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„Guerrilla-Dekontextualisierung“ und der King Of Pop

Übersetzung des Artikels: Guerrilla Decontextualization* and King Of Pop (by Aberjhani)

http://www.guerrilla-decontextualization.net/1/post/2012/08/guerrilla-decontextualization-and-king-of-pop-michael-jackson.html

(*Begriffserklärung siehe Artikel-Ende)

In welchem Ausmass könnte der phänomenale Entertainer und Humanist Michael Joseph Jackson in der zweiten Hälfte seines Lebens das Ziel einer ausgedehnten Dekontextualisierungs-Kampagne gewesen sein?

Hardcore Liebhaber von Jacksons Musik und altruistischen humanitären Visionen würden sagen, es steht ausser Frage, dass er Ziel solcher Methoden war. Hardcore Zweifler würden sagen, vielleicht förderte er diese Guerilla-Dekontextualisierung selbst, durch die sich entwickelnden Manipulationen seines öffentlichen Profils als Performance Künstler. Sie verweisen auf die chamelionartige Veränderung seines eindeutig afrozentrischen (afro-amerikanischen) Aussehens in einer Dekade, zu einem androgynen, multi-ethnischem in der nächsten, und in seinen letzten Jahren zu einer fast ätherischen Projektion – einer Figur, vollkommen in dieser Welt, aber irgendwie schon aus ihr hinaus treibend.

Die Antwort auf die Frage, wer wen mit Guerilla-Methoden dekontextualisierte, kann mit einem einfachen Vergleich beantwortet werden. Man sehe sich die Grösse der Buchstaben in Zeitungs-Überschriften an, den Platz, der in Magazinen eingeräumt wurde, sowie der Zeit, die man sich im Radio und TV dazu nahm, um über Jackson zu berichten, als in den 1990-ern und 2005 die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn aufkamen. Dann vergleiche man all diese Elemente – Schlagzeilen etc. – mit denen, die in Berichten genutzt wurden, um etwas diese Vorwürfe betreffendes zu widerlegen, über Gegenbeweise zu berichten, oder um eindeutige Meineide zu bestätigten. Die erstgenannten dominierten die Medien zu einem fast überwältigenden Ausmass, während letztere Elemente fast nicht existierten.

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Oder das: Führe ein Experiment durch indem du dir einen der eher reisserischen Filme der Medien über Jackson ansiehst und dabei den Ton ganz herunter drehst. Ein besonders spannendes Exemplar für dieses Experiment wäre der berühmte „O Gott! Er-lässt- (dangeling) sein-Baby-vom-Balkon-baumeln“- Vorfall. Das Wort „dangle“ (baumeln, herabhängen) ist, wie im Websters Dictionary, definiert als: „to hold loosely and swaying.” („locker und schwankend/taumelnd halten“). Dreh also den Ton ab, wenn du den Nachrichten-Film von Jackson mit seinem jüngsten Kind an der Balustrade ansiehst und du wirst keinen Mann erkennen, der sein Kind auf lockere/wackelige/unsichere Art hält. Wenn man auch die Entscheidung, das Kind für die jubelnde Menge über die Balustrade zu halten vielleicht nicht als beste Eltern-Entscheidung einordnen kann die er je traf, ist es aber sehr deutlich, dass er seinen Sohn sehr sicher festhält. Auf den Gedanken, dass er das nicht tut, kommt man nicht von selbst. Er entstand durch die Tendenz der Medien, die zu dieser Zeit darauf festgelegt waren, das zuhörende, zusehende und lesende Publikum zu präparieren, Verrücktheiten von Michael Jackson zu erwarten. Kurz gesagt: die Leute sahen und hörten das, was ihnen gesagt wurde, dass sie sehen und hören sollten.

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 - Michael mit Paris, auch am Fenster des Hotel Adlon -

 Undeutliche Sprache oder nicht…

Die Essenz von dem, wer und was Michael Jackson war – der Umstand, der ihn wohl deutlicher als alles andere definierte – offenbarte sich in einem Augenblick, der schmerzhaft zu erleben war. Es geschah während des Todschlags-Prozess von Conrad Murray, als die Öffentlichkeit einer Aufnahme Michael Jacksons zuhören durfte, der deutlich unter dem Einfluss von Propofol stand, auf das sich die beliebte Ikone verlies, um schlafen zu können. Das starke Medikament wirkte ähnlich wie ein Wahrheitsserum. Jacksons schwächer werdendes Bewußtsein drückte zuerst seine Angst über die geplanten This Is It Konzerte aus und dann, unter Anstrengung, seine Besorgnis über die Kinder der Welt: „… ich nehme dieses Geld, eine Million Kinder, Kinderkrankenhaus, das größte der Welt, Michael Jacksons Kinderkrankenhaus… Ich werde das für sie tun… Gott möchte, dass ich es tue…“

Ob undeutliche Sprache oder nicht, es waren die Worte, um deren Aussprechen er kämpfte, die den schutzlosen, verletzlichen Kern seines Herzens und seiner Seele offenbarte. Er macht deutlich, die Gewinne der Tour zu nehmen, um damit ein Krankenhaus für Kinder zu bauen. Seine jahrelanges wohltätiges Arbeiten und Spenden hatten schon bewiesen, dass seine Kapazitäten zu Helfen und zu Geben endlos waren. Des weiteren ist dieser Aufnahme auch keinerlei Egoismus zu entnehmen: es geht nur darum, zu tun, was Gottes Wille war. So hat Murray, wenn auch unabsichtlich, weitere eindeutige Beweise für das geliefert, über das sich Jackson selbst sehr bewusst war.

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Skandal und Integrität

Die Popkultur selbst, die Mainstream-Medien und Teile der Gesellschaft bedienten sich Jacksons scheinbar überlebensgroßer Persönlichkeit und Talent auf vielerlei ungesunder Art. Skandale sind oft viel profitabler als Integrität. Viele waren entweder eifersüchtig auf ihn oder fürchteten sich vor der Macht seiner zunehmenden Beliebtheit. Die Markt-Mechanismen des seelenlosen Kommerz’, angetrieben durch rücksichtslose Gier formten sein Image um – egal ob es Jacksons Realität entsprach oder nicht- zu einem täglich fetter werdenden Goldesel (cash-cow). Egal, ob einzelne Interessengruppen ihn mochten oder nicht mochten, alle genossen es, sich jedes Stück seines Ruhms, was sie für sich nutzen konnten, herauszuschneiden.

Bedeutet das, die Geschichte seiner wirklichen Intentionen und die authentische Substanz seiner Handlungen wurden zu einem solchen Aussmass guerrilla-dekontextualisiert, dass sogar er selbst möglicherweise – zu Zeiten, in einer Flut von falschen Reflexionen, die das Leben eines Einzelnen verschlingen können – den Blick auf sein innerstes Selbst verlor?

Einige Fragen sind an dieser Stelle vor allem zu bedenken:

Warum war es für viele so wichtig, negative Anschuldigungen, geeignet, das Leben eines Menschen zu zerstören, hervorzubringen, gegenüber nachweislich positiven Attributen, welche die Lebensqualität von Millionen steigerten?

Und genauso wichtig: welchen Einfluss hat dieses Verlangen/Bedürfnis und dessen Ermöglichung durch die Öffentlichkeit auf die Psyche derer, die dem so eifrig nachgehen? Was sind die Welleneffekte/die sich ausbreitenden Wirkungen, die sich in diesem Moment durch unsere ganz normalen Leben fortsetzen?

(By Aberjhani - founder of Creative Thinkers International and co-author of ELEMENTAL The Power of Illuminated Love)

Award-winning author Aberjhani is a member of PEN American Center and the Academy of American Poets as well as the founder of Creative Thinkers International. 

Übersetzung: Mv.d.L.

Guerrilla-Dekontextualisation – Begriffserklärung: Herauslösung von Ereignissen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang (Kontext), mit dem Ziel, verdeckte Absichten zu unterstützen. Das Ergebnis geht oft über eine „einfache“ üble Nachrede hinaus, die üblicherweise durch absichtlich falsche Botschaften, die der Reputation eines Menschen oder einer Organisation schaden, definiert wird. Guerrilla-Dekontextualisation nutzt im heimtückischen Kontrast dazu auch Teilwahrheiten, die aber als ganze Wahrheit hingestellt werden. G-D geht über üble Nachrede oder Verleumdung hinaus, denn man entwickelt dazu eigens eine komplette Kultur, die der Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung dient, mit politischen, finanziellen oder gesellschaftlichen Zielen. http://www.examiner.com/article/putting-text-and-meaning-to-the-guerrilla-decontextualization-test-pt-1-of-2

Der König des Pop und der Pate des Soul

by

Vorwort

Warum mit dem Elefanten tanzen?

Conversations about Michael Jackson, his art and social change

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Leave Me Alone

Die Diskussionen in dem Blog Dancing With The Elephant zwischen der Literaturwissenschaftlerin und Autorin des Buches M Poetica, Dr. Willa Stillwater und dem Gründungsmitglied des MJFC, Joie Collins, oft auch mit Gästen, erscheinen regelmäßig seit August 2011.

Mit dem ausdrücklichen Einverständnis von Willa Stillwater werden die Beiträge künftig als deutsche Übersetzung in diesem Blog veröffentlicht.

Der „Elefant“ hat in mehrfacher Hinsicht Bezug zum Thema Michael Jackson. Warum sie selbst diesen Titel für ihren Blog gewählt haben, erklärten Willa und Joie in ihrem ersten Post. Da gab es Gypsy und Babar, die Elefanten im Leben von Michael Jackson selbst. Für sein Buch Dancing The Dream schrieb er einen Essay mit dem Titel So The Elephants March. Es gibt auch die Geschichte über sechs Blinde, von denen jeder einen anderen Teil eines Elefanten berührt und beschreibt, und deren gemeinsames Bild schließlich nur durch ihren Meinungs- und Erfahrungsaustausch zustande kommt – ein schönes Gleichnis, „wenn man versucht so etwas Kompliziertes und Subjektives wie ein Kunstwerk zu verstehen, speziell bei einem Künstler, der so experimentell ist wie Michael Jackson, der so viele Grenzen verschoben und so viele vorgefasste Meinungen und allgemein anerkannte Sichtweisen in Frage gestellt hat“ und …

… die englischsprachige Redewendung „The Elephant In The Room“ beschreibt den Umstand, dass es ein sensibles Thema gibt, welches unübersehbar im Raum steht, über das zu sprechen alle Anwesenden aber lieber vermeiden würden. Willa hat in diesem ersten Blogpost hierzu folgendes Bild gezeichnet:

„Joie, ich liebe deine Beschreibung des Elefanten im Zimmer. Ich liebe es einfach! Es erzeugt da diesen kleinen Film in meinem Kopf von einem Haufen Leute, die in einem Zimmer sitzen mit einem Elefanten, den niemand eingeladen hat, und jeder fühlt sich unwohl und peinlich berührt und weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Schließlich geht irgendjemand einfach zu dem Elefanten, begrüßt ihn und lädt ihn zum Tanz ein – und sie finden nun alle heraus, dass er im Grunde gar nicht so unheimlich ist. Plötzlich wird aus der peinlichen Situation etwas Angenehmes, und vielleicht wird daraus sogar eine Party. Ich liebe einfach dieses Bild von dem Tanz mit dem Elefanten!“

✨✨🐘✨✨

Der König des Pop und der Pate des Soul

The King of Pop und the Godfather of Soul

19/12/2013

Willa: Ich denke nicht, das es irgend einen Zweifel gibt, dass James Brown einer von Michael Jacksons frühesten und grundlegendsten Einflüssen als Sänger und Tänzer und überdies eine überlebensgroße Person des öffentlichen Lebens war. Wir haben wahrscheinlich alle die Clips von Michael Jacksons Audition bei Motown 1968 gesehen, in denen er I Got The Feelin’  in perfekter James-Brown-Manier darbietet – den Tonfall, die Ausrufe und das Fallen, das „baby baby baby“ in der Pause, die Drehungen und der Shuffle … sogar die selbstsichere Art, in der er während der Eröffnungstakte den Mikrofonständer greift und ihn hinter sich wirft. Es ist eine perfekte Imitation eines neunjährigen musikalischen Wunderkindes, das James Brown geliebt und jede seiner Bewegungen beobachtet hat. Hier ist ein Clip:

Diese Woche sind Joie und ich sehr glücklich, dass sich wieder einmal Charles Thomson zu uns gesellt, ein Journalist, der wahrscheinlich bestens bekannt ist für seine aufschlussreiche Analyse der verzerrten Medienberichterstattung des Prozesses 2005. Mehrere Links zu Charles’ Artikeln haben wir in unserem Reading Room, einschließlich einem kürzlich veröffentlichten Post, den er über Michael Jacksons Teilnahme an den World Music Awards 2006 in London, einem Event, an dem Charles teilnahm, schrieb, und darüber, wie dieser Event in den Medien dargestellt wurde.

Es ist faszinierend, Charles, deinen Bericht der Szenerie in der Earls Court Arena aus erster Hand zu lesen, zusammen mit dem von dir bereit gestellten Videomaterial des äußerst warmherzigen Empfangs, der Michael Jackson hier erwartet hat und dies vergleichst mit dem „Chor der Buhrufe“, über den in den Londoner Boulevard-Medien und später dann auch in den Mainstream-Medien wieder und wieder berichtet wurde. Wie du in deinem Post sagst war dies nicht ein Fall verschiedener Beobachter, die eine Situation nur auf unterschiedliche Art interpretiert haben. Es war „eine völlig frei erfundene Story“, wie du sagst, und das ist ganz offensichtlich in dem Videomaterial, das du zur Verfügung stellst, ersichtlich.

Aber Charles, du bist auch ein „sehr leidenschaftlicher“ James Brown Fan, und du hast sogar mehrere Leute interviewt, die ihn kannten und mit ihm gearbeitet haben, richtig? Wie kam es dazu?

Charles: Witzigerweise war das letzte Mal, dass ich James Brown sah, weniger als drei Wochen vor dieser World Music Award Feier 2006. Er trat im Roundhouse in London auf, um ein Konzert für die BBC zu geben. Ich stand auf Mr. Browns Gästeliste und nahm an einer Pressekonferenz vor der Show teil, wo ich die Chance bekam ihm eine Frage zu stellen. Was für eine Ehre!

Willa: Wirklich?! Du hast tatsächlich mit James Brown selbst gesprochen? Das ist ja großartig! Also, wie kam es, dass du dich für seine Musik interessiertest?

Charles: Es ergab sich durch Michael Jackson, dass ich ein Fan von James Brown wurde. Ich war etwa sieben oder acht Jahre alt, als ich Michael Jackson entdeckte und anfing, seine Musik zu sammeln. Meine Mutter, die damit aufgewachsen war die Jackson 5 zu hören, führte mich an seine früheren Produktionen und generell an Motown heran. Damals hat sich meine Liebe zu Soulmusik entwickelt.

Ich war mir immer bewusst, dass James Brown da war, der ja ständig von Michael und vielen anderen als der größte Entertainer aller Zeiten bezeichnet wurde, aber das war vor der Zeit von YouTube, bevor du „James Brown“ in die Suchmaschine eingeben konntest und Tausende von Videos erschienen.

Willa: Es ist erstaunlich, wie YouTube und ähnliche Seiten verändert haben, wie wir Musik erfahren, nicht wahr? Es ist wunderbar, solch eine Fülle von Videos und Filmen und Konzertmaterial mit einem Fingertipp verfügbar zu haben, aber ich muss zugeben, ich vermisse die Tage, als man noch einen Plattenladen ging, um Alben zu kaufen.

Joie: Yeah, die gesamte Musikindustrie ist in solch einer seltsamen Position heutzutage. Es gibt fast keine Plattenläden mehr. Ich meine, sie existieren nicht. Ich finde irgendetwas daran ziemlich traurig. Obwohl es fantastisch ist, diese Fülle von Musik mit einem Fingertipp verfügbar zu haben, wie du sagst, ist es einfach sehr verrückt, dass wirkliche Plattenläden – und sogar Musikabteilungen in bestimmten Kaufhäusern und Elektronikgeschäften – tot sind.

Und was du gerade über YouTube gesagt hast, lässt mich über mein eigenes Wettern gegenüber MTV nachdenken. Wisst ihr, ich denke immer noch, dass es die Höhe der Absurdität ist, dass es einen Fernsehsender mit Namen Music TV gibt, dessen Programm absolut nichts mehr mit Musik zu tun hat. Und ich habe in der Vergangenheit eine Menge Lärm darüber gemacht, dass sie entweder den Namen ändern oder zu ihren Wurzeln zurückkehren sollten. Aber die Wahrheit ist, sie müssen wirklich einfach ihren Namen ändern, weil das Konzept jetzt ohnehin irrelevant ist, da die Leute nun Zugang zu YouTube und ähnlichen Seiten auf ihren Laptops, Tablets und Telefonen haben.

Charles: Es ist traurig, dass wir unsere Plattenläden verlieren. Der große HMV in Piccadilly, London, wurde kürzlich geschlossen und wurde durch einen Fanartikel-Shop ersetzt, von denen es bereits etwa zehn Stück in Fußgängernähe gibt. Es ist eine Schande, dass so viele Leute nicht bereit sind für gute Musik zu zahlen. Ich kaufe immer die Aufnahmen der Künstler, die ich mag, weil ich möchte, dass es sie in die Lage versetzt, mehr davon zu machen.

Vor diesem Hintergrund muss man sagen, dass – da ich nicht in der Stadt lebe – die Soulabteilung meines örtlichen Plattenladens vor zehn Jahren ziemlich armselig war. Dazu kam noch, dass ich zu jung war für eine eigene Kreditkarte, um online kaufen zu können, und auch zu jung, um allein nach London zu fahren, wo die meisten Plattenläden wahrscheinlich über eine respektable Auswahl verfügten. So kam es also, dass ich jahrelang mein Verständnis, warum Michael James Brown so sehr liebte, durch eine Live CD nährte, die ich auf einem Wühltisch in meiner lokalen Shopping Mall gefunden habe. Die Kraft und Energie der Performance war unglaublich, aber ich habe ihn niemals richtig bei einem Auftritt gesehen.

Im Jahr 2004 entdeckte ich in einer Zeitung, dass James Brown an einem unentgeltlichen Konzert in London teilnahm und dass die Tickets verlost würden. Ich nahm teil und gewann.

Willa: Wow, Charles, du scheinst außerordentliches Glück zu haben, wenn es um James Brown geht! Es ist, als sollte es dein Schicksal sein, über ihn zu berichten.

Charles: Ich habe es als großen Glücksfall empfunden, dass ich zufällig diese Werbeanzeige entdeckt und auch noch Tickets gewonnen habe. Ohne diese zwei unglaublichen Glücksfälle wäre mein Leben wohl sehr viel anders verlaufen. Wie sich herausstellte hatte ich nur ein kleines Zeitfenster, um James Brown zu sehen ehe er starb, also bin ich froh, dass ich so viele Auftritte wie möglich mitgenommen habe.

Jenes Konzert 2004 war eines der ersten Male, bei dem es mir erlaubt wurde mit meinen Freunden nach London zu fahren. Ich war 16 Jahre alt. Außerdem traten noch Ozzy Osborne und Rod Stewart auf, aber James Brown – der 71 Jahre alt war – performte am längsten und gab die beste Vorstellung des Tages. Ich stand stundenlang an, um ganz vorn stehen zu können und er war jede Minute wert. Seine Band war atemberaubend. Er machte seine unverkennbaren Moves und lief immer wieder und wieder auf der Bühne hin und her und schien dabei kaum ins Schwitzen zu kommen. Ich war vollkommen gebannt.

Ich sah ihn 2005 wieder und dann zwei weitere Male 2006. 2005 stand ich genau vorne in der ersten Reihe. Er performte I Got the Feelin’ mit den „baby, baby, baby“-Zusammenbrüchen. Es war unglaublich.

Willa: Er war also oft in London – mehr als ich erwartet hätte – und trat in vielen Shows auf, besonders für einen Mann in seinen Siebzigern.

Charles: Er tourte ständig. Es galt als ziemlich sicher, dass er jedes Jahr eine Tour durch Europa machen würde. Es hielt Mr. Brown nicht nur fit (und er schien sich ein wenig gehen zu lassen, wenn er eine Pause machte, also war es gut für ihn weiter zu arbeiten – er starb 2006 während einer zweimonatigen Unterbrechung, der längsten Arbeitspause, die er seit zehn Jahren eingelegt hatte), sondern es gab auch Dutzende anderer Leute, deren Einkommen von ihm abhing.

Die Beschaffenheit seiner Shows war zum Beispiel dergestalt, dass seine Band unglaublich diszipliniert sein musste. Sie musste auf wahrscheinlich 100 Songs vorbereitet und in der Lage sein, sie je nach Mr. Browns Laune anzustimmen. Er kommunizierte während der gesamten Show mit ihnen durch Handzeichen. Michael Jackson machte das Gleiche auf der Bad Tour, beispielsweise als er signalisierte, wie viele „Stiche“ (bestimmte Moves) er während des Tanzteils von Another Part of Me wollte, indem er ganz diskret Handsignale in seine Dance Moves einbaute.

Willa: Und offenbar waren einige von James Browns an seine Band gerichtete Handsignale Verwarnungen! Jedes Mal, wenn er dir fünf Finger entgegenstreckte, bedeutete das eine Verwarnung. Bei etwa 40 min. wird darüber in Soul Survivor: The James Brown Story gesprochen.

Darüber kann ich mich kaputtlachen, aber es zeigt auch, wie bewusst er alles wahrnahm, was auf der Bühne mit seiner Band und den Background-Sängern vor sich ging. Wenn sie nicht alles gaben und seine Erwartungen nicht erfüllten, dann ließ er es sie wissen, genau dort an Ort und Stelle.

Charles: Mr. Brown konnte nicht einfach eine Show auf die Art machen, die er wollte und einfach die Leute dafür einstellen, die gerade verfügbar waren. Er brauchte seine straff gedrillte Band hinter sich – aber um das zu haben, musste er immer Arbeit für sie haben, andernfalls wären sie nicht unbedingt verfügbar gewesen, wenn er sie gebraucht hätte.

Joie: Das ist unglaublich.

Willa: Das stimmt. Ich habe niemals bisher darüber nachgedacht – dass er seine Band ständig beschäftigen musste, um sie zu halten.

Joie: Und das erklärt wirklich, warum er immer als „der am härtesten arbeitende Mann des Show Business“ bekannt war, nicht wahr?

Charles: Seine Shows waren umwerfend. Obwohl seine Konstitution in späteren Jahren etwas schwankend war – manchmal klang er etwas schwächer oder konnte nicht so energiegeladen tanzen, wie er es normalerweise tat – war die Erfahrung seiner Shows insgesamt außergewöhnlich. Es war, als würde man in eine andere Zeit zurückversetzt oder als würde man Zeuge eines unglaublichen, sehr alten Rituals sein. Jonathan Lethe schrieb 2006 einen brillanten Artikel für das Rolling Stone Magazin mit dem Titel Being James Brown, der die lebhafteste, schönste Beschreibung der Magie und der Mystik einer James Brown Show beinhaltete. Ich empfehle jedem, es sich einmal durchzulesen.

Mehr als jeder andere habe ich erkannt, dass Mr. Brown die Verkörperung des Begriffs „Lebende Legende“ war. Es war bei dem Gig 2005 fast unglaublich, als ich mir meinen Platz direkt vor der Bühne sicherte, dass der James Brown – der TAMI Show und der von Boston `68 und von Zaire `74 – nur ein paar Schritte von mir entfernt auftauchte und auftrat. Ich war für einen kurzen Moment davon überzeugt, dass ich reingelegt worden war und es sich nur um irgendeinen unbekannten Sänger oder Songwriter mit demselben Namen handeln müsste. Die Show war einfach euphorisierend. Ich habe seitdem niemals wieder einen Gig wie diesen erlebt. Es war schwindelerregend. Was für eine Atmosphäre.

Die erste Sache, die er tat, nachdem er herauskam und sich verbeugte, waren ein paar kurze Ausbrüche von Make It Funky, dann warf er das Mikrofon zum Publikum hin, schnappte sich das Kabel und zog es wieder zurück, bevor es jemanden traf. Als es zu ihm zurückflog, drehte er sich um 360 Grad und fing dann den Mikrofonständer mit perfekter Präzision, während er sofort sein typisches Aufheulen hören ließ.

Die Show setzte sich den ganzen Abend in dieser Stimmung fort. Er fiel bei Man’s World direkt vor mir auf die Knie. Als er während der Upbeat Nummern seine Drehungen machte, flogen Schweißperlen über die ersten paar Reihen. Er machte alle seine typischen Moves mit Begeisterung (ausgenommen den Spagat natürlich). Während eines Songs begann meine Kamera Ärger zu machen und ich sah hinunter, um sie wieder funktionsfähig zu machen. Als ich wieder aufsah, sah ich ein Mikrofon auf mein Gesicht zufliegen und schreckte reflexartig zurück. Natürlich stoppte es etwa einen Fuß entfernt kurz vor meinem Gesicht und sprang zurück in Mr. Browns wartende Handfläche, wobei er in Lachen ausbrach. Für den Rest des ganzen Auftritts kam er immer wieder zu mir herüber und ließ mir das Mikrofon entgegenschnellen, woraufhin wir dann zusammen lachten.

Einmal kniete er sich an einer Seite der Bühne hin, nahm seine Schleife ab und gab sie meiner Freundin Angela in die Hand.  Sie hat sie inzwischen mir gegeben, weil ich so ein riesiger Fan bin. Es ist eine so wundervolle Erinnerung, denn es war einfach das großartigste Konzert, bei dem ich je gewesen bin. Als ich ging, nachdem es zu Ende war, konnte ich all die Leute um mich herum hören – die Menge war sehr jung – wie sie ihre Erschütterung und ihr Erstaunen darüber ausdrückten, einfach wie unglaublich er gewesen war, wenn man bedenkt, dass er in seinen Siebzigern war.

Joie: Das klingt erstaunlich!

Charles: Ich sah ihn 2006 zwei weitere Male. Der erste Auftritt war im Juli beim Tower in London – eine großartige Gelegenheit  nach Beendigung meines College Examens zu feiern. Dann, im September 2006 – gerade als ich Journalistik- Student geworden war – kündigte er das BBC Konzert am Roundhouse an, wo ich ihn das vierte und letzte Mal live zu sehen bekam.

Willa: Und da war es, dass du mit ihm gesprochen hast?

Charles: Ja, ich hatte den Geistesblitz, meine neu erworbene Legitimation als Journalistik-Student für ein Interview zu nutzen. Mir wurde gesagt, er wäre nur für einen Tag in der Stadt und würde keine Interviews geben, aber seine Leute luden mich zur Pressekonferenz ein, auf der ich ihm eine Frage über sein neues Album, von dem ich gehört hatte, dass er es aufnahm, stellte.  Dieser Wortwechsel, so kurz er auch war, ist eine meiner am meisten geschätzten Erinnerungen.

Willa: Wie wunderbar!

Charles:  Da ist ein ganz kurzes Gif davon, wie wir miteinander reden, auf meiner Website http://www.charles-thomson.net/about-jamesbrown.html

Traurigerweise starb er weniger als zwei Monate nach dieser  Pressekonferenz. Zwei Jahre später interviewte ich seinen früheren Posaunisten Fred Wesley für das U.S. Journal Wax Poetics. Ich wusste, dass Fred bei diesem letzten Album involviert war – welches niemals veröffentlicht wurde – also befragte ich ihn darüber. Ich hatte mich gefragt, was mit diesen Tracks passiert war, also beschloss ich es herauszufinden. Ich interviewte jeden, den ich finden konnte, der an dem Album beteiligt gewesen war – Musiker, Produzenten, Manager, Sänger – und verfasste daraus einen 5.000-Wort-Artikel: James Brown: Das verschwundene  Album (James Brown: The Lost Album). Zwei Auszüge daraus sind auf meiner Website zu finden. Es wurde die Titelstory auf einem Magazin, das ich herausgab. Mit dem Titel JIVE war es mein abschließendes praktisches Projekt an der Journalistikschule. Eintausend Exemplare wurden davon gedruckt. Ich habe immer noch welche von ihnen. Man kann hier etwas über JIVE lesen und sich hier einige Beispielseiten ansehen:

http://charles-thomson.net/about-jive.html

http://charles-thomson.net/about-jive-spreads.html

Der Artikel über James Brown hat mir einige Monate später einen Preis für das Schreiben einer Dokumentation von der Zeitung Guardian eingebracht, und ich wurde zu einer Art Ansprechpartner für Artikel über sein Leben und sein Werk. Darauf folgende Stücke beinhalteten ein exklusives Interview mit seiner Witwe bei den Feierlichkeiten zu seinem sich zum vierten Mal jährenden Todestag und einer ausführlichen Untersuchung seines humanitären Vermächtnisses:

http://charles-thomson.net/tomi_rae_brown.html

http://charles-thomson.net/feature-big-payback.html

Willa: Ich bin froh, dass du das erwähnst, Charles, weil ich denke, dass seine humanitäre Arbeit nicht sehr bekannt ist.  Ich wusste, dass er ein Konzert in Boston gegeben hat in der Nacht, als Martin Luther King Jr. ermordet wurde, und ich wusste, jenes Konzert wurde von vielen als Zerstreuung einer sehr spannungsreichen Situation und eventuelle Abwendung eines möglichen zerstörerischen Aufstandes gesehen. Am 40. Jahrestag des Todes von MLK hörte ich auf NPE ein Interview http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=89273314 mit David Leaf, dem Regisseur des Films The Night James Brown Saved Boston (Die Nacht, in der James Brown Boston rettete). Hier ist ein Ausschnitt aus diesem Film:

Ich wusste auch, dass er sehr engagiert war, die Bewegung der Schwarzen und den Gedanken von „Ich bin schwarz und ich bin stolz“ (I’m Black and I’m Proud) zu fördern. Aber ich wusste nichts über seine lange Geschichte wohltätiger Arbeit, bis ich Soul Survivor und eine weitere Biografie James Brown: the Godfather of Soul gesehen habe. Hier ist auch dazu ein Video:

Charles: Dieses Konzert in Boston war einer der prägenden Momente in Mr. Browns Karriere. Es zeigte seine außergewöhnliche Bedeutung für die Black Community. In der Nacht von Dr. Kings Ermordung brachen in ganz Amerika Straßenkämpfe aus – auch in den schwarzen Gegenden von Boston. Am folgenden Tag war der Stadtrat drauf und dran, sein Konzert nicht stattfinden zu lassen aus Angst, dass es die Aufrührer in das Zentrum der Stadt – die weißen Gegenden – ziehen würde, aber sie beschlossen stattdessen (ohne Mr. Browns Erlaubnis), dass sie das Konzert im Fernsehen übertragen lassen würden mit der Absicht, die Leute in den Häusern zu halten.

Letztendlich war es so, dass sich nicht nur die Straßenkämpfe nicht ausweiteten – es gab in dieser Nacht auch weniger Berichte über Verbrechen in Boston als es in anderen Nächten der Fall war. Der Fernsehsender zeigte das Konzert wieder und wieder, direkt aufeinander folgend, und die Menschen blieben die ganze Nacht in ihren Häusern, um James Brown zu sehen. Sein beruhigender Einfluss auf die schwarze Gemeinschaft der Stadt war so unglaublich, dass andere Städte nach ihm zu fragen begannen. Washington fragte sofort nach seiner Anwesenheit, und er ging hin und beruhigte die Kämpfe auch dort.

Willa: Offensichtlich war dies der Moment, in dem er als Godfather of Soul bekannt wurde. Dieser Titel bezieht sich auf den Film Der Pate (The Godfather), und es bedeutet, dass er in seiner Fähigkeit Situationen zu kontrollieren so einflussreich wie ein Mafiaboss war – nur kontrollierte er sie, indem er Menschen durch seine Musik bewegte und nicht indem er sie durch Handlanger bedrohte. Dieses Konzept erkennen wir regelmäßig in Michael Jacksons Videos über Musik, die Gewalt überwindet – wie in Beat It, Bad, The Way You Make Me Feel, Smooth Criminal, Heal the World, Ghosts, sogar Captain EO – wir erkennen buchstäblich, wie es durch James Browns Konzerte nach der Ermordung Martin Luther King Jr.’s passiert.

Charles: Im folgenden Jahr brachte das Look Magazin eine Titelstory unter der Überschrift: James Brown: Ist er der wichtigste Schwarze in Amerika? (James Brown: Is He the Most Important Black Man in America?). Im einführenden Abschnitt war zu lesen: „Viele Männer kamen aus dem Ghetto zu Ruhm, und wurden vergessen. Er machte sich die Mühe zurückzukommen.“

Das war der Grund, warum er, trotz seiner verschiedenen Irrungen und Wirrungen, größtenteils den Respekt von Amerikas Black Community behielt. Die Bilder der Menge draußen vor dem Apollo in Harlem, die anstand, um seinen öffentlich aufgebahrten Körper sehen zu können – keine Stars, keine Autogramme, nur die Gelegenheit Respekt zu zollen – waren unglaublich.

Abertausende kamen, nur um einmal an seinem Sarg vorbeigehen und ein leises Goodbye sagen zu können. Er hatte sich diesen Respekt verdient, weil er niemals seine Wurzeln vergaß.

Er hatte sich geweigert aus Augusta wegzuziehen, obwohl ein Umzug nach Los Angeles seine Musikkarriere erheblich unterstützt hätte. Er spendete an Wohltätigkeitsorganisationen, finanzierte Lebensmittelgutscheine und verteilte bei seinen Konzerten Stipendien für das College. Jedes Jahr verschenkte er in Augusta Hunderte von Truthähnen zu Thanksgiving und kaufte Tausende Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder.

Willa: Das ist wahr. Gemäß der Dokumentationen, die ich gesehen habe, war er sehr großzügig darin etwas an die bedürftigen Menschen in den Gemeinden zurückzugeben, die ihn unterstützt hatten, ganz besonders in Augusta und Harlem. Und er engagierte sich für die Förderung von Erziehung und Ausbildung, wie etwa durch seine „Don’t Be a Dropout“-Kampagne (Sei kein Schulabbrecher-Kampagne).

Charles: Aber wie bei Michael Jackson erstreckte sich sein humanitäres Wirken über seine Taten hinaus bis hinein in seine Musik.

Willa: Ja, wie du in deinem Artikel aufzeigst, sah James Brown Musik als einen Weg die Welt zu verbessern – „diese Kinder zu einem besseren Leben und einem besseren Ort zu führen“, wie du ihn aus seiner Einführungsrede in der U.K. Music Hall of Fame zitiert hast. Wir sehen diesen Gedanken definitiv ebenso fortgeführt durch Michael Jackson – diese Musik und die Künste können Menschen aufrichten und uns dazu inspirieren einen besseren Ort aus der Welt zu machen.

Charles: Bootsy Collins – in den frühen 1970ern für eine kurze Zeit James Browns Bassist – veröffentlichte vor etwa zwei Jahren ein Album, das einen Tribute Song mit dem Titel JB-Still The Man enthielt. Es war eine Zusammenarbeit  mit Reverend Al Sharpton, der Mr. Brown in einem Instrumentalstück im James-Brown-Stil pries.

Willa: Hier ist ein Video – natürlich von YouTube! – und es sieht aus, als hätte Bootsy Collins es selbst hochgeladen:

Charles: Ein Abschnitt des Songs lautet folgendermaßen:

Jedes Mal, wenn ein Künstler in ein Studio geht und aus einem höheren Grund singt als für sich selbst, das ist James Brown. Er ist immer noch Der Mann. Jedes Mal, wenn wir unsere Kunst und unsere Musik dafür einsetzen, um jene hochzuziehen, die am Boden sind, damit sie nach oben blicken und von besseren Tagen träumen können, dann weiß ich, dass James Brown immer noch Der Mann ist.

James Browns Katalog ist voll von Hymnen mit sozialem Bezug – von Don’t Be a Dropout (Sei kein Schulabbrecher) über I Don’t Want Nobody to Give Me Nothin’ (Ich will nicht, dass mir irgendjemand etwas gibt) bis hin zu The Funky President. Sogar seine Weihnachtslieder waren mit sozialem Bezug: Santa Claus Go Straight to the Ghetto (Santa Claus geht direkt ins Ghetto). Er nahm sogar Musik mit humanitärer Zielsetzung auf, wenn er wusste, dass es ihn unpopulär machen würde. Say It Loud, I’m Black and I’m Proud kostete ihn viel Sendezeit und eine Menge Verträge.

Willa: Das habe ich nicht bemerkt. Das ist etwas, das wir auch bei Michael Jackson sehen: Der Panther Dance in Black or White wurde dafür kritisiert zu aggressiv zu sein, The Lost Children wurde dafür kritisiert zu rührselig zu sein, Little Susie wurde dafür kritisiert zu deprimierend zu sein und They Don’t Care about Us wurde fast durchgängig missverstanden und als antisemitisch kritisiert. Aber trotz dem er heftig wegen dieser Songs und Videos kritisiert wurde, weigerte er sich damit aufzuhören durch seine Musik die Hand auszustrecken.

Charles: Die humanitäre Thematik in Michael Jacksons selbstverfassten Werken gab es seit den Tagen der Jacksons mit Stücken wie Can You Feel It – einem Track im Funkrhythmus, speziell dafür gemacht die Tanzflächen zu füllen und gleichzeitig eine starke, positive soziale Botschaft in sich zu tragen. Das ist lehrbuchmäßig James Brown. Aber du hast Recht: Er nahm ebenfalls wie James Brown Material mit humanitärem Anspruch auf in dem Wissen, dass es Kritik anziehen könnte. Könnt ihr euch einen weniger kommerziellen, in der Ära des Grunge veröffentlichten Song vorstellen als Heal The World? Ein in der Mitte der 90er weniger „aktuelles“ Stück als Earth Song?

Willa: Genau. Er stand in Verbindung mit musikalischen Trends, aber sein Fokus lag immer darauf, Werke zu erschaffen, die bedeutsam und zeitlos sind, in dem Sinn, dass sie die Zeit überdauern und relevant bleiben, auch nachdem aktuelle musikalische Launen sich geändert haben.

Charles: Sein eher gegen den Strom konzipiertes, sozialpolitisches Material war ebenfalls von James Browns Einfluss durchdrungen. They Don’t Care About Us besteht weitgehend aus einem sich wiederholenden, rauen Drum Track mit staccato-artigen Lyrics. Sicher, viele Künstler haben Songs wie diesen über die Jahre aufgenommen – aber es war James Brown, den Michael als seinen größten Einfluss bei jeder sich bietenden Gelegenheit nannte. Und wenn er Lyrics wie „Black man, black male, throw the brother in jail / All I wanna say is that they don’t care about us“ (Schwarzer Mensch, schwarzer Mann, wirf den Bruder ins Gefängnis / Alles, was ich sage ist, dass sie sich nicht um uns kümmern) sang, war dann die Stimmung so weit entfernt von James Browns „We’d rather die on our feet than keep living on our knees“ (Wir werden lieber stehend sterben, als kniend weiter zu leben)?

Michael wuchs natürlich umgeben von politischer Musik auf. Im Alter von 11 war er während der Aufnahmen von What’s Going On Kollege von Marvin Gaye. Er war bei den Aufnahmen von Stevies Songs in the Key Of Life dabei, die Stücke wie Black Man enthielten.  Er coverte Sly Stones Stand und Jermaine Jacksons Buch enthüllte, dass ein junger Michael George Clintons Parliament / Funkadelic liebte – keine Überraschung, dass George 2003 Teil von The One, einer Dokumentation über Michael, war.

Aber wie ich schon sagte – es war James Brown, den Michael regelmäßig als seinen größten Einfluss zitierte, also wäre es ziemlich naiv die massiven Ähnlichkeiten zu ignorieren, nicht nur in ihrer humanitären Arbeit, sondern auch in der Größe ihrer humanitären und sozio-politischen Leistungen.

Joie: Ich muss zugeben, dass das alles sehr faszinierend für mich ist. Ich bin nie in wahren Sinn des Wortes ein „Fan“ von James Brown gewesen.  Ich meine, es gibt mehrere seiner Songs, von denen ich wirklich behaupten kann, dass ich sie liebe, aber ich habe mich nie wirklich genug für ihn interessiert, um in seinen gesamten Musikkatalog einzutauchen oder seine Geschichte und sein humanitären Wirken zu untersuchen.

Aber als ein farbiges Kind wusste ich, als ich aufwuchs, dass James Brown ein unglaublich respektierter und geliebter Mensch in der Black Community war. Unter älteren Leuten – und ich sollte eigentlich nicht wirklich „älter“ sagen, ich meine nur die Generation meiner Eltern – war James Brown so etwas wie ein Held. Er war jemand, der mit ihnen „im Schützengraben gelegen“ hatte und der mit ihnen durch den ganzen Bürgerrechtskampf gegangen war, und er konnte nichts falsch machen. Wenn James Brown sang „Say It Loud, I’m Black and I’m Proud“, dann sangen sie diese Zeile laut mit ihm. Er war, wie der Song sagt, „The Man“.

Charles: Nebenbei gesagt – es ist interessant, dass „Say It Loud, I’m Black and I’m Proud“  zu Recht als einer der bedeutendsten Songs in Mr. Browns Karriere betrachtet wird, aber dies fast ausschließlich hinsichtlich seines textlichen Inhaltes und aufgrund seines sozio-politischen Einflusses. Ich würde gern jedem empfehlen, sich einmal für ein paar Minuten die Kopfhörer aufzusetzen, Say it Loud richtig laut zu drehen, die Lyrics für eine kleine Weile zu vergessen und nur der Komposition zu lauschen. Es ist eine der unglaublichsten rhythmischen Kompositionen, die ihr jemals hören werdet, komplex, aber gleichzeitig durchgängig ansprechend. Sogar ohne die Lyrics klingt es fast militärisch. Es ist wie ein Ruf zu den Waffen. Es wurde mitgeschrieben von Pee Wee Ellis und ist ein unglaubliches Werk.

Willa: Wow, ich muss es mir wohl noch mal sorgfältiger anhören.

Und es ist interessant für mich, dass wir James Brown zuerst alle unter anderen Aspekten begegnet sind und auf unterschiedlichen Wegen zu ihm gefunden haben. Charles, deine ersten Eindrücke kamen durch das Hören seiner Musik auf CD. Joie, deine Eindrücke ergaben sich aus dem, was du von deiner Familie über ihn als bedeutende, kulturelle Person gehört hast. Und meine kamen daher, dass ich ihn als Tänzer und Performer in Soul Train gesehen habe. Ich habe in der Junior High School und später auch oft Babysitting gemacht, und damals gab es nicht viele Fernsehsender – nur die drei großen und ein paar wenige mit UHF (Ultra-Hochfrequenz), bei denen der Empfang meistens nicht gut war. Ich saß da im Dunkeln bei irgendjemandem im Haus, versuchte keine Angst zu haben bei all den seltsamen Geräuschen, die nachts in einem fremden Haus zu hören waren, und ich freute mich immer, wenn James Brown auftrat, denn durch ihn fühlte ich mich mutig. Zum einen, weil er so energiegeladen war, dass er die Atmosphäre vollkommen verändern konnte – das Haus schien nicht so leer zu sein, wenn er da war. Und er war furchtlos!  Er griff das Mikrophon, als wäre es lebendig und ließ es herumschnellen, als würde er mit bloßen Händen mit einer Schlange ringen. Du konntest einfach keine Angst haben, wenn er da war.

Joie: Energiegeladen und furchtlos. Ich liebe das, Willa. Das sind großartige Worte, um ihn zu beschreiben, finde ich.

Willa: So war er wirklich – extrem energiegeladen und furchtlos. Ich erinnere mich, wie ich bei einer Laser Show am Stone Mountain in Georgia gewesen bin – meine Güte, vor 30 Jahren – damals, als Laser noch ziemlich selten waren. Es war die erste Laser Show, die ich je gesehen habe, und sie spielten einige klassische James Brown Songs, während ein Laser die Umrisse eines tanzenden James Brown auf diese riesige Felsoberfläche skizzierte. Es war frenetisch! Du hattest den Eindruck, dass es selbst dem Laserstrahl schwer fiel mit ihm mitzuhalten … Und natürlich lernte Michael Jackson von einem frühen Alter an dieses hochenergetische Tanzen zu übernehmen und bezog es in seine eigenen einzigartigen Performances ein. Er variierte gern das Tempo seiner Konzerte und schloss Balladen und andere ruhige Momente ein, aber er konnte definitiv  aufdrehen und diese wieselflinken Drehungen und Shuffles ausführen, wenn er es wollte. Hier ist ein Clip von 1983 bei einem Auftritt im klassischen James Brown Stil, während sein Mentor zusieht, und sieh dir auf jeden Fall die Drehungen an. Es ist unglaublich. Er macht dreieinhalb Drehungen, glaube ich – sie sind so schnell, dass ich sie kaum zählen kann. Ich glaube nicht, dass ein Schlittschuhläufer sich so schnell drehen kann. Hier ist der Clip:

Ich liebe James Browns Reaktion! Man merkt ihm an, dass ihm das großen Spaß macht. Und hier ist ein weiterer Clip 20 Jahre später, von 2003, in dem Michael Jackson seinen Mentor noch einmal ehrt:

James Brown war also eine bedeutende Persönlichkeit des Tanzes, der einen enormen Einfluss auf Michael Jackson hatte, und er war ebenso auch ein musikalischer Innovator. In dem Tribute Song JB-Still The Man, den du, Charles, bereits erwähnt hast, sagt Al Sharpton:

Er hat die Musik, wie wir sie kannten, verändert … Er änderte buchstäblich die Takte, zu einem 1-3 von einem 2-4. Er brachte der Welt bei, auf der 1 zu beginnen. Darum ist er immer noch The Man. Denn jedes Mal, wenn ich eine Hip Hop Aufnahme auf der 1 beginnend höre, ist das James Brown.

Das wird auch in  Deep Soul: the Uprising of James Brown (Tiefer Soul: Der Aufstand des James Brown)  diskutiert. Hier ist ein Clip:

Seine Musik war also sehr vom Rhythmus getrieben – wie sein Drummer sagte: „Es ist, als würde ein Dinosaurier gehen“ – und es war kulturell wie auch künstlerisch extrem bedeutend. Deep Soul stellt fest, dass „Funk trotzige schwarze Musik“ war. Der Musikkritiker Rickey Vincent erklärt: „Funk, das war ein Weg, um irgendwie anzudeuten, dass du alles an deinem rauen Leben feierst. Weißt du, wir sind in diesen Ghettos gefangen, aber wir haben sehr viel rauen Stil.“ Dies kommt auf das zurück, was Reverend Sharpton auch gesagt hat – James Brown ist The Man, sowohl kulturell, als auch kreativ.

Gemäß seinem Biografen Bruce Tucker war Papa’s Got a Brand New Bag wie nichts, was irgendwann einmal vorher war. New Bag ist Funk – die Geburt des Funk. Er veränderte den Beat vom Upbeat zum Downbeat, fügte Synchronizität hinzu und erfand damit ein gänzlich neues Musikgenre.

Charles: Komischerweise wird Papa’s Bag oft als das erste Beispiel für Funk zitiert – einschließlich von Mr. Brown selbst, aber Brown-Experten gehen noch weiter zurück zu Tracks wie Out of Sight, das einen pochenden Beat und ein fast hypnotisches rhythmisches Muster hat. Im Grunde hat Papa’s Bag nicht einmal einen 1-und-3-Beat. Mr. Brown sprach oft darüber, wie der Song 1965 herauskam und wie er über 1-und-3 stolperte, aber Papa’s Bag hat einen ganz eindeutigen 2-und-4-Beat. Sein langjähriger Manager Charles Bobbit erzählte mir vor einigen Jahren, dass Mr. Brown dies aus einem Grund machte, da er, sogar Jahrzehnte später, seine Methoden sehr schützte. Gemäss Mr. Bobbit weigerte er sich bei den meisten Gelegenheiten in eine ernsthafte Diskussion über seine Werke einzutreten, weil er, wie er jenen, die ihn umgaben anvertraute, dass „diese Strolche nur wissen wollen, wo ich herkomme“. Was eigentlich nur darauf eingeht, dass die 1 in Papa’s Bag die Hörner sind, nicht der Beat.

Willa: Oh, das ist interessant, Charles. Ich werde es mir noch einmal mit diesem Wissen im Kopf anhören müssen und sehen, ob ich das heraushören kann, was du sagst. Weißt du, mein Musikverständnis ist ziemlich miserabel, eigentlich, und es ist schwer für mich herauszufinden, was in James Browns Musik vor sich geht, besonders, weil sie so kompliziert und so funky und so anders ist.

Aber mich haut der Gedanke ziemlich um, dass James Brown und seine Band den Funk, ein neues Musikgenre, erfunden haben. Ich habe immer gedacht, dass sich Musik nur langsam über eine gewisse Zeit entwickelt, aber je mehr ich über Musikgeschichte lerne, desto mehr realisiere ich, dass das nicht wahr ist. Von Zeit zu Zeit taucht ein unglaubliches Talent wie ein Komet, der die Richtung der Musik ändert, auf, und dann werden diese Neuerungen schrittweise angepasst, und dann erscheint ein weiterer Komet.

Bill Monroe erfand Bluegrass. Vor ihm existierte es nicht. Das ist für mich einfach erstaunlich. Southern Rock, wie wir ihn kennen, existierte nicht, bevor Duane Allman und Wilson Pickett sich für ihre Version von Hey Jude zusammentaten. Und Funk als ein Musikgenre existierte nicht, bis James Brown „buchstäblich den Beat verändert hat“, wie Rev. Sharpton sagt. Und dann, denke ich, brachte Michael Jackson dies auf eine gänzlich neue Ebene und erfand damit ein völlig neues Kunstgenre …

Charles: Ich denke nicht, dass Michael Jackson ein neues Genre der Musik erfand. Mir fällt kein Sound oder keine Methode ein, die er erschuf und die nicht schon vor ihm da war. James Browns Musik klang völlig neu und revolutionär. Michael Jacksons Musik klang einfach nur unglaublich gut.

Die drei zentralen Grundsätze des Funk sind 1. der 1-und-3-Beat, 2. das Vorherrschen von Bass und Drums und 3. die Betonung des Rhythmus statt der Melodie. Funk entstand in den frühen 60ern. Die letzte riesige musikalische Revolution war in den 50ern der Rock’n Roll gewesen, der fest ausschließlich  auf dem 2-und-4-Beat basierte. Natürlich gab es hier und da auch den 1-und-3-Beat – aber niemand machte ihn zum Prinzip; James Brown adaptierte ihn als seinen Modus Operandi. Zusätzlich stellte er den Bass und die Drums in den Vordergrund seiner Kompositionen, während sie sonst typischerweise hinter den Gitarren zurückstanden. Drittens gab er seiner Band die Anweisung „Spielt jedes Instrument wie die Drums“, was den Verzicht auf melodische Schnörkel bedeutete. Alles wurde dem Rhythmus untergeordnet. Die Kombination dieser drei Elemente stellte eine völlig neue Art Musik zu machen dar.

Im Gegenzug dazu arbeitete Michael Jackson immer innerhalb bereits existierender Genres. Die meisten seiner frühen Solowerke fielen eindeutig in die konventionellen Genre von Soul, Disco und traditionellen R&B. Off the Wall beinhaltete außerdem einen ordentlichen Anteil an Jazz. Das Bad Album klang hauptsächlich wie typischer 80er Synth-Pop mit Ausflügen zu Gattungen wie Gospel und Rock. Dangerous setzte sich auch mit diesen zwei Genres auseinander, ebenso wie mit dem klassischen Sound und natürlich seinem übergeordneten New Jack Swing Sound. Und so weiter und so fort.

Was Michael Jackson gemacht hat, war innerhalb dieser existierenden Genres zu arbeiten – obgleich er sie manchmal auf ungewöhnliche Weise verschmolz (beispielsweise war er einer der ersten Popstars, der damit begann Gast-Rapper einzusetzen) – aber seine Musik auf einen so hohen Standard zu bringen, dass sie die Messlatte für all seine Kollegen darstellte. Stellte das Bad Album eine neue Art Musik zu machen dar? Nein. Aber er stellte verdammt sicher, dass von all den Synth-Pop-Alben, die in den späten 80ern aufgenommen wurden, es eines der absolut besten war und eines der beständigsten bleiben sollte.

Er war ein Perfektionist, nahm akribisch genau Dutzende von Songs für ein Album auf, ließ Jahre zwischen den Veröffentlichungen vergehen, um sicherzustellen, dass das, was immer er herausgab, das absolut Bestmögliche war. In dieser Hinsicht waren er und Mr. Brown sehr verschieden. Mr. Brown nahm ganze Alben innerhalb von Stunden auf und hasste größtenteils Neuaufnahmen. Sogar wenn er oder seine Band Fehler machten, nahm er oft eher die erste Version als den Fehler zu beheben. Sein Spruch war: „Die erste Aufnahme ist Gott. Die zweite Aufnahme ist der Mensch.“ Für ihn ging es nur um das Gefühl.

Ein Stück mit einem Fehler ist zum Beispiel It’s a New Day. Gegen Ende fängt Mr. Brown an die falsche Zeile zu singen, muss sich selbst korrigieren und setzt die richtige Zeile als Nachsatz schnell nach. Man bemerkt es, aber der Groove ist so unglaublich, dass es einen gar nicht kümmert. Es passt einfach zu diesem fantastischen improvisierten Live Sound, den er kultiviert hat.

Ich bin der Meinung, dass sowohl seine als auch Michael Jacksons Methoden in gleichem Maß ihre Berechtigung haben, aber es ist ein Bereich, in dem ihre Musik sich unterscheidet. Sonst zeigt Michaels Musik natürlich einen riesigen Einfluss durch James Brown. Die vielleicht sofort am meisten offensichtliche Ähnlichkeit ist der beiden gemeinsame Einsatz vokaler Ticks während ihrer Aufnahmen wie „ow“ und „huh“. James Brown erklärte dieses Phänomen in einem Interview mit Jonathan Ross: „Ich setzte meine Stimme wie ein Instrument ein.“ Michael, natürlich, führte dies noch einen Schritt weiter und „beatboxte“ sogar Teile seiner eigenen Songs.

Während ich nicht denke, dass Michael Jackson irgendwelche Musikgenres erfand, soll das nicht heißen, dass er nicht extrem einflussreich war. Ein Bereich, in dem sein Einfluss nicht in Frage gestellt werden kann, ist das Musikvideo. Niemand könnte seinen enormen Einfluss auf diese Kunstform leugnen. Man könnte auch darüber streiten, dass Michael Jackson ein neues Genre der Live Performance erschaffen hat – aber das Problem war, dass er es so gut gemacht hat, dass niemand, der es ihm bisher nachtun wollte, fähig gewesen wäre, ihm gerecht zu werden. Durch die Eigenschaft seines kolossalen Talents, legte Michael unbewusst einen unmöglichen Standard für seine Schüler fest und setzte uns schließlich einer endlosen Parade von untauglichen, Fedora-liebkosenden Imitatoren – Usher, Chris Brown, etc. – aus, von denen ich mir eher wünschen würde, dass sie einfach aufgeben und weggingen, wenn ich wirklich ehrlich bin.

Willa: Hmmm … Nun, ich mag wirklich einige von den neuen „Fedora-liebkosenden“ Performern, die in seine Fußstapfen treten, obwohl ich dir zustimme, dass sie nicht er sind. Aber das scheint ein unfairer Maßstab zu sein! Jemand wie Michael Jackson ist in der Tat sehr selten …

Und ich bezog mich, als ich sagte, Michael Jackson erschuf ein neues Kunstgenre, nicht so sehr auf seine Musik wie auf seine visuelle Kunst, ganz besonders die Art, auf die er in Frage gestellt hat, wie wir sein Gesicht und seinen Körper „lesen“ – und noch allgemeiner, wie wir Rassen- und Geschlechterzugehörigkeit und Sexualität und Nationalität und Identität und all jene Einteilungen, die wir zwischen uns selbst und anderen konstruieren, „lesen“. Ich glaube nicht, dass wir als eine Kultur überhaupt schon angefangen haben, dies zu verstehen, was ich als sein revolutionärstes und bedeutendstes Werk sehe.

Aber ich glaube schon, dass er ebenso innovativ in seiner Musik war, an vielen verschiedenen Fronten – zum Beispiel, die Art, auf die er verschiedene Musikgenres innerhalb eines Werkes gegenübergestellt hat, um eine Art bedeutungsvoller Dissonanz herzustellen. Lisha McDuff sprach mit uns darüber in einem Post über Black or White, und dann schloss sich Susan Fast uns an für einen Post über sein mehr allgemeines Überschreiten der Genres sowohl bei seiner aufgenommenen Musik, als auch bei seinen Live Auftritten. Das ist eine gänzlich neue Art des Musikaufbaus und darüber zu denken, wie man Bedeutungen durch Musik vermitteln kann.

Und wie James Browns Kreation des Funk ist diese neue Herangehensweise an Musikkomposition kulturell wie auch vom ästhetischen Empfinden her bedeutend, denn Michael Jackson stellte oft „schwarze“ und „weiße“ Genres einander auf eine Art gegenüber, die die etablierten Rassenhierarchien unterwanderte. Susan Fast erzählte uns zum Beispiel in ihrer Analyse von Working Day and Night aus der Dangerous Tour: „Metal (das weiße Genre) ‚dient‘ dem größeren R&B/Funk (schwarzen) Genre“. Das ist eine subtile, jedoch kraftvolle Umkehrung.

Charles: Einige jener genre-verschmelzenden Experimente waren meiner Meinung nach erfolgreicher als andere. Persönlich denke ich Black or White ist ein ziemliches Schlamassel, und es wird oft liebevoller bedacht als es vielleicht ohne dieses sehr gute Video der Fall gewesen wäre.

Willa: Du lieber Himmel, Charles … „Schlamassel“? Ich bin sprachlos …

Joie: Und ich bin ziemlich empört. Wenn auch Black or White nie einer meiner Favoriten war, so liebe ich doch die Botschaft dieses Songs, und ich würde es ganz sicher nicht als „Schlamassel“ bezeichnen. Aber ich muss zugeben, ich mag deine britische Umgangssprache!

Willa: Du bist enorm diplomatisch, Joie …

Charles: Der Einsatz von orchestraler / klassischer Musik war oft sehr beeindruckend, wie etwa einen tief bewegenden Chor im Intro dem harten, funkigen Hauptteil von Who Is It gegenüberzustellen.

Das ist ein ziemlich guter Hinweis auf die Working Day and Night Performances. Working Day and Night ist einer meiner liebsten Michael Jackson Songs überhaupt – ob auf dem Album oder auf der Bühne. Die meisten meiner liebsten Michael Jackson Songs bauen auf Schichten von Rhythmus in der Tradition von James Brown auf. Ich fand es in den späteren Jahren recht seltsam, dass Michael so oft über „Die Melodie ist König“ schrieb, wo doch die Mehrheit seiner populärsten Werke rhythmisch war: Don’t Stop Til You Get Enough, Working Day and Night, Wanna Be Starting Something, Billie Jean, Smooth Criminal, etc. Ich bin schon gespannt auf Susans Buch über das Dangerous Album.

Willa: Ich auch! Es soll diesen Sommer erscheinen, glaube ich, und ich habe das Gefühl, dass es ein langer Weg werden könnte, die kritischen Meinungen über Michael Jackson, speziell über das Dangerous Album und sein Werk im Allgemeinen, zu ändern – besonders seine späteren Werke, die schrecklich unterschätzt wurden. Susan hat mich eine Grobfassung lesen lassen und es ist fantastisch! Ihre Erkenntnisse haben mich wieder mal umgehauen. Ich kann es nur sehr empfehlen.

Nun, danke dass du hier warst, Charles! Ich stimme nicht immer mit dir überein – in der Tat ein „Schlamassel“! Joie und ich werden dich noch deswegen bearbeiten müssen – aber es ist immer wunderbar mit dir zu sprechen.

Und dies scheint eine sehr passende Zeit im Jahr zu sein, um über James Brown zu sprechen. Er starb vor sieben Jahren am Weihnachtstag, und offensichtlich besuchte Michael Jackson den Ort der Bestattung während der frühen Morgenstunden und hielt eine private Nachtwache bei ihm. Ein paar Jahre später, nach seinem eigenen Tod, veröffentlichte WRDW-TV aus Augusta ein Nachrichtensegment darüber. Und obwohl ich es hasse, jemanden auf die New York Daily News hinzuweisen, brachten sie drei Wochen später tatsächlich einen tiefer gehenden Artikel darüber.

Dem Bericht von Charles Reid, dem Bestattungsunternehmer, zufolge tauchte Michael Jackson etwa um Mitternacht auf und blieb bis zur Morgendämmerung. Er küsste James Brown, wie er da so in seinem Sarg lag, auf die Stirn, und dann drehte er eine Locke von seinem Haar in die Stirn, so dass es mehr nach ihm aussah. Und er sprach darüber, wie viel er ihm bedeutet hat: „Wie wichtig Mr. Brown für ihn war“, erinnerte sich Reid. „Was für eine Inspiration er war.“ Da ist etwas sehr Berührendes für mich dabei – das Bild von Michael Jackson, der ganz still eine Totenwache für den Mann abhält, der über so viele Jahre so viel für ihn bedeutet hat.

Charles: Michaels Teilnahme an James Browns öffentlicher Trauerfeier war sein erstes Erscheinen in den Vereinigten Staaten nach seinem Prozess. Ich denke, das ist sehr aussagekräftig und spricht Bände über seine Liebe zu Mr. Brown. Meiner Meinung nach war Rev. Al Sharptons Einführung zu Michaels kurzer Trauerrede sehr klug: „Obwohl er weiß, dass sie ihn dafür kritisieren werden, sagt Michael, ihm ist es egal, was sie sagen. Michael kam heute für Sie, Mr. Brown.“ Und natürlich, es war genau das, was die Medien taten am nächsten Tag, nämlich Michael dafür verspotten, dass er seinen Mentor auf die Stirn küsste, als dieser aufgebahrt war. Interessanterweise war Michaels eigene Trauerfeier – und sogar sein eigener Sarg – dem Mr. Browns nachempfunden. Die Lehrer-Schüler-Beziehung setzte sich bis zum Ende fort.

JB_Funeral

Die Gemeinsamkeiten im Nachgang zu ihrem Tod enden hier noch nicht. Michael wurde in den Tagen nach seinem Tod mit einer Feier im Apollo Theater in Harlem geehrt, der Rev. Sharpton beiwohnte. Das ist eine weitere Tradition, die anscheinend 2006 mit Mr. Browns Tod begann. Rev. Sharpton hielt eine Rede bei einer Trauerfeier im Apollo für James Brown, die weit weniger bekannt ist als seine kürzere Rede bei der später folgenden Gedenkfeier in der Arena, an der Michael teilnahm. Während es nicht eindeutig ist, denke ich, dass die Apollo-Rede auf perfekte Art die monumentale Bedeutung von James Brown auf den Punkt bringt. Jedes Mal höre ich sie mit Tränen in den Augen. Wenn ich darf, würde ich gern zum Ende unserer Diskussion diese Trauerrede posten, da wir uns seinem Todestag nähern:

Willa: Das ist wunderschön – warmherzig und amüsant und beeindruckend. Und noch einmal danke, Charles, dass du hier warst und deine tiefe Liebe und deinen Respekt für James Brown geteilt hast.

Charles: Ich danke euch für die Einladung zu dieser Diskussion, die ich enorm genossen habe. Wenn man bedenkt, mit wie viel Leidenschaft und Regelmäßigkeit Michael James Brown seine „größte Inspiration“ genannt hat, werden sein Leben und sein Vermächtnis doch selten diskutiert und sind kaum bekannt in Michaels Fangemeinschaft. Ich hoffe, dass die Leute einiges von dem, was wir hier diskutiert haben – verschiedene Dokumentationen und Aufnahmen -, ausfindig machen werden und dass er einige neue Fans gewinnen wird. Michael liebte ihn aus einem Grund. Er war ein wahrer König.

Das Kind im Spiegel – eine nitzscheanische Lesart des Mythos Michael Jackson

http://www.redefinemag.com/2013/myth-of-michael-jackson-friedrich-nietzsche-the-child-in-the-mirror/

Artikel von Gina Altamura – Übersetzung von Achildsbliss

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Den Schaffenden, den Erntenden, den Feiernden will ich mich zugesellen: den Regenbogen will ich ihnen zeigen und alle die Treppen des Übermenschen“, so sprach Zarathustra, der prophetische Protagonist in Friedrich Nietzsches esoterischstem philosophischen Werk Also sprach Zarathustra.

Die Ausgabe des Yeti Magazine vom Juli 2010 beinhaltet eine Reihe von Fotografien, die von Dean Wareham vom Pop-Duo Dean & Britta auf einer Tournee aufgenommen wurden. Darunter befindet sich ein Schnappschuss von einem französischen Zeitungskiosk, man sieht Michael Jackson und Friedrich Nietzsche Seite an Seite auf zwei nebeneinander stehenden Zeitungscovers.

In der Beschreibung dieses Fotos stellt sich Wareham eine Unterhaltung zwischen den beiden Denkern vor, er überlegt, wie die beiden sich wohl über die Feinheiten des Tanzes und über das innere Kind unterhalten:

Nietzsche-Michael-Jackson-02

FN: Hüte dich vor den Gelehrten! Sie hassen euch, denn sie sind unfruchtbar.

MJ: Lügen rennen einen Sprint, doch die Wahrheit läuft Marathon.

FN: In jedem echten Manne steckt ein Kind, das spielen will.

MJ: Es gibt einen Muttertag, es gibt einen Vatertag, aber es gibt keinen Kindertag, das würde eine Menge bedeuten. Weltfrieden.

FN: Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.

Beeindruckend, ja, aber ich glaube dieser Vergleich geht viel tiefer, es ist eine Gegenüberstellung zweier historischer Personen, die völlig natürlich und extrem ergiebig ist. In diesem Artikel möchte ich versuchen, mich tiefer mit dieser imaginierten Partnerschaft zwischen dem King of Pop und Nietzsche zu beschäftigen. Das Wesen meiner Zuneigung für Michael Jackson und für Friedrich Nietzsche ähnelt sich sehr. Auch wenn diese beiden Männer extrem einflussreich waren und beide sehr umjubelte Werke hinterließen, so gelten beide auch als tragische Figuren auf der historischen Bühne. Sie wurden von ihrer Hingabe zu ihrem Können und ihrer Vision von der Welt in obsessive Höhen getrieben, wenn nicht sogar in den Wahnsinn. Doch ich habe beide stets mit tiefem Respekt betrachtet. Selbst in ihrer Tragik waren diese Männer für mich wunderschön. Ich hoffe, ich kann diesen fiktionalen Dialog noch weiter ausbauen und versuchen aufzuzeigen, wie diese beiden Visionäre über geschichtliche Epochen und Einflusssphären hinweg einander die Hände reichen. Durch die Gegenüberstellung dieser beiden kühnen bahnbrechenden Künstler hoffe ich, einem Popstar eine bewundernswerte und reiche Philosophie und dem Lebenswerk eines Philosophen die Romantik und das Wunder der Popmusik zu verleihen.

 - 1872 -

In Gesang und Tanz bringt der Mensch sich selbst als Mitglied einer höheren Gesellschaftsform zum Ausdruck…

übernatürliche Klänge steigen aus ihm empor…

er ist nicht länger ein Künstler, er wird zum Kunstwerk…

in diesen Anfällen der Berauschung offenbart sich die künstlerische Macht der gesamten Natur von selbst.

nietzsche quote

Nietzsche waren die Tugenden der Musik nicht fremd. Unter seinen meistzitierten Worten finden sich: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Und „Ich wüsste nicht, was der Geist eines Philosophen mehr zu sein wünschte, als ein guter Tänzer.“ Bereits zu Beginn seiner frühen Werke sah Nietzsche sich selbst als Jünger von Dionysos, dem alten griechischen Gott der Freude. Für Nietzsche symbolisierte Dionysos alles, was mit Ekstase, ausgelassenem und reichem Leben zu tun hatte. „Im dionysischen Symbol“, so schrieb er, „ ist die äußerste Grenze der Bejahung erreicht“. Er liebte Kunst, insbesondere Musik, die diese Haltung verkörperte, die Gefühle ausdrücklich auf instinktiver Ebene ansprach. Vielleicht hat Nietzsche genau aus diesem Grunde einen Großteil seiner persönlichen Belange seinen eigenen musikalischen Kompositionen gewidmet.

Auch wenn er als Komponist höchstens als mittelmäßig galt, so lag ihm der Zuspruch der Öffentlichkeit seinem Werk gegenüber doch sehr am Herzen. In einem 1882 verfassten Brief an seinen Freund Peter Gast schrieb er, bezugnehmend auf sein orchestrales Werk „Hymne an das Leben“: „Dieses Mal schicke ich dir Musik. Ich hoffe, ich habe ein Lied geschrieben, das öffentlich aufgeführt werden kann – um die Menschen zu meiner Philosophie zu verführen.“ Da Nietzsche selbst Musiker war, begriff er die bestimmte Magie der Musik und sah sie als Ergänzung seiner Philosophie, die seinen Einfluss auf die Öffentlichkeit noch ausdehnen könnte.

Da Nietzsche, ein frustrierter Komponist, für seine Musik nie besonders viel Respekt bekam, erschuf er etwas Anderes, vergleichsweise Verführerisches: ein Werk, das der Poesie und der Musik näher ist als der analytischen Philosophie: Und dieses Werk ist Also sprach Zarathustra, vielleicht sein populärstes und zugleich rätselhaftestes philosophisches Werk, entstanden zwischen 1883 und 1885. Es liest sich wie ein literarisches Werk und erzählt die Geschichte eines einsamen Propheten namens Zarathustra, der aus seiner Zurückgezogenheit auftaucht, um seine Weisheit zu verbreiten. Durch eine Reihe von Parabeln führt Nietzsche uns auf eine symbolisch dichte und ekstatische Reise seiner philosophischen Ansichten, im Gegensatz zu seinen anderen Werken. Trotz seiner Vorliebe, in Aphorismen zu sprechen (Jenseits von Gut und Böse, Götzendämmerung), besteht Nietzsches Kanon wohl aus verhältnismäßig gradliniger philosophischer Arbeit. Nirgends sonst in seinem Werk finden wir ausgedehntere metaphorische Erzählungen wie in Zarathustra. Für unsere Zwecke hier nennen wir Zarathustra Nietzsches engste Annäherung an einen Popsong. Mit meinem Fokus auf Zarathustra beginne ich den Vergleich mit Michael Jackson, damit, dass ein Künstler mit einem Künstler spricht, beide drücken ihre Philosophie mit all der Anmut und Mystik eines großen Tänzers aus, durch gemeinsame Tugend und gemeinsame Tragik. 

Umgesetzt wird dies, indem die Mythologie des Zarathustra, einem Charakter, den Nietzsche erfunden hat, Michael Jackson zugeordnet wird, denn Michael Jackson, so wie wir ihn auf der Bühne und in den Medien erlebt haben, ist in der Tat eine Art Mythos. Mit dem, was ich tue, beabsichtige ich nicht, Zarathustra mit Nietzsche selbst gleichzusetzen oder Also sprach Zarathustra als zart verschleierte Autobiografie hinzustellen. Jedoch gibt es da sicherlich Elemente aus Zarathustras Geschichte, die Parallelen zu Nietzsches eigenem Leben aufweisen und natürlich auch eine Unzahl an Beispielen, in denen die Reden des Zarathustra Ideen Nietzsches in anderen seiner Werke spiegeln. Außerdem besaß Nietzsche eine enorme Zuneigung für Zarathustra. Es liegen starke Beweise dafür vor, dass Nietzsche einen Menschen, der mit Zarathustra geistesverwandt gewesen wäre, geliebt hätte. In Ecce Homo schreibt er, dass „Zarathustra mehr Mut besitzt als all die anderen Denker zusammen“ und besteht darauf, dass er mit Also sprach Zarathustra der Menschheit das größte Geschenk überhaupt gemacht habe.

Lasst uns einen Blick auf die Lehren werfen, denen sein mutiger Protagonist seine Stimme gibt:

Gemeinsame Tugend: Schau dich selbst an und dann schaffe Veränderung

Direkt zu Beginn von Zarathustra bekommen wir einen nützlichen interpretativen Rahmen, um den Prozess des Erwachsenwerdens zu verstehen, denn Nietzsche zeigt es auf einzigartige Weise auf. Dies ist die erste von Zarathustras vielen Reden, sie heißt Die drei Metamorphosen. In dieser Parabel charakterisiert Zarathustra die drei Phasen der Selbstevolution: das Kamel, der Löwe und das Kind.

Das Kamel - Im Kamelstadium werden jene unter uns, die die notwendige Disziplin und Stärke besitzen, mit Lasten beladen. Diese Lasten können zwischenmenschlich oder materiell oder eher psychologischer oder spiritueller Natur sein. Zarathustra zitiert verschiedene Möglichkeiten wie „krank sein und die Tröster nach Hause schicken“, „jene lieben, die uns verachten“ und „in verdreckten Gewässern waten, wenn es die Gewässer der Wahrheit sind“. Nietzsches Ansicht nach ist der Prozess des Wachsens, um zu einem Freidenker zu werden, der schwierigste Prozess, den ein Mensch durchlaufen kann und auch einer, der außergewöhnliche Menschen ausmacht. „Frei denken“ ist wohl ein zu sanftmütiger Begriff, was er meint ist eine unerschrockene, strapaziöse kritische Beleuchtung eines persönlichen Werte- und Bedeutungssystems. Nicht jeder ist gerüstet für diese Herausforderung. Viele würden den Akt des laufend sich selbst Verbergens für zu schmerzhaft empfinden. Also könnten wir sagen, dass wir, wenn wir erkennen, dass sich jemand im Kamelstadium befindet, sie dabei beobachten, wie sie einen Test aus Disziplin und Fleiß durchlaufen, auch wenn (oder vielleicht gerade weil?) es unangenehm für sie ist. Wie Nietzsche schreibt: „Was ist schwierig? fragt der Verstand, der viel ertragen muss und kniet nieder wie ein Kamel, das schwer beladen werden will. Oh ihr Helden, was ist am schwersten, fragt der Verstand, der viel ertragen muss? Dass ich es auf mich nehme und meine Stärke verherrlicht wird?“

In der Stärke eines Lasttieres Schönheit zu finden ist eine Möglichkeit mythologisch über die frühen Jahre von Michael Jackson zu sprechen. Seinen Platz im Rampenlicht fand er als liebenswertes Wunderkind der Jackson 5 – doch der Tribut seiner frühen Berühmtheit ist eines der wichtigsten Themen in Diskussionen um Jacksons Leben, dieses alte Klischee des Kinderstars, der seiner normalen Kindheit beraubt wurde und somit nie fähig war, wirklich erwachsen zu werden. Natürlich war es für Jackson nicht nur eine Kindheit, die er auf der Bühne oder im Fernsehen verbrachte, die ihn dauerhaft veränderte. Als Kind erlebte er ein großes Trauma. Sein Vater Joe missbrauchte ihn extrem, trieb Jackson und seine Brüder durch schrecklich lange Proben, während er sie verbal missbrauchte und sie sogar mit einem Gürtel schlug, wenn sie weniger als Perfektion erreichten (Siehe Michael Jacksons Interview mit Oprah Winfrey 1993 und sein Interview mit Martin Bashir in Living with Michael Jackson 2003).

Obwohl Jackson in Interviews und öffentlichen Reden offen über seinen Missbrauch als Kind sprach, so bestand er auch darauf, dass die Strenge seines Vaters zu seiner Disziplin und seinen Fähigkeiten als Künstler beitrug. In seiner Oxford Rede zu seiner Heal the Child Initiative 2001 sagte Jackson, sein Vater Joe „wollte, dass sie die besten Performer werden sollten, die möglich waren… mein Vater war eine genialer Manager und der berufliche Erfolg meiner Brüder und mir ist zu keinem geringen Teil seinem Drängen zu verdanken.“ Dies ist sicher nicht die Art von Last, die irgendjemand tragen sollte, aber Nietzsches „Kamel“ hallt in Jacksons Kindheitsgeschichte wider. Obwohl er in der Kindheit so viel Schmerz ertragen hat, war er noch fähig, eine außergewöhnliche, lebenslange Leidenschaft für seine Kunst zu nähren.

Der Löwe - Nach diesem Stadium der Last kommt ein Stadium des beiseite Räumens, der lebensbejahenden Zerschlagung. Dies nennt Nietzsche das Stadium des Löwen. Hat der Mensch sich als stark gegenüber Härte erwiesen (ob innerlich oder äußerlich auferlegt), ist er nun bereit, diese Gepflogenheiten und sogenannten absoluten Wahrheiten zu verwerfen, die er von der Gesellschaft eingepflanzt bekam. Diesen Akt des Verwerfens mit brutaler Absicht kann man sich wie das Gebrüll eines Löwen vorstellen. Wo der Mensch einst das Wertesystem als natürlich ansah, sieht er es nun als (von Menschenhand) verfasst. Der entscheidende Schritt, seine eigene Urheberschaft, seine eigene Autorität, zurückzuerobern, besteht darin, um es in zeitgemäßem Jargon auszudrücken, „Fight The Man (dich zu wehren!)!“ Wie Nietzsche schreibt: „Die Erschaffung der eigenen Freiheit und ein heiliges „NEIN“ sogar zur Pflicht – dafür, mein Bruder braucht es den Löwen“.

Im Falle von Michael Jackson waren die Versuche, seiner eigenen Stimme Ausdruck zu verleihen und im Erwachsenenalter seine eigene Identität zu etablieren, in großem Umfang verwurzelt in seltsamen und fantastischen Launen. Michael Jackson war eigenartig. Ja, er war wunderlich. Doch in seiner Rolle als Popstar in öffentlichen Sphären gibt es noch so viel mehr zu sagen. Jackson war geheimnisvoll eigenartig, in einer solchen Art, dass seine Wunderlichkeit als sein besonderes persönliches Löwengebrüll verstanden werden kann. Seine Mittel, sich einen Ort für sich selbst zu erschaffen bedeuteten eine Reihe von „Nein“s zu bestehenden Norm, sowohl in der Popmusik im Besonderen, als auch in der Gesellschaft im Allgemeinen.

Um dafür ein eingehendes Beispiel zu bieten, können wir eine der Hauptmethoden der Rebellion in Jacksons Kunst untersuchen: Sexualitäts- und Gendernormen. Das Thriller-Video von 1983 bietet eine Goldgrube an Beispielen. Ein 13-minütiger Horrorkurzfilm zu einem fünf minütigen Song. Die Bedeutung dessen in der Welt der Popmusik sollte nicht unterschätzt werden. Sein langanhaltender Einfluss wurde 2009 vermerkt, als das Video zum ersten Video wurde, das jemals in die nationale Bibliothek des Kongresses aufgenommen wurde. Bezogen auf Jacksons Mythologie ist dieses Stück dramatischer Filmgeschichte aufgrund der Art und Weise, wie es einen ansonsten unschuldigen Popstar präsentiert, bezwingend. Im Laufe des Videos verwandelt sich Jackson zwei Mal vom netten Jungen von Nebenan in Letterman Jacke zum rücksichtslosen Monster. Zuerst wird er als Werwolf dargestellt, der gegen seinen eigenen Willen seine Freundin bedroht (gespielt von Co-Star Ola Ray), als das Biest aus ihm herausbricht. Doch dies ist nur eine von verschiedenen surrealen Wendungen. Jackson und Ola haben sich nur einen Film mit diesen Begebenheiten angeschaut und Ola fühlt sich bei Jackson, ihrem liebenswerten Date, sicher. Während sie vom Kino nach Hause laufen, passieren sie einen Friedhof, auf dem Zombies sich daran machen, aus ihren Gräbern aufzusteigen und aufs Neue verwandelt sich Jackson, diesmal in einen durstigen Zombie. In einem grotesk berühmten Tanz führt er die Zombies an, dann gibt es einen Schnitt in der Szene, Ola erwacht und begreift, dass alles nur ein Traum war – oder nicht? Als Jackson sie nach Hause bringen will, stoppt er kurz und schaut in die Kamera und zeigt uns die grässlichen gelben Augen eines Werwolfs.

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Die radikale Mehrdeutigkeit in diesem Video ist großartig. In nur einem einzigen künstlerischen Werk sehen wir Jackson sowohl als lebensstrotzendes Wesen voll aggressiven Verlangens als auch als unaufdringlichen verspielten Teenager. Das Video dient dazu, unter der Oberfläche des verträumten Pop Idols Finsternis und Subversion zu vermuten. Thriller ist mit über 100 Millionen weltweit verkauften Alben bei weitem das bestverkaufte Pop Album aller Zeiten. Angesichts dessen besitzt das Konzept, dass Jackson seine Gestalt und sexuellen Haltungen verändert, großes Gewicht. Jackson verkörpert Gegensätzlichkeit, selbst in seiner scheinbaren Unkompliziertheit. Tatsächlich ist es nicht nur diese Mehrdeutigkeit, die hier so radikal ist, es ist sein lebhafter Ausdruck unzähliger Arten von Gender, und all das eingebettet in seinem einzigartigen Wesen.

Für einen Popstar ist es sicherlich nichts Ungewöhnliches, sich als subversiv, als „bad boy“ darzustellen, doch bei Thriller fühlt es sich so an, als sei dies „rein geschmuggelt“ worden. Das war nicht der Jackson, der konfrontativ und unerschütterlich, gekleidet in eine Lederjacke, für das Cover des Bad Albums posierte (obwohl selbst dort der dick aufgetragene Eyeliner nicht gerade nach Testosteron schreit). Der Jackson, der das Cover von Thriller ziert, erscheint in Weichzeichnung, nahezu beschwingt weiblich zurückgelehnt, absolut nicht bedrohlich. Im Innenteil des Covers finden wir Jackson vertraut mit Tigerjungen umgehen, gefährliche exotische Tiere mit seiner an Mystik grenzenden Unschuld und Sanftheit zähmend. Doch sein tierhaftes Potential hält sich auch hier in ihm versteckt und im Video zu Thriller heißt er das Vorhandensein dieses Potentials willkommen und feiert es in seinem Tanz. Denn die Macht des nietzscheanischen Löwen, die in ihm steckt, zu der er fähig ist, reißt uns dazu hin, unsere vorgefasste Meinung anzuzweifeln – und sie schockiert uns.

In der Tat hilft der Vergleich der Bad und Thriller Album Covers, die nietzscheanische antiautoritäre Grundhaltung zu veranschaulichen und zu vertiefen. Der Löwe bedeutet nicht das letzte Stadium des Daseins, noch bedeutet es, dass jemand einfach auf Sitten verzichten sollte, weil es gerade Mal modern ist, dies zu tun. In einer meiner Lieblingsaphorismen Nietzsches Die fröhliche Wissenschaft von 1882, einem Werk, das Also sprach Zarathustra direkt voranging, wettert er genau aus diesem Grund gegen Hexenkunst: „Die Ketzerei ist das Seitenstück zur Hexerei und gewiss ebenso wenig, als diese, etwas Harmloses oder gar an sich selber etwas Verehrungswürdiges. Die Ketzer und die Hexen sind zwei Gattungen böser Menschen: gemeinsam ist ihnen, dass sie sich auch als böse fühlen, dass aber ihre unbezwingliche Lust ist, an dem, was herrscht (Menschen oder Meinungen), sich schädigend auszulassen.

Mit anderen Worten, Nietzsche befürwortet ein sorgfältiges Infragestellen der eigenen Werte und Gedanken, um sich selbst von Dogmen zu befreien. Sich dogmatisch starr der vorherrschenden Ordnung entgegenzustellen ist philosophisch ebenso kleingeistig wie sie dogmatisch zu akzeptieren. Indem sie sich selbst als böse ansehen, akzeptieren die Hexe und der Ketzer einfach die vorherrschende Moralität, obwohl sie sich daran weiden, eine gegnerische Haltung einzunehmen. Wenn ich mich dann also auf Jacksons „Nein zu Normen“ beziehe, geht es mir nicht um Jacksons Verwegenheit, sich als „bad“ zu bezeichnen, wie er es auf dem Cover des gleichnamigen Albums tut. Ich beziehe mich eher auf seine Kühnheit, in sich selbst vielfältige Möglichkeiten zu besitzen und diese auszudrücken. „Bad“ ist eine Möglichkeit, die er ausprobiert, genau wie „Dangerous“- ebenso wie das sanft weibliche und zart männliche Album Cover von Thriller. Sich verändernde Haltungen und darauf abgestimmte Images werden ständig durch Ungezwungenheit ausgetauscht, der Ungezwungenheit eines Menschen, der nicht an eine einzige Identität gebunden ist.

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Ziehen wir als weiteres Beispiel einige von Jacksons berühmten Mode Entscheidungen in Betracht. Er nahm einen Golfhandschuh und versah ihn mit glitzernden Glassteinen. Er kombinierte Militärjacken mit hautengen Jeans. Diese ikonischen visuellen Elemente sind Symbole seiner spielerischen Vermischung unterschiedlicher stereotyper Gender Identitäten, in denen typisch weibliche Extravaganz (mit Juwelen bestückte Schönheit, anmutige Eleganz) auf typisch männlich institutionalisierte Accessoires (Militärjacke, Sportkleidung, Wettkampfstätte und/oder Aggression) treffen. In nietzscheanischem Kontext würden wir die Lyrics von Bad wohl eher spielerisch sehen und vermuten, dass wir es, wenn Jackson fragt „Who’s bad (Wer ist böse)?“, eher als rhetorische Frage ansähen, etwa wie einen Call and Response Mechanismus. „Who’s bad?“ könnten Jackson und Nietzsche gleichermaßen fragen. Nun, eigentlich keiner von beiden wirklich, es sei denn, sie akzeptierten oder verinnerlichten die äußeren Kräfte, die sie als solche etikettierten. Was ist böse? Nun, universell oder objektiv gesehen, nichts, außer vielleicht das, was uns dazu bringt, das Leben zu verleugnen und das, was uns schwächt.

Das Kind - Wenn wir gelten lassen, dass Jackson existentiell dazu in der Lage war, sich sozusagen etwas Raum zum Umherschweifen zu erkämpfen, so wäre unsere nächste Frage: Was tat er mit diesem schöpferischen Raum? Die perfekte Antwort darauf finden wir im dritten und letzten Teil von Zarathustras Metamorphosen beschrieben. Dieses Stadium wird symbolisiert durch das Kind, den verspielten Schöpfer. Für Nietzsche ist Spielen alles andere als eine unbedeutende Sache, es ist ein fundamental philosophischer Akt. Wenn alte Systeme beiseite geschafft werden, müssen neue mit Hilfe imaginativer Lebhaftigkeit künstlerisch gestaltet werden. So lehrt Zarathustra auch: „Was muss der raubende Löwe auch noch zum Kinde werden? Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-Sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-Sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.“

Hier bewegt sich Selbstvervollkommnung auf eine neue Unschuld zu, auf ein Leben als künstlerischen Akt. Der einzelne Schöpfer erbaut sich seine eigene, auf seine Wünsche abgestimmte, Welt. Doch Zarathustras Charakterisierung des Kindes ist nicht etwa gleichbedeutend mit der transzendentalen Vergötterung der reinen, unbestechlichen Jugend. Zarathustras Kind wird, was sehr bedeutsam ist, neu geboren, nachdem es einige Herausforderungen gemeistert hat. Dieses Kind „erobert“ seine Welt erst, nachdem es das Stadium der Lasten und des Umsturzes hinter sich gebracht hat. Das Kind taucht hier ausdrücklich aus Schmerz und Trauma empor. Bei Nietzsche ist der Akt des „Vergessens“ bewunderungswürdig, da das Vergessen vergangener Rechtsordnungen bedeutet, frei zu sein, sich ohne Schuld seine eigenen Gesetze neu zu geben. Doch die Notwendigkeit des Vergessens deutet auf ein Trauma hin, das überwunden werden muss. Zarathustras Kind ist ein wenig wie ein Alien. Das verspielte Kind erobert seine Welt, nachdem es der Welt größtenteils „verlorenging“.

Hier prallt der symbolische Text von Nietzsches Zarathustra in extrem wortwörtlicher Art und Weise mit biografischen Details aus Jacksons Leben zusammen. So viel aus Jacksons öffentlicher Mythologie dreht sich um die Vorstellung von ihm als Peter Pan, dem kleinen Jungen, der sich weigert, erwachsen zu werden, dem Kinderstar, der, nachdem ihm die Kindheit gestohlen wurde, versucht, sie im Erwachsenenalter nachzuholen. Doch nimmt man Zarathustra als Leitbild, kann man noch weiter gehen und sich dem Thema von Jacksons innerem Kind in einer Art nähern, die ihm viel größere Moral und philosophische Handlungsfähigkeit zubilligt. In Zarathustras Weltanschauung kann Jacksons Ankunft im kindlichen Stadium als erhabenes Beispiel für das Überwinden eines Traumas und der demnach entstandenen Neudefinition des eigenen Verständnisses der Welt angesehen werden. Statt es als wahnhaftes Verhalten abzustempeln, kann Jacksons allgemeine Fixierung auf Kinder und Kindheit als erleuchtetes Endergebnis angesehen werden, eines, das von jemandem erreicht wurde, der die spirituelle Kraft besaß, seine zurückliegende Versklavung in eine lebensbejahende Vision der Zukunft zu transformieren.

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In den „drei Metamorphosen“ beschreibt Zarathustra das Kind als Wesen, das „ein geheiligtes ‚Ja‘ zum Leben“ äußert, das als willkommener Fortschritt zum vormals vom Löwen geäußerten ‚Nein“ angesehen wird. Jacksons ‚heiliges Ja‘, sein visionäres Werk, kam in Form seiner humanitären Leistungen. Besonders zu erwähnen ist hier seine 1992 gegründete Heal The World Stiftung, die weltweit Millionen von Dollar für arme und kranke Kinder zur Verfügung stellte. Sein Ruhm bot ihm eine bedeutende Plattform, sein sozialpolitisches Anliegen auszudrücken. Dementsprechend steht uns auf diesem Gebiet die ehrlichste Äußerung seiner eigenen Philosophie, seines inneren Lebens als Denker zur Verfügung. Angesichts seiner Berühmtheit ist meine „philosophische“ Lesart von Jacksons Leben natürlich verbunden mit Gerüchten, Spekulationen und imaginären Assoziationen. Doch durch seinen leidenschaftlichen Schutz leidender Kinder auf der ganzen Welt sind wir in der Lage, einen ausreichenden und konkreten Hinweis auf seine Gedanken aufzugreifen. Seine Dankesrede bei den Grammy Awards 1993 enthält eine bemerkenswert starke Ähnlichkeit zur Einschätzung Zarathustras über die Tugend von Kindern. Nachdem er über den Missbrauch in seiner eigenen Kindheit gesprochen hatte, sagte er weiter: „Magie, Wunder, Mysterium und Unschuld des kindlichen Herzens sind die schöpferischen Samen, die die Welt heilen werden. Was wir von den Kindern lernen müssen ist nicht kindisch. Mit ihnen zusammen zu sein verbindet uns mit der tieferen Weisheit des Lebens, die immer vorhanden ist und nur darum bittet, gelebt zu werden, der erhabene Weg zu Lösungen, die einfach da sind und darauf warten, in unseren eigenen Herzen erkannt zu werden.“

Daraus können wir zwei Fakten ziehen. Zum Einen, dass die Quelle der schöpferischen Energie in der kindlichen Herangehensweise eines Menschen an die Welt liegt. Zum Zweiten, dass wahre Weisheit bedeutet, die eigene, dem Menschen innenwohnende, Stärke zu erkennen. Was Jackson uns hier nahelegt ist, dass jede bedeutende Veränderung durch Selbstkontrolle erfolgt, durch Begreifen des eigenen Potentials als Schöpfer und Sinngeber. Das ist eine ziemlich nietzscheanische Idee.

Die gleiche Idee findet sich in einem von Jacksons meist geliebten Songs wieder, in Man In The Mirror. Der berühmte Refrain geht so: „I’m starting with The Man in the mirror/ I’m asking him to change his ways/ No message could’ve been any clearer/ If you want to make the world a better place/ Take a look at yourself and then make a change (Ich beginne mit dem im Spiegel/ ich bitte ihn, seine Richtung zu ändern/ keine andere Botschaft könnte eindeutiger sein/ wenn du die Welt in einen besseren Ort verwandeln möchtest/ dann schau auf dich selbst und vollziehe einen Wandel)”. Selbst wenn wir den Text Jackson selbst nicht zuordnen können – er wurde von der Sängerin Siedah Garrett für Jackson geschrieben – so ist der Text doch ein gutes Zeichen für Jacksons weitere Kunst und seine öffentlichen Projekte.

In einem Interview über ihre Erfahrung meinte Garrett, dass „sie einen Song schreiben wollte, der ihm das Gefühl gäbe, der Welt etwas zu sagen zu haben“, der Effekt war etwas philosophisch und spirituell Bedeutsames. Die Aussage an sich ist schon faszinierend. Jackson kann hier also als jemand angesehen werden, der gewissermaßen die Vorstellungskraft einer gesamten Generation einfing, sodass es eine wichtige und wertvolle Handlung darstellte, ihm eine Botschaft zukommen zu lassen. In dieser Aussage liegt Akzeptanz für die prophetische Rolle des Popstars und sie besagt, dass ein Star dazu in der Lage ist, eine inspirierende Botschaft viel weiter zu tragen als ein normaler Mensch. Dies stellt Jackson zumindest ein wenig in eine Reihe mit Zarathustra. Jackson malte sich für die Zeit, in der er lebte, als Philosoph bessere Möglichkeiten für die gesamte Menschheit aus, Nietzsches Blick jedoch war immer auffallend zukunftsgerichtet. Folglich versetzte es Nietzsche natürlich in Entzücken, die Möglichkeit zu haben, Zarathustra zu erschaffen, einen eloquenten Propheten, der in der Abgeschiedenheit zu seinen Einsichten gelangte und diese dann auch mutig in die Öffentlichkeit trug.

Jacksons besondere Art, prophetisch zu agieren, war von der gleichen Lebendigkeit wie die Nietzsches, der durch Zarathustra agierte, doch dadurch, dass Jackson das spannende und für ihn zugängliche Medium der Popmusik benutzte, erreichte er ein weitaus größeres Publikum als Nietzsches Werke es zu seinen Lebzeiten jemals schafften (nicht nur Zarathustra, sondern sein Gesamtwerk). Ein erstaunliches Beweisstück für Jacksons Seelenleben kam jedoch erst vor sehr kurzer Zeit ans Tageslicht: ein Werk, dass sich rückblickend wie eine Prophezeiung anfühlt. CBS News berichtet, dass Michael 1979, er war gerade mal 21, eine Äußerung festhielt, in der er seine Lebensziele detailliert niederschrieb, handgeschrieben auf der Rückseite eines Tourplans. Er schrieb:

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„Ich werde ein neuer unglaublicher Schauspieler/Sänger/Tänzer werden, der die Welt erschüttern wird… ich werde magisch sein. Ich werde ein Perfektionist, ein Forscher, ein Trainer, ein Meister sein… Ich werde studieren, werde auf die gesamte Welt des Showbusiness zurückblicken und sie perfektionieren, sie Schritt um Schritt höher tragen als die Großen sie zurückließen.“ Selbst in diesem zarten Alter entwarf er ein besseres Konzept, als es je vor ihm jemand entworfen hatte, mit besseren Möglichkeiten und größeren Spielräumen für sich selbst als Popstar – und er führte dieses Konzept auch aus.

Ich möchte auch auf zwei weitere Details hinweisen, die wichtig für Jacksons Art der Prophezeiung sind. Das erste ist ein Zitat Jacksons aus einem 1982 entstandenen Interview über seine Leidenschaft für die Schauspielerei: „Ich habe es nie gemocht, das Wort ‚schauspielern‘, habe es nie gemocht zu sagen ‚Ich bin ein Schauspieler‘. Es sollte mehr sein als das. Es sollte eher heißen, ich bin ein ‚Gläubiger‘.“ Das zweite Detail ist die Einstellung in Jacksons Musikvideo zu Black Or White, wo sich eine Reihe von Gesichtern, die unzähligen Rassen zugehören, aus den jeweils vorhergehenden Gesichtern entwickeln, alle beherrscht von Jacksons Stimme. Jackson war ein Gläubiger. Selbst auf der Pop Bühne, bei der die Linie zwischen Performance und Realität oftmals nicht zu unterscheiden ist, machte er aus seinem Werk ein Testament für eine fortschrittlichere Zukunft. Im Falle von Black Or White war es sein Glaube in eine postrassische Gesellschaft, in der das Verständnis unzähliger Kulturen in einem einzigen Menschen verkörpert werden kann. Auch hier finden wir wieder Nietzsches bejahende Methode, in der es vielfältige interpretative Systeme gibt, die ausprobiert werden können, um auf verschiedene Situationen zu passen, ohne Angst, sich selbst als „absolutes“ und einziges System zu begrenzen.

Geteiltes Leid: „Sie wissen nicht, wo mein Zentrum ist.“ 

Es ist sehr schwierig, jemandes innerste philosophische und emotionale Überzeugungen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Wie bereits im „Kamelstadium“ besprochen, sieht Zarathustra eine solche Prüfung als tugendhaft und für unser Wachstum als absolut essentiell an, jedoch zögert er nie zu bemerken, dass es Arbeit ist, Arbeit, die außergewöhnliche Stärke fordert. Nicht jedem gelingt diese Aufgabe. Außerdem läuft dieser Mensch, der so mutig lebt, Gefahr, von jenen, die es vorziehen, sich nicht in die bequemen und tröstlichen Strukturen einzumischen, die sie immer aufrechterhalten haben, missverstanden, ja sogar gefürchtet, zu werden. In der Parabel Das Kind im Spiegel aus Also sprach Zarathustra findet die bejahende Seite von Man In The Mirror ihre Entsprechung.

Es geschieht zu einer Zeit in Zarathustras Karriere als Prophet, als er zum Nachdenken in sein Einsiedlerdasein in den Bergen zurückkehrt, nachdem er kurze Zeit in der Öffentlichkeit verbracht hatte. Zarathustra träumte, ein Kind käme zu ihm, hielt ihm einen Spiegel vor und zwang ihn, hineinzuschauen. Statt sich selbst zu sehen, sah er das Bild eines teuflischen Monsters. Mit neuer Entschlossenheit, seine Botschaft zu äußern und weiter zu verbreiten, erwachte Zarathustra und interpretierte den Traum so: „Meine Feinde sind mächtig worden und haben meiner Lehre Bildnis entstellt, also, dass meine Liebsten sich der Gaben schämen müssen, die ich ihnen gab.“ Jackson war extrem vertraut mit dieser Situation, verleumderische Verzerrungen in der Öffentlichkeit zu ertragen.

Nietzsche war in seinem Leben ebenso vertraut damit. Hier spiegelt der Text Zarathustras Nietzsches eigene Biografie wider.

Für Nietzsche und Jackson war die vollständige Entfremdung von der Gesellschaft ein zweischneidiges Schwert. Einerseits war es von beiden selbstauferlegt. Beide lebten lange Zeit ihr Leben in Abgeschiedenheit und sie spürten keinen wirklichen inneren Drang, das, was andere als eigenartiges Verhalten ansahen, zu verbergen. Auf der anderen Seite jedoch machte sie ihr subversives Verhalten – bei Jackson war es sein Benehmen, bei Nietzsche seine Gedanken – zur Zielscheibe für Gerüchte, die dazu dienten, ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben. 1887 schrieb Nietzsche in einem Brief an seinen Musikerfreund Carl Fuchs, dass „sie in Deutschland laut gegen seine Exzentrik aufschreien. Doch da sie nicht wissen, wo sich mein Zentrum befindet, fällt es ihnen in ihrem Bemühen schwer, den Nagel auf den Kopf zu treffen, wo und wann ich denn in der Vergangenheit exzentrisch war.“

Einen Menschen als exzentrisch oder dezentriert zu bezeichnen, zeigt eine extrem begrenzte Definition normalen Verhaltens auf, eine Vorstellung, die für Nietzsche, den Dionysischen, viel zu eng gefasst war. Das Gleiche kann man von Jackson sagen. Die Öffentlichkeit wusste kaum etwas mit den kosmetischen OPs anzufangen, die sein Aussehen seit den späten 80ern radikal veränderten oder mit der Adoption des Schimpansen Bubbles, der einer der engsten Freunde Jacksons zu werden schien. Während Jackson in der Presse seinen tiefempfundenen Schmerz darüber ausdrückte, als „Wacko Jacko“ etikettiert zu werden, war er ebenso dafür bekannt, den Klatschblättern selbst bizarre Storys über sich geliefert zu haben, die diese Etikettierung nur noch beflügelt haben. Jackson war sicher ein Mensch, der von seinem eigenen “Zentrum” beherrscht war, doch selbst rückblickend ist es etwas schwierig zu erklären, wie dieses Zentrum arbeitete.

Am bedeutungsvollsten und wohl am tragischsten waren die Anschuldigungen der Kindesbelästigung, die Jacksons Ruf beschmutzten. Es verschlägt einem förmlich den Atem, dass das, was ihm am meisten am Herzen lag, nämlich seine Fürsprache für das Wohlergehen der Kinder, schließlich in Perversion und Missbrauch verkehrt wurde. Mit seiner Neverland Ranch, die er 1988 gegründet hat, errichtete er sprichwörtlich ein Monument für kindliche Tugend und machte sich damit selbst angreifbar, sowohl für die hinterhältigen Pläne von Eltern, die darauf aus waren, durch Klagen an Geld zu kommen als auch für die kritischen Augen der Presse. Dass Jacksons Botschaft derart verzerrt dargestellt wurde, dass sich die Öffentlichkeit „für die Geschenke, die er ihr als Künstler und Humanitär zukommen ließ schämte“ mutet wie eine echte Lebensoffenbarung von Zarathustras Kind im Spiegel an.

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In Nietzsches eigener persönlicher Historie liegt das größte Verbrechen der verzerrenden Darstellung in der Kooption seines Werkes durch die Nazibewegung. Nietzsches Schwester Elisabeth, die sich in den letzten Jahren seines Lebens um ihn kümmerte, nachdem er der geistigen Verwirrung anheimgefallen war, nutzte den unendlichen Wert seiner Prosa für ihre antisemitischen und deutsch nationalistischen politischen Ansichten (Siehe Carol Diethes Biografie von Elisabeth Forster-Nietzsche: Nietzsches Schwester und der Wille zur Macht). Wie tragisch wieder einmal, dass das Schlüsselelement seiner Philosophie – die Idee der inneren Stärke und des mutigen Festhaltens an der eigenen Souveränität – für eine so dogmatische und schmerzhaft engstirnige Bewegung wie den Antisemitismus eingesetzt wurde. Nietzsche hat sicherlich begriffen, dass es Menschen gibt, die stärker sind als andere, und dafür muss er sich nicht schämen, doch über die Definition der Nazis von Stärke wäre er sicherlich entsetzt gewesen und auch sicher darüber, zu sehen, wie sein lebensbejahendes Werk für einen solch durch und durch lebensverachtenden Kontext benutzt wurde. Die Verbindungen, so dürftig sie auch seien, wurden jedoch von jenen hergestellt, die danach trachten, einen Beweis für die Gefährlichkeit seiner Philosophie zu erbringen.

Ich vermute, Nietzsche war auf seine Art ein bedrohlicher Denker. Er zögerte niemals, was auch immer die Leute über ihn dachten, sich kritisch über die „Sklavenmoral“ zu äußern, die die Mehrheit der Menschen beherrschte. In der „Genealogie der Moral“ schreibt er: „Während alle vornehme Moral aus einem triumphierenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem “Außerhalb,” zu einem “Anders,” zu einem “Nicht-selbst”: und dies Nein ist ihre schöpferische Tat.“ Seine Philosophie war es, Ja zu sagen, auch wenn oder sogar gerade wenn dies mit dem traditionellen moralischen Kodex oder der Denkweise kollidiert.

Und wo wir gerade von „gefährlich/bedrohlich“ sprechen, Dangerous ist auch der Titel von Michael Jacksons viertem Soloalbum, dem Nachfolger von Bad. Zweifelsohne ließ Jackson es nicht zu, dass derartige Etikettierungen, gesponnen von der vorherrschenden Ordnung, ihn herunterzogen. Angeregt durch Nietzsches Sklavenmoral könnten wir diese Albumtitel sogar folgendermaßen interpretieren: Jackson fühlte sich mit diesen Etikettierungen so wohl, dass er sogar seine Alben danach benannte, nicht weil er „sich selbst für gottlos“ hielt, wie es Nietzsches Hexen taten, sondern vielleicht um diesen Etiketten die Spitze zu nehmen, anstatt bloß die unterjochten Gemüter zu schelten. Er war der Erste, der das aussprach, was die Schwarzseher dachten und der dann einfach mit seinem Tanz weitermachte, er schaffte das spielend, wie jemand, der stets mit seiner inneren Freude in Kontakt blieb, einer Freude, die sich weigert, sich von äußeren Einflüssen von ihrem Weg abbringen zu lassen.

Sowohl Nietzsche als auch Jackson erkämpften sich für sich selbst große Freiheiten und nutzten diese Freiheiten zum äußersten Wohl anderer. Natürlich kostete diese Freiheit sie beide sehr viel. Ein Mensch, der abseits steht, muss großes Leid ertragen, Leid, das durch selbstauferlegte Prüfungen entsteht, die zur Läuterung und Vervollkommnung der eigenen Existenz bestimmt sind und Leid, das durch öffentliche Reaktionen gegen die Weigerung dieses Menschen, sich bestehenden traditionellen Lebensweisen anzupassen, hervorgerufen wird. Ich habe auf diesen Seiten versucht, etwas Heilsames zu tun. Wir sollten uns vorstellen, wie diese beiden Menschen sich über die Zeit hinweg eine Hand der Sympathie reichen – in beiden Fällen hat ihnen ihre Fähigkeit, Probleme zu überwinden und erfolgreich zu sein, zur größten Freude verholfen: ein Herz, das ohne Angst schöpferisch tätig ist.

Nietzsche verleiht unserem Verständnis von Jackson die Erhabenheit der Philosophie. Er kann eine mögliche Interpretation liefern, diesen rätselhaften und verwirrenden Star als Denker zu sehen. Im Gegenzug dazu verleiht Jackson Nietzsche – einem Mann, der immer nur in die Zukunft blickte, der sich stets vorstellte, dass sein Werk irgendwann einmal enthusiastisch gefeiert würde – ein Gefühl der Hoffnung. Jackson, ein Mensch, der die dionysische Empfindsamkeit verkörpert und gleichzeitig die Fähigkeit besitzt, „vieles zu ertragen“, erlebte außergewöhnliche Anerkennung und Verehrung in seinem Leben. Sein kommerzieller Erfolg und sein Ruhm sind bis heute unerreicht. Welche Freude würde Nietzsche wohl in all seiner Liebe zu Musik und Tanz empfinden, wenn wir ihm mit einem Augenzwinkern erzählten, dass er mitgeholfen hat, MJ zum King of Pop zu krönen?

 - 1991 -

Der Tanz

Bewusstsein drückt sich selbst durch Schöpfung aus.

Diese Welt, in der wir leben, ist der Tanz des Schöpfers.

Tänzer kommen und gehen in einem Lidschlag,

aber der Tanz lebt weiter. Beim Tanzen fühle ich mich oftmals

von etwas Heiligem berührt.

In jenen Augenblicken spüre ich, wie meine Seele aufsteigt

und eins wird mit allem, was lebt.

Ich werde der Mond und die Sterne.

Ich werde der Liebende und der Geliebte.

Ich werde der Sieger und der Besiegte.

Ich werde der Herr und ich werde der Sklave.

Ich werde der Sänger und das Lied.

Ich werde der Wissende und das Wissen.

Ich tanze weiter und es wird zum ewigen Tanz der Schöpfung.

Der Schöpfer und die Schöpfung verschmelzen

zu vollkommener Freude. Ich tanze weiter und

tanze…….und tanze, bis nur noch… der Tanz bleibt.

  - Michael Jackson, Dangerous (Special Edition), Covertext - 

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“Vor allem anderen war Michael Liebe.”

Allen Lesern meines Blogs wünsche ich

schöne Weihnachten, viel Glück & Liebe für 2014.

Danke für Euer Interesse – „keep on Michaeling“.

L.O.V.E.♥  Martina ♥

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Als der kleine Prinz einschlief, nahm ich ihn in meine Arme und machte mich wieder auf den Weg. Ich war bewegt. Mir war, als trüge ich ein zerbrechliches Kleinod. Es schien mir sogar, als gäbe es nichts Zerbrechlicheres auf der Erde. Ich betrachtete im Mondlicht diese blasse Stirn, diese geschlossenen Augen, diese im Winde zitternde Haarsträhne, und ich sagte mir: “Was ich da sehe, ist nur eine Hülle. Das Eigentliche ist unsichtbar …”

Was mich an diesem kleinen eingeschlafenen Prinzen so sehr rührt, ist seine Treue zu seiner Blume, ist das Bild einer Rose, das ihn durchstrahlt wie die Flamme einer Lampe, selbst wenn er schläft … Und er kam mir noch zerbrechlicher vor als bisher. Man muß die Lampen sorgsam schützen: ein Windstoß kann sie zum Verlöschen bringen …

- Antoine de Saint-Exupéry – Der Kleine Prinz

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In jeder Generation gibt es eine Handvoll Menschen, die auf diese Welt kommen, mit der Fähigkeit, sie zu verbessern, durch ihren geschärften Sinn über das Bewusstseins über die Kraft der Liebe. Für diese Menschen ist Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern ein Zustand, ein Weg, dieser Welt zu begegnen. Sie erstrahlen in einem Licht; haben einen Lebensstil, der Freundlichkeit, Fürsorglichkeit, Mitgefühl und Empathie beinhaltet. Durch ihre Fähigkeit sich mit der Liebe zu verbinden, haben sie das Potential, die Welt zu heilen. Michael Jackson war einer dieser Menschen. -Linda Higgins

http://www.michaeljacksontributeportrait.com/article.php?article_id=229

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Michael Jackson verkörperte Licht, Schatten, helle Schatten, die göttliche Weiblichkeit, die aggressive Männlichkeit und Androgynie. Er wurde in eine Welt hineingeboren, die sich zu weit von der Unschuld entfernt hatte. Zu weit von der Naivität entfernt, um sie bei einem Erwachsenen zu tolerieren. Zu zynisch um das zu glauben was Michael mit seinen eigenen Worten sagte. Zu verdorben, um den sensiblen “Peter Pan”-Mann zu erfassen, der zu gut die Intoleranz der Welt gegenüber einem Makel verstand – er trug ihn in seinem Gesicht. Wie lebte er in einer Welt, in der dunkle Gedanken ihn mit Dingen in Verbindung brachten, die er nie in der Lage war zu tun und sich nicht vorstellen konnte? Wie hat er in einer Welt mit so viel Schatten leben können? Als sich die Schatten nach ihm griffen? Wie kommt es, dass Michael die Welt nie aufgegeben hat? Uns aufgegeben hat? Und wie kommt es, dass Michael zurück kam, um uns ein letztes Mal zu sagen “This Is It?” Ist die Ironie klar genug? Und wer wird nun unser planetarisch-menschlicher Cheerleader werden? Unser globaler Humanitär? Wer kann nun Millionen sammeln, um die Vision festzuhalten und vorwärts zu bringen? Wer ist jetzt in unserer Welt dazu in der Lage? Ich wünschte, wir hätten ihn besser behandelt, ihn mehr geschätzt, auf das Geschenk, was er für uns war, mehr geachtet. Und ich wünschte, er wäre noch hier um uns zu leiten. (…) Was auch immer du über Michael Jackson gedacht hast, stimmt, weil es mehr darüber sagt, wer du bist als über Michael. Er war nicht nur der „Man In The Mirror“ (Mann im Spiegel) – er war der Spiegel. - Barbara Kaufmann

http://mjtpmagazine.presspublisher.us/issue/a-powerful-truth/article/nobody-loves-the-man-in-the-mirror-when-nobody-loves-the-mirror

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Um Michael Jackson zu verstehen, müssen wir nicht nur das betrachten, was er sagte, sondern auch das, was er tat. Wenn wir das tun, sehen wir, dass es immer um Liebe ging.
 Während er auf der Welt war, offenbarte sich dieser Geist der Liebe durch ihn und beeinflusste, wie er Menschen behandelte – ob es Erwachsene, Kinder, Musiker, Produzenten, Geschäftspartner, Familie oder Freunde waren.
Natürlich wurde er, weil er der größte Entertainer aller Zeiten war, ständig von Leuten ins Visier genommen, die sich bemühten, ihn auf ihr Niveau hinab zuziehen.
Ich finde es interessant, wie ein Mensch wie Michael Jackson diesen Planeten mit so viel Liebe umhüllen konnte, während seine Gegner entschlossen waren, diesem Mann nicht wiedergutzumachende psychische und seelische Qualen zu verursachen.
Er hatte nichts davon verdient, aber ich denke, wenn es keine Kontroversen gegeben hätte, wäre er vielleicht nicht so berühmt und legendär gewesen, wie er es ist.
Ich persönlich erinnere mich am liebsten an Michaels positive Eigenschaften, jene Dinge, von denen wir alle wissen, dass sie auf ihn zutreffen.
Zum Beispiel war Michael ein fantastischer Sportler, weil er ein unbeschreiblicher Tänzer war.
Ich bin sicher, jene Leute, die mit ihm tanzten, und die Choreographen, die mit ihm arbeiteten, haben niemals jemanden gesehen oder mit jemandem gearbeitet, der so war wie er – weder zuvor noch danach. - Al Bell

http://thegrio.com/2009/08/29/remembering-my-friend-michael-jackson/

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Man In The Mirror

 Wie lebt man mit dem Paradoxon, dass Millionen Menschen auf der Welt dich lieben, doch du kannst dein Haus nicht verlassen? Schiebst niemals einen Einkaufswagen in einem Lebensmittelgeschäft? Betrittst nie einen Laden, in dem deine Musik verkauft wird? Gehst nie zu einem Baseballspiel, einer Parade, in den Zoo oder mit deinen Kindern zu einem Picknick? Wie kannst du, obwohl du nie allein/in Ruhe gelassen wirst, so einsam sein? Wie kannst du so gut über Einsamkeit schreiben? Und, wenn du mit Menschen zusammen bist, wie sortierst du aus, ob jemand sich dir gegenüber authentisch verhält oder nur mit dir als einer öffentlichen Person spielt? Wie kannst du so scheu sein, dass es schon wehtut und doch so viel Begabung besitzen, dass sie nicht gezügelt werden kann? Warum sagst du nie nein, wenn und weil die Musik dich verfolgt, bis sie aus dir herausbricht? Wie kannst du stundenlang bis zur Erschöpfung proben, denn du kannst die Größe deines schöpferischen Genies NICHT mit der Welt teilen? Wie kannst du aufstehen und in einer Welt mit so vielen Schatten ein Superstar sein? Wie kannst du weiter Zeilen schreiben, die diese Schatten hervorheben und angreifen? Wie kannst du es überleben, wenn diese Schatten sich gegen dich wenden? Ich verstehe nun, dass es ein Ruf war – die Art von Ruf, dem du nicht den Rücken zukehren konntest, da er zu dir gehörte. Oh ja, Michael wurde gerufen. Schaut euch seine Texte an, die meisten waren Gebete.

Und wie lebst du so nackt vor den Augen der Öffentlichkeit, in dem Wissen, dass du für einige alles bedeutest und anderen niemals genügen wirst? Wie kannst du im Leuchtfeuer „öffentlicher Überprüfung“ standhaft bleiben und es selbst zulassen, zur überlebensgroßen Zielscheibe für Opportunisten zu werden? Wie erträgst du stete Verunglimpfung durch skrupellose Ausbeuter, wenn diese unglaubliche Anschuldigung in deinem Bewusstsein, deiner Welt nicht einmal existiert? Wie schaffst du es, vor Gericht zu erscheinen, wo sie dich vernichtend kritisieren, dein Menschsein in Stücke reißen, dein Sein zerstören? Wie kannst du aus dem Bett aufstehen? Deinen Pyjama ausziehen? Wie kannst du sich davon erholen, angeklagt worden zu sein, auch wenn du der unaussprechlichen Taten für „nicht schuldig“ befunden wurdest, wo du doch Kinder immer liebtest wegen ihrer Fähigkeit der Verwunderung, wegen ihrer Unschuld? Wie kannst du jemals wieder Vertrauen fassen, nachdem jemand dein Vertrauen gewann und den besten Teil von dir am Boden des Schneideraums zurückließ und den restlichen Klatschfilm eine Dokumentation über dein Leben nannte? Ein System, das dazu da sein sollte, dich zu beschützen? Wie sammelst du die Teile deines Lebens, die so sorglos weggeworfen wurden, wieder auf? Und inmitten von alledem oder in den Nachwehen dessen, wie schaffst du es, dich dem Leben zu zeigen?

Vielleicht wurdest zu einem Einsiedler und suchtest nach etwas, um deine Schmerzen zu lindern und die Brutalität und Erschöpfung zum Verschwinden zu bringen. Vielleicht, um die Welt für eine Weile zum Verschwinden zu bringen. Vielleicht fandest du auch ein, zwei Ärzte, die dir ein etwas gaben, um dir deine Verletzungen zu erleichtern, während du versuchtest, dich selbst zu heilen. Können die Teile, die dir jene entrissen, die einen Teil von dir besitzen wollten, ersetzt werden? Wie tief ist die Wunde, die sie rissen? Geht sie tief bis in die Seele oder bis auf den Knochen?

Wie erträgst du lebenslange Beleidigungen, Verleumdungen und Lügen, zu viele, um sie anzusprechen und zu quälend, sie einzulassen, da sie dich paralysieren würden? Wie hast du es geschafft, sie dein Herz nicht verhärten zu lassen? Wie erträgst du Kommentare über dein Gesicht? Mein Gott, dein Gesicht! Das einzige, mit dem du dich der Welt zum Ausdruck bringen kannst, mit dem du deinen Gefühlen Ausdruck verleihen kannst. Wie lebst du mit Lupus, einer Krankheit, die deinen Körper verzehren will und mit Vitiligo, einer Krankheit, die dein Gesicht entstellt? Das Gesicht, das dich der Welt präsentiert, das Gesicht, mit dem du dein Leben bestreitest. Wie lebst du unter Schirmen, da die Sonne Flecken auf deiner Haut verursacht und deine Haut verschlechtert? Wenn du mit den Laserbehandlungen das Beste tust, was notwendig ist, dies jedoch deine Haut gebleicht und heller erscheinen lässt? Nun, da die Krankheit dir mehr helle als dunkle Stellen hinterließ und die Ärzte dir sagten, die bestmögliche Behandlung sei es, die dunklen Hautstellen zu lasern, um die Haut anzugleichen, wie erträgst du dann die Vorwürfe, du verrätst deiner Rasse? Wie gehst du dann damit um, Zielscheibe tausender Witze und unfreundlicher Bemerkungen zu sein, die dich pfählen? Wie erträgst du es, nicht einen einzigen Tag am Strand in der Sonne herumzutoben? Ich wünschte, „wir“ hätten dich, einfach so wie du warst, lieben und annehmen können. Ich wünschte, wir hätten dich und dein Gesicht mit unserem Geist wiegen können. Doch die Welt geht mit Makeln und Unvollkommenheit nicht freundlich um. Doch das wusstest du, nicht wahr, Michael? Als der Perfektionist und Künstler, der du warst, hast du dein Gesicht immer weiter verändert. Du fühltest immer mit den Unterdrückten, Behinderten und Entstellten – du warst ihnen näher, als es je einer von uns wusste. Du hast es so gut vor uns versteckt. - Barbara Kaufmann

http://mjtpmagazine.presspublisher.us/issue/a-powerful-truth/article/nobody-loves-the-man-in-the-mirror-when-nobody-loves-the-mirror

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Michael Jackson Elizabeth Taylor

Ich hoffe nicht, Michael , dass du denkst, ich verrate unsere Freundschaft, indem ich hier oben darüber rede..ich bin etwas verunsichert deshalb… Zu sagen, was ich für dich empfinde ist offensichtlich… Ich liebe dich. Es ist offensichtlich, warum ich dich liebe, du bist einer der besten Menschen, die es auf diesem Planeten gibt – ich bin nicht sicher, wo du herkommst, vielleicht kamen Ausserirdische vom Mars und haben von deinem Körper Besitz ergriffen, damit du dich so bewegst wie du es tust. Ich weiss es nicht… Und deine Stimme, sie macht besonderes, sie geht um Ecken um Kurven, sie macht alles, was du willst…und es versetzt uns in Erstaunen. Du bist ein erstaunlicher Mann, und ich denke nicht, dass du dir dessen wirklich bewusst bist. Und selbst das ist ganz besonders. Du bist intelligent, listig (schlau) – und das ist eigentlich ein seltsames Wort, in Verbindung mit dir zu gebrauchen, weil es suggeriert Hinterlistigkeit, und du bist die am wenigsten hinterlistige Person die ich je im Leben getroffen habe.

Du bist die Aufrichtigkeit in Person, bis zu dem Punkt dass ich sagen muss, du tust dir damit selbst weh, du bist schmerzhaft aufrichtig. Du bist verletzlich bis zur Schmerzgrenze, du gibst soviel von dir selbst, dass du manchmal nur sehr wenig übrig lässt, um diesen inneren Kern, diesen wunderschönen inneren Kern, der die Essenz von dir ist, zu beschützen. Das ist das, was ich so sehr an dir liebe, und was die Welt dazu bringt, sich so mit dir zu identifizieren, wie sie es tut. Es macht dich zu diesem Phänomen was du bist, ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich sagen kann, WAS das ist, was die „Zutaten“ dazu sind. Es ist zu intensiv und soviel geht da bei dir vor… Es ist eine Art von aufrichtigem “sich nicht bewusst sein”, es passiert einfach, …ich meine nicht, dass es leicht ist für dich, dass es geschieht, ich habe gesehen, dass du probst, für Stunden, Tage…ich habe dich schwitzen gesehen, es kommt nicht aus dem Nichts. Aber wenn es dann stattfindet, dann ist es wie nichts Vergleichbares, niemand anders hat je soetwas gemacht, niemand wird je sowas tun, keiner kann das kopieren…Das bist Du.

Deine Freundschaft und dein Sinn zu Geben, das bist ganz du. Und du machst das auf die gleiche Weise, du machst das aufrichtig und mit ganzem Herzen, und mit der gleichen Hingabe. Dein Sinn, sich zu kümmern, die Dinge, die du getan hast, worüber nur so wenig Menschen etwas wissen. Diese Dinge, die du anonym tust, so, dass nicht mal die, für die du es tust darüber Bescheid wissen, dass ist wirkliche Nächstenliebe. Das ist Nächstenliebe, die aus der Seele, aus dem Herzen kommt.(…) Du machst es, weil dein Herz es will, und du willst dafür nichts zurückbekommen, das ist die allerschönste Eigenschaft, die du besitzt.

Michael, ich danke die einfach dafür, dass du DU bist, ich liebe dich… – Elizabeth Taylor (NAACP-Award-Speech 1988)

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Meine besten Erinnerungen sind die Zeiten, als wir redeten, wenn er mich umarmte, wenn wir gute Gespräche hatten, und ich ihn zum lachen brachte – ich hatte wirklich Freude daran, ihn zum lachen zu bringen. Ich konnte irgend etwas sagen – ihm einfach ein paar Worte ins Ohr flüstern, und ihn damit zum lachen bringen. Und Junge, er hat ein ansteckendes Lachen! Aber vor allem war Michael ein sehr liebevoller Mensch. Er hatte so viel Liebe in seinem Herzen. Er sorgte sich um jeden, insbesondere um die Leute von der Straße. Er war nicht hochnäsig, er war nicht egoistisch, und er versuchte, für jeden Zeit zu finden, weil er niemandes Gefühle verletzen wollte. Wenn er dachte, dass er etwas falsch gemacht hat, ärgerte ihn das wirklich. Er hatte mehr Liebe in sich als irgendjemand, den ich kenne.

Der Michael, den ich täglich sah, war jemand, der seine Kinder liebte. Sie waren sein Mittelpunkt. Er war ein sehr beschäftigter Mann, aber er stellte immer sicher, daß sich jemand um die Kinder kümmerte. (…) Er liebte seine Fans. Ich kenne eine Menge große Filmstars, aber die Fans von Michael sind mehr als Fans. Er wußte, daß die Fans ihn zu dem gemacht hatten, was er war, und er würde niemanden außen vor lassen wollen. Überall, wohin er ging – die Fans waren da. Er sagte mir, daß die Fans immer wußten, was er tat. Ich denke nicht, daß irgendjemand jemals Fans wie diese gehabt hat. (…) Er war glücklich, und er wollte jedermann um ihn herum glücklich machen. Und er würde Liebe wollen. Vor allem anderen war Michael Liebe. - Miko Brando

http://www.lipstickalley.com/showthread.php?p=10757002

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Von Zeit zu Zeit streift ein Meteor unser kollektives Bewusstsein und segnet uns mit Unerwartetem. Und dieses kleine Kind aus einer Industrie- Stadt in den Vereinigten Staaten, das mit einer durchdringenden Stimme in unserer Welt auftauchte und einen geradezu blasphemischen Ruhm erlangte, konnte beweisen, dass es sogar mehr als ein Meteor war. Michael Jackson bewältigte die seltene Meisterleistung nicht nur ein Wunderkind der Pop-Musik zu sein, sondern auch noch ein moderner Meister zu werden.

Klassischen Status zu erreichen ist in jedem Genre sehr selten. Er schuf die unverwechselbarste, erinnerungswürdigste und Fuß-berauschendste Musik unserer Zeit. Als Entertainer war er ein Genie. Er vereinte Innovation im Tanz, mit Brillanz in der Darstellung und einem außergewöhnlichen Gefühl für den Puls der Zeit. Er war ebenso ein Genie in der Kunst des Ruhmes. Denn es gelang ihm seine Stimme und sein Gesicht so sehr zu einem Teil unserer heutigen Kultur zu machen und er wurde auch ein so wichtiger Teil unseres Parallellebens, dass er uns im Grunde genommen sehr vertraut ist, so wie jemand, den wir schon unser ganzes Leben lang kennen.

Aber inmitten von allem ist es möglich, diese besondere Seele zu vermissen. Er wirkte als der liebenswürdigste, der empfindsamste und zerbrechlichste Performer und gilt als Zeugnis seiner tiefgründigen Anmut, dass er solch gewaltige Verleumdungen und die beständigen Monstrositäten des Ruhms ertragen hat und es trotzdem schaffte, diese essentielle Liebenswürdigkeit auszustrahlen. Er schien fast jemand zu sein, der zu viel Glück ausgestattet war. Und er war sehr oft von einer Atmosphäre unerträglicher paradoxer Einsamkeit umgeben.

Seine Wirkung auf Menschen war nahezu unnatürlich. Die Beatles konnten zu ihren besten Zeiten große Menschenmassen mit großen Gefühlen beeinflussen, doch sie waren zu viert. Michael Jackson konnte einen tiefen Seufzer und einen Schauer durch eine Masse von Zehntausenden von Menschen jagen, nur durch eine erkennbare Bewegung seiner Schulter. Seine öffentlichen Auftritte riefen totale Hysterie hervor. Wenn er in die Städte kam, besaß er die gleiche fremde Macht, die man Pan in den Bergen zuschreibt, es war eine Mischung aus Panik und Ektase, die Besitz von den Massen ergriffen hatte. Es gab eine Zeit, da dieser Ruhm an göttliches Wirken angrenzte. Es war die Kombination seiner Musik, die in jede Seele eindrang mit der größer werdenden Dämonisierung seiner Erscheinung durch die Massenmedien, gepaart mit elfenhafter Schönheit, die er in fast unmenschlicher Zuversicht ausstrahlte. Wir leben in einer Welt der Unsicherheiten. Wir kämpfen mit der Anonymität. Wir sind geplagt von Ängsten und Problemen und heimlich sehnen wir uns nach etwas, das darauf hinweisen könnte, dass eine unzerstörbare strahlende Pracht in uns schlummert.

Vielleicht ist es das, was die seltenen Superstars tun, sie nehmen unsere Sehnsüchte nach einem lebenden Bild von Unsterblichkeit auf. Elvis Presley tat das. Und nicht einmal sein Tod konnte seine Anziehungskraft schmälern. Michael Jackson, der magisch die Grenzen zwischen Rassen, Hautfarben und Nationalitäten verschwinden ließ, tat es. Und auf merkwürdige Weise kam sein Tod an einem günstigen Punkt. Er verließ die Welt inmitten großer Erwartungen. Wiedergeboren durch die Hoffnungen auf sein großes Comeback, das nicht lange nach seiner Erlösung durch die vollständige Entlastung aller Anschuldigungen gegen ihn, auf sich warten ließ, verlässt er uns in einen freien Raum von überreichlichem Potential. Das Schwierigste ist vielleicht, diesen gewaltigen Ruhm ein zweites Mal zu erreichen. Im Großen und Ganzen ist das den Sterblichen nicht gegeben.

Es einmal zu erreichen, wie er es tat mit er weltweiten Eroberung durch „Thriller“ ist angesichts der höchsten Standards in seiner Branche erstaunlich. Nur der Tod zur rechten Zeit kann die stürmischen Gesänge über all diese merkwürdigen Nachwirkungen eines solchen Erfolgs ausgleichen. Allen Ginsberg sagte über die Beatles, sie seien von den Engeln geschickt, um die Welt mit Musik zu erfreuen. Michael Jackson war auch ein solcher Engel. Nun wird er zusammen sein mit den Fixsternen am Firmament der Popkultur. Nun können wir seine Schönheit und sein Lied würdigen. - Ben Okri

© Ben Okri, 2009 http://www.amazon.com/forum/michael%20jackson?cdForum=Fx11O5ZOFFEMUQ4&cdMessage=Mx1136B7JZ2RA72&cdPage=6&cdSort=newest&cdThread=Tx3DA7226FKOOVQ

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Michael hat uns gelehrt, einander zu lieben. Michael hat uns gelehrt füreinander einzustehen. Es gibt diejenigen, die im Schmutz wühlen, aber Millionen in der ganzen Welt sind dabei, seine Botschaft hoch zu halten. Es geht nicht um Schmutz; es geht um Liebe. Wenn man steile Berge erklimmt verletzt du dich manchmal an den Knien. Manchmal verletzt du deine Haut, aber konzentriert euch nicht auf die Narben, konzentriert euch auf den Weg. Michael gelangte an die Spitze. Er sang seine Zyniker aus. Er tanzte seine Zweifler aus. Er übertraf die Pessimisten. Immer wieder wurde er nieder geschlagen, aber er stand immer wieder auf. Immer wenn sie ihn auszählten, stand er wieder auf. Michael hörte niemals auf. Michael hörte niemals auf. Michael hörte niemals auf. - Al Sharpton

http://www.youtube.com/watch?v=hXg5tj3ECY0

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Übersetzungen in diesem Post: Achildsbliss, Lena, M.v.d.Linden

A Place Without No Name – die Story zum Song

Eine Übersetzung des Artikels: Michael Jackson’s “A Place With No Name” – The Story Behind The Song – von Damien Shields

http://www.damienshields.com/michael-jacksons-a-place-with-no-name-the-story-behind-the-song/

Am 16 Juli 2009, nur drei Wochen nach seinem tragischen Tod, erschien ein Stück eines unveröffentlichten Michael Jackson Songs online. Die Klatschseite TMZ veröffentlichte einen 24 Sekunden langen Schnipsel eines Tracks, „A Place Without No Name“. Für die letzten 4,5 Jahre war dieser 24 Sekunden Schnipsel alles, was Michael Jackson Fans davon hörten. Bis jetzt.

https://soundcloud.com/smooth-gangsta/a-place-with-no-name

Am 3 Dezember 2013 erschien die komplette Version des Songs online, der im wesentlichen eine mit neuen Lyrics versehene Version des Hits „A Horse With No Name“ der Band America von 1972 ist – zur Freude der Jackson Enthusiasten auf der ganzen Welt. Mit dem Leak des Tracks kamen auch die Fragen über seine Entstehung – einige davon konnten beantwortet werden, in dem man zuvor veröffentlichte Interviews mit denjenigen, die an dieser Aufnahme arbeiteten, las, – andere Fragen blieben unbeantwortet. Dieser Artikel versucht alle Teile des Puzzels zusammenzufügen und die ganze Story hinter dem Song zu erzählen.

A Place with No Name“ wurde ursprünglich 1998 von Elliot Straits konzipiert, einem talentierten Sänger, Songschreiber und Musikproduzenten der unter dem Namen Dr. Freeze bekannt ist. Plattenboss John McClain, der zu der Zeit Manager von Michael Jackson war (und jetzt Co-Executer des Michael Jackson Estate ist) gab Freeze die Chance seines Lebens – mit dem King Of Pop zusammenzuarbeiten.

Ich kannte seinen Manager, John McClain und ich arbeitete an einem Album mit meinen Partnern, Spydermann“, erinnert sich Freeze. „Nach Fertigstellung des Albums, lief es nicht wie geplant und wir mussten das Projekt absagen. Ich war sehr verärgert. Und dann sagte John McClain: „Mach dir keinen Kopf, Freeze. Ich habe ein anderes Projekt für dich. Du bist im Geschäft mit Michael Jackson.“ Ich sagte : „Michael wer?“ und er sagte: „Michael Jackson.“

Anfangs konnte ich es nicht glauben und fand es verrückt. Und dann telefonierte ich eines Tages mit meinem Vater und jemand rief mich auf der anderen Leitung an… es war Michael! So fing es an.. so kamen wir zusammen.“

Es war ziemlich beängstigend für mich! Ich fühlte mich wieder wie in der Grundschule, als ob ich nichts über die Produktion wüsste. Michael lehrt einen alles neu“, sagt Freeze. „Die anderen Produzenten und ich waren wie Studenten und schauten dem Lehrer zu. Mit Michael war es, als wenn wir nichts über unser Geschäft wüssten: Wir mussten von vorn beginnen und wieder alles lernen. Er brachte uns bei, alles so gut wie möglich zu tun, Michael war ein Perfektionist… Ich war sehr nervös, sehr nervös, aber auch sehr geehrt! Er wusste alles über die Musikindustrie, alles, wirklich alles, nichts war ihm fremd, und er hat mir viel beigebracht.“

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 - Michael & Dr. Freeze -

Ich stellte ihm viele Lieder vor. Die wichtigsten Songs, an denen wir gearbeitet haben waren „Break Of Dawn“, „A Place With No Name“ und „Blue Gangster“, erklärt Freeze. „Diese drei Lieder waren unsere Prioritäten… Er verehrte sie! Michael und ich haben ein Händchen für Melodien, immer wenn ich etwas vorschlug, war es einfach für ihn, den Song zu lernen, es war, als wüsste er es schon. Ich gab ihm ein paar Songs, die er bewunderte. Er schätzte sie.“

Ich machte den Musik-Teil und er musste nur die Lyrics lernen. „A Place With No Name“ ist wie eine Art Flucht, ein Song, bei dem du einfach die Augen schliesst und spürst, dass du in eine wunderbare Welt geführt wirst. Es ist ein Song, der von „A horse with No Name“ der Gruppe America inspiriert wurde. Der Text ist sehr tiefsinnig. Ich wollte ihn erneuern, eine Version für das Jahr 2000 machen. Der Band America gefiel die Idee. Sie fanden das „update“ großartig. Sie waren wirklich begeistert von dem Projekt.“

Nachdem die Tracks Jackson präsentiert wurden, begannen die beiden im August 1998 im Record Plant Studio in Los Angeles an musikalischen Ideen zu arbeiten. Zu der Zeit wurden sie vom Toningenieur und Bassist CJ deVillar unterstützt, der bei der Technik half. Während einer Session sagte Freeze CJ, er wolle auf „A Place With No Name“ einen Bassgitarren-Sound haben.

Ich sagte Freeze, ich könnte (Bass) spielen und wäre froh, wenn ich für ihn etwas aufnehmen könnte. Ich brachte meinen Bass zum Studio und ein paar Tage später war Freeze bereit zur Aufnahme,“ erklärt CJ. „ Das Problem war, dass ich ein wenig Bedenken hatte, auf Michaels Tracks herum zu spielen, während Michael in der Nähe war. Ich wollte einfach nicht meine Stellung als Toningeniuer aufs Spiel setzen, indem ich in Michaels Musik herummachte, aber am Ende war meine Paranoia unbegründet. Trotzdem warteten wir bis zum späten Abend, wenn Michael normalerweise nach Hause ging, zumindest waren das unsere Erfahrungen der letzten Wochen.“ sagt CJ.

Es war am 25 August 1998, als CJ den Bass Teil im Record Plant aufnahm. Aber es lief nicht wie von dem Ingenieur geplant, Jackson erwischte ihn dabei.

Als ich sicher war, dass Michael das Studio verlassen hatte, steckte ich meinen Bass ein und begann, mit Freeze auf dem Track zu spielen, aber in der Sekunde, wo ich einstieg, sah ich, wie Michael aus seiner Studio Lounge kam und in den Kontrollraum ging, und ich machte “ohoh!”

Michael sagte sofort: “Was macht ihr zwei denn da?” Ich sagte treudoof: “Wir spielen bisschen Bass, Mike”. Er sagte: “Lasst mal hören!” Also spielte ich ein paar Basslicks und er wurde gleich aufgeregt und sagte: “Nehmt ihr auf?” “Öhm, nein Mike, ich versuche nur das richtige Gefühl zu bekommen.” Mike sagte: “Spielt und nehmt alles auf!” Also, stieg ich ein und jammte zu dem Song. Und Michael drehte die großen Hauptlautsprecher voll auf! Und er mochte, was ich spielte.“

Was als nächstes zwischen Michael und CJ geschah, war ein wirklich magischer Moment.

Nach ein paar Sekunden rockte Michael vor meinen Augen ab, während ich alle möglichen Bass Ideen spielte. Am Ende eines Abschnits sagte er: ‘Spiel noch einen anderen’ und es ging nochmal los. Michael machte sein “Popping und Locking”, spielte Luftgitarre und machte Rockposen vor der Konsole.“

Er sagte: “O yeah CJ, das war “stinky”, so “stinky” (für Michael etwas gutes) Lass uns noch eins hören!”

Ich stieg fünf oder sechs mal ein, wobei das letzte ein solider Groove war, so dass wir nicht verschiedene Bass Ideen kombinieren mussten, um den Song gleich anhörbar zu machen,“ erklärt CJ.

Nach mehr wie einer halben Stunde “rocken mit Michael” und ein paar lauten Playbacks, stellte ich einen schnellen, rauen Mix zusammen und machte ihm ein DAT um es anzuhören. Er bedankte sich noch einmal ganz liebenswürdig und ging für diesen Tag nach Hause… Ich hatte viel Spass dabei, mit Michael und Freeze aufzunehmen… Es machte mir Michaels unermüdliche musikalische Energie sehr deutlich.“

Am nächsten Tag, dem 26 August 1998, kam Jackson wieder ins Record Plant Studio zurück, um mit Dr. Freeze, Mike Ging dem zweiten Toningenier Jeff Burns den Background-Gesang und die „na nas“ aufzunehmen.

Während ein Großteil des Background-Gesangs von Freeze stammt, gibt es ein paar Stellen, wo die beiden zusammen Harmonien aufnahmen, die nahtlos von Ging zusamengefügt wurden. Nach einer Woche optimieren und editieren des rohen „A Place With No Name“, der zu der Zeit genau 8 Minuten lang war, war Jackson bereit, den Lead-Gesang aufzunehmen. Diese Session, wiederum von Mike Ging aufgenommen, fand am 8 September 1998 im Record Plant Studio statt.

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Das Record Plant Recording Studio stellt 6 Tonstudios zur Verfügung – zwei davon waren von Jacksons Team gemietet. Das bedeutete, dass Jackson nur wenig Privatsphäre hatte, weil viele andere Künstler dann und wann in – oder aus – den anderen Studios gingen. Aus diesem Grund machte Jackson sein übliches Stimmtraining mit Seth Riggs bevor er ins Studio zum Aufnehmen kam.

Wir sahen nie, wie er in unserer Anwesenheit seine Stimmübungen machte,“ erinnert sich Dr. Freeze. „Aber wenn er ins Studio kam, stand er am Mikrophon und setzte den Song in Flammen. Wenn er wieder ging, war das Studio in Schutt und Asche und unsere Kinnlade hing am Boden. Es war so beeindruckend, das zu beobachten.“

Jacksons Lead-Gesang wurde von Mike Ging auf einem Neumann M149 Mikrofon aufgenommen. Zusätzlicher Lead-Gesang wurde am 16 Oktober 1998 von Ging im Ocean Way Recording-Studio aufgenommen, allgemein als Record One bekannt. Am folgenden Tag, dem 17 Oktober, arbeitete Ging an einem neuen Mix. Ab da durchlief „A Place With No Name“ verschiedene Studios.

Es war zu der Zeit wie ein Tournier in verschiedenen Runden,“ sagt Toningenieur Michael Prince, der zwischen dem Studio von Brad Buxer und Dr. Freeze hin und her sprang. „Einmal waren wir in Marvin’s Place. Dann gingen wir wieder zurück ins Record Plant, dann wieder zum Record One.“

Normalerweise arbeitete ich meistens an den Songs, die Brad Buxer und Michael schrieben. Wir waren mit etwa 5 oder 6 Songs beschäftigt, von denen es „Speechless“ und „The Lost Children“ auf das (Invincible) Album schafften.

Sechs Monate nach Beginn, am 21 Februar 1999, arbeiteten Jackson, Freeze, Prince, Buxer und Ging wieder an “A Place With No Name” und nahmen zusätzliche kleine Edits vor.

Es lief sehr gut im Record One und wir bekamen viel von unserer Arbeit getan. Das war auch der Zeitpunkt, als Rodney Jerkins zum Team stiess. Für etwa einen Monat, die wir im Record One waren, waren auch Fred (Jerkins) und La Shawn Daniels dort.“

Ende März 1999 flog Jackson nach New York um mit Cory Rooney in der Hit Factory an einer Aufnahme namens „She Was Lovin’ Me“ zu arbeiten. Den größten Teil des Monats verbrachte Jackson mit Rooney im Studio, der sich daran erinnert, dass sie fast so viel Zeit mit Herumblödeln verbrachten, wie mit dem Arbeiten an Musik.

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- Michael & Cory Rooney -

Wir verbrachten so viel Zeit damit, zu Optimieren – ich würde sagen gute zwei Wochen – nicht nur die Vocals, sondern viele verschiedene Dinge,“ sagt Rooney. „Und es dauerte zwei Wochen, weil wir viel Zeit mit Lachen, Reden und Herumalbern verbrachten, einfach damit, eine schöne Zeit im Studio zu haben. Wir dehnten es aus, nur damit wir mehr Spass haben konnten. Am Ende verbrachten wir den Großteil des Aprils im Studio mit Planen und Entwerfen. Es war soetwas wie unser „Hauptquartier“ um die Aufnahmen wirklich auf eine Linie zu bekommen. Ich hätte es ausnutzen können und versuchen können, sechs Songs zu produzieren, die Michael aufnehmen könnte, aber daran lag mir nichts“, fügt Rooney hinzu. „“Ich wollte ihm einfach nur das geben, was er zu der Zeit brauchte. Und ich spürte, dass er Spass und eher einen Freund brauchte, als jemand der versuchte ihm noch mehr Songs aufzudrängen. Das ist, was ich in meinem Herzen fühlte. Wir hatten eine großartige Zeit.“

Nach Beendigung der „She Was Lovin’ me“ Sessions mit Rooney, entschied Jackson, alle gemeinsamen Sessions vom Record One in LA nach New York in The Hit Factory zu verlegen.

Wir brauchten Tage, um Kopien von allen Bändern und Laufwerken zu machen und sie zu beschriften, dann wurde alles zur Hit Factory nach New York gebracht und wir verbrachten dort ein paar Monate,“ sagt Michael Prince.

The Hit Factory Ingenieur Paul J. Falcone arbeitete Anfang Mai ’99 in New York an einem Mix von „A Place With No Name“. Nachdem Falcone seinen Mix fertiggestellt hatte, wurde der Song zur Seite gelegt, zusammen mit Cory Rooneys „She Was Lovin’ Me“ und Frezes „Blue Gangster“, an dem zu gleichen Zeit gearbeitet worden war.

Mitte 1999 hatte Jackson anscheinend einige seiner vorherigen Kolaborationen fallen lassen, um sich auf die Arbeit mit Rodney Jerkins zu fokussieren, und Jerkins hatte seinerseits das Gleiche getan.

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Michael & Rodney Jerkins -

“Es war meine Sache, die Musik fertig zustellen (für She was Login’ Me) und den Track besser und stärker zu machen“, erklärt Rooney. „Und ich hatte garnicht mehr die Gelegenheit dazu, weil ich so damit beschäftigt war Rodney Jerkins in seiner Arbeit für Michael zu unterstützen.“

Es war nicht vor Januar 2004, bis „A Place With No Name“ wieder hervorgeholt wurde. Jackson wollte es wieder hören und auf Neverland wurden daran ein paar kleinere Edits vorgenommen.

Es wurde nach und nach verbessert,“ sagt Freeze. „Es war ein schrittweises Arbeiten. Er hörte sich die verschiedenen Mixe an und änderte hier und da ein paar Details. Er hatte die komplette kreative Kontrolle. Wir wollten, dass der Song perfekt ist… es war etwa so, wie ein Regisseur versucht, seinen Film zu verbessern, in dem er das Script ändert, oder die Schauspieler wechselt. Das ist die Vorgehensweise, nach der dieser Song erschaffen wurde und das ganze Invincible Album… alles, was ihn interessierte war Nr. 1 Hits zu haben.“

Freezes Statement darüber, dass Michael Hits produzieren wollte, wurde später vom Produzent RedOne, und auch von Jackson selbst wiederholt.

Michael war immer darauf fokussiert, Hits zu produzieren, sagt RedOne, der mit Jackson 2008 und 2009 zusammenarbeitete. „Deshalb nahm er immer viele Songs auf und nahm davon die Besten. Das war seine Formel, und ich mag sie.“

Es war Tchaikovsky der mich am meisten beeinflusste,“ sagt Jackson 2007 in einem Interview. „Wenn du ein Album wie „Nussknacker Suite“ nimmst, ist jeder Song darauf ein Killer, jeder… Die Leute machen Alben, wo du einen guten Song bekommst, der Rest besteht aus B-Seiten. Sie nennen sie „Albumsongs“ und ich habe mir gesagt: ‘Warum kann nicht jeder ein Hit sein? Warum sollte nicht jeder Song so großartig sein, dass die Leute ihn als Single kaufen würden, wenn du ihn veröffentlichen würdest?’ Deshalb habe ich immer versucht, das zu erreichen… Das war die Idee… Ich arbeitete hart dafür.“

Nach den kleinen Edits von 2004 wurde „A Place With No Name“ wieder zurückgelegt bis Mitte 2008, etwa ein Jahr vor Jacksons Tod, erneut daran gearbeitet wurde.

Michael Jackson hatte Lieblingssongs, oder Songs, die im Entstehungsprozess waren,“ sagt Michael Prince. „Als Neff-U für Brad (Buxer) einsprang, als Brad 2008 wieder zu Fliegen begann, brachte Michael ein paar Songs zurück, auch „A Place With No Name“. Und er sagte, ‘Arbeite mit diesem Song. Mal sehen, was dir zu diesem Song einfällt.’ Die Vocals waren also immer die gleichen, aber Neff-U hat sie mit neuer Musik versehen.“

Neff-U hat schon mit Michael, Brad Buxer und mir lange vor 2008 zusammengearbeitet,“ fährt Prince fort. „Ursprünglich kam er schon Jahre zuvor zu Brad nach Hause und arbeitete an Sachen, die nie erschienen sind, wie „Hot Fun In The Summertime“ – ein Song von Sly Stone von 1969. Ich glaube, MJ sang nur ein kleines Stückchen davon, aber sie probierten jede Menge Sachen aus. Neff-U ist sehr talentiert.“

Die Version von „A Place With No Name“, die jetzt geleakt ist, ist die letzte Version, die Michael 2008 hörte und freigab.

Im Vergleich mit der Version von 2004 hörst du, dass in der 2008er Version das Schlagzeug anders ist. Es ist ein anderer Kick-Drum Rhythmus, und die ‘na-nas’ sind vervielfältigt und wiederholen sich im Fade,“ sagt Prince, der persönlich die ‘na-nas’ für Jackson zur Endlos-Schleife verarbeitete.

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Michael & Dr. Freeze -

Die Edits von 2008 wurden alle in Jacksons Home-Studio in seinem Haus in 2710 Palomino Lane in Las Vegas vorgenommen. Zufällig machte Freeze einen Besuch bei Jackson in dessen Home-Studio in Las Vegas, kurz bevor Jackson nach Los Angeles umzog. Die beiden hatten sich erneut zusammengetan, um das nächste Kapitel von Jacksons musikalischer Reise zu besprechen.

Ich war mit ihm kurz vor seinem Tod im Studio,“ erinnert sich Freeze. „Genauer gesagt, erinnere ich mich, dass ich ihn in seinem Haus in Vegas besuchte, und dort war ein Studio… Es wurde nichts aufgenommen, wir hatten nur ein Brainstorming. Wir waren in der Vorbereitung zu Aufnahme-Sessions… Ich bot ihm ein paar neue Songs an, die ich extra für ihn geschrieben hatte. Er mochte die songs sehr,“ sagt Freeze. Das war unser letztes Gespräch. Er sagte ‘I love you’ und voila – es war vorbei. Er wollte die Songs aufnehmen, aber er starb.“

In Folge von Jacksons Tod, wie am Beginn dieses Artikels beschrieben, erschien ein Schnipsel von „A Place With No Name“ online, via TMZ. Es wurde schnell als Remake von „A Horse with No Name“ von America ausgemacht, was die Band dazu brachte, Jacksons Interpretation zu kommentieren.

Wir fühlen uns geehrt, dass Michael Jackson es auswählte, um es auf zunehmen, und wir sind beeindruckt von der Qualtität der Aufnahme,“ sagten die Bandmitglieder Dewey Bunnell and Gerry Beckley in einem Statement zu MTV. „Wir hoffen, es wird bald veröffentlicht, damit Zuhörer auf der ganzen Welt den ganzen Song hören können und einmal mehr die unvergleichliche Brillanz von Michael Jackson erfahren dürfen. Michael Jackson wurde dem Song wirklich gerecht und wir hoffen wirklich, dass seine Fans – und unsere Fans – es als Ganzes hören werden. Es ist wirklich ergreifend.“

Dr. Freeze schwelgte während eines Interviews mit der Französischen Fan-Site MJFrance.com in Erinnerungen an seine Zeit mit Jackson, wovon einige in diesem Artikel zitiert werden.

Er war einfach der wundervollste Mensch, mit dem du zusammenarbeiten konntest,“ erinnert sich Freeze. „Er war sehr bescheiden und sehr kreativ. Er erschuf Klänge, Melodien, Harmonien, von morgens bis abends. Es war schon ein Erlebnis für mich, das mit zubekommen. Ich habe viel gelernt von ihm. Er konnte alles selbst tun. Weißt du, Michael war wirklich ein ‘lebendes Instrument’… Es war wirklich eine besondere Erfahrung für mich. Ich lernte viel von ihm.“

A Place With No Name“ bleibt bis heute ofiziell unveröffentlicht. Dr. Freeze hat bei verschiedenen Gelegenheiten erklärt, dass „A Place With No Name“ und auch „Blue Gangster“ auf dem nächsten Michael Jackson Album enthalten sein werden. „Soweit ich es weiß, ist das bestätigt,“ sagt er, und fügt hinzu, dass das Album für das Frühjahr 2014 geplant sei.

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Übersetzung M.v.d.L.

Komplettes Interview mit Dr. Freeze:  http://all4michael.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=1500&action=edit&message=6&postpost=v2

Interview mit Cory Rooney: http://all4michael.com/2013/02/06/music-michael-interview-mit-chris-apostle-und-cory-rooney/

Song Text (ohne Refrain):

Nimm mich mit zu einem Ort ohne Namen…

 Als ich den Highway entlang fuhr

Begann mein Jeep zu stottern

Ich wußte nicht, was ich tun sollte, hielt an und stieg aus

Ich sah hinunter und bemerkte, dass ich einen Platten hatte

Ich fuhr an die Seite und parkte

damit ich herausfinden könnte, was zu reparieren ist

Ich sah mich um, da waren keine Autos am Highway

Ich fühlte etwas seltsames, wie ein Nebel

Ich lief in Richtung zum Ende der Strasse

und im Nebel erschien eine Frau

Sie sagte, mach dir keine Sorgen, mein Freund, ich werde aufpassen

Nimm meine Hand, ich bringe dich dahin

Als sie mich durch den Nebel mitnahm

erschien eine wunderschöne Stadt

Wo die Kinder spielten und die Menschen lachten und lächelten

und keiner Angst hatte

  

Sie sagte, das ist der Ort, wo kein Mensch Schmerzen hat

Und in Liebe und Glück (ist)

Sie drehte sich um, sah in meine Augen und begann zu weinen

Sie nahm meine Hand, du hast einen Freund

 Sie begann mich zu mögen, zu küssen, zu umarmen

Sie wollte wirklich nicht, dass ich ging

Sie zeigte mir Orte, die ich nie sah; Dinge, die ich nie tat

Dieser Ort sieht wirklich nach viel Spass aus

 Ich sah das Gras und den Himmel und die Vögel

Und die Blumen von Bäumen umgeben

Dieser Ort ist erfüllt von Liebe und Glück

Und um nichts auf der Welt will ich ihn verlassen

Also griff ich in meine Tasche und nahm meine Brieftasche heraus

Mit Bildern meiner Familie und meiner Freundin

Das ist der Ort, den du aussuchtest, um bei mir zu sein

Als du du dachtest, du könntest in einer anderen Welt sein

…Nimm mich mit zu einem Ort ohne Namen…

Neverland ist ein Bewusstseinszustand

Neverland is a Way of Being“

Artikel von Barbara Kaufmann, Übersetzung von Achildsbliss

http://www.innermichael.com/2011/07/neve…a-way-of-being/

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen du erkennst, dass alles sich verändert hat. Ein Baum sieht nicht mehr aus wie zuvor, dir fiel vorher nie auf, wie bemerkenswert die Farbe Blau wirklich ist, das Gezwitscher der Vögel am Morgen klingt unversehens süßer, das Fell deiner Katze ist weicher als sonst, ein Sonnenaufgang wurde über Nacht zum Geigenspiel eines Orchesters und das Lächeln eines Kindes ist mit einem Mal nicht mehr nur melodisch, es wird zu einer Symphonie.

Alles wird verstärkt. Die Dinge fühlen sich wichtiger an. Was uns früher verzückte, besitzt keine Anziehungskraft mehr. Die Menschen, die dir in deinem Leben so wichtig waren, scheinen dir so weit entfernt. In diesem neuen Raum, den du dir erschaffen hast, wird die Geduld, die du mit den Menschen und ihren Marotten hattest, immer geringer und du hast auch keine Lust mehr auf düsteres und oberflächliches Gerede. Und du verspürst auch Trauer darüber, eine Art stiller Resignation.

Es gibt keine Möglichkeit, einen Finger auf diese Wunde zu legen, kein Weg, anderen, die dieses „Erdbeben“, das in deinem Inneren tobt, nicht wahrnehmen können, zu beschreiben. Es war kein gigantischer Zusammenbruch innerer Strukturen oder dass dein Leben in Trümmern läge (es sei denn, es war so), jedoch ist etwas Grundlegendes in deinem Fundament verschoben worden. Das neue Fundament ist noch wackelig und die neue Position könnte, da sie dir so vertraut ist, genauso gut im Wunderland liegen, denn du bist dir ziemlich sicher, dass es dort, wenn du dich umschauen würdest, eine Straße aus gelben Ziegeln gäbe.

Du suchst nach Antworten, doch dein Verstand sperrt sich und erscheint dir fremd, gerade so, als gehöre er einem anderen. Und genau so ist es! Der „Versuch, sich alles rational zu erklären“ funktioniert nicht und bereitet dir tatsächlich Kopfzerbrechen. Es fühlt sich an, als befändest du dich in einem „Zwischen-Raum“, doch du findest keinen Hinweis darauf, was dieser „Zwischen-Raum“ wohl ist oder wo er sich überhaupt befindet. Dieser Ort ist dir seltsam vertraut, doch verstörend zugleich. Es fühlt sich nicht notwendigerweise „schlecht“ oder „falsch“ an, doch du hast das Gefühl, als hättest du gleichsam eine unsichtbare Brücke überquert und als gäbe es von da kein Zurück. Du hast diese Brücke überquert und ja, es gibt von da kein Zurück mehr.

Diese Schieflage ist ein wenig entnervend. Möglicherweise hast du mehr Kenntnisse aus dieser Erfahrung erlangt, doch diese fühlen sich für dich nicht verstandesmäßig an. Sie sind es auch nicht! Es ist nicht einfach nur eine neue Art des Denkens, die Raum schafft für eine neu entdeckte Identität, sondern es ist eine neue Art des Seins, die in deinem Körper und deinem Blut eine neue Heimat findet. Willkommen in einer neuen Erkenntnis! Einem neuen Bewusstsein! Willkommen in der neuen Welt! Willkommen in deiner Wiedergeburt!

nevland

Dies ist auch die Erfahrung, die viele teilten, die Neverland besucht hatten. Ja, dieses Neverland! Auch ich spüre es und ich weiß, dass diese Brücke bereits hinter mir liegt. Selbst die Luft knistert mit diesem Wissen über eine unbekannte Reise, auch sie fragt: Wohin geht sie? Weder Essen noch Trinken verschaffen Befriedigung. Noch wird es ein paar neuer Schuhe oder irgendetwas vom Markt schaffen. Die materielle Lebenswelt ist nun vorbei. Was nun, um Himmels Willen? Um Himmels Willen.

Wir konnten schon früher einen kleinen Blick auf diesen Ort erhaschen, durch Erzählungen, Märchen, Fiktionen, Gedichte oder Fantasiegeschichten. James Hiltons „Shangri-La“ kommt einem in den Sinn, genau wie Camelot, Shamballa, Avalon, Nirwana, das Magische Königreich, der Geheimnisvolle Traum und ja, auch Peter Pans und Michael Jacksons Neverland.

Die Tibeter glauben, dass dieser Ort wahrhaftig in einem Tal im Himalaya liegt. Einige glauben, er läge in den Sphären und müsse sich in der körperlichen Realität noch manifestieren. Die westliche Esoterik der Theosophie verlagert diesen Ort in die Wüste Gobi oder auf den Mount Shasta. Das Christentum bezieht sich lieber auf die Offenbarung der Dreifaltigkeit von Körper, Geist und Seele und die Bibel beschreibt ihn als Garten Eden. Hebräische Schriften stellen einen Bezug zu Melchisedek und seinem Königreich von Salem her. Der Buddhismus nennt drei Offenbarungen und beschreibt sie elegant so:

Dharmakaya, das etwas immer Vorhandenes beschreibt, wurde eher wiedergefunden, als neu erschaffen. Es ist zeitlos und nicht begrenzt durch die Geschichte. Es wird als Lebenskraft oder „Energie des Lebens an sich“ angesehen. Es ist das Feuer, das brennt, aber nie verglüht. Es besitzt eine Ähnlichkeit zum deterministischen Teil der „Kraft, die belebt“ aus der taoistischen Tradition.

Sambhogakaya, das etwas immer Vorhandenes beschreibt, ist der Zustand jenseits des Denkens, in dem das Bewusstsein oder der Verstand eines Menschen auf Dharmakaya eingestimmt ist und zum Ausdruck der Weisheit allen Lebens wird. Es ist die Fähigkeit, auf allen Ebenen zu kommunizieren: verbal, non-verbal, interaktiv und in Beziehung stehend mit allen Formen des Lebens.

Nirmanakaya beschreibt die physische Verkörperung und Anwendung vollkommener Lebenserkenntnisse und seine unzähligen Arten der Kommunikationen und Beziehungen.

Das Erkennen dieses erweiterten Ichs ist magischer Ausdruck eines offenen Geistes und eines aufrichtigen Herzens, es ist die Unendlichkeit dessen, wer wir sind, das magische naturgegebene Sein, das in der eigenen Einsicht unseres Herzens wohnt.

Wir sind so eifrig dabei, diese Erkenntnis irgendwo „da draußen“ zu suchen, etwa in einer traumhaften, übernatürlichen Frau oder einem Mann, irgendwo „dort oben“, dass wir vergessen haben, dass sie hier ist, genau hier und jetzt. Und jedes Mal, wenn wir bestreiten, dass sie da ist, füttern wir ein wenig mehr unsere Angst und zerstören uns die Magie.

Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen. Darum, wer irgend sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, dieser ist der Größte im Reiche der Himmel!“ – Matthäus 18: 3-4

Michael Jackson verehrte Kinder und das Kind in jedem Menschen. Ihn mit Kindern zu sehen, bedeutet, jemanden dabei zu beobachten, der mit etwas umgeht, das er als etwas Heiliges ansieht. Seine Berührung am Kopf oder der Wange eines Kindes ist so, als sei man Zeuge, wie jemand ein geheiligtes Relikt berührt. Und tatsächlich sagte Michael, er sähe Gott im Gesicht eines Kindes. Ich glaube, das tat er; ich möchte das auch sehen. Nicht nur gelegentlich, sondern immer. Diejenigen, die Michael wirklich kannten und kennen, werden dir sagen, dass es so war, immer. Sie werden dir von einem Michael erzählen, der anders war als die Karikatur, die die Medien von ihm zeichneten und anders als die „Kreatur“, die sie rücksichtslos schikanierten, die ihn zuerst entmenschlichten, um ihm dann leichter Qualen zufügen zu können. Das Leid, das ihm durch diesen Fleck auf seinem Namen zugefügt wurde, ist für all jene, die ihn kennen, ihn verehren oder ein Fan von ihm sind, unerträglich. Eines Tages wird die Welt die Wahrheit erfahren und dieser Moment der Vernunft wird den Traum vorantreiben.

WhenBabysSmile

Es ist kein Fehler, dass ein Menschenkind als hilflosestes unter allen Säugetieren geboren wird. Es ist kein Zufall, dass Babies anschmiegsam sind und das Auge erfreuen; sie spiegeln das Licht von dort wider, wo sie herkamen. Kinder sind Wesen, die bedingungslos darauf vertrauen, dass die Erwachsenen um sie herum, sich um sie kümmern, sie ernähren und für sie sorgen werden. Ihre Herzen sind nicht verwundet und ihre Seelen intakt. Sie zeigen keine Vorbehalte in ihrer neugierigen und mutigen Erforschung des Lebens. Und das wichtigste, das Leben enttäuscht sie nicht.

In verpasster Kindheit und frühem Erwachsenwerden aufzuwachsen ist nicht so einfach. Auf diesem Weg gab es vielleicht einige Enttäuschungen; Vertrauen stellte sich möglicherweise als irregeleitet heraus; Liebe wurde womöglich gewichtet oder entzogen, anstatt dass sie bedingungslos geschenkt wurde. Irgendwann fängt das Kind dann an, zu glauben, dass etwas mit ihm selbst nicht stimmt und dann, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Anstatt unbeirrt, sicher und ohne Rast oder Einengung durch die Welt zu segeln, wird diese Welt mit seinem Maßstab für Geborgenheit und Liebe nur mit Unterbrechungen vertrauenswürdig. Schließlich beweist der Tod der Unschuld, der Betrug des Vertrauens und der Entzug der Liebe, dass diese Welt ein unfreundlicher Ort ist und eine Quelle, aus der das Bedürfnis nach Liebe und Nahrung aus Arglist und Manipulation gestillt werden muss. Erfolg wird zum Maßstab für das Können des Seefahrers. Das Kind denkt: „Ich bin nicht genug; es reicht nicht, einfach ich zu sein!“ Das Spiel wird zu: „Wie gut bist du darin, für dich etwas herauszuziehen?“ und nicht „Wie groß ist das aufrichtige Herz, das du der Welt anbietest?“ Es wandelt sich von einem freizügigen Geben in ein Nehmen, koste es, was es wolle.

Wirst du nicht einfach geliebt für das, was du bist, wird Zuneigung abhängig von dem, was du tust. Tu mehr, um mehr zu bekommen oder nimm dir mehr, um mehr zu haben. Das leben wird zur Strategie und die Zeit, in der du tief und entspannt einatmest, ist vorbei. Wenn du glaubst, keine Bedürfnisse mehr zu haben, wird jemand kommen und dich davon überzeugen, dass du sehr wohl welche hast und die Tretmühle Leben beginnt von vorn. Das ständige Bedürfnis, mehr zu haben, führt dich zu dem Glauben, einen Mangel zu erleiden und dies verwandelt die Welt der Nahrung, der Sicherheit und der Liebe in eine Welt des Mangels: „Hier gibt es nicht genug für mich!“ und dies kann schließlich zu einem „Hier gibt es nicht genug für mich, weil ich glaube, dass du meinen Anteil hast“ führen. Der Neid setzt ein. Eifersucht schleicht sich ein. Der Geist des Mangels übernimmt die Stelle des aufrichtigen Herzens und der erfüllten Seele und Neverland ist für immer verloren.

Michael Jackson kannte dieses heftige Verlangen – wir alle müssen nach Neverland zurückkehren. Deshalb hat er es erbaut. Er erschuf es für sein eigenes Kind, das ihm innewohnt, um es mit den Kindern der Welt und den Kindern in uns zu teilen, um uns die Möglichkeit zu geben, diese Magie wiederzusehen, um sie in uns festzuhalten und zu bewahren – für unser magisches Kind, das in allen von uns wohnt. Michael wusste, was geschieht, wenn dieses sorglose kreative Kind zerstört wird. Michael wusste nicht nur, wie er diesen magischen Ort erbauen konnte, er verkörperte das magische Kind.

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Wenn du den Verlust Neverlands kennst, kennst du den Verlust deines eigenen Wesens, deines göttlichen Kindes in dir, das still dahinschied und totgeboren wurde.

Die ganze Menschheit sehnt sich nach diesem Ort – diesem Neverland. Ja, es ist metaphorisch, doch es ist noch mehr als das, es ist archetypisch. Es gehört uns allen. Das gesamte menschliche Bewusstsein spürt das, sehnt sich danach, wartet darauf, sucht danach, möchte daran glauben, doch oft wagt man es nicht. Die Trauer darüber ist eine ungehörte Wehklage, eine quälende Wunde, die nicht geheilt werden kann.

Viele Male wird man von ihr heimgesucht, sie wird zu einem Mysterium und einem Geheimnis und sie haucht dem schöpferischen und phantasievollen Kind neues Leben ein. Das innere Kind, das geliebt werden möchte, schlägt auf der Suche danach in einem Wutanfall um sich. Es führt ein Schauspiel auf, um Aufmerksamkeit zu erheischen oder um sich das, was ihm nicht gehört, einfach zu nehmen, aus Angst, dass sein Neverland für immer verlorengeht. Ohne Befriedigung ihres Bedürfnisses wird die Wut immer lauter und lädt andere mit ein in ihr Drama, das sie erschuf, um sich ihrer Wunden und Schmerzen zu entziehen.

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Wir alle brauchen Neverland. Wir brauchen das magische Kind. Wir brauchten Michael Jackson. Wir müssen näher hinsehen auf das, was Michael Jackson uns lehrte durch das, was er in der Welt war. Wir hatten ihn und wir behandelten ihn schlecht. Wir hatten ihn und wir ließen ihn uns entgleiten. Wir nähren das Tier in uns, während wir das Kind hungern lassen. Wir aßen aus der falschen Schale und versuchten, uns mit etwas anzufüllen… irgendetwas… nur, um die Leere zu füllen. Wir machten uns über jemanden lustig, der uns hätte retten können. Er sang für uns von der Errettung, die wiederkehrt. Er wollte es. Er versuchte es. Und dafür, dass er sich um uns kümmerte, um die Welt und um die Kinder, bestraften wir ihn ohne Gnade. Also müssen wir weiter nach dem verlorenen Kind suchen, das von eigener Hand in die Dunkelheit verbannt wurde.

Wir erkennen und verstehen nicht, was mit uns nicht stimmt. Wir wissen einzig, dass uns etwas fehlte und noch immer fehlt; nur einen flüchtigen Blick darauf konnten wir werfen, doch das veränderte uns für immer. Wir erinnern uns wieder ein klein wenig mehr daran, dass wir in einer Welt ohne Neverland nicht leben können. Wir werden weiter nach Antworten suchen, weiter nach dem suchen, was uns fehlt. Wir werden mehr Wallfahrten zur Sonne machen, Gänge nach Assisi, Reisen durch den Camino, wir werden nach dem neuen Jerusalem, nach Avalon und dem goldenen Gral suchen… während Neverland weiterhin still auf uns wartet.

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Charles Thomson: Die Wahrheit über Michael Jacksons UK-Comeback – WMA London 2006

Die Wahrheit über Michael Jacksons UK-Comeback – trotz heraufbeschworener Buh-Rufe

Übersetzung eines Artikel von Charles Thomson über die falsche Medienberichterstattung zu Michael Jacksons Auftritt bei den World Music Awards in London 2006.

(Conjuring a Chorus of Boos; The Truth About Michael Jackson’s UK Comeback) Originalartikel: http://charlesthomsonjournalist.blogspot.co.uk/2013/11/the-truth-about-michael-jacksons-uk.html

Ich fühlte mich heute dazu veranlasst diesen Blog-Eintrag zu schreiben, denn ich sitze hier vor meinem Computer an genau dem Tag, an dem ich vor 7 Jahren eine Art Offenbarung der medialen Berichterstattung über Michael Jackson erleben durfte. Natürlich hatte ich seinen Prozess sogfältig verfolgt und Gerichtsmitschriften mit den Presseberichten verglichen und war erschüttert über die fürchterlich voreingenommene Berichterstattung. Aber diese Berichte waren oft in Fakten verwurzelt. Die Journalisten hatten einfach Aussagen falsch interpretiert oder – wie in den meisten Fällen, logen sie durch „weglassen“.

Was aber vor 7 Jahren geschah war etwas anderes. Ich war mit eigenen Augen Zeuge einer völlig fingierten Story; die um die ganze Welt ging und Michael Jackson wieder einmal zu einer globalen Witzfigur machte und die sofort als „Fakt“ akzeptiert wurde. Bis zum heutigen Tag lese ich gelegentlich Presseartikel, die dieses fingierte Ereignis beschreiben, als wäre es die objektive Wahrheit. Es wurde in Jacksons Biografie als signifikantes Karriere Ereignis angegeben

Zeuge der Erschaffung dieses Mythos zu sein war eine Erfahrung, die mir seit dem im Gedächtnis geblieben ist. Als enthusiastischer Journalismus Student, stellte es einen schockierenden und traurigen Einblick in die düstereren Machenschaften der Medien dar.

WMA London 2006 Michael Jackson

Am 15 November 2006 trat Michael Jackson beim World Music Award in der Londoner Earls Court Arena auf. Es war sein erster offizieller Auftritt in der Hauptstadt seit seinem Freispruch im Juni 2005 und ich hatte das Glück, dabei zu sein. Einige Fans standen den ganzen Tag an um sich gute Plätze direkt vor der Bühne zu sichern, aber ich musste noch zur Universität und konnte erst Abends nach London fahren. Trotzdem ergatterten meine Freunde und ich problemlos Plätze an der vorderen Absperrung, seitlich, gleich neben dem Mischpult. Einen Teil des Abends verbrachten wir damit, mir den Leuten, die für den Sound und die Security zuständig waren, zu reden, die uns auch sagten, dass sie bei den Proben dabei gewesen waren und gesehen hatten, wie Jackson diesen „rettet-die-Welt-Song“ probte. Wir trafen sogar Katie Melua.

Es schien, als sei jeder dort wegen Michael Jackson. In jeder Pause während der Zeremonie erklangen im Rund der Arena Chöre, die seinen Namen riefen. Andere Performer des Programms, darunter Enya, Beyoncé und Andrea Bocelli, erhielten meist nur verhaltene Reaktionen auf ihre Performance, die oft in lauter werdenden „Michael!“ „Michael!“-Rufen endeten.

Die Nacht wurde von Verzögerungen geplagt. Lindsay Lohan, die als Moderatorin fungierte, verpatzte fast jeden ihrer Sätze und musste ihre Ansagen mehrmals neu aufzeichnen. Der Wechsel zwischen den Auftritten ging langsam vonstatten. An einer Stelle gab es für eine halbe Stunde oder länger mehr oder weniger garnichts zu sehen: eine leere Bühne.

Als Michael Jackson schliesslich erschien um seinen Diamond-Award für den Verkauf von über 100 Millionen Alben entgegen zu nehmen, explodierte der Ort.

Ich habe Paul McCartney gesehen. Ich habe Madonna gesehen. Ich habe Prince gesehen. Ich habe George Michael gesehen. Ich sah nie zuvor oder danach in meinem Leben einen Künstler, der solche Reaktionen hervorrief, wie Michael Jackson in dieser Nacht. Er erhielt den tosendsten, am längsten ununterbrochenen Applaus den ich je sah.

Er blieb für ein paar Minuten auf der Bühne, um zwei kurze Dankesreden zu halten – eine für den Diamond Award und eine für eine Präsentation von Guiness World Records. Während der Reden konnte ich trotz des lauten Soundsystems kaum ein Wort von dem verstehen, was er sagte. Die meisten Künstler erhalten jubelnden Applaus, wenn sie die Bühne betreten und dann beruhigt sich das Publikum wieder. Michael Jackson rief eine Hysterie hervor. Gekreische und Weinen. Ab dem Moment, als er auf der Gallerie erschien, beruhigte es sich nicht mehr, bis zu dem Augenblick, wo er wieder hinter der Bühne verschwand. Es war ein unvergesslicher Anblick.

WMA 2006 We Are The world

Später kam er noch einmal, für eine Art kurze Performance. Er trat unter einer weiteren kakophonischen Begrüßung auf die Bühne, während seine Rekorde brechende Charity-Single We Are The World aus den Lautsprechern schallte. Er sang ein paar Zeilen und schien dann bittend in Richtung des Mischpults zu schauen. Mein Eindruck war, dass die Fans solchen Lärm verursachten, dass er sich selbst nicht hören konnte. Es war wie eines seiner Konzerte in den 80ern. Ich sah wie Körper aus der Menge gezogen und in Rollstühlen weggebracht wurden.

Wenige Minuten später drehten die Sound-Leute komischer Weise den Sound auf, genau als er wieder zu singen begann. Aber egal. Der ganze Platz spielte nur noch verrückter. Es war ein emotionaler Moment, zu beobachten wie ihm nach den Ereignissen des letzten Sommers so ein stürmisches Willkommen bereitet wurde. Nachdem er ein wenig auf dem Verbindungsweg gestanden hatte, der von der Bühne hinaus in die Menge führte,wollte er von der Bühne weggehen, aber als der Jubel anschwoll – denn das Publikum wollte ihn nicht so schnell wieder gehen lassen – blieb er stehen und drehte wieder um. Verspielt hob er einen Finger an die Lippen, als ob er fragen wollte: „Soll ich bleiben, oder soll ich gehen?“ Das Geschrei wurde noch intensiver.

Er stand dort eine Weile, lächelnd, und saugte einfach die Bewunderung auf, erhob dann seine Faust zu einem triumphalen Black Power Gruß. Das getan, drehte er sich um und bummelte gelassen von der Bühne, wobei der Applaus auch weiterhing stark blieb, als er nicht mehr zu sehen war. Es war ohrenbetäubend.

Hier die ganze Performance:

https://www.youtube.com/watch?v=f4rG9g1w2kA&feature=player_embedded

http://https://www.youtube.com/watch?v=h_qOp8l4_9c&feature=player_embedded

Am nächsten Tag war ich zurück an der Universität. Als ich den Gang zu meiner ersten Vorlesung entlang lief, traf ich zwei Studienkolleginnen. Mit bedauernswertem Blick fragten sie mich: „Wie ist es gelaufen?“ Ich begann ihnen von den beeindruckenden Reaktionen zu erzählen, die Jackson erhielt; wie schockiert ich von dem Ausmass dieser ausströmenden Welle war. Es war eines der unbeschreiblichsten Spektakel, die ich je erlebt hatte. Mir fiel auf, dass sie mich jetzt anblickten, als sei ich verrückt. Ich fragte, was nicht stimme und es stellte sich heraus, dass die Medien die Vorgänge dieser Nacht nicht so darstellten, wie sie gewesen waren. Als ich Gelegenheit hatte, ins Internet zu kommen, entdeckte ich, dass viele Berichte behaupteten, er sei von der Bühne gebuht/gepfiffen worden.

Michael Jackson verlies die Bühne letzte Nacht unter einem Pfeifkonzert“, behauptete Tom Bryant vom Mirror. „Die Menge, in Erwartung einer einwandfreien Version seines Songs, buhte den Star aus, der sich dann von der Bühne trollte.“

Trollte sich von der Bühne. Seht das Video oben an. Jackson „trollt“ sich nicht nur NICHT „unter einem Pfeifkonzert“ von der Bühne – er bleibt sogar für mehrere Minuten auf der Bühne, nachdem seine Performance schon zu ende ist, und nimmt die empathischste positive Reaktion entgegen, die ich je zu sehen bekam.

Michael Jackson 2006 London

Julia Kuttner von The Daily Record schrieb eine nahezu identische Story: „Michael Jackson ging letzte Nacht unter einem Pfeifkonzert von der Bühne – nach nur vier Zeilen seiner ersten Performance in den UK seit neun Jahren. Jacko hatte sich Minuten vorher einen Preis bei den World Music Awards in London abgeholt. Aber nach dem er nur den Refrain seiner Charity-Single We Are The World gesungen hatte, hörte er auf und sagte dem Publikum mehrmals „I love you“. Jackson trollte sich von der Bühne, nachdem er von der Menge ausgebuht wurde, die eine einwandfreie Version des Songs erwartet hatte.“

The Evening Standard schritt auch zur Tat. Die Reporter Chris Elwell-Sutton und Valentine Low schrieben: „Sein viel gerühmtes Wiedererscheinen verwandelte sich in ein peinliches Desaster. Seine gesamte Performance bestand aus einer verstümmelten Zeile, vielen verpassten hohen Noten und einem Abgang unter einem Pfeifkonzert des Publikums. „I love you“, sagte er ihnen – ob dieses Gefühl jedoch erwidert wurde, ist fraglich.“

Ich konnte es nicht glauben. Hätte ein skrupelloser Reporter behauptet, Michael Jackson sei von der Bühne gebuht worden, wäre ich nicht so wütend gewesen. Jeder Berufsstand hat seine schwarzen Schafe. Aber dass mehrere Reporter, die an einem Ereignis teilgenommen hatten, bei dem Michael Jackson nachweislich und kategorisch nicht von der Bühne gebuht wurde, dann trotzdem alle Artikel schrieben, dass er es sei, zeigte mir deutlich eine Verschwörung zwischen verschiedenen Parteien, um eine gefälschte Story zu fabrizieren und bestehen zu lassen.

Dieser Mythos ging um die ganze Welt. „Michael Jackson wurde von der Bühne gepfiffen“, das wurde zum größten Lacher bei Panel-Shows und Promi Talk-Shows. Es spornte zu weiteren Geschichten an. Martin Hyde von The Guardian, wiederholte die Lügen, erklärte Jackson zum „Ex King Of Pop“ und behauptete, er habe nur ein paar Zeilen geschaft, bevor „das Ausbuhen begann“. Der Sunday Mirror betitelte eine Folge-Story mit: „Plastik-Freaks Comeback war wirklich diabolisch.“

Sogar Promi-Publizist Max Clifford kommentierte die Lügengeschichte und sagte dem Daily Record: „Das, was ihm als Performer immer zugute kam war, dass er einer der Großen war. Diese Woche hat er dieses Image zerstört. Die Reportagen von den Awards sagen, er sang nur eine verstümmelte Zeile, verpatze mehrere hohe Noten und ging unter einem Buh-Konzert ab. Als Performer war das unbeschreiblich schädlich, und das ist alles, was von ihm bleibt. Ich glaube, Michael Jackson ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen.“

Als ich die Story Jahre später mit Hilfe des Zeitungsarchiv-Service Infotrac neu recherchierte, entdeckte ich etwas Interessantes; eine frühe Reportage des Mirror, der ganz der späteren fabrizierten Story widersprach. In zumindest einer Ausgabe der Zeitung liest sich ein Bericht von Eva Simpson und Caroline Hedley so: „Er ist wieder da! Michael Jackson war der größte Gewinner bei den Awards, wo er seinen ersten öffentlichen Auftritt seit neun Jahren gab. Der Star wurde mit einem Diamond-Award für sein über 100 Millionen mal verkauftes Album Thriller geehrt. Moderiert von Lindsay Lohan, sah das mit Stars gespickte Event im Londoner Earls Court Jacko eine erstaunliche Performance von We Are The World abliefern. Du bist es auf jeden Fall, Jacko.“

So schien es, dass irgendwann eine redaktionelle Entscheidung getroffen wurde, dass die Zeitung, anstatt das zu berichten, was wirklich geschehen war, die Ereignisse der Nacht neu geschrieben hat um das exakte Gegenteil der Wahrheit zu erzählen – und einige andere Publikationen taten genau das Gleiche.

Mir kam es vor, als hätten die Medien schon zuvor entschieden, welche Story man über Michael Jacksons Auftritt in London erzählen möchte – es war nur irritierend, dass er nicht mitgespielt hat. Als sein Auftritt eine riesiege Bewunderungswelle hervorrief – wobei Fans in Rollstühlen abtransportiert werden mussten wie zu seinen besten Tour-Zeiten – passte das nicht zu der von dem Gewerbe vorverfassten Geschichte. Bestimmte Figuren hatten fest beschlossen, dass Jackson der „Ex-King-Of-Pop“ sei. Als der Earls Court tatsächlich wegen ihm so verrückt spielte, wie man es auch 20 Jahre zuvor getan hätte, passte das nicht – also ignorierten sie einfach diese lästige Wendung der Ereignisse und schworen aus dem Nichts ein Pfeifkonzert herauf. Wenn Jackson nicht brav seine Ex-King-Rolle spielen wollte, versuchten sie halt sie zu fabrizieren. Das war das klassische, britische Tabloid-Muskelspiel.

World Music Award 2006 Michael

Die Frustration und die Traurigkeit, die ich an dem Tag spürte, als ich entdeckte, dass diese Lüge absichtlich verbreitet wurde, und die Machtlosigkeit, die ich spürte, als ich einen TV-Moderator nach dem anderen, einen Komiker nach dem anderen dabei zusah, wie sie diesen Blödsinn recycelten, für den Konsum durch Millionen, die nicht vor Ort waren und niemals wissen würden, dass es alles nur erlogen war, überkommt mich jedesmal wieder, wenn ich mich an dieses Debakel erinnere. Es war ein trauriger Tag für den Journalismus – aber dieser Berufsstand hat viele solcher Tage, wenn es um Michael Jackson geht.

Ich weiß nicht, warum ich zuvor nie etwas darüber schrieb, aber ein Freund postete heute zum Jahrestag ein Video des Events auf Facebook. Es wird Zeit, dass jemand die Dinge über diese Täuschung richtig stellt.

……………………………….

Übersetzung: MvdL

Michael Jackson Online Audio-Chat – Interview von 2001

Unbedingt anhören…. Schönes Interview, in dem es viel um Michaels Musik geht, und natürlich um Invincible und die Songs darauf. Und auch sehr schön anzuhören. (Und vielleicht trotzdem hören, auch wenn man nicht alles versteht, aber ihm zu zuhören ist immer noch viel schöner, als nur die Übersetzung des Gesagten zu lesen.)

Am 26. 10. 2001, ein paar Tage, bevor Invincible veröffentlicht wurde, gab es diesen Live-Audio-Chat mit Michael Jackson und Anthony DeCurtis auf GetMusic.com. Zuhörer konnten Fragen zu GetMusic senden, die an Michael telefonisch weitergegeben und beantwortet wurden.  

VIDEO 1:

Anthony: Michael, es ist ein Vergnügen, mit dir zu sprechen.

Michael: Das Vergnügen ist auf meiner Seite.

Anthony: Erzähl uns ein bisschen über das neue Album. Es ist deine erste neue Platte seit sechs Jahren. Bist du immer noch aufgeregt, wenn du etwas rausbringst? Du hast offensichtlich in all den Jahren so viel erreicht. Fühlst du dich immer noch wie “Wow, ich frage mich, was die Leute denken werden” oder… hast du Vorahnungen?

Michael: Ich vergleiche es mit… Es ist wie eine Geburt. Weißt du, es ist wie ein Reifeprozess… es ist wie Kinder zu bekommen und sie groß zu ziehen und ihnen die Welt zu zeigen, und wenn sie einmal in diese Welt hinausgehen, sind sie auf sich gestellt. Also es ist, es ist sehr aufregend. Ich meine, man gewöhnt sich niemals zu sehr daran. Es ist, äh, ein unglaublicher Prozess. Aber man überlässt es Gott, so wie man es tut, wenn man ein Kind bekommt.

Anthony: Absolut. Wir werden schon mit Fragen deiner Fans aus dem Internet überschüttet. Wir haben Electric Eyes – er schreibt: “Michael, du bist in meinen Augen der größte Künstler aller Zeiten. Der wahre King of Pop, Rock und Soul.” Und er will wissen: “Welches Lied auf dem neuen Album gefällt dir am besten?”

Michael: Mein liebstes Lied auf dem neuen Album. Kann ich zwei aussuchen?

Anthony: Äh, ja, ich denke, das kannst du tun. Du kannst tun, was immer du willst.

Michael: Es wäre vermutlich Unbreakable… Ich nehme drei. Unbreakable, Speechless und The Lost Children.

Anthony: Erzähl uns von ein paar dieser Nummern. Du weißt schon, wie war die Arbeit … Ich meine, gab es besondere Gäste, oder hast du mit neuen Produzenten gearbeitet, oder wie du sie geschrieben hast. Du weißt schon, etwas, dass uns Appetit macht.

Michael: Also, der Prozess des Song-Schreibens ist sehr schwer zu erklären, denn er ist sehr spirituell. Es ist … Es ist wirklich in Gottes Hand, und es ist, als sei es schon geschrieben — das ist die Wahrheit. Als sei es schon ganz geschrieben, bevor wir geboren werden, und du bist wirklich nur die Quelle, durch die die Lieder kommen. Wirklich. Denn es gibt … Sie fallen dir einfach in ihrer Gänze in den Schoß. Du musst nicht viel darüber nachdenken. Und ich fühle mich manchmal schuldig, dass ich meinen Namen auf die Lieder schreiben muss, die ich — ich schreibe sie — ich komponiere sie, ich schreibe sie, ich mache die Begleitmusik, ich mache die Texte, ich mache die Melodien, aber es ist immer noch eine … Es ist eine Gottes Werk.

Anthony: Samantha aus Kanada hat uns gerade eine Frage geschickt. Sie würde gerne wissen: “Wie würdest du den Klang von Invincible beschreiben, und hast du andere Genres in das Album aufgenommen?”

Michael: Also, der Klang ist … Klangtechnisch versuchen wir immer sicherzugehen, dass wir, … ursprünglichen, detaillierten, …weißt du, den besten Klang haben, die besten Ingenieure, die besten verfügbaren Techniker. Und natürlich habe ich versucht, das Album zu einem Potpourri aus einfach wundervollen Melodien aller Stile zu machen. Denn ich glaube nicht daran, sich auf einen Musiktyp festzulegen. Ich denke, ein großer Künstler sollte in der Lage sein, in allen Stilen zu schreiben, in allen Formen, alle … alles von Rock bis Pop bis Folk bis Gospel bis Spiritual bis zu einfach wundervoller Musik, die jeder singen kann, vom irischen Farmer bis zur Dame die in Harlem die Toiletten putzt. Man muss es pfeifen und summen können, das ist das Wichtigste.

Anthony: Wenn du arbeitest, hörst du gerne viele andere Musik, oder hörst du Radio und kaufst vielleicht andere CDs? Oder willst du lieber alles ausschließen und dich konzentrieren, du weißt schon, ganz aufmerksam auf das, was du tust, wenn du arbeitest?

Michael: Ich … Ich weiß immer was los ist, im Radio und in den Clubs, denen die Leute zuhören. Obwohl Leute denken, ich lebe in Neverland — mental bin ich die ganze Zeit im Never Neverland — ich bin immer damit verbunden. Ich weiß immer, was in der Musikwelt los ist, die ganze Zeit. Nicht nur in Amerika, sondern international. Du weißt, in der ganzen Welt. Und wenn ich nicht arbeite, ich … ich bin nicht in … Ich denke nicht, dass ich von viel moderner Musik beeinflusst werde. Ich kreiere das, was in meinem Herzen ist. Sehr ursprünglich. Ich versuche so ursprünglich wie möglich zu sein. Ich sage nicht: “OK, ich werde einen großartigen R&B-Song machen, einen großartigen Pop-(song)…” Ich will einfach einen großartigeen Song machen.

Anthony: Als ob das Lied seine eigene Form annimmt.

Michael: Yeah. Ja.

Anthony: Amber schickt dir viel Liebe und fragt, ob es Dir Spaß gemacht hat, das “You rock my world”-Video zu drehen.

Michael: Ja, das hat eine Menge Spaß gemacht. Äh, es war … Wir blieben die ganze Nacht auf, was sehr hart war [kichert]. … es hat Spaß gemacht, es am Set durch richtig gute Lautsprecher laut zu hören. Das ist eines der Dinge, die ich am liebsten tue, die Musik richtig laut hören. Denn ich spiele Musik gerne laut… Wenn Du etwas über das Internet oder durch kleine Lautsprecher spielst, hat es nicht dieselbe Kraft (Effekt/“Punch“). Deswegen muss man es kaufen. Man muss diese CD kaufen, um diesen Effekt wirklich zu hören. Es macht einen großen Unterschied. Es ist nicht zu vergleichen. Die CD zukaufen, ist das beste. Es gibt keinen Vergleich… Man kann nicht alle diese Klänge hören, wenn man es auf einem kleineren System spielt.

chris tucker Michael You Rock My World

Anthony: Also, wenn du draußen am Videoset bist, kannst du es so laut aufdrehen, wie du willst?

Michael: So laut wie ich will.

Anthony: Sehr gut [lacht]. Gut, wir haben hier Michael Mathew aus Kanada. Er sagt: „Ich habe gerade Ghosts auf MTV gesehen. Wie immer, bist du unglaublich, Michael. Gibt es irgendwelche Pläne, Ghosts als DVD in Amerika zu veröffentlichen“?

Michael: Ja, es wird in Amerika vollständig als DVD erscheinen, und auch etwas vom Making of Ghosts. Und das war für mich eine der großartigsten Dinge, die ich je gemacht habe, denn es war seit langem ein Traum von mir etwas zu machen, das, du weißt..gruselig und zugleich komisch ist, und, es enthält alle diese Elemente, es ist einfach Spass. Denn ich will die Menschen nicht so verängstigen, dass sie Angst haben, schlafen zu gehen. Ich will auch einen kleinen Teil Humor mit dabei haben. Sowie in jedem Lachen eine Träne ist, weißt du? („Within the laughter ther’s a tear“) >Anmerkung: Michael bezieht sich auf ein Disney-Zitat: „For every laugh, there should be a tear.’< Es ist nur Spass, weißt du. Diese Geister, sie waren nicht wirklich beängstigend, sie waren witzig. Sie liefen an der Zimmerdecke entlang. Kleine Kinder lachten über sie. Sie waren witzig. …wir wollen niemanden verschrecken. Aber wir haben diesen fetten Mann, diesen Bürgermeister, zur Rechenschaft gezogen, weil er in mein Haus kam, einem privaten Anwesen, und mich verurteilte. Du weißt…

Anthony: Absolut.Wir haben hier Cloudlee2000, der fragt: „Warum hast du das Album ‚Invincible’ genannt“?

Michael: Also Invincbile (unbesiegbar) ist ein… ich denke, es ist ein passender Name. So heißt auch einer der Songs auf dem Album und ich bin Künstler seit… nicht um mir jetzt selbst auf die Schulter zu klopfen, aber das Guinness Buch der Weltrekorde hat mich gerade nocheinmal aufgenommen, als den Künstler, der die längste Karriere vorzuweisen hat, denn seit ich ein kleines, kleines Kind war, bis heute, habe ich immer noch Nummer Eins-Hits, und… ich bin so stolz und geehrt, dass ich vom Himmel, oder von was oder wem auch immer, auserwählt wurde, unbesiegbar zu sein, und einfach immer weiter zu wachsen und, weißt du… den Menschen zu dienen. Es dient den Menschen mit wundervoller Unterhaltung.

Anthony: Eine der Volksweisheiten der Musikindustrie ist, dass Zuhörer keinen wirklich langen Atem mehr haben. Wenn ein Künstler zu lange weg bleibt, wandert das Publikum ab und wendet sich jemand anderem zu. Hat Dich das beschäftigt, eine Platte rauszubringen und Dir eine Weile Zeit zu nehmen, um an Invincible zu arbeiten, oder, äh, bist Du überzeugt, dass die Basis Deiner Fans immer noch da ist und so stark sein wird wie immer?

Michael: Ich… Nein, die Antwort auf Deine Frage ist, dass es mich niemals beschäftigt hat und ich nie darüber nachgedacht habe. Denn ich wusste immer, wenn die Musik wirklich großartig ist, oder ein Film wirklich großartig ist, wollen die Menschen es sehen oder hören. Egal, wie lange du weg warst, oder was immer es ist… Etwas Großes ist etwas Großes (greatness is greatness) und wenn du deine Sache, bei dem was du tust, gut machst, wollen die Leute es hören, oder sie wollen es sehen. Es spielt keine Rolle, wirklich nicht. Solange du innovativ bist, ein Pionier, das ist das Wichtigste. Gib ihnen, was sie hören wollen.

Anthony: Slimslady 420 aus den USA schickt uns eine Frage: „Zu welchem Song auf Invincible hast du die persönlichste Beziehung“?

Michael: Ähm, Unbreakable.

Anthony: Erzähl ein bisschen über diesen Song. Du hast ihn jetzt schon ein paar Mal erwähnt, ich bin jetzt wirklich neugierig geworden. Was kannst du uns darüber erzählen?

Michael: Ich bin wahrscheinlich einer der weniger Menschen im Showgeschäft, die die Hochs und Tiefs von so, von so vielen unterschiedlichen Dingen durchgemacht haben. Ich bin durch die Hölle und zurück gegangen. Und ich bin immer noch in der Lage zu tun, was ich tun will und nichts kann mich aufhalten. Niemand kann mich aufhalten, egal was kommt. Ich höre auf, wenn ich bereit bin, aufzuhören. Du weißt schon, und ich will damit nur sagen, ich werde mich weiter vorwärts bewegen, egal was ist.

VIDEO 2:

Anthony: Nun haben wir hier Warful. „Arbeitest oder planst du an weiten Kurzfilmen für Invincible, besonders für die wirklich schnellen Songs, wie 2000 Watts, Heartbreaker, Unbreakable und Invincible“?

Michael: Absolut, und sie sagte… Wer auch immer das gesagt hat, benutzte mit „Kurzfilm“ das richtige Wort. Und genau das ist es, was wir aus ihnen machen wollen, Kurzfilme: Es soll einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende einer Geschichte geben. Um das Medium auf eine neue Ebene zu bringen. Absolut. Es gibt eine Art Sammlung, eine Enzyklopädie einfach großartiger Kurzfilme, die es für das Album zu machen gilt. Es ist sehr aufregend. Ich kann es kaum abwarten, Threatened zu machen. Das ist ein etwas gruseligerer, mit Rod Serling von der Twilight Zone. Ich kann es kaum abwarten damit anzufangen.

Anthony: Wir haben hier eine Frage von Napolian3, der sagt, dass sein richtiger Name George ist, und er schreibt: „Michael, ich denke dies ist dein stimmigstes und eindrucksvollstes Album seit Thriller. Oder sogar Off The Wall. Was sind für dich die Momente während der Aufnahmen der Songs für dieses Album, an die du dich am liebsten erinnerst“?

Michael: Die unvergesslichsten Momente waren, das war… von allen meinen Alben, würde ich sagen, war das hier das härteste. Denn ich war am härtesten zu mir selbst. Ich habe so viele Songs geschrieben, ich will nicht einmal die Zahl nennen, nur um… wie viele Songs sind da drauf, 16? Nur um auf diese 16 zu kommen, von denen ich denke, sie sind akzeptabel. Und… es ist das Album bei dem… Bei den anderen Alben hatte ich noch keine Kinder, also ich habe mir eine Menge Erkältungen eingefangen; ich war oft krank. Weil meine Kinder waren erkältet und dann bekam ich die Erkältung… Also mussten wir aufhören und wieder anfangen, und aufhören und wieder anfangen und… die ganze Zeit. Aber ich habe es sehr genossen.

Anthony: Also, wenn du dich selbst als hart im Nehmen während des Aufnahmeprozesses beschreibst. Wie geht das, also wie läuft dieser Prozess ab. Wenn du denkst, etwas ist nicht so, wie es sein sollte oder du vielleicht weißt, dass du es besser machen könntest, oder vielleicht etwas in eine neue Richtung lenken möchtest. Wie läuft das ab?

Michael: Wenn ich dir das ehrlich sage, weiß ich nicht, ob die Fans mich noch mögen [kichert]. Ich hatte Musiker, die wirklich sauer auf mich wurden weil ich sie buchstäblich manche Dinge hundert- oder tausendmal wiederholen ließ, bis es so war, wie ich es haben wollte. Aber dann, hinterher, rufen sie mich an und entschuldigen sich und sagen: „Du hattest absolut Recht. Ich habe noch nie besser gespielt, ich habe besser gearbeitet, ich habe mich selbst übertroffen“. Und ich sage: „So sollte es sein, denn du hast dich selbst unsterblich gemacht. Das bleibt für immer. Es ist eine Zeitkapsel.” Es ist wie Michelangelos Werk. Weißt du, es ist wie die Sixtinische Kapelle, es bleibt für ewig. Alles, was wir machen, sollte so sein.

Anthony: Um zu versuchen, es auf dem bestmöglichen Standard zu bringen, den es gibt.

Michael: Absolut.

Anthony: Jetzt fragt Sweetpea4286 fragt: „Gibt es auf dem neuen Album irgendwelche Überraschungen?“

Michael: Irgendwelche Überraschungen? „Oh Boy!“ Ich denke, es ist, was es ist, und du kannst es interpretieren, wie du willst. Ja, das ist alles, was ich darüber sagen kann. Das andere ist… wir werden vielleicht irgendwann ein paar Überraschungs-CD-Singles veröffentlichen – so etwas in der Art, ja. Aber in der Zukunft. Das wird noch kommen.

Anthony: Sehr gut. Ich wollte dich fragen … was Auftritte betrifft … und in letzter Zeit hast du einige Shows gemacht, du hast ein paar im Madison Square Garden gemacht, und du hast eine Show im RFK-Stadion gemacht, ein Wohltätigkeitskonzert, und offensichtlich, weißt du, .. Live-Auftritte waren das, was dich während deiner ganzen Karriere von Anderen unterschieden hat. Du warst jetzt eine Weile nicht mehr auf der Bühne. Ich frage mich, ob du ein bisschen darüber reden kannst, wie es war, wieder da draußen zu sein, vor einem Publikum, und wieder die Möglichkeit zu haben aufzutreten.

Michael: Es war… das ist schwer zu erklären. Es war ziemlich aufregend das Publikum zu spüren und es zu sehen und so herzlich von ihm akzeptiert zu werden …es ist einfach ein unglaubliches Gefühl. Das ist es wirklich. Sie sind da, um dich zu unterstützen, und sie lieben dich, und wollen ihre Lieblingssongs hören und du stehst einfach da, und sie schenken dir einfach so viel Bewunderung und Liebe, und die Stimmung ist einfach voller Liebe.Es ist wundervoll. Es ist sehr emotional. Es rührt mich zu Tränen. Es ist wunderbar.

Madision Square 2001

Anthony: Ich erinnere mich, dass du in deinem Buch beschrieben hast, dass du dich auf der Bühne am lebendigsten fühlst, dass dies diese Momente sind, die dich am meisten vorwärts bringen.

Michael: Es ist so. Abseits der Bühne zu sein, ist schwierig für mich. Wenn ich auf der Bühne bin… Musik oder Gedichte zu schreiben und auf der Bühne zu sein, und Cartoons anzusehen sind meine liebsten Beschäftigungen auf der ganzen Welt. Das macht mich lebendig. Ich liebe das. Das ist es, was mich zu dem inspiriert, was ich tue, weißt du?

Anthony: Ausgezeichnet. Wir haben hier eine Frage von jemandem, der sich selbst The best Dancer in the world nennt. Nun, was das angeht, bin ich mir nicht so sicher, das müssten wir erst einmal testen. Aber wie auch immer, The best dancer in the world möchte wissen: „Michaeljackson.com sagte, dass JayZ mit dir auf dem neuen Album wäre. Ist das wahr“?

Michael: Nein, aber wir sprechen darüber in Zukunft was zusammen zu machen.

Anthony: Ist JayZ ein Künstler, dessen Arbeit du magst, hast du Zeit mit ihm verbracht? Wie ist dein Eindruck von ihm?

Michael: Ich denke, er ist exzellent. Er hat unglaubliche Rhythmen, Gegenrhythmen. Und er ist einfach einer der neun, zeitgenössischen Künstler, den die Kinder wirklich lieben. Er ist wirklich, wirklich großartig.

Anthony: Wir haben hier eine Frage aus Schweden. Tony aus Schweden schreibt: „Hi, Michael. Du bist der faszinierendste Künstler aller Zeiten. Ich liebe deine Musik. Möchtest duwieder touren und wirst du dann eine Welttour oder eine Europatour machen“?

Michael: Ähm, gee, wir haben darüber noch nicht ausreichend nachgedacht, aber … ich will nicht sagen, dass wir nicht daran arbeiten. Wir konzentrieren uns jetzt gerade auf eine Menge unterschiedlicher Dinge. Aber ich kann das noch nicht so genau sagen.

Anthony: Fein. Ich wollte noch fragen…

Michael: Aber weißt du was, in der nahen Zukunft, da bin ich mir sicher, wird so etwas kommen. In der nahen Zukunft.

Anthony: Die Leute sollten also ihre Augen bezüglich solchen Ankündigung offen halten. Wir haben eine Frage von Noria, er oder sie beschreibt sich selbst als einen 32 Jahre alten spanischen Fan, schreibt aus Los Angeles, und würde gerne wissen, ob du irgendwelche Pläne hast, einige deiner Lieder auf Invincible auf Spanisch oder irgendeiner anderen Sprache ausser Englisch zu veröffentlichen.

Michael: Gee, bis jetzt haben wir das nicht, aber das wäre eine großartige Sache. Wir haben das nicht abgeschrieben. Wir denken, es gibt einen großen Markt, also ist das eine großartige Möglichkeit.

Anthony: Besonders für jemanden wie dich, der eine so große internationale Anhängerschaft hat. Du weißt schon, viele Leute haben ihre Anhänger in England oder den USA, aber deine Anhängerschaft ist offensichtlich sehr international.

Michael: Danke schön.

Anthony: Erzähl ein bisschen… Eines der Dinge die eine Art kleine Sensation in diesem Jahr waren, war das Cover von Smooth Criminal durch Alien Ant Farm. Ich würde gerne wissen, ob das deine Beachtung fand, …. hast du es genossen, oder wie denkst du darüber?

Michael: Ich habe es gesehen und mich darin verliebt. Ich liebte es. Ich sagte, das muss einfach herauskommen. Sie wollten also meine Erlaubnis und ich sah es, hielt es für gut und gab ihnen ein „Triple A“, und sagte: „Legt los.“

Anthony: Fantastisch. Es muss für einen Songschreiber interessant sein, wie andere Leute die eigenen Songs neu interpretieren. Was ist das für ein Gefühl?

Michael: Es ist ein großes Kompliment. Es ist ein wundervolles Kompliment. Es gibt dir das Gefühl, es wert zu sein, und du weißt, dass deine Musik alle unterschiedlichen Generationen erreicht. Weißt du, all die unterschiedlichen…. jeder da draußen hört zu, und das macht mich sehr glücklich.

Anthony: Jetzt haben wir eine Frage aus Kanada. Gary, 19 Jahre, schreibt: „Mit welchen anderen Künstlern hast du für Invincible zusammen gearbeitet?

Michael: Mit welchen anderen Künstlern ich für Invincible zusammen gearbeitet habe…

Anthony: Gibt es da irgendwelche besonderen Gäste?

Michael: Oh ja, Carlos Santana. Er und ich, wir haben eine Art Duett gemacht. Er spielt die Gitarre und ich singe und es ist etwas, das wir geschrieben haben. Und es ist wirklich, wirklich einnetter Song.

Anthony: Kanntest du ihn schon seit Langem oder hast du ihn erst kürzlich kennengelernt?

Michael: Ich hatte ihn schon vorher getroffen, aber wir haben in der letzten Zeit sehr viel telefoniert. Nachdem er seinen Grammy Award gewonnen hatte sagte er in der Presse, dass er mich gerne treffen würde und er bereit wäre, mit mir zu arbeiten. Man hat mir das erzählt und ich habe ihn dann angerufen und er sagte, er würde das wirklich gerne machen, für ihn würde sich ein Wunsch erfüllen. Und er war der netteste Mensch. Er ist so nett und sehr spirituell. Ich empfand ihn als so bescheiden, also sagte ich zu mir, wir müssen das einfach machen.

Anthony: Und dann habt ihreinen Song zusammen geschrieben?

Michael: Ja, da gibt es einen Song, den ich mit zwei anderen Leuten geschrieben haben, und er war Teil davon, und… Whatever Happens.

Anthony: Okay… Wir haben eine Frage von Anicia: „Michael, bist du ein Fan von Chris Tucker?“ Er hat doch in deinem letzten Video mitgespielt.

Michael: Ich bin ein riesiger, riesiger Fan von Chris Tucker. Er bringt mich derart zum lachen. …Ich habe alle seine Filme gesehen, und er ist einfach ein lustiger Typ. Ich mag Leute, die dich zum Lachen bringen können ohne vulgär zu sein, oder schlimme Wörter zu benutzen. Für die Kinder, aus allen unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und von überall auf der Erde, und er ist einfach ein lustiger Typ.

VIDEO 3:

Anthony: Wir haben eine weitere Frage aus Kanada. Tony, 17, aus Kanada schreibt: „Wie lange dauert es, bis du einen Song vom ersten Konzept zur endgültigen Aufnahme produziert hast?“

Michael: Also…

Anthony [lacht]: Ich denke, es variiert wahrscheinlich…

Michael: Yeah, es variiert. Und bei mir ist das wirklich anders als bei den meisten Künstlern, denn ich schreibe eine Anzahl Songs, vielleicht 5, 6, 7, oder 8 oder 10; dann verwerfe ich sie alle und fange wieder von vorne an. Also ist das eine schwierige Frage für mich.

Anthony: Ich frage mich, ob… gibt es einen spezifischen Song auf dem Album – sagen wir Invincible – wie lange… erinnerst du dich an die erste Inspiration für diesen Song und wie du dann vielleicht eines Tages sagen konntest: „Das ist es, jetzt habe ich ihn genau so hinbekommen, wie ich ihn haben wollte“?

Michael: Für Invincible?

Anthony: Hmhm.

Michael: Ähm… Ja. Ich erinnere mich daran, dass ich die Jungs zurück geholt habe um etwas innovativeres zu erschaffen… Weil wir nicht… das ist unser Ding, wir haben nicht,…eine Menge der Klänge auf dem Album sind keine Sounds, die von Keyboards stammen, …die schon dort hinein programmiert waren. Wir gehen raus und machen unsere eigenen Sounds. Wir schlagen auf Dinge, wir klopfen auf Dinge, niemand kann kopieren, was wir machen. Wir machen sie mit unseren eigenen Händen, wir finden Dinge, und wir kreieren Dinge. Und das ist das Wichtigste, ein Pionier zu sein. Innovativ zu sein.

Anthony: Absolut. Nun haben wir hier Vernay aus Newark, Delaware, schreibt: „Ich bin so begeistert von dem neuen Album, aber ganz besonders berührt hat mich Speechless. Wie wurdest du zu diesem Song inspiriert?“

Michael: Speechless wurde inspiriert von… ich verbringe viel Zeit im Wald. Ich mag es, in den Wald zu gehen, und ich liebe es, auf Bäume zu klettern. Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, auf Bäume zu klettern. Hinauf in die Spitze eines Baumes und dann hinab zu sehen auf die Äste. Immer wenn ich das tue, inspiriert es mich zu Musik. Und dann sind da diese beiden süßen, kleinen Kinder, ein Mädchen und ein Junge, und sie sind so unschuldig; sie sind der Inbegriff von Unschuld, und einfach nur in ihrer Gegenwart zu sein, lässt mich mich total sprachlos fühlen, denn ich hatte das Gefühl, in das Antlitz Gottes zu sehen, wann immer ich sie sah. Sie haben mich zu Speechless inspiriert.

Anthony: Diese Antwort geht vielleicht auch schon in unsere nächste Frage über, welche lautet: „Woher bekommt du deine Inspiration, wenn du deine Songs schreibst. Bekommst du die Inspiration von vielen verschiedenen Dingen?“

Michael: Die besten Songs, die ich schrieb, haben sich selbst geschrieben. Du bittest nicht darum, sie fallen dir einfach in den Schoß. Dann gibt es da noch die Songs, die… die du quasi, ausbrütest. Weißt du, du pflanzt den Samen, überlässt sie dem Unterbewusstsein während du hoffst, dass etwas damit passiert, und meistens passiert es auch. Ich glaube nicht an das Konzept der Schreibblockade – das ist ein schlechtes Wort. Du erfindest es, wenn du es sagst. So etwas gibt es nicht. Wie jeder Maler oder Bildhauer, sie malen… sie machen ihre besten Arbeiten wenn sie 60 oder 70 Jahre alt sind. Fred Astaire machte seine besten Tänze, als er 70 war. Michelangelo arbeitete bis weit in seine Sechziger und Siebziger hinein, und er erschaffte brillante, geniale Werke. Aber im Musikbusiness haben manche dieser großartigen Künstler ihre Fähigkeiten verloren, weil sie sich bereits in frühen Jahren selbst missbraucht haben, sie trinken diese verrückten Dinge und schluckten Pillen… das ist einfach nicht gut… einfach keine gute Sache. Ich hasse es, das zu sagen und ich möchte niemand verletzen, aber wir sollten ein bisschen besser auf unseren Körper achten.

Anthony: Ja, ich denke viele Leute haben inzwischen begriffen, dass sie sich selbst kaputt gemacht haben. Weißt du. Viele Leute haben in den letzten Jahren darüber gesprochen.

Michael: Yeah.

Anthony: Jetzt haben eine Frage von Allen, der fragt, ob du glaubst, dass Rodney Jerkins und du einen neuen Sound für 2001 erschaffen haben.

Michael: Für den Song 2000 Watts?

Anthony:Er fragt: „Glaubst du, dass du mit Rodney Jerkins, natürlich dem Produzenten, einen neuen Sound für 2001 erschaffen hast?“

Michael: Für 2001?

Anthony: Ja.

Michael: Oh…. das wäre ein netter Gedanke, ja.

Anthony: Wie war es, mit ihm zusammen zu arbeiten. Wie habt ihr Typen euch getroffen und, du weißt…, wie lief das mit eurer Zusammenarbeit?

Michael: Er war dieser Typ der durch ganz Hollywood rannte und durch die Musikindustrie und zu jedem sagte, dass es sein Traum wäre, mit mir zu arbeiten. Dann sagte Carol Bayer Sager zu mir, in ihrem Haus – sie ist diese großartige Songschreiberin, die mehrere Academy Awards für ihr Songschreiben gewonnen hat: „Da ist ein Typ, mit dem ich zusammen gearbeitet habe. Sein Name ist Rodney Jerkins, er hat mich unter Tränen angefleht, dass er dich treffen möchte. Ich meine, warum nimmst du nicht das Telefon und sagst „hi“’ zu ihm.“ Und er kam noch an diesem Tag rüber und er sagte: „Bitte, es ist mein Traum, mit dir zu arbeiten. Gib mir zwei Wochen und ich zeige dir, was ich machen kann.“ Und… es endete damit, dass wir zusammen arbeiteten.

Rodney Jerkins

Anthony: Und was für Eindrücke hattest du von ihm? Was hat er mitgebracht? Was war dein Gefühl, was sein Beitrag war?

Michael: Was er beitrug war, dass er liebt, auf die gleiche Art und Weise etwas zu erschaffen, wie ich. Aber ich pushte Rodney. Und pushte und pushte und pushte ihn dazu, etwas zu kreieren… zu mehr Innovationen. Mehr Pionierarbeit zu leisten. Er ist ein echter Musiker. Er ist ein echter Musiker und er ist sehr hingebungsvoll und er ist wirklich loyal. Er hat Ausdauer. Ich glaube nicht, dass ich solche Ausdauer wie bei ihm, jemals zuvor bei jemandem gesehen habe. Denn du kannst ihn fordern und pushen, ohne dass er wütend wird. Ja, ich denke, er ist ein großartiger Typ, das ist er wirklich.

Anthony: Das ist ein großes Kompliment.

Michael: Und Teddy Riley ist auch einfach unglaublich. Er ist auch innovativ. Ich liebe es auch, mit ihm zu arbeiten.

Anthony: Und du hast natürlich auch schon in der Vergangenheit mit ihm gearbeitet.

Michael: Ja, er ist einer meiner Liebsten… als Mensch ist er einer der mir liebsten Menschen auf der Welt. Er ist einfach ein wirklich süßer, netter Typ, weißt du. Und Rodney ist sehr witzig. Du lachst den ganzen Tag, wenn du mit ihm zusammen bist. Er dreht seine Musik im Studio auf und fängt an, durch den Raum zu tanzen. Er ist lustig.

Anthony: Wir möchten euch noch einmal daran erinnern, dass ihr hier bei Getmusic seid. Wir sprechen mit Michael Jackson, dessen neues Album Invincible am 30. Oktober erscheint. Ihr könnt es auf Michaeljackson.com ausschecken. Ihr könnt es bei Getmusic vorbestellen. Nun haben wir hier eine Frage von ItsJackson, die in Wirklichkeit Rachel aus Connecticut ist. Sie fragt: „Gibt es irgendwelche neuen Tanzschritte, die du entwickelt hast, während du an deinem neuen Album gearbeitet hast?“

Michael: Das erstemal, dass ich an irgendeinem Album arbeite, pausiere ich mit dem Tanzen. Denn ich war einfach so vertieft und vernarrt, in das was ich tat; ich machte etwas, was sehr ungewöhnlich war. Aber sobald die Musik anfängt zu spielen, fange ich natürlich an zu tanzen. Aber… es ist so, dass es sich selbst erschafft, und während die Musik spielt, fallen mir neue Dinge ein. Aber das wird alles in der Zukunft in den neuen Kurzfilmen zu sehen sein. Ihr werdet es sehen… ihr werdet alle möglichen Arten von innovativen Dingen und Bewegungen sehen, die ihr noch nie zuvor gesehen habt. Wir gehen an Orte, an denen wir tänzerisch noch nie zuvor gewesen sind. Denn all diese Hiphop-Dinge, die jetzt gerade stattfinden, fangen an wie Aerobic auszusehen, das wird wirklich lästig.

Anthony [lacht]: Wir haben eine Frage von Simon, der… du weißt, du hast gerade all die Leute erwähnt, die mit dir arbeiten wollten. Er fragt: „Michael, mit wem würdest du gerne ein Duett machen, in der Vergangenheit oder der Gegenwart?“

Michael: Ähm…, wenn es in der Vergangenheit wäre, dann wäre es jemand wie, …ich würde sagen Sarah Vaughn oder Nat King Cole. In der Gegenwart – ich denke, … Whitney Houston ist brillant und Barbara Streisand hat eine wunderschöne Stimme. Weißt du, diese Art von Künstlern, sie sind einfach wundervoll.

Anthony: Was ist dein Eindruck von einigen der Künstler, die erst in den letzten Jahren in die Szene kamen, weißt du, wie Britney Spears und Christina Aguilara. Du weißt, junge Popstars, die offensichtlich sehr populär sind. Du weißt… Britney Spears hat ja an deiner Show teilgenommen, im Garden, was denkst du über sie?

Michael: Ich denke, sie sind wie eine neue Art, die sich jetzt entwickelt. Sie machen einen sehr guten Job. Und was mich noch viel mehr an diesen Künstlerinnen, wie Spears und Christina beeindruckt, ist, dass sie so zielstrebig sind. Ich habe gehört, wie sie arbeiten. Ich meine, sie arbeiten monatelang an einem Tanzschritt,… um ihn auszufeilen, weißt du. Ähm, sie sind einfach so zielstrebig. Und ich habe… ich habe Britney mehrere Male getroffen und sie ist sehr süß und bescheiden. Sie kam zu meinem Zimmer und wir haben uns stundenlang ganz ruhig unterhalten, und sie war einfach, ähm…wie eine Barbie-Puppe. Sie war sehr süß, sie war sehr freundlich.

VIDEO 4:

Anthony: Ich kann mir vorstellen, dass jemand wie du eine interessante und wichtige Quelle für sie ist, als jemand, der schon ein Star war, als du noch so jung warst und dann als… Ich glaube nicht, dass die Leute unbedingt verstehen, was für eine Art merkwürdige Realität das ist, bei all dem Beifall und dem Ruhm und der Aufregung, ein Kind zu sein und all diese Aufmerksam auf sich gerichtet zu wissen, das muss für dich auch irgendwie beängstigend gewesen sein. Hast du es auch so empfunden, so wie du es wahrgenommen hast?

Michael: Yeah, denn wo ich immer hingehe, verkleide ich mich, jetzt – aber jetzt kann ich das nicht, wegen, du weißt schon, wegen dem, was in der Welt los ist – also trage ich keine Verkleidung. Und die Leute… Sie spielen wirklich verrückt. Sie sind so glücklich, dich zu sehen. Sie glauben, sie kennen dich. Du musst auf sie reagieren, als würdest du sie kennen. Sie glauben, sie kennen dich persönlich. Meine Bilder hängen an ihren Wänden, weißt du, meine Musik läuft in ihrem Haus, also fassen sie dich an und umarmen dich und berühren dich und sie… Also antworte ich gewöhnlich auch mit Umarmungen und Küssen. Denn ich liebe… ich liebe… ich liebe meine Fans wirklich. Wirklich, wirklich, von ganzem Herzen. Das ist die volle Wahrheit. Ich liebe sie. Und diejenigen, die, ähm… Also, wenn wir in ein bestimmtes Land gehen und sie sind da draußen, und schlafen draußen auf der Straße, und ich werfe ihnen Kissen und Decken und alles zu. Und ich lasse ihnen von meinen Sicherheitsleuten Pizza kaufen, damit sie alle essen können, und besorge die Kerzen und… wir kümmern uns wirklich um sie. Sie sind sehr, sehr, sehr süß und unterstützend.

Anthony: Sam, der 20 Jahre alt ist und aus Texas hier in den Vereinigten Staaten kommt, fragt: „Wirst du Butterflies als Single veröffentlichen? Das ist einer deiner besten Songs.“

Michael: Butterflies ist die Single, die jetzt veröffentlicht wurde. Es ist jetzt eine Single. Sage ihm, dass ich ihm sehr danke.

Anthony: Großartig. Welche Pläne hast du noch, also wenn du… Als jemand, der eine Art Wegbereiter in Bezug auf Kurzfilme als Begleitung deiner Songs ist, konzipierst du diese Dinge die ganze Zeit über gedanklich, oder entscheidest du dich auf einer Schritt-für-Schritt-Basis, weißt du, „dies wird die nächste Single werden und ich will, du weißt schon, eine Art visuelles Statement abgeben, um sie zu begleiten“. Wie geht das alles vor sich?

Michael: Der Kurzfilm ansich?

Anthony: Ja.

Michael: Nun, ich lasse den Song im Wesentlichen selbst zu mir sprechen, und ich gehe in ein Zimmer und fange an, mir Notizen zu machen… Weißt du, ich spreche mit einem Autoren – wie Stephen King und ich, wir beide haben Ghosts – den Kurzfilm Ghosts – geschrieben, und wir haben einfach am Telefon damit begonnen, ihn zu schreiben, und ihn sich selbst entwickeln zu lassen und dann dahin gehen lassen, wo er uns hinführte. Aber wir versuchen auch sehr ungewöhnliche Dinge zu tun. Und es ist… es ist nicht so einfach, denn du musst das Timing dem Song anpassen, und du kannst dich nicht zu lange daran aufhalten, und die Umsetztung der Special Effects kann manchmal 5 Monate brauchen. Also ist es… es ist schon eine komplizierte Sache, und die Plattenfirma sagt:„Los, macht schon, macht schon, macht schon, wir müssen loslegen, wir müssen loslegen“. Das verstehe ich. Also versuchen wir das Beste zu erschaffen, was in der Zeit, die uns zur Durchführung zur Verfügung steht, möglich ist.

Anthony: Wir haben hier jetzt eine Frage von Helen aus Schottland: „Wenn du nur einen einzigen deiner Songs für den Rest deines Lebens performen könntest, welcher wäre das und warum?“

Michael: Ooh, das wäre wohl… wenn ich mehr wie einen auswählen könnte, so zwei oder drei?

Anthony: Yeah, ich denke, so weit können wir gehen.

Michael: Heal the World, Speechless, ähm, und das ist schwierig… Ich denke, ähm … huh… You are my Life.

Anthony: Somit hast du dich für die entschieden, die… die sozusagen die größten Botschaften enthalten, so scheint es mir.

Michael: Ja, denn der Punkt ist, dass sie sehr melodisch sind und eine großartige, wichtige Botschaft haben, die quasi unsterblich ist, die sich auf jede Zeit und jeden Ort beziehen kann, weißt du.

Anthony: Eines der Dinge, die ich dich noch fragen wollte ist, … wir hatten diese, du weißt schon, entsetzlichen Terror-Anschläge hier in New York City und Washington, DC. Was ist deiner Meinung nach die Rolle, die ein Künstler in dem Sog solcher Ereignisse spielen sollte. Weißt du, ich meine, du hast diese Benefiz-Show in Washington gemacht. Gibt es da mit Musik… du weißt schon, können Künstler etwas tun, was den Menschen dabei hilft, das zu überwinden, was für viele von uns eine sehr schwierige Zeit war?

Michael: Ja, du gibst etwas von dir selbst. Du gibst etwas von deinem Talent, deinen Fähigkeiten, von dem Talent, das dir vom Himmel geschenkt wurde. Deshalb sind wir hier, um die Möglichkeit für etwas Escapismus zu geben, in Zeiten, wo es gebraucht wird. Und wenn du ein Maler bist, malst du; wenn du ein Bildhauer bist, formst du; wenn du ein Autor bist, schreibst du; wenn du ein Songschreiber bist, dann machst du Songs; wenn du ein Tänzer bist, dann tanzt du. Du gibst den Menschen einfach etwas Liebe und etwas Glückseligkeit und etwas Escapismus, und du zeigst ihnen, dass du wirklich von ganzem Herzen besorgt bist und für sie da bist. Nicht nur aus der Distanz, sondern du zeigst ihnen, dass du dich wirklich sorgst. Weißt du, nimm den ganzen Weg auf dich und sei für sie da. Das ist, was ich und viele andere, die sich kümmerten und halfen, getan haben. Und es ist eine wichtige Sache.

Anthony: Wir haben hier jetzt eine Frage von Chili Boy. „Ich wollte schon immer wissen, wie kommst du auf einen Tanzschritt und wie lange dauert es, die Choreographie für einen Song zusammen zu stellen?“

Michael: Eigentlich gehe ich meistens in einen Raum und fange an zu tanzen, und… ich erschaffe den Tanz nicht, der Tanz erschafft sich selbst, wirklich. Wenn ich etwas mache und dann schaue ich mir das später an auf Band an und ich denke: „Wow, ich habe garnicht realisiert, das ich das getan habe.“ Es entstand durch die Trommeln. Du wirst zu… Beim Tanzen geht es um Interpretation. Du wirst… du wirst der Begleiter der Musik. Wenn du zum Bass in Billie Jean wirst, da konnte ich einfach nicht anders, als die Schritte zu machen, die ich mache wenn der Song beginnt, denn das ist, was er mir sagte. Weißt du, wenn ich mich umdrehe, eine Drehung mache, stoppe, meine Beine zur Seite bewege und dann den Kragen meines Hemdes aufstelle, dann ist das die Begleitung für diesen Augenblick.

billie jean

Anthony: Ich erinnere mich, diesen Moment im Fernsehen gesehen zu haben und es hat mich vom Stuhl gehauen. Es war so besonders.

Michael: Vielen Dank.

Anthony: Das war einer dieser wirklich großartigen, großartigen Momente.

Michael: Und das ist alles spontane Bewegung. Nichts in diesem Stück, in Billie Jean, war geplant, bis auf den Moonwalk. Alles andere war einfach improvisiert, wirklich.

Anthony: Wir haben eine Frage von SJChams: „Denkst du, du wirst noch ein Duett mit Janet machen?“

Michael: Ich würde es gerne! Es hängt von dem Song ab, von der Zeit. Denn sie in der einen Ecke der Welt ist, bin ich in einer anderen. Es ist ziemlich selten, dass sich unsere Wege kreuzen. Deshalb ist das nicht einfach, weil wir beide sehr beschäftigt sind. Aber es wäre sehr nett. Ich liebe es, mit ihr zu arbeiten. Sie ist wirklich sehr professionell und eine wunderbare Schwester.

Anthony: Ausgezeichnet. Hier haben wir Shik 33, der fragt: „Wer war dein Idol als du ein Kind warst?“

Michael: Ich war immer völlig verrückt nach… ich meine… in Indiana, als ich 5 Jahre alt war, ich habe geschlafen und es konnte spät in der Nacht sein, um 1 Uhr morgens, und ich erinnere mich, dass meine Mutter in mein Zimmer rannte und rief: „Wach auf, wach auf! James Brown ist im Fernsehen! James Brown ist im Fernsehen!“ Oder: „Sammy Davis Jr. spielt gerade“ oder „Fred Astaire! Sie zeigen gerade einen guten Fred Astaire-Film.“ „Gene Kelly läuft gerade!“ Und ich saß dann da, mit großen Augen war einfach… ich war völlig ehrfürchtig, und schaute nur zu. Und als die Videos herauskamen, hatte ich eine Sammlung. [kichert]

Anthony: Yeah, ich verstehe, du hattest eine aussergewöhnliche Sammlung alter Filme von all diesen Künstlern, die du mochtest und der musikalischen Performances der Künstler, die du bewundert hast. Erzähl uns was ein bisschen davon und von all dem Zeug was du hast, und das du dir gerne anschaust.

Michael: Oh, ich mag es, also bevor ich irgendetwas mache, egal in welcher Situation, liebe ich es zunächst einmal die gesamte Geschichte davon zu studieren, bevor ich den ersten Schritt in Richtung einer Neuerung mache. Ich liebe es all diese Vaudevillians zu studieren, die aus dieser Ära stammen, auch wenn sie noch gar kein Fernsehen hatten… aber sie sind dann später ins Fernsehen (in Fernsehproduktionen) übergegangen. Ich liebe Leute wie Jackie Gleason, Red Skelton, ich bin verrückt nach den 3 Stooges, alles von Walt Disney… Und was Performer betrifft, da liebe ich Anthony Newley, und – wie ich scghon sagte – Jackie Wilson, James Brown. Sie sind unbeschreiblich! Ich meine, als James Brown noch bei „James Brown and the Famous Flames“ war, da war er so unbeschreiblich, ich habe ihm zugesehen und geweint. Ich weinte während ich ihm zu sah. Ich habe niemals wieder eine Person so performen sehen, nie wieder.

Anthony: Es muss für dich außergewöhnlich gewesen sein, als du jung warst und Platten aufgenommen hast und einige deiner Idole treffen konntest, das muss eine sehr beeindruckende Erfahrung gewesen sein.

Michael: Oh, ja… das war es wirklich. Und sie sagen zu hören, dass sie mich unglaublich fanden, wo ich mein Leben lang gedacht hatte, sie wären die Besten. Das war das beste Kompliment, was ich bekommen konnte und mir könnte kein Award verliehen werden, der das übertreffen würde. Wenn Fred Astaire oder Gene Kelly, die ich sehr gut kenne, oder Frank Sinatra, mir erzählten, dass ich… dass sie dachten, ich sei erstaunlich und ich hätte eine erstanliche Karriere vor mir… Das sagten sie zu mir, als ich ein Kind war, denn sie waren meine Nachbarn. Sie lebten in meiner Nähe. Und ich fühlte mich sehr geehrt und glücklich, solche Worte von diesen Legenden zu hören.

Anthony: Das muss sehr ermutigend gewesen sein.

Michael: Ja, sehr.

VIDEO 5:

Anthony: Jetzt haben wir M.Agrice, die in Wirklichkeit Margaret aus den Niederlanden ist, eine 26 J. alte Frau, die fragt: „Stimmt es, dass du bei Men in Black II mitspielst, und wirst du einen Soundtrack für diesen Film aufnehmen?“

Michael: Ich denke nicht, dass wir einen Soundtrack machen werden, aber ich habe einen Gastauftritt, ein Kurzauftritt, in Men in Black II, und wir warten auch auf Teil III. Und es machte eine viel Spaß und war aufregend. Und es ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme… ich bin ein großer Men in Black-Fan. Ich liebe es sehr.

Mj Men In Black II

Anthony: Und wolltest du nicht auch… Also, soweit ich es verstanden habe, wirst du außerdem The Nightmare of Edgar Allen Poe machen. Kannst du uns ein bisschen davon erzählen?

Michael: Ja, das kommt jetzt. Es geht um den großartigen amerikanischen Autor Edgar Allen Poe.

Anthony: Ein eher furchteinflössender Typ…

Michael: Er ist sehr diabolisch, und sehr düster… Aber er war ein Genie und sein persönliches Leben war sehr interessant, und darum geht es, weißt du. Wie er war, weißt du… Was er durchmachen musste, um dieses geniale Werk zu erschaffen. Es ist eine großartige Geschichte. Und wo wir gerade dabei sind, ich möchte, dass die Fans wissen, dass alle Boulevardblätter verbannt werden sollten. Glaubt nichts, was ihr in einer Boulevardzeitung gelesen habt. Es ist Müll und es ist Schrott. Wir sollten die Tabloids verbrennen, einen großen Berg daraus machen und ihn anzünden.

Anthony: Das habt ihr hier aus erster Hand von Michael Jackson gehört.

Michael: Verschwendet eure Zeit nicht damit. Es ist dumm.

Anthony: Nun haben wir hier Rapmaster JA, der eigentlich Jason aus Illinois ist. Er schreibt: „Michael, du bist zweifellos der großartigste Künstler der Weltgeschichte. Wie machst du den Moonwalk. Das ist der coolste Tanzschritt, den ich je gesehen habe.“

Michael: Gee, das ist am Telefon schwer zu erklären. Ich liebe Bewegungen und Tanzen. Es ist wie gleichzeitig vorwärts und rückwärts zu laufen, aber laufen, sondern es ist, als wäre man auf einem Fließband. Und es ist schwer zu erklären. Wenn er hier bei mir wäre, dann könnte ich es ihm mit meinen Fingern oder meinen Füßen vormachen, aber so… Vielleicht kann er es am Ende des Jam-Videos sehen, wo ich versuche Michael Jordan Schritt für Schritt zu zeigen, wie es geht. Ich glaube, es ist das einzige Mal, dass ich das gezeigt habe.

Anthony: Jetzt haben wir hier Mark the Shark der fragt: „Wie machst du diesen Lean im Video zu Smooth Criminal ?“

Michael: Oh, der Smooth Criminal-Lean… Das passierte… es war mitten in den Dreharbeiten und es war nicht… ich habe es in genau diesem Augenblick choreographiert. Wir brauchten eine Stunde, um es auszuarbeiten. Es ist ein Special Effect, wir lehnen uns soweit vor wie wir können und den Rest macht das Fließband.

Anthony: Nun fragt Glenn aus Toronto, Kanada: „Fühlst du eine besondere, spirituelle Energie, wenn du auftrittst, fühlst du dich dann mit einer höheren Kraft verbunden? Denn das ist, was viele spüren, wenn sie dich live sehen.“

Michael: Genau das ist es, du bist mit einer höheren Quelle verbunden und du gehst einfach mit dem Moment und wirst eins mit dem Spirit. Ich will nicht religiös oder so klingen, aber es ist sehr spirituell… schon etwas religiöses, und es ist ein Geschenk Gottes und du gehst einfach mit. Und ich fühle mich sehr geehrt, dass ich es bekommen habe. Und es ist eine Freude, Eins mit dem Publikum zu werden. Es ist dieses Einssein, weißt du?

Anthony: Ich habe mich daran erinnert, als du davon gesprochen hast, wie du deine Bewegungen ausarbeitest… zuzuhören wie… einfach der Musik zuzuhören und irgendwie damit zu verschmelzen. Weißt du, das hat so etwas wie ein wirklich mystisches Gefühl.

Michael: Danke.

Anthony: Jetzt hat uns Charlie eine Frage geschickt: „Auf welche Errungenschaft in deinem Leben bist du am meisten stolz?“

Michael: Oh Boy! Einer meiner größten Träume seit ich noch wirklich sehr klein war… Ich denke ich war etwa 7 Jahre alt – und ich kaufte mir immer das Guinness Buch der Weltrekorde. [kichert]. Du weißt schon, wie die Antwort lauten wird? Ich sagte: „Hmm, ich liebe es zu tanzen und zu singen. Und ich hoffe, eines Tages kann ich in diesem Buch sein.“ Und ich glaubte daran, dass es möglich ist. Und als dann Thriller das meistverkaufte Album aller Zeiten wurde und in das Guinness Buch der Weltrekorde aufgenommen worden ist, und… da gibt es noch weitere Auflistungen… sie haben mich jetzt in insgesamt 7 unterschiedlichen Kategorien verzeichnet. Das war die glücklichste Zeit meines Lebens. Ich war so glücklich.

Anthony: Auf was führst du diese Ambitionen und Möglichkeiten zurück, die du als Kind empfunden hast? Weißt du, ich denke, es ist manchmal schwierig für die Leute nachzuempfinden, wie du… also, du warst als Kind offensichtlich nicht sehr reich oder kamst aus ausgefallenen Verhältnissen, aber trotzdem warst du in der Lage dir ein erfolgreiches Leben auszumalen. Auf was führst du das zurück?

Michael: Ich schreibe das meinen Eltern zu, die uns immer beigebracht haben, ausdauernd zu sein und an dich selbst zu glauben, Vertrauen zu haben, bei was auch immer du tust. Auch wenn du den Boden wischst oder Wände streichst, mach es besser als jeder andere auf der Welt, egal, was du tust. Sei der Beste darin, und habe Respekt anderen gegenüber, und sei stolz auf dich… und anerkennend, sei anerkennend, weißt du…

Anthony: Absolut. Nun, du machst schon seit langer Zeit Alben, du bist in der Musikszene seit vielen Jahren eine Macht. Was denkst du, sind deiner Meinung nach die größten Veränderungen in der Musik, die du wahrgenommen hast?

Michael: Die größten Veränderungen?

Anthony: Ja, was hat sich in der Musikindustrie geändert oder… an der momentan aktuellen Musik selbst. Was ist anders?

Michael: Nun, ich glaube… ich glaube nicht, dass die Leute gedacht haben, dass sich Rap-Musik so lange halten würde. Und sie hat Entwicklungen durchmacht – sie ist jetzt melodischer, akzeptabeler, denn Melodien werden niemals sterben. Und der Rhythmus… die Dinge sind jetzt ein bisschen rhythmischer. Denn die Leute wollen tanzen. Das ist Teil der menschlichen Beschaffenheit; Teil unseres biologischen Seins. Unsere Zellen tanzen, wenn wir Rhythmen hören. Du kanst das sehen… ein einjähriges Kind wird anfangen sich zu bewegen, wenn es Musik hört. Woher wissen sie, wie man sich so bewegt? Weil das biologisch ist. Es ist nicht nur ein Hören durch die Ohren, es ist Fühlen, weißt du. Und wenn man Musik spielt; das Gras und die Bäume und die Blumen… sie werden alle von Musik beeinflusst. Sie werden schöner und viel lebendiger in ihrem Wachstum. Musik ist ein sehr wichtiger und mächtiger Stoff, und alle Planeten des Universums machen Musik. Man nennt das Musik der Sphären. Sie erzeugen alle einen unterschiedlichen Ton; sie erzeugen Harmonien. Sogar jetzt, wo wir sprechen gibt es Harmonieen im Universum.

Anthony: Jetzt haben wir eine Frage aus Holland, Famke aus Holland schreibt: „Ich liebe die Special Editions von Off The Wall, Thriller, Bad und Dangerous“…sie liebt dich… und fragt: „Warum ist Invincible… Warum wird Invincible in verschiedenen Farben erscheinen?“

Michael: Weil wir wollten, dass die Fans Spaß damit haben, sie zu sammeln, und… Es ist eine limitierte Auflage, denke ich. Und diese Alben, die liebe die würde ich auch fünf Mal kaufen, selbst wenn sie das gleiche Cover hätten… ich würde es fünf Mal kaufen, nur weil ich das Album so liebe. Also, jetzt stell dir mal vor, sie würden eine andere Farbe haben oder die Farbe wechseln, dann würde ich es noch fünf Mal kaufen. Wir wollen einfach, dass die Fans Spaß haben mit den Farben und den Bildern… einfach um etwas anderes auszuprobieren. Deswegen haben wir das gemacht.

VIDEO 6:

Anthony: Jetzt haben wir hier TJ, 17 und von Australien und er möchte dir sagen: „Du bist immer noch mein Held“, und fragt: „Wie erklärst du deine Fähigkeit, so viele Menschen überall auf der Welt zu inspirieren?“

Michael: Ich tue einfach, was ich tue und ich liebe es, das zu tun. Und ich liebe Kunst. Ich liebe alles, jede Form von Kunst. Und wenn sie dadurch inspiriert sind, dann fühle ich, dass ich… ich bete, dass ich meinen Job mache, wofür ich hier auf der Erde bin. (Denn ich liebe die Fans, ich liebe die Kinder, ich liebe die Babys, und das gibt mir meine Inspiration, die Kinder, die Babys, die Fans. Ich liebe sie sehr.)

Anthony: Michaela aus Pennsylvania, 14 Jahre alt, schreibt: „Michael, ich bin erst 14, aber ich ein Fan, seit ich 10 war. Du hast so viel mehr erreicht als jeder andere Künstler. Ich frage mich nur, wenn du eine Sache in deinem Leben ändern könntest, was würdest du ändern?“

Michael: Ich wünschte, ich wäre in der Lage, in die Öffentlichkeit zu gehen und manchmal einfach nur normal sein zu können, ohne dass die Leute erkennen wer ich bin, und ein bisschen von dem Gefühl zu bekommen, wie es ist, du weißt schon, Teil des ganz Normalen zu sein. Zu sehen, wie Dinge gemacht werden; zu erfahren worüber Leute reden, wenn sie sich einfach nur normal unterhalten. Sobald sie erkennen, es ist Michael Jackson, ändert sich die Art der Unterhaltung; dann geht es nur noch um mich und nicht mehr um die eigentliche Situation, den Moment, um das, was in dem Moment passiert. Davon würde ich viel lernen. Ich kann soetws nicht erfahren, solange ich mich nicht verkleide und mir eine Menge Sachen anziehe, und dann starren sie mich an, denn auch dann ist es anders, es ist auch dann nicht das selbe. Deshalb ist das sehr schwierig. Sag ihm, dass das eine großartige Frage war, die er gestellt hat.

Anthony: Das ist wirklich eine interessante Frage. Wir haben aber auch eine genauso interessante Antwort. Jetzt haben wir Greg aus Glasgow, Schottland, der wissen will: „Wann hast du geplant, den Charity-Song What More Can I Give zu veröffentlichen?“

Michael: Nun … wir nehmen gerade die letzten Stimmen auf und er wird sehr, sehr bald erscheinen. Wir stellen ihn gerade zusammen; die letzten Feinarbeiten. Es ist ein sehr wichtiger Song für die Welt. Etwas Heilsames zu geben, etwas Liebe und etwas Fürsorge für die Menschen, die plötzlich zu Waisen wurden, …. oder die innerhalb von Sekunden ihre Eltern und geliebten Menschen verloren haben. Verstehst du?

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Anthony: Absolut. Auf welche Dinge freust du dich? Was sind deine Hoffnungen für das neue Jahr. Wir nähern uns dem Ende des Jahres, du hast ein Album, was herauskommt, wir hatten eine Menge Tragödien und Krisen, die wir alle mit ansehen mussten. Jeder versucht, weiter guten Mutes zu sein. Wenn du über 2002 nachdenkst, welche Dinge gehen dir durch den Kopf?

Michael: Ähm, Film. Ich liebe Filme. Mehr Filme zu machen, um die Songs mit den Filmen zu verflechten. Tanzen. Und mehr Frieden für die Welt. Ich bete ständig für Frieden. Und das Allerwichtigste wofür ich bete, ist Schutz für Kinder und Babys. Das ist die Sache, die mich am meisten besorgt, ich möchte, dass sie beschützt werden und dass wir mehr Rechte für Kinder auf der Welt haben, …dass es einen Tag für Kinder gibt; einen Feiertag für Kinder. Gebt ihnen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Liebe.

Anthony: Jetzt schreibt uns Sergei aus Russland: „Michael, sing a-capella für uns.“

Michael [lacht]: Weißt du was, ich würde es wirklich gerne tun. Aber ob du es glaubst, oder nicht, ich habe seit diesem Interview hier Schnupfen; ich bin mit einer Kehlkopfentzündung aufgewacht, ich habe mir am Tag zuvor von den Kindern eine Erkältung eingefangen. Meine Kinder waren krank und ich habe mir ihre Erkältun eingefangen. Also, sag ihr, ich würde es sehr gerne tun, wenn ich ihre Stadt besuche, für ein Konzert. Und Speechless beginnt mit einem a-capella Intro, auf dem Album, der Song Speechless. Es ist einer meiner Lieblingssongs.

Anthony: Der beginnt mit einem a-capella Teil?

Michael: Er beginnt und endet a-capella.

Anthony: Jetzt haben wir hier eine Frage von Karen, die sagt, dass du ihr geholfen hättest, seit sie ein kleines Kind war. Du bist immer jemand gewesen, der sich um andere Menschen sorgt; der sich um die Kinder auf der ganzen Welt zu kümmert. „Was können wir für dich tun?“, fragt sie sich. „Wir geben dir all unsere Liebe, aber was können wir dir noch geben?“ Offensichtlich einer deiner großartigen Fans.

Michael: Wenn ich in die Stadt komme, würde ich es sehr lieben, ein Kinderfest zu sehen, Kinderchöre zu hören, ähm… dass sie, wenn ich in verschiedene Länder komme, ihre Lieblingssongs von mir singen. Wir sollten nachdrücklich daran arbeiten, einen Kindertag zu kreieren, ein internationales Fest, zu Ehren der Kinder. An dem Eltern ihre Kinder ins Kino mitnehmen oder in ein Spielzeuggeschäft oder in den Park. Und das alleine wird eine Verbindung schaffen. Denn die Familienzusammengehörigkeit ist zerbrochen. Sie essen nicht mehr mit ihren Kindern, und sprechen nicht mehr viel mit ihren Kindern, oder bemuttern ihre Kinder. Und ich würde es lieben, einen Feiertag für Kinder zu sehen. Ein Kindertag, ein Feiertag. Wir haben Muttertag, Vatertag – keinen Kindertag. Und ich würde es lieben, sie singen zu hören, wenn ich eine Stadt käme, oder eine Parade machen oder so etwas. Das würde ich wirklich lieben.

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Anthony: Michael, wir haben noch eine letzte Frage. Es war eine großes Vergnügen, mit dir zu sprechen. Wir haben hier Emanuel, 16 Jahre, aus den USA.: „Mr. Jackson, was würden sie zu all ihren Fans sagen, die Träume und Ziele haben ein Star zu werden, so wie sie selbst?“

Michael: Egal was kommt, die machtvollste Sache der Welt ist das menschliche Bewusstsein und Gebete, und glaube an dich selbst und habe Vertrauen und Beharrlichkeit. Egal, wie oft du es tun musst, tu es solange, bis es richtig ist. Und glaube immer an dich selbst. Und egal was oder wer um dich herum negativ ist oder dich mit negativer Energie bedrängt, du musst das völlig abblocken. Denn an was auch immer du glaubst, du wirst es werden.

Anthony: Es wird gesagt, dass die Sache, die die Leute am meisten beeinflusst, oder wie du wirklich sagen kannst, dass jemand ein erfolgreiches Leben hatte, die Art und Weise ist, wie sie mit Erfolg umgehen oder die Art wie sie mit Fehlern und Herausforderungen umgehen. Das klingt sehr wie das, was du sagst.

Michael: Ja, und bei all dem ist das Allerwichtigste – wirklich Allerwichtigste: Bleib bescheiden. Die Bescheidenheit, die ein Kind, die ein neugeborenes Baby hat. Selbst wenn du mächtig wirst oder Macht über Menschen hast mit deinem Talent… so wie es Michelangelo mit der Bildhauerei tat, weißt du, trotz allem, sei so bescheiden wie ein Kind, wie ein Baby, und sei genauso nett und gebend und liebend. Werde nie eingebildet vor Stolz.

Anthony: Ich denke, wir können noch eine letzte Frage bringen, von jemandem, der sich Invincible103 nennt: „Halloween steht vor der Tür. Hast du Pläne, dich zu verkleiden? Planst du eine Halloween-Party?“

Michael: Oh.. nein. Ich möchte eigentlich nur zum „Trick or Treat“ gehen. An in paar Türen klopfen und etwas Süßes bekommen. Ich liebe „Trick or Treat“. Das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich liebe es, mich als Monster oder so etwas zu verkleiden und an die Türen zu klopfen. Niemand weiß, dass ich es bin und ich bekomme Süßigkeiten.

Anthony: Also, wenn Michael Jackson vor eurer Tür auftaucht, Leute, stellt sicher, dass ihr ein paar schöne Sachen für ihn da habt.

Michael: [lacht]

Anthony: Michael, es war eine große, große Freude mit dir zu reden. Eine Menge Spaß, und jeder wünscht dir das Beste mit deiner neuen Platte. Wir freuen uns alle darauf.

Michael: Ich danke dir vielmals und Gott segne dich. Vielen Dank.

Anthony: Ich danke dir.

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Quellen: engl. Script: http://www.allmichaeljackson.com/interviews/onlineaudiochat.html  

-  http://www.mjjackson-forever.com/index.php?page=Thread&threadID=383 

http://www.jackson.ch/online.htm

Michael Jackson – Musste er sterben?

Übersetzung eines Artikels aus dem „Healthy Living Magazine“ November 2013 

WHO’S BAD? (by Aida Poulsen)  http://www.mymagstore.com/773184/products/Healthy-Living.html  

Wir begannen damit, einen Artikel über die medizinischen Belange des Prozess von AEG Live, verklagt von Michael Jacksons Familie, zu schreiben (der abgeschlossen war, als diese Ausgabe zum Druck ging) fanden aber dann den Prozess zu bedeutungslos, da das ganze Leben des Superstars ein bedeutungsvolles Thema hinsichtlich körperlicher und psychischer Gesundheit ist. So intensiv wie sein Tanz, brannte auch Michael Jacksons Leben an beiden Enden, sowohl zum Rhythmus seines Anti-Gang – Songs Beat It als auch durch den medialen Wahnsinn.

Healthy Living Magazine

Vier Jahre nachdem er die Welt mit seinem letzten „move“ erschüttert hat – einem spektakulären (so zynisch es klingen mag) Tod, haben anscheinend sowohl die Presse als auch wir, als ihre fügsame Horde, damit begonnen, den Geruch des Zweifels einzugestehen..

Der niagaraartige Wasserfall von Spott und Schmutz, unter dem das Musikgenie seinen kurzen Aufenthalt bei uns verbrachte, offenbart die allgemein anerkannte Wahrheit: Damit wir an ihn glaubten, musste er sterben. Er wird nicht auf unsere Kosten über den Fakt triumphieren, dass seine Kunst uns alle überleben wird, was nicht länger nur eine Vermutung ist, weil sein künstlerisches Erbe bewiesen hat, dass es wohl keine andere moderne Kunst gibt, mit der gleichen Konsequenz, Umfang und Größe menschlicher Essenz.

Verletzlichkeit, erhöhte Sensibilität der Menschlichen Natur, Naivität, Agitation, Schwäche, Schmerz, Hoffnung, Verzweiflung und die Suche nach Stärke, das alles zu ertragen, wurden zu seinem künstlerischen Domizil, nachdem das ungesehene Ausmass an Popularität, die unerbittliche kindgleiche Spontanität und die Unkenntnis über die vorverurteilende Natur der Medien einen 24 Jährigen Michael Jackson für den Rest seines Lebens zu einem Gefangenen einer beispielslosen Grausamkeit der Medien-Schikane und öffentlicher Verachtung machte, mit dem zuerstgenannten tödlich verbunden.

Hier stellt sich die Frage: Welche Musik, Perfomance, Texte, Filme, Wohltätigkeiten, Krankenhäuser, Parks und was sonst noch alles hätten wir besitzen können, wenn die Welt geneigt gewesen wäre, mehr für die wohlverdiente Berichterstattung über Michael Jacksons Kunst zu bezahlen, als für seine Darstellung als Freak und Spektakel?

Und noch eine Frage: Wessen Karriere hätte sonst die fanatische Hetzjagd über 26 Jahre überlebt, mit der er so unbedarft umging, darin vertrauend, dass seine Vision der Welt – egal wie einzigartig, war sie doch freundlicher Natur – mitgeteilt durch seine denutativen (entblößt) Texte oder Bekentnisse im TV, gehört werden würde.

Wie einer der Paparazzi, Ben Evenstad, es ausdrückt: „Er war der einzige Prominente, der, wenn du anhänglich genug warst, dich in sein Haus gelassen hätte. Denkst du, jemand könnte zu Bruce Willis Haus gehen und sagen: „Ich liebe dich, ich liebe dich“, und dann kämst du hinein? Er würde die Polizei rufen. Das würden sie alle tun. Alle, bis auf Michael. Wenn du „ich liebe dich“ zu Michael Jackson sagtest, hat er angenommen, du meinst auch, dass du ihn liebst, und er hätte dich herein gelassen.“

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Wenn dein Leben vor 100 Millionen Menschen stattfindet,seit dem Alter von 5 Jahren, bist du automatisch anders.“ – Und er war anders. Aber die Leute um ihn herum waren es nicht.

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Warum ist es erst jetzt so, wenn wir wieder das Barbara Walters’ Interview ansehen, dass es nicht Michael Jackson ist, sondern die Gastgeberin, die unangemessen aussieht, im nachdrücklich formalen Aufzug – grauer Anzug, Kurzhaarschnitt, scheinbar um die Verdrehtheit ihres Subjekts hervorzuheben – wenn sie fragt, vielmehr behauptet, ob es nicht seine “extreme” Erscheinung ist, die den Spott der Presse provoziert? Möchte sie, dass er sich kleidet wie sie, sich so verhält wie sie, so denkt wie sie? Grauer Anzug, Kurzhaarschnitt? Wen würde sie dann interviewen, und für solch eine Quote? Sich selbst?

Lady Gaga, eine talentierte und vielversprechende Performerin, scheint die “Technik” die Aufmerksamkeit der Medien anzuziehen anzunehmen, nur mit einem Sicherheitsgurt: Sie erscheint vor der Presse und auf der Bühne – ok, jeder weiß worin – um ihr Ding zu machen, und kehrt dann zur Normalität zurück, und ist sehr zweckmässig, berechnend und vorsichtig darin, wo, wie und was sie sagt, tut und trägt, managed ihre Karriere bewundernswert, mit kühlem Kopf, konsequent und gekonnt – was genau das ist, was Michael Jackson undenkbar gefunden hätte – ein Heuchler auf der Bühne zu sein, oder umgekehrt.

Michael Jackson war die Verkörperung seiner Kunst: Das war genau das, was ihm seine immense Power gab und die mangelnde Bereitschaft, abseits der Bühne unaufrichtig zu sein, ist wahrscheinlich das was ihn umgebracht hat. Würde er jetzt zurück auf die Schmerzen schauen, die er durchgemacht hat und hätte er eine Chance, sein Leben nocheinmal zu leben, ist es unwahrscheinlich, dass er sich dann dem fügen würde, was die Öffentlichkeit erwartete und was er verachtete. Er war exzentrisch auf der Bühne und im Leben, und wäre er im Leben ein Grauer Anzug gewesen, wäre er auch auf der Bühne ein Grauer Anzug gewesen. Vor allem glaubte er, dass es nichts zu verbergen gab, wegen seiner arglosen Natur und solche, eher seltenen Charaktere, neigen dazu an spiegelbildliche Reaktionen zu glauben, egal wie viele Verletzungen das üblichere Ergebnis hervorruft. Denn etwas anderes zu glauben hätte ihn zerstört.

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Vielleicht ist das traurigste von allem, was Michael Jackson passierte, dass die Welt immer noch an der Frage hängt: War er ein höflicher, gefühlvoller und sensibler Humanitär, mit einer ruhigen, fast kindlichen Stimme, einem riesigen Herz und, wie nicht viele von uns – offenen Augen für die Benachteiligten der Welt; oder war er ein mächtiger Schurke, dessen wahre Leidenschaft so schmutzig ist, wie das Geheimnis der berüchtigten Priester?

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Eigenartiger Weise hat sein Tod das Leben einiger Paparazzi ruiniert, die gewohnt waren, lukrativen Plünderungen rund um das Leben des Großartigen zu frönen, egal wie fragil oder untätig der König war. Ben Evenstad sagt: „Das ist, was mich mitten in der Nacht (von Michael Jacksons Tod) schlagartig traf: Was soll ich denn jetzt tun? Hinter dem verfi***en Zac Efron herjagen?“ Im letzten Stadium von körperlichem und psychischem Schmerz und Verzweiflung, unüberwindbar verschuldet, ausgelaugt, und eigentlich schon vor 10 Jahren vergessen, nur noch menschliche Hülle, war der King das Juwel der Medien, eine völlig andere Klasse, als die modernen Stars selbst wenn sie „hip“ sind. Unter sovielen Verraten durch die, die auf seine Kosten lebten, hat ein weiterer, der letzte, wenigstens nicht Michael Jacksons Herz erneut bluten lassen.

Paparazzi waren darüber verwundert, als sie die Ambulanz umzingelten, die den leblosen Körper ihres „Heilsbringers“ von seinem Haus wegbrachte, dass die Bodyguards, die normalerweise jeden Schritt abwehren, dem schrägen, knipsenden Pack nur zu murmelten: „Bitte Leute, macht das nicht,“ und ihnen erlaubten, durch das Fenster der Ambulanz dieses berüchtigte Foto des sterbenden Königs zu schiessen, was 1 Million$ einbrachte. 

So unfassbar es auch klingen mag, wir haben eine Matrix vom Leben Michael Jacksons „in action“ zusammengestellt: Seine Taten gegenüber den Machenschaften, die die Welt ihm antat. (MJ Matrix – in den nächsten Ausgaben)

Der König des Pop und der Papst des Pop – Michael Jackson und Andy Warhol

Übersetzung eines Beitrags über Andy Warhol und Michael Jackson aus dem Blog:

Dancing With The Elephant – “The King of Pop and the Pope of Pop”

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Michael Jackson & Andy Warhol, 1981

- Michael Jackson & Andy Warhol, 1981 -

Der König des Pop und der Papst des Pop

Willa: Vor ein paar Wochen schickte uns unsere Freundin Lisha McDuff einen Link zu einer Dokumentation über den grössten Pop Star seiner Zeit und sie faszinierte mich sehr – besonders die Art, auf die er Kunst neu definierte, in dem er Bereiche mit einbezog, die wir nicht typischer Weise als Kunst betrachten, wie seinen Ruhm, seine öffentliche Person, seine Sprechstimme und sogar sein Gesicht. 

Obwohl er, wie die Dokumentation zeigte, in gewisser Weise dazu gezwungen war, sein Gesicht zum Teil seiner Kunst zu machen, weil er an einer Auto-Immun Krankheit litt, welche die Pigmenttierung seiner Haut betraf. In der Dokumentation gibt es Fotos, die große, weisse Flecken auf seinen Wangen und seinem Hals zeigen, wo die Pigmentation zerstört wurde. Menschen, die ihn später in seinem Leben kannten sagten, seine Haut war unnatürlich weiß und er hätte teilweise Makeup benutzt, die sie noch weisser machte. Er war auch sehr befangen wegen seiner Nase – er dachte, sie sei zu „knollig“ – und er hatte sicherlich plastische Operationen, um sie kleiner und dünner zu machen. Er war auch dafür bekannt, unmögliche Perücken zu tragen, die er absichtlich selbst verunstaltete, in dem er sie vorne mit Scheren bearbeitete und das Unterhaar in dunklem braun färbte, während er das Deckhaar in einem silber-blond beließ.

Natürlich spreche ich vom Papst des Pop, Andy Warhol – einem Künstler, den Michael Jackson mehrmals traf und dem er in seinem Video Scream die Ehre erweist. Lisha, ich danke dir, für das Teilen dieser Dokumentation „Andy Warhol: The Complete Picture“ und dafür, dass du mit mir darüber sprichst.

Lisha: Es ist ein Privileg wieder mit dir zu sprechen, Willa, besonders über die Verbindungen zwischen Andy Warhol und Michael Jackson. Seitdem ich dein Buch gelesen habe und deine brillante Analyse zu dem Selbstportrait Andy Warhols in Scream *, faszinierte mich die Verbindung der beiden und die Art, wie beide Künstler die Grenzen der Kunst herausforderten und neu definierten. In deinem Buch schriebst du:

“Während Warhol uns zwang, Campbell-Suppendosen anzusehen und unser Verhältnis mit der Konsum-Kultur neu zu überdenken, zwang uns Jackson, ihn anzusehen – den kleinen Jungen, den wir seit der Kindheit liebten und der zu etwas unerwartetem heranwuchs – und unsere Annahmen bezüglich Identität und Rasse, Geschlecht und Sexualität zu überdenken.”

(*mehr dazu am Ende dieses Posts…)

Besonders interessant ist das, wenn man mit einbezieht, wie Michael Jackson sich selbst schon früh in seinem Leben als ein „Markenprodukt“ verstanden haben muss; er entwickelte eine Star-Persönlichkeit schon in sehr jungen Jahren.

Willa: Das ist ein gutes Argument, Lisha. Motown produzierte nicht nur Musik sondern präperierte seine Künstler sorgfältig, sie unterrichteten sie im Sprechen, Etikette, Mode, Verhalten – wie man in der Öffentlichkeit isst und trinkt, wie man geht und spricht, wie man Interviews gibt, auf eine Art, die einem Crossover-Publikum eine ansprechende Persönlichkeit präsentierte. Und für Michael Jackson begannen diese Lehrstunden in einem jungen Alter, als er gerade 10 Jahre alt war.

Lisha: Ich habe mich oft gefragt, wie das sein musste – zu lernen, eine öffentliche Person zu erschaffen, die sogar jünger war, wie sein wirkliches Alter. Und wie war es für ihn, diese Star-Persönlichkeit jeden Sonntag im Fernsehen als Cartooncharakter anzusehen? Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die das nachempfinden können – ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln, während man zur gleichen Zeit lernt, eine öffentliche Person zu gestalten.

Ich habe nie bemerkt, wieviele auffallende Ähnlichkeiten es im Leben von Andy Warhol und Michael Jackson gibt, bis ich diese Dokumentation sah. Ich erkannte, dass beide Männer in Stahl-Städten aufwuchsen, Pittsburgh und Gary, weil ihre Väter Stahlarbeiter waren. Sie wurden als Heranwachsende wegen ihrer Nase gehänselt und sie litten an einer Krankheit, die die Pigmentation ihrer Haut zerstörte und frühzeitigen Haarausfall verursachte. Sie wurden scheu und zurückhaltend. Und als Erwachsene reagierten beide Männer auf eine so unerwartete und unbändig einfallsreiche Art, die die Aufmerksamkeit des Publikums seitdem gefesselt hat – durch das Erschaffen einer Überlebensgroßen-Star-Persönlichkeit – durch Brillen, Perücken, heller Haut und einer neugeformten Nase. Man kann problemlos behaupten, dass die größten Kunstwerke von Andy Warhol und Michael Jackson Andy Warhol und Michael Jackson sind.

Willa: Ich stimme zu, Lisha. Wenn wir an Kunst denken, dann denken wir normalerweise an Musik, Tanz, Malerei, Dichtung/Romane, Dramen, Poesie, Bildhauerei, Film und all die anderen leicht erkennbaren Genres des künstlerischen Ausdrucks. Aber Andy Warhol und Michael Jackson haben nicht nur unbeschreibliche Kunstwerke geschaffen – sie haben auch unsere Definition von Kunst in Frage gestellt. Und vielleicht wurde ihr wichtigstes und experimentellstes Werk noch nicht einmal als Kunst erkannt, und das ist ihre innovative Arbeit mit der Kunst des Prominenten und den Massenmedien, worin auch die Erschaffung einer öffentlichen Person enthalten ist, die, wie du sagst, die allgemeinen Vorstellungen hinterfragt und neu definiert.

Und das Interesse an Ruhm/Prominenz scheint bei beiden in jungem Alter begonnen zu haben. Warhol wurde besessen von Prominenten und begann ein Album mit Photos und Autogrammen zu gestalten, als er noch in der Grundschule war. Einer seiner wertvollen Schätze war ein signiertes Foto von Shirley Temple, gezeichnet mit: „An Andrew Warhola“. Und Michael Jackson war später ebenfalls von Shirley Temple fasziniert, obwohl es bei ihm nicht nur Bewunderung war. Weil sie ein Kinderstar war und unter einigen der Erfahrungen gelitten hatte, die auch er kannte, identifizierte er sich mit ihr und schien mit ihr eine tiefe Verbindung zu spüren. Später wurden sie Freunde und er beschreibt ihre erste Begegnung sehr emotional – wie zwei Überlebende, die sich nach einer Tragödie wiederfinden.

In der Warhol Dokumentation geht es etwa in der achten Minute um das Prominenten Album mit dem Shirley Temple Foto. Hier ist ein link zu der Dokumentation. An manchen Stellen ist sie etwas „pikant“ – weshalb Leute mit Kindern sie vielleicht nicht ansehen sollten, wenn sie im Zimmer sind:

Die Diskussion über Warhols Gesicht und sein öffentliches Image – besonders sein visuelles Image – beginnt etwa nach 12 Minuten, und dann wird das Thema nach etwa einer Stunde noch einmal aufgegriffen. Ein kleiner Leckerbissen: Es gibt ein Bild von Michael Jackson von Warhols Interview Magazine bei 1:13:20

Interview Magazine

Lisha: Shirley Temples Einfluss auf diese beiden Künstler ist für mich erstaunlich. In Victor Bokris Biografie von Andy Warhol beschreibt er, wie sehr Warhol Shirley Temple vergötterte. Sie inspirierte seine grundsätzliche Lebensphilosophie: „Arbeite ständig, mach’ es zu einem Spiel, und behalte deinen Sinn für Humor.“ Warhol nahm sogar Tanzunterricht um ihr nachzueifern, und es war eine Referenz an Shirley Temple als er bekannterweise sagte: „Ich wollte nie ein Maler sein; Ich wollte ein Stepptänzer sein.“

Willa: Das ist sehr interessant, Lisha. Ich kannte das Zitat schon, aber ich dachte, er macht Witze!

Lisha: Laut seinem Neffen, James Warhola, behielt Warhol im privaten diesen kindlichen Spirit sein ganzes Leben lang. Warhola schrieb ein Kinderbuch mit dem Namen „Uncle Andy’s“, in dem Warhols Zuhause als ein gigantischer Freizeitpark voller Karussell-Pferde, Antiquitäten und allen möglichen hübschen Kunstwerken beschrieben wird. Für mich hört sich das sehr nach Neverland an!

Warhol Uncle Andy's

Willa: Wirklich, nicht wahr?

Lisha: Ich denke, man kann wohl sagen, dass Shirley Temple und dieser kindgleiche-Spirit Einfluss darauf hatten, wie diese beiden Künstler Ruhm/Prominenz auch sahen. Wie Crispin Glover in der Dokumentation sagt: „Es gibt ein paar wenige Menschen in der Geschichte, für die du nur ein paar Dinge zusammenfügen musst, und du erkennst die Person, wie Abraham Lincoln, Teddy Roosevelt oder Groucho Marx.“ Man weiß schnell, was er damit meint. Zylinder und Bart = Lincoln. Nasenzwicker-Brille und Schnurrbart = Roosevelt. Schnurrbart, Nickelbrille und Zigarre = Groucho. Bei Andy Warhol und Michael Jackson funktioniert es definitiv genauso.

Bei Andy Warhol denkst du sofort an die helle Haut und die silbrigen Perücken. Matt Wribican, ein Kurator des Andy Warhol Museums in Pittsburgh, sagte, dass die Perücken etwas waren, was Warhol ausdrücklich als Kunst betrachtete, und er rahmte aus dem Grund tatsächlich einige davon ein. Ultra Violet, ein Warhol “Superstar“ aus der The Factory-Zeit, beschreibt, wie Warhol durch seine Kunst eine neue Mythologie erschuf – die Mythologie von Hollywood und dem Amerikanischen Traum. Wohlstand, Glamour und Prominenz sind ein grosser Teil der Kunst Warhols, und seine eigene Prominenten-Rolle kann als Erweiterung davon definiert werden.

Bei Michael Jackson denken wir an die beispiellose Bekanntheit, die Haare und Sonnenbrillen; den Glitzerhandschuh und die Fedora, die bezeichnenden Tanzschritte, das „hee-hee“ und „aeow“! Das ist jedenfalls das klischeehafte Popstar-Image von Michael Jackson.

Willa: Das stimmt und es ist interessant darüber nachzudenken, wie diese Symbole funktionieren, und wie kraftvoll sie sind. Zum Beispiel wollte mein Sohn sich vor 5 Jahren für Halloween als Michael Jackson verkleiden. Er zog also einen schwarzen Fedora an, eine schwarze Jacke und Hose und weiße Socken. Ich schlug vor, er solle auch seine Haare schwarz machen, aber er sagte nein, das sei nicht nötig – und er hatte Recht. Mein Sohn lief durchs Viertel als ein blonder, blauäugiger Michael Jackson, und jeder wusste sofort, wer er war. Er musste nicht wie Michael Jackson aussehen – er musste nur in diese Ikonografie schlüpfen, die Michael Jackson für sich erschaffen hatte. Diese Symbole blendeten alles andere völlig aus, meine Nachbarn sahen einen kleinen, blonden Jungen an und dachten sofort „Michael Jackson“. Und mein Sohn verstand das mit seinen 12 Jahren wohl tatsächlich besser als ich.

Lisha: Ist es nicht interessant, dass das bei allen Altersklassen, Rassen und Ethnien, als auch bei Jungen und Mädchen gleichermassen funktioniert? Solange du eine Kombination diese Symbole benutzt, wird es sofort erkennbar. Und bedenke auch, es gibt ja nicht nur eine Gruppierung von Symbolen, die Michael Jackson identifiziert. Ein Retro-1980-Club in meiner Nachbarschaft lud Leute ein, als Michael Jackson verkleidet zu kommen. Stell dir die vielen Möglichkeiten vor!

Willa: Das ist fantastisch! Und du hast Recht – es gibt für die verschiedenen Dekaden eine unterschiedliche Symbologie. Eine rote Lederjacke erweckt eine andere Ära, als ein weißes T-Shirt und schwarze Hosen.

Lisha: Ja, das gilt für unterschiedliche Ären und auch für unterschiedliche Charaktere und Lieder. Es gibt einfach so viele davon: die Armbinde, die Operationsmaske, die ins Gesicht fallenden Haare, die glitzernden Military-Jacken, die Armschiene, die Glitzersocken und die schwarzen Loafers… Symbole die auf Michael Jackson und die gesamte „Michael Jackson“ Mythologie verweisen. Z.B. die rote Lederjacke in Thriller oder Beat It und der weiße Anzug und Hut in Smooth Criminal, sind Symbole, die nur für diesen besonderen Film oder Song gedacht waren, aber sie wurden so untrennbar mit der Musik verbunden, dass es nötig war, sie auch in den Live-Auftritten zu verwenden. Diese Symbole helfen dabei, die Charaktere zu formen, die die gesamte „Michael Jackson“ Mythologie ausmachen.

Ich erinnere mich an ein Interview mit David Nordahl, einem der Portraitmaler Michael Jacksons, der über den Gegensatz von Michael Jackson und „Michael Jackson“, dem Prominenten sprach. Jackson mochte es nicht, für Portraits zu sitzen, also malte Nordahl nach Fotografien. Ob du es glaubst oder nicht, er sagte, es war schwierig ein gutes Foto von Michael Jackson zu bekommen, es sei denn er „war Michael“. Aus Sicht eines Künstlers waren Michael Jackson und „Michael Jackson“ also sogar unterschiedlich zu fotografieren.

Willa: Wow, Lisha, das ist faszinierend! Und ich glaube genau zu wissen, worüber Nordahl spricht. Ich habe tausende Fotos von Michael angesehen, darunter viele ungestellte, und es stimmt – du kannst wirklich sagen, wann er „Michael“ ist, und wann nicht. Es ist, als ob er eine Pose einnimmt, ein Licht einschaltet und transformiert. Es ist schwer, exakt zu sagen, was genau es ist, was Michael Jackson von „Michael Jackson“ unterscheidet, aber ganz sicher fühlst du es, wenn du es siehst.

Lisha: Zum Großteil ist es so, dass alle Stars eine sorgfältig konstruierte Persönlichkeit und Masken benutzen, um ein öffentliches Image zu erschaffen. Die Musik- und- Filmindustrie studiert diese Images sehr sorgfältig, weil das Star-System entscheidend für die Vermarktung ihrer Produkte ist. Aber im Fall von Michael Jackson denke ich, dass noch viel mehr dahinter steckt. Gab es jemals eine Star-Persönlichkeit, die so komplex war und sich so radikal veränderte, wie die von Michael Jackson? Ich denke, hier ist ein sehr enstzunehmender Künstler am Werk, der wie Warhol, nicht mit Ruhm/Berühmtheit, den Massenmedien oder Kommerz auf Kriegsfuß steht. Vielmehr glaube ich, dass er es sowohl als Kunst, wie auch als System ansah, die Kunst zu verbreiten.

Willa: Ich weiß nicht, Lisha. Ich verstehe, was du sagst, und stimme dir voll und ganz zu, dass er ein sehr raffinierter Choreograf von Berühmtheit/Ruhm und den Medien war, sowohl als Mittel, seine Kunst zu verbreiten, als auch als Element seiner Kunst. Auf gewisse Weise wurden die Massenmedien Teil der Palette zur Erschaffung seiner Kunst, und das halte ich für wichtig und revolutionär. Auf diese Idee möchte ich gerne heute während unseres Gesprächs noch näher eingehen.

Aber gleichzeitig denke ich, dass es Zeiten gab, wo er mit den Massenmedien auf Kriegsfuß stand. Du weißt, dass Warhol dachte, jede Art von Publicity sei gut. Egal, ob die Medien dich loben oder kritisieren, alles war gut, solange sie nur überhaupt von dir sprachen. Er sagte es so: „Achte nicht darauf, WAS sie über dich schreiben. Messe es einfach nur in Zentimetern.“

Aber ich denke, bei Michael Jackson war das komplizierter, teils wegen seinen Erfahrungen mit rassistischen Vorurteilen oder anderen vorgefassten Meinungen, teils wegen den Belästigungs-Skandalen, und teils wegen einigen beängstigenden Erfahrungen mit unkontrollierbaren Menschenmengen als Kind. Ich denke, diese Erfahrungen verschafften ihm ein tiefes Bewusstsein – vielleicht sogar eine Furcht – für Massenhysterie und dieser Mob-Mentalität, die manchmal überhand nimmt. Und wenn die Medien dich auf eine Art portraitieren, die völlig konträr ist zu deinen tiefsten Überzeugungen, und auf eine Art, die einer auf Ignoranz und Vorurteilen basierenden Massenhysterie Nahrung gibt, dann wird er Warhol stark widersprechen.

Lisha: Ich muss sagen, da sprichst du ein paar wichtige Punkte an. Und es besteht kein Zweifel daran, dass es eine sehr komplizierte Situation ist, ein gefeierter und einflussreicher junger Schwarzer zu sein, der die Entertainment Industrie dominiert; das bringt alle Arten von Ignoranz und Vorurteilen hervor.

Willa: Genau, und das sind Komplikationen mit denen Warhol nie konfrontiert wurde, die er nicht einmal in Betracht ziehen musste.

Lisha: Aber war Warhol nicht auch in seinem Leben vielen Vorurteilen ausgesetzt? Zu der Zeit, als die weiße, männliche, heterosexuelle Kunstwelt sein Aussehen, seine Sexualität und seinen Erfolg als kommerzieller Künstler missbilligte?

Willa: Ja, das ist ein guter Punkt, Lisha. Warhol war dem Widerstand und den Vorurteilen der „weissen, männlichen, heterosexuellen Kunstwelt“ ausgesetzt – und diese Welt war ganz schön macho und homophob, besonders in den 1950ern, als er anfing. Ich meine, ich dachte an ihre öffentliche Person, besonders an ihre Gesichter als provokative Form von Kunst. Warhol veränderte die Form seiner Nase, hellte seine Haut auf (zum Teil, um seine Hautton wegen dem Pigmentverlust auszugleichen), trug Perücken – und dieses öffentliche Gesicht stellte gesellschaftliche Normen in Frage und wurde ein wichtiger Teil seiner Kunst, wie wir schon zuvor sagten. Aber es löste nicht einen solchen Feuersturm aus, der losbrach, als Michael Jackson genau das gleiche tat.

Die Farbe deiner Haut, die Form deiner Nase und die Farbe und Beschaffenheit deiner Haare, dienen alle als Zeichen deiner Rasse, als Michael sich traute, diese Zeichen zu verändern, betrat er damit ein kulturelles Niemandsland. Das war bei Warhol einfach kein Thema – und das meinte ich mit „Komplikationen mit denen Warhol nie konfrontiert wurde, die er nicht einmal in Betracht ziehen musste.“ Das sich verändernde Aussehen Warhols wurde bemerkt und kommentiert, aber es setzte keine Welle von Anfeindungen in Gang, wie sie das veränderte Aussehen Michael Jacksons auslöste, mit Beschuldigungen, er hasse oder verrate seine Rasse, oder würde unverschämter Weise versuchen „weiß“ zu sein.

Lisha: Ich denke, genau so ist es. Die Reaktionen auf das Aussehen Jacksons unterschieden sich sehr von denen, die je über die gleichen Veränderungen bei Warhol gemacht wurden, und sie erzeugten sehr viel Anfeindungen in Richtung Jackson. Und trotzdem frage ich mich, ob Michael Jackson wirklich mit Ruhm/Berühmtheit und den Medien ganz allgemein auf Kriegsfuß stand, oder versuchte er, Fehler in diesem System zu korrigieren?

Willa: Exzellente Frage…

Lisha: Ich denke, Michael Jackson war, wie auch Warhol, an Kontroversen im Stil von P.T.Barnum interessiert, aber dabei gibt es ein Element, was sich der Kontrolle des Prominenten entzieht. Eine falsche Beschuldigung, ein fiktiver Skandal oder unfaires Vorurteil kann alles ruinieren, wofür der Künstler sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, ohne dass es ihr Fehler ist. Wir wissen, dass die Mob-Mentalität etwas sehr reales ist. Persönlich bin ich sehr stolz auf die Fans von Michael Jackson, die die Medien immer weiter herausfordern und einige der verheerenden Konsequenzen ans Licht bringen, die durch das Zusammenwirken von Profit, News, und Unterhaltung entstanden. Ich denke, Michael Jackson wollte mit dem Star-System kooperieren und es nutzen, um gute Dinge zu tun, aber er zögerte nicht zu zeigen, wo die Dinge gefährlich falsch laufen, was wiederum zum Teil seiner Kunst wurde.

Willa: Ich erkenne, was du sagen willst, Lisha, und ich denke, das ist eine ausgezeichnete Art, es zu umrahmen: dass er die Promi-Medien auf der einen Seite genutzt, sie aber auf andere Art kritisiert hat und sie im Grunde nutzte, um sie selbst zu kritisieren. Und ich stimme zu, dass Andy Warhol und Michael Jackson beide ihre Berühmtheit auf neue und faszinierende Art besetzten und choreografierten – auf eine Art, die andeutete, dass ihre Berühmtheit selbst ein wichtiger Teil ihrer Kunst war – und ich möchte noch mal auf das zurückkommen, was du vorher gesagt hast über David Nordahl und die Unterscheidung, die er gemacht hat und die andere genauso gemacht haben zwischen Michael Jackson und „Michael Jackson“.

Zum Beispiel werde ich dadurch an etwas erinnert, das Bruce Swedien in seinem Buch In the Studio with Michael Jackson erwähnt. Er arbeitete 30 Jahre lang mit Michael Jackson und er und seine Frau Bea kannten ihn wirklich sehr gut – also die Seite des “sanftmütigen Studioarbeiters”. Aber dann betrat er die Bühne, verwandelte sich in “Michael Jackson” und haute sie einfach um. Swedien sagt: “Bea und ich sind mit Michael zu seinen Konzerten gereist, um die ganze Welt, (und) oft haben wir gedacht, dass wir ihn gar nicht kennen, Michael Jackson, den Performer, diese erstaunliche Person auf der Bühne.” Sie waren wie zwei vollkommen verschiedene Wesen.

Lisha: Die Leute, die das sahen, sagen, dass es wahrlich erstaunlich war. In My Friend Michael erinnert sich Frank Cascio liebevoll daran, wie er zu seinem ersten Michael Jackson Konzert ging, wie er tatsächlich seinen Vater fragen musste: “Ist das derselbe Michael Jackson, der zu uns nach Hause kommt?” Die Verwandlung auf der Bühne war so vollkommen.

Willa: Oh, ich stelle mir vor, wie frappierend es gewesen sein muss! Und dann, natürlich, gibt es noch den “Michael Jackson”, der in den Medien existierte, und das ist wiederum eine vollkommen andere Person. Und auf gewisse Art ist es die Interessanteste von allen, weil es solch eine bewusste Erschaffung ist. Wie du schon vorher erwähnt hast, Lisha, ist es weit mehr als der Öffentlichkeit ein positives Image zu präsentieren. Stattdessen scheint er die Engstirnigkeit gegenüber Identität zu untersuchen und damit die Art und Weise zu hinterfragen, wie wir Identität “lesen”, basierend auf physischen Merkmalen, ganz besonders Merkmalen bezüglich der Rasse und Geschlechterzuordnung. Das ist etwas, was wir in einem gewissen Maß ebenso bei Andy Warhol erkennen können, wie auf den Fotos in der Dokumentation, in denen er Lippenstift und Lidschatten trägt und so Kennzeichen für sich annimmt, die normalerweise mit Frauen assoziiert werden, obwohl er immer noch eindeutig ein Mann ist. Hier ist ein

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Lisa: Das hinterfragt ganz sicher die Vorstellungen der weißen, männlichen, heterosexuellen Kunstwelt hinsichtlich der Tatsache, wer als ein großer Künstler verehrt werden kann, nicht wahr?

Willa: Das tut es. Was aber vielleicht unsere Identität am meisten von allem definiert ist unsere Stimme, und Warhol hatte sogar eine separate öffentliche und eine private Sprechstimme – etwas, das auch über Michael Jackson regelmäßig gesagt wurde. Ich war sehr überrascht Warhols Stimme zu hören, mit der er am Telefon zu seinem Bruder sprach (etwa bei 1 1/2 Std. in der Doku), weil sie sich so sehr von der langsamen, banalen öffentlichen Stimme unterscheidet, die wir zu hören gewohnt sind.

Wir wissen nicht viel über Warhol, den Menschen hinter der öffentlichen Person – er ist eine geheimnisvolle Figur, die wir, die Öffentlichkeit, selten zu sehen bekamen. Er war ein gläubiger Katholik, der jede Woche die Messe besuchte, ein schüchterner Workaholic und ein innovativer Künstler, der sich vollkommen seiner Kunst verschrieben hatte. Aber sein Image in der Öffentlichkeit ist ganz anders: grob materialistisch, oberflächlich, ironisch, keine Gefühle zeigend, gleichgültig – ein Beobachter, der durch das Studio schlenderte und andere dabei beobachtete, wie sie für ihn arbeiteten. In einigen Interviews sagte er, dass er nicht mehr daran beteiligt sei, seine Kunst zu erschaffen und dass er nicht sicher sei, wer das tue – vielleicht seine Mutter, vielleicht die Putzfrau. Das ist eine erfundene Geschichte, natürlich, aber das ist das Image, das Warhol ganz bewusst für sich selbst erschuf.

Und dann brachte Michael Jackson dies auf eine gänzlich neue Ebene …

Lisha: Sorry, aber ich brauche eine Minute, um mich von der Vorstellung zu erholen, wie Andy Warhol der Presse erzählt, dass er nicht sicher sei, wer all diese Kunstwerke erschaffe, vielleicht seine Mutter oder die Putzfrau. Das ist das absolut Lustigste, das ich je gehört habe!

Willa: Ist das nicht saukomisch? Er war wirklich sehr lustig …

Lisha: Obwohl ich gehört habe, dass Mrs. Warhola wirklich einige von Andy Warhols Kunstwerken für ihn signiert habe – er liebte einfach ihre Handschrift. Im Grunde wird es ihr zugerechnet dieses Albumcover von 1957 für The Story of Moondog von Louis Hardin mit ihrem Sohn kreiert zu haben. Es erinnert mich an Michael Jacksons Zusammenarbeit mit seiner Mutter Katherine Jackson, die den Shuffle Rhythmus für The Way You Make Me Feel beisteuerte.

Willa: Oh, wirklich? Das hatte ich noch nicht gehört, über keinen von ihnen. Wenn es also stimmt, dass Andy Warhols Mutter an dem Albumcover mitgearbeitet hat, dann hat sie wirklich eine wundervolle Handschrift.

Und ich schätze, wir sollten nicht zu laut lachen, wenn Warhol andeutet, dass er seine Kunst nicht selbst herstellt, weil da ein Fünkchen Wahrheit dran ist. Ich meine, dass Warhol nicht alle seine Drucke mit seinen eigenen Händen hergestellt hat. Er war sehr in den gesamten Prozess eingebunden – entwarf sie, bestimmte die Produktionsdetails, unterzog sie alle einer kritischen Überprüfung – aber er stellte sie nicht alle selbst her. Wir erwarten auch nicht, dass Calvin Klein zum Beispiel jeden Stoff, der seinen Namen trägt, selbst bestickt – wenn er ihn entwirft, dann reicht es, seinen Namen zu Recht darunter zu setzen. Jedoch gibt es diese Erwartung, dass ein Künstler all seine Kunstwerke eigenhändig fertigt. Warhol hinterfragte das, nannte sein Studio sogar The Factory – Die Fabrik, und dies ist ein weiterer Bereich, in dem er kommerzielle Kunst mit hoher Kunst verband und auf diese Weise nicht nur ganz neue Werke, sondern ein ganz neues ästhetisches Empfinden erschuf. Und diese neue Ästhetik spiegelt sich in seiner öffentlichen Rolle ebenso wider.

Lisha: Ganz genau. Dies ist ein exzellenter Punkt, den Dennis Hopper in der Dokumentation eingebracht hat, und er hat absolut Recht. Wir neigen dazu, zu vergessen, dass all die großartigen europäischen Meister in ihren Studios andere Künstler unter ihrer Anleitung für sich arbeiten ließen. Es ist nicht so, dass ein einzelner Künstler das Gerüst aufgebaut hat, um die Sixtinische Kapelle auszumalen. Aber da sind so einflussreiche kulturelle Mythen im Umlauf – die des gequälten einsamen Künstlers in seiner Dachkammer, der an einem großen Meisterwerk vor sich hinarbeitet, während er sich weigert sich für seine Kunst “zu verkaufen” – wie in Puccinis berühmter Oper La Boheme. Ich glaube, in Wirklichkeit ist das eher eine Auffassung der Romantik des 19. Jahrhunderts als eine genaue Wiedergabe des kreativen Prozesses. Aber wenn du erst einmal auf diese Sichtweise eingestellt bist, kannst du erkennen, wie verbreitet sie ist.

Willa: Das ist ein interessanter Punkt, Lisa, und wir erkennen diese Voreingenommenheit bezüglich des “einsamen Genies” sogar jetzt in kritischen Reaktionen auf Prince und Michael Jackson zum Beispiel. Prince wird als das einsame Genie gesehen, das allein in seinem Studio hockt und die meisten der Instrumente auf seinen Alben selbst spielt, während Michael Jackson eher der gemeinschaftlich Arbeitende war und auch eher als kommerzieller Künstler wahrgenommen wurde. Seine Einstellung schien zu sein, dass wenn ein Musiker, der sich seinem Instrument widmet, es besser spielen konnte als er: Warum sollte er dann nicht den Besten dazu holen?

Lisha: Da ich Musikerin bin stimme ich dem ganz sicher zu! Aber der Mythos des einsamen, verrückten Genies ist solch ein geschätztes, kulturelles Symbol, dass ich auf viele Arten denke, wir haben immer noch Beethoven-Mania!

Wie Warhol trieb Michael Jackson die Vorstellung der Zusammenarbeit zum Äußersten. Auf Dangerous zum Beispiel, dem ersten Album, für das Jackson als selbst ausführender Produzent arbeitete, lies er über 18 Monate lang drei Produktionsteams gleichzeitig arbeiten, um das Endprodukt zu erstellen. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder diese Art von Produktionswert sehen werden. Die Leute, die an den Aufnahmen arbeiteten, sprechen über die unglaubliche Aufmerksamkeit gegenüber den Details, in die sie verfielen und den Willen eines jeden Beteiligten den ganzen Weg mitzugehen, um am Ende das beste, menschenmögliche Ergebnis zu erhalten.

Und obwohl Jackson berüchtigt für seine Detailbesessenheit war, so war er doch auch sehr flexibel darin, dem kreativen Input, der innerhalb dieses Systems entstand, Raum zu geben. Bruce Swedien zum Beispiel, ein Aufnahmeingenieur, bekam Credits für das Schreiben an Jam. Bill Bottrell, ein Produzent / Techniker, kreierte den Rap und viele der Rock-Country-Instrumentals auf Black or White.

Also war Michael Jackson aufgeschlossen gegenüber den Ideen und dem Talent um sich herum, und er nutzte dies wahrlich zu seinem Vorteil. Warhol scheint diese Fähigkeit ebenso gehabt zu haben – Hilfe, Ideen und Inspiration aus vielen verschiedenen Quellen anzunehmen. Offenbar war es ein Kunsthändler, Muriel Latow, der den Vorschlag machte, er solle doch erwägen, so etwas Alltägliches und Gewöhnliches wie eine Suppendose zu malen – der Rest ist Geschichte.

Und ich war überrascht zu erfahren, dass Andy Warhol tatsächlich jeden Tag seines Lebens Campbell’s Suppe aß; es ging also nicht nur um postmoderne Ironie und um Kritik an der Konsumkultur, wie ich gedacht hatte. Seine Mutter hatte immer Campbell’s Suppe für ihn, als er ein Kind war, und es schien ihm wirklich eine Menge bedeutet zu haben – Wärme, Versorgtsein, Mutterliebe. Er malte seine Realität, und ich sehe diese Gemälde anders, seit ich das über ihn verstanden habe und wie das im Gegensatz zu seinem kühlen, gleichgültigen Image steht.

Willa: Oh, ich sehe das genauso – es hat mich immer getroffen, welch tröstliches Gefühl von seinen Campbell’s Suppen-Bildern ausgeht. Sie werden oft als ironisches Statement gedeutet, wie du sagst, und ich kann das in intellektueller Hinsicht erkennen, aber das ist nicht das, wie sich das auf emotionaler Ebene für mich anfühlt. Da ist ein wirkliches Gefühl der Wärme und Beruhigung. Es ist so, als wollte er sagen, dass die Leute den Trost, den sie einst in den bekannten Symbolen der katholischen Kirche fanden – den Bildern von der Jungfrau Maria zum Beispiel – heute durch die vertrauten Symbole der Konsumkultur wie den Campbell’s Suppendosen erhalten. Während also die Künstler der vergangenen Jahrhunderte religiöse Symbole malten und formten, richtete er seinen Fokus auf die neue Bilddeutung der Konsumenten. Es ist ein brillanter Einblick.

Lisha: Es ist wahrlich ein brillanter Einblick, die Vermählung des Kostbaren mit dem Alltäglichen. Das ist etwas, was wir in jedem Aspekt in Michael Jacksons Werk erkennen, von den hochwertigen Produktionen, die er in das abgewertete Genre des Pop einbringt bis zu den handbestickten Couturejacken, die er mit T-Shirts und Levi’s 501 Jeans trug. Kunst und Mythos durch sein berühmtes Image zu erschaffen ist nur ein weiteres Beispiel.

Und wie du schon vorher gesagt hast, Willa, brachte Michael Jackson die Vorstellung vom Image einer Berühmtheit auf ein völlig neues Level. Ich kann nicht einmal ansatzweise erkennen, wie man dagegen einen Einwand erheben könnte. Ich bin sicher, du hast das Interview 60 Minutes mit Karen Langford, Michaels Archivarin, gesehen, in dem sie einige seiner früheren Notizen zeigt, die nun das „MJ Manifest“ genannt werden. Es war Michael Jacksons erklärtes Ziel, dass „MJ“ eine komplett andere Person, eine gänzlich neue Rolle sein sollte, für die er große, ehrgeizige Pläne hatte.

Willa: Das ist komisch, Lisha – ich habe auch an das Manifest gedacht. Hier ist das, was er schrieb:

MJ wird mein neuer Name sein. Nicht länger Michael Jackson. Ich möchte in eine völlig neue Rolle schlüpfen, möchte einen völlig neuen Look. Ich werde eine vollkommen andere Person sein. Die Leute sollen nie mehr von mir als dem Kind denken, das ABC und I Want You Back gesungen hat. Ich werde ein neuer, unglaublicher Schauspieler/Sänger/Tänzer sein, der die Welt erschüttern wird. Ich werde keine Interviews geben. Ich werde magisch sein. Ich werde ein Perfektionist sein, ein Forscher, ein Ausbilder, mehr als ein Meister. Ich werde besser sein als jeder große Schauspieler, der seine ganze Kraft einsetzt.

Und du hast Recht. Es zeigt wirklich, wie bewusst er seine neue Rolle erschuf und wie er darüber dachte, über diese “gänzlich neue Rolle” von MJ, nicht wahr?

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Lisha: Jedes Album hatte eine neue. Ich werde nie den Schreck vergessen, als ich 1984 im Supermarkt in der Warteschlange an der Kasse stand und nach einem Foto von Michael Jackson suchte, weil es das war, worüber in jenen Tagen jeder redete, und als ich einfach keins finden konnte, musste ich mir von jemandem erklären lassen, dass ich bereits auf ein Foto von Michael Jackson blickte. Es haute mich völlig um, als ich versuchte mein früheres Thriller/ Victory Tour-Bild von Michael Jackson gegenüber dem, was ich jetzt sah, in Einklang zu bringen. Natürlich konnte sich niemand auch nur vorstellen, was noch kommen sollte. Er veränderte sich immer wieder, erst in den auf die Rasse bezogenen nicht eindeutigen Protagonisten in Bad, dann in den grenzüberschreitenden Charakter in Black or White auf Dangerous bis hin zu dem farblosen fremdartigen “Anderen” in Scream für das HIStory-Album.

Willa: Was einen wichtigen Punkt berührt – dass die Rollen, die Warhol und Michael Jackson erschufen nicht notwendigerweise beabsichtigten anziehend zu sein. Sie waren weitaus komplizierter und provokativer als das. Der Erzähler fragt fast am Beginn der Dokumentation:

Aber wer war Andy Warhol? Auf seiner Reise von Andrew Warhols änderte er nicht nur seinen Namen, sondern schneiderte seine Persönlichkeit nach Maß, um einen mechanischen, fabrikproduzierten Markennamen zu erzeugen, der die Celebrity- und Konsumkultur jener Zeit verkörpern würde.

Dieser “mechanische, fabrikproduzierte” Aspekt seiner “Marke” war nicht besonders attraktiv, wenigstens nicht im traditionellen Sinn. Und das waren auch nicht seine Perücken oder seine rüde materialistische öffentliche Rolle. Aber seine Perücken, seine Rolle und sein Markenname wurden nicht nach traditionellen Schönheits- oder Wirkungsstandards beurteilt, weil es verstanden wurde, dass sie Teil seiner Kunst sind, und so müssen sie auf komplexere Art, eben wie Kunst, interpretiert werden.

Und ich denke, dies ist eine Vorstellung, die sehr viele Kritiker im Hinblick auf Michael Jackson wirklich missverstanden haben. Es wird im Allgemeinen angenommen, dass er in seiner späteren Karriere versuchte etwas Attraktives zu zeigen, etwas Anziehendes für ein Massenpublikum und dass er dabei scheiterte. Aber wenn wir uns zum Beispiel die Lyrics zu Is It Scary ansehen, dann erkennen wir, dass er etwas sehr viel Komplizierteres und Interessanteres als das tat. Neben anderen Dingen zwang er uns zur Konfrontation mit unseren Vorurteilen – Vorurteile, die die Presse und die Öffentlichkeit versuchten seinem Gesicht und seinem Körper aufzuerlegen, weil er für “schwarz” stand, für “männlich”, für einen “Popstar” oder “nur einen Popstar” – und später, schrecklicherweise, für einen “Freak” und ein “Monster”.

Wie ändert sich also unsere Wahrnehmung, wenn wir beginnen, Michael Jacksons öffentliche Rolle als eine künstlerische Kreation zu sehen, so wie wir es auch bei Andy Warhol machen? Und wie deuten wir es, wenn wir uns auf diese Weise annähern?

Lisha: Nun, ich denke, es wäre ein sehr viel einfacherer Weg für Michael Jackson gewesen, wenn er von Anfang an seine privaten gesundheitlichen Beschwerden öffentlich gemacht hätte, mit dem Mythos gebrochen und die Veränderungen seiner Erscheinung erklärt hätte. Er hätte ein Fürsprecher für jene wie ihn werden können, die an Vitiligo und Lupus leiden und so das Bewusstsein für diese Krankheiten schärfen können. Ich glaube nicht, dass er die erbarmungslosen Medienprügel und die Verfolgung hätte ertragen müssen, wenn das sein Ziel gewesen wäre.

Aber statt einige Wenige zu begünstigen, denke ich, sah Jackson eine weit größere Möglichkeit, die heute immer noch enorme, kulturelle Resonanz findet.

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu. Ich glaube nicht, dass wir auch nur begonnen haben, die Bedeutung seines sich verändernden Gesichtes – als einem Kunstwerk – zu ermessen und die es auf uns in psychologischer Hinsicht als Individuen und in kultureller Hinsicht als globale Gesellschaft hat.

Lisha: Das stimmt. Dr. Sherrow Binder, ein Professor für multikulturelle und Geschlechter-Studien an der California State University in Chico hat behauptet, dass, als Jackson das Denkbild der “natürlichen Körper und feststehenden Identitäten als vorherbestimmt und kontrolliert” in Frage gestellt hat, ihm dafür “kulturell Widerstand geleistet werden musste, er in seine Schranken gewiesen oder schlimmer noch bestraft und erniedrigt wurde, damit der Gesellschaft weiterhin ihr gewohntes Umfeld der Normalität gewährleistet werden konnte.”

Willa: Absolut, und die Intensität dieser Zurückweisung ist ein bedeutender Indikator dafür, wie grundlegend und bedrohlich dies war – seine Überschreitung einer “festgelegten Identität”, wie Pinder es nennt, basierend auf traditionellen Vorstellungen von Rasse, Geschlechterkategorien und Sexualität. Michael Jackson stellte dies alles in Frage, indem er seinen Körper “umschrieb”, woraus sich ergab, wie sich die Art änderte, auf die Identität durch seinen Körper dokumentiert war.

Lisha: Medien in aller Welt fahren damit fort, zu spekulieren und Geschichten über “Michael Jackson” zu fabrizieren, wobei sie oft Fakten missachten, die seit einiger Zeit abrufbar sind. Die Erfindungen der Medien folgen fast immer einigen Variationen des “Wacko”, “Freak” oder der Erzählung der “Monsterfigur” und reflektieren so mehr das Bedürfnis der Gesellschaft ihn zu “normalisieren”, als es jemals über Michael Jackson getan wurde. Und Jackson wurde sich so intensiv seiner Funktion als Spiegel des allgemeinen Denkens bewusst, dass er anfing, dies für seine künstlerischen Zwecke zu nutzen, wie in Is It Scary (“Ich werde genau das sein, was du sehen willst / Du bist es, der mich jagt, denn du willst, dass ich der Fremde in der Nacht bin“) und in Threatened (“Ich bin der lebende Tote, der dunkle Gedanke in deinem Kopf / Ich hab gerade gehört, was du gesagt hast, genau deshalb solltest du dich durch mich bedroht fühlen“).

Willa: Und wir sehen, wie dieser Gedanke in Ghosts buchstäblich umgesetzt wird, als der Maestro in den Körper des Bürgermeisters steigt, ihm einen Spiegel vor das Gesicht hält und ihn zwingt Zeuge seines eigenen inneren “Freaktums” zu sein. Dieses Freaktum, das der Bürgermeister so verabscheut ist nicht im Maestro – es ist in ihm selbst.

Lisha: Das ist solch eine brillante Szene – sie zeigt seine wahre Beherrschung dieses Phänomens.

Und noch eine weitere mythische, künstlerische Kreation von “Michael Jackson” war bereit die “Welt zu heilen”, die Vorstellung der Entstehung einer neuen emphatischen Zivilisation. Eines seiner eindrucksvollsten Kunststücke war, sich auf magische Weise der Farbe seiner Haut zu entledigen, um ein für alle Mal körperlich zu demonstrieren, dass “es keine Rolle spielt, ob du schwarz oder weiß bist“. Als es eindeutig wurde, haben einige die Botschaft nicht verstanden, da ging er noch einen Schritt weiter und wurde farblos – buchstäblich farblos. Scream und Stranger In Moscow zeigen dies so eindeutig.

Willa: Und es ist ziemlich klar, dass das eine bewusste Entscheidung war. Beide Videos wurden in Schwarz-Weiß mit übermäßig heller Beleuchtung auf seinem Gesicht aufgenommen, um die Farbe auszuwaschen, sogar Abstufungen von Farbe.

Lisha: Absolut. Für mich ist es offensichtlich, dass dies das Werk eines brillanten und bahnbrechenden Künstlers ist. Ich hasse es zugeben zu müssen, dass es erst nach dem Tod Michael Jackson war, als ich mir endlich sein Werk angesehen und festgestellt habe, welch neue Art von Kunst dies gewesen ist – einfallsreiche und exquisit hergestellte Musik voller klanglicher Innovationen und sogenannter „hochkünstlerischer“ wahrnehmbarer Schönheit, in Einklang gebracht mit Symbolik und Mythen, der Masse dargebracht durch das unterschätzte Popgenre und das Celebrity Starsystem. Aber es war noch so viel mehr – es explodierte von der Bühne herunter und aus der Leinwand heraus in unsere sozialen Diskussionen und in unser Alltagsleben, um uns dazu zu ermuntern über unsere verwirrende und gewalttätige Vergangenheit hinauszugehen.

Und obwohl ich dem seinerzeit keine Aufmerksamkeit geschenkt habe, bin ich zu der Feststellung gekommen, wie gewaltig Michael Jackson mich beeindruckt hatte, ohne dass ich es überhaupt wusste. Von 1969 bis 2009 war Michael Jackson eine konstante Präsenz, und ich glaube, du kannst den Einfluss, den er hatte, gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn man von der intensiven Medienberichterstattung nach seinem Tod aus urteilt, dann bin ich nicht die einzige, die sich plötzlich fragte, wie es sein würde in einer Welt ohne Michael Jackson weiterzuleben.

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- Time Magazine -Cover, Michael Jackson by Andy Warhol, 1984 -

Willa: Oh ja, so ist es. Ich glaube, Michael Jackson veränderte grundlegend unsere Wahrnehmung, unsere Emotionen und unsere gefühlsbedingten Reaktionen auf Unterschiede bei Rasse, Geschlechterzuordnung, Sexualität, Religion, familiären Beziehungen – bei Stereotypen aller Art – auch wenn wir es noch nicht realisieren. Wie du sagtest, wir waren „gewaltig beeindruckt, ohne es überhaupt zu wissen“. Und ich glaube, er revolutionierte auch unsere Vorstellung über Kunst, obwohl er seiner Zeit so weit voraus war, dass wir dies auch noch nicht realisieren. Manches davon erkennen wir noch nicht einmal als Kunst! Wir befanden uns mitten in einer ergreifenden künstlerischen Erfahrung, ohne es überhaupt zu wissen.  Es wird noch eine lange Zeit für Kunstkritiker und deren Interpretationen in Anspruch nehmen bis zu ihm aufzuschließen, denke ich, und bis man anfangen kann sich den enormen Einfluss, den er hatte, vorstellen zu können, sowohl bezüglich der Kunst und wie wir Kunst begrifflich erfassen, als auch im Hinblick auf die tiefgreifenden kulturellen Veränderungen, die er ausgelöst hat. Und das ist ein weiterer Weg den Wert eines Künstlers zu ermessen – an seiner Tiefe und der Reichweite seines Einflusses.

Fast am Ende der Dokumentation beschreibt der Erzähler, wie konstant Warhols Einfluss präsent ist in jedermanns alltäglichem Leben und fragt dann: „Wie können wir dich vermissen, wenn du nicht gehen wirst?“ Dieselbe Frage kannst du über Michael Jackson stellen. Sein Vermächtnis ist überall – vom direkten künstlerischen Einfluss auf Musik, Tanz, Film, Mode bis hin zu mehr subtilen, aber vielleicht umso bedeutenderen kulturellen Einflüssen, etwa solchen, wie wir Geschlechterzuordnungen und Rassenunterschiede lesen und interpretieren.

Lisha: Weißt du, das ist genau die Sache. Michael Jackson ist überall, wohin man auch sieht. Und verstehen wir wirklich, warum er weiterhin solch einen Einfluss hat? Die Entertainment-Industrie ist voll von verrückten Ticks, plastische OP’s, Make-up tragenden Glamrockern, Geschlechtsveränderungen usw. Rita Hayworth ist ein gutes Beispiel einer Darstellerin, die ihre spanische Herkunft „weißer gemacht“ hat, um auf der Leinwand die glamouröse Gilda zu werden. Warum also stolpert jeder über Michael Jackson? Ich denke, es wird noch eine Weile dauern all dies zu verstehen. Bis dahin werden wir weiter „mit dem Elefanten tanzen“.

(Übersetzung: Lilly, M.vd.L.)

Warhol Scream Video Michael Jackson

Zu den Bildern, die Michael in seinem Scream-Shortfilm zeigt, schreibt Willa Sitillwater in M-Poetica (Auszug aus dem Kapitel „Scream“):

Er und Janet werden die Betrachter von Kunst, das Publikum. Sie sehen sich Kunstwerke an quer durch die Geschichte, Werke, in die Bildhauer und Maler ihr Herz und ihre Seele hineingesteckt haben, aber die Weltraumreisenden verstehen sie nicht. Es ist sogar so, dass sie gelangweilt sind: Janet (in ihrer Rolle) faulenzt auf den Möbeln, Michael zappt sich mit einer Fernbedienung durch Kanäle. Es gibt keine einfache Antwort dazu, wie man die Interpretation des Publikum bezogen auf das Werk lenken kann – anders als ein selbst-reflektierendes Video wie Scream zu drehen, das die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt.

Interessanterweise ist das erste Kunstwerk, das Jackson in dieser Rolle betrachtet eine Fotografie von Andy Warhol. (Warhol erschuf vier Porträts von Jackson für das Cover des Time Magazine, welches am 19. März 1984 erschien, so revanchiert sich Jackson in gewisser Weise. Eines dieser Bilder hängt in der National Portrait Gallery, zwei andere wurden kurz nach Jacksons Tod auf einer Auktion verkauft.) Auf den ersten Blick kann man sich kaum zwei unterschiedlichere Künstler vorstellen: Warhol war so ironisch, gleichgültig, keine Gefühle zeigend wie Jackson leidenschaftlich, engagiert und einfühlsam war. Dennoch, Warhol und Jackson waren beide Pioniere in einer neuen, hoch angesehenen Kunstform. Beide wurden nicht nur Künstler, sondern kulturelle Ikonen und zwei der einflussreichsten Former der Popkultur des mittleren bis späten 20. Jahrhunderts. 

Sie trafen sich das erste Mal Anfang 1977, als Jackson 18 Jahre alt war. Die Andy Warhol Diaries enthalten eine kurze Beschreibung dieses Treffens:

Catherine und ich gingen hinüber zu Regine, um Michael Jackson von den Jackson 5 zu interviewen. Er ist jetzt sehr hochgewachsen, hat aber eine wirklich hohe Stimme … Die ganze Situation war lustig, weil Catherine und ich nichts über Michael Jackson wussten, wirklich, und er wusste nichts über mich – er dachte, ich wäre ein Dichter oder so etwas. Also fragte er Fragen, die niemand, der mich kennt, je fragen würde – ob ich verheiratet wäre, ob ich Kinder habe, ob meine Mutter noch lebt … Ich erzählte ihm „Sie lebt in einem Heim.“

Studio 54 1977

- Michael Jackson & Andy Warhol, Studio 54 – 1977 -

Ein Grund für „Fragen, die niemand, der mich kennt, je fragen würde“ ist, dass Warhol selten eine ehrliche Antwort gab. (Tatsächlich war seine Mutter schon Jahre vorher gestorben.) Teil von Warhols Kunst war die Erschaffung eines rätselhaften öffentlichen Images. Damit Kunst einen Eindruck hinterlässt, muss sie wahrgenommen und diskutiert werden; sie muss Teil eines ständigen kulturellen Dialogs werden. In Warhols Kunst, wie in seinen Gemälden von Marilyn Monroe, vollzieht er eine ernsthafte Analyse unserer Verehrung von Berühmtheiten. Er nutzte sogar den Klatsch unter Berühmten, um sich selbst und seine Werke zu fördern, und er wusste besser, wie er den Klatsch anheizen konnte, als jeder Künstler vor ihm.

Warhol und Jackson definierten den Geltungsbereich des Künstlers neu, indem sie ihr öffentliches Image zu einem bedeutsamen Teil ihrer Werke machten. Für Warhol beinhaltete dies die Kultivierung eines exzentrischen öffentlichen Gesichtes: extrem blasse Haut, pechschwarze Augenbrauen und eine Reihe von zotteligen weißen Perücken. (Warhol litt als Kind an einer Autoimmunschwäche, einer Störung, die die Pigmente seiner Haut angriff.) Das Ziel seines aufsehenerregenden Aussehens war nicht ein attraktives Äußeres, genauso wenig wie es das Ziel seiner Kunst war, hübsche Bilder zu malen. Stattdessen formte er sein Äußeres sorgfältig, um für jedermann sichtbar seine Definition des Künstlers auszudrücken, der Art des experimentellen Künstlers, der er sein wollte.

Welches eine wichtige Frage aufwirft: Wie sollen wir Michael Jacksons sich entwickelnde Erscheinung sehen, besonders die sich verändernde Farbe seiner Haut? Es begann mit einer Krankheit, die fortschreitend die Pigmente seiner Zellen zerstörte, aber es wurde wesentlich mehr als ein medizinisch bedingter Zustand. War es das Ergebnis eines tief sitzenden Unbehagens gegenüber seiner Rasse, wie gemeinhin angenommen? Oder war es etwas anderes? War es vielleicht Kunst, wie Jackson selbst sagte?

Dr. Arnold Klein, Jacksons Dermatologe, hat bestätigt, dass Jackson an Vitiligo litt, trotzdem sagte er in Interviews, dass Jackson immer auch sein Gesicht als Kunstwerk diskutierte. Jackson suggeriert dies in Scream ebenfalls, durch die Einbeziehung des Warhol Porträts und René Magrittes The Son of Man, das bald danach auftaucht. Das Gemälde von Magritte, welches in Scream abgeschnitten erscheint, um die Aufmerksamkeit auf das Gesicht des Subjektes zu lenken, oder wo das Gesicht sein sollte, zeigt einen Mann mit einem Bowler Hat mit einem Apfel vor dem Gesicht, der seinen Mund, die Nase und die Wangen verdeckt und die Stirn freilässt. Nur seine Augen sind zu sehen. Sein Gesicht wurde faktisch durch ein Stillleben ersetzt, ein Kunstwerk. Wir sehen Kunst, wo wir erwarten, ein Gesicht zu sehen.

Das Warhol Porträt und das Gemälde von Magritte verbindet ein drittes Bild – ein abstraktes von Jackson Pollock, dessen Vorname Bedeutung erlangt in diesem Zusammenhang. Es funktioniert wie ein Pfeil, sagt uns, in welche Richtung wir schauen sollen, während wir die beiden benachbarten Bilder interpretieren. Jackson betont diesen Punkt, indem er sein eigenes Bild abschneidet genau bevor er zu dem Jackson Pollock Gemälde zurückkehrt. Durch die sorgfältige Auswahl und Platzierung dieser Bilder benutzt Jackson die Sprache der Kunst, um zu erklären, dass, wie bei Warhol, sein sich änderndes Äußeres als medizinischer Zustand begann, aber nun zu einer bewussten künstlerischen Entscheidung geworden ist.

(Übersetzung: Lilly)

Willa Stillwater , M-Poetica: http://www.amazon.com/Poetica-Michael-Jacksons-Connection-Defiance-ebook/dp/B004WDRVP8

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