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Michael besucht Mumbai, Indien – HIStory-Tour 1996

Eine Erinnerung an Michaels Aufenthalt in Indien für sein HIStory-Konzert (am 1. November 1996) von dem Fotograf Mahesh Bhat.

English: http://entertainment.in.msn.com/hollywood/article.aspx?cp-documentid=3069357#page=1

1996 war das anstehende Konzert von Michael Jackson in Mumbai die große Neuigkeit. Ich hatte keine Pläne dorthin zu gehen. Wenige Tage vor dem Konzert bekam ich einen Anruf von meinem Freund Shantanu Sheoreyi. Er war in beratender Funktion an der Veranstaltung beteiligt. “Mahesh, wir brauchen jemanden, der MJs Besuch und das Konzert dokumentiert, kannst du das tun?” fragte er mich. “Ob ich es tun kann? Whoa, ich bin schon am nächsten Flug nach Mumbai.”

Ich kam dort einen Tag vor MJs Anreise an. Ich hatte Gespräche mit den Verantwortlichen, und darauf folgte ein Besuch im Stadion in Andheri, wo das Konzert stattfinden sollte. Eine große hölzerne Plattform wurde gebaut. Die gesamte Bühne wurde in 2 Antonov-Cargo-Flugzeugen transportiert. Mir wurde gesagt, dass sein Team alles in 24 Stunden aufbauen würde.

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Am Tag seiner Ankunft erreichten wir frühzeitig den Flughafen. Ich sollte seinen Besuch von seinen ersten Schritt aus dem Flugzeug an dokumentieren. Einige von uns wurden an die Tür von der Skybridge eskortiert. Schauspieler Sonali Bendre hatte die Ehre, MJ willkommen zu heissen. Ein “Seite-3″ Geschäftsmann wollte auch dort hin, aber er wurde von der Polizei weggeführt. Das Flugzeug mit MJ landete. Die Beamten der Einwanderungsbehörde gingen in das Flugzeug, um die Formalitäten zu erledigen. Menschen begannen herauszusteigen. Plötzlich sehe ich ein vertrautes Gesicht, meinen Freund, den Fotografen John Isaac! Wir umarmten uns und er sagte: “Hey, was machst du hier?” Ich hörte von ihm, dass John den Auftrag hatte, das Leben und die Arbeit von MJ zu dokumentieren und mit ihm reiste!

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Dann kommt MJ selbst. Wow – die Legende ist direkt vor mir, nur wenige Meter entfernt. Er eilt heraus und ich schieße Fotos. Autos warten schon, um ihn wegzubringen. Ein luxuriöser Van wartete auf ihn. Ich stieg in einen SUV mit einem offenen Dach, so dass ich aufstehen konnte und Fotos von der Fahrzeugkolonne schießen konnte. Ich fuhr mit der Fahrzeugkolonne von MJ. Als wir den Flughafen verlassen hatten, sah MJ eine Reihe von Kindern aus den Slums und lies das Auto stoppen. Wir alle sprangen heraus. Er wollte einige Videoaufnahmen mit ihnen zusammen machen. Es gab drei Videografen, die jede Bewegung, die er machte festhielten. Kinder stürzten auf ihn zu und nahmen alles, was sie auf der Straße für Autogramme finden konnten – verschmutzte Zigarettenschachteln, ein Stück Papier. MJ unterschrieb alles gut gelaunt und vergass nicht, seine Video-Crew anzuweisen, nichts davon zu verpassen. “Seht zu, dass ihr alles aufnehmt” sagte er.

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- Michael mit Bal Thackeray, seinem Enkel Aditya und anderen Kindern –

Alle Straßen waren abgesperrt und wir fuhren zu Bal Thackreys Residenz, die MJs erste Anlaufstelle war. Dort herrschte Chaos. Polizei mit Maschinengewehren und Walkie-Talkies, die Meter lange Antennen hatten, konnten nicht die Horde der wartenden Pressefotografen davon zurückhalten, durch die Absperrungen zu brechen und auf das Gelände zu laufen. John und ich wurden draussen aus dem Auto gelassen. Später nahmen sie uns doch mit hinein. MJ bekam einige Geschenke und es wurde nicht viel gesprochen. Er saß dort mit einem abwesenden Ausdruck auf seinem Gesicht.

An diesem Abend war ein Abendessen im Oberoi Towers organisiert, wo er wohnte. Mumbais “Who’s Who” und ganz Bollywood waren eingeladen. Das Menü war rein vegetarisch. MJ war pünktlich dort, die meisten “Who’s Who” waren es aber nicht. Es gab einen kleinen Empfang. MJ erhielt eine mit Diamanten übersäte Miniatur des Taj Mahal. Jemand hielt eine Rede. Ein bekannter Schauspieler sprang an den Tisch, schüttelte MJ’s Hand und sprang herum wie ein Affe! Dann ging MJ zurück in sein Zimmer. Er hatte weder mit jemandem geredet, noch hat er das Essen berührt. Dann trafen die “Who’s Who” ein und mussten das vegetarische Menue essen! Sie hingen herum und assen leise murmelnd. Am nächsten Tag las ich in den Zeitungen, dass einer der Musik-Direktoren von Bollywood (der Mann, der eine Vorliebe für Gold hat…derjenige, der ihn errät bekommt aber keinen Preis!) mit MJ zusammenarbeiten würde, um ein Album zu produzieren und dass MJ großes Interesse an seiner goldenen Halskette gezeigt hätte. Tatsache war allerdings, dass er – so wie es modern ist – zu spät zu dem Abendessen kam und MJ nicht einmal gesehen hatte! Auf seinem Weg nach draußen schüttelte MJ die Hände von einem der Kellner. Der fiel fast in Ohnmacht!

Der nächste Tag – es war der Tag vor dem Konzert, kam MJ nicht aus seiner Suite. Ich war mit John Isaac in dessen Zimmer. Der ganze Stock des Oberoi Towers war von MJs Entourage besetzt und niemand anderes durfte hinein. John Isaac ist in Chennai geboren. Er arbeitete kurz für Air India und ging nach New York, um Gitarrist zu werden. Stattdessen wurde er Fotograf und stieg auf zum Chef-Fotograf der Vereinten Nationen und zu einem gefeierten Fotojournalisten. John arbeitete viel für UNICEF. Audrey Hepburn, die damalige Botschafterin von UNICEF und eine Freundin von John, stellte ihn MJ vor. John erzählte mir über MJs Liebe zu Gedichten und dass sie ein Buch mit MJs Gedichten und Johns Bilder planten. Letztlich wurde es nicht realisiert.

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Den ganzen Tag lang kam die die “Hautevolee” von Bollywood zum Hotel, um MJ zu treffen. Aber niemand durfte auch nur in den Aufzug. Überall gebrochene Herzen. Plötzlich gab es Aufregung. Trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen war ein Typ aus Bihar in das Hotel gekommen, mit einem schön verpackten Vorderlader auf der Schulter! Frag mich nicht wie er es geschafft hatte. Also nahm die Polizei ihn fest und fand heraus, dass er auf der Suche nach einem Job nach Mumbai gekommen war. Und er landete im Hotel, weil jemand ihm gesagt hatte, dass er hier einen Job finden könnte. MJ’s Sicherheits Team, bestehend aus mehreren Ex-Marines, war immer sehr taff. Nach diesem Vorfall wurden sie paranoid. Es gab viele Reibereien und die Temperatur war immer kurz vorm Kochen. Später fragten wir sie, warum sie so besorgt waren. “Nun, er ist unser Lebensunterhalt, wir können nicht zulassen, dass ihm etwas passiert”, sagte der Sicherheitschef. Sie schützen ihn zu ihrer eigenen Absicherung.

Es war geplant, mit MJ nach Madh Island zu fahren. Er wollte das Zentrum von Nirmal Hriday in Mumbai besuchen. (Anmerkung: ein Gesundheitszentrum..) Aber ein paar Witzbolde faxten eine Morddrohung. Die Security legte ein Veto gegen den Besuch ein und MJ war untröstlich. In seiner Suite fing er an hemmungslos zu weinen. Seine Freunde brauchten fast eine Stunde um ihn zu trösten. Das war, als ich mir dachte, dass er wie in einem diamantbesetzten Platin-Käfig gefangen war. Die Morddrohung hielt jedoch einige Mitglieder seiner Crew nicht davon ab, die Stadt zu erkunden. Ich denke, sogar einige seiner Leibwächter nahmen sich einen Abend frei. Nur der Chef konnte nicht mal einen Schritt aus seinem Zimmer tun!

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Am Abend gab es ein Foto-Shooting mit einer ganzen Menge Kinder. Es fand auf der Terrasse des Hotels statt und später gingen wir in seine Suite. Ich habe viele Porträts von ihm dort gemacht. Er befasste sich nicht mit den Erwachsenen aber er sprach mit vielen Kindern. MJ hatte eine große 3D Collage mit schwarz-weiß-Fotos seiner Familie. Ich hörte wie jemand sagte, dass er diese überall mit hinnahm.

MJ wollte nicht gestört werden. Kurz vor dem Konzert meditierte er und traf sich mit einigen wichtigen Personen der indischen Seite und machte Fotos. Ich war frühzeitig vor Ort. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Stellen, aus – der “Grube” unter der Bühne, oder von der Sound-Console aus zu fotografieren. Letztere hatte einen direkten Blick auf die Bühne, und ich musste mich nicht um einen Platz drängeln. Ich entschied mich dafür. Die VIP-Loge war auch dort. Asha Bhosle, Sunil Gavaskar, Prabhu Deva und Tausende Fans warteten darauf, dass die Performance begann.

MJs Bühne war klimatisiert und wurde auf 16 Grad Celsius gehalten. Es gab zwei massive AC Türme die kühle Luft pumpten. Starke “Luftvorhänge” in der Front hielten warme Luft draußen. Es gab einen Meditationsraum, falls er während der Pause meditieren wollte. Es spielte keine Rolle, wo er auftrat; die Bühne war immer genau gleich.

Die Performance war erstaunlich. Er war wirklich ein großer Entertainer. Ashaji tanzte! Sie forderte all die jüngeren Frauen in der VIP-Loge auf, mit zu tanzen. Ich drehte mich um und sah Sunny Gavaskar ‘grooven’! Prabhu Deva erzählte seinen Fans, es war, als hätte er einem Gott zugesehen.

Ich habe keine weiteren Worte, um seine Wirkung zu beschreiben.

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Ein paar Eindrücke vom Konzert und der Ankunft in Mumbai:

In Bombay, India, 85% of the proceeds from one concert were put aside for the ‘Shiv Udyog Sena’ to help create jobs for 270,000 young people in the state of Maharashtra.

In Bombay wurden 85% der Einnahmen eines Konzerts an den ‘Shiv Udyog Sena’ gegeben, um dabei zu helfen, Jobs für 270.000 junge Menschen im Bundesstaat Maharashtra zu schaffen.“

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Noch mehr Erinnerungen an dieses Konzert und Michaels Aufenthalt in Mumbai:

Choreograf Ganesh Hegde, der der Opening-Act von MJs Konzert war erinnert sich an sein Treffen mit Michael als “die beste Minute seines Lebens” “Ich traf Jackson in seinem “green room”, der stockdunkel war, bis auf ein Licht, was in der Ecke flackerte. Er schüttelte mir die Hand und sagte, dass er meine Performance sehr mochte. Das war mein größter Augenblick. „Pop Kultur begann mit MJ und endete mit ihm”

Shobhaa De schrieb später: “Diejenigen von uns, die in der glücklichen Lage waren, sein Konzert zu sehen werden nie die Magie dieser goldenen Stunden vergessen, als Jackson die Menge mit einer Performance von atemberaubendem Ausmaß begeisterte. Mir stellen sich heute noch die Haare auf. Ich sah nie solche Energie, solche Hingabe, solche Klasse. Er war von erstaunlicher Brillanz und ich sah seine letzte Zugabe mit Tränen überströmtem Gesicht an. Als er wiederholt zu der faszinierten Menge “I Love You” flüsterte, glaubtest du ihm, dass er uns alle liebte. Jeden persönlich. Es war ein wunderbarer Abend. Ich ging mit dem Gefühl, dass ich previligiert war eine historische Performance zu sehen von einem der weltbesten Entertainer.

“Ich erinnere mich, wie er aus seinem Privat Jet stieg und dass seine Entourage mit 4 weiteren Flugzeugen kam. Der Flughafen kam für eine Stunde zum Erliegen, weil die Angestellten und die Flughafen-Crew und die Passagiere alle kamen, um ihn zu begrüßen,” sagt Sabbas Joseph, Direktor von Wizcraft, die das Konzert organisierten. Sogar Anil Ambani lieh dem Star sein “Open Roof Car”. Jacksons Ankunft im Hotel war eine große Sache, die Leute von den umliegenden Büros kamen um einen Blick auf ihn zu werfen. “Er fragte nach einem freistehenden Ganzkörper Spiegel in seinem Zimmer und als er abreiste signierte er diesen. Er signierte auch eine Kissenhülle aus seinem Zimmer.”

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India, all my life I have longed to see your face. I met you and your people and fell in love with you. Now my heart is filled with sorrow and despair for I have to leave, but I promise I shall return to love you and caress you again. Your kindness has overwhelmed me, your spiritual awareness has moved me, and your children have truly touched my heart. They are the face of God. I truly love and adore you India. Forever, continue to love, heal and educate the children, the future shines on them. You are my special love, India. Forever, may God always bless you”

- Michael Jackson

Indien, mein ganzes Leben lang habe ich mich danach gesehnt, dein Gesicht zu sehen. Ich traf dich und dein Volk und verliebte mich in euch. Jetzt ist mein Herz voller Trauer und Verzweiflung, weil ich dich verlassen muss, aber ich verspreche, ich werde wiederkommen, um dich wieder zu lieben und zu umarmen. Deine Liebenswürdigkeit hat mich überwältigt, dein spirituelles Bewusstsein hat mich sehr bewegt und deine Kinder haben wirklich mein Herz berührt. Sie sind das Antlitz Gottes. Indien, ich liebe und verehre dich wirklich. Mache ewig damit weiter, die Kinder zu lieben, sie zu heilen und sie zu lehren/erziehen, die Zukunft erstrahlt in ihnen. Du bist meine besondere Liebe, Indien. Für immer, mögest du für immer von Gott gesegnet sein“ – Michael Jackson

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Quelle: http://entertainment.in.msn.com/hollywood/article.aspx?cp-documentid=3069357#page=1

http://www.mj-777.com/?p=8741

Übersetzung: M.v.d.L.

“Ich besuche so viele Waisen- und Krankenhäuser, wie ich Konzerte gebe.”

I´ve traveled the world over 8 times. I do as many hospitals and orphanages as I do concerts. But, of course, it´s not covered (by the press). That´s not why I do it, for coverage. I do it because it´s from my heart.“

 – Michael Jackson, 2005, Interview with Geraldo Rivera -

Ich bin acht-mal um die ganze Welt gereist. Ich besuche soviele Waisen- und Krankenhäuser, wie ich Konzerte gebe. Aber natürlich berichtet die Presse darüber nicht. Und das ist auch nicht der Grund, warum ich es mache. Ich mache es, weil es von meinem Herzen kommt.“

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(photo by John Issac – Prag 1996)

3 Berichte über Michaels Besuche von Waisen- und Krankenhäusern während der HIStory-Tour:

> Prag, September 1996:

Am Freitag, dem 6. September 1996 besuchte Michael ein Waisenhaus in Zbraslav, Prag. Es war eine einmalige und unvergessliche Erfahrung für die Kinder und auch für uns Erwachsene.

Offiziell hörten wir erst 4 Stunden vorher etwas über diesen geplanten Besuch. Donnerstag morgens erschienen plötzlich Michael Jacksons Fotografen, sie waren gekommen, um ein paar Fotos der Kinder zu machen. Die beiden waren sehr freundlich. Es dauerte fast zwei Stunden, um dutzende Fotos zu machen. Dann sind sie gegangen und wollten Freitags noch ein anderes Waisenhaus besuchen, wahrscheinlich Klenovice, wo Kinder im Alter zwischen 3 und 19 Jahren leben. Unser Haus ist für 3 – 5-Jährige Kinder ausgerichtet.

Freitags, kurz nach dem Mittagessen, traf Michael mit seiner Entourage ein. Nach einer kurzen Begrüßung im Haus, nahm er seine Brille ab, zog seine schwarze Jacke aus und widmete sich völlig den Kindern. Er blieb für lange Zeit in dem Raum, in dem die Jüngsten und auch Kinder mit Behinderungen waren. Weil sie gerade erst aufgewacht waren, waren sie noch in ihren Betten. Er gab jedem Kind ein Geschenk.

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Dann widmete er sich den älteren Kindern, denen er persönlich Geschenke überreichte. Er war gut gelaunt, enthusiastisch und seine Augen leuchteten. Unsere Kinder waren wunderbar und ihre Scheu hielt sich nur wenige Augenblicke. Dann nahmen sie mit einem offenen Lächeln Michaels sorgfältig verpackte Geschenke entgegen – hübsche Spielsachen, Teddybären, Holzfiguren und Legosteine.

Im Garten, wo sich alle versammelten, stand Michael mitten in einer Gruppe von Kindern und spielte mit ihnen. Er zog seinen Mantel aus und setzte sich bequem auf den Boden. Wir hatten alle den Eindruck, dass er sehr entspannt war und er schien glücklich zu sein. Alles war sehr ruhig, denn die Erwachsenen verhielten sich diszipliniert.

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Michael gab Autogramme, manchmal mit einem herzlichen Lächeln. Er versuchte sogar ein Stück von dem Kuchen, den unser Koch gebacken hatte. Während er im Garten war, kamen noch andere Kinder aus dem Kindergarten neben an, einige von ihnen erhielten Autogramme von Michael durch den Zaun.

Michael war ungefähr eine Stunde lang in unserem Waisenhaus. Er war unbefangen, still und freundlich. Sein Umgang mit den Kindern war sehr aufrichtig und offen. Ich denke, er ist ein sehr einfühlsamer, sanfter und zurückhaltender, fast schüchterner Mensch. Wir sind alle sehr darüber erfreut, dass wir die Gelegenheit hatten, ihn von einem anderen Blickwinkel kennen zu lernen als den, den wir durch die Medien kennen

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Ich glaube, dass die Kinder das wahrnehmen, was im heutigen Leben oft fehlt: die Spontaität (Direktheit), die Aufrichtigkeit und ein völlig natürliches Verhalten…. und das ist, was Erwachsene von ihnen lernen können.

  – DR Petra Vorlí Kova ( Leitung des Waisenhaus)

(Quelle: UklovesMJ facebook page Translated from ~ http://mjfc.com.br/projetosocial/?p)

 

> Südafrika 1997:

Michael wurde von Ärzten und Krankenschwestern durch das Krankenhaus geführt. Es war das „normale“ Programm: sie begrüßten die Kinder auf den Stationen, gaben ihnen Geschenke und verbrachten etwas Zeit mit ihnen. Dann liefen sie einen Gang zwischen zwei Stationen entlang und dort gab es einen abgetrennten Raum, in dem nur ein Kind war. Michael fragte, warum das Kind ganz alleine in dem Raum sei. Die Ärzte sagten ihm, es handele sich um ein Quarantäne-Zimmer, und dass sie kontrollieren müssten, wer hinein darf, weil das Kind eine ernste Erkrankung habe und sie noch nicht genau wüssten, was es ist und ob es ansteckend sei.

Die Ärzte gingen weiter. Michael blieb etwas zurück, und als sie sich ein wenig entfernt hatten, schlüpfte er in den Raum. Es gab großes Geschrei, die Ärzte und Schwestern gerieten in Panik, aber keiner wollte Michael ohne Schutzausstattung in das Zimmer folgen. Joe erzählte mir, dass sie durch das Fenster beobachteten, wie Michael bei dem Kind am Bett sass, mit ihm sprach und es auf die Stirn küsste. Dann kam Michael ganz ruhig wieder aus dem Raum und die Ärzte wollten natürlich nicht mit ihm schimpfen – schliesslich war er ja Michael Jackson. Aber sie waren deutlich besorgt.

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Später fragte Joe Wilcots (Michaels Kameramann) Michael, warum er das getan hatte – was um Himmelswillen er sich dabei gedacht habe, ein solches Gesundheitsrisiko einzugehen. Michael entgegnete ganz einfach: „Ich wollte das tun, was die Mutter des Kindes getan hätte, wenn sie da gewesen wäre.“ Er wußte, keine Gefahr würde Eltern davon abhalten, zu ihrem Kind zu gehen. Kein Risiko würde eine Mutter daran hindern, zu ihrem Kind zu gehen und ihm zu zeigen, dass sie es liebt.

Das war für mich immer das Sinnbild für Michaels Verhältnis zu Kindern. Er schien elterliche Liebe und Verantwortung für jedes Kind der Welt zu spüren.“

(Maria Crawford beschreibt Michaels Besuch in einem Kinderkrankenhaus in Südafrika, 1997. – Quelle: „A Life For Love“)

 

> Bucharest 1996:

Als Michael vor seinem HIStory Konzert in Bucharest das ST. Ecatarina-Waisenhaus besuchte, waren wir die einzigen Reporter, die ihn begleiten durften. Michael war betrübt. Er sagte zu mir: „Es gibt tausende Kinder in Rumänischen Waisenhäusern. Die meisten haben ihre Eltern verloren, aber manche werden auch von ihren Familien ausgestossen.“

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Michael saß am Boden umgeben von vielen Kindern. Er war sehr entspannt und lächelte viel. Zuerst beobachteten ihn die Kinder, im Alter zwischen zwei und vier Jahren, nur, aber als Michael begann, ein paar Legosteine zusammen zu bauen, spielten sie schnell mit ihm zusammen. Michael hatte keinerlei Berührungsängste, obwohl einige der Kinder AIDS hatten.

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Er hob nahm ein Baby auf den Arm, welches nur ein paar Tage zuvor vor der Tür des Heims abgelegt worden worden war. Ein kleines Mädchen namens Maria begann damit, ihm Süßigkeiten in den Mund zu stecken, ein sehr berührender Augenblick.

Diese Kinder hatten nie ein warmes Zuhause kennengelernt, niemand wollte sie haben. Ihre Augen waren traurig und ängstlich. Für einen Tag brachte Michael ein wenig Sonnenschein in ihr Leben.

Während seinem Besuch war im ganzen Waisenhaus eine heitere Atmosphäre zu spüren, ganz anders als die sonst übliche Tristesse.

(Michael) verteilte Geschenke, Blumen, Spielsachen und spielte lange Zeit mit den Kindern. Ein Mitarbeiter sagte zu mir: „Ich habe die Kinder nie so glücklich gesehen. Für sie ist es wie Weihnachten!“

Michael spendete der Heimleitung eine beachtliche Summe im Namen seiner Heal The World-Stiftung, die er gegründet hatte, um Kindern zu helfen. Es war offensichtlich, dass Michael das nicht aus PR-Gründen tat sondern weil es eine Herzenssache war. Es waren auch keine Journalisten zugelassen, nur für die Bravo machte er eine Ausnahme.

Am Abend besichtigte Michael noch Bucharest und besuchte auch den königlichen Palast, wo er auch eine traditionelle Show ansah und eine Rede zu seinem Anliegen, den Kindern auf der Welt zu helfen, hielt. „Kinder sind unsere Zukunft! Sie sind das Wichtigste, was wir haben. Mein größter Wunsch ist es, dass Politiker mehr nachdenken, bevor sie die Kinder in ihre Kriege schicken.“

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(photo by John Issac – Prag 1996)

Andere Superstars liegen in ihrem Whirlpool, trinken Champagner und machen sich ein schönes Leben, während Michael seine Zeit und seine Energie dazu nutze, Kindern zu helfen. Und immer, wenn er das tat, tat er von ganzem Herzen.

(Alex Gernandt, über Michaels Besuch in Bucharest, September 1996 – Quelle: „A Life For Love“)

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Michael´s Charity Contributions 1979-2003“

http://www.mjfancommunity.com/human.htm

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A Life for L.O.V.E- Michael Jackson stories you should have heard before

http://www.amazon.de/life-L-O-V-E-Michael-Jackson-stories/dp/3849551962

NEWS: Am 27. September 2014 wurde im Kinderheim in Zbraslav, Prag, zum Gedenken an Michael (und seinen Besuch von 1996 ) diese Statue von Michael  (erschaffen von der Bildhauerin Daniela Kartáková) enthüllt:

Auf der Plakette ist u.a. zu lesen: “If you wanna make the world a better place, take a look at yourself and then make a change.”

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Gespräch über Dangerous mit Susan Fast

by

Dangerous Talk with Susan Fast
04/09/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Dangerous Susan Fast

Willa: Ich bin begeistert, dass sich uns diese Woche wieder einmal Dr. Susan Fast anschließt, deren neues Buch über das Dangerous Album am 25. September bei Bloomsbury Press herauskommt. Ich möchte zuallererst einmal sagen, dass ich dieses Buch jetzt zweimal gelesen habe und immer noch verblüfft bin. Zum ersten Mal liegt uns eine detaillierte, in die Tiefe gehende Analyse eines Albums von Michael Jackson vor und es ist erstaunlich – sie enthüllt, wie er durch jede Schicht seiner musikalischen Kreation und Darbietung Bedeutungen vermittelt. Manche Abschnitte habe ich zahlreiche Male gelesen, bin sie Satz für Satz mit meinen Kopfhörern auf den Ohren durchgegangen, um all die Details und Bedeutungsnuancen, die Susan ausfindig gemacht hat, erfassen zu können. Ich wurde ganz einfach umgehauen worden davon.

Susan, dein Buch ist solch eine Fundgrube an Gedanken, ebenso wie an neuen Wegen des Hörens und Denkens über seine Musik. Da ist so viel, über das ich mit dir sprechen möchte! Vielen Dank, dass du da bist.

Susan: Danke, dass ich wiederkommen durfte zu Dancing With the Elephant, Willa. Es ist solch ein Vergnügen, wieder mit dir Gedanken austauschen zu können. Schade, dass Joie dieses Mal nicht bei uns sein kann.

Willa: Finde ich auch. Joie startet beruflich mit etwas Neuem, was sehr aufregend ist, aber sie ist dadurch auch sehr beschäftigt.

Susan: Sehr aufregend, ich wünsche ihr viel Glück! Und Danke für deine unglaublich großzügigen Kommentare zu meinem Buch und für deine Hilfsbereitschaft, während ich es geschrieben habe: Du hast die Entwürfe für jedes Kapitel gelesen (manche mehr als einmal, glaube ich) und solch wohlüberlegte Anregungen gegeben, die das Buch noch stärker gemacht haben. Und es half dabei, den Prozess des Schreibens etwas weniger einsam zu machen, was, wie du selbst sehr gut weißt, oft der Fall ist.

Willa: Oh, ich habe es voll und ganz genossen! Und ich liebe die Tatsache, dass du dich auf Dangerous konzentriert hast, dem gern sehr viel weniger Beachtung geschenkt wird als Off the Wall oder Thriller. Die meisten Kritiker scheinen zu denken, jene zwei Alben seien die Höhepunkte des künstlerischen Schaffens von Michael Jackson gewesen, und dass es ab da nur abwärts gegangen wäre. Ich weiß nicht, wie viele Male ich das gelesen habe …

Susan: Ja, ich verweise in dem Buch auf zahlreiche Kritiker mit dieser Meinung und sie kommen weiterhin; der 35. Jahrestag der Veröffentlichung von Off the Wall ist gerade vorbei und Mark Anthony Neal schrieb einen Aufsatz, in dem es als Jacksons „Meisterleistung“ bezeichnet wurde. Es ist ein brillantes Album, aber alle Alben von Jackson sind brillant. Wenn ich länger darüber nachgedenke, dann weiß ich im Grunde nicht, wie seine Alben miteinander verglichen werden können; sie sind wie Äpfel und Orangen, jedes von ihnen auf einzigartige Weise entstanden und eingerahmt. Ich denke, wir müssen wegkommen davon, sie in einer Hierarchie zu sehen, was, meiner Meinung nach, zumindest zu einem Teil auf nostalgischen Gefühlen gegenüber dem jüngeren Jackson beruht – aus vielen komplizierten Gründen.

Willa: Das ist eine wirklich gute Feststellung, Susan, und wir könnten leicht einen ganzen Post nur mit der Untersuchung dieser „komplizierten Gründe“ verbringen. Ich denke, vieles davon hat nostalgische Gründe, wie du sagst – sowohl für den jüngeren Michael Jackson und auch für unser jüngeres Selbst, für die Menschen, die wir waren, als wir zum ersten Mal diese frühen Alben gehört haben – genauso wie einen Widerwillen dagegen, ihn als erwachsenen Mann und als reifen Künstler zu sehen.

Und ein Teil davon, denke ich, ist ein tiefes Unbehagen unter Weißen gegenüber der Vorstellung des „zornigen schwarzen Mannes“ („angry black man“). Diese Vorstellung trägt eine Menge emotionalen Ballast mit sich herum, besonders in den Vereinigten Staaten, und ich denke, viele Menschen waren sehr beunruhigt bei der Vorstellung, dass der Michael Jackson mit dem süßen Gesicht, der vor unseren Augen aufwuchs – eine gefeierte Erfolgsgeschichte und ein Symbol für Integration und Rassenharmonie – zu einem „zornigen schwarzen Mann“ werden konnte.

Aber wir sehen Wutausbrüche in seinen späteren Alben. Und er spricht ganz sicher mit einer erwachsenen Stimme, wie du in deinem Buch betonst. Ich war sehr interessiert daran, dass du Dangerous als einen signifikanten Meilenstein in dieser Entwicklung siehst. Eigentlich beginnst du dein Buch mit der kühnen Behauptung, dass „Dangerous Michael Jacksons Album ist, mit dem er erwachsen geworden ist“. Ich liebe das! – zum Teil deswegen, weil es mutig der herkömmlichen Meinung, Dangerous sei nur eine weitere Stufe seines Abstiegs gewesen, widerspricht.

Susan: Die Abstiegsgeschichte ist meiner Meinung nach dermaßen unangebracht, aber wie du sagst, es hängt davon ab, wonach du suchst und welche Erfahrungen du mit Michael Jacksons Musik gemacht hast. Ich habe das Dangerous Album schon seit so langer Zeit geliebt und habe es immer für ein äußerst bedeutsames künstlerisches Statement gehalten. Dass ich nun die Gelegenheit hatte, so viel Zeit damit zu verbringen, war eine erstaunliche Erfahrung. Ich bin dankbar, dass die Herausgeber von 33 1/3 der Meinung waren, dass es ein lohnenswertes Projekt sei. Und ich bin wirklich begeistert, dass sie dieses Buch, das einzige in der Serie über Jackson, zum 100. Band der Serie gemacht haben. Ich bin sicher, das war zum Teil Zufall, da es mit den individuellen Deadlines der Autoren zu tun hat, aber es wärmt mein Herz, zu wissen, dass solch ein wichtiger Künstler diesen bedeutenden Meilenstein besetzt.

Die Serie – jedes Buch ist einem einzelnen Album gewidmet – schreibt nicht vor, wie Aufnahmen interpretiert werden sollten, es existiert kein Schema für die Bücher – in der Tat sagen einige Bände nicht viel über einzelne Songs oder wie sie strukturiert sind. Aber zum Teil, weil ich Musikwissenschaftlerin bin, zum Teil auch, weil es so wenig Geschriebenes über Michael Jacksons Songs gibt, wollte ich mich wirklich darauf konzentrieren, natürlich immer im Hinterkopf, dass die Art und Weise, wie Musiker Klang aufbauen untrennbar mit dem Sozialen verbunden ist. Musikalische Klänge überschreiten nicht nur Raum und Zeit; sie kommen von irgendwoher und helfen dabei dieses Irgendwoher zu definieren.

Willa: Ja, ich liebe die Art, wie du die „Anatomie“ seiner Songs, wie er es bei mehr als einer Gelegenheit genannt hat, untersuchst und außerdem wichtige historische Zusammenhänge zur Annäherung an Dangerous aufzeigst. Bevor du beispielsweise einen ausführlichen Einblick in seine Songs über Leidenschaft und Verlangen gibst, nimmst du dich zuerst der „Pathologie von Jacksons Sexualität“ an, wie du es ausdrückst. Ich denke, diese Diskussion ist unglaublich wichtig, besonders weil du die erste mir bekannte Kritikerin bist, die bestätigt, was so viele Fans jahrelang gesagt haben: dass er unglaublich heiß war! Offenkundig! Und nicht nur in den 80ern, sondern während seines ganzen Lebens. Es fühlt sich für mich so befreiend an, das zu lesen. Es war wie: Ja! Endlich! Hier ist ein Kritiker, der es kapiert hat – der die auf vielen verschiedenen Ebenen die Kraft seiner Musik und seiner Performance und die bloße körperliche Präsenz versteht.

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Susan: Das Leugnen von Jacksons Sexualität durch so viele Kritiker oder – noch öfter – das Abschieben seiner durch und durch gehenden sexuellen Präsenz auf eine Performance – mit anderen Worten, als aufgesetztes Verhalten, wenn er auf der Bühne war, aber nicht als „real“ (was immer das bedeutet) – ist etwas, bei dem ich mich genötigt sah es ansprechen zu müssen, ganz besonders, weil Sex und Lust Themen sind, die auf diesem Album so eine wichtige Rolle spielen. Die Sache, die die Kritiker übersehen, ist, dass es absolut keinen Unterschied macht, ob die Rolle, die Jackson auf der Bühne ausfüllte, auf sein Leben außerhalb der Bühne übertragbar war; Schauspielkunst ist eindrucksvoll, wir sind ergriffen durch gute Schauspieler, sie lassen uns an den Augenblick der Performance glauben und vielleicht noch lange danach. Jackson tat das.

Willa: Das ist sehr wahr. Er tat das.

Susan: Darüber hinaus erkenne ich kein problematisches Missverhältnis zwischen seinem dominierenden, aggressiven, sexy Selbst auf der Bühne und seinem ruhigen, schüchternen Selbst fernab der Bühne, in der Art und Weise, wie so viele Kritiker es tun. Es ist nur dann ein Problem, wenn wir binär denken; Michael Jackson war viel zu komplex für diese Art des Denkens.

Willa: Ja, und wie du in deinem Buch dargestellt hast, war allein dieser faszinierende Kontrast seiner kühnen Bühnenpräsenz und dem schüchternen Verhalten außerhalb der Bühne für sehr viele Frauen, mich selbst eingeschlossen, schon sehr sexy.

Es gab außerdem wichtige kulturelle und historisch begründete Motive für ihn vorsichtig dabei zu sein, wie er sich selbst fern der Bühne präsentierte, besonders im Zusammenhang mit weißen Frauen. Eleanor Bowman, die hier ebenfalls manchmal etwas beisteuert, schickte vor kurzem einen Link über einen NPR-Beitrag über Billy Eckstine, einen der ersten schwarzen Künstler, die ein Cross-Over-Publikum erreichten. Um ehrlich zu sein, ich habe niemals von ihm gehört, aber sein Biograf Cary Ginell erzählte NPR, dass zu einer gewissen Zeit „Ecksteins Popularität mit der von Frank Sinatra konkurrierte“. Allerdings entgleiste seine Karriere über Nacht durch ein Foto im LIFE Magazine:

„Der Artikel zeigt ein Foto von Eckstine, wie er aus einem Nachtclub in New York City kommt und von weißen Teenager-Mädchen belagert wird,“ sagt Ginell. „Wenn du dir das Foto ansiehst, sieht es sehr harmlos und sehr unschuldig aus. Es zeigt im Grunde das, wie Amerika sein sollte, ohne rassenbezogene Spannungen, keine Rassentrennung – einfach aufrichtige Liebe und Freude unter den Mitgliedern verschiedener Rassen. Aber Amerika war 1950 für so etwas nicht bereit. Das weiße Amerika wollte nicht, dass Billy Eckstine seine Töchter datet.“

http://www.npr.org/2014/07/07/329504013/billy-eckstine-a-crooner-who-crossed-barriers

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Eckstines Crossover-Karriere endete abrupt mit diesem einen Foto: „Eckstine nahm weiter auf und trat auch weiterhin auf, aber weiße Discjockeys spielten seine Musik nicht.“ Und es ist fast so, als wäre er aus der öffentlichen Erinnerung ausradiert worden – zumindest aus der „weißen“ Erinnerung. Aber Michael Jackson war ein sehr belesener Schüler der Geschichte, besonders der Geschichte der Schwarzen, und ich bin sicher, dass ihm die Gegenreaktionen gegen öffentliche Personen vor ihm, die als zu vertraulich mit weißen Frauen wahrgenommen wurden, sehr bewusst waren – Personen wie Jack Johnson und Chuck Berry und Billy Eckstine.

Susan: Was für eine tragische Geschichte das ist. Mein alles umspannender Punkt bei Dangerous ist, dass die politisierte und sexualisierte erwachsene Rolle, die Jackson auf diesem Album und in den dazu veröffentlichten Short Films enthüllt, unglaublich bedrohlich war. Und wie du sagst, ich denke, er wusste, dass er vorsichtig sein musste angesichts der Geschichten wie der von Eckstine und vielen anderen, was der Grund dafür ist, dass diese sanfte, süße öffentliche Rolle außerhalb der Bühne so wichtig war. Gleichzeitig ging er bis an die Grenzen – traf sich zum Beispiel mit im Fokus der Öffentlichkeit stehenden weißen Frauen. Ich spreche das in dem Buch an. Lange Zeit behielt er eine sensible Balance bei, aber schließlich, als er in den späten 1980ern und frühen 1990ern begann, sich als mehr erwachsen und sexualisiert zu präsentieren, kam diese Balance aus dem Gleichgewicht. Seine Performances konnten nicht so leicht ausgeblendet werden.

Und was für mich so interessant ist, ist, dass viele Kritiker und andere ihn nicht als Erwachsenen sehen konnten, nicht sehen wollten und immer noch nicht sehen können – nicht glauben, dass er einer ist – und ich denke, das ist einer der Gründe, warum er so oft verunglimpft und infantilisiert wird. Sieh dir nur die Boulevard-Story an, die kürzlich die Runde machte, in der ungenannte Hausangestellte, die angeblich auf Neverland gearbeitet haben, berichteten, dass sie gesehen hätten, wie er in sein Haus „pinkelte“ und ihnen gedroht habe, sie mit „Schneebällen“ aus Tierexkrementen zu bewerfen; dies ist eine sehr spezielle Art der Abwertung – einschließlich der kindlichen Ausdrucksweise, die hier benutzt wird – durch die Jackson sein Erwachsenenstatus abgesprochen wird. Wir könnten sagen, ihm werden damit noch sehr viele andere Dinge abgesprochen – Würde, die Fähigkeit ernst genommen zu werden, vielleicht seine Menschlichkeit …

Willa: Ganz meine Meinung! Es leugnet sein Menschsein in einem sehr buchstäblichen Sinn: auf den Boden zu pinkeln und mit Fäkalien zu werfen ist etwas, was ein Affe tun würde, was ein Tier tun würde, kein Mensch. Als ich diese Geschichten gehört habe, dachte ich sofort an den Refrain von Monster:

Monster

(Er ist wie ein Tier)

Er ist ein Monster

(Genau wie ein Tier)

Er ist ein Tier

Ich denke, er hat wirklich diesen Impuls gewisser Teile der Bevölkerung, ihn als ein Monster, ein Tier, als Feindbild, als einen Anderen zu charakterisieren, verstanden und er zwang uns, das zu erkennen.

Susan: Ja, ganz sicher. Aber ich denke, der Einsatz der kindlichen Ausdrucksweise weist ganz speziell auf das Verlangen hin, ihn in die Vorpubertät, in die Kindheit zurückzustufen – auf eine böswillige Art, nicht auf die Art, die er begrüßt hätte! Eric Lott sagt in seiner aufschlussreichen Analyse für den Short Film Black or White, dass zu Beginn des Panther Dance „in diesem Moment etwas so Außergewöhnliches passierte, dass das ursprüngliche Publikum es gar nicht begreifen konnte.“

Willa: Das sehe ich auch so.

Susan: Ich auch. Elizabeth Chin hat dies aufgearbeitet, indem sie sagt, dass viele den Panther Dance „unverständlich“ auf eine Art fanden, wie es Begegnungen mit dem Unbekannten oft sind; sie benutzt Freuds Konzept des Unheimlichen, „das Wiedererkennen einer bisher unterdrückten Wahrheit“, um klarzumachen, was in diesem Moment mit so vielen Zuschauern passierte. Ich denke, das ist etwas, was über Jackson generell gesagt werden kann, besonders als er älter wurde und damit begann, sein Publikum tiefergehender durch soziale Themen zu fordern. Kritiker und Teile seines Publikums konnten das nicht erfassen, konnten nicht erkennen, was er sagte oder tat.

Willa: Das stimmt. Und das ist eine ausgezeichnete Art vieles seines späteren Werkes zu beschreiben, nicht wahr? Dass er uns auf einer gewissen Bewusstseinsebene dazu zwang „eine unterdrückte Wahrheit“ anzuerkennen. Und der Panther Dance ist ein unglaubliches Beispiel dafür. Mehr als 20 Jahre später versuchen wir immer noch, die „Wahrheit“ dieser Performance aufzudecken – wir sind immer noch überwältigt davon und können nicht alles begreifen, um es mit ähnlichen Worten wie Lott auszudrücken.

Also Susan, als ich dein Buch las, wurde ich wiederholt umgehauen durch deine tiefgründige Analyse der „Anatomie“ oder musikalischen Struktur spezieller Songs, ebenso wie des Albums als Ganzem. Eine Sache, die sofort meine Aufmerksamkeit fesselte, ist, dass man die alles umspannende Struktur von Dangerous als ein Buch mit „Kapiteln“ oder Gruppierungen von Songs, die in Beziehung zueinander stehende Themen untersuchen, erkennen kann. Im Grunde benutzt du eine ähnliche Strukturierung in deinem Buch, also spiegelt sich Dangerous in deinem Buch, Kapitel für Kapitel.

Susan: Ja, ich höre Dangerous als ein Konzeptalbum; das Konzept ist locker, aber es ist da. Natürlich können die Songs einzeln angehört und geschätzt werden, aber ich denke, Jackson hatte etwas Größeres im Sinn, etwas Zusammenhängendes, eine alles umspannende Erzählung. Es ist eine auffallend andere Herangehensweise als diejenige, die er für Thriller oder Bad genutzt hat, welche – wenigstens so weit ich es hören kann – nicht diese Art erzählerischen Zusammenhang aufweisen. Das ist der Grund, warum wir über jedes Album einzeln nachdenken sollten, den einzelnen Umrissen, Themen, Gedanken Aufmerksamkeit widmen sollten.

Interessanterweise sagte er in seinem Interview mit Ebony im Dezember 2007 (und er sagte Ähnliches viele Male an anderen Stellen), dass das Vorgehen bei Thriller war, ein Album voller Hit-Singles zu machen. Mit seinen Worten:

Wenn du ein Album wie die Nussknacker Suite (des klassischen Komponisten Tchaikovsky) nimmst, da ist jeder Song ein Killer, jeder einzelne. Also sagte ich zu mir selbst: ‚Warum kann es kein Pop-Album geben, wo jeder …‘ Die Leute machen normalerweise ein Album, bei dem du einen guten Song bekommst und der Rest ist wie lauter B-Seiten. Sie nennen sie ‚Album Songs‘ – und ich sage mir dann immer ‚Warum kann nicht jeder ein Hit Song sein? Warum kann nicht jeder Song so großartig sein, dass die Leute ihn kaufen würden, wenn du ihn als Single veröffentlichst?‘ Also habe ich immer versucht, dies anzustreben. Das ist mein Ziel für das nächste Album (Thriller).

Hier ist ein Clip dazu, das Zitat beginnt bei 3:38:

Seine Nennung von Tchaikovsky als Beispiel ist so interessant für mich: Welcher Popmusiker gestaltet kommerziellen Erfolg nach einer Aufnahme klassischer Musik?? Aber Tchaikovskys Gedanken waren nicht weit von Jacksons entfernt. Das Ballett Der Nussknacker war lang, komplex und machte die Bereitstellung einer Menge Ressourcen erforderlich. Warum nicht eine „Greatest Hits“-Suite kreieren, die als ein Konzertstück dargeboten werden könnte? Ich denke, es ist auch interessant, dass es acht Stücke in der Nussknacker Suite gibt, die meisten von ihnen ziemlich kurz – die ganze Sache ist etwa 25 Minuten lang. Ich kann nicht anders, als eine Parallele zu der Struktur von Thriller zu ziehen: Neun Songs, etwa 42 Minuten Musik.

Willa: Wow, das ist eine wirklich interessante Art, dieses Zitat zu interpretieren. (Nebenbei gesagt, hier sind YouTube Clips zur vollständigen Musik von The Nutcracker und zur Suite.)

Weißt du, ich habe das Ballett viele Male gesehen, und gewisse Teile der Musik sind wirklich populär – es scheint, als würdest überall, wo du in der Weihnachtszeit hingehst, den Tanz der Zuckerfee im Hintergrund spielen hören und es war auch in Disneys Fantasia enthalten. (Nur zum Spaß, hier ist ebenfalls ein Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=8At8zfh_o3E) Aber ich glaube nicht, dass ich die Musik zu Der Nussknacker jemals im Ganzen von Anfang an gehört habe, getrennt vom Ballett, und ich habe über die Suite niemals als von einem Album gedacht. Das ist so interessant, besonders wenn du es Seite an Seite mit Thriller stellst …

Susan: Ja, das war Tchaikovskys Ziel, als er die Suite kreierte: Er wollte, dass das Stück öfter aufgeführt würde, realisierte aber, dass es wegen seiner Länge und der Montagekosten nicht dazu kommen würde, und so stellte er zusammen, was er für die „Greatest Hits“ hielt und erschuf The Suite.

Aber zurück zu Thriller, die Länge ist durchschnittlich für ein Popalbum, aber es ist eine kleine Anzahl von Songs, wirklich, die kleinste Anzahl auf irgendeinem seiner Alben. Und, wie wir wissen, war so gut wie jeder Song auf Thriller eine Hit Single. Ich habe den Eindruck, dass die Leute dies als Hinweis dafür nehmen, dies wäre die Art gewesen, wie er generell über die Zusammenstellung von Alben dachte, aber ich glaube nicht, dass das wahr ist (wenn du dir das oben stehende Zitat genau ansiehst, erkennst du, dass er sich speziell auf Thriller bezieht). Thriller ist ein sehr spezieller und uncharakteristischer Fall von Gedrängtheit bei einem Künstler, der gerne expansiv sein möchte.

In einem Interview im Mai 1992 für Ebony war eine der Fragen des Interviewers, was das Konzept für Dangerous gewesen sei. Ich denke, es ist eine ziemlich erstaunliche Frage aus genau dem Grund, weil Jacksons Alben bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausdrücklich „konzeptionell“ gewesen sind: Was hat den Interviewer zu dem Gedanken gebracht, dass es da ein Konzept gab? Die Cover-Kunst? Etwas an der Musik? Auf jeden Fall verwies Jackson wiederum auf den Nussknacker, aber hier ist sein Gedanke darüber ein ganz anderer:

Ich wollte ein Album machen, das wie Tchaikovskys Nussknacker Suite ist. So, dass in tausend Jahren ab jetzt, die Leute es immer noch anhören werden. Etwas, das für immer lebendig bleibt. Ich würde gern Kinder und Teenager und Eltern und alle Rassen auf der ganzen Welt sehen, wie sie in hunderten von Jahren immer noch Songs von diesem Album auswählen und sezieren. Ich möchte, dass sie leben.

Nun, das Sezieren hat begonnen! Ich muss zugeben, dass, während ich das Interview schon einmal gelesen hatte, ich mich nicht mehr an dieses Zitat erinnern konnte, bis ich mein Buch fertig geschrieben hatte: Wie schade. Aber ich fühle mich irgendwie bestätigt, dass ich nun daran denke, dass Jackson in der Tat ein alles umspannendes Konzept für dieses Album hatte, dass er bei ihm nicht im Sinne von Hit Singles dachte (oder nicht ausschließlich oder in erster Linie), aber im Sinne von miteinander verbundenen Songs, angelegt in einer ganz bestimmten Ordnung, die uns eine Geschichte erzählen sollen. Und eine ziemlich komplexe Geschichte außerdem, eine, deren Entschlüsselung sehr viele Analysen erfordern (der Gedanke, dass sich ein Künstler wünscht, sein Werk würde seziert werden, ist ziemlich aufregend für jemanden wie mich).

Die Art, wie ich es sehe, ist die, dass dies eine Geschichte über großartige Vorstellungen ist: Sie handelt vom Untersuchen und dem Hinterfragen der gegenwärtigen Welt mit Energie und Widerstandskraft und davon, sich selbst zu erlauben, sich in all den Verwicklungen von Liebe (und Lust!) zu verlieren, sich hoffnungsvoll zu fühlen, belebt … und dann tief, tief betrogen und verletzt zu werden, nicht nur durch die Liebe, sondern durch alles und jeden. Aus meiner Sicht hat er sich nie vollkommen erholt von diesem Gefühl des Betrogenseins auf diesem Album, obwohl er sehr viel Seelenforschung betrieben hat. Die Songs sind in Gruppen gegliedert, so dass es den Gedanken erlaubt in umfangreicher Tiefe erforscht und durch verschiedene musikalische und lyrische Linsen untersucht zu werden

Willa: Ja, das war so interessant für mich. Ich habe niemals zuvor über seine Alben auf diese Art und Weise nachgedacht – dass sie Gruppierungen von in Beziehung zueinander stehenden Songs beinhalten, wie Kapitel in einem Buch, und dass sie uns durch eine Abfolge emotionaler Erfahrungen führen, wie es durch einen Roman geschieht. Aber nun, da du diese Struktur auf Dangerous aufgezeigt hast, erkenne ich es auf HIStory und Invincible ebenso.

Invincible zum Beispiel beginnt mit drei schmerzvollen Songs über eine verhängnisvolle Beziehung mit einer gleichgültigen Frau: Sie versucht ihn zu verletzen, sie versteht ihn nicht, sie stößt ihn von sich, ohne ihm eine Chance zu geben sich zu erklären oder sie zurückzugewinnen. Und interessanterweise spiegelt das seine Beziehung mit der Öffentlichkeit zu jener Zeit wider: Die Presse (und ebenso die Polizei) waren wirklich darauf aus ihn zu fassen, die Leute verstanden ihn nicht und sie lehnten seine späteren Alben ab und gaben ihnen – oder ihm – keine Chance.

Diesen Songs folgt eine Serie von fünf Songs, in denen er sich Szenen aufrichtiger Liebe vorstellt – und ziemlich heiße, sexuelle Leidenschaft ebenfalls. Es ist, als würde er versuchen, die Liebe und das Begehren, die ihm in den ersten drei Songs verwehrt wurde, durch seine Vorstellungskraft heraufzubeschwören.

Susan: Ja, diese zwei Gruppen gibt es ganz sicher auf Invincible. Er schien ein Thema auf diesen späteren Alben durch mehr als einen Song untersuchen zu wollen, in unmittelbar aufeinander folgenden Stücken. Wollte etwas aus mehr als einem Blickwinkel betrachten.

Willa: Genau.

Susan: Eine weitere erzählerische Strategie auf einem späteren Album, die mich sprachlos machte, ist seine Entscheidung, HIStory mit Smile enden zu lassen. Nach all dieser Wut und dem Hass, all diesen Kommentaren über soziale Ungerechtigkeiten, sowohl auf persönlicher, als auch auf breiterer kultureller Ebene, ausgedrückt durch einige der aggressivsten Grooves, die er je gemacht hat, endet das Album mit dieser tragischen Ballade und verweist auf das „Lächeln auch wenn dein Herz zerbricht“ (was bei ihm der Fall gewesen sein muss); es ist sehr beeindruckend.

Willa: Das ist es wirklich, besonders, wenn du bedenkst, dass Smile von Charlie Chaplin geschrieben wurde, dessen Lebensgeschichte mit der Michael Jacksons auf signifikante Art Parallelen aufweist. Chaplin war äußerst populär in den 1920er und 30er Jahren, wurde aber dann fälschlicherweise angeklagt, ein außereheliches Kind gezeugt zu haben. Es gab ein sehr öffentliches Verfahren, und ein Vaterschaftstest bewies dann, dass er nicht der Vater war. Aber er wurde ohnehin für schuldig befunden, sowohl im Gericht, als auch durch die Presse, und die Öffentlichkeit wandte sich gegen ihn. Er verbrachte den Rest seines Lebens im Exil, war so etwas wie ein sozial Ausgestoßener.

Chaplin
Ich stelle mir vor, dass Smile in diesem Kontext auf eine sehr eindrucksvolle Art zu Michael Jackson sprach. Und da HIStory in mancher Hinsicht eine Reaktion auf die Anschuldigungen gegen ihn ist, macht es Sinn, dass er das Album mit Smile enden lässt. Er schloss selten Cover Songs auf seinen Alben mit ein, aber er machte eine Ausnahme für Smile – so bedeutend war es für ihn.

Susan: Genau. Die Bemerkung über die Cover Songs ist sehr bedeutend. Wie du sagst, er machte so etwas sonst nicht. Der einzige weitere Cover Song, der auf einem seiner Soloalben erschien, ist Come Together auf Bad (Eigene Anmerkung: Come Together erschien auf HIStory). Ich war von dieser Wahl immer ebenso fasziniert.

Willa: Ich auch! Er platziert Come Together außerdem an eine sehr markante Stelle am Schluss von Moonwalker, und wie Frank DiLeo gesagt hat, dieser Film war sehr wichtig für ihn – er steckte sehr viel Zeit und Energie hinein und sein eigenes Geld in die Herstellung. Es sieht also so aus, als würde es etwas auf sich haben mit Come Together – etwas Wichtiges. Vielleicht können wir darüber irgendwann einen Post machen und versuchen, es herauszufinden.

Susan: Großartige Idee!

Willa: Es ist also wirklich faszinierend, sich seine späteren Alben als von zusammengesetzten „Kapiteln“ von Songs anzusehen – und diese Struktur scheint bei Dangerous zu beginnen. Wie du bei den zwei Zitaten bezüglich der Nussknacker Suite herausgefunden hast (und wie interessant ist es, dass er sich zweimal darauf bezieht, auf solch unterschiedliche Arten!), scheint er diese Annäherung nicht bei seinen früheren Alben angewandt zu haben. Thriller ist eher eine Sammlung von Hit Singles, wie du sagtest. Aber bei Dangerous scheint er die Zuhörer mitzunehmen auf eine emotionale Reise, während wir uns durch das Album bewegen – was darauf hinweist, dass etwas verloren geht, wenn wir diese Songs auf unseren iPods im Shuffle Modus hören.

Susan: Oder wir haben dadurch einfach nur eine andere Art der Erfahrung, was auch in Ordnung ist. Obwohl ich es mag, formale Strukturen zu betrachten, und ich denke, es ist interessant, das Album als ein Ganzes zu sehen. Jam zum Beispiel dient als eine Art Ouvertüre auf Dangerous („Es braucht nicht viel, um zu improvisieren.“ Und nun lass mich dir zeigen, wie es bei den nächsten dreizehn Songs aussieht). Mich machen auch strukturelle Details sprachlos, wenn wir Jackson zum Beispiel das erste Mal auf Dangerous hören, ist es durch seinen Atem – bevor er zu singen anfängt – ganz zu Beginn von Jam. Dieser aggressive Einsatz seines Atems kehrt wieder im letzten Song auf dem Album, bei Dangerous, wodurch er zum Ausgangspunkt des Album zurückkehrt. Ich glaube nicht, dass ein Detail wie dieses zufällig ist. Wenn du seine Musik mit offenen Ohren hörst, dann beginnst du zu hören, wie komplex sie konstruiert ist, wie nuanciert.

Willa: Ja, und habe ich das Gefühl, du hast mir meine Ohren geöffnet! Da laufen Muster durch dieses ganze Album, die mir nie aufgefallen sind und über die ich nie nachgedacht habe, wie der Einsatz seines Atems oder der wiederkehrende Klang von zerbrechendem Glas oder der Sichtbarmachung des Erdballs, der wiederholt in den Videos für dieses Album auftaucht (bei Jam, Heal the World, Black or White, Will You Be There), ebenso wie er eine zentrale Position auf dem Album Cover besetzt. Und wie du in deinem Buch ausführst, scheint sich die Bedeutung dieser Muster im Verlauf des Albums zu entwickeln.

Das zerbrechende Glas beispielsweise erlangt eine neue Bedeutung, wenn du erst einmal all das zerbrechende Glas im Panther Dance von Black or White gesehen hast – es kann ganz speziell als Ausdruck von Wut über rassenbezogene Ungerechtigkeit gedeutet werden. Und wenn du diesen Zusammenhang erst einmal hergestellt hast, ist es sehr interessant zurückzugehen und auf die anderen Momente mit brechendem Glas zu lauschen und zu erkennen, wie das die Bedeutung ebenso beeinflusst. Ich denke, da ist zum Beispiel eine rassenbezogene Komponente bei In the Closet, Joie und ich diskutierten dies vor einer ganzen Zeit in einem Post, und wir hörten zerbrechendes Glas an wesentlichen Stellen in dem Song und Video. Und das Album insgesamt beginnt mit dem Geräusch von zerbrechendem Glas, was sagt uns das also über das Album, das wir da gerade hören?

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Susan: In der Tat. Was. Die „nicht-musikalischen“ Klänge auf diesem Album zu berücksichtigen ist wirklich bedeutend – sie helfen dabei, die Erzählung zu formen. Der Klang zerbrechenden Glases kehrt an verschiedenen Stellen wieder, wie du sagst, und ich denke, seine Bedeutung ist vielfältig und komplex. Aber eine der Arten, wie ich den Klang in Bezug auf seinen Einsatz am Anfang des Albums interpretiere, ist die als eine Metapher für eine zerbrochene Welt.

Willa: Oh, das ergibt großen Sinn, Susan. Und es passt wirklich zu der immer wiederkehrenden Abbildung der Erdkugel, und zu dem Gefühl, dass er sich auf diesem Album auf „sehr große Gedanken“ konzentriert, wie du vorher sagtest.

Da sind außerdem einige wiederkehrende musikalische Techniken, die du in deinem Buch herausfindest, und die ich ebenso wirklich faszinierend finde. Du stellst zum Beispiel fest, dass sowohl Jam, als auch In the Closet eine Bass Line im Refrain beinhalten, nicht aber in den Strophen – eine betonte Abwesenheit, wenn das Sinn macht. Und das erzeugt ein sehr unbehagliches Gefühl in den einzelnen Strophen, wie du feststellst – als würden wir über einem Abgrund ohne Bodenberührung baumeln. Ich liebe diesen bildhaften Vergleich, denn er beschreibt so perfekt mein Unbehagen, wenn ich Jam anhöre – etwas, was ich ziemlich intensiv spüre, worüber ich aber nie vorher nachgedacht habe und es auch nie zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt habe, und ganz sicher habe ich es niemals mit dem fehlenden Bass in Verbindung gebracht. Und dieses unbehagliche Gefühl passt zu der Bedeutung der Lyrics, denn in beiden Songs wird in den Strophen ein Problem beschrieben: eine zerbrochene Welt, ein Konflikt romantischer Natur.

Der Bass erscheint dann im Refrain, was du im Buch als ein Gefühl der Rückversicherung deutest – wie Whew! Nun sind wir wieder zurück auf sicherem Boden! Und das verstärkt die Bedeutung der Lyrics ebenso, denn der Refrain schlägt eine Lösung vor. In Jam sagt er uns, dass es die Lösung für eine zerbrochene Welt ist zu „jammen“ – als Gemeinschaft zusammenzukommen und zusammen Musik zu machen, wortwörtlich und auch symbolisch. Die in den Lyrics ausgedrückten Gedanken und Gefühle werden also auf anspruchsvolle Art und Weise durch die Musik verstärkt.

Susan: Ja, die ist ein großartiges Beispiel dafür, wie musikalische Klänge auf sozialen Gedanken abgebildet werden. Welches Gefühl gibt uns das, wenn die grundlegende Bass Line fehlt? Auf welche Weise trägt der Keyboard Part, der nahezu die Stimmlinie spiegelt – aber eine Oktave höher und mit einem Timbre, das uns die Spannung spüren lässt – zu dem Gefühl der Ängstlichkeit in diesem Song bei? Nicht zu erwähnen Jacksons brillante Stimme in den Strophen, die gehetzt klingt: Er ist ständig dem Takt voraus – absichtlich natürlich (dies konsequent durchzuhalten ist wirklich schwierig, nebenbei gesagt).

Willa: Ich liebe die Art, wie du das ausdrückst, Susan: „wie musikalische Klänge auf sozialen Gedanken abgebildet werden“. Das ist für mich wirklich die Essenz dessen, was an deinem Buch so faszinierend ist. Ich weiß nicht genug über Musik, um das allein aufzudecken – herauszubekommen, inwieweit spezifische musikalische Details sich in Bedeutungen und Emotionen umsetzen lassen. Ich höre nicht einmal viele dieser Details heraus, bis du auf sie hinweist, und dann Wow! Es ist dann, als würde ich Teile dieser Songs zum allerersten Mal hören – wie diese hohe unangenehme Keyboard-Line in Jam, die du gerade erwähnt hast. Ich höre es jetzt so deutlich, seit ich dein Buch gelesen habe, kann mich aber nicht erinnern, es jemals vorher wahrgenommen zu haben. Es eröffnet sich einem also ein völlig neuer Aspekt seiner Brillanz, der mir verschlossen bleibt ohne Hilfe von dir oder Lisha oder von anderen Fachleuten.

Susan: Ich hoffe, dass es sinnvoll ist, über diese Dinge nachzudenken. Wenn Leute sagen, dass Jackson ein Perfektionist war, dann sind es Details wie diese, über die sie sprechen (zusammen mit seinen Lyrics und seinem Tanz – worüber etwas zu sagen mir die Fähigkeiten fehlen – etc.): Die Wahl eines bestimmten Instrumentes oder Timbre, die Platzierung der Atmung, die Entscheidung darüber, einen Song in einem bestimmten Genre anzusiedeln oder an irgendeiner Stelle einen verstörenden Klang hinzuzufügen (eines der faszinierendsten Beispiele dieses letzten Gedankens sind – für mich zumindest – die Percussion-Klänge, die man nach dem letzten Durchlauf des Refrains in They Don’t Care About Us, genau bevor die Gitarre zurückkommt – etwa bei 4:15. Es ist einfach für sich genommen klanglich interessant, aber warum die Dissonanz an der Stelle, warum das neue Timbre, das man vorher im ganzen Song nicht gehört hat?). Einige dieser Ideen kamen von seinen Produzenten, da bin ich sicher, aber er hat sie abgesegnet. Der Punkt ist, er hat den Einfluss der musikalischen Details verstanden und geschätzt. Gelinde gesagt.

Willa: Absolut. Ich habe das Gefühl, als hätten wir gerade mal etwas ausführlicher über das erste Kapitel deines Buches gesprochen – da ist so viel mehr zu diskutieren und zu untersuchen! Ich hoffe, du wirst irgendwann noch mal zu uns kommen. Es macht immer so viel Spaß, mit dir zu sprechen.

Susan: Ja … und wir haben das, was in dem ersten Kapitel steht, auf interessante Art weiter ausgebaut! Danke für die Möglichkeit, diese Gedanken mit dir zu untersuchen, ich werde gern wiederkommen.

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Geschichtsunterricht

by


Lessons in HIStory
Post vom 05/06/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: Letzte Woche sprachen Joie, Lisha und ich über HIStory, und nachdem wir aufgehört hatten, erwähnte ich, dass ich schon seit langer Zeit das Video Tony Moran’s HIStory Lesson, einem Remix von HIStory, suche. Dieses Video soll 1997 produziert und veröffentlicht worden sein, aber während ich Referenzen dazu gesehen habe (wie hier in Wikipedia), habe ich noch nie das Video selbst gesehen, obwohl ich schon über mehrere Jahre immer mal wieder danach gesucht habe.

Bei Joie zeichnet sich ein großer Abgabetermin ab, so dass sie sich uns diesmal nicht anschließen kann, aber Lisha, die wie ein Spürhund ist, wenn es um Michael Jackson geht, nahm die Herausforderung an und hat es direkt am nächsten Nachmittag gefunden! Und sogar auf YouTube! Ich war erstaunt. Hier ist das Video, nach dem ich so lange gesucht und nie gefunden habe:

http://www.zapkolik.com/video/michael-jackson-history-tony-morans-history-lesson-633786

Es ist unklar, inwieweit Michael Jackson in die Produktion dieses Videos involviert war, aber es ist ein faszinierendes Stück, und ich bin erfreut, dass ich es endlich ansehen konnte. Wirklich vielen Dank, Lisha, dass du die Herausforderung angenommen hast! Konntest du auch Hintergrundinformationen über dieses Video finden? Wie etwa, wann und wo es produziert wurde und wer darin involviert war?

Lisha: Ich fand es ziemlich seltsam, dass zu diesem Video überhaupt keine Informationen verfügbar waren. Meines Wissens ist es auf keiner Compilation mit Michael Jacksons Werken erschienen.

Willa: Ich glaube, du hast Recht, und es ist auch nicht auf Vevo unter den anderen ‚offiziellen‘ Videos zu finden. Man sollte nicht denken, dass ein Michael-Jackson Video so schwer zu finden sei …

Lisha: Viele werden es als einen Remix des Songs HIStory verstehen, 1997 produziert für Michael Jacksons Album Blood on the Dance Floor: HIStory in the Mix. Das Album gestaltete acht Remixe von Songs des vorangegangenen Albums HIStory: Past, Present and Future, Book 1 (2005). Der offizielle Titel des Remix‘ aus dem Video ist HIStory (Tony Moran’s HIStory Lesson).

Ich habe ein wenig mehr Informationen darüber gefunden dank Gary Crocker, einem der Mitbegründer der Seite MaxJax: HIStory Continues. Es wurde im Juli 1997 produziert unter der Regie von Jim Gable, demselben Regisseur, der eine meiner liebsten MJ Dokumentationen aller Zeiten gemacht hat, Michael Jackson: The One (2004), in der einige großartige Interviews gezeigt werden mit Quincy Jones, Dick Clark, Beyoncé, Pharrell Williams, Savion Glover, Missy Elliott, Wyclef Jean und vielen mehr.

Willa: Oh, ich liebe diese Dokumentation auch. Und du hast Recht, darin sind einige wundervolle Interviews.

Lisha: Gable erhielt auch einige Credits als Produzent auf dem Michael Jackson‘s Vision Box Set (2010) und war der Restaurationsdirektor für die DVD Michael Jackson Live at Wembley, aufgenommen 1988 und Inhalt der Anniversary Edition des Bad 25 Albums (2012). Steve Reiss produzierte für HIStory (Tony Moran’s HIStory Lesson) und ich habe entdeckt, dass er außerdem, damals 1992, der Supervisor für die visuellen Effekte bei Jam war.

Ich vermute, Michael Jackson war zu einem gewissen Grad in die Produktion des Videos involviert, denn er musste zumindest der Nutzung seines bisherigen Werkes zustimmen. Das Video beinhaltet Clips von mehr als einem Dutzend seiner Kurzfilme, ebenso wie Ausschnitte aus den Welttourneen für Bad, Dangerous und HIStory.

Willa: Das ist eine gute Feststellung, obwohl ich keine Vorstellung habe, wer die Rechte für was besitzt. Vielleicht könnte Sony damit vorgeprescht sein ohne eine Erlaubnis …?

Lisha: Ich wüsste das nicht mit Sicherheit, bevor ich nicht die Verträge gelesen hätte, aber es würde mich wirklich überraschen, wenn Sony ohne seine Zustimmung die Rechte an der Produktion dieses Videos gehabt hätte, da Michael Jackson ziemlich clever mit seinen Copyrights umging. Auf jeden Fall habe ich es wirklich genossen und dachte mir, dass es ungewöhnlich ist, dass ich keine weiteren Fan-Diskussionen darüber gehört habe.

Willa: Das habe ich auch gedacht, und auch überhaupt keine andere Diskussion.

Lisha: Das Konzept ist ziemlich interessant. Weißt du, wir könnten in eine wirklich schwerwiegende Diskussion hierüber eintauchen, in seinem Verhältnis zur Zeit und der Art, wie es die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem einzigen Bild zusammenfügt. Es erinnert mich sehr an einen Film, basierend auf der Handlung eines Marvel Comics, den ich gerade gesehen habe: X-Men: Days of Future Past (X-Men: Tage der zukünftigen Vergangenheit). Ich erinnerte mich daran, gelesen zu haben, dass Michael Jackson ein ziemlicher Fan von X-Men-Comics gewesen ist und dass er Interesse an der Verkörperung der Rolle des Professor Charles Xavier in den X-Men-Filmen ausgedrückt habe.

Willa: Wirklich? Wow, das ist faszinierend – und das wäre eine großartige Rolle für ihn gewesen! Obwohl ich auch mag, was Patrick Stewart daraus gemacht hat. Und ich kann erkennen, warum die X-Men-Filme ihn so angezogen haben, da die „Mutanten“, vorwiegend Teenager mit übernatürlichen Kräften, schrecklichen Vorurteilen ausgesetzt sind, da sie anders sind und dadurch gezwungen werden ihre erstaunlichen Fähigkeiten zu verstecken, damit sie zu den ängstlichen „normalen“ Leuten um sich herum passen.

Lisha: Ich denke, es wäre eine perfekte Rolle für Michael Jackson gewesen, und ich sehe es als wirklich tragisch an, dass er diesen Part nicht spielen durfte oder seinen Traum sich den Marvel-Katalog selbst zu erschließen nicht erfüllen konnte. Also, ich kann nicht anders, als X-Men: Days of Future Past in Beziehung zu dem Konzept von Michael Jacksons HIStory: Past, Present and Future zu setzen. Beide haben mit der Dreiteilung der Zeit zu tun – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – deren Ebenen sich fortwährend vermischen und miteinander interagieren. Das Video Tony Moran’s HIStory Lesson zeigt dies so gut.

Willa: So ist es wirklich, und es ergibt Sinn, da wir ständig die Vergangenheit und die Zukunft durch die Linse der Gegenwart betrachten. Während wir also dazu neigen, sie als getrennt voneinander zu betrachten, sind sie in Wirklichkeit immer auf eine gewisse Weise „zusammengefaltet“, die dieses Video auf verschiedene Arten andeutet. Ich finde es jedes Mal wirklich zum Schießen, wenn wir bei ca. 2 Minuten im Video Michael Jackson beim Moonwalk sehen, sofort gefolgt von Neil Armstrong bei seinem „Moonwalk“ – dem Original, bei dem er über die Oberfläche des Mondes hüpft.

Lisha: Ich liebe diesen Moment in dem Video!


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Willa: Ich auch! Und dann imitieren viele Tänzer, die in der Zukunft zu tanzen scheinen, Michael Jacksons Dance Moves. Michael Jackson machte also seinen Moonwalk und machte ihn sich auf gewisse Art zu eigen. Ich meine, wenn du das Wort „Moonwalk“ hörst, woran denkst du dann als erstes – Michael Jackson oder Neil Armstrong? In den 1970ern wäre es ohne Frage Armstrong gewesen, aber ich wette, heute würden die meisten Leute Michael Jackson sagen. Und heute machen diese Tänzer der Zukunft ihn sich zu eigen – sie übernehmen seine Dance Moves und machen sie zu ihren Bewegungen. Eigentlich ist da ständig eine Art doppelte Abbildung, bei der wir sehen, wie die Tänzer exakt die gleichen Bewegungen ausführen, die Michael Jackson auf den riesigen Leinwänden hinter ihnen und um sie herum ausführt, wenngleich sie nur blitzartig auftauchen – nicht in einer kontinuierlichen Choreographie.

Lisha: Das habe ich auch bemerkt, besonders bei der Beat It Choreographie. Es sieht wirklich großartig aus. Und es ist ziemlich amüsant, diese zwei historischen Moonwalk-Clips nebeneinander zu sehen. Ich habe nur mal so zum Spaß „Moonwalk“ gegoogelt, und die Ergebnisse, die ich bekam, waren Michael Jackson, nicht Neil Armstrong! Zu lustig. Ich habe auch „Erster (First) Moonwalk“ eingegeben und es erschien Motown 25, nicht Apollo 11.

Willa: Wirklich? Nun, da haben wir es doch … der empirische Beweis, wenn es um den Moonwalk geht, er gehört Michael Jackson!

Lisha: Der Audioclip von Neil Armstrongs erstem Moonwalk im Originalsong ist ziemlich faszinierend: „Dies ist ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Schritt für die Menschheit.“ Es kommt ganz am Schluss des Songs, fast wie ein Nachsatz, und ich nehme an, es ist nicht nur als Referenz an Apollo 11 gedacht, sondern auch als Referenz an Michael Jacksons berühmten Tanz. Das Video fängt dies perfekt ein und zeigt, wie das eine Ereignis ein anderes beeinflusst.

Willa: Oh, das ist interessant, Lisha. Ich habe daran noch nie vorher gedacht – dass, als Armstrong jene Worte am Schluss von HIStory sagt, er buchstäblich bereit ist, den Moonwalk zu machen. Das ist lustig!

Lisha: Das ist es! Da ist noch ein weiterer wirklich lustiger Moment in dem Video, bei dem ich jedes Mal lachen muss, und es schreit mir einfach Michael Jacksons Humor entgegen. Es ist da, wo du die Lyrics hörst „Keep moving, moving / Keep, keep, keep – keep moving“ (1:32) – und man sieht einen Typen auf einer Art fliegendem Fahrrad, das auf dem Bürgersteig zusammenbricht. Sorry, aber das ist irgendwie wirklich rasend komischer Slapstick!

Willa: Ist es, wie etwas aus einem Film der Keystone Cops oder von Buster Keaton oder Charlie Chaplin oder sogar den Three Stooges, und wir wissen, wie sehr Michael Jackson solche Filme liebte.

Lisha: Ja, ich habe das Gefühl, Michael Jackson liebte Slapstick generell.

Da gibt es noch einen anderen Audioclip am Schluss des Originalsongs, den ich ebenfalls so interpretiere, dass er einen ähnlichen Selbstbezug, eine doppelte Bedeutung wie Apollo 11 zu Michael Jacksons Moonwalk, aufweist. Das ist der Clip von Senator Edward Kennedy, der 1968 seinen Bruder Robert F. Kennedy mit den Worten pries: „Einige Männer sehen die Dinge, wie sie sind und fragen ‚Warum?‘. Ich träume von Dingen, die es noch nie gab und sage ‚Warum nicht?‘.“ Offenbar waren sowohl Robert F. Kennedy als auch sein Bruder John F. Kennedy angetan von diesem Zitat, welches dem Bühnenautor George Bernard Shaw zugeschrieben wird. Da Michael Jackson sich bei mehr als einer Gelegenheit selbst als Visionär beschrieben hat, interpretiere ich dies sowohl als Selbstreferenz, als auch als eine Referenz an die Kennedys.

Willa: So sehe ich das auch, und als Inspiration für uns alle.

Lisha: Ja, so ist es. Mir ist außerdem vorher in dem Song die Erwähnung des Geburtsdatums von John F. Kennedy aufgefallen, also gibt es drei einflussreiche Mitglieder der Kennedy-Familie: Senator Edward Kennedy, John F. Kennedy und Robert F. Kennedy. Alle drei waren nicht nur für den Wohlstand ihrer Familie bekannt, sondern auch für ihre politischen Ambitionen, ihre starke Verpflichtung gegenüber Gleichberechtigung und dem Traum Rassengleichheit in den Vereinigten Staaten zu erreichen.

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Willa: Das ist wahr, und wie wir vorige Woche kurz erwähnt haben (sh. Übersetzung vom 28.07.2014; http://all4michael.com/2014/07/28/wichtige-daten-in-history/) ist das Recht auf Rassengleichheit in den Vereinigten Staaten eins der Themen, die sich quer durch HIStory ziehen, ganz besonders in den Audio Clips und der Liste der Daten, und ebenso in den Lyrics.

Lisha: Ich denke, das ist der am meisten inspirierende Aspekt des Songs und des ganzen Albums, und liefert den stärksten Beweis dafür, warum Geschichte heute und in Zukunft so sehr zählt.

Willa: Da stimme ich dir zu. Und ich liebe die doppelte Bewegung bei 1:45 Minuten im Video, wo Michael Jackson während des Panther Dance und dann Desmond Tutu seine Faust hebt.

Lisha: Gute Entdeckung, Willa. Und es ist wie POW! Genau auf dem ersten Beat des Taktes. Sehr gewissenhafte Schnittbearbeitung!

Willa: Oh, du hast so Recht! Das habe ich gar nicht bemerkt. Da ist sogar etwas wie ein POW-Klang, wie aus einem Cartoon. Und es passiert noch einmal bei 2:25, als der Protagonist von Scream mit seiner Faust auf uns boxt, POW.

Lisha: Oder sogar noch vorher beim Zertrümmern der Gitarre in Scream bei 1:25! Es passiert alle 4 Takte oder bei jedem 16. Beat. Es ist interessant zu sehen, wie sie dies im Video timen.

Aber ich habe auch darüber nachgedacht, wie die ganze Idee des Remix‘ von Musik eine Aussage dazu macht, wie die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft in einer Wechselwirkung steht. Der Remix selbst nimmt etwas aus der Vergangenheit und überführt es in die Gegenwart, genau wie die Tänzer in dem Video von den früheren Short Films beeinflusst werden.

Willa: Das ist ein wirklich guter Punkt, Lisha.

Lisha: Aber die Frau in dem Video erlebt den Song durch ihre virtuelle Reality-Brille, wie die Vergangenheit und die Gegenwart auch mit der Zukunft in Einklang sein werden. Es erinnert mich an die französischen Philosophen Henry Bergson und Gilles Deleuze, die die Theorie vertreten, dass Zeit nicht durch eine Uhr gemessen werden könne. Ein genaueres Konzept von Zeit wäre, die Erfahrung des gegenwärtigen Moments unter Beeinflussung durch Erinnerungen der Vergangenheit und unserer Wünsche / Sehnsüchte der Zukunft zu betrachten. Ich denke, ich erkenne, worauf sie hinauswollen, du nicht auch?

Willa: Ich glaube es. Und nicht nur die Gegenwart wird „durch die Erinnerungen der Vergangenheit beeinflusst“, wie du sagst, sondern unsere Erinnerungen an die Vergangenheit werden ebenfalls durch die Gegenwart beeinflusst. Also verändert sich die Vergangenheit – oder besser unser Verständnis der Vergangenheit – ständig, je nachdem wie gegenwärtige Erfahrungen unsere Sicht auf die Vergangenheit verändern.

Lisha: Ich denke, du hast absolut Recht damit.

Willa: Ich war vor mehreren Jahren einmal bei einem Gespräch mit Maxine Hong Kingston – genau genommen vor ziemlich vielen Jahren – und sie sprach über ihren Bruder, einen Vietnam-Veteran, und allgemeiner darüber, wie wir alle mit schmerzlichen Erinnerungen der Vergangenheit umgehen. Sie sagte, es gäbe einige Geschichten, die einfach zu schmerzhaft seien, um sie zu erzählen, und dass es grundsätzlich zwei Wege gebe, um damit umzugehen. Entweder können wir diese Geschichten begraben und versuchen, sie zu vergessen, so bleiben sie schmerzhaft, aber weggeschlossen, oder wir können eine Art Gesprächstherapie machen – entweder mit einem wirklichen Therapeuten oder mit Freunden oder sogar nur in unseren eigenen Gedanken. Sie sagte, das Entscheidende einer Gesprächstherapie sei, eine schmerzliche Geschichte wieder und wieder und wieder zu erzählen und neu zu erzählen, und sie so in kleinen Schritten über die Zeit umzugestalten, damit sie zu dem passt, was wir jetzt brauchen, in der Gegenwart.

Lisha: Ist es nicht das, was Geschichte bedeutet? Diese Geschichten, die wir uns als eine Gruppe immer wieder und wieder erzählen, „und sie so in kleinen Schritten über die Zeit umgestalten, damit sie zu dem passt, was wir jetzt brauchen, in der Gegenwart“? Und ist nicht die entscheidende Sache an der Wechselwirkung mit der Vergangenheit die Bemühung, eine bessere Zukunft zu ermöglichen?

Willa: Das ist interessant, Lisha. Darüber muss ich nachdenken … aber mein erster Eindruck ist, dass du Recht hast.

Lisha: Nun, es wird kompliziert. So fröhlich und lustig, wie dieses Video auf viele Arten ist, es zögert jedoch nicht, darauf zu hinzuweisen, dass ein Besuch in der Geschichte nicht immer eine unheimlich erfreuliche Sache ist. Es gibt da zahlreiche Bezüge zu Krieg, Konflikten, sinnlosen Trennungen zwischen Menschen, Umweltbelastungen und Zerstörung der Erde. Der Originalsong porträtiert diese zwei Gegensätze sehr wirkungsvoll mit all den jubelnden Menschenmengen und der Aufregung, wenn einige unserer größten Errungenschaften aufgezählt werden, während er uns gleichzeitig mehrfach daran erinnert, dass es viel Furchtbares aus der Vergangenheit (und der Gegenwart) gibt, auf das wir nicht so stolz sein können: Rassismus, Diskriminierung, den Kampf für Menschenrechte und Gleichbehandlung. Ich habe bemerkt, dass da während des Audio Clips eines frühen Michael Jackson Interviews auch eine stark verzerrte Aufnahme von einer Militärkapelle ist, die America the Beautiful spielt. So wie die verbogene Tonlage von der ursprünglichen Aufnahme abweicht, deutet dies auf subtile Art an, dass nicht alles an Amerika so wunderschön ist.

Willa: Ja, das habe ich auch bemerkt, und ich denke, es ein sehr bedeutsamer Teil von HIStory. Ein sehr junger Michael Jackson sagt: „Was immer ich singe, das ist das, was ich wirklich meine. Es ist so, wenn ich einen Song singe, ich singe ihn nicht, wenn ich es nicht so meine.“ Er klingt so aufrichtig und ernst, aber im Hintergrund da ist dieser kratzige Klang, wie wenn eine Nadel quer über die Schallplatte schrammt und dann ist da diese Art verbogene Version von America the Beautiful, wie du sagtest. Die Musik ist sehr patriotisch, aber wie du herausgestellt hast, unterminieren die Verzerrungen dies unterschwellig, also gibt es beides, das Ideal und die Andeutung, dass wir nicht gemäß dem Ideal leben.

Lisha: Wunderbar ausgedrückt.

Willa: Es ist besonders bezeichnend, wenn du bedenkst, dass diese Verzerrungen passieren, während ein äußerst talentierter kleiner schwarzer Junge diese Worte in einer vorwiegend weißen Kultur ausspricht, innerhalb derer die Welt sich gegen ihn verschworen hatte, und wenn du dann betrachtest, was unser mangelhaftes Strafverfolgungssystem ihm angetan hat, als er erwachsen wurde, mit der Komplizenschaft der Presse und der Öffentlichkeit. Wir leben immer noch in einem sehr rassistischen Land, das weit davon entfernt ist, seine Ideale zu leben.

Lisha: Ohne Zweifel. Es ist schmerzlich, darüber nachzudenken, was Michael Jackson auszuhalten hatte und zu realisieren, dass die Öffentlichkeit zum größten Teil keine Chance hatte zu erfahren, was sich wirklich ereignet hatte, es sei denn, sie recherchiert ausgiebig auf eigene Faust. Und ich bin besorgt darüber, wie diese Geschichte in Zukunft erzählt werden wird und wie sich Geschichte wiederholen wird, bis wir es begreifen und daraus lernen.

Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass, als ich ein Kind war, absolut niemand ein Problem damit hatte, Christopher Columbus geschichtlich als den großartigen und wundervollen Forschungsreisenden, der Amerika „entdeckt“ hat, einzuordnen. Ich spreche von einer Geschichte, die wir uns selbst einreden, wenn die echte Wahrheit zu schmerzhaft scheint oder der Umgang damit zu unbequem ist! Wie anders würden Dinge jetzt sein, wenn wir uns vor langer Zeit einfach die Wahrheit eingestanden hätten über Sklaverei und Völkermord?

Willa: Das ist eine gute Frage. Und hast Recht – wir neigen dazu, die Geschichte von Columbus heute ganz anders zu erzählen, als es unsere Lehrer gerade mal vor 40 Jahren taten, als du und ich noch Kinder waren, und das sagt genauso viel über die Zeitperiode aus, über die sie sprachen, wie über Christopher Columbus.

Als ich in den 1960er Jahren aufwuchs, wurde von unserer Kultur der Ruhm dieser Reise über den Atlantik betont und der Mut von Columbus und anderen Entdeckern, die in das Unbekannte segelten. Und das ergibt Sinn – wir bereiteten uns gerade darauf vor, auf den Mond zu fliegen! Neil Armstrong machte seinen Moonwalk 1969. Wir hatten das Bedürfnis in den 60ern Entdecker zu verklären.

Wir erzählen diese Geschichte heute auf sehr viel komplexere Arten, konzentrieren uns dabei genauso auf das, was wir durch Besiedlung verloren haben, wie auch auf das, was wir erlangt haben. Und das reflektiert unsere kulturellen Prioritäten von heute.

Lisha: Ja, ich bin sicher, dass das stimmt, aber es ist lustig, ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas über Matthew Henson, den großen Antarktis-Eroberer gehört zu haben, der in HIStory erwähnt wird und der zufällig schwarz gewesen sein soll.

Willa: Das ist eine gute Bemerkung. Einige Menschen und einige Gruppen von Menschen wurden definitiv mehr gefeiert als andere, und so ist es immer noch.

Lisha: Wenn ich darüber nachdenke, kann ich mich ziemlich aufregen, denn wenn ausgesucht wird, wer und was in der Geschichte Erwähnung finden soll, dann werden einige Dinge einfach schöngefärbt, um nur gewisse ausgesuchte Leistungen zu feiern. Es gibt immer noch so viele blinde Flecken und Probleme, die ungelöst bleiben – so viele Lektionen, die noch aus der Geschichte gelernt werden müssen.

Willa: Da stimme ich dir zu. Es ist sehr viel einfacher, die aufregenden Momente der Geschichte zu feiern, als sich den schmerzhaften Teilen zu stellen und von ihnen zu lernen.

Lisha: Ich habe mich entschlossen, eine Liste all der historischen Ereignisse anzufertigen, die in der Originalversion von HIStory erwähnt sind und habe sie in eine chronologische Reihenfolge gebracht, um zu sehen, ob ich ein Gefühl dafür bekomme, warum diese Ereignisse ausgesucht wurden und in welcher Beziehung sie eventuell zum textlichen Inhalt des Songs stehen. Hier ist, was ich herausbekommen habe und ich muss sagen, es ist eine ganz schöne Liste für einen sechseinhalb Minuten langen Song:

„Montag, 26. März 1827“    Der Tod von Beethoven
„11. Februar 1847    Thomas Edison wird geboren“
„18. Januar 1858    Daniel Hale Williams wird geboren“
„19. November 1863    Lincoln hält die Rede ‚„Gettysburg Address‘“
„9. April 1865    Der Bürgerkrieg endet“
„30. Dezember 1865    Rudyard Kipling wird geboren“

„8. August 1866    Matthew Henson wird geboren“
1877    Thomas Edison erfindet das Grammofon
„28. Oktober 1886    Die Freiheitsstatue wird eingeweiht“
„5. Dezember 1901    Walt Disney wird geboren“
„7. Dezember 1903    Erster Flug der Gebrüder Wright“

1906    Die erste Werbeaufnahme wird gemacht
„29. Mai 1917    John F. Kennedy wird geboren“
„31. Januar 1919    Jackie Robinson wird geboren“
„2. November 1920    Der erste kommerzielle Radiosender wird eröffnet“
21. Mai 1927    Charles Lindberghs erster Nonstop-Flug von NY nach Paris
„September 1928    Die Entdeckung des Penicillins“

„15. Januar 1929    Martin Luther King wird geboren“

„28. November 1929    Berry Gordy wird geboren“
„9. Oktober 1940    John Lennon wird geboren“
13. Oktober 1940    Prinzessin Elizabeths Kriegsrede an die Kinder Englands
„17. Januar 1942    Muhammad Ali wird als Cassius Clay geboren“

„14. Oktober 1947    Chuck Yeager durchbricht die Schallmauer“

„17. Juli 1955    Disneyland wird eröffnet“
„1. Dezember 1955    Rosa Parks weigert sich, ihren Platz im Bus einem weißen Passagier zu überlassen“
„17. Juli 1955“    Der Tod von Billie Holiday
„12. April 1961    Yuri Gagarins erster Weltraumflug“
28. August 1963    Dr. Martin Luther Kings „I Have A Dream“-Rede
„9. Februar 1964    The Beatles treten in der Ed Sullivan Show auf“
25. Februar 1964    Muhammad Ali besiegt Sonny Liston und verkündet „Ich bin der Größte“
28. Juni 1964    Malcolm X schwört Freiheit herbeizuführen, „was immer dafür notwendig sei“
8. Juni 1968    Senator Edward Kennedy preist seinen Bruder Robert F. Kennedy
21. Dezember 1968    Apollo 8 bemannter Weltraumflug
„20. Juli 1969    Astronauten landen zum ersten Mal auf dem Mond“
1970    Michael Jackson Interview: „Ich singe es nicht, wenn ich es nicht so meine.“
8. April 1974    Henry Aaron bricht den Home-Run-Rekord

„12. April 1981    Der erste Space Shuttle Flug“
„10. November 1989    Die Berliner Mauer fällt“


Willa: Wow, du hast Recht, Lisha! Das ist eine ganz schön lange Liste! Danke, dass du das alles zusammengefügt hast – das sieht wirklich nach Arbeit aus. Und wenn du es auf diese Art betrachtest, dann sind da eine Reihe von ineinandergreifenden Themen, die einem wirklich ins Auge springen, oder? Wie die Geschichte der Luftfahrt – da ist der erste Flug der Gebrüder Wright im Jahr 1903, Lindberghs erster Flug über den Atlantik 1927, Chuck Yeager, der die Schallmauer 1947 durchbricht, Yuri Gagarins Reise in den Weltraum 1961, der bemannte Weltraumflug der Apollo 8 1968, die Mondlandung 1969 und der erste Space Shuttle Flug 1981. Es gibt ähnliche Themenblöcke für Sport und die Künste und für den Kampf für Rassengleichheit.

Lisha: Ja. Ich sehe, wie sich ein Thema abzeichnet, das mit der Geschichte der musikalischen Aufzeichnung beim Tod Beethovens im Jahr 1827 beginnt (wie in Chuck Berrys Roll Over Beethoven), dann weiterverläuft mit der ersten Grammofonaufzeichnung 1877, dem ersten kommerziellen Radiosender 1920, der Geburt Berry Gordys 1929, der Geburt von John Lennon 1940, einem sehr ergiebigen musikalischen Dialog zwischen den Vereinigten Staaten und England, repräsentiert durch Elizabeths Rede von 1940 und dem Auftritt der Beatles in der Ed Sullivan Show 1964. Die nächste musikalische Referenz ist ein Interview mit Michael Jackson 1970, genau aus derselben Zeit, als die Jackson 5 in der Ed Sullivan Show erschienen und anfingen die Charts mit vier Number 1 Hits für Motown Records zu dominieren.

Ich habe viele Male gelesen, dass Michael Jackson ein ziemlicher Geschichtsfan war, also stelle ich mir vor, dass diese Daten mit größter Sorgfalt ausgesucht wurden. Ich kann definitiv erkennen, dass diese Themen außerdem miteinander in Verbindung stehen und damit zu tun haben, Trennungen und falsche Grenzen zu verwischen. Sieh dir zum Beispiel einmal diese Meilensteine der Errungenschaften in der Luftfahrt an. Flugreisen sind eine Entwicklung, die den Aufbau von Systemen erforderlich gemacht hat, die auf internationaler Zusammenarbeit und Organisation basieren. Angloamerikanische populäre Musik und ihre weltweite Verbreitung stellen eine weitere Entwicklung dar, die damit fortfährt, Grenzen zwischen Menschen und Nationen einzureißen. Medizinische Entdeckungen wie das Penizillin und der Fortschritt eines Daniel Hale Williams auf dem Gebiet der Chirurgie kommen nur einigen wenigen Menschen zugute, es sei denn wir haben Systeme für deren Verbreitung und Wege, um Informationen zu teilen, so dass man sie immer mehr Menschen zugänglich machen kann. (Nebenbei gesagt: Stevie Wonders Black Man zollt Williams ebenfalls Anerkennung und Respekt).

Willa: Das stimmt – sehr viele dieser Daten haben auf gewisse Weise damit zu tun, Grenzen einzureißen. Und wie wir im letzten Post über HIStory erwähnt haben, halfen Thomas Edisons Erfindung der Tonaufnahme und die Übermittlungstechnologien ebenfalls dabei, Grenzen für Zeit und Raum zu verwischen. Billie Holiday starb, bevor ich geboren wurde – ihr Todesdatum, der 17. Juli 1959, ist auf unserer Liste – aber dank der audio-visuellen Aufnahmen kann ich auf YouTube gehen und ihre Stimme hören, wie sie Strange Fruit singt und den Schmerz und Zorn in ihrem Gesicht sehen, wenn sie es singt, und ich kann mich so durch ihren Auftritt bewegt fühlen.

Wir erkennen diesen Prozess, durch den Menschen diese Erfahrung über Zeit und Raum hinweg machen und sie „fühlen“ es auch in Tony Morans Video. Die Beobachterin mit der virtuellen Brille ist nicht wirklich in dem Dance Club, aber sie erlebt die Klänge und die Sicht so, als ob sie da wäre. Und genau genommen erlaubt das Video uns, ihre Erfahrungen zu erleben, aber gleichzeitig durch sie auch zu verstehen, wenn das Sinn ergibt.

Lisha: Das tut es.

Willa: Wir sehen sie innerhalb des Dance Clubs herumgehen und auf die anderen Tänzer reagieren, aber wir erkennen auch, dass sie eigentlich zu Hause in ihrem Space-Liegesessel sitzt und mit ihren Armen im leeren Raum herumfuchtelt. Also auch, wenn sie physisch nicht in dem Dance Club anwesend ist, taucht sie in die Empfindungen dieser Zeit und dieses Ortes ein und erlebt es so, also wäre sie dabei – genauso wie ich Billie Holidays Auftritt erlebe, als wäre ich vor mehr als einem halben Jahrhundert dabei gewesen.

Lisha: Ja, es ist, als wäre sie in die Szenerie eingetreten und würde auf Musik reagieren, die nicht aus ihrer Zeit und von ihrem Ort ist, genau wie du es mit Strange Fruit machst.

Willa: Ganz genau. Und nun ist Michael Jackson gegangen, aber diese Tänzer aus der Zukunft sind umgeben durch sich wiederholende Bilder auf den Leinwänden von ihm rund um sie herum, und die Art, wie er seinen Körper auf der Leinwand bewegt, wird dadurch wiederholt, wie sie ihre Körper auf der Tanzfläche bewegen. Und die Frau mit der virtuellen Brille beobachtet sowohl die Tänzer, als auch Michael Jackson, und wir beobachten die Frau und die Tänzer und wie sie sie erlebt. Da sind Schichten von Beobachtungsebenen, die sich durch das gesamte Video ziehen, und wir sind die ultimativen Beobachter – es sei denn, jemand beobachtet uns!

Lisha: Ich vermute, in diesen Tagen und diesem Zeitalter ist das nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich!

Das bringt mich auf etwas, wozu ich dich etwas fragen wollte, Willa, es hat zu tun mit dem Wort „History“ und wie es mit der Perspektive der dritten Person spielt, indem es die Schreibweise HIStory oder HIS-story einsetzt. Die Lyrics beginnen mit „He got kicked in the back / He say that he needed that …“ („Er wird in den Hintern getreten / Er sagt, dass er das braucht …“). Ich frage mich, auf wen genau er sich bei “er” bezieht? So oft denken wir in Verbindung mit dem HIStory Album als einer Antwort auf die falschen Anschuldigungen, denen Michael Jackson 1993 gegenüber stand, aber wie bei allem, was Michael Jackson betrifft, gibt es mehr als einen Weg, die Dinge zu sehen. In diesem Fall scheint es so, dass die Ereignisse der Geschichte und HIStory / seine Geschichte in Beziehung zueinander gestellt werden.

Hast du dieses Video auf der Website von Thomas Mesereau und Susan Yu gesehen? Es ist ein weiteres Juwel, den ich dank meines Kumpels bei MaxJax gefunden habe:

http://mesereauyu.com/wp-content/themes/sandbox-v2/mj_victory.swf

Das Video wurde produziert von MJJSource, Michael Jacksons eigener Website:

Willa: Wow Lisha, ich habe keines von beiden jemals zuvor gesehen. Das ist großartig! Und ich stimme dir zu bei dem Video – der 13. Juni 2005 war ein bedeutender Tag in der Geschichte.

Lisha: Das ist ganz sicher meine Sichtweise. Ich habe bemerkt, dass der 13. Juni mit drei anderen Daten verglichen wurde: der Geburt von Dr. King, dem Fall der Berliner Mauer und dem Tag der Befreiung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis.

Willa: Oh, das ist interessant. Ich glaube, Michael Jackson war sich seines Platzes in der Geschichte sehr bewusst – bewusst dahingehend, dass er, besonders für das schwarze Amerika, eine solch bedeutende kulturelle Persönlichkeit war, dass alles, was er tat, soziale Konsequenzen über ihn selbst hinaus hatte. Also ist der 13. Juni 2005 nicht nur ein Tag, an dem unser juristisches System – ein System aufgebaut auf „eine Jury seinesgleichen“, teilweise, um dabei behilflich zu sein, Bürger vor einer übereifrigen strafrechtlichen Verfolgung zu schützen – ordentlich für eine Person funktionierte. Sondern es ist auch ein Tag, an dem der erfolgreichste Entertainer aller Zeiten, ein Wahrzeichen für die Errungenschaften und den Stolz der Schwarzen, öffentlich bestätigt wurde, nachdem er fälschlich angeklagt und durch die Polizei und die Presse mehr als ein Jahrzehnt lang verfolgt wurde – obwohl die Presse, natürlich, die Entscheidung der Jury nicht auf diese Art interpretiert hat.

Lisha: Für uns alle unglücklicherweise haben sie dies nicht getan. Als die Jury Michael Jackson in allen 14 Anklagepunkten freisprach und jede einzelne Sache, derer er durch die Strafverfolgung angeklagt war, zurückwies, bedeutet das meiner Meinung nach auch, dass die Medien des sorglosen Umgangs ihrer Berichterstattung für schuldig befunden worden waren. Mit wenigen Ausnahmen scheiterte die Presse vollkommen bei ihrer Pflicht, einen eher kritischen Blick darauf vorzunehmen, was die Strafverfolgung sagte. Kein Wunder, dass es so schwer war für sie, das Urteil zu akzeptieren.

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu. Was für ein Hohn auf die Gerechtigkeit in den Medien, an einem Tag, als Gerechtigkeit schließlich im Gerichtssaal beschlossen wurde.

Aber hattest eine Frage zu Pronomen. Ich muss sagen, ich bin so fasziniert von Michael Jacksons Einsatz von Pronomen. Es ist so faszinierend für mich und die Nutzung der Pronomen in der dritten Person zu Beginn von HIStory knüpft wunderbar an diese duale Perspektive der individuellen und der kollektiven Bedeutung des 13. Juni 2005 und den Ereignissen drum herum an. Das Pronomen in der ersten Person „Ich“ ist spezifisch für die sprechende Person – es kennzeichnet die einzigartige Situation des Sprechers. Aber wie du aufgezeigt hast, Lisha, beginnt HIStory mit Lyrics, die Michael Jacksons emotionale Erfahrung ziemlich genau beschreiben, aber in der dritten Person gesprochen werden: „He got kicked in the back / He say that he needed that …“

Für mich vermittelt das Michael Jacksons spezifische Situation, während er es gleichzeitig verallgemeinert. Wir können an die Stelle des „Er“ viele verschiedene Namen aus der Geschichte einsetzen, besonders schwarze öffentliche Personen wie Jack Johnson, Chuck Berry, James Brown, Muhammad Ali, sogar Tiger Woods. Wie Michael Jackson selbst 2005 in einem Interview mit Jesse Jackson sagte: „Es hat eine Art Muster unter den schwarzen Berühmtheiten in diesem Land gegeben …“ – ein Muster, bei dem sie auf der Höhe ihres Ruhms „in den Hintern getreten werden“. Joie und ich haben darüber vor ein paar Monaten in einem Post gesprochen.

Lisha: Dein Post mit Joie hat wirklich einen sehr großen Eindruck auf mich gemacht. Genauso wie Charles Thomsons hervorragender Beitrag, in dem er Michael Jacksons FBI-Akten mit den Fällen um Jack Johnson und Chuck Berry vergleicht. Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen – das sind wirklich schockierende Dinge.

http://all4michael.com/2012/10/18/in-den-jackson-fbi-akten-gesprach-mit-charles-thomson-willa-stillwater-joie-collins-dancing-with-the-elephant-blog/

Willa: Es ist schockierend, sehr schockierend. Gemäß Charles war der Mann Act ausdrücklich mit rassistischer Absicht abgefasst worden – und zwar, um Jack Johnson, den ersten schwarzen Schwergewichts-Champion und eine sehr schillernde Person, die nicht den allgemeinen sozialen Erwartungen entsprach, zu Fall zu bringen. Charles sagte zu Joie und mir in einem Post vor einiger Zeit: „Der Mann Act ist ein typisch rassistisches Gesetz, welches nach seiner Einführung weitgehend dazu eingesetzt wird, schwarze Männer zu bestrafen, die mit weißen Frauen verkehrten.“

Es wurde auch gegen Chuck Berry eingesetzt – er musste aufgrund dessen ins Gefängnis. Carl Perkins sagte, er „sah niemals einen so veränderten Mann“. Gemäß Perkins war er „vorher ein unbekümmerter Typ, die Art Junge, die im Umkleideraum improvisiert, herumsitzt und Jokes austauscht.“ Aber hinterher „war er kalt, wirklich distanziert und verbittert.“

Und Bezirksstaatsanwalt Tom Sneddon forderte das FBI auf, es ebenso gegen Michael Jackson einzusetzen.

Lisha: Absolut unglaublich.

Willa: Das ist es wirklich. Und eigentlich führt uns dieser Konflikt zwischen rassistischer Politik und schwarzen Berühmtheiten zu einem anderen Punkt, den ich in Bezug auf HIStory und Tony Morans HIStory Lesson erwähnen möchte – die Art, wie sie Personen aus der Unterhaltung und aus dem Sport mit Persönlichkeiten aus der Politik gleichstellen. Ich finde, das ist so bedeutend, aber leicht zu übersehen.

Im Allgemeinen gibt es zwei miteinander konkurrierende Betrachtungsweisen der Geschichte. Die traditionelle Sichtweise ist die, dass Geschichte die Taten weniger mutiger Männer widerspiegelt – Menschen wie Alexander der Große, Julius Cäsar und George Washington. Und dann, im Kontrast zu dieser „von oben nach unten“ gerichteten Sicht auf die Geschichte gibt es den „von unten nach oben“ gerichteten Blick, der besagt, dass Veränderung bei den Menschen beginnt und erfolgreiche Führer dem dann einfach nur folgen und aufgrund der öffentlichen Stimmung handeln. Das ist es, über das Margaret Mead sprach, als sie sagte: „Zweifel niemals daran, dass eine kleine Gruppe bedachter, engagierter Menschen die Welt verändern kann. In der Tat ist es die einzige Sache, die schon immer so war.“ (Nebenbei gesagt, dies versetzt Barack Obama in eine interessante Position, da er der Präsident ist, aber seine Karriere als Gemeindeorganisator begann und sich erfolgreich seiner „von-unten-nach-oben“ gerichteten organisatorischen Basisfähigkeiten bediente, um gewählt zu werden. Also kann man ihn zu beiden Lagern zählen.)

Michael Jackson scheint bei all dem eine sehr interessante Stelle einzunehmen, die zwar an all diese Sichtweisen anknüpft, aber auch einen dritten Ansatz vorschlägt – einen, der Künstlern und anderen Persönlichkeiten der Popkultur Bedeutung zuspricht. Bei dieser Sicht ruft die öffentliche Stimmung politische Veränderung hervor, aber Popkultur hilft dabei, der öffentlichen Stimmung Form zu verleihen. Abraham Lincoln war zum Beispiel ganz offensichtlich eine wichtige Persönlichkeit, die die Vereinigten Staaten durch den Bürgerkrieg und die Sklaverei zu einem Ende geführt hat. Aber Harriet Beecher Stowe und ihr Roman Onkel Toms Hütte haben vielleicht sogar eine größere Rolle gespielt, da sie die öffentliche Meinung gegenüber der Sklaverei wachgerüttelt und damit möglicherweise den Bürgerkrieg angefacht hat. Lincoln selbst würdigte Stowes Einfluss, als er sie das erste Mal traf und sagte: „Dies ist also die kleine Lady, die diesen großen Krieg geführt hat.“

Während also politische Figuren und Ereignisse bei der Richtungsänderung der Geschichte bedeutsam sind, liegt die wahre Macht vielleicht bei denen, die die Öffentlichkeit dazu bringen können, über wichtige Themen auf eine neue Art zu denken und zu empfinden – mit anderen Worten: Künstler. Michael Jackson deutet dies wiederholt in seinen Werken an.

Lisha: Gut gesagt – Regierungen haben aus diesem Grund von je her die Macht der Kunst gefürchtet. Sieh dir das Album Cover und die Werbekampagne zur Einführung von HIStory an. Viele Leute wussten nicht, was sie über diese gigantischen Statuen von Michael Jackson denken sollten. Wir überlegen nicht zweimal bei einer Statue von Alexander dem Großen, Julius Cäsar oder George Washington, aber wenn es ein berühmter schwarzer Künstler wagt, sich dieses Bildnis anzueignen, dann haut es die Leute um, einfach weil das Konzept für die Vorstellung solcher Bildnisse erschüttert wird.

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Willa: Ich denke, du hast damit genau Recht. Es wird vorausgesetzt, dass Statuen für einige wenige kühne politische Führer bestimmt sind, nicht für bekannte Künstler und Berühmtheiten.

Lisha: Nun, Beethoven ist vielleicht okay, aber nicht Michael Jackson! Ich denke gerade an die Büste von Beethoven, die in den Peanuts Comics auf Schroeders Piano steht.

Willa: Oh, ich mag die Büste von Beethoven auf Schroeders Piano! Aber er ist ein klassischer Komponist, kein populärer Künstler, und sogar Beethoven wird ab dem Hals abgeschnitten!

Lisha: Ich denke, Statuen der großen Vier: Bach, Mozart, Beethoven und Brahms sind ziemlich üblich in der westlichen Welt, und sie werden oft auf dieselbe Art abgebildet, in der wir Alexander, Cäsar oder Washington sehen können. Manchmal wird auch Haydn bei dieser handvoll gottgleicher Komponisten einbezogen. Aber nur einige wenige der großen verstorbenen Weißen erhalten diese Behandlung und es ist ein interessanter Hinweis, dass die bekannteste Statue eines Komponisten eine Büste ist. Ich hatte als Kind ein kleines Set von ihnen auf meinem Klavier!

Willa: Kein Wunder, dass du Schroeder und seine Büste von Beethoven so sehr liebst! Und es ist wahr – es gibt vielleicht Büsten der großen Komponisten oder von verehrten Schriftstellern wie Shakespeare und Milton. Aber wann haben wir jemals einen Künstler, besonders einen populären Künstler, abgebildet auf die prachtvolle Art eines politischen Führers, gesehen? Ohne lange nachzudenken fallen mir nur die HIStory Statuen ein, wie du erwähnt hast, oder die Porträts, die Michael Jackson selbst für sich in Auftrag gab wie dieses hier rittlings auf einem Pferd à la König Philip II sitzend:

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Lisha: Ich verehre dieses Gemälde und all die anderen Kunstwerke, die Michael Jackson in Auftrag gegeben hat und auf denen er in der europäischen Kunsttradition abgebildet ist. So viel zu einer klugen Art und Weise, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einstürzen zu lassen.

Und vergiss nicht, da ist das Problem des HIStory Teasers, dem Promotion Film, der inspiriert war von Leni Riefenstahls Nazi-Propagandafilm Triumph des Willens. Es ist das perfekte Beispiel dafür, wie gut die Nationalsozialisten die Macht der Kunst verstanden haben und wie sie Riefenstahls Talent zu ihrem politischen Vorteil genutzt haben. Michael Jackson durchschlug die Kraft dieser historischen Symbolik, indem er sich selbst einfügte und es in eine Kraft für das Gute umformte, genau wie sein Held Charlie Chaplin es in Der große Diktator getan hatte.

History Teaser

Willa: Oh absolut. Es spiegelt ein sehr ausgeklügeltes Verständnis dafür wider, wie die Macht von Kunst mit der Macht von Verführung – rhetorisch und emotional – zusammenläuft und wie sich dies zu politischer Macht verhält. Dies ist etwas, was Michael Jackson in Interviews erwähnt hat, wie in seinen Diskussionen über Hitler mit Rabbi Boteach. Und sogar früh in seiner Karriere sagte er dies 1980 in einem Interview mit Sylvia Chase über den Effekt, die seine Konzerte auf sein Publikum haben:

Wenn sie sich alle den Händen halten und jeder mitrockt, und es gibt alle Farben bei den Menschen dort, alle Rassen, das ist die wunderbarste Sache. Nicht einmal Politiker können so etwas erreichen.

Wir erkennen, wie sich dieser Gedanke auch in Tony Moran’s HIStory Lesson widerspiegelt. Zum Beispiel erkennen wir Bilder von Präsident Kennedy und von Bürgerrechtsmärschen, aber wir sehen auch Ausschnitte vom Panther Dance in Black or White und aus They Don’t Care about Us und dem Earth Song und Scream. Diese Videos haben die Geschichte ebenso geprägt – indem sie speziell Rassenvorurteile und Ungleichheit ansprechen – und sie werden weiterhin die öffentliche Meinung beeinflussen, wenn neue Generationen sie entdecken.

Lisha: Genau das ist es!

Willa: Und da ist ebenso etwas wirklich Subtiles. Bei 2:55 Minuten im Video sehen wir, wie die Frau mit der virtuellen Brille in ihrer Vorstellung in dem Dance Club herumgeht und der DJ sie einlädt zu ihm heraufzukommen und mitzumachen.

Lisha: Das habe ich auch bemerkt. Aus ihrer Position der virtuellen Realität betritt sie die Szene, als würde dies ihre tatsächliche Realität sein. Also gibt es da dieses Verschwimmen des Virtuellen (der vergangenen Erinnerungen und zukünftigen Sehnsüchte) und des Tatsächlichen (des gegenwärtigen Moments).

Willa: Oh, das ist ein interessanter Weg, dies zu interpretieren, Lisha! Es ist, als würde der DJ sie dazu einladen, die Grenzen zwischen der „virtuellen“ und der „tatsächlichen“ Realität zu überschreiten.

Dann bei 2:58 sehen wir einen Ausschnitt von Michael Jackson, in dem er sehr sexy aussieht in Don’t Stop til You Get Enough, was bedeutsam ist, wenn du darüber nachdenkst, wie es in den Vereinigten Staaten 1979 war, als dieses Video herauskam. Er war ein schwarzes Sexsymbol, das Frauen aller Rassen ansprach. Wir neigen dazu, zu vergessen, wie einschneidend dies einfach war. Dies wird quasi unterstrichen durch das, was im Video passiert. Wir springen plötzlich zurück zu der Frau (die weiß ist) und dem DJ (der schwarz ist) und bei 3:00 sehen wir, wie er ihr in den DJ-Stand hineinhilft. Bei 3:09 sehen wir Michael Jackson unglaublich heiß aussehend in In the Closet, einem seiner heißesten Videos überhaupt und bei 3:30 folgt ein schneller Clip von Rock with You. Und weil wir gerade über sexy reden – du solltest hören, wie Joie über das Video redet. Meine Güte!

Lisha: Ich bin sicher, das ist ziemlich unterhaltsam!

Willa: Oh, ich verspreche dir, du wirst das Video niemals wieder auf dieselbe Art ansehen!

Lisha: Ich nehme mir fest vor, sie danach zu fragen! Und ich habe bemerkt, dass eine der anderen Frauen in dieser Szene nicht allzu glücklich ist, zu sehen, wie das neue Mädchen die Aufmerksamkeit des DJ erregt.

Willa: Wirklich? Das habe ich verpasst.

Lisha: Es ist bei 3:02, das Mädchen mit dem dritten Auge.

Willa: Ich muss mal nachsehen. Es stimmt, sie geht ziemlich vertraulich mit dem DJ um. Bei 3:35 hat sie eigentlich ihre Hände überall bei ihm. Aber bei 3:36 ändern wir plötzlich die Perspektive und werden daran erinnert, dass sie nicht wirklich in dem Dance Club ist. Wir sehen sie mit ihrer virtuellen Brille in ihrem leeren Raum, und sie lässt ihre Hände über eine unsichtbare Person wandern, die nicht wirklich da ist. Das alles passiert an einem virtuellen Ort – einem durch Kunst erschaffenen Ort, Michael Jacksons Kunst – und diese Bilder auf der Leinwand führen die junge, weiße Frau dahin, sich die Erfahrung des Verlangens nach einem schwarzen Mann vorzustellen. Das ist wirklich einschneidend, oder es war es 1979. Und um einen sehr klugen jungen Mann zu zitieren: „Nicht einmal Politiker können so etwas erreichen.“ Politiker können nicht unsere Gefühle verändern und unsere Sehnsüchte formen, wie es Künstler vermögen.

Lisha: Ich bekomme außerdem das Gefühl, dass dies eine Zeit und ein Ort ist, wo du nicht die Hautfarbe von jemandem untersuchen musst, um festzulegen, ob du ihn magst. Es ist, als würden wir uns einen Ort vorstellen, an dem Menschlichkeit jenseits all diesen Wahnsinns ist.

Willa: Oh, das ist eine wirklich gute Feststellung, Lisha. Gerade also wie diese junge Frau eine alternative Realität durch Kunst erlebt, so erleben wir dies auch – eine, bei der Rassenunterschiede beim Eingehen von Beziehungen nicht interessieren.

Da ist außerdem noch eine subtile Sache, die ich herausstellen möchte. Es ist eine Zeile in den Lyrics von HIStory, in der er singt: „Sie sagt, dieses Gesicht, das du siehst / Ist für die Geschichte bestimmt.“ („She say this face that you see / Is destined for history“). Ich denke, die Veränderung darin, wie Menschen Michael Jacksons Gesicht wahrnehmen, war das vielleicht bedeutendste Phänomen des späten 20. Jahrhunderts, indem es eine radikale Veränderung darüber einleitete, wie die Leute über Rassenunterschiede und andere uns trennende Unterschiede denken und sie erleben. In dem Sinn, denke ich, hatte er das bedeutendste Gesicht in der Geschichte. Welches andere Gesicht hat solch einen Aufruhr verursacht oder solch tiefsitzende Veränderung der kulturellen Wahrnehmung und Vorstellungen bewirkt? Ich stimme dem also ausdrücklich zu, dass „dieses Gesicht, das du siehst, für die Geschichte bestimmt ist“.

Lisha: Noch einmal, Willa, du hast mich vollkommen umgehauen.

Willa: Ich weiß, was du meinst. Er haut mich regelmäßig um …

Lisha: Weißt du, es ist eine Sache, ein paar wunderschöne Wasserlilien zu erblicken und sie in hübschen Farben auf eine riesige Leinwand zu malen (ich möchte nicht die Monet-Fans beleidigen), aber es ist etwas ganz anderes, eine niederschmetternde Krankheit wie Vitiligo zu nehmen und damit eine künstlerische Stellungnahme zu erschaffen, die einen Auswirkung auf künftige Generationen haben wird. Es gibt den Worten „Erschaffe an jedem Tag deine Geschichte“ („Every day create your history“) eine neue Bedeutung.

Willa: Das tut es wirklich.

Bevor wir also aufhören, möchte ich außerdem allen ein neues Buch vorstellen, dass gerade diese Woche herauskam: Otherness and Power: Michael Jackson and His Media Critics (Anderssein und Macht: Michael Jackson und seine Medienkritiker). Es ist von Susan Woodward, einer medizinischen Sozialarbeiterin mit der Ausbildung und Erfahrung als psychoanalytische Therapeutin. In ihrem Buch analysiert sie einige der bösartigsten Niederschriften über Michael Jackson und kommt zu einer faszinierenden Schlussfolgerung – dass es mindestens zum Teil durch Furcht vor seiner „außergewöhnlichen Macht“ motiviert ist. Hier ist, was sie sagt:

Zwei Gründe sind typischerweise von Jacksons Fans für die negativen Medienreaktionen gegenüber Jackson festgestellt worden: Rassismus und tiefes Unbehagen in Bezug auf seine „Andersartigkeit“, das heißt seine angeblichen Exzentrik und seine fließenden Identitätsmerkmale. Während diese Gründe mir offensichtlich wahr zu sein schienen, hatte ich das anhaltende Gefühl, dass da noch etwas anderes vor sich ging. Nachdem ich feindselige Schriftstücke über Jackson studiert hatte, begann ich zu erkennen, dass es da noch einen weiteren Faktor gab, auf den Journalisten mit Misstrauen oder sogar Furcht reagierten: die Wahrnehmung von außergewöhnlicher Macht.

Sie sagt weiter, dass „die Macht, die sie spüren … sich nicht nur von seinem Ruhm und seinem Reichtum ableitet, sondern auch von seiner Andersartigkeit“, was eine Ironie darstellt, denn er wurde harsch kritisiert für seine Andersartigkeit. Ich bin wirklich fasziniert davon – dass, während viele Kritiker auf sein Anderssein (seine „exzentrischen Seltsamkeiten“/„eccentric oddities“, wie er sie nannte) mit Verächtlichkeit und Spott reagierten, Woodward darauf hinweist, sie wären auch als eine Quelle seiner Macht gefürchtet. Ich hatte nur die Gelegenheit, gerade die ersten paar Seiten zu lesen, aber es klingt wie eine faszinierende Annäherung an eine wirklich komplizierte und wichtige Frage – nämlich, warum so viele Journalisten, und andere ebenso, auf Michael Jackson so reagierten, wie es der Fall war.

Lisha: Das klingt unglaublich, Willa. Ich freue mich wirklich es zu lesen. Vielen Dank an dich, dass du uns darüber informiert hast.

Willa: Ja, es steht definitiv auf meiner Leseliste für den Sommer. Nun, danke, dass du hier warst, Lisha. Ich lerne immer so viel von dir!

Lisha: Vielen Dank an dich, Willa. Das war wirklich eine Lektion in Geschichte.

Lass’ meine Hand nicht los

by

Don’t Let Go of My Hand
Post vom 08/05/2014

http://www.dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: Diese Woche möchten Joie und ich über einen Song sprechen, der für uns beide einer der liebsten ist: Whatever Happens vom Invincible Album. Ich war so froh, Joie, dass du ihn vorgeschlagen hast, denn ich liebe diesen Song sehr.

Joie: Das ist nun wirklich lustig, Willa, weil ich mich daran erinnern kann, dass du diesen Song vorgeschlagen hast, nicht ich. Und als du dies getan hast, war ich wirklich glücklich, weil es von Anfang an einer meiner Lieblingssongs war.

Willa: Wirklich? Ich hab‘ ihn vorgeschlagen? Wow, Joie, tut mir leid – ich habe dieses Gehirn der mittleren Jahre und es ist nicht immer sehr verlässlich. Ich war mir sicher, dass du es vorgeschlagen hast, und ich erinnere mich, deswegen ganz aufgeregt gewesen zu sein … Aber wie es auch sei, ich glaube, ich hab‘ es dir schon mal erzählt, aber kurz nachdem Michael Jackson gestorben war, spielte ich diesen Song sehr oft. Aus irgendeinem Grund hat es mich wirklich getröstet, einfach nur diese wunderschöne Stimme singen zu hören: „Was immer auch passiert, lass‘ meine Hand nicht los“.

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Joie: Eigentlich weiß ich nicht, ob ich das wusste, aber ich kann es vollkommen verstehen.

Willa: Yeah, es ist, als würde er etwas vermitteln, was ich genau damals hören wollte. Aber ich habe ihn auch schon geliebt, bevor er starb. Er erzählt eine komplizierte Geschichte, die am Ende nicht aufgelöst wird, es ist also bittersüß, wie es viele seiner Songs sind. Und weißt du, etwas, was an diesem Song besonders interessant ist, ist, dass wir darin die Überschneidung zweier wichtiger Themen für Michael Jackson sehen können. Das erste ist das Problem der Kommunikation zwischen Männern und Frauen, welches sich durch quer seine Songs hindurch zieht – besonders auf dem Invincible Album. Wir sprachen darüber ein wenig während unserer monatelangen Feier von Invincible. Und das andere ist das Problem der Arbeit und wie erdrückend es sein kann in einem Job zu arbeiten, der einen nicht erfüllt.

Joie: Ok, zuerst möchte ich sagen, dass ich unsere monatelange Feier von Invincible so sehr genossen habe. Jene Posts sind immer noch einige meiner liebsten, die wir je gemacht haben, und ich weiß, dass das daher kommt, weil ich dieses Album von Anfang bis Ende anbete!

Aber genug der Schwärmerei … denn du hast etwas gesagt, was mich irgendwie verwirrt. Ich denke niemals an das Thema „Arbeiten in einem unzufriedenstellenden Job“ als einem festen Thema bei Michael Jackson. Ich zermartere mir gerade den Kopf, aber außer Working Day and Night fällt mir kein anderer Song ein, bei dem dieses Thema eine größere Rolle spielen würde, also erkläre das bitte.

Willa: Nun, ich würde nicht sagen, dass es ein Hauptthema ist – es ist nichts, worauf er sich Song für Song fokussiert, wie er es mit einigen anderen Themen macht. Aber er berührt es hin und wieder, und er konzentriert sich ziemlich ausgiebig darauf in Working Day and Night, wie du sagst und in Keep Your Head Up. Er singt in der Eröffnungsstrophe:

Sie arbeitet in zwei Jobs, um am Leben zu bleiben

Sie arbeitet Tag und Nacht in einem Restaurant

Sie kellnert ihr Leben weg

Sie wischt ihre Tränen weg

Es ist auch ein Thema in Slave to the Rhythm, obwohl in dem Song noch mehr vor sich geht. Die Hauptperson arbeitet nicht nur tagsüber in einem unbefriedigenden Job. Wenn sie abends nach Hause kommt, plagt sie sich noch für einen undankbaren Ehemann ab. Und das ist natürlich ebenfalls ein zentrales Thema in Whatever Happens.

Joie: Ok, ich erkenne jetzt, was du meinst, und du hast Recht, es ist ein Thema, das er mehr als einmal berührt.

Willa: Und über einen langen Zeitraum. Working Day and Night wurde 1979 veröffentlicht und Whatever Happens 2001. Das sind mehr als 2 Dekaden.

Aber weißt du, es ist wirklich interessant diese zwei Songs miteinander zu vergleichen, denn beide sprechen ein ähnliches Szenario an – ein Mann arbeitet hart in einem Beruf, ohne eine Zukunft, wegen der Frau, die er liebt – aber sie könnten trotzdem nicht unterschiedlicher sein. In Working Day and Night bestärkt ihn seine Freundin darin die vielen Stunden in diesen Job zu stecken, weil sie sein Geld möchte. Aber die Situation in Whatever Happens ist so viel subtiler und sehr viel komplizierter als das.

Joie: Ich stimme dir darin zu, dass die Situation in Whatever Happens so viel komplizierter ist als bei der anspruchsvollen Freundin in Working Day and Night.

In Whatever Happens wird uns ein verliebtes Paar vorgestellt – wahrscheinlich ein verheiratetes Paar – das sich offensichtlich liebt und sich zutiefst umeinander sorgt, aber es befindet sich mitten in irgendeiner Krise. Und obwohl uns nirgends gesagt wird, worin der Konflikt zwischen ihnen besteht, wissen wir doch sofort, dass es ein ziemlich ernstes Problem ist, er singt es in der Eröffnungsstrophe:

Er schenkt ihr ein weiteres Lächeln

Versucht ihren Standpunkt zu verstehen

Ihr zu zeigen, dass er sich sorgt

Sie kann nicht im Zimmer bleiben

Sie ist erfüllt

Von allem, was vor sich geht

Sie sagt:
„Was immer auch geschieht, lass‘ meine Hand nicht los“

Ganz aus dem Stehgreif also erzählt er uns, dass der Mann wirklich versucht ihre Sicht der Dinge zu verstehen, aber die Frau ist so aufgebracht über die Situation, dass sie nicht einmal im selben Zimmer bleiben und es mit ihm diskutieren kann. Zur selben Zeit aber bittet sie ihn, ihre Hand nicht loszulassen, ganz gleich, was passiert.

Willa: Was für eine schreckliche Situation! Und du hast Recht, Joie – sie ist „so aufgebracht … sie kann nicht einmal im selben Zimmer bleiben, um es zu diskutieren.“ Weißt du, so viele Male ich dem Song auch zugehört habe, so habe ich das bisher doch nie verstanden. Aber es stimmt, sie verlässt den Raum, wenn er versucht mit ihr zu reden – und das ist wirklich von Bedeutung, denn, worin immer auch die Krise besteht, das eigentliche Problem ist, dass sie scheinbar nicht darüber reden können. Wir erkennen das auch in der zweiten Strophe:

„Alles wird gut werden“,
Versichert er ihr


Aber sie hört nicht ein Wort, das er spricht

Gedankenverloren

Sie hat Angst

Fürchtet, dass es nicht richtig ist, was sie tun

Er weiß nicht, was er sagen soll

Also betet er:
„Was immer, was immer, was immer


Was immer auch geschieht, lass‘ meine Hand nicht los“

Also versucht er mit ihr zu reden – versucht ihr zu sagen „Alles wird gut werden“ – aber entweder kann oder will sie ihm nicht zuhören: „Sie hört nicht ein Wort, das er spricht“. Am Schluss der Strophe scheint er also aufzugeben. Statt mit ihr zu reden, betet er.

Sie machen sich offenbar wirklich Sorgen umeinander, und sie wollen sich nicht trennen. Die erste Strophe endet damit, dass sie sagt „Lass meine Hand nicht los“, wie du gesagt hast, Joie, und die zweite Strophe endet damit, dass er exakt die gleichen Worte betet. Und am Schluss, in den Adlibs, singt Michael Jackson: „Ich sagte, yeah, ich lass‘ dich nicht gehen, Baby“. Die Pronomen ändern sich also von „sie sagt“ zu „er betet“ zu „ich sagte“. Ich schwöre, man könnte ein Buch schreiben allein über seinen Gebrauch der Pronomen, und wie er ständig die Perspektive wechselt.

Wir betrachten also diese Situation aus ihrer Perspektive und aus seiner Perspektive, und sie wollen beide wirklich zusammen sein, aber man kann es fast spüren, wie es sie zerreißt. Es ist wirklich tragisch. Niemand von den beiden möchte das – wir können das wirklich gut erkennen – aber sie scheinen nicht zu wissen, wie sie es stoppen sollen.

Joie: Es scheint in gewisser Weise wirklich ein sehr herzzerreißender Song zu sein, nicht? Und in der dritten Strophe erkennen wir das Thema des unbefriedigenden Jobs, das du erwähnt hast, als er sagt:

Er arbeitet Tag und Nacht

Denkt, er macht sie glücklich

Vergisst all die Träume, die er hatte

Er merkt es nicht

Es ist nicht das Ende der Welt

Es muss nicht schlecht sein

Sie versucht zu erklären:

„Du bist es, was mich glücklich macht“

Hier ist also das, was wir als Hauptunterschied erkennen zwischen diesem Song und Working Day and Night, denn anders als das Mädchen, das nur sein Geld möchte, ist die Frau in diesem Song nicht interessiert an den Dingen, die sie für das Geld des Mannes kaufen kann. Stattdessen versucht sie ihm immer wieder klarzumachen, dass er es ist, der sie glücklich macht, nicht das Geld oder die Dinge, sondern nur bei ihm zu sein. Aber er scheint das nicht zu verstehen, und stattdessen ist er darauf konzentriert seine ganze Zeit mit Arbeit zu verbringen, um diese „Dinge“ zu kaufen, während er darauf fokussiert sein könnte, die Träume zu verfolgen, die er einst hatte und auf die Liebe, die sie vermutlich einst teilten.

Willa: Ja, als würde er arbeiten, nur um extravagante Dinge zu kaufen, oder wird mit seinem Gehaltsscheck die Miete bezahlt? Oder die Hypothek? Oder wird Kleidung für die Kinder gekauft? Nur mit seinen Einkünften auszukommen kann schon wirklich erdrückend sein, wenn du ein knappes Budget hast – so erdrückend, dass es schwer ist, sich an seine Träume zu erinnern. Und Michael Jackson schien sich dieser Tatsache sehr bewusst zu sein – dass es manchmal ironischerweise genau diejenigen sind, die wir am meisten lieben, die uns am Ende in ein unerfülltes Leben locken. Er singt zum Beispiel dies in Wanna Be Startin‘ Somethin‘:

Wenn du dein Baby nicht ernähren kannst

Dann bekomme kein Baby

Und denk nicht vielleicht

Wenn du dein Baby nicht ernähren kannst

Du wirst ständig versuchen

Das Weinen deines Kindes zu stoppen

Hetzend, stehlend, lügend

Nun stirbt dein Baby langsam

Er erzählt dieser Person also, dass, wenn sie ein Baby hat, für das sie finanziell nicht sorgen kann, – zumindest noch nicht, nicht zu diesem Zeitpunkt ihres Lebens – sie „hetzend, stehlend, lügend“ gefangen sein wird in ihrem Leben beim Versuch ihr Kind zu unterstützen. Wir wissen es nicht, aber es könnte eine ähnliche Situation in Whatever Happens sein. Es könnte sein, dass der Mann in der Geschichte seine Träume aufgibt und in einem langweiligen Job arbeitet, weil sie wirklich das Geld brauchen.

Joie: Nun, das stimmt sicherlich, Willa. Und ich weiß aus Erfahrung, dass Männer dazu neigen, solche Dinge zu verinnerlichen und es mit sich herumtragen, als würden sie die ganze Welt auf ihren Schultern tragen. Sie lassen es ihre gesamte Existenz bestimmen, bis sie durch die Depressionen und den Stress über die Runden zu kommen erdrückt werden. Und ich denke, du hast Recht, ich glaube, das ist es, um was es geht in diesem Song, wenigstens zum Teil. Und ich kann mich mit der Frau in diesem Song identifizieren. Ich verstehe, was sie durchmacht, als sie versucht ihm klarzumachen, dass sich nur um das Geld – oder den Mangel daran – zu sorgen, auch keine Art zu leben ist. Es kann frustrierend sein, wenn man versucht, einen Mann bei Laune zu halten, wenn das Geld äußerst knapp ist.

Eigentlich, wenn ich jetzt darüber nachdenke … erkenne ich, dass die erste Strophe völlig anders ist. Wenn er sagt:

Sie kann nicht im Raum bleiben

Sie ist erfüllt

Von allem, was vor sich geht

Vorhin habe ich gesagt, dass sie so wütend sei, dass sie nicht einmal im Raum bleiben und ihre Probleme besprechen könne. Aber jetzt sehe ich den Song in neuem Licht, und ich denke, sie kann nicht im selben Raum bleiben, weil sie verstimmt ist, sondern weil sie frustriert und wütend ist. Sie fühlt sich, als würde sie ihren Kopf gegen die Wand schlagen, damit er versteht, dass ihre Geldprobleme „nicht das Ende der Welt“ bedeuten. Und ich denke diese Interpretation wird durch diese dritte Strophe, die du vorher erwähnt hast, unterstützt.

Willa: Wow Joie, das ist eine wirklich interessante Annäherung daran – dass es einen kulturellen Unterschied zwischen Männern und Frauen beleuchtet, und „dass Männer dazu neigen, diese Dinge zu verinnerlichen und mit sich herumzutragen, als würden sie die ganze Welt auf ihren Schultern tragen“. Das stach wirklich hervor für mich, als du es sagtest, denn es knüpft an etwas an, das er in Working Day and Night ausdrückt:

Du sagst, dass Arbeiten

das ist, wofür ein Mann bestimmt ist

Aber ich sage, es ist nicht richtig

Wenn ich dir keine süße Liebe geben kann

Ich bin müde daran zu denken

Wie mein Leben sein sollte

Er stellt also diese Erwartungshaltung, dass Männer sich in ihre Arbeit vergraben und die Versorger sein sollten – was eine schreckliche Bürde ist, besonders wenn sie in einem Job gefangen sind, den sie nicht mögen – in Frage. Aber viele Männer machen es so, weil, wie er sagt „Arbeiten das ist, wofür ein Mann bestimmt ist“.

Joie: Es ist eine große Bürde, Willa. Ich bin sicher, wir können alle über einen Job zu einem bestimmten Punkt in unserem Leben berichten, den wir nicht mochten. Wenn wir Glück haben passiert das am Beginn unseres Erwachsenenlebens, wenn wir jung sind, und dann entdecken wir, was wir wirklich gerne machen möchten und schaffen den Übergang zu einem Job, den wir genießen. Aber für viele Menschen passiert es nicht unbedingt auf diese Art, und das ist unglücklich. Und es kann einige wirklich quälende Probleme in unserem persönlichen Leben hervorrufen. Es kann sogar unsere Gesundheit beeinträchtigen, sowohl physisch als auch emotional.

Willa: Das ist wahr, oder es kann manchmal bis zu einem gewissen Grad auch unsere Persönlichkeit verändern. Unsere Träume sind ein großer Teil von uns, davon wer wir sind. Sie helfen uns dabei uns zu definieren. Wenn wir unsere Träume aufgeben, verlieren wir diesen Teil unseres Selbst, und es verändert uns.

Joie: Das ist sehr wahr, Willa.

Willa: Diese Frau also in Whatever Happens, offensichtlich liebt sie diesen Mann – einen Mann, der Träume hatte – aber nun gibt er diese Träume auf, also ist er nicht ganz dieselbe Person, in die sie sich verliebt hat. Aber er bringt dieses Opfer für sie, oder denkt jedenfalls, er tut es. Wie der Erzähler in der letzten Strophe, die du zitiert hast, Joie, singt: „ Er arbeitet Tag und Nacht / Denkt, er macht sie glücklich / Während er all die Träume vergisst, die er hatte“. Aber sie möchte nicht, dass er seine Träume aufgibt.

Joie: Nein, das will sie nicht. Und sie versucht weiter, ihm das zu erklären, aber er versteht es nicht, weil alles, was er sieht, ihre Geldprobleme sind.

Willa: So scheint es zu sein, nicht wahr? Obwohl der Song mit den Zeilen beginnt „Er schenkt ihr ein weiteres Lächeln / Versucht ihre Seite zu verstehen / Um zu zeigen, dass er sich sorgt“, wie du vorher zitiert hast. Er versucht also, die Dinge aus ihrer Sicht zu sehen. Aber er scheint dazu nicht wirklich fähig zu sein, und sie scheint ihn ebenso wenig zu verstehen – kann ihm nicht mal zuhören – also sind sie beide wirklich frustriert.

Es ist eine wirklich komplizierte Situation, und man kann aufrichtig mit beiden Seiten mitfühlen. Dies ist keine einfache Geschichte von einem guten Kerl und einer gleichgültigen Frau, die ihn ausnutzt, welches die Situation bei Working Day and Night zu sein scheint, oder von einer guten Frau und einem gleichgültigen Mann, der sie als selbstverständlich hinnimmt, wie wir es in Slave to the Rhythm sehen. Vielmehr ist es eine sehr viel kompliziertere Geschichte, die die widerstreitenden Gefühle zweier Menschen, die tiefe Liebe für einander empfinden und nur das Beste wollen für denjenigen, den sie lieben, zum Gegenstand hat – sie wollen sich wirklich gegenseitig glücklich machen – aber sie können einander nicht verstehen, können gar nicht sehen, was die andere Person wirklich möchte und braucht. Also ziehen und zerren sie aneinander und kämpfen damit, es aufzuklären, ohne sich gegenseitig zu zerreißen.

Weißt du, Joie, eigentlich, wenn ich so darüber nachdenke … denke ich, du hast vielleicht Recht – vielleicht habe ich den Song vorgeschlagen. Ich weiß, dass ich ein wenig darüber nachgedacht habe, als wir unseren Post über Someone Put Your Hand Out gemacht haben – besonders, als wir über die Zeile gesprochen haben, die sich auf die „gehandikapten Gefühle“ bezieht. Es gab da eine ganze Menge Leute – sogar Menschen, die Michael Jackson aufrichtig zu mögen schienen – die andeuteten, er wäre in einem früheren Entwicklungsstadium stecken geblieben. Sie schienen ausdrücklich zu denken, er habe sich psychologisch nie über das Level eines Kindes hinausentwickelt, weil er sein kindliches Staunen beibehielt.

Hier ist zum Beispiel ein Interview mit John Landis, und es ist offensichtlich, dass er große Zuneigung für Michael Jackson empfindet. Aber er sagt auch, dass er wie ein „unglaublich begabter Zehnjähriger“ und „emotional zurückgeblieben“ gewesen sei:

Ich habe ganz gemischte Reaktionen, wenn ich mir dies ansehe. Ich habe einige gute Gefühle ihm gegenüber, weil er Michael Jackson eindeutig gern hatte und sehr traurig ist, dass er nicht mehr da ist, aber ich bin auch einfach sprachlos wegen mancher Dinge, die er sagt. Ich meine, John Landis ist bekannt für pubertäre Komödien wie Animal House und American Werewolf in London, und es gibt einige lustige Szenen, aber hast du Kentucky Fried Movie gesehen? Ich mag nicht zu kritisch sein, aber du meine Güte … Stichwort pubertär …

Joie: Ich weiß nicht, Willa, ich denke, es ist ein wirklich nettes Interview. Ich denke, wir sehen John, wie er einfach John ist, und ich mag die Tatsache, dass er emotional wird und nicht versucht, dies zu verstecken oder sich herauszureden. Er spricht über Michael und trägt dabei sein Herz auf der Zunge, und er wischt sogar Tränen weg, weil sein Freund gegangen ist.

Willa: Das ist wahr.

Joie: Und ja, ich habe Kentucky Fried Movie und Animal House gesehen, die ich beide sehr pubertär fand. Aber ich habe An American Werwolf immer gemocht, also verstehe ich, was du sagen willst, aber ich denke, auf was er hinaus will, ist, dass Michael nicht so sehr „pubertär“ war, sondern „kindlich“. Weißt du, da ist ein Unterschied zwischen Filmen mit jugendlichem Humor und Filmen mit kindlichem Charme. Der eine besteht aus sehr unreifen Witzen mit sexuellen Andeutungen, während der andere süßer, unschuldiger Spaß und Abenteuer bedeutet. Wenn er Michael also einen „unglaublich talentierten Zehnjährigen“ nennt, dann sagt mir das, dass Michael eine sehr „kindliche“ Natur und Denkprozess hatte.

Willa: Ja, aber er sagt auch, dass er „emotional zurückgeblieben“ gewesen sei und „alle möglichen Arten von Problemen“ gehabt habe. Ich habe durchaus nicht alle Filme von John Landis gesehen, aber soweit ich weiß, hat er niemals etwas so emotional Komplexes wie Whatever Happens geschaffen. Ich meine, er ist ein professioneller Filmemacher, aber hat er jemals einen Film mit der emotionalen Tiefe oder Nuancierung von Billie Jean oder Smooth Criminal oder Stranger in Moscow gemacht? Oder was ist mit der tiefgründigen Psychologie von Ghosts – oder auch Thriller? Er führte Regie bei Thriller, aber wann immer er darüber spricht, scheint er nicht zu realisieren, dass es mehr ist als ein kitschiger Monsterfilm. Und doch beschreibt er Michael Jackson als einen „talentierten Zehnjährigen“. Wie ist das möglich, dass ein Mann, dessen Werk Kentucky Fried Movie ist, einen anderen Mann, der Whatever Happens erschaffen hat – einen ergreifenden, herausragenden Song, der den Kummer zweier erwachsender Menschen, die sich durch schmerzvolle, schwierige Emotionen kämpfen, zum Thema hat – „emotional zurückgeblieben“ nennt? Das geht für mich in die komplett falsche Richtung.

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Joie: Nun gut, ich habe auch nicht alle seine Filme gesehen, aber ich kenne ein paar. Und während ich vollkommen mit dir darin übereinstimme, dass wir normalerweise nicht denken würden, dass jemand, der als „emotional zurückgeblieben“ bezeichnet wird, fähig ist, etwas emotional so Komplexes wie Whatever Happens, Billie Jean oder Stranger in Moscow zu erschaffen, würde ich doch behaupten, dass John Landis eigentlich brillant ist in dem, was er tut. Weißt du, jeder denkt, Comedy wäre einfach und Horror kriegt immer die schlechte Kritik … aber tatsächlich ist es so, dass eine große Portion Können und Geschick nötig ist, um Leute halb zu Tode zu ängstigen oder sie zum Lachen zu bringen und beides auf wirklich intelligente – oder jugendliche- Art und Weise. Ich meine, sie waren vielleicht keine Oscaranwärter, aber John Landis ist verantwortlich für einige der kultigsten Filme in unserer Kultur. Du hast zwei von ihnen aufgezählt: Animal House (Deutscher Titel: Ich glaub‘ mich tritt ein Pferd) und An American Werewolf in London. Aber da sind auch andere wie The Blues Brothers, Trading Places (Deutscher Titel: Die Glücksritter) und Coming to America (Deutscher Titel: Der Prinz von Zamunda). Alle fünf Filme werden von Millionen Menschen geliebt.

Und, Willa … ich stehe zu dem, was ich in unserem Post zu Someone Put Your Hand Out gesagt habe. Ich glaube, dass Michael wirklich so etwas hatte, was er in jenem Song „gehandikapte Gefühle“ genannt hat. Ich glaube, er war fähig sich so wundervoll durch Songs auszudrücken, mit Texten, die so ergreifend und voller emotionaler Tiefe und „tiefschürfender psychologischer Einblicke“ waren. Aber ich glaube auch, dass Michael auf einer gewissen Ebene, in seinem wahren Kern, wenn nicht „emotional zurückgeblieben“, so doch emotional gehandikapt war.

Du musst darüber nachdenken, wie er aufgewachsen ist. Er hatte eine Kindheit, die sich nicht viele von uns jemals wirklich vorstellen können. Ihm war es nie erlaubt wirklich zu spielen oder mit anderen Kindern seines Alters zusammen zu sein, weil er immer gearbeitet hat. Er wurde ständig dazu angehalten sich Gedanken über seine Arbeit zu machen, darüber wie seine Wirkung auf das Publikum ist und wie er die Performance verbessern kann. Das war sein Leben, seit er drei Jahre alt war. Er lernte nicht solche Dinge, wie man angemessen mit anderen Kindern im gleichen Alter umgeht. Er bekam nicht die normalen sozialen Stichworte mit, die andere Kinder in den verschiedenen Lebensabschnitten miteinander austauschen. Willa, es gibt einen Grund dafür, warum er niemals eine „normale“ Liebesbeziehung oder Eheleben mit seiner jeweiligen Frau hatte, und es gibt viele Aussagen von Leuten, die glauben, dass Michael so etwas wie ein asexuelles Wesen war. Nun, ich kann dazu nichts sagen, aber ich glaube, dass er einfach nicht fähig war, diese Art echter Gefühle oder Emotionen auszudrücken, es sei denn in einem Song oder in einem Video oder auf der Bühne. Ich glaube, dass, außer wenn es mit einer Performance zu tun hatte, es einfach nicht in seinem Repertoire war. Die Performance war sein Leben. Sein Leben war die Performance. In dem Sinn also ist der Ausdruck „emotional zurückgeblieben“ zutreffend.

Willa: Wow Joie, ich bin erstaunt. Ich vermute dies ist einer der Bereiche, bei dem wir uns einfach darauf einigen müssen, dass wir nicht einig sind, denn ich widerspreche dir komplett. Ich habe eine Menge Freunde, die nicht in langfristigen Beziehungen gebunden sind, und da ist absolut nichts „emotional Gehandikaptes“ an ihnen. Die Rechnung geht auf diese Weise für sie einfach nicht auf oder sie haben es sich nicht ausgesucht, so zu leben. Aber ich widerspreche, dass das irgendetwas psychologisch über sie aussagt, und ich widerspreche auch der Mutmaßung, dass, wenn Leute nicht gebunden sind, irgendetwas falsch mit ihnen sei.

Eigentlich denke ich, diese Unterstellung ist wirklich gefährlich und eines von den Vorurteilen, gegen die Michael Jackson kämpfen musste. Ich glaube, eine Menge Menschen nahmen an, es würde etwas mit ihm nicht stimmen, und dass er vielleicht wirklich ein Pädophiler sei, einfach nur, weil er nicht verheiratet war oder weil er keine Langzeitfreundin hatte. Und ich denke, er hat das verstanden. Als der Mayor dem Maestro in Ghosts sagt: „Du bist seltsam, du bist sonderbar, und ich mag dich nicht. Du machst diesen Kindern Angst, so wie du hier oben ganz allein lebst.“ Ich glaube, der Mayor ist einfach das Echo dessen, was damals eine Menge Leute über Michael Jackson gesagt haben – dass er “seltsam“ war und “sonderbar“ und “unheimlich”, einfach nur, weil er allein lebte.

Nebenbei gesagt, es ist interessant, wie der Maestro auf den Mayor in Ghosts antwortet. Er sagt: „Ich bin nicht allein“ und dann bringt er eine Schar von Phantasiemenschen zum Leben, so können die Dorfbewohner die Personen sehen, die seine Vorstellungskraft bevölkern. Mit anderen Worten, er ist nicht allein aufgrund seiner Kunst, und sein Leben ist ausgefüllt wegen seiner Kunst.

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Joie: Ich denke du missverstehst mich. Ich sage nicht, dass etwas nicht mit ihm stimmt, weil er nicht in einer langjährigen Beziehung lebt. Eigentlich hätte ich seine romantischen Beziehungen gar nicht erwähnen sollen, aber ich habe versucht meinen Standpunkt zu illustrieren. Einen Punkt, den du in deinem Eifer sein Leben, wie er es lebte zu verteidigen, vollkommen ignoriert hast. Aber du hast Recht wenn du sagst, es sei gefährlich, Vermutungen über die Psychologie einer Person anzustellen nur aufgrund der Tatsache, dass man ihren Beziehungsstatus betrachtet – und das ist nicht das, was ich damit gemeint habe. Es tut mir leid, dass es so gewirkt hat.

Willa: Mir tut es leid, Joie. Ich vermute, ich habe dich missverstanden. Ich hätte dich bitten sollen, es deutlicher zu machen, als gleich darauf anzuspringen und dir eine Predigt zu halten. Es tut mir leid.

Joie: Das ist ok. Aber der Punkt, den ich ausführen wollte, war, dass Michael nicht wie andere Kinder aufgewachsen ist. Er verbrachte keine Zeit mit Gleichaltrigen – in keinem Alter! Von seinen Brüdern abgesehen war er immer in der Gesellschaft von Erwachsenen, die über erwachsene Dinge sprachen wie über Arbeit und wie man die Arbeit noch besser machen könnte und wie man der Beste dabei werden könnte. Er hatte niemals die Gelegenheit all diese subtilen, fein nuancierten sozialen Stimuli zu erfahren, die die meisten 5-jährigen von anderen 5-jährigen lernen. Oder diejenigen, die 8-jährige mit anderen 8-jährigen erleben. Oder diejenigen, die 12-jährige von anderen 12-jährigen lernen, und so weiter, und so weiter. In dem Sinn also war er emotional und sozial zurückgeblieben.

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Willa: Gut, ich denke, ich habe nun eine bessere Vorstellung von dem, was du meinst, Joie, und du hast Recht – ich glaube nicht, dass irgendjemand eine Kindheit hatte, wie er sie hatte. Nicht nur, dass er ein Kinderstar war, sondern er steckte im Alter von nur zehn Jahren in der schwierigen Rolle, ein Repräsentant für das schwarze Amerika zu sein. Wenn er etwas falsch machte, dann schadete das nicht nur ihm und seinem Ruf – es fiel auch schlecht auf eine ganze Rasse zurück. Das ist ein großer zusätzlicher Druck – etwas, über das Shirley Temple und Elizabeth Taylor und Justin Bieber niemals nachdenken mussten. Dieser Druck wurde noch intensiver, als ihr Erfolg – der Erfolg der Jackson 5 und sein persönlicher – wuchs, und dazu hatte er noch einen sehr kontrollierenden Vater, der entschlossen war, dass seine Söhne es nicht vermasselten. Wie du sagst, Joie, es ist schwer sich auch nur vorzustellen, wie das war – wie seine Kindheit war. Aber während ich auch der Meinung bin, dass er eine extrem schwierige Kindheit hatte und dies eine Auswirkung auf ihn gehabt haben muss, bin ich immer noch nicht der Ansicht, dass er deswegen „emotional zurückgeblieben“ ist.

Joie: Nun, das ist auch ok. Es ist in Ordnung, nicht einer Meinung zu sein. Aber ich denke, das etwas, was du gerade gesagt hast, das Entscheidende für mich ist. Als du über Ghosts sprachst, sagtest du: „Er sagt ‚Ich bin nicht allein‘ und bringt dann eine Schar von Phantasiemenschen zum Leben, so dass die Dorfbewohner die Personen sehen können, die seine Vorstellungskraft bevölkern. Mit anderen Worten, er ist nicht allein aufgrund seiner Kunst, und sein Leben ist ausgefüllt wegen seiner Kunst.“ Das ist exakt das, was ich meinte, als ich sagte, dass die Performance sein Leben war, und sein Leben die Performance. Das war alles, was zählte für ihn, und ja, er lebte aus diesem Grund ein schönes und ausgefülltes Leben. Aber, Willa … jemand, der sein Leben vollkommen in seiner eigenen Vorstellung lebt ist definitionsgemäß sozial – und folglich emotional – zurückgeblieben zu einem gewissen Grad.

Willa: Ich denke, ich erkenne, was du sagst, und ich stimme dir zu darin, dass „die Performance sein Leben war, und sein Leben die Performance“, wie du sagst. Besonders nach den Anschuldigungen 1993 wurden sein Leben und seine Kunst so miteinander verflochten, dass es kaum zu entwirren war. Aber ich denke nicht, dass er sein Leben ganz und gar in seiner Vorstellung lebte. Seine Vorstellungskraft bereicherte sein Leben – und unseres ebenso – aber sie ersetzte nicht sein Leben. Das war nicht das, was ich meinte, als ich die Szene aus Ghosts zitierte.

Ich glaube, dass Michael Jackson aufgrund seiner Kunst ein reiches, randvolles und erfülltes Leben hatte – er verfügte über eine Art emotionale Autarkie, an die wir so nicht gewöhnt sind – aber er betonte auch immer wieder die Verbindung zwischen uns, und wie wichtig es ist, diese Verbindung zu ehren. Das ist eine völlig andere Art im Leben zu stehen – eine, die ich sowohl faszinierend, als auch inspirierend finde.

Es scheint für mich so, dass Menschen sehr oft irgendwie verzweifelt nach einem Partner suchen, weil sie allein sind oder weil es eine Leere in ihrem Leben gibt, und sie denken, wenn sie ihr Leben mit jemandem teilen, wird das die Einsamkeit und die Leere vertreiben. Wir mögen die romantische Geschichte, in der zwei unvollständige Menschen sich treffen und einander vervollständigen – wo zwei Hälften zusammenkommen und miteinander ein Ganzes ergeben – und wo alles andere dem Ideal der romantischen Liebe geopfert wird. Aber ich bin der Meinung, dass uns dies ironischerweise dazu bringen kann „emotional zurückzubleiben“, um John Landis‘ Worte zu benutzen, weil wir in diesem Modell nur erfahren, wie es ist, die Hälfte von etwas zu sein, und keine erfüllte, selbstverwirklichte Person nur durch uns selbst. Wir erkennen das ein wenig in Whatever Happens, wo der Mann sich selbst begrenzt und seine Träume opfert, um das zu sein, von dem er denkt, dass die Frau ihn so haben möchte.

Auf der anderen Seite haben wir, speziell in Amerika, die Story des schroffen Einzelgängers – dem Einsamen, dem Cowboy, dem knallharten Privatdetektiv – der niemanden braucht und der keine wirkliche Verbindung zu irgendjemandem braucht. Das wird auf ganz unterschwellige Art durch das Genre des Songs auch in Whatever Happens angedeutet. Besonders der Anfang klingt wie ein Western. Ich kann mir leicht vorstellen, wie dieses Intro als Soundtrack für einen Clint-Eastwood-Film eingesetzt wird – einer, in dem der rätselhafte Held allein in die Stadt reitet, ein Mädchen rettet (das sich zwangsläufig in ihn verliebt und ebenso unvermeidlich stirbt), er dann die bösen Kerle zur Strecke bringt und allein davonreitet.

Das sind zwei miteinander konkurrierende kulturelle Erzählungen, und die meisten Leute suchen sich die eine oder die andere heraus. Sie sind entweder der schroffe Einzelgänger oder der hoffnungslose Romantiker. Aber Michael Jackson kritisiert unterschwellig beide Modelle, denke ich – nicht gerade hier, sondern immer wieder in seiner Kunst – und er scheint auf ein ganz anderes Modell hinzuarbeiten. Es ist eins, in dem wir Erfüllung in uns selbst finden – etwas, was er durch seine Kunst fand – aber wo wir trotzdem tief für andere empfinden und die Verbindungen zwischen uns wertschätzen.

Joie: Ich stimme mit einigem, was du über romantische Liebe gesagt hast, nicht überein, aber am meisten muss ich widersprechen, dass der Mann in Whatever Happens sich selbst begrenzt und seine Träume opfert, um der zu sein, von dem er denkt, dass seine Frau es will. Meiner Meinung nach begrenzt er sich und opfert seine Träume, weil er das Gefühl hat, dass er finanziell keine andere Wahl hat. Er muss für eine Familie sorgen und emotional verkümmert zu sein hat nichts damit zu tun. Außerdem bin ich nicht sicher, ob ich dir darin zustimme, dass die meisten Menschen sich zwischen der einen oder der anderen kulturellen Erzählung, die du gerade beschrieben hast, entscheiden würden. Ich denke, dass es für eine Person möglich ist, beides zu sein. Aber ich verstehe, worauf du hinaus willst, wenn es um Michael geht.

Willa: Nun, du hast Recht, wenn ich sie als Modelle bezeichne, dann handelt es sich um Extreme. Wie bei Modellen üblich passen, sind sie nur für wenige Menschen vollkommen passend. Wenige Menschen passen in die Clint-Eastwood-Rolle – das selbständige Individuum, das niemand anderen braucht und das niemanden um sich haben möchte, der abhängig ist von ihm. Und auf der anderen Seite leben nur sehr wenige das romantische Ideal, das wir so oft auf der Leinwand sehen, wo eine Person wirklich die eine Hälfte eines Paares ist und die Liebe ihres Partners die einzige Quelle ihres Glücks darstellt.

Aber ich denke wirklich, dass die Menschen grundsätzlich dazu tendieren, sich entweder als das eine oder das andere zu sehen – als eine autonome Einzelperson oder dass sie sich in großen Teilen durch ihre Partnerschaft definieren. Und wie bei so vielen Gegensätzen scheint Michael Jackson einen anderen Weg vorzuschlagen. Er ist nicht von anderen abhängig für seine Selbstverwirklichung – er findet das durch seine Kunst in sich selbst. Aber dann teilt er es mit anderen, und die Verbindungen, die er durch seine Kunst spürt – zu seinem Publikum, zu der langen Reihe von Künstlern, die vor ihm da waren, zu den tiefen Rhythmen des Kosmos, worüber er in Dancing the Dream spricht – sind wesentlich für das, was ihn im Innersten ausmacht. Und wie er es in dem Song sagt: You’re Just Another Part of Me / Du bist nur ein anderer Teil von mir.

Also, bevor wir gehen, möchte ich ein neues Buch erwähnen, das gerade herausgekommen ist – oder eigentlich Buch Eins einer Trilogie. Es heißt The Algorithm of Desire (Der Algorithmus der Sehnsucht) von Eleanor Bowman, eine regelmäßig Mitwirkende hier bei uns. Eigentlich diskutierte sie bereits einige ihrer Gedanken, an denen sie für ihr Buch gearbeitet hat in einem Post mit uns im letzten Frühjahr. Ein Zitat von Eleanor:

Buch Eins … untersucht die Rolle von Schöpfungsmythen im Aufbau der Wahrnehmung der Realität einer Gesellschaft, wie Schöpfungsmythen die Sichtweise einer Gesellschaft und die Werte der Welt festlegen, und wie die Weltsicht einer Kultur und ihres Wertesystems das kollektive Überleben begünstigt oder bedroht.

Eleanors Gedanken sind faszinierend, und Buch Drei ihrer Trilogie fokussiert sich auf Michael Jackson. Sie sagt, dass „er nicht nur verstanden hat, in welcher Zwickmühle wir uns selbst befinden, sondern dass er uns auch zeigte, wie man ‚die Welt heilen‘ kann.“ Ich freue mich wirklich darauf.

Auf der Suche nach Neverland – Teil 2 -

Auf der Suche nach Neverland

- In Search Of Neverland – Gloria Rhoads Berlin -

Buch: http://www.insearchofneverlandthebook.com

- Teil 2 -

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Lass uns einen Deal machen

Die Fahrt nach Hause war eine gute Gelegenheit, um zu reden. Ich erzählte Michael, dass ich wissen wollte, was er über das alles dachte. Er erwiderte: „Lass uns einen Deal machen. Lass uns diese Ranch auf der Stelle unter meinem Namen klarmachen. Ich möchte sie kaufen, und ich möchte, dass du mir hilfst, Gloria. Ich habe nur elf Millionen Dollar für eine Sofortzahlung (Anzahlung). Ich habe nicht die Mittel, alles auf einmal zu zahlen. Was denkst du würde ein angemessener Preis für die Ranch sein?“

Meine Untersuchungen hatten ergeben, dass die Sycamore Valley Ranch in der Größenordnung von 2700 Acres die teuerste Ranch in den gesamten Vereinigten Staaten war; sie war außerdem viel zu hoch bewertet, aber nichtsdestotrotz würde der potentielle Käufer ein Angebot als Antwort auf Bill Bones Preisvorstellung von 35 Millionen Dollar machen müssen. Und ich wusste, das würde eine schwierige Transaktion sein, nicht nur weil Michael zum ersten Leg seiner Bad World Tour, seiner ersten Solo Tour, aufbrechen würde, sondern auch weil die Leute, die Michael umgaben, nicht wollten, dass er die Sycamore Valley Ranch kaufte.

Sie hatten andere Ranches im Sinn, Grundstücke, die ihren Freunden oder Verwandten gehörten. Sie waren erpicht darauf, dass er etwas kaufen würde, wovon sie dachten, dass es ihnen nützt, nicht, was Michael Jackson nützen würde. (Sie waren außerdem daran interessiert, die Provision für diesen Verkauf, der als Grundstücksverkauf des Jahrhunderts bekannt werden sollte, zu bekommen.) Und mir war bewusst, dass Michael Jackson in den letzten Jahren mit einigen Maklern zusammengearbeitet und nie gefunden hat, wonach er suchte. Ich sagte: „Ich glaube, wenn man genau jetzt die Preise der Ranches verteilt über die gesamten Vereinigten Staaten in Erwägung zieht, dass 17 Millionen Dollar wahrscheinlich der angemessene Preis sein würden. Es würde ein gutes Geschäft sein, wenn wir die Ranch zu diesem Preis bekämen, wenn man all die Häuser und Bauten betrachtet.

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(…)

Der nächste Schritt für uns war, ein Angebot abzugeben. Aber sogar bevor wir Michaels erstes Angebot abgaben, mussten wir mit der Entourage seiner Berater zusammenarbeiten. Bald nachdem ich Michael die Sycamore Valley Ranch gezeigt hatte, schlug sein Anwalt John Branca vor (ohne mich zu Rate zu ziehen), dass Michael ein Angebot von 10 Millionen Dollar machen solle. Im Grunde wollte er sogar, dass es noch niedriger sein würde – ein Angebot über 9 Millionen Dollar.

Als ich dies erfuhr, riet ich: „Michael, weißt du, du wirst den Eigentümer damit verärgern, und er wird schwer zu beeinflussen sein, wenn wir ihn gegen uns aufbringen. Du kannst ihm genauso gut ins Gesicht schlagen. Es handelt sich hier nicht um eine Zwangsversteigerung oder eine Zwangsvollstreckung. Wenn du ein Superreicher bist wie der Eigentümer, Bill Bone, lässt du dir das nicht bieten. Der Mann ist reich genug und als Bauunternehmer des Jahrzehnts bekannt. Er muss die Ranch nicht mal verkaufen, wenn er es nicht will. Sie müssen das nicht tun.“

Nachdem ich mit Michael über das Angebot gesprochen habe, autorisierte er mich, eines über 13 Millionen Dollar mit einem 200.000 Dollar hohen Bankscheck abzugeben. Obwohl Michael mich zu der Angebotshöhe bevollmächtigt hatte, musste vorher noch der Input und die Zustimmung von John Branca, Frank DiLeo und Marshall Gelfand eingeholt werden. Seine Berater griffen weiter ein, meinten, es solle weniger Geld sein, dass wir nicht ein so hohes Angebot machen sollten. Für mich schien es so, als wollten sie Michael davon abhalten, das zu bekommen, was er gern haben wollte.

John Branca gab schließlich auf und machte das Angebot für Michael, als sein Anwalt. Das Angebot musste unter dem Namen von John Branca und nicht Michael Jacksons abgegeben werden, um den Kauf zu beschleunigen und um die Transaktion von den Augen der Medien fernzuhalten. (Später wurde es als Treuhandfond unter Michael Jacksons Namen verwaltet, aber John Brancas Name wurde in den Original Kaufpapieren benutzt; die Tatsache, dass das Angebot in John Brancas Namen gemacht wurde, verkomplizierte die gesamte Transaktion.) Branca hätte es wirklich vorgezogen, wenn ich nicht Teil dieser ganzen Aktion gewesen wäre, aber da ich als Maklerin Michael repräsentierte, musste das Angebot durch mich unterbreitet werden.

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- John Branca & Michael -

(…)

Wir fanden Bill in der Pilot’s Lounge und übergaben ihm das Angebot. Er sah es an und war absolut am Boden zerstört. Seine Augen wurden feucht und er fing an zu weinen. Er sagte: „Ich kann nicht glauben, dass ihr mir dies antut. Dieses Angebot ist völlig unakzeptabel. Ich möchte nicht darüber diskutieren – es gibt nichts darüber zu reden. Ich möchte mir nicht mal die Mühe für ein Gegenangebot machen.“ Er schloss damit ab, indem er sagte, dass wenn ich ein Mann gewesen wäre, er mich hier auf der Stelle mit der Faust geschlagen hätte.

Ich flehte Mr. Bone an gegenzubieten, aber er weigerte sich. Wir hatten keine andere Wahl, als wieder nach Los Angeles zurückzukehren. Ich informierte John Branca darüber, was passiert war, und er erzählte mir, seine Hände wären gebunden und alles würde von Michael abhängen.

Glücklicherweise rief Michael mich von der Tour aus an und fragte: „Was machen wir jetzt als Nächstes?“ Ich erzählte ihm, er müsse jetzt ein höheres Angebot machen, und wir müssten uns bewusst sein, dass die japanischen Investoren ebenfalls daran interessiert seien, ein Angebot zu machen.

Michael sagte: „Er kann ihnen die Ranch nicht verkaufen.“

Aber wieder leitete er es weiter zu John Branca, der die Tatsache herunterspielte, dass die Japaner interessiert seien und wies ein Angebot von nur einer Million mehr an.

Am 20. Juli 1987 wurde ein Angebot von 14 Millionen Dollar abgegeben. Dieses Angebot war ebenfalls unakzeptabel und eine weitere Beleidigung für Bill Bone, dessen Gesicht vor Zorn rot wie eine Tomate wurde. Ich protestierte stark, diese Angebote seien lächerlich, und so bewilligte Mr. Branca am 4. September ein drittes Angebot über 14.250.000 Dollar.

An diesem Punkt war ich verzweifelt und dachte nicht, die Transaktion jemals zu Ende bringen zu können.

(…)

Michael war auf seiner Tour und rief mich regelmäßig zu jeder Stunde Tag und Nacht an, um sicherzustellen, dass er die Ranch nicht an jemand anderen verloren hatte und um Feedback zu dem letzten Angebot zu erhalten. Er wollte einen täglichen Bericht mit einer minutiösen Beschreibung von mir, denn es war klar, er wollte diese Ranch kaufen. Er war beunruhigt und fürchtete, Bill Bone würde sie an die japanischen Geschäftsleute verkaufen.

Unmöglich wie es schien, setzte sich dieser Prozess über die nächsten Monate fort. Nachdem ein Angebot abgegeben und zurückgewiesen wurde, diskutierte ich die Situation mit Mr. Branca, und schließlich wurde ein neues Angebot um weitere 250.000 Dollar höher als das vorangegangene abgegeben. Es war eine Travestie, die peinlich war für Bill Bone, GiGi De Long – und für mich.

Die Verhandlungen mit Bill Bone liefen nicht gut, denn er hielt den Preis immer schön über dem gegenwärtigen Marktwert. Er war wütend, dass die Angebote, die wir gemacht hatten, so niedrig waren und machte sich nicht einmal die Mühe für ein Gegenangebot.

(…)

Ich bat ihn eindringlich, es für Michael und mich zu tun. „Wenn doch niemand nah genug an den Preis herankommt, den du dir vorstellst,“ sagte ich zu Bill Bone, „warum akzeptierst du dann nicht ganz einfach jetzt Michaels Angebot?“ Bill Bone hielt wieder dagegen, er würde lieber das Grundstück in Ranchettes, Parzellen zu fünf Acres, aufteilen, so dass er seine 35 Millionen bekommen würde. Ich wusste, dass er das nicht konnte, also antwortete ich: „Das kannst du nicht tun, denn der Williamson Act lässt dies nicht zu.“ (Der Williamson Act war ein fester Beschluss, ein spezielles Gesetz, um große Gelände davor zu bewahren, gestückelt zu werden, also konnten landwirtschaftliche Ranches nicht in fünf Acre große Parzellen aufgebrochen werden.) Bill Bone nahm an, dass ich mich bei Grundstücksgesetzen nicht auskannte. Aber mein Mann und ich besaßen eine Firma für Grundstückserschließungen, und unser Business bestand darin, Land in fünf und zehn Acre große Parzellen aufzuteilen und an Investoren in Japan, China und Hawaii zu verkaufen. Wegen des Wiliamson Act mussten wir aufhören, kleinere Landparzellen zu verkaufen.

* * *

Schließlich, am 18. Dezember 1987, machten wir ein Angebot von 17 Millionen Dollar für die Ranch, und endlich hatten wir Erfolg. Mr. Branca, der immer alle Verträge für Michael Jackson abschloss, begann mit der Vertragsgestaltung und schloss die Verhandlungen Ende Dezember 1987 ab. Die Zustimmung für den Kauf und Verkauf wurde am 28. Februar 1988 unterzeichnet.

Die Sycamore Valley Ranch konnte endlich zur Neverland Ranch werden.

Neverland Sign by Night

Himmel auf Erden

Michael Jackson erklärte seine Unabhängigkeit, als er die Sycamore Valley Ranch kaufte. Es war so aufregend, Michael dabei beobachten, wie er in reinen Jubel ausbrach und in die Luft sprang. Dann umarmte er mich ganz fest, und Michaels Fröhlichkeit hüllte mich ein, als er mich nahm und mich wie ein kleines Mädchen herumwirbelte. Er war so glücklich und so begeistert durch die Aussicht, auf der Ranch zu leben, dass er anfing himmelhoch zu springen, zu tanzen und einen neuen Refrain ausrief: „Es wird höchste Zeit! Ich werde etwas verändern!“ Und das tat er.

Michael sagte zu mir: „Du hast den Himmel auf Erden für mich gefunden.“

Nun, ich bin so froh, dass du so begeistert bist, als wärst du schon im Himmel,“ sagte ich. „Und ich bin überglücklich, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, dein Neverland zu finden. Du wirst aufblühen wie niemals zuvor. Du wirst wundervolle Dinge tun. Dieses wunderbare Haus, das du vom ersten Tag, seit du es betreten hast, als dein Zuhause betrachtet hast, gehört jetzt dir.“ „Michael,“ fügte ich hinzu, „Gott liebt dich und das tue ich auch.“ Ich schlang meine Arme um ihn, und Michael umarmte mich auch und küsste mich.

Mach weiter so gute Arbeit, Gloria. Hilf jedem, den du triffst, so wie du mir geholfen hast.“

Danke, Michael. Das werde ich tun, sobald ich die Gelegenheit dazu bekomme,“ versprach ich.

* * *

Michael hatte mir erzählt, dass er die Ranch mit der ganzen Liebe seines Herzens auch gekauft hatte, um dies mit seiner Mutter und der Familie teilen und genießen zu können. Aber er wollte noch nicht, dass sie schon erfuhren, dass er nach einer Ranch suchte, weil alle dagegen waren, dass er von Encino wegziehen und so viele Meilen von ihnen entfernt leben würde.

Schließlich erzählte Michael seinen Eltern, dass er die Ranch gekauft hatte und dass der Kauf bereits abgeschlossen war. Katherine und Joe waren bestürzt darüber, dass Michael zu Hause auszog. Sie liebten ihren Sohn und wünschten sich, dass er in der Nähe blieb. Und als die Person, die ihm geholfen hatte, sein neues Zuhause zu kaufen, hatte ich ein unangenehmes Gefühl wegen der Tatsache, dass seine eigenen Eltern und seine Familie nicht nur nicht realisiert hatten, dass er auszog, sondern dass er alle seine Sachen aus dem Haus mitnahm. Es war nicht Michaels Absicht, dass seine Eltern leiden mussten, und um den Schmerz zu lindern, entschied er sich, auszuziehen, als alle tagsüber nicht zuhause waren.

An dem Tag, an dem Michael von dem Gelände auf Hayvenhurst in Encino auszog, beobachtete ich, wie Michaels persönliche Besitztümer in den Umzugswagen geladen wurden; und ich sah die Einsamkeit, die in den Gesichtern geschrieben stand bei jedem, der anwesend war. Was mich betrifft, ich war sowohl traurig, als auch glücklich: traurig, weil ich sah, dass er wegging, aber auch sehr glücklich, weil er endlich sein ideales Zuhause gefunden hatte, für das lange so hart gekämpft hatte. Ich weinte wegen Michael Jackson, den ich geliebt und verehrt hatte seit seiner Kindheit. So glücklich ich für ihn war, konnte ich doch nicht jubeln, weil ich mich fühlte, als würde ich ihn niemals wiedersehen.

The Pinnacle List

* * *

Michael fand ein neues herrliches Paradies auf Neverland vor, wo er zufrieden war, dass er weit weg war von den Menschenmengen und dem Rummel in den Städten, und die Ranch wurde verwandelt durch die Kraft von Michaels großartiger Vorstellungskraft. Er kreierte seine eigenen wunderschönen Regenbogen über dem 6 ½ Acre großen angelegten See. Er schaffte mehrere große Brunnenanlagen für Wasservögel an und setzte farbige Lichter rund um die Begrenzung des Sees. Bei warmem Wetter konnte man alle Farben des Regenbogens durch seine kreativen Innovationen in gelb, blau, grün, rot, violett und pink genießen, während die Wasserfontänen aus dem Zentrum des funkelnden Sees nach oben schossen. Wunderschöne Schwäne, schwarze und weiße, und auch Stockenten konnte man an den Begrenzungen des Sees schwimmen sehen.

Michael Jackson hegte eine große Wertschätzung für die besonderen Dinge des Lebens, zu denen auch die weltbesten Künstler gehörten. Er liebte Disneylands Cartoon Charaktere, denn er ist einer von ihnen gewesen. Und er erwarb all die Disney Memorabilien, einschließlich Mickey Mouse und jedem anderen Cartoon Charakter, den Disney eingesetzt hat. Er hatte sich eine komplette Sammlung von Disney Cartoons aufgebaut und nahm sie alle mit zur Neverland Ranch.

* * *

Als Michael ein Kind war, hatte er das Gefühl, dass er nie die Gelegenheit hatte, wirklich Kind zu sein und spielen zu können. Er sah Neverland als eine Gelegenheit, die Kindheit zu leben, die er niemals hatte. Michael ritt auf Pferden aus, kletterte auf Bäume und entwarf sein eigenes persönliches Disneyland mit einem kompletten Zirkus, um unheilbar kranke Kinder zu unterhalten. Er hatte Helikopter und sein privates Flugzeug für den Transport seiner Gäste und lud sowohl unheilbar kranke, als auch gesunde Kinder ein, wann immer er auf der Ranch war. Er hatte ein spezielles Gebäude mit einer Krankenabteilung auf der Ranch, in dem die kranken Kinder behandelt werden konnten. Wenn Michael Busse charterte, die die Gäste aus Los Angeles herbrachten, wurde oft Live Musik von angeheuerten Musikern zur Unterhaltung der Passagiere in den Bussen gespielt. Michael Jackson begrüßte die ganze Welt mit offenen Armen und mit all seiner Liebe, die er für seine Fans spürte, wenn er sie nach Neverland einlud.

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Ein schicksalhafter Tag

Wo war ich, als Michael Jackson starb? Ich war in demselben Gelson’s Market, wo Michael und ich uns normalerweise trafen, als er ein Teenager war.

* * *

Das letzte Mal, dass ich ihn gesprochen habe, war im Beverly Hills Hotel, ungefähr drei Jahre, bevor er starb. Michael kam gerade aus einem Besprechungsraum mit einer Gruppe von Geschäftsleuten. Er kam herüber zu mir, umarmte mich und sagte: „Hi, wie geht es dir?“ Ich sagte: „Mir geht es gut. Wie geht es dir? Du siehst wunderbar aus.“ Ich küsste ihn auf die Wange.

Er sagte: „Nun, ich bin in einem Meeting mit diesen Männern, und es geht darum, wieder nach Japan zu gehen. Sie planen gerade ein japanisches Festival und hätten gerne, dass ich auftrete.“ Das war alles, und dann winkte er mir zum Goodbye, während er entschlossen zu einer Limo rannte.

Das war das letzte Mal, dass ich Michael Jackson sah. Ich hatte mich natürlich immer gefragt, wie es ihm auf Neverland ging, aber ich hatte nie die Gelegenheit, ihn zu fragen.

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(…)

Bei Gelson’s an diesem Tag, dieser Stunde und dieser Minute, als der Presseagent mir erzählte, dass Michael Jackson gerade gestorben war, hatte ich das Gefühl, als würde ein kalter Finger mir auf die Schulter tippen, genauso wie wenn er Verstecken mit mir gespielt hatte.

Es war wirklich Michaels Stimme, die ich hörte: „Hi, Gloria. Ich bin nur gekommen, um Goodbye zu sagen.“ Es war, als könnte ich seine Worte und seine Stimme in meinen Gedanken hören, wie er mir Goodbye sagte im Gelson’s Market.

Das ist, wovon ich glaube, dass es passiert ist, und ich spürte, wie ein sehr starkes Frösteln mir den Rücken hoch und runter lief. Darum war ich beinahe ohnmächtig geworden. Ich hätte ihm so gern erklärt, wie nahe ich mich ihm fühlte. Ich bin so traurig, dass er von uns gegangen ist. Michael war ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben, und ich glaube wirklich, dass er an dem Tag, an dem er starb, gekommen ist, um mir Goodbye zu sagen.

Wenn ich an Michael denke, dann weiß ich, dass er vom Himmel heruntersieht, wo er für immer auf Gottes Regenbogen tanzt und singt. Es gibt viele niemals zuvor erzählte Geschichten der Hoffnung und Inspiration, die ich mit euch teilen könnte. Seine Absichten für Neverland waren, dass es ein Paradies für alle Kinder der Welt würde, und sein Geist wird für immer dort weiterleben.

Michael Jackson

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Übersetzung von Ilke

Teil 1  –  http://all4michael.com/2014/08/04/auf-der-suche-nach-neverland-teil-1/

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Auf der Suche nach Neverland – Teil 1 -

Auf der Suche nach Neverland

- In Search Of Neverland – Gloria Rhoads Berlin -

Übersetzung von Ilke ♥… vielen Dank dafür! 

Buch: http://www.insearchofneverlandthebook.com

Auszüge aus dem Buch von Gloria Rhoads Berlin, einer Immobilienmaklerin und Freundin der Jackson-Familie, die 1987/88 mit Michael auf die Suche nach seinem Traum-Grundstück ging, und mit ihm zusammen die Sycamore Valley Ranch fand.

- Teil 1 -

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Michael befand sich mitten in den Proben, zu seiner Bad World Tour, die seine erste Solotour werden sollte, als wir mit der Suche nach Neverland starteten. Er war zu der Zeit ein 27-jähriger Mann, der im Grunde genommen noch nie für sich allein gelebt hatte; er wohnte immer noch in Encino bei seinen Eltern und mit drei seiner Geschwister zusammen: Janet, LaToya und Randy. Er hatte sein ganzes Leben lang unter den Fittichen seiner Eltern gelebt, sogar während er als Teil der Jackson 5 tourte und aufgetreten ist und hatte niemals wirklich seinen eigenen Ort.

Michael hatte sich immer einen idealen Ort gewünscht, an dem er arbeiten und sein eigener Herr sein konnte und nicht seinen Eltern und den anderen Geschwistern ständig in die Arme lief. Er wünschte sich Unabhängigkeit: seine eigene und genauso auch, dass seine Familie unabhängig von ihm würde – mehr oder weniger um sich abzunabeln, aber die Nabelschnur wurde nie wirklich durchgeschnitten.

Ich weiß nicht, warum er niemals fähig war, vorher einen eigenen Platz für sich zu finden, außer dass er vielleicht die ganze Zeit zu beschäftigt war, um tatsächlich etwas zu finden. Ihm waren bis dahin bereits zwei Eigentumswohnungen in Orlando, Florida von der Disney Corporation geschenkt worden, weil er Teil ihrer Cartoons war, aber er nutzte sie nie.

* * *

Und es gab noch einen anderen Grund, wegzuziehen: Tiere. Zu behaupten, dass Michael ein Tierliebhaber gewesen sei, ist eine Untertreibung. Das Gelände in Encino, nahezu zwei Acres groß, war die Heimat von zwei Lamas, einem Rentier, einem Babyelefanten (einem Geschenk von Elizabeth Taylor), einer Python, Affen, zwei Giraffen, Ziegen, Schafen, schwarzen und weißen Schwänen und Tauben. (Die Schwäne lebten an einem Wasserlauf hinter dem Haus und bei mehreren Gelegenheiten sah ich Michael, wie er von Fels zu Fels tanzte und neue Tanzschritte ausprobierte.) All diese Tiere wurden von einem professionellen Tierpfleger betreut. Jedoch hielt all diese Pflege und Aufmerksamkeit die 21 ft. lange Python nicht davon ab, zu flüchten und ein vorübergehendes Refugium im Swimmingpool eines Nachbarn zu finden.

Das Animal Regulation Department (Behörde zur Beaufsichtigung von Tieren) stattete dem Gelände der Jacksons regelmäßige Besuche ab, und es wurde offensichtlich, dass sich etwas ändern musste. Michael entschied, dass es das musste – und begann heimlich, sich nach einem neuen Zuhause umzusehen, wo er seine Tiere friedlich und ruhig halten konnte. Er setzte vollkommenes Vertrauen in mich und glaubte fest, dass ich den sichersten Ort für sein neues Zuhause finden würde.

Michael with his animals

Wenn Michael etwas wollte, dann kümmerte er sich wirklich darum, denn er war schon sehr früh in seinem Leben dazu erzogen worden, seine Ziele fest im Auge zu behalten. Die Suche nach Neverland war so, als würde man sich auf die weltgrößte Schatzsuche begeben, und ich war sehr stolz darauf, Teil davon zu sein.

Ein Stück vom Paradies

Also gingen Michael und ich auf die Suche nach seiner perfekten Ranch. Wir schlichen uns meistens weg, um uns Ranches anzusehen und was auf dem Markt so verfügbar war.

Michael Jackson, Miko Brando und ich fuhren hoch nach Santa Barbara, was ungefähr 80 Meilen von Encino entfernt liegt. Bill Bray kam ebenfalls mit, um uns zu fahren und schützen. Michael und Miko waren schon in sehr jungen Jahren Klassenkameraden in der Cal Prep School gewesen, und Miko war Michaels engster und liebster Freund. So waren wir vier unterwegs, wobei Miko den größten Teil des Weges fuhr. (Michael mochte es, seinen eigenen Mercedes Benz zu fahren, wenn er konnte, also fuhr er auch einen Teil des Weges.)

Wir fuhren an Weideland vorbei, das voller Kälber war; es handelte sich um eine Milchfarm und all die Kälber hingen saugend an den Eutern ihrer Mütter. Michael war so aufgeregt! Er schrie vor Freude, war so glücklich und lachte. Er liebte es, zu beobachten, wie die Tiere gefüttert wurden. Wir hielten an und standen am Zaun und beobachteten sie. Der Farmer kam herüber und fragte uns: „Was macht ihr hier?“ „Nun, wir beobachten die Kälber, wie sie Milch von ihren Müttern bekommen,“ antwortete ich. „Ist das okay? Haben Sie etwas dagegen?“ „Nein, überhaupt nicht, ich war nur neugierig. Niemand hält hier sonst an.“ Der Farmer war freundlich, und es war offensichtlich, dass er nicht realisierte, dass er gerade mit Michael Jackson sprach. Also fing Michael an, ihm eine Menge Fragen zu stellen über die Tragzeit von Kälbern. Wie lange dauert es, bis ein Kalb geboren wird? Wie lange dauert es, bis die Mutter das Kalb nicht mehr füttern muss? Michael hatte wirklich den Kopf eines Milchfarmers! Er interessierte sich dafür, Tiere aufzuziehen. Er fragte alle Arten von Fragen über ihre Aufzucht. Es standen dort einige große schwarze Zuchtbullen. Die Milchfarm hatte Hunderte von Kälbern, alle gezeugt von diesen Zuchtbullen. Michael war davon fasziniert und vertiefte sich in eine Diskussion darüber, wie man eine Milchfarm gründet und wie Milch pasteurisiert wird.

Ich möchte, dass Ihr erfahrt, dass Michael dort von dem Farmer tatsächlich beigebracht wurde, eine Holsteiner Kuh zu melken: indem man mit zwei Eutern in einen Eimer zielt!

Es war aufregend, ihn dabei zu beobachten, wie er eine Kuh melkte. Sie versuchten es mir, Miko Brando und Michaels Majordomus Bill Bray auch beizubringen, aber Michael war am Besten. Er brachte es tatsächlich fertig, den Eimer bis zum Rand zu füllen, und er liebte es, das zu tun. Bill Bray drängte uns, auf die Straße zurückzukehren. Kurz entschlossen spritzte Michael Kuhmilch direkt in Bills Gesicht. Der arme Bill wischte sein nasses Gesicht mit einem Taschentuch ab, als der Farmer vor Lachen brüllte und Michael vor Freude quietschte. Er verkündete, er würde hier einziehen und ein Milchfarmer werden.

Es war wirklich ziemlich lustig, dass der Farmer überhaupt nicht bemerkte, dass Michael eine Berühmtheit war. Er hatte keine Ahnung von der Welt des Show Business, nur von seinen Weiden und seinen Kühen. Michael nutzte das voll aus und genoss die Anonymität. Der Farmer fragte, woher wir kommen, also sagten wir Encino im San Fernando Valley. Er verband Michael überhaupt nicht damit, der King of Pop aus der Musikwelt zu sein.

Dies war einer der ersten von einigen Ausflügen, die Michael und ich unternahmen. Es war Frühling, der auf den Juni zuging, als wir uns diese großartigen Farmen ansahen, mit makellosem blauem Himmel voll mit Streifen von weißen flauschigen Baumwollwolken.

Michael und ich sahen uns mühelos ein Dutzend Orte an, denn er genoss das vergleichende Einkaufen. Er war mehr oder weniger erst mal damit beschäftigt, ein Gefühl dafür zu bekommen, was eine Ranch kosten sollte. Wir sahen uns Ranch für Ranch an, bis wir entgegen allen Erwartungen ein geheimes Paradies entdeckten.

Jedes Mal, wenn sich Michael Jackson sich mit mir traf, umarmte und drückte er mich und behandelte mich wie seine eigene Mutter, Katherine. Michael war eine sehr freundliche, süße Person, und er war so aufgeregt, dass wir nach diesem vollkommenen Ort suchten, von dem er seit mehreren Jahren träumte. Gelegentlich fuhren wir allein los, um uns Ranches anzusehen, und andere Male kam Miko Brando mit uns, aber die restliche Zeit gab es nur uns beide, mit Bill Bray, der uns fuhr.

Gloria Rhoads Berlin

- Gloria & Michael -

Du kannst dir nicht so viele Ranches an einem Tag ansehen, denn sie sind sehr groß und in weiter Entfernung voneinander. Du durchquerst Meilen unbebauter Landschaften nur in Gesellschaft von Bäumen und Bergen. Wir passierten einen See mit Namen Lake Cachuma, der ein sehr friedlicher See ist. Da Michael die Tendenz hatte, überall anzuhalten und sich alles anzusehen, was seine Phantasie anregte, hielten wir dort an, um einen Blick darauf zu werfen. Lake Cachuma interessierte ihn wirklich, und Michael wollte mehr über ihn wissen. Wie üblich hatte er eine Menge Fragen: Gibt es Fische in dem See? Angeln die Leute in dem See? Welche Arten von Fischen gibt es dort? Er war immer neugierig.

(…)

Dies waren Michaels Rahmenbedingungen. Die Ranch, die er wollte, sollte über 200 Acres groß sein, ein großartiger Ort zum Bewirtschaften, um Tiere aufzuziehen und ein sehr privater Ort, ohne Nachbarn. Michael wollte Privatheit und bevorzugte den Gedanken, nah an einem Wald zu sein, einem abgeschiedenen, abgelegenen Ort.

Aus diesem Grund wollte er nicht nah am Meer sein. Man würde keine Ungestörtheit auf einer Ranch, die dem Meer zugewandt oder an einer Straße am Meer lag, haben. Wenn die Leute zum Strand gehen, würden sie direkt an deiner Ranch vorbeikommen, und wenn du in der Nähe eines großen Highways wärst, hättest du eine Menge Verkehrsgeräusche. Genau davon versuchte Michael wegzukommen: Verkehr, Lärm und Umweltverschmutzung. Er wollte einen Zufluchtsort. Und, um ehrlich zu sein, bei all der Suche, die wir auf uns nahmen, gab es keine Ranch, die jemals mit der einen vergleichbar gewesen wäre, die Michael schließlich kaufte.

Vom Schreibtisch von Will Berlin

Meine Eltern hatten mir ein cooles Alfa Romeo Fiat Cabriolet zu meinem 16. Geburtstag geschenkt. Eines sonnigen Tages fuhr ich gerade auf der Schnellspur auf dem Ventura Boulevard mit heruntergelassenem Verdeck, als ich einen Rolls Royce bemerkte, ebenfalls auf der Schnellspur, der aus der anderen Richtung mir entgegen kam.

Als mich der Rolls Royce erreichte, konnte ich einen Mann erkennen, der einen Safarihut trug und scheinbar auch safariähnliche Kleidung, oder zumindest ein Safari-Shirt. Es war Michael. Er sah sehr zufrieden aus hinter dem Lenkrad des Rolls Royce, und auch mit seiner kostümartigen Kleidung. Ich starrte ihn einfach nur die ganze Zeit an und konnte hören, dass in seinem Auto Musik spielte.

Der Anblick nahm mir den Atem, und ich dachte bei mir: „Wow, Michael ist einfach der Coolste.“ Ich glaube, in dieser Zeit seines Lebens war es ihm endlich erlaubt, Geld für Dinge auszugeben, die er in seinem Leben einfach mal mitmachen wollte und die man nur für Geld kaufen konnte, so wie der Rolls Royce, den er fuhr.

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- Gloria, Michal & Will -

Das Haus seiner Träume

Wie ich bereits erwähnt habe, wusste Michael genau, was er wollte. Er erinnerte sich daran, ein Video mit Paul McCartney auf einer Ranch gedreht zu haben, auf der ein wundervolles Haupthaus im englischen Tudorstil stand. Das Filmen dieses Videos war nicht so gut verlaufen, und sie wurden genau genommen vom Grundstück geworfen, denn Paul McCartneys Team hatte vorher nicht die Erlaubnis des Eigentümers bekommen. Aber Michael erinnerte sich an diesen wundervollen Drehort und wollte etwas, das genau so war.

Im ersten Schritt stellte ich Recherchen über all die nationalen Ranches an und ich fand heraus, dass es nur drei gab, die seine Bedingungen erfüllten – eine von ihnen war im Santa Barbara County, im Santa Ynez Valley gelegen.

(…)

Ein weiteres Detail, das ich erwähnen sollte: Michael Jackson hatte zur Auflage gemacht, das sein idealer Ort Wild beherbergen sollte, und in diesem Punkt war er auch nicht bereit, nachzugeben. Die Sycamore Valley Ranch schloss sich direkt dem Los Padres National Forest an, der Heimat von sehr viel Wild, und es kam herunter auf das Grundstück, um die Geranien dort zu fressen. Im Grunde waren die Geranien angepflanzt worden, um das Wild anzulocken, das die Blumen anscheinend unwiderstehlich fand. (Wie ich später dann erfahren durfte, war es einfach sehr magisch, sie im Licht der Dämmerung oder beim Sonnenuntergang hervorspringen zu sehen, wenn sie aus dem Wald kamen, um zu fressen).

Mir erschien es so, als wäre dies der Ort, der dazu bestimmt war, das Michael Jackson ihn sein Zuhause nennen durfte.

(…)

Der erste Schritt war, dass Michael die Ranch besuchen und herausfinden musste, ob dies der Ort war, an den er sich erinnerte. Als ich Michael erzählte, dass ich eine Ranch mit mindestens 2700 Acres (fast 11 km²) gefunden hatte, die dem derzeit reichsten Mann des Staates Kalifornien gehörten, weiteten sich seine Augen, und er konnte es nicht abwarten, sie sich anzusehen.

Ich war in dem Prozess, die Verabredung zum Abschluss zu bringen, aber ich musste viele Hürden überwinden wegen der strengen Anforderungen des Eigentümers. Eine vollständige Offenlegung eines amtlichen Registrierungsformulars des Kunden musste unterzeichnet werden, gemeinsam mit Kopien der Einkommensteuererklärung, um zu beweisen, dass dieser Käufer für den Kauf dieser Ranch qualifiziert war.

Bill Bone stellte ernsthafte Nachforschungen an: „Wer ist dieser geheimnisvolle Mann, der anonym bleiben will, während er sich meine 35-Millionen-Dollar-Ranch ansieht?“ Er hatte sich geweigert, die Ranch zu öffnen, bis ihm versichert wurde, dass sein Grundstück (welches Möbel und Kunstwerke im Wert von über dreieinhalb Millionen Dollar umfasste) sicher war. Mit der Maßgabe, dass die Versicherung Schwierigkeiten machen würde mit der Gegenwart dieses maskierten Fremden, der es ablehnte, seinen Namen registrieren zu lassen.

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- Die Bones & Michael -

Ein paar Tage später trafen Michael und ich Verabredungen für den Besuch der Ranch und machten die Fahrt per Auto mit vielen Pausen auf dem Weg dahin. Fast war ich der glückliche Fahrer. Bill Bray sollte eigentlich da sein, um uns zu fahren, aber als ich um 8.30 a.m. eintraf, war er noch nicht da und Michael sah niedergeschlagen aus, so als ob er die ganze Nacht geweint hätte.

Meine persönliche Beziehung zu Michael Jackson war sehr besonders und privat. Er wusste, dass er sich darauf verlassen konnte, dass ich verschwiegen war über das, was wir vertraulich besprochen hatten. Ich hätte schwören können, dass er geweint hatte und versuchte, es vor mir zu verbergen. „Oh Michael, was ist schief gelaufen?“ fragte ich ihn, als ich ihn umarmte. „Du weißt, dass alles, worüber wir beide reden, vertraulich bleiben wird.“

Michael seufzte und antwortete. „Gloria, bitte lass niemanden wissen, dass ich mir Ranches ansehe, besonders nicht die Eigentümer oder ihre Grundstücksmakler, denn jedes Wort wird an die Medien gelangen. Die meisten meiner eigenen Leute dürfen es auch nicht wissen. Dies ist ein ganz besonderes Geheimnis zwischen dir und mir. Ich weiß zwar, dass es die ganze Sache noch schwieriger machen wird, aber ich weiß, ich kann mich auf dich verlassen. Kannst du bitte dein Möglichstes tun, um die Ranch ganz schnell für mich zu finden, bevor ich nach Japan aufbreche?“ „Ja Michael, dein Glück ist sehr wichtig für mich,“ sagte ich ihm, „denn ich liebe dich wie einen Sohn! Du wirst die Ranch deiner Träume sehen, bevor du nach Japan auf Tour gehst. “Ich lächelte, als er mir tief in die Augen sah, als versuchte er dadurch meine Bereitschaft abzuschätzen. Schließlich erreichte uns Bill Bray keuchend, wischte sich über die Stirn, und wir waren auf dem Weg.

The Pinnacle List

Als wir an der Ranch ankamen, war T. Hayer dort, um sie für uns zu öffnen. Er schien meinen Kunden nicht zu erkennen und begann uns herumzuführen. Zuerst, sogar obwohl wir gespannt darauf waren, das Innere des großartigen Herrenhauses zu sehen, fuhr er uns mit Allradantrieb über die ganze Fläche des Anwesens. Als wir es schließlich bis zum Haus geschafft hatten, trauten wir kaum unseren Augen. Vor dem Haus befand sich ein 6 ½ Acre großer angelegter See. Zum Eingang des Hauses gelangte man über eine lange Brücke, die ein Nachbau der berühmten London Bridge war. Michael war so begeistert! Er konnte nicht aufhören, mich zu umarmen. Das Haus bestand aus dreißig Zimmern inklusive sieben Schlafzimmern, jedes ausgestattet mit seinem eigenen Masterbad. Vor unserem Besuch hatte ich Bill Bone gebeten, jeden Raum mit prachtvollen Blumenarrangements zu bestücken. Jeder Raum hatte ein anderes Thema für die Blumen mit Betonung auf einer einzelnen Farbe oder einer besonderen Art exotischer Blumen. Dies waren eine große Menge Blumen, und sie kosteten Bill viele tausend Dollar, aber Michael bewunderte Blumen, und die Tatsache, dass die Blumen zu seiner Begrüßung da waren, machten jeden Unterschied der Welt für ihn. Er war im siebten Himmel. Das Haus war ausgestattet mit sehenswerter, eleganter Kunst, eingeführt aus aller Welt. Ein Bösendorfer Flügel war aus Wien importiert und im Haus zusammengebaut worden. Michael konnte es kaum abwarten, ihn auszuprobieren. Er setzte sich sofort hin und fing an zu spielen und zu singen I Just Can’t Stop Loving You.

Neverland Piano

- Neverland-Piano –

Das Spielzimmer, das sich im zweiten Stockwerk anschloss, hatte einen Bereich, um Kinder zu Hause zu unterrichten, wo man sie unterhalten und erziehen konnte. Wir entdeckten ein großes schwarzes Hexenkostüm mit einem Hut, der über einem Reisigbesen in der Ecke hing. Michael entschied, den schwarzen Hexenhut aufzusetzen und das Cape von der Figur zu nehmen, die sich dann als menschliches Skelett entpuppte. Michael kreischte vor Freude. Er liebte Gespenster und Geister, seine Lieblingscharaktere in seinen liebsten Horrorfilmen.

Dann fragte er, ob es in dem Haus spuken würde. Ich sagte „Nun, würdest du es denn kaufen, wenn es hier spuken würde?“

Er kicherte: „Natürlich würde ich. Ich würde gern wissen, wer es ist, der hier heimgesucht wird.“ Ich sagte: „Niemand. Bill Bone hat dieses Haus für seine Familie von Grund auf neu gebaut, also gibt es hier keine Geister, die in diesem Haus heimgesucht werden. Aber wir können dir anbieten, einen Geist bereitzustellen, wenn du gern einen hättest. Wir schmuggeln dir einen Geist ein, damit er hier für dich herumspukt.“ Michael lachte und lachte. Er hatte einen großartigen Sinn für Humor. Er imitierte dann ein Halloween-Gespenst und warf sich ein weißes Bettlaken über wie Casper the Ghost – Boo! Boo! Wir schlossen uns alle dem Spaß an, in dem riesigen Spielzimmer umherzulaufen und Verstecken zu spielen.

Bei diesem ersten Besuch auf der Ranch verbrachten wir Stunden im Haus. Es war voller Überraschungen, alles war so außergewöhnlich, und es endete damit, dass wir einen ganzen Tag brauchten, um lediglich das Haus zu besichtigen.

(…)

Was andere Leute meistens nicht wissen, ist, dass Michael Jackson extrem spirituell und religiös war. Es war genau an diesem besagten Tag, dass Michael die intimste Seite seines Lebens mit mir teilte, während wir uns an den Händen hielten und über gluckernde Bäche, Felsen und Baumstämme gingen, manchmal springend statt einfach nur gehend. Als wir uns hinsetzten, um uns für einige Minuten auszuruhen, drehte sich Michael herum, seinen Kopf im Gebet gesenkt und fragte mich: „Gloria, würdest du bitte das Vaterunser mit mir zusammen beten?“ Während alle anderen herumrannten und dem Ranch Manager viele Fragen stellten, saßen wir ganz still und beteten. Wir beteten zusammen für jeden Bereich des Grundstücks.

(…)

Bei einer Transaktion dieser Größenordnung ist es wichtig, eine Bestandsaufnahme von allem zu machen, was sich im Haus und auf dem Grundstück befindet und im Kaufpreis enthalten ist, bis hinunter zum kleinsten Teil – wie etwa Besteck und Geschirr.

Michael und ich führten den größten Teil dieser Bestandaufnahme für uns allein durch. Bill Bray blieb einen Teil der Woche bei uns, aber er verbrachte auch viel Zeit in Los Olivos und Santa Barbara. Die Ruhe und Stille ist nicht für jeden etwas. Die „Höhenflieger“ in unserer Gruppe kehrten schnell wieder in die Stadt zurück, nachdem sie das Grundstück angesehen hatten und überließen uns unserer Arbeit. Bill hatte uns Inventarlisten für jeden Raum gegeben, und Michael und ich verbrachten Stunden um Stunden damit, die Listen zu checken und welche Gegenstände sie enthielten. Da gab es viele schöne und wertvolle Antiquitäten im Haus, die aus aller Welt importiert worden waren. Der Kaminsims in der Master Suite kam aus Rom in Italien. Ich hatte die Aufgabe, die Listen dahingehend zu vervollständigen, was im Kauf enthalten sein sollte und was ausgeschlossen werden sollte.

* * *

Während ich schwer arbeitete, um all diese Aufzeichnungen zu machen, bestand Michael darauf, Spiele mit mir zu spielen. Michael fragte: „Erinnerst du dich, wie Himmel-und-Hölle geht?“ Ich schüttelte meinen Kopf „Nein, nein, weiß ich nicht!“ „Was ist mit Verstecken spielen?“ bettelte Michael und lachte. „Ja, das ist ein Spiel, dass ich immer gewonnen habe, wenn ich es mit meinen Brüdern und Schwestern gespielt habe. Aber lass mich mich als erstes verstecken und ich wette, du wirst mich nicht finden,“ antwortete ich.

Michael sprang hoch in die Luft mit Gelächter, während er sagte: „Das möchte ich mal erleben!“

Gib mir fünf Minuten, um mich zu verstecken und kehr‘ mir den Rücken zu, mit verbundenen Augen, und dann versuch mich zu finden!“ kicherte ich.

Michael nahm meine Herausforderung mit viel Prahlerei an und trat hervor, so dass ich ihm die Augen mit seinem schwarzen Halstuch verbinden konnte. Dann rief ich aus „Die Zeit läuft ab jetzt!“ und ich rannte, so schnell mich meine Beine tragen konnten, in den baumreichen Los Padres National Forest. Ich versteckte mich sehr schnell hinter einem riesigen Felsbrocken und hoffte, dass Michael mich nicht aufgrund der Fußabdrücke im Boden finden würde. Nachdem zwanzig Minuten vergangen waren, begann ich dahin zurück zu gehen, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte. Nein, er war nicht in der Nähe dieses Bereiches, also begann ich ein wenig panisch zu werden, weil er sich vielleicht im Wald verlaufen haben könnte.

Plötzlich, als ich begann, seinen Namen zu rufen, sprang er wie eine Gazelle aus dem Nichts und tippte auf meinen Rücken. Oh, er erschreckte mich so! Ich schrie vor Freude, dass wir uns schließlich wieder gefunden hatten. Natürlich, er hatte das Versteckspiel gewonnen. Obwohl ich drei Jahrzehnte älter war als er, weckte er das Kind in mir durch das Spielen.

Michael entschied, dass er seine Balancierfähigkeiten unter Beweis stellen wollte, indem er auf Zäune kletterte und auf ihnen entlang balancierte, als wäre er auf einem Schwebebalken. Ich erinnerte ihn daran, dass weit und breit keine medizinische Hilfe war, und dass seine Welttournee in ein paar Tagen anstehen würde. Aber er war furchtlos, und je mehr ich protestierte, desto mehr wollte er so etwas tun.

Es war sehr interessant, ihm dabei zu helfen, mit der Ranch vertraut zu werden und jeden Stein, jeden Bach, jede Wasserquelle und jeden Wasserfall kennenzulernen. Es gab die London Bridge, an der Michael so sehr mochte, dass man auf ihr sitzen konnte. Es gab einen Garten, der rund um das Herrenhaus mit Pflanzen für jede einzelne Jahreszeit bepflanzt war, so dass es ständig einen blühenden Garten gab; das begeisterte Michael, denn er liebte Blumen so sehr.

Als wir auf der Ranch unsere erste Nacht vor uns hatten, fragte ich ihn: „Michael, warum magst du Tiere so sehr?“ 

Michael antwortete: „Weil sie heilen, und weil sie Gottes Geschöpfe sind. Es gibt sie sogar in der Bibel. Ich kann Psalm 148 für dich aufsagen, der besagt ‚Kleine wilde Tiere und kleine Kreaturen und fliegende Vögel loben den Herrn.‘ Wir müssen Gott ehren, so wie es die Tiere in der Wildnis tun.“

(…)

Als wir am zweiten Tag auf der Ranch aufwachten, kam es mir vor, als wäre Michael in Las Vegas geweckt worden. Er fing an, über die Platzierung des Karussells zu sprechen und wo das Riesenrad stehen sollte. Und die Pferde – er würde echte Pferde für die Kinder zum Reiten haben. Es würde eine spezielle Eisenbahn im Stil von Disneyland geben, die rund um die Ranch fuhr, denn manche von ihnen würden nicht fähig sein zu laufen oder zu rennen. Die Kinder konnten mit Sicherheit nicht zu Fuß über die ganze Ranch gehen.

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Während unseres Aufenthaltes auf der Ranch sprudelte Michael über wie ein Vulkan voller Energie mit Träumen und Plänen darüber, was er mit diesem Ort alles anfangen wollte. Er sprach darüber, wie er ihn zu einer Zufluchtsstätte für Kinder in Not machen wollte, und auch für seine geliebten Tiere und für sich selbst. Michael hatte vor, spezielle Gehege für die Tiere zu bauen und Tierpfleger einzustellen, die sie schützen sollten. Es war wichtig, dass die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt würden.

Michael“, sagte ich, „Gee whiz, es wird dich eine Menge Geld kosten, all diese Tiere zu ernähren und dann auch noch deinen eigenen Themenpark und das alles zu bauen.“ (Unter Bill Bones Eigentümerschaft betrugen die Overhead-Kosten für den Betrieb und die Aufrechterhaltung der Ranch eine Million Dollar pro Jahr).

* * *

Am dritten Tag gingen Michael und ich über das Gelände der Ranch, als er sich entschied, einen Baum zu umarmen, herumzuhüpfen und über verschiedene Gewächse und Weidezäune zu springen. Er war wirklich wundervoll und hätte ein Akrobat sein können. Er war so voller Energie – ständig singend und herumtanzend.

Als er um mich herumtanzte, bat er mich, die Augen zu schließen, und ich tat es. „Nun“, sagte er, „versuch’ dir den schönsten Zirkus vorzustellen, den du jemals besucht hast und den schönsten Park und Zoo. Versuch’ es dir auszumalen und beschreib’ es mir. Sag’ mir, was ich tun soll und womit ich anfangen soll.“ Ich sagte: „Michael, Ich habe nicht diese Vorstellungskraft, wie du sie hast. Ich müsste mich hinsetzen und es aufmalen und versuchen, es herauszufinden wie bei einem Kreuzworträtsel. Ich bin nicht so gewandt wie du. Ich bin eher besorgt über die finanziellen Herausforderungen, die sich dadurch abzeichnen. Ich denke an die Umsetzbarkeit, wenn du einen so großen Platz für dich allein besitzt mit all den Ausgaben, die sich daraus ergeben, jeder Käfig und alles, was du tust, kostet dich Tonnen von Geld.“

Michael antwortete: „Gloria, bitte denk’ nicht über Geld nach. Der Herr wird es bereitstellen. Ich weiß, der Herr wird dafür sorgen. Du musst daran glauben, dass der Herr uns alles geben wird, was wir brauchen. Und es ist nicht so schlimm, darüber nachzudenken, Tiere für die Heilung zu halten, und es ist nicht so schlimm, einen Zufluchtsort für die Tiere zu schaffen, und ein wundervolles Paradies für Kinder, die gesund sind und Kinder, die nicht gesund sind, und die andernfalls niemals das Privileg hätten, auf dieser Ranch sein zu können. Ich möchte das wirklich tun, Gloria. Aber denk’ dran, es ist streng geheim zwischen dir und mir.“

Während dieser Woche, als wir die Zeit miteinander verbrachten, um die Ranch zu inspizieren, sprachen wir auch über das Familienleben der Jacksons in Gary, Indiana. Michael sagte, er erinnere sich noch an den kleinen Bungalow, in dem die Familie gelebt hatte und an den beengten kleinen Volkswagen, in dem sie alle gereist sind. Er erinnerte sich an viele schwere Zeiten aus seiner Kindheit. Michael sagte: „Darum habe ich mir für mich selbst so hohe Standards und Ziele gesetzt, damit ich die Menschen mit Vertrauen und Mut erreichen kann. Darum möchte ich tanzen, singen und schreiben.“ Er war sehr stolz auf seine Vergangenheit mit den Jackson 5 und hatte große Pläne für die Zukunft. „Ich fühle mich erfüllt, Gloria, wie niemals zuvor, denn ich habe einige meiner Familienziele erreicht,“ flüsterte Michael Jackson mir zu.

(…)

In den Nächten, die wir auf der Ranch verbrachten, schlief ich in dem schönsten Schlafzimmer, von dem aus man den ganzen See überblicken konnte, dem Schlafzimmer, das Bill Bones Tochter gehörte. Ich freute mich unheimlich, für kurze Zeit in dieser märchenhaften Welt leben zu dürfen, die bald Michael gehören würde.

Eines der Dinge, über die wir sprachen, war die Tatsache, dass es eine Kirche im Ort geben würde, wenn er sich einer Kirche anschließen wollte, aber es gab keine Kirche der Zeugen Jehovahs dort. Ich sagte: „Jedenfalls, stimmt es eigentlich, dass du die Zeugen Jehovahs verlassen musstest?“

Ja,“ sagte er, „weil ich für sie zu sexy getanzt habe. Sie behaupteten, mein Tanz wäre sehr sexy, und sie verbieten jegliche sinnliche Bewegungen. Sie forderten mich auf, sie zu verlassen und nicht zurück zu kommen. Aber ich verdiene durch Singen und Tanzen meinen Lebensunterhalt, und sie wollten, dass ich damit aufhöre. Ich habe entschieden, dass ich das nicht kann. Ich kann nicht einfach aufhören zu singen und zu tanzen. Und ganz sicher tue ich alles, was ich tue, für meine Mutter. Du weißt, ich liebe meine Mutter. Sie ist die wundervollste und schönste Frau in meinem ganzen Leben.“

(…)

Michael und ich befanden uns auf einer gemeinsamen Reise, bei der wir uns alles auf der Ranch ansahen. Nicht wirklich besorgt oder in Sorge darüber, was es bedeuten würde, die Ranch zu verwalten und zu bewirtschaften, wollte Michael nicht, dass ich mich überhaupt auf Geld konzentrierte. Er wollte, dass ich mein Augenmerk auf die Schönheit des Ganzen legte, und was er daraus machen könnte. Er sagte, dies würde die größte Herausforderung seines Lebens werden. Der beste Teil seines Lebens sollte die Zeit werden, die er mit der Pflege der Tiere verbringen konnte, mit den Gästen, die er auf die Ranch einladen würde und auch mit den Kindern, die er adoptieren würde. (Er erzählte mir, dass er nicht plane zu heiraten oder eigene Kinder zu haben.)

Die gesamte Woche, die wir auf der Ranch verbrachten, verging viel zu schnell für mich. Ich genoss jeden Augenblick und hielt Michaels Gedanken in Ehren.

Ich fragte ihn: „Michael, warum magst du Kinder so sehr?“

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Er sagte: „Es ist selten, dass ich unter Kindern sein kann, Gloria. Wann ich das Gesicht eines Babies sehe, sehe ich Gott in ihren Augen leuchten. Ich bin normalerweise mit Erwachsenen oder Teenagern zusammen, die zu meinen Konzerten kommen. Ich komme aus einer großen Familie, aber ich weiß nicht, ob ich eigene Kinder haben werde. Ich möchte einfach ein Paradies für mich selbst und für Kinder hieraus machen. Ich möchte nur die Freuden des Lebens mit ihnen teilen.“

Während unseres Aufenthaltes auf der Ranch besuchten wir auch Bo und John Dereks Ranch. Michael stieg auf ein Pferd und ritt mit ihnen über ihre Koppel. Sie hatten ein Gehege mit Pferden, und sie brachten Michael dazu, mit ihnen zusammen zu Pferd herum zu traben. Ich war erstaunt, ihn ein Pferd reiten zu sehen wie ein Cowboy. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass er das tun würde.

* * *

Am vierten Tag dieses fantastischen Abenteuers unserer Erkundungen der Ranch begann Michael mir einige seiner Träume anzuvertrauen.

Michael Jackson hatte eine Babygiraffe und eine Muttergiraffe zu Hause in Encino. Er sagte, er würde die Giraffen nach Neverland bringen, so dass sie für ihn die Bäume rund um das Tudorhaus pflegen und zurechtstutzen könnten. Er war begierig darauf, seine Tiere vom Grundstück in Encino hierher zu bringen, weg vom Zugriff der Animal Control Inspektoren von Los Angeles.

(…)

Michaels Neugierde war endlos, und er besaß die Gabe, dir eine Frage mit zehn Worten oder weniger zu stellen, woraufhin du ihm als Antwort ein ganzes Buch an Geschichten erzähltest. Das ist der Grund, warum ich sage, dass er einer der klügsten Männer ist, die ich jemals in der Welt getroffen habe. Er war definitiv nicht Wacko Jacko, Michael war ein Genie.

(…)

Michael erzählte mir während unserer Woche dort, dass er sich bei seinem ersten Besuch in die Ranch verliebt habe, weil in jedem Zimmer Blumen waren. Ich erzählte Michael Jackson, dass der Grund für die Blumen in jedem Zimmer (einschließlich in einigen der Bäder) der war, dass ich Bill Bone darum gebeten hatte. „Bravo!“ erwiderte Michael. „Hast du das wirklich getan?“ „Ja, habe ich, denn ich weiß, dass du Blumen liebst.“

Oh,“ sagte Michael, „du bist meine Lieblingsgrundstücksmaklerin. Du gibst dir wirklich die größte Mühe, um mich zu begeistern.“ „Ja, ich wollte, dass du glücklich bist, während du dir das Haus ansiehst,“ entgegnete ich.

In der Tat hatte der Eigentümer des Hauses Blumen im Wert von über 250.000 Dollar sowohl für das Haupthaus als auch für das Freizeithaus gekauft. Mr. Bone konnte einige dieser Blumen aus dem Haus dem Floristen wieder zurückgeben; er hatte dies ausgehandelt, denn er wusste, er wollte die schönsten Blumenarrangements, um Michael zu beeindrucken.

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Ein anderer Aspekt des Hauses, der Michael erfreute, war die Tatsache, dass es dort Geheimgänge gab. Es gab Wände, die bewegt werden konnten und hinter denen sich Verstecke und ein Panikraum verbargen, wo dich niemand finden konnte. Bill Bone hatte dies für seine Kinder eingebaut. Das ist ein weiterer Grund dafür, warum dies das perfekte Zuhause für Michael Jackson war, so wusste er, wo er sich vor den Leuten verstecken konnte. Wenn du mit Michael Verstecken spieltest, konntest du ihn nicht finden in dem 14000 square ft großen Haus. Michael lernte sehr schnell all die geheimen Gänge kennen und wusste, welche Knöpfe man drücken musste, damit sich die Wände öffneten und schlossen. Er kannte jedes Geheimnis, und er brauchte nicht viele Lehrstunden.

(…)

Während wir weiterhin über die Ranch fuhren und uns unterhielten, plante Michael grundsätzlich, wie er Neverland aufbauen wollte. Wir hatten eine großartige Zeit, als wir seine Träume wahr werden ließen. Michael fragte mich fortwährend, ob ich mit ihm zusammen die Bäume hinaufklettern wolle. Ich machte die Erfahrung, dass ich zu ängstlich war, um auf einen Baum zu klettern. Michael stieg auf einen Baum fast wie ein Schimpanse und schwang sich nach oben oder nach unten, dann lief er hinunter so schnell er konnte. Einen Baum hinauf und wieder hinunter zu klettern ist nicht gerade das, was ich am besten kann, und ich würde nicht versuchen, es mit ihm aufzunehmen. Michael war furchtlos. Ich war voller Angst, wenn es um Höhe ging, auf einen Baum zu klettern machte mir Angst. Es ist nicht gerade zweckmäßig, auf Bäume zu klettern, es sei denn du bist trittsicher oder ein Koalabär, und ich bin keins von beiden.

Als das Ende unseres Besuches nahte, es war der sechste Tag auf der Ranch, hatten wir mehr als 100 verschiedene Plätze angesehen, die Michael interessiert hatten. Wir konnten unmöglich noch auf einen weiteren Berg klettern, und so wurden wir von T. Hayer umherchauffiert, der die Ranch ziemlich gut kannte, seit er sie seinem Arbeitgeber Bill Bone gezeigt hatte.

(…)

Fortsetzung – Teil 2:

http://all4michael.com/2014/08/09/auf-der-suche-ach-neverland-teil-2/

Wichtige Daten in HIStory

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Important Dates in HIStory


Post vom 22/05/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2014/05/

Joie: Heute hat sich Willa und mir unsere gute Freundin und regelmäßig Mitwirkende Lisha McDuff angeschlossen und wir werden über die Titelnummer von Michaels Album HIStory sprechen. Genauer gesagt reden wir über einen bestimmten Aspekt dieser Titelnummer. Danke, dass du hier bist, Lisha!

Lisha: Ich danke euch sehr für die Einladung!

Joie: OK Ladies, ich habe hier eine Frage, von der ich weiß, dass wir alle schon viele, viele Male darüber nachgedacht haben, und ich könnte wetten, dass so gut wie jeder Michael Jackson Fan mindestens Dutzende Male während dieses vielschichtigen Songs darüber gegrübelt hat. Was bedeuten all diese Daten am Beginn und am Schluss von HIStory, und haben sie über ihre offensichtliche Bedeutung für den Rest der Welt hinaus eine persönliche Bedeutung für Michael?

Willa: Ich denke, sie haben eine enorme Bedeutung. Beispielsweise gibt es zwei Daten zu Beginn des Tracks, die separat hervorgehoben werden – alle anderen Daten kommen am Schluss. Und wie du, als wir anfingen darüber nachzudenken, einen Post über HIStory zu machen, festgestellt hast, Lisha, haben diese beiden eine ganz spezielle Bedeutung.

Lisha: Genauso ist es. Die ersten Worte des Songs, die gesprochen werden, lauten: „Montag, 26. März 1827“ und „28. November 1929“. Obwohl es nirgends ausgesprochen wird, worauf sich diese Daten tatsächlich beziehen, finde ich es interessant, dass diese zufällig zwei wichtige Daten der Musikgeschichte darstellen: Es sind der Todestag Ludwig van Beethovens und der Geburtstag von Berry Gordy, Jr.

Willa: So sehe ich das auch. Indem er diese beiden Daten auf diese Art zusammenbringt, darf man vermuten, dass Michael Jackson eine Verbindung oder eine Beziehung zwischen diesen beiden Männern sah. Wir neigen nicht dazu, an diese beiden im Zusammenhang zu denken, aber Michael Jackson bewunderte sie außerordentlich, und sie hatten beide einen riesigen Einfluss auf die Musikgeschichte. Genauer gesagt, sie waren jeweils bedeutende Übergangsfiguren in der Geschichte der Musik.

Ich denke, die meisten Menschen würden zustimmen, dass Beethoven einer der größten klassischen Komponisten war, wenn nicht sogar der größte. Aber er bereitete auch den Übergang in die romantische Periode der Musik. Du weißt wesentlich mehr darüber als ich, Lisha, aber er half bei der Überleitung vom Klassizismus zur Romantik, richtig?

Lisha: Das ist absolut richtig. Beethoven schien gleichzeitig einen Fuß in der Ära der Klassik und den anderen in der Romantik der westlichen Musik zu haben. Er wird als Brücke zwischen diesen beiden Perioden ansehen.

Willa: Und als Gründer von Motown war Berry Gordy ebenso eine Übergangsfigur. Er bereitete den Weg für die Integration „schwarzer“ Musik in den „weißen“ Mainstream auf eine Art, die äußerst populär sowohl bei Schwarzen, als auch bei Weißen war. Und das veränderte das Gesicht der Musik in Amerika und der ganzen Welt.

Lisha: Berry Gordy definierte Pop neu, indem er darauf bestand, dass dieser ebenso schwarz wie weiß war, und dies hatte eine große Anziehungskraft auf das breite Publikum. Gordys Einfluss ist nicht nur in der amerikanischen Popkultur zu spüren, sondern in der ganzen Welt, wie du sagst. Er ist unzweifelhaft eine der bedeutendsten Personen aller aufgezeichneter Musik.

Ich muss sagen, diese beiden Daten da oben zu zitieren, ist solch eine interessante Entscheidung, wir könnten wahrscheinlich unsere gesamte Diskussion nur auf diese Daten konzentrieren!

Joie: Ich stimme zu.

Willa: Ich auch.

Lisha: Ich vermute auch, dass diese Daten nicht nur für das hervorgehoben wurden, was jeder dieser Männer erreicht hat, sondern auch dafür, wie ihre Leistung historisch eingeordnet wurde.

Es ist keine Frage, dass Beethoven für einen der bedeutendsten Komponisten in der gesamten Musikgeschichte gehalten wird, wenn nicht sogar für den bedeutendsten. Wie wir über Beethoven denken ist fundamental für unsere Auffassung darüber, was ein Komponist ist, was ein musikalisches Werk ist, was geistiges Eigentum ist und was ein musikalisches Genie ist. Die Geschichte der westlichen Musik kreist auf viele Arten rund um Beethoven als Musterbeispiel und um die österreichisch-deutschen musikalischen Grundprinzipien. Es ist die Musikgeschichte von Bach, Mozart, Beethoven und Brahms, die uns allen in der einen oder anderen Form nahegebracht wurde.

Aber Wissenschaftler hinterfragen dies zunehmend. Ist es wirklich sinnvoll, dass musikalisches Genie auf bestimmte zeitliche Perioden in Österreich und Deutschland eingegrenzt werden kann? Und was ist musikalisches Genie überhaupt? Die Zeit ist reif dafür, ein wenig kritischer darüber nachzudenken und ich vermute, Michael Jackson hat ein bisschen darüber nachgedacht, als er den Tod Beethovens und die Geburt von Berry Gordy zu Beginn des Songs hervorgehoben hat. Ich denke, wir sind alle programmiert worden, Beethoven schrecklich ernst zu nehmen, aber wir denken normalerweise nicht auf die gleiche Art über populäre Musik oder über nicht-europäische Komponisten.

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu. Im Allgemeinen neigen Kritiker zu einer strikten Trennung zwischen Komponisten „hoher Kunst“ wie Beethoven und Produzenten „populärer“ Musik wie Berry Gordy, und es grenzt schon fast an Ketzerei sie in einem Atemzug zu erwähnen. Aber Michael Jackson hinterfragte diese Trennung zwischen hoher Kunst und populärer Kunst ständig, und dies ist ein weiteres großartiges Beispiel dafür.

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Es ist ebenfalls interessant, Lisha, dass du den Bezug zu „Montag, 26. März 1827“ nicht nur in Hinsicht auf Beethovens Tod siehst, sondern auch als stellvertretend für den „Tod“ des Grundprinzips. Ist das richtig? In der klassischen Musik, genauso wie in anderen Formen der „hohen Kunst“ wie der Literatur, Malerei, Bildhauerei, Architektur oder sogar in relativ neuen Formen wie Film, tendieren die Grundprinzipien dazu, von längst verstorbenen weißen Männern dominiert zu werden, wie man so schön sagt. In diesem Sinn also, indem er Beethovens Todesdatum Berry Gordys Geburtsdatum gegenüberstellt, deutet Michael Jackson den „Tod“ einer Art über Musik zu denken an – nämlich der Art, welche eine kleine Gruppe von Männern aus Österreich und Deutschland privilegiert, wie du sagtest – und hinführt zur „Geburt“ einer neuen Art über Musik zu denken.

Lisha: Ja, ich glaube, dass Michael Jackson ein neues Paradigma hervorhebt und uns dazu einlädt über populäre Musik und amerikanische musikalische Leistungen wesentlich ernsthafter nachzudenken. Aber, ob du es glaubst oder nicht, die Vergötterung der großen „verstorbenen, weißen Männer“ der Musikgeschichte ist ein eher neueres Phänomen (historisch gesprochen, das ist 19. und 20. Jahrhundert), das sich eigentlich um unsere Ehrfurcht vor Beethoven dreht. Auf vielerlei Arten repräsentiert der Tod Beethovens die Geburt, nicht den Tod des musikalischen Grundprinzips. Also deutet Jackson vielleicht an, dass der Tod des Grundprinzips am besten durch die Geburt Berry Gordys repräsentiert wird.

Willa: Oh, interessant!

Lisha: Die ganze Vorstellung des musikalischen Genies (gemeinhin konzipiert als der einzelne, autonome, leicht verrückte Komponist, etwas entrückt, der seiner Kunst treu ist, indem er politischem Druck oder wirtschaftlichen Erwägungen widersteht) basiert mehr oder weniger darauf, in welchen geschichtlichen Zusammenhang wir Beethoven stellen. Frühere Komponisten wie Bach und Mozart, waren bei der Kirche angestellt oder am Hof und ihre Musik wurde in erster Linie dafür geschaffen die Bedürfnisse ihrer Arbeitgeber zu befriedigen und deren Sichtweisen und Ideale auszudrücken.

Aber Beethoven hinterfragte dies und hatte das Gefühl, Künstler sollten autonomer und freier sein von Beeinflussungen oder weltlichen Forderungen. Als Ergebnis seines Einflusses wurde die Rolle des Komponisten erhöht und Komponisten wurde schließlich mehr Status, Anerkennung und Kontrolle über ihre Arbeit gegeben. Musiker fokussierten sich sehr darauf, der Vision des Komponisten und dem großen „musikalischen Werk“ zu dienen, einem Konzept, das Beethoven zugeschrieben werden kann.

Es ist interessant, dass in den Liner Notes von HIStory ein Klangausschnitt aus dem Kinderfilm Beethoven Lives Upstairs Credits gegeben werden. Um ehrlich zu sein, ich habe diesen Ausschnitt auf dem Track nie gefunden. Ich weiß nicht, ob ich es lediglich übersehe oder ob es einfach nach einer erfolgten Korrektur weggelassen wurde, aber mich interessiert, welchen Bezug dieser Film zu HIStory hat.

Willa: Also, das Glockenläuten im Hintergrund ganz zu Beginn des Films erinnert mich an das Glockengeläut im Hintergrund, während Beethovens Todestag und Berry Gordys Geburtsdatum auf HIStory ausgesprochen werden. Könnte es das sein?

Lisha: Hmmm. Zu Beginn des Films höre ich Kirchenglocken läuten und in HIStory höre ich orchestrale Glockenschläge. Also, ich denke nicht, dass es sich um dieselben Instrumente oder denselben Klangausschnitt handelt. Aber nun, da du es erwähnt hast, ist es wirklich interessant, wie ähnlich das Tempo der Glocken und des Läutens sind. Das ist eine sehr scharfsinnige Beobachtung, Willa. Ich habe auch bemerkt, dass die ersten gesprochenen Worte, sowohl im Film, als auch im Song „Montag, 26. März 1827“ lauten. Von allen Daten, die in HIStory genannt werden, glaube ich, dass dieses das einzige ist, welches auch den Wochentag („Montag“) einbezieht. Der Rhythmus und das Tempo des Klangs der Stimme aus dem Off klingt ebenfalls sehr identisch für mich. Ich bekomme das Gefühl, dass dieser Film eine größere Inspiration für den Track ist, als ich dachte.

Als ich den Film sah, war ich erstaunt darüber, wie genau dieser das beethoven’sche Prinzip und den Mythos des Komponisten als einem gottähnlichen, musikalischen Genie verstärkt, das auch eigenartig, schwierig, ein wenig verrückt und schrecklich missverstanden sein kann. Der Film lässt wirklich kein Klischee aus. Aber es ist wahrscheinlich nahezu unmöglich, einen Film über klassische Musik zu finden, der den Komponisten nicht auf diese Weise historisiert. Ich denke zum Beispiel an Amadeus.

Ich weiß nicht, ob jemand von euch die Gelegenheit hat die neue Broadway-Show Motown The Musical, geschrieben von Berry Gordy, zu sehen, aber es ist eine fabelhafte Produktion, die Gordy ermöglicht, seine eigene Arbeit selbst zu historisieren. Weit entfernt von dem Verlangen, auszudrücken, er sei frei von kommerziellen, ökonomischen Zwängen oder anderen weltlichen Interessen, sagt Gordy, dass er sich Motown als eine Musikfirma vorstellte, welche das Produktionsmodell der Fertigungsstraßen in der Autoindustrie zum Vorbild hatte. Er erklärte dies kürzlich in einem faszinierenden Interview mit dem Theaterkritiker der Chicago Sun-Times Hedy Weiss:

Willa: Wow, das unterscheidet sich wirklich sehr von dem Beethoven-Modell, nicht wahr? Ich meine, es ist ganz und gar nicht der einzelne Künstler, der allein besessen an seinem Meisterwerk arbeitet, wie du beschrieben hast, Lisha. Eigentlich ist es das genaue Gegenteil.

Weißt du, dies erinnert mich an Andy Warhol, einen anderen Künstler, der die Methoden von Fertigungsstraßen für die Erschaffung von Kunst, speziell seiner Siebdrucke, einbezogen hat – Kunst, die auch die Einteilung von hoher Kunst und kommerzieller Kunst in Frage stellte, wie wir in einem Post letzten Herbst diskutiert haben.

Lisha: Es ist faszinierend für mich, dass diese Künstler, die in einer heftig kapitalistischen Gesellschaft dieses Modell begrüßten, entweder als Kritik oder als Ausdruck ihrer eigenen Zeit, ihres eigenes Ortes und ihrer Lebensumstände. Denk daran, dass das Songwriter-/Produzenten-/Arrangeur-Team hinter den frühen Hits der Jackson 5 Hits Berry Gordy, Freddie Perren, Fonce Mizell und Deke Richards war und sie bekamen alle die Credits einfach als The Corporation (Das Unternehmen).

Willa: Oh, das ist richtig! Und Andy Warhol nannte sein Studio The Factory (Die Fabrik). Das ist wirklich interessant, dass das, was Berry Gordy in der Musik tat, Andy Warhol parallel dazu in der visuellen Kunst machte.

Aber nochmal zurück zu den Unterschieden zwischen dem Vorgehen Beethovens und dem von Berry Gordy – ich versuche, darüber nachzudenken, wo man in Bezug auf diese beiden Modelle Michael Jackson einordnen kann, und wie bei so vielen Dingen, scheint er in keines der beiden Lager zu gehören. Wie er viele Male in Interviews erwähnt hat, kamen die Inspirationen und Ideen oft zu ihm, wenn er allein mit seinem Kassettenrecorder war. Aber wenn es darum ging, seine Ideen zu Songs für ein Album weiterzuentwickeln, verfolgte er eine eher gemeinschaftliche Vorgehensweise für die Musikproduktion – eher wie das Modell Berry Gordys.

Lisha: Ja, das stimmt, aber er arbeitete ebenso auch oft in der Phase der Ideenfindung mit anderen Musikern und Songschreibern zusammen. Es ist ein sehr auf die Zusammenarbeit konzentrierter Anspruch, der die Rolle des Komponisten neu definiert. Das Rockgenre hat eine ganz andere Herangehensweise und schreibt denjenigen Künstlern einen hohen Stellenwert zu, die ihre eigene Musik schreiben, mehr wie das Muster Beethovens. Aber im Pop-/Motown-Modell (auch in der Tradition der Tin Pan Alley / Brill Building) dient der Songschreiber in erster Linie den Zwecken des Künstlers und des Produzenten. In diesem Modell, würde ich sagen, ist es tatsächlich der Performer, dessen Bedeutung hervorgehoben wird.

Allerdings , Michael Jackson spielt in einer eigenen Liga aufgrund der Tatsache, dass er so hochbegabt war als Performer, Sänger, Tänzer, Produzent, Songschreiber, Arrangeur, Lyriker, Musiker, Choreograf, Film-Regisseur, Bühnen-Regisseur, Beleuchtungs- und Kostümdesigner, Geschäftsmann und Marketinggenie … Ich könnte noch weiter machen, aber ihr habt es verstanden. Natürlich gibt es David Bowie, Madonna und Prince als Beispiele anderer multitalentierter Künstler, die auch auf diese Weise arbeiteten. Aber wenn ihr euch anseht, wie tiefgreifend Jackson all diese Disziplinen verstanden hat und die Art, wie er all diese Elemente der Zusammenarbeit aufeinander abstimmte, dann deutet dies an, dass er ein einzigartiges Genie hinter einem wahrlich eindrucksvollen Gesamtwerk war.

Willa: Dem würde ich zustimmen!

Lisha: Wahr ist auch, dass Jackson sehr früh in seinem Leben wohlhabend und mächtig wurde, so dass er frei war von Gedanken über seinen Lebensunterhalt oder Ängsten darüber, dass seine Kunst nicht finanziert werden könnte. Jedoch schien er seinen Erfolg als Künstler oft unter dem Aspekt verkaufter Einheiten zu bemessen. Meine Vermutung ist, dass er glaubte, sein Einfluss und seine Reichweite standen direkt in Beziehung zu starken Verkäufen und aktivem geschäftlichen Handel.

Joie: Wow, ihr beide! Wisst ihr, euch beiden zusammen zuzuhören ist manchmal wirklich faszinierend für mich. Habe ich euch das jemals gesagt? Dies ist bereits eine vollkommen fesselnde Unterhaltung und wir haben gerade erst begonnen!

Willa, ich liebe das, was du gesagt hast über den „Tod“ eines sehr alten und müden Weg des Denkens in der Musik – und wirklich großartiger Musik – die eine kleine Gruppe verstorbener weißer Männer privilegiert. Und, wie Lisha so schön dargelegt hat: „Ist es wirklich sinnvoll, dass musikalisches Genie auf bestimmte zeitliche Perioden in Österreich und Deutschland eingegrenzt werden kann?“ Also, ich denke, wir stimmen alle darin überein, dass Michael in der Tat einige sehr wohl durchdachte Gründe dafür hatte, den Song mit diesen zwei Daten zu eröffnen.

Nun bin ich daran interessiert, etwas über die anderen Daten am Schluss des Songs zu erfahren. Und vielleicht ist es ein wenig seltsam, dass wir uns nur auf jene Daten in dieser Unterhaltung konzentrieren anstatt über die Lyrics oder eigentlich den Song selbst zu sprechen, aber für mich waren die Daten immer der faszinierendste Aspekt an diesem Song. Jedes Mal, wenn ich ihn höre, drehe ich am Schluss die Lautstärke auf, so dass ich versuchen kann ein oder zwei weitere Daten zu entziffern. Es kann zu einer sehr obsessiven Übung werden. Hat jemand von euch sie jemals gezählt? Ist bekannt, wie viele Daten es sind? Willa, du hast angefangen, eine Liste mit diesen Daten anzufertigen, stimmt’s?

Willa: Ja, das habe ich, aber es ist ziemlich holperig, mit großen Lücken zwischen einigen – und ich bin sicher, ich habe andere völlig überhört. Ich habe ziemliche Schwierigkeit bei einigen, sie zu verstehen.

Joie: Ja, so geht’s mir auch.

Lisha: Ich gebe zu, ich hatte damit auch wirklich Probleme. Aber während ich mich damit abgekämpft habe, denke ich, ich habe einen Trick entdeckt, mit dem ich all die Daten heraushören kann. Mit ein wenig Übung und einem guten Paar Kopfhörern ist es möglich, das gesamte Segment eindeutig zu verstehen ohne eines der erwähnten Daten zu verpassen.

Die gesprochenen Daten am Schluss des Songs sind in vier verschiedene Stränge eingeteilt, die gestaffelt sind und übereinander gelegt wurden. Das Geheimnis, sie herauszuhören, besteht darin, sich auf nur einen Strang gleichzeitig zu konzentrieren ohne sich von dem konkurrierenden Geräusch ablenken zu lassen. Es ist auch hilfreich, sich auf den Ort des Klangs zu fokussieren. Beispielsweise beginnt der erste Strang im oberen Abschnitt des Klangfeldes, leicht rechts von der Mitte. Es beginnt direkt nach dem letzten Akkord des Songs (5:41) und klingt wie:

11. Februar 1847   Thomas Edison wird geboren
30. Dezember 1865   Rudyard Kipling wird geboren
7. Dezember 1903   Erster Flug der Gebrüder Wright
15. Januar 1929   Martin Luther King wird geboren
14. Oktober 1947   Chuck Yeager durchbricht die Schallmauer
9. Februar 1964   The Beatles treten in der Ed Sullivan Show auf
10. November 1989   Die Berliner Mauer fällt

Nun geht zurück (5:42) und versucht den zweiten Strang zu isolieren, der auf der linken Seite eurer Kopfhörer verortet ist:

18. Januar 1858   Daniel Hale Williams wird geboren
8. August 1866   Matthew Henson wird geboren
29. Mai 1917   John F. Kennedy wird geboren
September 1928   Entdeckung des Penicillins
17. Januar 1942   Muhammad Ali wird als Cassius Clay geboren
12. April 1961   Yuri Gagarins erster Weltraumflug
12. April 1981   Der erste Shuttle Flug

Der dritte Strang ist auf der rechten Seite lokalisiert (5:43):

19. November 1863   Lincoln hält die Rede „Gettysburg Address“
5. Dezember 1901   Walt Disney wird geboren
2. November 1920   Der erste kommerzielle Radiosender wird eröffnet
9. Oktober 1940   John Lennon wird geboren
17. Juli 1955   Disneyland wird eröffnet
20. Juli 1969   Astronauten landen zum ersten Mal auf dem Mond

Schließlich hört noch einmal im oberen Abschnitt des Klangfeldes, aber dieses Mal ist es leicht links von der Mitte positioniert (5:44). Ihr solltet hören:

9. April 1865   Der Bürgerkrieg endet
28. Oktober 1886   Die Freiheitsstatue wird eingeweiht
31. Januar 1919   Jackie Robinson wird geboren
28. November 1929   Berry Gordy wird geboren
1. Dezember 1955   Rosa Parks weigert sich, ihren Platz im Bus einem weißen Passagier zu 
 überlassen

Joie: Oh. My. Gosh. Du hast den Code aber richtig geknackt! Ich war nie fähig all dieses in seiner Gänze herauszuhören, aber nun, wo ich es noch einmal versucht habe mit deinen Notizen vor mir, ist es alles da – als wenn ein lange unlösbares Puzzle plötzlich kristallklar gelöst worden wäre! Das ist erstaunlich! Ich bin vollkommen beeindruckt. Sowohl von deinen Hörqualitäten als auch von deinen Kopfhörern!

Willa: Ich auch! Ich verbeuge mich vor dir, Lisha! So wie ich es sehe, hast du dieses unglaublich musikalische Gehör – deine Liste ist weitaus besser als meine!

Lisha: Ihr seid zu lustig! Aber der Dank geht an Bruce Swediens brillante Technik, dass dieses Segment so wunderbar organisiert ist.

Willa: Das stimmt, aber trotzdem … einige von diesen hatte ich überhaupt noch nie gehört wie „die Entdeckung des Penicillins“ und „Disneyland wird eröffnet“. Und Berry Gordys Geburtstag wird zum zweiten Mal erwähnt. Ich habe nicht bemerkt, dass das Datum zweimal gesagt wird, zu Beginn und am Schluss von HIStory. Das sagt mir, dass dies ein sehr bedeutsames Datum für Michael Jackson war.

Lisha: In der Tat sehr bedeutsam. Ich glaube, die Wichtigkeit von Gordys musikalischer Leistung wird während des ganzen Songs bekräftigt. Vielleicht der größte Unterschied zwischen den Paradigmen von Beethoven und Motown ist, dass die eine Komposition in schriftlicher Form vorliegt, während die andere auf aufgezeichneter Musik basiert. Populäre Musik hat eine so andere musikalische Herangehensweise, dass Musikologen ganz neu überdenken müssen, wie sie es analysieren, interpretieren und in einen historischen Zusammenhang stellen. Diese neue Annäherung wird oft als „Neue Musikwissenschaft“ bezeichnet, und es ist ein grundlegend interdisziplinäres Untersuchungsfeld.

Ich glaube, in HIStory deutet Michael Jackson auf diese Veränderung zwischen aufgeschriebener und in Klangform aufgezeichneter Musik mit jenen zwei Daten am Anfang des Songs, und der Track illustriert dies auch musikalisch ziemlich gut. Er beinhaltet Musik aus dem klassischen und instrumentalen Repertoire einer Musikkapelle, aber es sind auch einige technische Zaubereien aus dem Studio enthalten. Es gibt auch zwei sehr bedeutende Momente in der Geschichte der Aufnahmetechnik, die gegen Ende des Tracks (6:10) enthalten sind. Der erste davon ist ein historischer Ausschnitt der ersten Werbeaufnahme, die je gemacht wurde, aus dem Jahr 1906:

I am the Edison phonograph, created by the great wizard of the New World to delight those who would have melody or be amused.

Ich bin das Edison Grammofon, erfunden von dem großen Zauberer der Neuen Welt, um jene zu erfreuen, die eine Melodie haben oder sich vergnügen möchten.

Darüber gelegt ist ein zweiter Clip von Thomas Edison selbst, bei denen er sich an die ersten Worte erinnert, die er 1877 für die erste Grammofon- Aufnahme der Welt aufzeichnete:

Mary had a little lamb (Mary hatte ein kleines Lamm)

It’s fleece was white as snow (Sein Fell war weiß wie Schnee)

And everywhere that Mary went (Und überall, wo Mary hinging)

The lamb was sure to go (Ging ganz sicher auch das Lamm hin)

Ob ihr es glaubt oder nicht, Edison machte diese erste Aufnahme 1877, nur 50 Jahre nach Beethovens Tod.

Willa: Im Ernst? Das hätte ich niemals vermutet. Es ist lustig, wie unsere zeitliche Wahrnehmung sich verschieben kann. So wie ich eines Tages über die „Invasion“ der Beatles in Amerika vor 50 Jahren las und dies näher am 2. Weltkrieg ist als heute an uns. Das hat mich erstaunt.

Lisha: Es ist wirklich verwirrend. Ich habe immer irgendwie gedacht, dass auch zwischen diesen Ereignissen größere Zeitabstände gewesen wären.

Willa: Oh, ich weiß, und ich denke, Edison und sein Grammofon haben eine Menge damit zu tun. Was ich meine, ist, dass ich denke, Videos und Klangaufnahmen verdichten unsere geschichtliche Wahrnehmung. Wir können die Beatles bei ihrem Auftritt bei Ed Sullivan „sehen“ und es selbst erleben, also empfinden wir es nah an unserer Zeit. Beethoven lebte, bevor die Aufnahmetechnik erfunden wurde, also werden wir ihn niemals auf dieselbe Art erleben – nie seine tatsächliche Stimme hören, niemals sehen, wie sich sein Körper bewegt. In diesem Sinn fühlt er sich also „vorgeschichtlich“ für uns an, in der Bedeutung, dass er vor der aufgezeichneten Geschichte existierte – bevor Geschichte mit Klang und Bildern aufgezeichnet werden konnte.

Lisha: Interessant, und ich stimme dir komplett zu. Durch die Aufnahmen erscheinen diese Ereignisse in unserer Erinnerung viel näher zu sein.

Willa: Genau. Die Beatles spielten vor 50 Jahren bei Ed Sullivan, aber für mich spielten sie dort auch gestern, denn da habe ich diesen Auftritt das letzte Mal erlebt. Ich habe sie erst gestern gerade bei Ed Sullivan gesehen. Gedanklich weiß ich natürlich, dass es vor 50 Jahren passiert ist, aber emotional fühlt es sich wirklich vertraut für mich an, auch wenn ich zu jung war, es zu erleben, als es wirklich passiert ist.

Das ist also ein weiterer Grund dafür, warum Edison und sein Grammofon in einem Song über „Geschichte“ bedeutsam sind. Sie haben grundlegend die Art und Weise verändert, wie wir Geschichte wahrnehmen und erleben.

Lisha: Großartiger Hinweis wie immer, Willa.

Willa: Danke, aber es tut mir leid, Lisha. Ich habe dich mitten in einem Gedankengang unterbrochen. Du sprachst über die riesige Veränderung von geschriebener Musik zu aufgezeichneter Musik, und dass du denkst, HIStory würde nicht nur die Veränderung ansprechen, sondern dass es dies sozusagen auch in seiner Struktur nachvollzieht, mit Passagen klassischer Musik zu Beginn und mit Audio-Ausschnitten von Edison und seinem Grammofon am Schluss. Das ist solch ein faszinierender Gedanke, besonders wenn du dir den enormen Einfluss vorstellst, den Aufnahmetechnik auf die Musik hatte – nicht nur dahingehend, wie sie verbreitet wird, sondern auch wie sie konzipiert und erschaffen wird. Ich würde gern noch mal darauf zurückkommen, wenn das geht.

Michael Jackson nutzte Musiktechnologie speziell als „Kompositionswerkzeug“, wie du in einigen faszinierenden Kommentaren zu einem Post, den Joie und ich vor langer Zeit mit Joe Vogel und Charles Thomson machten, erläutert hast. Dies ist, was du unter deinem Pseudonym Ultravioletrae sagtest:

Ich zweifle nicht daran, dass wenn Jackson es für nötig gehalten hätte, Musik in Notenschrift aufzuschreiben, er es getan hätte, aber seine eigene Methode diese auf Mehrspurbänder aufzunehmen war viel effizienter und erstrebenswerter als Stift und Papier oder Software für Notenschrift. Notenschrift zu lesen und zu schreiben wäre eine enorme Bürde für einen Musiker wie ihn gewesen. Als Beispiel sei hier genannt, dass er mit komplexen, subtilen Rhythmen arbeitete, die nicht akkurat aufgeschrieben, höchstens geschätzt werden können.

Bevor ich begann mit euch über dies alles zu sprechen, tendierte ich von der Aufnahme der Musik als einem Teil des Verbreitungsprozesses zu denken – dass Musiker ihre Musik in ein Format brachten, in dem man es mit anderen teilen kann. Aber du hast mir dabei geholfen, zu erkennen, dass der Aufnahmeprozess weit mehr als das geworden ist. Es ist inzwischen ein integrierter Teil des Komponierens und Erschaffens von Musik, aber auf eine ganz andere Art als in dem Modell von Beethoven.

Lisha: Der gesamte Gedanke des großen „musikalischen Werkes“ als einer exklusiv aufgeschriebenen Kompositionsform ist am ehesten ein direktes Ergebnis des beethoven‘schen Mythos‘ und wie wir den Status von (verstorbenen, weißen, männlichen) Komponisten bewerten. Es ist schwer dieses Bild des Komponisten loszulassen, weil es so tief verwurzelt in der Kultur ist. Aber Musik ist ein Phänomen des Gehörs, also ergibt es einen unheimlich großen Sinn, die uns verfügbare Technologie einzusetzen, um musikalische Information in einem hörbaren Format zu speichern.

Ganz zu Beginn der Aufnahmen von Musik war es das Ziel, einfach eine Live-Performance so genau und realistisch wie möglich zu reproduzieren. Aber da gab es einige bahnbrechende Ereignisse, die all das grundlegend veränderten. Das erste waren die Innovationen bei Mehrspuraufnahmen des Gitarristen Les Paul, die Paul erlaubten, Klänge auf eine sehr kreative und einfallsreiche Art und Weise übereinanderzulegen. Bruce Swedien erzählte dies einmal Richard Buskin von Sound On Sound:

Das erste Mal, dass ich wegen Popmusik wirklich aufgeregt war, war, als ich entdeckte, dass es möglich ist, meine Phantasie einzusetzen. Das kam durch eine Aufnahme, an der ich selbst gar nicht mitgewirkt hatte, durch Les Pauls und Mary Fords How High the Moon. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Ziel von Musikaufnahmen gewesen, ein akustisches Ereignis unverändert einzufangen, die Musik von großen Orchestern wiederzugeben, als hättest du den besten Platz im ganzen Haus. Das ließ keinen Raum für Phantasie, aber als ich How High the Moon hörte, worin nicht ein natürlicher Klang enthalten ist, da dachte ich „Verdammt, es gibt Hoffnung!“

Denkt mal an all diese Daten in HIStory, wie sie gestapelt und übereinander gelegt sind. Das ist ein großartiges Beispiel für Michael Jacksons und Bruce Swediens phantasievolle Nutzung des Aufnahmestudios als einer Form der Komposition, möglich geworden durch Les Pauls erfinderische Herangehensweise an das Aufzeichnen von Musik.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Aufzeichnungen ereignete sich 1967, als die Beatles Sergeant Pepper‘s Lonely Hearts Club Band, einem Album, das der Rolling Stone als das „großartigste Album aller Zeiten“ bezeichnete, veröffentlichten. Nachdem die Beatles 1966 das Touren aufgegeben hatten, wandten sie ihre Aufmerksamkeit dem Aufnahmestudio zu und erarbeiteten in beispiellosen 700 Stunden im Studio das Album St. Pepper. Das Album überschritt die Grenzen der bisher dagewesenen Multitrack-Aufnahmen und der Aufnahmetechnologie dahingehend, dass der Aufnahmeprozess selbst als ein Gestaltungselement der Komposition anerkannt wurde. Ohne den Plan jemals auf die Bühne zurückzukehren, wurde der Aufnahmeprozess selbst zum „musikalischen Werk“. Jeder Versuch es aufzuführen würde von nun an als Reproduktion der Aufnahme verstanden werden, einer Drehung um 180 Grad gegenüber dem ursprünglichen Einsatz von Aufnahmetechnologie.

HIStory beinhaltet das geschriebene musikalische Musterbeispiel einer Orchesteraufführung von The Great Gate of Kiev von Mussorgskys Pictures at an Exhibition (Das große Tor von Kiev / Bilder einer Ausstellung), gefolgt von mehreren Beispielen einer amerikanischen Musikkapelle im Militärstil. In diesen Beispielen spielen Musiker Musik von Notenblättern ab und versuchen die Absichten des Komponisten bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Die Art, in der diese Musik erdacht, erschaffen und aufgeführt wurde entwickelt sich rund um das Konzept des geschriebenen „musikalischen Werkes“, welches durch die geschriebene Partitur in Stein gemeißelt wurde.

Aber in der aufgenommenen Musik wird die Rolle des Komponisten neu erdacht, dadurch dass das „musikalische Werk“ eine klangliche Aufnahme darstellt, die bedeutende Beiträge des Ausführenden, und auch des Produzenten und des Toningenieurs enthält.

Willa: Das ist faszinierend, Lisha, und es ist wirklich eine gänzlich andere Art mit einem Musikstück umzugehen, nicht wahr? Im klassischen Modell hast du die Vision eines Ideals des Stückes, wie es sich der Komponist vorgestellt und in seiner Niederschrift „in Stein gemeißelt“ hat, wie du gesagt hast, und das Ziel eines jeden, der danach kam, war zu versuchen, diesem Ideal möglich treu zu bleiben.

Das neue Modell ist nicht nur gemeinschaftlich entstanden, wie du sagst, sondern ist auch viel weniger umrissen – vielleicht sind die Übergänge zu fließend, wie wir kürzlich bei all den Remixen gesehen haben – so dass Songs so etwas wie ein fortwährendes unfertiges Erzeugnis sind. Ich glaube, es war Brad Sundberg, der gesagt hat, dass Michael Jackson manchmal mit kleinen Modifikationen an seinen Songs fortfuhr, sogar nachdem ein Album bereits veröffentlicht war, so konnte ein Dangerous Album eine leicht andere Version von Black or White haben als ein anderes, das nur ein paar Monate früher herausgekommen war. Und sogar Songs, von denen es eine ziemlich „definierte“ Version gibt, wie Wanna Be Startin‘ Somethin‘ oder Billie Jean wurden von anderen Künstlern gesampelt oder in neue Songs integriert, also können wir Ausschnitte oder Schatten dieser Songs im Radio in unterschiedlichen Fassungen hören und diese führen uns dahin über sie auf eine neue Art zu denken.

Mit anderen Worten ist das, was ich zu sagen versuche, dass in dem neuen Modell die Songs überhaupt nicht „in Stein gemeißelt“ sind – sie verändern ständig ihre Form.

Lisha: Ja, das stimmt definitiv, und das hat eine Menge Verwirrung in Hinsicht des geistigen Besitzes und der Bestimmung dessen, der das Recht auf den Erlös der der Aufnahme hat, gestiftet. Aber wenn du darüber nachdenkst, wie viel mehr klangliche Informationen in einer musikalischen Aufnahme gegenüber einem Blatt Papier mit Notenschrift enthalten ist, dann ist auf vielerlei Arten das Gegenteil wahr. Ich weiß zum Beispiel weit mehr darüber, wie Michael Jackson wollte, dass Billie Jean klingt, als das ich weiß, welche Vorstellung Beethoven davon hatte, wie seine Musik klingen sollte.

Willa: Nun, das stimmt, Lisha! Interessant – Musik ist also in gewisser Weise festgelegt und in anderer Hinsicht fließender.

Lisha: Ich glaube außerdem, dass klassische Musik nicht so festgelegt ist, wie sich die meisten von uns vorstellen. Mussorgskys Bilder einer Ausstellung, das am Anfang von HIStory vorkommt, ist ein Musikstück, das zahlreiche Male neu instrumentiert wurde. Die Version, die wir in der Aufnahme hören ist eigentlich ein Arrangement oder „Remix“ von Maurice Ravel! Und über all die ganzen Jahre ändern Musiker ihre Ansichten darüber, wie Komponisten wie Beethoven dargeboten werden sollten und ziehen die Vorzüge vieler verschiedener Darstellungen in Betracht.

Aber niemand muss nur vermuten, was Michael Jackson hören wollte – wir haben eine genau definierte Aufnahme davon. Und welchen Sinn hat überhaupt der Versuch seine Aufnahmen zu kopieren? Die Plattenfirma ist froh so viele Kopien, wie jemand kaufen würde, herzustellen.

Willa: Das stimmt sicherlich. Also kam dieser Paradigmenwechsel in der Hinsicht, wie Musik zusammengesetzt ist – von einem Modell eines einzigen Komponisten, der Noten auf ein Blatt Papier schreibt, hin zu einem ganz anderen Modell von einem Team von Musikern und Soundingenieuren, die in einem Studio arbeiten – durch neue Technologie wie Edisons Grammofon zustande. Aber auch durch neue Produktionsmodelle, wie sie Berry Gordy bei Motown entwickelte und die Michael Jackson von einem sehr jungen Alter an erlebte. Wenn wir HIStory also auf die Art betrachten, wie du es vorschlägst, Lisha, dann ergibt es vollkommenen Sinn, dass Michael Jackson Beethoven, Edison und Gordy an solch markanten Stellen platziert.

Lisha: Es ergibt sehr großen Sinn. Besonders da das alte Muster heute immer noch gemeinsam neben dem neuen existiert. Es ist noch nicht wirklich Vergangenheit, obwohl wir zunehmend Anzeichen seines Verfalls sehen. Soweit ich sagen kann besteht zwischen zwei musikalischen Epochen immer ein Zeitraum der Überschneidung. Es ist nicht so einfach zu definieren, wann die eine endet und die nächste beginnt. Ich denke, es ist bedeutsam darüber nachzudenken, wie wir die Vergangenheit in die Geschichte eingebunden haben und wie wir unseren derzeitigen Moment in der Zukunft historisieren werden. Schließlich ist das Konzept des Albums HIStory: Past, Present and Future. Ich denke, Jackson würde es verfechten, dass, wenn wir großartige Musik in der Zukunft historisieren, wir nicht in die Falle gehen und „verstorbene, weiße Männer“ bevorzugen. Dem pflichte ich bei!

Joie: Wow, wisst ihr, Ich habe noch nie über HIStory in Hinsicht der Musik und welcher Sinn dahinter steckt, nachgedacht. Ich habe immer nur über all diesen Daten gegrübelt und über das Ausmaß und die Bedeutung der wegweisenden, Geschichte machenden Ereignisse, die sie repräsentieren.

Aber was du sagst, Lisha, ist, dass Michael den Song selbst im Grunde nicht nur dazu benutzte, um diese geschichtsträchtigen Ereignisse herauszustellen, sondern auch, um uns gewissermaßen diese große Veränderung vom musikalischen Paradigma der klassischen Musik zur „neuen Musikologie“ bewusst zu machen. Und welchen besseren Weg dies zu tun gibt es, als immer wieder auf Berry Gordy zu zeigen, einen Mann, der diese neue Musikwissenschaft nahm und ein völlig neues Genre und einen neuen Musikstil neu erschuf. Du kannst fast jeden auf der Welt fragen und er kann dir wahrscheinlich sagen, was der Motown Sound ist und wer ihn erfunden hat.

Willa: Das stimmt, Joie, und er erzeugte auch auf der ganzen Welt eine Wertschätzung für „Schwarze Musik“ und half dann dabei, sie aus dieser ziemlich getrennt gehaltenen Kategorie herauszulösen, so dass schwarze Musik und schwarze Künstler generell mehr und mehr in die populäre Musik integriert wurden.

Und natürlich erkennen wir das ebenso in Michael Jackson. Er gewann einen Grammy für Off the Wall: Für die beste männliche R&B Vocal Performance. R&B bedeutet traditionell „Schwarze Musik“, also gewann er grundsätzlich einen Award für die beste „Schwarze Musik“.

Off the wall

Er war äußerst aufgebracht deswegen und schwor, dass sein nächstes Album nicht so ghettoisiert würde wie dieses … und natürlich, sein nächstes Album räumte die Grammys ab. Thriller gewann nicht nur als Best Album of the Year, es gewann außerdem noch sieben weitere Grammys. Und es ist das meistverkaufte Album aller Zeiten, weltweit, für viele verschiedene Menschen aller Rassen.

History_Grammy1984
Das führt zu einem anderen bedeutsamen Aspekt von HIStory – dass es auch schwarzen Künstlern, Politikern, Helden des Sports und anderen Personen gegenüber Anerkennung zollt und den großen Einfluss aufzeigt, den sie auf den Verlauf der Geschichte hatten – nicht auf die Geschichte der Schwarzen, sondern auf die Geschichte der Menschen. Der Namensaufruf der wichtigen Daten beinhaltet die Geburtstage von Martin Luther King, Daniel Hale Williams und Matthew Henson (ich wusste nicht, wer sie waren – ich musste es nachschlagen), Muhammad Ali und Jackie Robinson, ebenso wie den Tag, an dem „Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus einem weißen Mitfahrenden zu überlassen“. Und die Audio Clips, die die Klang-„Collage“ bilden, wie du es nanntest, Lisha, erinnern an Hank Aaron, der Babe Ruths Rekord beim Home Run gebrochen hat, an Muhammad Ali, wie er ausruft, er sei „der Größte aller Zeiten“ und an Martin Luther Kings „I Have a Dream“-Rede.

Oft werden schwarze Pioniere und historische Ereignisse als „Geschichte der Schwarzen“ in die zweite Reihe verwiesen, aber Michael Jackson platzierte sie an die erste Stelle, stellte sie in das Zentrum seiner Liste mit wichtigen Daten und demonstrierte damit, dass er sie als einen sehr bedeutenden Teil unserer Geschichte sieht – der Geschichte, die wir alle gemeinsam teilen. Sollte irgendjemand noch denken, Michael Jackson habe seine Wurzeln vergessen oder habe keinen Stolz gegenüber seiner Rasse gefühlt, der sollte sich HIStory ganz aufmerksam anhören.

Joie: Oh, fang nicht damit an, Willa! Das ist eine ganz andere Unterhaltung, die wir eines Tages führen könnten und wahrscheinlich sollten. Aber du hast absolut Recht, wenn du das sagst.

Nun, Willa und ich möchten wieder einmal Lisha danken, dass sie heute bei uns war. Es ist jedes Mal eine interessante und zum Nachdenken anregende Unterhaltung, wenn du hier bist! Wir möchten an dieser Stelle unsere Leser auch dazu anregen, in Lishas Lyrics  und Sound Collagen in der Lyrics Library hineinzusehen.

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com/the-lyrics-library/history-past-present-and-future-book-1-1995/history/

 

Review: Brad x2 – Ein Abend mit Brad Buxer

 

Übersetzung einer Review des Brad x 2 Seminars in Los Angeles, 27. Juni 2014 (Story by morinen)

http://www.michaeljackson.ru/eng/brad-x2-evening-brad-buxer/

Wir befinden uns in einem kleinen Studio in einem Musik-Instrumente-Verleih am Sunset Boulevard, Los Angeles. Der Raum ist voll gepackt mit Leuten, die auf Stühlen vor einer niedrigen Bühne sitzen. Auf der Bühne, auf Barhockern, sitzen Michael Jacksons Toningenieur Brad Sundberg, der Organisator dieses Events und Toningenieur Brian Vibberts. Brad Buxer, Michaels langjähriger Musikdirektor sitzt am Keyboard. Michael Prince, MJs Toningenieur in den späteren Jahren, sieht auf den Bildschirm seines MacBooks. Sam Simms, Michaels Tour-Bass Gitarrist, ist noch nicht eingetroffen, kommt aber später auch dazu. So beginnt eine Reise in die Vergangenheit, voller Geschichten und Musik.

Brad Sundberg, Brad Buxer, Michael Prince, Brian Vibberts

- Brad Sundberg, Brad Buxer, Michael Prince, Brian Vibberts -

Alle Gäste des Events haben viel über die Jahre zu berichten, die sie mit Michael arbeiteten, aber der „Star“ des Abends ist Brad Buxer, der Mann hinter dem Keyboard. Die Veranstaltung nennt sich zwar Brad x2, aber es geht hauptsächlich darum, diesen Mann zu treffen, der in der Öffentlichkeit ausserhalb der Fangemeinde kaum bekannt ist. Brad Buxer, 17 Jahre lang Michaels kreativer Partner, Arrangeur und Musikdirektor. Die meisten MJ Fans erinnern sich an Buxer aus den 90er Jahren, an den Typ mit den blonden Haaren im Robert Plant Stil. (Buxer sagt, es war MJ, der vorschlug, seine Haare blond zu färben – nachdem er seinen ursprünglichen Plan aufgab, sie rot zu färben!) Aber diese Zeit ist längst vorbei. Buxer trägt heute kurzes Haar in seiner natürlichen Haarfarbe, schwarze Hosen und ein lockeres Hemd – so wie ein ganz normaler Typ, von dem man nie denken würde, er sei ein Rockmusiker. Er spricht nicht sehr oft über seine Zusammenarbeit mit Michael Jackson. Eigentlich gab er seit Michaels Tod nur ein einziges Interview, 2009, mit dem Französischen Magazin Black & White. Heute arbeitet er als Pilot, und Musik-Schreiben ist nur noch ein Hobby. Er war einverstanden, sich einen Abend lang mit Michaels Fans zu treffen, das macht dieses Treffen für uns sehr besonders.

Anfangs erscheint Buxer zurückhaltend zu sein, aber uns wird schnell klar, dass er ein sehr offener Mensch ist. Er scherzt nicht mit den Fans herum, wie Brad Sundberg es tut, und wenn er Witze macht, sind sie eher ironischer Natur. Er beginnt damit, zu erzählen, wie seine Zusammenarbeit mit Michael begann. MJ wurde auf ihn in den späten 80ern aufmerksam, als Brad Mitglied von Stevie Wonders Band war, und lud ihn ein, am Dangerous-Projekt mit zu arbeiten. Anschliessend ging Buxer mit auf die Dangerous Tour. Es endete damit, dass die beiden fast 20 Jahre zusammen arbeiteten – auf der Bühne, in Studios, auf Neverland oder in Hotels, in denen Michael sich zu unterschiedlichen Zeiten seines Lebens aufhielt.Buxer erinnert sich an ihr Luxusquartier im 4 Seasons Hotel in New York City, wo sie den gesammten 34 Stock belegten. Er erinnert sich an die Zeit, die er auf Neverland verbrachte, an die Tiere in Michaels Zoo – die Affen, Elefanten, Lamas und die Rehe, – daran, zu viele Süßigkeiten im Kino gegessen zu haben und an seine Fahrt mit dem Motorrad auf dem Rand von Michaels Pool (ein Kunststück was Michael völlig ausflippen lies). Als er über die Neverland Ranch sprach erwähnte er, dass es dort kein richtiges Aufnahmestudio gab und sie deshalb mobile Ausrüstung benutzten. Für gewöhnlich haben sie auf Neverland ihre Ideen ausgearbeitet und sind anschliessend zum Aufnehmen in professionelle Studios gegangen.

Brad  e Michael

 – Brad Buxer, HIStory Tour -

Nachdem er kurz über Blood On the Dancefloor sprach, eine Aufnahme von Teddy Riley, die sie in Montreux von einem DAT Band wiederherstellen mussten, geht Buxer zu seinen eigenen Zusammenarbeiten mit Michael über. Anders als bei den Songs, die Michael von anderen Produzenten bekam, haben die Songs, an denen Michael mit Brad arbeitete, seinen größten künstlerischen Input. Der erste Song, über den Brad spricht ist In The Back, der 2004 auf The Ultimate Collection veröffentlicht wurde. Der Text des Songs ist nicht fertiggestellt und Michael „ad-libs“ die Strophen zum Großteil. Trotzdem sieht Buxer diesen Song als ein Zeugnis von Michaels Genius. Er demonstriert uns die Struktur des Songs, in dem er die Takte zählt: „eins, zwei, drei, vier.“ Der erste Takt fällt auf den ersten Beat des Bass, und als er bis zur Bridge (Überleitung) durchzählt, sehen wir, dass die Bridge auch auf Takt „eins“ beginnt. Die Lyrics jedoch laufen konträr zur Musik und passen sich nicht diesem Muster an. Buxer beschreibt das als eine „völlig auf den Kopf gestellte“ Struktur und spricht über umgedrehte Up-und-Down-Beats, aber weil ich kein Musiker bin kann ich es nur als „eine Verschiebung“ beschreiben. Buxer bestätigt, dass dieser Song komplett von Michael geschrieben wurde. Um seine Worte zu bestätigen, spielt er uns eine Aufnahme vor, in der Michael ihm am Telefon sehr genau erklärt, wie die Musik klingen soll. Auf seine übliche Weise singt Michael jeden Teil mit seiner Stimme und mit Beatboxing: den Bass, die Drums – und er ist sehr genau damit. Er verbringt 5 Minuten damit, nur das Intro des Songs zu erklären, und fragt anschliessend „Okay?“, um sich zu versichern, dass der Arrangeur auch verstanden hat, was Michael von ihm erwartet. Michael schrieb den ganzen Song in dieser „auf den Kopf gestellten“ Struktur, und das macht deutlich was für ein Genie er war – und warum. Niemand konnte so etwas tun – ausser ihm.

Anschliessend spricht Buxer über Stranger In Moscow. Von allen Songs, an denen er mit Michael zusammen arbeitete, ist sein Beitrag zu diesem Song am größten und Brad verheimlicht nicht, dass ihm das sehr viel bedeutet. Er liest das gesamte Kapitel über diesen Song aus Joe Vogels Buch vor – die Entstehungsgeschichte ist gut dokumentiert.

>>Joe Vogel über Stranger In Moscow: http://all4michael.com/2013/01/30/stranger-in-moscow-wie-fuhlt-es-sich-an/

Auch wenn Buxer in dem Booklet des Albums nicht erwähnt wird, ist er dennoch Co-Autor des Songs und derjenige, der die Akkorde erdacht hat. Buxer erklärt die zwei unterschiedlichen Arten, auf die Michael und er zusammen arbeiten konnten. Oftmals hatte Michael schon eine fertige Melodie im Kopf und Buxers Job war es dann, die Melodie auf seinem Keyboard so zu spielen, wie Michael sie in seinem Kopf hörte, und ein zur Melodie passendes Arrangement zu finden. Auf diese Art gestaltete sich ihre Zusammenarbeit bei Heal The World, In The Back, Childhood, Beautiful Girl und anderen Songs. Bei Stranger In Moscow war es jedoch anders: Michael wollte, dass Brad einfach einige Akkorde spielt, bis er etwas hörte, was ihm gefiel, und Buxer spielte im Verlauf die jetzt gut bekannte Akkord-Sequenz. Buxer sagt, der gesamte Song wurde innerhalb von eineinhalb- bis zwei Stunden geschrieben, und als es vollendet war, konnte er nicht glauben, dass das gerade wirklich so passiert war. „Ich wollte etwas in der Art ‘Wow, haben wir gerade zusammen einen Song geschrieben?’ sagen, erinnert sich Buxer. „Aber ich habe es nicht gesagt.“ Er trägt Michael nicht nach, dass er in den Album-Kredits nicht erwähnt wurde. „Fehler passieren“, sagt er. „Michael war immer sehr großzügig mir gegenüber.“ Es wird klar, dass ihm die Erfahrung als solche viel mehr bedeutet, als seinen Name in einem Booklet zu lesen.

bradbuxer x2

- Brad Buxers private Fotos mit Michael -

Was Buxer auch erwähnte war, dass der Drum-sound in Stranger In Moscow aus MJ’s Beatboxing gemacht wurde. Buxer sagte, dass er für Michael sehr oft Drum-sounds einsetzte, die aus dessen Beatboxing bestanden, weil sie einfach fantastisch klangen.

Als nächstes sprechen wir über Childhood. Und wir feiern sogar gerade den 20ten Geburtstag von Childhood, denn wie sich Brian Vibberts erinnert, wurde der Song am 27 Juni 1994 aufgenommen. Childhood ist ein weiterer Song, der komplett von Michael geschrieben wurde, und Buxer sagt, er habe eine Weile gebraucht, um dafür das passende Arrangement herauszufinden. „Es ist ein wirklich entzückender Song,“ sagt er, „ich würde nichts in der Art schreiben können.“ Auch hierbei war Michael sehr bestimmt in dem, was er hören wollte und arbeitete mit Buxer solange daran, bis er die genau passenden Akkorde von ihm zu hören bekam.

Nach einer kurzen Pause, sprechen wir über das Touren und die Live-Shows. Buxer beschreibt die Aufgaben eines musikalischen Direktors – wie er oftmals die Shows vorbereiten musste, während die Band die Zeit in der Hotelbar verbrachte, und auf welche Art er den Musikern Anweisungen gab. Er sagt, die Stücke wurden für die Live-Shows normalerweise beschleunigt, und dann wurde die Tonlage wieder so eingestellt, dass die Instrumente wieder ihren normalen Sound hatten. Er hatte sehr freundliche Worte für Michaels Gitarrist David Williams, über den er sagte, er sei absolut brillant und es sei ein großer Spass gewesen, mit ihm zusammen zu sein. Buxer spricht auch kurz über Kosten, und warum Live-Shows oft Verluste einbrachten: es lag an den 5 Flugzeugen, die sie zum Touren brauchten und den irrsinnig hohen Hotelrechnungen.

Buxer erinnert sich an ein paar lustige Momente während der Live-Shows: wie sie Slash während Black or White auf die Bühne schieben mussten, weil er keine Ahnung hatte, an welcher Stelle im Song sein Gitarrensolo kommen sollte, oder als Michael während dem Konzert von Royal Brunei Brads Name rief („Brad, what you gonna do?“), weil Brad das Outro des Songs länger spielte, als nötig. Er erzählte auch eine Geschichte von Bill Clinton (laut Buxer ein sehr netter Kerl und ein guter Freund Michaels), der bei Black or White im Apollo 2002 während der Show Saxophon spielen wollte. Buxer musste ihm sogar einen Saxophon-Part schreiben – der aber nicht wirklich in den Song passte und dann doch nicht benutzt wurde.

- I just can’t stop loving you, Brunei – “Brad what are you gonna do?” -

Wie auch Brad Sundberg oft betont, hörte Michael Musik gerne fürchterlich laut. Auf der Bühne war die Lautstärke der seitlichen Lautsprecher so hoch, dass es weh tat, dazwischen zu stehen. Aber auch Buxer sagt, er bemerkte trotzdem nie, dass Michael schlecht hörte. Michael mochte seine Musik in ohrenbetäubender Lautstärke, aber wenn Buxer ihm telefonisch ein filigranes Saiten-Arrangement vorspielte, hörte Michael es genau so gut.

Während dem Teil, in dem Fragen gestellt wurden, fragte jemand Buxer nach Morphine, einem weiteren genialen von Michael geschriebenen Meisterstück. Buxer erklärte dazu, dass Michael Maschinengeräusche und einen Herzschlag haben wollte, Dinge, die das Bild von ‘einem Körper auf dem Behandlungstisch’ entstehen lassen. Es gab einige Fragen zu den Lyrics, aber Buxer sagte, er könne sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann genau die Lyrics geschrieben wurden. Oft geschah das spät im Gesamtprozess, oder gar im letzten Moment, während der Schwerpunkt der Arbeit bei der Musik lag. Vielleicht ist auch das mit ein Grund dafür, warum Buxer, wie die meisten der Mitarbeiter Michaels, die wir getroffen haben, anscheinend Remixe und Neu-Arrangements von Michaels Songs nicht besonders mögen. „Michael war ein Architekt der Musik“, sagt er. „Wenn du das Gebäude so sehen willst, wie es erdacht wurde, dann musst du dem Architekt treu bleiben.“ Er erwähnt Billie Jean – einen Song, dessen Basslinie Michael ganz bewusst konstruierte. „Hätte jemand anders die Musik zu diesem Song geschrieben“, gibt Brad zu bedenken, „hätte man es nicht auf die Art gemacht“. Michael arbeitete über Jahre an seinen Songs und er hat wirklich alles unternommen, damit die Musik so gut wie nur möglich wird. Manchmal habe Michael sogar andere Musiker dafür kritisiert, weil sie beim Arbeiten an ihren Songs nicht all ihre Möglichkeiten ausschöpfen würden.

Etwas, was Buxer immerwieder betonte, (und was auch andere Kollegen Michaels oft erwähnen), ist das zu grundeliegende Prinzip der Musik, dem sowohl Michael als auch Stevie Wonder folgten: „Less is more“ – „Weniger ist mehr“. Der Song sollte nicht mit Sounds überladen sein; es sollte nur dort sein, was in den Song passt und ihn besser macht. Um das zu demonstrieren, spielte Buxer uns ein Demo von Hollywood Tonight vor – das mit dem Killer-Bass-Teil und Michaels gesprochenen Anweisungen für die Bridge. „Hört wie pur das ist“. Und das war es. Das Publikum applaudierte.

buxer

Seine liebste Erinnerung an Michael? „Zusammen durch die Flure von Hotels zu rennen. Er war ein schneller Läufer… Einfach nur mit ihm zusammen sein, schreiben, an seiner Musik arbeiten, reden, lachen und einfach Spass haben.“

Solche Worte machen dir mehr als alles andere deutlich, dass Michael für Buxer oder die anderen Gäste des Seminars kein Superstar war – er war ihnen ein Partner und Freund. Und sie sind an dem Abend zu uns gekommen um Erinnerungen an ihre Freundschaft zu teilen. Wir danken ihnen, Mr. Buxer, Mr. Prince, Mr. Vibberts und Mr. Simms, dass wir diese Erinnerungen hören durften. Und natürlich ein großes Danke an Brad Sundberg für die Organisation dieses einmaligen Events.

Übersetzung M.v.d.L.

Black or White

by

Ein Artikel von Anne Wollenberg in Arts & Humanities Research Council über das Buch Michael Jackson and the Blackface Mask von Harriet J. Manning

Link zum Original-Artikel:

http://www.ahrc.ac.uk/News-and-Events/Features/Pages/Black-or-white.aspx

Link zur Übersetzung der Diskussion im Blog Dancing With The Elephant:

http://all4michael.com/2014/01/27/michael-jackson-unterwanderung-von-blackface-stereotypen/

Es kursierten viele Gerüchte über Michael Jackson, sowohl vor als auch nach seinem Tod im Juni 2009. Nehmen wir zum Beispiel die Theorien über seine Beziehung zu seiner Hautfarbe.

Jackson hatte in Wirklichkeit eine weitaus differenziertere Vorstellung von Rasse, als wir möglicherweise wahrnehmen. Wissenschaftlerin Harriet J. Manning behauptet, dass er seine Bühnenauftritte und Videos dazu einsetzte, um rassistische Konstruktionen des Schwarzseins zu kritisieren. Sie hat eine Monografie geschrieben, basierend auf ihrer durch AHRC finanzierten Forschung für ihre Dissertation, die sie an der Newcastle University fertig stellte.

Den größten Teil des 19. Jahrhunderts war die Tradition des Blackface Minstrelsy in Amerika und Europa eine vorherrschende Form der populären Kultur. Hierbei handelt es sich um eine theatralische Form, für die sich weiße Darsteller „schwärzten“, um schwarze Menschen zu parodieren. Schwarze Darsteller waren ursprünglich von der Bühne verbannt und als es ihnen dann in den späten 1860ern erlaubt war, wurden sie gezwungen in die traditionellen, stereotypen Rollenklischees zu schlüpfen. „Es war die vollkommene Beherrschung von jemand anderes Selbstdarstellung,“ sagt Manning, die in ihrer Forschungsarbeit verschiedene Quellen einschließlich Zeichnungen, Fotografien, Theaterplakaten und Liedtexten verwendet hat. „Schwarze Darsteller hatten keine andere Wahl, als die Maske aufzusetzen und die Rolle zu spielen.“

Michael Jackson and the Blackface Mask (Ashgate Verlag) erklärt und untersucht die Theorie, dass Jacksons Performances in den historisch rassistischen Praktiken des Blackface Minstrelsy und in dessen Tragen von Masken wurzeln. „Es gibt da die Vorstellung, dass man diese Episode in der Geschichte am besten vergisst, weil sie unangenehm ist, aber wir sollten darüber reden,“ sagt Manning. „Das war am Anfang ein Teil meiner Motivation. Dieser Teil der Geschichte sollte weithin bekannt sein.“

Manning nahm dieses unerwartete Paradox wahr: „Hier war dieser schwarze Darsteller, der eine sehr rassistische, performative Geschichte zitiert“. Sie begann, sich Jacksons Tanzbewegungen und Gesten genauer anzusehen. „Ich beobachtete, dass all seine hauptsächlichen choreografischen Bewegungen, wie etwa Gleitbewegungen, angewinkelte Gliedmaßen, Drehungen und Biegungen, bis zum Minstrelsy zurückverfolgt werden können.“

Blackface 1

(L) Der Blackface Stereotyp Jumbo Jim in typischer Minstrel-Pose. 

(R) Eine typische Michael Jackson Pose in der traditionellen Symbolik des Blackface Minstrelsy

Jene Bewegungen waren dazu bestimmt, Menschen zu verspotten, erklärt Manning. „Beim Minstrelsy ging es darum, eine schwarze Person auf eine beklemmende, verhöhnende Art und Weise nachzuahmen,“ sagt sie. Indem er sie und die traditionellen Klischees in seinen Darstellungen verwendet hat, wies Michael Jackson eine rassistische Auslegung seiner schwarzen Identität von sich, manchmal durch Parodie und andere Male durch eine Art Rückgewinnung, wie etwa wenn er seine Dance Moves ganz und gar subtil und ‚cool‘ ausführt.

Nicht, dass dies den Leuten aufgefallen wäre, als Jackson 1991 die Single Black or White veröffentlichte. Die letzten vier Minuten des Musikvideos zeigen einen schwarzen Panter, der sich in den Sänger verwandelt und der dann verschiedene Akte von Vandalismus begeht, wie etwa das Zerschlagen einer Fensterscheibe und der Windschutzscheibe eines Autos.

Fernsehstationen verboten das Video und Jackson wurde aufgefordert eine Entschuldigung herauszugeben. Im Grunde scheint damals niemand begriffen zu haben. „Dieses Video kann leicht als Kritik an rassistischen Klischees gelesen werden,“ sagt Manning. „Die Aufregung über die Ausstrahlung nährte genau eben diese Klischees.“

„Der Panther Dance ist eine Weiterführung und Neuformulierung einiger der grundlegenden Gesten und Klischees des Blackface-Tanzes,“ fügt sie hinzu. Diesem lagen rassistische Strukturen zugrunde und, wie die Untersuchung zeigt, lassen wir es zu, dass diese Stereotypen heute immer noch nicht hinterfragt werden. Wir erkennen sie nicht einmal, wenn sie direkt vor unseren Augen parodiert werden.

„Wir bemerken oft gar nicht, wie wenig wir Klischees hinterfragen,“ sagt Manning. „Diese Strukturen beinhalten, dass fälschlicherweise schwarze Menschen, besonders Männer, verknüpft werden mit Unberechenbarkeit, Gewalttätigkeit, Kriminalität, Übersexualisierung und Animalischem – was sämtlich Teil der Kontroversen um Michael Jackson wurde.“

Blackface 2

(L) Jim Crow, der bekannteste Stereotyp des Blackface Minstrelsy
(R) Michael Jackson während des Panther Dance in Black or White (1991)

Ein weiteres zentrales Video ist der Kurzfilm Ghosts, der 1997 veröffentlicht wurde. In einem der Songs mit dem Titel Is It Scary? singt Jackson: „Bin ich die Bestie, die du dir vorstellst?“

Manning deutet das als Hinweis auf tiefverwurzeltes Klischeedenken, das durch bloßen Willen nicht verändert werden kann – wir müssen es erkennen und in Frage stellen.

„Es passiert auf solch eine schädliche, stille, unterbewusste Art und Weise,“ erklärt sie. „Wir mögen denken, wir seien keine Rassisten, aber wir werden immer noch mit Vorstellungen über Unterschiede gefüttert, die einfach nicht existieren. Klischeedenken zeigt uns, was wir für die Wahrheit halten und reflektiert dies auf uns‚ wie ein ‘Spiegel, der die Wahrheit enthüllt‘, wie Jackson in Is It Scary? singt.“

Jacksons Rolle in der Öffentlichkeit funktioniert ebenfalls als Spiegel oder als Maske. Wir müssen berücksichtigen, welches kulturelle Gepäck mitgebracht wurde, sagt Manning. „Wir alle denken, uns gehört ein Stück von Michael Jackson. Wenn ein Künstler sehr erfolgreich und sehr populär ist, dann gibt es die Tendenz, zu übersehen, was er auf kreativem Gebiet geleistet hat.“

Blackface 3

(L) Al Jolson ‚geschwärzt‘ in The Jazz Singer (1927)

(R) Michael Jackson ‚geschwärzt‘ in Say, Say, Say (1983)

Mannings Untersuchungen haben sie mit anderen Akademikern, die an Michael Jackson interessiert sind, zusammengebracht, wie zum Beispiel mit Nina Fonoroff, Professorin für Filmkunst an der University of New Mexico, die Mannings Arbeit durch Dancing With The Elephant, einem Blog, der sich mit Diskussionen über den Sänger beschäftigt, entdeckt hat.

Fonoroffs Interessen schließen die Rolle des Publikums mit ein, welches sich als ein Schlüsselthema wie ein roter Faden durch Mannings Buch zieht. „Michael Jackson war fähig, so viele existierende Phantasien, Ängste und Sehnsüchte anzuzapfen,“ sagt Fonoroff. „Harriets Werk ist eine großartige Synthese neuer Vorstellungen über Blackface Minstrelsy. Es hat mir dabei geholfen, diese Konzepte sehr viel klarer durchschauen zu können.“

Ihre Online-Unterhaltungen führen zu einer weiteren Zusammenarbeit: Manning und Fonoroff werden zu Jacksons 5. Todestag in L.A. sein. „Wir planen den Bereich von Michael Jacksons Fangemeinde zu untersuchen, welche uns beide aus einem akademischen Blickwinkel interessiert,“ sagt Manning.

Bei Mannings Untersuchungen ist Michael Jackson Fan Ilke Lenz-Nolte behilflich, die englische Texte für den Blog all4michael ins Deutsche übersetzt, um „zu erfahren, wer er wirklich war“. Als Nolte anfing, sein Werk zu erforschen, sagt sie „war es faszinierend, denn ich realisierte, dass all die Geschichten in den Medien über ihn falsch waren. Harriet hat eine grundlegende Verbindung zwischen dem Blackface Minstrelsy und der Musik und dem Tanz Michael Jacksons, die einen wesentlichen Bestandteil seiner Identität darstellen, aufgezeigt.“

Nolte ist speziell fasziniert von der Einseitigkeit der Rolle im Minstrelsy: Weißen wurde erlaubt, Schwarzsein zu verhöhnen und buchstäblich zu konsumieren, während Schwarze zu Karikaturen reduziert wurden, wogegen sie nur wenig ausrichten konnten. „Jackson aber drehte den Spieß um und spielte mit dieser Einseitigkeit, so dass sich die Leute unwohl fühlten und Schuldgefühle entwickelten wegen einer rassistisch geprägten Vergangenheit – oder Gegenwart,“ sagt sie. „Und die Medien machten aus ihm einen Freak und Kriminellen.“

„Auf gewisse Weise arbeitete Jacksons Erfolg gegen ihn,“ schließt Manning. „Sein Werk ist so reichhaltig an kulturellen Zitaten, die weitgehend übersehen worden sind.“ Jacksons Image wurde gefiltert und neu erfunden, gerade so wie weiße Menschen Blackface Minstrelsy eingesetzt haben, um die Art und Weise, wie Schwarzsein verstanden werden sollte, kontrollieren zu können.

 

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