Skip to content

Michael Jackson – Musste er sterben?

Übersetzung eines Artikels aus dem „Healthy Living Magazine“ November 2013 

WHO’S BAD? (by Aida Poulsen)  http://www.mymagstore.com/773184/products/Healthy-Living.html  

Wir begannen damit, einen Artikel über die medizinischen Belange des Prozess von AEG Live, verklagt von Michael Jacksons Familie, zu schreiben (der abgeschlossen war, als diese Ausgabe zum Druck ging) fanden aber dann den Prozess zu bedeutungslos, da das ganze Leben des Superstars ein bedeutungsvolles Thema hinsichtlich körperlicher und psychischer Gesundheit ist. So intensiv wie sein Tanz, brannte auch Michael Jacksons Leben an beiden Enden, sowohl zum Rhythmus seines Anti-Gang – Songs Beat It als auch durch den medialen Wahnsinn.

Healthy Living Magazine

Vier Jahre nachdem er die Welt mit seinem letzten „move“ erschüttert hat – einem spektakulären (so zynisch es klingen mag) Tod, haben anscheinend sowohl die Presse als auch wir, als ihre fügsame Horde, damit begonnen, den Geruch des Zweifels einzugestehen..

Der niagaraartige Wasserfall von Spott und Schmutz, unter dem das Musikgenie seinen kurzen Aufenthalt bei uns verbrachte, offenbart die allgemein anerkannte Wahrheit: Damit wir an ihn glaubten, musste er sterben. Er wird nicht auf unsere Kosten über den Fakt triumphieren, dass seine Kunst uns alle überleben wird, was nicht länger nur eine Vermutung ist, weil sein künstlerisches Erbe bewiesen hat, dass es wohl keine andere moderne Kunst gibt, mit der gleichen Konsequenz, Umfang und Größe menschlicher Essenz.

Verletzlichkeit, erhöhte Sensibilität der Menschlichen Natur, Naivität, Agitation, Schwäche, Schmerz, Hoffnung, Verzweiflung und die Suche nach Stärke, das alles zu ertragen, wurden zu seinem künstlerischen Domizil, nachdem das ungesehene Ausmass an Popularität, die unerbittliche kindgleiche Spontanität und die Unkenntnis über die vorverurteilende Natur der Medien einen 24 Jährigen Michael Jackson für den Rest seines Lebens zu einem Gefangenen einer beispielslosen Grausamkeit der Medien-Schikane und öffentlicher Verachtung machte, mit dem zuerstgenannten tödlich verbunden.

Hier stellt sich die Frage: Welche Musik, Perfomance, Texte, Filme, Wohltätigkeiten, Krankenhäuser, Parks und was sonst noch alles hätten wir besitzen können, wenn die Welt geneigt gewesen wäre, mehr für die wohlverdiente Berichterstattung über Michael Jacksons Kunst zu bezahlen, als für seine Darstellung als Freak und Spektakel?

Und noch eine Frage: Wessen Karriere hätte sonst die fanatische Hetzjagd über 26 Jahre überlebt, mit der er so unbedarft umging, darin vertrauend, dass seine Vision der Welt – egal wie einzigartig, war sie doch freundlicher Natur – mitgeteilt durch seine denutativen (entblößt) Texte oder Bekentnisse im TV, gehört werden würde.

Wie einer der Paparazzi, Ben Evenstad, es ausdrückt: „Er war der einzige Prominente, der, wenn du anhänglich genug warst, dich in sein Haus gelassen hätte. Denkst du, jemand könnte zu Bruce Willis Haus gehen und sagen: „Ich liebe dich, ich liebe dich“, und dann kämst du hinein? Er würde die Polizei rufen. Das würden sie alle tun. Alle, bis auf Michael. Wenn du „ich liebe dich“ zu Michael Jackson sagtest, hat er angenommen, du meinst auch, dass du ihn liebst, und er hätte dich herein gelassen.“

1272869_547515115316886_994134834_o

Wenn dein Leben vor 100 Millionen Menschen stattfindet,seit dem Alter von 5 Jahren, bist du automatisch anders.“ – Und er war anders. Aber die Leute um ihn herum waren es nicht.

………………………………………………………………………………………….

Warum ist es erst jetzt so, wenn wir wieder das Barbara Walters’ Interview ansehen, dass es nicht Michael Jackson ist, sondern die Gastgeberin, die unangemessen aussieht, im nachdrücklich formalen Aufzug – grauer Anzug, Kurzhaarschnitt, scheinbar um die Verdrehtheit ihres Subjekts hervorzuheben – wenn sie fragt, vielmehr behauptet, ob es nicht seine “extreme” Erscheinung ist, die den Spott der Presse provoziert? Möchte sie, dass er sich kleidet wie sie, sich so verhält wie sie, so denkt wie sie? Grauer Anzug, Kurzhaarschnitt? Wen würde sie dann interviewen, und für solch eine Quote? Sich selbst?

Lady Gaga, eine talentierte und vielversprechende Performerin, scheint die “Technik” die Aufmerksamkeit der Medien anzuziehen anzunehmen, nur mit einem Sicherheitsgurt: Sie erscheint vor der Presse und auf der Bühne – ok, jeder weiß worin – um ihr Ding zu machen, und kehrt dann zur Normalität zurück, und ist sehr zweckmässig, berechnend und vorsichtig darin, wo, wie und was sie sagt, tut und trägt, managed ihre Karriere bewundernswert, mit kühlem Kopf, konsequent und gekonnt – was genau das ist, was Michael Jackson undenkbar gefunden hätte – ein Heuchler auf der Bühne zu sein, oder umgekehrt.

Michael Jackson war die Verkörperung seiner Kunst: Das war genau das, was ihm seine immense Power gab und die mangelnde Bereitschaft, abseits der Bühne unaufrichtig zu sein, ist wahrscheinlich das was ihn umgebracht hat. Würde er jetzt zurück auf die Schmerzen schauen, die er durchgemacht hat und hätte er eine Chance, sein Leben nocheinmal zu leben, ist es unwahrscheinlich, dass er sich dann dem fügen würde, was die Öffentlichkeit erwartete und was er verachtete. Er war exzentrisch auf der Bühne und im Leben, und wäre er im Leben ein Grauer Anzug gewesen, wäre er auch auf der Bühne ein Grauer Anzug gewesen. Vor allem glaubte er, dass es nichts zu verbergen gab, wegen seiner arglosen Natur und solche, eher seltenen Charaktere, neigen dazu an spiegelbildliche Reaktionen zu glauben, egal wie viele Verletzungen das üblichere Ergebnis hervorruft. Denn etwas anderes zu glauben hätte ihn zerstört.

michaeljackson_2128469i

Vielleicht ist das traurigste von allem, was Michael Jackson passierte, dass die Welt immer noch an der Frage hängt: War er ein höflicher, gefühlvoller und sensibler Humanitär, mit einer ruhigen, fast kindlichen Stimme, einem riesigen Herz und, wie nicht viele von uns – offenen Augen für die Benachteiligten der Welt; oder war er ein mächtiger Schurke, dessen wahre Leidenschaft so schmutzig ist, wie das Geheimnis der berüchtigten Priester?

————————————————————————————–

Eigenartiger Weise hat sein Tod das Leben einiger Paparazzi ruiniert, die gewohnt waren, lukrativen Plünderungen rund um das Leben des Großartigen zu frönen, egal wie fragil oder untätig der König war. Ben Evenstad sagt: „Das ist, was mich mitten in der Nacht (von Michael Jacksons Tod) schlagartig traf: Was soll ich denn jetzt tun? Hinter dem verfi***en Zac Efron herjagen?“ Im letzten Stadium von körperlichem und psychischem Schmerz und Verzweiflung, unüberwindbar verschuldet, ausgelaugt, und eigentlich schon vor 10 Jahren vergessen, nur noch menschliche Hülle, war der King das Juwel der Medien, eine völlig andere Klasse, als die modernen Stars selbst wenn sie „hip“ sind. Unter sovielen Verraten durch die, die auf seine Kosten lebten, hat ein weiterer, der letzte, wenigstens nicht Michael Jacksons Herz erneut bluten lassen.

Paparazzi waren darüber verwundert, als sie die Ambulanz umzingelten, die den leblosen Körper ihres „Heilsbringers“ von seinem Haus wegbrachte, dass die Bodyguards, die normalerweise jeden Schritt abwehren, dem schrägen, knipsenden Pack nur zu murmelten: „Bitte Leute, macht das nicht,“ und ihnen erlaubten, durch das Fenster der Ambulanz dieses berüchtigte Foto des sterbenden Königs zu schiessen, was 1 Million$ einbrachte. 

So unfassbar es auch klingen mag, wir haben eine Matrix vom Leben Michael Jacksons „in action“ zusammengestellt: Seine Taten gegenüber den Machenschaften, die die Welt ihm antat. (MJ Matrix – in den nächsten Ausgaben)

Der König des Pop und der Papst des Pop – Michael Jackson und Andy Warhol

Übersetzung eines Beitrags über Andy Warhol und Michael Jackson aus dem Blog:

Dancing With The Elephant – “The King of Pop and the Pope of Pop”

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Michael Jackson & Andy Warhol, 1981

– Michael Jackson & Andy Warhol, 1981 –

Der König des Pop und der Papst des Pop

Willa: Vor ein paar Wochen schickte uns unsere Freundin Lisha McDuff einen Link zu einer Dokumentation über den grössten Pop Star seiner Zeit und sie faszinierte mich sehr – besonders die Art, auf die er Kunst neu definierte, in dem er Bereiche mit einbezog, die wir nicht typischer Weise als Kunst betrachten, wie seinen Ruhm, seine öffentliche Person, seine Sprechstimme und sogar sein Gesicht. 

Obwohl er, wie die Dokumentation zeigte, in gewisser Weise dazu gezwungen war, sein Gesicht zum Teil seiner Kunst zu machen, weil er an einer Auto-Immun Krankheit litt, welche die Pigmenttierung seiner Haut betraf. In der Dokumentation gibt es Fotos, die große, weisse Flecken auf seinen Wangen und seinem Hals zeigen, wo die Pigmentation zerstört wurde. Menschen, die ihn später in seinem Leben kannten sagten, seine Haut war unnatürlich weiß und er hätte teilweise Makeup benutzt, die sie noch weisser machte. Er war auch sehr befangen wegen seiner Nase – er dachte, sie sei zu „knollig“ – und er hatte sicherlich plastische Operationen, um sie kleiner und dünner zu machen. Er war auch dafür bekannt, unmögliche Perücken zu tragen, die er absichtlich selbst verunstaltete, in dem er sie vorne mit Scheren bearbeitete und das Unterhaar in dunklem braun färbte, während er das Deckhaar in einem silber-blond beließ.

Natürlich spreche ich vom Papst des Pop, Andy Warhol – einem Künstler, den Michael Jackson mehrmals traf und dem er in seinem Video Scream die Ehre erweist. Lisha, ich danke dir, für das Teilen dieser Dokumentation „Andy Warhol: The Complete Picture“ und dafür, dass du mit mir darüber sprichst.

Lisha: Es ist ein Privileg wieder mit dir zu sprechen, Willa, besonders über die Verbindungen zwischen Andy Warhol und Michael Jackson. Seitdem ich dein Buch gelesen habe und deine brillante Analyse zu dem Selbstportrait Andy Warhols in Scream *, faszinierte mich die Verbindung der beiden und die Art, wie beide Künstler die Grenzen der Kunst herausforderten und neu definierten. In deinem Buch schriebst du:

“Während Warhol uns zwang, Campbell-Suppendosen anzusehen und unser Verhältnis mit der Konsum-Kultur neu zu überdenken, zwang uns Jackson, ihn anzusehen – den kleinen Jungen, den wir seit der Kindheit liebten und der zu etwas unerwartetem heranwuchs – und unsere Annahmen bezüglich Identität und Rasse, Geschlecht und Sexualität zu überdenken.”

(*mehr dazu am Ende dieses Posts…)

Besonders interessant ist das, wenn man mit einbezieht, wie Michael Jackson sich selbst schon früh in seinem Leben als ein „Markenprodukt“ verstanden haben muss; er entwickelte eine Star-Persönlichkeit schon in sehr jungen Jahren.

Willa: Das ist ein gutes Argument, Lisha. Motown produzierte nicht nur Musik sondern präperierte seine Künstler sorgfältig, sie unterrichteten sie im Sprechen, Etikette, Mode, Verhalten – wie man in der Öffentlichkeit isst und trinkt, wie man geht und spricht, wie man Interviews gibt, auf eine Art, die einem Crossover-Publikum eine ansprechende Persönlichkeit präsentierte. Und für Michael Jackson begannen diese Lehrstunden in einem jungen Alter, als er gerade 10 Jahre alt war.

Lisha: Ich habe mich oft gefragt, wie das sein musste – zu lernen, eine öffentliche Person zu erschaffen, die sogar jünger war, wie sein wirkliches Alter. Und wie war es für ihn, diese Star-Persönlichkeit jeden Sonntag im Fernsehen als Cartooncharakter anzusehen? Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die das nachempfinden können – ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln, während man zur gleichen Zeit lernt, eine öffentliche Person zu gestalten.

Ich habe nie bemerkt, wieviele auffallende Ähnlichkeiten es im Leben von Andy Warhol und Michael Jackson gibt, bis ich diese Dokumentation sah. Ich erkannte, dass beide Männer in Stahl-Städten aufwuchsen, Pittsburgh und Gary, weil ihre Väter Stahlarbeiter waren. Sie wurden als Heranwachsende wegen ihrer Nase gehänselt und sie litten an einer Krankheit, die die Pigmentation ihrer Haut zerstörte und frühzeitigen Haarausfall verursachte. Sie wurden scheu und zurückhaltend. Und als Erwachsene reagierten beide Männer auf eine so unerwartete und unbändig einfallsreiche Art, die die Aufmerksamkeit des Publikums seitdem gefesselt hat – durch das Erschaffen einer Überlebensgroßen-Star-Persönlichkeit – durch Brillen, Perücken, heller Haut und einer neugeformten Nase. Man kann problemlos behaupten, dass die größten Kunstwerke von Andy Warhol und Michael Jackson Andy Warhol und Michael Jackson sind.

Willa: Ich stimme zu, Lisha. Wenn wir an Kunst denken, dann denken wir normalerweise an Musik, Tanz, Malerei, Dichtung/Romane, Dramen, Poesie, Bildhauerei, Film und all die anderen leicht erkennbaren Genres des künstlerischen Ausdrucks. Aber Andy Warhol und Michael Jackson haben nicht nur unbeschreibliche Kunstwerke geschaffen – sie haben auch unsere Definition von Kunst in Frage gestellt. Und vielleicht wurde ihr wichtigstes und experimentellstes Werk noch nicht einmal als Kunst erkannt, und das ist ihre innovative Arbeit mit der Kunst des Prominenten und den Massenmedien, worin auch die Erschaffung einer öffentlichen Person enthalten ist, die, wie du sagst, die allgemeinen Vorstellungen hinterfragt und neu definiert.

Und das Interesse an Ruhm/Prominenz scheint bei beiden in jungem Alter begonnen zu haben. Warhol wurde besessen von Prominenten und begann ein Album mit Photos und Autogrammen zu gestalten, als er noch in der Grundschule war. Einer seiner wertvollen Schätze war ein signiertes Foto von Shirley Temple, gezeichnet mit: „An Andrew Warhola“. Und Michael Jackson war später ebenfalls von Shirley Temple fasziniert, obwohl es bei ihm nicht nur Bewunderung war. Weil sie ein Kinderstar war und unter einigen der Erfahrungen gelitten hatte, die auch er kannte, identifizierte er sich mit ihr und schien mit ihr eine tiefe Verbindung zu spüren. Später wurden sie Freunde und er beschreibt ihre erste Begegnung sehr emotional – wie zwei Überlebende, die sich nach einer Tragödie wiederfinden.

In der Warhol Dokumentation geht es etwa in der achten Minute um das Prominenten Album mit dem Shirley Temple Foto. Hier ist ein link zu der Dokumentation. An manchen Stellen ist sie etwas „pikant“ – weshalb Leute mit Kindern sie vielleicht nicht ansehen sollten, wenn sie im Zimmer sind:

Die Diskussion über Warhols Gesicht und sein öffentliches Image – besonders sein visuelles Image – beginnt etwa nach 12 Minuten, und dann wird das Thema nach etwa einer Stunde noch einmal aufgegriffen. Ein kleiner Leckerbissen: Es gibt ein Bild von Michael Jackson von Warhols Interview Magazine bei 1:13:20

Interview Magazine

Lisha: Shirley Temples Einfluss auf diese beiden Künstler ist für mich erstaunlich. In Victor Bokris Biografie von Andy Warhol beschreibt er, wie sehr Warhol Shirley Temple vergötterte. Sie inspirierte seine grundsätzliche Lebensphilosophie: „Arbeite ständig, mach’ es zu einem Spiel, und behalte deinen Sinn für Humor.“ Warhol nahm sogar Tanzunterricht um ihr nachzueifern, und es war eine Referenz an Shirley Temple als er bekannterweise sagte: „Ich wollte nie ein Maler sein; Ich wollte ein Stepptänzer sein.“

Willa: Das ist sehr interessant, Lisha. Ich kannte das Zitat schon, aber ich dachte, er macht Witze!

Lisha: Laut seinem Neffen, James Warhola, behielt Warhol im privaten diesen kindlichen Spirit sein ganzes Leben lang. Warhola schrieb ein Kinderbuch mit dem Namen „Uncle Andy’s“, in dem Warhols Zuhause als ein gigantischer Freizeitpark voller Karussell-Pferde, Antiquitäten und allen möglichen hübschen Kunstwerken beschrieben wird. Für mich hört sich das sehr nach Neverland an!

Warhol Uncle Andy's

Willa: Wirklich, nicht wahr?

Lisha: Ich denke, man kann wohl sagen, dass Shirley Temple und dieser kindgleiche-Spirit Einfluss darauf hatten, wie diese beiden Künstler Ruhm/Prominenz auch sahen. Wie Crispin Glover in der Dokumentation sagt: „Es gibt ein paar wenige Menschen in der Geschichte, für die du nur ein paar Dinge zusammenfügen musst, und du erkennst die Person, wie Abraham Lincoln, Teddy Roosevelt oder Groucho Marx.“ Man weiß schnell, was er damit meint. Zylinder und Bart = Lincoln. Nasenzwicker-Brille und Schnurrbart = Roosevelt. Schnurrbart, Nickelbrille und Zigarre = Groucho. Bei Andy Warhol und Michael Jackson funktioniert es definitiv genauso.

Bei Andy Warhol denkst du sofort an die helle Haut und die silbrigen Perücken. Matt Wribican, ein Kurator des Andy Warhol Museums in Pittsburgh, sagte, dass die Perücken etwas waren, was Warhol ausdrücklich als Kunst betrachtete, und er rahmte aus dem Grund tatsächlich einige davon ein. Ultra Violet, ein Warhol “Superstar“ aus der The Factory-Zeit, beschreibt, wie Warhol durch seine Kunst eine neue Mythologie erschuf – die Mythologie von Hollywood und dem Amerikanischen Traum. Wohlstand, Glamour und Prominenz sind ein grosser Teil der Kunst Warhols, und seine eigene Prominenten-Rolle kann als Erweiterung davon definiert werden.

Bei Michael Jackson denken wir an die beispiellose Bekanntheit, die Haare und Sonnenbrillen; den Glitzerhandschuh und die Fedora, die bezeichnenden Tanzschritte, das „hee-hee“ und „aeow“! Das ist jedenfalls das klischeehafte Popstar-Image von Michael Jackson.

Willa: Das stimmt und es ist interessant darüber nachzudenken, wie diese Symbole funktionieren, und wie kraftvoll sie sind. Zum Beispiel wollte mein Sohn sich vor 5 Jahren für Halloween als Michael Jackson verkleiden. Er zog also einen schwarzen Fedora an, eine schwarze Jacke und Hose und weiße Socken. Ich schlug vor, er solle auch seine Haare schwarz machen, aber er sagte nein, das sei nicht nötig – und er hatte Recht. Mein Sohn lief durchs Viertel als ein blonder, blauäugiger Michael Jackson, und jeder wusste sofort, wer er war. Er musste nicht wie Michael Jackson aussehen – er musste nur in diese Ikonografie schlüpfen, die Michael Jackson für sich erschaffen hatte. Diese Symbole blendeten alles andere völlig aus, meine Nachbarn sahen einen kleinen, blonden Jungen an und dachten sofort „Michael Jackson“. Und mein Sohn verstand das mit seinen 12 Jahren wohl tatsächlich besser als ich.

Lisha: Ist es nicht interessant, dass das bei allen Altersklassen, Rassen und Ethnien, als auch bei Jungen und Mädchen gleichermassen funktioniert? Solange du eine Kombination diese Symbole benutzt, wird es sofort erkennbar. Und bedenke auch, es gibt ja nicht nur eine Gruppierung von Symbolen, die Michael Jackson identifiziert. Ein Retro-1980-Club in meiner Nachbarschaft lud Leute ein, als Michael Jackson verkleidet zu kommen. Stell dir die vielen Möglichkeiten vor!

Willa: Das ist fantastisch! Und du hast Recht – es gibt für die verschiedenen Dekaden eine unterschiedliche Symbologie. Eine rote Lederjacke erweckt eine andere Ära, als ein weißes T-Shirt und schwarze Hosen.

Lisha: Ja, das gilt für unterschiedliche Ären und auch für unterschiedliche Charaktere und Lieder. Es gibt einfach so viele davon: die Armbinde, die Operationsmaske, die ins Gesicht fallenden Haare, die glitzernden Military-Jacken, die Armschiene, die Glitzersocken und die schwarzen Loafers… Symbole die auf Michael Jackson und die gesamte „Michael Jackson“ Mythologie verweisen. Z.B. die rote Lederjacke in Thriller oder Beat It und der weiße Anzug und Hut in Smooth Criminal, sind Symbole, die nur für diesen besonderen Film oder Song gedacht waren, aber sie wurden so untrennbar mit der Musik verbunden, dass es nötig war, sie auch in den Live-Auftritten zu verwenden. Diese Symbole helfen dabei, die Charaktere zu formen, die die gesamte „Michael Jackson“ Mythologie ausmachen.

Ich erinnere mich an ein Interview mit David Nordahl, einem der Portraitmaler Michael Jacksons, der über den Gegensatz von Michael Jackson und „Michael Jackson“, dem Prominenten sprach. Jackson mochte es nicht, für Portraits zu sitzen, also malte Nordahl nach Fotografien. Ob du es glaubst oder nicht, er sagte, es war schwierig ein gutes Foto von Michael Jackson zu bekommen, es sei denn er „war Michael“. Aus Sicht eines Künstlers waren Michael Jackson und „Michael Jackson“ also sogar unterschiedlich zu fotografieren.

Willa: Wow, Lisha, das ist faszinierend! Und ich glaube genau zu wissen, worüber Nordahl spricht. Ich habe tausende Fotos von Michael angesehen, darunter viele ungestellte, und es stimmt – du kannst wirklich sagen, wann er „Michael“ ist, und wann nicht. Es ist, als ob er eine Pose einnimmt, ein Licht einschaltet und transformiert. Es ist schwer, exakt zu sagen, was genau es ist, was Michael Jackson von „Michael Jackson“ unterscheidet, aber ganz sicher fühlst du es, wenn du es siehst.

Lisha: Zum Großteil ist es so, dass alle Stars eine sorgfältig konstruierte Persönlichkeit und Masken benutzen, um ein öffentliches Image zu erschaffen. Die Musik- und- Filmindustrie studiert diese Images sehr sorgfältig, weil das Star-System entscheidend für die Vermarktung ihrer Produkte ist. Aber im Fall von Michael Jackson denke ich, dass noch viel mehr dahinter steckt. Gab es jemals eine Star-Persönlichkeit, die so komplex war und sich so radikal veränderte, wie die von Michael Jackson? Ich denke, hier ist ein sehr enstzunehmender Künstler am Werk, der wie Warhol, nicht mit Ruhm/Berühmtheit, den Massenmedien oder Kommerz auf Kriegsfuß steht. Vielmehr glaube ich, dass er es sowohl als Kunst, wie auch als System ansah, die Kunst zu verbreiten.

Willa: Ich weiß nicht, Lisha. Ich verstehe, was du sagst, und stimme dir voll und ganz zu, dass er ein sehr raffinierter Choreograf von Berühmtheit/Ruhm und den Medien war, sowohl als Mittel, seine Kunst zu verbreiten, als auch als Element seiner Kunst. Auf gewisse Weise wurden die Massenmedien Teil der Palette zur Erschaffung seiner Kunst, und das halte ich für wichtig und revolutionär. Auf diese Idee möchte ich gerne heute während unseres Gesprächs noch näher eingehen.

Aber gleichzeitig denke ich, dass es Zeiten gab, wo er mit den Massenmedien auf Kriegsfuß stand. Du weißt, dass Warhol dachte, jede Art von Publicity sei gut. Egal, ob die Medien dich loben oder kritisieren, alles war gut, solange sie nur überhaupt von dir sprachen. Er sagte es so: „Achte nicht darauf, WAS sie über dich schreiben. Messe es einfach nur in Zentimetern.“

Aber ich denke, bei Michael Jackson war das komplizierter, teils wegen seinen Erfahrungen mit rassistischen Vorurteilen oder anderen vorgefassten Meinungen, teils wegen den Belästigungs-Skandalen, und teils wegen einigen beängstigenden Erfahrungen mit unkontrollierbaren Menschenmengen als Kind. Ich denke, diese Erfahrungen verschafften ihm ein tiefes Bewusstsein – vielleicht sogar eine Furcht – für Massenhysterie und dieser Mob-Mentalität, die manchmal überhand nimmt. Und wenn die Medien dich auf eine Art portraitieren, die völlig konträr ist zu deinen tiefsten Überzeugungen, und auf eine Art, die einer auf Ignoranz und Vorurteilen basierenden Massenhysterie Nahrung gibt, dann wird er Warhol stark widersprechen.

Lisha: Ich muss sagen, da sprichst du ein paar wichtige Punkte an. Und es besteht kein Zweifel daran, dass es eine sehr komplizierte Situation ist, ein gefeierter und einflussreicher junger Schwarzer zu sein, der die Entertainment Industrie dominiert; das bringt alle Arten von Ignoranz und Vorurteilen hervor.

Willa: Genau, und das sind Komplikationen mit denen Warhol nie konfrontiert wurde, die er nicht einmal in Betracht ziehen musste.

Lisha: Aber war Warhol nicht auch in seinem Leben vielen Vorurteilen ausgesetzt? Zu der Zeit, als die weiße, männliche, heterosexuelle Kunstwelt sein Aussehen, seine Sexualität und seinen Erfolg als kommerzieller Künstler missbilligte?

Willa: Ja, das ist ein guter Punkt, Lisha. Warhol war dem Widerstand und den Vorurteilen der „weissen, männlichen, heterosexuellen Kunstwelt“ ausgesetzt – und diese Welt war ganz schön macho und homophob, besonders in den 1950ern, als er anfing. Ich meine, ich dachte an ihre öffentliche Person, besonders an ihre Gesichter als provokative Form von Kunst. Warhol veränderte die Form seiner Nase, hellte seine Haut auf (zum Teil, um seine Hautton wegen dem Pigmentverlust auszugleichen), trug Perücken – und dieses öffentliche Gesicht stellte gesellschaftliche Normen in Frage und wurde ein wichtiger Teil seiner Kunst, wie wir schon zuvor sagten. Aber es löste nicht einen solchen Feuersturm aus, der losbrach, als Michael Jackson genau das gleiche tat.

Die Farbe deiner Haut, die Form deiner Nase und die Farbe und Beschaffenheit deiner Haare, dienen alle als Zeichen deiner Rasse, als Michael sich traute, diese Zeichen zu verändern, betrat er damit ein kulturelles Niemandsland. Das war bei Warhol einfach kein Thema – und das meinte ich mit „Komplikationen mit denen Warhol nie konfrontiert wurde, die er nicht einmal in Betracht ziehen musste.“ Das sich verändernde Aussehen Warhols wurde bemerkt und kommentiert, aber es setzte keine Welle von Anfeindungen in Gang, wie sie das veränderte Aussehen Michael Jacksons auslöste, mit Beschuldigungen, er hasse oder verrate seine Rasse, oder würde unverschämter Weise versuchen „weiß“ zu sein.

Lisha: Ich denke, genau so ist es. Die Reaktionen auf das Aussehen Jacksons unterschieden sich sehr von denen, die je über die gleichen Veränderungen bei Warhol gemacht wurden, und sie erzeugten sehr viel Anfeindungen in Richtung Jackson. Und trotzdem frage ich mich, ob Michael Jackson wirklich mit Ruhm/Berühmtheit und den Medien ganz allgemein auf Kriegsfuß stand, oder versuchte er, Fehler in diesem System zu korrigieren?

Willa: Exzellente Frage…

Lisha: Ich denke, Michael Jackson war, wie auch Warhol, an Kontroversen im Stil von P.T.Barnum interessiert, aber dabei gibt es ein Element, was sich der Kontrolle des Prominenten entzieht. Eine falsche Beschuldigung, ein fiktiver Skandal oder unfaires Vorurteil kann alles ruinieren, wofür der Künstler sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, ohne dass es ihr Fehler ist. Wir wissen, dass die Mob-Mentalität etwas sehr reales ist. Persönlich bin ich sehr stolz auf die Fans von Michael Jackson, die die Medien immer weiter herausfordern und einige der verheerenden Konsequenzen ans Licht bringen, die durch das Zusammenwirken von Profit, News, und Unterhaltung entstanden. Ich denke, Michael Jackson wollte mit dem Star-System kooperieren und es nutzen, um gute Dinge zu tun, aber er zögerte nicht zu zeigen, wo die Dinge gefährlich falsch laufen, was wiederum zum Teil seiner Kunst wurde.

Willa: Ich erkenne, was du sagen willst, Lisha, und ich denke, das ist eine ausgezeichnete Art, es zu umrahmen: dass er die Promi-Medien auf der einen Seite genutzt, sie aber auf andere Art kritisiert hat und sie im Grunde nutzte, um sie selbst zu kritisieren. Und ich stimme zu, dass Andy Warhol und Michael Jackson beide ihre Berühmtheit auf neue und faszinierende Art besetzten und choreografierten – auf eine Art, die andeutete, dass ihre Berühmtheit selbst ein wichtiger Teil ihrer Kunst war – und ich möchte noch mal auf das zurückkommen, was du vorher gesagt hast über David Nordahl und die Unterscheidung, die er gemacht hat und die andere genauso gemacht haben zwischen Michael Jackson und „Michael Jackson“.

Zum Beispiel werde ich dadurch an etwas erinnert, das Bruce Swedien in seinem Buch In the Studio with Michael Jackson erwähnt. Er arbeitete 30 Jahre lang mit Michael Jackson und er und seine Frau Bea kannten ihn wirklich sehr gut – also die Seite des “sanftmütigen Studioarbeiters”. Aber dann betrat er die Bühne, verwandelte sich in “Michael Jackson” und haute sie einfach um. Swedien sagt: “Bea und ich sind mit Michael zu seinen Konzerten gereist, um die ganze Welt, (und) oft haben wir gedacht, dass wir ihn gar nicht kennen, Michael Jackson, den Performer, diese erstaunliche Person auf der Bühne.” Sie waren wie zwei vollkommen verschiedene Wesen.

Lisha: Die Leute, die das sahen, sagen, dass es wahrlich erstaunlich war. In My Friend Michael erinnert sich Frank Cascio liebevoll daran, wie er zu seinem ersten Michael Jackson Konzert ging, wie er tatsächlich seinen Vater fragen musste: “Ist das derselbe Michael Jackson, der zu uns nach Hause kommt?” Die Verwandlung auf der Bühne war so vollkommen.

Willa: Oh, ich stelle mir vor, wie frappierend es gewesen sein muss! Und dann, natürlich, gibt es noch den “Michael Jackson”, der in den Medien existierte, und das ist wiederum eine vollkommen andere Person. Und auf gewisse Art ist es die Interessanteste von allen, weil es solch eine bewusste Erschaffung ist. Wie du schon vorher erwähnt hast, Lisha, ist es weit mehr als der Öffentlichkeit ein positives Image zu präsentieren. Stattdessen scheint er die Engstirnigkeit gegenüber Identität zu untersuchen und damit die Art und Weise zu hinterfragen, wie wir Identität “lesen”, basierend auf physischen Merkmalen, ganz besonders Merkmalen bezüglich der Rasse und Geschlechterzuordnung. Das ist etwas, was wir in einem gewissen Maß ebenso bei Andy Warhol erkennen können, wie auf den Fotos in der Dokumentation, in denen er Lippenstift und Lidschatten trägt und so Kennzeichen für sich annimmt, die normalerweise mit Frauen assoziiert werden, obwohl er immer noch eindeutig ein Mann ist. Hier ist ein

Andy Warhol genderbending-1

Lisa: Das hinterfragt ganz sicher die Vorstellungen der weißen, männlichen, heterosexuellen Kunstwelt hinsichtlich der Tatsache, wer als ein großer Künstler verehrt werden kann, nicht wahr?

Willa: Das tut es. Was aber vielleicht unsere Identität am meisten von allem definiert ist unsere Stimme, und Warhol hatte sogar eine separate öffentliche und eine private Sprechstimme – etwas, das auch über Michael Jackson regelmäßig gesagt wurde. Ich war sehr überrascht Warhols Stimme zu hören, mit der er am Telefon zu seinem Bruder sprach (etwa bei 1 1/2 Std. in der Doku), weil sie sich so sehr von der langsamen, banalen öffentlichen Stimme unterscheidet, die wir zu hören gewohnt sind.

Wir wissen nicht viel über Warhol, den Menschen hinter der öffentlichen Person – er ist eine geheimnisvolle Figur, die wir, die Öffentlichkeit, selten zu sehen bekamen. Er war ein gläubiger Katholik, der jede Woche die Messe besuchte, ein schüchterner Workaholic und ein innovativer Künstler, der sich vollkommen seiner Kunst verschrieben hatte. Aber sein Image in der Öffentlichkeit ist ganz anders: grob materialistisch, oberflächlich, ironisch, keine Gefühle zeigend, gleichgültig – ein Beobachter, der durch das Studio schlenderte und andere dabei beobachtete, wie sie für ihn arbeiteten. In einigen Interviews sagte er, dass er nicht mehr daran beteiligt sei, seine Kunst zu erschaffen und dass er nicht sicher sei, wer das tue – vielleicht seine Mutter, vielleicht die Putzfrau. Das ist eine erfundene Geschichte, natürlich, aber das ist das Image, das Warhol ganz bewusst für sich selbst erschuf.

Und dann brachte Michael Jackson dies auf eine gänzlich neue Ebene …

Lisha: Sorry, aber ich brauche eine Minute, um mich von der Vorstellung zu erholen, wie Andy Warhol der Presse erzählt, dass er nicht sicher sei, wer all diese Kunstwerke erschaffe, vielleicht seine Mutter oder die Putzfrau. Das ist das absolut Lustigste, das ich je gehört habe!

Willa: Ist das nicht saukomisch? Er war wirklich sehr lustig …

Lisha: Obwohl ich gehört habe, dass Mrs. Warhola wirklich einige von Andy Warhols Kunstwerken für ihn signiert habe – er liebte einfach ihre Handschrift. Im Grunde wird es ihr zugerechnet dieses Albumcover von 1957 für The Story of Moondog von Louis Hardin mit ihrem Sohn kreiert zu haben. Es erinnert mich an Michael Jacksons Zusammenarbeit mit seiner Mutter Katherine Jackson, die den Shuffle Rhythmus für The Way You Make Me Feel beisteuerte.

Willa: Oh, wirklich? Das hatte ich noch nicht gehört, über keinen von ihnen. Wenn es also stimmt, dass Andy Warhols Mutter an dem Albumcover mitgearbeitet hat, dann hat sie wirklich eine wundervolle Handschrift.

Und ich schätze, wir sollten nicht zu laut lachen, wenn Warhol andeutet, dass er seine Kunst nicht selbst herstellt, weil da ein Fünkchen Wahrheit dran ist. Ich meine, dass Warhol nicht alle seine Drucke mit seinen eigenen Händen hergestellt hat. Er war sehr in den gesamten Prozess eingebunden – entwarf sie, bestimmte die Produktionsdetails, unterzog sie alle einer kritischen Überprüfung – aber er stellte sie nicht alle selbst her. Wir erwarten auch nicht, dass Calvin Klein zum Beispiel jeden Stoff, der seinen Namen trägt, selbst bestickt – wenn er ihn entwirft, dann reicht es, seinen Namen zu Recht darunter zu setzen. Jedoch gibt es diese Erwartung, dass ein Künstler all seine Kunstwerke eigenhändig fertigt. Warhol hinterfragte das, nannte sein Studio sogar The Factory – Die Fabrik, und dies ist ein weiterer Bereich, in dem er kommerzielle Kunst mit hoher Kunst verband und auf diese Weise nicht nur ganz neue Werke, sondern ein ganz neues ästhetisches Empfinden erschuf. Und diese neue Ästhetik spiegelt sich in seiner öffentlichen Rolle ebenso wider.

Lisha: Ganz genau. Dies ist ein exzellenter Punkt, den Dennis Hopper in der Dokumentation eingebracht hat, und er hat absolut Recht. Wir neigen dazu, zu vergessen, dass all die großartigen europäischen Meister in ihren Studios andere Künstler unter ihrer Anleitung für sich arbeiten ließen. Es ist nicht so, dass ein einzelner Künstler das Gerüst aufgebaut hat, um die Sixtinische Kapelle auszumalen. Aber da sind so einflussreiche kulturelle Mythen im Umlauf – die des gequälten einsamen Künstlers in seiner Dachkammer, der an einem großen Meisterwerk vor sich hinarbeitet, während er sich weigert sich für seine Kunst “zu verkaufen” – wie in Puccinis berühmter Oper La Boheme. Ich glaube, in Wirklichkeit ist das eher eine Auffassung der Romantik des 19. Jahrhunderts als eine genaue Wiedergabe des kreativen Prozesses. Aber wenn du erst einmal auf diese Sichtweise eingestellt bist, kannst du erkennen, wie verbreitet sie ist.

Willa: Das ist ein interessanter Punkt, Lisa, und wir erkennen diese Voreingenommenheit bezüglich des “einsamen Genies” sogar jetzt in kritischen Reaktionen auf Prince und Michael Jackson zum Beispiel. Prince wird als das einsame Genie gesehen, das allein in seinem Studio hockt und die meisten der Instrumente auf seinen Alben selbst spielt, während Michael Jackson eher der gemeinschaftlich Arbeitende war und auch eher als kommerzieller Künstler wahrgenommen wurde. Seine Einstellung schien zu sein, dass wenn ein Musiker, der sich seinem Instrument widmet, es besser spielen konnte als er: Warum sollte er dann nicht den Besten dazu holen?

Lisha: Da ich Musikerin bin stimme ich dem ganz sicher zu! Aber der Mythos des einsamen, verrückten Genies ist solch ein geschätztes, kulturelles Symbol, dass ich auf viele Arten denke, wir haben immer noch Beethoven-Mania!

Wie Warhol trieb Michael Jackson die Vorstellung der Zusammenarbeit zum Äußersten. Auf Dangerous zum Beispiel, dem ersten Album, für das Jackson als selbst ausführender Produzent arbeitete, lies er über 18 Monate lang drei Produktionsteams gleichzeitig arbeiten, um das Endprodukt zu erstellen. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder diese Art von Produktionswert sehen werden. Die Leute, die an den Aufnahmen arbeiteten, sprechen über die unglaubliche Aufmerksamkeit gegenüber den Details, in die sie verfielen und den Willen eines jeden Beteiligten den ganzen Weg mitzugehen, um am Ende das beste, menschenmögliche Ergebnis zu erhalten.

Und obwohl Jackson berüchtigt für seine Detailbesessenheit war, so war er doch auch sehr flexibel darin, dem kreativen Input, der innerhalb dieses Systems entstand, Raum zu geben. Bruce Swedien zum Beispiel, ein Aufnahmeingenieur, bekam Credits für das Schreiben an Jam. Bill Bottrell, ein Produzent / Techniker, kreierte den Rap und viele der Rock-Country-Instrumentals auf Black or White.

Also war Michael Jackson aufgeschlossen gegenüber den Ideen und dem Talent um sich herum, und er nutzte dies wahrlich zu seinem Vorteil. Warhol scheint diese Fähigkeit ebenso gehabt zu haben – Hilfe, Ideen und Inspiration aus vielen verschiedenen Quellen anzunehmen. Offenbar war es ein Kunsthändler, Muriel Latow, der den Vorschlag machte, er solle doch erwägen, so etwas Alltägliches und Gewöhnliches wie eine Suppendose zu malen – der Rest ist Geschichte.

Und ich war überrascht zu erfahren, dass Andy Warhol tatsächlich jeden Tag seines Lebens Campbell’s Suppe aß; es ging also nicht nur um postmoderne Ironie und um Kritik an der Konsumkultur, wie ich gedacht hatte. Seine Mutter hatte immer Campbell’s Suppe für ihn, als er ein Kind war, und es schien ihm wirklich eine Menge bedeutet zu haben – Wärme, Versorgtsein, Mutterliebe. Er malte seine Realität, und ich sehe diese Gemälde anders, seit ich das über ihn verstanden habe und wie das im Gegensatz zu seinem kühlen, gleichgültigen Image steht.

Willa: Oh, ich sehe das genauso – es hat mich immer getroffen, welch tröstliches Gefühl von seinen Campbell’s Suppen-Bildern ausgeht. Sie werden oft als ironisches Statement gedeutet, wie du sagst, und ich kann das in intellektueller Hinsicht erkennen, aber das ist nicht das, wie sich das auf emotionaler Ebene für mich anfühlt. Da ist ein wirkliches Gefühl der Wärme und Beruhigung. Es ist so, als wollte er sagen, dass die Leute den Trost, den sie einst in den bekannten Symbolen der katholischen Kirche fanden – den Bildern von der Jungfrau Maria zum Beispiel – heute durch die vertrauten Symbole der Konsumkultur wie den Campbell’s Suppendosen erhalten. Während also die Künstler der vergangenen Jahrhunderte religiöse Symbole malten und formten, richtete er seinen Fokus auf die neue Bilddeutung der Konsumenten. Es ist ein brillanter Einblick.

Lisha: Es ist wahrlich ein brillanter Einblick, die Vermählung des Kostbaren mit dem Alltäglichen. Das ist etwas, was wir in jedem Aspekt in Michael Jacksons Werk erkennen, von den hochwertigen Produktionen, die er in das abgewertete Genre des Pop einbringt bis zu den handbestickten Couturejacken, die er mit T-Shirts und Levi’s 501 Jeans trug. Kunst und Mythos durch sein berühmtes Image zu erschaffen ist nur ein weiteres Beispiel.

Und wie du schon vorher gesagt hast, Willa, brachte Michael Jackson die Vorstellung vom Image einer Berühmtheit auf ein völlig neues Level. Ich kann nicht einmal ansatzweise erkennen, wie man dagegen einen Einwand erheben könnte. Ich bin sicher, du hast das Interview 60 Minutes mit Karen Langford, Michaels Archivarin, gesehen, in dem sie einige seiner früheren Notizen zeigt, die nun das „MJ Manifest“ genannt werden. Es war Michael Jacksons erklärtes Ziel, dass „MJ“ eine komplett andere Person, eine gänzlich neue Rolle sein sollte, für die er große, ehrgeizige Pläne hatte.

Willa: Das ist komisch, Lisha – ich habe auch an das Manifest gedacht. Hier ist das, was er schrieb:

MJ wird mein neuer Name sein. Nicht länger Michael Jackson. Ich möchte in eine völlig neue Rolle schlüpfen, möchte einen völlig neuen Look. Ich werde eine vollkommen andere Person sein. Die Leute sollen nie mehr von mir als dem Kind denken, das ABC und I Want You Back gesungen hat. Ich werde ein neuer, unglaublicher Schauspieler/Sänger/Tänzer sein, der die Welt erschüttern wird. Ich werde keine Interviews geben. Ich werde magisch sein. Ich werde ein Perfektionist sein, ein Forscher, ein Ausbilder, mehr als ein Meister. Ich werde besser sein als jeder große Schauspieler, der seine ganze Kraft einsetzt.

Und du hast Recht. Es zeigt wirklich, wie bewusst er seine neue Rolle erschuf und wie er darüber dachte, über diese “gänzlich neue Rolle” von MJ, nicht wahr?

manifest

Lisha: Jedes Album hatte eine neue. Ich werde nie den Schreck vergessen, als ich 1984 im Supermarkt in der Warteschlange an der Kasse stand und nach einem Foto von Michael Jackson suchte, weil es das war, worüber in jenen Tagen jeder redete, und als ich einfach keins finden konnte, musste ich mir von jemandem erklären lassen, dass ich bereits auf ein Foto von Michael Jackson blickte. Es haute mich völlig um, als ich versuchte mein früheres Thriller/ Victory Tour-Bild von Michael Jackson gegenüber dem, was ich jetzt sah, in Einklang zu bringen. Natürlich konnte sich niemand auch nur vorstellen, was noch kommen sollte. Er veränderte sich immer wieder, erst in den auf die Rasse bezogenen nicht eindeutigen Protagonisten in Bad, dann in den grenzüberschreitenden Charakter in Black or White auf Dangerous bis hin zu dem farblosen fremdartigen “Anderen” in Scream für das HIStory-Album.

Willa: Was einen wichtigen Punkt berührt – dass die Rollen, die Warhol und Michael Jackson erschufen nicht notwendigerweise beabsichtigten anziehend zu sein. Sie waren weitaus komplizierter und provokativer als das. Der Erzähler fragt fast am Beginn der Dokumentation:

Aber wer war Andy Warhol? Auf seiner Reise von Andrew Warhols änderte er nicht nur seinen Namen, sondern schneiderte seine Persönlichkeit nach Maß, um einen mechanischen, fabrikproduzierten Markennamen zu erzeugen, der die Celebrity- und Konsumkultur jener Zeit verkörpern würde.

Dieser “mechanische, fabrikproduzierte” Aspekt seiner “Marke” war nicht besonders attraktiv, wenigstens nicht im traditionellen Sinn. Und das waren auch nicht seine Perücken oder seine rüde materialistische öffentliche Rolle. Aber seine Perücken, seine Rolle und sein Markenname wurden nicht nach traditionellen Schönheits- oder Wirkungsstandards beurteilt, weil es verstanden wurde, dass sie Teil seiner Kunst sind, und so müssen sie auf komplexere Art, eben wie Kunst, interpretiert werden.

Und ich denke, dies ist eine Vorstellung, die sehr viele Kritiker im Hinblick auf Michael Jackson wirklich missverstanden haben. Es wird im Allgemeinen angenommen, dass er in seiner späteren Karriere versuchte etwas Attraktives zu zeigen, etwas Anziehendes für ein Massenpublikum und dass er dabei scheiterte. Aber wenn wir uns zum Beispiel die Lyrics zu Is It Scary ansehen, dann erkennen wir, dass er etwas sehr viel Komplizierteres und Interessanteres als das tat. Neben anderen Dingen zwang er uns zur Konfrontation mit unseren Vorurteilen – Vorurteile, die die Presse und die Öffentlichkeit versuchten seinem Gesicht und seinem Körper aufzuerlegen, weil er für “schwarz” stand, für “männlich”, für einen “Popstar” oder “nur einen Popstar” – und später, schrecklicherweise, für einen “Freak” und ein “Monster”.

Wie ändert sich also unsere Wahrnehmung, wenn wir beginnen, Michael Jacksons öffentliche Rolle als eine künstlerische Kreation zu sehen, so wie wir es auch bei Andy Warhol machen? Und wie deuten wir es, wenn wir uns auf diese Weise annähern?

Lisha: Nun, ich denke, es wäre ein sehr viel einfacherer Weg für Michael Jackson gewesen, wenn er von Anfang an seine privaten gesundheitlichen Beschwerden öffentlich gemacht hätte, mit dem Mythos gebrochen und die Veränderungen seiner Erscheinung erklärt hätte. Er hätte ein Fürsprecher für jene wie ihn werden können, die an Vitiligo und Lupus leiden und so das Bewusstsein für diese Krankheiten schärfen können. Ich glaube nicht, dass er die erbarmungslosen Medienprügel und die Verfolgung hätte ertragen müssen, wenn das sein Ziel gewesen wäre.

Aber statt einige Wenige zu begünstigen, denke ich, sah Jackson eine weit größere Möglichkeit, die heute immer noch enorme, kulturelle Resonanz findet.

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu. Ich glaube nicht, dass wir auch nur begonnen haben, die Bedeutung seines sich verändernden Gesichtes – als einem Kunstwerk – zu ermessen und die es auf uns in psychologischer Hinsicht als Individuen und in kultureller Hinsicht als globale Gesellschaft hat.

Lisha: Das stimmt. Dr. Sherrow Binder, ein Professor für multikulturelle und Geschlechter-Studien an der California State University in Chico hat behauptet, dass, als Jackson das Denkbild der “natürlichen Körper und feststehenden Identitäten als vorherbestimmt und kontrolliert” in Frage gestellt hat, ihm dafür “kulturell Widerstand geleistet werden musste, er in seine Schranken gewiesen oder schlimmer noch bestraft und erniedrigt wurde, damit der Gesellschaft weiterhin ihr gewohntes Umfeld der Normalität gewährleistet werden konnte.”

Willa: Absolut, und die Intensität dieser Zurückweisung ist ein bedeutender Indikator dafür, wie grundlegend und bedrohlich dies war – seine Überschreitung einer “festgelegten Identität”, wie Pinder es nennt, basierend auf traditionellen Vorstellungen von Rasse, Geschlechterkategorien und Sexualität. Michael Jackson stellte dies alles in Frage, indem er seinen Körper “umschrieb”, woraus sich ergab, wie sich die Art änderte, auf die Identität durch seinen Körper dokumentiert war.

Lisha: Medien in aller Welt fahren damit fort, zu spekulieren und Geschichten über “Michael Jackson” zu fabrizieren, wobei sie oft Fakten missachten, die seit einiger Zeit abrufbar sind. Die Erfindungen der Medien folgen fast immer einigen Variationen des “Wacko”, “Freak” oder der Erzählung der “Monsterfigur” und reflektieren so mehr das Bedürfnis der Gesellschaft ihn zu “normalisieren”, als es jemals über Michael Jackson getan wurde. Und Jackson wurde sich so intensiv seiner Funktion als Spiegel des allgemeinen Denkens bewusst, dass er anfing, dies für seine künstlerischen Zwecke zu nutzen, wie in Is It Scary (“Ich werde genau das sein, was du sehen willst / Du bist es, der mich jagt, denn du willst, dass ich der Fremde in der Nacht bin“) und in Threatened (“Ich bin der lebende Tote, der dunkle Gedanke in deinem Kopf / Ich hab gerade gehört, was du gesagt hast, genau deshalb solltest du dich durch mich bedroht fühlen“).

Willa: Und wir sehen, wie dieser Gedanke in Ghosts buchstäblich umgesetzt wird, als der Maestro in den Körper des Bürgermeisters steigt, ihm einen Spiegel vor das Gesicht hält und ihn zwingt Zeuge seines eigenen inneren “Freaktums” zu sein. Dieses Freaktum, das der Bürgermeister so verabscheut ist nicht im Maestro – es ist in ihm selbst.

Lisha: Das ist solch eine brillante Szene – sie zeigt seine wahre Beherrschung dieses Phänomens.

Und noch eine weitere mythische, künstlerische Kreation von “Michael Jackson” war bereit die “Welt zu heilen”, die Vorstellung der Entstehung einer neuen emphatischen Zivilisation. Eines seiner eindrucksvollsten Kunststücke war, sich auf magische Weise der Farbe seiner Haut zu entledigen, um ein für alle Mal körperlich zu demonstrieren, dass “es keine Rolle spielt, ob du schwarz oder weiß bist“. Als es eindeutig wurde, haben einige die Botschaft nicht verstanden, da ging er noch einen Schritt weiter und wurde farblos – buchstäblich farblos. Scream und Stranger In Moscow zeigen dies so eindeutig.

Willa: Und es ist ziemlich klar, dass das eine bewusste Entscheidung war. Beide Videos wurden in Schwarz-Weiß mit übermäßig heller Beleuchtung auf seinem Gesicht aufgenommen, um die Farbe auszuwaschen, sogar Abstufungen von Farbe.

Lisha: Absolut. Für mich ist es offensichtlich, dass dies das Werk eines brillanten und bahnbrechenden Künstlers ist. Ich hasse es zugeben zu müssen, dass es erst nach dem Tod Michael Jackson war, als ich mir endlich sein Werk angesehen und festgestellt habe, welch neue Art von Kunst dies gewesen ist – einfallsreiche und exquisit hergestellte Musik voller klanglicher Innovationen und sogenannter „hochkünstlerischer“ wahrnehmbarer Schönheit, in Einklang gebracht mit Symbolik und Mythen, der Masse dargebracht durch das unterschätzte Popgenre und das Celebrity Starsystem. Aber es war noch so viel mehr – es explodierte von der Bühne herunter und aus der Leinwand heraus in unsere sozialen Diskussionen und in unser Alltagsleben, um uns dazu zu ermuntern über unsere verwirrende und gewalttätige Vergangenheit hinauszugehen.

Und obwohl ich dem seinerzeit keine Aufmerksamkeit geschenkt habe, bin ich zu der Feststellung gekommen, wie gewaltig Michael Jackson mich beeindruckt hatte, ohne dass ich es überhaupt wusste. Von 1969 bis 2009 war Michael Jackson eine konstante Präsenz, und ich glaube, du kannst den Einfluss, den er hatte, gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn man von der intensiven Medienberichterstattung nach seinem Tod aus urteilt, dann bin ich nicht die einzige, die sich plötzlich fragte, wie es sein würde in einer Welt ohne Michael Jackson weiterzuleben.

michael-jackson-time-mag-cover-andy-warhol

– Time Magazine -Cover, Michael Jackson by Andy Warhol, 1984 –

Willa: Oh ja, so ist es. Ich glaube, Michael Jackson veränderte grundlegend unsere Wahrnehmung, unsere Emotionen und unsere gefühlsbedingten Reaktionen auf Unterschiede bei Rasse, Geschlechterzuordnung, Sexualität, Religion, familiären Beziehungen – bei Stereotypen aller Art – auch wenn wir es noch nicht realisieren. Wie du sagtest, wir waren „gewaltig beeindruckt, ohne es überhaupt zu wissen“. Und ich glaube, er revolutionierte auch unsere Vorstellung über Kunst, obwohl er seiner Zeit so weit voraus war, dass wir dies auch noch nicht realisieren. Manches davon erkennen wir noch nicht einmal als Kunst! Wir befanden uns mitten in einer ergreifenden künstlerischen Erfahrung, ohne es überhaupt zu wissen.  Es wird noch eine lange Zeit für Kunstkritiker und deren Interpretationen in Anspruch nehmen bis zu ihm aufzuschließen, denke ich, und bis man anfangen kann sich den enormen Einfluss, den er hatte, vorstellen zu können, sowohl bezüglich der Kunst und wie wir Kunst begrifflich erfassen, als auch im Hinblick auf die tiefgreifenden kulturellen Veränderungen, die er ausgelöst hat. Und das ist ein weiterer Weg den Wert eines Künstlers zu ermessen – an seiner Tiefe und der Reichweite seines Einflusses.

Fast am Ende der Dokumentation beschreibt der Erzähler, wie konstant Warhols Einfluss präsent ist in jedermanns alltäglichem Leben und fragt dann: „Wie können wir dich vermissen, wenn du nicht gehen wirst?“ Dieselbe Frage kannst du über Michael Jackson stellen. Sein Vermächtnis ist überall – vom direkten künstlerischen Einfluss auf Musik, Tanz, Film, Mode bis hin zu mehr subtilen, aber vielleicht umso bedeutenderen kulturellen Einflüssen, etwa solchen, wie wir Geschlechterzuordnungen und Rassenunterschiede lesen und interpretieren.

Lisha: Weißt du, das ist genau die Sache. Michael Jackson ist überall, wohin man auch sieht. Und verstehen wir wirklich, warum er weiterhin solch einen Einfluss hat? Die Entertainment-Industrie ist voll von verrückten Ticks, plastische OP’s, Make-up tragenden Glamrockern, Geschlechtsveränderungen usw. Rita Hayworth ist ein gutes Beispiel einer Darstellerin, die ihre spanische Herkunft „weißer gemacht“ hat, um auf der Leinwand die glamouröse Gilda zu werden. Warum also stolpert jeder über Michael Jackson? Ich denke, es wird noch eine Weile dauern all dies zu verstehen. Bis dahin werden wir weiter „mit dem Elefanten tanzen“.

(Übersetzung: Lilly, M.vd.L.)

Warhol Scream Video Michael Jackson

Zu den Bildern, die Michael in seinem Scream-Shortfilm zeigt, schreibt Willa Sitillwater in M-Poetica (Auszug aus dem Kapitel „Scream“):

Er und Janet werden die Betrachter von Kunst, das Publikum. Sie sehen sich Kunstwerke an quer durch die Geschichte, Werke, in die Bildhauer und Maler ihr Herz und ihre Seele hineingesteckt haben, aber die Weltraumreisenden verstehen sie nicht. Es ist sogar so, dass sie gelangweilt sind: Janet (in ihrer Rolle) faulenzt auf den Möbeln, Michael zappt sich mit einer Fernbedienung durch Kanäle. Es gibt keine einfache Antwort dazu, wie man die Interpretation des Publikum bezogen auf das Werk lenken kann – anders als ein selbst-reflektierendes Video wie Scream zu drehen, das die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt.

Interessanterweise ist das erste Kunstwerk, das Jackson in dieser Rolle betrachtet eine Fotografie von Andy Warhol. (Warhol erschuf vier Porträts von Jackson für das Cover des Time Magazine, welches am 19. März 1984 erschien, so revanchiert sich Jackson in gewisser Weise. Eines dieser Bilder hängt in der National Portrait Gallery, zwei andere wurden kurz nach Jacksons Tod auf einer Auktion verkauft.) Auf den ersten Blick kann man sich kaum zwei unterschiedlichere Künstler vorstellen: Warhol war so ironisch, gleichgültig, keine Gefühle zeigend wie Jackson leidenschaftlich, engagiert und einfühlsam war. Dennoch, Warhol und Jackson waren beide Pioniere in einer neuen, hoch angesehenen Kunstform. Beide wurden nicht nur Künstler, sondern kulturelle Ikonen und zwei der einflussreichsten Former der Popkultur des mittleren bis späten 20. Jahrhunderts. 

Sie trafen sich das erste Mal Anfang 1977, als Jackson 18 Jahre alt war. Die Andy Warhol Diaries enthalten eine kurze Beschreibung dieses Treffens:

Catherine und ich gingen hinüber zu Regine, um Michael Jackson von den Jackson 5 zu interviewen. Er ist jetzt sehr hochgewachsen, hat aber eine wirklich hohe Stimme … Die ganze Situation war lustig, weil Catherine und ich nichts über Michael Jackson wussten, wirklich, und er wusste nichts über mich – er dachte, ich wäre ein Dichter oder so etwas. Also fragte er Fragen, die niemand, der mich kennt, je fragen würde – ob ich verheiratet wäre, ob ich Kinder habe, ob meine Mutter noch lebt … Ich erzählte ihm „Sie lebt in einem Heim.“

Studio 54 1977

– Michael Jackson & Andy Warhol, Studio 54 – 1977 –

Ein Grund für „Fragen, die niemand, der mich kennt, je fragen würde“ ist, dass Warhol selten eine ehrliche Antwort gab. (Tatsächlich war seine Mutter schon Jahre vorher gestorben.) Teil von Warhols Kunst war die Erschaffung eines rätselhaften öffentlichen Images. Damit Kunst einen Eindruck hinterlässt, muss sie wahrgenommen und diskutiert werden; sie muss Teil eines ständigen kulturellen Dialogs werden. In Warhols Kunst, wie in seinen Gemälden von Marilyn Monroe, vollzieht er eine ernsthafte Analyse unserer Verehrung von Berühmtheiten. Er nutzte sogar den Klatsch unter Berühmten, um sich selbst und seine Werke zu fördern, und er wusste besser, wie er den Klatsch anheizen konnte, als jeder Künstler vor ihm.

Warhol und Jackson definierten den Geltungsbereich des Künstlers neu, indem sie ihr öffentliches Image zu einem bedeutsamen Teil ihrer Werke machten. Für Warhol beinhaltete dies die Kultivierung eines exzentrischen öffentlichen Gesichtes: extrem blasse Haut, pechschwarze Augenbrauen und eine Reihe von zotteligen weißen Perücken. (Warhol litt als Kind an einer Autoimmunschwäche, einer Störung, die die Pigmente seiner Haut angriff.) Das Ziel seines aufsehenerregenden Aussehens war nicht ein attraktives Äußeres, genauso wenig wie es das Ziel seiner Kunst war, hübsche Bilder zu malen. Stattdessen formte er sein Äußeres sorgfältig, um für jedermann sichtbar seine Definition des Künstlers auszudrücken, der Art des experimentellen Künstlers, der er sein wollte.

Welches eine wichtige Frage aufwirft: Wie sollen wir Michael Jacksons sich entwickelnde Erscheinung sehen, besonders die sich verändernde Farbe seiner Haut? Es begann mit einer Krankheit, die fortschreitend die Pigmente seiner Zellen zerstörte, aber es wurde wesentlich mehr als ein medizinisch bedingter Zustand. War es das Ergebnis eines tief sitzenden Unbehagens gegenüber seiner Rasse, wie gemeinhin angenommen? Oder war es etwas anderes? War es vielleicht Kunst, wie Jackson selbst sagte?

Dr. Arnold Klein, Jacksons Dermatologe, hat bestätigt, dass Jackson an Vitiligo litt, trotzdem sagte er in Interviews, dass Jackson immer auch sein Gesicht als Kunstwerk diskutierte. Jackson suggeriert dies in Scream ebenfalls, durch die Einbeziehung des Warhol Porträts und René Magrittes The Son of Man, das bald danach auftaucht. Das Gemälde von Magritte, welches in Scream abgeschnitten erscheint, um die Aufmerksamkeit auf das Gesicht des Subjektes zu lenken, oder wo das Gesicht sein sollte, zeigt einen Mann mit einem Bowler Hat mit einem Apfel vor dem Gesicht, der seinen Mund, die Nase und die Wangen verdeckt und die Stirn freilässt. Nur seine Augen sind zu sehen. Sein Gesicht wurde faktisch durch ein Stillleben ersetzt, ein Kunstwerk. Wir sehen Kunst, wo wir erwarten, ein Gesicht zu sehen.

Das Warhol Porträt und das Gemälde von Magritte verbindet ein drittes Bild – ein abstraktes von Jackson Pollock, dessen Vorname Bedeutung erlangt in diesem Zusammenhang. Es funktioniert wie ein Pfeil, sagt uns, in welche Richtung wir schauen sollen, während wir die beiden benachbarten Bilder interpretieren. Jackson betont diesen Punkt, indem er sein eigenes Bild abschneidet genau bevor er zu dem Jackson Pollock Gemälde zurückkehrt. Durch die sorgfältige Auswahl und Platzierung dieser Bilder benutzt Jackson die Sprache der Kunst, um zu erklären, dass, wie bei Warhol, sein sich änderndes Äußeres als medizinischer Zustand begann, aber nun zu einer bewussten künstlerischen Entscheidung geworden ist.

(Übersetzung: Lilly)

Willa Stillwater , M-Poetica: http://www.amazon.com/Poetica-Michael-Jacksons-Connection-Defiance-ebook/dp/B004WDRVP8

Interview mit Michael (1982), befragt von Bob Colacello, Andy Warhol (Interview Magazine)

Original Version:

http://www.interviewmagazine.com/music/michael-jackson/#_

 

Im August 1982 interviewte Bob Colacello vom Interview Magazin den damals 23 -jährigen Michael Jackson, in der Wohnung im San Fernando Valley, die der Sänger mit seiner Familie gemietet hatte, während ihr Haus nebenan renoviert wurde. (Andy Warhol rief aus New York während des Interviews an) Jackson war natürlich schon bekannt, zusammen mit seinen Brüdern, als Jackson 5, aber sein erstes Solo Album, Off The Wall, welches 3 Jahre zuvor veröffentlicht worden war, hatte ihn selbst zu seinem Star gemacht. Als dieses Interview statt fand, arbeitete er mit Steven Spielberg am E.T. Storybook, und hatte auch eine Menge Angebote für Filmrollen. Er war auch gerade dabei sein Album Thriller fertig zu stellen, welches das meistverkaufte Album aller Zeiten werden sollte.

Das folgende ist ein Auszug des Interviews, was in der Titelstory des Interview Magazins im Oktober 1982 erschien.

Interview Magazine

Bob Colacello: Hast du es als Kind schon gemocht, zu performen? Hast du es schon immer gemocht?

Michael: Immer. Ich habe das Gefühl, auf der Bühne zu sein immer genossen – die Magie, die entsteht. Wenn ich auf die Bühne trete entsteht plötzlich diese Magie von irgendwoher, und der Spirit trifft dich und du verlierst die Kontrolle über dich. Ich kam auf die Bühne bei Quincys (Jones) Konzert im Rose Bowl und wollte eigentlich garnicht auf die Bühne. Ich duckte und versteckte mich und hoffte, man würde mich hinter den Leuten nicht sehen als sie mich riefen. Dann ging ich nach oben und es packte mich sofort. Ich kletterte auf das Gerüst, auf die Lautsprecher und die Beleuchtungs-Masten. Das Publikum ging mit und ich begann zu tanzen und zu singen, so passiert das.

Q jazzfest1Qjazzfest2

(Michael Jackson – spontaner Auftritt, Rose Bowl, Budweiser Superfest, 1982)

C: Wie vergleichst du Schauspielerei mit der Bühnen-Performance?

M: Ich liebe beides. Schauspielerei ist die Sahnehaube des ganzen. Ich liebe es zu performen. Es ist wie eine phänomenale Flucht. Wenn du wirklich alles herauslassen willst, was du fühlst, dann ist dort der richtige Zeitpunkt, es zu tun. Bei der Schauspielerei ist es, als würde man eine andere Person. Ich finde das sehr schön, besonders, wenn du dich völlig dabei vergisst. Wenn du dich völlig vergisst, und das liebe ich, dann ist es magisch. Ich liebe es, Magie zu erschaffen – etwas zusammenzufügen, was so ungewöhnlich ist, so unerwartet, dass es die Leute umhaut. Irgendetwas, was der Zeit voraus ist. Fünf Schritte weiter, wie die Leute denken. Dann sehen die Leute es und sagen “Woah… damit habe ich garnicht gerechnet”. Ich liebe es, Menschen mit einem Geschenk zu überraschen, oder mit einer Bühnen Performance oder mit irgendetwas. Ich liebe John Travolta, der aus dieser „Kotter Show“ kam. Niemand wusste, das er tanzen kann und all das. Es ist wie –Boooom. Bevor er es richtig realisieren konnte, war er schon im nächsten großen Ding.

C: Er hat die letzte Zeit nicht so viel gemacht.

M: Ich weiß. Ich denke, er wählt Scripts aus und so was. Es ist für jeden immer schwer, gegen die eigenen Verdienste der Vergangenheit anzutreten.

warholimag

C: Es sieht so aus, als ob dein Verlangen, Menschen zu unterhalten, dich wirklich motiviert, Menschen zu erfreuen. Was ist mit Ruhm und Geld? Kannst du dir vorstellen, nicht berühmt zu sein? Oder ist Berühmtheit für dich ein Umstand?

M: Es hat mich nie gestört, außer wenn du mal deinen Frieden haben willst. So wie wenn du ins Kino möchtest und du sagst dir “Heute wird mich niemand belästigen, ich ziehe Hut und Brille an und ich werde diesen Film genießen und das ist alles was ich will.” Du kommst dahin, und jeder beobachtet dich und starrt dich an und im spannendsten Teil des Films tippt dir jemand auf die Schulter und fragt nach einem Autogramm. Du fühlst dich, als könntest du nicht entkommen…

C: Du bist/wohnst sehr dicht bei deinen Eltern. Sind sie jetzt auch hier, in LA?

M: Ja, Mutter ist oben, mein Vater ist im Büro.

C: Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

M: Viel Tagträumereien. Ich stehe früh auf und mache mich fertig, für was auch immer ich vor habe, Songs schreiben oder was auch immer. Etwas für die Zukunft planen und solche Dinge.

C: Bist du optimistisch für die Zukunft?

M: Ja. Ich plane immer im voraus und folge dann dem Plan/Ziel.

warholimag2

C: Achtest du viel auf Mode?

M: Nein, ich achte darauf, was ich auf der Bühne trage. Also das, was ich liebe. Ich achte nicht auf die Alltagskleidung. Ich mag es, ein Outfit oder ein Kostüm anzuziehen und mich im Spiegel anzusehen. Baggy Pants oder wirklich abgefahrene Schuhe und einfach den Charakter dieser Dinge zu spüren. Das macht mir Spaß.

C: Liebst du es, auch im normalen Leben zu schauspielern?

M: Ich mag es sehr. Es ist wie eine Flucht. Es macht Spaß. Es ist, wie wenn man etwas anderes wird, eine andere Person. Besonders, wenn du wirklich daran glaubst und dann ist es nicht wie schauspielern. Ich mag das Wort “schauspielern” nicht. Zu sagen “Ich bin Schauspieler”. Es sollte mehr sein als das. Es sollte mehr sein wie einer der es “glaubt” (zu sein).

C: Aber ist das nicht ein wenig beängstigend, wenn du total daran glaubst?

M: Nein, das ist, was ich daran so liebe. Ich liebe es, mich wirklich darin zu verlieren. (Ganz in etwas aufzugehen)

C: Warum möchtest du dich so gerne darin verlieren? Denkst du, dass das Leben so hart ist?

M: Nein, vielleicht ist es, weil ich es mag, in das Leben eines anderen zu “springen” und es zu erforschen. Wie Charlie Chaplin. Ich liebe ihn abgöttisch. “The Little Tramp”, die ganze Sache, und sein Herz – alles was er auf dem Bildschirm erschuf war Truismus. Es war sein ganzes Leben. Er wurde in London geboren, sein Vater starb an Alkohol als er 6 war. Er zog durch die Strassen in England, bettelnd, arm und hungrig. All das reflektiert er am Bildschirm und das ist, was ich auch tun möchte, ich möchte alle Wahrheiten herausbringen…

C: Fühlst du dich manchmal, als ob du die Kindheit verpasst hättest, weil du immer in der Erwachsenen-Welt auftreten musstest?

M: Manchmal.

C: Aber du magst Menschen, die älter sind als du, Menschen mit Lebenserfahrung.

M: Ich liebe Menschen mit Erfahrungen. Ich liebe Menschen die phänomenal talentiert sind. Ich liebe Menschen, die so hart gearbeitet haben und soviel Mut hatten und die jetzt ihr Gebiet beherrschen. Für mich ist es magisch, jemand solchen zu treffen, von ihm zu lernen, mit ihm zu reden. Zusammen zu arbeiten. Ich bin verrückt nach Steven Spielberg. Eine andere Inspiration für mich sind Kinder. Ich weiß nicht, woher das kommt. Wenn ich down bin, nehme ich ein Buch mit Fotos von Kindern und wenn ich sie ansehe, bringt mich das wieder hoch. Mit Kindern zusammen zu sein ist magisch….

C: Interessierst du dich für Kunst?

M: Ich zeichne gerne – mit Bleistift, Tusche – ich liebe Kunst. Wenn ich auf Tour gehe, und die Museen besuche, in Holland, Deutschland oder England – weißt du, diese riesigen Gemälde. – Ich bin einfach beeindruckt. Du denkst, ein Maler könne so etwas garnicht vollbringen. Ich kann eine Skulptur oder ein Bild ansehen und mich total darin verlieren. Ich stehe da, sehe es an und werde ein Teil der Szenerie. Es kann dich zum weinen bringen, es kann dich so sehr berühren. Sieh, das ist es, was der Schauspieler oder der Darsteller tun sollte – die Wahrheit in einem Menschen berühren. Ihrer Wahrheit so nahe kommen, dass sie Teil dessen werden was du tust und du sie überall hin führen kannst, wo du willst. Du bist glücklich – sie sind glücklich. Wie immer die menschlichen Emotionen sind, sie gehen genau mit dir mit. Ich liebe Realismus. Ich mag nicht das Künstliche. Tief in unserm Innern sind wir alle gleich. Wir haben alle die gleichen Emotionen und deshalb berührt ein Film wie E.T. jedermann. Wer möchte nicht fliegen können, wie Peter Pan? Wer möchte nicht mit einem außerirdischen magischen Wesen mitfliegen und sich mit ihm befreunden? Steven trifft genau ins Herz – wenn du zweifelst, versuche das Herz zu erreichen…

andy_warhol_andy_and_michael_jackson_d5676626h

Andy Warhol ruft aus New York an

Andy Warhol: Hallo?

Michael: Hi.

AW: Mein Gott, ist das aufregend. Weißt du, jedesmal, wenn ich meinen Walkman benutze, spiele ich deine Kassette darin ab…Was machst du so?

M: Ich war im Studio, habe Texte geschrieben und an Songs gearbeitet.

AW: Ich werde mir heute Abend eine englische Rockgruppe ansehen, im Ritz, Duran Duran. Kennst du sie?

M: Nein.

AW: Letzte Woche habe ich Blondie angesehen.

M: Wie war Blondie?

AW: Großartig. Sie ist fantastisch. Kennst du Blondie?

M: Nein, ich habe sie nie getroffen.

AW: OK, wenn du nach New York kommst, werde ich dich ihr vorstellen. Auf Tour gehen ist wohl das härteste, was man tun kann auf der Welt.

M: Touren ist etwas, wo man durch muss. Auf der Bühne zu sein ist das magischste daran..

AW: Hast du je gedacht, das du wenn du erwachsen bist ein Sänger sein würdest?

M: Ich kann mich nicht erinnern, jemals nicht gesungen zu haben, deshalb habe ich nie vom Singen geträumt.

AW: Gehst du viel weg, oder bleibst du zuhause?

M: Ich bleibe zuhause.

AW: Warum bleibst du zuhause? Es gibt soviel Spaß draußen. Wenn du nach New York kommst, dann gehen wir aus.

M: Ich möchte immer nur dann ausgehen, wenn ich in New York bin.

AW: Gehst du ins Kino?

M: Oh ja. Wir arbeiten am E.T. Album. Ich hatte eine Foto Session mit E.T., es war wundervoll… Er hat mich umarmt und alles.

AW: Ich mag Tron. Es ist, als würde man ein Video Spiel spielen. Hast du es gesehen?

M: Ja. Es hat mich nicht sehr angesprochen.

AW: Ok, dann bis bald, Danke.

M: Ja, hoffentlich…

……………………..

Übersetzung M.v.d.L. – Link zur Englischen Version:

http://www.interviewmagazine.com/music/michael-jackson/#_

Interview Mit Tom Mesereau – nach dem AEG Urteil

Tom Mesereau spricht mit Beth Karas über das Urteil im AEG Prozess. 3.10.2013

(Auszugsweise Übersetzung/Transcript) 


Beth Karas: Waren sie überrascht, dass AEG für nicht schuldig befunden wurde?


Tom: Ich bin sehr überrascht, sehr, sehr überrascht. Ich dachte, der eigentliche Streitpunkt wäre, ob AEG Conrad Murray einstellte, oder nicht. AEG behauptete, sie stellten ihn nicht ein. Die Kläger behaupteten, sie hätten ihn eingestellt. Es gab ein paar sehr triftige Hinweise, dass sie ihn angestellt hatten, inclusive dem Statement eines ihrer Chef-Angestellten, dass sie ihn eingestellt haben – er benutzte das Wort „eingestellt“ (hired). Es gab E-mails, die sehr deutlich machten, dass AEG das Risiko Conrad Murray übernommen hatten, und ich dachte, das wäre der Punkt, über den hier gekämpft werden würde. Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass sie finden könnten,  Conrad Murray sei kompetent oder fit gewesen, das zu tun, was er getan hat. 
Und natürlich habe ich dieses Urteils-Formblatt vor mir, in der die Jury angewiesen wurde, Frage nach Frage vorzugehen. Und die erste Frage: „Hat AEG Conrad Murray eingestellt?“ – dazu sagten sie natürlich Ja. Das bedeutet, sie kamen zur zweiten Frage: „War Dr. Conrad Murray unfit oder inkompetent, die Arbeit auszuführen, für die er eingestellt wurde?“ – und das beantworteten sie anscheinend mit Nein. Und dass sie das mit Nein beantworteten, war dann das Ende der Geschichte.
Ich bin sehr überrascht. Du weißt nie, was eine Jury tun wird, besonders nicht in einem Zivilprozess, wo es um Geld geht, um Besitz – es ist nicht wie in einem Straffall, wo es darum geht, ob jemand seine Freiheit oder seine Reputation verlieren soll. Aber ich dachte nie daran, dass sie finden könnten,  Dr. Murray sei nicht inkompetent gewesen – aber anscheinend haben sie das.



Beth Karas: Ich war auch überrascht, weil ich auch dachte, AEG sei sehr unvorsichtig. Besonders auch Paul Gongaware, den sie gerade zitierten, als er sagte „erinnert Conrad Murray daran, wer ihn zahlt, nicht Michael Jackson, wir sind es“. Was sicher einen Interessenkonflikt verursachte „Stell sicher, dass Michael in der Lage ist, zu performen, egal was dazu nötig ist, oder du bekommst nicht deine 150.000 $ pro Monat.” Ich dachte, AEG sollte verantwortlich sein, wenigstens zu einem kleinen Teil. Und bei Frage 2: „War CM kompetent, die Arbeit auszuführen, für die er eingestellt wurde?“, sicher wurde er nicht eingestellt, um Propfol zu geben – und ich schätze, dass es das ist, was sie (die Jury) gedacht haben könnten. Oder? Das war ein Geheimnis, zwischen Michael und Murray.


Tom: Ich weiß nicht, was die Jury gedacht hat, das wissen nur sie. Und vorraussichtlich werden einige von ihnen schon ein paar Statements dazu abgegeben. Aber vielleicht haben sie es in der Bedeutung gelesen, „War er diszipliniert?“ die Antwort war offensichtlich „nein“. „War er dazu lizensiert“? Die Antwort war offensichtlich „nein“. Sie könnten vorausgesetzt haben, dass er der Hausarzt der Familie war, für allgemeine Dinge. Ich muss davon ausgehen, dass das ihr Gedankengang war. Aus meiner Sicht war dieser Mann komplett inkompetent, eine Schlafstörung zu behandeln, die Michael Jackson ganz klar hatte, und durch diese Inkompetenz und wegen den inkompetenten Handlungsweisen, ist Michael Jackson gestorben. Mein Gedankengang war, dass AEG ihn eingestellt hatten und dieVerantwortung für ihn übernommen hatten, als Angestellter, und er war offensichtlich sehr inkompetent in der Art, wie er medizinische Behandlungen an Michael Jackson vornahm, und ich dachte, sie würden AEG dafür verantworten. Ich bin nur sehr überrascht.


Beth Karas: Michael Jacksons Fans, die sicher die loyalsten Fans der Welt sind, waren sich nicht einig darin. Einige von ihnen – ich sprach mit einem davon – sagten,  sie glauben, AEG sollte nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Aber nicht alle Fans glauben das. Ist es dann falsch von Michael Jacksons loyalen Fans, AEG mit der Sache durchkommen zu lassen?


Tom: Nein. Das ist ein freies Land und die Leute haben ein Recht, auf ihre Meinung, und die Gründe unterschiedlicher Meinung zu sein, hängt von vielen Dingen ab. Vielleicht denken diese Fans, dass es andere Ärzte gibt, die auch Verantwortlich sind – und so wie ich die Beweise verstehe, ist es so, dass andere Ärzte gab, in Deutschland, die ihm Propofol gaben, dass andere Ärzte ihn in Abhängigkeiten von unterschiedlichen Schmerzmitteln brachten, vielleicht denken diese Personen ganz aufrichtig und begründet, dass… (versteh ich leider nicht..) Ich weiß die Antwort darauf nicht, aber von meinem Standpunkt aus, übernahmen AEG das Risiko Dr. Murrays, sie stellten ihn ein, weil sie hofften, große Profite zu machen, und sie sollten dafür verantwortlich gemacht werden. Aber das ist nur meine Meinung. Anscheinend ist die Jury nicht meiner Meinung.


Beth Karas: (Frage zusammengefasst) Es scheint, dass AEG nicht viel über Murrays Hintergründe checkten, dass sie nicht wirklich viel über ihn wussten, aber sie hätten es tun sollen, oder?


Tom Mesereau: Sie schickten eine Email, mit Worten, die besagten, dass sie ihn überprüft hätten. Und ich verstehe es so, dass sie in eidesstattlichen Aussagen sagten, ihn nicht überprüft zu haben. Ich dachte, dadurch entsteht.. (ich würde sagen “ein Widerspruch” – aber ich verstehe das entspr. Wort nicht genau..)
Die Juroren waren angewiesen, nach den Fragen vorzugehen, eine Frage nach der anderen zu beantworten, und je nachdem was ihr Beschluss war, machten sie weiter, oder es war vorbei. 
Und anscheinend war es vorbei, als sie zu zweiten Frage kamen, und deshalb hatten wir auch nur eine sehr kurze Deliberation. Ich möchte noch etwas hinzufügen. Mir wurde gesagt,  in der Jury sei ein Arzt. Und ich vermute, dass die Meinung dieses Arztes sicher bei der Jury sehr beachtet wurde. Und vielleicht sagte dieser Arzt. ‘Seht, als sie ihn einstellten, war er nicht vorbestraft, er war in 3 Staaten lizensiert, er war fit dafür, die Dinge zu tun, die Michael Jackson von ihm wollte, er handelte dann inkompetent und verantwortungslos, aber er war nicht zu der Zeit (wo er eingestellt wurde) unfit.’ Ich muss wohl davon ausgehen, dass vielleicht dieser Dr. – wenn er denn Teil der Jury war – mir wurde das von einer sehr verlässlichen Quelle gesagt – vielleicht hatte dieser Dr. einen großen Einfluss. Ich weiß es aber nicht.

Beth Karas: Ich bekam viele Kommentare auf FB und Twitter zu einer Frage, die ich vor ein paar Tagen stellte: ‘Sollte AEG wenigstens teilweise verantwortlich gemacht werden?’ Und viele Antworten lauteten: ‘Nein, das ist eine geldgierige Familie, und Michael ist einfach nur ein Abhängiger, und AEG hat mit all dem nichts zutun’. Was sagen sie dazu?


Tom: Ich glaube nicht, dass das ein fairer Schluss daraus ist. Ich glaube, Michael setzte sein Vertrauen in Ärzte, er setzte immer voraus, dass sie mehr über Gesundheit und Medizin und richtiges Praktizieren verstanden, als er. Er legte sein Vertrauen und sein Leben in ihre Hände. Und so wie es scheint, haben viele Ärzte ihn betrogen. Der letzte davon war C. Murray, dessen inkompetente Handlung ihm das Leben nahm. Es ist keine Frage, dass das, was C. Murray in seinem Schlafzimmer tat, völlig inkompetent, rücksichtslos – es war einfach völlig inakzeptabel. Er hatte dieses gefährliche Anästhetikum Propofol, welches sicher ist, wenn es angemessen angewendet wird, – es wird täglich in jeder Minute in OP-Sälen benutzt, wenn du einen Anästhesisten hast, der weiß, was er tut, dann ist es wirklich sicher – wenn du Überwachungsausrüstung hast, das ganze zusätzliche Equipment, falls etwas schief geht, dann ist es wirklich sicher. 
Er hatte keine Übung im Umgang mit Propofol, er hatte nicht das nötige Equipment, er hatte kein Personal, was ihn unterstützte und was er tat war so ausgesprochen inkompetent, dass das nicht einmal zur Debatte steht.
Aber Michael, wie Debbie Rowe aussagte, hatte Vertrauen in seine Ärzte, für ihn waren sie gut ausgebildet, erfahren und sollten wissen, was sie tun. Ich glaube nicht, dass er sich je erträumt hätte,  in der Art, wie es passierte, behandelt zu werden. Aber wie es aussieht, haben Celebrities immer dieses Problem. (Er zählt die Fälle von Elvis, Marilyn Monroe auf) Aber ich denke, es besteht immer das Risiko, dass Ärzte – wie auch andere Personen, wie auch Anwälte, evt. alles tun, nur um in deiner Nähe zu sein – und es kann einem Celebritiy das Leben kosten, wenn ein Arzt die Gesetze verbiegt, nur um mit diesem Prominenten zusammen zu sein. Und das ist, was bei Michael Jackson passierte.


111ffffffkloi

Beth Karas: Viele Leute missverstehen Michael Jackson…“er hatte jede Menge plastische OPs, …etc“.. es gibt viele Beurteilungen über ihn – sogar AEG nannte ihn einen Freak…“er ist nur ein Abhängiger und er bekam einfach das, was ihm zustand“ und „die Familie hätte mehr tun sollen, hätten intervenieren sollen..“ aber stimmt das?



Tom: Es gab ein paar Familienmitglieder, die ihre Bedenken ausdrückten, und wie Michael genau auf diese Bedenken reagierte,… ich war aber nicht in diese Dinge einbezogen. Was ich weiß ist nur, dass ich wirklich erschaudere bei solchen negativen Kommentaren über Michael. Er war der Welt größtes Genie in der Entertainment Arena, er war Sänger, Choreograf, Tänzer – unvergleichlich. Fred Astaire sagte, er war der großartigste Tänzer, den er je sah, und Michael nahm nichtmal eine Tanzstunde. Du kannst seine Choreografien mit nichts vergleichen, die Risiken, die er einging, die Vorstellungskraft, die er hatte, die Dinge, die er umsetzte – alles was er in den kreativen Dingen tat, war gigantisch und unvergleichlich. Und wenn die Leute ein Genie vor sich haben, jemand, der Dinge sieht, die wir nicht erkennen, Dinge hört, die wir nicht hören, und Dinge tut, die wir nicht tun können, – und dieses Genie dann dafür kritisieren, exzentrisch zu sein, oder anders, finde ich nicht sonderlich akzeptabel. Natürlich leben wir in einer freien Gesellschaft, man kann seine Meinung sagen, aber ich mag nicht diese kleinliche Art, auf die er über Jahre behandelt wurde, weil er exzentrisch und anders war. Er war anders, er war exzentrisch, er war eines der größten Genies der Geschichte und er hatte jedes Recht, exzentrisch und anders zu sein.
Er war kein Freak, er war ein Mensch, der eine sehr ungewöhnliche Kindheit hatte, und in vieler Hinsicht eine schwierige. Er war ein 5-Jähriges Genie, er ging als 5-Jähriger Verträge ein, probte morgens um 3.00 Uhr, wenn andere Kinder schlafen, er unterstütze als 5-Jähriger eine Familie, und wer weiß, welcher Druck auf ihm lag, den dieses kleine Kind nicht einmal verstehen konnte. Er wurde immer von dem Umstand verfolgt, dass diese besondere Kindheit, ihm die Spontanität und die Dinge raubte, die Kinder erleben sollten, aber sein Genie mitentwickelte.


Was die plastische Chirurgie betrifft: Er hatte weit weniger OPs als Hunderte, Tausende Leute in Beverly Hills. Ich kenne Leute, die eine Vielzahl plastischer Ops haben, über die niemand spricht. Michael hatte ein paar OPs, und jeder reitet darauf herum. Er zahlte einen furchtbaren Preis für seinen Ruhm und seine Genialität, er wurde überall kritisiert, weil er anders war und die Leute neidisch sind, und etwas von ihm wollten. Er war definitiv einer der freundlichsten und nettesten Menschen, denen ich je begegnete und ich werde immer sehr liebevoll an Michael Jackson denken. Er war einer der angenehmsten Klienten, die ich je hatte, ein bescheidener, respektvoller Mensch, der immer zuhörte – ich hatte nie einen netteren Klienten. Und man könnte denken, jemand in seiner Position, wäre der schwierigste gewesen. Ich hatte weniger berühmte Leute, die in meine Kanzlei kamen, und versuchten grob, fordernd und schwierig zu sein. Und dieser Mann war der größte Entertainer der Welt, der berühmteste Mensch, und er war einer der freundlichsten und nettesten Menschen, die ich je traf. Ich mag diese negativen Kommentare wirklich überhaupt nicht – aber leider wurde sein Leben von diesen Kommentaren begleitet, und im Tod wird er immer noch auf diese Art attakiert. Das ist sehr traurig.

Beth Karas erzählt dann eine kleine Geschichte von einem Bekannten von ihr, der Michael einmal auf einem Lunch mit E. Taylor traf. Michael kam zu diesem Lunch und brachte dafür Elizabeth ein wertvolles Geschenk (ich glaube Schmuck) mit – und sie nimmt das als Beispiel dafür, wie großzügig und freigibig Michael war. 
Tom Mez erzählt dann nochmal, wie er vor dem 2005 Prozess im St. Barbara County versuchte, mit den Leuten in Kontakt zu kommen, um daraus zu entnehmen, was die Leute da über MJ dachten, was wichtig für die Juryauswahl war…etc..

Ab 21.00 geht es dann wieder um Murray.


Beth Karas: Conrad Murray wird wohl noch diesen Monat entlassen, um den 20 herum..


Tom: Sie werden von mir keine positiven Dinge über Murray hören.


Beth Karas: Ich hörte ein Interview mit einer Anwältin von Murray, und sie hofft, dass er seine Lizenz wieder bekommen wird. Sollte er je wieder praktizieren?


Tom: Das denke ich nicht, er sollte seine Lizenz nie zurückbekommen. Was er tat war absolut erbärmlich, selbstsüchtig, inkompetent und er bekam, was er verdient hat. Er ist verurteilt und ihm wurde seine Lizenz entzogen, in wenigstens 2 Staaten, und ich hoffe, er bekommt sie nicht zurück. Ich bin ein vergebender Mensch, und ich glaube, dass Menschen wieder was gutmachen können. Aber ich spüre bei dieser Person keine Reue, keine Verantwortungsübernahme, er scheint MJ für alles zu beschuldigen, was mit ihm passierte. Realität ist, dass Michael Jackson ihm die größte Chance seiner Karriere gab. Michael beschäftigte ihn und ging zu AEG, damit sie ihn als seinen Arzt einstellten, was die Jury heute bestätigte, und er hätte einen hohen Lohn dafür bekommen, mehr, als er je zuvor verdiente. Er wäre Teil des größten Comebacks der Entertainment-Welt geworden, er wäre mit nach London gereist – er bekam durch Michael eine Chance, von der er nie geträumt hätte. Und anstatt diese Chance gut zu nutzen, wie es ein kompetenter Arzt getan hätte, war er eingenommen von seinen Freundinnen, seiner Position, von dem Geld, was er verdienen würde und verletzte seine ethischen Pflichten als Arzt. Und er scheint niemals eine Verantwortung zu übernehmen, er beschuldigt immer Michael Jackson für seine inkompetente medizinische Behandlung. Und ich denke wirklich nichts gutes über ihn.



Beth Karas: ..aber es gibt Menschen, die sagen, er hätte als Mörder verurteilt werden müssen, und vielleicht hätte er dann mehr als 4 Jahre bekommen.


Tom: Ich wurde schon vor Murrays Prozess gefragt, was ich über eine Anklage für Mord halte. Ich weiß, dass Familienmitglieder und Fans ihn deshalb belangt haben wollten und dass eine entsprechende Strafe verhängt werden würde, ich denke, so wie Mord zweiten Grades im kalifornischen Gesetz definiert ist, hätte er deswegen verurteilt werden können, aber das Problem damit war – und ich weiß das als Verteidigungsanwalt – in dem ich oft Fälle ausnutze, die zu hoch angesetzt (overcharged) sind. Was ich oft mache, wenn jemand mit vorsätzlichem Mord beschuldigt wird, wenn es nur Körperverletzung (o.ä) war, dann versuche ich der Jury zu erklären, dass die Staatsanwaltschaft ihre Macht missbraucht und greife ihre Glaubwürdigkeit an.
Und ich hatte Bedenken, dass wenn man CM für Mord anklagen würde, man damit einige Jurymitglieder auf seine Seite bringen könnte, dass man dadurch Sympathien für ihn erreichen könnte. Ich dachte nie, dass C. Murray je beabsichtigte, Michael Jackson zu ermorden. Es macht keinen Sinn, dass er beabsichtigte, MJ umzubringen. Weil wie ich sagte, war das die größte Chance seiner Karriere. Teil dieses Comebacks zu sein, nach London zu gehen und bei Michael zu sein. Ich glaube nicht, dass er es mit Absicht tat. Ich glaube er war ein Stümper, einfach ein selbstsüchtiger, narzistischer Mensch, der sich amüsierte Teil von diesem Event zu sein, und seine Verantwortung als Arzt vergass. Und diese Pflichtvergessenheit verursachte Michael Jacksons Tod.
Er hat seine Lizenz verloren und ist ins CountyJail gekommen, dem übelsten Gefängnis – ich bin nicht froh, dass er entlassen wird, aber ich denke, er wurde angemessen bestraft – egal, wo er hinkommt, werden die Leute wissen, wer er ist „Das ist der Mann, der den Tod von Michael Jackson verursachte“. Bis er Verantwortung übernimmt, und versucht, sein Verhalten zu verändern habe ich nur Verachtung für ihn. Für einen gut ausgebildeten Arzt, für einen von Patienten und Leuten, die wußten, dass er mit Michael Jackson in Verbindung stand, angesehenen Menschen so tief zu fallen, ist schon ein Absturz. Ich hoffe, dass er seine Attitüde verändert, wenn er aus dem Gefängnis kommt, ich hoffe, er gesteht seine Verantwortung ein und seine Pflichtvergessenheit ein, und ich hoffe, er fängt an, sich menschlich zu verändern – aber ich bezweifele das.



Beth Karas: Was kommt jetzt in diesem Fall als nächstes? Ich hörte von Rechtsanalytiker, dass es eine Berufung geben würde. Wenn sie dort beraten sollten, würden sie empfehlen, in Berufung zu gehen?


Tom: Ich habe mit einigen der Anwälten der Kläger gesprochen, ich weiß was sie tun werden – sie gehen in Berufung. Man muss bedenken, dass, bevor die Sache zur Verhandlung kam, bestimmte Punkte rausgeworfen wurden, ..Punkte von denen der Richter sagte, es gäbe nicht genügend Beweise, sie an eine Jury zu geben. Und solche Punkte werden sehr oft in einer Berufung neu betrachtet. Deshalb habe ich keinen Zweifel daran, dass die Klägeranwälte – die sehr kompetent sind, -in dem Fall gab es tatsächlich auf beiden Seiten kompetente Anwälte – ich denke sie werden definitiv Berufung einlegen, wegen vielen der Entscheidungen des Richters, und werden versuchen, diese Dinge doch vor eine Jury zu bringen.


Beth Karas: Dann ist es nicht vorbei, dann gibt es einen weiteren Prozess.


Tom: Korrekt.



Beth Karas: Denken sie, es gibt da wirklich eine Chance?


Tom erklärt, dass er bis auf das Abschlussplädoyer nicht selbst im Gericht anwesend war, weil er auf der Zeugenliste stand…



Beth Karas: Wer zahlt Brian Panish?


Tom: Ich kenne nicht die Absprachen dort, aber normaler Weise arbeiten Klageanwälte wie Panish auf „Erflogsbasis“ – sie werden nur entschädigt, wenn sie für ihren Klienten etwas erreichen. Ich weiß nicht, was hier vereinbart wurde, weil ich in dem Fall kein Anwalt war. Aber für einen solchen Fall wäre das eine typische Vereinbarung. Sie übernehmen die Kosten, und werden nicht bezahlt, bis sie etwas erreichen.



Beth Karas: Haben sie Kontakt zu Katherine Jackson und der Jackson Familie?



Tom: Ich sprach mit Katherine beim Abschlussplädoyer letzte Woche. Ich sah sie dort und umarmte sie und danach gingen wir in einen privaten Raum im Gerichtsgebäude. Susan Yu war auch mit dabei, wir hatten ein angenehmes Gespräch mit Katherine und ihrer Tochter Rebbie, sie sind wunderbare Menschen, und ich halte viel von beiden und wünsche ihnen das Beste, und es tut mir Leid, dass sie gestern diese Enttäuschung erfuhren. Aber das Leben hat Hochs und Tiefs, und sie können in Berufung gehen und es noch einmal versuchen.





D for daddy

Beth Karas: Was ist mit Michaels Kindern? Wie geht es ihnen?


Tom: Ich habe sie seit einiger Zeit nicht persönlich gesehen, ich gab ein Interview für einen Film über Michael, etwa vor einem Jahr, wo ich sie sah und danach lud Katherine mich zu einem Kinderkrankenhaus ein, wo einige Zeichnungen von Michael gespendet wurde, und ich traf sie da, und sie sahen wunderbar aus, es sind einfach wunderbare Kinder, sehr gut erzogen, einfach sehr liebenswerte Menschen. Aber jetzt habe ich keinen persönlichen Kontakt mit ihnen. Ich hörte, es geht ihnen gut, anscheinend hatte Paris einen sehr traurigen Rückfall, aber anscheinend – so wie mir gesagt wurde – geht es ihr wieder viel besser – es sind wundervolle Kinder.

Ihren Vater zu verlieren war ein Schlag – er war einer der wundervollsten Väter, die je diesen Planeten beehrt haben. Ich sah, wie er mit seinen Kindern umging und ich weiß, wie liebevoll und fürsorglich und beschützend er war. Ich weiß, dass sie für ihn das Licht seines Lebens bedeuteten, sie waren das Wichtigste in seinem Leben. Und ich glaube, einer der Hauptgründe für ihn, ein Comeback zu machen war auch, die Kinder abzusichern. Er tat das zum Großteil für seine Kinder und seine Familie. Michael war ein sehr großzügiger, gebender, liebevoller Mensch. Liebe war Teil von sovielen Aspekten seines Lebens, besonders wenn es um seine Kinder ging, die er einfach verehrte.
Ich hoffe, sie werden es in ihrem Leben gut machen. Es muss so ein Schlag für sie gewesen sein, diese geschützen Raum zu verlassen, den Michael ihnen gab, und ihn plötzlich zu verlieren und unter einem Mikroskop zu sein, egal wo sie hinkamen, das war alles andere als einfach. Ich hoffe, es geht ihnen gut, es sind wunderbare Kinder – und mit Katherine und Rebbie zu sprechen war wunderbar.

Übersetzung: MvdL

Seth Riggs (Vocal Coach) spricht über Michaels Stimme und seine Zeit mit Michael

Seth Riggs – Zitate und Geschichten aus verschiedenen Interviews:

Text and video in english: http://www.mjjcommunity.com/forum/threads/123296-Seth-Riggs-touching-memory-about-MICHAEL

Ich war 22 Jahre mit Michael zusammen. Er war eine sehr sanfte Seele. Er war wirklich ein Genie, soweit es die Bewegungen seines Körpers betrifft. Und was seine Stimme angeht: er hatte einen Stimmumfang von 3,5 Oktaven. Zusammenhängend. Er konnte Falsetto benutzen, oder auch nicht, er war ein so talentierter Mensch. Als wir Thriller machten, wollte Quincy Jones, dass wir zwei Stunden täglich, 6 Tage die Woche arbeiteten. Und ich sagte: “Q, das ist zu viel, zwei Stunden (einsingen) und dann fängt er mit dem Gesang an.“ Er sagte: “Du wirst wissen, wie ihr das hinbekommt.” Ich sagte: “Ich hoffe es.” Wir mussten also sehr vorsichtig mit seiner Stimme umgehen, damit seine Bruststimme und Kopfstimme in Verbindung blieben, und ihn nicht zu sehr fordern, denn er würde nach zwei Stunden Einsingen erst richtig anfangen, die Lieder zu singen. Michael war sehr schlank, aber er war sehr stark. Seine Muskeln waren wie „Sprungfedern“. Obwohl er Vegetarier war – gelegentlich aß er mal Fleisch, aber überwiegend war er Vegetarier – hatte er einen wunderbaren Körperbau (physische Vorraussetzungen..) zum Tanzen. Und immer wenn er tanzte, dann setzte er seinen ganzen Körper ein. Der Moonwalk… er sagte, jeder gibt mir Credits dafür, aber ich habe ihn nicht erfunden, ich mache es nur länger, als die Leute, die ihn erfunden haben.

Studio

Er war Peter Pan. Deshalb nannte er seine Ranch Neverland-Ranch. Und als ich mit Michael das “Speech Level Singing Childrens Camp” anfing… wir machten das zusammen, und es kam jeden Sommer ein großer Bus, mit Eltern und Kindern, 150 – 200 Leute. Er hatte Boxautos, ein Riesenrad, ein Zug, der um sein Grundstück fuhr. Wenn Essenszeit war, saßen wir unter den Bäumen, und 8 -10 Köche servierten für jeden das Essen. Er hatte ein Kino, und davor, in der Lobby, gab es alle Arten von Süßigkeiten, Eis, Schokolade, alles was es gibt. Und er sagte zu den Eltern: “Bringt kein Geld mit. Wir haben hier keine Verwendung für euer Geld. Das alles steht den Kindern zur Verfügung. Ihr könnt soviel von allem haben, wie ihr wollt, aber passt auf, dass ihr euch nicht krank esst.” Die Eltern kamen dann, weil ich da saß und das oft beobachtete, und sagten: “Wo sind wir hier? Was ist das für ein Ort? Ich antwortete: “Das ist eure Kindheit. Das ist das, was eure Kinder gerade erfahren, und das, was ihr auch erleben könnt. Deshalb ist es anders hier.” So war die Neverland-Ranch, das Zuhause von Peter Pan.

Ich unterrichte schon 53 Jahre, aber ich traf nie jemanden wie ihn. Er war einfach anders. Wir waren in der obersten Etage eines Hotels in Liverpool und er sagte: “Komm schnell her!” Und ich rannte hin “Was ist, was ist los?” “Sieh dir diese Wolke an! Ist das nicht die schönste Wolke, die du je gesehen hast?” Wir sehen immer zu Wolken, aber wir achten nie darauf. Er war ein so erstaunlicher Mensch! Wann immer jemand Probleme hatte – er würde ihnen versuchen zu helfen. Ein Verrückter steckte seinen Sohn in ein Motelzimmer, und zündete den Raum an. Der Mann war verrückt. Der Junge hatte schlimme Verbrennungen. Der Vater wurde festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Als Michael darüber in der Zeitung las, stieg er sofort in ein Flugzeug und ging in das Krankenhaus, in dem der Junge war. Er war völlig mit Verband umwickelt, da war nur noch ein kleines Loch frei, wo der Mund war, damit er sprechen konnte. Und es gelang ihm, zu Michael zu sagen – der an seinem Bett saß – “Ich weiß nicht, was ich tun soll, was soll ich jetzt bloß machen.” Und Michael sagte zu ihm: “Hab keine Angst. Ich werde mich um dich kümmern, dein ganzes Leben lang.” Und das tat er…

 

(Auszüge aus diesem Interview – übersetzt von Achildsbliss)

Michael ist, wie jeder weiß, ein phänomenaler Performer. Diese ganze Tanzerei 20, 22 Stücke hindurch, dazwischen vielleicht ein paar Balladen, also habe ich mit ihm in der Regel seine Stimme 3x täglich trainiert, bevor er auf die Bühne ging, wenn wir es dann am Nachmittag übten, sagte ich ihm, was er besser machen könnte und zeigte ihm seine Fehler, und dann übte er es so lange bis es Bingo machte und dann klappte es.

…das erste Treffen war so: Ich kam zum Haus, ging zur Haustür, aber ein Schreiner, der gerade am Arbeiten war, sagte zu mir: “Nein, wir bauen gerade eine neue Treppe, wir müssen übers Dach.“ „Was?“ „Wir müssen übers Dach!“ Und er nahm eine Leiter, ich krabbelte die Leiter hoch, lief über einen Teil des Daches und da gab es eine Tür. Ich klopfte an und eine Stimme rief: “Hallo“. Ich fragte:“Bist du das, Michael?“ „Ja, komm herein.“ Also ging ich rein und sah ihn wie er einen Schimpansen an den Hinterbeinen hochhielt, der einen Pyjama trug und dem er gerade eine Windel anzog. Das war das erste, was ich von Michael sah.

Michael and Bubbles

Und ab da traf Ich ihn immer in seinem Schlafzimmer, denn da fühlte er sich sehr wohl und da hatte er auch viele Spielsachen und solche Dinge um sich. Er hatte 2 Zimmer, dort hatte er lebensgroße Puppen und so was, ein Mädchen und ein Junge , sie saßen auf dem Schrank und sahen zu ihm runter. Pinocchio hing an der Treppe des Balkons und wenn man ihn berührte, bewegte er Arme und Beine. Wenn ich mit Michael dann am Piano saß, um zu proben, kam der Schimpanse, tippte ihm auf die Schulter und schubste Pinocchio an, der sich dann auf und ab bewegte, dann tippte der Schimpanse mich an der Schulter, Michael fand das immer alles sehr lustig und so wurden unsere Übungen von Tieren, die ständig rein und raus liefen, immer wieder unterbrochen.

Da gibt es so viele (Erinnerungen). Die meisten haben mit seinem Herzen zu tun. Er hatte ein großes Herz. Er ging überall hin, wo jemand in Not war. Er ging hin und gab Geld, um das zu kaufen, was sie brauchten, um ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen.

Es gibt so viele Dinge über Michael, die die Menschen nicht verstehen. Er würde niemals einem Kind wehtun, niemals. Vielleicht würde er ihnen zu viel Popcorn geben oder zu viel Eis, auf der Ranch gab es überall diese Riesentöpfe Häagen Dazs –Eis, das gab es da schon zum Frühstück. All die Jahre nahm er so viele Kinder mit ihren Eltern auf Neverland auf. Und viele Eltern fragten mit Tränen in den Augen:“Wo habt ihr uns hingebracht?“ Und wir sagten: “Wir brachten euch zu eurer Kindheit, wir brachten euch nach Neverland! Das ist wo Peter Pan lebt!“

Bambin Gesu children Hospital rome 88

Am 22. Mai 1988 besucht Michael die Krebsstation des Bambin Geso-Kinfderkrankenhaus in Rom

Bei nahezu jeder Station seiner Bad-Welttournee besuchte er Waisenhäuser und Krankenhäuser. Gerade ein paar Tage zuvor in Rom besuchte er das Kinderkrankenhaus Bambin Gesu, verteilte dort Geschenke, machte Fotos und signierte Autogramme. Bevor er ging, sagte er eine Spende von über 100.000 $ zu.

Vor und nach seinen Konzerten ließ er benachteiligte und kranke Kinder zu sich hinter die Bühne bringen. „Jeden Abend kamen Kinder auf Tragen. Sie waren so krank, dass sie kaum ihre Köpfe halten konnten, Michael kniete sich vor die Tragen und legte seinen Kopf ganz dicht an den der Kinder, sodass er ein Foto mit ihnen machen konnte und schenkte ihnen dann einen Abzug davon, damit sie sich an diesen Augenblick später erinnern konnten. Ich konnte damitnicht umgehen. Ich ging ins Badezimmer und weinte. Die Kinder lebten in seiner Gegenwart auf. Wenn er ihnen damit ein paar Tage Energie schenkte, war es Michael das wert.

(Seth Riggs, zitiert von Joe Vogel in „Earth Song-Inside Michael Jacksons Magnum Opus“)

Noch mehr Zitate

(aus versch. Quellen, von Seth Riggs über Michael)

Er bewunderte die Jugend. Niemals sah ich ihn ein Kind schlecht behandeln. Niemals! Aber nachdem sie Neverland überfallartig durchsucht hatten, sagte Michael zu mir: „Sie haben mein Heim ruiniert, sie sind darüber hergefallen und haben alles aufgeschlitzt, um etwas zu finden, was sie niemals finden können, weil es nicht existiert. Ich glaube nicht, dass ich jemals zurückkehren möchte.“ Sie marschierten mitten in seinen Traum. Aber sein Traum war real.“ (Quelle: A Life For Love)

Wissen Sie, da war so ein Moment. Ich spielte am Klavier und er stand direkt neben mir. Plötzlich streckte er seine Hände aus und blickte nach oben. Es schien mir, als sei dies sehr wichtig für ihn. Deshalb verließ ich den Raum und drehte das Licht aus. Nach einer halben Stunde kam ich zurück in das Zimmer. Er flüsterte: „Danke, für meine Begabung. Danke für alles, was ich bekam. Danke für all die Menschen, die mich lieben. Sag mir, was ich tun soll und ich werde es tun.“ Es erschien mir wie ein Moment, in dem er sich mit Gott austauschte.“

933909_519549894780075_1079664176_n

Über Michaels Stimme:

(Auszüge aus: The Voice – Interview M. Danzer mit Seth Riggs)

Vor allem muss man wissen, dass Michael einen unglaublich großen Stimmumfang hat. Er kann über rund drei Oktaven singen und zwar durch alle Register, ohne dabei ins Falsett zu verfallen. Die meisten Gesanglehrer singen ab einer gewissen Tonhöhe im Falsett, aber ich habe eine Technik entwickelt, mit der man bis zum F”’ und zum G”’ gelangen kann – Michael macht das, und sogar sehr gut. Ich lasse ihn sich einsingen und dann schafft er es von der Stimmlage eines Baritons zum G”’. D.h. Er singt höher als die Königin der Nacht in der Zauberflöte. Michael schafft das und er tanzt sogar dabei. Für seine Aufnahmen braucht er nicht so hoch zu singen, aber es ist sehr wertvoll für ihn, dass er all diese Noten mühelos erreicht, denn so kann er seinen Gesang an die Energie anpassen, die er ins Tanzen steckt.

Wer gut singen will, muss richtig singen und man muss den Künstler davor schützen, sich gefährlichen Einflüssen auszusetzen und seine Muskeln stärker zu beanspruchen, als eigentlich erforderlich ist. Daran arbeite ich mit Michael. So kann er seine Lieder besser interpretieren und das Publikum kann die Texte besser verstehen, denn die Wörter enthalten mehr reine als deformierte Vokale. Wenn man beim Singen mehr Muskeln einsetzt als nötig, werden die Vokale verzerrt und niemand versteht, was man singt. Michael weiß das alles genau. Ich wünschte mir, dass Michael ein Klassik-Album macht. Ich weiß nicht, ob seine Fans das akzeptieren würden. Aber was für Möglichkeiten sich da auftun!

Diese kleinen „Yeeps“, „Ow“ und sein berühmtes „aaAAOOoww“ -dafür muss man ausgehend von der Bruststimme ein hohes Register erreichen, aber ohne Bruch. Es handelt sich nicht um einen Schrei und man kann es machen, ohne seiner Stimme zu schaden. Michael verwendet seine Stimme wie ein Schlaginstrument. Wenn man mit Leuten arbeitet, die Besonderheiten hinsichtlich ihrer Stimme oder ihrer Tanztechnik aufweisen, muss man ihnen helfen mit geringstmöglicher Anstrengung den bestmöglichen Klang zu erzielen, und dabei dafür sorgen, dass die persönliche Note erhalten bleibt. Wenn man das nicht tut, klingen letztlich alle gleich.

4947945848_michaeljacksonsinging-56710211350_xlarge

Man muss eine gut trainierte Stimme haben, um die verschiedenen Gefühle, Nuancen und Klangfarben hineinlegen zu können. Wenn die Stimme nicht frei und ausgewogen ist, kann man sie nicht an die verschiedenen Songs, die man interpretiert, anpassen. Darum singt Michael Bariton und das sogar sehr hoch, er kann auch Tenor und sogar Sopran singen, er hat eine fantastische Stimme, die er geschickt einsetzt. Er hat seine Stimme nie verloren. Er wird älter, aber das hat keinen Einfluss auf seine Stimme.

Worüber die Medien nicht (oft) berichten: Michael Jackson, der Mensch und Humanitär.

Sensation erlangt Aufmerksamkeit. Worte wie „bizarr“ und „Freak“ stammen aus zirkusähnlichen Shows, in denen man sich über Missgeschicke lustig macht. Wiederhole etwas oft genug, und die Leute fangen an, es zu glauben. In dem man solche und ähnliche Tricks anwendete, benutzten die Medien Jackson zu ihren eigenen Gunsten. Und während sie sich über seine Hautfarbe, sein Gesicht oder über seine Vaterschaft ausliessen, blieb die wirkliche Geschichte – über Michael Jackson, den Humanitär – unerzählt. (The Man Behind The Myth *1)

Happy

Brad Sundberg über Neverland: “Michael Jackson baute Neverland wirklich für Kinder, die Kinder der Welt. Leider ist es nur nicht möglich, dass alle Kinder der Welt Neverland erleben konnten, aber ich möchte sagen – und das ist etwas, was ich mit großer Leidenschaft tue – denn ich habe es mit eigenen Augen gesehen-, wenn Michael Kinder dort hatte, kranke Kinder, Kinder von Make A Wish, sprach Neverland für sich selbst, weil es so ein erstaunlicher Ort war, aber zusätzlich gab Michael noch seine Zeit, er war dort und machte eine Führung. Er fuhr das Golf Cart und erzählte den Kindern Witze. Er war mitten drin beim Wasserballon-Kampf. Er war mit auf den Karussells, sagte dem Bediener, er solle es schneller und schneller laufen lassen. Es ist eine Sache, etwas zu bauen und dann zu sagen: „Ok, kommt alle her und geniesst es. Ich bin zu beschäftigt.“ Und es ist eine andere Sache, die Ärmel hoch zu krempeln, und bei allem mit dabei zu sein, und das ist, was ich sah. „Also, ich war dort, und ich habe 4 Töchter, 4 wunderbare, gesunde Töchter. Ich kann mir nicht das Leid vorstellen, was Eltern spüren, wenn ihr Kind krank ist und es nichts gibt, was daran noch etwas ändern könnte. Aber Michael…ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, es ist ein schwieriges Thema. Es ist so leicht für uns, uns zurückzulehnen und zu denken: „ja, zu traurig, da sind kranke Kinder im Krankenhaus aber ich bin hier und kümmere mich um meine Sachen.“ – Aber Michael ging zu diesen Kindern hin. Michael öffnete sein Zuhause und es war herzerweichend, ich sah kleine Mädchen und kleine Jungs in Rollstühlen, die von ihren Eltern oder von Michael in die Karussells gehoben wurden. Er hatte ein Karussell – Michael hatte eine Kutsche in ein Karussell einbauen lassen, für Kinder, die nicht kräftig genug waren, um auf einem Pferd oder einem der anderen Tiere zu sitzen, du konntest sie auf eine Bank setzen und sie konnten damit fahren, und es war nicht so schwer, wie wenn man sich auf einem Pferd festhalten muss. Das sind diese Dinge… das ist das wirkliche Leben. Das kleine Mädchen, was am Karussell vor mir sitzt, wird in 3 oder 4 Wochen wahrscheinlich nicht mehr bei uns sein und das ist ihr letzter Wunsch – auf Neverland bei Michael zu sein. Das ist eine (emotionale..)Last, die man mit sich trägt und das sind diese Dinge — und ich arbeitete mit vielen Leuten zusammen, die viel Geld gemacht haben und es verpulvern, es für Parties verpulvern – Neverland so zu erleben, wozu es wirklich geschaffen war und seinen Traum lebendig werden zu sehen und zu sehen, welchen Einfluß es auf Kinder und Familien hatte… Ich werde immer den größten Respekt für Michael haben und ich bin sehr stolz, Teil des Teams gewesen zu sein, das Neverland Wirklichkeit werden lies. Es war wie kein anderer Ort auf der Erde.” (-Brad Sundberg “A Place in Your Heart” BlogTalkRadio, September 2, 2013 – via Marcela Torres)

Al Scanlan -Angestellter auf Neverland: “Was ein Tag auf Neverland an Eindrücken bei den kränklichen Kindern aus den Stadtzentren hinterlies, ist unbeschreiblich. Um Mr.Jackson zu helfen seinen Traum für diese Kinder wahr werden zu lassen, Teil dieser Magie und den bleibenden Erinnerungen dieser Kinder zu sein, war ein Segen. Ich muss leider sagen, dass trotz der vielen Bilder und Geschichten von Neverland, die man im Internet findet, keiner wirklich vermitteln kann wie ein Tag auf Neverland wirklich war. Das ist etwas was man selbst erleben muss….Ich liebte meinen Job auf Neverland. Es war mein Job, den grössten Entertainer der Welt zu unterhalten. Wieviele Leute können das sagen?  Michael Jackson, der Mensch: Liebevoll, mitfühlend, ungekünstelt, ein Witze-macher und ein unbeschreiblicher, liebevoller Vater. Während meiner 15 Jahre auf Neverland, hatte ich viele lange Gespräche mit Mr. Jackson über Neverland, oft saßen wir an einem Tisch unter einer großen Eiche. Wenn man in seine Augen sah, seine Stimme hörte, blieb kein Zweifel daran, dass diese wohltätige Arbeit eines der wichtigsten Dinge seines Lebens war. Mit der Zeit, denke ich, dass die Bedeutung dieser magischen Tage mit den kranken Kindern wieder den Weg in Michaels Herz gefunden hätte. Die Briefe von Ärzten und Schwestern der Kinderkrankenhäuser, die Briefe der Eltern über die Erinnerungen ihrer Kinder an den Neverland-Trip, machen sehr deutlich, wie wichtig diese wohltätige Arbeit Mr. Jacksons durch Neverland war.”

caring

Michael: “Weißt du, du musst handeln und ich denke, es ist wichtig, soviel zu tun, wie du kannst. Wenn ein Mensch nur einem Kind hilft … nur einem einzigen Kind hilft… wäre schon so viel getan. Weißt du, wenn du das tun würdest, das wäre wunderbar, nur einem einzigen Menschen zu helfen, wäre wunderbar. Es ist ein großer Schritt vorwärts, denn … es gibt viel zu tun, und Kinder auf der ganzen Welt sind in solcher Not. Ich fühle mich so rein, wenn ich das tun kann. Ich fühle, dass Gott applaudiert, das fühle ich wirklich. Ich fühle, dass ich das getan habe, wozu ich auf dieser Erde bin. Ich bin verpflichtet, diese Dinge zu tun, das fühle ich.” (-Michael Jackson, Signature series)

Frank Dileo (Michaels Manager während der Bad Tour): „Als wir in Europa während der Bad Tour waren, gingen wir in jeder Stadt, in der wir waren, in ein Kinderkrankenhaus und kauften ihnen neues Equipment. Nicht nur in ein Krankenhaus,während der ganzen Tour, sondern in jeder Stadt! Da gab es einmal einen kleinen Jungen, der im Sterben lag und dieser Junge wollte Michael kennenlernen. Und Michael ging hin. Das Kind strahlte, es war erstaunlich. Ich stellte mich in eine Ecke, ich weinte, ich konnte das nicht ertragen und Michael kam zu mir, legte seinen Arm um mich und sagte: „Du musst wissen, Frank, das ist unser Job außerhalb der Bühne. Es ist unser Job, jemandem ein gutes Gefühl zu geben.“ Daran glaubte er, daran glaubte er absolut.“ (The Man Behind The Myth *2)

David Nordahl (Maler und 20 Jahre mit Michael befreundet): “Ich erzähle dir etwas über die erste Nacht, in der ich bei einem Konzert in Denver dabei war. Wir hatten zuerst diese haarsträubende Fahrt in drei Vans zum Stadion. Als wir dort ankamen gab es einen Bereich, backstage, der abgetrennt war. Es gab dort solche Metallrohre mit blauen Vorhängen daran. Und ein großes Schild sagte „Absolut kein Zutritt“. Und dann war dort eine Reihe Kinder in Rollstühlen und mit Beatmungsgeräten und all solchen Dingen. Das waren Kinder der Make A Wish Foundation. Michael ging schnurstracks in diesen Bereich und blieb dort während der gesamten Zeit, bis er auf die Bühne musste, bei diesen zum größten Teil sterbenskranken Kindern. Und in dieser ersten Nacht ging backstage etwas vor sich, und ich fragte Chuck, und er sagte, einer dieser Jungen sei gestorben. Und Michael ging von dort zu allen, die mit ihm performten, um ein Gebet zu sprechen, und danach ging er raus auf die Bühne. Nach dem Konzert fragte ich Michael. Ich fragte: „Wie kannst du das aushalten?“ Wie kannst du diese armen Kinder sehen und dann von dort auf die Bühne raus gehen, und auftreten?“ Und er sagte: „Wie könnte ich es nicht tun? Wenn ich das Leben eines Kindes nur für eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder einen Monat verlängern kann, warum sollte ich das nicht tun?“ Das war die ganz einfache Antwort. Weißt du, er hatte soviel Mitgefühl für kranke Kinder, und todkranke Kinder – diese ganze Ranch war darauf ausgerichtet. Er hatte einfach so viel Mitgefühl. Wenn eine Mutter anrief und sagte, sie habe ein sterbenskrankes Kind – Michael lies alles fallen und ging dorthin. Und er lies etwas dort bei dem Kind, einen Handschuh, oder etwas anderes. Und er sagte dem Kind: „Ich komme in zwei Wochen wieder.“ Und ich denke, es war absolut beeindruckend, wie er das Leben einiger Kinder nur dadurch verlängerte, indem sie darauf warteten, dass er wieder kam. Und er sagte zu mir – er sagte: „Ich bin nur ein Mensch – aber Michael Jackson, der Entertainer, bedeutet diesen Kindern sehr viel.“

(über „healing-power”): “Er hat das Leben von Kindern verlängert, und er tat alles, was er mit dieser Kraft tun konnte. Und all die Operationen, die er zahlte, all die Krankenhausrechnungen – und er half auch den Eltern. Michael sprach nie über diese Dinge. Du musstest es von jemand anderem erfahren. Denn Michael glaubte, wenn du eine gute Tat vollbringst, und dann darüber sprichst, verliert die Tat an der Bedeutung die sie hatte, weil es von deinem Herzen kam. Deshalb schwieg er immer über diese Dinge – über diese guten Taten, die er vollbrachte.” (-David Nordahl, „A Place In Your Heart“ BlogTalkRadio, September 2013)

63197_186422714703804_8194060_n

Kenny Ortega: „Ich war mit Michael in Osteuropa und als wir aus dem Flugzeug stiegen fragte er mich, ob ich lieber ins Hotel oder mit ihm ein Kinderheim besuchen möchte. Bevor er ins Hotel ging, ging er in ein Kinderheim. Ich erinnere mich daran, wie er hineinging und wie er sich umschaute. Er war sehr still. Die Konzertveranstalter waren dabei und die Situation in dem Heim war sehr trostlos. Und ich sah ihn mit jemandem flüstern, dann mit einem anderen und er ging zu den Kindern und befasste sich mit ihnen und später fand ich heraus, dass er jemandem zugeflüstert hatte: „Dieses Heim wird umgebaut werden, es wird neue Betten und saubere Laken bekommen, es werden mehr Leute hier eingestellt, die sich um die Kinder kümmern, oder ich werde nicht auftreten!“ (The Man Behind The Myth *3)

Seth Riggs (Michaels Vocal-Coach): Jede Nacht (vor einem Konzert) kamen Kinder auf Tragen, so krank, dass sie fast nicht den Kopf heben konnten. Michael kniete neben sie hin und hielt sein Gesicht neben ihres, damit ein Foto von ihnen zusammen aufgenommen werden konnte, was er ihnen als Erinnerung an diesen Augenblick gab. Ich bin ein 60-Jähriger Mann, und habe das nicht verkraftet. Ich musste ins Badezimmer und weinen. Aber Michael konnte das tun, kurz bevor er raus auf die Bühne ging. Die Kinder blühten auf in seiner Anwesenheit. Wenn es ihnen ein paar Tage mehr Energie gab, war es das für Michael wert. Während der Tour, in den Nächten in denen es kein Konzert gab, ging er in Spielzeuggeschäfte, und kaufte 10 von diesem und 10 von jenem. Dann blieb er die ganze Nacht auf, und setzte die Batterien in die Spielsachen ein und versicherte sich, dass sie funktionierten, damit er sie am nächsten Tag hinter der Bühne den Kindern geben konnte.

Howard Bloom: Schauen Sie, ich bin ein Atheist, aber Michael war es nicht. Er glaubte, er war ein Geschenk Gottes. Er glaubte, ihm seien Talente und seltene wunderbare Eigenschaften gegeben, die bei uns zerbrechlichen menschlichen Wesen nur selten vorkommen. Er glaubte, weil Gott ihm dieses große Geschenk gemacht hatte, diese Wunder, dieses Erstaunen und die Ehrfurcht mit seinen Mitmenschen teilen zu müssen. Aber im Gegensatz zu anderen großzügigen Menschen – Bill und Melinda Gates zum Beispiel – war diese Sache bei Michael nicht nur ein “Teilzeit- Ding”. Das Bedürfnis, anderen zu geben war in jedem Atemzug Leben, an jedem einzelnen Tag, in ihm lebendig. Michael Jacksons ganzes Leben war das Empfangen und Geben, und der ganze Zweck des Empfangen war, das er geben konnte. Er arbeitete mit jeder Zelle seines Körpers, um dieses erstaunliche Geschenk an seine Mitmenschen weiterzugeben. Die Anerkennung des Publikums wurde Michael’s Verbindung zu anderen, seine tiefste Verbindung, sehr viel tiefer als Familie und Freunde (auch wenn diese unerlässlich sind) und viel heilsamer.“

farkas-and-mj-lmp

Michael über Bella Farkas, ein Junge aus Ungarn, der eine Lebertransplantation brauchte: “Das bin ich mit Lisa Marie in einem Krankenhaus in Budapest. Ich sah diesen kleinen Jungen, er hieß Farkas und ich fragte die Schwester, was dem Kind fehlt. Sie sagte, dass er eine Leber braucht. Was es auch dazu braucht, ich werde eine Leber für ihn finden! Also wandte ich mich an meine weltweite Organisation. Ich sagte, ich werde nicht aufgeben, ich werde dieses Kind nicht sterben lassen! Ich war so glücklich, als ich den Anruf bekam und sie mir sagten, dass sie eine Leber gefunden haben und er sein Leben bekam!“ (The Man Behind The Myth *4)

David Nordahl: “Er war ein großartiger Kerl. Ausserhalb der Bühne war er einfach ein ganz normaler Typ. Die Leute nennen ihn „verrückt“ und all solche Sachen – Ich weiß nicht, aber mir kam es so vor, als ob er normaler war, als 99% der Leute da draussen.  Wenn er tagsüber draussen war, hatte er einen Hut auf, manchmal hatte er eine Maske an, oder einen Sonnenschirm und die Leute dachten, das sei seltsam. Aber seine Vitiligo – er konnte es sich nicht leisten, dass die Sonne an seine Haut kam , sie durfte sie nicht mal berühren. Die meiste Zeit, wenn ich mit Michael zusammen war, waren wir nachts draussen. Er liebte das, denn er liebte es, draussen zu sein, aber es war wirklich schwer für ihn, tagsüber draussen zu sein, wenn die Sonne schien.” (-David Nordahl, „A Place In Your Heart“ BlogTalkRadio, September 2013)

Teddy Lakis: “Bei seinen Konzerten widmete Michael immer einen Teil den Kindern. Während er Heal The World sang, lud er Kinder jeden Alters und jeder Nationalität zu sich auf die Bühne ein. Kranke Kinder, Kinder mit Behinderungen oder gesunde Kinder – alle waren willkommen. Obwohl er seine kleinen Gäste meist nicht kannte, weil sie vom örtlichen Promoter ausgesucht wurden, war es immer schön zu sehen, wie er mit ihnen umging. Und es war beeindruckend zu sehen, wie die Kinder danach aufblühten.” (-Teddy Lakis, A Life for Love)

 Care1

Ron Magill, Miami Zoo, über einen Besuch Michaels 2005: Ich hatte nie einen netteren Gentleman, eine dankbarere Person, mit Kindern die sich so gut benahmen, zu Besuch in meinem Zoo. Es war nicht, was ich erwartet hatte. Ich hatte hier viele Celebrities, und ganz ehrlich, das sind keine Leute mit denen es angenehm ist, zusammen zu sein: Oft sind sie von Body Guards umringt, sie haben diese Attitüde von Selbstgefälligkeit, sie denken, du rollst ihnen einen Roten Teppich aus oder küsst ihnen den Hintern… Er war das komplette Gegenteil. Ich sah ihn an und sagte: „Michael, ich muss ehrlich sagen, wenn mehr Menschen diese Seite von dir sehen könnten, dann glaube ich, dass du nicht annähernd so vielen Kontroversen ausgesetzt wärst, wie du es jetzt die ganze Zeit bist.“ Und etwas, was in meinem Gedächtnis bleibt solange ich lebe ist, dass er mit beiden Händen meine Hand nahm, sie feste schüttelte und sagte: „Niemand wird je wissen, wie es ist, ich sein zu müssen.“ Und ich dachte, er fängt an zu weinen, er hatte diesen Ausdruck im Gesicht. Und das war wirklich eine Lektion für mich: Urteile nie über jemanden auf Grund dessen, was du in den Medien hörst. (The Man Behind The Myth *5)

Dr Patrick Treacy: “Zu denken, dass jemand Stories erfindet, nur um sein Blatt besser zu verkaufen, besonders über jemanden, der so gut zu den Menschen war, wissen sie, das verblüfft mich einfach und es entsetzt mich. Und die traurige Tatsache ist, du musstest nur höchstens 5 Minuten in seiner Gesellschaft verbringen und er vermittelte dir sein totales Ausmaß an Güte. (…)  Was für ein Verlust, und ich denke, es wird lange, lange dauern, bis dieser Planet wieder jemanden auf diesem Niveau bekommen wird, diesem Niveau von Rechtschaffenheit, Spiritualität, Kreativität. Er hatte das alles im Gesamtpaket, wirklich. Da war etwas universelles an ihm. Er war ein Christ im exakten Sinn dieses Begriffs, wenn du weißt, was ich meine. Er war Christ und er handelte sicherlich immer nach christlichen Werten. Und jetzt, das gilt auch für andere sehr religiöse Menschen dieses Planeten, aber viele Leute vergleichen ihn jetzt mit Jesus, und mit der Liebe, die er für die Menschen hatte. Er lebte seinen Glauben, daran gibt es keinen Zweifel. Alles Schlechte, was mit ihm in Zusammenhang gebracht wird, sind nur diese Sachen, die über ihn in den Medien gesagt oder erfunden werden. Und er war wohl so gut, dass es seine Verwundbarkeit war, dass er dazu tendierte, jedem zu vertrauen…”

daniele parisi

Eine Geschichte – von unzählig vielen nie erzählten (zum Foto oben):

Michael mit Daniele Parisi, einem Jungen aus Latina, Italien, bei dem im Alter von 8 Jahren AIDS diagnostiziert wurde. Der Virus wurde ihm von seiner biologischen Mutter übertragen, die HIV positiv war. Daniele war großer Fan von Michael und 1997, als er 14 war, hatte er die Möglichkeit ein Konzert der History World Tour in Mailand, am 18.Juni, anzusehen. An diesem Tag besuchten er und seine Mutter auch Michael in seinem Umkleideraum, wo der Star ihn küsste und umarmte und ihnen für die mitgebrachten Geschenke dankte. Daniele und seine Adoptivmutter sahen das Konzert vom seitlichen Bühnenrand aus an, zusammen mit Debbie Rowe und Luciano Pavarotti.

Während dem Konzert brachte ein Teammitglied Daniele eine große Tasche mit Geschenken und dem Tour Programm. Gegen Ende des Konzerts, während dem Lied Heal The World, ging Michael zu Daniele, der in einem Stuhl sass und nicht selbst laufen konnte, weil er durch seine Krankheit dafür zu schwach war, kniete sich vor ihn hin und überdeckte seine Hände mit Küssen. Dann nahm er ihn auf die Arme und ging mit ihm in die Mitte der Bühne, um ein paar Fotos zu machen.

Nach diesem Erlebnis verbesserte sich Danieles Gesundheitszustand so merklich und schnell, dass die Ärzte von einem Wunder sprachen. Es war so, als hätte Michael ihm ein paar Lebensjahre geschenkt. Daniele begann wieder zu laufen – manchmal rannte er sogar – er ass besser, nahm zu, aber das wichtigste war, dass er wieder Selbstvertrauen hatte und weiter kämpfen konnte.

Leider starb Daniele zwei Jahre später an einer Hirninfektion, verursacht durch eine Grippe. Die wunderbaren Erinnerungen an Michael zusammen mit der liebevollen Betreuung durch seine Mutter, gaben ihm die Stärke, bis zum Ende zu kämpfen.

Hier der Brief, den Antonietta Parisi, die Adoptivmutter Danieles, nach dem Ausgang des Prozess von 2003/05 schrieb:

Liebster Michael,

Ich werde niemals vergessen, was du für meinen Sohn, Daniele, getan hast. Nachdem er dich traf, nannten die Ärzte es ein Wunder, denn für ein paar Monate war es so, als hätte er niemals AIDS gehabt. Nun, da Gerechtigkeit siegte, möchte ich einfach nur meinen Dank und mein Glück ausdrücken. Bitte, lass die Menschen dich nie wieder so behandeln. Ich weiß, du bist ein gutherziger Mensch und willst jedem helfen, aber nicht alle Menschen haben soviel Aufmerksamkeit verdient. Mein Kind ist nicht mehr hier bei uns, aber ich weiß, das er von da oben immer zu dir schaut. Er hat niemals vergessen, was du für ihn getan hast.  Gott schütze dich, Antonietta

Quelle: http://mjthekingofpop.wordpress.com/2008/12/29/la-storia-di-daniele/

Sydney 1987

Ein weiterer Bericht (zum Foto oben), von Natasha Lang, Sydney Australien:

Machs Gut und auf Wiedersehen Michael, ich danke Amerika, dass es einen hervorragenden Abschied für einen Mann organisierte, der alles gab, was er hatte, physisch, emotional, und wie ich heute gelernt habe, durch seinen Beitrag an so viele, viele Wohltätigkeitsorganisationen, auch finanziell. Hier in meinem Haus in Sydney, Australien, gab es heute keine trockenen Augen und ohne Zweifel brechen in der ganzen Welt dre Herzen denn sie sind voller Trauer. Das Abschiedstribute begann in Sydney um 2.50 Uhr, und als ich es mit bitteren/süßen Gefühlen ansah, erkannte ich, dass es wirklich eine wunderbare Hommage an ein Mann war, der der Welt nicht weniger gab als seine ganze Seele.

Was kann man über einen Mann schreiben, der soviel und von ganzem Herzen gab, und zum Glück von Millionen von Menschen in der ganzen Welt beitrug, durch seine Musik, und ganz zu schweigen von den vielen kranken Kindern, die er in Krankenhäusern vieler Länder der Welt besuchte, wo er großzügig, von Herzen Geschenke und Eintrittskarten zu seinen Shows verschenkte, und sie damit aufmunterte, was ohne Zweifel ihre Genesung unterstützt hat.

Ich bin die Mutter eines solchen Kindes. Mein Sohn und ich hatten Gelegenheit, Michael im Sydney Childrens Hospital in Randwick zu treffen, als er am 18 November 1987 Sydney besuchte. Ich werde diesen Tag nie vergessen, solange ich lebe, als Michael mit einer Menge Stofftiere ins Krankenhaus kam und sie großzügig an die Kinder der Kinderstation verteilte. Er ging herum und besuchte jedes Kind persönlich und sprach ganz ruhig ein paar unterstützende Worte mit ihnen, und ich werde die Freude der Kinder, des medizinischen Personals und der Eltern nie vergessen, die er an diesem Tag besuchte.

Mein Sohn ist jetzt ein erwachsener Mann und ich möchte dieses Foto mit der ganzen Welt teilen, weil es Michaels selbstlose und großzügige Natur zeigt. Mein Sohn hattte unglücklicher Weise in dieser Woche bei einem Schul-Unfall sein Auge verloren und wie Sie sich vorstellen können, war es eine wirkliche Tragödie für die ganze Familie, aber an diesem Tag brachte er uns Freude, großes Vergnügen und eine Fülle von Glück.

Michael, ich weiß, dass du bei den Engeln bist und Gott möge deine Seele segnen, ruhe in Frieden, du wirst für immer in unseren Herzen sein. Danke für die Musik. Natasha Lang

http://authspot.com/thoughts/michael-jackson-king-of-hearts/

************************************************************

Quotes *1 – *5 taken from the documentary „Man Behind The Myth“ – scripted by vindicatemj – http://vindicatemj.wordpress.com/2013/09/06/time-to-know-the-real-michael-man-behind-the-myth/  (im link auch das Video  “Man Behind The Myth”)

Übersetzungen der Zitate *1 -*5 aus „Man Behind The Myth“ teils von achildsbliss, aus „Der Mensch hinter dem Mythos“ http://www.mjjackson-forever.com/index.php?page=Thread&postID=165782&highlight=%22das+ist+unser+Job%22#post165782

*1 (2:51) Sensation gets attention. Words like “bizarre” and “freak” come right out of circus side-shows where they made fun of misfortune. Repeat something enough times and people begin to believe it. Using those tricks and others allowed the media to use Jackson for profit. And while they were focused on the color of his skin, his face and obsessing about the paternity of his children the real story – Michael Jackson, the humanitarian – went untold.

*2 (12:35) Frank Dileo, Michael’s manager during the Bad era: “We were in Europe and we were doing the Bad tour. Every city we went to we went to a children’s hospital and bought them a piece of equipment. Not one hospital for the whole tour – every city. There was a boy that was dying and wanted to meet Michael. And Michael would talk to him and the kid perked up and he was like amazing and I went off into the corner and I cried. I really couldn’t take it. Michael came over and put his arm around me and said: “You have to understand, Frank – this is our job. Not on the stage – this is our job. To make somebody feel good. He believed that. He absolutely believed that. “

*3 (13:36) Kenny Ortega: “I was with Michael in Eastern Europe and we got off of the plane and he said “Do you want to go to the hotel and do you come to an orphanage with me?” Rather than going to a hotel he went to the orphanage. And he walked into this orphanage and I remember him looking and he was walking around and he was very calm. The promoters were there and they were looking around. And the conditions were pretty grim and I saw him whisper to someone and whisper to someone else and he was, you know, moving through and interacting with the children… And later I found out  what he’d whispered was: “This orphanage will be turned around – there will be new beds in here, there will be clean sheets in here, there will be more people here taking care of these children by tomorrow or I am not going to go on stage”.

*4 (15:42) Michael about Bella Fracas, a Hungarian child needing a liver transplant: This is Lisa Marie and myself at a hospital in Budapest. I saw this little kid. His name was Farkas. I asked this nurse “What’s wrong with this kid?” She said that he needs the liver. No matter what it takes I’m going to find a liver for him, so I said [about my] organization around the world and I said “I’m not giving up. I’m not going to have the child die. I was so happy when I get a phone call. They told me “We found the liver”. And he has his life…“

*5 (19:32) Ron Magill, Miami Zoo “I’ve never had a nicer gentleman, a more appreciative person, with more well behaved kids, come to (my) zoo. Not what I expected. I’ve hosted a lot of celebrities and, quite frankly, they’re not pleasant people to be around: they’re (often) surrounded by bodyguards, they have a “holier than thou” attitude. They think you roll up a red carpet, you’re ganna kiss their butts…He was the COMPLETE opposite…I looked at him and I said, “Michael, I’ve got to be honest with you, if more people saw this side of you, I don’t think you’d have nearly the types of controversies that you face all the time,” and, the one thing that will stick with me as long as I live is, he took my hand with both hands, shook it hard and said,”No one will ever know what’s it’s like to have to be me,” and I thought he’s gonna cry, he really had this look on his face. And it really taught me a lesson: don’t prejudge somebody by what you always hear in the media.”

Zitate von David Nordahl und Brad Sundberg aus: A Place In Your Heart -BlogTalkRadio Catherine M. Gross http://www.blogtalkradio.com/a-place-in-your-heart/2013/08/29/an-unforgettable-journey-michael-and-me-david-nordahl

Al Scanlan: http://all4michael.com/2012/05/09/big-al-scanlan-michael-jackson-und-neverland/

Sonstige Übersetzungen + script Nordahl/BlogTalkRadio: MvdL

Sehr empfehlenswert auch das Buch „A Life For Love“, in dem viele pesönliche Begegnungen mit Michael zusammengefasst sind, und Freunde und Menschen, denen er half, über seine aussergewöhnlchen humanitären Leistungen schreiben. http://www.amazon.com/gp/product/3849551962/ref=s9_simh_gw_p14_d1_i1?pf_rd_m=ATVPDKIKX0DER&pf_rd_s=center-3&pf_rd_r=0MKY16M27DTPJHBQ05Q1&pf_rd_t=101&pf_rd_p=470938811&pf_rd_i=507846

Ein weiterer Artikel über Michael Jacksons humanitäre Leistungen: http://all4michael.com/2011/05/21/triumpf-und-tragodie-ein-uberblick-uber-die-humanitaren-leistungen-michael-jacksons/

Harry Benson (Fotograf) – Erinnerungen an Michael

Interview aus dem Architectural Digest 11/2009

d598710d50951f41_ADnov09cov_small

http://www.architecturaldigest.com/celebrity-homes/2009/michael-jackson-harry-benson-article

Zum ersten mal traf ich Michael an einem Berghang in Colorado, er war auf Tour (Victory Tour) mit seinen Brüdern.
Er war der erste, der zu mir kam um zu helfen, als ich an dem steilen matschigen Berg ausrutschte. Mir ging es gut, nur ein paar meiner Fotolinsen waren mit Matsch verschmiert.
Es war das erste mal, dass Michael an einer meiner braunen Tweetjacke Gefallen fand, ich habe sie ausgezogen und ihm gegeben. Er war erfreut von meiner Geste und zog sie sofort an um mit beiden Armen von sich gestreckt im Sonnenlicht herumzuwirbeln, während ich ihn laufend und herumspringend fotografierte…..

In Philadelphia traf ich Michael nochmals für ein paar mehr Fotos. Das gleiche passierte wieder. Dieses mal war es meine graue Harris-Tweet Jacke. Ich sah, wie er eingehend die Farben von dem Tweet betrachtete, sie schienen ihn zu faszinieren, also gab ich ihm wieder meine Jacke.
Etwas später war ich amüsiert in einem Nachrichten Clip zu sehen, wie Michael tatsächlich mit meiner Jacke in eine Limousine flüchtete.

1985 fotografierte ich Michael bei den Aufnahmen zu We Are The World in LA. Quincy Jones hatte an der Tür ein Schild angebracht “Lass dein Ego vor der Tür” und die 45 teilnehmenden Stars hatten genau das getan. Prince war noch am telefonieren um zu sagen, das er darüber nachdenke noch zu kommen. Quincy sagte, er müsse sich beeilen, sie hätten schon angefangen zu arbeiten.  Michael sagte: “Prince wird niemals kommen, wenn ich hier bin”  Als Prince wieder anrief, sagte Quincy: “mach dir keine Gedanken, es ist schon alles vorbei”

Various-Photoshoots-Harry-Benson-Photoshoots-michael-jackson-7422988-948-1200

Beim ersten Zusammentreffen schien Michael scheu. Er sprach mit einer weichen, hohen Stimme wie sie der Öffentlichkeit bekannt ist. Aber nach 10 Minuten wurde sie tiefer, aber er sprach immer noch sehr sanft.
Ich finde, viele einflussreiche Personen, wie z.B. Staatsoberhäupter, sprechen sehr sanft. Sie müssen nicht schreien, um Aufmerksamkeit zubekommen. Versuche zu verstehen wenn sie etwas zum erstenmal sagen, sie mögen sich nicht wiederholen. Genauso war Michael.
Nach einer Stunde, als wir uns wieder trafen, war es das gleiche, die hohe sanfte Stimme, die sich nach 10 Min. in etwas tieferes verwandelte.

Als ich Michael 1995 wieder sah, war meine Tweetjacke wieder begehrt, und ich gab sie ihm wieder. Er zog sie an für ein Photo mit Lisa Marie Presley.

KISSlisa

“Mr. and Mrs. Jackson remind me of nothing so much as two teenagers pinching each other feinting playfully needling and teasing.“ (Harry Benson (Indiana Gazette June 17/95)

1997 besuchte ich Neverland um Michael mit Prince Michael zu fotografieren.
Als er Prince fütterte, wurde sein Gesicht mit Essen bekleckert. Michael witzelte “Oh, es ist Linda Blair Time” bezugnehmend auf die Schauspielerin in dem Film “Der Exorzist”.
Das Baby war glücklich und lachte. Später gingen wir mit Prince hoch in sein Zimmer und Michael gab ihm die Flasche und hielt ihn, bis er eingeschlafenen war, während er klein
e Lieder für ihn sang, etwas über “Daddys Baby”.

MichaelandPrince

Michael sagte mir, Prince hätte ihn inspiriert mehr Musik zu schreiben als er es jemals zuvor in seinem Leben getan hätte.

Am nächsten Tag nahm er mich mit in seine Tanzstudio, wo er seinen Moonwalk verfeinert hatte.  Er sagte, er nehme Prince oft mit hier hin, damit er ihm beim Üben vor der Spiegelwand zusehen könne, und er sagte dass sie irgendwann zusammen tanzen würden. Ich war überzeugt davon, das das der nächste Schritt sei.
Prince saß mit einem Mikro spielend am Boden und sah zu, wie sein Vater den Moonwalk übte. Michael sagte mir, der Moonwalk sei ganz einfach: ”Mach einfach so, Harry, und zieh deinen Fuß zurück”.

Harry Benson Neverland

Vor seinem Schlafzimmer stand eine Figur von “Queen’s Household Cavalry Guard”. Das Schlafzimmer selbst war dunkel und einfach, in beige und brauntönen gehalten und – um ehrlich zu sein – ein wenig deprimierend. Neben dem Bett war ein großer roter Trohn ähnlicher Sessel, kunstvoll verziert und vergoldet. Über dem Kopfteil war ein Bild von einem blonden Jesus.

Mit Michael war es einfach zu arbeiten und er war erfreut, mir sein Haus zeigen zu können. Die Fotos waren schnell gemacht. Das ist, was die Leute vergessen, man muß schnell arbeiten, damit sich dein Kunde nicht langweilt. Als Michael mich fragte, was er anziehen sollte sagte ich, er solle einfach tragen, was ihm bequem sei, sei einfach du selbst.

Michael-Jackson-by-Harry-Benson-1993-Inside-Neverland-HQ-michael-jackson-31087232-1993-1300

Man konnte sehen, wie Neverland Michaels Geist von all den täglichen Verwirrungen befreite und ihn von seiner täglichen stressigen Realität entfernte. Er hatte dort alles was er wollte. Ich hatte den Eindruck, dass es keinesfalls Michaels Fluchtort war. Er hatte Zeitungen und war über alle Neuigkeiten informiert. Einmal fragte er mich was ich über die Reagans denke, die zu der Zeit im Weissen Haus waren. Er wollte auch wissen, wie der russische Autor Alexander Solschenizyn war, als er meine Fotos von ihm gesehen hatte. Michael wollte genau wissen “wer wer war”, während er mich mit seinen traurigen Augen eingehend betrachtete. Gelegentlich lachte er auf, aber die meiste Zeit sah er mich nur an.
Obwohl ich nicht sehr eng mit Michael war, hatten wir einen freundlichen und respektvollen Umgang miteinander, und das ist wirklich alles, was du du willst, jemand der dir ermöglicht, deine Arbeit gut zu machen.  Ich werde ihn vermissen, wir alle werden sein unermessliches Talent vermissen.

Neverland 1993 Harry Benson

…………………………….

Übersetzung: MvdL


Die verbindende Kraft der Empathie – (aus: M Poetica-Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance)

Ein Kapitel aus: M Poetica: Michael Jackson’s Art of Connection and Defiance, von Willa Stillwater

(Michael Jacksons Kunst der Zusammenhänge und Herausforderungen )

übersetzt von Lilly..*danke*

http://www.amazon.de/Poetica-Jacksons-Connection-Defiance-ebook/dp/B00AXHDICC/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1376742890&sr=8-1&keywords=willa+stillwater

Die verbindende Kraft der Empathie

Stowe schließt Onkel Toms Hütte ab mit der Frage an die Leser, was diese tun können, um die Institution der Sklaverei zu bekämpfen. Sie lässt die Antwort auf diese Frage offen, leitet aber ihre Leser an, sich vor der „Rabulistik der Weltpolitik“ zu hüten – Wortverdreherei, die behauptet, es sei falsch, Mitgefühl gegenüber Sklaven zu empfinden oder diesem Verständnis zu folgen – und „dafür zu sorgen, dass sie sich im Recht fühlen“:

Aber was kann jeder Einzelne tun? Was das betrifft, jeder Einzelne kann urteilen. Es gibt eine Sache, die jeder Einzelne tun kann – jeder kann dafür sorgen, dass er sich gut fühlt. Eine Atmosphäre des Anteil nehmenden Einflusses umgibt jeden Menschen; und der Mann oder die Frau, der / die stark, gesund und angemessen die wichtigen Belange der Menschen spürt, ist eine konstante Wohltat für die Menschheit.

Stowe behauptet deshalb, dass Empathie zwischen Weißen Amerikanern und Sklaven schon für sich genommen eine einflussreiche Kraft für sozialen Wandel ist. Es ist ganz und gar nicht die ganze Antwort, dennoch sollte seine Bedeutung nicht trivialisiert werden.

Wir erkennen diesen Antrieb, der uns dazu ermuntert, uns „richtig zu fühlen“ und er zieht sich ebenso durch Jacksons gesamtes Werk. In Beat It sehen wir ihn, wie er MTV Zuschauer – ein Publikum der Mittelklasse aus den Vorstädten, vorwiegend Weiß – auffordert, mit der Misere eines kreativen jungen Mannes mitzufühlen, der in einer rauen, städtischen Umgebung feststeckt und mit der Bedrohung durch Bandengewalt zurecht kommen muss. Am Ende von Beat It sympathisieren wir nicht nur mit dem jungen Künstler; wir identifizieren uns mit ihm und fühlen uns emotional zu ihm hingezogen. Wir wollen, dass er sein Ziel erreicht. Während des Verlaufs des Videos ist das Problem der Bandengewalt auch zu unserem Problem geworden. Durch ihn können auch wir die Bedrohung und die Spannung im Augenblick der Konfrontation zwischen den beiden Gangs spüren, und wenn dann alle Gangmitglieder anfangen zu tanzen, spüren wir ebenso die Freude und Erleichterung dieses Momentes. Bedeutend ist dabei, dass Jackson uns nicht dazu bringt, diesen jungen Mann zu bemitleiden. Er ermuntert uns dazu, ihn zu bewundern – für seinen Mut und sein Talent und seine Fähigkeit, nicht nur mit seiner Welt zurechtzukommen, sondern diese Welt, die für die meisten vorstädtischen Amerikaner zu einschüchternd ist, um sie auch nur zu betreten, umzugestalten.

a-picture-from-bad-music-video-full-version-michael-jackson-6886214-345-556

In Bad führt Jackson das MTV Publikum dahin, sich mit einem weniger gefälligen Charakter zu identifizieren. Daryl, die Hauptperson in Bad, ist im Grunde seines Herzens ein guter Junge – wir erkennen das in seinem Zusammenspiel mit den anderen Schülern an seiner Schule, mit seinem Mitfahrer im Zug und mit seinen alten Freunden aus der Nachbarschaft – aber seine Situation wird in einem Krisenmoment komplizierter. Er hat zugestimmt, an einem Überfall teilzunehmen, also ist er in einer moralisch uneindeutigen Situation, so wie es der Protagonist aus Beat It nie war. Noch bedeutender ist, dass, indem er zustimmt, seinen Freunden dabei zu helfen „jagen zu gehen“, er zu all dem wurde, was das Weiße Vorstadt-Amerika in den 80er Jahren am meisten fürchtete: ein junger Schwarzer Mann aus der Innenstadt, der sich im Dunkeln versteckt und auf ein Opfer wartet.

Jackson nimmt dieses Objekt der Furcht und der Antipathie des Weißes Amerika und lässt uns in seine Erfahrungswelt eintauchen. Wir sind nicht in der Position des Opfers, das durch die Parkgarage geht und sich fragt, wer da draußen ist. Stattdessen verstecken wir uns im Schatten mit Daryl, hören wie die Schritte des Opfers näher kommen, sehen dessen Gesicht und hören seine Stimme aus Daryls Perspektive. Sogar noch wichtiger ist, der Film zeigt uns, warum Daryl dort ist, wie er an diesen Ort geraten ist – warum ein guter Junge wie er die Entscheidungen trifft, so wie er es getan hat. Durch diesen Prozess des allmählichen Verstehens beginnen uns unsere ordentlichen kleinen Kategorien mit der Position „Guter Junge“ auf der einen Seite und dem Schlägertyp auf der anderen ein bisschen zu vereinfacht zu erscheinen. Daryl ist eine komplexe Person mit Stärken und Schwächen, so wie wir es alle sind, und er kämpft damit, in seiner Welt zurecht zu kommen, genau wie es der Protagonist aus Beat It auch getan hat.

mj_bad

hrend Jackson uns jedoch dahinführt, mit Daryl zu empfinden und sogar Aspekte seiner Persönlichkeit zu bewundern, weist er jede moralische Relativierung über seine Lage als Mittäter bei einem Verbrechen zurück. Wie er in dem langen Call and Response am Ende des Videos deutlich macht, gibt es einen Unterschied zwischen Richtig und Falsch, und Daryls Freunde „machen es falsch“ (you’re „doing wrong“). Jackson empfindet mit Daryl in seiner Situation mit und weigert sich, ihn zu verurteilen, nichtsdestotrotz zwingt er ihn aber, eine Entscheidung zu treffen, und er besteht darauf, dass seine Entscheidung zählt. Daryl ist nicht nur ein gesichtsloses Objekt sozialer Zwänge; er ist ein Individuum mit einem freien Willen trotz der vielen Zwänge, denen er unterliegt. Er mag nicht viele Möglichkeiten haben, aber er hat Möglichkeiten, und er muss sich entscheiden, was er zu tun gedenkt. Als er seine Entscheidung getroffen hat und den härteren Weg wählt, bewundern wir ihn umso mehr, denn wir haben ganz kurz seine Welt erfahren, wie er sie selbst erlebt, also verstehen wir nun den Druck besser, der auf ihm lastet im Zusammensein mit seinen alten Freunden.

Erneut lässt uns Jackson in einem seiner Werke in die Erlebniswelt eines scheinbar unsympathischen Charakters eintauchen – Charaktere wie Daryl und Dirty Diana und der Protagonist von The Way You Make Me Feel, der zu Beginn des Videos versucht, sich den frauenfeindlichen Männern auf der Straße anzuschließen. Bedeutsam dabei ist, dass wenn sich die Perspektive dieses jungen Mannes ändert, sich zugleich auch unsere ändert. Das Video beginnt mit einer männlichen Sicht der Dinge mit uns als Publikum, das die Frauen beobachtet, die auf der Straße angesprochen werden, und Jackson in seiner Rolle versucht sich irgendwie anzupassen. Aber das Video endet mit einer weiblichen Sicht der Dinge. Wie man schlussfolgern kann, sucht seine neue Freundin die Straße nach ihm ab, aber diese Straßen sind bedrohlich für Frauen. Wir sehen eine Reihe von Männern mit harten Gesichtern, einschließlich dem eines Polizisten – und dessen Gesicht ist genauso bedrohlich wie das der anderen Männer. Diese Gesichter starren uns direkt an, genauso wie sie die Frau anstarren. Wir sind wie sie positioniert, und wir empfinden nicht nur mit ihr auf eine Art, wie es vorher nicht der Fall war, sondern wir sind aufgefordert, ihre Welt wahrzunehmen, wie sie es selbst tut. Als Jackson am Ende wieder erscheint und sie umarmt, ist das eine Erleichterung auf mehreren Ebenen.

Jackson setzt diese Art der Annäherung durch das Eintauchen in die Erfahrungswelt eines Charakters bis zu einem faszinierenden Extrem in Morphine fort, einem Song über Drogenabhängigkeit von seinem Album Blood on the Dance Floor aus dem Jahr 1997. Andere Songs haben eine mitempfindende Annäherung an dieses Thema vorher auch schon vorgenommen. In The Needle and the Damage Done, einem wirklich schönen Song, den Neil Young 1972 veröffentlicht hat, werden wir dazu aufgefordert, uns um einen Drogenabhängigen zu sorgen, jemand, an dem wir normalerweise vorbeigehen ohne ihn eines Blickes zu würdigen:

http://www.azlyrics.com/lyrics/neilyoung/needleandthedamagedone.html

Ich hab die Nadel gesehen

Und den Schaden, den sie angerichtet hat

Ein kleiner Teil davon ist in jedem von uns

Aber jeder Junkie

Ist wie eine untergehende Sonne

Young ermuntert uns, eine Verbindung zu diesem Drogenabhängigen zu fühlen und uns Sorgen um das Problem der Drogenabhängigkeit zu machen – zu sehen, dass da „Ein kleiner Teil davon in jedem von uns“ ist – anstatt uns in Abscheu abzuwenden, und er fordert uns auf, uns zu sorgen, nicht nur um den Abhängigen selbst, sondern auch um den Freund, der traurig ist wegen seines Untergangs:

Ich singe das Lied

Denn ich liebe den Mann

Ich weiß, dass einige

Von euch es nicht verstehen werden

Milch-Blut

Vor dem Auslaufen abzuhalten

Interessanterweise beginnt Young den Song, indem er uns in die Position des Abhängigen versetzt, und so tun wir alles, um einen Schuss zu bekommen:

Ich erwischte dich

Als du an meine Kellertür geklopft hast

Ich liebe dich, Baby.

Kann ich noch etwas haben?“

Oh, der Schaden ist angerichtet.

Also hält uns Young von Anfang an davon ab, einen moralisch hohen Standpunkt einzunehmen und auf seinen abhängigen Freund herabzuschauen, denn wir spielen nun selbst eine Rolle. Er positioniert uns, so dass wir an seiner Kellertür erwischt werden, wie wir versuchen, einen Schuss zu erhalten und wir sagen, was immer wir sagen müssen, um das zu bekommen, was wir wollen: „Ich liebe dich, Baby. Kann ich noch etwas haben?“ Young versetzt uns in diese Situation, also ist da „Ein kleiner Teil davon in jedem von uns“.

scream-michael-jacksons-scream-13541187-641-387

In Morphine, einem von Jacksons experimentelleren Werken geht dieser mit seiner Herangehensweise noch ein Stück weiter. Wie Young positioniert Jackson uns so, dass wir als Zuhörer in der Position des Abhängigen sind, der in diesem Fall auch der Protagonist ist. Aber dann lässt er uns in die Welt des Abhängigen hineinfallen, lässt uns eintauchen in die sensorische Erfahrung der Abhängigkeit – oder so nah wie uns ein Hervorrufen der Erfahrung einer Abhängigkeit mithilfe eines Klangs bringen kann. Jackson beginnt mit einer dröhnenden Litanei all der schmerzhaften Dinge, die über ihn gesagt werden, und die er jetzt zu sich selbst sagt:

http://www.azlyrics.com/lyrics/michaeljackson/morphine.html

Ich bin solch ein Schwein, Baby

Da ist nichts zu machen, Daddy

Ich hasse deine Art, Baby

So unglaubwürdig …

Er ist an der richtigen Adresse, Baby

Man hat ihm ins Gesicht getreten, Baby

Du hasst deine Rasse, Baby

Du bist nur ein Lügner.

Du nimmst, was du kriegen kannst, Baby

Dein Hund ist eine Schlampe, Baby

Du machst mich krank, Baby

Du sprichst vom Überleben.

Sie hat sich nie von mir getrennt

Nie getrennt, Baby.

Ich hatte zu arbeiten, Baby.

Du bist nur ein Rivale.

Immer gefällig sein, Daddy

Geh auf und davon, Daddy

Du bist eine Schande, Daddy

So unerwünscht.

Wir hören die schneidende Kritik von „Du hasst deine Rasse, Baby / Du bist nur ein Lügner“ und das ebenso verletzende „Ich hasse deine Art, Baby / So unglaubwürdig.“ Wir hören ihn selbst sagen „Ich bin solch ein Schwein, Baby“ und den Versuch, sich zu entschuldigen „Ich hatte zu arbeiten, Baby“ Er wird sogar kritisiert wegen seiner bloßen Existenz, für die Konfrontation der Leute mit seiner Gegenwart nach den Belästigungsvorwürfen: „Du machst mich krank, Baby / Du sprichst vom Überleben.“ Eine Menge Leute hätte sich wohler gefühlt, wenn Jackson nach 1993 einfach untergetaucht wäre, so dass sie nicht mehr an all die Hässlichkeit erinnert worden wären. Am Schlimmsten von allem ist, dass wir die greifbare Angst hören, dass die Menschen, die er liebt, sich für ihn schämen, ihm vielleicht sagen, er solle weggehen –„ Geh auf und davon, Daddy“, entweder wegen der Belästigungsvorwürfe oder seiner Abhängigkeit oder negativen öffentlichen Wahrnehmung von ihm und wegen all der furchtbaren Dinge, die über ihn gesagt werden: „Du bist eine Schande, Daddy / So unerwünscht.“ Hinterlegt ist dieser Schwall von Anklagen und Selbstkritik mit einem lauten, holperigen, krachenden Beat – einem Stampfen, Stampfen, Stampfen, das auf uns nieder hämmert, mit disharmonischem Klopfen und Fernsehgeräuschen aus dem Hintergrund.

 

Plötzlich hört das Stampfen auf, und das ist solch eine Erleichterung. Eine beruhigende Stimme singt sanft für uns, mit einer einfachen Begleitung am Klavier. Es ist wieder Jacksons Stimme, nun aber viel sanfter und melodischer als die schroffe, schreiende Stimme des ersten Teils. Diese sanfte Stimme sagt uns ganz ruhig, dass etwas ohne Schmerzen in unsere Adern fließt:

20488_499700136788125_1687606550_n

Entspann‘ dich.

Dies wird nicht weh tun,

Bevor ich es dir gebe,

Schließ deine Augen und zähl‘ bis zehn.

Weine nicht.

Ich werde dich nicht bekehren.

Es gibt keinen Grund entsetzt zu sein.

Schließ deine Augen und lass dich treiben.

Demerol, Demerol,

Oh Gott, er nimmt Demerol …

Er hat sehr versucht

Sie zu überzeugen

Dass er alles überstanden hat.

Heute will er es zweimal so sehr.

Weine nicht.

Ich werde es dir nicht übel nehmen.

Gestern hattest du sein Vertrauen.

Heute nimmt er doppelt so viel.

Wenn man sich diesen Mittelteil anhört, dann spüren wir, wie sich unser eigener Körper zu dieser beruhigenden Stimme entspannt, während das Morphium in die Adern des Protagonisten fließt, und wir fühlen eine Annäherung an das, was er selbst fühlt. Wir erfahren eine Art sinnliche Nachahmung: Unsere Körper antworten auf seine Stimme auf die gleiche Art wie der Körper des Abhängigen auf das Morphium reagiert.

927938_1347801736705_500_500

Die negativen Gedanken, die auf ihn/uns niederdonnern, sind bis zu einem gewissen Grad immer noch da – „Oh Gott, er nimmt Demerol“ und „Gestern hattest du sein Vertrauen. Heute nimmt er doppelt so viel“, aber es fühlt sich irgendwie sehr entfernt an. Die Stimme ist ruhiger, und die Lyrics rutschen hin- und her zwischen der ersten, zweiten und dritten Person – ein schemenhaftes, irgendwie schwer auszumachendes Ich/Du/Er – viel mehr als das harte, anklagende „Du“ oder das selbstverdammende „Ich“ des ersten Parts. Es ist eher so, als würde man eine schmerzhafte Unterhaltung über sich selbst belauschen, als dass man direkt angegriffen würde. Es tut noch weh, und es ist noch irgendwie verinnerlicht, aber es ist bereits entfernter.

Abrupt schlägt das Stampfen, Stampfen, Stampfen wieder auf uns ein, so wie die Wirkung des Morphiums ausgesetzt hat, und es ist genauso schmerzvoll wie zuvor:

Er bekam das Zeug, Baby.

Dein Hund ist eine Schlampe, Baby.

Du machst mich krank, Baby.

Du bist ein Lügner.

Ist Wahrheit ein Spiel, Daddy?

Um Ruhm zu gewinnen, Baby?

Es ist überall dasselbe, Baby.

Du bist so zuverlässig …

Du sitzt nur herum, sagst einfach nichts

Und nimmst Morphium.

Ich breche zusammen, Baby.

Du sprichst über Morphium.

Diese Worte sind einschneidend und schmerzhaft, und das erbarmungslose Stampfen hört einfach nicht auf. Es kracht weiter ohne Pause auf uns nieder. Wir wollen, dass es aufhört, wir wollen, dass diese beruhigende Stimme zurückkommt, so wie der Abhängige sein Morphium haben will. Wie bei Daryl in Bad oder der Freundin in The Way You Make Me Feel, führt uns Jackson nicht nur dahin, mit diesem Charakter mitzufühlen. Es ist sehr viel intensiver als das. Er führt uns zu einer Annäherung an die Welt des Abhängigen, so wie er selbst es erfährt – obwohl dies in Morphine auch die körperlichen Empfindungen dieser Erfahrung beinhaltet.

Was jedoch wahrhaft einzigartig daran ist, wie Jackson die emotionalen Verbindungen mit den Zuhörern aufbaut und was ihn von jedem anderen Künstler, den ich kenne, unterscheidet, ist, dass er uns nicht nur dazu auffordert, mit ihm und den vielen anderen Michael Charakteren, die er portraitiert, zu fühlen. Er ruft auch unsere schlimmsten Gefühle über ihn wach, und transformiert sie dann. Mit anderen Worten, er fordert uns nicht nur dazu auf, „richtig zu fühlen“ wie Stowe es formuliert. Er kommt und erwischt uns, wo wir gerade sind, genau mitten in unseren schlimmsten Gefühlen – tatsächlich wiederholt er sogar diese Gefühle und zwingt uns, diese voll nachzuerleben – aber dann trägt er uns von diesem Ort hin zu einem besseren Ort.

Auf viele Arten bestand Jacksons fortdauerndes Projekt darin, unsere Reaktionen auf ihn selbst als kulturelle Person, als Schwarzen Amerikaner und einfach als mitmenschliches Wesen herauszufordern und zu verändern. Während seiner gesamten Karriere mühte er sich mit einer Öffentlichkeit ab, die ihn manchmal vergötterte und ihn manchmal auslachte, aber so oder so nicht willens war, ihn als Mensch zu sehen. Wie er in Breaking News über die andauernden Gerüchte singt, dass seine Ehe mit Lisa Marie Presley ein Schwindel gewesen sei „Warum ist es seltsam, dass ich mich verliebe? / Wer ist das Schreckgespenst, an das ihr denkt?“ In Monster parodiert er die übertriebenen Beschreibungen von sich: „Er ist ein Monster. / Er ist ein Tier.“ Aber dann dreht er die Perspektive um, deutet an, dass die Medien die wirklichen Monster sind –„Warum jagt ihr mich? / Warum verfolgt ihr mich?“ – und schließt mit einer Warnung ab, dass diese Medienexzesse uns ebenso verletzen wie ihn: „Er verdirbt die Laune wie ein Monster. / Er hat dich unter Kontrolle wie ein Monster.“ Mit unserer Unfähigkeit zu ringen, ihn als ein denkendes, menschlich fühlendes Wesen zu sehen, wurde während seiner ganzen Karriere ein Schwerpunkt von Jacksons Kunst.

Jackson tauchte auf der Weltbühne zuerst als außergewöhnlich talentierter Schwarzer Junge auf, der in einem zutiefst rassistischen Land aufgewachsen war. Und als die Massen danach drängten, ihn zu sehen, behandelten sie ihn mit ängstlicher Faszination, wie eine Art exotisches Haustier – „wie ein Tier im Käfig“, so hatte er seiner Mutter einmal erzählt – und dann gab er uns ein exotisches Haustier: eine Ratte, eine Boa Constrictor, ein Tigerbaby, einen Schimpansen. Aber dann nahm er uns mit in Bens Erfahrungswelt und sang „Du fühlst dich, als wenn du nirgendwo erwünscht wärest,“ und in Interview für Interview forderte er die Reporter zum Kontakt mit der Boa Constrictor oder mit seinem Schimpansen auf und diese auf eine weniger furchtsame Art zu sehen. Und durch dieses Mitempfinden richtete er unsere Reaktionen neu aus und veränderte sie.

t259h6lmkj48

Eine Dekade später kristallisierte er sich als Amerikas erstes Schwarzes Teenidol heraus. Und als Amerika kulturell konditioniert war, einen sexy jungen Schwarzen Mann irgendwie als ungeheuerlich zu sehen – als bedrohlich oder ein Alien oder als irgendetwas, das weniger als menschlich war – da gab er uns das Monster: einen Werwolf, einen Zombie. Aber während Thriller verwandelt er sich hin und her, vor und zurück, ähnlich einem Alien und wieder zurück, und fordert uns so zu der Wahrnehmung auf, dass er immer noch dieselbe Person ist wie vorher. Und dann geht er noch einen Schritt weiter und deutet an, dass es Spaß macht ein Monster zu sein und lädt uns dazu ein, es ihm nachzumachen.

Wieder eine Dekade später wird er angeklagt, ein Kind belästigt zu haben. Und als wir die Beschuldigung der Kindesbelästigung hörten, da machte er unsere Abscheu für uns auf seinem Gesicht sichtbar. Durch die Illusion der Gesichtsoperationen ließ er unsere Empfindungen für uns sichtbar werden, so dass wir buchstäblich die Emotionen, die wir auf ihn projizierten, sehen konnten und diese auf uns zurück reflektierten. (Es ist interessant, dass diese Illusion das wiederholte, was einzelne Personen ganz speziell über ihn fühlten. Jene von uns, die dachten, er wäre unschuldig, tendierten zu der Sicht, sein Gesicht wäre irgendwie anders, aber nicht entstellt. Jene, die dachten, er wäre schuldig, neigten zu der Ansicht, sein Gesicht wäre „zerstört“. Und einige sehr reizbare Individuen sahen sein Gesicht offenbar als wirklich fratzenhaft an.)

Michael-Jackson-in-Thriller-michael-jackson-33907113-1213-912

Jackson nutzte diese Bilder und Sinnestäuschungen, um absichtlich unsere schlimmsten Gefühle über ihn wachzurufen und diese an die Oberfläche zu bringen, wo sie dann benannt und umgeformt werden konnten. Bedeutend ist, dass dieser Prozess sogar funktioniert, wenn wir als Publikum gar nicht verstehen, was er tut. Tatsächlich funktioniert es sogar am besten, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind – wenn wir uns den Emotionen bei dieser Erfahrung ganz einfach hingeben und nicht versuchen, sie zu analysieren oder unsere Reaktionen zu steuern. Ich bin ziemlich sicher, dass, wenn ich all die Jahre, die ich Ben gehört oder Thriller gesehen habe, über Rasse nachgedacht hätte, ich dann sehr stark versucht hätte, nur jene Gefühle zuzulassen, von denen ich gedacht habe, sie seien korrekt, und dass ich versucht hätte, jegliche in mir hervorgerufene Angst oder Antipathie gegenüber der Ratte, dem Werwolf oder dem Zombie zurückzudrängen – und Ben und Thriller hätten unter diesen Bedingungen nicht annähernd so gut funktioniert. Die Tatsache, dass ich bei diesen Werken nicht an das Thema Rasse gedacht und auch nicht versucht habe, dies in seinen Schranken zu halten oder meine Reaktionen diesbezüglich zu steuern, war wohl ausschlaggebend für ihre Effektivität.

Jackson fordert immer wieder unsere tiefsten, am meisten verdrängten Emotionen über ihn heraus und er tut das, indem er direkt mit uns in der Sprache des Unterbewusstseins spricht. Wenn das Weiße Amerika der 1980er Jahre irgendwie einer von Freuds Patienten gewesen wäre, und wir hätten ihm erzählt, dass der süße kleine Schwarze Junge von nebenan zu einem sehr attraktiven jungen Mann herangewachsen ist und dass wir davon träumen, er würde in der Nacht zu einem Werwolf, hätte Freud sofort gewusst, wie er das zu deuten hat. Und wenn wir Freud zehn Jahre später erzählt hätten, dass der junge Mann von nebenan angeklagt ist, einen 12-jährigen Jungen belästigt zu haben, und wir hätten Träume, dass er so entsetzt über diese Anschuldigungen sei, dass er seine Nase abgeschnitten hätte, würde Freud genauso gewusst haben, wie er das zu interpretieren habe.

Während der Gedanke, dass Jackson symbolisch seine Nase abschneidet auf der bewussten Ebene nicht viel Sinn machen mag, macht es allerdings sehr viel Sinn auf der unterbewussten Ebene – vielleicht ist das der Grund, warum so viele Menschen bereit waren eine solch unglaubliche Geschichte zu glauben – und wir reagieren auf emotional und psychologisch komplexe Arten, sogar wenn wir es bewusst gar nicht verstehen. Es ist wirklich so, dass Geschichten darüber, dass Jackson mit einer Ratte befreundet ist oder ein Werwolf wird und seine Nase abschneidet, am besten funktionieren, wenn wir sie nicht verstehen – wenn wir uns ihnen einfach hingeben und sie nicht analysieren oder ihnen widerstehen oder versuchen, unsere eigenen Reaktionen zu kontrollieren.

Wenn wir uns mit schmerzhaften Themen wie Rassismus oder Antisemitismus oder Frauenfeindlichkeit oder Kindesmissbrauch befassen, neigen wir dazu, unsere hässlichsten Emotionen zu übertünchen, vorzugeben, es gebe sie gar nicht, und wir versuchen, alles schön angenehm zu behalten. Jackson weigerte sich, das zu tun, wie wir es auch in Songs wie Little Susie oder They Don’t Care About Us sehen können. Aber von einigen wenigen wohl veröffentlichten Ausnahmen geht er den Weg der leichten Berührung. Thriller ist ein sehr amüsantes Video, trotz allem. Während er jedoch nicht grausam oder aggressiv dabei ist, besteht Jackson trotzdem darauf, unsere schlimmsten Gefühle an die Oberfläche zu holen und sie sichtbar zu machen. In Thriller erweckt er tatsächlich die emotionalen und körperlichen Empfindungen des Rassismus in uns – dieses verwirrende Knäuel von Ekel und Angst gemixt mit dem Einfluss des Exotischen, der Verlockung des Verbotenen und dem Nervenkitzel des Gefährlichen. Erst nachdem er diese Gefühle vollständig zum Leben erweckt hat, fordert er sie heraus, formt sie um, verändert sie von Grund auf.

michael-jackson-thriller

Anzeichen sprechen dafür, dass er plante, dies auf eine analoge Art mit unserer emotionalen Reaktion auf die Belästigungsvorwürfe genauso zu tun. Er erweckte unsere untergetauchten Gefühle durch die Illusion der plastischen Operationen und beabsichtigte offensichtlich, sie umzugestalten, aber tragischer Weise starb er, bevor er dieses Prozess beginnen konnte. Nachdem er uns jahrelang seine Erscheinung subtil entfremded hatte, verkündete er plötzlich „This Is It!“ und begann, sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen und uns nun wieder vertraut zu werden. Er schien bereit zu sein, die Maske herunterzuziehen und wieder Michael Jackson zu werden, der Michael Jackson, den wir so sehr sehen wollten. Und ich bin überzeugt davon, dass, wenn er weitergelebt hätte, er uns etwas äußerst Wichtiges, nicht nur über unsere Wahrnehmung von ihm, sondern auch über die Natur der Wahrnehmung selbst, gezeigt hätte – ganz speziell über die Art und Weise, wie wir die Unterschiede, die uns trennen, wahrnehmen und auf sie reagieren.

 

“Michael’s love of Tap” – Michael Jackson & Stepp-Tanz

Michael’s Love of Tap

Quelle (englisch):

http://melbasdance.com/MelbasTapColumns/tabid/64/ArticleType/ArticleView/ArticleID/232/Default.aspx

MICHAEL J

Auch wenn viele es nicht wissen: Michael Jackson liebte Stepp-Tanz

Vor 10 Jahren fragte er Debby Allen ihm zu helfen, einen Lehrer zu finden. “Als er mich danach fragte, für ihn den besten Stepp-Lehrer zu finden, wählte ich Paul Kennedy aus. Ich wußte, Paul würde diskret sein. Michael und Paul kamen zu mir nach Hause, wo ich ein Studio hatte.” erinnert sich Allen.

“Ich hatte große Achtung davor, dass Michael ausserhalb seiner “Box” arbeiten wollte, aber es gab nichts, was ausserhalb seiner Box lag. Es war eine großartige kreative Reise, zu sehen, wie er sich entwickelte. Michael war gut. Er kam aus derselben Welt wie Sammy Davies und konnte alles aufnehmen. Auf meinem Boden sind immer noch seine Abdrücke. Ich passte auf Jacksons ältesten Sohn Prince auf, während unserer Stunden, und wir gingen oft in die Küche und assen Maisbrot. Michael war Fan von Fred Astaire und Astaire war Fan von Michael. Es war gegenseitige Bewunderung. Es war keine Überraschung, dass er so viel Erfolg hatte.” sagt Allen.

Die Stunden fanden abends statt, ein oder zweimal in der Woche, solange bis Michaels Terminplan zu kompliziert wurde. Laut Allen brachte Jacksons Mutter Katherine ihn zum Broadway um ihre Shows anzusehen. “Sweet Charity” und “West Side Story”, und sie erinnert sich, dass auch Janet dabei war. Katherin unterstützte den Broadway und lies ihre Kinder viele Shows ansehen. Als Paul Kennedy krank wurde und Jackson nicht länger unterrichten konnte, rief er Dormeshia Sumbry-Edwards an, um ihr zu sagen, dass Jackson nach einem Stepp Lehrer/Choreografen suche und ermunterte sie, dort anzufragen.

Dormeshia Sumbry-Edwards ist eine vollkommene Tänzerin, die in Kennedys Studio trainiert. Sie war die einzige weibliche Stepp Dancerin in Savion Glover’s “Bring In “˜Da Noise, Bring in “˜Da Funk.”. Sie gehört zu den besten Stepp Tänzerinnen der Welt, viele sagen, sie ist die Beste.

steppschuhedjqfon8yxw

“Dormeshia, you’re excellent honestly – MJ”

Jackson lies Sumbry-Edwards 1997 nach Paris kommen, für ein Gespräch. Michael hatte viele Fragen: “Kannst du tanzen wie die Nicholas Brothers oder Fred Astaire? Wie schnell kannst du deine Füsse bewegen?” Michael legte sich vor sie auf den Bauch, mit dem Kopf dicht an ihren Füssen und sagte: “Wie bekommst du all diese Geräusche hin? Mach es noch einmal, so schnell wie du kannst. Kannst du mir das beibringen?” erinnert sich Edwards

Sumbry-Edwards wußte nicht, ob sie den Job hatte – erst zwei Jahre später. Man kann sich ihre Überraschung vorstellen, als sie den Hörer abnahm und Jackson war drann. “Wie gehts?” fragte er, bevor er sie einlud, mit ihm zu arbeiten. Sie erklärte, dass sie gerade “Noise/Funk” abschloss und schwanger war. Er sagte, sie solle sich wieder melden, nach der Geburt und wenn sie bereit wäre. Ein paar Monate später war sie bereit.

“Wir arbeiteten überall und zu jeder Zeit.” ein paar Mal in LA, meistens jedes Wochenende in Las Vegas,” sagt Edwards. Sie flog Freitags Abends hin, arbeitete Samstag und Sonntag und reiste dann zurück nach New York. Das ging etwa über zwei Monate so. Sie arbeiteten auch ab und zu irgendwo zwischen Vegas, LA, und West Palm Beach, Florida,. “Wenn wir im Studio waren, waren da nur wir beide, und ich lernte ihm als Person kennen,” sagt Edwards. “Er war immer über alles informiert, was in der Welt vorging, Religion, Familie und das Leben ausserhalb des Entertainments. Er war ein Mann und ein Vater, der ein großartigesVerhältnis zu seinen Kindern hatte.”

Nach 9/11 rief Jackson Sumbry-Edwards an und bot ihr an, ihre ganze Familie für zwei Wochen nach Kalifornien zu bringen, während sie arbeiten könnten. (Sumbry-Edwards ist mit dem Stepp Tänzer Omar Edwards verheiratet und sie führen das Harlem Tap-Studio. Sie haben zwei Kinder, Jerimiah und Ebony) Sie hatten unterschiedliche Terminpläne aber sie genossen die Zeit in Kalifornien, in West Palm Beach und auf der Ranch. “Michael lud uns zum Abendessen ein, und unsere Kinder waren mit seinen zusammen, bevor unsere Sessions begannen.”

Jackson war mit vielen Dingen beschäftigt, und wenn sie arbeiteten, dann waren es meistens 4 Stunden am Tag.

Edwards erinnert sich: “Michael wußte genau was er wollte. Die meiste Zeit fand das Training ohne Musik statt, aber einmal spielte er ein Lied seiner Schwester Janet und sagte, es sei sein Lieblingslied. Er sagte, er mag dieses Feeling und möchte etwas mit diesem Feeling umsetzen.” “Was erkennst du an genau dieser Stelle?” erinnert sich Edwards an eine Frage Jacksons, als er sie um Hilfe bei der Choreografie bat. “Er nahm sich zurück, und lies mich kreieren. Er machte dann einige Änderungen und vollendete es mit diesen Änderungen. Er war ein Perfektionist und in 4 Stunden haben wir manchmal nur 4 Tackte erarbeitet. Er machte nicht weiter, bis er mit einem Move ganz zufrieden war. Auf diese Art verleibte er sich die Materie ein, und machte sie zu einem Teil von sich selbst. Er feilte alles aus, bevor er einen Schritt weiter ging. Ich sah die Leidenschaft in seiner Arbeit, es war sehr intensiv.”

michaels tap-shoes julians auction

A pair of Michael Jackson worn tap shoes. These Capezio brand black leather tap shoes were worn by Michael Jackson while preparing for his This Is It Tour. Jackson practiced many types of dance and was a talented tap dancer. (Julians Auctions)

“Manchmal fand Jacksons jüngster Sohn Blanket den Weg ins Studio”, in den letzten beiden Jahren, als sie in Las Vegas in dem Studio in seinem Haus arbeiteten. “Einmal hatten wir es beide ziemlich vergeigt, und Blanket stand in der Tür und lachte. Es war ein besonderer Moment dadurch, es war so süß, dass er da stand. Michael liebte Stepp Tanz. Er mochte die Nicholas Brothers und Fred Astaire. Er wusste ganz genau, was er wollte. Er liebte Rhythmus. Er sass einfach nur da, und sah zu.”

Jackson arbeitete daran, das Steppen zu lernen. Er erlernte zuerst zwei Jahre lang die Technik, bevor er etwas anderes machte. Er lernte das Stepp ABC: “shuffle exercises, paddle and roll, cramp roll, pull backs, draw backs, clean time steps” Wir erarbeiteten all die Basics.

Meistens traf Sumbry-Edwards zu früh im Studio ein, zog ihre Schuhe an und wärmte sich auf, während sie auf ihn wartete. Wenn Jackson hereinkam, lies er sie weitermachen, setzte sich hin und sah zu. Wenn sie fertig was sagte er: “Wow, diese Rhythmen waren großartig.” und manchmal wollte er ihre Improvisationen in das integrieren, woran sie arbeiteten.

Sumbry -Edwards hält Jackson für einen der größten Entertainer der Welt. “Michael hat über Jahrzehnte Tänzer inspiriert. 2009 gibt es immer noch Tänzer, die Michael studieren”, sagt Edwards. Das letzte Mal, dass sie mit ihm zusammen arbeitete war im September 2008.

Übersetzung: MvdL

—————————————————————————————

Michael Jackson Tapdance:

—————————————————————————————

Another influence in Sumbry-Edwards’ life was the late, great, Michael Jackson. Their professional relationship began shortly before she joined Noise/Funk on Broadway, and continued up until the November before his death. Her teacher, Paul Kennedy, had begun one-on-one lessons with Jackson, but when Kennedy fell ill, he turned Jackson over to Sumbry-Edwards. “Michael was curious about tap dance,” she says. “He loved rhythms. He was an absolute perfectionist. We would work for three hours on two bars!” She remembers how intensely he’d watch her dance. “He would lay down in front of me like a kid and ask me to tap and tell me, ‘Slower, slower, slower,’ then ‘Faster, faster, faster!’ Then he’d look up at me and say, ‘Can you show me how to do that?’ ”   Now, she’s turning her time with Michael Jackson into inspiration for her choreography. She prepared a section of this for her Danspace performance in March. “It’s kind of like closing a chapter,” she says. “It’s a tribute to Michael Jackson but it’s also for Paul Kennedy. Both of them are gone now.” –

See more at: http://www.dancemagazine.com/issues/May-2011/Taps-Leading-Lady#sthash.CKJtAgkW.dpuf

Michael Jackson „Moonwalker“ – Interview mit Kellie Parker

Das Mädchen aus dem Smooth Criminal Video: Kellie Parker

Quelle/englisch:

http://noblemania.blogspot.co.uk/2013/07/the-girl-in-video-smooth-criminal-1988.html

   Kellyeyes

Wie alt warst du, als du im Smooth Criminal Video mitspieltest?

Wir filmten das Smoth Criminal Video über einen Monat lang und dann den Rest des Films etwa 8 Monate lang. Ich war 10-11Jahre alt, als wir den Film drehten, und als er herauskam, war ich schon 12. Wir hatten so eine lange Drehzeit, weil wir immer Ergänzungen am Script machten. Es wurde einfach ein ausgedehntes Video, und es wuch zu einem Feature an, und hatte schliesslich eine Dauer von etwa 40 Minuten.

Wo lebtest du zu der Zeit?

Ich wohnte in Huntington Beach, mit meiner Familie.

In welchen Musikvideos, Shows oder Filmen hast du davor mitgespielt?

Ich arbeitete als Schauspielerin zu der Zeit. Ich war in Highway To Heaven, Superior Court und in vielen nationalen Werbespots zu sehen.

Wie wurdest du gecastet?

Ich nahm an der Audition teil und hörte dann 6 Monate lange nichts, also nahm ich an, sie hatten jemand anderen. Später fand ich heraus, dass sie ein landesweites Casting hatten und es deshalb so lange dauerte, bis man einen Rückruf bekam. Danach kam ich zu einem Screen-Test mit ein paar der Jungen, die dort für die Zeke Rolle in der Auswahl waren.

Den Look, den ich im Video habe, als Wildfang mit verwuschelten Zöpfen, war genau so, wie ich zur Audition kam. Ich war nie ein sehr mädchenhaftes Mädchen, und es war etwas, was mich von den anderen Mädchen unterschied. Ich war burschikos, ich wollte immer einer der Jungen sein. Ich denke, deshalb bin ich vielleicht Michael aufgefallen. Ich war sehr natürlich, nicht sehr zurechtgemacht. Ich erinnere mich, in der Maske wurden Mädchen so zurechtgemacht wie ich. Ich erinnere mich, dass ich mich aufregte, dass sie alle so aussehen sollten, wie ich! Aber jetzt weiß ich, was das für ein Kompliment war.

Erinnerst du dich, wie du auf das Casting reagiert hast?

Ich war nicht so sehr aufgeregt darüber. Als Thriller herauskam, war ich gerade 5 Jahre alt. Ich kannte zwar Michaels Musik, aber ich war kein Fan, und hatte keine Vorstellung davon, wer er war. Ich glaube fast, das ist auch mit ein Grund dafür, dass ich die Rolle bekam – ich war sehr entspannt in seiner Anwesenheit, denn für mich war er nicht dieser Megastar. Ich sah ihn einfach als ein Schauspiel-Kollege. Der Kinder liebte.

Wo wurde das Video gedreht?

Wir filmten das Video, was ursprünglich Chicago Nights hiess, in den Culver-Soundstages. Für den Film zogen wir dann zu den Universal-Soundstages um. Die Aussenaufnahmen wurden alle auf einer Ranch nördlich von LA gemacht, auf der Disney Ranch.

Kelly4

Wie war es, das Video zu drehen?

Es war die unglaublichste Erfahrung meines Lebens! Ohne Zweifel hat es den Verlauf meines Lebens verändert. Michael und ich wurden gute Freunde. Er spornte mich immer an, besser zu werden und brachte mir viel über den künstlerischen Prozess bei. Wenn du mit 10 Jahren jemand mit diesem kreativen Genius triffst, der sich Zeit für dich nimmt, ist das so, wie ein Lottogewinn, und ich weiß genau, wieviel Glück ich hatte, das ich diese Erfahrung machen konnte. Michael behandelte mich nie wie ein Kind, immer als gleichwertg, als professionell. Ich denke, das war weil er seit seiner Kindheit in diesem Geschäft war und wußte, wie es ist, am Set zu sein, mit den großen Erwarungen, die an dich gestellt wurden, damit du deine Performance ablieferst. Der Druck ist der gleiche, ob du ein Erwachsener bist, oder ein Kind. Und Michael respektierte das.

Was war der schwerste Teil des Drehs?

Ich erinnere mich nicht an schwere Teile, aber einmal musste ch in den Notfallraum, wegen eines Unfalls. Es war bei der Szene in der Höhle, wenn Mr. Big (Joe Pesci) mich auf den Boden schubst. Einmal stiess er etwas fester und ich stolperte, als ich nach hinten fiel und konnte mich nicht mehr auffangen. Ich landete auf dem Mikophon-Pack auf meinem Rücken. Ich fiel heftig auf den Boden. Michael war sehr besorgt um mich. Es war wirklich lieb.

Wie war es mit Michael Jackson zu arbeiten? Wie war er?

Michael war der netteste Mensch, den ich je getroffen habe. Ich bin so glücklich, nicht nur mit ihm gearbeitet zu haben, sondern über Monate mit ihm gearbeitet zu haben, und mit ihm befreundet sein zu können, auch noch Jahre danach. Er war wie der Versuch „Energie/Leuchten in einer Flasche“ zu bewahren (He was lighting in a bottle) ; die Luft veränderte sich, wenn er in der Nähe war. Es ist schwer zu erklären, aber du konntest ihn fühlen, bevor du ihn gesehen hast.

Er machte auch vie Spass am Set, spielte Streiche und lachte mit uns. Das beste Beispiel ist, als wir draussen auf der Ranch filmten, und wir lange, harte Tage in der Sonne hatten, und ich die letzte Aufnahme für den Tag machte. Ich dachte, wir hätten es geschaft für den Tag und der Regisseur sagte, wir bräuchten noch eine Aufnahme. Ich konnte in der Spiegelung des Objektivs etwas kommen sehen; ich drehte mich um, und sah Michael. Sean und Brandon, die zu mir hin rannten und Wasserballons und Wasserpistolen dabei hatten. Sie machten mich völlig nass!

Dann war da noch das erste Mal, als ich Michael am Set tanzen sah. Mir stand buchstäblich der Mund offen. Die Energie, die er als Performer hatte war absolut einmalig, und die Energie/Elektrizität im Raum war überwältigend.

moonwalker2

Was denkst du über das Video?

Ich habe es geliebt und liebe esimmer noch. Es ist wirklich eines der besten Videos aller Zeiten. Es ist wirklich zeitlos.

Was dachten deine Eltern darüber?

Meine Eltern waren stolz auf mich.

Was dachten deine Freunde?

Ich weiß nicht, ob meine Freunde zu dieser Zeit beeindruckt waren, aber danach hat es mir wirklich Punkte gebracht, als „cool“ zu gelten. Als es heraus kam, arbeitete ich viel, so dass ich meine engsten Freunde auch im Filmgeschäft hatte, und die waren sicherlich weniger beeindruckt, als normale Kids. Es war wirklich viele Jahre später, als ich realisierte, welchen Effekt der Film und das Video auf die Leute hatte.

Smooth Criminal und der längere Film waren Teil von Moonwalker. Es sollte in US Kinos veröffentlicht werden, aber aus rechtlichen Gründen fand das nie statt. Viele Kinder in meinem Alter oder jünger hatten die Moonwalker DVD und sahen sie immerzu an. Weil sie familiengeeignet war, gab es eine ganze Generation, die mit dieser DVD aufwuchs, Kinder, die das eigentlich Video sicher erst Jahre später auf MTV sahen.

Als du in dem Alter warst, in dem man sich verabredet, hat sich dieses Video in irgendeiner Art auf deine Liebe ausgewirkt?

Als ich jünger war, hatte es keinen Einfluss, und als ich älter war, erzählte ich den Leuten erst davon, wenn ich sie gut kannte. Ich versuchte immer, meine Freundschaft mit Michael privat zu halten; ich wollte das nie für persönliche Vorteile ausnutzen. Wenn ein Typ es erst mal herausfand, gab es normalerweise Pluspunkte für mich, viele waren in mich verknallt.

190242_173086729408787_6194707_n

Bekamst du Fanpost?

Ein paar Briefe. Sie sind bei mir zuhause in einer Schachtel.

Hat das Video irgendwelche Kontroversen ausgelöst, die dir bekannt sind?

Mir sind keine Kontroversen im Zusammenhang mit dem Video bekannt.

Was wurde dir bezahlt?

Ich glaube ich bekam den Tagessatz von SAG. Ursprünglich sollte ich nur einen Monat dort arbeiten, aber es wurde sehr viel länger. Es endete damit, dass viel Merchandising gemacht wurde, wo ich auch mit dabei war: Bilderbücher, Malbücher, Videospiele, Poster.

Hast du die Weltpremiere des Videos bei MTV gesehen, und falls ja, wie fühlte sich das an?

Wir hatten eine Vorführung auf einer großen Leinwand, zu der ich hinging. Es machte Spass, alle Videos auf einer großen Leinwand zu sehen. Ich sah auch die MTV Premiere. Ich erinnere mich, es mit meiner Familie zuhause angesehen zu haben und dass ich lange aufbleiben durfte, um es zu sehen. Es war surreal, es zu sehen, und es war großartig, denn es war eine Ausrede für mich, MTV gucken zu dürfen.

Hat man dich in der Öffentlichkeit je erkannt? Wie oft und wann zum letzten mal? Hast du Geschichten darüber?

Ich wurde in der Öffentlich keit nie erkannt, ausser zusammen mit Michael. Wenn ich mit ihm zusammen in der Öffentlichkeit war, sagten die Leute: „Du bist das kleine Mädchen aus dem Video!“ Es war immer lustig, erkannt zu werden. Wenn es heute jemand herausfindet, macht es Spass ihre Gesichter zu beobachten, denn ich sehe, dass sie für einen Moment mein Gesicht abscannen und dann normalerweise sagen „Du siehst noch genauso aus.“

Kelley Parker candid 2

Warst du danach noch in anderen Musikvideos zu sehen?

Jahre später, als Erwachsene, machte ich bei mehreren Videos als Tänzerin und Schauspielerin mit.

Wo warst du am College und was hast du studiert?

Ich studierte Wirtschaft und Film, und machte nach mehreren Anläufen den CSUM Abschluss. (California State University-Master) Es war schwer für mich, in einem Rutsch die 4 Jahre durchzumachen, weil ich immer noch in der Entertainment-Industrie arbeitete, und für Touren gebucht wurde, die mich für längere Zeitzspannen ins Ausland brachten. Als ich älter wurde, vertrauten mir die Lehrer mehr, solange ich bei den tests gut war, waren sie bereit, trotz meines verrückten Terminplans mit mir zu arbeiten. Ich gab es nie auf, weil es etwas war, was ich mir selbst zum Ziel gesetzt hatte.

Was machst du heute?

Ich bin immer noch in der Unterhaltungsbranche, aber mittlerweile meist „behind the scenes“. Ich habe Glück – denn wegen meinen vielfältigen Erfahrungen kann ich im Live- und im Film-Entertainment arbeiten. Ich bin Produzentin fü TV Produktionen, Choreografin und Assistenz-Regisseurien für große Live-Shows. Ich liebe mein Leben, es fühlt sich nie wie Arbeit an, weil ich das was ich tue liebe. Ich fing mit der Arbeit am kreativen Teil „behind the scenes“ an, als ich Anfang 20 war, weil ich zu der Zeit schon solange performte und ich meine kreativen Gedanken besser ausdrücken wollte. Viel davon verdanke ich Michael, das Vertrauen in meine eigene Kreativität und meine Gedanken zur Kunst, kommen von der Zeit, die ich mit ihm verbrachte.

Vor kurzem beendete ich eine Zusammenarbeit mit Kenny Ortega, der lange Jahre für Michael arbeitete, und wir hatten tolle Gespräche über Michael. Es war schön, sich mit jemand zusammen zu erinnern, der auch Michael als Mensch und Freund kannte, und nicht nur den Star Michael.

Wo lebst du?

In Kalifornien.

Was dachtest du, als du von mir gehört hast?

Ich war darüber aufgeregt, über diesen besonderen Moment in meinem Leben zu sprechen. Wie ich erwähnte, war ich immer sehr still über meine Zeit mit Michael, aber es ist schön die Gelegenheit zu haben, den Leuten zu erzählen, wie es war, dabei zu sein, als dieses ikonische Video gemacht wurde. So viele unbeschreibliche Erinnerungen an die Dreharbeiten spät in der Nacht, mit den Tänzern am Set zu sein und die Entwicklung des Projekts zu verfolgen. Ich tanzte, seit ich 3 Jahre alt war, und morgens nahm ich an dem Warm-Up der Tänzer teil, mit dem Choreograf Vincent Paterson. Sie waren unbeschreibliche Tänzer. Diese Besetztung hatte eine sehr enge Verbindung und das kann man spüren, wenn man das Video ansieht; sie waren wie eine Familie.

Hat dich jemand anderes schon über diese Dinge interviewt? Wenn ja, wer war es?

Vor ein paar Jahren war ich in Las Vegas in einem Gremium für die Vorführung des Films und Videos, und es gab über die Jahre auch ein paar andere Interviews.

moonwalker1

Warst du auch mal bei Fantreffen, um Autogramme zu geben? Wenn nicht, würdest du es tun?

Ich wurde nie danach gefragt, ich denke, es käme auf die Umstände an. Michael umgibt soviel Liebe und ich weiß, der Film und das Video bedeuten vielen Menschen sehr viel.

Bliebst du mit Michael in Verbindung? Und wie oft?

Michael und ich blieben Jahrelang befreundet.

Wann war das letzte mal, dass du mit ihm zu tun hattest, und worum drehte sich euer Gespräch?

Ich sah Michael ein paar Wochen, bevor er starb. Davor hatte ich ihn mehrere Jahre nicht gesehen. Ich war so glücklich, dass ich ihm Hallo sagen konnte und ihm noch ein letztes mal in die Augen sah.

Wie kam das zustande? Hatte er dich angerufen, oder du ihn? Wo hast du ihn gesehen?

Ich arbeitete als Choreografin und habe viele Shows und einige Filme für Disney gemacht. Er kam zu einer der Shows, ein paar Wochen, bevor er starb und ich war an dem Tag auch dort. Er wußte nicht, dass ich da sein würde. Es war nur kurz, aber ich hatte die Gelegenheit ihn zu sehen, und dafür bin ich für immer Dankbar.

Wie hast du erfahren, dass Michael starb? Und wie hat es dich getroffen?

Ich war in einer Probe, als die Nachrichten kamen, dass Michael zum Krankenhaus gebracht worden sei. Ich fand es durch eine Textnachricht meines Bruders Eric heraus, der am Set, als ich mit Michael arbeitete, viel Zeit mit mir verbracht hatte.

Als ich erfuhr, dass er gestorben war, hatte ich einen Filmriss und mir schossen die Tränen in die Augen. Der erste Mensch, der sich um mich kümmerte, ich brach unter Schock zusammen. Es war surreal und ich war so traurig, weil er immer noch soviel zu geben hatte. Aber seine Legacy wird für immer leben, und es gab soviel Schönes, soviel Liebe, die nach seinem Tod ausströmte. Ich glaube, er sieht von irgendwo auf uns herab, und lächelt. Wir sind glücklich, dass er eine zeitlang hier bei uns war, und dass er erreichte, was ihm am Herzen lag – damit die Menschen sich gegenseitig lieben, die Freude in ihrem Leben spüren und an Magie glauben. Und egal wo du auf dieser Welt hinkommst, wenn seine Musik spielt, passiert genau das… die Menschen tanzen, singen und lachen, ihr Geist erhebt sich. Was ein wunderbares Geschenk von ihm an uns!

Kellie1

Was denkst du über die Vorwürfe, die gegen Michael von Familien der Kinder,mit denen er befreundet war, hervorgebracht wurden?

Ich kann weder über das Verhältnis noch über die Erfahrungen, die irgendjemand anders mit Michael hatte urteilen, denn ich war nicht mit ihnen zusammen. Alles, was ich über all die Zeit die ich mit ihm verbrachte sagen kann, ist, dass er der liebevollste/fürsorglichste und sanfteste Mensch war. Er sah immer wie ein Vater nach mir. Ich verbrachte Zeit mit ihm auf seiner Ranch, Neverland, und ich hatte immer so viel Spass mit ihm.

Ich weiß, dass die Leute nicht verstehen, warum Michael immer Kinder um sich hatte und als Erwachsener kann ich sehen, warum das ungewöhnlich wirken mag. Aber alles, was man tun muss ist, sich irgendwelche Kinder anzusehen und zu sehen, dass sie über keinen „Filter“ verfügen, sie sind einfach aufrichtig. Dann versetze dich selbst an Michaels Stelle: Umrundet von Menschen die ständig ausfilterm WAS sie zu dir sagen. Wie erfrischend muss die Ehrlichkeit von Kindern dann für dich sein.

Michael stellte mir immer Fragen, so dass sich mein Argumentieren/Urteilsvermögen weiterentwickelte. Wir träumten laut und erfanden zusammen Geschichten, waren auf viele Arten kreativ. Ich glaube, er vesuchte für mich das zu sein, was er sich gewünscht hätte, dass jemand für ihn getan hätte, als er selbst ein Kind in diesem Geschäft war.

Er war der netteste Mensch mit dem edelsten Herzen. Aus meiner Erfahrung mit ihm kann ich mir nicht vorstellen, dass er irgendjemand verletzt hätte.

Kelly5

Noch als letztes: warst du Annie?

Nein, ich war nicht Annie. Ich war einfach „Katy“ :) Wir wussten nie, wer „Annie“ war.

……………………………………………………….

Übersetzung: M.v.d.L.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 57 other followers