, und er lies ihn wahr werden. Ich erinnere mich an ihre Gesichter, an ihre dankbaren Eltern und ich wußte, dass es in ihrer Zukunft noch sehr große Trauer geben würde. Michael schenkte ihnen seine Zeit, und das war ein sehr großes Geschenk.

MJJC: Hat Michael dir Streiche gespielt? Hast du irgendwelche lustigen Geschichten, die du uns erzählen kannst?

Brad Sundberg: Nicht direkt ein Streich, aber es gibt eine lustige Erinnerung, die ich manchmal teile. Ich habe null Talent zum Tanzen, aber ich liebe trotzdem Tanzmusik. Es war ganz normal für uns, an Songs wie The Way You Make Me Feel, Jam, Bad, Streetwalker etc. zu arbeiten, und ich machte mit dem Kopf rhytmische Bewegungen zu dem Beat . Michael platzte vor Lachen und sagte: „Brad groovt!“ Ich konnte nichts dagegen tun… die Musik brachte dich dazu! Das war auch mit der Grund, warum er mich „Really, Really Brad“ nannte. Ich mochte seine Neckereien, denn er war so freundlich und unbeschwert.

MJJC: In deinen Memoiren sagst du: „Ich könnte Seiten damit füllen, über liebenswürdige Taten zu schreiben, die ich selbst gesehen habe.“ Kannst du dich an ein paar davon erinnern? Für die Fans sind solche Geschichten jedes mal herzerwärmend.

Brad Sundberg: Ich erwähnte ja schon die Make A Wish Foundation auf der Ranch, aber wir hatten auch im Studio Besuche von Fans und Freunden. Während HIStory waren ein paar Fans draussen vor dem Studio in New York, und er holte sie herein für eine Studio-Tour und sie bekamen Autogramme. Während wir mit einem Kinderchor in New York aufnahmen, sollte ich mich wie Santa Claus verkleiden und wir gaben all den Kindern Weihnachtsgeschenke. Als einer unserer Toningenieure eine größere Operation hatte, gab es im Studio ein großes Familien-Dinner zu seinen Ehren, und Michael überhäufte ihn mit Geschenken und Filmen. Aber ich betone es noch einmal, er tat diese Dinge ganz persönlich, und das macht sie alle noch viel bedeutender.

MJJC: Wie hat Michael sich nach deinem Eindruck über die Jahre verändert? (Ich meine damit nicht, sein Aussehen oder seine angebliche „Exzentrik“. Ich meine damit, ob du Änderungen an seinem Charakter feststellen konntest)

Brad Sundberg: Ich war nicht sein engster Freund, aber ich denke, ich war ein Freund, dem er vertraute. Während dieser Jahre habe ich überhaupt keine Veränderungen seines Charakters festgestellt, auch nicht an seiner kindgleichen Liebe zur Musik, zum Film, Fantasie, Architektur, Malerei, Spielen, Lachen, Natur etc. Ich erinnere mich auch, dass ich ihm niemals begegnete – weder im Studio, noch auf der Ranch, auf der Bühne oder in der Radio Music Hall – ohne dass er mich mit einer Umarmung begrüßte. Der Michael, den ich kannte, hat sich nicht verändert, auch nicht als die Welt sich veränderte.

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MJJC: Was hat dich dazu inspiriert, deine Erfahrungen mit Michael mit seinen Fans zu teilen?

Brad Sundberg: Nachdem Michael starb, las ich in einem Magazin einen Artikel darüber, wie verrückt es war, mit Michael zu arbeiten: es ging um Schimpansen und Knochen vom Elefantenmensch, Schlangen usw. Ich kannte den Autor nicht und er war auch nie im Studio oder auf der Ranch. Es bestand nur aus nichtgenannten Quellen und Tabloid-Auswurf. Ich wurde der Presse und den Leuten überdrüssig, die ein schnelles Geschäft machen wollten, indem sie schrieben, was sie wollten, ohne dass es auch nur einen Fetzen Wahrheit hinter ihren Worten gab. Ich schrieb ein paar Artikel über meine Jahre mit Michael, und sie wurden gut aufgenommen.

In Paris trat eine Gruppe Fans an mich heran und fragte, ob ich ein Seminar zusammenstellen könne, um wirklich die Jahre im Studio und auf der Ranch zu erforschen. Ich begann ein Buch zu schreiben (momentan noch in Arbeit), wo ich versuche, eine Geschichte zu rekapitulieren, die 18 Jahre meines Lebens einnahm. Um ganz ehrlich zu sein, versuche ich zu dokumentieren, wie es war mit einem der einmaligsten Entertainer unserer Zeit zusammen zu arbeiten. Keine Spekulationen, keine großen Theorien, einfach nur eine Vorstellung von jemand, vor dem ich den größten Respekt habe und den als Freund bezeichnen durfte. Es mag für die Fans sein, aber es ist auch für meine Kinder, und vielleicht auch für Michaels Kinder. Ich möchte, dass sie alle wissen, wie es war, dabei zu sein und Teil einer so beeindruckenden Reise zu sein.

MJJC: Was können die Fans sich von deinem „In The Studio With Michael Jackson“ Seminar erhoffen? Was werden die Highlights der Seminare in NYC und Paris sein?

Brad Sundberg: Ich hoffe, die obigen Antworten sind ein Hinweis darauf. Ich war Teil von etwas ganz besonderem. Ich war nichts besonderes, ich war nur Teil eines erstaunlichen Teams zu einer erstaunlichen Zeit. Die Seminare sind nicht immer genau gleich. Manchmal tauchen neue Erinnerungen auf, und neue Geschichten werden erzählt. Ich hoffe, dass man sich, wenn nach dem Seminar den Raum verlässt, so fühlt, als hätte ich sie mit einem Freund bekannt gemacht.

MJJC: Michael hat überall Fans, und auch wenn man es gerne möchte, können viele Fans nicht an den Seminaren teilnehmen, weil sie zu weit entfernt sind. Gibt es Pläne, den Inhalt davon in einem Buch zu vermitteln, oder für weitere Seminare an verschiedenen Orten der Welt?

Brad Sundberg: Ja, und ja! Das Buch ist in Arbeit, und das verrückte ist, dass dies Seminare wirklich dabei helfen, die Erinnerungen wieder aufzufrischen, deshalb möchte ich noch ein paar mehr machen, bevor das Buch fertig ist. Wir bieten dieses Jahr Seminare in New York und Paris an, haben aber auch Gruppen aus Deutschland Norwegen und England, die auch großes Interesse daran haben. Ich hoffe, in LA wird es im Januar, im Westlake Studio, wo alles begann, ein wirklich cooles Seminar geben.

MJJC: Möchtest du den Mitgliedern der MJJ Community oder den Fans im allgemeinen noch etwas sagen?

Brad Sundberg: Michael liebte seine Fans wirklich. Es wird keine Tribute Show, keinen Film und Kein Seminar geben können, was wirklich das Talent ersetzen kann, mit dem er geboren wurde. Ich war damit gesegnet, ihn zu kennen und ich liebe und ehre die Erinnerungen daran, gesehen zu haben, wie er den Moonwalk im Studio übte, oder mit Seth Tonleitern übte, oder als ich ihm von der Seite der Bühne zusah, wie er vor 100.000 kreischenden Fans stand. Ich kann sein Lachen hören, als ob er mir im Raum gegenüber sitzen würde. Er war sehr professionell, ein Perfektionist, ein Entertainer, ein Sänger, ein Tänzer, ein Daddy und ein Freund. Ich vermisse ihn, und ich weiß, ihr tut es auch. Danke, dass ich ein paar Erinnerungen mit euch teilen durfte.

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Übersetzung: M.v.d.Linden – Danke an die MJJC

>>> Mehr von Brad Sundberg: http://all4michael.com/2014/02/10/eine-unterhaltung-mit-really-really-brad-sundberg/

Michael Jackson “Goldmagazine”-Interview, 2002

19.12.2002 – Michael Jackson im Interview mit „Goldgirl“ Magdalena, für das Goldmagazine:

Original/englisch:

http://www.mj-upbeat.com/2002-GoldmagazinepublishesaninterviewofMichael..htm

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Magdalena: Siehst du dich selbst hauptsächlich als Musiker, als Entertainer oder als Unternehmer?

Michael: Wahrscheinlich als alles von dem, denn ich liebe es, zu unterhalten und ich werde es immer lieben. Ich werde gerne zum „Sklave des Rhythmus“ (slave to rhythm). Denn Tanzen bedeutet, Klang und Orchesterbegleitung zu interpretieren. Weißt du, man wird der Sound, der Bass, man wird zu all dem, was man hört. Und du setzt es mit dem Körper um. Aber ich versuche, nicht so davon eingenommen zu werden, dass ich nicht mehr über meine eigene Zukunft nachdenke. So viele großartige Entertainer waren so von ihrer Vergangenheit eingenommen und endeten einsam, traurig und kaputt. Ich habe mir immer gesagt, ich möchte nicht so enden und versuche mein bestes, um auch die geschäftliche Seite zu kennen, zu wissen, was mich unabhängig macht und mein Geld sicher anzulegen ist. Wer weiß, was Morgen sein wird? Man möchte finanziell abgesichert und unabhängig sein.

Magdalena: Möchtest du, dass man dich als großartigen Entertainer in Erinnerung behält?

Michael: Ich liebe Filme und ich liebe Kunst — aber auch ein Architekt ist ein Entertainer – der Typ, der eine Achterbahn baut ist auch ein Entertainer. Er weiß, wo er Gefälle einbauen muss und wann die Vorahnung kommt, wenn man nach oben fährt… er bringt dich dazu zu sagen: „Oh, mein Gott“, wenn du ganz oben bist, kurz bevor die Talfahrt beginnt. Es ist das Gleiche, wie eine Show oder einen Tanz zu gestalten.

Magdalena: War es je eine Last für dich, einer der bekanntesten Stars der Welt zu sein?

Michael: Es gibt keinen Ort in der Welt, an dem ich mich aufhalten kann und wo ich wirklich mein Privatleben habe. Die Sache, die mich am meisten schmerzt, ist der Umstand, dass einem das Privatleben genommen wird. Um den blöden Vergleich “es ist, als lebe man in einem Aquarium“ zu benutzen, aber genauso ist es. Ich verkleide mich … Aber die Leute kennen sie alle, es ist wirklich schwer, sehr schwer.

Magdalena: Welche Art von Verkleidungen?

Michael: Fettkostüme, Hasenzähne, Brillen, Afros, Prothesen, Make-up, alles Mögliche. Einfach nur um im Publikum sitzen zu können und zu erfahren wie das Publikum eine Show wahrnimmt. Ich möchte fühlen, wie sie sich dabei fühlen.

Magdalena: Erkennen sie dich?

Michael: Ja, manchmal. Anfangs nicht. Sie beginnen, mir in die Augen zu sehen. Ich habe diese Dinger aufgesetzt und sie schauen hinter die Brillengläser, du weißt schon, Mädchen sind sehr clever. Du kannst einen Kerl schneller täuschen, als ein Mädchen. Frauen finden das einfach heraus. Sie kennen die Art, wie du dich bewegst, wie du läufst, deine Gesten. Ich höre sie dann sagen: „Schau, wie er seine Hand bewegt“ oder „Sieh, wie er läuft“ und ich denke: „Oh, nein!“

Magdalena: Wenn du für einen Tag in London unsichtbar sein würdest, was würdest du machen?

Michael: Oh Mann! Wem ich dann eine verpassen würde? Lass mich nachdenken (lacht) … Ich glaube, ich würde einen Paparazzi der Bouevardpresse nehmen und ihm einen Arschtritt verpassen, ganz im „Moonwalkstile“. Ich würde sie gerne von diesen kleinen Motorrollern werfen, mit denen sie durch die Gegend fahren. Ich würde ihnen wirklich die Kamera aus der Hand schlagen. Sie sind so nervig. Ich würde mich zuerst um sie kümmern, ja. Sie machen einen wahnsinnig. Du entkommst ihnen nicht. Es ist schrecklich.

Magdalena: Wer hat dich beruflich am meisten inspiriert und mit wem fühlst du dich verbunden?

Michael: Wahrscheinlich Walt Disney, denn als ich klein war, wuchs ich in einer Welt von Erwachsenen auf. Ich wuchs auf der Bühne auf. Ich wuchs in Nachtclubs auf. Als ich sieben, acht Jahre alt war, hielt ich mich in Nachtclubs auf. Ich sah Stripperinnen, die all ihre Sachen auszogen. Ich sah, wie Kämpfe ausbrachen. Ich sah, wie die Leute sich mit Sachen bewarfen. Ich sah Erwachsene, die sich wie Schweine benahmen. Das ist der Grund, warum ich heute diese Clubs hasse. Ich mag es nicht in einen Club zu gehen Ich habe das schon hinter mir. Ich war da. Darum tue ich das, was ich damals nicht getan habe. Wenn du also zu mir nach Hause kommst, wirst du feststellen, dass ich Karussells, ein Kino und Tiere habe. Ich liebe Tiere – Elefanten, Giraffen, Löwen, Tiger, Bären und alle Arten von Schlangen. Ich mache all diese wunderbaren Dinge, die ich nicht machen konnte, als ich klein war, denn wir hatten so etwas nicht. Wir hatten kein Weihnachten. Wir hatten keine Übernachtungs-Partys. Wir gingen nicht in eine Schule. Wir hatten während den Touren Privatunterricht. Ich ging nicht auf eine staatliche Schule. Einmal probierten wir es zwei Wochen lang aus, aber es hat nicht funktioniert. Es war sehr schwierig. Es ist sehr schwer als berühmtes Kind aufzuwachsen. Nur wenige schaffen diesen Übergang vom Kinderstar zu einem erwachsenen Star. Es ist sehr schwierig. Ich fühle mich sehr mit Shirley Temple verbunden. Ich habe sie in San Francisco getroffen und ich saß an ihrem Tisch und habe geweint. Sie sagte: „Was ist los, Michael?“ Ich entgegnete: „Ich liebe dich. Ich möchte öfter mit dir zusammen sein.“ Sie antwortete: „Du bist einer von uns, nicht wahr?“ Und ich sagte: “Ja, das stimmt.“ Jemand fragte:„Was meinst du?“, und sie sagte:„Michael weiß, was ich meine.“ Und ich wusste ganz genau, was sie meinte – ein Kinderstar zu sein und diese Fähigkeit zu haben, einen erfolgreichen Übergang zu einem berühmten Erwachsenen zu schaffen, ist sehr schwer. Wenn du ein Kinderstar bist, möchten die Leute nicht, dass du erwachsen wirst. Sie möchten, dass du für immer klein bleibst. Sie wollen nicht, dass du auch als Erwachsener weiter arbeitest. Es ist sehr hart.

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Magdalena: Erzähl mir mehr von deinem Interesse an Themenparks – was interessiert dich daran?

Michael: Was mir an Themenparks am besten gefällt – und ich habe einen wirklichen guten Überblick darüber, denn ich bin mehrmals in der ganzen Welt umhergereist – ist, dass ich es liebe zu sehen, wie die Menschen ganz einfach mit ihren Familien zusammenkommen und Spaß haben. Es bringt sie wirklich näher zusammen. Ich gehe dahin um Spaß zu haben, aber auch um etwas zu lernen. Ich gehe außerhalb der Öffnungszeiten in die Parks, denn während sie geöffnet sind, kann ich es nicht. Sie gleichen dann etwas einer Geisterstadt.

Magdalena: Ich habe gehört, du hast einige Ideen für einen Themenpark in Las Vegas?

Michael: Ich habe verschiedene Projekte in Las Vegas und ich denke, dass ich die Demografie dort verändert habe. Denn als ich ein kleines Kind war – nicht älter als 8 Jahre – waren meine Brüder und ich in Las Vegas und zu dieser Zeit durften Kinder nicht einmal ein Kasino betreten. Also mussten wir in unseren Zimmern bleiben, uns langweilen – wir hatten nichts zu tun, während alle anderen spielten. Zu der Zeit gab es da nur einen Platz, wohin Kinder gehen konnten, er hieß „Circus Circus“. Es war ein Hotel mit dem Thema Clowns. Da gab es einen Trapezkünstler und Schimpansen, die auf kleinen Einrädern fuhren. Als ich älter wurde, spielten wir viel in Vegas – wir sind dort sehr oft aufgetreten – und ich habe darüber nachgedacht und sagte: „Es ist wirklich nicht fair, dass es hier nichts für Kinder gibt“, also habe ich begonnen für einige Hotelbesitzer ein paar Ideen zu entwickeln. Und jetzt ist es ein familienorientiertes Urlaubsreich, das kann man wirklich sagen.

Magdalena: Welche Menschen magst du am liebsten?

Michael: Ich liebe Menschen, die wirklich einen Beitrag für die Freude und das Glück dieses Planeten und der Menschheit leisten, Menschen die ein Licht ausstrahlen – von Walt Disney über Gandhi, Edison bis hin zu Martin Luther King. Das sind Menschen mit einem Licht, Menschen, die sich wirklich um die Kinder gesorgt haben, die Familien zusammen gebracht und Liebe verbreitet haben. Das versuche ich auch mit meiner Musik und meinen Songs auszudrücken. Wenn du mein Konzert besuchst, meine Shows, dann wirst du 200 000 sich wiegende Menschen sehen, die Kerzen in ihren Händen halten und sagen: „Wir möchten die Welt heilen“ und „Wir lieben dich.“ Ich habe das rund um die ganze Welt gesehen, in Russland, in Deutschland, Polen und Afrika bis hin nach Amerika. Wir sind alle gleich. Die Menschen weinen während einer Show an den gleichen Stellen. Sie werden an der gleichen Stelle wütend und ihre Leidenschaft wird auch an den gleichen Stellen geweckt.

Magdalena: War Fred Astaire dein Freund?

Michael: Ja. Fred Astaire war mein Nachbar. Ich habe ihn jeden Tag gesehen, wenn ich mit meinem kleinen Motorroller herum gefahren bin. Er erzählte mir, dass er mir als kleines Kind immer gesagt hätte:„Du wirst ein großer Star.“ Er meinte,ich sei ein bemerkenswerter Entertainer und ein großartiger Tänzer und er sagte immer:„Du bist der Beste“ und ich antwortete:„Nein, du bist der Beste.“ Ich erinnere mich daran, als ich das erste Mal den „Moonwalk“ aufgeführt hatte. Fred rief mich zu Hause an. Er schrie am Telefon, er schwärmte. Er meinte, es sei die beste Performance, die er je gesehen hatte. Ich sagte: „Ach, komm schon.“ Er antwortete: „Michael, du hast ihre Ärsche wirklich von den Stühlen gerissen. Du bist ein mordsmäßig guter Tänzer. Ein höllisch guter Tänzer.“ Ich entgegnete:„Nun, wenn du das sagst, brauche ich wohl keinen Award mehr.“ Denn ich war mit dieser Performance für den Emmy nominiert, habe ihn aber nicht bekommen, aber das war mir egal, denn Fred Astaire sagte mir, dass er meine Performance geliebt hat und das war die Auszeichnung, die mir das Meiste bedeutete.

Magdalena: Wenn du mit jemandem arbeiten könntest – egal ob mit einem schon Verstorbenem oder einem Lebenden, wer würde das sein?

Michael: Wenn ich mit wirklich jedem arbeiten könnte, dann wäre es Charlie Chaplin, den ich sehr liebe. Auch Laurence Oliver war ein Genie, wirklich. Ich glaube, mit diesen beiden. Und natürlich der König, Brando.

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Magdalena: Letztes Jahr hast du den Kurzfilm You Rock My World gedreht, mit der Unterstützung von Marlon Brando. Wie war es, mit dem Meister zu arbeiten?

Michael: Brando ist ein guter Freund von mir. Er ist mir sehr ähnlich. Er geht nicht so viel aus. Er kommt manchmal nach Neverland oder in mein Haus am Mulholland Drive, oder er reist nach Tahiti. Sein Sohn hat mehr als 20 Jahre für mich gearbeitet, und sein anderer Sohn war in meiner Klasse auf der Privatschule. Er ist einfach ein Gigant. Brando ist smart, denn wenn er mit mir arbeitet sagt er immer zu mir: „Ich weiß, welche Knöpfe ich drücken muss, um bestimmte Emotionen von dir zu bekommen.“ Er kennt mich sehr genau. Er weiß, wie er mich ärgern kann, und er sagt verschiedene Dinge, die mich dazu bringen. Er ist ein Genie. Er ist der König. Er ist der letzte dieser Generation. Er ist ein brillanter Mann, eine liebenswürdige Person. Ich liebe ihn und er ist ein sehr guter Freund von mir.

Magdalena: Du hattest einen Kurzauftritt in „Men In Black II“, hat es Spaß gemacht, da mit zu arbeiten?

Michael: Das „Men In Black II“ – Projekt hat sehr viel Spaß gemacht, denn ich habe mich als ein neuer Typ vorgestellt.

Magdalena: Seit dem Thriller-Video ist es offensichtlich, dass du ein großes Interesse an der visuellen Kunst hast.

Michael: Bei allem was ich tue, mag ich es entweder selbst Regie zu führen, oder sehr eng mit dem Regisseur zusammen zu arbeiten. Wir führen dann gemeinsam Regie und entwickeln gemeinsam die Ideen. Schaut man sich „Ghosts“ an, dann liest man dort, dass es von Michael Jackson und Stephen King gemeinsam geschrieben wurde. Wir haben es am Telefon geschrieben, Stephen und ich – er ist ein liebenswerter Kerl, er ist bewundernswert. Wir schrieben es am Telefon, einfach, indem wir miteinander geredet haben.

Magdalena: Welche Figuren aus dem Filmgeschäft bewunderst du am meisten und warum?

Michael: Ich liebe einfach Robert De Niro. Ich denke, er ist ein sehr facettenreicher Schauspieler. Er kann alles spielen, von einem Komödianten, einem Priester, einem Psychokiller über einen Idioten bis hin zu einem charmanten Onkel, einfach alles. Und natürlich (liebe ich) jeden der großartigen Tänzer.

Magdalena: Wer wäre deine ideale Hauptdarstellerin und warum?

Michael: Eine Schauspielerin? (lacht) Du und ich sollten einen Film zusammen machen. Lass uns das tun. Das würde mir gefallen.

Magdalena: Es wurde gesagt, dass du zum Mond fliegen möchtest um einen echten Moonwalk zu performen. Ist da was Wahres dran?

Michael: (lacht) Da ist was Wahres dran. Es ist kein Gerücht. So ist das.

Magdalena: Du hast Paul McCartney bei dem Kauf des Beatles-Songkatalogs überboten. Was war so besonders daran?

Michael: Nein, habe ich nicht, er hat kein Gebot dafür abgegeben. Es wurde verkauft und es gefiel mir und ich habe es gekauft, genauso, als wenn man ein Kunstwerk kauft.

Magdalena: Erzähl mir mehr von deiner Passion für Charityprojekte für Kinder. Welche Organisationen unterstützt du?

Michael: Also, ich habe eine Organisation für Kinder, die ich selbst ins Leben gerufen habe, Heal The World. Und wann immer ich ein Konzert gebe oder etwas anderes mache, was das Entertainment betrifft, gebe ich einen bestimmten Anteil an die Heal The World – Stiftung, für Waisenhäuser, Krankenhäuser, für Kinder, die eine Lunge oder eine Leber brauchen. Wir finden sie und wir zahlen für die Operation. Auf einer Tour besuche ich so viele Kranken- und Waisenhäuser, wie ich Konzerte gebe. Wir gehen zu 12-jährigen und wir nehmen Kisten über Kisten voller Spielzeug mit, einen Haufen Michael Jackson Poster und Merchandising. Sie lieben es.

Magdalena: Was möchtest du alles noch in deinem Leben erreichen?

Michael: Ich bin nie zufrieden. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten und Dinge, die ich tun möchte. Ich habe schon sehr viel gemacht, aber ich denke, es ist noch nicht genug, aus diesem Grund stelle ich auch keinen meiner Awards und anderer Preise in meinem Haus auf. Du findest in meinem Haus keine Awards, ich räume sie alle auf den Speicher. Denn wenn man sich davon beeindrucken lässt, dann beginnt man zu denken: „Oh, Mann, ich hab schon alles erreicht.“ Aber da gibt es so viel mehr zu tun. So viele Berge, die man noch bezwingen kann.

Magdalena: Wenn eines deiner Kinder zu dir kommt und sagt: „Dad, ich möchte ein Popstar werden.“ Welchen Rat würdest du ihnen geben?

Michael: Der beste Rat, den ich ihnen geben würde ist, dass es sehr viel harte Arbeit ist und man darauf vorbereitet sein muss, denn es ist nicht nur die ganze Zeit über ein Vergnügen. Und dass man dazu eine Rhinozeros-Haut braucht, denn je größer der Star, desto größer ist das Ziel. Die Boulevard-Presse ist gemein und du brauchst ein dickes Fell, um mit dieser Art ignoranter Mentalität zurecht zu kommen. Sie machen es einfach nur um Zeitungen zu verkaufen, denn schlechte Neuigkeiten verkaufen sich, gute Neuigkeiten nicht. Sie erfinden einfach etwas. Wenn sie nichts haben, dann erfinden sie einfach etwas. Ich bin nichts von dem, wie mich die Boulevard-Presse darstellt. Nichts davon. Sie sind diejenigen, die verrückt sind. Sie sind ignorant. Ich sage immer zu meinen Fans: „Lasst uns alle Tabloid-Blätter verbrennen. Lasst uns einen riesigen Berg voller Boulevardblätter auftürmen und ihn dann niederbrennen.“ Die wirklichen Fans, die mich lieben, wissen, dass dieser Müll nicht wahr ist. Sie wissen es. Sie sind clever.

Magdalena: Wolltest du schon immer einen Film machen? Wenn deine Familie nicht so erfolgreich im Musikgeschäft wäre, hättest du dich dann schon früher in deinem Leben dem Thema gewidmet?

Michael: Ich wollte schon immer einen Film machen, aber die Tourneen kamen mir in die Quere. Das ist der Grund, warum ich einige Jahre Auszeit möchte, und mich nur dem Film widmen will. Ich würde gerne 6 großartige Filme machen und dann ein bisschen touren und dann wieder weiter Filme machen.

Magdalena: Welche Ideen hast du für einen Film?

Michael: Ich habe Ideen für Filme mit Bewegung und Tanz und Dingen, die die Menschen nie zuvor gesehen haben. Ich kann es nicht erwarten, die Leute damit zu überraschen. Das ist der Grund weshalb ich darauf brenne, eine Filmproduktionsfirma zu gründen und ich bin völlig begeistert über das, was wir mit „Neverland Pictures“ machen werden. Ich werde dann ungebunden sein und spielen, kreieren und gestalten können.

Magdalena: Erzähl mir ein bisschen von der Werwolf–Idee in deinen Filmen und in was für einem Bezug es zum Video steht?

Michael: Ich habe noch nicht das Drehbuch für „Wolfed“ gelesen – es ist einer der Filme, die wir machen werden und ich bin deshalb auch sehr aufgeregt. Ich bin so glücklich darüber mit Sammy Lee zu arbeiten. Wir machen einige großartige Filmprojekte zusammen und ich bin sehr begeistert.

Magdalena: Und „Wolfed“ wird der erste Film sein?

Michael: Soweit ich weiß, laut unsrem Plan, wird „Wolfed“ der erste Film sein. Das wird Spaß machen. Ich möchte, dass er wirklich gruselig sein wird. Rick Baker möchte alle visuellen Effekte übernehmen. Er hat sieben Oscars gewonnen und er sagte: „Michael, das war noch gar nichts.“ Das ist nichts im Vergleich zu dem, was er heute machen kann. Er hat Thriller gemacht und er meinte dazu: „Es ist nichts.“ Er kann weit darüber hinausgehen. Er hat alle Eddie Murphy- Filme gemacht… „Familie Klumps und der verrückte Professor“ und all das ganze „Men In Black“ Zeug. Er hat das alles gemacht.

Michael Jackson Gold Interview 2002

Magdalena: Sag mir, wie möchtest du den Menschen in Erinnerung bleiben?

Michael: Wie ich in Erinnerung bleiben möchte? Als ein Mensch, der hier war, um Licht in die Welt zu bringen, der den Menschen ein bisschen Eskapismus gab. Auch als Stimme für die Kinder, die nichts zu sagen haben, denn ich liebe sie. Ich lebe für die Kinder. Wenn es nicht für die Kinder wäre, hätte ich das Handtuch geworfen. Ein Baby, ein Kind – sie sind so bewundernswert. Sie sind kleine Genies, weißt du, kleine Genies. Das sind sie wirklich.

Magdalena: Genießt du es Vater zu sein?

Michael: Das ist mir das allerliebste. Ich liebe es. Ich liebe es. Ich liebe es.

Magdalena: Neulich sah ich, wie du deine Tochter hochgehoben hast, als sie schlief. Du hast sie einfach hochgehoben und ich konnte die Freude in deinem Gesicht sehen…

Michael: Oh, ich liebe sie. Die Jacksons haben viele Kinder. Ich habe viele Neffen und Nichten. Es gibt viele von uns!

Magdalena: Wie ist das Verhältnis zu deinen Brüdern und Schwestern?

Michael: Ich liebe meine Brüder und Schwestern. Wenn ich mit ihnen zusammen bin lachen wir viel. Sie sind wie eine andere Version von dir selbst. Wir können einfach lachen und kichern und über alte Zeiten reden. Wir sind nicht so oft zusammen, wie wir gerne wären. Wir sind alle sehr beschäftigt. Wir sind alle im Showbusiness. Wir haben immer etwas zu tun. Wenn ich in der Stadt bin, dann ist Janet nicht in der Stadt. Wenn wir beide hier sind, sind meine Brüder irgendwo anders. Jeder treibt sich irgendwo umher, weißt du.

Magdalena: Bist du ein Familienmensch? Was unternimmst du gerne mit deiner Familie?

Michael: Meine eigene Familie? Meine Kinder? Wir lieben es einfach beisammen zu sitzen, zu reden und gemütlich plaudern. Wir sitzen am See. Ich nehme sie jeden Tag mit auf einen Spaziergang in der Nähe meines Hauses. Wir sitzen am See und werfen Steine in das Wasser und wir reden einfach.

Magdalena: Was denkst du, ist die tiefste Form der Liebe, die man spüren kann? Und hast du sie gefühlt?

Michael: Wow, ich denke, das ist wirklich eine Ansichtssache. Hab ich die tiefste Form der Liebe gefühlt? Ich weiß nicht, was die tiefste Form der Liebe sein würde… (lange Pause) eine interessante Frage… (wiederholt die Frage mehrmals) Ich liebe meine Kinder sehr, wirklich sehr und ich schaue ihnen immer in die Augen und ich sage es ihnen. – Ich denke, das ist das Wichtigste.

Michael: „Mein wahres Ziel ist es, Gottes Bestimmung zu erfüllen.“

“My real goal is to fulfill God’s purpose.” 

Weißt du, du musst handeln und ich denke, es ist wichtig, soviel zu tun, wie du kannst. Wenn ein Mensch nur einem Kind hilft … nur einem einzigen Kind hilft… wäre schon so viel getan. Weißt du, wenn du das tun würdest, das wäre wunderbar, nur einem einzigen Menschen zu helfen, wäre wunderbar.. Es ist ein großer Schritt vorwärts, denn … es gibt viel zu tun, und Kinder auf der ganzen Welt sind in solcher Not.

Ich fühle mich so rein, wenn ich das tun kann. Ich fühle, dass Gott applaudiert, das fühle ich wirklich. Ich fühle, dass ich das getan habe, wozu ich auf dieser Erde bin. Ich bin verpflichtet, diese Dinge zu tun, das fühle ich.

Michael Jackson – “Heal The World – signature series” (1993)

caring

David Nordahl:

Michael wusste, und damit meine ich wirklich WUSSTE, ohne Zweifel, dass es sein persönliches Schicksal war, Kindern zu helfen. Es war seine Berufung. Er besuchte Waisenhäuser auf der ganzen Welt, er baute auch welche, er baute in Krankenhäusern eigens Kinderabteilungen, er schickte Ärzte in den Balkan und schickte sogar eine Boing737 mit medizinischer Hilfe nach Sarajevo.

Michael liebte Kinder, er lebte für sie. Sie waren das Wichtigste in seinem Leben. Sie waren für ihn tatsächlich der Sinn seines Lebens. Michael widmete seine gesamte Arbeit den Kindern, den Kindern dieser Welt und dem Kind in uns allen. Die Neverland Ranch war den Kindern gewidmet und sie befand sich ständig im Bau. Die Ähnlichkeit zu Disneyland war beabsichtigt. Michael sah es als Lebensmission an, Kindern auf der ganzen Welt zu helfen. Er bereiste die ganze Welt, um sich für Kinder einzusetzen und einen Großteil seines persönlichen Reichtums für Kinder zu spenden. Das war sein Leben und es war sein Lebensgrund. Kannst du dir vorstellen, wie es für ihn war, als man ihm vorwarf, Kindern zu schaden?“

Michael sagte immer, dass man, wenn man der Welt von den guten Dingen, die man tut, erzählt, das Gute an diesem Geschenk zunichte macht, deshalb leistete er seine humanitäre Arbeit so sehr im Geheimen. Niemand wird jemals wissen, wie viel er für diese Welt und ihre Kinder getan hat. Die Welt wird niemals wissen, was sie verloren hat, denn sie beraubten Michael seiner Arbeit und damit betrogen sie nicht nur ihn um seine Zukunft, sie haben uns alle betrogen.“

“Ich fragte ihn: “Michael, wie machst du das? Wie schaffst du es, Zeit mit diesen Kindern zu verbringen, die sterben werden, und dann von dort weg zu gehen und solch eine Performance (auf der Bühne) zu machen?” Er sagte: Wie könnte ich das nicht tun? Wenn diese Kinder mich sehen wollen. Ich weiss, ich bin nicht wichtig, aber Michael Jackson, der Superstar ist es, und wenn ich erreichen kann, dass ein Kind eine Minute länger lebt, oder eine Stunde, eine Woche, einen Monat…wäre es das nicht wert?” 

help for sarajevo

Seth Riggs:

Er war ein so erstaunlicher Mensch! Wann immer jemand Probleme hatte – er versuchte ihnen zu helfen. Ein Verrückter steckte seinen Sohn in ein Hotelzimmer und zündete den Raum an. Der Mann war verrückt. Der Junge hatte schlimme Verbrennungen. Der Vater wurde festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Als Michael darüber in der Zeitung las, stieg er sofort in ein Flugzeug und ging in das Krankenhaus in dem der Junge war. Er war völlig mit Verband umwickelt, da war nur noch ein kleines Loch frei, an der Stelle wo der Mund war, damit er sprechen konnte. Und es gelang ihm, zu Michael zu sagen – der an seinem Bett saß – “Ich weiß nicht, was ich tun soll, was soll ich jetzt bloß machen..” Und Michael sagte zu ihm: “Hab keine Angst. Ich werde mich um dich kümmern, dein ganzes Leben lang.” Und das tat er…“ 

Elizabeth Taylor:

Deine Freundschaft und dein Sinn zu Geben, das bist ganz du. Und du machst beides auf die gleiche Weise, du machst es aufrichtig und mit ganzem Herzen und mit der gleichen Hingabe. Dein Sinn, sich zu kümmern, die Dinge, die du getan hast, worüber nur so wenig Menschen etwas wissen. Diese Dinge, die du anonym tust, so, dass nicht mal die, für die du es tust darüber Bescheid wissen, dass ist wirkliche Nächstenliebe. Das ist Nächstenliebe, die aus der Seele, aus dem Herzen kommt.(…) Du tust es, weil dein Herz es will und du willst dafür nichts zurückbekommen, das ist die allerschönste Eigenschaft, die du besitzt.“ 

Frank DiLeo:

Während der BAD-Tour gab es in der Stadt, wo die Tour gerade stattfand, ein sterbendes Kind in einem Krankenhaus. Michael war zufällig genau in diesem Krankenhaus, und tat dort, was er immer machte – Liebe geben. Das schwer kranke Kind wollte Michael treffen, und Michael ging zu diesem Kind, sprach mit ihm..und das Kind wurde munter! Es war erstaunlich! Ich konnte es nicht aushalten. Ich ging fort, in eine Ecke und weinte. Und Michael kam zu mir, legte den Arm um mich und sagte: „Du musst verstehen, Frank, DAS ist unser Job…nicht auf der Bühne zu stehen, und singen und tanzen, unser Job ist es, die Menschen glücklich zu machen.“ 

visitin children

Big Al Scanlan:

Was ein Tag auf Neverland an Eindrücken bei den kränklichen Kindern aus den Stadtzentren hinterließ, ist unbeschreiblich. Um Mr.Jackson zu helfen seinen Traum für diese Kinder wahr werden zu lassen, Teil dieser Magie und den bleibenden Erinnerungen dieser Kinder zu sein, war ein Segen. Ich muss leider sagen, dass trotz der vielen Bilder und Geschichten von Neverland, die man im Internet findet, keiner wirklich vermitteln kann wie ein Tag auf Neverland wirklich war. Das ist etwas was man selbst erleben muss….

Während meiner 15 Jahre auf Neverland, hatte ich viele lange Gespräche mit Mr. Jackson über Neverland, oft saßen wir an einem Tisch unter einer großen Eiche. Wenn man in seine Augen sah, seine Stimme hörte, blieb kein Zweifel daran, dass diese wohltätige Arbeit eines der wichtigsten Dinge seines Lebens war. Mit der Zeit, denke ich, dass die Bedeutung dieser magischen Tage mit den kranken Kindern wieder den Weg in Michaels Herz gefunden hätte. Die Briefe von Ärzten und Schwestern der Kinderkrankenhäuser, die Briefe der Eltern über die Erinnerungen ihrer Kinder an den Neverland-Trip, machen sehr deutlich, wie wichtig diese wohltätige Arbeit Mr. Jacksons durch Neverland war.“ 

kids on neverland

Brett Ratner:

Er war der meist inspirierende Mensch in meinem Leben. Sein großer Traum war es alle kranken Kinder in der Welt zu helfen. Und wenn ich sagte: Ist das nicht unmöglich? fing Michael an zu weinen. Er war sehr emotional bei Dingen, die ihn berührten. Ich denke man kann sagen er war ein reiner unschuldiger Mensch in einer Welt die niemals so unschuldig war.“ 

Kenny Ortega:

Ich war mit Michael in Osteuropa unterwegs, als wir aus dem Flugzeug stiegen fragte Michael: “Willst du ins Hotel, oder mit mir ein Kinderheim besuchen?” Es war ihm lieber ein Kinderheim zu besuchen, als ins Hotel zu gehen. Er ging in dieses Kinderheim und ich erinnere mich, dass er sich umsah und sehr still war, die Verantwortlichen waren anwesend und er sah sich alles an, und die Zustände, unter denen die Kinder dort lebten waren ziemlich erbarmungswürdig. Ich sah, wie er jemanden etwas zuflüsterte, und dann noch jemand anderem. Er ging überall herum und beschäftigte sich mit den Kindern. Später fand ich heraus, was er geflüstert hatte: “Das ganze Heim hier wird auf den Kopf gestellt, ich will hier neue Betten haben, neue Wäsche und mehr Personal, dass sich um diese Kinder hier gekümmert wird – und zwar bis morgen, sonst gehe ich nicht auf die Bühne.” 

Ich sah also, wie er in dieses Rumänische Kinderheim ging und die Zustände dort in 24 h änderte. Das ist etwas, an das ich mich immer erinnern werde. Er hatte das größte Herz von allen und hat sich wirklich, wirklich darum gesorgt, die Umstände in denen Menschen lebten, zu ändern – besonders für Kinder – das war Teil seiner Mission. Wenn er auf Tour war wollte er immer wissen, was er wo tun konnte, sodass er, wenn er ging, einen besseren Ort hinterließ, weil er dort war. Über wie viele Menschen kann man so etwas sagen?” 

Helen Darlington:

“Meine Tochter Angela war mit Kopfschmerzen in ein Krankenhaus geliefert worden, nachdem sie von einem Auto erfasst worden war. Eines Tages erzählten uns die Krankenschwestern, dass Michael Jackson zu Besuch kommen werde. Wir mussten es geheim halten, damit das Krankenhaus nicht von Fans überschüttet wurde. Es war eine große Aufregung zu spüren, als seine Assistenten jedem auf der Station T-Shirts und unterschriebene Kopien seines Bad-Albums verteilten. Danach ging er einfach umher und sprach mit den Patienten. […] Ich sagte “Hallo.” Er meinte, dass er erfreut sei, mich zu treffen. Ich war völlig baff. Er war sehr freundlich und schien schüchtern. Ich bekam den Eindruck, dass er eine tiefe Liebe für Kinder empfand, insbesondere für jene, die verletzt waren. Dann ging er in die Hocke und sagte “Hallo, Angela.” Sie konnte nicht sprechen, da sie gerade erst aus dem Koma erwacht war, aber sie begann zu lächeln. Nach diesem Tag ging es ihr zusehends besser. Ich denke an ihn als eine Inspiration. Wir hatten eine schreckliche Zeit- Angela war im Krankenhaus und ich rief bei Lifeline (Anm.: eine Art Telefonseelsorge) an, um nicht zusammenzubrechen, aber er war eine totale Inspiration für die ganze Station. Ich dachte: “Gott sei Dank, dass er ihn uns sandte.” Ihn umgab einfach eine Ausstrahlung- diese großartige Empathie für Menschen, die wieder gesund werden mussten. Heute ist Angela 25, studiert an einer Universität und ist lebensfroh. Es gab damals einen anderen Jungen auf der Station, der ungefähr 15 Jahre alt war und ein großer Fan. Nach Michaels Besuch ging es ihm ebenfalls langsam besser. Seine Mutter glaubte, es war ein Wunder. Ich glaube, dass es vielen Kinder besser ging, nachdem sie ihn getroffen hatten. Ich denke, die Menschen sollten diese Seite von Michael kennen.“ 

angela darlington

Adrian Grant:

Ich erinnere mich an eine Reise nach Budapest, 1994. Michael besuchte zusammen mit Lisa Marie-Presley eine Kinderklinik und sie verteilten dort Geschenke und Spielzeug. Ich hatte das Glück, der einzige Medienvertreter zu sein, dem es erlaubt war ihn zu begleiten. Und ich war entzückt, dabei helfen zu dürfen, die Geschenke an einige der kranken Kinder zu übergeben. Jedenfalls hat die skeptische Presse darin nicht mehr gesehen als einen PR-Gag im Rahmen seiner „Heal The World“-Tour. Aber was sie nicht geschrieben haben, das war der bewegende Moment, als Michael ein Lächeln auf die Lippen eines sterbenden Mädchens zauberte, welches zuvor wochenlang still und bewegungslos da gelegen hatte. Ihre Mutter, die ihr Tag und Nacht zur Seite stand, brach in Tränen aus, als ihre Tochter plötzlich die Hand ausstreckte, um Michaels Hand zu berühren…“  

Howard Bloom:

Michael kam einem “weltlichen” Engel sehr nahe. Ein “weltlicher” Heiliger.

Schauen Sie, ich bin ein Atheist, aber Michael war es nicht. Er glaubte, er war ein Geschenk Gottes. Er glaubte, ihm seien Talente und seltene wunderbare Eigenschaften gegeben, die bei uns zerbrechlichen menschlichen Wesen nur selten vorkommen. Er glaubte, weil Gott ihm dieses große Geschenk gemacht hatte, diese Wunder, dieses Erstaunen und die Ehrfurcht mit seinen Mitmenschen teilen zu müssen. Aber im Gegensatz zu anderen großzügigen Menschen – Bill und Melinda Gates zum Beispiel – war diese Sache bei Michael nicht nur ein “Teilzeit- Ding”. Das Bedürfnis, anderen zu geben war in jedem Atemzug, an jedem einzelnen Tag, in ihm lebendig.

Michael Jackson’s ganzes Leben war das Empfangen und Geben, und der ganze Zweck des Empfangen war, dass er geben konnte. Er arbeitete mit jeder Zelle seines Körpers, um dieses erstaunliche Geschenk an seine Mitmenschen weiter zugeben.“ 

Natasha Lang:

Was kann man über einen Mann schreiben, der soviel und von ganzem Herzen gab, und zum Glück von Millionen von Menschen in der ganzen Welt beitrug, durch seine Musik, und ganz zu schweigen von den vielen kranken Kindern, die er in Krankenhäusern vieler Länder der Welt besuchte, wo er großzügig und von Herzen Geschenke und Eintrittskarten zu seinen Shows verschenkte, und sie damit aufmunterte, was ohne Zweifel ihre Genesung unterstützt hat.

Ich bin die Mutter eines solchen Kindes. Mein Sohn und ich hatten Gelegenheit, Michael im Sydney Childrens Hospital in Randwick zu treffen, als er am 18 November 1987 Sydney besuchte. Solange ich lebe werde ich diesen Tag nicht vergessen, an dem Michael mit einer Menge Stofftiere ins Krankenhaus kam und sie großzügig an die Kinder der Kinderstation verteilte. Er ging herum und besuchte jedes Kind persönlich und sprach ganz ruhig ein paar unterstützende Worte mit ihnen, und ich werde nie die Freude der Kinder, des medizinischen Personals und der Eltern vergessen, die er an diesem Tag besuchte.

Mein Sohn ist jetzt ein erwachsener Mann und ich möchte dieses Foto mit der ganzen Welt teilen, weil es Michaels selbstlose und großzügige Natur zeigt. Mein Sohn hatte unglücklicher Weise in dieser Woche bei einem Schul-Unfall ein Auge verloren und wie Sie sich vorstellen können, war es eine wirkliche Tragödie für die ganze Familie, aber an diesem Tag brachte er uns Freude, großes Vergnügen und eine Fülle von Glück.“

natasha lang sydney

Daniele und Antonietta Parisi:

Michael mit Daniele Parisi, einem Jungen aus Latina, Italien, bei dem im Alter von 8 Jahren AIDS diagnostiziert wurde. Der Virus wurde ihm von seiner biologischen Mutter übertragen, die HIV positiv war. Daniele war großer Fan von Michael und 1997, als er 14 war, hatte er die Möglichkeit ein Konzert der History World Tour in Mailand, am 18.Juni, anzusehen. An diesem Tag besuchten er und seine Mutter auch Michael in seinem Umkleideraum, wo der Star ihn küsste und umarmte und ihnen für die mitgebrachten Geschenke dankte. Daniele und seine Adoptivmutter sahen das Konzert vom seitlichen Bühnenrand aus an, zusammen mit Debbie Rowe und Luciano Pavarotti.

Während dem Konzert brachte ein Teammitglied Daniele eine große Tasche mit Geschenken und dem Tour Programm. Gegen Ende des Konzerts, während dem Lied Heal The World, ging Michael zu Daniele, der in einem Stuhl sass und nicht selbst laufen konnte, weil er durch seine Krankheit dafür zu schwach war, kniete sich vor ihn hin und überdeckte seine Hände mit Küssen. Dann nahm er ihn auf die Arme und ging mit ihm in die Mitte der Bühne, um ein paar Fotos zu machen.

Nach diesem Erlebnis verbesserte sich Danieles Gesundheitszustand so merklich und schnell, dass die Ärzte von einem Wunder sprachen. Es war so, als hätte Michael ihm ein paar Lebensjahre geschenkt. Daniele begann wieder zu laufen – manchmal rannte er sogar – er ass besser, nahm zu, aber das wichtigste war, dass er wieder Selbstvertrauen hatte und weiter kämpfen konnte.

Leider starb Daniele zwei Jahre später an einer Hirninfektion, verursacht durch eine Grippe. Die wunderbaren Erinnerungen an Michael zusammen mit der liebevollen Betreuung durch seine Mutter, gaben ihm die Stärke, bis zum Ende zu kämpfen. 

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Brief von Antonietta Parisi an Michael (geschrieben 2005):

Liebster Michael,

Ich werde niemals vergessen, was du für meinen Sohn, Daniele, getan hast. Nachdem er dich traf, nannten die Ärzte es ein Wunder, denn für ein paar Monate war es so, als hätte er niemals AIDS gehabt. Nun, da Gerechtigkeit siegte, möchte ich einfach nur meinen Dank und mein Glück ausdrücken. Bitte, lass die Menschen dich nie wieder so behandeln. Ich weiß, du bist ein gutherziger Mensch und willst jedem helfen, aber nicht alle Menschen haben soviel Aufmerksamkeit verdient. Mein Kind ist nicht mehr hier bei uns, aber ich weiß, das er von da oben immer zu dir schaut. Er hat niemals vergessen, was du für ihn getan hast.

Gott schütze dich, Antonietta

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Michael:

Das Leben ist zu kurz und zu wertvoll um nicht zu versuchen, den Menschen zu helfen, so gut wir es können. Wenn ich nur deshalb leben würde, um Kindern zu helfen und sie zu erfreuen, wäre das genug für mich. Sie sind so erstaunliche Wesen. Wenn ich reise, verbringe ich viel Zeit damit, Kinderkrankenhäuser zu besuchen. Es macht mich so glücklich, ihnen etwas den Tag zu verschönern, einfach nur, weil ich dort hinkomme, mit ihnen spreche, zuhöre, was sie zu sagen haben, und erreiche, dass es ihnen besser geht. Es ist so traurig für Kinder, wenn sie krank werden. Mehr wie für jeden anderen. Kinder haben das einfach nicht verdient. Sie können meistens nicht einmal verstehen, was mit ihnen nicht stimmt. Es zerreisst mit das Herz. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, will ich sie einfach nur umarmen, und möchte, dass alles wieder besser wird.

… ich denke wirklich meine Aufgabe ist es, Kindern zu helfen. Ich denke, es ist meine Berufung. Es ist mir egal wenn die Leute lachen, oder was sie sagen.

Kinder haben in der Gesellschaft nichts zu sagen und ich denke jetzt ist ihre Zeit gekommen. Von jetzt an ist es ihre Zeit. Sie müssen von der Welt wahr genommen werden und sie brauchen Entscheidungen, mit denen sie umgehen können. Und wenn ich das Licht sein kann, dieses Podest, von wo aus einfach etwas Licht auf das, was sie sind, geworfen wird und darauf, wie wichtig Kinder sind, dann ist es das, was ich tun will. Ich weiß nicht, wie Gott die Menschen auswählt, oder welche Schachzüge er mit ihnen spielt, er bringt dich in eine Position und stellt dich an deinen Platz. Manchmal fühle ich es so, so als wäre das genau mein Platz.“

 ♥ ♥ ♥

Übersetzung: M.v.d.L. und andere

Die Renaissance des 21. Jahrhunderts – Armond White, Sommer 2009

“Twenty-First Century Renaissance”

http://www.firstofthemonth.org/archives/2009/08/twentyfirst_cen.html

Armond White im September 2009:

Michael Jacksons Renaissance (veranlasst durch seinen Tod im letzten Juni im Alter von 50 Jahren) ist eines der vielversprechendsten Ereignisse der Popkultur im letzten Vierteljahrhundert. Den ganzen Sommer lang ertönte Jacksons Musik, wo immer man sich aufhielt, aus allen Autoradios, Musikanlagen und allen Ohrhörern von irgendwelchen Fremden erklang sie. Der Tag ist einfach schöner, wenn Pretty Young Thing den Sonnenschein willkommen heißt oder gegen einen Regensturm ansingt. Und doch halten sich die Hasser hartnäckig; nachdem sich die Medienaasgeier als Reaktion auf die öffentliche Trauer und die Wogen des Interesses an MJs Musik in ihrem Zynismus etwas gezügelt hatten, kehren sie nun wieder zurück zu ihren Schundgesprächen und ihren Verleumdungen. Doch die öffentliche Zuneigung zu Jackson bleibt; der Widerstand gegen die Mediengebote ist ein Beweis für demokratisches Wohlwollen und Handeln.

i want you back
Diese plötzliche Erholung von Jacksons Songkatalog rührt aus einem bemerkenswerten persönlichen Bedürfnis her: Da die Öffentlichkeit an die guten Zeiten erinnert werden möchte – angefangen bei der verblüffenden jugendlichen Energie der Jackson Five in Titeln wie I Want You Back, ABC, The Love You Save, I’ll Be There und Ben bis hin zu dem phänomenalen, allen gefallenden Thriller -Album – geht die instinktive Rettung der Popkunst bei der Öffentlichkeit tiefer als reine Nostalgie. Es stimmt, dass verschiedene Stadien in MJs Karriere unterschiedliche Ereignisse der Weltgeschichte und vor allem auch persönliche Erinnerungen begleiteten: Die Hörer können bestimmte Songs mit bestimmten Geburtstagen verbinden, mit Tänzen in der Disco, mit Hochzeiten, mit Liebschaften, gebrochenen Herzen, Konzertgängen, Fernsehsendungen usw. Doch diese Songs wieder zu spielen, nachdem im Fernsehen die Nachricht über MJs Tod kam, hat nichts mit einem nostalgischen Durchblättern eines Sammelalbums zu tun, es bedeutet, beim Blues einer Musik mit zu stampfen, die geschrieben wurde von der althergebrachten Lebensfreude und den tiefsinnigen Gefühlen eines empfindsamen Künstlers, der beseelt davon war, sich selbst neu und in einer die ganze Welt betreffenden Form auszudrücken. Diese Art populärer Kunst verbindet die gemeinschaftlichsten und aufrichtigsten Bedürfnisse der Zuhörer: Sie versteht ihre Freude und Empfindsamkeit, ihr eigenes Leben zu bejahen.
Als Reaktion auf den Internetverkehr nach Michael Jacksons Tod berichtet die New York Times:

(AOL) bezeichnete den Tag als „bahnbrechenden Moment in der Geschichte des Internets. Wir haben so etwas solchen Ausmaßes und solcher Tiefe nie vorher erlebt. Neuigkeiten über Stars spornen mit unterschiedlichem entscheidendem Verbraucherverhalten geschichtlich gesehen weltweite Gefühlsäußerungen an, die Suche nach Neuigkeiten, deren Weiterverbreitung und die Reaktionen darauf, gefolgt von Online Tributs, wurden zur modernen Art der Trauer.“

Ein paar Tage, nachdem ich mit der beängstigenden Nachricht über MJ gelebt hatte, träumte ich davon. Mitten in diesem Traum sagte ich mir selbst: „Ich träume das hier!“ Dann, ich war noch immer am Träumen, wurde ich von einer schrecklichen Einsicht ergriffen; meine Traurigkeit war schlimmer als jeder Albtraum, es war wie eine albtraumhafte Erfahrung im Wachzustand, bei der ich erkannte, dass die Welt aus dem Lot geriet. „Ein böser Albtraum, wo ich auch hingehe“, sang Donna Summer einst. In der wachen Realität einer Welt, die immer verrückter zu werden droht, war der Verlust von MJs Präsenz mehr als nur ein kulturelles Desaster. Unser Gefühls- und Sehnsuchtskompass kam uns abhanden, genau wie zu der Zeit, als Brando, James Brown, Katherine Hepburn und Norman Mailer starben. Doch sie sangen niemals Ben oder präsentierten die staunenswerte Vision des Black Or White Musikvideos. MJs Kunst trat einer gefühllosen Welt mit purem Gefühl entgegen, ebenso wie mit höchster Kreativität und zutiefst überzeugender Aufrichtigkeit. Michaels süße Klänge auf der Straße zu vernehmen, erinnert mich daran, wie wenig Süße es in letzter Zeit in der Popmusik gab.

Memorial Michael Jackson

MJs Kunst wiederzugewinnen bietet uns die Chance, sie neu und besser zu würdigen. Sie lässt uns hinter die Verwirrung und Kontroversen seiner kontinuierlichen Karriere blicken. Wir können jetzt nicht nur ihre Bedeutung einschätzen, sondern ihren Kern wieder neu erleben. Am 7. Juli beim Memorial im Staples Center in Los Angeles erschienen die Trauer und anschließende Seelenreinigung richtig, notwendig und gottesdienstähnlich. Es gab per se nur wenig Kirchenmusik, doch Balsam fand man in den heilenden Klängen von Jacksons eigener Musik. Wenn man auch verlernt hatte, wo die Wurzeln von Billy Jean lagen, das Vordringliche in Hymnen wie Man In The Mirror und Earth Song  jedoch erkannt hatte, konnte man das nicht länger nicht übersehen. Deshalb glich Berry Gordys Grabrede – „Er ist schlichtweg der größte Entertainer, den es je gab“ – unsere Ehrfurcht nicht aus. Tatsache ist, in MJs liebeaussendenden und von Wahrheit erzählenden Botschaften lag immer Gottes Wort. MJs treue Fans finden sich selbst wieder in ihren ernsthaften, gerechtfertigten Bestrebungen, Wahrheit und Liebe durch die Musik zu erhalten, die einst ihrem Leben seinen Pulsschlag verlieh und dies auch weiter tun wird.

Wir müssen nur einen Groove hören, eine beschwingte Melodie – nicht zu vergessen die bewegenden Jeremiaden (Klagelieder) und weisen Überlegungen in MJs späteren Aufnahmen – und schon hat die Kraft der Kunst, der das Leben nach seinen eigenen Bestimmungen begegnete, diese Bestimmungen durch gospelartige Ausdrucksweise und Synkope in die Höhe gehoben. Wenn die Medien damit weitermachen, Jackson zu denunzieren und Musikhasser weiter jammern, dass die Aufmerksamkeit, die dem Tod dieses legendären Künstlers gezollt wird, exzessiv sei, ist dies einzig ein Beweis für die Grausamkeit der säkularen Welt. Ob diese „Experten“ je ein Lied in ihrem Herzen trugen oder nicht, sie erscheinen einfach herzlos.
Könnte es die Herzensgüte sein, über die sich die Hasser in MJs Werk aufregen? Stört sie die Freude in ABC, Rock With You  und ja, sogar in Bad? Oder ist es die Komplexität in Songs wie Beat It, Black Or White, Scream, Stranger In Moscow oder You Are Not Alone? MJ beschrieb, besang und schilderte in tänzerischer Form die Schwierigkeiten des Lebens und er tat dies voller Anmut und Begeisterung. Die Medienkommentatoren jedoch, die so tun, als wären wichtigere Dinge vernachlässigt worden, nähern sich den Dingen nur von ihrem eigenen, beschränkten, aufgeblasenen Hochsitz aus an. Al Sharpton erinnerte MJs Kinder: „An eurem Daddy war nichts seltsam. Seltsam war das, womit euer Daddy umgehen musste. Aber er ist damit umgegangen!“ Diese merkwürdigen Medienpolitiker lassen die Komplexität, die Widersprüchlichkeit und das Mitgefühl nicht zu –alles Elemente, die es so wertvoll machen, Jacksons letzte vier Alben Dangerous, HIStory, Blood On The Dancefloor und Invincible wiederaufleben zu lassen. Reverend Sharpton hat stichhaltig bemerkt:

Michael sang seine Zyniker weg, er tanzte seine Zweifler aus dem Weg, er performte den Pessimismus weg. Als sie ihn niederschlugen, stand er wieder auf. Jedes Mal, wenn sie ihn ausgezählt hatten, kam er wieder zurück. Michael hörte niemals auf. Michael hörte niemals auf. Michael hörte niemals auf.

 mj never stopped

Sharptons eigene Gospelleidenschaft spielte auf die unbezähmbare Entschlossenheit an, die das Rückgrat schwarzer Spirituals, des Blues, des großartigen R&B, des Soul, der Popmusik, des Hip-Hop und des furchterregendsten von allen, des Beat, bildet.
Nörgelnde „Experten“ wollen diesen Beat genauso stoppen, wie das Zelebrieren Jacksons. Ihre monotone Feindseligkeit ähnelt dem Rassismus, der so viele gesellschaftliche und berufliche Institutionen antreibt. Wenn der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten nur ungern zugab, dass er „all dieses Zeug auf seinem IPod hat“, erscheint es entweder respektlos oder einfach ein weiteres Zugeständnis an den Willen der Medienelite zu sein. Was der Präsident der Vereinigten Staaten nicht sagte war, dass selbst ein relativ „kleines Liedchen“ wie PYTmehr war als nur irgendein „Zeug“. Hört euch an, in welcher Art Michael das romantische Flehen des R&B übernahm und wie er es sang, ihm ging es um mehr als nur um Beute oder Sex, ihm ging es um die Versinnbildlichung von Herzensgüte. Es ist die reichhaltige Fülle, die viele in der schwarzen Popmusik unterschätzen (wenn sie auch von einer weißen Intelligenzbestie wie Green Gartside bekannt gemacht wurde, der Jacksons Ästhetik zur Neuinterpretation in Scritti Politti zerlegte – Anmerkung: Scritti Politti ist eine walisische New Wave Band, die in den 80ern einigen Erfolg hatte, die Stimme des Sängers erinnert entfernt an Michael). MJs „Wooooo’s“ und „repeat after me (sprecht mir nach)“ waren sinnliche und rhetorische Bekräftigungen persönlicher und gemeinschaftlicher Liebe. Er bat die ganze Welt um Call and Response (Ruf und Antwort) und er bekam sie. PYT vereint Lebensfreude mit Kunst, es ist nur ein zusätzlicher Segen, dass man auch noch dazu tanzen kann. Wenn das unsere Demokratie nicht rechtfertigen kann, dann ersetzt MJs Bürgerechtsmoonwalk mit einem Gleichschritt.

Immer noch greift die Medienelite (die entschieden von der texanischen Kongressabgeordneten Sheila Jackson Lee in ihrer Lobrede zurechtgewiesen wurde) auf die Vorwürfe über MJs Privatleben zurück. Sie ignorieren Jacksons Kunst – und seinen Freispruch – als ob sie irgendeinen schwarzen Kriminellen verunglimpften und als ob sie jede Art von Verteidigung in Misskredit bringen wollten. Diese Musikhasser offenbaren durch ihre eigene Schamlosigkeit nur ihre eigene Unmenschlichkeit. Genau zu dem Zeitpunkt, als Jackson in den 80ern verfolgt wurde, wurde ebenfalls offensichtlich, dass seine Schmach aus der gewöhnlichen Respektlosigkeit herrührte, die die Kultur des Mainstream gegenüber der Kreativität und dem Intellekt schwarzer Künstler zeigt. Auch dies brachte Jackson dazu, schreien zu wollen. Für die Hasser ist es bequem, zu ignorieren, dass MJs Songs, die jetzt die Straßen, Einkaufshallen und Tanzclubs füllen, die Bedeutung eines siegreichen Volksentscheids haben. Diejenigen, die die Musik lieben, gewinnen MJs Werk zurück, das auf das Beste, was in ihnen steckt mit dem Besten, was er zu geben hatte, reagiert.

First of the Month

Sommer 2009

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Übersetzung: Achildsbliss

<3 Danke!

Bin ich das Biest, das du dir vorstellst? Der kulturelle Missbrauch Michael Jacksons (von Joe Vogel)

Übersetzung des Artikels:

Am I the Beast You Visualized?: The Cultural Abuse of Michael Jackson – Von Joe Vogel

http://voiceseducation.org/content/am-i-beast-you-visualized-cultural-abuse-michael-jackson

Dieser Artikel wurde im November 2011 geschrieben/veröffentlicht, während dem Prozess von Murray. Im April beginnt Katherine Jacksons Prozess gegen AEG – Auch die Inhalte dieses Artikels werden dann wieder ganz aktuell….

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In den letzten Wochen haben wir ständig gehört, dass es nicht Michael Jackson ist, der vor Gericht steht, sondern Conrad Murray. Aber wir wissen natürlich, wie die Wirklichkeit aussieht. Das hier ist der „Prozess über Michael Jacksons Tod“. Er ist, wie es immer schon war, die Hauptfigur, das aufreizende Schauspiel. Es ist Michael Jackson, der unter dem Mikroskop liegt, während wir, wieder einmal, neugierig in seinem Haus, seinen Krankenakten und seinem Körper herumschnüffeln. Und nun, da das Publikum nach Jacksons Tod größtenteils verständnisvoller geworden ist, bleibt er doch das Objekt endloser Untersuchungen und Beurteilungen.

Spielt das denn noch eine Rolle, jetzt, da der Mensch selbst den Missbrauch nicht mehr spüren kann? Sollte es den Durchschnittsmenschen kümmern, ob eine „Berühmtheit“ wie Jackson herzlos gering schätzend behandelt wird? Projekte wie „Voices“, deren „Words and Violance“-Serie die verstörende Flugbahn unseres gesellschaftlichen Diskurs hervorhebt, sagt JA. Worte sind von Belang. Egal auf wen sie abzielen. Worte können, wie wir erst kürzlich bei jugendlichem Mobbing und Selbstmorden miterlebt haben, zu verheerenden dramatischen Ausgängen führen.

Genauso können sie auch benutzt werden, um zu beflügeln und zu heilen.

Michael With Mask

Michael Jackson wusste das. 1988 schloss er mit dem AIDS-Opfer Ryan White, einem Jungen aus Kokomo, Indiana, Freundschaft. White war aufgrund unaufhörlicher verbaler Attacken und Gewaltandrohungen gezwungen worden, die Schule zu verlassen. Jackson gab ihm, so White, das Gefühl, „normal“ zu sein. „Michael interessierte es nicht, welcher Rasse du angehörtest, welche Hautfarbe du hattest oder welche Behinderung“, erinnert sich Ryan Whites Mutter Jeanne. „Er liebte einfach alle Kinder.“
White ist einer von Tausenden von „Außenseitern“, denen Jackson sich zuwandte, mit denen er Freundschaft schloss und denen er mit Liebenswürdigkeit begegnete. Er identifizierte sich mit ihnen. Er verstand ihren Schmerz und ihre Einsamkeit. Er hatte Mitgefühl mit ihrem Kampf, in einer Welt zu leben, die sich weigerte, sie so, wie sie waren, anzunehmen, ob nun wegen einer Krankheit, ihrer physischen Erscheinung, ihrer Rasse, ihrer sexuellen Orientierung oder aus anderen Gründen.

Schon als Junge besaß Jackson dieses Einfühlungsvermögen. Hört euch den Song „Ben“ an. In der Art, wie Jackson den Song abliefert, finden sich aufrichtiger Schmerz und Mitgefühl (Sie sehen dich nicht so, wie ich dich sehe/ Ich wünschte, sie würden es versuchen). Den Song kann man als eine der ersten künstlerischen Stellungnahmen Jacksons ansehen, gesungen im Namen all derer, die ins Abseits gedrängt und missverstanden werden. Viele weitere sollten folgen.

Jacksons Außenseiterrolle begann schon während seiner Kindheit (da es nie eine Zeit gab, in der er sich als „normal“ empfand und auch nie eine Zeit, in der er so wahrgenommen wurde). Doch die Heftigkeit der Feindseligkeiten, die ihm durch sein „Anderssein“ entgegenschlugen, wurde mit der Zeit immer stärker. David Yuan behauptete in seinem 1996 geschriebenen Essay „Der berühmte Freak: Michael Jacksons grotesker Ruhm“, dass Michael Jackson der festgelegte Freak unserer Zeit sei. Keine andere öffentliche Person der Welt rief einen derartigen Level an Lächerlichmachen, extremster Musterung und „Hyper-Infrage-stellen“ hervor. Bereits 1985 wurde Jackson von der Klatschpresse als „Wako Jacko“ bezeichnet, einer Bezeichnung, die er hasste. In der Presse wurde er stets mit „bizarr“, „verrückt“ und „exzentrisch“ beschrieben. Tatsächlich wurde kaum etwas, was er Mitte der 80er sagte oder tat von den Medien anders bezeichnet.

Jackson wurde ununterbrochen wegen seiner Vitiligo-Erkrankung verspottet, von der die meisten Leute glaubten, er habe diese Krankheit nicht wirklich, bis sie schließlich im Obduktionsbericht definitiv bestätigt wurde. Er wurde wegen seiner Liebe zu Tieren, seiner Liebe zu Kindern und seiner Liebe zu unserem Planeten verspottet. Er wurde wegen seiner Ehen, seiner Kinder und seiner Neverland-Ranch verspottet. Man machte sich über seine Sexualität, seine Stimme und sein kindliches Verhalten lustig. Selbst bei Rezensionen über seine Musik konnte man nicht widerstehen, Pseudo-Psychoanalysen und persönlichen Beleidigungen den meisten Platz einzuräumen. Kann es einen Zweifel daran geben, dass diese Behandlung durch die Medien und die Kultur größtenteils missbräuchlich war?

Das Opfer dieser unmenschlichen Angriffe fühlte sich ganz sicher so. Hört euch die Texte seiner Songs an. In „Tabloid Junkie“ beschreibt er die Medien als „Parasiten“, die ihm das Leben aussaugen, während sie die allgemeine Öffentlichkeit mit stetigen Dosen von Sensationsmache betäuben und verwirren. In „Stranger In Moscow“ ist er ein Künstler im Exil, der von seinem eigenen Land, in dem er geboren wurde, aufgezehrt und wieder ausgespuckt wird. „Ich lief im Regen herum“, singt er in der Rolle eines einsamen Vagabunden, „hinter Masken/ fühle mich, als sei ich wahnsinnig“.

In „Scream“ ist er es leid, herum geschubst zu werden, er fleht: „Oh Bruder, bitte hab Gnade, denn ich halte es nicht mehr aus.“ Der Song dient jedoch auch als Medium von Stärke und Entschlossenheit (Treten sie mich nieder, muss ich wieder aufstehen). Michael und seine Schwester Janet liefern einen heftigen Schlag gegen das System, das sie sehr richtig als korrupt und ungerecht ansehen. In einem Vers singt Janet „Ihr betreibt einen Ausverkauf von Seelen und ich mache mir Gedanken um meine.“ Es ist ein herausfordernder Song darüber, sich gegen Grausamkeiten zur Wehr zu setzen, auch wenn der Schmerz und die Empörung so tief sind, dass sie nur in einem Schrei ausgedrückt werden können, der tief aus der Kehle kommt.

Scream

In zahlreichen Songs benutzt Jackson die Musik gleichsam als gebündelten Aufschrei all derer, die schlecht behandelt werden. In „They Don’t Care About Us“ legt er Zeugnis ab für all jene, die erniedrigt und ihrer Bürgerrechte beraubt wurden. „Sagt, was wurde aus meinen Rechten, bin ich unsichtbar, nur weil ihr mich ignoriert?“, singt er dort. In „Little Susie“ richtet er die Aufmerksamkeit auf die Not der Vernachlässigten und Verlassenen, indem er die Geschichte eines Mädchens erzählt, dessen Gabe unbemerkt bleibt, bis es tot am Fuße der Treppe ihres Hauses gefunden wird. („Hebt sie ganz vorsichtig hoch“, singt Jackson, „Blut ist in ihrem Haar“). Der „Earth Song“ liefert eine epische Wehklage im Namen unseres Planeten und seiner verwundbaren Einwohner (repräsentiert durch die leidenschaftlichen Ausrufe des Chors: Was wird aus uns?). Durch solche Songs (wie auch durch sein ganzes Leben und seine ganze Persönlichkeit) wurde Jackson zu einer Art globalem Repräsentanten der „Anderen“.
Die Massenmedien jedoch hielten nie sonderlich viel von Jacksons „Anderssein“, genauso wie sie nie viel von den „Anderen“ hielten, von denen er in seinen Songs sprach. Sie fanden wohl eher eine einfache, profitable Geschichte – Jackson als exzentrischer „Freak“ – und an dieser Geschichte hielten sie nahezu 30 Jahre fest und sie erhöhten stets und ständig ihren Einsatz.

Die fesselndste Reaktion Jacksons auf die öffentliche Wahrnehmung von ihm kommt wahrscheinlich in diesen drei Songs zum Ausdruck: „Ghosts“, „Is It Scary“ und „Threatened“. Hier hält Jackson der Gesellschaft den Spiegel vor, die ihn verachtet und er verlangt von ihr, in ihr eigenes groteskes Spiegelbild zu blicken. „Erschreckt dich das?“, fragt er. Die Songs, mit den sie begleitenden bildlichen Darstellungen, sind nicht nur extrem selbstbewusst, sie demonstrieren auch sein sehr scharfsinniges Verständnis der giftigen Mächte, die ihn umgeben und jagen.

In dem Kurzfilm „Ghosts“ verhöhnt der Bürgermeister (eine konservative Autoritätsperson, inspiriert von DA Tom Sneddon) von „Normal Valley“ Jacksons Charakter: „Freaky Boy! Freak! Zirkusfreak!“ Interessanterweise ist es Jackson selbst, maskiert als Bürgermeister, der diese Worte sagt und man kann spüren, wie sehr er sie verinnerlicht hat. Es sind Beleidigungen, die beschmutzen und demütigen sollen (was sicher 1993 und 2005 auch der Zweck der Jagd auf Jackson war). Für den Bürgermeister ist Jacksons Anwesenheit in der Gemeinde nicht zu tolerieren. Es ist nicht so, dass Jackson irgendwem wehgetan hätte, es ist einfach, weil er anders ist und Anderssein bedrohlich ist.
In solch künstlerischen Ausdrucksformen erkennt Jackson ganz klar, was ihm angetan worden ist. Er wurde von äußeren Mächten in eine Schublade gesteckt. Er ist ein Phantom, das sie sich in ihren eigenen Köpfen erschaffen haben, wie er in „Is It Scary“ singt. „Wenn du exzentrische Seltsamkeiten sehen willst, werde ich vor deinen Augen grotesk“. Das heißt mit anderen Worten, dass er grotesk sein wird, weil es genau das ist, „was das Publikum sehen will“. Sie wurden so konditioniert, genau das zu sehen. Später in diesem Song nimmt er die Reaktionen des Publikums vorweg, indem er fragt: „Amüsiere ich euch/oder verwirre ich euch nur/bin ich das Biest, das ihr euch vorstellt?“ Wurde er weniger als ein Mensch? Warum? Ist es seine physische Erscheinung? Seine mehrdeutige Identität? Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte? Keine Frage, Michael Jackson war anders. Die Frage ist, warum dieses „Anderssein“ eine solch glühende Herabwürdigung und Verunglimpfung entfachte.

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Eine der bemerkenswertesten Qualitäten von Michael Jacksons Leben und Werk besteht jedoch darin, dass er sich weigerte, sein Anderssein aufzugeben. Er wird niemals „normal“, wie es, sagen wir, vom Bürgermeister von Normal Valley erwartet wird. Er passt sich keinen Erwartungen an. Lieber bleibt er sich selbst treu und stellt seine einzigartige, facettenreiche Identität zur Schau, zum Verdruss all derer, die sich wünschen, er möge in vorhersehbarere Schubladen passen. Seine Andersartigkeiten, wie Susan Fast schreibt, waren „undurchdringlich und unerschöpflich und riefen große Beunruhigung hervor. Sei doch bitte schwarz, Michael, oder weiß oder schwul oder hetero, Vater oder Mutter. Sei deinen Kindern ein Vater, aber sei doch bitte nicht selbst Kind, damit wir endlich wissen, auf wen wir unsere liberale (In)Toleranz richten sollen. Und versuch doch bitte nicht, alle gleichzeitig mit Kodes zu verwirren“.

Selbst über zwei Jahre nach seinem tragischen Tod, scheint es so zu sein, dass die Menschen immer noch nicht wissen, was sie mit Jackson anfangen sollen. Deshalb wird er einfach auf einen „Medikamentenabhängigen“ reduziert. Herzlos pflastert ein Foto seines leblosen Körpers die Nachrichtenseiten. Ein grausames, missbräuchliches Verhalten, unter dem Deckmantel „normal“. Vielleicht nutzte Jackson deshalb einen Gruselfilm als Medium, um sich zu wehren. Es war sein Weg, den Spieß umzudrehen, um symbolisch die Welt so darzustellen, wie er sie oft empfand: monströs und grotesk. Seine „Horrorstorys“ waren sicherlich nicht dafür vorgesehen, einfach nur zu unterhalten.

„Freaks werden Freaks genannt“, bemerkt Autor James Baldwin, „und sie werden behandelt, wie sie behandelt werden – in der Hauptsache abscheulich – weil sie Menschen sind, die tief in uns unsere grundlegendsten Ängste und Wünsche widerspiegeln.“ Doch so sehr Jackson zum symbolischen Magnet wurde, auf den diese kulturellen Ängste projiziert wurden, so war er doch auch ein Mensch aus Fleisch und Blut, der versuchte, sein Leben zu leben. Gegen Ende von „Is It Scary“ singt er: „Ich bin einfach nicht das, was ihr in mir sucht“, bevor er dem leidenschaftlichen Zuhörer offenbart: „Doch wenn ihr euch aufmacht/ die Wahrheit und Reinheit zu erkennen/ liegt sie hier in einem einsamen Herzen/ als lasst die Performance beginnen!“

Ironischerweise finden wir diese Wahrheit und Reinheit in der Performance seiner Kunst. Hier treibt er seine Dämonen aus, dort wo seine Qual sich in schöpferische Energie verwandelt. Hier stürzen Mauern ein und Masken fallen. Für die Außenwelt mag er in Spektakel sein, eine Karikatur, ein Freak; doch hier, in seiner Musik, offenbart er letztendlich seine Seele. Er ist ein Mensch.

Die Frage ist: Was sehen wir?

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Übersetzung: achlidsbliss – mjjackson-forever.com

Susan Fast – Anderssein, das über das Verstehen hinausging:

http://all4michael.com/2012/09/25/anderssein-das-uber-verstehen-hinausging-erinnerung-an-michael-jackson-1958-2009/

Todd Gray – Erinnerungen an Michael – “before he was king”

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Im Jahr 1979 , nach dem Abschluss der High School ging ich an die Kunstschule. Mit 17 hatte ich bereits in der Zeitschrift “Life” veröffentlicht und war auf Tour mit den Rolling Stones. Zu dieser Zeit hatte ich ein wirklich gutes Portfolio an Konzert Fotos und CBS Records (jetzt Sony) mochte meine Arbeit weil Ich “Gladys Knight and the Pips” für sie fotografiert hatte, und deren Manager mochte die Fotos und die Art, wie ich auftrat. Ich hatte keine Ahnung, dass sie auch die Jacksons managten und ziemlich schnell bekam ich den Auftrag, die Gruppe bei ihrem Auftritt bei “American Band Stand” und “Soul Train” zu fotografieren. Als ich dort auftauchte ging ich in die Garderobe und dort waren all diese Menschen, die um Michaels Aufmerksamkeit buhlten. Ich gebe zu, ich war ein wenig eingeschüchtert und dachte sofort, dass ich von dieser Situation lieber etwas Abstand haben wollte… und so zog ich mich lieber erst Mal etwas zurück, um mich aus dem Trubel um Michael herauszuhalten.

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Es war offensichtlich, dass Michael einen besondere “Aura” hatte, und jeder wurde davon angezogen, einschließlich der Platten-Bosse, den Radioleuten – einfach alle – sie folgten ihm nicht nur, sie klebten förmlich an ihm. Wieder traf ich eine bewusste Entscheidung, nicht zu diesem Kreis zu gehören, es war nicht meine “Liga”. Es war ein immer gleiches Szenario, aber Michael war pflichtbewusst und hatte sein Management-Team stets an seiner Seite, denn Michael, der eigentlich schüchtern und introvertiert war, war aber gleichzeitig in einem der öffentlichsten Berufe, so hatte er immer eine Art Schutzschild von Leuten um sich, die von ihm ablenkten und wenn jemand zu ihm wollte, musste er erst an diesen Leuten vorbei. Mike sprach immer nur wenig Worte mit leiser Stimme und wenn jemand von den Medien oder anderswo etwas von ihm wollte, flüsterte er ins Ohr eines seiner Helfer und der gab die wie auch immer lautende Antwort weiter. Michael tat dies, weil er keine direkte Konfrontation mochte und nicht die Gefühle eines anderen verletzten wollte. Dennoch war seine Stimme nicht wirklich so sanft wie die, die er oft in der Öffentlichkeit verwendet, so dass ich denke, Michael tat das auch zu seinem Schutz. Wenn ich mit ihnen (den Jacksons) unterwegs war, war Michael immer kritisch mit ihren Auftritten und redete darüber, wie sie ihre Leistungen verbessern könnten und er tat es immer mit dieser sanften Stimme. Aber denkt nichts falsches… wenn Michael sprach, hörten sie alle zu.

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War Michael nur von seiner Familie und Freunden umgeben, war er oft ausgelassen ein Spaßmacher. Manchmal rief mich mit verstellter Stimme und falschem Namen an, und bat mich, irgendetwas albernes zu tun. Er konnte eine Vielzahl von Stimmen imitieren und spielte mir viele Streiche. Einmal machte ich Bilder von ihm während er im Bett war, weil er zu spät war für ein Treffen, das wir ausgemacht hatten und er wollte nicht aufstehen. Er sagte: “Todd, ich werde dich da für noch dran kriegen!” Und das tat er. Ich hatte es längst vergessen. Viel später, während einem Auftritt sollte ich, so sagte er zu mir, an einem bestimmten Ort vor der Bühne stehen, um Fotos von ihm zu machen während er sang. (She’s out of my life) Ich tat wie mir angewiesen wurde. Kurz bevor ich an meiner Position war, ließ Michael sich plötzlich auf den Boden fallen und rief: “Ich bin so einsam, kann nicht jemand kommen und mich berühren, ich brauche euch.. ” und jede Frau an diesem Ort ist auf mich eingestürzt. Ich stand genau zwischen ihnen und der Bühne mit Michael und ich konnte nicht einmal ein Foto machen, und Michael warf mir diesen Blick zu: “jetzt hab ich dich“. Danach sagte ich zu ihm: “Du denkst, du bist clever….” und er sagte ganz unschuldig: “Was meinst du,Todd?“ Ich sagte: „Die haben mich eingeklemmt, es hat weh getan” und er antwortete: “Todd, ich plane solche Sachen nicht, irgendetwas packt mich einfach, und dann denke ich nicht nach, was ich tue.”

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Dieser Mann war wie ein Rätsel. Ich habe nie jemanden getroffen in dem sich solche Eigenschaften vereinen, wie diese reife Weisheit eines Erwachsenen und die Qualitäten eines Kindes. Michael war in vielem ein authentisch Kind. Ich konnte versuchen was ich wollte, ich konnte diese beiden polaren Gegensätze in ein und demselben Körper nicht fassen. Wir gingen ein paar mal zu Disneyland und wenn du neben ihm in einer Achterbahn sitzt, mit Michaels Geschrei, dann wurde ich genauso und ließ mein Kind raus. Ich bin ihm dafür dankbar. Er machte, dass es in Ordnung war, um ihn herum wie ein Kind zu sein, und das waren alle in seinem Lager, wir alle wurden ab und zu wieder zu Kindern. Michael erschuf diese Atmosphäre und diesen Raum und du bist darin aufgegangen, bevor du es realisieren konntest. Anfangs war ich distanziert und hatte eine professionelle Einstellung, aber ich merkte, dass er sich wohler fühlte wenn man spielerischer war und er sich dann mehr öffnete. Was sehr großartig war am Zusammensein mit Michael ist, dass ich meine Erwachsenen-Maske fallen lassen konnte und mein inneres Kind pflegen konnte.

Ich war etwas modebewusst und er fragte mich deshalb manchmal, was er anziehen sollte, oder ich ging durch seine Garderobe suchte etwas für ihn raus. Es war in jenen Momenten, dass er seine Unsicherheit mir gegenüber ausdrückte. Ich erinnere mich, dass ich ihm sagte, er solle seinen Mickey-Mouse- Hut ausziehen, aber er behielt ihn und sagte: “Oh, Todd, ich mag ihn, es ist mein Lieblingsstück.” Was die Leute vielleicht überrascht zu erfahren ist, dass Michael mit seinem Geld anfangs nicht verschwenderisch umging. Ich erinnere mich dass er eine Statue besonders toll fand und mich los schickte, um den Preis herauszufinden. Als ich zurückkam und ihn nannte sagte er, dass es ihm zu viel Geld sei. Ich konnte es nicht glauben, denn es war zu der Zeit als er wirklich das große Geld machte.

Wegen seiner Religion war er immer im Zwiespalt und darauf bedacht nicht alles im Übermaß zu haben, er akzeptiere auch nicht das Geburtstagsgeschenk, was ich ihm gekauft hatte, weil seine Religion Geburtstage nicht anerkannte. Ich konnte die Enttäuschung sehen, als er das Geschenk von mir abgelehnte. Du konntest auch nicht in Michaels Umgebung fluchen oder locker daherreden. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, wo ich und einer der anderen Kumpel auf Tour gingen auf der Suche nach Frauen, und als wir wieder zurückkamen fragte Michael, was wir am Abend gemacht hätten. Der andere sagte: “Wir waren fischen.“ “Fischen ?” Er brauchte eine Minute, um darauf zukommen was der Kumpel sagen wollte, aber als er endlich begriff, lachten wir und es wurde zu unserem “Running Gag”, so dass er uns jedes Mal wenn wir ihn sahen fragte: “Na Jungs, wart ihr heute wieder “fischen”? “

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Als ich ihn kennen lernte unterschätze ich ihn völlig und dachte, er ist ein „Leichtgewicht”, wie ein Kind, aber ich merkte, er ist ein scharfer Denker mit hohem Intellekt. Einige Experten glauben, dass man seinen kreativen Geist fördern kann, indem man sich mit seinem inneren Kind verbindet und kulturelle Zwänge außer Acht lässt. Man bekommt dann eine bessere Verbindung zur Kreativität, weil man entspannter ist und die Ideen kommen von selbst. Michael hatte sich nie eingeschränkt und zurückgenommen und er hatte immer diesen Erneuerungs-Prozess und bekam so neue, erfrischende Ideen.

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Ich erinnere mich, ich hatte den Auftrag ein Cover für das “Time Magazine” zu machen und Michael saß in seinem Heim-Kino, hatte seine Beine auf den Stuhl gelegt und ich bemerkte, dass er zwei verschiedenfarbige Socken trug und ich sagte: “Mike, du hast zwei verschiedene Socken an.” Das war, als “Thriller” gerade richtig loslegte und Mikes Zuversicht am größten war. Er sagte: “Ich weiß, nimm das Bild auf.” Und ich sagte: “Aber Mike, sie werden über dich reden.” Und er antwortete mit hochgezogenen Augenbrauen: “Ich weiß, Todd. Mach das Bild.” Da wußte ich, ich war in dem Moment einfach nur ein Angestellter und kein Freund. In diesem Moment verstand ich, dass Michael bereits begonnen hatte, sein überlebensgroßes Image zu schaffen. Und er hatte Recht, alle sprachen darüber.

Ich war in meinem Studio in Inglewood, umgeben von Michaels Fotos um sie für ein Buch zu bearbeiten, als meine Frau herein kam und sagte, Michael sei gestorben. Dann rief mein Sohn an und brach in Tränen aus und sagte wie sehr er ihn vermisse, er sei doch mit ihm aufgewachsen. Aber mich traf es erst so richtig, als ich sein Memorial ansah, und Magic Johnson sagte, er sei ein besserer Spieler geworden – wegen Michael. Mike entzündete etwas in dir, was dich immer inspirierte besser zu werden.

http://www1.essence.com/news_entertainment/entertainment/articles/michael_jacksons_photographer_todd_gray_shares_intimate_moments_with_the_king_of_pop#ixzz0t6IRbfWy

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Michael zeigte mir sein erst kürzlich fertiggestelltes Privattheater, komplett mit Plüschsitzen aus rotem Samt. Ich dachte, sein blauer Pullover würde das Tiefrot gut ergänzen und bat ihn, Platz zu nehmen und so zu tun, als ob er einen Film sehe. ”Welchen Film?” fragte er. Ich sagte: ”Das spielt keine Rolle. Jeder Film tut’s” Doch Michael bestand darauf: ”Todd, du musst mir schon sagen welchen Film ich schaue, wenn du eine Reaktion von mir erwartest.” “Ok, wie wäre es mit einer Charlie Chaplin Komödie?” schlug ich vor. ”Welche?” fragte Michael. ‘Es gibt so viele, weißt du.” Ich hatte einen Aussetzer, zum Glück rief mein Assistent ”Modern Times.”  Michael antwortete: ”Ok, welcher Teil?” Ungeduldig sagte ich: ”Michael, es ist eine Komödie, lach einfach!” Es war schon spät und wir alle waren müde und leicht gereizt, aber Michael hatte seinen Spaß damit. ‘Nun”, begann er, ”wenn du mich zum lachen bringen willst, musst du mir einen Witz erzählen. Aber du sagtest, ich soll so tun, als würde ich einen Film schauen. Was möchtest du denn jetzt?” Schließlich gab ich auf und machte ein lächerliches Clownsgesicht, das ihn zum lachen brachte.

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Michael war anfangs sehr schüchtern und unsicher vor der Kamera. Es brauchte zwei Jahre Zusammenarbeit, um unser Verhältnis aufzubauen. Aber als es erst einmal gefestigt war, spürte ich wie entspannt er vor der Kamera wurde, er musste nicht extra posieren, er fühlte sich so entspannt, dass er einfach er selbst sein konnte, und sicher wußte, dass ich ein gutes Foto von ihm machen würde. Er vertraute mir genug, um ganz er selbst zu sein.

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Todd Gray – Michael Jackson: Fotografien 1974 – 1983

http://www.amazon.de/Michael-Jackson-Fotografien-1974-1983/dp/3941376136

Todd Gray – Michael Jackson before he was king

http://www.amazon.de/Michael-Jackson-Before-Was-King/dp/0811875067

Auszug aus dem Buch:

Schon sehr früh fiel mir auf, wie engagiert Michael bei der Arbeit war. Er arbeitete fast immer und schien sich selten zu entspannen. Zweifellos war er harte Arbeitszeiten gewohnt und hatte so die freie Zeit der Kindheit größtenteils verpasst. Seine Fähigkeiten reichten weit über sein verblüffendes Talent als Sänger und Tänzer hinaus. Ein großer Teil der Arbeit fand im Tonstudio statt – der Erfolg der Jacksons beruhte auch auf ihrem Perfektionismus, was ihre Produkte anging -, und Michael war unbestritten der in der Gruppe, der am konzentriertesten und härtesten arbeitete. Wenn er im Regieraum an der Technik saß und mit den Toningenieuren das Mischpult bediente, gab er seinen Brüdern geflüsterte Anweisungen zu Gesangsarrangements. Er flüsterte nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil er schüchtern war und seine Ideen nicht hinausschreien wollte. Mit gerade mal zwanzig Jahren traf er Entscheidungen über die Gestaltung von Albumcovers, las Verträge, gab Interviews und nahm im Studio auf – manchmal alles an einem Tag.

Im Frühjahr 1981 begannen Michael und seine Brüder mit den Proben für die Triumph-Tour, die sie in 35 nordamerikanische Städte führte. Michael, der Perfektionist, forderte das Äußerste von sich und den anderen, so als wäre jede Probe ein richtiges Konzert. Er hielt sich nie zurück und gab bei jeder Probe alles, trainierte seinen Körper und seine Stimme. Mit einem Zerstäuber wärmte er seine Stimmbänder auf, um hinter der Bühne Tonleitern zu üben. Er ging vorsichtig mit seiner Stimme um, um sicherzustellen, dass sie jederzeit absolut einsatzbereit war und er verlässlich konstante Höchstleistungen abliefern konnte. Jeder Auftritt sollte großartig sein und jede Performance eine neue Erfahrung, was nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Risiko darstellte. Weil ihm so viel an den Auftritten lag, war Michael oft angespannt und nervös, bevor er auf die Bühne ging. Aber gerade die Hingabe und der Perfektionismus machten ihn zu einem unvergleichlichen Künstler.

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Wenn Michael Zeit zum Entspannen fand, blätterte er gerne in Bildbänden. Er nahm seine Lieblingsbücher mit auf Tour und kaufte unterwegs neue. Immer wenn wir eine Stadt verließen, war der Bus mit noch mehr Kartons beladen. Die Triumph-Tournee begann in Memphis ohne Kisten, nach ein paar Tagen in Dallas waren es zwei, dann kam Houston, und als wir in San Antonio waren, sah ich, wie ein ganzer Berg Bücherkisten eingeladen wurde. Er liebte besonders Bücher über das glamouröse Hollywood der Dreißigerjahre, ebenso reich illustrierte Kinderbücher und hochwertige, großformatige Bildbände. Michael verkroch sich meist ganz hinten im Bus, während die anderen vorne zusammenblieben. Auch ich zog die Ruhe vor und saß bei ihm, während er in ein Buch mit prachtvollen Hollywoodbildern aus den Dreißigerjahren vertieft war. Er betrachtete eine besonders eindrucksvolle Aufnahme und sagte: „Das ist zauberhaft. Solche Fotos macht heute niemand mehr.“ Er studierte die Posen, Augen, Make-up und Ausdruck – alles, was einem solchen Bild Glanz verleiht. Außerdem liebte er Bücher mit Bildern von Kindern aus aller Welt. Ich weiß noch, wie er im Bus einmal sagte: „Alle Kinder sind schön. Es spielt keine Rolle, woher sie kommen, sie sind alle so schön. Ich wünschte, ich könnte ein Buch über die Kinder der Welt schreiben. Ich möchte sämtliche Länder bereisen und zeigen, dass alle Menschen auf Erden schön sind. Ich will nach Indien fahren und die Armut und das Elend der Kinder dort dokumentieren, und vielleicht könnte ich helfen, ihre Lage zu verbessern. Oder Afrika, wo es so viel Hunger und Krankheiten gibt. Todd, würdest du das mit mir machen wollen?“ Ich war sprachlos, weil ich mich fragte, wie Michael je Zeit dafür finden wollte – und, weil er mich als Fotograf dafür haben wollte. Ja, sagte ich, ich wünschte, wir könnten eines Tages ein solches Projekt zusammen machen. Ich empfahl ihm die Bilder von Lewis Hine, dem einflussreichen Fotojournalisten, dessen Werk dazu beitrug, dass im frühen 20. Jahrhundert Gesetze gegen Kinderarbeit eingeführt wurden. Als er Hines Aufnahmen gesehen hatte, sagte er, das sei die Art Bilder, die ich machen sollte. „Sie sind so traurig und bewegend. Sie rühren mich zu Tränen.“ Immer mal wieder kam Michael auf die Idee unseres Buchs über die Kinder der Welt zurück, aber irgendwann war die Sache vom Tisch; ein unerfüllter Wunsch, der sich jedoch ein paar Jahre später in anderer Form in „We Are The World“ wiederfand, das dank Michaels Ko-Autorschaft und Mitwirkung Millionen für die Wohltätigkeitsorganisation USA for Africa einspielte. Es war eine typische Michael-Geste – großzügig, kreativ, bahnbrechend.

Ich begleitete Michael oft zu Konzerten, Benefizveranstaltungen und Preisverleihungen, und er liebte es, sich mit anderen Berühmtheiten fotografieren zu lassen. In Gegenwart anderer Stars war er so aufgeregt wie jeder normale Fan. Nervös fragte er mich: „Glaubst du, Soundso macht ein Bild mit mir?“ Ich lachte im Stillen und antwortete: „Michael, du bist ein viel größerer Star als Soundso … Sicherlich möchte er oder sie sich mit dir fotografieren lassen.“

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Michael war ein einzigartiger Mensch. Obwohl ich manchmal dachte, ich hätte ihn durchschaut, ist mir das nie wirklich gelungen. Heute ist mir klar, dass er etwas Ungreifbares, Unerreichbares an sich hatte. Ich weiß jetzt, dass in ihm immer das Kind verborgen blieb, das ahnte, dass das Geheimnis seiner Kreativität darin lag, seine jugendliche, liebevolle Unschuld zu bewahren. Ich hatte das Glück, viel Zeit mit ihm verbracht zu haben, und in der Zeit, als ich mit Michael und seiner Familie arbeitete, wurde ich immer mit Wärme und Güte behandelt. Ich danke Michael dafür, dass er mich mit einem Arbeitsethos vertraut gemacht hat, an dem ich bis heute festhalte. Wann immer ich müde bin und keine Lust habe, Höchstleistungen zu erbringen, frage ich mich: „Würde MJ Kompromisse schließen? Würde MJ minderwertige Arbeit abliefern?“ Die Antwort ist selbstverständlich: Nein. Dieses Wissen motiviert mich, immer weiterzumachen und mein Bestes zu geben.

Meine Fotografien von Michael zeigen ihn als den einnehmenden, bezaubernden, jugendlichen Menschen, der er war, ehe die Begleiterscheinungen seines außergewöhnlichen Ruhmes ihre Wirkung zeigten. Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir klar, dass das die schönste Zeit war, die Zeit, bevor er der „King of Pop“ wurde.

Dave Dave (David Rothenburg) – Erinnerungen an Michael

Dave Dave wurde 1983 von seinem Vater mit Benzin übergossen und erlitt schwerste Verbrennungen. Er freundete sich 1983 mit Michael an, der ihn über viele Jahre unterstützte. In einem Interview von 2009 berichtet Dave Dave über seine Freundschaft mit Michael.

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Tom Mesereau über Dave Dave:

“Auf seiner Beerdigung war Dave Dave (David Rothenburg) Michael hatte sich um ihn gekümmert und er (Dave Dave) redete auf der Trauerfeier darüber, welch eine liebenswürdige, ehrbare, großzügige Person Michael Jackson war. Ich habe mitbekommen, dass überall in der Welt solche Kinder waren für die er das tat. Benachteiligte und kranke Kinder. Michael hat Checks geschrieben, aber niemand hat darüber berichtet. Er hat es nicht getan, um damit bekannt zu werden, er hat es getan, weil es von seinem Herzen kam.”

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David: “Er hatte von mir gehört, mich kontaktiert und wollte mich treffen. Ich war gerade 7 Jahre alt damals. Es ging auf und ab mit meinen Operationen. Er befreundete sich mit mir und nahm mich in sein Leben auf. Er öffnete seine Arme und akzeptierte mich als guten Freund. Und über die Jahre ließ er mich nie fallen. Der Besuch von ihm in seinem Haus in Encino war noch sehr improvisiert und wurde von meiner Mutter geheimgehalten. Ich war immer ein Bewunderer von ihm – nicht wirklich ein Fan – aber ich liebte seine Musik. Eines Tages überraschte mich meine Mutter und brachte mich nach Neverland, ich ging in die Arcaden und da war überall diese Musik von Paul McCartney, “This girl is mine” und alles mögliche andere. Ich setzte mich hin und mein Lieblings Video- Spiel damals war “Pole-Position”, ich spielet also “Pole-Position” und dann tippte mich jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und da war Michael und in dem Moment wurde ich auch schon umarmt, und diese Umarmung endete nie, durch unsere ganze Freundschaft hindurch.  Ich glaube, dass die Leute nicht realisieren, dass Michael auch nur ein Mensch war. Über die Jahre wurde er von den Medien stigmatisiert und das war weder gut für ihn, noch für sein Umfeld. Ich glaube Michael war eine großartige Person, er hat niemals eine Seele verletzt und ich bin froh, dass ich all die Jahre sein Freund sein durfte. Ich war ein treuer Freund. Michael war immer für mich da, immer, wenn ich jemanden zum Reden brauchte. Michael unterstütze mich emotional sehr, er öffnete Neverland für mich, als ein Mittel zu Ablenkung. Eigentlich könnte man sagen, er war für mich eher der Vater, den ich nie hatte, als ein Freund.”

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Miko Brando: „Er liebte Dave von dem Tag an, wo er ihn kennenlernte. Sie wurden Freunde und Michael half ihm über all die Jahre. So ein Mensch war Michael…“

Hier das Interview im Original (LarryKing Live):

https://www.youtube.com/watch?v=En5Q4syywcw

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Noch eine Geschichte über Dave Dave und Michael:
Eines Tages rief Michael an und sagte: „Hast du Zeit, mit deiner Familie zum Essen zu kommen? Ich habe einen Freund zu Besuch, den ihr kennenlernen sollt.“ Ich wusste, dass es interessant sein würde, wenn er so etwas sagte, und man wäre hinterher froh, die Einladung angenommen zu haben. Ich sagte ihm, wir würden sehr gerne kommen. Er sagte: „ Ich muss dich zuerst noch etwas fragen. Denkst du, deine Kinder würde es verstören, jemanden zu treffen, der von einem Unfall verunstaltet ist?“ Ich sagte ihm: „Michael, ich kann dir versichern, meine Kinder werden diesen Mensch so behandeln, als hätte er keine Deformationen. Ich habe ihnen schon sehr früh beigebracht, nie etwas Verletzendes zu irgendwem zu sagen. Besonders nicht, wenn es Dinge betrifft, für die man nichts kann. Ich werde ihnen aber davon erzählen, bevor wir zu dir kommen.“ Michael sagte: „Gut, dann freue ich mich, wenn ihr zum Dinner kommt und David Rothenberg kennenlernt.“

Zu dem Zeitpunkt waren wir schon so oft auf der Ranch, dass man uns für gewöhnlich durchwinkte, und nicht mehr zum Anmelden anhielt. Auch dieser Besuch war nicht anders und nach unserer Ankunft parkten wir vor dem Haus. Obwohl ich es Michael schon oft gesagt hatte, dass es nicht nötig wäre, dass die Köche und das Hauspersonal sich immer vor dem Eingang aufstellten, standen sie auch jetzt wieder dort, um uns willkommen zu heißen. Michael bestand auf dieses Protokoll. Ich sagte zu ihm: „Ich kenne doch längst jeden beim Namen, weil ich schon so oft hier war. Ich fühle mich schuldig, dass sie ihre Arbeit unterbrechen müssen, um hier zu unserer Begrüßung zu stehen.“ Michael antwortete: „Du musst dir keine Gedanken machen. Es ist eine der Tätigkeiten, für die ich sie bezahle.“

Dieses Haus zu betreten war immer besonders. Es war ein liebevoller Anschlag auf alle Sinne. Wir gingen nach links, durch das Esszimmer. Am anderen Ende davon war ein großer Kamin, dem gegenüber sich die große Theke der Küche befand.  An diesem Abend saßen die Gäste rechts vom Kamin. Michael sah uns an und sagte: „Das ist David Rothenberg.“ Und dann stellte er uns gegenseitig vor. Die Kinder liefen herum, um im Haus zu spielen und ich, Chriss, Michael und David blieben am Tisch sitzen und unterhielten uns. Ich glaube, es gibt Bilder von David, für diejenigen, die sehen möchten, wie er aussieht, aber es genügt, wenn ich sage, dass er irgendwann in seinem Leben Verbrennungen erlitten hat.  Ich erinnere mich daran, dass er am Hinterkopf lange Haare hatte, und dass ein Mädchen, eine Cousine von Michael, damit beschäftigt war, die Haare zu einem Zopf zu flechten, während David uns von seinem Tag auf der Ranch erzählte. Als wir dann alle beim Essen waren, wandte Michael sich an ihn und fragte: „David, hast du heute etwas gemalt?“ David antwortete: „Ja, ich hab heute mein allerbestes Werk erschaffen.“ Michael sagte: „ Gut. Ich möchte, dass du jeden Tag, den du hier bist, malst. Ich möchte, dass du dich selbst ausdrückst.“ David versicherte ihm, dass er das tun würde.

Später am Abend ging ich mit Michael zum See, wo eine Staffelei aufgebaut war, und er zeigte mir ein paar von Davids Gemälden. Es waren einfache Figuren darauf, und V-förmige Vögel. Michael sagte zu mir: „Es macht nichts, wenn er kein großartiger Maler wird. Ich denke, es ist einfach wichtig für ihn, das zu tun, während er hier ist. Ich möchte, dass er beschäftigt ist.“ Ich fragte Michael: „Wie hast du David kennengelernt?“ Michael sagte: „Als er noch sehr jung war, hat ihn sein Vater mit Benzin übergossen und angezündet. Die Gründe spielen keine Rolle mehr. Und es gibt eigentlich auch keine. Jedenfalls hat er es überlebt, und ich habe all die Jahre auf ihn geachtet. Vor kurzem las ich in der Zeitung, David Rothenburg hätte versucht Selbstmord zu begehen. Er war verzweifelt darüber, dass er keinen Job bekam. Ich habe ihn herholen lassen. Einer meiner Fahrer hat ihn zur Ranch gebracht. Als er hier war, sagte ich ihm, dass ich gehört hatte, was passiert war. David sagte, es sei wahr und dass er wirklich niedergeschlagen sei, weil niemand jemand einstelle, der so aussähe, wie er. Ich sah ihn an und sagte ‚Ich würde dich einstellen. Ich möchte, dass du für mich arbeitest. Würdest du das tun?‘ David sagte, ja, das würde er. Also habe ich ihm Arbeit gegeben.“

Ich fragte Michael, ob er wirklich einen Job für ihn hatte. Er sagte: „Nein, aber ich habe einen erfunden.“ Ich fragte, was es sei, was er ihm zu tun gab. Er antwortete: „Ich gebe ihm Briefe oder Pakete und er muss sie in andere Städte transportieren, und ich sage ihm, es sei wichtig, dass sie dahinkommen. Ich habe ihn z.B. nach Los Angeles geschickt, oder nach San Diego. Ich habe ihm ein Auto gegeben, damit er überall hin kann. Er hat  vergessen, dass er für etwas gebraucht wird, und ich wollte ihm dieses Gefühl, gebraucht zu werden, zurückgeben.

Ich habe David danach nie wieder gesehen und ich habe Michael auch nicht gefragt, was aus ihm geworden ist. Ich erinnere mich an alte Geschichten aus den Nachrichten, dass David 1983, als er 6 Jahre alt war, und sein Vater im Scheidungsstreit mit seiner Mutter war, von seinem Vater angezündet wurde und dass über 90% seines Körpers verbrannt waren.

Es gibt ein Video auf YT, in dem David, der sich jetzt Dave Dave nennt (was sich anhört, wie ein Name, den Michael ihm gegeben haben könnte) mit Larry King spricht, kurz vor Michaels Beerdigung 2009. Er spricht über Michaels Freundlichkeit ihm gegenüber, die, wie David sagt, begann, als er 7 Jahre alt war, und die seine Mutter immer geheim gehalten hatte. Dave erzählte King, dass Michael ihm Neverland geöffnet hatte und ihn emotional unterstütze und zu ihm wie ein Vater war, den er nie hatte.

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Aus: Private Conversations in Neverland with Michael Jackson – Dr.William B. van Valin

http://www.amazon.de/Private-Conversations-Neverland-Michael-Jackson/dp/1481079727

Robert Hilburn erinnert sich an Michael Jackson

Als ich von Michaels Tod hörte, dachte ich daran, als ich zum letzten Mal mit ihm gesprochen hatte. Ich werde immer bedauern, dass mein letztes Gespräch mit Michael Jackson damit endete, dass er verärgert den Telefonhörer auflegte – zumindest dachte ich lange Zeit, Michaels Stimmung an diesem Tag sei zornig gewesen. Heute – je mehr ich über die Traurigkeit in seinem Leben nachdenke – begreife ich, dass er an dem Tag am Telefon eher verletzt war.

> The Jackson 5

Ich war bei der LA Times von 1970 – 2005 als Popmusik-Kritiker, aber meine Zeit mit Michael geht noch weiter zurück.  Er war bei den Jackson 5, der heißesten jungen Popband Amerikas. Ich war Freelancer bei der Times und ich sollte eine Story über sie bringen. Ich war garnicht so sehr an dieser Musik interessiert eher an Dylan und solchen Leuten, aber ich dachte, es könnte eine interessante kleine Story werden. Ich ging zu ihnen nach Hause, ungefähr abends um 20.00 Uhr. Man öffnete mir die Tür, seine älteren Brüder waren da und warteten auf unser Gespräch. Ich bemerkte, dass Michael nicht da war.  Und – ich glaube es war seine Mutter – die sagte: „Ich gehe und hole Michael, er guckt bestimmt wieder Cartoons.“ Und dann kam sie mit ihm zurück – er war einfach so niedlich, und man konnte erkennen, dass das letzte, was er an einem Abend um 20.00 tun wollte, war, sich mit mir zu unterhalten. Er sagte nicht viel, aber er musste im Zimmer bleiben. Die anderen Jungs sprachen von ihren Erfahrungen, von Gary Indiana, von Motown und all das. Schließlich, etwa um 20.45 Uhr, war das Interview zu Ende und ich wollte jedem der Gruppe noch die Hand schütteln. Und Michael rannte vor alle anderen, um mir zuerst die Hand zu geben und sagte: „Jetzt kann ich meine Cartoons weiter ansehen.“ Und sein Vater antwortete: „Ok, Michael, aber nur eine halbe Stunde.“  Er musste ja am nächsten Tag zur Schule. Er war einfach niedlich, er war so niedlich auf der Bühne und ein großartiger kleiner Sänger, ein großartiger Tänzer. Aber es gab in der Historie nur wenige Kinderstars, die auch noch als Erwachsene Stars waren – so dass ich zu dieser Zeit nie daran dachte, dass es für die Jackson 5 noch irgend ein „Leben danach“ geben könnte. Und es war auch tatsächlich so, dass die Gruppe für einen Großteil der 1970er Jahre verschwand. Ich denke, das hatte tiefe Auswirkungen auf Michael – er wurde von der ganzen Welt geliebt und dann mehr oder weniger zurückgewiesen. Und diese Ablehnung war noch viel tiefer, als ich ursprünglich dachte.

young michael jackson

 

> Motown verlassen

Keiner hätte 1974 je gedacht, dass Michael Jackson einmal der Künstler mit den meistverkauften Platten sein würde. Man hätte Wetten von 1  : 1.000.000 dagegen abschließen können. Keiner machte sich große Gedanken über Michael Jackson. Dann explodierte er, mit Off The Wall. Doch vorher mussten sie noch Motown verlassen. Motown wollte Musik produzieren, Motown wollte Musik kontrollieren, dann (solange) warst du gut. Michael wusste, dass er von Motown weg müsste und mit anderen Leuten zusammen arbeiten müsste. Er war wirklich ein cleverer (taffer) junger Mann, als er Motown verließ. Er traf Quincy Jones,  sie machten Off The Wall, es war ein riesiger Erfolg – 1981 gingen die Jacksons wieder auf Tour –und das war auch der Punkt, an dem ich wieder in ihr Leben trat. Ich flog nach St. Louis und fuhr mit ihnen im Tourbus nach Detroit. Die anderen Brüder waren so fröhlich – genau wie es 1970 in ihrem Haus war – sie sprachen über ihr Leben, aber Michael war nicht dabei.  Dieses Mal guckte er zwar keine Cartoons, sondern er saß hinten im Bus und war irgendwie nervös, ängstlich, verschüchtert…und ganz am Ende meines Interviews ging ich dann im Bus nach hinten und sprach auch mit ihm. Er war so anders als dieser 11 Jährige – jetzt war er 23 – er hatte sich so verändert. Wir alle verändern uns – aber es war so auffällig, dieser niedliche, glückliche Junge war so zurückgezogen/zurückhaltend, er sah beim Sprechen auf den Boden… Ich fragte ihn, warum er jetzt nicht in einer eigenen Wohnung lebe: „Du bist ein großer Star, warum wohnst du immer noch bei deinen Eltern“? Und er sagte etwas, an das ich mich immer erinnere:  „Oh nein, ich glaube, dann würde ich sterben. Ich wäre so einsam. Sogar zuhause bin ich einsam. Ich sitze in meinem Zimmer, und manchmal weine ich. Es ist so schwer, Freunde zu finden, und mit deiner Familie kannst du nicht immer über alles sprechen. Manchmal laufe ich nachts draußen herum, nur in der Hoffnung, jemanden um reden zu finden. Aber schließlich gehe ich einfach wieder nach Hause.“

Das sagte er – ich verstand seine Einsamkeit nicht ganz – aber es war deutlich, dass er mit dieser Sache sehr zu kämpfen hatte.

> Der Moonwalk

Auch wenn ich Michael nach diesem Interview 3 oder 4 Jahre lang nicht getroffen hatte,  war ich auf vielen Events in dieser Zeit, die sicher zu den stolzesten Tagen in seinem Leben gehörten. Vor allem das Motown 25 Special, wo Michael auf die Bühne kam und zum ersten Mal den Moonwalk zeigte. Ich saß unter den Zuschauern, und jedem blieb einfach vor Staunen die Luft weg. Ich wusste nicht, ob es ein Trick war, ich schrieb meine Notizen – aber ich wusste nicht, wie ich den Moonwalk beschreiben könnte, ich hatte keine Vorstellung davon, was das war – es war einfach magisch. Das war auch Michaels Lieblingsausdruck „magisch“. Er wollte, dass alles magisch sein sollte. Ich rief also am nächsten Tag seinen Manager an und fragte ihn: „War es ein Fließband oder irgendetwas anderes auf dieser Bühne, was sich bewegte? Was war das?“ Er sagte: „Nein, das war ganz alleine er, der sich so bewegte.“ Ich konnte es nicht wirklich glauben und dachte es wäre ein Trick gewesen, aber ich schrieb darüber einen Artikel in der Zeitung.

> Der Thriller –Moment

In der Nacht, in der er die 8 Grammys gewann war ich auch im Publikum. Es war ein klarer Triumph, er hatte seine Unabhängigkeit von Motown deutlich bewiesen, er war am Gipfel der Welt. Aber an was ich mich am besten erinnere , das faszinierendste – als ich mit ihm am Abend nach der Grammy-Verleihung sprach – also, die meisten Leute würden sich doch ein paar Tage Auszeit nehmen, etwas relaxen…aber er war schon wieder im Studio und arbeitete an einer weiteren Platte – in genau der Nacht – ist das nicht erstaunlich? Das war diese Hingabe – er war so engagiert/ehrgeizig, wirklich ein Perfektionist. Er beschwerte sich oft darüber, dass die Leute um ihn herum nicht hart genug arbeiteten. Er war manchmal frustriert deswegen.

 8 grammys michael Jackson

Der Buch-Deal

Er liebte es, mit berühmten Leuten in Verbindung zu sein, er bekam dadurch das Gefühl, ein noch größerer Star zu sein. Und mit je mehr Leuten er Kontakt hatte, desto faszinierender wäre auch er für die Öffentlichkeit, denn er war immer daran interessiert, seinen Stardome auszubauen, er wollte der größte Star sein.

Die nächste Begegnung mit Michael war, als ich mit ihm auf der Victory Tour war, ich war mehrere Wochenenden mit ihm unterwegs. Das entstand dadurch, dass er einen Vertrag mit Doubleday unterzeichnet hatte, um seine Autobiografie zu schreiben. Und der Grund, warum er das unterzeichnet hatte war, dass Jacqueline Kennedy Onassis dort Redakteurin war, was ihn beeindruckte. Aber er wollte eigentlich nicht wirklich eine Autobiografie schreiben. Ich war mit ihm unterwegs und fand heraus, dass er eigentlich einen Bildband machen wollte, er wollte viele Bilder zusammenstellen mit kurzen Texten dazu. Sie wollte ein Buch, was alles enthüllt, aber Michael dachte, dass, je weniger du über einen Mensch weißt, über einen Star, desto faszinierter ist man von ihm. Er sagte zu mir: „Elvis gab keine Interviews, Howard (?) gab keine Interviews…“ das war sein Konzept, er sah sich an, was die größten Stars getan hatten und studierte deren Leben. Wir verbrachten mehrere Wochenenden mit diesem Buch und die Frustration wurde immer grösser – er suchte die Bilder zusammen und er war so sehr dagegen irgendetwas über sich selbst preiszugeben. Ich erinnere mich daran, dass wir ein Bild heraussuchten, von einem älteren Mann, und ich fragte Michael, wer das sei. „Oh, das ist mein Großvater.“ Und ich fragte, was man dann zu dem Bild schreiben könne. „Mochtest du deinen Großvater?“  „Oh, ja, ich liebte ihn!“ „Ok, dann schreiben wir das dazu..“ „Oh nein, das ist viel zu persönlich…“ Es war wirklich sehr schwer. Letztlich kam es zum Showdown. Jacqueline Kennedy Onassis kam nach Los Angeles, in sein Haus und diskutierte mit uns das Buch, weil es nicht richtig voranging. Aber er war zu nervös, er hatte Angst, er mochte solche Gespräche nicht. Er sagte „Robert, sprich du mit ihr“ und er verschwand noch oben und blieb in seinem Schlafzimmer. Ich sprach dann mit ihr und sie sagte man müsse sich Gedanken über verschiedene Wege für dieses Buch machen. Letztlich – nachdem sie abgereist war – bekam ich einen Anruf von Michaels Anwalt und ich war dann nicht mehr an dem Buch beteiligt, sie hatten sich für einen anderen Weg entschieden, ich denke Doubleday übernahm die Regie bei dem Buch, anstatt dass er das selbst tat.

> Eine Lektion über Ablehnung

Etwas auf das er sich immer wieder bezog war diese Ablehnung/Zurückweisung in diesen Jahren Mitte der 70er, als die Jackson 5 nicht mehr populär waren.  Er war zu der Zeit 16 oder 17 Jahre alt. Einmal hatten wir ein Bild von ihm in dem Alter herausgesucht, und er hatte Akne – es war ein privates Foto, wo nichts abgedeckt war. Er dachte, seine Nase sei zu groß und er sagte „Sieh dir das an, es ist hässlich.“ Er drehte das Bild um. Er schreckte fast davor zurück. Ich sprach mit ihm darüber und er sagte, dass es manchmal so schlimm war, dass Leute zu ihnen kamen, nach Michael Ausschau hielten, mit ihm sprachen, ihn ansahen und fragten „wo ist Michael?“ Und er bekam das Gefühl, dass sie den niedlichen, kleinen Michael suchten, und nicht wahr haben wollten, dass er älter geworden war. „Wer bist du? Du bist nicht „unser“ Michael. Du hast uns „unseren“ Michael weggenommen.“ Das war sehr verstörend und verletzend für ihn, und ich glaube, dass auch das für ihn ein Grund dafür war, der größte Star zu werden, so einzigartig, und  geschützt durch den Ruhm, so dass keiner ihn mehr zurückweisen könnte.

Michael ca 1975

> Auf dem Weg zu Nr. 1

Während dieser Zeit auf der Tour, sprachen wir über Thriller und den Erfolg davon. Und er sagte: „Robert, weißt du, von dem nächsten Album werde ich doppelt so viele verkaufen, wie von Thriller.“ Ich dachte, er macht nur Spaß, aber es war ihm sehr ernst damit. Und ich denke letztlich war dieser Drang, die Nr. 1 sein zu müssen, diese Bedeutung der Charts, die fast noch wichtiger als die Qualität der Musik war, das was ihn verletzte, weil die Musik deshalb etwas von ihrer Seele verlor, sie musste kalkulierbarer sein, er musste Dinge einbringen, die so waren, dass es im Radio gespielt werden würde. Michaels Unschuld ging bei dem Prozess verloren und das war eigentlich der Anfang davon, dass es bergab ging. Es war wieder so, dass er befürchtete, sein Ruhm könne verblassen und er wurde verzweifelt über diesen Aspekt seines Lebens.

> Die Comeback-Tour

Ich dachte nicht, dass er noch einmal auf Tour gehen würde. Ich dachte nicht, dass er noch einmal eine gute Platte machen würde. Deshalb war ich sehr überrascht über diese Shows in London, und noch mehr überraschte mich, dass es 50 Termine waren. Ich wusste nicht wie er körperlich und emotional 50 Shows überstehen sollte, wenn etwas schief gehen würde. Ich bin sicher, es gab ihm Auftrieb, zu hören, dass er 50 Shows ausverkauft hatte, er sah, dass die Menschen ihn immer noch liebten – aber trotzdem musste er jeden Tag während dieser Tour-Vorbereitungen auch daran denken „Was ist wenn es nicht funktioniert? Was ist, wenn ich nicht mehr so magisch bin, wie ich einmal war? Mit 50 bin ich nicht die gleiche Person, die ich mit 25 war.“ Ich denke, das muss eine schlimme Vorstellung in seinen Gedanken gewesen sein, das Comeback zu wollen und darüber nachzudenken, was ist, wenn es nicht funktionieren wird. Es wird dann nie wieder ein Comeback geben. Es stand alles am Spiel, dort in London. Und er kam dann nicht mal bis zu diesem „Spiel“.

This Is It

> Erwachsen und doch wie ein Kind

Er fühlte sich ganz sicher wohler, wenn er mit Kindern zusammen war, als mit den meisten Erwachsenen. Nach einem der Konzerte der Victory Tour in Los Angeles, gab es eine große Party in einem der großen Hotels. Es kamen viele berühmte Gäste, Brooke Shields z.B. Aber er verbrachte den ganzen Abend in seinem Schlafzimmer und spielte mit den Kindern dieser Stars, er kam nie raus  – Brooke Shields wartete die ganze Zeit und ging schließlich. Es war diese Unschuld, die er spürte, wenn er mit Kindern zusammen war. Sie urteilten nicht über ihn, sie wiesen ihn nicht zurück, er musste sich bei ihnen keine Sorgen machen.  Er war sehr smart, taff, wenn es ums Verhandeln ging, wenn es darum ging, zu entscheiden, was gut für seine Kariere war. Er war nicht diese unschuldige Person, die keine Entscheidungen treffen konnte. Gewisse Entscheidungen konnte er treffen. Aber gesellschaftliche Verbindungen zu Erwachsenen, besonders in dieser Zeit, in den 80ern, waren sehr schwer für ihn.

> Angespanntes Verhältnis zu einem Beatle

Paul hat sich sehr aufgeregt, dass Michael den Beatles Katalog kaufte. Denn Paul machte ihn mit den finanziellen Vorteilen des Besitzes von Songrechten vertraut. Als Michael dann diese Songs von McCartney kaufte, war Paul sehr verstimmt. Aber für Michael war es eine großartige geschäftliche Investition, und es war ein Stück Geschichte, denn die Beatles waren die größte Band, die es je gab. Und wenn er das besitzen könnte – mein Gott – er war wirklich ein Geschäftsmann und es war ein großartiger Kauf, ein riesiger Wert, denn dieser Katalog ist jetzt vielleicht. eine Billion $ wert. Und er kaufte ihn für 47Mio.$. Ich war dort im Haus, weil ich eine Story darüber machte, darüber, wie das alles zustande kam, und er war einfach so glücklich darüber. Das kam im Zuge der Victory Tour, im Zuge des Thriller Albums, er war einfach begeistert. So sollte sein Leben sein.  Aber leider war es einige Zeit danach nie mehr so wie damals, ich bezweifle zumindest, dass es je nochmal so war.

> Ich habe mir nicht ausgesucht, zu singen und zu tanzen

Wenn es eine Zeit gab, wo du garantieren konntest, dass Michael glücklich war, war es, wenn er auf der Bühne war. Das war sein Heiligtum. Keiner konnte dorthin vordringen. Er wollte nicht von Leuten angestarrt werden, wenn er nicht auf der Bühne war. Er hatte dann nicht dieses Make up, nicht den Handschuh, nicht seine Kostüme – er wollte immer magisch sein und ohne all diese Dinge konnte er nicht magisch sein. Wenn er einfach die Straße entlang geht, ist er nicht die gleiche Person (wie auf der Bühne). Deshalb lebte er eher zurückgezogen.  Ich befragte ihn einmal über die Bühne und er sagte zu mir – es war 1981 im Bus nach Detroit – er sagte: „ Mein wirkliches  Ziel ist es, Gottes Bestimmung zu erfüllen. Ich habe mir nicht ausgesucht, zu singen oder zu tanzen, aber das ist meine Bestimmung und ich möchte sie besser erfüllen, wie jeder andere. Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten Mal im Kindergarten sang. Ich sang Climb Every Mountain. Und alle waren so begeistert darüber. Es ist wunderschön bei diesen Shows, dass die Menschen zusammenkommen, es ist unsere eigene kleine Welt, für die eineinhalb Stunden, in denen wir versuchen zu vermitteln, dass es Hoffnung und das Gute gibt. Erst wenn du wieder aus dem Gebäude kommst, siehst du wieder all das Verrückte um dich herum.“

Und das traurige für Michael war, dass für ihn diese  eineinhalb Stunden auf der Bühne nicht ausreichend waren.

Michael Jackson on stage

 

> Das letzte Telefongespräch mit Michael

Ich hatte einen Artikel über eine Abstimmung der Plattenindustrie geschrieben, sie sollten die 30 einflussreichsten Personen im Musik Business nennen, die populärtsten Personen. Michaels Name wurde dort nicht genannt. Also, er wurde schon genannt, aber nicht in positivem Zusammenhang. Sie sagten, dass seine Karriere seit 1995 vorbei sei. Sie sagten Dinge wie, dass es zu viel Hype gab und die Leute das Vertrauen in ihn verloren hätten. Die Plattenindustrie, die Käufer hätten das Vertrauen in ihn verloren. Ich druckte diese Wort in der Zeitung ab und Michael rief mich am nächsten Tag an – ich denke jetzt, dass er dadurch verletzt war – denn er war ein sehr empfindsamer junger Mann – ich denke immer noch an ihn, als junger Mann –  Er sagte: „Warum schreibst du solche Sachen in die Zeitung, warum schreibst du diese Lügen in die Zeitung?“ Und ich sagte: „Michael, ich glaube, einige von diesen Dingen, die dort gesagt wurden, sind die Wahrheit. Es könnte für dich wichtiger sein, eine großartige Platte zu machen, als eine die Nr.1 ist, weil du dann wieder mehr Herz/Seele in deine Musik legen kannst, weil du davon etwas verloren hattest.“ Er antwortete: „Nein, Robert, das tut weh, das verletzt mich.“  Ich versuchte ihm noch mehr dazu zu sagen, ich wollte ihm aufmunternde Worte sagen, weil ich mich dabei unwohl fühlte erreicht zu haben, dass er sich schlecht fühlte, aber ich konnte nur noch einen halben Satz sagen, da legte er auf. Und das war das letzte Mal, dass ich etwas von ihm hörte.

> Die liebevollste Erinnerung an Michael

Das, an was ich mich am liebsten bei Michael erinnere ist, dass er während der Victory -Tour, trotz all der Hektik und dem vollen Terminplan noch Zeit fand, um Kinder in Krankenhäusern zu besuchen, manchmal auch Nachts. Und er ging in die Zimmer mit den Kindern die unheilbare Krankheiten hatten und er versuchte mit ihnen zu sprechen und sie aufzumuntern. Es gab dort eine so liebevolle Begebenheit, und ich erinnere mich, dass sein Manager Frank DiLeo, der als harter Geschäftsmann bekannt ist, das Zimmer verlassen musste, weil er anfing zu weinen. Ich verstand sehr  gut, warum ihm die Tränen kamen.  Aber Michael blieb dort und sprach mit diesen Kindern für viele Minuten und das war für mich der Zeitpunkt wo ich dachte, dass er der stärkste Mensch ist – das war magisch.

Michael visits hospital

>  Von Michaels Tod erfahren

Ich hatte den Tag mit anderen Dingen verbracht und ich wollte nicht Radio hören weil an dem Abend eine NBA Entscheidung fiel – ich hörte deshalb an dem Tag kein Radio, bis meine Frau kam und mir sagte, dass Radiostationen und Zeitungen versuchten, mich zu erreichen. Ich fragte warum. Und sie sagten zu mir: „Hast du nicht gehört, wer gestorben ist?“

Ich stelle mir immer die Augenblicke vor, wo er in den Krankenhäusern war,  oder den Augenblick, als man ihm sagte, dass sein Ticketverkauf so gut läuft…die Zeiten… wo er mit dieser Unschuld verbunden war, die Unschuld des jungen Mannes, den ich 1970 kennengelernt hatte, als dieser Teil von ihm am deutlichsten zu erkennen war. Und ich wünsche nur, dass es in seinem Leben viele Tage und Wochen gab, wo er diese Freude empfinden konnte.

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Übersetzung: MvdL

Michael und die Familie Agajanian – ein Interview mit J.C. Agajanian

J.C. Agajanian, Mitglied der berühmten Agajanian-Rennfahrer Familie – gibt in einem Interview in der “Hounted Saloon Radio Show” 2009 Auskunft über die Freundschaft seiner Familie mit Michael.

(J.C. Agajanian Jr., member of famous racing Agajanian family – on the Haunted Saloon radio show, 7/2009)

Übersetzt nach einem Script des Audios:

http://vindicatemj.wordpress.com/2011/08/29/jc-agajanians-stunning-interview-about-michael-jackson-he-will-never-be-replaced/

Teil 1 (kein Audio vorhanden)

J.C.Agajanian: Ich sage dir, was wir wirklich verloren haben. Ich glaube, die Welt hat ein sehr, sehr besonderes Talent verloren. Und ich denke, das sollte uns immer bewusst sein, wenn wir jetzt all die Spekulationen und den Klatsch und all das, was da kommt, hören werden. Was wirklich zählt ist, dass wir jemanden verloren haben, der nie mehr zu ersetzen ist.

Wir verbrachten 2 Wochen dort auf der Neverland Ranch mit Michael. Es war etwas ganz besonderes, und ich muss kurz die Hintergrundgeschichte dazu erklären: Es kam zustande durch einen alten Freund, aus den Ascot Tagen, Sandy Seamen, der bei LA Gear arbeitete, die Firma, die mit Michael zusammen arbeitete – so kam ich in Kontakt mit Michael. Es war so, dass meine 3 Kinder J.C., David und Amy, für LA Gear einen Werbespot drehten und sie waren am Set, als Michael seinen Spot drehte.  Michael verstand sich gut mit den Kids, und es waren viele Kinder dort am Set, als Michael den Werbespot drehte. LA Gear macht natürlich Schuhe für Kinder und Erwachsene, deshalb war es eine ganz normale Zusammenstellung. Michael war dort…und meine Frau Francie war auch mit dort, ich arbeitete an dem Abend, und sie arbeiteten auch – so könnte man das sagen. Irgendwann sagte Michael, wir müssten raus zu ihm nach Neverland kommen.

Es war eine Ranch, wunderschön und…er hatte Pferde dort…und er mochte wirklich Pferde, das ist vlt. ewas, was die, die jetzt hier zuhören garnicht über Michael wissen…er mochte (wilde) Tiere, er liebte all die exotischen Tiere, die er dort hatte. Es liefen Wildpferde dort herum, er hatte Giraffen, und als ich da war, wurde eine kleine Giraffe geboren.

Michael with Horse

Also, wir wurden nach Neverland eingeladen, und ich dachte zuerst, er sagt das nur aus Höflichkeit, aber wir verbrachten wirklich eine ganze Zeit dort, und er wollte uns Eltern dort haben, und natürlich genoss er es auch, die Kinder dort zu haben. Ja, natürlich – sobald ich das sage, sehe ich, wie hier Augenbrauen hochgezogen werden, aber es war alles andere als das. Und ich muss euch sagen, seine Ehrlichkeit in diesem Interview ist, (Anmerkung – er meint das Bashir Interview) was ihm Ärger einbrachte. Und er sagte einfach nur, was von seinem Herzen kam. Er sagte, was er wirklich fühlte und die Erwachsenen zogen die Augenbrauen hoch und verdrehten alles, und gaben dem Gesagten eine Bedeutung, die nicht seine Absicht war.

Also, dieser Ort war schlicht bewundernswert, es war wie DisneyLand, es waren 2500 acres, und vieles davon gepflegt. Es war einfach ein Ort zum Spaß haben. Er war ein sehr, sehr großzügiger Mensch. Die Kinder rannten herum, warfen ihre Jacken irgendwo auf den Boden, oder ihre Turnschuhe, und sprangen auf diesem gigantischen Trampolin herum, was am gleichen Platz war, wie der riesige Swimmingpool. Am Abend wurde alles eingesammelt, gewaschen, zusammengefaltet und lag dann wie durch Magie morgens wieder in ihren Zimmern. Die Angestellten waren einfach unglaublich. Es gab Wasserballon Kämpfe, er hatte ein Indianerdorf, wir aßen in den Tipis, es gab dort sogar Heizungen – es gab alles, was man sich nur vorstellen kann.

Es war wirklich so, dass Michaels Anwälte anfragten, ob meine Kinder im Prozess von 2005 für Michael aussagen würden, und sie waren bereit, dorthin zu fliegen. J.C. und David von San Diego aus, und Amy von hier, Hermosa Beach, aus – aber in der letzten Minute brauchten sie dann doch keine weiteren „Charakter“Zeugen mehr. Aber lasst mich eines sagen, etwas zu seinem Schlafzimmer und dem “geheimen“ Zimmer, und all dem Zeug, was da gesagt wurde. Francie und ich waren in seinem Schlafzimmer, meine Kinder waren in seinem Schlafzimmer, sein Schlafzimmer war ein Spielparadies, es gab dort Disney-Sachen, es war wie ein Wohnzimmer. Alle Kinder wollten dort eine Übernachtungsparty machen, und der „geheime“ Raum, von dem immer geredet wird, war abgeschlossen, das war, wo er zum Schlafen hinging.  Als er sagte: „Ich bin glücklich, wenn ich mein Bett mit Kindern teilen kann..“, meinte er es so, dass als er aufwuchs, hatte er kein Bett für sich allein. Alle Jackson Kinder schliefen in einem Raum. In einem eigenen Bett zu schlafen war etwas Besonderes! Und die Leute verstehen einfach nicht, dass er sagen wollte, wenn du jemand deinen Schlafplatz überlässt und du in einen anderen Raum gehst, wenn du jemand dein Bett gibst, dann teilst du das Beste, was du hast. Es ist, wie wenn man am Tisch sitzt und sagt: „Ja, nimm nur mein Steak und iss. Ich esse die Bohnen hier.““ Sie verstanden es einfach nicht, und seine Aufrichtigkeit brachte ihn in Schwierigkeiten.

(…)  Eines Abends, als wir an Michaels Esstisch saßen – einem wunderschönen Esstisch, ein wunderbares Tudor-Stil-Haus, er hatte auch einen wunderbaren Koch, der alles gewünschte kochte – und es war so, dass wir gefragt wurden, bevor wir nach Neverland kamen, was die Kinder gerne essen. Also, wir saßen an diesem Esstisch, und ich wollte ein Tischgebet vor dem Essen sprechen. Michael war sehr spirituell – das hat auch nie jemand zuvor gesagt – das soll man wohl nicht wissen, aber wir beteten am Tisch vor dem Essen, und während dem Essen sprachen wir über alles Mögliche. Und Michael bestand darauf, dass wir alles fragten, was wir wissen wollten, wenn wir etwas in den Nachrichten gesehen hatten, über Knochen vom Elefantenmensch oder über Schlafen in einer Sauerstoffkammer – über all das. „Fragt mich, fragt mich alles, was ihr wissen wollt“… Und meine Frau Francie fragte einiges. Und er sagte irgendwann während des Essens zu den Kindern: „Hört zu, Kinder, ich möchte nicht unbedingt, dass ihr in der Schule etwas über unsere Freundschaft erzählt.“ Sie sahen sich verwirrt an, sahen Michael an und fragten: „ Aber warum nicht, Michael?“ Und Michael sah sie an und sagte: „Es gibt so viele gemeine Leute da draußen, und Menschen, die gemeine Dinge über mich erzählen, und ich möchte euch nicht in die Situation bringen, mich verteidigen zu müssen.“ Er wollte nicht, dass sie ihn verteidigen müssten und in Streitereien gerieten, wo sie sagen müssten: „Nein, Michael ist wirklich ein wunderbarer Typ und sagt nicht solche schlechten Sachen über ihn.“ Er war so umsichtig, dass er den Kids sagte, sie sollen diese schöne Zeit  und die Freundschaft für sich behalten, und es nicht mit jemand teilen. Und so war er immer.

Teil 2

Er hatte nie Gelegenheit einfach Zeit für sich selbst zu haben, er wuchs auf, ohne Kindheit, wie jeder weiß. Und er arbeitete, seit er ein kleines Kind war. Und nicht zu vergessen dass Michael viele Fassetten hatte, und das, was die Leute im Fernseher sahen, nur der Celebrity Teil war, er war auch ein liebevoller Vater, das ist kein Witz, er war ein sehr liebevoller Vater, und er war auch der nette, großzügige Freund, ganz ohne Frage. Und er war sehr schüchtern, als wir das erste Mal nach Neverland kamen, hatte er seine Sonnenbrille auf und den Hut, und er war sehr zurückhaltend, uns wieder zu sehen. Aber schließlich wurde er mit dir warm. Als wir zum ersten Mal dorthin kamen, nahm er uns in seinem Golfkart mit – einem extra langen Golfkart – und zeigte uns die ganze Ranch. Als wir dahin fuhren, dachten wir, es würde uns so etwas wie eine Cowboy Ranch erwarten.. mit Dreck und Pferden und all dem… Aber es war genau das, was jetzt überall im Fernseher zu sehen ist, mit Fahrgeschäften und Kino… er zeigte uns alles. Gerade fällt mir noch etwas ein…er hatte ein Kino, das war extra für Kinder ausgestattet, für kranke Kinder, und er hatte bequeme, gepolsterte Sitze dort, etwa 35 – 45 Sitze, ein richtig großes Kino…oben war der Projektionsraum, aber hinten, hinter den Sitzen gab es zwei Schlafzimmer. Diese hatten Fenster bis zum Boden, und waren ausgestattet mit Sauerstofftanks, breiten Krankenhausbetten, die man hochstellen konnte. Und alle Kinder die zur Ranch kamen, über Make A Wish oder anderen Organisationen, konnten die aktuellen Filme dort sehen, Dinge, die sie sonst nicht hätten tun können, weil es im Kino keine Sauerstofftanks gibt. Und Michael scheute keine Kosten und er hatte auch einiges zu organisieren, um diese zwei Räume für die kranken Kinder auf seiner Ranch ein zu richten.

Gott, Es gibt so viele Geschichten, die nie in einer Zeitung zu lesen waren, es wurde nie über Michaels Großzügigkeit berichtet und darüber, wie sehr er wirklich aufrichtig Kinder liebte. Und über das, wovon wir vorher sprachen, dass er keine Kindheit hatte, er beneidete die Kinder, die draußen im Park spielten, während er im Studio probte, während er sang oder seine Tanzschritte übte.

Teil 3

Wir kannten Michael schon vor einigen Jahren, und ich wusste, er hatte ein Problem mit Schmerzmitteln, von seiner Verbrennung während dem Pepsi Werbefilm – die ein paar Jahre zurücklag – und es zog wirklich viele Schmerzen hinterher. Und ich glaube, er hatte auch emotionale Schmerzen. Er trug vieles mit sich, er hielt vieles in seinem Innern verschlossen, er hatte nicht so viele Leute, denen er vertrauen konnte.

Und…ich möchte es nicht „bewundern“ nennen, weil das ist nicht ganz das richtige Wort – aber er genoss es wirklich, mit einer Familie, wie den Agajanians zusammen zu sein, einfach eine Familie, mit Mutter, Vater und Kindern, einfach herumalbern…wo die Kinder gesagt bekamen „setz dich hin, und mach nicht so einen Lärm“… und er lachte…er genoss es einfach mit „echten“ Leuten zusammen zu sein, denn er war immer von Leuten umgeben, die entweder „Ja“-Sager waren oder daran interessiert waren, was sie von ihm bekommen könnten. Und wir waren nichts davon.

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(Neverland -Waterballoonfort)

Also, die Kinder liebten es, zu reiten. Sie gingen immer in ein Cowboycamp, hier in Kalifornien, jedes Jahr. Sie liebten es. Es war wie die kleinere Version von Tombstone. Sie lernten dort, richtig zu reiten, allesmögliche – einfach perfekt. Und dann kamen wir nach Neverland und Michael hatte Pferde und Cowboys dort, und er fragte die Kinder, ob sie reiten wollten, und natürlich sagten sie Ja. –es war während dem Essen und er sagte: „Ruft einfach den Verantwortlichen an, den „Chef Cowboy“, und sagt ihm wann ihr reiten wollt, und sie werden alles für euch vorbereiten.“ Also beschlossen die Kids, am nächsten Morgen auszureiten, und das taten sie auch. Natürlich bin ich nicht früh genug aufgestanden, es war Francie, die mit den Kindern aufstand, die sie zu den Cowboys brachte und zum Frühstück im Haupthaus.

Unsere Quartiere waren außerhalb des Haupthauses, in dem Michael wohnte, wir wohnten immer an einem kleinen See. Eine sehr schöne Umgebung. Also, ich schlief weiter, und ein oder zwei Stunden später klopfte es an meiner Tür…. Michael hatte ein vollständiges Security Team, überall gab es auch Kameras, und er konnte sehen, ob es den Kindern die dort waren, gut ging – am Pool, überall gab es Security. Manche liefen Wache über das Gelände, in voller Uniform, das ganze Anwesen war sicher und geschützt. Er hatte sogar eine eigene Feuerwehr, eigene Helikopter, Erste Hilfe. Alles in Reichweite. Es hätte keinen sichereren Ort geben können. Vieles von dem, worüber jetzt geredet wird, hätte überhaupt nicht passieren können, denn ich ging einmal in den Raum der Security, ein eigentlich geheimer Raum, privat, und es gab dort Monitore, auf denen man jeden Winkel von Neverland sehen konnte. Man war nie unbeobachtet, egal, wo man war. Die Kinder waren also mit den Cowboys und den Pferden unterwegs, ein Cowboy vorne, einer hinten, und die Kids dazwischen. Sie ritten in die Berge hinauf, wo es Bären und Wild gab. Francie war auch dabei. Sie ritten einen Pfad entlang, und eines der Pferde hatte wohl einen Bären gewittert, und erschreckte sich, und die Pferde scheuten, drehten sich um und rannten mit voller Geschwindigkeit wieder den Berg hinunter, Richtung Stall, in Sicherheit. Sie gerieten wirklich außer Kontrolle. Als sie unten am Berg ankamen, konnte J.C. sein Pferd zügeln, er war größer und stärker – die Kinder konnten alle reiten, aber die Pferde waren durchgegangen. David, der mittlere, sprang runter und rollte sich ab, und hatte nur ein paar blaue Flecken, aber war ok. Aber unsere Jüngste, Amy, wurde abgeworfen. Sie schlug am Boden auf, mit dem Kopf, und sie verlor das Bewusstsein. Francie wurde auch abgeworfen und war ohne Bewusstsein. Innerhalb von Minuten waren Notärzte vor Ort, eine Ambulanz. Und bei mir an der Tür – wie ich schon sagte – klopfte ein Security Mann, weil ich noch im Bett lag. „Mr Agajanian, es gibt einen Notfall und sie müssen sofort mitkommen.“ Ich sprang in das Auto und wir fuhren direkt zu der Stelle, und dort war jede Menge Trubel. Es wurde sich sofort um alles gekümmert. Ich fuhr mit Amy in die Stadt, und in der Ambulanz bekam sie Krämpfe, und ich hatte solche Angst um sie. Francie war auch in dem Krankenwagen, aber sie wusste garnicht, was passiert war.

Wir kamen in die Notaufnahme, und dort sagten sie uns, wir müssten in die Stadt, in ein anderes Krankenhaus. Sie fuhren uns mit einem anderen Krankenwagen zum Cottage Hospital, in der Nähe von Santa Barbara. Michaels Leute waren in dem Krankenhaus, die ganz Zeit, während wir da waren. Ich betete, und hatte Angst, Amy zu verlieren. Sie bekam einen Hirnscan, und man fand eine Schwellung, aber es war alles gut. Und Michaels Leute waren die ganze Zeit dort. Sie hatte einen Schädelbruch, und da wir Gäste auf Neverland waren, hatten Michaels Angestellte Bedenken, dass wir Neverland verklagen würden, Michael verklagen würden, und ein Anwalt rief uns an, um zu fragen, wie es uns ging. Und natürlich sagten wir: „Freunde verklagen keine Freunde wegen einem Unfall!“ Amy ging es schnell wieder besser und Michael hatte eine Limo zum Krankenhaus geschickt, er wäre gerne auch selbst gekommen, aber es würde zu einem Auflauf führen, zu viel Durcheinander verursachen, deshalb ließ er uns zum Essen zum Haus und dann wieder zurück ins Krankenhaus fahren, wo Francie dann bei Amy blieb. Michael war an dem Morgen zum Aufnahmestudio in der Stadt aufgebrochen, aber als er hörte, dass Amy einen Unfall hatte, schickte er alle Musiker nach Hause, und nahm einen Hubschrauber – was er wirklich nicht sehr gerne tat – aber er flog zurück, auch wenn er nicht ins Krankenhaus kommen konnte. Er wartete dort auf Neverland, bis er sicher war, dass mit Amy alles in Ordnung ist. Das zeigt, was er für ein Mensch war. Er brach seine Arbeit ab, und schickte all die Musiker nach Hause, damit er nach Neverland zurück konnte, weil er gehört hatte, dass meine Tochter sich dort verletzt hatte. Ich weiß, das war eine lange, ausführliche Geschichte – aber es musste einfach gesagt werden – wenn ich all die Dinge höre, die über diesen Mensch erzählt werden, der wirklich unschuldig, aufrichtig und liebevoll war, und sich wirklich sorgte, kümmerte. Ich muss einfach meine Seite der Geschichte erzählen.

Teil 4

Mein Eindruck, wie die Medien ihn behandelten?… tragisch, tragisch…so behandelten sie ihn sein ganzes Leben lang, es war eine Freakshow! Ich bitte jeden, seine Kommentare für sich zu behalten, hört nicht auf den ganzen Klatsch, die ganzen Sensationsmeldungen. Ja, Michael hatte viele Fassetten, viele Seiten, aber er war kein Kinderschänder!

Das erste Kind (Jordy Chandler) sagte, „ich kann nicht da oben stehen und über Michael lügen“. Und das war der Punkt, an dem der ganze Fall auseinanderbrach. Leute, ich hab‘ tonnenweise Geschichten, wenn ich euch das nächste mal sehe, dann erzähle ich euch wie und warum diese Gerichtsprozesse einfach „verschwanden“, und warum das erste Kind nicht in den Zeugenstand treten wollte, als sein Vater das forderte, um Lügen über Michael zu erzählen. Er sagte zu seinem Vater: „Ich kann nicht in den Zeugenstand. Mir ist egal, wieviel Geld du bekommst, mir ist diese Zukunft mit der Rekordingcompany egal,“ und daran ist der Fall zerbrochen. Und die 25Millionen Dollar an die Famile gingen an einen Trust Fond, und es war nicht so viel Geld, es war viel weniger, die Summe wurde nur künstlich aufgeblasen.

Wartet nur ab, bis ihr mit der Wahrheit konfrontiert werdet. Gerade eben, bevor ich in dieser Sendung hier angerufen habe, habe ich „Extra“ angesehen, und dort haben sie solche Dinge gezeigt, wie die, über die ich gerade eben sprach.. „Da gibt es einen mysteriösen, geheimen Raum, voll mit Kinderspielzeug..“ Das ist nur ein Haufen Schwachsinn! Es gab ein Zimmer mit Spielsachen für kranke Kinder, die dort hinkamen, und es gab Tische voller Spielsachen, womit sie spielen konnten, und es gab einen Werkraum, all das gab es. Es war ein Zimmer am zweiten Stock des Hauses und man konnte einfach hinein gehen. Und nur dieser eine Raum, über den ich vorhin sprach, das war sein privates Schlafzimmer, in das er ging, wenn die Kinder eine Übernachtungsparty machten –er ging dann, um in diesem Zimmer alleine zu schlafen. Er gab ihnen sein Bett, er lud die Kinder ein, in seinem Bett zu schlafen, aber…Er war nicht darin! Er wies darauf hin. Aber es wurde einfach verdreht, und ich bitte jeden, bitte, hört nicht auf die Lügen! Hört nicht auch den Klatsch! Hört nicht auf die ausgedachten Dinge! Auch wenn ich weiß, dass es schwierig ist, zu wissen, was reiner Sensationalismus ist, und wo doch etwas Wahres drin enthalten ist, aber wie ich schon sagte, Francie und ich sahen nicht nur Access Hollywood an, sondern auch den ganzen Rest – und sie nehmen diese Dinge, verdrehen sie und machen, dass sie verrückt und seltsam werden, und das sind sie einfach nicht. Es hatte alles seinen Grund.

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Er war nie ein schwerer (dicker) Typ, er war immer dünn.  Er war meistens Vegetarier, und er war sehr gesundheitsbewusst. Er meditierte. Er machte Übungen. Er arbeitete viel und er versuchte, sein Gewicht unten zu halten, damit er tanzen konnte. Er tat viele Dinge,  um so fit wie möglich zu bleiben. Und am Ende, als es ihm nicht so gut ging… es gab vlt. ein paar Krankheiten, die nicht entdeckt waren – aber er war immer sehr schlank.

Es gab dort alles, was Kinder mochten, von Hot Dogs über Hamburger bis zu Steaks und so weiter. Es gab keinen Alkohol auf Neverland, als ich dort war. Ich weiß, dass jemand sagte, unter dem Gameroom wäre ein Weinkeller, mit sehr guten Weinen. Er hatte das wohl für besondere Gäste. Aber es stand kein Alkohol herum, wenn du auf Neverland warst. Und er hatte zwei Köche dort, sie machten das Essen für Michael, so wie er es mochte, er aß indisch und viel vegetarisch, und Francie erinnerte mich daran, dass, als wir Hotdog saßen, er einen Tofu Hot Dog aß, oder etwas, was aussah, wie ein Hotdog, und so schmeckte, aber zu seiner Diät passte.

Und es ist schwer zu begreifen, warum er so unsicher mit seiner Erscheinung war. Vergesst nicht, er war 50 Jahre alt. Er sah sehr jung aus, und er tanzte immernoch wie ein 20 Jähriger. Und das wird herauskommen, wenn man von den Proben im Staples Center hört, für seine London Tour.

Das hier ist die einzige Sendung, die etwas von mir zu hören bekommt.Iich habe schon andere Interviews abgelehnt, und ich wollte, das ihr und die Zuhörer weltweit diese Informationen bekommen, von jemand aus erster Hand, der wirklich dort war, und den Unsinn erkennt, den all die Leute erzählen. Ja, er hatte in vielen Teilen seines Lebens nicht leicht, aber er war ein netter, großzügiger Gentleman, und so sollte man ihn in Erinnerung behalten.

Das ist die Wahrheit, und lasst das nicht in all dem Hirnrissigen verloren gehen.

Neverland Good bye

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Amy Agajanian war zu einem Gespräch bei Oprah (zur Vorbereitung auf das Interview mit Michael 1993) Sie war mit Michael bei seinem Auftritt beim Superbowl. Sie sagte, sie habe nicht gewusst, dass es so etwas großes sein würde, weil Michael ihr nur gesagt habe, sie gingen zu einem Konzert. Sie wusste nicht, was sie erwarten würde und war völlig überwältigt. Sie hatte nicht mal gewusst, dass Michael so berühmt war – bis zu diesem Moment.

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(Amy ist rechts unten von Michael, mit der Schleife im Haar und dem roten Pulli)

Aus dem Interview mit Oprah (video siehe unten):

Oprah: Man hört oft, dass Michael Jackson von Kindern umgeben ist, und über die Jahre freundete er sich mit jungen Schauspielern wie Emmanuel Lewis und Macauley Culkin an.  Aber du musstest kein Kinderstar sein, damit Michael Jackson auf dich aufmerksam wurde. Ich traf meinen nächsten Gast um ersten Mal, als ich Michaels Ranch vor ein paar Wochen besuchte, um den Promofilm zu drehen. Ihr bester Freund war zufällig der größte Star der Welt, und ich sah sie an Michaels Seite während seiner Super Bowl Performance. Amy, schön dich hier zu haben. An dem Tag, als wir dort waren und den Promofilm drehten, wollte Amy, dass wir endlich  fertig würden, damit wir raus gehen könnten um mit Michael zusammen zu spielen, ist das richtig?

Amy: (nickt)

Oprah: Wie ist er wirklich, Amy?

Amy: Er ist wie ein Kind. Er will ein Kind bleiben, aber er ist erwachsen geworden.

Oprah: Verbringst du viel Zeit mit ihm?

Amy: Wenn ich dorthin komme, verbringe ich die meiste Zeit mit ihm beim Spielen.

Oprah: Was spielt ihr?

Amy: Ich spiele auf seinen Karussells und wir spielen Verstecken.

Oprah: Und wie hast du ihn kennengelernt? Wir wollen wissen, ob wir das auch können.

Amy: Ich habe einen Werbespot mit ihm gemacht. Ich war 4 Jahre alt und wusste überhaupt nichts über ihn. Ich ging in seinen Trailer und setzte mich auf seinen Schoß und er sagte, dass wir für immer Freunde seien.

Oprah: Ihr beide?

Amy: (nickt)

Hier noch das Video mit dem Teil des Oprah- Pre Interviews mit Amy und der ganzen Familie Agajanian:

Oprah: (zur Familie Agajanian): Ich frage mich, ob eure Kindern wissen, wie glücklich sie sein können, auf der Ranch von Michael Jackson sein zu dürfen?

Francie Agajanian: Wie Amy schon sagte, am Anfang wusste sie nicht, wer Michael ist, sie war gerade 4 Jahre alt – er war einfach nur ein netter Typ, den sie kennengelernt hatte und mit dem sie befreundet war,. Die Jungs wussten wer er war, dass er ein berühmter Sänger war – aber er war einfach ein Freund, es machte so viel Spaß mit ihm zusammen zu sein, und das ist es immer noch –wir sind einfach nur seine Freunde.

Oprah: Was mich auch sehr beeindruckte auf der Ranch, als ich dort war, um den Teaser für das Interview drehen – und worüber wir auch heute Abend sprechen werden ist, dass er dort Betten in seinem Theater eingebaut hat, für kranke Kinder. Das hat mich sehr bewegt, weil wenn jemand solche Dinge baut, dann muß er sich wirklich um Kinder sorgen.

Michaels Liebe zur klassischen Musik

David Michael Frank und François Glorieux berichten über ihre Projekte mit Michael, in denen sie mit ihm, oder für ihn, an klassischer Musik arbeiteten. David M. Frank arbeitete 2009 mit Michael an einem klassischen instrumental Album, mit Stücken, die Michael komponiert hatte und die er arrangieren/orchesrtieren sollte. Francois Gloriuex arbeitete 1989 im Auftrag von Michael an der Orchestrierung seiner Hits, wie Beat it, Bad oder Liberian Girl.

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David Michael Frank über sein Treffen mit Michael 2009:

Link zum Text in englisch:  http://weblogs.baltimoresun.com/entertai…rumental_a.html

Vor vier oder fünf Monaten erhielt ich einen Anruf von Michael Jacksons langjährigem Aufnahmeleiter Michael Prince, der mir erklärte, dass Michael jemanden suchte, der die Arrangements für Orchestermusik schreiben könnte. Ich wusste, dass er vor hatte auf Tour zu gehen. Den drauffolgenden Monat und auch den nächsten rief er mich an, um mir zu sagen „Michael Jackson lässt Ihnen sagen, dass er Sie anrufen wird.“

Ende April rief mich ein anderer Michael an, Michael Jacksons persönlicher Assistent, und fragte mich, ob ich am nächsten Tag 10 Uhr kommen könne und fragte mich nach der Bauart und marke meines Wagens. Ich fuhr nach Holmby Hills. Ich fuhr am Eingangstor vor und traf dort auf einen Assistenten, der mich hereinbat. Dort traf ich eine Frau, gekleidet wie eine Hausdame und mit einem weißen Turban auf dem Kopf. Sie sagte: „Michael Jackson wird in Kürze bei Ihnen sein.“ Ungefähr zwei Minuten später kam er die Treppe runter.

Ich zögerte seine Hand zu schütteln, da ich gehört hatte, dass er wegen Keimen besorgt sei, aber er strecke sofort seine Hand aus und begrüßte mich einen sehr festen Händedruck. Er war ziemlich dünn, aber dennoch nicht zerbrechlich. Er trug einen Anzug und Hut. Er hatte vor, später noch an den Proben für die Tour teilzunehmen. Er sagte: „Sie kommen mir bekannt vor.“  Ich erzählte ihm, dass wir vor langer Zeit an einem Sammy Davis Jr. TV Tribute im Shrine Auditorium zusammengearbeitet hatten. Ich sagte ihm, dass ich ihn dort kurz getroffen hätte. Er sagte: „Ich vergesse nie ein Gesicht.“

Er erzählte mir, „Ich habe drei Projekte gleichzeitig laufen“. Das eine war die Tour, von der die ganze Welt erfahren hatte. Von den anderen beiden wusste niemand was. Eines würde ein Album mit Pop Songs werden. Dann sagte er, „Das andere, was ich aufnehmen möchte, ist ein Album mit klassischer Musik.“

Er sagte er höre immer klassische Musik, es sei seine absolute Lieblingsmusik. Ich war beeindruckt von den Stücken, die er erwähnte. Aaron Coplands, Fanfare for the Common Man und Lincoln Portrait, Westside Story von Leonard Bernstein. Ich erwähnte On the Waterfront von Bernstein. Michael erwiderte, dass er Elmer Bernsteins Filmmusik liebe und erwähnte besonders ‘To Kill a Mockingbird’ (nach dem Roman von Harper Lee – „Wer die Nachtigall stört“)

Mir fiel auf, dass die meisten klassischen Stücke, die er erwähnte, kindlich, sehr einfach und bezaubernd waren, wie Prokofievs Peter und der Wolf und Tschaikovskys Nussknacker Suite. Auch von Debussy sprach er mehrmals, besonders von Arabesque No1 und Claire de Lune. Er sprach sehr sanft, wenn er über Musik sprach, aber wenn er durch etwas sehr angeregt wurde, war er wie ausgewechselt. Er erwähnte, wie er Elmer Bernstein liebte, und als ich sagte, dass ich ‚The Magnificent Seven’ (‚Die glorreichen Sieben’) orchestriere, begann Michael das Thema sehr laut zu singen, er schmetterte es.

Er sagte: „Ich spiele Ihnen eine CD vor.“ Dann kam sein Sohn Prince Michael rein und Michael bat ihn einen CD Player zu bringen. Paris fand einen und brachte ihn mit zusammen mit Prince. Michael spielte die CD. Es war ganz zauberhafte Musik. Er sagte, „Ein Abschnitt fehlt.’ Er spielte das zweite Stück.  Und er sagte: „Aber hier fehlt auch ein Stück. Aber ich kann es für Sie summen. „Ich fragte, ob es im Haus einen Flügel gäbe und er erwiderte, dass es im Poolhaus einen gäbe. Wir machten uns auf den Weg, aber Michael ging nicht weiter, als er sah, dass der Hund draußen war, klatschnass, weil er im Pool gewesen war. Er wollte nicht, dass wir nass gespritzt wurden. Das war ziemlich witzig. Michael bat einen anderen Assistenten, den Hund solange fest zu halten, während wir zum Poolhaus gingen.

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Ich setzte mich an den Flügel und Michael summte den fehlenden Teil von einem der Stücke. Ich hatte ein kleines digitales Aufnahmegerät dabei, und fragte ihn, ob ich ihn aufnehmen könne. Er traf die perfekte Tonlage. Und ich versuchte, die richtigen Akkorde dazu zu finden, um sein Summen zu begleiten. Er sagte, „Sie haben ein sehr gutes Gespür für die Akkorde.“

Wir sprachen über noch mehr klassische Musik. Ich spielte einige Stücke von Debussy. Michael schien sehr glücklich darüber und war sehr ungezwungen. Er erwähnte wieder Leonard Bernstein und ich spielte was aus der ‘West Side Story’. Er erzählte mir, dass er Bernstein mal getroffen hätte und dass dieser ein großer Fan von ihm sei.

Wir waren wieder zurück im Haus und als wir von Zimmer zu Zimmer gingen hören wir jedesmal ‘Ich liebe dich, Daddy!’ –  ‘Ich liebe dich, Paris!’ Sie waren alle ziemlich normal und fröhlich.

Michael war sehr gespannt, die Stücke zu arrangieren und die Musik mit einem großen Orchester aufzunehmen. Ich schlug vor, dass wir bei Fox, Sony oder Warner Brothers aufnehmen könnten. Ich bat ihn, dass mich jemand anrufen und das Budget aushandeln solle und er sagte, er würde sich darum kümmern. Als ich ging, waren einige Fans vor dem Tor.

Einige Zeit später telefonierte ich mit Michael. Er fragte mich, wie weit das Projekt sei, und ich erwiderte, dass ich darauf warte, jemanden zu sprechen um den Deal festzumachen. Ich schlug vor, dass wir die Musik in London aufnehmen könnten, wo er die Show machen würde. Die Idee sagte ihm zu. Und er spielte wieder ‚Arabesque’.

Ich habe keine Vorstellung, was damit passieren wird und ich hoffe, die Familie wird helfen das zu vollenden. Ich werde das nicht eher angehen, bis ich das Gefühl habe, das die Zeit reif dafür ist.

Meine Vorstellung geht dahin, dass die Stücke sieben bis zehn Minuten lang sein werden. Jedes einzelne ist bedeutender als ein Song. Es ist ganz wunderbare Musik. Ein Stück hat einen irischen Charakter. Ich schlug vor, dass wir eine keltische Harfe einsetzen könnten. Das Stück klingt wie wunderschöne Filmmusik in sehr traditionellen Akkorden und sehr klangvollen Melodien. Eines der Stücke hörte sich ein bisschen wie eines von John Barry an, wie ‚Out of Africa’ – wie eine John Barry Partitur. Ich konnte mit meinem ‚inneren Ohr’ dramatische Streicher und Waldhörner im Gleichklang hören.

Ich erzählte Michael, dass ich vorhabe, wenn wir die Aufnahmen machen würden,  einen von Leonhard Bernsteins Taktstöcken zu benützen, die ich bei einer Auktion gekauft hatte. Ich wusste, dass würde ihm einen ziemlichen Kick geben. Ich denke, ich werde diesen Taktstock nehmen, wenn ich je diese Musik dirigieren werde.

(Übersetzung R.I.P. Michael –  mjnet)

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François Glorieux – arbeitete für Michael an klassische Arrangements von Michaels größten Hits

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http://www.michaeljacksontributeportrait…?article_id=246

“The five hours I spent with Michael Jackson in Los Angeles will certainly be the most emotional of my musical career. It was fantastic to discover so many common points: passion for music (without limits), for peace and freedom, love for animals and nature. In one word: for humanity!”

„Die fünf Stunden, die ich mit Michael Jackson in Los Angeles verbringen durfte, waren sicher die emotionalsten meiner musikalischen  Karriere. Es war fantastisch, so viele Gemeinsamkeiten zu entdecken: Die grenzenlose Leidenschaft für Musik, für Frieden und Freiheit, die Liebe für Tiere und die Natur. In einem Wort: Menschlichkeit.“

Francois Glorieux traf Michael am 2. Mai 1989, weil Michael ihn privat treffen wollte, um über klassische Musik zu sprechen. Michael fragte Francois danach, klassische Arrangements seiner größten Hits zu machen. (Aus dem Video: Michael hatte Glorieux‘ Arrangements der Beatles Songs gehört, die ihm sehr gut gefielen, und er hatte dann Branca beauftragt, mit Glorieux Kontakt auf zunehmen.) Ein Jahr später trafen sie sich wieder, und Michael war “hin und weg” von den 3 Stücken die Francois schon fertig hatte. (Bad, Liberian Girl, Smooth Criminal) sie hatten einen Plan, ein großes Klassik-Event in London zusammen zu gestalten, als Charity Veranstaltung, wenn alle Kompositionen fertig gestellt wären. Mit den Jahren änderten sich diese Planungen, aber sie blieben Freunde. Seit Michaels Tod führte Francois die klassischen Hits von Michael, die er schon fertig hatte weiter, mit dem National Symphony Orchestra (life for BBC), und als Michael starb spielte er sie in Prag, wo er zu der Zeit Konzerte gab.
Francois ist jetzt 78. Michaels Tod ist immer noch sehr emotional für ihn. Francois veröffentlichte kürzlich eine CD In Memoriam Of Michael Jackson, wo einige MJ Hits, arrangiert für Piano, und einige eigene Arbeiten, als Tribute für Michael, enthalten sind.

FG with Michael Jackson 7

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Hier ein Video, in dem Francois über sein Treffen mit Michael berichtet… er ist immer noch sehr berührt davon, das versteht man auch, ohne das Holländische Interview wortwörtlich zu verstehen…  Er spielt da auch „She‘s out of my Life“ am Klavier … (was er während ihrem Treffen auch mal für Michael spielte..)

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Die Fotos von Glorieux und Michael entstanden bei dem Treffen 1989 – Michael hörte sich dort auch Glorieuxs Arrangement „Tribute to Michael Jackson“, an und sagte:

‘Francois’ orchestra is wonderful, he is an exceptional musician and I am fascinated by his work on my compositions. I have asked him to proceed with the arrangements of a large number of my successes.’

„Francois Orchester ist wundervoll, er ist ein außergewöhnlicher Musiker und ich bin fasziniert von seiner Arbeit und seinen Kompositionen. Ich habe ihn gefragt, ob er für mich einige meiner Erfolge bearbeiten möchte.“

http://www.francoisglorieux.com/friends/michael_jackson.shtml

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