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Michael Jackson interviewt Pharrell Williams – Interview Magazine 2003

Ein Interview aus dem Interview-Magazine, von 2003, in dem zur Abwechslung einmal Michael der Interviewer ist – und per Telefon Pharrell Williams (‘Happy’,’ Get Lucky’) interviewt.

Quelle: http://www.interviewmagazine.com/music/michael-jackson/ 

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Dieses Interview, was im Juni 2003 stattfand, kam raus als wir in unserem Magazin etwas eine Story über Pharrell Williams planten, der zu der Zeit ein neuer Produzent aus Virginia war. Als wir die Story arrangierten, erwähnte er, dass er immer schon mal mit Michael Jackson sprechen wollte, der gerade nach der TV Dokumentation Living With MJ, in welcher der Sänger sehr bizzar dargestellt wurde, ein Nachrichten Thema war. Nach ein paar e-mails und Telefonanrufen rief ein paar Tage später Jacksons Büro an und sagte, dass er das Interview machen werde.

Pharrell Williams Michael Jackson

Michael Jackson: Also ich interviewe dich, richtig? Es sind 7 Fragen, oder so etwas?

Pharrell Wiliams: Ja, was immer du magst.

Michael Jackson: Ok, was würdest du sagen inspiriert dich in deiner Musik? Was ist es, was dich dazu inspiriert, deine Musik zu erschaffen?

Pharrell Williams: Es ist ein Gefühl. Du behandelst die Luft wie eine Leinwand und malst darauf die Akkorde die durch deine Finger fliessen, aus dem Keyboard heraus. Also wenn ich spiele ist es, als male ich ein Gemälde aus Gefühlen in die Luft. Vielleicht hört sich das verrückt an, aber…

Michael: Nein, nein, das ist eine perfekte Analogie.

Pharrell: Und wenn du das Gefühl hast, es ist fertig, dann ist es fertig. Es ist wie malen, oder Bildhauen. Wenn du es gehen lässt, dann weißt du, dass es vollendet ist. Es ist vollständig. Und genauso sagt es dir auch, wenn es noch nicht fertig ist.

Michael: Yeah, und es lässt dich nicht schlafen, bis es fertig ist.

Pharrell: Das stimmt.

Michael: Yeah, bei mir ist es genauso. (lacht) Und was hältst du von der Musik der heutigen Zeit? – Kennst du dich aus mit den neuen Sounds die geschaffen werden und magst du die Richtung, in die die Musik sich entwickelt?

Pharrell: Persönlich fühlt es sich für mich so an, als ob ich mich an dir und Stevie (Wonder) orientiere und Danny (Hathaway), und einfach mache, was sich richtig anfühlt.

Michael: Richtig.

Pharrell: Weißt du, es ist, als ob jeder die Einbahnstrasse in eine Richtung benutzte und du bist “Off The Wall” gegangen.

Michael: Genau. (lacht)

Pharrell: Und als jeder den anderen Weg nahm, machtest du Thriller. Du hast immer deinen eigenen Weg gesucht. Und ich orientiere mich an Leuten wie dir, die nicht Angst davor haben, auf ihre eigenen Gefühle zu hören und ihre Sehnsüchte und Ambitionen Gestalt annehmen lassen. Die es geschehen lassen, die es materialisieren…

Michael: Wer sind die älteren Künstler – also nicht die, die heute im Radio präsent sind – die dich inspirierten, als du jünger warst? Die Künstler, denen dein Vater schon zuhörte, hast du etwas von solchen Künstlern gelernt?

Pharrell: Absolut. Da wären die Isley Brothers.

Michael: Yeah… bei mir auch, ich liebe die Isley Brothers. Und ich liebe Sly and the Family Stone.

Pharrell: Donny, Stevie.

Michael: Du magst alle Leute, die ich auch mag. (lacht)

Pharrell: Diese Akkord-Wechsel. Das reisst dich mit.

Michael: Wunderbar, einfach wunderbar. OK. wo bist du im Moment? In New York?

Pharrell: Ich bin in Virginia Beach, Virginia, Sir.

Michael: Virginia! Oh, sehr schön. Richtest du Virginia meine Liebe aus?

Pharrell:: Ja, danke.

Michael: Und an deine Mutter, an deine Eltern, denn Gott hat dich mit besonderen Gaben ausgestattet.

Pharrell: Danke, Sir. Und ich möchte noch etwas sagen, ich weiß nicht, ob du das hören willst, aber ich muss das sagen, denn es kommt von meinem Herzen. Aber die Leute plagen dich…

Michael: Yeah.

Pharrell: …weil sie dich lieben. Das ist der einzige Grund dafür. Wenn du etwas tust, was die Leute nicht sofort verstehen, dann machen sie daraus ein größeres Problem, als sie es für irgend jemand anders machen würden, denn du bist eines der erstaunlichsten Talente, die je gelebt haben. Du hast in diesem Jahrhundert mehr vollbracht und erreicht, wie die meisten anderen Menschen.

Michael: Oh, danke, das ist sehr nett von dir.

Pharrell: Was du tust ist so erstaunlich. Wenn du 100 bist, werden sie immer noch Geschichten darüber machen, was du getan hast und was du wie an deinem Körper verändert hast. – Bitte glaub mir, wenn du dich entscheiden würdest, deinen ganzen Körper mit Chrom zu überziehen, wird das so erstaunlich sein, dass die ganze Welt – egal was sie sagen – angerannt kommen wird, um es zu sehen. Und das ist, weil du so viel für die Musikwelt erreicht hast und so viele Leben verändert hast. Du hast die ganze Welt beeinflusst.

MJ2002

Michael: Danke sehr. Es ist so, dass je größer der Star ist, desto größer ist das Ziel. Du weißt, wenn du – und ich bin kein Angeber oder sowas – aber du weißt, wenn du ganz oben bist beginnen sie Pfeile nach dir zu werfen. Sogar Jesus wurde gekreuzigt. Die Menschen, die Licht in die Welt bringen, von Mahatma Gandhi über Luther bis zu Jesus, oder sogar ich selbst. Und mein Motto ist immer Heal The World, We Are The World, Earth Song, Rettet unsere Kinder, Helft unserem Planeten. Und die Leute schikanieren mich dafür, aber es tut nicht weh, denn die Fan Base wird immer stärker. Und je fester du auf etwas drauf haust, desto härter wird es – desto stärker wird es. Und das ist genau das, was passiert. Ich bin unverwüstlich. Ich habe eine Rhinozeros Haut. Mich kann nichts verletzen. Nichts.

Pharrell: Das ist genau der Punkt. Ich wollte nur sagen, du bist erstaunlich, Mensch. Was du für die Musik getan hast, was du seit Billie Jean bis “That’s What You Get (For Being Polite)” für die Musik getan hast….(singt)

Michael: Oh, du kennst das? (lacht)

Pharrell: (singt) „Jack still sits all alone…“

Michael: Oh Mann, du kennst die alle… (summt ein Gitarren Riff)

Pharrell: Auch wenn ich nie mit dir arbeiten werde, weiß ich doch, dass du nicht aufzuhalten bist. Deshalb sagte ich, dass wenn du 100 bist und dich verchromen lassen würdest, dass sie immer noch alles mögliche sagen würden – und mir ist es gleich, was sie über dich sagen – sie wären trotz allem sofort da, um es zu sehen.

Michael: Da gibt es viel Eifersucht. Ich liebe alle Rassen, ich liebe alle Menschen, aber manchmal ist ein Teufel in den Menschen, und sie werden eifersüchtig. Immer wenn jemand sein Licht über den Horizont dessen steigen lässt, was bisher möglich war, werden die Menschen eifersüchtig und versuchen, denjenigen wieder runter zu bringen. Aber das können sie mit mir nicht tun, denn ich bin sehr, sehr stark. (lacht) Sie wissen das nur nicht.

Pharrell: Sie wissen das! Glaub mir bitte, sie wissen es

Michael: Jeder andere wäre schon angeknackst jetzt; mich können sie nicht knacken, ich bin zu stark.

Pharrell: Natürlich. Sie bekamen dich nicht klein, als du 10 warst und erwachsene Männer mit dem ausgestochen hast, was du mit deiner Stimme und deinem Talent machen konntest. Und als du 20 warst, hast du Leute übertroffen, die das schon 20 oder 30 Jahre lang gemacht haben. Und heute wollen sie immer noch sehen, wo du stehst. Sie wollen deine Kinder sehen, sie wollen deine Welt sehen. Du bist erstaunlich, das wollte ich dir einfach sagen. Und ich hoffe, das wird alles gedruckt, denn das ist so wichtig für mich. Ich hoffe, ich werde eines Tags mal nur halb so taff sein wie du.

Michael: Oh, Gott segne dich. Du bist auch wunderbar. Ich wünsche dir einen schönen Tag…

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Übersetzung: M.v.d.L

 

Review: “In The Studio With MJ” – Seminar von Brad Sundberg

Eine Review zum „In The Studio With MJ-Seminar“ mit Brad Sundberg am 18. + 19. April 2014 in Amsterdam.

itswmj

In diesem Artikel werdet ihr keine Punkt für Punkt Zusammenfassung von all dem bekommen, was wir in diesem Seminar hören, sehen, fühlen und erfahren durften. Es ist eher als Überblick zu verstehen, als Versuch, wenigstens einen kleinen Eindruck über Brads Seminare zu vermitteln – wobei es natürlich klar ist, dass kein Bericht jemals wirklich beschreiben kann, was diese Veranstaltung ausmacht. Es kann nicht mit Worten wiedergegeben werden, was man an Audios, Videos und durch Brad und seine Art, zu erzählen, vor Ort vermittelt bekommt. Brad hat ein großes Talent, seine Erfahrungen, Geschichten und Informationen unterhaltsam weiterzugeben. Sein Respekt und seine Verbundenheit zu Michael sind immer zu spüren, auch seine Freude darüber, zur richtigen Zeit am richtigen Ort und Augenzeuge der Talente und der Hingabe eines Bruce Swedien, Quincy Jones, Steve Porcaro, Bill Bottrell usw gewesen zu sein. Es war niemals langweilig oder ermüdend, ihm dabei zuzuhören, wie es damals im Studio mit Michael Jackson war. Diese 4 und 6, (und sogar noch mehr…) Stunden waren von Anfang bis Ende interessant, informativ, auch amüsant und natürlich oft emotional. Allein dafür schon ein großes Danke an Brad!

Brad Sundberg MJ

- Brad Sundberg und Michael Jackson -

Auch wenn einige der Geschichten, die Brad erlebt hat und erzählt, mittlerweile schon im Internet kursieren, ist es eine völlig andere Sache, sie doch direkt von ihm zu hören – und meistens kombiniert mit einem dazugehörendem Audio oder Video. Dazu durften Fragen gestellt werden, was natürlich jeder Veranstaltung einen eigenen Stempel aufdrückt.

>>Wer beabsichtigt, an einem dieser Seminare teilzunehmen, und sich möglichst viele „Überraschungsmomente“ erhalten möchte, sollte vielleicht diesen Text jetzt nicht weiterlesen, da wir zwar nicht auf alles eingehen werden, aber sicher einige Höhepunkte erwähnen. Andererseits denken wir, auch wenn man vorher weiß, was einen ungefähr erwartet, wird es der Freude an einem Live-Seminarbesuch nicht wirklich etwas nehmen können.<<

Wir haben in Amsterdam an zwei verschieden Veranstaltungen teilgenommen. Das erste war ein sehr ungezwungenes 4-stündiges Treffen am Freitag Abend, (Shoe’s Optional” – mit integriertem „Sockenkontest“ :) ) mit etwa 15 Leuten, bei dem Brad nicht nach einem Script oder einen vorgegebenen Ablauf vorging; das andere war das 6-Stunden Seminar am Samstag, welches mit 50 Teilnehmern bis auf den letzten Platz besetzt war. Bei diesem Seminar geht Brad anhand eines Scripts vor – allerdings nicht zwingend – d.h. er hat immer Zeit und Raum, um auf Fragen, Wünsche, Änderungen und Wiederholungen einzugehen, so dass man davon ausgehen kann, dass keines dieser Seminare genau einem anderen gleicht. Somit ist auch das 6-Stunden-Seminar sehr locker und ungezwungen. Es war so, dass ein paar der Demos, die wir Freitag Abend etwas ausführlicher hören und sehen durften, auch im Samstag-Seminar gezeigt/gespielt wurden. Dazu kann man nur sagen: Zum Glück war das so, denn so konnten wir die schönsten, beeindruckendsten Beispiele gleich zweimal genießen.

Da wir wie erwähnt an zwei verschiedenen Veranstaltungen teilnahmen, ist das, was jetzt folgt auch kein chronologischer Abriss eines Seminars, sondern eine Zusammenfassung von diesen beiden Terminen. 

Auf ein paar spezielle Einspielungen wird hier auch deshalb nicht eingegangen, um den folgenden Veranstaltungen (z.B. in St. Petersburg) nicht die Überraschung zu nehmen.

Die ‘Reise ins Studio’ begann mit den Tönen von einem Demo zu „Earth Song“. Sehr berührend dieses frühe a-capella-Demo und diese ersten Harmonien aus dem Jahr 1988, noch mit unvollständigen Lyrics – aber dennoch auch in diesem frühen Stadium schon mit genau dem Feeling, welches auch die Jahre später veröffentlichte Version von „Earth Song“ ausmacht. Wir können nachvollziehen, dass Joe Vogel wohl fast vom Stuhl gefallen ist, als er das in einem Seminar zum 1. Mal hörte. Man muss sich nur vorstellen, er schrieb diese Abhandlung zum Epos „Earth Song“ und bekommt dann DAS zu hören! 

Ziemlich zu Beginn (und auch später immer mal wieder :)) outed Brad sich als GROSSER Fan von „Streetwalker“ – einem Song, an dem Michael für das BAD-Album arbeitete. Obwohl (oder weil…) Quincy den Song so gar nicht mochte, mietete Michael einfach das Studio 9 an und bastelte dort mit einem Team weiter daran. Michael liebte den Song! Letztendlich schaffte „Streetwalker“ es damals nicht aufs Album. Der Favorit von Quincy Jones und Frank DiLeo: „Another Part Of Me“ machte das Rennen. Brad ist ohne Frage großer Fan von „Streetwalker“ und es kam die Frage auf, warum es das Duo mit Stevie Wonder „Just Good Friends“ auf das Album geschafft hatte. Wir erfuhren aber auch von Brad, dass Michael und Stevie sich wie Brüder liebten und das wohl ein guter Grund dafür gewesen sein mochte.

Wir hörten 2 verschiedene Demo-Versionen von „Streetwalker“ (beide anders als die schließlich auf „Bad 25“ veröffentlichte Version)und dieser Song ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch hervorragende Stücke nicht immer den Sprung auf ein Album schafften – und nicht nur Brad ist glücklich darüber, dass der Song dann auf BAD 25 endlich gewürdigt wurde.

An der Stelle muss noch erwähnt werden, dass Brad selbstverständlich eine sehr gute Soundanlage hatte, und jeder Song, jedes Demo ein absoluter Hörgenuss war – und es niemals den Wunsch gab, die oft beträchtliche Lautstärke zu reduzieren, auch wenn Brad vorsichtshalber immer wieder nachfragte, ob es uns nicht zu laut sei (eher im Gegenteil – man wünschte sich oft „lauter!“ – und dieser Wunsch wurde gerne erfüllt).

Brad erzählte auch, dass Michael es liebte, im Studio die Musik sehr, SEHR laut zu hören, und es dadurch einigen Verschleiß an Lautsprechern und Kopfhörern gab, die auf Dauer wohl nicht dieser Lautstärke gewachsen waren.Wenn Brad die Lautstärke aufdrehen sollte, kam von Michael ein: „Hurt me, Brad, hurt me!“ („Tu’ mir weh, Brad!“)

Hurt Me

- Michael liebte laute Musik – und große Boxen… -

Hier sei auch ein Hinweis auf die Geschichte erlaubt, wo Bruce Swedien und Matt Forger das Gitarrensolo von Van Halen zu „Beat It“ auf ‘Michael-Lautstärke’ anhörten und dabei ein Lautsprecher überhitzte und Feuer fing.

Ein weiteres wunderbares Demo, was Brad uns vorspielte, war „I Cant Help It.“ Brad beschrieb es als Top-Beispiel für etwas, was Quincy Jones „3-Part-Rhythm-Section“ nennt. Damals waren die Studios mit immer besseren Geräten ausgestattet. Immer mehr Tonspuren waren möglich und sie probierten damit herum.Laut Brad, waren all diese Spielereien mit der Zeit etwas ermüdend und Quincy sehnte sich nach etwas ganz Einfachem, einer “3-Part-Rhythm-Section”.

Auf dem „I Cant Help It“-Demo war lediglich ein Schlagzeug, eine großartige Pianobegleitung und natürlich Michaels wunderbar perfekter Leadgesang zu hören. Absolut beeindruckend und ein wirklich hervorragendes Beispiel für die Qualität und „soulfulness“ von Michaels Stimme, völlig pur.

Besonders nah ging uns auch die Geschichte zu den Gesangs-Aufnahmen von „Keep the Faith“. Ein Moment der Brad bis heute sichtlich berührt und uns alle mucksmäuschen still seinen Worten und anschließend dem Song noch mal ganz anders lauschen ließ. 

Sowieso, werden wir künftig noch viel genauer hinhören. Es ist nicht so, dass es ‘entzaubert’ in den Schaffensprozess eingeweiht worden zu sein, sondern im Gegenteil, es ermöglicht einem, noch mal auf eine neue Art zu hören/erleben und macht den immensen Zeitaufwand für die Produktion eines Albums greifbarer.

Sehr beeindruckend – und nicht weniger unterhaltsam – waren auch die Songs, die Brad in Form eines etwa 14-spurigen, digitalen „Multitrack-Mixboard“ mitbrachte. Dieses ist ein digitales Board, auf dem man die unterschiedlichen Tonspuren (Lead-Vocals, Background-Vocals und alle beteiligten Instrumente und sogar eine extra Spur nur für Michaels Fingerschnippen…) getrennt voneinander hören kann, bzw. man kann verschiedene Spuren kombinieren oder isoliert abspielen. Hört man so z.B. nur Michaels Lead-Gesang, erkennt man Dinge (wie z.B. seine mit aufgenommenen „Tanzgeräusche“) natürlich sehr viel deutlicher, als im fertigen Mix. Auf diese Weise durften wir immer neuen, quasi „frisch gemixten“ Versionen von „Bad“ und „Blood On The Dancefloor“ lauschen, wobei das Highlight für uns dabei aber Michaels Lead-Vocals in dieser puren Form, vor allem bei BOTDF, waren. (Wow! Please do it again, Brad!) Unglaublich die Vorstellung, man hätte selbst die Möglichkeit, sich in diesen reinen Vocals so oft und lange wie gewünscht zu verlieren!

Blood On The Dancefloor Michael

Brad erklärt natürlich auch etwas zur technischen Seite dieser Multitracks. Er beschrieb z.B. anhand von David Williams Gitarrenspiel beim Song „Bad“, welcher Aufwand und welches Können dahintersteht. Auch die Bläser waren sehr beeindruckend. Beim Anspielen der einzelnen Tonspuren entdeckten wir einmal sogar eine Maultrommel oder das nur selten auftauchende ‘Bumm’ einer Basstrommel, alles Ingredienzen, die einen Song perfektionieren.

Aufgrund des besonderen Aufnahmeverfahrens von Bruce Swedien (von Quincy Jones und Bruce Swedien „Acusonic Recording Process“ genannt (Info:  http://www.gearslutz.com/board/showwiki.php?title=Tips-and-Techniques:Acusonic-Recording-Process-Bruce-Swedien), wurde jedes Instrument jeweils für die rechte und linke Box getrennt aufgenommen und dazu noch jeweils gedoppelt. D.h. David Williams spielte seinen kompletten Gitarren-Part (der noch dazu in dieser „Bad“-Gesamtversion über 8 Minuten geht – eine Länge die übrigens üblich war, um für eventuelle Dance-Mixes vorbereitet zu sein) – 4 mal ein. Das Können der Musiker zeigte sich darin, dass ihr Spiel bei der zweiten Aufnahme fast deckungsgleich verlief (…wobei genau dieses „fast“ den besonderen Reiz ausmacht, weil es lebendiger und voller klingt.)

Es wurde nie etwas einfach nur einmal eingespielt, dann kopiert und vervielfacht. Jedes Instrument, und natürlich auch jede Background Harmonie von Michael wurde auf diese Weise mehrmals aufgenommen und dann zu einer Spur zusammengefasst. 

(Anmerkung: das ist wahrscheinlich eine sehr vereinfachte Wiedergabe dieses Prozess’ – da wir aber völlige Laien auf diesem Gebiet sind, geben wir hier nur wieder, wie wir es verstanden haben.) Da wir alle Michaels Background-Chorgesang kennen, heißt das, dass dementsprechend auch all diese 6- oder 8-stimmigen Harmonien, mehrmals aufgenommen wurden. Hier sei noch mal erwähnt, dass nicht wie heute üblich ein Part eingesungen, kopiert und vervielfältigt wurde, sondern der ganz lange Weg gegangen wurde. Michaels tat das sogar bis zu 16 Mal über die volle Länge! (Vocals links 8 Mal und Vocals rechts 8 Mal = 8 stimmiger Chor)

Swedien, jones, jackson

- Michael Jackson, Quincy Jones, Bruce Swedien -

Ach und da kommt mir noch der wummernde Bass zu „Who Is It?“ in den Sinn (ich kann ihn sofort wieder fühlen). Auch bei dem Song wurde am digitalen Mischpult veranschaulicht, welche exzellenten Tonspuren zu der Komplexität führen, die wir an Michaels Alben so schätzen. Brad stellte auch ganz klar Bill Bottrells Talent heraus, nicht zuletzt bei einer Gegenüberstellung von dem fantastischen „Monkey Business“ (Gänsehaut!!!) zu „If You Don’t Love Me“ (welches dagegen sehr einfach gestrickt wirkt). Alleine all das SO laut über eine grandiose Anlage zu hören, war genial.

Anhand dieser Beispiele und Brads Erläuterungen zum Aufwand, aber auch zum dazugehörigen Können und Talent der Musiker, war es gut zu verstehen, was zum einen die Qualität von Michaels Alben ausmacht, aber es erklärte auch, warum die Arbeit daran so viel Zeit in Anspruch nahm und ist ein Grund, weshalb auch die Produktionskosten relativ hoch waren. Wenn man dann noch Bruce Swediens nahezu ‘wissenschaftliches Vorgehen’ beim Einfangen der Sounds dazu nimmt (Brad spricht immer mit großem Respekt von Bruce’ Können), kann nur Magie erschaffen werden (natürlich ist bei „Bad“ nicht Quincy Jones Talent zu vergessen! (Verzeihen wir ihm mal „Streetwalker“ rausgekickt zu haben ;))

Brad spielte u.a. auch noch einige andere Demoversionen. Ein frühes Demo, ließ die ersten Ansätze zum von Teddy Riley produziertem „Jam“ erklingen, und wir taten uns tatsächlich schwer es herauszuhören, bis es typische Züge annahm. Dann war da eine weitere Aufnahme, bei der zunächst niemand erkannte, um welchen Song es sich handelte. Erst eine spätere Version klärte, dass es sich um „Someone Put Your Hand Out“ handelte – wobei sich die frühe Version sehr von der endgültigen unterschied.

Wir hörten auch das Original Demo von „For All Time“ – von Steve Porcaro (von Toto), ein Lied welches Porcaro ursprünglich für seine Tochter schrieb. Michael mochte den Song und sang ihn 1990 für das Dangerous Album ein. Veröffentlicht wurde „For All Time“ dann aber doch erst 2007 auf Thriller 25.

EDIT (Juli 2014) In Brads Seminaren im Juni in LA war Steve Porcaro persönlich anwesend, und berichtete über die von ihm geschriebenen Songs Human Nature und For All Time

Demnach ist Human Nature der Song, den Steve für seine Tochter schrieb, nachdem sie in der Schule von einem Jungen gemobbt wurde. Die Lyrics lauteten ursprünglich: 

l tell her that it’s human nature


When she asks,

Why, why
 does he do it that way?”

Steve Porcaro stellte den Song zuerst seiner Band Toto vor, die ihn aber ablehnten, weil sie ihn nicht für einen guten „Stadion-Rock-Song“ hielten.

(Natürlich wurde Human Nature durch Michael später zu einem super Stadion-Song :)

Human Nature kam eigentlich auch nur zufällig zu Michael, da Steve Porcaro noch ein paar andere Demos aufnahm, um sie Quincy Jones vorzuspielen. Da er keine leere Kassette hatte, spielte er diese Demos auf die Rückseite der Kassette, auf der schon seine Demo-Version von Human Nature drauf war. Steve bezeichnete diese Seite (mit HN) dann als B-Seite, und die neuen Demos, die Quincy sich anhören sollte, als A-Seite. Quincy hörte jedoch nicht nur die A-Seite, sondern zufällig auch die B-Seite, und er war direkt von der Stimmung von Human Nature begeistert. Die Lyrics wurden dann von John Bettis überarbeitet. Als Michael den Song aufnahm, brauchte er dazu nur wenige Takes.

Zu For All Time gab es auch ein paar neue Informationen von steve Porcaro: Er bestätigte, dass dieser Song nicht zu den Thriller Outtakes gehört (obwohl er als solcher auf Thriller 25 veröffentlicht wurde), sondern aus der Dangerous Zeit stammt, und Michael ihn auch nur da einmal einsang.

Der dritte Song, den Porcaro für Michael schrieb, ist Chicago 1945. Auf einem dieser Seminare in LA spielte Steve ihn sogar vor. Auch dazu gab er ein paar interessante, neue Informationen:

Das traurige dabei ist, dass jeder diesen Song mittlerweile gehört haben könnte, wenn die Plattenfirma es richtig angegangen wäre. Vor Veröffentlichung des Xcape Albums, fragte man Porcaro um die Genehmigung, Chicago 1945 darauf zu veröffentlichen, aber er gab nicht seine Erlaubnis dazu. Er sagte zu uns: „Es scheint so zu sein, dass die Songs heute sofort zu einem Remix verarbeitet werden“. Es war deutlich zu erkennen, dass dieses Vorgehen ihm nicht gefiel. Und während ich als Fan diesen Song sicher gerne in meiner Sammlung hätte, respektiere ich doch voll und ganz die Einstellung Porcaros. Ich denke, als Musiker und Songschreiber versteht er sehr gut, was die Unversehrtheit eines Songs für den Künstler bedeutet. Und als Kollege von Michael weiß er auch zweifelos, wie sorgfältig Michael mit seinen Kompositionen umging. „Weniger ist Mehr“ war ein Prinzip, was sowohl für Quincy als auch für Michael sehr wichtig war. „Chicago 1945 ist ein großartiger Song, der sicher keine „zeitgemässe“ Überarbeitung nötig hat, und der es verdient so gehört zu werden, wie er ist.“

(Quelle: http://www.michaeljackson.ru/eng/steve-porcaro-chicago-1945/)

TWYMMF grammys 1988

- The Way You Make Me Feel – Grammys ’88 -

Interessant war auch die Geschichte, wie 1988 das langsamere Intro für „The Way You Make Me Feel“ anlässlich Michaels Auftritt bei den Grammys aufgenommen wurde. Da Michael für dieses Ereignis etwas Besonderes erschaffen wollte, sich aber schon in Pensacola befand, wo die Proben für den zweiten Teil seiner BAD-Tour im Pensacola Civic Center stattfanden, mussten sie improvisieren. So wurde eine alter Truck mit aller nötigen Technik ausstaffiert vor dem Hotel geparkt. In Michaels Hotelraum richtete man dann eine Aufnahme-Box ein (d.h. man stellte einfach Matratzen an die Wände!). Brad verkabelte das Hotelzimmer aus dem Fenster heraus mit dem geparkten LKW, und während Michael oben im Zimmer das TWYMMF Intro einsang, zeichnete er es unten auf (und wir alle können hören, wie gut das geworden ist!)

Ein wirkliches Highlight war auch der etwa 15 Minuten Zusammenschnitt eines Audios einer Session während der Arbeit am Dangerous-Album, die im Original über mehrere Stunden ging, und in deren Verlauf „Give In To Me“ entstand. Vor Beginn dieser völlig zwanglosen Session hatte Michael Brad gefragt welche Musik er gerne höre und kurzerhand wurde ein Runner losgeschickt, der eine Auswahl der genannten CDs (Pink Floyd, Led Zeppelin, Jimmy Hendrix, ELO usw.) besorgte. Brad, Bottrell und Michael hörten dann also Stunden lang Musik, aßen Pizza, (Brad und Bill hatten dazu ein paar Coronas :) ) erzählten und Bottrell ‘klimperte’ auf seiner Gitarre herum. Da fragte Michael, wie es wäre, einfach ein Mikrofon anzuschließen und zu sehen was passiert. Auf Brads Audio hört man dann zuerst lediglich einen einfachen, programmierten Drumbeat, wozu Gitarrenriffs erfunden werden und Michael mit seiner Stimme und der Melodie spielt, dann skattet er einzelne Worte, woraus sich erste Lyrics entwickeln (wobei es beeindruckend ist, wie viele dieser spontan entstandenen Lyrics wirklich auch in der endgültigen Version noch unverändert zu finden sind). Es ist sicher einmalig, wie man auf diese Weise die Entstehung und Entwicklung dieses Songs mitverfolgen kann und ein sehr anschauliches Beispiel für das, was Michael meint, wenn er sagt: „Lass den Song zu dir sprechen, lass ihn dir sagen, in welche Richtung er gehen will.- Schreib nicht die Musik – lass die Musik sich selbst schreiben.” („Don’t write the music, let the music write itself“) In dieser „Give In to Me“-Session ist genau das spürbar – absolut faszinierend. Ein tolles Dokument, welches wir Dank Brad hören durften.

Hier ein winziger Teil des Audios von dem, was dieser “Out of the moment”- Session vorausging:

Da Brad nicht nur an Michaels Alben im Studio mitarbeitete, sondern lange Zeit auch für die Ausstattung der Neverland-Ranch mit Soundtechnik zu ständig war, berichtete er auch über seine Zeit dort. Eine der Geschichten ist, dass Michael ihn einmal beauftragte, direkt hinter dem Neverland Haupttor eine – natürlich unsichtbare – Soundanlage zu installieren, damit die Besucher beim Öffnen der Tore mit Musik empfangen wurden. Selbstredend wurde es eine sehr leistungsstarke Anlage – mit versteckten Boxen in Bäumen und im Boden. Brad mixte zum Einstellen eine CD mit einem Medley von Michaels eigenen Hits. Dann kam der Tag, an dem er Michael die Anlage vorführte und seinen Mix in voller Lautstärke abspielte. Michael war von dem Sound sichtlich begeistert, wollte es immer noch lauter („Hurt me Brad!“) und tanzte und groovte vor seinem Tor zu „Billie Jean“. Brad freute sich riesig, dass sein Werk so gut ankam. Aber als die CD durchgespielt war, sagte Michael er wolle nicht seine eigenen Songs dort haben, sondern er wünsche sich zur Begrüßung der Gäste „Danny Boy“, eine sehr melancholische Ballade. Brad war entsetzt und versuchte Michael zu überzeugen, dass die Gäste sicher gerne am Tor Michaels Musik zur Begrüßung hören würden – aber Michael blieb bei „Danny Boy“. Er meinte es sei ihm unangenehm, wenn dort seine eigene Musik lief. Von da an wurde auch Brad – zu seinem Leidwesen – bei seinen unzähligen weiteren Besuchen Neverlands von „Danny Boy“ begrüßt (eine Melodie die seiner Meinung nach nur auf Beerdigungen von Feuerwehrmännern gespielt wurde :) )

neverland gate

In einer anderen Geschichte über Neverland berichtete Brad, wie er eine Soundanlage in Michaels Reptilienhaus – einer umgebauten Scheune – installierte. In dem Raum gab es viele Schaukästen für die Schlangen hinter dickem Glas. Besonders bei den Klapperschlangen gab es zwei Probleme: Die Schlangen gewöhnten sich schnell an die Besucher (und rasselten dann weniger) und man konnte ihr beeindruckendes Rasseln nicht durch das dicke Glas hören. Michael und Brad hatten dann die Idee ein Mikrophon innerhalb des Kastens und einen Lautsprecher außerhalb zu positionieren. Brad ging dann sogar noch weiter und schlug vor, über den ganzen Weg durch das Reptilienhaus Lautsprecher in Höhe der Fußknöchel zu installieren. Der Schaukasten wurde dann mit einem Vorhang abgedeckt, damit die Schlangen die Menschen nicht sehen konnten und sich nicht an ihre Anwesenheit gewöhnten. Kamen dann Besucher in den Raum, zog man den Vorhang weg, und die Klapperschlangen klapperten…. Durch die Anordnung der Boxen in Fußhöhe hörte es sich an, als schlängelten sich die Schlangen unten am Boden, zwischen den Füssen herum. Michael amüsierte sich jedes mal köstlich, wenn die Leute vor Schreck herumsprangen – er liebte solche Art Streiche.

Brad berichtete auch darüber, wie Busladungen voller Kinder und Betreuer auf Neverland ankamen und dass er oft sah, wie Michael sich mit diesen Kindern beschäftigte und spielte, und es war ganz offensichtlich, dass Kinder für Michael sehr viel bedeuteten und er von ganzem Herzen zum Glück dieser Kinder beitragen wollte.

Sean Lennon MJ

- Michael mit Sean Lennon -

Außer der vielen Audios, in deren Genuss Brad uns kommen lies, hatte er auch noch ein paar wunderbare Videos im Gepäck. Z.B. gibt es eine schöne Aufnahme, entstanden während der Aufnahme des HIStory Albums in der Hit-Factory in New York, in der man Sean Lennon und Michael dabei beobachten kann, wie sie mit einem seltsamen Instrument experimentieren. Es handelt sich um eine Theremin, (http://de.wikipedia.org/wiki/Theremin) ein elektronisches Musikinstrument, bei dem man durch die Bewegungen der Hände über zwei Elektroden unterschiedliche Schwingungen erzeugt, die dann als Töne hörbar werden. Man sieht Michael und Sean mit diesem Instrument spielen und spürt regelrecht die Freude, die beide daran haben. Wunderschön auch solche Augenblicke aus dem Studio-Leben sehen zu dürfen. (Brad erwähnt noch, dass das Instrument niemals wirklich Verwendung fand, dass Michael aber sehr oft Instrumente von überall her zum ausprobieren ins Studio geliefert bekam…)

In einem anderen Video, ebenfalls aus der Hit-Factory NY, sieht man den Andrae’ Crouch Choir, zuerst während eines ungezwungenem Gospel-warm-up, welches schließlich in einer Art Gebet endet, bei dem alle Anwesenden – inklusive Michael – sich im Kreis an den Händen halten und singen – sehr berührend. In einer weiteren Sequenz erlebt man dann wie Mitglieder des Chors für ihren Part bei „They Don’t Care About Us“ proben – und entdeckt lustiger weise, dass Andrae in diesem Hightech Studio einen wirklich sehr simplen, blechern klingenden Kassettenrekorder benutzt, um das bereits bestehende TDCAU Demo ab zuspielen, zu dem er dann den Chor arrangiert. Auch während dieser Aufnahmen ist immer wieder Michael zu sehen, wie er etwas abseits steht und interessiert dem Geschehen folgt.

Zum Schluss möchten wir noch das Video erwähnen, was sicher bei den meisten Anwesenden emotional am tiefsten ging und zu Tränen rührte…. (Da wir an zwei Veranstaltungen teilnahmen, hatten wir das große Glück, es zweimal sehen zu dürfen.) Es handelt sich um die Aufnahmen des Orchesters für „Smile“ und „Childhood“. Ein Teil des Videos ist ein von Brad sehr schön gemachter Zusammenschnitt von Bildern und Sequenzen der Orchestermusiker und der anderen, im Studio anwesenden Personen, zur Musik von „Smile“. Danach sieht man Michael, wie er in seiner Aufnahme-Box vor dem Orchester steht während es „Childhood“ einspielt. Da Michael die Instrumente über seine Kopfhörer hört, kommen wir in den Genuss seiner puren Stimme und werden Zeuge, wie er Childhood „live“ und in einem Take einsingt. Man sieht, wie er aus seiner Aufnahme-Box heraus begeistert mit dirigiert, zustimmende Zeichen mit Händen und Armen gibt, sieht auch auf seinem Gesicht wie viel Gefühl er in diesen Song legt und wie viel Glück und Freude er ausstrahlt, als er diesen sehr persönlichen Song singt. Es ist absolut phantastisch „dabei“ zu sein und eigentlich nicht mit Worten zu beschreiben. 

 Diesen Song a capella hören und Michael dabei zusehen zu dürfen, ist ein großes Geschenk – und macht uns sprachlos.

In diesem Moment war jedem der Anwesenden völlig klar, warum er dort war – und welchen Menschen wir alle verloren haben. Sicher der emotionalste Moment des Seminars.

Childhood

Soweit also unser kleiner Einblick über eine Auswahl der Dinge, die euch bei einem „In The Studio With MJ-Seminar mit Brad Sundberg“ erwarten. Wir können jedem empfehlen, der die Möglichkeit hat, an einem dieser Seminare teilzunehmen, es zu tun. Für uns waren es zwei wunderbare, sehr lohnenswerte Tage in Amsterdam. Die Eindrücke und Bilder sind in jedem Fall einzigartig und unvergesslich.

Dazu wurde sich auch noch gut um uns Gäste gekümmert und die Location (unter dem Dach einer Kapelle mit ihren alten Kreuzbögen und bunt verglasten Kirchenfenstern) war sehr stimmig und würdig.

 Thank you very much, Brad!  This was really, really Brad!  

♥ Martina & ♥ Karin

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Mehr Infos über die „In The Studio With MJ“ – Seminare von Brad Sundberg gibt es hier:

http://inthestudiowithmj.com

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„How I Make Music“ – Michael spricht über den kreativen Prozess und das Songschreiben

I love to write songs.

It’s one of my favorite things to do. It’s very spiritual. It’s a connection. I’m just a source through which it comes. I’m inspired by a lot of things but it’s done in the heavens. I listen to the music and I just create from there.“

- Michael Jackson

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Ich liebe es, Songs zu schreiben. Es ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Es ist sehr spirituell. Es besteht eine Verbindung. Ich bin nur die Quelle, durch die es hindurch fliesst. Ich bin von vielen Dingen inspiriert, aber es wird im Himmel gemacht. Ich höre der Musik zu, und erschaffe daraus.“

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studioa

Michael Jackson konnte weder Noten lesen noch schreiben und spielte wohl auch kein Instrument perfekt – wenn er auch verschiedene Instrumente etwas spielen konnte, wie Piano, Gitarre oder Schlagzeug. Michael hörte die kompletten Arrangements seiner Songs in seinem Kopf:

Die Lyrics, die Saiten-Instrumente  die Akkorde, alles kommt in einem Augenblick, wie ein Geschenk, was dir in den Kopf gegeben wird und so höre ich es.“ (Dangerous Deposition 1994)

Um diese Dinge, die er in seinem Kopf hörte weiterzugeben, sie mit Instrumenten umsetzen zu lassen, sang er das, was er hörte – jedes Instrument, den Rhythmus, die Harmonien, das komplette Song-Arrangement – in einen Tape-Rekorder – oder auch ggf. auch gleich den entsprechenden Musikern vor. Auch die Tontechniker und Produzenten die im Studio an den Tracks arbeiteten, waren begeistert von seiner Genialität. 

Rob Hoffman (Toningenieur) beschreibt den Prozess so:

Eines Morgens kam Michael herein mit einem neuen Song, den er über Nacht geschrieben hatte. Wir holten einen Gitarrenspieler hinzu, und Michael sag ihm jede einzelne Note von jedem Akkord vor. ‚Dies ist der erste Akkord, erste Note, zweite Note, dritte Note. Dies ist der zweite Akkord, erste Note, zweite Note, dritte Note,’ etc. Dann wurden wir Zeuge davon, wie er die innigste und tiefempfundendste stimmliche Performance gab, live im Kontrollraum mit einem SM57 (-Mikrofon). Er sang uns das gesamte Streicherarrangement vor, jeden Teil. Steve Porcaro erzählte mir einmal, dass er beobachtet hätte, wie Jackson das mit den Streichern in dem Raum getan hat. Er hatte das alles in seinem Kopf, die Harmonien und alles. Nicht nur einfach Ideen von kleinen Achttaktern. Er sang tatsächlich das gesamte Arrangement in einen Mikrokassettenrecorder, komplett mit Pausen und Einfügungen.“

http://lacienegasmiled.tumblr.com/post/77598143356/demo-of-beat-it-composed-using-only-michael

(in diesem link gibt es auch das Beat It acapella zu hören, in dem Michael die verschiedenen „Lagen“ des Arrangements – Vocals, Harmonien, Rhythmus…- singt und beatboxt)

how i write songs

Ein interessantes Interview darüber, wie Michael Jackson arbeitete, kann man im Audio der Dangerous Deposition hören.

(Songwriter Crystal Cartier hatte Michael Jackson wegen eines angeblichen Plagiats verklagt und Michael wurde während der Aussage vor Gericht zu seinem Prozess des Song-Schreibens befragt.)

Im folgenden jetzt 2 Audios der Dangerous-Deposition, mit den Ausschnitten, in denen Michael darüber spricht, wie er Songs schreibt, wie er Songs erschafft.

(Was natürlich schwer zu beschreiben ist – und noch schwerer als schriftliche Übersetzung wiederzugeben ist – deshalb unbedingt die Audios anhören, auch weil dort viel Beatboxing und acapella Gesang von Michael enthalten ist….)

Dangerous-Deposition/Vid 1

Michael: „Normalerweise, wenn ich Songs schreibe, übertrage ich die Songs mündlich auf einen Kasettenrekorder. Bei dem Song „Streetwalker“z.B., der einen treibenden Bass („a driving Bass lick“) hat und über den ich gerade sprach, nahm ich einen Casettenrekorder und sang den Bass-Teil in den Rekorder. (…beatboxt den Streetwalker-Bass-Lick…5:03) …ich nehme diese Bass Spur und singe darüber die Akkorde der Melodie. Dadurch wird die Melodie inspiriert und all die anderen Sounds, die ich in meinem Kopf höre. Das ist die Bass-Linie – und ich benutze den Moog (Synthesizer) und eine Bass Gitarre um diesen Sound, den ich in meinem Kopf höre, zu erschaffen.

Anderes Beispiel: Billie Jean… ich fuhr im Auto, und es begann auch wieder mit der Bass-Spur. (…beatboxt Bass-Line von Billie Jean… 6:03)… und darüber hinaus höre ich die Akkorde… (beatboxt Whoo…Whoo….) und dann die Melodie…(singt: „she was more like a beautyqueen…“) … und die Lyrics, die Strings… die Akkorde… ALLES kommt in diesem Moment, wie ein Geschenk, was einfach in deinen Kopf kommt… das ist, wie ich es höre.“

Frage: Sie begannen einfach, den Text zu singen?

Michael: „Absolut… als ich sang „Billie Jean is not my Lover“… dachte ich nicht darüber nach, es kam einfach, es fiel mir plötzlich in den Schoß – und ich mochte es, ich fuhr schnell nach Hause, ich nahm mir ein Mikrophon und nahm die Sachen auf. Dann bin ich ins Studio, lies die Musiker kommen, und gab jedem seinen Teil. So wurde es erschaffen. Und es ist bei anderen Songs, die schrieb, genauso.“

Frage: Können sie Noten lesen?

Michael: „Nein, kann ich nicht. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist.“

Dangerous-Deposition/Vid 2

Michael (über „Dangerous“): „Beim ersten Teil wußte ich, ich möchte einen Sprechgesang, eine Art Rap… (spricht Text von Dangerous: „As She walked in the Room /I Knew Right Then And There / There Was Something Different About This Girl….).. das ist in etwa die Strophe, dann geht es über in den B-Teil, der zum Chorus führt. (beatboxt/ singt „I Never Knew But I Was Walking The Line / Come Go With Me / I Said I Have No Time“… 0:55) Von dem B-Teil aus baut es sich auf.. (singt…“..She’s So Dangerous / The Girl Is So Dangerous“) … das ist, wie es entstanden ist… ich höre einfach diese Akkorde, die die Melodie inpirieren.“

Frage: Welcher Teil von dem ist die Vocal-Melodie?

Michael: „Das war der B-Teil, der in den Chorus übergeht. Wenn ich „Dangerous“ singe, hört man die hohen Strings, man hört den Höhepunkt der Komposition. Das bildet den Chorus. Die Strophe ist hier (unten) und der B-Teil ist wie Treppenstufen… und wenn du zum Chorus (Refrain) kommst, ist das der Höhepunkt, wie eine Explosion.“

Frage: Nochmal, welcher Teil ist die Vocal-Melodie? Singen sie einfach nur den Teil…

Michael: (singt – 2:10)„I never knew but I was Walking the line / Come go with me / I said I have no time…. Ich habe den restlichen Text vergessen.“ (lacht)

Frage: Erinnern sie sich daran, als sie diese Lyrics im Studio gesungen haben?

Michael: „Ja, tue ich. Billy Botrell war dort, Brad Sundberg war da… und es war… es war ein lustiger Tag, also nicht wirklich lustig. Also, ich singe für gewöhnlich im Dunkeln, weil ich einfach alles fühlen möchte… ich mag auch nicht, wenn die Leute mich dabei ansehen, ausser, wenn ich auf der Bühne bin… Also, alle Lichter waren aus, und genau, als ich zu Singen anfing, fiel diese riesige Wand auf meinen Kopf. Es verursachte ein lautes Knallen – es tat weh – aber ich realisierte erst am nächsten Tag, wie sehr es weh tat- und das ist auch auf dem Band zu hören, wenn du das Demo abspielst…“ (4:19 – Demo Dangerous wird gespielt – am Anfang der Knall…)

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Auch in der Mexico-Deposition von 1993 wird Michael ausführlich gefragt, wie er seine Songs schreibt und ob es da einen bestimmten Prozess gibt. Auch wenn der Anlass unangenehm und überflüssig ist, und man es Michael gerne erspart hätte, dort zu sitzen – das was wir dadurch erfahren ist eigentlich sehr wertvoll – er beschreibt dort ausführlich wie nie, wie er einen Song kreiert –am Beispiel von The Girl Is Mine – inclusive sehr viel original Audiomaterial, welches dort bei der Deposition vorgespielt wird, damit wir es auch selbst detailliert hören können.

A Master At Work!

(Mexico Deposition: Michael wurde von Reynaud Jones und Robert Smith beschuldigt, Songs gestohlen zu haben (The Girl Is Mine, Thriller und We Are The World) Die Befragung fand am 8. und 10. November 1993 in Mexico City statt und ging über insg. 7 Stunden! Michaels Anwalt Howard Manning nimmt Michaels Aussage auf.  Am 11 Nov. 1993 gibt Michael noch ein letztes Konzert in Mexico City, zwei weitere werden abgesagt und die Dangeroustour abgebrochen.)

Mexico Deposition 2/16

(ab 1:20 – Tape „The Girl Is Mine“ läuft)

Michael (2:00): „Das bin ich, wie ich die Teile von „The Girl Is Mine“ schreibe… es erschaffe…

Frage: Unter welchen Umständen erstellten sie Ex. 4/89? (Tape von The Girl Is Mine)

Michael: „Einfach mit einem Kasettenrekorder, in dem ich Geräusche machte (beatboxt..und singt..TGIM..will gar nicht mehr aufhören.. )

Einspruch…Mr. Jackson..ich habe einen Einspruch! (Michael macht weiter…)

Michael: „Oh, so ging das, so hab ich das gemacht.“

Frage: Wie haben sie das..wie haben sie den Song von EX. 4/89 in ihre Gedanken bekommen?

Michael: „Wie ich schon zuvor sagte… Songs schaffen sich selbst… es kommt einfach aus mir heraus… es kommt von innen heraus… ich denke, ich bin die Quelle, durch die es fliesst..und sie fragten mich, wie ich es mache… und ich fing an es vorzumachen, damit sie ein Beispiel dafür haben, wie es geht und wie ich Songs erschaffe. Und wenn ich meine Musik erschaffe, dann mache ich diese Geräusche… Ich schreib ein Lied mit dem Namen „Who Is It“.

Frage: Wissen sie, wo sie waren, als das Lied TGIM in ihren Kopf kam, Mr. Jackson?

Michael: „Ich glaube, ich war im Haus in Encino, oder in einer anderen Wohnung, weil wir gerade das Haus in Encino renovierten, und in einer kleineren Wohnung waren.

F: Lassen sie mich noch etwas spielen für sie..von Ex 4/89, und dann irgendwo anhalten, und ihnen ein paar mehr Fragen zu stellen.

(Band von The Girl Is Mine spielt..Michael macht mit..)

Frage: Möchten sie uns vorführen, was sie auf diesem Band machen?

Michael: „Ja..“(singt The Girl Is Mine… und beatboxt) (ab 4:30)

Frage: Wenn sie diese Geräusche mit ihrem Mund machen, wofür ist das?

Michael: „Diese Geräusche sind die Rhythmen, die ich mache. Ich schrieb einen Song für das Dangerous-Album, „Who Is It“ , und was ich mache ist, dass ich einen Kasettenrekorder nehme und die Geräusche aufnehme, wie ich sie in meinem Kopf höre. Ich höre den Bass, ich höre die Percussion…und ich höre die Trommel… und „Who Is It“ geht so..(beatboxt Who Is It) Ich nehme also den Rekorder und mache darauf genau das, was ich in meinem Kopf höre…und so mache ich das…

Frage: Können sie uns vormachen, wie sie die Rhythmusgeräusche bei TGIM machen?

Michael: „Sicher…(macht The Girl Is Mine..singt…) Sorry, aber meine Stimme… ich bin wirklich heiser, ich hatte letzte Nacht ein Konzert…und meine Kehle ist…

Frage: Zum Tape, sie singen dort ein paar Lyrics aber nicht alle… Warum?

Michael: „Weil bestimmte Worte zu einer bestimmten Zeit in deinen Sinn kommen, mit dem Gefühl für die Melodie…bestimmte Worte kommen mit der Melodie…zu gleichen Zeit, wenn sie erschaffen wird, wissen sie. Heal The World, (singt) Make it A better Place..…. Ich habe nicht darüber nach gedacht, es kam einfach so, es kam mit der Melodie…Heal The World..ich dachte einfach wow, das ist schön…Heal The World, let’s heal our Planet..

(Tape wird weiter abgespielt)

Frage: Was machen sie da gerade, bei The Girl Is Mine?

Michael: „Ich mache…ich imitierte einen Moog-Bass… wenn sie den Bass am Keyboard spielen, dann gibt es da diesen kleinen… sowas wie einen Hebel…und das geht whuhuhu..das Geräusch ist so, wie dieses…(„whuhuhu“ …macht das Geräusch vor…) so wie das.

Frage: Danke! (das Band spielt weiter) Da singen sie ein paar hohe Noten..Was singen sie genau an dieser Stelle?

Michael: „Ich singe was ich über dem Chorus höre, den Teil der Saiteninstrumente…dadadada..(singt..) Diesen Teil des Liedes habe ich nie benutzt…“

Frage: Warum nicht?

Michael: „Weil es sich in eine andere Richtung entwickelte und wenn ich dem jetzt zuhöre, kann ich ihnen sagen, in welche Richtung es ging. Es ging (singt die Melodie vor..)..in die Richtung entwickelte es sich…ich habe das hier seitdem nicht mehr gehört…(Band spielt weiter) Hören sie das?

Frage: Welchen Teil sangen sie gerade, bevor das Band anhielt?

Michael: „Counter Lines…musikalische Counter Lines, die gehen entgegen dem Hauptteil, es kann ein Keyboard, eine Flöte oder ein Streicherarrangement sein, es ist wie ein Klangteppich. So ist das Gesetz der Musik.“

Mexico Deposition 3/16

Frage: Was ist da genau für ein Instrument? (ab 0:50)

Michael: „Das ist ein Piano..dadamm“

Frage: Wir spielen noch mehr von Ex 4/89, Mr. Jackson, wenn sie bitte auf meine Fragen warten.. (Band spielt weiter) Was machen sie hier?

Michael: „Saiteninstrumente..(singt die Saiteninstrumente vor..) das ist der Teil, der sich über eine Strophe legt, so wie eine zweite Strophe… was den Song zum Höhepunkt führt, ihn aufbaut.“

Frage: Denken sie an ein bestimmtes Instrument, bei diesem Geräusch?

Michael: „Ja, Strings…”

Frage: Was machen sie jetzt?

Michael: „Nach dem ich die Melodie entwickelt habe, füge ich die verschiedenen Sounds hinzu, die mit der Melodie zusammengehen sollen – das, was jedes Instrument machen soll… um den Song zu entwickeln.“

Frage: Was machen sie hier? (ab 3:30)

Michael: „Das ist ein Teil für Waldhörner, den ich aber nie verwendet habe (singt den Teil vor…) ich sagte, dass könnten “weiche” Hörner sein..

(auf dem Band kommt Michaels Stimme..er sagt, “wenn du den Song schreibst, lass ihn sich selbst erschaffen.”) Das ist mein Gesetz…“

(bei 5:20 kommt noch mal der Text von Band.)

Michael: “..wenn du den Song schreibst, schreibe nichts, lass den Song sich selbst entwickeln… lass die Strings dir sagen, was zu tun ist… lass das Piano dir sagen, welche Akkorde kommen sollen, lass den Bass dir sagen, was er tun soll, alles… lass es sich von selbst entwickeln…lass ihn tun, was er will, zwinge den Song nicht irgendwohin…”

Frage: Was meinen sie mit dem, was sie auf dem Band beschreiben?

Michael: „Was ich sagen will ist, ein Song erschafft sich selbst…ich bin nur die Quelle, durch die es fliesst, es erschafft sich völlig von selbst. Wenn ein Song zu mir kommt, dann höre ich die Strangs, den Bass, die Drums… es kommt alles zusammen, wie ein Paket, es ist, wie ein Blatt aufzufangen, was von einem Baum fällt, die spirituellste und schönste Sache, die überhaupt passieren kann, manchmal falle ich auf die Knie und bete zu Gott aus Dankbarkeit dafür, dass es mir passiert, dass der Song zu mir kommt. Und das ist, was ich sage…lass es sich von selbst entwickeln…“

(Band läuft weiter..)

Frage: Was sagen sie an der Stelle?

Michael: „Das ist ein harmonischer Teil (singt bisschen vor..) was ich da versuche ist… was ich in meinem Kopf höre, ist die Counterline… beim Songschreiben sollte man von den Strophen zum Refrain (chorus) kommen…und wenn der Refrain dann kommt, sollte er wie eine Blume sein, die vor deinem Angesicht erblüht. Um das zu erreichen, muss man weitere Sounds hinzufügen, um es frisch und wundervoll zu machen.“

Frage: Was ist die Bridge in einem Song?

Michael: (singt ..I Love you more than he...)

Frage: …ich wollte es mehr allgemein wissen..was ist eine Bridge?

Michael:„Was eine Bridge ist? Eine Bridge ist dafür da, dich von A nach B zu bringen, sie bringt dich von den Strophen zu einem anderen Teil. Es ist Eskapismus, davon, immer das gleiche triviale, normale zu hören, was man die ganze Zeit hört – denn die Ohren ermüden davon, immer die gleichen Sounds zu hören – und was die Bridge macht ist, dich von all dem weg zu führen, und wenn man aber schließlich zu dem zurückkehrt, was man zuvor machte, dann ist es kräftiger, viel kräftiger..es hat einen viel stärkeren Effekt.“

Frage: Hat The Girl Is Mine eine Bridge?

Michael: „Ja, hat es… (singt: I love you more than he…) So in der Art.“

Auch im nächsten Teil der Mexico Deposition geht es noch mit “The Girl Is Mine” weiter:

(…wer möchte, kann noch weiter zuhören)

https://www.youtube.com/watch?v=dsSFu5V4Pu0

Michael: “Ich kreiere…entdecke, sollte ich sagen… ich versuche zu entwickeln, zu entdecken, was da ist. Ich versuche herauszufinden, in welche Richtung der Song gehen will…es ist die Bridge, die Bridge von dem Song… es ändert sich. Bei einem Lied, was ich vor kurzem schrieb, “Stranger In Moscow”, wollte ich das gleiche machen, ich wollte es in das Mikrophon sprechen… das was man in seinem Kopf hört und das ist manchmal sehr schwer, weil man hat nur eine Stimme, doch man hört 4 Akkorde…es ist also sehr schwierig, das zu tun, man versucht es so gut wie möglich zu machen.”

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Und auch im Ebony Interview von 2007 spricht Michael über den kreativen Prozess:

Michael: “Ich schreibe ständig. Wenn du weißt, es ist richtig, dann spürst du manchmal, wie etwas kommt, wie etwas heranreift, beinahe wie eine Schwangerschaft oder so etwas. Es bewegt dich, und du fühlst etwas erblühen, und die Magie, sie ist da! Es ist die Eruption von etwas, das so schön ist, dass du denkst: WOW! Da ist es. So funktioniert es, durch dich. Es ist wunderschön. Es ist ein Universum, in das du eintauchen kannst, mit diesen zwölf Noten. [Er hört nun eine frühe Aufzeichnung von Billie Jean auf einem iPhone]


Was ich mache, wenn ich schreibe, ist, dass ich eine knappe, raue Version mache, nur um den Refrain zu hören, nur um zu sehen, ob mir der Refrain gefällt. Wenn es so für mich stimmt, so spartanisch, dann weiß ich, es wird funktionieren … Hör dir das an, das ist zu Hause. Janet, Randy, ich … Janet und ich machen “Whoo, Whoo…Whoo, Whoo…” Ich mache das, den gleichen Vorgang, mit jedem Song. Es ist die Melodie, die Melodie ist das Wichtigste. Wenn die Melodie mich fesselt, wenn mir dieses Ungeschliffene gefällt, dann mache ich den nächsten Schritt. Wenn es in meinem Kopf gut klingt, ist es meist auch gut, wenn ich es mache. Die Idee ist, das, was in deinem Kopf ist, auf ein Tonband zu übertragen.
Nimm einen Song wie Billie Jean, wo die Bassline der markante, dominante Teil ist, wo der wichtigste Protagonist des Songs das treibende Riff ist, das du hörst – den Charakter dieses Riffs genau so hinzukriegen, wie du es haben willst, braucht viel Zeit. Hör zu, man hört dort vier Bässe, die vier unterschiedliche Persönlichkeiten haben, und das ist es, was ihm den Charakter gibt. Aber es bedeutet viel Arbeit.

Das ganze Ebony-Interview incl. Audio: http://all4michael.com/2012/12/03/ebony-interview-2007-michael-jackson-in-seinen-eigenen-worten/

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★ ★ ★

How I Make Music

People ask me how I make music. I tell them I just step into it.

It’s like stepping into a river and joining the flow.

Every moment in the river has its song. So I stay in the moment and listen.

What I hear is never the same.

A walk through the woods brings a light, crackling song:

Leaves rustle in the wind, birds chatter and squirrels scold, twigs crunch underfoot, and the beat of my heart holds it all together.

When you join the flow, the music is inside and outside, and both are the same.

As long as I can listen to the moment, I’ll always have music.

- Michael Jackson, Dancing the Dream

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Wie ich Musik mache

Die Leute fragen mich, wie ich Musik mache. Ich antworte ihnen, ich begebe mich einfach in sie hinein.

Es ist, als ob du dich in einen Fluss begibst, und mit der Strömung mitgehst.

Jeder Augenblick im Fluss hat seinen Song. Ich verweile im Augenblick und höre zu.

Was ich höre, ist nie das selbe.

Ein Spaziergang durch den Wald, bringt einen leichten, knisternden Song:

Die Blätter rascheln im Wind, Vögel zwitschern und Eichhörnchen zetern, unter den Füssen knacken Zweige, und mein Herzschlag hält all das zusammen.

Wenn du dich dem Fluss hingibst, ist die Musik innen und aussen und beides wird zu ein und demselben.

Solange ich dem Augenblick zu hören kann, werde ich immer Musik haben.

★ ★ ★

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Übersetzungen: Pearl, Ilke, M.v.d.L

Nur ein anderer Teil von mir

by

Brad Sundberg and Captain EO: („Just Another Part of Me“)
Post vom 27/02/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: Diese Woche bin ich begeistert, vier Personen begrüßen zu dürfen, die gemeinsam mit mir die faszinierende Untersuchung der Werke von Michael Jackson vornehmen, darüber nachdenken und schreiben. Lisha McDuff ist Berufsmusikerin und Musikwissenschaftlerin, deren Hochschulabschlussarbeit sich auf Black or White konzentriert. Sylvia J. Martin ist Gastassistenzprofessorin der Anthropologie, die zahlreiche Artikel über Michael Jacksons kulturelle Funktion geschrieben hat, sowohl in den Vereinigten Staaten, als auch weltweit. Mehrere ihrer Artikel können in unserem Reading Room aufgerufen werden. Eleanor Bowman ist Umweltschützerin mit einem Master-Abschluss in Theologie, und sie arbeitet derzeit an einem Buch darüber, wie Michael Jacksons Kunst uns zu einer neuen Beziehung zur Natur bewegen kann. Und Veronica Bassil ist promovierte Literaturwissenschaftlerin für englische und amerikanische Literatur und hat zwei Bücher über Michael Jackson geschrieben: Thinking Twice about Billie Jean und Michael Jacksons Love for Planet Earth. Ich danke euch allen sehr, dass ihr hier seid!

Ihr habt also alle kürzlich an Brad Sundbergs Seminar in Orlando teilgenommen. Lisha und ich sprachen in einem Post vor einigen Wochen mit Brad, als er sich gerade darauf vorbereitete, und es hörte sich wunderbar an! Ich bin so neugierig alles darüber zu hören.

Sylvia: Das Seminar war fantastisch. Es war auch großartig, dass wir uns untereinander und alle anderen Teilnehmer getroffen haben.

Lisha: Oh, ich stimme zu. Was für ein Vergnügen war es euch, Brad, Matt und all die anderen Seminarteilnehmer zu treffen. Es war ein unglaubliches Wochenende.

Eleanor: Ja, es war wirklich wundervoll. Ich wünschte, jeder der Dancing-with-the-Elephant-Familie hätte dort sein können! Schon allein Veronica und Lisha und Sylvia zu treffen und persönlich mit ihnen über Michael zu sprechen wäre mir schon genug gewesen, aber dann haben wir noch all die anderen MJ Fans getroffen und ihre Geschichten gehört – und damit nicht genug durften wir Brad und Matt aus nächster Nähe und all ihre persönlichen Erfahrungen mit MJ hören. Nun, es war fast zu viel für mich, das alles zu begreifen.

Veronica: Ja, ich habe viel gelernt, und es war großartig mit jedem von euch unsere Liebe für Michael und seine Arbeit zu teilen. Und es war ganz besonders großartig, die Poster von Dancing with the Elephant – Lisha, Eleanor und Sylvia – zu treffen.

Sylvia: Es war faszinierend, dass wir die isolierten Tracks von Michael der abgestimmten Harmonien für Liberian Girl hören durften.

Lisha: War das nicht außergewöhnlich? Brad spielte die Background Vocals für Liberian Girl ab und dann isolierte er die einzelnen Spuren, so dass wir jeden Part separat hören konnten, so wie Michael Jackson die vierteilige Harmonie gesungen hat: Sopran, Alt, Tenor und Bass. Es demonstrierte wirklich sein erstaunliches stimmliches Talent, seine große Stimmbreite und seine beeindruckende Beherrschung von Musiktheorie und –harmonie. Jede Note musste äußerst sorgfältig getroffen werden, um diese engen und dichten Harmonien zu erzeugen.

Brad und Matt berichteten darüber, wie Michael Jackson all diese Parts vollständig im Kopf ausgearbeitet hat, etwas, was mich wirklich erstaunt. Sie waren ebenfalls hin und weg von Michael Jacksons Beherrschung der Songkonstruktion und staunten darüber, wie er jede Zeile jedes einzelnen Parts in seiner Gesamtheit singen konnte, während er genau wusste, wie jeder einzelne Part zu jedem anderen Element des Songs passen sollte.

Ich erinnere mich, dass Brad in Toronto ebenfalls über Michael Jacksons Background Vocals gesprochen hat. Er sagte, jede Zeile einer vierteiligen Harmonie wie diese wurde typischerweise verdoppelt oder vierfach gestapelt. Das bedeutet, eine vierteilige Background-Stimme nahm insgesamt 16 Bandspuren (Tracks) oder 16 Stimmparts ein. Es ist, als würde man einen kleinen Chor nur mit Michael-Jackson-Stimmen hören.

Veronica: Ja, das war wirklich fantastisch, und du hast es schön gesagt: „ein kleiner Chor“, bei dem nur MJ all diese verschiedenen Harmonien singt! Matt hat ebenfalls Michaels erstaunliche Fähigkeit betont, genau zu wissen, wo all diese Klänge in der musikalischen Gestaltung hingehören – die Harmonien, die Melodie, die Musik, die Ad Libs – er wusste exakt, wie sich alles in einer Stereoaufnahme zusammenfügen würde. Ich bin so froh, jene außergewöhnlichen Harmonien von Liberian Girl gehört zu haben.

Eleanor: Und wir haben es aus den Lautsprechern gehört, die sie aus den Westlake Studios mitgebracht haben! Es war, als würde man Michael Jackson zum allerersten Mal hören. Ich war einfach nur überwältigt.

Lisha: Ich habe nur gedacht, was für einen satten, veredelten Klang diese Lautsprecher haben – absolut großartig. Brad sagte, dies wären exakt die Lautsprecher, aus denen Michael Jackson damals die Wiedergabe gehört habe. Ich war begeistert, hören zu können, wie das geklungen hat.

Sylvia: Das Wochenende ist ganz besonders gestaltet worden dadurch, dass wir am nächsten Tag mit Brad und Matt das Epcot Center besucht und von Matt eine Führung hinter die Kulissen von Captain EO genossen haben.

Eleanor: Ich muss zugeben, dass Captain EO im Epcot Center zu sehen ein Spitzenerlebnis für mich war. Und dazu durfte ich es vom Sitzplatz direkt rechts neben Matt Forger erleben! Was für ein Privileg. Brad hatte das gesamte Kino für uns reserviert und ich sah mich nach einem Sitzplatz um, als Matt mich zu sich herüberwinkte, um neben ihm Platz zu nehmen. Ich denke, es war der beste Platz im ganzen Haus für den besten Klang und die beste 3D-Erfahrung. Eigentlich war es 4D – die Sitze bewegten sich und stießen sich ab während der Bewegungen des Raumschiffs. Es war fantastisch.

Lisha: Ich bin auch total auf Captain EO abgefahren, aus so vielen Gründen. Erst einmal denke ich, dass die Handlung brillant ist. Es ist die Reise des Helden – eine epische Erzählung des Guten gegen das Böse, das die Kraft der Klänge und der Musik als Transportmittel für die Transformation des Bewusstseins nutzt. In der Obhut von Michael Jackson ist diese epische Erzählung klug als 17-minütige Disney-Attraktion getarnt.

Veronica: Ja Lisha, das ist eine exzellente Feststellung. Und die Songs We Are Here to Change the World und Another Part of Me, ebenso wie die Handlung der Transformation eines gefühllosen, mechanisierten Planeten in eine strahlende, idyllische Welt, betonen die Veränderung zu globaler Harmonie.

Eleanor: Ja, ich liebe die Handlung und die Art, wie sie mit all den Spezialeffekten realisiert wird. Eigentlich war ich so auf Michael in 3D fokussiert, dass ich mich kaum auf die Story konzentrieren konnte. Nachdem ich nun Captain EO erlebt habe, denke ich, Michael hätte alle seine Short Films und Konzertvideos in 3D erstellen sollen. Und auch wenn Michael die Geschichte nicht selbst geschrieben hat (ich habe gefragt), wissen wir doch, dass er niemals einen Song gesungen hat, an den er nicht geglaubt hat, also bin ich sicher, Captain EO repräsentiert Michaels Vision eines von Missständen geplagten Planeten und wie dies wieder in Ordnung gebracht wird.

Also, für mich und meine umweltbezogenen Interessen war alles an Captain EO absolut faszinierend. Es scheint so sehr zu offenbaren, wer Michael Jackson war und ist, seine Rolle als Veränderer, seine Sorge um den Planeten Erde – auch wenn es vermutlich in einer weit entfernten Galaxie spielt. Der Film zeigt einen Planeten, der zur Einöde geworden ist, wie Veronica sagt, gefühllos und mechanisiert – eine Vision unserer eigenen Zukunft? Unserer Gegenwart? Aber Michael sieht seine tieferliegende Schönheit und durch seine Liebe, sein tiefes Gefühl der Verbundenheit, das sich im Song Another Part of Me ausdrückt und durch Blitze aus seinen Fingerspitzen gesendet wird („sending out a message to you“), verwandelt sich die Oberste Führerin (Supreme Leader) von einem Monster in eine schöne Frau und ihr sterbender Planet in eine Welt angefüllt mit Leben.

Wie Lisha sagt ist es eine epische Erzählung über die Wandlung des Bewusstseins, eine Wandlung, die wir verzweifelt brauchen, eine Wandlung, von der ich glaube, dass Michael sie durch seine Kunst hervorbringt. Von mir persönlich zu sprechen kann ich die Tatsache bestätigen, dass er mein Bewusstsein ganz sicher verändert hat.

Lisha: Ich denke, das ist eine wundervolle Interpretation, Eleanor – es ergibt wirklich Sinn im ganzen Zusammenhang mit seinem Gesamtwerk.

Sylvia: Ich schätze die Wandlung der Umwelt, aber ich mag die Charakterisierung der Obersten Führerin gar nicht. Die bildliche Darstellung bei Disney und im Märchen dahingehend, dass „hässlich“ gleichbedeutend mit „böse“ ist und „schön“ mit „gut“ gleichgesetzt wird, erwartet man zwar, lässt mich aber trotzdem mit den Augen rollen. Warum muss ihre angenommene innere Schönheit äußerlich sichtbar gemacht werden? Wer hat etwas davon und warum? Noch einmal, eine starke und mit Makeln behaftete Frau muss neutralisiert werden, nach ihrer Verwandlung ist sie still, passiv und nett anzusehen.

Veronica: Danke für deinen Kommentar zur Obersten Führerin, Sylvia. Ich habe einige Posts von Leuten gelesen, die den Film als kleine Kinder gesehen hatten, und sie sprachen darüber, wie unheimlich es für sie war – und die Darstellung der Obersten Führerin gehörte auch dazu. Tatsächlich kann man behaupten, dass sie eine Art Medusa ist mit Metallspiralen statt Schlangen in ihrem Haar.

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Ich stimme zu, dass EO die Hauptrolle und der hauptsächliche Held ist und die Oberste Führerin (Anjelica Huston) am Schluss als passive Schönheit gezeichnet wird, still winkend, während sie auf den Schultern ihres Gefolges sitzt. Andererseits ist ihre ursprüngliche Absicht definitiv feindselig – sie will ihre Gefangenen in „Mülleimer“ verwandeln und verspricht EO „100 Jahre Qualen“ in ihrem „tiefsten Kerker“ – also muss er dem Widerstand leisten oder die Story wäre zu Ende.

Eleanor: Ich verstehe, dass, wenn du die Oberste Führerin als Symbol für das Weibliche verstehst, der Film sexistisch und beleidigend ist. Wenn du aber die Oberste Führerin als Symbol für die Natur betrachtest, wie ich es tue – was auch Sinn macht, da die Natur traditionsgemäß als feminin charakterisiert wird und die Oberste Führerin eindeutig als eine Fortsetzung ihrer planetarischen Welt zu sehen ist, ebenso wie diese es umgekehrt von ihr ist – dann ist die Geschichte inspirierend. Und EO’s Einsatz des Begriffs Schönheit erinnert mich an das Schlagwort „Black is Beautiful“ (Schwarz ist schön), bei dem Schönheit als ein Begriff benutzt wird, der Wertigkeit und Wertschätzung ausdrückt, nicht physische Attraktivität. Und vielleicht ist das jetzt weit hergeholt, aber der Einsatz von 3D könnte ein Hinweis darauf sein, dass wir tiefer sehen sollen – dass die Geschichte, wie die meisten Dinge, auf verschiedenen Ebenen gedeutet werden kann. Das Medium ist die Botschaft.

Dies ist die Art und Weise, auf die ich EO verstehe: Indem er der Obersten Führerin sagt, er sehe ihre Schönheit, sagt EO uns, dass „Schönheit im Auge des Betrachters liegt“ und dass traditionelle westliche Sichtweisen gegenüber der Natur – nämlich dass die Natur als etwas betrachtet wird, das unter Kontrolle gehalten werden muss, dass Materie und die materielle Welt als inaktiv gesehen wird, als tot, mechanisch, wertlos (hässlich) – kulturelle Konstrukte sind, die geändert werden können und müssen. Wenn wir unsere Wahrnehmung der Natur ändern, wenn wir ihren Wert erkennen und verstehen, dass wir „nur ein weiterer Teil von ihr“ („Just another part of it“) sind, dann werden wir auch die Art ändern, wie wir mit ihr umgehen. Wer hat etwas davon? Wir alle.

Veronica: Eleanor, ich mag deine Sichtweise auf die Oberste Führerin als eine Reflexion ihrer planetarischen Welt und, wenn EO einen Kommentar abgibt über „jemand so schön wie du“, dass er den wesensimmanenten Wert und die Wertschätzung der natürlichen Welt, die „ein weiterer – aber nicht gefährlicher (not dangerous) Teil – von uns ist, sieht. Ich mag auch deinen Bezug auf die eindrucksvolle Botschaft der 60er: „Black is Beautiful“. EO sagt der Führerin, ihr würde „ein Schlüssel fehlen, um ihre Schönheit freizusetzen“ und dieser Schlüssel (die Musik) ist sein Geschenk, der den Planeten wie auch die Führerin und ihre Gefolgsleute verändert. Ich habe sie mit Medusa verglichen, und es ist interessant, dass, als Medusa von dem Helden Perseus besiegt wird, das geflügelte Pferd Pegasus geboren wird. Pegasus ist ein Symbol der Vorstellungskraft und der Kreativität und steht für die Befreiung von einschränkenden gedanklichen Konstrukten, die unsere Fähigkeit die Welt und einander zu sehen, verzerren.

MJ singt, dass die Planeten sich in einer Reihe formieren und „auf euch warten“ – auf uns warten, damit wir uns einreihen und nicht länger isoliert sind. Die metallenen Spiralen und Kabel blockieren die Führerin, so dass sie über dem Boden außer Kraft gesetzt und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, verglichen mit den Schlussszenen, in denen sie auf dem Boden geht und sich der Gemeinschaft anschließt, die durch den Tanz und durch die Musik gebildet wird. Die Kraft der Musik (formal dargestellt durch MJ’s „Lichtblitze“) verändert die Krieger in Tänzer, die seinem Takt folgen und MJ’s Tanz ist Teil dieser transformierenden kreativen Energie.

Sylvia: Auch, nachdem der männliche Held im Grunde die weibliche Protagonistin (vor sich selbst) „gerettet“ hat, ist da kein Hinweis auf eine Paarbildung romantischer Art. Schließlich ist dies ein Disney Film, und ein gemischtrassisches Paar stand wahrscheinlich nicht auf ihrem Plan. Eigentlich habe ich immer wahrgenommen, wie EO, direkt nachdem er ihre Hand geküsst hat, sich direkt vor sie stellt, sein Gesicht vollständig mit seinem eigenen verdunkelt und dem Publikum, das der Endempfänger seiner Freude ist, ein breites Grinsen schenkt. Es geht nur um EO!

Eleanor: Ja, es gibt keinen Hinweis auf eine romantische Paarung, aber ich habe auch nicht geglaubt, dass dies eine Romanze sein sollte. Dies ist eine symbolische Darstellung des Zusammenwirkens von Menschsein und Natur, wobei das Menschsein, wie üblich, als männlich charakterisiert wird und die Natur, wie üblich, durch das Weibliche repräsentiert wird. Aber bei EO ist das Symbol für Menschlichkeit außerdem schwarz, was nicht traditionell ist. Da der Standard für menschliche Vollkommenheit in unserer Gesellschaft normalerweise weiß und männlich ist, ist die Tatsache, dass EO schwarz ist, geradezu revolutionär. Als eine nichttraditionelle Darstellung des Menschlichen ist EO nicht an traditionelle Wahrnehmungen gebunden. Er kann eine neue Beziehung, eine nicht-ausbeuterische Beziehung zur Natur etablieren. Wie MJ ist EO ein schwarzer Repräsentant für Veränderung in einer weiß geprägten Gesellschaft. Ich habe die Tatsache bemerkt, dass MJ Anjelica am Schluss in den Hintergrund drängt, denn im Grund genommen geht es für die Fans nur um MJ.

Lisha: Ich muss dir darin zustimmen, Eleanor, dass EO uns mitnimmt in eine symbolische, mythische Umgebung. Ich mag den Gedanken, dass die Oberste Führerin als Symbol für Mutter Natur persönlich gesehen werden kann, besonders da sie so aufgewühlt ist in diesem Moment und ihre schrecklichen, zerstörerischen Kräfte gegen ihre Bewohner, die den Planeten so gedankenlos angreifen und zerstören, entfesselt. Persönlich habe ich kein Problem damit, diese wie auch immer mystifizierte Kraft als einzig weiblich darzustellen. Die Kräfte der Natur gehören, wenn man es so mythisch ausdrücken will, in den Bereich des Weiblichen.

Aber ich muss sagen, Sylvias Ansicht ist ebenfalls angebracht. Diese Geschichte kann den bildlichen Ausdruck der bösen Königin in Märchen wie Disneys Schneewittchen verstärken, was aus feministischer Sicht hochgradig problematisch ist – „augenrollend“ wie du sagst, Sylvia. Ich kann mir noch einige andere problembehaftete Lesarten der Geschichte vorstellen, in der Hinsicht, dass eine Gruppe von Menschen in das Gebiet einer anderen eingreift und erobert, um ihnen dann ihre Ansichten und Ideale aufzuerlegen.
Aber in meinen Augen stellt die eher symbolische Lesart die zufriedenstellendste aller Interpretationen bereit. Eine weitere Art und Weise der Deutung liegt darin, es aus der jungianischen Sicht zu betrachten, ein System, an dem Michael Jackson selbst sehr interessiert war. Die Oberste Führerin könnte aus dieser Perspektive als eine Repräsentation der eigenen psychologischen Projektionen von Captain EO gesehen werden. In diesem Szenario ist die Reise des Helden eine Metapher für einen Kampf, der innerhalb der menschlichen Psyche ausgefochten wird.

Gemäß Carl Jung sind die dunklen, schattenreichen, unbewussten Teile der männlichen Psyche als die „Anima“ oder das „Innere Weibliche“ bekannt. (In der Psychologie des Weiblichen ist dies der Animus oder das „Innere Männliche“ – denkt an Beauty and the Beast). Die Anima sind die hässlichen, unerwünschten, nicht eingeforderten Aspekte des Selbst, die entdeckt und bekämpft werden müssen, so dass das ganze, erleuchtete Selbst daraus hervortreten kann. Da sich nur sehr wenige von uns ihrer eigenen negativen Neigungen bewusst sind, müssen die wirklich abstoßenden, ungeheuerlichen, verleugneten Teile unseres Selbst auf Andere projiziert werden. Mythen und Märchen sind ein eindrucksvoller Weg, um zum Unbewussten zu sprechen – dem beängstigenden, unbekannten Gebiet, auf dem wir Kämpfe mit den Mächten des Bösen ausfechten. Gemäß dem Märchen des Captain EO ist die Musik ein Vehikel für dieses innere Bewusstsein und dessen Umgestaltung.

Sylvia, ich denke, du hast einen unglaublich wichtigen Moment am Ende des Films genannt, als sich Captain EO vor der Obersten Führerin verbeugt, ihre Hand küsst und sich dann umdreht, um wieder in die Kamera zu blicken und seine Freude darüber auszudrücken, dass das Licht der Dämmerung aufgegangen ist und die Kräfte der Dunkelheit vertrieben worden sind. Die Oberste Führerin hat nun ihre wahre Form von Güte, Wahrheit und Schönheit erlangt. Wenn du ganz genau hinsiehst, wenn Captain EO sich zur Kamera umdreht, dann erkennst du, dass die Oberste Führerin nicht vollständig hinter ihm verschwindet. Sie ist ziemlich groß, sogar größer als Captain EO. (Im Kino könnt ihr dies besonders gut sehen.) Einen kurzen Moment lang scheinen sie zu einer Einheit zu verschmelzen, in der das Maskuline und das Feminine eins werden – das Bewusste und das Unbewusste – wovon oft als von der Erleuchtung oder der Bewusstwerdung gesprochen wird.

Willa: Oh, ich mag diese Deutung von dir, Lisha!

Lisha: In jungianischen Begriffen ist dies als die aufgeweckte Anima-Projektion bekannt. Kein Zweifel, dass ich hier auch durch die Musik beeinflusst werde – dies ist außerdem der Einsatzbeginn für Another Part of Me. Die Geschichte beinhaltet ebenso viele andere mythische Elemente, wie etwa Captain EO’s kleine Helfer, die den Helden auf seiner Reise unterstützen.

Veronica: Ja, und ich möchte EO’s Helfer gerne erwähnen: Hooter, der Elefant, Idey und Odey, der behaarte zweiköpfige Navigator, und Fuzzball, der fliegende Affe mit Schmetterlingsflügeln, der EO vor bedrohlichen Kämpfern rettet, indem er ihre Peitschen zusammenbindet. Diese Wesen sind sprechende, tierische Begleiter und lustige Dummköpfe, besonders Hooter, sie geben dem Film Leichtigkeit und zeigen EO absichtlich als nicht heldenhaft. Tatsächlich erfahren wir zu Beginn des Films, dass er und seine Mannschaft aus der Flotte ausgebootet werden sollen. Hooter und Idey und Odey und auch der Roboter Major Domo wurden von wirklichen Menschen in Kostümen dargestellt, Fuzzball dagegen war eine Puppe. Fuzzball und Hooter machten einen großen Teil des Lizenzgeschäftes für EO aus.

Lisha: Von der mythischen Warte aus betrachtet ist es so, dass diese Helfer auf magische Art gerade dann erscheinen, wenn der Held verloren scheint. Aus dem Nichts stellen sie ein wenig Unterstützung bereit, die buchstäblich die Rettung ist, wie etwa, wenn Fuzzball die Peitschen zusammenbindet. Es endet schließlich so, dass er Captain EO in genau dem Moment befreit, in dem er in der Falle und zum Scheitern verurteilt zu sein scheint.

Es war so wunderbar, die 3D-Effekte auf der großen Leinwand zu erleben und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der kleine Fuzzball etwas in Captain EO’s Ohr flüstert oder wie er geradewegs aus der Leinwand heraus direkt auf den Zuschauer zufliegt, als wollte er eine persönliche Verbindung herstellen. Es gibt da viele kleine Details, die man nicht bemerkt, wenn man den Film nicht in einem Kino sieht, das eigens dafür ausgerichtet ist.

Eleanor: Captain EO in Epcot war das erste Mal überhaupt, dass ich den Film je gesehen habe. Ich wollte, dass meine erste Erfahrung atemberaubend sein würde, und so war es. Ich bin Brad und Matt so dankbar, dass sie dies möglich gemacht haben und dass wir diese Erfahrung miteinander machen durften. Ich habe gehört, dass Disney plant, Captain EO nicht weiter zu zeigen, was mich sehr traurig macht.

Veronica: Absolut Eleanor, Captain EO in der Form zu sehen, wie es beabsichtigt war – in 4D – war auch für mich ein Spitzenerlebnis. Ich muss sagen, Captain EO hat mich umgehauen. Ich sah es insgesamt drei Mal, und seine exzellenten 3D- und 4D-Effekte lassen einen erahnen, warum dieser Film, entstanden 1986, heute immer noch so fesselnd und aufregend ist. Nicht nur, dass die Sitze ruckeln, sondern da waren auch Luftzüge rund um meine Beine, um das Gefühl der Peitschen, die Michael bedrohten, zu simulieren. Die 3D-Effekte ließen es so wirken, als würden EO’s Raumschiff und sein kleiner Begleiter Fuzzball direkt vor unseren Sitzen in der Luft stehen.

Michael als Captain EO in 3D zu sehen ist natürlich wunderbar, und es war herzerwärmend, zu erkennen, dass eine so große Menge von Menschen, bestehend aus allen Altersgruppen diesen Film genossen hat, so wie wir ihn gesehen haben, während wir draußen saßen und uns mit Matt unterhielten. Matt erzählte uns, dass Captain EO damals in der Anfangszeit die führende Attraktion war und dass es sehr lange Warteschlangen gab.

Willa: Das kann ich bezeugen – ich stand in diesen Warteschlangen in den 80ern.

Lisha: Das ist so cool, Willa!

Veronica: Der Song Another Part of Me wurde später für das Bad Album erweitert und 1987 veröffentlicht. Matt erzählte, dass dieser Song während der Bad Tour die Menschenmengen geradezu ausflippen ließ. Er wurde während des Seminars gefragt, warum er statt Streetwalker ausgesucht wurde und spekulierte, dass dies wohl dazu beigetragen hätte an Captain EO anzuknüpfen, aber es war wohl doch wahrscheinlicher, dass Streetwalker im Klang und vom Thema her zu viel Ähnlichkeit mit The Way You Make Me Feel hatte.

Lisha: Ja, ich erinnere mich daran, dass einer der Seminarteilnehmer bemerkte, dass Streetwalker ein ähnliches Thema wie The Way You Make Me Feel habe, und dass Another Part of Me deshalb generell eine bessere Wahl für das Album gewesen sei. Wir bekamen einige frühe Demos, ebenso wie einige spätere Überarbeitungen von Streetwalker zu hören, von denen ich denke, dass sie fabelhaft waren. Ich würde gerne mehr darüber erfahren, wie Michaels Gefühl dazu war, wie der Song ins Bad Album passen würde.
Ich möchte sagen, es war ziemlich faszinierend Matt und Brad darüber reden zu hören, was für ein Publikumsliebling Another Part of Me bei Live-Auftritten war. Es war ja nicht so, dass Michael Jackson bei seinen Konzerten knapp an Material für Publikumsrenner war! Ich war also überrascht zu erfahren, dass Another Part of Me in Bezug auf die Publikumsreaktionen so sehr herausstach.

Veronica: Joe Vogel beschreibt Another Part of Me als „benommenen synth-gesteuerten Groove über die kosmische Kraft der Musik, die zu globalem Frieden und Harmonie führen soll“. Es wird außerdem verbunden mit der Harmonischen Konvergenz der Planeten, die 1987 stattfand, auf die sich die Lyrics beziehen:

Die Planeten richten sich aus

Wir bringen hellere Tage

Sie stehen in einer Reihe

Und warten auf dich

Willa: Oh, das ist interessant, Veronica. Ich wusste das nicht und habe mich immer gewundert, was diese Zeile darüber, dass „die Planeten sich ausrichten“ bedeutet.

Veronica: Im August 1987 gab es eine Ausrichtung von acht Planeten im Sonnensystem in einem eindrucksvollen Trigon (Winkel von 120°). Diese Ausrichtung führte, gemäß José Argüelles, einem entscheidenden Vertreter des Convergence Events, in eine Zeitperiode der Reinigung vor dem Datum des Maya-Kalenders 2012 und zeigte eine Energieverschiebung von Krieg zu Frieden an. Nun, wir warten immer noch darauf, dass das passiert. Aber ich bin so froh, dass MJ uns seine „höhere Liebe“ (major love) gesandt und uns alle als anderen Teil von sich betrachtet hat, als einen weiteren miteinander verbundenen Teil einer globalen Familie.

Ich habe an einem lokalen Treffen teilgenommen, um die Konvergenz zu zelebrieren. Es war damals 1987 eine große Sache. Erinnert sich noch jemand daran?

Eleanor: Ja, Veronica. Ich erinnere mich gut daran.

Sylvia: Ja, ich erinnere mich auch.

Eleanor: Ich lebte damals in Huntsville, Alabama und es gab im Stadtzentrum von Huntsville eine Zusammenkunft, um es zu feiern. Ich hatte keine Ahnung, dass Michael sich in den Lyrics von Another Part of Me auf die Harmonische Konvergenz bezog. Das ist so faszinierend. Schichten auf Schichten. Aber, natürlich, es passt perfekt.

Veronica: Es war ein bedeutendes weltweites kulturelles Phänomen und sollte einen Neubeginn, einen neuen evolutionären Zyklus anzeigen. Argüelles bat die Menschen – zum ersten Mal, dass dies auf einer globalen Ebene stattfand – sich bei Tagesanbruch an heiligen Orten zu versammeln und Heilung und Frieden in einem Moment einheitlichen, kollektiven Bewusstseins zu visualisieren:

Es kommt ein Zeitpunkt, an dem die Dinge sich ändern werden. Ein Schwingungssignal wurde ausgesendet. Wo das Signal auch herkam – ob es von unserem genetischen Code kam, ob es von der Erde kam, ob es aus dem Weltraum kam oder ob es von allem zusammen kam – dieses Signal wurde ausgesendet und die Menschen reagieren auf dieses Signal. Es ähnelt sehr dem Vorgang, wenn eine Tiergattung ein Zeichen erhält, die Richtung seines Wanderverhaltens zu ändern. Das Zeichen hieß „Geh zurück zur Erde … wenn du Frieden auf diesem Planeten willst, geh zurück zur Erde.“

Argüelles glaubte, dass die positive, friedvolle Energie der aufeinander abgestimmten Gedanken und Gefühle der Menschen eine „circumpolare Regenbogenbrücke“ rund um die Erde bilden würden: „Dies ist eine positive Visualisierung. Eine Regenbogenbrücke rund um die Erde ist eine vollkommen heilende Vorstellung. Dies ist die Heilung der Erde, die Heilung unserer Herzen und die Heilung unseres Lebens und eine sofortige Entwicklung.”

Es gab indianische Prophezeiungen über „Rainbow Warrior“ (Krieger des Regenbogens), die erscheinen würden, um die Erde zu retten: „Es wird eine Zeit kommen, da werden die Vögel von den Bäumen fallen, die Flüsse werden vergiftet sein und die Wölfe werden in den Wäldern sterben. Aber dann werden die Krieger des Regenbogens erscheinen und die Welt retten.“ Ich finde es so faszinierend, dass der Regenbogen auch mit Captain EO identifiziert wird, auf seinem T-Shirt, wo er sogar aufleuchtet, und als er den Planeten verlässt, ist da ein Regenbogenschimmer, der rund um das Raumschiff aufflackert.

Und nicht lange danach änderten sich Dinge auf unerwartete Weise – die Berliner Mauer fiel, die Sowjetunion brach auseinander, Nelson Mandela wurde frei gelassen und das System der Apartheid in Südafrika fand ein Ende. Rund um das Datum 2012 gab es große demokratische Aufstände in verschiedenen Ländern, in denen gegen ungerechte und unterdrückende Regierungen, wie in Ägypten und der Ukraine, protestiert wurde und andere sich verändernde Einstellungen wie die wachsende Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Eheschließungen und der Entkriminalisierung von Cannabis. Findet hier vielleicht doch eine Bewusstseinsveränderung wie MJ sie vergegenwärtigt hat, statt?

Eleanor: Nun, wir wissen, woher das Signal kam: Michael Jackson!

Veronica: Das ist lustig, Eleanor! Man kann noch einen weiteren Kommentar über Captain EO hinzufügen in Michael Jackson: Grasping the Spectacle, herausgegeben von Christopher R. Smit, Carl Millers Kapitel über We are Here to Change the World: Captain EO and the Future of Utopia zieht eine interessante Parallele zwischen MJ und Captain EO. Der Autor sieht MJ in seinem Portrait von Captain EO als eine Repräsentation einer Art Roboter, eine Verschmelzung von Tier, Mensch und Mechanik, eine grenzüberschreitende Zusammensetzung, welche die Unbestimmtheit der Zukunft zeigt: Auf diese Art ist MJ „die archetypische postmoderne Erscheinung der utopischen Möglichkeiten.“ Die Welt der Obersten Führerin ist in der Tat nah dran an dem, was aus unserer Welt gerade wird; folglich ist Captain EO’s „Um-schreiben“ dieser Welt wie die historische Neu-Bewertung von MJ’s Vermächtnis, welches zur Wieder-Erscheinung von Captain EO in den Disney Themenparks geführt hat: „Das Revival von Captain EO bietet einen Beleg sowohl für das Ausmaß der Umformungen, als auch für die gegenwärtige Relevanz von Jacksons Kunst.“

Sylvia: Ich habe Millers Text noch nicht gelesen, aber es klingt interessant. Zwischendurch möchte ich mich dem Gedanken der „utopischen Möglichkeiten“ ein wenig anders annähern.

Ich habe nach einer unserer Filmvorführungen Lisha gegenüber gesagt, dass MJ so etwas wie ein schwarzer Luke Skywalker war, dessen Lizenz gerade seine unauslöschliche Marke in der Popkultur hinterlassen hat, als EO gedreht wurde. Und eigentlich ist Afrofuturismus eine faszinierende interpretative Linse für die Sicht auf Captain EO. Afrofuturismus ist ein Begriff, der in den 1990ern geprägt wurde, und ihr habt es vielleicht heutzutage in Verbindung mit den Werken von Janelle Monae gehört, jedoch wurde seine Bedeutung in der Literatur, Musik und Popkultur wirklich bereits in den 1970ern geprägt. Afrofuturismus bezieht sich auf Black Science Fiction und Kosmologie und, wie die Autorin Ytascha L. Womack erklärt, verweist es auf die Vergangenheit wie auch auf die Zukunft (sie verweist sogar auf Michaels Moonwalk als Teil der Kosmologie).

Im Hinblick auf die Wurzeln des Afrofuturismus in „alter afrikanischer Kultur“ und in der Mythologie, die Womack erwähnt, können wir auch an Remember The Time denken. Im Grunde gibt es an verschiedenen Stellen in Michaels Gesamtwerk Verbindungen mit Themen aus der Vergangenheit bzw. der Zukunft des Afrofuturismus; zusätzlich zu EO gab es noch seine Lesung des E.T. Storybook, die Symbolik des Musikvideos Can You Feel It und das Raumschiff aus Scream.

Wie der afrofuturistische Wissenschaftler Valorie Thomas und andere bemerkt haben, ist zu den Musikern, die als grundlegend für den Afrofuturismus betrachtet werden, George Clinton eingeschlossen, mit seiner P-Funk-Mythologie und dem Album Mothership Connection von 1975, das die Rolle des Starchild, einem Alien, das in einem Raumschiff auf der Erde landet, beinhaltet. Clinton singt, dass sie „herunterkommen in 3D“ (Gettin‘ Down in 3D) – einem lyrischen Ruf, auf den Michael eine Dekade später mit Captain EO antworten wird.

Willa: Das ist wirklich interessant, Sylvia. Ich hatte bis vor ein paar Wochen noch nichts von Afrofuturismus gehört, und ich weiß immer noch sehr wenig darüber, aber aus dem zu schließen, was ich gelesen habe, knüpft es auf viele Arten bei Michael Jackson an. Zum Beispiel werden viele Werke als etwas beschrieben, das Afrofuturismus als eine Art draufgängerische, utopische Vision einer wahrlich multi-kulturellen Gesellschaft zeigt – eine, die Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit auf positive, sogar heitere Art verkörpert. Das klingt sehr nach Michael Jackson.

Wie du erwähnt hast, Sylvia, ist es futuristisch, aber auf eine Art, die die Vergangenheit nicht verleugnet, sondern welche Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft übergehen lässt. Das erinnert mich an Light Man am Anfang von This Is It – er ist ein Wesen aus der Zukunft, aber er trägt einen Weltraumanzug, der aus Videoleinwänden besteht, auf denen wichtige Szenen der Vergangenheit gezeigt werden.

Veronica: Ja, das ist eine großartige Bemerkung über Light Man und den Übergang der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Ich erkenne EO als einen Teil davon. Im Grunde erinnert mich unsere Diskussion hier gerade an meine eigene Vergangenheit – Erinnerungen an die Harmonische Konvergenz und eine Vorlesung mit dem Titel „Warten auf die Morgendämmerung“ (Waiting for the Dawn) von dem Religionshistoriker Mircea Eliade, an der ich 1982 teilnahm (und wir wissen, dass der Name „EO“ im Griechischen „Morgendämmerung“ bedeutet). In dieser Lesung deutete Eliade an, dass das bedeutendste Vorkommnis des Jahrhunderts die Neubewertung nicht-westlicher spiritueller Traditionen, nämlich der asiatischen und jener der Dritten Welt, inklusive sogenannter „primitiver“ Traditionen wie dem Schamanismus, waren:

Die Entdeckung (oder Neu-Entdeckung) des Wertes und der Bedeutung nicht-westlicher Spiritualisierungen repräsentieren eine kulturelle Innovation, denn es setzt einen Dialog und eine Beziehung zu anderen, den Vertretern der asiatischen und archaischen Traditionen, in Gang.

Aus seiner Sicht ist ein Mensch „reinster Ausprägung ein historisches Wesen“ in dem Sinne, dass jeder Mensch „fortwährend fasziniert ist von der Aufzeichnung der Geschichte“, der Frage danach, wodurch etwas in der Welt oder in der Seele passiert. Dementsprechend erschafft jede davon „die grundlegende Notwendigkeit“ von Geschichten, Erzählungen und der symbolischen Welt, ob aus Mythen oder künstlerisch entstanden, „symbolische Universen“.

Lisha: Wenn man sich Michael Jackson durch die Linse des Afrofuturismus ansieht, ist es ziemlich faszinierend, wenn man zum Beispiel an Scream als einem Teil eines Albums mit dem Titel HIStory: Past, Present and Future denkt. Das ist ein Albumkonzept, das ich ziemlich faszinierend finde. Ich denke auch an den Spielfilm Moonwalker mit seinen futuristischen Sci-Fi-Effekten, die im Smooth Criminal Part im Club 30s von der Vergangenheit in die Gegenwart überblenden.

Sylvia: HIStory: Past, Present and Future passt ziemlich gut in das Prinzip des Afrofuturismus, und es gibt viel über dieses Album zu sagen!

Lisha: Ganz bestimmt.

Willa: Ganz meine Meinung. Eigentlich könnte man über all diese Beispiele eine Menge sagen. Du hast Recht, Sylvia, Afrofuturismus ist wirklich ein ergiebiger Weg der Annäherung an Michael Jackson. Und Lisha, ich stimme dir zu darin, dass diese Sci-Fi-Elemente in Moonwalker erhöht werden dadurch, dass sie in eine Umgebung nach Art des Film Noir im Stil der 1940er Jahre eingebettet sind, wir sehen also wirklich, wie „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ ineinander übergehen.

Lisha: Moonwalker passt außerdem auch zu Themen, die wir in Can You Feel It und Captain EO sehen können. Wie Eleanor klar gemacht hat, stammt Captain EO nicht aus Michaels Feder, aber ich kann ganz sicher überall seinen Einfluss erkennen. Das Konzept des Afrofuturismus hilft, dies deutlich zu machen. Ich denke auch, dass man noch ein weiteres von Michaels Sci-Fi-Abenteuern erwähnen darf, das Videospiel Space Channel 5.

Sylvia: Ja, wie du erkennen kannst, ist der Afrofuturismus eine nützliche Perspektive auf Michaels Gesamtwerk; wir beobachten diese Bezüge auf die Vergangenheit und die Zukunft nicht nur in seinen Werken, sondern für seine Fans ist seine Jenseitigkeit ohnehin offensichtlich. Und Margo Jefferson nimmt in ihrem Buch auf ihre eigene Art Bezug auf Michaels Jenseitigkeit (und Clintons Außerirdischen?) durch die Wahl des Titels Star Child für das Kapitel über Michaels verblüffende Erfahrungen als Kinderstar.

Afrofuturismus ist, wie Chardine Taylor Stone schreibt, ein Ort dafür, sich alle Arten von Transformationen und Möglichkeiten für Mitglieder der Schwarzen Diaspora vorzustellen, gebildet unter den gegebenen Umständen durch die Erfahrung von gewalttätigen Eindringlingen ihrem Umfeld entrissen in ein fremdes, neues Land verschleppt worden zu sein.

http://www.theguardian.com/science/political-science/2014/jan/07/afrofuturism-where-space-pyramids-and-politics-collide

Es ist ein Weg sich neue Beziehungen zum Weltraum, zu Technologie, Macht, Mode und Sexualität, neben anderen Dingen, vorzustellen.

In EO befehligt ein schwarzer Mann ein Raumschiff und wird damit betraut, der Obersten Führerin ein Geschenk zu überbringen – eine nicht gerade bedeutungslose Verantwortung, die Michael in einer unverwechselbaren Art und Weise ausführt. Im Grunde können wir uns Michaels Filmerfahrung von Captain EO als eine afrofuturistische Version seines Off-Screen-Bestrebens vorstellen, in neuen räumlichen Dimensionen und mit seinem Wirken innerhalb einer Führungsriege mit dem besten, was Disney und Lucas (Beleuchtung und Effekte) an Technologie und Ressourcen anzubieten hatten.

Willa: Das ist eine wirklich interessante Sichtweise auf die Dinge, Sylvia – dass Michael Jackson durch seine Arbeit als Geschäftsmann, Führungspersönlichkeit in der Musikindustrie und Künstler außerhalb der Leinwand die heldenhafte Reise, die er auf der Leinwand darstellt, wiederholt.

Sylvia: Ja Willa, so denke ich auch.

Veronica: Wenn man an die Mode im Afrofuturismus denkt, Sylvia, dann war EO’s Raumanzug ganz wundervoll, ebenso wie derjenige, den er auf der Bühne trug, wenn er aus einem Raumschiff heraustrat! Das Portrait von Arno Bani, offenbar für das Cover von Invincible beabsichtigt, zeigt ihn auf die gleiche Art und Weise.

Lisha: Wisst ihr, diese märchenhaften Geschichten sind so unterhaltsam und amüsant, dass man leicht vergessen kann, wie tiefgreifend lehrreich sie für die menschliche Psyche sind. Wenn ihr mal in globalem Rahmen über die Leistung afroamerikanischer Musik nachdenkt, könnt ihr leicht erkennen, dass dies nicht nur eine von Phantasie getragene Flucht aus der Wirklichkeit, sondern ein einflussreicher Faktor ist, sich die Zukunft des Planeten und darüber hinaus „auszumalen“ (um einen Ausdruck von Disney selbst auszuborgen).

Sylvia: Es ist ernüchternd, diese Unterhaltung über Afrofuturismus zu führen, wenn man bedenkt, was im vergangenen Jahr passiert ist, in einem der amerikanischen Bundesstaaten, welcher Gastgeber des Disney Fantasylands ist, in dem EO weiterhin aufgeführt wird und wo wir uns alle für das Seminar zusammengefunden haben: Florida. Die historische Altlast der Furcht weißer Männer vor jungen schwarzen Männern und die Gewalt gegen sie – und ihre Billigung – wird weiterhin ausgelebt in der sogenannten „post-rassistischen“ Welt und das alles tatsächlich nicht weit entfernt von dem Ort, an dem eine schwarze Zukunftsvision gezeigt und gefeiert wird.

Lisha: Das stimmt, Sylvia. Die Wirklichkeit sieht so aus, dass wir immer noch so viele gegenteilige Beispiele für diese Vision der Zukunft sehen, was natürlich tief beunruhigend ist.

Sylvia: Direkt als ich für das Seminar In the Studio with Michael Jackson auf dem Flughafen in Florida gelandet war, war mein erster Gedanke: „Dies ist der Staat, in dem eine Jury George Zimmerman für nicht schuldig erklärt hat.“ Dann, in der vergangenen Woche, hat eine weitere Jury in Florida einen anderen weißen Mann des Mordes an einem schwarzen jungen Mann, Jordan Davis, für unschuldig erklärt. Während Captain EO danach gestrebt haben mag, das Bewusstsein durch Musik zu verändern, erfahren wir von Michael Dunns Zorn gegenüber der lauten „Gangstermusik“, die Jordan und seine Freunde spielten, und wir erkennen in diesem Augenblick einen kompletten Zusammenbruch der vielgepriesenen Kraft der Musik, die uns vereinen soll, hier entgleist durch tief verwurzelte Rassenvorurteile, Waffengewalt, Unwissenheit und Arroganz. Spannungen zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft werden in dieser Region eindringlich deutlich.

Veronica: Ausgezeichneter Hinweis, Sylvia, wenn man den kürzlichen Tod zweier junger schwarzer Männer durch die Hand von weißen / hispano-amerikanischen Männern in Florida der in Captain EO vergegenwärtigten Harmonie, die wir in Epcot sahen, gegenüberstellt. Es ist wahr, dass Musik die Ursache des Konflikts und des Todes war und nicht zu Einigkeit führte bei der Gelegenheit, auf die du dich beziehst – aber bedeutet das, dass sie nicht vereinen kann oder dass sie Menschen nicht verändert hat? Kürzliche Studien haben die heilende Kraft von Musik bewiesen – Musiktherapie hat zum Beispiel vielen Menschen geholfen, einschließlich dem Opfer einer Schießerei, Senator Gabrielle Giffords.

Michael glaubte an die verändernde und erhebende Kraft von Musik, nicht nur auf der persönlichen Ebene des Individuums, sondern auch in einem größeren, sozial relevanten Ausmaß. Ob richtig oder falsch oder nur unter einem weltfremd-idealistischen Eindruck, er versuchte durch seine Musik und seine Kunst zu heilen. Es ist traurig, aber vielleicht realistischer, sich vorzustellen, dass dies nur ein Traum war – als er in Earth Song sang:

Ich habe immer geträumt

Ich habe immer hinter die Sterne geblickt

Nun weiß ich nicht, wo wir stehen

Obwohl ich weiß, dass wir weit gekommen sind

Captain EO zeigt einen Optimismus, den MJ später auf dem nach den ersten Anschuldigungen veröffentlichten HIStory Album schneidender soziopolitischer Kritik gegenüberstellte.

MJ 1995 TDCAU 1

 

Sylvia: Danke, Veronica. Und du hast Recht, Musik kann Menschen vereinen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt mobilisieren und tut dies sicherlich – sie hat dies jahrhundertelang getan. Aber wie bei dem Mord von Jordan Davis sehen wir, wie Musik in einem bestimmten Zusammenhang rassifiziert und sogar kriminalisiert werden kann, in einem solchen Ausmaß, dass dies als eine Entschuldigung benutzt wird, um auf solch eine feindselige Art und Weise zu reagieren. Obwohl ich vermute, dass dies einer der Gründe ist, warum Afrofuturismus für manche Leute nachhallt – es erlaubt einem die Vorstellung einer weniger eingeschränkten Existenz. Und Michael hat dies ganz sicher durch seine Musik und seine Kunst getan, wie du erwähnt hast.

Willa: Ja, das hat er. Jedoch deutet auch der Mord an Jordan Davis, so schrecklich wie dies war, auf den Einfluss von Musik. Musik kann uns vereinen, manchmal auf positive Art, aber manchmal auch auf tyrannische oder autoritäre Arten – der Einsatz von Wagner durch die Nazis ist ein extremes Beispiel. Aber Musik kann auch kraftvoll und regelwidrig stören. Die Bürgerrechtsbewegung und die Anti-Vietnam-Kriegsbewegung in den Vereinigten Staaten waren beide durch Musik angetrieben, und in einem neueren Beispiel steht die Band Pussy Riot an vorderster Front einer zunehmend weiblichen, anti-homophoben Bewegung in Russland.

Musik kann also entrechteten Menschen einen Weg aufzeigen zusammenzukommen und sich einer unterdrückenden Mehrheit entgegenzustellen, und diese (ver-)störende Kraft der Musik liegt im Zentrum von Hip Hop. Das ist das, was Jordan Davis und seine Freunde mit ihrer „Gangstermusik“ taten, denke ich – sie nutzten Musik, um ihre Identität abzustecken, welche die dominierende Mehrheit kritisiert und stört. Und Michael Dunn fühlte sich dadurch so bedroht – durch die Störkraft der Musik – dass er anfing, Kugeln in ihr Auto abzuschießen.

Eleanor: Ja, wie Sylvia sagt „tief verwurzelte Rassenvorurteile, Waffengewalt, Unwissenheit und Arroganz“ sind lebendig und ausgeprägt in Florida, wie sie es in den meisten Teilen dieses Landes sind, und Musik kann sicherlich verärgerte Reaktionen hervorrufen, wie Michael wusste. Denkt nur an die Art, auf die der Vater in Black or White auf Macauley Culkin reagiert, als er die Lautstärke hochdreht. Aber ich habe Michaels Traum Musik dafür einzusetzen, um die Welt zu verändern, noch nicht aufgegeben. Und ich denke, er hat das auch nicht getan. Wie er immer daran festhielt, wenn man bedenkt, was er durchgemacht hat, erstaunt mich immer wieder.

Veronica: Ja Eleanor, seine Entschlossenheit und sein Mut an seinen Werten festzuhalten, war unermüdlich, und er strebte danach andere darin zu bestärken, dasselbe zu tun. Er singt in Another Part of Me: “Dies ist unsere Mission / Da durchzublicken“. Und er hatte ganz sicher die ganze Zeit den Durchblick bis zum Ende seines Lebens, wie wir in This Is It erkennen können, seine Botschaft von Liebe und Schutz der Umwelt als eine Verantwortung jedes Einzelnen: „Sie ? Sie wer? Es liegt an uns oder es wird nie getan werden.“

Lisha: Musik ist eine beindruckende Kraft – Religionen, Politiker und Rebellen nutzen sie, Regierungen und der Status Quo fürchten sie. Ich bin davon überzeugt, dass Michael Jackson das nie aus den Augen verlor. Es flößt einem Ehrfurcht ein, sich die gewaltige Zahl von Menschen vorzustellen, die Michael Jacksons Werke, wie Captain EO, gesehen haben und auf irgendeiner Ebene davon beeinflusst wurden.

Matt sagte, als Captain EO startete, war es Hauptattraktion bei Disney. Die Leute (wie z.B. Willa!) mussten stundenlang anstehen, um es zu sehen. Wir hatten unglaubliches Glück, eine private Vorführung mit Brad Sundberg zu bekommen und von Matt Forger persönlich, der es aufnahm, mischte und den Sound designte, etwas über die musikalische Produktion zu erfahren.

Sylvia: Insgesamt boten die beiden einen guten Einblick in die akustische Erfahrung in der Zusammenarbeit mit MJ. Sowohl Brad als auch Matt (und Brads Tochter Amanda) sind sehr sympathisch, geduldig und großzügig. Wir haben sie mit vielen Fragen bestürmt!

Lisha: Ja, ich denke, ich bekam eine gute Vorstellung davon, warum Michael Jackson sie so schätzte und ihnen so vertraute. Du kannst nachvollziehen, dass er Leute brauchte, mit denen es Spaß machte zusammen zu sein, um über Monate so viele Stunden im Studio zu verbringen, die aber gleichzeitig auch unbeschreiblich talentiert, kompetent und ganz ihrer Arbeit ergeben waren. Ich habe selbst sehen können, dass Brad und Matt genau solche Menschen sind, und es gibt keinen Zweifel daran, dass sie das gleiche von Michael denken.

Sylvia: Sie zeigen Michael menschlich und gleichzeitig präsentieren sie ihn auch als eine sehr professionelle und talentierte Person. Und auch wenn das vielleicht sehr profan klingt, ich schätzte es, dass Brad und Matt auch den organisatorischen und koordinativen Arbeitsaufwand beschrieben, die dieser gesamte Prozess des Aufnehmens, Mischens bis hin zur Fertigstellung erfordert. Matt erwähnte, dass neben den kreativen und technischen Aspekten, der technische Ablauf im Studio für ein großes, kommerzielles Album auch sehr viel Logistik erfordert, bis hin zum Nummerieren und Auflisten der Tracks. Wie er anmerkte, ist das Organisieren der Tracks und Tonbänder eine eintönige Arbeit, aber zwingend notwendig um dem Platten-Label ein Produkt dieser Größenordnung liefern zu können. Ich kenne das auch von meinen eigenen Erfahrungen beim Editieren. Bruce Swedin war dabei anscheinend das Superhirn mit Durchblick über Logistik und Effizienz, die zur technischen Realisation eines Albums, besonders in der Analog-Ära, gefordert war.

Matts Hinweis unterstreicht Michaels Situation als kommerzieller Künstler: eine frei fließende Gabe – in dem Fall ein Song – muss sich trotzdem dem rationellen Prozess des kapitalistischen Marktes fügen, mit seinen effizienten Systemen zum Organisieren von Arbeit und der zur Ausführung nötigen Materialien. Und das ist eine komplexe Angelegenheit, mit allen möglichen Verwicklungen. Jedenfalls spielten viele Leute eine Rolle dabei, wie klein diese auch immer war, damit diese Alben (und Kurzfilme) in unsere Hände gelangen konnten!

Eleanor: Ja Sylvia, und nicht nur dabei, sie bis zu uns zu bringen, sondern auch bei der Erschaffung selbst. Ich hatte wirklich keine Vorstellung davon, wie groß die Rolle der Toningenieure bei der Musikproduktion ist. Ich habe so viel gelernt. Ich mag zwar meine Unwissenheit nur ungern zugeben, aber ich dachte, dass der Prozess eine Platte aufzunehmen darin besteht, eine musikalische Performance so aufzunehmen, wie sie gespielt und gesungen wird, mit dem Ziel, den Sound so perfekt wie möglich zu reproduzieren. Die Performance war dabei die Kunst, das Aufnehmen war einfach nur … das Aufnehmen.

Aber als ich ihnen zuhörte begann ich den gesamten Prozess anders zu verstehen und ich lernte, den unbeschreiblichen Arbeitsaufwand der in die Produktion eines Albums gesteckt wird, zu schätzen. Aber die größte Offenbarung war für mich, dass sie so oft bei der Performance von Anfang an dabei waren – daran mit Michael zusammen arbeiteten, dabei halfen, seine Musik zur Welt zu bringen. Ich war sehr bewegt von ihrer Hingabe und ihrem Engagement Michael zu helfen, seine künstlerischen Visionen zu verwirklichen – sofern man von einem Klang eine Vision haben kann. Ihre Verbindung mit Michael war so tief und persönlich, dass sie zu Erweiterungen seiner musikalischen Vorstellungen wurden.

Willa: Das ist sehr interessant, Eleanor. Ich habe etwas Recherche über die Geschichte der Populärmusik betrieben, und anscheinend änderte sich in den 1960ern grundsätzlich die Art der Künstler über den Aufnahmeprozess zu denken. Bis dahin war das Ziel einer Musikaufnahme einfach, einen Schnappschuss einer Performance festzuhalten – wie du es sagtest, Eleanor, „den Sound so perfekt wie möglich zu reproduzieren.“

Aber dann, Mitte der 1960er, mit der Veröffentlichung von eher experimentellen Alben, wie Pet Sounds von den Beach Boys oder Revolver und St. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles, änderte sich das. Die Bands begannen, mit dem Sound zu experimentieren und erschufen im Studio Dinge, bei denen sie Mühe hatten, diese dann auf einer Tour zu reproduzieren. Es scheint, dass das Kreativitätszentrum sich von der Bühne in das Studio verlagerte, vom Akt des Live-Performens hin zum Akt der Erschaffung neuer Sound-Erfahrungen im Studio, wodurch die Arbeit von Leuten wie Brad, Matt, Bruce Swedien und Quincy Jones unglaublich wichtig wurde. Sie versuchten nicht nur einfach das zu reproduzieren, was das Publikum in einem Michael Jackson Konzert hörte – sondern sie wurden wirklich zu einer „Erweiterung seiner musikalischen Vision“, wie du es sehr gut beschrieben hast, Eleanor. Deshalb ist es wirklich faszinierend, von Brad und Matt Details darüber zu erfahren, wie seine Alben sich entwickelten und sich im Studio zusammenfügten.

Eleanor: Ja, Willa. Die Dinge wurden wirklich komplett auf den Kopf gestellt. Ich erinnere mich, wie Michael in This Is It sagte, er wolle sicherstellen, dass die Performance so nah wie möglich an die Musik herankomme, die er im Studio erschaffen hatte, an die Musik, wie sie auf den Alben zu hören ist. Er sagte, das sei, was die Fans hören wollten und was er ihnen geben wollte.

Willa: Das ist ein gutes Beispiel, Eleanor! Es ist ein perfektes Bild dafür – dass er in seinen Konzerten versuchte, zu erreichen, was im Studio erschaffen wurde und das nicht die Studioaufnahme versuchte, das wiederzugeben was auf der Bühne passierte.

Eleanor: Aber tatsächlich war es für Michael Jackson unmöglich auf einer Tour seine Musik ganz genau so zu reproduzieren, wie sie aufgenommen wurde. Vor allem konnte er den Leadgesang und den Hintergrundgesang ja nicht gleichzeitig singen! Es war ein Kampf, wie du es sagtest, Willa.

Lisha: Stimmt genau. Das ist ein wichtiger Punkt und ich denke, das ist etwas, wobei Brad und Matt uns halfen, es zu verstehen. In der Pop-Musik stellt das aufgenommene Kunstwerk oft die Definition des Musikstücks an sich in Frage. Die Rollen des Komponisten, Texters, Performers, Produzenten und Toningenieurs verschwimmen ineinander, und zwar so, dass es manchmal schwer ist, den wirklichen Autor einer Aufnahme zu definieren.

Aus Sicht der Performance ist Man In The Mirror ein gutes Beispiel. Wir wissen alle, dass der Song von Glen Ballard und Siedah Garrett komponiert wurde, aber er wird oft als „Song von Michael Jackson“ bezeichnet. Mit der Zeit hat Michael Jacksons Performance, für immer durch den aufgenommenen Sound festgehalten, das Eigentumsrecht des Songs übernommen, insofern wird jede andere Performance die wir heute davon hören, zu einem Cover eines Michael Jackson Songs.

Auch Produzenten und Toningenieure stellen die traditionellen Vorstellungen der Autorenschaft insofern in Frage, dass sie so viel zu dem Sound einer Aufnahme beitragen, dass sie eine signifikante, kreative Rolle übernehmen. Plattenproduzenten wie Phil Spector, George Martin und Quincy Jones kann man sicher auf diese Art sehen. Gleiches kann man auch von innovativen Toningenieuren wie Mark Linett (Pet Sounds) und Geoff Emerick (Sgt. Pepper) und Bruce Swedin (Thriller u.a.) sagen.

Sylvia: Das ist gut gesagt, Lisha. Es ist so ähnlich wie bei Hollywood Filmen und TV- Produktionen. Zum Beispiel könnte der Hauptdarsteller einer lange laufenden TV-Show das Eigentum einer von ihm/ihr gespielten Rolle für sich beanspruchen, weil es sein Schauspiel ist, was ihn für das Publikum sichtbar macht, obwohl auch Regisseure, Produzenten, Editoren und Leiter des Studios auf unterschiedliche Weise an der Gestaltung der Rolle beteiligt sind. Das könnte besonders dann eintreffen, wenn die Autoren, Regisseure und Produzenten einer Show wechseln und der Schauspieler aber immer der Gleiche bleibt.
Lisha: Ein interessanter Hinweis von Matt war, dass sowohl George Martin als auch Geoff Emerick bei der Aufnahme von The Girl Is Mine im Studio anwesend waren.

Willa: Wow! Das ist faszinierend. Ich frage mich, ob es davon Aufnahmen gibt?

Lisha: Ich nehme an, wenn es jemand wüsste, würde man es uns nicht sagen! Aber es ist bestimmt vorhanden – wir sprechen hier über einen historischen Augenblick.

Ich dachte, Captain EO ist ein gutes Beispiel dafür, welche Herausforderung es ist, die Autorenschaft für eine Musikaufnahme zu definieren. Wir wissen, dass Michael Jackson der Komponist, der Sänger, der Performer und der Produzent der Songs war, die in Captain EO zu hören sind, aber wir haben auch gelernt, dass an Matt Forger, der die Songs aufnahm und abmischte, eine sehr große Verantwortung übertragen wurde. Matt beschrieb John Barnes als eine „Ein-Mann-Band“ in der Zusammenarbeit mit Michael Jackson an We Are Here To Change The World und Another Part Of Me. Matt war auch der Kino-Sound-Designer für EO, und arbeitete dort zum ersten Mal mit 5.1 Surround Sound – einer Technologie, die von Disney speziell für Captain EO entwickelt wurde – so dass er und die Ingenieure ebenfalls einen sehr wichtigen Beitrag für Captain EO leisteten. Doch der ganze Film ist wirklich ein aufgenommenes musikalisches Werk – viele haben in unterschiedlichen Fachgebieten dazu beigetragen.

Eleanor: Ich stimme dir zu, Lisha, dass sich besonders in der jetzigen Zeit im Musikgeschäft diese Grenzen verwischen. Das Ausmaß von Brads und Matts Beteiligung an der Kreation von Michaels Musik lässt mich die ganze Idee von Autorenschaft und Eigentum hinterfragen – besonders dann, wenn die Visionen des Künstlers Kenntnisse, Fachwissen – und Kunstfertigkeit – anderer benötigen, um sie zu realisieren. Bei dem Versuch, diese Frage selbst gedanklich zu lösen, dachte ich über die Musik von klassischen Komponisten nach, und wodurch ich wusste, dass ein Musikstück von „ihnen“ stammte. Ich konnte z.B. ein Musikstück von Bach nur durch das Hören der ersten paar Noten erkennen, egal, ob ich es schon einmal zuvor gehört hatte, und unabhängig davon, wer es spielte oder sang, und zwar nicht, weil ich etwas über den Aufbau seiner Musik wusste, sondern weil ich gelernt hatte, mich meiner eigenen Erfahrungen zu erinnern – eine Art „Klanggefühl“ – wie es für Bach typisch ist. Und aufgrund meiner emotionalen Erfahrungen, erkannte ich die Musik eindeutig als die von Bach. Es ist wie ein Ausdruck seiner DNA. Ist es ein Zeichen eines großen Künstlers, oder großer Kunst, dass ihre Kunst sofort als ihre zu erkennen ist?

Lisha: Schwer zu sagen, ich nehme an, dass fast jede Art Musik möglicherweise ein paar erkennbare Komponenten enthält, gute oder schlechte. Aber es trifft sicher zu, dass in der Pop-Musik die Forderung nach unverwechselbarem, originellem Material sehr hoch ist, und es besteht kein Zweifel daran, dass Michael diesen Anforderungen nachkam. Eines der Dinge, die ihn wirklich hervorstechen lassen, ist die Art, auf die er seinen unverwechselbaren Sound mit ebenso beeindruckenden Bildern und originellen Tanzbewegungen verband.

Sylvia: Ja, Michaels Musik hat eine „Ganzheit“ die nur wenig andere in der Pop-Musik erreichen.
Eleanor: Michael Jacksons Tanz hebt ihn mit Sicherheit auf der Bühne von jedem anderen ab. Er ist sofort erkennbar – so wie auch das damit bei mir verbundene Gefühl. Trägt Michael Jacksons Musik – die Musik auf seinen Alben – ihren eigenen, unverwechselbaren künstlerischen Stempel? Ich denke schon.

Lisha: Das denke ich auch.

Eleanor: Matt sagte, dass Michael mit der Musikproduktion ein emotionales Ziel erreichen wollte und dass es ihre Aufgabe war, zu interpretieren, was das hieß. Mir gefiel, dass Matt das sagte. Und nach meiner Einschätzung trifft niemand Emotionen so gut, wie Michael Jackson. Nach meiner abschließenden Analyse habe ich das Gefühl, dass die Kraft von Michael Jacksons künstlerischer Vision so stark war, dass sie jeden Aspekt der Produktion, vom Anfang bis zum Ende, inklusive der Songauswahl, wenn er von jemand anderem geschrieben wurde, und die Auswahl des Produzenten oder die Auswahl der Toningenieure, durchdrang. Und die Kraft seiner Vision, abgesehen von anderen wichtigen Dingen, hebt ihn ab und macht die Musik zu „seiner eigenen“. Was aber ganz und gar nicht den außergewöhnlichen Beitrag der Toningenieure und der gesamten involvierten Teamarbeit schmälert.

Und ich möchte hinzufügen, dass Michaels Vision und seine offene, spielerische Herangehensweise sich auch auf das Finden von Tönen und auf den Raumklang ausdehnte. Brad erzählte eine lustige aber schmerzhafte Geschichte über Michael, der während der Aufnahme von Dangerous eine Sperrholzplatte umräumte, um etwas mehr Platz zum Tanzen zu haben. Die Platte fiel auf ihn und das Geräusch der Platte, wie sie auf ihn fiel und ihn traf, wurde vom Mikrophon aufgenommen. Es wurde drinnen gelassen und schließlich wurde eine Version von Dangerous veröffentlicht, in der es enthalten ist. Brad sagte, nach typischer MJ-Art beendete er zuerst die Aufnahme und erst danach fuhr Brad ihn in ein Krankenhaus, um ihn wegen einer Gehirnerschütterung untersuchen zu lassen.

Lisha: Ja, das ist eine schmerzhafte Geschichte, aber aus musikalischer Sicht ist es sehr lustig, dass er das Geräusch eines Studio-Unfalls für den Sound eines Titels namens Dangerous auswählte. Und wie lange hören wir schon diesen Song, ohne zu wissen, was wir da hören? Die Tatsache, dass die Toningenieure das gewöhnliche Geräusch ein paar herabfallender Gegenstände verwenden können, um daraus einen „musikalischen Witz“ zu machen, fasziniert mich. Der kreative Prozess scheint grenzenlos zu sein – von überall her können Beiträge kommen.

Sylvia: Diese Sache mit der fließenden Form der Autorenschaft ist auch ein Grund dafür warum das Seminar – obwohl es sich an MJ Fans und Liebhaber von MJs Musik richtet – für jeden reizvoll sein könnte, der sich für Musik, Tontechnik, oder ganz allgemein für die Platten-Industrie interessiert. Es gibt bestimmt ein breiteres Publikum für solche Seminare. Brad und Matts Erinnerungen und Beobachtungen sind wirklich ein Testament der Möglichkeiten und Entwicklungen der 1980er und 1990er Jahre der amerikanischen Studio-Tontechnik der Pop-Musik. Welcher andere Solo-Künstler dieser Zeit schöpfte aus einer solchen Skala an Ressourcen?

Lisha: Das ist wohl die größte Frage, die ich mir stelle. Gibt es in der Geschichte einen anderen Künstler, der jemals musikalische Produktionen dieses Ausmaßes erschuf, mit einem Multi-Millionen-Budget? Mir fällt keiner ein. Ich stimme zu, dass es für jeden, der sich für Musik als „aufgenommene Kunstform“ interessiert, interessant wäre, etwas darüber zu lernen.

Eleanor: Ja, ich glaube, dass die Ressourcen die Michael zur Verfügung standen, Matt und Brad die Möglichkeiten gaben, bis an die Grenzen zu gehen. Wir lernen also von den Besten etwas über den Besten!
Lisha: Matt und Brad haben nie gezögert ihrem Arbeitgeber, Michael Jackson, Anerkennung („Credits“) zuzuschreiben, und genauso ihren Vorgesetzten, besonders Bruce Swedien und Quincy Jones. Sie zeigten sehr viel Respekt und Bewunderung für jeden, der beteiligt war und empfanden, dass es letztlich die Leistung einer Gruppe war. Und ganz bestimmt war es ein Team.

Veronica: Ich stimme euch voll und ganz zu, bei dem, was ihr über die komplexe Team-Arbeit gesagt habt, die nötig ist, um ein solch enormes und bahnbrechendes Projekt wie Captain EO zu verwirklichen. Matt Forger, der durchgehend an Captain EO arbeitete, bis hin zur Eröffnung mit Staraufgebot, gab wunderbare Einblicke in diese Erfahrung. Er beschrieb die neu aufkommende Technologie: in der Musik, von großen analogen 24-spurigen Bändern, die dann auf Laserdisks transferiert wurden, bis hin zur digitalen Aufnahme – und beim Film, Möglichkeiten zu finden, um Spezial- Effekte zu erschaffen bevor Computer und CGI zur Verfügung standen, in dem man das tat, was Matt „Stop and Go“- Spezialeffekte nannte sowie den Bau von Miniaturen.

Brad und Matt betonten, dass Michael ein Team-Arbeiter war und gut mit anderen zusammen arbeitete. Brad sprach über das allgemeine Motto im Studio, das lautete: „Nimm die Arbeit ernst, aber halte nicht dich selbst für wichtig“, etwas was auch Quincy Jones mit „Lass dein Ego vor der Tür“ ausdrückte. Matt sagte immer wieder, dass MJ‘s Arbeitsethik unvergleichlich war, und dass andere, wie auch er und Brad, 16-Stunden Arbeitstage hatten, und dass MJ und Bruce Swedien manchmal sogar im Studio schliefen.

Lisha: Ja, und so ging es Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Ich denke, man hat allgemein keine Vorstellung davon, wie lange und hart Michael Jackson und sein Team arbeiteten, um diese Alben zu erschaffen. Noch bevor die eigentlichen Aufnahmesessions begannen, hatte Michael Jackson schon eine Gruppe von Leuten, die seit einem Jahr oder länger in Hayvenhurst arbeiteten, bevor überhaupt der erste Tag des eigentlichen Aufnahmeprozess stattfand. Wer weiß, wie lange er selbst vielleicht schon davor an einem Song gearbeitet hat.

Veronica: Matt machte deutlich, dass in allen Projekten MJs die „kreative Intention die höchste Priorität hat.“ Und die kreative Intention war, die größtmögliche emotionale Verbindung anzustreben, um den Zuhörer die Musik emotional fühlen zu lassen. Die Lieder wurden oft Jahre vorher geboren, manchmal Jahrzehnte, und langsam in ihre Form gebracht. Matt sagte, die Alben brauchten Jahre.

Eleanor: Das hat mich wirklich beeindruckt, Veronica! Obwohl viele Menschen Kunst und Technologie als unterschiedlich besetzte Bereiche betrachten – genauso, wie auch Kunst und Pop-Musik – sah Michael Technologie und Pop-Musik eindeutig als machtvolle Instrumente um die „stärkste emotionale Verbindung“ zu erreichen und sich selbst als Künstler auszudrücken.

Veronica: Matt erklärte auch, dass das Surround-Sound-System für Captain EO darauf kalibriert war, besondere musikalische Standards für Höhen und Tiefen, von THX-geprüften Systemen festgelegt, zu erreichen, und dass die vier Orte an denen der Film gezeigt wurde – Anaheim, Epcot, Paris und Tokyo – mit Equalizern auf ihre Sound-Qualität überprüft wurden.

Captain EO wurde in diesen vier Kinos für relativ kurze Zeit gezeigt, von 1986 bis Mitte der Neunziger, als der Film wegen den Anschuldigungen abgesetzt wurde, und er wurde erst wieder 2010, nach MJ’s Tod aufgenommen. Es ist ein Werk, das bisher nicht die verdiente Beachtung erfahren hat, da es für so lange Zeit verschwunden war. Ich stimme Sylvia zu, dass es ein wichtiger Teil von MJ’s Afrofuturismus ist, so wie auch ein noch früheres Werk, The Wiz. Der Künstler Derrick Adams betrachtet diesen Film als grundlegend für den Afrofuturismus. Mir gefallen Lishas Hinweise zu den mythischen Qualitäten in EO – z.B. der Regenbogen auf seinem Shirt und dass der Name EO „Dawn“ (Morgendämmerung) bedeutet – wie auch zu MJ‘s Kunst im Allgemeinen. (Und ja, Lisha, der Titel HIStory: Past, Present, and Future ist sehr rätselhaft und faszinierend. Es ist ganz sicher eine fließende und komplexe „HIS Story“!).

http://www.ebony.com/entertainment-culture/black-alt-enter-afrofuturism-999#ixzz2tXuRSBwY

Ich wünschte nur, der Film stünde einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung. Er ist so gehaltvoll und ich bin Matt und Brad sehr dankbar, dass sie halfen, die Leistungen und die Hingabe von so vielen Personen, die dabei mitwirkten, Michaels kreative Intention zum Leben zu bringen, zu verstehen. Wie Matt es ausdrückte: „Die Logistik war gewaltig.“ Es sei auch erwähnt, dass ein neueres Interview mit Matt auf Damien Shields’ Bog zu finden ist, und ein interessantes Video von The Making of Captain EO zeigt, wie akribisch diese Arbeit war.

Lisha: Ich bin ganz deiner Meinung, Veronica. Es würde mir wirklich gefallen, wenn Captain EO der Öffentlichkeit in irgendeiner Form zugänglich gemacht würde – es hat ganz sicher mehr Beachtung verdient. Was für ein wunderbares Wochenende hatten wir, um so viel darüber und über andere Projekte Michael Jacksons zu erfahren. Brad und Matt planen noch weitere Seminare. Ich hoffe, wir können es bald noch einmal tun!

🌟 Ich danke Dir sehr, liebe Martina, für Deine Hilfe! 🌟

„Wir liebten ihn über alles.“ – über Michael und seine Kinder

Wenn ich in die Augen meines Sohns Prince und meiner Tochter Paris sehe, erkenne ich Wunder und Schönheit. Kinder zu haben erlaubt mir jederzeit diesen magischen, heiligen Ort zu betreten. Ich erkenne Gott durch meine Kinder. Ich spreche durch meine Kinder zu Gott. Ich bin demütig für diese Segnungen die Er mir gegeben hat.“- Michael Jackson 

When I look into the eyes of my son, Prince, and daughter, Paris, I see miracles and I see beauty. .. Having children allows me to enter this magical and holy world every moment of every day. I see God through my children. I speak to God through my children. I am humbled for the blessings He has given me.”

Mj and his kids

“Ich habe viele Erinnerungen an meinen Vater. Wir waren privilegiert, weil wir hatten unseren Vater und ein Haus, in dem wir lebten. Wir wussten, er war ein Sänger. Ich habe mich einfach daran gewöhnt. Es war für mich zu der Zeit ganz normal. Er war ein unbeschreiblicher Vater. Wir liebten ihn über alles. Er hatte diese positive Energie, die du einfach nicht verlassen willst. Du hast dich einfach immer wohl gefühlt mit ihm. Wirklich jedes mal, wenn er ging sagte ich: „Ich liebe dich.“ Weil ich hatte immer Angst, es könnte etwas passieren. Ich habe wohl zu viele Filme gesehen. Er wollte für uns nur das Beste. Er sorgte immer dafür, dass wir gesund waren. Er sorgte dafür, dass wir zur Schule gingen. Er versuchte uns so gut wie möglich zu erziehen, und er sah immer nach uns. Er war sehr beschützend. Die Masken waren seine Idee. Er wollte nicht, dass jemand sieht, wie wir aussehen. Auf diese Art konnten wir das haben, was er nicht hatte: eine normale Kindheit.” - Paris, Interview 2013                                                                                                                                                                                                

“I have lots of memories of my father. We were privileged because we had our dad and we had our house that we were living in. We knew he was a singer. I guess I got used to it. It just seemed normal to me at the time. He was an incredible father. We all loved him to death. He had that good energy where you just didn’t want to leave. Like, you’re always just comfortable with him. Literally every time he would leave the room I’d say, „I love you“, because I’d be scared of what could happen. You know, I’ve seen way too much movies. He wanted the best for us. He always made sure we stuck to school. He’d try to educate us as much as he could and was always looking out for us. He was very protective. The masks were his idea. He didn’t want anyone to see what we looked like. That way we could have what he didn’t, which was a normal childhood.”

Mj and Paris

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Prince: Als ich klein war, machte ich kurze Filme mit meinem Dad. Mein Dad brachte mir bei, wie man Einstellungen findet, und wie man Filme studiert – die „großen Filme“, wie er sie nannte…und ich wollte schon immer Geschichten erfinden, Filme erschaffen.

Q: Was meinst du mit „Einstellungen finden“?

Prince: Als ich noch klein war, gab mir mein Dad eine Halskette mit einem Kamera-Sucher daran. Ich weiß nicht, wie man das nennt, aber es war eine Kameralinse daran und man konnte dadurch Einstellungen suchen und sehen, wie das Licht ist.

Q: Und was ist so wichtig daran, eine Einstellung zu finden?

Prince: Es muss ausbalanciert sein, wie eine Person in der Einstellung wirkt, wie der Hintergrund wirkt, die Lichtkontraste und was der Zuschauer fühlt oder sieht.

Q: Und das ist etwas, was du mit deinem Vater zusammen gemacht hast?

Prince: Ja.

Q: Bist du ausserhalb der Schule an irgendwelchen gemeinnützigen Aktionen beteiligt?

Prince: Ja. Meine Schule schreibt 20 Stunden gemeinnützige Arbeit vor. Ich mache aber mehr, weil mir diese gemeinnützige Arbeit mit Non-Profit-Organisationen in einem Kinderkrankenhaus in LA gefällt. Es ist ein Programm für kranke Kinder, die Ansporn brauchen zum Lernen oder einfach nur, um ihre Gedanke von den Problemen des Krankenhaus-Alltags abzulenken. Ich gehe in die Krebsstation, und bringe Bücher und solche Sachen mit und lese in der Station den Kindern vor.

Q: Als dein Vater noch lebte, hat er mit dir darüber gesprochen, dass es wichtig ist, Teil einer Community zu sein?

Prince: Immerzu. Er sagte immer „Du sollst an die Gemeinschaft etwas zurückgeben und soviel helfen, wie du kannst.“ Und mein Wunsch, anderen zu Helfen kommt größtenteils durch meinen Vater.

Mj and Prince piano

Prince: Das ist mein Dad mit mir. Er spielt Klavier und ich versuche, mit ihm zu spielen.

Q: Magst du Musik?

Prince: Ja.

Q: Möchtest du mal etwas mit Musik machen?

Prince: Ich kann kein Instrument spielen und ich kann wirklich nicht singen. Das ist etwas, worin mein Dad am besten war.

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Prince: Manchmal nahm mein Dad uns mit, und wir machten Fotos. Er sagte dann: „Wenn ihr groß seid, und selbst Kinder habt, könnt ihr ihnen die Fotos zeigen und sagen „So hab’ ich ausgesehen, als ich klein war.“

Q: Hat dein Dad gerne Fotos von euch Kindern gemacht?

Prince: Ja. Er hat viele Fotos von uns gemacht über die Jahre.

Q: Du sagtest, du lebtest auf Neverland, bis du 6 Jahre alt warst. Erzähl uns, an was du dich erinnerst.

Prince: Als mein Dad das Haus kaufte und ausbaute, baute er es für die Kinder, die er einmal haben wollte. Er baute es für uns. Und er wollte immer, dass es ein glücklicher Ort war. Überall brannte ein Kaminfeuer, es spielte klassische Musik. Es war ein sehr heimeliger Ort. Du konntest dahin kommen, und fühltest dich sofort zuhause. Jeder gehörte zur Familie, vom Koch, über die Haushälterin bis zur Nanny. Für uns war jeder Teil der Familie. Wir hatten dort einen Amusement Park und einen Zoo.

Q: Durftet ihr immer mit allen Karussells fahren?

Prince: Nein, wir gingen nur manchmal dorthin und zum Zoo, weil Dad wollte, dass wir bescheiden bleiben.

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Q: War Ausbildung und Lernen deinem Vater wichtig?

Prince: Ja, es war immer wichtig. Wenn wir nicht mit ihm Schule hatten, gab es Unterricht von einem Tutor, oder er lehrte uns etwas über andere Kulturen, Religionen und Sprachen, damit wir verstehen würde, warum bestimmte Gebäude gebaut wurden oder wie die Menschen miteinander umgehen. Wir sollten lernen, Religionen und unterschiedlichen Kulturen gegenüber tolerant zu sein.

Q: Interessierte sich dein Daddy dafür, was ihr täglich in der Schule gelernt habt?

Prince: Ja, er wollte wissen, was wir lernten und wollte immer, dass wir uns selbst Gedanken dazu machen und nicht nur gesagt bekämen, was richtig ist. Wir sollten immer selbst darüber nachdenken, was wir für richtig hielten und er wollte immer wissen, was wir in der Schule tun und wir wir mit dem Gelernten die Welt verbessern würden.

Q: Und ausser, dass ihr in der Schule gelernt habt, hat euer Vater euch auch ausserhalb der Schule unterrichtet?

Prince: Immer. Wenn ihm etwas passierte, oder uns etwas passierte, sagte er jedesmal: „Lerne aus deinen Fehlern. Das ist eine Lernerfahrung, und vergiss sie nie mehr.“

Q: Hast du mit deinem Dad zusammen je kleine Film-Szene geschrieben?

Prince: Ja, wir schrieben viele Screenplays zusammen. Kleine Geschichten meist. Mein Dad brachte mir bei, wie man ein Script schreibt, und ich begann damit, für mich selbst zu schreiben. Aber als wir zusammen schrieben, wurden es richtige Stories. Er sagte immer, man soll kreativ sein, und er half mir dabei, das freizusetzen, was er „denken mit der rechten Gehirnhälfte“ nannte, denn er sagte immer, ich wäre mehr „links-denkend“. (Mit der linken Gehirnhälfte denkend)

Q: Du sagtest, du und dein Dad hättet zusammen Filme angesehen. Habt ihr sie einfach nur angesehen, oder war da etwas besonderes?

Prince: Zuerst sahen wir sie ohne Ton an, um die Einstellungen zu analysieren.

Q: Was meinst du damit?

Prince: So, wie ich es schon mit der Halskette mit dem Filmsucher beschrieb. Mein Dad sprach darüber, wie ein Zoom das Drama des Spiels beeinflusst, oder was eine Weitwinkel-Szene zeigen kann oder wie jede Szene in verschiedene Schnitte eingeteilt ist.

Q: Ihr habt also den ganzen Film ohne Ton angesehen und danach schliesslich noch mit Ton?

Prince: Dann haben wir es mit allen Soundeffekten angesehen, und er hat mir erklärt, wie ein Film – besonders ein Horrorfilm – mit dem Sound steht und fällt.

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Q: Wer hat die Krawatte gebunden?

Prince: Das war das erstemal, dass mein Vater mir zeigte, wie man eine Kravatte bindet.

Über das Interview-Video von Weihnachten 2006:

 Q: War das etwas typisches, was dein Dad mit euch machte, dass er euch fragte, was ihr werden wollt und wie ihr die Welt verändern wollt? War das ein häufiges Thema bei euch?

Prince: Ja.. jedesmal wenn er filmte, oder auch ohne Kamera, fragte er, wie wir der Welt helfen wollten. Und man sieht, die meisten seiner Ideale sind Teil von mir und meinen Geschwistern.

Q: Hast du von deinem Daddy etwas über „arbeiten“ gelernt?

Prince: Meine Arbeitsethik lernte ich von meinem Dad. Er war immer am arbeiten. Wenn er nicht arbeitete, wurde er depressiv… er konnte einfach nicht still da sitzen. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass wir je einfach nur ‘rum sassen mit ihm, und nichts taten. Es war immer etwas zu tun, oder wir liefen herum, übten etwas, oder er zeigte mir wie man (Auto)fährt, oder er arbeitete an Musik…oder wir arbeiteten an Filmen.

Q: Als du aufgewachsen bist, hattest du eine Vorstellung davon, wie berühmt dein Dad wirklich war?

Prince: Nein, ich wußte nicht, wie berühmt er war und er wollte auch nicht, dass wir es wussten. Aber ich fand es mit meiner Schwester heraus – ich denke, als wir ein Video von einem seiner Konzerte ansahen, und die Mädchen weinten und wurden mit Tragen herausgetragen. Wir hörten immer seine Musik, aber wir wussten nie wirklich, wie berühmt er dafür war.

Mj kids mask

Prince: Ich erinnere mich, dass wir Masken trugen, aber ich weiß nicht, wann genau das aufgenommen wurde.

Q: Habt ihr immer Masken getragen, wenn ihr in der Öffentlichkeit wart?

Prince: Ja. Wenn wir mit Daddy unterwegs waren, stellte er immer sicher, dass niemand wußte, wie wir aussehen, und wenn wir dann ohne ihn unterwegs waren, konnten wir eine normale Kindheit haben.

Q: Wie hast du das empfunden?

Prince: Als ich klein war, fand ich die Masken nervig, all die Federn im Gesicht… oder es war heiß. Aber jetzt werde ich ständig verfolgt, und ich weiß, warum er es tat.

Nachdem mein Vater starb, habe ich mich emotional von vielen Menschen distanziert. Ich kann nachts nicht schlafen. Ich habe Probleme, zu schlafen. Das erste Mal zur Schule zu gehen, die erste Freundin zu haben, fahren zu lernen, in die National Honor Society aufgenommen zu werden, die ganzen Schmuckstücke, die anfertigte… Ich wollte, dass er stolz auf mich sein würde.“

Quelle: http://teammichaeljackson.com/archives/8873  Aussage Prince, AEG-Prozess, 2013 (Auszüge)

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Paris and Prince

Ich weinte die ganze Zeit. Es ist wunderschön dort. Es hat immer noch diese positive Energie. Ich denke, es sollte so wieder hergestellt werden, wie es einmal war, so dass Kinder, die keine Kindheit haben dort Spass haben können. Das war sein Ziel- wie auch mit den Kindern im Krankenhaus. Sie sollten alle Karussells wieder aufbauen, und alles andere. Sobald ich erwachsen bin werde ich mich daran geben.“ - Paris über ihren Besuch von Neverland, Interview 2013

Er lernte mich zu tanzen. Ich wollte immer tanzen. Und ja, er lehrte mich den Moonwalk. Unser zentraler Raum war sein Zimmer. Dort waren nur ich, meine Brüder und er. Es war nicht so riesig. Es war einfach der Ort, wo wir uns aufhielten, der Zellkern der Familie. Sein Zimmer hatte so eine positive Energie, deshalb war es dort immer viel gemütlicher.

Wir waren es gewohnt, unterwegs zu sein. Er versuchte die Hotels etwas so zu machen, als wären wir zuhause. Er hatte einen kleinen Projektor, und er nahm ein Bettlaken und hing es auf. Dann warf er überall Kissen auf den Boden und wir sahen DVDs und Filme an. Wir hatten unser eigenes Heimkino, es war wirklich cool.“ - Paris, Interview 2013

Birthday

Michael Jackson war der King of Pop, Rock und Soul. Er war ein Genie, er war ein Kämpfer, er war ein Gefangener in diesem Höllenloch, was wir Gesellschaft nennen, er war der tapferste Mann, den ich je kannte. Er war ein Engel, vom Himmel gesandt, er war nicht nur der größte und talentierteste Mensch, sondern auch ein Philanthrop und der Patriarch der ganzen Jackson Familie, derjenige, der alles zusammenhielt. Er liebte Kinder und sorgte sich um sie, und kümmerte sich um so vieles, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

…er war albern, verrückt, lustig, liebevoll, freundlich, wunderschön, liebenswert, unbeschreiblich und sicherlich der liebevollste Vater den es je gab…

Ich bin so dankbar und geehrt, ihn für 10 Jahre gekannt zu haben, er war mein Leben, das einzige, was mir wirkliches Glück bedeutete.  Michael Jackson war das Großartigste, was der Musikindustrie je passierte… und meinem Leben.“ - Paris answer on Twitter (2012) on the question: “Who was Michael Jackson”?

Michael Jackson was the king of pop rock and soul. He was a genius, he was a warrior, he was a prisoner in this hell hole we call society, he was the bravest man i’ve ever known, he was an angel sent from heaven, not only was he the greatest and most talented man, but a philanthropist and a patriarch for the Jackson family. The glue that kept everyone together.He loved and cared for children and cared so much to make this world a better place! He was goofy, crazy, hilarious, loving, kind, beautiful, lovable, incredible and the most loving father probably to ever exist… I am so grateful and honored to have known him for over 10 yrs., he was my life, the only thing that really brought me true happiness. Michael Jackson was the greatest thing that ever happened to the music industry …. and my life.“

MJ Irland

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Michael Jackson rief mich zwischen 3 und 4 Uhr morgens an, um über seine Kinder zu sprechen. Michael liebte seine Kinder mehr als alles andere. Unter Tränen teilte er mir seine Ängste darüber mit, was mit ihm passieren würde, falls er verurteilt und verhaftet würde. Ich war als Michaels leitender Anwalt angestellt schon neun Monate, bevor der Prozess begann. Während dieser neun Monate und auch in den 5-einhalb Monaten des Prozess’, konnte ich aufmerksam seine Beziehung zu seinen Kindern beobachten.

Michael Jackson war sehr sorgfältig darin, seine Kinder vor den Medien und anderen Einflüssen zu schützen, von denen er glaubte, dass sie ihr Leben nur schwieriger machen würden. Er wollte nicht, dass seine Kinder Familienkonflikten oder verstörenden Problemen von ausserhalb ausgesetzt wären. Er stellte sicher, dass sie eine erstklassige Bildung durch Privatlehrer vermittelt bekamen. Als eifriger Leser und Sammler von Büchern, wollte Michael, dass seine Kinder die großen Werke der Literatur, Geschichte, Philosophie, Wissenschaft etc. kennenlernten. Er wollte auch, dass seine Kinder die Natur und andere Kulturen verstehen lernten und ein mitfühlendes, humanitäres Interesse an dem Planeten entwickelten. Michael Jacksons Kinder standen für ihn an erster Stelle. Er wollte, dass sie ein glückliches, erfülltes Leben haben. Ich glaube, Michael Jackson wäre sehr stolz auf seine wunderbaren, intelligenten, selbstsicheren Kinder, die er erzogen hat. Er wäre glücklich, dass sie mit seiner liebevollen Mutter Katherine zusammen wären. Natürlich würde er Bedenken über den Druck haben, den weltweiten Medien geschaffen haben. Diese Kinder leben in einem von den Medien erschaffenen Goldfischglas. Ich glaube, Michael Jackson wäre diesen Gegebenheiten gegenüber sehr misstrauisch. Michael Jackson wäre stolz auf die Bildung und das soziale Bewusstsein, das in seinen Kindern zum Ausdruck kommt. Er würde wollen, dass sie ihre Talente und Fähigkeiten nutzen, um die Welt auf positive Art zu heilen und zu verändern. Ich sage voraus, dass sie den Fußspuren ihres Vaters folgen werden.“ - Tom Mesereau, 2013

Blanket Paris Prince

Ich dachte, ich wäre darauf vorbereitet, Vater zu sein, aber ich war es nicht. Mein ganzes Leben lang habe ich darüber gelesen, wie wunderbar Kinder sind. Die Leute sagten: “Wie ist das, mit dir und Babys?” Ich lese immer Bücher über Kinderpsychologie. Aber es macht noch viel mehr Freude. Prince und Paris haben mein Leben in so vieler Weise verändert. Ich lerne soviel von ihnen, wie sie von mir lernen. Du lernst, ein gutes Herz zu haben und ein gutmütiger Mensch zu sein. Und so wie ich bin, versuche ich sie zu imitieren. Die Leute sagen immer: “(Handele) Benimm dich deinem Alter entsprechend”. Aber ich versuche mehr wie die Kinder zu sein, und mich so zu verhalten, denn sie sind so unschuldig, so Gott-gleich, sie sind rein. Ich versuche so demütig und süß zu sein, wie sie.

[Prince, Paris und Blanket] Sie stehen an erster Stelle in meinem Leben. Die Arbeit, die ich jetzt mache, scheint die höchste Form meiner kreativen Fähigkeiten zu sein, denn sie inspirieren das in mir… sie inspirieren mich… und ich kann ganz ich selbst sein und Teil ihrer magischen Welt werden. Das ist die Welt, in der ich immer gelebt habe, mein ganzes Leben lang. Das ist die Ebene und das Bewusstsein, wo alle Kreativität entsteht, jegliche Begabung, ob es ein Bildhauer ist, ein Künstler, ein Maler – es ist diese Ebene der kindlichen Unschuld. Daher kommt es. Es ist diese Reinheit Gottes, und ich denke, dass wir nicht einmal an der Oberfläche dessen gekratzt haben, zu verstehen, was Kinder sind.“ - Michael Jackson (Tapes)

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Übersetzung: M.v.d.L.

Der Geist der Missgunst, des Neides und der Eifersucht

by

The Ghost of Jealousy
Post vom 13/02/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: Also Joie, wenn Michael Jackson zu den Skandalen, die ihn betrafen und über die Art, wie die Medien sich gegen ihn wandten und später regelrecht diffamierten, befragt wurde, deutete er bei vielen Gelegenheiten an, dass Neid ein Grund dafür sei. Und ich habe es immer so interpretiert, dass damit gemeint ist, gewisse Einzelpersonen (wie Evan Chandler) wären eifersüchtig / neidisch auf ihn, und das ist sicherlich wahr.

Aber dann diskutierten Lisha McDuff, Harriet Manning und ich vor ein paar Wochen über Blackface Minstrelsy und wie dies zum Teil durch Neid motiviert war – rassenbezogenen Neid. Und dann am nächsten Tag hörte ich ein Radiointerview von 2002 mit Steve Harvey, einem schwarzen Comedian und Radiomoderator und war regelrecht erschüttert durch die Tatsache, dass, als Michael Jackson mit ihm über Neid sprach, er von „uns“ sprach, nicht von „mir“, sondern „uns“, dass die Leute neidisch auf „uns“ sind – und ich denke, dass mit „uns“ erfolgreiche, schwarze Entertainer gemeint sind.

Es ist lustig – dass mir ein kleines Wort die Augen für eine völlig neue Art der Interpretation dessen, was er jahrelang sagte, geöffnet hat. Es scheint jetzt für mich so zu sein, dass er gar nicht so sehr über persönlichen Neid spricht, obwohl das natürlich ein Teil davon ist, sondern über rassenbezogenen Neid – den Neid von Weißen gegenüber erfolgreichen Schwarzen. Er sagt zu Steve Harvey:

Sie hassen es, zu sehen, wie wir wachsen und aufbauen und aufbauen, und daran ist nichts Falsches (am Wachsen). Sie können es, und es ist okay. Was kann ich anderes tun, als das Talent auszubauen, das Gott mir gegeben hat? Das ist alles, was ich möchte, die Liebe und das Geschenk der Kunst der Unterhaltung zu teilen. Das ist alles, was ich tun möchte. Ich möchte niemanden verletzen.

Hier ist das Interview und der Teil über den Neid beginnt  bei etwa 8 Minuten:


Joie:
Ich hatte alles von diesem Steve Harvey Interview ganz vergessen, Willa. Und als schwarze Amerikanerin sage ich auch, dass er über Rasse spricht, als er seine Feststellung über den Neid macht.

Weißt du, das ist im Grunde ein Problem, mit dem viele schwarze Menschen zu kämpfen haben und über das sie seit vielen, vielen Jahren untereinander sprechen. Michaels Feststellung, dass „sie es hassen uns wachsen und aufbauen zu sehen“  ist ein sehr reales Phänomen in unserer Gesellschaft und das ist es seit der Gründung unserer Nation. Oder ich sollte besser sagen, seit dem Ende der Sklaverei in unserer Nation. Und er sprach nicht nur über erfolgreiche schwarze Entertainer. Er sprach über jeden schwarzen Amerikaner, der sehr erfolgreich ist, auf was für einem Gebiet auch immer, ob sie berühmt sind oder auch nicht. Eigentlich glaube ich, dass es einer der maßgeblichen Faktoren für die Gegenreaktion gegenüber Präsident Obama während seiner Zeit im Amt ist.

Willa: Da stimme ich zu. Teil der Gegenreaktion  – gegen Michael Jackson genauso wie gegen Obama – wird hervorgerufen durch rassenbezogene Vorurteile, denke ich, aber ich habe darüber bisher nicht in Hinsicht Neid nachgedacht – rassenbezogenen Neid. Das ist interessant, und es ist auch interessant, dass Michael Jacksons Worte für dich ganz offensichtlich zu sein scheinen, für mich aber nicht. Ich frage mich, ob das Absicht ist und ob es zurückgeht auf die Vorstellung von „Sprache und Macht“, worüber wir in einem Post mit Bjørn vor einiger Zeit gesprochen haben – dass Michael Jackson Sprache auf subtile Weise unterschiedlich einsetzt, so dass Dinge für unterschiedliche Leute etwas anderes bedeuten.

Weißt du, wenn wir genau auf seine Worte achten, spricht er auf eine ziemlich indirekte Art und Weise. Er sagt niemals die Wörter „schwarz“ und „weiß“ und erwähnt eigentlich Rasse überhaupt nicht.  Aber trotzdem, wenn ein Zuhörer mit diesem anhaltenden Gespräch, über das du gerade sprichst, Joie, vertraut ist – einem, „mit dem viele schwarze Menschen zu kämpfen haben und über das sie seit vielen, vielen Jahren untereinander sprechen“, wie du sagst – dann sind seine Worte offenkundig, aber wenn ein Zuhörer sich dieses Zusammenhangs nicht bewusst ist, dann geht das direkt an ihm vorbei. Ich frage mich also, ob er hier auf eine vorsichtige Art spricht mit zwei verschiedenen Zuhörerschaften im Hinterkopf – besonders, ob er auf eine Art spricht, die bei Schwarzen sofort ihren Nachhall findet, die aber Weiße nicht alarmiert oder angreift, weil wir einfach nicht wirklich verstehen, was er sagt.

Joie: Es ist interessant für mich, dass du das denkst, Willa. Dass er in einer Art Code oder etwas spricht, um sich mit der schwarzen Zuhörerschaft zu verbinden, aber das weiße Publikum nicht zu alarmieren oder anzugreifen. Denn für mich – und wahrscheinlich für jede andere schwarze Person, die dieses Interview hört – spricht er überhaupt nicht auf irgendeine vorsichtige Art. Eigentlich ist es so, wenn ich dieses Interview höre, dass ich ihn auf eine sehr entspannte, sehr offene Art und Weise reden höre. Er ist nicht vorsichtig und bedacht bei dem, was er sagt, weil er weiß, dass es keinen Grund dafür gibt. Er spricht zu einem anderen schwarzen Entertainer und ist mit seinen beiden schwarzen Co-Moderatoren in dieser Radioshow auf ein schwarzes Publikum eingestimmt. Er fühlt sich in diesem Moment offensichtlich sehr wohl in dieser Umgebung. Und offenbar wusste er, dass er sich unter Leuten mit ähnlichem Hintergrund befand (der Erfahrung schwarzer Amerikaner), die sofort verstehen würden, wovon er spricht. Also gab es keine Veranlassung „auf eine vorsichtige Art mit zwei verschiedenen Zuhörerschaften im Hinterkopf“ zu sprechen. Ich sage also, dass ich nicht glaube, er würde absichtlich codiert oder so ähnlich sprechen.

Willa: Nun, das ist wahr, Joie – er klingt entspannt und ungezwungen. Aber trotzdem, eine Menge Dinge bleiben unausgesprochen, Worte wie „schwarz“ und „weiß“. Es ist so, als wären Lücken zwischen seinen Worten. Und es nicht so, dass er nur zu einer schwarzen Zuhörerschaft spricht – Radiowellen erreichen jeden – und ob es von seiner Seite aus absichtlich ist oder nicht, ich denke, unterschiedliche Zuhörer interpretieren sein Worte unterschiedlich. Oder vielleicht ist es genauer zu sagen, sie füllen die Lücken unterschiedlich.

Es gibt eine ähnliche Situation in dem Song Ghosts, der nach den Anschuldigungen 1993 und dem Strip Search geschrieben wurde. Hier ist der Refrain:

Und wer gab dir das Recht meine Familie zu ängstigen?
Und wer gab dir das Recht my Baby zu ängstigen?
Sie braucht mich
Und wer gab dir das Recht an meinem Familienstammbaum zu rütteln?
Und wer gab dir das Recht (in mein Leben) einzudringen
um mich anzusehen?
Und wer gab dir das Recht my Baby zu ängstigen?
Sie braucht mich
Und wer gab dir das Recht my Baby zu verletzen?
Sie braucht mich
Und wer gab dir das
Recht an meinem Familienstammbaum zu rütteln?

Du steckst ein Messer in meinen Rücken
Schießt einen Pfeil auf mich
Sag mir, bist du der Geist von Neid und Missgunst?
Ein mieser Geist von Neid und Missgunst?

Ghosts-michael-jacksons-ghosts-MTV

Er spricht über die falschen Anschuldigungen und den Strip Search („Und wer gab dir das Recht (in mein Leben) einzudringen / um mich anzusehen?“), ebenso wie über die Skandale, die darauf folgten und wieder deutet er an, dass der wahre Grund dahinter  „Neid und Missgunst“ ist. Er erwähnt niemals das Thema Rasse, und ich habe es nie auf diese Art interpretiert – als rassenbezogenen Neid. Ich dachte immer, er würde einfach sagen, dass Evan Chandler und Tom Sneddon und Diane Dimond und all die anderen Personen, die so sehr daran arbeiteten, ihn zu Fall zu bringen, neidisch auf ihn und seinen Erfolg wären. Aber nun frage ich mich, ob ich ihn missverstanden habe – dass er ganz speziell über rassenbezogenen Neid gesprochen hat – etwas, das Harriet als Teil des Blackface Minstrelsy und ebenso einer viel größeren kulturellen Erzählung seit mehr als einem Jahrhundert erwähnt hat.

Joie: Okay, ich vermute, dass ich erkenne, worauf du hinaus willst. Und wenn ich so darüber nachdenke fallen mir keine Ankläger oder „andere Personen, die so sehr daran arbeiteten, ihn zu Fall zu bringen“ wie du sagst, ein, die schwarz gewesen wären. Vielleicht bist du da also etwas auf der Spur.

Willa: Nun, das stimmt – keiner der Leute, die am härtesten daran arbeiten ihn zu verleumden, war schwarz, außer du zählst Stacy Brown dazu. Ebenso bedeutend ist, dass es sehr interessant ist, wie unterschiedliche Leute reagierten, wenn er andeutete –allerdings indirekt -  dass die Skandale, die ihn plagten, mit Rassismus oder rassenbezogenem Neid verbunden wären.

In einem Interview mit Jesse Jackson im Jahr 2005 zum Beispiel sagte Michael Jackson, dass die öffentliche Verfolgung, der er ausgesetzt war, „eine Art Muster unter den schwarzen Berühmtheiten in diesem Land“ aufzeigten. Als Jesse Jackson ihn fragt „Wie gehst du damit um?“ antwortet er:

Ich komme damit klar, indem ich andere Leute heranziehe, die eine solche Sache in der Vergangenheit durchstehen mussten. Mandelas Geschichte hat mir sehr viel Stärke gegeben – dadurch, was er durchgemacht hat. Die Geschichte von Jack Johnson … mit dem Titel Unforgivable Blackness (Unverzeihliches Schwarzsein). Es ist eine außergewöhnliche Geschichte von 1910 über diesen Mann, der Schwergewichtsweltmeister war und in eine Gesellschaft gedrängt wurde, die seine Position und seinen Lebensstil nicht akzeptieren wollte. Und was sie mit ihm durchgeführt haben. Und wie sie die Gesetze geändert haben, um ihn einsperren zu können, ihn hinter Gitter zu bringen, nur um ihn auf irgendeine Art zu schnappen. Und Muhammad Alis Geschichte … All diese Geschichten, bei denen ich in der Geschichte zurückgehen und über die ich lesen kann, geben mir Stärke.

Hier ist ein Clip und die Diskussion über Rasse beginnt bei etwa 4:15:

Es ist eine scharfsinnige Deutung seiner Situation, denke ich, und ordnet die falschen Anschuldigungen gegen ihn ein – und die Antwort der Polizei und der Öffentlichkeit auf jene Anschuldigungen – im Kontext mit anderen erfolgreichen schwarzen Pionieren, die Ziel der Autoritäten waren.

Allerdings waren seine Worte Ursache von Empörung, ebenso wie von einigen ziemlich abfälligen Bemerkungen. In einer Stellungnahme in The Los Angeles Times, schrieb Elaine Showalter, eine weiße Akademikerin, dies:

Obwohl er versucht hat sich als ein Ziel rassistischen Neides und Böswilligkeit darzustellen, indem er sich in einem Interview mit Rev. Jesse Jackson, dem schnellsten der spirituellen Erretter, mit Nelson Mandela (dem Ass der Rassenkarte) verglich, ist Jacksons Rasse so unklar und zweideutig wie seine Sexualität.

http://articles.latimes.com/2005/jun/12/opinion/op-surreal12

Elaine Showalter war eine bahnbrechende feministische Gelehrte in den 80er Jahren – ich habe einige ihrer Werke damals gelesen und hatte eine Menge Respekt vor ihr – und ich kann nicht glauben, dass ausgerechnet sie von allen Leuten so gedankenlos sein und etwas so grob Vereinfachendes und so arrogant Patriarchalisches schreiben könnte. Das ist wirklich verwirrend, denke ich, auf viele verschiedene Arten – nicht zuletzt ihre Unterstellung, dass, weil seine Haut nicht länger dunkel ist, er irgendwie disqualifiziert wäre über Rasse zu sprechen oder darauf hinweisen zu dürfen, dass er von Rassismus umgeben ist.

Joie: Ja, diese Bemerkung ist unglaublich, nicht wahr? Und du möchtest sie am liebsten fragen, weißt du … ob sie selbst schon einmal eine Krankheit hatte … sagen wir zum Beispiel Brustkrebs, und sich beide Brüste hätte entfernen lassen müssen, würde sie dann plötzlich keine Frau mehr sein?

Willa: Wow, Joie. Das ist eine beeindruckende Frage. Daran habe ich noch nie so gedacht …

Joie: Oder wenn es eine Krankheit gäbe, bei der die Pigmente einer weißen Person dunkler werden, würde es ihr dann nicht länger erlaubt sein, sich als „Weiße“ zu identifizieren? Ich meine, sie sagt nicht nur, dass er disqualifiziert wäre auf den Rassismus hinzuweisen, von dem er umgeben ist. Sie sagt, dass er nicht länger das Recht hat, sich mit der schwarzen Rasse zu identifizieren. Dass er nicht länger das Recht hat sich selbst als schwarzen Amerikaner zu bezeichnen. Ihr gesamter Kommentar ist auf verschiedenen Ebenen unglaublich rassistisch.

Willa: Das ist sehr interessant, Joie. Wenn du die Situation umdrehst, dann wird wirklich deutlich, wie sehr sie aus einer privilegierten Position heraus spricht, nicht? Warum hat eine weiße Person das Gefühl, das Recht zu besitzen zu entscheiden, ob eine schwarze Person in ihren Augen schwarz genug ist? Das ist nicht nur unglaublich beleidigend, es ist widersinnig. Ich kann mir keine schwarze Person vorstellen, die das jemals über eine weiße Person gesagt hätte.

Ich meine, stell dir eine Person mit zwei weißen Elternteilen vor, die in einer weißen Umgebung aufgewachsen ist, so wie Michael Jackson mit zwei schwarzen Elternteilen in einer schwarzen Umgebung in Gary. Und dann versuch dir irgendeinen Umstand vorzustellen, bei dem eine schwarze Person sagt, diese Person wäre nicht weiß genug, um aus einer weißen Perspektive zu sprechen. Ich glaube einfach nicht, dass das jemals passieren würde, und es würde auch keinen Sinn ergeben, den wir haben keine kulturelle Historie von Schwarzen, die Weiße dazu zwingen, ihre Erwartungen an das Weißsein zu erfüllen. Aber wir haben eine sehr lange Historie der Weißen, die Schwarze dazu zwingen in ihre weißen Definitionen des Schwarzseins zu passen, wie Lisha und Harriet und ich bereits besprochen haben.

Aber ich sollte dies nicht zu sehr vereinfachen. Es waren nicht nur Weiße, die negativ auf das Steve Harvey Interview reagiert haben. Eine Stellungnahme von Sinclere Lee in Black News Weekly war genauso abfällig:

Wenn Michael Jackson sich überhaupt irgendeiner Sache schuldig gemacht hat und für die er ins Gefängnis gehen sollte, dann ist es die, dass er sich selbst mit Nelson Mandela verglichen hat. Ich kenne Nelson Mandela! Ich traf Nelson Mandela, als er nach Washington kam! Nelson Mandela ist einer der größten Freiheitskämpfer der Welt! Nelson Mandela verbrachte 27 Jahre im Gefängnis, um die Schwarzen in Südafrika zu befreien, und du kannst es keinen Tag im Gefängnis aushalten! Michael, glaub‘ nicht diesen Mist, den Jesse Jackson dir erzählt, du bist kein Nelson Mandela!

Joie: Und für mich ist dies ein lächerliches Statement, denn Michael Jackson, eigentlich Jesse Jackson, kannten Nelson Mandela beide auch persönlich. Michael hat den Mann nicht nur einfach „getroffen“, als er nach Washington kam. Er kannte Nelson Mandela sehr gut. Er und Mandela waren tatsächlich viele, viele Jahre lang sehr enge Freunde.

Und Michael hat sich in diesem Kommentar nicht mit Mandela verglichen. Er hat gesagt, dass er Mandelas Geschichte als eine Inspirationsquelle für sich genutzt hat, um mit dem offenkundigen Rassismus, den er gegen sich erfuhr, klarzukommen. Da besteht ein enormer Unterschied.

Nelson Mandela with Michael Jackson in South Africa

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu, Joie. Und was soll falsch daran sein, wenn man sagt, dass Nelson Mandela ihn inspiriert hat?

Aber während dieser Artikel auf gewisse Art genauso übel ist wie der von Showalter, gibt es einen wichtigen Unterschied, denke ich. Während Lee Michael Jackson dafür kritisiert, sich selbst mit Mandela zu vergleichen (was er nicht getan hat, wie du festgestellt hast), spottet sie nicht über den Gedanken, dass es auch um Rassismus geht, auf die Art, wie es Showalter getan hat.

Joie: Das stimmt, das tut sie nicht. Eigentlich schwenkt sie gar nicht in diese Richtung. Ihr hauptsächlicher Fokus liegt einfach auf der Tatsache, dass sie sich persönlich angegriffen gefühlt hat bei dem Gedanken, Michael würde sich selbst mit solch einem großen Freiheitskämpfer vergleichen.

Willa: Genau. Und ich denke, dieser Unterschied ist subtil, aber wichtig. Elaine Showalter scheint zu denken, es sei lachhaft anzudeuten, dass Rassismus eine Rolle gespielt hätte bei der Methode, wie Michael Jackson von der Polizei und den Medien behandelt wurde (während ich denke, es ist unglaublich vereinfachend anzunehmen, Rassismus hätte keine Rolle gespielt), aber Sinclere Lee stellt nicht eine so naive Behauptung auf. Während eine weiße Akademikerin  denken mag, Rassismus würde keine Rolle dabei spielen, weiß Lee es besser.

Joie: Das ist interessant, oder? Weißt du, Willa, manchmal frage ich mich, ob du eine Meinungsumfrage machen könntest, nun, da alles vorüber ist und Michael  nicht mehr bei uns ist … wie viele Leute heutzutage, weiße und schwarze, würden zugeben, dass Rasse eine Rolle gespielt hat dabei, wie er von den Medien und der Polizei behandelt wurde? Du weißt schon, nun, da wir alle ein wenig Abstand und eine andere Perspektive haben. Ich frage mich, was die Leute heute denken. Ergibt das Sinn?

Willa: Ja, es ergibt Sinn, und das ist eine weitere wirklich interessante Frage, Joie. Meine Wahrnehmung ist, dass die Gefühle gegenüber Michael Jackson viel milder geworden sind, seit er gestorben ist, und dass die Leute ihn sehr viel eher als unschuldig betrachten, nun, da er nicht mehr da ist. Wir haben darüber in einem Post im letzten Frühjahr gesprochen. Aber ich glaube nicht, dass die Leute im Allgemeinen – und Weiße im Speziellen – bereit sind anzuerkennen, welch enormen Einfluss Rasse und Rassismus darauf hatten, wie die Anschuldigungen durch die Polizei, die Medien und die Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Die Vorstellung von Rassenvorurteilen, und besonders rasseninduziertem Neid, lässt sich Weiße sehr unwohl fühlen, denke ich, und die meisten Weißen wollen dies nicht mal in Erwägung ziehen. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass Michael Jackson absolut Recht hatte und rassenbezogener Neid im Kern des Ganzen lag.

Ich meine, es ist sehr interessant, sich mal genau anzusehen, was die Leute zu verschiedenen Zeitpunkten tatsächlich gesagt haben und wie sie es sagen. Betrachte mal, was Evan Chandler ihm bei ihrem letzten Zusammentreffen sagt. Er zeigt mit dem Finger auf ihn und ruft aus: „Du wirst untergehen, Michael. Du wirst zu Boden gehen.“  Hier wird scheinbar angedeutet, dass Michael Jackson zu hoch gestiegen ist, und nun ist Evan Chandler entschlossen, ihn wieder herunter zu holen.

Randy Taraborrelli drückt einen ähnlichen Gedanken in seiner Biografie aus. Basierend auf den Anschuldigungen Chandlers führt die Polizei eine Leibesvisitation (Strip Search) durch und so leitet Taraborrelli zu der Beschreibung dessen über, was eine demütigende und wahrlich grauenhafte Erfahrung werden sollte.

Unterm Strich heißt das, dass Michael die meiste Zeit seines Lebens tun und lassen konnte, was er wollte, er lebte in einer Welt der Privilegien und der Ansprüche einfach nur deswegen, weil er ist, wer er ist … Im Dezember 1993 allerdings sollte Michael erfahren, wenn auch nur für einen einzigen Tag, wie es sein kann in der realen Welt zu leben, in der Leute oftmals Dinge tun müssen, die sie nicht unbedingt tun wollen.

Diese Passage ist so schockierend für mich. Man sollte eigentlich denken Taraborrellis Fokus läge auf den Beweisen und darin, ob der Strip Search Chandlers Anschuldigungen bestätigt oder ihnen widerspricht – vermutlich ist das am Ende der Kern des Ganzen – aber so ist es nicht. Taraborrelli konzentriert sich viel mehr auf die psychologische Auswirkung des Strip Search und auf den Effekt, den es darauf haben wird, wie Michael Jackson sich selbst sieht und wie er sich selbst in der Welt positioniert. Taraborrelli scheint sehr kritisch zu sein gegenüber Michael Jackson, „der in einer Welt der Privilegien und Ansprüche lebt“, und nun den Strip Search erlebt, der ihn wieder zurück bringt „in die reale Welt“, und Taraborrelli spricht zustimmend darüber. Er scheint zu denken, dass es angemessen ist, Michael Jackson auf den Boden der Tatsachen herunter zu holen, „wenn auch nur für einen Tag“. Und ich habe dabei wirklich das Gefühl, dass Taraborrellis Worte ein wenig von Neid erfüllt sind.

Joie: Nun, du weißt, wie ich über Taraborrelli denke, und ich glaube, dass es da mehrere Stellen gibt in seinem Buch, in denen er neidisch auf seine Hauptperson ist. Ich stimme dir also vollkommen zu bei dieser Feststellung.

Willa: Aber ist es Neid auf seinen Reichtum und seine Berühmtheit? Oder ist es rassenbezogener Neid? Oder ist es eine Kombination aus beidem – ist er missgünstig deswegen, dass ausgerechnet ein schwarzer Mann dermaßen erfolgreich ist? Ich frage mich das wirklich, ganz besonders, da sowohl er, als auch Evan Chandler ausdrücklich über das Bedürfnis sprechen, Michael Jackson „nach unten zu bringen“.

Diese Redewendung und diese Symbolik, ihn nach unten zu bringen, erinnert mich an eine schreckenerregende Szene in Onkel Toms Hütte, über die wir vor langer Zeit in einem Post gesprochen haben. Rosa, eine schöne junge Sklavin, ein Teenager, probiert ein Kleid an, das ihrer Besitzerin Maria gehört. Maria kommt herein und sieht, wie sie das Kleid trägt, wird wütend und schickt Rosa in das Prügelhaus. Und so lautet Marias Erklärung dafür, warum sie solch eine extreme Bestrafung für solch ein belangloses Vergehen anordnet:

Sie hat sich ihr Leben lang auf ihre Zartheit verlassen und auf ihr gutes Aussehen und auf ihr vornehmes Gebaren, bis sie vergaß, wer sie ist – und ich werde ihr eine Lektion erteilen, die sie wieder da herunter holt, das gefällt mir!

Maria ist also gar nicht so wütend wegen des Kleides, sondern deswegen, weil es ein Zeichen dafür ist, dass Rosa „vergessen hat, wer sie ist“ – dass sie eine junge schwarze Frau ist und eine Sklavin. Maria fühlt sich dadurch sehr bedroht, besonders da Rosa in vielerlei Hinsicht viel mehr „ladylike“ ihrem Äußeren und ihrem Verhalten nach ist als Maria selbst. Also beabsichtigt Maria, sie zu beschämen und sie daran zu erinnern „wer sie ist“ und dies so gravierend in ihre Erinnerung einzubrennen, dass sie es nie wieder vergisst. Mit anderen Worten; Maria möchte eine psychologische Veränderung in Rosa erwirken und „ihr eine Lektion erteilen, die sie wieder da herunter holt, das gefällt mir!“

Uncle toms cabi 1914
Es scheint mir ganz genau das zu sein, worüber Taraborrelli in der Passage über den Strip Search spricht – dass es eine psychologische Veränderung in Michael Jackson bewirken wird, die ihn „herunter holen“ wird aus seiner „Welt der Privilegien und Ansprüche“ – und worüber Evan Chandler spricht, als er mit seinem Finger auf ihn zeigt und ausruft „Du wirst untergehen, Michael. Du wirst zu Boden gehen.“ Und ich denke, Michael Jackson selbst bezieht sich in Morphine darauf, als er singt „Ich gehe zu Boden, Baby“ („I’m going down, baby“). Er wurde durch denselben Impuls herunter geholt, der mehr als150 Jahre vorher schon Rosa herunter geholt hat.

Joie: Das ist ein interessanter Vergleich, Willa. Und einer, mit dem du wahrscheinlich richtig liegst. Aber ich vermute, worauf ich hinaus wollte, ist, dass ich mich über das Verhalten der Leute  bezüglich der ganzen Situation wundere … und wirklich bezüglich seines gesamten Lebens … ich frage mich, ob ihr Verhalten sich wirklich verändert und aufweicht oder ob es einfach ein Fall von „Sprich nicht schlecht von einem Toten“ ist. Verstehst du, was ich meine?

Willa: Ja, ich verstehe, aber ich weißt keine Antwort darauf. Und ich bin nicht sicher, ob die Leute selbst wissen,warum sich ihre Gefühle geändert haben und wie tiefgreifend sie sich verändert haben. Oder was ihre Gefühle gegen ihn wirklich motiviert hat, um mal damit zu beginnen. Ich meine, vielleicht sind die Gefühle milder geworden, weil er gegangen ist, es gibt also keinen Grund mehr sich noch länger bedroht zu fühlen oder neidisch auf ihn zu sein.

Joie: Ich weiß nicht. Ich bin mir noch nicht mal sicher, warum es eine Rolle spielt oder warum mich diese Frage irgendwie quält. Ich vermute, ich habe einfach dieses Gefühl, das hier dieser besondere, wunderschöne, talentierte, liebende Mann war, der doch nur die Welt glücklich machen wollte, und er wurde verspottet und verfolgt und gehasst dafür. Das ärgert mich.

Michael Jackson im Museum Grevin, Paris 1997

Michael Jackson im Musée Grévin (Museum Grevin), Paris, 15 Jahre danach - Véronique Berecz erzählt

(Übersetzung: Achildsbliss – Merci beaucoup!  

Museum Grevin Michael Jackson

Michael im Musée Grévin, Video Teil 1

http://vimeo.com/41044409

Michael Jackson zu fragen, ob er möchte, dass die Figur dort ausgestellt wird, war eine Sache, die vom Museum selbst initiiert wurde, dahinter steckte aber eine Intervention von Produzent Bob Jones und nicht zu vergessen der Zeitschrift Black Or White im Jahre 1995.

Véronique Berecz besuchte Michael beim Dreh zu Stranger In Moscow, danach wurde sie in die Hotelsuite von Michael geführt. Michael hat sie dort sofort begrüßt. Man hatte ihr vorher gesagt, er würde eine Maske tragen und all so was, nichts davon stimmte. Er besaß eine außergewöhnliche Bescheidenheit und Freundlichkeit. Er hat sehr viele Fragen gestellt. Sie zeigte ihm viele Skulpturen, die Denis Longchampt angefertigt hat, Michael war begeistert und verglich Denis mit dem berühmten Bildhauer Michelangelo… Sie hatte den Namen Michelangelo erst gar nicht verstanden, lag wohl an der amerikanischen Aussprache… als Michael Longchampt im Museum Grévin traf, meinte er: „Oh, da ist Michelangelo!“, seither heißt er bei den Leuten im Museum nur noch Michelangelo…

Der Tag der Einweihung war ein großer Tag für das Musée Grévin, Véronique Berecz hatte bei der Polizei Unterstützung angefordert, die großen Boulevards wurden abgesperrt… Sie wollte Michael eine kleine Überraschung bereiten und erfuhr, dass er ein großer Fan von Marcel Marceau war, was sie in sehr vielen seiner Tanzschritte und Choreografien sehen kann…

Sie liebt Michaels Tanz, findet ihn unglaublich, für sie ist er ein Meister… sie hat mit Marceau Kontakt aufgenommen, die Chance, dass er kommen konnte war allerdings sehr gering, er befand sich gerade auf Amerika-Tournee… am Tag der Einweihung schickte sie jedoch morgens um 8 Uhr einen Wagen zum Flughafen, Marceau war gekommen. Als Michael dann im Festsaal des Museums Platz nahm, öffnete sich der rote Vorhang und da saß Marcel Marceau!!!

Museum Grevin, Mj Marcel Marceau

Michael war genauso überrascht wie glücklich… Sie glaubt, es sei ein wunderbares Geschenk für Michael gewesen… Marceau hatte die Idee, einen Sketch aufzuführen, indem er den Bildhauer mimt, der die Skulptur erschaffen hat und am Schluss seiner Aufführung verschwand er mit Hilfe von Lichteffekten und Magie wie von Geisterhand von der Bühne und die Skulptur von Michael erschien … Marceau kam wieder auf die Bühne, Michael stieg zu ihm und seiner Nachbildung hinauf… Michael machte dann Marceau ein paar Posen nach… ja, es war ein großer Tag.

Museum Grevin MJ Marceau2

Michael hat für die Skulptur das komplette Outfit mitgebracht, er hat alles, was die Skulptur trägt, irgendwann selbst getragen, selbst die Schuhe, das T-Shirt, auch die berühmte rote Jacke, die jeder kennt, der Michael liebt… die Jacke trug Michael bei einem Vertragsabschluss mit Prinz Al Waleed… er hat bei der Ankunft im Museum bestätigt, dass es sich um genau diese Jacke handelt… sie haben später eine Kopie dieser Jacke angefertigt und das Original in eine Vitrine gesteckt, um sie auszustellen…

Michael im Musée Grévin, Video Teil 2 

http://vimeo.com/41775243

Nach der offiziellen Einweihungsfeier machten Michael im Musée Grévin, Marcel Marceau, der Leiter des Museums und Michael gemeinsam eine Tour durch das Museum. Im Musée Grévin kann man Aktuelles aber auch nachgestellte Szenen aus der französischen Geschichte finden. Sie haben dort einen sehr schönen Rundgang durch historische Szenen, wie etwa den kleinen Mozart, der für den Marquis und die Marquise de Pompadour spielt und Michael war fasziniert davon, vor allem von den Kostümen, sie hat ihm vorgeschlagen, in die Szene hineinzugehen, um sich quasi mit dem Genie Mozart zu „treffen“. Für sie war es ein Zusammentreffen zweier Genies. Michael war sehr überrascht und fragte mehrmals nach, ob er wirklich da reingehen darf, er fragte: „Sind Sie sicher? Meinen Sie wirklich, dass ich dort hineingehen kann?“ Natürlich durfte er! Und dort hat man dieses wunderbare Foto von Michael mit Mozart dann aufgenommen, das jetzt neben seiner Figur im Museum an der Wand hängt.

Michael Jackson Mozart

Sie besitzen auch die Handabdrücke von Michael und Véronique findet es immer so süß, dass die Besucher ihre Hände in Michaels Hände legen. Michael hatte ihnen erlaubt, die Abdrücke von ihm zu nehmen und Véronique meint, er habe wunderschöne Hände gehabt, sehr groß, sehr feingliedrig. Es war das erste Mal, dass er das so gemacht hat, für das Museum hat er das zum ersten Mal so gemacht (sie ist sehr stolz darauf).

Michael war sehr fasziniert von den dargestellten Personen, am meisten aber vom Palais des Mirages (Palast der Wunder), dieser Raum ist faszinierend und prächtig, als er das sah, applaudierte er.

Dass Michael da war, war nicht nur eine große Freude für das Museum, sondern auch für die Fans und nicht nur für die französischen. Aus ganz Europa und von überall her waren sie angereist. Sie mussten hinter diesen Absperrungen stehen. Beim Treffen Michaels mit seinen Fans gab es für Véronique zwei total schöne Augenblicke. Ein Paar, beide sehr große Fans von Michael, waren mit ihrer kleinen Tochter gekommen, sie war vielleicht etwa fünf Jahre alt, die Eltern hoben diese kleine Mädchen über die Absperrung und die Kleine lief geradewegs auf Michael zu, er nahm sie auf den Arm, als sei es das Natürlichste auf der Welt, sie lief wieder zurück zu ihren Eltern, kam aber ein zweites Mal wieder mit Papier, Michael gab ihr ein Autogramm, sie lief wieder zurück zu ihren Eltern, die umstehenden Personen hatten wohl bemerkt, dass Michael der Kleinen ein Autogramm gegeben hatte und diese Leute schickten dann die Kleine nochmal für ein Autogramm zu Michael, die Kleine lächelte bis hinter beide Ohren, irgendwann machte Michael dann mit der Kleinen ein Foto.

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Und wieder einmal, meint Véronique, konnte man Michaels Liebenswürdigkeit sehen, seine Aufmerksamkeit anderen gegenüber, er hätte das ja alles gar nicht zu tun brauchen, er hätte winken und gehen können, aber es hat ihm Spaß gemacht, er hatte große Freude daran und das schien bei ihm immer der Fall zu sein. Die Kleine hieß Melissa, sie wird heute um die 18 sein… kürzlich besuchte sie das Museum… heute besitzt das Museum ein Foto der kleinen Melissa im Alter von fünf Jahren und ein Foto von ihr im Alter von 18, Melissa kann sich noch genau an den Tag vor dem Museum erinnern, Véronique hat bei dem Treffen mit Melissa gemeinsam das Video mit ihr angeschaut…

Melissa

Das war die erste Begebenheit, die Véronique sehr berührt hat. Das zweite war, als eine junge Frau im Rollstuhl auf Michael zukam. Michael ging auf sie zu, umarmte sie, sprach mit ihr, es zeigte, Michaels ganze Herzensgüte.

Museum Grevin MJ 1997

Im Museum hat Véronique die Möglichkeit sehr viele Persönlichkeiten kennenzulernen, sie hat schon sehr viele getroffen, aber sie erinnert sich immer wieder an die kleinen Dinge in Bezug auf ihr Treffen mit Michael, für sie geht „die Geschichte weiter“ und für sie lässt das Museum Michael irgendwie weiterleben… Für sie ist die Tatsache, dass die Figur im Museum steht eine Art Dank an ihn für alles, was er erschaffen hat, was er hinterlassen hat… Sie gibt zu, dass sie sich nie hätte vorstellen können, welche Bedeutung es haben könnte, Michael im Museum zu haben… für sie ist er wie ein kleiner Stern, der uns immer folgt, sie findet das sehr schön… allen Fans, die dieses Video sehen, möchte sie gern sagen, dass Michael Jackson natürlich im Musée Grévin ist, aber auch in unseren und in euren Herzen, er ist nicht vergessen und Dank euch lebt er weiter…

und noch mehr dazu:

http://mjdatabank.com/mjjnews/wordpress/…es-1ere-partie/

19. April 2012 – 19. April 1997, Michael Jackson war zur Einweihung seiner Wachsfigur in Paris im angesehenen Musée Grévin. Die Episode ist Teil der langen Liebesgeschichte, die den King of Pop mit Frankreich verbindet. 15 Jahre später ist er in der Galerie, in der Persönlichkeiten der Öffentlichkeit gezeigt werden, noch immer präsent und er hat auch die berühmte Kuppel, die mit dem Säulensaal den eigenständigen Bereich des Grévin ausmacht, nie verlassen. Es reicht übrigens, in der Nähe der Figur stehen zu bleiben, um die Ströme der Besucher zu sehen, die sich eng um die Figur versammeln, um Michael Jackson zu huldigen. Um den 15. Jahrestag und den 130. Geburtstag des Musée Grévin zu feiern (das seine Pforten am 5. Juni 1882 öffnete), erinnert sich Véronique Berecz an dieses schöne Abenteuer.

Die Anfänge

Ein erster Entwurf war fertiggestellt worden. Michael Jackson hatte ein Jahr zuvor zur Enthüllung nicht kommen können. Es hatte eine unglückliche Verstrickung von Umständen gegeben und so kam es nicht zur Enthüllung der Wachsfigur. Michael Jackson zu fragen, ob er im Museum ausgestellt werden wollte, war Sache des Museums selbst. Wie Produzent Bob Jones stimmte auch Michael Jackson zu. Dank Captain EO (Produktion), die wir nicht vergessen wollen und die eine wunderbare Zeitschrift für Michael Jacksons Fanclub besaßen, kam die Verbindung zu Bob Jones zustande. Ich hatte Bob Jones also mehrmals am Telefon. Er sprach mit Michael Jackson darüber, der sehr stolz und glücklich war.

Das Treffen

Bob Jones reiste an, um mit uns den Bildhauer und den Raumausstatter zu treffen. Deshalb organisierten wir auch diese Reise nach Los Angeles mit dem Bildhauer Denis Longchampt und dem Raumausstatter Laurent Teboule. Als wir im Hotel ankamen, wurden wir von Wayne, Michael Jacksons Bodyguard, zu der Suite begleitet, in der Michael sich befand. Wir gingen in dieses Zimmer. Die Tür öffnete sich, Bob Jones kam herein und führte uns auf direktem Weg zu Michael Jackson, der uns sofort die Hand reichte. Er war von außergewöhnlicher Natürlichkeit und Liebenswürdigkeit. Er stellte eine Menge Fragen. Ich zeigte ihm die Fotos des Entwurfs von Denis Longchampt, der einzig für das Musée Grévin arbeitete.

Die Planung

Denis Longchampt hatte vorab bereits aus Ton ein Gesicht geformt. Mit diesem Gesicht in einer großen Reisetasche waren wir nun angereist. Wir hatten die Tasche nicht für den Frachtraum aufgegeben, sondern bewachten sie dicht bei uns, zur großen Überraschung der französischen Zöllner und des weiblichen amerikanischen Zollpersonals. Denis Longchampt musste mit allerlei Fotos und Videos arbeiten. All diese Unterlagen waren sehr interessant. Sobald ein genauer Gesichtsausdruck, der erreicht werden wollte, ausgewählt war, mussten Fotos gefunden werden, die diesen Ausdruck widerspiegelten. Nach unserem Treffen in Los Angeles, kehrten wir nach Paris zurück. Denis Longchampt fuhr mit seiner Arbeit an der Figur fort. Dann schickten wir Bob Jones Fotos, so dass Michael diese sehen konnte. Nach dem OK konnte sofort ein Abdruck des Gesichts gegossen werden. Dann wurde das Wachs bemalt. Wir besitzen auch noch einen „jungfräulichen“ Abdruck (also ohne Farbe). Das Wachsgesicht wurde mit Ölfarben bemalt. Die Haare bestehen aus echtem Haar, das Haar für Haar „implantiert“ wurden.

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Genauso hat Denis Longchampt dann den Körper modelliert. Danach organisierte ich ein weiteres Treffen mit Michael Jackson, das dieses Mal in der Schweiz stattfand, im Grand Hotel von Montreux. Nun konnten wir ihm die fast fertige Figur zeigen. Tatsächlich hatte Longchampt ihn etwas mehr wie „Schwarzenegger“ modelliert, aber so war er ja nicht. Er war sehr feingliedrig und sehr groß, seine Größe hat uns sehr überrascht, als wir ihn trafen, als er jedoch die Statue sah, lachte er und meinte, so hünenhaft wie die Statue sei er wohl eher nicht. Wir maßen also seinen Körper noch einmal nach, damit wir mit der Figur so nahe wie möglich an Michael herankamen.

Michael Jackson gab uns für die Figur das komplette Outfit. Es sind seine Boots, die er getragen hat, seine schwarze Hose, sein T-Shirt und diese rote Jacke. Es ist eine Jacke, mit der seine Fans ihn sahen, als er einen Vertrag mit Prinz Al Waleed unterzeichnete. Sie war von großer Bedeutung, weil sie einen berühmten Filzaufschlag am Revers hatte. Und es ist so, dass seine wahren Fans darüber genauestens Bescheid wussten. Als er ins Musée Grévin kam, bestätigte er das mit dem Filzaufschlag.

Die Einweihung

Bei Einweihungen neuer Persönlichkeiten versuchen wir immer, eine kleine Überraschung bereitzuhalten. Ich hatte erfahren, dass Michael Jackson ein Fan von Marcel Marceau war und sich darüber hinaus oft in Marceaus Fertigkeiten hinein fühlte, um seine Tanzschritte durchzuführen und seine Bewegungen aufzugliedern. Also kontaktierte ich Marcel Marceau und sagte mir, dass es großartig wäre, wenn Marceau an dem Tag, an dem Michael käme, meine Überraschung für ihn werden könnte. Und wirklich, die Götter waren mit uns, denn Marcel Marceau war auf Amerika Tournee und unglaublich, aber wahr, er kam am gleichen Tag, an dem Michael kam, nach Paris zurück. Ich schickte für 8 Uhr früh einen Wagen an den Flughafen. Marceau hatte die Idee, einen seiner Sketche wieder aufzuführen: „Der Bildhauer“ und durch Licht- und Magie-Effekte erschien am Ende seiner Aufführung die Wachsfigur von Michael auf der Bühne. Ich denke, meine Überraschung ist mir gelungen, denn Michael kam, als er einmal saß, nicht dazu, Marcel Marceau vorher zu sehen. Er war genauso überrascht wie glücklich. Das war wirklich ein sehr schöner Augenblick. Am Ende der Vorstellung ging Michael zu Marcel Marceau und der Wachsfigur auf die Bühne.

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Als der offizielle Teil dann zu Ende war, machten wir mit einer begrenzten Anzahl von Leuten einen Rundgang durch das Museum. In der Zwischenzeit war die Wachsfigur dann von der Bühne genommen und an seinen endgültigen Platz gebracht worden, so dass Michael sie auf seinem Rundgang dort entdecken konnte. Er war sehr zufrieden mit der Figur, im Gegensatz zu einer anderen, die in einem Museum in Amerika ausgestellt wird, von der er uns bei unserm Treffen in Los Angeles erzählt hatte.

Die Handabdrücke

Wir hatten Lust, eine neue Tradition einzuführen: Handabdrücke, ein bisschen wie der Walk of Fame in Hollywood. Wir hatten beschlossen, das zum ersten Mal bei Michael Jackson zu tun. Er hatte wunderschöne Hände, sehr groß, sehr feingliedrig. Das war eine Premiere für uns.

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Inkognito

Eine Woche nach der Einweihungsfeier, an einem Mittwochnachmittag, erhielt ich einen Anruf von Wayne, der mich fragte, ob Michael das Museum mit den Leuten besuchen könnte, die am Tag der Einweihung nicht dabei sein konnten. Er wollte wissen, ob ich in zwei Stunden bereit sein könnte. Es gab noch einen weiteren Bereich im Museum, der Michael faszinierte, der Palast der Wunder. An diesem Tag trafen wir uns das letzte Mal. Wir haben viele Künstler kennengelernt, aber das Außergewöhnliche an dem Treffen mit Michael war, dass die Erinnerungen an diesen Tag immer wiederkehren. Seither geht die Geschichte weiter, ein bisschen, um Michael weiterleben zu lassen und auch, um ihm für alles zu danken, was er erschaffen und uns hinterlassen hat, nicht nur seinen Fans, sondern auch der Musikwelt. Niemals hätte ich mir die Bedeutung von Michael Jacksons Einzug ins Musée Grévin und die Bedeutung dieses Treffens ausmalen können, so als sei er ein kleiner Stern, der uns immer folgt… das ist so schön.

Melissa and Michael

(Übersetzung: Achildsbliss)

Liebe Blissy, falls du hier liest, möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei Dir bedanken, für diese und einige andere wunderbare Übersetzungen, die ich schon hier posten durfte ♥♥♥

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Du kannst mir meine Traurigkeit nicht nehmen

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You Can’t Take My Blues Away
Post vom 30/01/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Joie: Willa, also ich frage mich, ob du jemals solche Phasen hast, in denen du einen bestimmten Song lange Zeit nicht hörst und dann plötzlich scheinst du ihn gar nicht mehr aus deinem Kopf zu bekommen. Wie es zum Beispiel Zeiten gibt, in denen ich bestimmte Dinge monatelang nicht höre – wie Michaels frühe Motown-Werke. Und dann eines Tages ganz plötzlich, ganz egal was ich mache, geht mir Dancing Machine oder Looking through the Windows nicht mehr aus dem Kopf. Kennst du so etwas auch?

Willa: Oh ja. Und manchmal ist es noch nicht einmal ein Song, den ich mag.

Joie: So geht es mir auch! Ich hasse es, wenn das passiert!

Willa: Ich weiß. Es ist nicht so schlimm, wenn es ein Song ist, den du magst, aber manchmal ist das nicht der Fall. Obgleich wenn ich darüber nachdenke, bemerke ich manchmal, dass der Song mir etwas erzählt, das ich genau zu dem Zeitpunkt  hören muss.

Joie: Hmm. Also, das ist eine interessante Betrachtungsweise. Wenn es das nächste Mal passiert, muss ich darüber nachdenken, was der Song mir zu sagen versucht.

Willa: Es kann amüsant sein das herauszufinden – in etwa so wie wenn man seine Träume deutet und erkennt, worüber dein Unterbewusstsein sich den Kopf zerbricht, auch wenn es dir gar nicht bewusst ist. Obwohl ich sagen muss, dass ich nicht gut darin bin – meistens bleibt es mir ein Rätsel. Manchmal ergibt es einen Sinn für mich, aber meistens scheint es vollkommen zufällig zu sein.

Joie: Sicherlich scheint es normalerweise zufällig. Nun, ich frage dich das, weil es einen Song gibt, den ich nun für mich selbst seit einer Woche etwa singe, und es ist einer, den ich wohl seit einem Jahr mindestens nicht mehr gehört habe. Es ist Blues Away von den Jacksons.

Der Song ist auf ihrem Album von 1976 mit dem einfachen Titel The Jacksons, dem ersten unter ihrem neuen Namen und neuen Label, und es war eigentlich einer der allerersten veröffentlichten Songs, die Michael selbst geschrieben hatte.

Willa: Das stimmt. Ich denke, im Grunde war es der erste. Er war an der Entstehung des Songs Style of Life für dasselbe Album beteiligt, aber er schrieb ihn zusammen mit Tito – genau genommen wird Tito zuerst genannt, was bedeutet, dass er der Hauptautor ist. Aber Blues Away gebührt einzig „Michael Jackson“, und es scheint der erste veröffentlichte Song zu sein, den er ganz und gar allein schrieb.

Joie: Es ist ein einfacher, kleiner Song, nur knapp drei Minuten lang, und er ist irgendwie süß, aber andererseits auch auf eine gewisse Art traurig. Der Refrain in dem Song sagt „Du kannst mir meine Traurigkeit nicht nehmen, egal, was du sagst“ (You can’t take my blues away, no matter what you say). Und ich war immer irgendwie fasziniert davon und habe beträchtliche Zeit damit verbracht mir Fragen darüber zu stellen. Ich dachte also, vielleicht könnten wir darüber reden und ich könnte deine Meinung dazu hören.

Willa: Sicher, das klingt amüsant. Du hast Recht, es ist ein ziemlich einfacher Song – er hat nicht die Tiefe oder Komplexität vieler seiner späteren Stücke. Ich denke gerade an Billie Jean, das nur drei Jahre später veröffentlicht wurde. In Billie Jean geht musikalisch und thematisch so viel vor sich – gerade weil in dem Song alles so mühelos abläuft, kann man leicht übersehen, wie komplex er ist. Aber sogar ein relativ einfacher Song wie Blues Away kann eine Herausforderung für die Interpretation sein. Wie in sehr vielen seiner Songs ist seine Bedeutung subtil und zweideutig. Er rutscht herum.

Wenn mir zum Beispiel jemand erzählen würde, dies wäre ein Liebeslied – ein Song, den ein Typ einem Mädchen singt, mit dem er ausgehen will – und dieser jemand mir dann sagen würde, der Titel des Songs wäre Blues Away, dann würde ich vermuten, dass er dem Mädchen erzählen würde, er habe die Traurigkeit ohne sie, und wenn sie mit ihm ausgehen würde, dann würde es die „Traurigkeit weg“-schicken (send his „blues away“). Das wäre ein eher typischer Ansatz – wie etwa bei Ain’t no Sunshine. Aber das ist nicht das, was er sagt.

Joie: Das ist überhaupt nicht das, was er sagt, und im Grunde bin ich gar nicht wirklich sicher, ob es überhaupt als Liebeslied gedacht ist. Obwohl es sich an manchen Stellen so anfühlt. Die erste Strophe fängt so an:

Ich möchte der deine sein
Morgen
Also gebe ich dir etwas Zeit um
Heute darüber nachzudenken
Aber, du kannst mir meine Traurigkeit nicht nehmen
Ganz egal, was du sagst, Babe

Zeitweise klingt es also nach einem Liebeslied. Er sagt ihr, dass er gerne mit ihr ausgehen und vielleicht ihr Freund sein würde, aber er ist nicht sicher, wie sie sich fühlt, also gibt er ihr Zeit, darüber nachzudenken. Aber dann im nächsten Atemzug sagt er ihr, dass egal, wie sie sich entscheidet, dies ihm nicht seine Traurigkeit nehmen würde. Er wird dann immer noch ein wenig traurig sein, sogar wenn sie Ja sagt.

Willa: Genau, was überhaupt nicht das ist, was du erwarten würdest, ich kann also erkennen, warum du nicht sicher bist, ob dies ein Liebeslied ist oder nicht. Ich bin deswegen auch nicht sicher.

Ich lehne mich an dieser Stelle mal weit aus dem Fenster, aber ich glaube nicht, dass Michael Jackson ein Romantiker war – wenigstens nicht im herkömmlichen Sinn des Wortes. Was ich meine ist, dass viele romantische Songs andeuten, dass wenn zwei Menschen sich wirklich lieben, dies alles ist, was sie brauchen, um glücklich zu sein. Der Rest der Welt tritt sozusagen in den Hintergrund und interessiert nicht mehr wirklich. Sie sind sich selbst genug.

Aber ich glaube nicht, dass Michael Jackson die Dinge auf diese Art sah. Ich glaube nicht, dass er den Rest der Welt oder eben seine eigenen verwirrten Gefühle über die Dinge jemals vergessen konnte. Das erinnert mich an etwas, das er 1988 in Moonwalk schrieb:

Meine Verabredungen oder Beziehungen mit Mädchen hatten bisher nicht das glückliche Ende, nach dem ich gesucht habe. Irgendetwas scheint dem im Weg zu stehen. Die Dinge, die ich mit Millionen Menschen teile sind nicht die Art Dinge, die du mit einer Person teilst. Viele Mädchen wollen wissen, wie ich ticke – warum ich so lebe oder Dinge tue, wie ich es eben tue, indem sie versuchen herauszufinden, was in meinem Kopf vorgeht. Sie wollen mich aus meiner Einsamkeit retten, aber sie machen es auf eine solche Art, dass sie mir den Eindruck vermitteln, sie wollten meine Einsamkeit mit mir teilen, was ich niemandem wünschen möchte, denn ich glaube, ich bin einer der einsamsten Menschen der Welt.

Das ist eine so andere Art und Weise die Dinge zu betrachten. Er drückt eine grundsätzliche Einsamkeit aus – er sagt „Ich glaube, ich bin einer der einsamsten Menschen der Welt“ – und wenn ich mir nur die Geschichte seines Lebens ansehe, dann glaube ich das sofort.

Joie: Ich auch.

Willa: Er war wirklich in einer einzigartigen und schrecklich isolierten Lage, nicht wahr? Und normalerweise denken wir, dass das Heilmittel für Einsamkeit darin besteht jemanden zu finden, der einen liebt und versteht, aber er scheint nicht auf diese Art zu denken. Stattdessen scheint er anzudeuten, dass seine Einsamkeit so tief und unabdingbar ist, dass sie mit jemandem zu teilen nicht heißen würde, dass sie vergeht. Seine Einsamkeit würde sich einfach auf die andere Person ausbreiten, und das „möchte er niemandem wünschen“.

Joie: Willa, das ist nicht nur sehr interessant, sondern ebenso außergewöhnlich. Ich denke, du hast es gerade in Worte gepackt, was er nicht wirklich ausdrücken konnte. Wir als Gesellschaft neigen dazu zu glauben, dass das Heilmittel gegen die Einsamkeit darin besteht jemanden zu finden, der dich liebt und versteht. Oder wenigstens jemand, der dich ganz einfach akzeptiert, wie du bist.

Willa: Oh, das ist eine gute Bemerkung, Joie – jemand, der dich bedingungslos akzeptiert, auch wenn er dich nicht versteht.

Joie: Aber Michael fühlte nicht auf diese Art. Er teilte diese Meinung nicht mit dem Rest von uns. Er schien von einem sehr viel dunkleren und abgeschiedeneren Ort jenseits unserer Vorstellungskraft zu kommen, glaube ich. Einem Ort, an dem seine Einsamkeit so tief ist, dass sie seine Seele durchdringt. Und er lebte sein Leben auf eine Art, die anzudeuten scheint, dass er befürchtete, seine Einsamkeit würde andere nur zerstören, wenn er sie zu nah an sich heranließe.

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Willa: So fühlt es sich für mich auch an. Aber weißt du, die wirklich seltsame Sache ist, dass, wenn du seiner Stimme lauschst – die immer eine Spur Traurigkeit in sich zu haben scheint, sogar als er sehr jung war – dies unsere eigene Einsamkeit vergehen lässt. Das scheint auf grausame Weise die Ironie an der Sache zu sein, dass seine Traurigkeit uns dazu verhilft uns besser zu fühlen, aber es scheint so zu sein … wenigstens ist das so bei mir. Er hat mir durch einige wirklich schwere Zeiten hindurch geholfen, und ich habe von anderen gehört, dass es bei ihnen auch so war. Er ist fast wie ein Empath, der unseren Ärger auf sich nimmt, damit wir uns besser fühlen, und ich denke nicht, dass es auf dieselbe Art funktioniert hätte, wenn er nicht diese Traurigkeit in seiner Stimme gehabt hätte.

Joie: Ich glaube, du hast vollkommen Recht! Seine Stimme scheint immer ein gewisses Maß an Traurigkeit mit sich zu tragen und ich habe zeitweise das Gefühl, dass er unseren Schmerz spüren konnte. Dass er bereits alles darüber wusste, weil er es gesehen oder vorher selbst erlebt hatte. Und du hast Recht, es gibt hunderte, vielleicht tausende von Fans da draußen, die dir sagen werden, dass seiner Stimme zu lauschen ihnen durch die härtesten Prüfungen in ihrem Leben geholfen hat. Ich bin auch einer dieser Menschen, Willa. Und ich liebe, was du über ihn als Empath gesagt hast.

Weißt du, ich bin ein großer Star Trek Fan und meine Lieblingsstaffel von Star Trek ist The Next Generation mit Captain Jean-Luc Picard. In jener Staffel ist eine der Hauptrollen ein weiblicher Starfleet-Offizier namens Deanna Troi, und sie kommt von dem Planeten Betazed, auf dem eine Rasse von Telepathen lebt, die deine Gedanken hören kann, als ob du sie laut aussprechen würdest. Auf diese Weise kommunizieren sie untereinander. Sie lassen sich nur zum Sprechen herab, wenn sie es mit „Außen-Weltlern“ zu tun haben. Nun, Deanna war kein echter Telepath, da ihr Vater ein menschlicher Starfleet-Offizier gewesen war, während sie also ganz leicht mit anderen Telepathen auf telepathische Art kommunizieren konnte, konnte sie deine Gedanken nicht hören. Aber sie konnte jede deiner Emotionen spüren, weil sie ein Empath war. Und ihre empathischen Fähigkeiten verliehen ihr eine einzigartige Perspektive auf die Menschen um sie herum.

Willa: Das ist eine großartige Beschreibung, Joie, und es erinnert mich an eines der Original Star Trek Stücke. Sie treffen einen Empath, der nicht nur das emotionale Leid anderer spürt, sondern der auch ihre körperlichen Leiden auf sich nehmen und heilen kann. Eines der Mitglieder der Mannschaft – ich glaube Captain Kirk -  ist irgendwie schlimm verwundet und obwohl sie weiß, was das bedeutet, nimmt sie seine Verletzungen und sein Leiden auf sich, so dass er kuriert ist und sie an seiner Stelle stirbt.

Das ist ein extremes Beispiel, aber auf eine schwer zu definierende Weise scheint Michael Jackson ebenfalls eine empathische Verbindung zu Menschen gehabt zu haben – wenigstens fühlt es sich für mich so an – und war auf seine ganz eigene Art fähig unser Leid auf sich zu nehmen und ließ sich uns dadurch besser fühlen.

Joie: Manchmal scheint es wirklich so, dass Michael Jackson irgendwie eine Art empathischer Fähigkeit gehabt hat. Ich denke nicht, dass es jemals eine andere Person gab, die so sehr mit den Gefühlen anderer im Einklang war. Und er schien die Last der Kranken und Schwachen mit zu tragen, fast als könnte er ihr Leid wirklich spüren.

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Willa: Ja, das sehe ich auch so. Und sogar diejenigen von uns, die ihn nie getroffen haben, konnten seiner Stimme zuhören und eine emotionale Verbindung zu ihm spüren, die dich irgendwie einfach besser fühlen lässt. Er inspiriert uns auch dazu anderen zu helfen, wie Sylvia Martin in einem Artikel untersucht hat, den wir kürzlich in unserem Reading Room eingestellt haben:

http://www.opednews.com/articles/From-Asia-To-Africa-The-K-by-Sylvia-Martin-130611-529.html

Weißt du, wenn ich über all dies hinsichtlich Blues Away so nachdenke, dann erinnert mich das an eine Geschichte aus der Biografie von Randy Taraborrelli. Als Michael Jackson 13 oder 14 Jahre alt war und sein Bruder Tito sich entschieden hatte zu heiraten, da hieß Michael dies nicht gut und seine Begründung dafür ist wirklich interessant. Hier ist das, was Taraborrelli sagt:

Michael spürte ganz stark, dass Tito ihre Fans im Stich ließe, wenn er heiraten würde und versuchte ihn davon zu überzeugen seine Meinung zu ändern. „Denk doch mal an all die Mädchen da draußen, die uns lieben,“ versuchte er eines Tages seinem Bruder gegenüber in den Büros von Motown zu argumentieren.

 „Sie kennen uns doch nicht mal, Mike,“ sagte Tito. „Wir können unser Leben doch nicht für vollkommen Fremde leben.“

 „Aber sie kennen uns doch“, hielt Michael gemäß einem Zeugen dagegen, „und wir sind es ihnen schuldig, Tito. Wir schulden es ihnen.“

 Um ehrlich zu sein, dies hat mich lange Zeit verwirrt. Was macht es für einen Unterschied, ob Tito – oder sogar Michael Jackson selbst – heiratet oder nicht? Es ist doch nicht so, dass es seine Stimme beeinträchtigen würde oder seine Fähigkeiten als Tänzer. Es würde seinen Auftritt in gar keiner Weise beeinträchtigen. Warum also hat er das Gefühl, er würde es seinem Publikum „schuldig“ sein, nicht zu heiraten?

Ich denke, es ist deswegen, wie wir mit ihm in Beziehung stehen und wie wir unsere Gefühle auf ihn projizieren und spüren, wie sie auf uns reflektiert werden. Und ich denke auch, dass es wegen der einfühlsamen Verbindung ist, die er zu seinem Publikum spürte. Sie erforderte für seinen Teil vollkommene Hingabe – eine Bereitschaft sich emotional zu öffnen und sich völlig und vollkommen seinem Publikum und seiner Kunst zu verpflichten. Und das tat er. Er gab alles, Körper und Seele. Und ich glaube, er verstand das von einem sehr jungen Alter an – verstand, was erforderlich war dafür, wer und was er sein sollte, um die kulturelle Rolle auszufüllen, um das zu sein, was wir von ihm erwarteten.

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Joie: Ich habe darüber noch nie auf diese Weise nachgedacht, Willa. Das ist wirklich tiefgreifend, nicht wahr? Und doch so traurig. Es ist fast so, als habe er willentlich sein Glück aufgegeben, damit er uns stattdessen glücklich machen konnte. Etwa wie wenn jemand sein eigenes Leben für das Leben eines Freundes hingibt.

Willa: Oh, es ist schrecklich traurig. Weißt du, ich denke manchmal über sein Leben und all die Dinge, die er durchmachen musste, nach, und es ist fast nicht auszuhalten. Ich wünschte, er hätte dieses „glückliche Ende, nach dem ich gesucht habe“ gefunden, über das er in Moonwalk spricht. Ich wünschte, sein Leben hätte sich anders entwickelt. Ich wünschte, die Anschuldigungen von 1993 wären nie passiert oder wenn sie passiert wären, dass sich dann alles irgendwie geklärt und er Zufriedenheit und Ruhe gefunden hätte. Ich will es so sehr, dass es wehtut – es ist wie ein körperlicher Schmerz – und ich glaube, viele Fans fühlen es auf diese Art.

Joie: Ich denke, so ist es.

Willa: Und wenn er vielleicht etwas mehr wie Tito gewesen wäre und dieselben Entscheidungen wie er getroffen hätte, dann wäre sein Leben anders verlaufen. Schließlich ist Tito ein sehr talentierter Bluesgitarrist und Performer und eigenständiger Produzent, ebenso wie ein Vater und Großvater. Es ist möglich Musiker zu sein und trotzdem ein glückliches Privatleben zu führen.

Aber natürlich war Michael Jackson so viel mehr als ein Musiker. Er war ein Künstler eines ganz außerordentlichen Formats und eine kulturelle Figur der Umgestaltung, die so radikal verändert hat, wie wir uns selbst und einander sehen. Und um ehrlich zu sein, mit dem Wissen, wie sehr er sich seiner Kunst verschrieben hatte, kann ich mir nicht vorstellen, dass er je eine andere Entscheidung getroffen hätte, als so, wie er es getan hat. Er lebte sein Leben mit Tapferkeit und Leidenschaft und einer vollkommenen Hingabe gegenüber seiner Kunst und ich bin voller Bewunderung dafür – genauso wie ich Traurigkeit spüre wegen der Dinge, die er aufgegeben hat.

Joie: Und er hat so viel aufgegeben, wenn du darüber nachdenkst. Weißt du, Willa, wenn ich darüber nachdenke, was du gerade gesagt hast über die Fans, die so sehr wünschten die Situationen in seinem Leben wären anders ausgegangen … Ich stimme dir bei dieser Feststellung wahrlich zu. Ich denke, die meisten von uns, die sich als Fans bezeichnen, stimmen dem wahrscheinlich zu. Aber ich muss ein Geständnis machen. Ich denke manchmal über Michaels Leben nach und darüber, wie hingebungsvoll er gegenüber seiner Kunst war und wie viel er geopfert hat, um uns glücklich zu machen, und ich fühle mich extrem schuldig deswegen, wie sich die Dinge für ihn entwickelt haben. Ergibt das einen Sinn? Und ich habe mich immer gefragt, ob andere diese Schuld auch spüren oder ob es nur bei mir so ist.

Aber um auf den Song Blues Away zurück zu kommen, weißt du, dieser Song wurde damals Mitte der 70er Jahre geschrieben, und ich finde es interessant, daran zu denken, dass er sogar damals schon wusste, dass es ihm bestimmt war ein sorgenvolles Leben zu führen. Ich meine, das ist es, was der Song grundsätzlich aussagt, denke ich – dass, ganz egal, welche Antwort sie ihm gibt, ganz egal, welches Glück es bedeutet, immer ein Unterton von Traurigkeit bei ihm sein wird.

Willa: Ich glaube, du hast Recht, Joie. So wie er ihr in der Zeile, die du vorhin zitiert hast, sagt: „Du kannst meine Traurigkeit nicht wegnehmen, egal, was du sagst.

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We Are The World – Die Story hinter dem Projekt

Es muss eine Erfahrung gewesen sein, die einen demütig werden lässt, Teil eines Projekts zu sein, das nicht nur die verkaufsstärkste Single aller Zeiten hervorbrachte sondern auch Millionen Dollar zur Bekämpfung der Hungersnot im dürregeplagten Afrika einbrachte.

We Are The World“ wurde am 7 März 1985 veröffentlicht und erreichte innerhalb von nur 3 Wochen Platz 1. Es war der „feel-good“-Hit des Jahres, und ausnahmsweise hörte man in der Musikindustrie einmal auf, sich Gedanken um Profite zu machen und konzentrierte sich stattdessen darauf etwas Gutes zu tun.

Die Entstehungs-Geschichte von „We Are The World“ ist auch nach all den Jahren noch inspirierend.

Der Ansatz der Idee von dem was einmal „We Are The World“ werden würde, kam von dem Entertainer Harry Belafonte. Belafonte war so von Bob Geldorfs Projekt „Do they know it’s christmas“ bewegt, dass er seinen Freund, den Entertainment-Mogul Ken Kragen kontaktierte.

We Are The World

Ich erinnere mich gut an diesen Anruf“ erinnert Kragen sich heute. „Es war am 23 Dezember 1984, als Harry mich anrief, um mir zu sagen ‘hast du gesehen, was Bob Geldorf in London mit „Do they know it’s christmas“ gemacht hat’?“

Zu der Zeit, als Belafonte Kragen anrief, war Geldorfs Song die Sensation und die U.S Nachrichten berichteten über die Bemühungen, Geld für Afrika zu sammeln. „Während diesem Telefongespräch sagte Harry zu mir, dass kaum ein Afrikanischer Künstler an Geldorfs Projekt beteiligt war, und dass wir doch all diese sehr erfolgreichen Afro-Amerikanischen Künstler, wie Prince, Lionel Richie und Michael Jackson hätten, die die U.S. Charts anführten,“ erinnert sich Kragen, der zu der Zeit Lionel Richie und Kenny Rogers managte. „Er schlug vor, wir sollten ein großes Konzert organisieren, um Spenden für Afrika zu sammeln. Und ich schlug ihm vor, ‘warum, übernehmen wir nicht die Idee Geldorfs, und machen eine Platte mit all diesen Künstlern? Das könnte eine noch größere Sache werden, als Geldorfs.’ Und Harry antwortete „Großartig! Tun wir es!’“

Nachdem die erste Idee Lionel Richie und Stevie Wonder unterbreitet wurde, boten beide begeistert an, den Song zu schreiben. Kragen machte dann einen Anruf zu dem berühmten Produzenten Quincy Jones, um ihn über das geplante Projekt zu unterrichten. Jones sagte zu Kragen, er wolle, dass auch Michael Jackson an der Aufnahme beteiligt sein sollte. Jones rief Jackson an, und rief dann Kragen zurück um ihm mitzuteilen, Jackson wolle nicht nur an der Aufnahme beteiligt sein, sondern er wolle mit Stevie und Richie zusammen den Song schreiben. Diese drei kamen dann zusammen, um etwas aufs Papier zu bringen.

Kragen erinnert sich: „Anfang Januar 1985 wurde Quincy etwas nervös, weil der Tag der Aufnahme sich näherte, und alles, was sie (Jackson und Richie) bis dahin für den Song geschrieben hatten, war der Refrain, „We are the world, we are the children’. Schliesslich, nur ein paar Tage vor der Aufnahmesession, kamen Lionel und Michael dann mit dem endgültigen Song.“

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Michael spricht darüber, wie er zu We Are The World kam:

Michael: Quincy Jones rief mich an..ich war im Schlafzimmer in Encino… und er sagte “Smelly” -er nannte mich Smelly- er sagte “Smelly, wir brauchen ein Lied, für die Kinder der Welt… da sterben Kinder. Und ich möchte, dass du und Lionel Richie ein Lied schreibt. Ich fragte auch Stevie Wonder, aber er braucht dafür zu viel Zeit, weißt du, Stevie ist brillant… aber es würde seine Zeit dauern.”  Ich sagte: “Quincy, ich habe gerade Thriller fertig gestellt… ich war so lange Zeit im Studio… mir ist nicht danach.”  Aber er sagte, dass es sehr wichtig für die Kinder sei… und er wußte, wie ich bei Kindern fühle… wie wichtig das für mich ist. Deshalb sagte ich, dass ich es tun werde.

Ich kam also mit Lionel zusammen… wir trafen uns und machten zwei Tage nur so rum (‘goofe of’)… wir machten nichts, außer gegenseitigem Spaß, wir waren albern… weil wir kennen uns schon lange… seit ich acht war, oder so.

Wie trafen sie Lionel Richie?

Michael: Er war die Vorgruppe von den Jackson 5, bei unseren früheren Touren und wenn er fertig mit dem Auftritt war, ging er vor und hielt die Fans zurück… er war also gleichzeitig auch so was wie ein Bodyguard, vorne auf der Bühne, wo er die ganzen Kids zurückhielt. Wir hatten also ein sehr gutes Verhältnis… und lachten über diese alten Zeiten. Also wir hatten viel zu tun… wir redeten, lachten… warfen Sachen nacheinander, blödelten herum und bekamen nichts getan. Aber an dem dritten Tag, ich glaube, es war am dritten Tag, wachte ich mit dieser Melodie in meinem Kopf auf.

Brachte Mr. Richie auch eine Melodie zu ihnen?

Michael: Ja, Lionel brachte auch etwas, er hatte auch etwas in seinem Kopf.

Was war das? Können sie das singen?

Michael: Ja, ich glaube, er hatte es auf Band und er sang es mir vor… er sagte “das ist alles was ich habe und ich hoffe, es gefällt dir” (singt die WATW Melodie.) und das war es.

Mochten sie es?

Michael: Ja, das ist sehr schön.

Und was passierte dann?

Michael: Ich sagte, “gut, hör dir das an” und ich spielte ihm das… nein, das ist nicht das, was dann passierte… ich sagte, “ich habe auch was im Kopf, aber ich möchte ins Studio gehen und es erst alles zusammenfügen, und dann werde ich es dich hören lassen.” Also ging ich ins Studio und machte alle diese Sounds. „There comes a time, when we heed a certain call.”(singt)… das ganze Teil… die Bridge…

Können sie uns kurz demonstrieren, wie sie diese Musik von We Are The World gemacht haben?

Michael: Ich kann mich gut erinnern, ich fiel auf die Knie… und betete zu Gott… ich dankte ihm für die Melodie… weil sie in meinen Kopf kam, weil ich damit zufrieden war, als ich an diesem Morgen aufwachte… sie war so schön… ich nahm dem Kassettenrekorder und nahm es auf…(singt die Melodie vor.) und ich fügte diesen Teil hinzu… das ist der Teil von Lionel.

Arbeiteten sie auch an den Harmonien?

Michael: Die Harmonien… genauso, wie ich es bei The Girl ist Mine machte… nichts anderes, ich nahm die Strings, den Bass, die Akkorde… die Bridge… alles genauso… die gleiche Regel, es sich selbst entwickeln zu lassen.

(Quelle: ‘Mexico Deposition 1993′)

Lionel Richie Michael Jackson 

Zwischenzeitlich hatte Kragen weitere Performer organsiert. „Ich begann an der Spitze der Billboard-Charts“, sagt Kragen. „Michael war auf Platz 1, und so arbeitete ich mich auf der Chart-Liste weiter nach unten vor, mit dem Vorsatz, dass ich am Ende des Tages wieder zwei der Top-20-Leute dazu gebracht haben würde, der Idee zuzustimmen und mitzumachen.“ Schliesslich gewann Kragen 45 Künstler für das Projekt, darunter Daryl Hall, Billy Joel, Huey Lewis & The News, Kenny Loggins, Steve Perry, Smokey Robinson, Kenny Rogers, Tina Turner und Dionne Warwick.

Mein Ziel waren nur 20 Künstler, nicht 45,“ sagt er. „Aber als ich schliesslich Bruce Springsteen gewinnen konnte, der zu der Zeit bei den Rock-Sängern die Nr.1 war, war ich nicht länger der Typ, der anrief, sondern derjenige, der angerufen wurde, und zu dem die Künstler sagten ‘Ich möchte auch mitmachen!’ Ich musste öfters ‘Nein’ sagen, denn wir wollten es auf die verkaufsstärksten Künstler eingrenzen. Aber die Schleusen öffneten sich, und die Liste wuchs auf viel mehr als 20 Künstler.“

Zwei Künstler, die aussen vor blieben, waren Joan Baez und John Denver, beides große Fürsprecher für Notleidende und sehr engagiert in Sachen Hungerhilfe und Obdachlosigkeit. „Baez war zu dieser Zeit nicht in den Charts vertreten, und sie war bei den aktuellen Künstlern nicht die Art Ikone, wie es Dylan war,“ sagt Kragen. „Als ich mit den am Projekt beteiligten Leuten darüber sprach, Denver mit dabei zu haben, sagten sie zu mir ‘John Denver ist momentan so „poppig“, dass es sein kann wenn wir ihn dazu nehmen, einige der „Rocker“ sagen, sie wollen nicht mitmachen, weil sie denken, das Projekt geht zu sehr in Richtung Pop.’“ Denver nahm es locker. Baez war nicht so versöhnlich.

Später wurde John Denver in einer TV-Morgen-Show interviewt und gefragt, warum er nicht an diesem Projekt beteiligt gewesen sei und ob es ihn ärgere,“ sagt Kragen. „John nahm seine Hände und sagte ‘ja, es ärgerte mich so viel (und er hielt seine Hände ganz dicht zusammen). Dann fügte er hinzu ‘aber das wurde noch verringert durch das Mass meiner Bewunderung für das, was sie getan haben’ (und er hielt dabei seine Hände soweit auseinander, wie er konnte) Andererseits verzieh mir Baez jedoch nie, dass ich sie nicht gefragt hatte.“

Schliesslich wurde eine Session für eine Demo-Aufnahme für den 22 Januar 1985 angesetzt. Die Session fand in Kenny Rogers Lion Share Studios statt. „Wir mussten ein Demoband aufnehmen, damit wir es mit der Musik zu den Künstlern schicken konnten,“ sagt Kragen. „Auf dem Band spielen die Musiker von Toto den Rhythmus und beide, Michael und Lionel, gingen in die Tonkabine und nahmen den Song auf. Und das war, was an alle Künstler gesendet wurde.“

Während dieser Session traf Stevie Wonder ein und informierte alle, dass er jetzt bereit sei, den Song zu schreiben. Wonder wusste nicht, dass er schon fertig geschrieben war. Also setzten sich Jackson und Richie ans Piano und spielten Wonder den Song vor. Wonder machte noch einige Vorschläge bevor er wieder ging.

*We Are The World – Demo-Session*

Nach dieser Demo-Session, um 3 Uhr morgens, sassen wir alle zusammen am Boden im Studio: Quincy, Lionel, Michael, ich und Tom Bahler, der Stimm-Arrangeur. Quincy sah uns an und sagte: „Wenn wir nicht alles aufschreiben, wird es in der Aufnahme-Session ein Chaos geben, wir haben es hier nämlich mit Superstars zu tun.“ Also schrieb er die Notenblätter und diese wurden mit den Tapes versendet. Er markierte ganz deutlich, welcher Künstler was singen würde und schrieb die Namen dazu. Wir konnten es auch nicht zulassen, dass die Künstler selbst entscheiden würden, wo sie stehen wollten, also mussten wir im Studio mit Klebeband markieren, wer wo stehen sollte. Sonst gäbe es noch ein Gedränge darum, wer vorne stehen würde, weil sie als Superstars alle daran gewöhnt waren, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Er schrieb auch noch einen Brief, indem er ihnen sagte, sie sollten ihr Ego vor der Tür lassen.“

Als das Datum der Aufnahme näher kam, kam es durch eine ‘last-minute“ Revolte einiger der beteilgten Rock-Sänger fast zum Scheitern des Projekts. Kragen erklärt: „In der Nacht vor der Aufnahme-Session war ich bei den Proben für die American Music Awards, und mir wurde von einem der Manager gesagt, ‘die „Rocker“ würden den Song nicht mögen, er sei ihnen zu sehr „Pop“ und sie wollten nicht neben Nicht-Rockern auf der Bühne stehen. Sie würden denken, es sei nicht gut für ihr Image. Sie würden also das Projekt verlassen und nicht mehr mitmachen.’ Aber als dann der Zeitpunkt für die Aufnahme gekommen war, hatten sie ihre Meinung geändert. Ich fand später heraus, dass sie zu Bruce Springsteen gegangen waren, der ihnen sagte, er würde dabei bleiben, denn es gehe darum Menschen zu ernähren und Leben zu retten. Und in dem Moment vergassen sie ihre Drohung, abzusagen.“

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Die Aufnahme-Session für „We Are The World“ fand am 28 Januar 1985 statt, in der Nacht der American Music Awards Ceremony. Als jeder Künstler sich danach auf den Weg zu den A&A Studios/La Brea Avenue, machte, fuhr eine Limousine nach der anderen auf dem Parkplatz vor. Ausser einem Künstler, was Kragen überraschte, zu sehen. „Eine Menschenmenge sammelte sich, und bald war vor dem Studio Eingang eine große Gruppe versammelt,“ erinnert sich Kragen. „Ich war am Eingang, sah zur Tür hinaus und sah eine Bewegung in der Menge und diesen Typen, der sich durch die Menge drängte. Er kam bis zur Eingangstür und sah zu mir hoch und dann erkannte ich, es war Bruce Springsteen! Und er sagte zu mir ‘Man, ich hab’ einen Parkplatz genau gegenüber in La Brea gefunden.’ Er war selbst gefahren, hatte sein Auto geparkt und dann seinen Weg durch die Menschenmenge gemacht.“

Bruce Springsteen Michael Jacklson

Michael Jackson kam schon vor allen anderen zu der Session und nahm ein paar Tracks und Dinge auf, die später in dem We Are The World-Video zu sehen sein würden. Die wirkliche Session begann etwa um 22.00 Uhr, und es war ein Marathon, der bis zum nächsten Morgen um 8.00 Uhr ging, danach blieben nur noch Jones, Kragen und Diana Ross im Studio.

*Michael’s Solo-Studio Session*

Wir hatten alles gut organisiert,“ sagt Kragen. „Weil Quincy gesagt hatte ‘wenn du Superstars dort hast, kannst du nichts dem Zufall überlassen’. Das war das erste Mal, dass jeder von ihnen in einer solchen Gruppe zusammen gekommen war. Und jeder war überwältigt von dem anderen. Jeder hatte Ehrfurcht vor Bob Dylan, Ray Charles und anderen Superstars, die sie nie vorher getroffen hatten. Billy Joel z.B. traf dort zum ersten Mal Ray Charles, und etwa 6 Monate später hatten sie zusammen ein Album herausgebracht.

Trotz der vielen Egos im Raum, fand die Aufnahmesession ohne Zwischenfälle statt. Nachdem jeder seinen Teil aufgenommen hatte, wurden verschiedene Leute noch gefragt, noch zusätzlich einzelne Teile aufzunehmen.

*Studio Session/  und ein paar Solos*

Springsteen machte ein paar Extras“, sagt Kragen, „und auch Dylan. Aber als er zuerst ans Mikrophon kam, war er wegen den vielen Leuten, die dort anwesend waren so entnervt, dass er kaum etwas heraus brachte. Lionel und Quincy sorgten dann dafür, dass der Raum etwas leerer wurde in dem sie jeden in den Kontrollraum schickten, und dann stetzen sich Lionel, Quincy und Stevie Wonder ans Piano, und jeder von ihnen machte einen perfekten Bob Dylan für Bob. Sie klangen alle wie ein perfekter Dylan, als sie ihn nachmachten. Sie sangen seinen Part für ihn und er hörte zu, dann legte er los und machte es selbst ganz genau so.“

https://www.youtube.com/watch?v=1UfVmJBF-OY&feature=player_embedded

*Bob Dylan – Rehersal für sein Solo*

Jones verbrachte anschliessend Wochen mit dem Fein-Tuning der Session und er holte z.B. Ray Charles und Stevie Wonder noch einmal, um noch mehr Material aufzunehmen.

Wenn du das Video ansiehst, siehst du die Teile der Studioarbeit, die später in den Chor eingefügt wurden“, erklärt Kragen. „Quincy hat nachträglich noch etwas manipuliert. Aber der ganze Chorgesang und die meisten Soli die man im Video sieht, wurden in diesem Studio aufgenommen. Sie ordneten die Mikrophone in einem Halbkreis an, und nahmen den Song auf, indem ein Künstler nach dem anderen sein Solo sang, bis auf Dylans Teil und den zusätzlichen Teilen.

Als das Projekt alle Erwartungen übertraf, wurden Pläne geschmiedet, ein ganzes Album zusammen zustellen, obwohl anfangs nur eine Single geplant war. „Wir wollten mit dem Projekt wirklich viel Geld machen,“ sagt Kragen. „Also entschieden wir, ein Album mit unveröffentlichten Aufnahmen der Künstler, die am Projekt beteiligt waren, zusammen zustellen. Ich sammelte die unveröffentlichten Tracks, die uns dann zugesendet wurden. Die Schwierigkeit bestand darin, dass wir für das Album nur 10 Aufnahmen brauchten, wir aber 20 bekamen. Paul Simon schickte eine Aufnahme, die aber nicht auf dem Album ist. Prince war der erste, der eine Aufnahme schickte, weil er bei der Session nicht dabei war. Ich denke, er bereute, nicht dabei gewesen zu sein und gab uns sofort einen Song, den wir auf das Album nehmen konnten.“

Kragen bestätigt, dass „We Are The World“ die größte Summe einbrachte, „etwa 60 Millionen Dollar. Ich weiß nicht, was mit den anderen Aufnahmen passierte, die wir nicht auf das Album nehmen konnten,“ sagt Kragen. „ich denke, sie wurden den Künstlern zurückgegeben. Das Album kostete $9,98 und davon hatten wir nur einen Dollar an Unkosten zu begleichen. Alles andere war gratis, sogar die Großhändler lieferten umsonst aus, und die Plattenläden verkauften es ohne Eigengewinn. Ich denke, wir zahlten nur für das Venyl und die Verpackung, das war alles.“

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We Are The World“ wurde zu der sich am schnellsten verkaufenden Single der Pop-Ära. Die erste Lieferung von 800.000 Stück war innerhalb von 3 Tagen nach der Auslieferung am 7.3. 1985 verkauft. Und ihr Vermächtnis ist bis heute spürbar.

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Quelle: http://www.goldminemag.com/article/we-are-the-world-25-years-later   

Übersetzung: M.v.d.L.

Lionel Richie über Michael (u.a. auch über „We Are the World“) – „Mit den Augen eines Kindes“: http://all4michael.com/2012/04/09/die-augen-eines-kindes-lionel-richie/

Eine Unterhaltung mit Really, Really Brad Sundberg

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A Conversation with Really, Really Brad Sundberg
Post vom 16/01/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

Willa: In dieser Woche haben Lisha McDuff und ich die große Ehre Brad Sundberg begrüßen zu können, der fast zwanzig Jahre lang mit Michael Jackson zusammengearbeitet hat. Er fungierte als technischer Direktor bei der Erstellung der Alben Bad, Dangerous und HIStory und war maßgeblich am Entwurf des Soundsystems auf Neverland beteiligt. Während der Arbeit an Bad gab Michael ihm den Spitznamen Really, Really Brad so wie etwa „I’m Brad, I’m Brad, I’m Really, Really Brad“. Ich könnte mich kaputtlachen!

Seit dem vergangenen Jahr hat Brad Seminare in den Vereinigten Staaten, in Kanada und Europa angeboten, um seinen Einblick wie auch Aufnahmen aus seiner Arbeit mit Michael Jackson zu zeigen. Mehrere unserer Freunde und Mitwirkenden – wie Lisha, Susan Fast und Joe Vogel – haben an seinem Seminar in Toronto teilgenommen und aus allem, was ich gehört habe, kann ich entnehmen, dass es unglaublich war! Lisha hat Brad gefragt, ob er mit uns reden würde, und er hat Ja gesagt. Brad, vielen Dank, dass du mitmachst!

Brad: Danke Willa, es ist großartig Zeit mit dir und Lisha zu verbringen.

Willa: Ich bin gespannt mehr über dein Seminar  In The Studio with Michael Jackson zu hören. Und wenn ich es richtig verstanden habe, planst du ein ganz besonderes Seminar in Disney World über die Aufnahmen zu Captain EO. Ist das richtig?

Brad: Die Seminare machen sehr viel Spaß, und ich glaube, dies wird mein zehntes sein! Jedes ist ein wenig anders, manchmal füge ich etwas hinzu oder entferne etwas, wenn es die Zeit vorgibt. Damals im Jahr 1984 traf ich Michael zum ersten Mal in den Westlake Studios, wo er mit Matt Forger Captain EO aufnahm. Matt und ich sind die ganzen Jahre über Freunde geblieben und haben an zahllosen Michael-Projekten zusammen gearbeitet. Disney hat nachhaltig angedeutet, dass EO 2014 geschlossen wird, also dachte ich, es würde ganz amüsant sein Matt nach Orlando zu holen und ein Seminar mit ihm zusammen zu machen, mit einer starken Betonung auf dem Captain EO Projekt. Damit es noch mehr Spaß macht, werden wir für das Seminar einen ganzen Tag im Studio sein (einschließlich dem „Family Friday“ Dinner!), dann werden die Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich mit uns am nächsten Wochenende in Epcot zu treffen, um mehrere Male EO zusammen anzusehen, weitere Fragen zu stellen und den ganzen Tag im Park verbringen zu können. Ich denke, es wird ein verblüffendes Wochenende für MJ Fans werden.

Lisha: Ich würde sagen, das ist eine Untertreibung! Das Seminar, an dem ich in Toronto teilgenommen habe, war wahrlich unglaublich und außerdem glaube ich nicht, dass schon annähernd genug über Captain EO gesagt oder geschrieben wurde, also ist dies etwas, was ich ungern verpassen würde. Captain EO in Disneys Epcot Center anzusehen ist eine völlig andere Erfahrung, als den Film auf irgendeine andere Art zu sehen, richtig? Nicht nur, dass Captain EO der erste Film mit 4D-Effekten war (also ein 3D-Film mit Spezialeffekten im Kino selbst), sondern er war außerdem der erste Film mit Surround-Sound (Raumklang), der je produziert wurde.

Brad: Das ist korrekt! Ich habe vor einigen Monaten mit Matt Forger gesprochen und wir sprachen über EO. Ich war damals `84/’85 ein Runner (jemand, der Essen, Staubsauger, Kabel etc. besorgt) in Westlake, als Matt die Aufnahmen für Captain EO machte. Disney entwickelte im Grunde  ein rein digitales Soundsystem nur für EO. Matt musste den Klang, wie er im Kino klingen würde, im Studio nachbilden, also hatte er Lautsprecher überall im Raum verteilt, überall waren Kabel … es war fantastisch!  Aber es erlaubte ihm die Musik zu mischen, so dass es immer noch wie Michael klang, aber trotzdem auch diese gigantischen Kinos ausfüllte, die Disney baute.

Im Studio mit Matt Forger

Im Studio mit Matt Forger

Lisha: Ich habe mich immer gefragt, wie das ursprünglich geplant und ausgearbeitet wurde, also bin ich wirklich gespannt darauf, mehr darüber von Matt Forger zu hören. Ich hatte die Gelegenheit den Film vor einiger Zeit in Disneyland zu sehen, und ich erinnere mich, dass überall im Kino Lautsprecher waren, sogar an der Rückwand des Hauses hinter dem Publikum. Captain EO ist aus einer ganzen Reihe von Gründen historisch bedeutend, denke ich, besonders in Hinsicht darauf, wie das Klangkonzept und die 4D-Effekte entwickelt wurden. Es muss aufregend gewesen sein, Brad, Zeuge dessen, wie dies alles zusammengefügt wurde, gewesen zu sein.

Brad: Hier ist eine lustige Randnotiz: Meine Frau und ich sind immer Disney-Fans gewesen, und wir gingen oft sonntags abends zum Essen nach Disneyland. Wir waren am Eröffnungswochenende für Captain EO dort, gemeinsam mit halb Los Angeles, und es war amüsant zu sehen, wie etwas, von dem ich im Studio ein kleiner Teil gewesen war, Disneyland eroberte. Wir haben immer noch unsere Original T-Shirts, so dämlich es sich anhören mag. Und ja, das Kino hat einige Disney-„4D“-Effekte, die die Erfahrung sehr viel umfassender machen, als es nur auf einem Computerbildschirm zu sehen. Dazu kommt noch, dass das Soundsystem original von Matt abgestimmt wurde, also klingt es außergewöhnlich.

Lisha: Ich finde überhaupt nicht, dass es sich dämlich anhört! Ich bin sicher, du bist froh, diese Original T-Shirts behalten zu haben – das ist solch eine großartige Erinnerung. Und ich finde auch, dass das Soundsystem erstaunlich ist, außerdem liebe ich all die theatralischen Spezialeffekte ebenso.

Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass da unter jedem Sitz Kabel lagen, die mit dem Film synchronisierte Bewegungen  erzeugten. Wenn das Raumschiff beim Landen aufprallt, kannst du wirklich die Wirkung des Aufpralls in deinem Sitz spüren. Ein weiterer großartiger Effekt ist, dass da winzige Fächer und Bedunster in den Rückenlehnen eingebaut sind, so dass du, wenn Hooter seine Elefantentöne von sich gibt, einen kleinen Luftzug und Nebel direkt in dein Gesicht geblasen bekommst, gerade so, als würde es direkt aus seinem Rüssel kommen!

Willa: Das ist lustig!

Lisha: Das ist es wirklich! Es gibt auch eine Menge spezielle Lichteffekte, die aus jeder nur vorstellbaren Richtung kommen, sogar von der Unterseite der Sitze, und einen glitzernden Discokugel-Effekt, der eingesetzt wird, wenn sich der „Oberste Führer“ in eine wunderschöne Göttin verwandelt. Auf der großen Leinwand sind unzählig viele Details zu sehen, die du nicht erkennen kannst, wenn du es auf andere Art ansiehst, wie die kleinen, bunten Lichter, die Michaels elektrifiziertes Kostüm schmücken.

Ich denke, die Surround-Sound-Effekte waren ebenfalls amüsant. Ich erinnere mich besonders an die Kampfszene und wie der Klang des Laserfeuers sich so schnell durch das ganze Kino bewegt. Ich konnte hören, wie es über die Köpfe hinweg von der Rückseite des Kinos den ganzen Weg bis nach vorne gerast ist und den Zuschauer so in die Filmszene hineingezogen hat.

Ich befürchte, dass wenn Captain EO erst einmal nicht mehr bei Disney gezeigt wird, es keinen Weg mehr gibt, den Film zu erleben, wie er von seinen Erschaffern, Michael Jackson, George Lucas und Francis Ford Coppola, einem  der herausragendsten Kreativteams, das jemals zusammenkam, beabsichtigt worden war! Dies könnte wirklich die letzte Gelegenheit sein ihn zu erleben.

Willa: Wow Lisha. Du gibst mir wirklich das Gefühl, dass ich dorthin gehen muss, ehe sie schließen. Ich habe Captain EO im Epcot Center nicht mehr gesehen, seit, hmmm … 1986, glaube ich. Und ich erinnere mich daran, wie die Sitze ruckeln  und vibrieren, aber ich erinnere mich nicht mehr an irgendwelchen Nebel aus Hooters Rüssel! Und ich erinnere mich auch nicht mehr an diese Klanglandschaft, die du so lebhaft beschreibst – ich weiß, du bist Musikerin! Ich erinnere mich nur, dass die klanglichen und visuellen und technischen Effekte ziemlich unglaublich waren.

© Disney-From the Walt Disney Archives, for the Archives Web Site Only.

Brad: Captain EO ist anders als jeder andere Sci-Fi-Film oder Musikvideo (Short Film), der jemals gemacht wurde. Es war ein enormes Budget (für die Zeit) und der Pool an Talenten ist ziemlich bemerkenswert. Ja, die Kostüme und Frisuren schreien nach den Achtzigern!! Aber es waren die Achtziger, und es hat Spaß gemacht. Ich kann weder sagen, noch weiß ich es genau, wann die Attraktion geschlossen wird, aber das Gerücht wird lauter, dass seine Tage gezählt sind, also wollte ich das Seminar lieber jetzt als in ein paar Monaten.

Lisha: Wie ich gehört habe, war das Budget beispiellos in der Geschichte. Mit Kosten von 30 Millionen Dollar für einen 17-minütigen Film kommt man auf 1.76 Millionen Dollar pro Minute! Es ist der teuerste Film pro Minute, der je produziert wurde, und es war ein riesiges Unterfangen für Disney, Lucas, Coppola und Michael Jackson. Wie du gesagt hast, Brad, halb Los Angeles tauchte bei der Premiere auf!

Für die Fans, die niemals die Gelegenheit hatten Michael Jackson live auftreten zu sehen, kommt die Erfahrung des 4D-Films dem vielleicht am nächsten, meinst du nicht?

Brad: Ich nehme an, das ist leider wahr. Hatte jemand von euch jemals die Chance ihn live zu sehen?

Lisha: Nein, unglücklicherweise nicht! Ich bin einer der neuen Fans. Mehrere Leute haben gesagt, es sei unmöglich zu wissen, wie es ist Michael Jackson live auftreten zu sehen, bis du es tatsächlich selbst erlebt hast. Was ist mit dir, Willa? Das ist etwas, das ich dich fragen möchte. Hast du Michael Jackson jemals live auftreten sehen?

Willa: Nein, habe ich nicht, und das aus dem gegenteiligen Grund. Ich habe immer eine sehr starke Verbindung zu Michael Jackson gespürt, seit ich wirklich sehr jung, noch in der Grundschule war, und es fühlte sich einfach so intensiv persönlich an, dass ich mir nicht vorstellen konnte, ihn mit tausenden schreienden Menschen zusammen in einem Stadion zu erleben. Und er hat nie irgendwo in meiner Nähe ein Konzert gegeben – ich bin sicher, wenn er das hätte, dann hätte ich einfach nicht widerstehen können. Aber trotzdem … ich hätte auf jeden Fall gehen sollen. Es ist schwer zu erklären, aber das erste Konzert, das ich je sah, war Aerosmith – ein Freund hat mich dazu überredet und es hat wirklich Spaß gemacht, war aber ziemlich überwältigend für mich – und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, Michael Jackson auf diese Art zu sehen. Es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Obwohl ich es jetzt wirklich bereue.

Lisha: Oh, ich auch. Ich bereue es wirklich – was habe ich nur gedacht?

Willa: Was ist mit dir, Brad? Ich kann mir vorstellen, dass du ihn einige Male erleben konntest …

Brad: Darf ich euch eine oder zwei kurze Geschichten erzählen? 1984, als ich noch im College war, kamen die Victory Tour Tickets im Dodger Stadium in L.A. in den Verkauf.  Ich wollte wirklich dahin, aber du musstest vier Tickets auf einmal kaufen in einer Art Lotterie. Es war kompliziert und teuer, und ich habe es einfach nicht geschafft. Wenn ich nur vier Jahre weiterspule ins Jahr 1988, da habe ich die Show mit meiner Frau von Backstage im Madison Square Garden angesehen!

Willa: Wow!

Brad: Nun, jetzt kommt das Verrückte – ich hatte intensiv mit Michael an EO und Bad gearbeitet und habe Zeit mit ihm verbracht, aber ich hatte ihn niemals auf der Bühne gesehen. Es ging einem durch und durch – es war, als würde ich ihn kennen, aber gleichzeitig keinen Schimmer haben, wer er war.

Willa: Weißt du, ich habe so etwas verschiedene Leute wie Bruce Swedien und Frank Cascio sagen hören, und ich möchte so gern mehr darüber wissen. Das muss erstaunlich gewesen sein, ihn sich von seinem Selbst außerhalb der Bühne in sein Selbst auf der Bühne verwandeln zu sehen.

Brad: Ich hatte das Glück, ihn viele Male auf der Bad, Dangerous und HIStory Tour auftreten sehen zu können, ebenso wie bei seinen Proben mit der Band und den Tänzern. Während einer Show in Paris 1997 bei der HIStory Tour war meine Tochter Amanda (zu der Zeit sieben Jahre alt) mit mehreren anderen Kindern während Heal The World auf der Bühne.

Willa: Oh, das ist wundervoll!

Lisha: Unglaublich.

Brad: Es war amüsant, das zu sehen. Aber meine liebste Tourgeschichte ereignete sich hinter der Bühne während der Bad Tour im Madison Square Garden NYC. Pepsi war der Sponsor, und sie hatten eine VIP-Lounge Backstage. Meine Frau Debbie und ich streiften durch die Räume hinter der Bühne, und ich verschwand in einem Badezimmer. Auf dem Weg nach draußen, der zurück zur Bühne führte, spazierte ich in die VIP-Lounge, um mir eine Pepsi zu nehmen. Es war nur eine andere Person dort: Supermodel Christie Brinkley! Ich sagte Hi und wir unterhielten uns ganz kurz, und ich sagte, ich würde hoffen, dass sie die Show genießen würde und ging dann wieder hinaus. Deb wartete etwas entfernt auf mich und fing an zu lachen, als sie mich sah. Ich ging weiter und sie lachte noch mehr. Ich zog etwa 2 m Toilettenpapier an meinen Schuhen hinter mir her. Ich erzählte ihr, wen ich gerade getroffen hatte, und daraufhin lachte sie noch mehr! OK, ich schweife vom Thema ab, und ich blamiere mich … wie war die Frage noch gleich?

Lisha: Ok, ich könnte schreien vor Lachen. Sorry, aber das ist wirklich saukomisch! Ich hoffe, dass jeder ein Gefühl dafür bekommt, wie lustig es ist, dich diese Geschichten erzählen zu hören!

Willa: Das macht wirklich Spaß! Also ich weiß nur sehr wenig darüber, wie Musikfilme gemacht werden. Was kommt normalerweise zuerst – das Filmen oder das Aufnehmen? Was ich meine ist, wurden bei Captain EO die Songs zuerst aufgenommen und Michael Jackson sang sie dann während der Filmaufnahmen? Oder kam das Filmen zuerst und dann sang er die Songs passend zum Film? Und an welchem Punkt wurdest du in das Captain EO Projekt mit einbezogen?

Brad: Das ist eine großartige Frage, und die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Die Musik wird als erstes aufgenommen, aber manchmal ist es nötig, dass die Musik bearbeitet wird, damit sie in eine bestimmte Szene passt. Er sang im Film lippensynchron zu der Musik, die Matt im Studio aufgenommen hatte. Captain EO war (nach meiner Erinnerung) in einem frühen Produktionsstadium, als ich anfing in Westlake zu arbeiten.

Willa: Und was bedeutet „frühes Produktionsstadium“? Ich weiß wirklich nicht viel über all dies. Waren die Handlung, die Rollen, Songs, Dialoge, Choreografien alle schon ziemlich mit einbezogen, oder gab es noch Details, die ausgearbeitet werden mussten?

Brad: Ich weiß es nicht sicher, da wir nur an der Musik gearbeitet haben. Da ich an vielen Produktionen mitgewirkt habe, ist meine Vermutung, dass der größte Teil der Story geschrieben war, aber die Ad-Libs und Änderungen in letzter Minute noch ins Spiel kamen.

Willa: Das ist interessant. Und wie sehr war Michael Jackson in diese Änderungen in letzter Minute und bei anderen Entscheidungen involviert? War er ziemlich ausschließlich auf seinen Auftritt konzentriert oder hatte er auch Vorstellungen darüber, wie das fertige Stück aussehen und klingen sollte?

Brad: Ich weiß, dass Michael es liebte bei Filmaufnahmen dabei zu sein. Er liebte es zuzusehen und den ganzen Prozess von den Profis zu lernen. So wie ich ihn kenne, stelle ich mir vor, dass er sehr auf seine Performance fokussiert war und wahrscheinlich dem Produktionsteam vertraute. Schließlich ist es schwer mit Francis Coppola und George Lucas etwas falsch zu machen.

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Lisha: Brad, kannst du uns erzählen, wie du mit deinen Seminaren begonnen hast und was jemand erwarten kann, der daran teilnehmen möchte?

Brad: Großartige Frage. Die ganz kurze Version einer langen Geschichte ist, dass ich vor etwa zwei Jahren von einigen französischen Fans angesprochen worden war, meine Geschichten mit ihnen zu teilen. Ich flog im Sommer 2012 für einige Tage nach Paris, und wir hatten eine Gruppe von etwa 12 Personen in einem Studio. Ich brachte Unmengen von Bändern mit Aufnahmen mit und es war irgendwie unorganisiert, hat aber sehr viel Spaß gemacht. Ich nahm dann ein Band mit einer Aufnahme, spielte einen alten Mix ab und erzählte dann von einigen Erinnerungen, die ich dazu hatte.

Willa: Oh, das klingt fabelhaft! Was für ein unglaubliches Erlebnis.

Brad: Sie haben es wirklich genossen, und ich dachte mir, ich sollte es im darauffolgenden Frühjahr noch einmal in New York durchführen. Ich hielt dort zwei Seminare, ergänzte es aber durch einige Videos und ging in Hinsicht meiner Jahre, die ich mit Michael arbeitete, ein bisschen chronologischer vor. Diese Seminare verliefen auch sehr gut,  ziemlich bald hielt ich eins in Orlando, dann in Paris, Stockholm, Toronto und nun wieder am 8. Februar in Orlando ab.

Michael hatte durch seine Musik, seinen Tanz, seine Menschlichkeit, seinen Humor und vielleicht auch durch seinen Schmerz zu vielen Leuten eine einzigartige Verbindung. Ich bin weder in seinen Schuhen gegangen, noch war ich sein bester Freund – aber ich liebte es mit ihm zu arbeiten, und ich bin stolz, dass ich ihn als Freund bezeichnen darf. Ich kann immer noch sein Lachen hören, und ich sehe immer noch seine Begeisterung über einen großartigen Mix im Studio oder ein neues Karussell auf der Ranch. Er war wie niemand, den du jemals vorher getroffen hast. Er war Michael – und wenn ich Menschen ein Gefühl dafür vermitteln kann, wie es war, in seiner Nähe zu sein, dann macht mich das glücklich.

Willa: Das klingt wundervoll. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, der an deinem Seminar teilgenommen hat, Brad, schwärmt davon. Stephenson zum Beispiel war bei einem Seminar in New York und schickte uns eine E-Mail darüber mit lauter interessanten Details und Anmerkungen, wie diese hier:

Er spielte Teile einer zweistündigen Aufnahme von MJ und Bill Bottrell, während der Entwicklung von Give In to Me – es war so erstaunlich, denn der Song – die Musik und die Lyrics – entwickelten sich langsam aus experimentellen Klängen von Bills Gitarre und MJ’s Gesang, und du konntest hören, wie es Stück für Stück Form annahm. WOW!!!!!

Und nur die unglaubliche Klangqualität allein in deinen Seminaren … Mir wurde gesagt, es sei, als würdest du zum ersten Mal seine Musik hören – ich meine, sie wirklich hören. Im Anschluss an Captain EO im Epcot Center mit dem vollständigen Erlebnis dessen, wie es ursprünglich beabsichtigt war, ist ein zusätzlicher Bonus.

Brad: Gerüchten zufolge wird Disney Captain EO nach einer ungewöhnlichen Laufzeit irgendwann beenden, also kontaktierte ich Matt Forger und fragte ihn, ob er sich für ein Seminar mit einem speziellen Part über Captain EO und Thriller anschließen würde. Er stimmte zu, es wird also ein ziemlich besonderer Tag werden.

Was einen dann erwartet, ist schwer zu sagen. Ich gehe in jedes Seminar mit einem Minimum an Vorbereitung und sehe dann, wohin es sich entwickelt. Manchmal verbringen wir ein wenig mehr Zeit mit Bad oder wir graben etwas tiefer bei Dangerous. Ich mag es, es ziemlich flexibel zu halten und nicht übermäßig strukturiert. Es gibt gewissen Momente, über die geschrieben worden sind, und über die die Teilnehmer mehr erfahren wollten, aber ich mag es, wenn jemand kommt und keine Vorstellung davon hat, was ihn erwartet. Ich hatte eine Teilnehmerin zu Gast, die ihren Mann, den man nicht gerade als einen Mega-Fan bezeichnen würde, mitgebracht hat. Er war ein wirklich cooler Typ, und es bedeutete so viel für mich, dass er sagte, er hätte den Tag wirklich genossen. Ich mag die Vorstellung, dass etwas über Michaels Arbeitsstil und die Gruppe von erstaunlichen Leuten im Studio zu erfahren, für so viele Menschen, die vielleicht nicht von sich denken, dass sie MJ Fans sind, von Interesse ist. Abgesehen davon habe ich sicherlich einige unglaubliche Fans getroffen, die so sehr schätzen, was ich mache.

Willa: Oh, das klingt fabelhaft, und ich würde gern mehr über seinen Arbeitsstil und den kreativen Prozess erfahren! Wie ich es verstanden habe, komponierte er die meisten seiner Songs, in dem er seine Einfälle mit einem Kassettenrecorder aufnahm – ist das richtig? Er sang die Melodie, die Harmonien, sogar Klänge wie Drums oder Streichinstrumente oder Blechinstrumente oder Gitarrenspuren, um zu zeigen, wie er sich den Klang der Instrumentalisierung vorstellte. So brachte er es dann ins Studio, und was geschah dann? Wie geht der Prozess weiter, seine Ideen von einem Kassettenrecorder in einen Song auf einem Album zu verwandeln?

Brad: Manchmal gaben wir Michael einen Kassettenrecorder, aber vergesst nicht – innerhalb von 45 Sekunden, nachdem wir ihm etwas gegeben hatten, hatte Michael es schon wieder verloren. Im Ernst. Es war typischer für ihn Matt anzurufen (oder jemandem aus dem Team), um sich im Studio zu treffen. Wir brachten dann eventuell John Barnes oder Michael Boddicker mit, damit sie dabei behilflich waren, den Track zusammenzusetzen. Michael sang dann einen Teil der Melodie und die Rhythmus-Parts und wir fingen dann an, es in einem Sequenzer zusammenzusetzen. Andere Male sang er die Teile einfach auf’s Band, und wir ersetzten seine Stimme später durch Instrumente.

Willa: Das ist so interessant! Lisha hatte in einem Posting vor einigen Wochen schon vermutet, dass er es so gemacht hat – dass er Parts sang, die später dann durch Instrumente ersetzt wurden. Lisha, du lagst richtig!

Lisha: Ich bin so fasziniert davon, wie es funktionierte!

Brad: Er liebte es auch mit anderen Songschreibern wie Siedah Garret oder Bill Bottrell an einigen Songs zusammenzuarbeiten.  Wenn ein Song erst einmal über das Stadium als Demo hinaus war, begannen wir damit immer mehr Musiker dazu zu holen, um alles auf eine neue Ebene zu bringen. Während meiner Jahre mit Michael nutzten wir für seine Stimme nie die digitale Tonhöhenkorrektur. Er sang jede Note, jede Notenfolge, jeden Part. Ich gehe bezogen auf diesen Prozess in meinem Seminar sehr ins Detail.

Lisha: Du hast in Toronto erwähnt, dass Bruce Swediens Geheimnis, um eine großartige Leadstimme zu erhalten, vor allem einfach die Wahl des richtigen Mikrofons und eine korrekte Aufnahme ist! Ich bin nicht sicher, ob die Leute überhaupt realisieren, wie eng du mit Bruce Swedien zusammenarbeitest.

Brad: Oh Mann, Bruce ist ein lieber Freund und mein Mentor. Meine Jahre mit Michael hätten ohne Bruce niemals stattgefunden, Punkt. 1986 arbeitete ich an Aufnahmen in Westlake, und Bruce und ich wurden Freunde. Ich denke, er sah mich als Hoffnungsträger und fragte, ob ich bei einer Aufnahme für Michaels neues Album dabei sein wolle. Könnt ihr euch das vorstellen?? Ich ergriff die Gelegenheit!

Lisha: Wie surreal!

Brad: Tagsüber arbeitete ich an einem Werbespot für Taco Bell („Run for the Border!“) und abends sah ich Michael zu, wie er Man in the Mirror oder Smooth Criminal sang.

Willa: Wow, das ist ein Kontrast!

Brad: Es war nichts Geringeres als einfach außergewöhnlich. Als das Album veröffentlicht war, wollte sich Bruce‘ Assistent Craig beruflich verändern, und  so wurde ich für fast eine Dekade Bruce‘ Assistent (Technischer Direktor). Als nächstes folgte Quincys Back on the Block und danach Michaels Dangerous und HIStory. Die verrückte Sache ist, dass jedes dieser Projekte manchmal zwei Jahre oder mehr in Anspruch nahm, wenn du die Produktionszeit insgesamt, die Remixe, Dance Mixes, Video Mixes usw. rechnest. Bruce ist ein Meister, er ist der Meister seiner Zunft. Sein Humor schafft eine ungezwungene Atmosphäre, aber seine Fähigkeit Musik aufzunehmen und zu mischen, eine Klanglandschaft zu erschaffen ist unvergleichlich. Niemand sonst ist wie Bruce, und ich bin dankbar für alles, was er mir beigebracht hat.

Lisha: Ich habe dein Interview in Bruce Swediens neuem Buch The Bruce Swedien Recording Method gelesen, und ich dachte dabei, dass du wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen hast, als du sagst: „Wenn Bruce einen Mix fertiggestellt hat, dann verlässt dieser wirklich die Lautsprecher – er setzt sich genau vor dir und überall um dich herum in Bewegung.“ Es ist einfach eine magische Erfahrung dem zuzuhören, was Bruce Swedien mit Klang alles machen kann.

Wir alle wissen, dass eine Menge technisches Know How nötig ist, um ein großer Klang- und Aufnahmeingenieur zu sein, aber ich bin nicht sicher, ob wirklich verstanden wird, wie viel künstlerisches Geschick und schlicht gutes musikalisches Handwerk einfach auch nötig ist. In deinem Seminar zum Beispiel, Brad, bemerkte ich, dass, als du zur Gruppe gesprochen hast, du ständig deiner eigenen Stimme gelauscht hast, wie sie durch die Lautsprecher klang und sie dann justiert hast. Du hast mehrere Male zu den Reglern hinübergegriffen und winzige Änderungen vorgenommen, was die großartigste Klangqualität zur Folge hatte. Mir kam der Gedanke, dass es der Art und Weise ähnlich ist, auf die ein guter Musiker zuhört und sich dem anpasst, was er hört.

Willa: Das ist interessant!

Brad: Wow Lisha, du hast wirklich aufgepasst! Ich mache meine Frauen zuhause verrückt, weil ich den Equalizer in ihren Autos oder den Klang beim Fernseher einstelle oder wenn wir zu Hause einen Film angucken. Ich bin sogar schon während eines Films aus dem Kino gegangen, weil der Klang so schlecht war.

Lisha: Berufsrisiko! Du hast auch eine faszinierende Geschichte über das Arbeiten mit Bruce Swedien unter nicht gerade optimalen Umständen erzählt und wie du mit Erstaunen beobachtet hast, wie er einen Weg gefunden hat, dass es funktionierte. Es hat mich wirklich überzeugt, dass das Equipment und all die technischen Zaubereien, die bei den Aufnahmen im Spiel sind, zweitrangig sind, gemessen am künstlerischen Geschick der Person, die es ausführt.

Brad: Ich arbeitete einmal mit Bruce in einem Heimstudio in L.A. Es war alles andere als unser typisches tadelloses Umfeld wie das Record One oder die Hit Factory. Es war ein Mischpult in einem Wohnzimmer mit Couches und Lampen und einer typischen Wohnumgebung. Daran ist nichts auszusetzen, aber es nicht ganz das, was wir gewohnt waren.

Lisha: Gelinde gesagt!

Brad: Jedenfalls hat Bruce auf diesem alten Mischpult einen Mix erstellt, der mir eine Gänsehaut verursacht hat – und das tut es immer noch. Er war so deutlich und ausdrucksstark, er passte absolut nicht zu dem Ort seiner Entstehung. So als ob man zu Dairy Queen geht und ein perfektes Lammkarree mit einer großartigen Flasche Wein bekommt. Gott hat Bruce mit einem erstaunlichen Paar Ohren gesegnet und mit dem Talent, Klänge zu erschaffen, die eine Klasse für sich darstellen.

Lisha: Als er zu einer Gruppe Studenten der Full Sail University sprach sagte Bruce Swedien etwas, das mich völlig zum Stillstand brachte. Mit einem sehr einfühlsamen Ton in seiner Stimme sagte er: „Das erste, was ich euch erzählen möchte ist – dass ganz gleich, wie gut ein Song ist oder wie fähig die Musiker sind, die ihn spielen, eine unzureichend ausgeführte Aufnahme und Mix dieses Songs dich kalt lassen wird.“ Hier ist ein Clip dazu:


Was für eine dramatische Aussage! Und ich denke, er hat Recht. Am Ende des Tages ist das musikalische Handwerk, das die Aufnahme- und Klangingenieure zeigen, mindestens so wichtig wie jedes andere musikalische Element in einem Song. Du und deine Kollegen, ihr habt eine so wesentliche Rolle bei der Erschaffung einiger der feinsten Aufnahmen, die jemals produziert wurden, gespielt. Es war wahrlich eine umfassende Zusammenarbeit, und ich habe das Gefühl, Michael Jackson hat das in jeder Hinsicht verstanden.

Brad: Dies soll keinesfalls arrogant klingen, aber es ist schwer zu beschreiben, wie außergewöhnlich es war, im selben Raum zu sein mit Quincy Jones, Bruce Swedien, Rod Temperton, Bill Bottrell, David Foster, Teddy Riley, Greg Phillinganes, Steve Porcaro, Siedah Garrett, Michael Boddicker, John Robinson, David Williams, Paulinho da Costa … Dies Liste ließe sich unendlich fortführen. Außergewöhnlich talentierte Menschen, die alle zusammengearbeitet haben, eine Ansammlung dieser Talente, um Michaels Aufnahmen so musikalisch, kreativ und klanglich unglaublich wie möglich zu machen.

Es brauchte einen Künstler wie Michael, um diese Art Produktionsarmee zusammenzubringen. Ich höre Dinge in diesen Alben, die zahllose Erinnerungen zurückbringen – was aber über dem Ganzen lag, war die Liebe für das, was wir taten und die Liebe für denjenigen, für den wir arbeiteten. Ich denke, Michael wusste das, denn er arbeitete einfach noch ein bisschen härter als jeder andere von uns. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, aber ich war so gesegnet, Teil von etwas zu sein, das so viel größer war, als ich es mir jemals hatte vorstellen können, und ich bin dankbar, ein kleiner Teil davon gewesen zu sein.

Lisha: Ich möchte einfach noch sagen, obwohl du sehr bescheiden und zurückhaltend bist, Brad, sollte sich niemand täuschen! Für mich war es ganz offensichtlich, als ich dich bei der Arbeit beobachtet habe, dass es einen Grund dafür gibt, dass du mit all diesen Größen zusammen in einem Raum warst. Ich erkenne, dass du bei allem, was du machst, nach vortrefflicher Leistung strebst – in den Seminaren, im Studio und auf der Neverland Ranch. Ich glaube wirklich, dass ich verstanden habe, warum Michael Jackson dich geschätzt und dir so sehr vertraut hat.

Willa: Und ich bin froh, dass du die Erinnerungen an deine Arbeit mit Michael Jackson und diesem unglaublich talentierten Team von Musikern und Künstlern durch deine Seminare und auch heute mit uns teilst. Es war wirklich wunderbar dich darüber reden zu hören!

Also, ich weiß, dass Lisha vorhat, an deinem Seminar in Orlando am 8. Februar teilzunehmen. Wenn andere auch kommen möchten oder etwas über weitere Seminare herausfinden möchten, wie können sie sich anmelden oder informieren?

Brad: Der 8. Februar in Orlando wird ein außergewöhnlicher Tag werden. Ich habe Matt viele Jahre nicht gesehen, ihn also im selben Raum zu haben, seine Geschichten und Erinnerungen mit ihm zu teilen, wird fantastisch werden. Wir werden über Thriller, Captain EO, Bad, Dangerous und HIStory berichten und außerdem ein paar Überraschungen bereit halten. Das Ganze findet in einem wunderschönen Studio in Orlando statt, und ich werde meine Lautsprecher aus Westlake mitbringen. Das sind genau die Lautsprecher, die Bruce und ich benutzt haben, um Dangerous und HIStory abzumischen. Ihr werdet die Musik und die Mixes ganz genau so hören, wie Michael sie gehört hat.

Zusätzlich werde ich Linda mitbringen, meinen Catering Rock Star, sie wird uns ein außergewöhnliches Essen zubereiten, genauso, wie wir es an den „Family Fridays“ gehabt haben, an denen Michael uns dazu aufforderte, unsere Familien für ein paar Stunden mit Lachen, Geschichten und großartigem Essen mitzubringen.

Tickets kann man hier bestellen:

https://inthestudiowithmichaeljackson.ticketbud.com/in-the-studio-with-mj—orlando

Es gibt auch noch mehr Informationen auf meiner Website:

http://inthestudiowithmj.com

und auf meiner Facebook Seite:

https://www.facebook.com/inthestudiowithmj

Ich freue mich darauf neue Freunde kennenzulernen und einen aufregenden Tag miteinander zu verbringen.

Lisha: Ich kann es kaum erwarten! Wir sehen uns.

Brad-Sundberg

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