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Auf der Suche nach Neverland – Teil 2 -

Auf der Suche nach Neverland

- In Search Of Neverland – Gloria Rhoads Berlin -

Buch: http://www.insearchofneverlandthebook.com

- Teil 2 -

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Lass uns einen Deal machen

Die Fahrt nach Hause war eine gute Gelegenheit, um zu reden. Ich erzählte Michael, dass ich wissen wollte, was er über das alles dachte. Er erwiderte: „Lass uns einen Deal machen. Lass uns diese Ranch auf der Stelle unter meinem Namen klarmachen. Ich möchte sie kaufen, und ich möchte, dass du mir hilfst, Gloria. Ich habe nur elf Millionen Dollar für eine Sofortzahlung (Anzahlung). Ich habe nicht die Mittel, alles auf einmal zu zahlen. Was denkst du würde ein angemessener Preis für die Ranch sein?“

Meine Untersuchungen hatten ergeben, dass die Sycamore Valley Ranch in der Größenordnung von 2700 Acres die teuerste Ranch in den gesamten Vereinigten Staaten war; sie war außerdem viel zu hoch bewertet, aber nichtsdestotrotz würde der potentielle Käufer ein Angebot als Antwort auf Bill Bones Preisvorstellung von 35 Millionen Dollar machen müssen. Und ich wusste, das würde eine schwierige Transaktion sein, nicht nur weil Michael zum ersten Leg seiner Bad World Tour, seiner ersten Solo Tour, aufbrechen würde, sondern auch weil die Leute, die Michael umgaben, nicht wollten, dass er die Sycamore Valley Ranch kaufte.

Sie hatten andere Ranches im Sinn, Grundstücke, die ihren Freunden oder Verwandten gehörten. Sie waren erpicht darauf, dass er etwas kaufen würde, wovon sie dachten, dass es ihnen nützt, nicht, was Michael Jackson nützen würde. (Sie waren außerdem daran interessiert, die Provision für diesen Verkauf, der als Grundstücksverkauf des Jahrhunderts bekannt werden sollte, zu bekommen.) Und mir war bewusst, dass Michael Jackson in den letzten Jahren mit einigen Maklern zusammengearbeitet und nie gefunden hat, wonach er suchte. Ich sagte: „Ich glaube, wenn man genau jetzt die Preise der Ranches verteilt über die gesamten Vereinigten Staaten in Erwägung zieht, dass 17 Millionen Dollar wahrscheinlich der angemessene Preis sein würden. Es würde ein gutes Geschäft sein, wenn wir die Ranch zu diesem Preis bekämen, wenn man all die Häuser und Bauten betrachtet.

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(…)

Der nächste Schritt für uns war, ein Angebot abzugeben. Aber sogar bevor wir Michaels erstes Angebot abgaben, mussten wir mit der Entourage seiner Berater zusammenarbeiten. Bald nachdem ich Michael die Sycamore Valley Ranch gezeigt hatte, schlug sein Anwalt John Branca vor (ohne mich zu Rate zu ziehen), dass Michael ein Angebot von 10 Millionen Dollar machen solle. Im Grunde wollte er sogar, dass es noch niedriger sein würde – ein Angebot über 9 Millionen Dollar.

Als ich dies erfuhr, riet ich: „Michael, weißt du, du wirst den Eigentümer damit verärgern, und er wird schwer zu beeinflussen sein, wenn wir ihn gegen uns aufbringen. Du kannst ihm genauso gut ins Gesicht schlagen. Es handelt sich hier nicht um eine Zwangsversteigerung oder eine Zwangsvollstreckung. Wenn du ein Superreicher bist wie der Eigentümer, Bill Bone, lässt du dir das nicht bieten. Der Mann ist reich genug und als Bauunternehmer des Jahrzehnts bekannt. Er muss die Ranch nicht mal verkaufen, wenn er es nicht will. Sie müssen das nicht tun.“

Nachdem ich mit Michael über das Angebot gesprochen habe, autorisierte er mich, eines über 13 Millionen Dollar mit einem 200.000 Dollar hohen Bankscheck abzugeben. Obwohl Michael mich zu der Angebotshöhe bevollmächtigt hatte, musste vorher noch der Input und die Zustimmung von John Branca, Frank DiLeo und Marshall Gelfand eingeholt werden. Seine Berater griffen weiter ein, meinten, es solle weniger Geld sein, dass wir nicht ein so hohes Angebot machen sollten. Für mich schien es so, als wollten sie Michael davon abhalten, das zu bekommen, was er gern haben wollte.

John Branca gab schließlich auf und machte das Angebot für Michael, als sein Anwalt. Das Angebot musste unter dem Namen von John Branca und nicht Michael Jacksons abgegeben werden, um den Kauf zu beschleunigen und um die Transaktion von den Augen der Medien fernzuhalten. (Später wurde es als Treuhandfond unter Michael Jacksons Namen verwaltet, aber John Brancas Name wurde in den Original Kaufpapieren benutzt; die Tatsache, dass das Angebot in John Brancas Namen gemacht wurde, verkomplizierte die gesamte Transaktion.) Branca hätte es wirklich vorgezogen, wenn ich nicht Teil dieser ganzen Aktion gewesen wäre, aber da ich als Maklerin Michael repräsentierte, musste das Angebot durch mich unterbreitet werden.

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- John Branca & Michael -

(…)

Wir fanden Bill in der Pilot’s Lounge und übergaben ihm das Angebot. Er sah es an und war absolut am Boden zerstört. Seine Augen wurden feucht und er fing an zu weinen. Er sagte: „Ich kann nicht glauben, dass ihr mir dies antut. Dieses Angebot ist völlig unakzeptabel. Ich möchte nicht darüber diskutieren – es gibt nichts darüber zu reden. Ich möchte mir nicht mal die Mühe für ein Gegenangebot machen.“ Er schloss damit ab, indem er sagte, dass wenn ich ein Mann gewesen wäre, er mich hier auf der Stelle mit der Faust geschlagen hätte.

Ich flehte Mr. Bone an gegenzubieten, aber er weigerte sich. Wir hatten keine andere Wahl, als wieder nach Los Angeles zurückzukehren. Ich informierte John Branca darüber, was passiert war, und er erzählte mir, seine Hände wären gebunden und alles würde von Michael abhängen.

Glücklicherweise rief Michael mich von der Tour aus an und fragte: „Was machen wir jetzt als Nächstes?“ Ich erzählte ihm, er müsse jetzt ein höheres Angebot machen, und wir müssten uns bewusst sein, dass die japanischen Investoren ebenfalls daran interessiert seien, ein Angebot zu machen.

Michael sagte: „Er kann ihnen die Ranch nicht verkaufen.“

Aber wieder leitete er es weiter zu John Branca, der die Tatsache herunterspielte, dass die Japaner interessiert seien und wies ein Angebot von nur einer Million mehr an.

Am 20. Juli 1987 wurde ein Angebot von 14 Millionen Dollar abgegeben. Dieses Angebot war ebenfalls unakzeptabel und eine weitere Beleidigung für Bill Bone, dessen Gesicht vor Zorn rot wie eine Tomate wurde. Ich protestierte stark, diese Angebote seien lächerlich, und so bewilligte Mr. Branca am 4. September ein drittes Angebot über 14.250.000 Dollar.

An diesem Punkt war ich verzweifelt und dachte nicht, die Transaktion jemals zu Ende bringen zu können.

(…)

Michael war auf seiner Tour und rief mich regelmäßig zu jeder Stunde Tag und Nacht an, um sicherzustellen, dass er die Ranch nicht an jemand anderen verloren hatte und um Feedback zu dem letzten Angebot zu erhalten. Er wollte einen täglichen Bericht mit einer minutiösen Beschreibung von mir, denn es war klar, er wollte diese Ranch kaufen. Er war beunruhigt und fürchtete, Bill Bone würde sie an die japanischen Geschäftsleute verkaufen.

Unmöglich wie es schien, setzte sich dieser Prozess über die nächsten Monate fort. Nachdem ein Angebot abgegeben und zurückgewiesen wurde, diskutierte ich die Situation mit Mr. Branca, und schließlich wurde ein neues Angebot um weitere 250.000 Dollar höher als das vorangegangene abgegeben. Es war eine Travestie, die peinlich war für Bill Bone, GiGi De Long – und für mich.

Die Verhandlungen mit Bill Bone liefen nicht gut, denn er hielt den Preis immer schön über dem gegenwärtigen Marktwert. Er war wütend, dass die Angebote, die wir gemacht hatten, so niedrig waren und machte sich nicht einmal die Mühe für ein Gegenangebot.

(…)

Ich bat ihn eindringlich, es für Michael und mich zu tun. „Wenn doch niemand nah genug an den Preis herankommt, den du dir vorstellst,“ sagte ich zu Bill Bone, „warum akzeptierst du dann nicht ganz einfach jetzt Michaels Angebot?“ Bill Bone hielt wieder dagegen, er würde lieber das Grundstück in Ranchettes, Parzellen zu fünf Acres, aufteilen, so dass er seine 35 Millionen bekommen würde. Ich wusste, dass er das nicht konnte, also antwortete ich: „Das kannst du nicht tun, denn der Williamson Act lässt dies nicht zu.“ (Der Williamson Act war ein fester Beschluss, ein spezielles Gesetz, um große Gelände davor zu bewahren, gestückelt zu werden, also konnten landwirtschaftliche Ranches nicht in fünf Acre große Parzellen aufgebrochen werden.) Bill Bone nahm an, dass ich mich bei Grundstücksgesetzen nicht auskannte. Aber mein Mann und ich besaßen eine Firma für Grundstückserschließungen, und unser Business bestand darin, Land in fünf und zehn Acre große Parzellen aufzuteilen und an Investoren in Japan, China und Hawaii zu verkaufen. Wegen des Wiliamson Act mussten wir aufhören, kleinere Landparzellen zu verkaufen.

* * *

Schließlich, am 18. Dezember 1987, machten wir ein Angebot von 17 Millionen Dollar für die Ranch, und endlich hatten wir Erfolg. Mr. Branca, der immer alle Verträge für Michael Jackson abschloss, begann mit der Vertragsgestaltung und schloss die Verhandlungen Ende Dezember 1987 ab. Die Zustimmung für den Kauf und Verkauf wurde am 28. Februar 1988 unterzeichnet.

Die Sycamore Valley Ranch konnte endlich zur Neverland Ranch werden.

Neverland Sign by Night

Himmel auf Erden

Michael Jackson erklärte seine Unabhängigkeit, als er die Sycamore Valley Ranch kaufte. Es war so aufregend, Michael dabei beobachten, wie er in reinen Jubel ausbrach und in die Luft sprang. Dann umarmte er mich ganz fest, und Michaels Fröhlichkeit hüllte mich ein, als er mich nahm und mich wie ein kleines Mädchen herumwirbelte. Er war so glücklich und so begeistert durch die Aussicht, auf der Ranch zu leben, dass er anfing himmelhoch zu springen, zu tanzen und einen neuen Refrain ausrief: „Es wird höchste Zeit! Ich werde etwas verändern!“ Und das tat er.

Michael sagte zu mir: „Du hast den Himmel auf Erden für mich gefunden.“

Nun, ich bin so froh, dass du so begeistert bist, als wärst du schon im Himmel,“ sagte ich. „Und ich bin überglücklich, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, dein Neverland zu finden. Du wirst aufblühen wie niemals zuvor. Du wirst wundervolle Dinge tun. Dieses wunderbare Haus, das du vom ersten Tag, seit du es betreten hast, als dein Zuhause betrachtet hast, gehört jetzt dir.“ „Michael,“ fügte ich hinzu, „Gott liebt dich und das tue ich auch.“ Ich schlang meine Arme um ihn, und Michael umarmte mich auch und küsste mich.

Mach weiter so gute Arbeit, Gloria. Hilf jedem, den du triffst, so wie du mir geholfen hast.“

Danke, Michael. Das werde ich tun, sobald ich die Gelegenheit dazu bekomme,“ versprach ich.

* * *

Michael hatte mir erzählt, dass er die Ranch mit der ganzen Liebe seines Herzens auch gekauft hatte, um dies mit seiner Mutter und der Familie teilen und genießen zu können. Aber er wollte noch nicht, dass sie schon erfuhren, dass er nach einer Ranch suchte, weil alle dagegen waren, dass er von Encino wegziehen und so viele Meilen von ihnen entfernt leben würde.

Schließlich erzählte Michael seinen Eltern, dass er die Ranch gekauft hatte und dass der Kauf bereits abgeschlossen war. Katherine und Joe waren bestürzt darüber, dass Michael zu Hause auszog. Sie liebten ihren Sohn und wünschten sich, dass er in der Nähe blieb. Und als die Person, die ihm geholfen hatte, sein neues Zuhause zu kaufen, hatte ich ein unangenehmes Gefühl wegen der Tatsache, dass seine eigenen Eltern und seine Familie nicht nur nicht realisiert hatten, dass er auszog, sondern dass er alle seine Sachen aus dem Haus mitnahm. Es war nicht Michaels Absicht, dass seine Eltern leiden mussten, und um den Schmerz zu lindern, entschied er sich, auszuziehen, als alle tagsüber nicht zuhause waren.

An dem Tag, an dem Michael von dem Gelände auf Hayvenhurst in Encino auszog, beobachtete ich, wie Michaels persönliche Besitztümer in den Umzugswagen geladen wurden; und ich sah die Einsamkeit, die in den Gesichtern geschrieben stand bei jedem, der anwesend war. Was mich betrifft, ich war sowohl traurig, als auch glücklich: traurig, weil ich sah, dass er wegging, aber auch sehr glücklich, weil er endlich sein ideales Zuhause gefunden hatte, für das lange so hart gekämpft hatte. Ich weinte wegen Michael Jackson, den ich geliebt und verehrt hatte seit seiner Kindheit. So glücklich ich für ihn war, konnte ich doch nicht jubeln, weil ich mich fühlte, als würde ich ihn niemals wiedersehen.

The Pinnacle List

* * *

Michael fand ein neues herrliches Paradies auf Neverland vor, wo er zufrieden war, dass er weit weg war von den Menschenmengen und dem Rummel in den Städten, und die Ranch wurde verwandelt durch die Kraft von Michaels großartiger Vorstellungskraft. Er kreierte seine eigenen wunderschönen Regenbogen über dem 6 ½ Acre großen angelegten See. Er schaffte mehrere große Brunnenanlagen für Wasservögel an und setzte farbige Lichter rund um die Begrenzung des Sees. Bei warmem Wetter konnte man alle Farben des Regenbogens durch seine kreativen Innovationen in gelb, blau, grün, rot, violett und pink genießen, während die Wasserfontänen aus dem Zentrum des funkelnden Sees nach oben schossen. Wunderschöne Schwäne, schwarze und weiße, und auch Stockenten konnte man an den Begrenzungen des Sees schwimmen sehen.

Michael Jackson hegte eine große Wertschätzung für die besonderen Dinge des Lebens, zu denen auch die weltbesten Künstler gehörten. Er liebte Disneylands Cartoon Charaktere, denn er ist einer von ihnen gewesen. Und er erwarb all die Disney Memorabilien, einschließlich Mickey Mouse und jedem anderen Cartoon Charakter, den Disney eingesetzt hat. Er hatte sich eine komplette Sammlung von Disney Cartoons aufgebaut und nahm sie alle mit zur Neverland Ranch.

* * *

Als Michael ein Kind war, hatte er das Gefühl, dass er nie die Gelegenheit hatte, wirklich Kind zu sein und spielen zu können. Er sah Neverland als eine Gelegenheit, die Kindheit zu leben, die er niemals hatte. Michael ritt auf Pferden aus, kletterte auf Bäume und entwarf sein eigenes persönliches Disneyland mit einem kompletten Zirkus, um unheilbar kranke Kinder zu unterhalten. Er hatte Helikopter und sein privates Flugzeug für den Transport seiner Gäste und lud sowohl unheilbar kranke, als auch gesunde Kinder ein, wann immer er auf der Ranch war. Er hatte ein spezielles Gebäude mit einer Krankenabteilung auf der Ranch, in dem die kranken Kinder behandelt werden konnten. Wenn Michael Busse charterte, die die Gäste aus Los Angeles herbrachten, wurde oft Live Musik von angeheuerten Musikern zur Unterhaltung der Passagiere in den Bussen gespielt. Michael Jackson begrüßte die ganze Welt mit offenen Armen und mit all seiner Liebe, die er für seine Fans spürte, wenn er sie nach Neverland einlud.

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Ein schicksalhafter Tag

Wo war ich, als Michael Jackson starb? Ich war in demselben Gelson’s Market, wo Michael und ich uns normalerweise trafen, als er ein Teenager war.

* * *

Das letzte Mal, dass ich ihn gesprochen habe, war im Beverly Hills Hotel, ungefähr drei Jahre, bevor er starb. Michael kam gerade aus einem Besprechungsraum mit einer Gruppe von Geschäftsleuten. Er kam herüber zu mir, umarmte mich und sagte: „Hi, wie geht es dir?“ Ich sagte: „Mir geht es gut. Wie geht es dir? Du siehst wunderbar aus.“ Ich küsste ihn auf die Wange.

Er sagte: „Nun, ich bin in einem Meeting mit diesen Männern, und es geht darum, wieder nach Japan zu gehen. Sie planen gerade ein japanisches Festival und hätten gerne, dass ich auftrete.“ Das war alles, und dann winkte er mir zum Goodbye, während er entschlossen zu einer Limo rannte.

Das war das letzte Mal, dass ich Michael Jackson sah. Ich hatte mich natürlich immer gefragt, wie es ihm auf Neverland ging, aber ich hatte nie die Gelegenheit, ihn zu fragen.

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(…)

Bei Gelson’s an diesem Tag, dieser Stunde und dieser Minute, als der Presseagent mir erzählte, dass Michael Jackson gerade gestorben war, hatte ich das Gefühl, als würde ein kalter Finger mir auf die Schulter tippen, genauso wie wenn er Verstecken mit mir gespielt hatte.

Es war wirklich Michaels Stimme, die ich hörte: „Hi, Gloria. Ich bin nur gekommen, um Goodbye zu sagen.“ Es war, als könnte ich seine Worte und seine Stimme in meinen Gedanken hören, wie er mir Goodbye sagte im Gelson’s Market.

Das ist, wovon ich glaube, dass es passiert ist, und ich spürte, wie ein sehr starkes Frösteln mir den Rücken hoch und runter lief. Darum war ich beinahe ohnmächtig geworden. Ich hätte ihm so gern erklärt, wie nahe ich mich ihm fühlte. Ich bin so traurig, dass er von uns gegangen ist. Michael war ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben, und ich glaube wirklich, dass er an dem Tag, an dem er starb, gekommen ist, um mir Goodbye zu sagen.

Wenn ich an Michael denke, dann weiß ich, dass er vom Himmel heruntersieht, wo er für immer auf Gottes Regenbogen tanzt und singt. Es gibt viele niemals zuvor erzählte Geschichten der Hoffnung und Inspiration, die ich mit euch teilen könnte. Seine Absichten für Neverland waren, dass es ein Paradies für alle Kinder der Welt würde, und sein Geist wird für immer dort weiterleben.

Michael Jackson

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Übersetzung von Ilke

Teil 1  -  http://all4michael.com/2014/08/04/auf-der-suche-nach-neverland-teil-1/

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Auf der Suche nach Neverland – Teil 1 -

Auf der Suche nach Neverland

- In Search Of Neverland – Gloria Rhoads Berlin -

Übersetzung von Ilke ♥… vielen Dank dafür! 

Buch: http://www.insearchofneverlandthebook.com

Auszüge aus dem Buch von Gloria Rhoads Berlin, einer Immobilienmaklerin und Freundin der Jackson-Familie, die 1987/88 mit Michael auf die Suche nach seinem Traum-Grundstück ging, und mit ihm zusammen die Sycamore Valley Ranch fand.

- Teil 1 -

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Michael befand sich mitten in den Proben, zu seiner Bad World Tour, die seine erste Solotour werden sollte, als wir mit der Suche nach Neverland starteten. Er war zu der Zeit ein 27-jähriger Mann, der im Grunde genommen noch nie für sich allein gelebt hatte; er wohnte immer noch in Encino bei seinen Eltern und mit drei seiner Geschwister zusammen: Janet, LaToya und Randy. Er hatte sein ganzes Leben lang unter den Fittichen seiner Eltern gelebt, sogar während er als Teil der Jackson 5 tourte und aufgetreten ist und hatte niemals wirklich seinen eigenen Ort.

Michael hatte sich immer einen idealen Ort gewünscht, an dem er arbeiten und sein eigener Herr sein konnte und nicht seinen Eltern und den anderen Geschwistern ständig in die Arme lief. Er wünschte sich Unabhängigkeit: seine eigene und genauso auch, dass seine Familie unabhängig von ihm würde – mehr oder weniger um sich abzunabeln, aber die Nabelschnur wurde nie wirklich durchgeschnitten.

Ich weiß nicht, warum er niemals fähig war, vorher einen eigenen Platz für sich zu finden, außer dass er vielleicht die ganze Zeit zu beschäftigt war, um tatsächlich etwas zu finden. Ihm waren bis dahin bereits zwei Eigentumswohnungen in Orlando, Florida von der Disney Corporation geschenkt worden, weil er Teil ihrer Cartoons war, aber er nutzte sie nie.

* * *

Und es gab noch einen anderen Grund, wegzuziehen: Tiere. Zu behaupten, dass Michael ein Tierliebhaber gewesen sei, ist eine Untertreibung. Das Gelände in Encino, nahezu zwei Acres groß, war die Heimat von zwei Lamas, einem Rentier, einem Babyelefanten (einem Geschenk von Elizabeth Taylor), einer Python, Affen, zwei Giraffen, Ziegen, Schafen, schwarzen und weißen Schwänen und Tauben. (Die Schwäne lebten an einem Wasserlauf hinter dem Haus und bei mehreren Gelegenheiten sah ich Michael, wie er von Fels zu Fels tanzte und neue Tanzschritte ausprobierte.) All diese Tiere wurden von einem professionellen Tierpfleger betreut. Jedoch hielt all diese Pflege und Aufmerksamkeit die 21 ft. lange Python nicht davon ab, zu flüchten und ein vorübergehendes Refugium im Swimmingpool eines Nachbarn zu finden.

Das Animal Regulation Department (Behörde zur Beaufsichtigung von Tieren) stattete dem Gelände der Jacksons regelmäßige Besuche ab, und es wurde offensichtlich, dass sich etwas ändern musste. Michael entschied, dass es das musste – und begann heimlich, sich nach einem neuen Zuhause umzusehen, wo er seine Tiere friedlich und ruhig halten konnte. Er setzte vollkommenes Vertrauen in mich und glaubte fest, dass ich den sichersten Ort für sein neues Zuhause finden würde.

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Wenn Michael etwas wollte, dann kümmerte er sich wirklich darum, denn er war schon sehr früh in seinem Leben dazu erzogen worden, seine Ziele fest im Auge zu behalten. Die Suche nach Neverland war so, als würde man sich auf die weltgrößte Schatzsuche begeben, und ich war sehr stolz darauf, Teil davon zu sein.

Ein Stück vom Paradies

Also gingen Michael und ich auf die Suche nach seiner perfekten Ranch. Wir schlichen uns meistens weg, um uns Ranches anzusehen und was auf dem Markt so verfügbar war.

Michael Jackson, Miko Brando und ich fuhren hoch nach Santa Barbara, was ungefähr 80 Meilen von Encino entfernt liegt. Bill Bray kam ebenfalls mit, um uns zu fahren und schützen. Michael und Miko waren schon in sehr jungen Jahren Klassenkameraden in der Cal Prep School gewesen, und Miko war Michaels engster und liebster Freund. So waren wir vier unterwegs, wobei Miko den größten Teil des Weges fuhr. (Michael mochte es, seinen eigenen Mercedes Benz zu fahren, wenn er konnte, also fuhr er auch einen Teil des Weges.)

Wir fuhren an Weideland vorbei, das voller Kälber war; es handelte sich um eine Milchfarm und all die Kälber hingen saugend an den Eutern ihrer Mütter. Michael war so aufgeregt! Er schrie vor Freude, war so glücklich und lachte. Er liebte es, zu beobachten, wie die Tiere gefüttert wurden. Wir hielten an und standen am Zaun und beobachteten sie. Der Farmer kam herüber und fragte uns: „Was macht ihr hier?“ „Nun, wir beobachten die Kälber, wie sie Milch von ihren Müttern bekommen,“ antwortete ich. „Ist das okay? Haben Sie etwas dagegen?“ „Nein, überhaupt nicht, ich war nur neugierig. Niemand hält hier sonst an.“ Der Farmer war freundlich, und es war offensichtlich, dass er nicht realisierte, dass er gerade mit Michael Jackson sprach. Also fing Michael an, ihm eine Menge Fragen zu stellen über die Tragzeit von Kälbern. Wie lange dauert es, bis ein Kalb geboren wird? Wie lange dauert es, bis die Mutter das Kalb nicht mehr füttern muss? Michael hatte wirklich den Kopf eines Milchfarmers! Er interessierte sich dafür, Tiere aufzuziehen. Er fragte alle Arten von Fragen über ihre Aufzucht. Es standen dort einige große schwarze Zuchtbullen. Die Milchfarm hatte Hunderte von Kälbern, alle gezeugt von diesen Zuchtbullen. Michael war davon fasziniert und vertiefte sich in eine Diskussion darüber, wie man eine Milchfarm gründet und wie Milch pasteurisiert wird.

Ich möchte, dass Ihr erfahrt, dass Michael dort von dem Farmer tatsächlich beigebracht wurde, eine Holsteiner Kuh zu melken: indem man mit zwei Eutern in einen Eimer zielt!

Es war aufregend, ihn dabei zu beobachten, wie er eine Kuh melkte. Sie versuchten es mir, Miko Brando und Michaels Majordomus Bill Bray auch beizubringen, aber Michael war am Besten. Er brachte es tatsächlich fertig, den Eimer bis zum Rand zu füllen, und er liebte es, das zu tun. Bill Bray drängte uns, auf die Straße zurückzukehren. Kurz entschlossen spritzte Michael Kuhmilch direkt in Bills Gesicht. Der arme Bill wischte sein nasses Gesicht mit einem Taschentuch ab, als der Farmer vor Lachen brüllte und Michael vor Freude quietschte. Er verkündete, er würde hier einziehen und ein Milchfarmer werden.

Es war wirklich ziemlich lustig, dass der Farmer überhaupt nicht bemerkte, dass Michael eine Berühmtheit war. Er hatte keine Ahnung von der Welt des Show Business, nur von seinen Weiden und seinen Kühen. Michael nutzte das voll aus und genoss die Anonymität. Der Farmer fragte, woher wir kommen, also sagten wir Encino im San Fernando Valley. Er verband Michael überhaupt nicht damit, der King of Pop aus der Musikwelt zu sein.

Dies war einer der ersten von einigen Ausflügen, die Michael und ich unternahmen. Es war Frühling, der auf den Juni zuging, als wir uns diese großartigen Farmen ansahen, mit makellosem blauem Himmel voll mit Streifen von weißen flauschigen Baumwollwolken.

Michael und ich sahen uns mühelos ein Dutzend Orte an, denn er genoss das vergleichende Einkaufen. Er war mehr oder weniger erst mal damit beschäftigt, ein Gefühl dafür zu bekommen, was eine Ranch kosten sollte. Wir sahen uns Ranch für Ranch an, bis wir entgegen allen Erwartungen ein geheimes Paradies entdeckten.

Jedes Mal, wenn sich Michael Jackson sich mit mir traf, umarmte und drückte er mich und behandelte mich wie seine eigene Mutter, Katherine. Michael war eine sehr freundliche, süße Person, und er war so aufgeregt, dass wir nach diesem vollkommenen Ort suchten, von dem er seit mehreren Jahren träumte. Gelegentlich fuhren wir allein los, um uns Ranches anzusehen, und andere Male kam Miko Brando mit uns, aber die restliche Zeit gab es nur uns beide, mit Bill Bray, der uns fuhr.

Gloria Rhoads Berlin

- Gloria & Michael -

Du kannst dir nicht so viele Ranches an einem Tag ansehen, denn sie sind sehr groß und in weiter Entfernung voneinander. Du durchquerst Meilen unbebauter Landschaften nur in Gesellschaft von Bäumen und Bergen. Wir passierten einen See mit Namen Lake Cachuma, der ein sehr friedlicher See ist. Da Michael die Tendenz hatte, überall anzuhalten und sich alles anzusehen, was seine Phantasie anregte, hielten wir dort an, um einen Blick darauf zu werfen. Lake Cachuma interessierte ihn wirklich, und Michael wollte mehr über ihn wissen. Wie üblich hatte er eine Menge Fragen: Gibt es Fische in dem See? Angeln die Leute in dem See? Welche Arten von Fischen gibt es dort? Er war immer neugierig.

(…)

Dies waren Michaels Rahmenbedingungen. Die Ranch, die er wollte, sollte über 200 Acres groß sein, ein großartiger Ort zum Bewirtschaften, um Tiere aufzuziehen und ein sehr privater Ort, ohne Nachbarn. Michael wollte Privatheit und bevorzugte den Gedanken, nah an einem Wald zu sein, einem abgeschiedenen, abgelegenen Ort.

Aus diesem Grund wollte er nicht nah am Meer sein. Man würde keine Ungestörtheit auf einer Ranch, die dem Meer zugewandt oder an einer Straße am Meer lag, haben. Wenn die Leute zum Strand gehen, würden sie direkt an deiner Ranch vorbeikommen, und wenn du in der Nähe eines großen Highways wärst, hättest du eine Menge Verkehrsgeräusche. Genau davon versuchte Michael wegzukommen: Verkehr, Lärm und Umweltverschmutzung. Er wollte einen Zufluchtsort. Und, um ehrlich zu sein, bei all der Suche, die wir auf uns nahmen, gab es keine Ranch, die jemals mit der einen vergleichbar gewesen wäre, die Michael schließlich kaufte.

Vom Schreibtisch von Will Berlin

Meine Eltern hatten mir ein cooles Alfa Romeo Fiat Cabriolet zu meinem 16. Geburtstag geschenkt. Eines sonnigen Tages fuhr ich gerade auf der Schnellspur auf dem Ventura Boulevard mit heruntergelassenem Verdeck, als ich einen Rolls Royce bemerkte, ebenfalls auf der Schnellspur, der aus der anderen Richtung mir entgegen kam.

Als mich der Rolls Royce erreichte, konnte ich einen Mann erkennen, der einen Safarihut trug und scheinbar auch safariähnliche Kleidung, oder zumindest ein Safari-Shirt. Es war Michael. Er sah sehr zufrieden aus hinter dem Lenkrad des Rolls Royce, und auch mit seiner kostümartigen Kleidung. Ich starrte ihn einfach nur die ganze Zeit an und konnte hören, dass in seinem Auto Musik spielte.

Der Anblick nahm mir den Atem, und ich dachte bei mir: „Wow, Michael ist einfach der Coolste.“ Ich glaube, in dieser Zeit seines Lebens war es ihm endlich erlaubt, Geld für Dinge auszugeben, die er in seinem Leben einfach mal mitmachen wollte und die man nur für Geld kaufen konnte, so wie der Rolls Royce, den er fuhr.

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- Gloria, Michal & Will -

Das Haus seiner Träume

Wie ich bereits erwähnt habe, wusste Michael genau, was er wollte. Er erinnerte sich daran, ein Video mit Paul McCartney auf einer Ranch gedreht zu haben, auf der ein wundervolles Haupthaus im englischen Tudorstil stand. Das Filmen dieses Videos war nicht so gut verlaufen, und sie wurden genau genommen vom Grundstück geworfen, denn Paul McCartneys Team hatte vorher nicht die Erlaubnis des Eigentümers bekommen. Aber Michael erinnerte sich an diesen wundervollen Drehort und wollte etwas, das genau so war.

Im ersten Schritt stellte ich Recherchen über all die nationalen Ranches an und ich fand heraus, dass es nur drei gab, die seine Bedingungen erfüllten – eine von ihnen war im Santa Barbara County, im Santa Ynez Valley gelegen.

(…)

Ein weiteres Detail, das ich erwähnen sollte: Michael Jackson hatte zur Auflage gemacht, das sein idealer Ort Wild beherbergen sollte, und in diesem Punkt war er auch nicht bereit, nachzugeben. Die Sycamore Valley Ranch schloss sich direkt dem Los Padres National Forest an, der Heimat von sehr viel Wild, und es kam herunter auf das Grundstück, um die Geranien dort zu fressen. Im Grunde waren die Geranien angepflanzt worden, um das Wild anzulocken, das die Blumen anscheinend unwiderstehlich fand. (Wie ich später dann erfahren durfte, war es einfach sehr magisch, sie im Licht der Dämmerung oder beim Sonnenuntergang hervorspringen zu sehen, wenn sie aus dem Wald kamen, um zu fressen).

Mir erschien es so, als wäre dies der Ort, der dazu bestimmt war, das Michael Jackson ihn sein Zuhause nennen durfte.

(…)

Der erste Schritt war, dass Michael die Ranch besuchen und herausfinden musste, ob dies der Ort war, an den er sich erinnerte. Als ich Michael erzählte, dass ich eine Ranch mit mindestens 2700 Acres (fast 11 km²) gefunden hatte, die dem derzeit reichsten Mann des Staates Kalifornien gehörten, weiteten sich seine Augen, und er konnte es nicht abwarten, sie sich anzusehen.

Ich war in dem Prozess, die Verabredung zum Abschluss zu bringen, aber ich musste viele Hürden überwinden wegen der strengen Anforderungen des Eigentümers. Eine vollständige Offenlegung eines amtlichen Registrierungsformulars des Kunden musste unterzeichnet werden, gemeinsam mit Kopien der Einkommensteuererklärung, um zu beweisen, dass dieser Käufer für den Kauf dieser Ranch qualifiziert war.

Bill Bone stellte ernsthafte Nachforschungen an: „Wer ist dieser geheimnisvolle Mann, der anonym bleiben will, während er sich meine 35-Millionen-Dollar-Ranch ansieht?“ Er hatte sich geweigert, die Ranch zu öffnen, bis ihm versichert wurde, dass sein Grundstück (welches Möbel und Kunstwerke im Wert von über dreieinhalb Millionen Dollar umfasste) sicher war. Mit der Maßgabe, dass die Versicherung Schwierigkeiten machen würde mit der Gegenwart dieses maskierten Fremden, der es ablehnte, seinen Namen registrieren zu lassen.

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- Die Bones & Michael -

Ein paar Tage später trafen Michael und ich Verabredungen für den Besuch der Ranch und machten die Fahrt per Auto mit vielen Pausen auf dem Weg dahin. Fast war ich der glückliche Fahrer. Bill Bray sollte eigentlich da sein, um uns zu fahren, aber als ich um 8.30 a.m. eintraf, war er noch nicht da und Michael sah niedergeschlagen aus, so als ob er die ganze Nacht geweint hätte.

Meine persönliche Beziehung zu Michael Jackson war sehr besonders und privat. Er wusste, dass er sich darauf verlassen konnte, dass ich verschwiegen war über das, was wir vertraulich besprochen hatten. Ich hätte schwören können, dass er geweint hatte und versuchte, es vor mir zu verbergen. „Oh Michael, was ist schief gelaufen?“ fragte ich ihn, als ich ihn umarmte. „Du weißt, dass alles, worüber wir beide reden, vertraulich bleiben wird.“

Michael seufzte und antwortete. „Gloria, bitte lass niemanden wissen, dass ich mir Ranches ansehe, besonders nicht die Eigentümer oder ihre Grundstücksmakler, denn jedes Wort wird an die Medien gelangen. Die meisten meiner eigenen Leute dürfen es auch nicht wissen. Dies ist ein ganz besonderes Geheimnis zwischen dir und mir. Ich weiß zwar, dass es die ganze Sache noch schwieriger machen wird, aber ich weiß, ich kann mich auf dich verlassen. Kannst du bitte dein Möglichstes tun, um die Ranch ganz schnell für mich zu finden, bevor ich nach Japan aufbreche?“ „Ja Michael, dein Glück ist sehr wichtig für mich,“ sagte ich ihm, „denn ich liebe dich wie einen Sohn! Du wirst die Ranch deiner Träume sehen, bevor du nach Japan auf Tour gehst. “Ich lächelte, als er mir tief in die Augen sah, als versuchte er dadurch meine Bereitschaft abzuschätzen. Schließlich erreichte uns Bill Bray keuchend, wischte sich über die Stirn, und wir waren auf dem Weg.

The Pinnacle List

Als wir an der Ranch ankamen, war T. Hayer dort, um sie für uns zu öffnen. Er schien meinen Kunden nicht zu erkennen und begann uns herumzuführen. Zuerst, sogar obwohl wir gespannt darauf waren, das Innere des großartigen Herrenhauses zu sehen, fuhr er uns mit Allradantrieb über die ganze Fläche des Anwesens. Als wir es schließlich bis zum Haus geschafft hatten, trauten wir kaum unseren Augen. Vor dem Haus befand sich ein 6 ½ Acre großer angelegter See. Zum Eingang des Hauses gelangte man über eine lange Brücke, die ein Nachbau der berühmten London Bridge war. Michael war so begeistert! Er konnte nicht aufhören, mich zu umarmen. Das Haus bestand aus dreißig Zimmern inklusive sieben Schlafzimmern, jedes ausgestattet mit seinem eigenen Masterbad. Vor unserem Besuch hatte ich Bill Bone gebeten, jeden Raum mit prachtvollen Blumenarrangements zu bestücken. Jeder Raum hatte ein anderes Thema für die Blumen mit Betonung auf einer einzelnen Farbe oder einer besonderen Art exotischer Blumen. Dies waren eine große Menge Blumen, und sie kosteten Bill viele tausend Dollar, aber Michael bewunderte Blumen, und die Tatsache, dass die Blumen zu seiner Begrüßung da waren, machten jeden Unterschied der Welt für ihn. Er war im siebten Himmel. Das Haus war ausgestattet mit sehenswerter, eleganter Kunst, eingeführt aus aller Welt. Ein Bösendorfer Flügel war aus Wien importiert und im Haus zusammengebaut worden. Michael konnte es kaum abwarten, ihn auszuprobieren. Er setzte sich sofort hin und fing an zu spielen und zu singen I Just Can’t Stop Loving You.

Neverland Piano

- Neverland-Piano -

Das Spielzimmer, das sich im zweiten Stockwerk anschloss, hatte einen Bereich, um Kinder zu Hause zu unterrichten, wo man sie unterhalten und erziehen konnte. Wir entdeckten ein großes schwarzes Hexenkostüm mit einem Hut, der über einem Reisigbesen in der Ecke hing. Michael entschied, den schwarzen Hexenhut aufzusetzen und das Cape von der Figur zu nehmen, die sich dann als menschliches Skelett entpuppte. Michael kreischte vor Freude. Er liebte Gespenster und Geister, seine Lieblingscharaktere in seinen liebsten Horrorfilmen.

Dann fragte er, ob es in dem Haus spuken würde. Ich sagte „Nun, würdest du es denn kaufen, wenn es hier spuken würde?“

Er kicherte: „Natürlich würde ich. Ich würde gern wissen, wer es ist, der hier heimgesucht wird.“ Ich sagte: „Niemand. Bill Bone hat dieses Haus für seine Familie von Grund auf neu gebaut, also gibt es hier keine Geister, die in diesem Haus heimgesucht werden. Aber wir können dir anbieten, einen Geist bereitzustellen, wenn du gern einen hättest. Wir schmuggeln dir einen Geist ein, damit er hier für dich herumspukt.“ Michael lachte und lachte. Er hatte einen großartigen Sinn für Humor. Er imitierte dann ein Halloween-Gespenst und warf sich ein weißes Bettlaken über wie Casper the Ghost – Boo! Boo! Wir schlossen uns alle dem Spaß an, in dem riesigen Spielzimmer umherzulaufen und Verstecken zu spielen.

Bei diesem ersten Besuch auf der Ranch verbrachten wir Stunden im Haus. Es war voller Überraschungen, alles war so außergewöhnlich, und es endete damit, dass wir einen ganzen Tag brauchten, um lediglich das Haus zu besichtigen.

(…)

Was andere Leute meistens nicht wissen, ist, dass Michael Jackson extrem spirituell und religiös war. Es war genau an diesem besagten Tag, dass Michael die intimste Seite seines Lebens mit mir teilte, während wir uns an den Händen hielten und über gluckernde Bäche, Felsen und Baumstämme gingen, manchmal springend statt einfach nur gehend. Als wir uns hinsetzten, um uns für einige Minuten auszuruhen, drehte sich Michael herum, seinen Kopf im Gebet gesenkt und fragte mich: „Gloria, würdest du bitte das Vaterunser mit mir zusammen beten?“ Während alle anderen herumrannten und dem Ranch Manager viele Fragen stellten, saßen wir ganz still und beteten. Wir beteten zusammen für jeden Bereich des Grundstücks.

(…)

Bei einer Transaktion dieser Größenordnung ist es wichtig, eine Bestandsaufnahme von allem zu machen, was sich im Haus und auf dem Grundstück befindet und im Kaufpreis enthalten ist, bis hinunter zum kleinsten Teil – wie etwa Besteck und Geschirr.

Michael und ich führten den größten Teil dieser Bestandaufnahme für uns allein durch. Bill Bray blieb einen Teil der Woche bei uns, aber er verbrachte auch viel Zeit in Los Olivos und Santa Barbara. Die Ruhe und Stille ist nicht für jeden etwas. Die „Höhenflieger“ in unserer Gruppe kehrten schnell wieder in die Stadt zurück, nachdem sie das Grundstück angesehen hatten und überließen uns unserer Arbeit. Bill hatte uns Inventarlisten für jeden Raum gegeben, und Michael und ich verbrachten Stunden um Stunden damit, die Listen zu checken und welche Gegenstände sie enthielten. Da gab es viele schöne und wertvolle Antiquitäten im Haus, die aus aller Welt importiert worden waren. Der Kaminsims in der Master Suite kam aus Rom in Italien. Ich hatte die Aufgabe, die Listen dahingehend zu vervollständigen, was im Kauf enthalten sein sollte und was ausgeschlossen werden sollte.

* * *

Während ich schwer arbeitete, um all diese Aufzeichnungen zu machen, bestand Michael darauf, Spiele mit mir zu spielen. Michael fragte: „Erinnerst du dich, wie Himmel-und-Hölle geht?“ Ich schüttelte meinen Kopf „Nein, nein, weiß ich nicht!“ „Was ist mit Verstecken spielen?“ bettelte Michael und lachte. „Ja, das ist ein Spiel, dass ich immer gewonnen habe, wenn ich es mit meinen Brüdern und Schwestern gespielt habe. Aber lass mich mich als erstes verstecken und ich wette, du wirst mich nicht finden,“ antwortete ich.

Michael sprang hoch in die Luft mit Gelächter, während er sagte: „Das möchte ich mal erleben!“

Gib mir fünf Minuten, um mich zu verstecken und kehr‘ mir den Rücken zu, mit verbundenen Augen, und dann versuch mich zu finden!“ kicherte ich.

Michael nahm meine Herausforderung mit viel Prahlerei an und trat hervor, so dass ich ihm die Augen mit seinem schwarzen Halstuch verbinden konnte. Dann rief ich aus „Die Zeit läuft ab jetzt!“ und ich rannte, so schnell mich meine Beine tragen konnten, in den baumreichen Los Padres National Forest. Ich versteckte mich sehr schnell hinter einem riesigen Felsbrocken und hoffte, dass Michael mich nicht aufgrund der Fußabdrücke im Boden finden würde. Nachdem zwanzig Minuten vergangen waren, begann ich dahin zurück zu gehen, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte. Nein, er war nicht in der Nähe dieses Bereiches, also begann ich ein wenig panisch zu werden, weil er sich vielleicht im Wald verlaufen haben könnte.

Plötzlich, als ich begann, seinen Namen zu rufen, sprang er wie eine Gazelle aus dem Nichts und tippte auf meinen Rücken. Oh, er erschreckte mich so! Ich schrie vor Freude, dass wir uns schließlich wieder gefunden hatten. Natürlich, er hatte das Versteckspiel gewonnen. Obwohl ich drei Jahrzehnte älter war als er, weckte er das Kind in mir durch das Spielen.

Michael entschied, dass er seine Balancierfähigkeiten unter Beweis stellen wollte, indem er auf Zäune kletterte und auf ihnen entlang balancierte, als wäre er auf einem Schwebebalken. Ich erinnerte ihn daran, dass weit und breit keine medizinische Hilfe war, und dass seine Welttournee in ein paar Tagen anstehen würde. Aber er war furchtlos, und je mehr ich protestierte, desto mehr wollte er so etwas tun.

Es war sehr interessant, ihm dabei zu helfen, mit der Ranch vertraut zu werden und jeden Stein, jeden Bach, jede Wasserquelle und jeden Wasserfall kennenzulernen. Es gab die London Bridge, an der Michael so sehr mochte, dass man auf ihr sitzen konnte. Es gab einen Garten, der rund um das Herrenhaus mit Pflanzen für jede einzelne Jahreszeit bepflanzt war, so dass es ständig einen blühenden Garten gab; das begeisterte Michael, denn er liebte Blumen so sehr.

Als wir auf der Ranch unsere erste Nacht vor uns hatten, fragte ich ihn: „Michael, warum magst du Tiere so sehr?“ 

Michael antwortete: „Weil sie heilen, und weil sie Gottes Geschöpfe sind. Es gibt sie sogar in der Bibel. Ich kann Psalm 148 für dich aufsagen, der besagt ‚Kleine wilde Tiere und kleine Kreaturen und fliegende Vögel loben den Herrn.‘ Wir müssen Gott ehren, so wie es die Tiere in der Wildnis tun.“

(…)

Als wir am zweiten Tag auf der Ranch aufwachten, kam es mir vor, als wäre Michael in Las Vegas geweckt worden. Er fing an, über die Platzierung des Karussells zu sprechen und wo das Riesenrad stehen sollte. Und die Pferde – er würde echte Pferde für die Kinder zum Reiten haben. Es würde eine spezielle Eisenbahn im Stil von Disneyland geben, die rund um die Ranch fuhr, denn manche von ihnen würden nicht fähig sein zu laufen oder zu rennen. Die Kinder konnten mit Sicherheit nicht zu Fuß über die ganze Ranch gehen.

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Während unseres Aufenthaltes auf der Ranch sprudelte Michael über wie ein Vulkan voller Energie mit Träumen und Plänen darüber, was er mit diesem Ort alles anfangen wollte. Er sprach darüber, wie er ihn zu einer Zufluchtsstätte für Kinder in Not machen wollte, und auch für seine geliebten Tiere und für sich selbst. Michael hatte vor, spezielle Gehege für die Tiere zu bauen und Tierpfleger einzustellen, die sie schützen sollten. Es war wichtig, dass die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt würden.

Michael“, sagte ich, „Gee whiz, es wird dich eine Menge Geld kosten, all diese Tiere zu ernähren und dann auch noch deinen eigenen Themenpark und das alles zu bauen.“ (Unter Bill Bones Eigentümerschaft betrugen die Overhead-Kosten für den Betrieb und die Aufrechterhaltung der Ranch eine Million Dollar pro Jahr).

* * *

Am dritten Tag gingen Michael und ich über das Gelände der Ranch, als er sich entschied, einen Baum zu umarmen, herumzuhüpfen und über verschiedene Gewächse und Weidezäune zu springen. Er war wirklich wundervoll und hätte ein Akrobat sein können. Er war so voller Energie – ständig singend und herumtanzend.

Als er um mich herumtanzte, bat er mich, die Augen zu schließen, und ich tat es. „Nun“, sagte er, „versuch’ dir den schönsten Zirkus vorzustellen, den du jemals besucht hast und den schönsten Park und Zoo. Versuch’ es dir auszumalen und beschreib’ es mir. Sag’ mir, was ich tun soll und womit ich anfangen soll.“ Ich sagte: „Michael, Ich habe nicht diese Vorstellungskraft, wie du sie hast. Ich müsste mich hinsetzen und es aufmalen und versuchen, es herauszufinden wie bei einem Kreuzworträtsel. Ich bin nicht so gewandt wie du. Ich bin eher besorgt über die finanziellen Herausforderungen, die sich dadurch abzeichnen. Ich denke an die Umsetzbarkeit, wenn du einen so großen Platz für dich allein besitzt mit all den Ausgaben, die sich daraus ergeben, jeder Käfig und alles, was du tust, kostet dich Tonnen von Geld.“

Michael antwortete: „Gloria, bitte denk’ nicht über Geld nach. Der Herr wird es bereitstellen. Ich weiß, der Herr wird dafür sorgen. Du musst daran glauben, dass der Herr uns alles geben wird, was wir brauchen. Und es ist nicht so schlimm, darüber nachzudenken, Tiere für die Heilung zu halten, und es ist nicht so schlimm, einen Zufluchtsort für die Tiere zu schaffen, und ein wundervolles Paradies für Kinder, die gesund sind und Kinder, die nicht gesund sind, und die andernfalls niemals das Privileg hätten, auf dieser Ranch sein zu können. Ich möchte das wirklich tun, Gloria. Aber denk’ dran, es ist streng geheim zwischen dir und mir.“

Während dieser Woche, als wir die Zeit miteinander verbrachten, um die Ranch zu inspizieren, sprachen wir auch über das Familienleben der Jacksons in Gary, Indiana. Michael sagte, er erinnere sich noch an den kleinen Bungalow, in dem die Familie gelebt hatte und an den beengten kleinen Volkswagen, in dem sie alle gereist sind. Er erinnerte sich an viele schwere Zeiten aus seiner Kindheit. Michael sagte: „Darum habe ich mir für mich selbst so hohe Standards und Ziele gesetzt, damit ich die Menschen mit Vertrauen und Mut erreichen kann. Darum möchte ich tanzen, singen und schreiben.“ Er war sehr stolz auf seine Vergangenheit mit den Jackson 5 und hatte große Pläne für die Zukunft. „Ich fühle mich erfüllt, Gloria, wie niemals zuvor, denn ich habe einige meiner Familienziele erreicht,“ flüsterte Michael Jackson mir zu.

(…)

In den Nächten, die wir auf der Ranch verbrachten, schlief ich in dem schönsten Schlafzimmer, von dem aus man den ganzen See überblicken konnte, dem Schlafzimmer, das Bill Bones Tochter gehörte. Ich freute mich unheimlich, für kurze Zeit in dieser märchenhaften Welt leben zu dürfen, die bald Michael gehören würde.

Eines der Dinge, über die wir sprachen, war die Tatsache, dass es eine Kirche im Ort geben würde, wenn er sich einer Kirche anschließen wollte, aber es gab keine Kirche der Zeugen Jehovahs dort. Ich sagte: „Jedenfalls, stimmt es eigentlich, dass du die Zeugen Jehovahs verlassen musstest?“

Ja,“ sagte er, „weil ich für sie zu sexy getanzt habe. Sie behaupteten, mein Tanz wäre sehr sexy, und sie verbieten jegliche sinnliche Bewegungen. Sie forderten mich auf, sie zu verlassen und nicht zurück zu kommen. Aber ich verdiene durch Singen und Tanzen meinen Lebensunterhalt, und sie wollten, dass ich damit aufhöre. Ich habe entschieden, dass ich das nicht kann. Ich kann nicht einfach aufhören zu singen und zu tanzen. Und ganz sicher tue ich alles, was ich tue, für meine Mutter. Du weißt, ich liebe meine Mutter. Sie ist die wundervollste und schönste Frau in meinem ganzen Leben.“

(…)

Michael und ich befanden uns auf einer gemeinsamen Reise, bei der wir uns alles auf der Ranch ansahen. Nicht wirklich besorgt oder in Sorge darüber, was es bedeuten würde, die Ranch zu verwalten und zu bewirtschaften, wollte Michael nicht, dass ich mich überhaupt auf Geld konzentrierte. Er wollte, dass ich mein Augenmerk auf die Schönheit des Ganzen legte, und was er daraus machen könnte. Er sagte, dies würde die größte Herausforderung seines Lebens werden. Der beste Teil seines Lebens sollte die Zeit werden, die er mit der Pflege der Tiere verbringen konnte, mit den Gästen, die er auf die Ranch einladen würde und auch mit den Kindern, die er adoptieren würde. (Er erzählte mir, dass er nicht plane zu heiraten oder eigene Kinder zu haben.)

Die gesamte Woche, die wir auf der Ranch verbrachten, verging viel zu schnell für mich. Ich genoss jeden Augenblick und hielt Michaels Gedanken in Ehren.

Ich fragte ihn: „Michael, warum magst du Kinder so sehr?“

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Er sagte: „Es ist selten, dass ich unter Kindern sein kann, Gloria. Wann ich das Gesicht eines Babies sehe, sehe ich Gott in ihren Augen leuchten. Ich bin normalerweise mit Erwachsenen oder Teenagern zusammen, die zu meinen Konzerten kommen. Ich komme aus einer großen Familie, aber ich weiß nicht, ob ich eigene Kinder haben werde. Ich möchte einfach ein Paradies für mich selbst und für Kinder hieraus machen. Ich möchte nur die Freuden des Lebens mit ihnen teilen.“

Während unseres Aufenthaltes auf der Ranch besuchten wir auch Bo und John Dereks Ranch. Michael stieg auf ein Pferd und ritt mit ihnen über ihre Koppel. Sie hatten ein Gehege mit Pferden, und sie brachten Michael dazu, mit ihnen zusammen zu Pferd herum zu traben. Ich war erstaunt, ihn ein Pferd reiten zu sehen wie ein Cowboy. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass er das tun würde.

* * *

Am vierten Tag dieses fantastischen Abenteuers unserer Erkundungen der Ranch begann Michael mir einige seiner Träume anzuvertrauen.

Michael Jackson hatte eine Babygiraffe und eine Muttergiraffe zu Hause in Encino. Er sagte, er würde die Giraffen nach Neverland bringen, so dass sie für ihn die Bäume rund um das Tudorhaus pflegen und zurechtstutzen könnten. Er war begierig darauf, seine Tiere vom Grundstück in Encino hierher zu bringen, weg vom Zugriff der Animal Control Inspektoren von Los Angeles.

(…)

Michaels Neugierde war endlos, und er besaß die Gabe, dir eine Frage mit zehn Worten oder weniger zu stellen, woraufhin du ihm als Antwort ein ganzes Buch an Geschichten erzähltest. Das ist der Grund, warum ich sage, dass er einer der klügsten Männer ist, die ich jemals in der Welt getroffen habe. Er war definitiv nicht Wacko Jacko, Michael war ein Genie.

(…)

Michael erzählte mir während unserer Woche dort, dass er sich bei seinem ersten Besuch in die Ranch verliebt habe, weil in jedem Zimmer Blumen waren. Ich erzählte Michael Jackson, dass der Grund für die Blumen in jedem Zimmer (einschließlich in einigen der Bäder) der war, dass ich Bill Bone darum gebeten hatte. „Bravo!“ erwiderte Michael. „Hast du das wirklich getan?“ „Ja, habe ich, denn ich weiß, dass du Blumen liebst.“

Oh,“ sagte Michael, „du bist meine Lieblingsgrundstücksmaklerin. Du gibst dir wirklich die größte Mühe, um mich zu begeistern.“ „Ja, ich wollte, dass du glücklich bist, während du dir das Haus ansiehst,“ entgegnete ich.

In der Tat hatte der Eigentümer des Hauses Blumen im Wert von über 250.000 Dollar sowohl für das Haupthaus als auch für das Freizeithaus gekauft. Mr. Bone konnte einige dieser Blumen aus dem Haus dem Floristen wieder zurückgeben; er hatte dies ausgehandelt, denn er wusste, er wollte die schönsten Blumenarrangements, um Michael zu beeindrucken.

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Ein anderer Aspekt des Hauses, der Michael erfreute, war die Tatsache, dass es dort Geheimgänge gab. Es gab Wände, die bewegt werden konnten und hinter denen sich Verstecke und ein Panikraum verbargen, wo dich niemand finden konnte. Bill Bone hatte dies für seine Kinder eingebaut. Das ist ein weiterer Grund dafür, warum dies das perfekte Zuhause für Michael Jackson war, so wusste er, wo er sich vor den Leuten verstecken konnte. Wenn du mit Michael Verstecken spieltest, konntest du ihn nicht finden in dem 14000 square ft großen Haus. Michael lernte sehr schnell all die geheimen Gänge kennen und wusste, welche Knöpfe man drücken musste, damit sich die Wände öffneten und schlossen. Er kannte jedes Geheimnis, und er brauchte nicht viele Lehrstunden.

(…)

Während wir weiterhin über die Ranch fuhren und uns unterhielten, plante Michael grundsätzlich, wie er Neverland aufbauen wollte. Wir hatten eine großartige Zeit, als wir seine Träume wahr werden ließen. Michael fragte mich fortwährend, ob ich mit ihm zusammen die Bäume hinaufklettern wolle. Ich machte die Erfahrung, dass ich zu ängstlich war, um auf einen Baum zu klettern. Michael stieg auf einen Baum fast wie ein Schimpanse und schwang sich nach oben oder nach unten, dann lief er hinunter so schnell er konnte. Einen Baum hinauf und wieder hinunter zu klettern ist nicht gerade das, was ich am besten kann, und ich würde nicht versuchen, es mit ihm aufzunehmen. Michael war furchtlos. Ich war voller Angst, wenn es um Höhe ging, auf einen Baum zu klettern machte mir Angst. Es ist nicht gerade zweckmäßig, auf Bäume zu klettern, es sei denn du bist trittsicher oder ein Koalabär, und ich bin keins von beiden.

Als das Ende unseres Besuches nahte, es war der sechste Tag auf der Ranch, hatten wir mehr als 100 verschiedene Plätze angesehen, die Michael interessiert hatten. Wir konnten unmöglich noch auf einen weiteren Berg klettern, und so wurden wir von T. Hayer umherchauffiert, der die Ranch ziemlich gut kannte, seit er sie seinem Arbeitgeber Bill Bone gezeigt hatte.

(…)

Fortsetzung – Teil 2:

http://all4michael.com/2014/08/09/auf-der-suche-ach-neverland-teil-2/

Wichtige Daten in HIStory

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Important Dates in HIStory


Post vom 22/05/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com/2014/05/

Joie: Heute hat sich Willa und mir unsere gute Freundin und regelmäßig Mitwirkende Lisha McDuff angeschlossen und wir werden über die Titelnummer von Michaels Album HIStory sprechen. Genauer gesagt reden wir über einen bestimmten Aspekt dieser Titelnummer. Danke, dass du hier bist, Lisha!

Lisha: Ich danke euch sehr für die Einladung!

Joie: OK Ladies, ich habe hier eine Frage, von der ich weiß, dass wir alle schon viele, viele Male darüber nachgedacht haben, und ich könnte wetten, dass so gut wie jeder Michael Jackson Fan mindestens Dutzende Male während dieses vielschichtigen Songs darüber gegrübelt hat. Was bedeuten all diese Daten am Beginn und am Schluss von HIStory, und haben sie über ihre offensichtliche Bedeutung für den Rest der Welt hinaus eine persönliche Bedeutung für Michael?

Willa: Ich denke, sie haben eine enorme Bedeutung. Beispielsweise gibt es zwei Daten zu Beginn des Tracks, die separat hervorgehoben werden – alle anderen Daten kommen am Schluss. Und wie du, als wir anfingen darüber nachzudenken, einen Post über HIStory zu machen, festgestellt hast, Lisha, haben diese beiden eine ganz spezielle Bedeutung.

Lisha: Genauso ist es. Die ersten Worte des Songs, die gesprochen werden, lauten: „Montag, 26. März 1827“ und „28. November 1929“. Obwohl es nirgends ausgesprochen wird, worauf sich diese Daten tatsächlich beziehen, finde ich es interessant, dass diese zufällig zwei wichtige Daten der Musikgeschichte darstellen: Es sind der Todestag Ludwig van Beethovens und der Geburtstag von Berry Gordy, Jr.

Willa: So sehe ich das auch. Indem er diese beiden Daten auf diese Art zusammenbringt, darf man vermuten, dass Michael Jackson eine Verbindung oder eine Beziehung zwischen diesen beiden Männern sah. Wir neigen nicht dazu, an diese beiden im Zusammenhang zu denken, aber Michael Jackson bewunderte sie außerordentlich, und sie hatten beide einen riesigen Einfluss auf die Musikgeschichte. Genauer gesagt, sie waren jeweils bedeutende Übergangsfiguren in der Geschichte der Musik.

Ich denke, die meisten Menschen würden zustimmen, dass Beethoven einer der größten klassischen Komponisten war, wenn nicht sogar der größte. Aber er bereitete auch den Übergang in die romantische Periode der Musik. Du weißt wesentlich mehr darüber als ich, Lisha, aber er half bei der Überleitung vom Klassizismus zur Romantik, richtig?

Lisha: Das ist absolut richtig. Beethoven schien gleichzeitig einen Fuß in der Ära der Klassik und den anderen in der Romantik der westlichen Musik zu haben. Er wird als Brücke zwischen diesen beiden Perioden ansehen.

Willa: Und als Gründer von Motown war Berry Gordy ebenso eine Übergangsfigur. Er bereitete den Weg für die Integration „schwarzer“ Musik in den „weißen“ Mainstream auf eine Art, die äußerst populär sowohl bei Schwarzen, als auch bei Weißen war. Und das veränderte das Gesicht der Musik in Amerika und der ganzen Welt.

Lisha: Berry Gordy definierte Pop neu, indem er darauf bestand, dass dieser ebenso schwarz wie weiß war, und dies hatte eine große Anziehungskraft auf das breite Publikum. Gordys Einfluss ist nicht nur in der amerikanischen Popkultur zu spüren, sondern in der ganzen Welt, wie du sagst. Er ist unzweifelhaft eine der bedeutendsten Personen aller aufgezeichneter Musik.

Ich muss sagen, diese beiden Daten da oben zu zitieren, ist solch eine interessante Entscheidung, wir könnten wahrscheinlich unsere gesamte Diskussion nur auf diese Daten konzentrieren!

Joie: Ich stimme zu.

Willa: Ich auch.

Lisha: Ich vermute auch, dass diese Daten nicht nur für das hervorgehoben wurden, was jeder dieser Männer erreicht hat, sondern auch dafür, wie ihre Leistung historisch eingeordnet wurde.

Es ist keine Frage, dass Beethoven für einen der bedeutendsten Komponisten in der gesamten Musikgeschichte gehalten wird, wenn nicht sogar für den bedeutendsten. Wie wir über Beethoven denken ist fundamental für unsere Auffassung darüber, was ein Komponist ist, was ein musikalisches Werk ist, was geistiges Eigentum ist und was ein musikalisches Genie ist. Die Geschichte der westlichen Musik kreist auf viele Arten rund um Beethoven als Musterbeispiel und um die österreichisch-deutschen musikalischen Grundprinzipien. Es ist die Musikgeschichte von Bach, Mozart, Beethoven und Brahms, die uns allen in der einen oder anderen Form nahegebracht wurde.

Aber Wissenschaftler hinterfragen dies zunehmend. Ist es wirklich sinnvoll, dass musikalisches Genie auf bestimmte zeitliche Perioden in Österreich und Deutschland eingegrenzt werden kann? Und was ist musikalisches Genie überhaupt? Die Zeit ist reif dafür, ein wenig kritischer darüber nachzudenken und ich vermute, Michael Jackson hat ein bisschen darüber nachgedacht, als er den Tod Beethovens und die Geburt von Berry Gordy zu Beginn des Songs hervorgehoben hat. Ich denke, wir sind alle programmiert worden, Beethoven schrecklich ernst zu nehmen, aber wir denken normalerweise nicht auf die gleiche Art über populäre Musik oder über nicht-europäische Komponisten.

Willa: Ich stimme dir vollkommen zu. Im Allgemeinen neigen Kritiker zu einer strikten Trennung zwischen Komponisten „hoher Kunst“ wie Beethoven und Produzenten „populärer“ Musik wie Berry Gordy, und es grenzt schon fast an Ketzerei sie in einem Atemzug zu erwähnen. Aber Michael Jackson hinterfragte diese Trennung zwischen hoher Kunst und populärer Kunst ständig, und dies ist ein weiteres großartiges Beispiel dafür.

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Es ist ebenfalls interessant, Lisha, dass du den Bezug zu „Montag, 26. März 1827“ nicht nur in Hinsicht auf Beethovens Tod siehst, sondern auch als stellvertretend für den „Tod“ des Grundprinzips. Ist das richtig? In der klassischen Musik, genauso wie in anderen Formen der „hohen Kunst“ wie der Literatur, Malerei, Bildhauerei, Architektur oder sogar in relativ neuen Formen wie Film, tendieren die Grundprinzipien dazu, von längst verstorbenen weißen Männern dominiert zu werden, wie man so schön sagt. In diesem Sinn also, indem er Beethovens Todesdatum Berry Gordys Geburtsdatum gegenüberstellt, deutet Michael Jackson den „Tod“ einer Art über Musik zu denken an – nämlich der Art, welche eine kleine Gruppe von Männern aus Österreich und Deutschland privilegiert, wie du sagtest – und hinführt zur „Geburt“ einer neuen Art über Musik zu denken.

Lisha: Ja, ich glaube, dass Michael Jackson ein neues Paradigma hervorhebt und uns dazu einlädt über populäre Musik und amerikanische musikalische Leistungen wesentlich ernsthafter nachzudenken. Aber, ob du es glaubst oder nicht, die Vergötterung der großen „verstorbenen, weißen Männer“ der Musikgeschichte ist ein eher neueres Phänomen (historisch gesprochen, das ist 19. und 20. Jahrhundert), das sich eigentlich um unsere Ehrfurcht vor Beethoven dreht. Auf vielerlei Arten repräsentiert der Tod Beethovens die Geburt, nicht den Tod des musikalischen Grundprinzips. Also deutet Jackson vielleicht an, dass der Tod des Grundprinzips am besten durch die Geburt Berry Gordys repräsentiert wird.

Willa: Oh, interessant!

Lisha: Die ganze Vorstellung des musikalischen Genies (gemeinhin konzipiert als der einzelne, autonome, leicht verrückte Komponist, etwas entrückt, der seiner Kunst treu ist, indem er politischem Druck oder wirtschaftlichen Erwägungen widersteht) basiert mehr oder weniger darauf, in welchen geschichtlichen Zusammenhang wir Beethoven stellen. Frühere Komponisten wie Bach und Mozart, waren bei der Kirche angestellt oder am Hof und ihre Musik wurde in erster Linie dafür geschaffen die Bedürfnisse ihrer Arbeitgeber zu befriedigen und deren Sichtweisen und Ideale auszudrücken.

Aber Beethoven hinterfragte dies und hatte das Gefühl, Künstler sollten autonomer und freier sein von Beeinflussungen oder weltlichen Forderungen. Als Ergebnis seines Einflusses wurde die Rolle des Komponisten erhöht und Komponisten wurde schließlich mehr Status, Anerkennung und Kontrolle über ihre Arbeit gegeben. Musiker fokussierten sich sehr darauf, der Vision des Komponisten und dem großen „musikalischen Werk“ zu dienen, einem Konzept, das Beethoven zugeschrieben werden kann.

Es ist interessant, dass in den Liner Notes von HIStory ein Klangausschnitt aus dem Kinderfilm Beethoven Lives Upstairs Credits gegeben werden. Um ehrlich zu sein, ich habe diesen Ausschnitt auf dem Track nie gefunden. Ich weiß nicht, ob ich es lediglich übersehe oder ob es einfach nach einer erfolgten Korrektur weggelassen wurde, aber mich interessiert, welchen Bezug dieser Film zu HIStory hat.

Willa: Also, das Glockenläuten im Hintergrund ganz zu Beginn des Films erinnert mich an das Glockengeläut im Hintergrund, während Beethovens Todestag und Berry Gordys Geburtsdatum auf HIStory ausgesprochen werden. Könnte es das sein?

Lisha: Hmmm. Zu Beginn des Films höre ich Kirchenglocken läuten und in HIStory höre ich orchestrale Glockenschläge. Also, ich denke nicht, dass es sich um dieselben Instrumente oder denselben Klangausschnitt handelt. Aber nun, da du es erwähnt hast, ist es wirklich interessant, wie ähnlich das Tempo der Glocken und des Läutens sind. Das ist eine sehr scharfsinnige Beobachtung, Willa. Ich habe auch bemerkt, dass die ersten gesprochenen Worte, sowohl im Film, als auch im Song „Montag, 26. März 1827“ lauten. Von allen Daten, die in HIStory genannt werden, glaube ich, dass dieses das einzige ist, welches auch den Wochentag („Montag“) einbezieht. Der Rhythmus und das Tempo des Klangs der Stimme aus dem Off klingt ebenfalls sehr identisch für mich. Ich bekomme das Gefühl, dass dieser Film eine größere Inspiration für den Track ist, als ich dachte.

Als ich den Film sah, war ich erstaunt darüber, wie genau dieser das beethoven’sche Prinzip und den Mythos des Komponisten als einem gottähnlichen, musikalischen Genie verstärkt, das auch eigenartig, schwierig, ein wenig verrückt und schrecklich missverstanden sein kann. Der Film lässt wirklich kein Klischee aus. Aber es ist wahrscheinlich nahezu unmöglich, einen Film über klassische Musik zu finden, der den Komponisten nicht auf diese Weise historisiert. Ich denke zum Beispiel an Amadeus.

Ich weiß nicht, ob jemand von euch die Gelegenheit hat die neue Broadway-Show Motown The Musical, geschrieben von Berry Gordy, zu sehen, aber es ist eine fabelhafte Produktion, die Gordy ermöglicht, seine eigene Arbeit selbst zu historisieren. Weit entfernt von dem Verlangen, auszudrücken, er sei frei von kommerziellen, ökonomischen Zwängen oder anderen weltlichen Interessen, sagt Gordy, dass er sich Motown als eine Musikfirma vorstellte, welche das Produktionsmodell der Fertigungsstraßen in der Autoindustrie zum Vorbild hatte. Er erklärte dies kürzlich in einem faszinierenden Interview mit dem Theaterkritiker der Chicago Sun-Times Hedy Weiss:

Willa: Wow, das unterscheidet sich wirklich sehr von dem Beethoven-Modell, nicht wahr? Ich meine, es ist ganz und gar nicht der einzelne Künstler, der allein besessen an seinem Meisterwerk arbeitet, wie du beschrieben hast, Lisha. Eigentlich ist es das genaue Gegenteil.

Weißt du, dies erinnert mich an Andy Warhol, einen anderen Künstler, der die Methoden von Fertigungsstraßen für die Erschaffung von Kunst, speziell seiner Siebdrucke, einbezogen hat – Kunst, die auch die Einteilung von hoher Kunst und kommerzieller Kunst in Frage stellte, wie wir in einem Post letzten Herbst diskutiert haben.

Lisha: Es ist faszinierend für mich, dass diese Künstler, die in einer heftig kapitalistischen Gesellschaft dieses Modell begrüßten, entweder als Kritik oder als Ausdruck ihrer eigenen Zeit, ihres eigenes Ortes und ihrer Lebensumstände. Denk daran, dass das Songwriter-/Produzenten-/Arrangeur-Team hinter den frühen Hits der Jackson 5 Hits Berry Gordy, Freddie Perren, Fonce Mizell und Deke Richards war und sie bekamen alle die Credits einfach als The Corporation (Das Unternehmen).

Willa: Oh, das ist richtig! Und Andy Warhol nannte sein Studio The Factory (Die Fabrik). Das ist wirklich interessant, dass das, was Berry Gordy in der Musik tat, Andy Warhol parallel dazu in der visuellen Kunst machte.

Aber nochmal zurück zu den Unterschieden zwischen dem Vorgehen Beethovens und dem von Berry Gordy – ich versuche, darüber nachzudenken, wo man in Bezug auf diese beiden Modelle Michael Jackson einordnen kann, und wie bei so vielen Dingen, scheint er in keines der beiden Lager zu gehören. Wie er viele Male in Interviews erwähnt hat, kamen die Inspirationen und Ideen oft zu ihm, wenn er allein mit seinem Kassettenrecorder war. Aber wenn es darum ging, seine Ideen zu Songs für ein Album weiterzuentwickeln, verfolgte er eine eher gemeinschaftliche Vorgehensweise für die Musikproduktion – eher wie das Modell Berry Gordys.

Lisha: Ja, das stimmt, aber er arbeitete ebenso auch oft in der Phase der Ideenfindung mit anderen Musikern und Songschreibern zusammen. Es ist ein sehr auf die Zusammenarbeit konzentrierter Anspruch, der die Rolle des Komponisten neu definiert. Das Rockgenre hat eine ganz andere Herangehensweise und schreibt denjenigen Künstlern einen hohen Stellenwert zu, die ihre eigene Musik schreiben, mehr wie das Muster Beethovens. Aber im Pop-/Motown-Modell (auch in der Tradition der Tin Pan Alley / Brill Building) dient der Songschreiber in erster Linie den Zwecken des Künstlers und des Produzenten. In diesem Modell, würde ich sagen, ist es tatsächlich der Performer, dessen Bedeutung hervorgehoben wird.

Allerdings , Michael Jackson spielt in einer eigenen Liga aufgrund der Tatsache, dass er so hochbegabt war als Performer, Sänger, Tänzer, Produzent, Songschreiber, Arrangeur, Lyriker, Musiker, Choreograf, Film-Regisseur, Bühnen-Regisseur, Beleuchtungs- und Kostümdesigner, Geschäftsmann und Marketinggenie … Ich könnte noch weiter machen, aber ihr habt es verstanden. Natürlich gibt es David Bowie, Madonna und Prince als Beispiele anderer multitalentierter Künstler, die auch auf diese Weise arbeiteten. Aber wenn ihr euch anseht, wie tiefgreifend Jackson all diese Disziplinen verstanden hat und die Art, wie er all diese Elemente der Zusammenarbeit aufeinander abstimmte, dann deutet dies an, dass er ein einzigartiges Genie hinter einem wahrlich eindrucksvollen Gesamtwerk war.

Willa: Dem würde ich zustimmen!

Lisha: Wahr ist auch, dass Jackson sehr früh in seinem Leben wohlhabend und mächtig wurde, so dass er frei war von Gedanken über seinen Lebensunterhalt oder Ängsten darüber, dass seine Kunst nicht finanziert werden könnte. Jedoch schien er seinen Erfolg als Künstler oft unter dem Aspekt verkaufter Einheiten zu bemessen. Meine Vermutung ist, dass er glaubte, sein Einfluss und seine Reichweite standen direkt in Beziehung zu starken Verkäufen und aktivem geschäftlichen Handel.

Joie: Wow, ihr beide! Wisst ihr, euch beiden zusammen zuzuhören ist manchmal wirklich faszinierend für mich. Habe ich euch das jemals gesagt? Dies ist bereits eine vollkommen fesselnde Unterhaltung und wir haben gerade erst begonnen!

Willa, ich liebe das, was du gesagt hast über den „Tod“ eines sehr alten und müden Weg des Denkens in der Musik – und wirklich großartiger Musik – die eine kleine Gruppe verstorbener weißer Männer privilegiert. Und, wie Lisha so schön dargelegt hat: „Ist es wirklich sinnvoll, dass musikalisches Genie auf bestimmte zeitliche Perioden in Österreich und Deutschland eingegrenzt werden kann?“ Also, ich denke, wir stimmen alle darin überein, dass Michael in der Tat einige sehr wohl durchdachte Gründe dafür hatte, den Song mit diesen zwei Daten zu eröffnen.

Nun bin ich daran interessiert, etwas über die anderen Daten am Schluss des Songs zu erfahren. Und vielleicht ist es ein wenig seltsam, dass wir uns nur auf jene Daten in dieser Unterhaltung konzentrieren anstatt über die Lyrics oder eigentlich den Song selbst zu sprechen, aber für mich waren die Daten immer der faszinierendste Aspekt an diesem Song. Jedes Mal, wenn ich ihn höre, drehe ich am Schluss die Lautstärke auf, so dass ich versuchen kann ein oder zwei weitere Daten zu entziffern. Es kann zu einer sehr obsessiven Übung werden. Hat jemand von euch sie jemals gezählt? Ist bekannt, wie viele Daten es sind? Willa, du hast angefangen, eine Liste mit diesen Daten anzufertigen, stimmt’s?

Willa: Ja, das habe ich, aber es ist ziemlich holperig, mit großen Lücken zwischen einigen – und ich bin sicher, ich habe andere völlig überhört. Ich habe ziemliche Schwierigkeit bei einigen, sie zu verstehen.

Joie: Ja, so geht’s mir auch.

Lisha: Ich gebe zu, ich hatte damit auch wirklich Probleme. Aber während ich mich damit abgekämpft habe, denke ich, ich habe einen Trick entdeckt, mit dem ich all die Daten heraushören kann. Mit ein wenig Übung und einem guten Paar Kopfhörern ist es möglich, das gesamte Segment eindeutig zu verstehen ohne eines der erwähnten Daten zu verpassen.

Die gesprochenen Daten am Schluss des Songs sind in vier verschiedene Stränge eingeteilt, die gestaffelt sind und übereinander gelegt wurden. Das Geheimnis, sie herauszuhören, besteht darin, sich auf nur einen Strang gleichzeitig zu konzentrieren ohne sich von dem konkurrierenden Geräusch ablenken zu lassen. Es ist auch hilfreich, sich auf den Ort des Klangs zu fokussieren. Beispielsweise beginnt der erste Strang im oberen Abschnitt des Klangfeldes, leicht rechts von der Mitte. Es beginnt direkt nach dem letzten Akkord des Songs (5:41) und klingt wie:

11. Februar 1847   Thomas Edison wird geboren
30. Dezember 1865   Rudyard Kipling wird geboren
7. Dezember 1903   Erster Flug der Gebrüder Wright
15. Januar 1929   Martin Luther King wird geboren
14. Oktober 1947   Chuck Yeager durchbricht die Schallmauer
9. Februar 1964   The Beatles treten in der Ed Sullivan Show auf
10. November 1989   Die Berliner Mauer fällt

Nun geht zurück (5:42) und versucht den zweiten Strang zu isolieren, der auf der linken Seite eurer Kopfhörer verortet ist:

18. Januar 1858   Daniel Hale Williams wird geboren
8. August 1866   Matthew Henson wird geboren
29. Mai 1917   John F. Kennedy wird geboren
September 1928   Entdeckung des Penicillins
17. Januar 1942   Muhammad Ali wird als Cassius Clay geboren
12. April 1961   Yuri Gagarins erster Weltraumflug
12. April 1981   Der erste Shuttle Flug

Der dritte Strang ist auf der rechten Seite lokalisiert (5:43):

19. November 1863   Lincoln hält die Rede „Gettysburg Address“
5. Dezember 1901   Walt Disney wird geboren
2. November 1920   Der erste kommerzielle Radiosender wird eröffnet
9. Oktober 1940   John Lennon wird geboren
17. Juli 1955   Disneyland wird eröffnet
20. Juli 1969   Astronauten landen zum ersten Mal auf dem Mond

Schließlich hört noch einmal im oberen Abschnitt des Klangfeldes, aber dieses Mal ist es leicht links von der Mitte positioniert (5:44). Ihr solltet hören:

9. April 1865   Der Bürgerkrieg endet
28. Oktober 1886   Die Freiheitsstatue wird eingeweiht
31. Januar 1919   Jackie Robinson wird geboren
28. November 1929   Berry Gordy wird geboren
1. Dezember 1955   Rosa Parks weigert sich, ihren Platz im Bus einem weißen Passagier zu 
 überlassen

Joie: Oh. My. Gosh. Du hast den Code aber richtig geknackt! Ich war nie fähig all dieses in seiner Gänze herauszuhören, aber nun, wo ich es noch einmal versucht habe mit deinen Notizen vor mir, ist es alles da – als wenn ein lange unlösbares Puzzle plötzlich kristallklar gelöst worden wäre! Das ist erstaunlich! Ich bin vollkommen beeindruckt. Sowohl von deinen Hörqualitäten als auch von deinen Kopfhörern!

Willa: Ich auch! Ich verbeuge mich vor dir, Lisha! So wie ich es sehe, hast du dieses unglaublich musikalische Gehör – deine Liste ist weitaus besser als meine!

Lisha: Ihr seid zu lustig! Aber der Dank geht an Bruce Swediens brillante Technik, dass dieses Segment so wunderbar organisiert ist.

Willa: Das stimmt, aber trotzdem … einige von diesen hatte ich überhaupt noch nie gehört wie „die Entdeckung des Penicillins“ und „Disneyland wird eröffnet“. Und Berry Gordys Geburtstag wird zum zweiten Mal erwähnt. Ich habe nicht bemerkt, dass das Datum zweimal gesagt wird, zu Beginn und am Schluss von HIStory. Das sagt mir, dass dies ein sehr bedeutsames Datum für Michael Jackson war.

Lisha: In der Tat sehr bedeutsam. Ich glaube, die Wichtigkeit von Gordys musikalischer Leistung wird während des ganzen Songs bekräftigt. Vielleicht der größte Unterschied zwischen den Paradigmen von Beethoven und Motown ist, dass die eine Komposition in schriftlicher Form vorliegt, während die andere auf aufgezeichneter Musik basiert. Populäre Musik hat eine so andere musikalische Herangehensweise, dass Musikologen ganz neu überdenken müssen, wie sie es analysieren, interpretieren und in einen historischen Zusammenhang stellen. Diese neue Annäherung wird oft als „Neue Musikwissenschaft“ bezeichnet, und es ist ein grundlegend interdisziplinäres Untersuchungsfeld.

Ich glaube, in HIStory deutet Michael Jackson auf diese Veränderung zwischen aufgeschriebener und in Klangform aufgezeichneter Musik mit jenen zwei Daten am Anfang des Songs, und der Track illustriert dies auch musikalisch ziemlich gut. Er beinhaltet Musik aus dem klassischen und instrumentalen Repertoire einer Musikkapelle, aber es sind auch einige technische Zaubereien aus dem Studio enthalten. Es gibt auch zwei sehr bedeutende Momente in der Geschichte der Aufnahmetechnik, die gegen Ende des Tracks (6:10) enthalten sind. Der erste davon ist ein historischer Ausschnitt der ersten Werbeaufnahme, die je gemacht wurde, aus dem Jahr 1906:

I am the Edison phonograph, created by the great wizard of the New World to delight those who would have melody or be amused.

Ich bin das Edison Grammofon, erfunden von dem großen Zauberer der Neuen Welt, um jene zu erfreuen, die eine Melodie haben oder sich vergnügen möchten.

Darüber gelegt ist ein zweiter Clip von Thomas Edison selbst, bei denen er sich an die ersten Worte erinnert, die er 1877 für die erste Grammofon- Aufnahme der Welt aufzeichnete:

Mary had a little lamb (Mary hatte ein kleines Lamm)

It’s fleece was white as snow (Sein Fell war weiß wie Schnee)

And everywhere that Mary went (Und überall, wo Mary hinging)

The lamb was sure to go (Ging ganz sicher auch das Lamm hin)

Ob ihr es glaubt oder nicht, Edison machte diese erste Aufnahme 1877, nur 50 Jahre nach Beethovens Tod.

Willa: Im Ernst? Das hätte ich niemals vermutet. Es ist lustig, wie unsere zeitliche Wahrnehmung sich verschieben kann. So wie ich eines Tages über die „Invasion“ der Beatles in Amerika vor 50 Jahren las und dies näher am 2. Weltkrieg ist als heute an uns. Das hat mich erstaunt.

Lisha: Es ist wirklich verwirrend. Ich habe immer irgendwie gedacht, dass auch zwischen diesen Ereignissen größere Zeitabstände gewesen wären.

Willa: Oh, ich weiß, und ich denke, Edison und sein Grammofon haben eine Menge damit zu tun. Was ich meine, ist, dass ich denke, Videos und Klangaufnahmen verdichten unsere geschichtliche Wahrnehmung. Wir können die Beatles bei ihrem Auftritt bei Ed Sullivan „sehen“ und es selbst erleben, also empfinden wir es nah an unserer Zeit. Beethoven lebte, bevor die Aufnahmetechnik erfunden wurde, also werden wir ihn niemals auf dieselbe Art erleben – nie seine tatsächliche Stimme hören, niemals sehen, wie sich sein Körper bewegt. In diesem Sinn fühlt er sich also „vorgeschichtlich“ für uns an, in der Bedeutung, dass er vor der aufgezeichneten Geschichte existierte – bevor Geschichte mit Klang und Bildern aufgezeichnet werden konnte.

Lisha: Interessant, und ich stimme dir komplett zu. Durch die Aufnahmen erscheinen diese Ereignisse in unserer Erinnerung viel näher zu sein.

Willa: Genau. Die Beatles spielten vor 50 Jahren bei Ed Sullivan, aber für mich spielten sie dort auch gestern, denn da habe ich diesen Auftritt das letzte Mal erlebt. Ich habe sie erst gestern gerade bei Ed Sullivan gesehen. Gedanklich weiß ich natürlich, dass es vor 50 Jahren passiert ist, aber emotional fühlt es sich wirklich vertraut für mich an, auch wenn ich zu jung war, es zu erleben, als es wirklich passiert ist.

Das ist also ein weiterer Grund dafür, warum Edison und sein Grammofon in einem Song über „Geschichte“ bedeutsam sind. Sie haben grundlegend die Art und Weise verändert, wie wir Geschichte wahrnehmen und erleben.

Lisha: Großartiger Hinweis wie immer, Willa.

Willa: Danke, aber es tut mir leid, Lisha. Ich habe dich mitten in einem Gedankengang unterbrochen. Du sprachst über die riesige Veränderung von geschriebener Musik zu aufgezeichneter Musik, und dass du denkst, HIStory würde nicht nur die Veränderung ansprechen, sondern dass es dies sozusagen auch in seiner Struktur nachvollzieht, mit Passagen klassischer Musik zu Beginn und mit Audio-Ausschnitten von Edison und seinem Grammofon am Schluss. Das ist solch ein faszinierender Gedanke, besonders wenn du dir den enormen Einfluss vorstellst, den Aufnahmetechnik auf die Musik hatte – nicht nur dahingehend, wie sie verbreitet wird, sondern auch wie sie konzipiert und erschaffen wird. Ich würde gern noch mal darauf zurückkommen, wenn das geht.

Michael Jackson nutzte Musiktechnologie speziell als „Kompositionswerkzeug“, wie du in einigen faszinierenden Kommentaren zu einem Post, den Joie und ich vor langer Zeit mit Joe Vogel und Charles Thomson machten, erläutert hast. Dies ist, was du unter deinem Pseudonym Ultravioletrae sagtest:

Ich zweifle nicht daran, dass wenn Jackson es für nötig gehalten hätte, Musik in Notenschrift aufzuschreiben, er es getan hätte, aber seine eigene Methode diese auf Mehrspurbänder aufzunehmen war viel effizienter und erstrebenswerter als Stift und Papier oder Software für Notenschrift. Notenschrift zu lesen und zu schreiben wäre eine enorme Bürde für einen Musiker wie ihn gewesen. Als Beispiel sei hier genannt, dass er mit komplexen, subtilen Rhythmen arbeitete, die nicht akkurat aufgeschrieben, höchstens geschätzt werden können.

Bevor ich begann mit euch über dies alles zu sprechen, tendierte ich von der Aufnahme der Musik als einem Teil des Verbreitungsprozesses zu denken – dass Musiker ihre Musik in ein Format brachten, in dem man es mit anderen teilen kann. Aber du hast mir dabei geholfen, zu erkennen, dass der Aufnahmeprozess weit mehr als das geworden ist. Es ist inzwischen ein integrierter Teil des Komponierens und Erschaffens von Musik, aber auf eine ganz andere Art als in dem Modell von Beethoven.

Lisha: Der gesamte Gedanke des großen „musikalischen Werkes“ als einer exklusiv aufgeschriebenen Kompositionsform ist am ehesten ein direktes Ergebnis des beethoven‘schen Mythos‘ und wie wir den Status von (verstorbenen, weißen, männlichen) Komponisten bewerten. Es ist schwer dieses Bild des Komponisten loszulassen, weil es so tief verwurzelt in der Kultur ist. Aber Musik ist ein Phänomen des Gehörs, also ergibt es einen unheimlich großen Sinn, die uns verfügbare Technologie einzusetzen, um musikalische Information in einem hörbaren Format zu speichern.

Ganz zu Beginn der Aufnahmen von Musik war es das Ziel, einfach eine Live-Performance so genau und realistisch wie möglich zu reproduzieren. Aber da gab es einige bahnbrechende Ereignisse, die all das grundlegend veränderten. Das erste waren die Innovationen bei Mehrspuraufnahmen des Gitarristen Les Paul, die Paul erlaubten, Klänge auf eine sehr kreative und einfallsreiche Art und Weise übereinanderzulegen. Bruce Swedien erzählte dies einmal Richard Buskin von Sound On Sound:

Das erste Mal, dass ich wegen Popmusik wirklich aufgeregt war, war, als ich entdeckte, dass es möglich ist, meine Phantasie einzusetzen. Das kam durch eine Aufnahme, an der ich selbst gar nicht mitgewirkt hatte, durch Les Pauls und Mary Fords How High the Moon. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Ziel von Musikaufnahmen gewesen, ein akustisches Ereignis unverändert einzufangen, die Musik von großen Orchestern wiederzugeben, als hättest du den besten Platz im ganzen Haus. Das ließ keinen Raum für Phantasie, aber als ich How High the Moon hörte, worin nicht ein natürlicher Klang enthalten ist, da dachte ich „Verdammt, es gibt Hoffnung!“

Denkt mal an all diese Daten in HIStory, wie sie gestapelt und übereinander gelegt sind. Das ist ein großartiges Beispiel für Michael Jacksons und Bruce Swediens phantasievolle Nutzung des Aufnahmestudios als einer Form der Komposition, möglich geworden durch Les Pauls erfinderische Herangehensweise an das Aufzeichnen von Musik.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Aufzeichnungen ereignete sich 1967, als die Beatles Sergeant Pepper‘s Lonely Hearts Club Band, einem Album, das der Rolling Stone als das „großartigste Album aller Zeiten“ bezeichnete, veröffentlichten. Nachdem die Beatles 1966 das Touren aufgegeben hatten, wandten sie ihre Aufmerksamkeit dem Aufnahmestudio zu und erarbeiteten in beispiellosen 700 Stunden im Studio das Album St. Pepper. Das Album überschritt die Grenzen der bisher dagewesenen Multitrack-Aufnahmen und der Aufnahmetechnologie dahingehend, dass der Aufnahmeprozess selbst als ein Gestaltungselement der Komposition anerkannt wurde. Ohne den Plan jemals auf die Bühne zurückzukehren, wurde der Aufnahmeprozess selbst zum „musikalischen Werk“. Jeder Versuch es aufzuführen würde von nun an als Reproduktion der Aufnahme verstanden werden, einer Drehung um 180 Grad gegenüber dem ursprünglichen Einsatz von Aufnahmetechnologie.

HIStory beinhaltet das geschriebene musikalische Musterbeispiel einer Orchesteraufführung von The Great Gate of Kiev von Mussorgskys Pictures at an Exhibition (Das große Tor von Kiev / Bilder einer Ausstellung), gefolgt von mehreren Beispielen einer amerikanischen Musikkapelle im Militärstil. In diesen Beispielen spielen Musiker Musik von Notenblättern ab und versuchen die Absichten des Komponisten bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Die Art, in der diese Musik erdacht, erschaffen und aufgeführt wurde entwickelt sich rund um das Konzept des geschriebenen „musikalischen Werkes“, welches durch die geschriebene Partitur in Stein gemeißelt wurde.

Aber in der aufgenommenen Musik wird die Rolle des Komponisten neu erdacht, dadurch dass das „musikalische Werk“ eine klangliche Aufnahme darstellt, die bedeutende Beiträge des Ausführenden, und auch des Produzenten und des Toningenieurs enthält.

Willa: Das ist faszinierend, Lisha, und es ist wirklich eine gänzlich andere Art mit einem Musikstück umzugehen, nicht wahr? Im klassischen Modell hast du die Vision eines Ideals des Stückes, wie es sich der Komponist vorgestellt und in seiner Niederschrift „in Stein gemeißelt“ hat, wie du gesagt hast, und das Ziel eines jeden, der danach kam, war zu versuchen, diesem Ideal möglich treu zu bleiben.

Das neue Modell ist nicht nur gemeinschaftlich entstanden, wie du sagst, sondern ist auch viel weniger umrissen – vielleicht sind die Übergänge zu fließend, wie wir kürzlich bei all den Remixen gesehen haben – so dass Songs so etwas wie ein fortwährendes unfertiges Erzeugnis sind. Ich glaube, es war Brad Sundberg, der gesagt hat, dass Michael Jackson manchmal mit kleinen Modifikationen an seinen Songs fortfuhr, sogar nachdem ein Album bereits veröffentlicht war, so konnte ein Dangerous Album eine leicht andere Version von Black or White haben als ein anderes, das nur ein paar Monate früher herausgekommen war. Und sogar Songs, von denen es eine ziemlich „definierte“ Version gibt, wie Wanna Be Startin‘ Somethin‘ oder Billie Jean wurden von anderen Künstlern gesampelt oder in neue Songs integriert, also können wir Ausschnitte oder Schatten dieser Songs im Radio in unterschiedlichen Fassungen hören und diese führen uns dahin über sie auf eine neue Art zu denken.

Mit anderen Worten ist das, was ich zu sagen versuche, dass in dem neuen Modell die Songs überhaupt nicht „in Stein gemeißelt“ sind – sie verändern ständig ihre Form.

Lisha: Ja, das stimmt definitiv, und das hat eine Menge Verwirrung in Hinsicht des geistigen Besitzes und der Bestimmung dessen, der das Recht auf den Erlös der der Aufnahme hat, gestiftet. Aber wenn du darüber nachdenkst, wie viel mehr klangliche Informationen in einer musikalischen Aufnahme gegenüber einem Blatt Papier mit Notenschrift enthalten ist, dann ist auf vielerlei Arten das Gegenteil wahr. Ich weiß zum Beispiel weit mehr darüber, wie Michael Jackson wollte, dass Billie Jean klingt, als das ich weiß, welche Vorstellung Beethoven davon hatte, wie seine Musik klingen sollte.

Willa: Nun, das stimmt, Lisha! Interessant – Musik ist also in gewisser Weise festgelegt und in anderer Hinsicht fließender.

Lisha: Ich glaube außerdem, dass klassische Musik nicht so festgelegt ist, wie sich die meisten von uns vorstellen. Mussorgskys Bilder einer Ausstellung, das am Anfang von HIStory vorkommt, ist ein Musikstück, das zahlreiche Male neu instrumentiert wurde. Die Version, die wir in der Aufnahme hören ist eigentlich ein Arrangement oder „Remix“ von Maurice Ravel! Und über all die ganzen Jahre ändern Musiker ihre Ansichten darüber, wie Komponisten wie Beethoven dargeboten werden sollten und ziehen die Vorzüge vieler verschiedener Darstellungen in Betracht.

Aber niemand muss nur vermuten, was Michael Jackson hören wollte – wir haben eine genau definierte Aufnahme davon. Und welchen Sinn hat überhaupt der Versuch seine Aufnahmen zu kopieren? Die Plattenfirma ist froh so viele Kopien, wie jemand kaufen würde, herzustellen.

Willa: Das stimmt sicherlich. Also kam dieser Paradigmenwechsel in der Hinsicht, wie Musik zusammengesetzt ist – von einem Modell eines einzigen Komponisten, der Noten auf ein Blatt Papier schreibt, hin zu einem ganz anderen Modell von einem Team von Musikern und Soundingenieuren, die in einem Studio arbeiten – durch neue Technologie wie Edisons Grammofon zustande. Aber auch durch neue Produktionsmodelle, wie sie Berry Gordy bei Motown entwickelte und die Michael Jackson von einem sehr jungen Alter an erlebte. Wenn wir HIStory also auf die Art betrachten, wie du es vorschlägst, Lisha, dann ergibt es vollkommenen Sinn, dass Michael Jackson Beethoven, Edison und Gordy an solch markanten Stellen platziert.

Lisha: Es ergibt sehr großen Sinn. Besonders da das alte Muster heute immer noch gemeinsam neben dem neuen existiert. Es ist noch nicht wirklich Vergangenheit, obwohl wir zunehmend Anzeichen seines Verfalls sehen. Soweit ich sagen kann besteht zwischen zwei musikalischen Epochen immer ein Zeitraum der Überschneidung. Es ist nicht so einfach zu definieren, wann die eine endet und die nächste beginnt. Ich denke, es ist bedeutsam darüber nachzudenken, wie wir die Vergangenheit in die Geschichte eingebunden haben und wie wir unseren derzeitigen Moment in der Zukunft historisieren werden. Schließlich ist das Konzept des Albums HIStory: Past, Present and Future. Ich denke, Jackson würde es verfechten, dass, wenn wir großartige Musik in der Zukunft historisieren, wir nicht in die Falle gehen und „verstorbene, weiße Männer“ bevorzugen. Dem pflichte ich bei!

Joie: Wow, wisst ihr, Ich habe noch nie über HIStory in Hinsicht der Musik und welcher Sinn dahinter steckt, nachgedacht. Ich habe immer nur über all diesen Daten gegrübelt und über das Ausmaß und die Bedeutung der wegweisenden, Geschichte machenden Ereignisse, die sie repräsentieren.

Aber was du sagst, Lisha, ist, dass Michael den Song selbst im Grunde nicht nur dazu benutzte, um diese geschichtsträchtigen Ereignisse herauszustellen, sondern auch, um uns gewissermaßen diese große Veränderung vom musikalischen Paradigma der klassischen Musik zur „neuen Musikologie“ bewusst zu machen. Und welchen besseren Weg dies zu tun gibt es, als immer wieder auf Berry Gordy zu zeigen, einen Mann, der diese neue Musikwissenschaft nahm und ein völlig neues Genre und einen neuen Musikstil neu erschuf. Du kannst fast jeden auf der Welt fragen und er kann dir wahrscheinlich sagen, was der Motown Sound ist und wer ihn erfunden hat.

Willa: Das stimmt, Joie, und er erzeugte auch auf der ganzen Welt eine Wertschätzung für „Schwarze Musik“ und half dann dabei, sie aus dieser ziemlich getrennt gehaltenen Kategorie herauszulösen, so dass schwarze Musik und schwarze Künstler generell mehr und mehr in die populäre Musik integriert wurden.

Und natürlich erkennen wir das ebenso in Michael Jackson. Er gewann einen Grammy für Off the Wall: Für die beste männliche R&B Vocal Performance. R&B bedeutet traditionell „Schwarze Musik“, also gewann er grundsätzlich einen Award für die beste „Schwarze Musik“.

Off the wall

Er war äußerst aufgebracht deswegen und schwor, dass sein nächstes Album nicht so ghettoisiert würde wie dieses … und natürlich, sein nächstes Album räumte die Grammys ab. Thriller gewann nicht nur als Best Album of the Year, es gewann außerdem noch sieben weitere Grammys. Und es ist das meistverkaufte Album aller Zeiten, weltweit, für viele verschiedene Menschen aller Rassen.

History_Grammy1984
Das führt zu einem anderen bedeutsamen Aspekt von HIStory – dass es auch schwarzen Künstlern, Politikern, Helden des Sports und anderen Personen gegenüber Anerkennung zollt und den großen Einfluss aufzeigt, den sie auf den Verlauf der Geschichte hatten – nicht auf die Geschichte der Schwarzen, sondern auf die Geschichte der Menschen. Der Namensaufruf der wichtigen Daten beinhaltet die Geburtstage von Martin Luther King, Daniel Hale Williams und Matthew Henson (ich wusste nicht, wer sie waren – ich musste es nachschlagen), Muhammad Ali und Jackie Robinson, ebenso wie den Tag, an dem „Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus einem weißen Mitfahrenden zu überlassen“. Und die Audio Clips, die die Klang-„Collage“ bilden, wie du es nanntest, Lisha, erinnern an Hank Aaron, der Babe Ruths Rekord beim Home Run gebrochen hat, an Muhammad Ali, wie er ausruft, er sei „der Größte aller Zeiten“ und an Martin Luther Kings „I Have a Dream“-Rede.

Oft werden schwarze Pioniere und historische Ereignisse als „Geschichte der Schwarzen“ in die zweite Reihe verwiesen, aber Michael Jackson platzierte sie an die erste Stelle, stellte sie in das Zentrum seiner Liste mit wichtigen Daten und demonstrierte damit, dass er sie als einen sehr bedeutenden Teil unserer Geschichte sieht – der Geschichte, die wir alle gemeinsam teilen. Sollte irgendjemand noch denken, Michael Jackson habe seine Wurzeln vergessen oder habe keinen Stolz gegenüber seiner Rasse gefühlt, der sollte sich HIStory ganz aufmerksam anhören.

Joie: Oh, fang nicht damit an, Willa! Das ist eine ganz andere Unterhaltung, die wir eines Tages führen könnten und wahrscheinlich sollten. Aber du hast absolut Recht, wenn du das sagst.

Nun, Willa und ich möchten wieder einmal Lisha danken, dass sie heute bei uns war. Es ist jedes Mal eine interessante und zum Nachdenken anregende Unterhaltung, wenn du hier bist! Wir möchten an dieser Stelle unsere Leser auch dazu anregen, in Lishas Lyrics  und Sound Collagen in der Lyrics Library hineinzusehen.

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com/the-lyrics-library/history-past-present-and-future-book-1-1995/history/

 

Review: Brad x2 – Ein Abend mit Brad Buxer

 

Übersetzung einer Review des Brad x 2 Seminars in Los Angeles, 27. Juni 2014 (Story by morinen)

http://www.michaeljackson.ru/eng/brad-x2-evening-brad-buxer/

Wir befinden uns in einem kleinen Studio in einem Musik-Instrumente-Verleih am Sunset Boulevard, Los Angeles. Der Raum ist voll gepackt mit Leuten, die auf Stühlen vor einer niedrigen Bühne sitzen. Auf der Bühne, auf Barhockern, sitzen Michael Jacksons Toningenieur Brad Sundberg, der Organisator dieses Events und Toningenieur Brian Vibberts. Brad Buxer, Michaels langjähriger Musikdirektor sitzt am Keyboard. Michael Prince, MJs Toningenieur in den späteren Jahren, sieht auf den Bildschirm seines MacBooks. Sam Simms, Michaels Tour-Bass Gitarrist, ist noch nicht eingetroffen, kommt aber später auch dazu. So beginnt eine Reise in die Vergangenheit, voller Geschichten und Musik.

Brad Sundberg, Brad Buxer, Michael Prince, Brian Vibberts

- Brad Sundberg, Brad Buxer, Michael Prince, Brian Vibberts -

Alle Gäste des Events haben viel über die Jahre zu berichten, die sie mit Michael arbeiteten, aber der „Star“ des Abends ist Brad Buxer, der Mann hinter dem Keyboard. Die Veranstaltung nennt sich zwar Brad x2, aber es geht hauptsächlich darum, diesen Mann zu treffen, der in der Öffentlichkeit ausserhalb der Fangemeinde kaum bekannt ist. Brad Buxer, 17 Jahre lang Michaels kreativer Partner, Arrangeur und Musikdirektor. Die meisten MJ Fans erinnern sich an Buxer aus den 90er Jahren, an den Typ mit den blonden Haaren im Robert Plant Stil. (Buxer sagt, es war MJ, der vorschlug, seine Haare blond zu färben – nachdem er seinen ursprünglichen Plan aufgab, sie rot zu färben!) Aber diese Zeit ist längst vorbei. Buxer trägt heute kurzes Haar in seiner natürlichen Haarfarbe, schwarze Hosen und ein lockeres Hemd – so wie ein ganz normaler Typ, von dem man nie denken würde, er sei ein Rockmusiker. Er spricht nicht sehr oft über seine Zusammenarbeit mit Michael Jackson. Eigentlich gab er seit Michaels Tod nur ein einziges Interview, 2009, mit dem Französischen Magazin Black & White. Heute arbeitet er als Pilot, und Musik-Schreiben ist nur noch ein Hobby. Er war einverstanden, sich einen Abend lang mit Michaels Fans zu treffen, das macht dieses Treffen für uns sehr besonders.

Anfangs erscheint Buxer zurückhaltend zu sein, aber uns wird schnell klar, dass er ein sehr offener Mensch ist. Er scherzt nicht mit den Fans herum, wie Brad Sundberg es tut, und wenn er Witze macht, sind sie eher ironischer Natur. Er beginnt damit, zu erzählen, wie seine Zusammenarbeit mit Michael begann. MJ wurde auf ihn in den späten 80ern aufmerksam, als Brad Mitglied von Stevie Wonders Band war, und lud ihn ein, am Dangerous-Projekt mit zu arbeiten. Anschliessend ging Buxer mit auf die Dangerous Tour. Es endete damit, dass die beiden fast 20 Jahre zusammen arbeiteten – auf der Bühne, in Studios, auf Neverland oder in Hotels, in denen Michael sich zu unterschiedlichen Zeiten seines Lebens aufhielt.Buxer erinnert sich an ihr Luxusquartier im 4 Seasons Hotel in New York City, wo sie den gesammten 34 Stock belegten. Er erinnert sich an die Zeit, die er auf Neverland verbrachte, an die Tiere in Michaels Zoo – die Affen, Elefanten, Lamas und die Rehe, – daran, zu viele Süßigkeiten im Kino gegessen zu haben und an seine Fahrt mit dem Motorrad auf dem Rand von Michaels Pool (ein Kunststück was Michael völlig ausflippen lies). Als er über die Neverland Ranch sprach erwähnte er, dass es dort kein richtiges Aufnahmestudio gab und sie deshalb mobile Ausrüstung benutzten. Für gewöhnlich haben sie auf Neverland ihre Ideen ausgearbeitet und sind anschliessend zum Aufnehmen in professionelle Studios gegangen.

Brad  e Michael

 - Brad Buxer, HIStory Tour -

Nachdem er kurz über Blood On the Dancefloor sprach, eine Aufnahme von Teddy Riley, die sie in Montreux von einem DAT Band wiederherstellen mussten, geht Buxer zu seinen eigenen Zusammenarbeiten mit Michael über. Anders als bei den Songs, die Michael von anderen Produzenten bekam, haben die Songs, an denen Michael mit Brad arbeitete, seinen größten künstlerischen Input. Der erste Song, über den Brad spricht ist In The Back, der 2004 auf The Ultimate Collection veröffentlicht wurde. Der Text des Songs ist nicht fertiggestellt und Michael „ad-libs“ die Strophen zum Großteil. Trotzdem sieht Buxer diesen Song als ein Zeugnis von Michaels Genius. Er demonstriert uns die Struktur des Songs, in dem er die Takte zählt: „eins, zwei, drei, vier.“ Der erste Takt fällt auf den ersten Beat des Bass, und als er bis zur Bridge (Überleitung) durchzählt, sehen wir, dass die Bridge auch auf Takt „eins“ beginnt. Die Lyrics jedoch laufen konträr zur Musik und passen sich nicht diesem Muster an. Buxer beschreibt das als eine „völlig auf den Kopf gestellte“ Struktur und spricht über umgedrehte Up-und-Down-Beats, aber weil ich kein Musiker bin kann ich es nur als „eine Verschiebung“ beschreiben. Buxer bestätigt, dass dieser Song komplett von Michael geschrieben wurde. Um seine Worte zu bestätigen, spielt er uns eine Aufnahme vor, in der Michael ihm am Telefon sehr genau erklärt, wie die Musik klingen soll. Auf seine übliche Weise singt Michael jeden Teil mit seiner Stimme und mit Beatboxing: den Bass, die Drums – und er ist sehr genau damit. Er verbringt 5 Minuten damit, nur das Intro des Songs zu erklären, und fragt anschliessend „Okay?“, um sich zu versichern, dass der Arrangeur auch verstanden hat, was Michael von ihm erwartet. Michael schrieb den ganzen Song in dieser „auf den Kopf gestellten“ Struktur, und das macht deutlich was für ein Genie er war – und warum. Niemand konnte so etwas tun – ausser ihm.

Anschliessend spricht Buxer über Stranger In Moscow. Von allen Songs, an denen er mit Michael zusammen arbeitete, ist sein Beitrag zu diesem Song am größten und Brad verheimlicht nicht, dass ihm das sehr viel bedeutet. Er liest das gesamte Kapitel über diesen Song aus Joe Vogels Buch vor – die Entstehungsgeschichte ist gut dokumentiert.

>>Joe Vogel über Stranger In Moscow: http://all4michael.com/2013/01/30/stranger-in-moscow-wie-fuhlt-es-sich-an/

Auch wenn Buxer in dem Booklet des Albums nicht erwähnt wird, ist er dennoch Co-Autor des Songs und derjenige, der die Akkorde erdacht hat. Buxer erklärt die zwei unterschiedlichen Arten, auf die Michael und er zusammen arbeiten konnten. Oftmals hatte Michael schon eine fertige Melodie im Kopf und Buxers Job war es dann, die Melodie auf seinem Keyboard so zu spielen, wie Michael sie in seinem Kopf hörte, und ein zur Melodie passendes Arrangement zu finden. Auf diese Art gestaltete sich ihre Zusammenarbeit bei Heal The World, In The Back, Childhood, Beautiful Girl und anderen Songs. Bei Stranger In Moscow war es jedoch anders: Michael wollte, dass Brad einfach einige Akkorde spielt, bis er etwas hörte, was ihm gefiel, und Buxer spielte im Verlauf die jetzt gut bekannte Akkord-Sequenz. Buxer sagt, der gesamte Song wurde innerhalb von eineinhalb- bis zwei Stunden geschrieben, und als es vollendet war, konnte er nicht glauben, dass das gerade wirklich so passiert war. „Ich wollte etwas in der Art ‘Wow, haben wir gerade zusammen einen Song geschrieben?’ sagen, erinnert sich Buxer. „Aber ich habe es nicht gesagt.“ Er trägt Michael nicht nach, dass er in den Album-Kredits nicht erwähnt wurde. „Fehler passieren“, sagt er. „Michael war immer sehr großzügig mir gegenüber.“ Es wird klar, dass ihm die Erfahrung als solche viel mehr bedeutet, als seinen Name in einem Booklet zu lesen.

bradbuxer x2

- Brad Buxers private Fotos mit Michael -

Was Buxer auch erwähnte war, dass der Drum-sound in Stranger In Moscow aus MJ’s Beatboxing gemacht wurde. Buxer sagte, dass er für Michael sehr oft Drum-sounds einsetzte, die aus dessen Beatboxing bestanden, weil sie einfach fantastisch klangen.

Als nächstes sprechen wir über Childhood. Und wir feiern sogar gerade den 20ten Geburtstag von Childhood, denn wie sich Brian Vibberts erinnert, wurde der Song am 27 Juni 1994 aufgenommen. Childhood ist ein weiterer Song, der komplett von Michael geschrieben wurde, und Buxer sagt, er habe eine Weile gebraucht, um dafür das passende Arrangement herauszufinden. „Es ist ein wirklich entzückender Song,“ sagt er, „ich würde nichts in der Art schreiben können.“ Auch hierbei war Michael sehr bestimmt in dem, was er hören wollte und arbeitete mit Buxer solange daran, bis er die genau passenden Akkorde von ihm zu hören bekam.

Nach einer kurzen Pause, sprechen wir über das Touren und die Live-Shows. Buxer beschreibt die Aufgaben eines musikalischen Direktors – wie er oftmals die Shows vorbereiten musste, während die Band die Zeit in der Hotelbar verbrachte, und auf welche Art er den Musikern Anweisungen gab. Er sagt, die Stücke wurden für die Live-Shows normalerweise beschleunigt, und dann wurde die Tonlage wieder so eingestellt, dass die Instrumente wieder ihren normalen Sound hatten. Er hatte sehr freundliche Worte für Michaels Gitarrist David Williams, über den er sagte, er sei absolut brillant und es sei ein großer Spass gewesen, mit ihm zusammen zu sein. Buxer spricht auch kurz über Kosten, und warum Live-Shows oft Verluste einbrachten: es lag an den 5 Flugzeugen, die sie zum Touren brauchten und den irrsinnig hohen Hotelrechnungen.

Buxer erinnert sich an ein paar lustige Momente während der Live-Shows: wie sie Slash während Black or White auf die Bühne schieben mussten, weil er keine Ahnung hatte, an welcher Stelle im Song sein Gitarrensolo kommen sollte, oder als Michael während dem Konzert von Royal Brunei Brads Name rief („Brad, what you gonna do?“), weil Brad das Outro des Songs länger spielte, als nötig. Er erzählte auch eine Geschichte von Bill Clinton (laut Buxer ein sehr netter Kerl und ein guter Freund Michaels), der bei Black or White im Apollo 2002 während der Show Saxophon spielen wollte. Buxer musste ihm sogar einen Saxophon-Part schreiben – der aber nicht wirklich in den Song passte und dann doch nicht benutzt wurde.

- I just can’t stop loving you, Brunei – “Brad what are you gonna do?” -

Wie auch Brad Sundberg oft betont, hörte Michael Musik gerne fürchterlich laut. Auf der Bühne war die Lautstärke der seitlichen Lautsprecher so hoch, dass es weh tat, dazwischen zu stehen. Aber auch Buxer sagt, er bemerkte trotzdem nie, dass Michael schlecht hörte. Michael mochte seine Musik in ohrenbetäubender Lautstärke, aber wenn Buxer ihm telefonisch ein filigranes Saiten-Arrangement vorspielte, hörte Michael es genau so gut.

Während dem Teil, in dem Fragen gestellt wurden, fragte jemand Buxer nach Morphine, einem weiteren genialen von Michael geschriebenen Meisterstück. Buxer erklärte dazu, dass Michael Maschinengeräusche und einen Herzschlag haben wollte, Dinge, die das Bild von ‘einem Körper auf dem Behandlungstisch’ entstehen lassen. Es gab einige Fragen zu den Lyrics, aber Buxer sagte, er könne sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann genau die Lyrics geschrieben wurden. Oft geschah das spät im Gesamtprozess, oder gar im letzten Moment, während der Schwerpunkt der Arbeit bei der Musik lag. Vielleicht ist auch das mit ein Grund dafür, warum Buxer, wie die meisten der Mitarbeiter Michaels, die wir getroffen haben, anscheinend Remixe und Neu-Arrangements von Michaels Songs nicht besonders mögen. „Michael war ein Architekt der Musik“, sagt er. „Wenn du das Gebäude so sehen willst, wie es erdacht wurde, dann musst du dem Architekt treu bleiben.“ Er erwähnt Billie Jean – einen Song, dessen Basslinie Michael ganz bewusst konstruierte. „Hätte jemand anders die Musik zu diesem Song geschrieben“, gibt Brad zu bedenken, „hätte man es nicht auf die Art gemacht“. Michael arbeitete über Jahre an seinen Songs und er hat wirklich alles unternommen, damit die Musik so gut wie nur möglich wird. Manchmal habe Michael sogar andere Musiker dafür kritisiert, weil sie beim Arbeiten an ihren Songs nicht all ihre Möglichkeiten ausschöpfen würden.

Etwas, was Buxer immerwieder betonte, (und was auch andere Kollegen Michaels oft erwähnen), ist das zu grundeliegende Prinzip der Musik, dem sowohl Michael als auch Stevie Wonder folgten: „Less is more“ – „Weniger ist mehr“. Der Song sollte nicht mit Sounds überladen sein; es sollte nur dort sein, was in den Song passt und ihn besser macht. Um das zu demonstrieren, spielte Buxer uns ein Demo von Hollywood Tonight vor – das mit dem Killer-Bass-Teil und Michaels gesprochenen Anweisungen für die Bridge. „Hört wie pur das ist“. Und das war es. Das Publikum applaudierte.

buxer

Seine liebste Erinnerung an Michael? „Zusammen durch die Flure von Hotels zu rennen. Er war ein schneller Läufer… Einfach nur mit ihm zusammen sein, schreiben, an seiner Musik arbeiten, reden, lachen und einfach Spass haben.“

Solche Worte machen dir mehr als alles andere deutlich, dass Michael für Buxer oder die anderen Gäste des Seminars kein Superstar war – er war ihnen ein Partner und Freund. Und sie sind an dem Abend zu uns gekommen um Erinnerungen an ihre Freundschaft zu teilen. Wir danken ihnen, Mr. Buxer, Mr. Prince, Mr. Vibberts und Mr. Simms, dass wir diese Erinnerungen hören durften. Und natürlich ein großes Danke an Brad Sundberg für die Organisation dieses einmaligen Events.

Übersetzung M.v.d.L.

Black or White

by

Ein Artikel von Anne Wollenberg in Arts & Humanities Research Council über das Buch Michael Jackson and the Blackface Mask von Harriet J. Manning

Link zum Original-Artikel:

http://www.ahrc.ac.uk/News-and-Events/Features/Pages/Black-or-white.aspx

Link zur Übersetzung der Diskussion im Blog Dancing With The Elephant:

http://all4michael.com/2014/01/27/michael-jackson-unterwanderung-von-blackface-stereotypen/

Es kursierten viele Gerüchte über Michael Jackson, sowohl vor als auch nach seinem Tod im Juni 2009. Nehmen wir zum Beispiel die Theorien über seine Beziehung zu seiner Hautfarbe.

Jackson hatte in Wirklichkeit eine weitaus differenziertere Vorstellung von Rasse, als wir möglicherweise wahrnehmen. Wissenschaftlerin Harriet J. Manning behauptet, dass er seine Bühnenauftritte und Videos dazu einsetzte, um rassistische Konstruktionen des Schwarzseins zu kritisieren. Sie hat eine Monografie geschrieben, basierend auf ihrer durch AHRC finanzierten Forschung für ihre Dissertation, die sie an der Newcastle University fertig stellte.

Den größten Teil des 19. Jahrhunderts war die Tradition des Blackface Minstrelsy in Amerika und Europa eine vorherrschende Form der populären Kultur. Hierbei handelt es sich um eine theatralische Form, für die sich weiße Darsteller „schwärzten“, um schwarze Menschen zu parodieren. Schwarze Darsteller waren ursprünglich von der Bühne verbannt und als es ihnen dann in den späten 1860ern erlaubt war, wurden sie gezwungen in die traditionellen, stereotypen Rollenklischees zu schlüpfen. „Es war die vollkommene Beherrschung von jemand anderes Selbstdarstellung,“ sagt Manning, die in ihrer Forschungsarbeit verschiedene Quellen einschließlich Zeichnungen, Fotografien, Theaterplakaten und Liedtexten verwendet hat. „Schwarze Darsteller hatten keine andere Wahl, als die Maske aufzusetzen und die Rolle zu spielen.“

Michael Jackson and the Blackface Mask (Ashgate Verlag) erklärt und untersucht die Theorie, dass Jacksons Performances in den historisch rassistischen Praktiken des Blackface Minstrelsy und in dessen Tragen von Masken wurzeln. „Es gibt da die Vorstellung, dass man diese Episode in der Geschichte am besten vergisst, weil sie unangenehm ist, aber wir sollten darüber reden,“ sagt Manning. „Das war am Anfang ein Teil meiner Motivation. Dieser Teil der Geschichte sollte weithin bekannt sein.“

Manning nahm dieses unerwartete Paradox wahr: „Hier war dieser schwarze Darsteller, der eine sehr rassistische, performative Geschichte zitiert“. Sie begann, sich Jacksons Tanzbewegungen und Gesten genauer anzusehen. „Ich beobachtete, dass all seine hauptsächlichen choreografischen Bewegungen, wie etwa Gleitbewegungen, angewinkelte Gliedmaßen, Drehungen und Biegungen, bis zum Minstrelsy zurückverfolgt werden können.“

Blackface 1

(L) Der Blackface Stereotyp Jumbo Jim in typischer Minstrel-Pose. 

(R) Eine typische Michael Jackson Pose in der traditionellen Symbolik des Blackface Minstrelsy

Jene Bewegungen waren dazu bestimmt, Menschen zu verspotten, erklärt Manning. „Beim Minstrelsy ging es darum, eine schwarze Person auf eine beklemmende, verhöhnende Art und Weise nachzuahmen,“ sagt sie. Indem er sie und die traditionellen Klischees in seinen Darstellungen verwendet hat, wies Michael Jackson eine rassistische Auslegung seiner schwarzen Identität von sich, manchmal durch Parodie und andere Male durch eine Art Rückgewinnung, wie etwa wenn er seine Dance Moves ganz und gar subtil und ‚cool‘ ausführt.

Nicht, dass dies den Leuten aufgefallen wäre, als Jackson 1991 die Single Black or White veröffentlichte. Die letzten vier Minuten des Musikvideos zeigen einen schwarzen Panter, der sich in den Sänger verwandelt und der dann verschiedene Akte von Vandalismus begeht, wie etwa das Zerschlagen einer Fensterscheibe und der Windschutzscheibe eines Autos.

Fernsehstationen verboten das Video und Jackson wurde aufgefordert eine Entschuldigung herauszugeben. Im Grunde scheint damals niemand begriffen zu haben. „Dieses Video kann leicht als Kritik an rassistischen Klischees gelesen werden,“ sagt Manning. „Die Aufregung über die Ausstrahlung nährte genau eben diese Klischees.“

„Der Panther Dance ist eine Weiterführung und Neuformulierung einiger der grundlegenden Gesten und Klischees des Blackface-Tanzes,“ fügt sie hinzu. Diesem lagen rassistische Strukturen zugrunde und, wie die Untersuchung zeigt, lassen wir es zu, dass diese Stereotypen heute immer noch nicht hinterfragt werden. Wir erkennen sie nicht einmal, wenn sie direkt vor unseren Augen parodiert werden.

„Wir bemerken oft gar nicht, wie wenig wir Klischees hinterfragen,“ sagt Manning. „Diese Strukturen beinhalten, dass fälschlicherweise schwarze Menschen, besonders Männer, verknüpft werden mit Unberechenbarkeit, Gewalttätigkeit, Kriminalität, Übersexualisierung und Animalischem – was sämtlich Teil der Kontroversen um Michael Jackson wurde.“

Blackface 2

(L) Jim Crow, der bekannteste Stereotyp des Blackface Minstrelsy
(R) Michael Jackson während des Panther Dance in Black or White (1991)

Ein weiteres zentrales Video ist der Kurzfilm Ghosts, der 1997 veröffentlicht wurde. In einem der Songs mit dem Titel Is It Scary? singt Jackson: „Bin ich die Bestie, die du dir vorstellst?“

Manning deutet das als Hinweis auf tiefverwurzeltes Klischeedenken, das durch bloßen Willen nicht verändert werden kann – wir müssen es erkennen und in Frage stellen.

„Es passiert auf solch eine schädliche, stille, unterbewusste Art und Weise,“ erklärt sie. „Wir mögen denken, wir seien keine Rassisten, aber wir werden immer noch mit Vorstellungen über Unterschiede gefüttert, die einfach nicht existieren. Klischeedenken zeigt uns, was wir für die Wahrheit halten und reflektiert dies auf uns‚ wie ein ‘Spiegel, der die Wahrheit enthüllt‘, wie Jackson in Is It Scary? singt.“

Jacksons Rolle in der Öffentlichkeit funktioniert ebenfalls als Spiegel oder als Maske. Wir müssen berücksichtigen, welches kulturelle Gepäck mitgebracht wurde, sagt Manning. „Wir alle denken, uns gehört ein Stück von Michael Jackson. Wenn ein Künstler sehr erfolgreich und sehr populär ist, dann gibt es die Tendenz, zu übersehen, was er auf kreativem Gebiet geleistet hat.“

Blackface 3

(L) Al Jolson ‚geschwärzt‘ in The Jazz Singer (1927)

(R) Michael Jackson ‚geschwärzt‘ in Say, Say, Say (1983)

Mannings Untersuchungen haben sie mit anderen Akademikern, die an Michael Jackson interessiert sind, zusammengebracht, wie zum Beispiel mit Nina Fonoroff, Professorin für Filmkunst an der University of New Mexico, die Mannings Arbeit durch Dancing With The Elephant, einem Blog, der sich mit Diskussionen über den Sänger beschäftigt, entdeckt hat.

Fonoroffs Interessen schließen die Rolle des Publikums mit ein, welches sich als ein Schlüsselthema wie ein roter Faden durch Mannings Buch zieht. „Michael Jackson war fähig, so viele existierende Phantasien, Ängste und Sehnsüchte anzuzapfen,“ sagt Fonoroff. „Harriets Werk ist eine großartige Synthese neuer Vorstellungen über Blackface Minstrelsy. Es hat mir dabei geholfen, diese Konzepte sehr viel klarer durchschauen zu können.“

Ihre Online-Unterhaltungen führen zu einer weiteren Zusammenarbeit: Manning und Fonoroff werden zu Jacksons 5. Todestag in L.A. sein. „Wir planen den Bereich von Michael Jacksons Fangemeinde zu untersuchen, welche uns beide aus einem akademischen Blickwinkel interessiert,“ sagt Manning.

Bei Mannings Untersuchungen ist Michael Jackson Fan Ilke Lenz-Nolte behilflich, die englische Texte für den Blog all4michael ins Deutsche übersetzt, um „zu erfahren, wer er wirklich war“. Als Nolte anfing, sein Werk zu erforschen, sagt sie „war es faszinierend, denn ich realisierte, dass all die Geschichten in den Medien über ihn falsch waren. Harriet hat eine grundlegende Verbindung zwischen dem Blackface Minstrelsy und der Musik und dem Tanz Michael Jacksons, die einen wesentlichen Bestandteil seiner Identität darstellen, aufgezeigt.“

Nolte ist speziell fasziniert von der Einseitigkeit der Rolle im Minstrelsy: Weißen wurde erlaubt, Schwarzsein zu verhöhnen und buchstäblich zu konsumieren, während Schwarze zu Karikaturen reduziert wurden, wogegen sie nur wenig ausrichten konnten. „Jackson aber drehte den Spieß um und spielte mit dieser Einseitigkeit, so dass sich die Leute unwohl fühlten und Schuldgefühle entwickelten wegen einer rassistisch geprägten Vergangenheit – oder Gegenwart,“ sagt sie. „Und die Medien machten aus ihm einen Freak und Kriminellen.“

„Auf gewisse Weise arbeitete Jacksons Erfolg gegen ihn,“ schließt Manning. „Sein Werk ist so reichhaltig an kulturellen Zitaten, die weitgehend übersehen worden sind.“ Jacksons Image wurde gefiltert und neu erfunden, gerade so wie weiße Menschen Blackface Minstrelsy eingesetzt haben, um die Art und Weise, wie Schwarzsein verstanden werden sollte, kontrollieren zu können.

 

Betteln um deine Liebe

by

Begging for your love

Post vom 24/04/2014

http://dancingwiththeelephant.wordpress.com

 

Joie: Weißt du, Willa, kürzlich habe ich viel über Michaels unveröffentlichte Songs nachgedacht. Eigentlich ist das etwas, worüber ich sehr viel nachdenke. Und über diesen Tresor, der den Gerüchten zufolge existieren soll, mit Hunderten von Songs in verschiedenen Stufen der Fertigstellung. Haut dich dieser Gedanke nicht einfach um? Dir vorzustellen, dass das wahr sein könnte?

Willa: Das tut es, und ich denke, es ist wahr. Joe Vogel hat Dutzende Interviews geführt mit Leuten, die an diesen Songs gearbeitet haben und offenbar gibt es eine faszinierende Vielfalt von Stilen und Genres – nicht nur die vielen unterschiedlichen Stile, die wir schon bisher aus Michael Jacksons Werk kennen, sondern auch einiges an Country, einige Schlaflieder, sogar ein Album mit klassischer Musik, die er komponiert hat.

Joie: Nun, wie du weißt, wurde kürzlich die Veröffentlichung eines neuen Albums mit dem Titel Xscape angekündigt. Und vermutlich wird es sich um völlig neue Musik handeln, die wir nie vorher gehört haben. Oder ich sollte besser sagen, Musik, die vorher nie auf einem echten Album veröffentlicht worden ist, denn einige von uns sind mit den Jahren ziemlich gut darin geworden, nach Songs zu greifen, die online durchgesickert sind. Da dieses neue Projekt also unter dem Namen Xscape herausgebracht wird, vermute ich, dass es eine gute Chance gibt, dass dieser Song auf dem Album sein wird.

Willa: Ja, ich habe gehört, er wird darauf sein. Eigentlich ist es so, dass wenn du das Zweier-CD-Set kaufst, es zwei Versionen geben wird: die eine, die MJ mit Rodney Jerkins vor seinem Tod aufgenommen hat und eine, die von Jerkins „zeitgemäß aufbereitet“ wurde (contemporized).

Joie: Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, welche die anderen Songs sind.

Willa: So geht’s mir auch. Ich habe nach einer offiziellen Track List gesucht, aber bisher keine gefunden, obwohl ich mehrere inoffizielle gefunden habe. Ich stelle mir vor, dass sie eine offizielle bald veröffentlichen. Und es werden alle Songs auf Xscape zweimal enthalten sein, mit den „contemporized“ Versionen auf einer CD und dem Quellenmaterial, das Michael Jackson hinterlassen hat, auf der anderen. Ich war wirklich glücklich das zu hören, besonders nach all den Kontroversen rund um das Album Michael. Im Grunde wünsche ich mir, sie würden eine Zweier-CD-Version von Michael herausgeben, die das Quellenmaterial auch für jene Songs beinhaltet. Das würde ich gerne hören!

Joie: Ich bin aufgeregt zu erfahren, was sie mit diesen neuen Veröffentlichungen gemacht haben, aber während ich an dieses bevorstehende Album denke, zwingt es mich meine Playlist unveröffentlichter Musik durchzugehen. Da sind so viele wunderbare Songs, denen vielleicht oder vielleicht auch nicht jemals eine ordentliche Veröffentlichung auf einem richtigen Album widerfahren wird. Aber es gibt auch einige, die schließlich doch bereits veröffentlicht wurden, wenn vielleicht auch nicht hier in den Vereinigten Staaten. Oder sie wurden als Teil einer Zusammenstellung wie The Ultimate Collection im Schuber herausgegeben.

Einer dieser Songs ist Someone Put Your Hand Out (Jemand reicht dir seine Hand). Und ich denke nicht, dass wir jemals vorher über diesen gesprochen haben, aber es ist ein betörend schöner Song, bei dem ich das Gefühl habe, Michael hat wirklich sein ganzes Herz hineingelegt.

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Willa: Oh ja, das empfinde ich auch so. Dieser Song macht einen ganz intensiv persönlichen Eindruck auf mich. Ich fühle mich irgendwie schuldig dabei, ihn anzuhören – fast so als würde ich sein Tagebuch lesen oder etwas Ähnliches.

Joie: Ja, er fühlt sich unglaublich persönlich an, nicht wahr? Als würde er uns gegenüber seine Seele offenlegen. Die Lyrics sind sehr einfach, aber auch so intim, und du bekommst das Gefühl, dass er richtiggehend bettelt, wie er auch in dem Refrain sagt:

Jemand reicht dir seine Hand
Ich bettle um deine Liebe

Denn alles was ich tue, ist

dir ein Herz zu geben, das deine Liebe braucht

Someone put your hand out

I’m begging for your love

‘Cause all I do is hand out

A heart that needs your love

Es ist so, als strecke er seine Hand aus nach jemandem, irgendjemandem, damit dieser ihn rettet. Und ich frage mich immer wieder, was es denn genau ist, vor dem er bewahrt oder gerettet werden will. Er sagt in der vierten Strophe „Rette mich jetzt von dem Weg, auf dem ich bin“ (Save me now from the path that I’m on). Was meint er damit? Vor was möchte er gerettet werden?

Wenn man sich den Song im Ganzen anhört, dann bekommt man den Eindruck, dass er sich auf die Einsamkeit bezieht. Wenn man aber bedenkt, wie er gestorben ist, dann lässt es einen fragen, ob er nicht noch über etwas anderes spricht. Natürlich, ich glaube fest daran, dass Einsamkeit ein hauptsächlicher Faktor war oder ein Grund für seine anderen Probleme.

Willa: Du hast Recht, Joie – er scheint jemanden zu bitten, ihn zu lieben, aber auch ihn vor etwas zu retten / bewahren. Es ist nicht eindeutig, was das Problem ist, aber es scheint Einsamkeit und zusätzlich noch etwas anderes zu sein, wie du sagtest. Er sagt darüber ein wenig in der Strophe, die auf den Refrain folgt:

Ich habe mein Leben einsam gelebt

Eine Seele, die aus Scham weint

Mit gehandikapten Gefühlen

Rette mich jetzt und das, was nun noch übrig bleibt

I’ve lived my life the lonely

A soul that cries of shame

With handicapped emotions

Save me now from what still remain

Weißt du, es ist nicht klar, wer der Sprecher ist in diesem Song. Michael Jackson ist in seinen Songs oft in Rollen geschlüpft, er könnte also in der Rolle einer fiktiven Person heraus sprechen. Weil sich dieser Song so persönlich anfühlt, ist man versucht anzunehmen, es wäre Michael Jackson selbst, was wir vielleicht nicht tun sollten. Wenn er aber seine wahren Gefühle ausdrückt in diesem Song, dann ist diese Strophe wirklich verwirrend für mich. Glaubte er wirklich, er habe „gehandikapte Gefühle“? Hatte er deswegen wirklich „Schamgefühle“ – weil er dachte, er könnte Emotionen nicht spüren oder ausdrücken auf die Art, wie er es sollte? Bittet er jemanden, ihn nicht nur zu lieben, sondern ihm beizubringen, wie man liebt?

Joie: Wow, Willa, das ist tiefgründig – ihm beizubringen, wie man liebt. Das ist mir nie in den Sinn gekommen, aber du könntest richtig liegen. Ich glaube, er fühlte sich wahrscheinlich so, als hätte er „gehandikapte Gefühle“.

Willa: Wirklich? Denn ich habe das niemals vorher in Erwägung gezogen. Ich meine, es gab eine ganze Menge Leute, die nach den Anschuldigungen 1993 verletzende Kommentare gemacht haben, als sie sagten, er sei ein zurückgebliebener 12-jähriger – was bedeutete, sie hätten das Gefühl, er könne keine richtige Beziehung zu Erwachsenen haben, da er sich psychisch nie über das Level eines 12-jährigen hinaus entwickelt habe. Und ich habe dem immer entschieden, sehr entschieden widersprochen. Ich meine, sieh dir nur die psychologische Komplexität seiner Werke und ihre emotionale Reichhaltigkeit an. Das ist nicht die Arbeit eines 12-jährigen. Vielmehr würde ich sagen, sein Werk enthüllt eine selten dagewesene Empfindsamkeit und Reife.

Ich habe also niemals den Gedanken der „gehandikapten Emotionen“ akzeptiert, und ich hätte mir niemals träumen lassen, er könnte auf diese Art über sich selbst denken. Obgleich er in einer Rolle und nicht als er selbst sprechen könnte, als er dies sagt.

Aber weißt du, es scheint mir so, dass fast jeder, den er getroffen hat, diese Sehnsucht bei ihm bestätigt gesehen hat – oder noch mehr als das, dass es sich wirklich in ihm ereignet hat. Es ist so, als hätten sie gewollt, die Leere in ihrem eigenen Leben auszufüllen. Überall wo er hinging, waren diese greifenden Hände, die nicht nur sein Geld wollten, sondern ihn selbst. Und er konnte ihnen nicht all ihre Wünsche erfüllen – er konnte sich nicht selbst für Millionen verschiedener Leute aufteilen. Und ich frage mich, ob das ein Teil davon ist – ob er sich irgendwie unzureichend fühlte, weil er nicht in der Lage war, die emotionalen Forderungen, die jeder, den er traf, ihm gegenüber hatte, zu erfüllen.

Joie: Vielleicht fühlte er sich unfähig, seine wahren Gefühle auszudrücken, wenn sie nicht in einen Song verpackt waren. Irgendwie verrückt, darüber nachzudenken, nicht wahr?

Willa: Ja, aber es ergibt einen Sinn. Eigentlich deutet er das in diesen Lyrics an:

Ich bin der Held deiner Geschichten

Der dir ein sich reimendes Ständchen bringt

Ich brauche einfach diesen Jemand

Rette mich jetzt von dem Weg, auf dem ich mich befinde

I’ll be your story hero

A serenading rhyme

I’m just needing that someone

Save me now from the path I’m on

Es ist fast so, als würde er sagen, dass wenn er ein romantisches Erlebnis hat, er nur eine Rolle spielen würde – eine Rolle, die er jahrelang auf der Bühne verkörpert hat: „Ich bin der Held deiner Geschichten / Der dir ein sich reimendes Ständchen bringt.“ Und er bittet jemanden, ihn davor zu bewahren, einfach nur diese Rolle zu spielen und ihm zu erlauben, es tatsächlich zu fühlen.

Weißt du, da geht eine Art Distanzierung vor sich, wenn du deine Erfahrungen in deiner Kunst in eine vergeistigte Form überführst. Ich habe gehört, wie Fotografen darüber gesprochen haben. Wenn du Fotograf bist und dich plötzlich in einer Situation von tiefgreifender kultureller Tragweite wiederfindest, was tust du dann? Solltest du dich emotional davon distanzieren und es mit dem Auge eines Fotografen betrachten, um es dokumentarisch festzuhalten? Oder solltest du die Kamera weglegen und es erleben? Ich kann erkennen, wie Michael Jackson diesem Dilemma ebenfalls gegenüber stand, denn so vieles in seinen Werken stammt aus seinen eigenen Erfahrungen – wie dieser Song zum Beispiel. Es fühlt sich intensiv persönlich an, wie du schon zuvor gesagt hast.

Joie: Ich denke, ich weiß, was du meinst, Willa. Du fragst dich, ob er sich vielleicht jemals die Frage gestellt hat – soll ich diese tiefgreifend persönliche Lebenserfahrung „dokumentieren“ oder soll ich es einfach erleben und verarbeiten und für mich behalten?

Willa: Ja, genau das meine ich.

Joie: Das ist eine interessante Frage.

Willa: Ja, das ist es. Du weißt ja, Lord Byron, der romanische Dichter, wurde in den Kerker von Schloss Chillon in der Schweiz geworfen worden, weil er eine Liebesbeziehung mit einem Mann aus einer niedrigeren sozialen Klasse als seiner eigenen hatte – und der Klassenunterschied war ein bedeutender Teil dessen, warum er eingesperrt wurde. Die unteren Klassen wurden als weniger gesellschaftsfähig und als argloser angesehen als die obere Klasse, eine homosexuelle Beziehung mit einem Mann der Unterklasse war damals also sehr verstörend – in etwa so, wie wenn man heute einen störenden Einfluss auf Minderjährige ausübt.

Jedenfalls bin ich sicher, dass das Eingesperrtsein in einem Kerker ziemlich unbequem war, aber Byron bediente sich seiner Erfahrungen für ein Gedicht mit dem Titel The Prisoner of Chillon (Der Gefangene von Chillon), und mich beschleicht das Gefühl, dass er vielleicht dachte, dass es ziemlich romantisch für einen Dichter sei, in einem Kerker eingesperrt zu sein. Sehr gothisch. Er ritzte sogar seinen Namen in eine der Säulen, um seinen Aufenthalt zu verewigen. Ich habe den Ort einmal besucht und sah es. Statt also seine Gefangenschaft einfach als harten Umstand zu sehen, denke ich, er sah es als gutes Hintergrundmaterial für seine Dichtkunst.

Ich bin also ein wenig umhergestreift, was ich aber zu sagen versuche, ist, dass, wenn du deine Erfahrungen im Leben als Quellenmaterial für deine Kunst nutzt, dies tatsächlich die Sichtweise auf deine Erfahrungen verändern kann, denke ich.

Joie: Ich stimme dir zu, und ich glaube, dass wahrscheinlich die meisten Künstler öfter, als wir wissen, auf die Erfahrungen ihres persönlichen Lebens zurückgreifen.

Aber um nochmal auf den Song zurückzukommen, du weißt ja, es ist nicht viel bekannt darüber, was ihn inspiriert hat oder wie er geschrieben wurde, außer, dass er ursprünglich für das Bad Album entstand und dann für das Dangerous Album überarbeitet wurde. Er verpasste es, auf das eine und auf das andere zu gelangen, aber er wurde schließlich im Mai 1992 in UK / Europa als Pepsi-Exklusiv-Cassette veröffentlicht, einzig um die Dangerous Tour zu promoten. Sie war unter anderem der Inhalt in einem Promotionpaket gemeinsam mit einem Poster, einem riesigen Sticker und einer Pressemappe über die Tour. Es wurde außerdem in Japan als CD Single veröffentlicht.

Jahre später wurde es endlich ordentlich in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, als es 2004 zum Inhalt der The Ultimate Collection gehörte. Und gemäß dem Buch Michael Jackson: For the Record von Chris Cadman und Craig Halstead wurde es von Ludacris auf dem Track One More Drink auf seinem Album Theater of the Mind gesampelt.

Spyho 1

Willa: Das ist interessant, Joie. Ich wusste, dass es in der engeren Auswahl für Dangerous war und dann weggelassen wurde, aber ich wusste nicht, dass es ursprünglich für Bad geschrieben wurde. Er war also noch ziemlich jung, als er es schrieb … Ich frage mich, ob seine Gefühle sich geändert haben, als er älter wurde?

Weißt du, eine Sache, die mich an diesem Song umhaut, ist, dass das Intro mit einer tiefen Stimme gesprochen wird – ruhig, aber tief, viel tiefer, als wir seine Stimme zu hören gewohnt waren – aber dann wird der Rest in einer hohen Stimmlage gesungen, die viele Leute Falsetto nennen würden. Das ist sehr ungewöhnlich. Typisch war für ihn, dass er Parts in hohen Stimmlagen als Akzente einsetzte oder um an einem gewissen Punkt der Geschichte eine bestimmte Emotion zu erzeugen. Ich denke speziell an das hohe Zwischenspiel in Smooth Criminal – den Part “I don’t know … I don’t know … I don’t know why”, den ich so liebe. Aber hier wird der gesamte Song in einer höheren Stimmlage gesungen. Aus dem Stegreif fällt mir kein weiterer Song ein, in dem er das macht.

Ich habe vor nicht langer Zeit einen interessanten Artikel gelesen, der dies vielleicht erklären könnte – warum er hier seine hohe Stimme so extensiv einsetzt. Der Artikel heißt Die widersinnige Wahrheit der Falsetto-Stimme: Sigur Rós zuhören von Edward D. Miller (The Nonsensical Truth of the Falsetto Voice: Listening to Sigur Rós), und er macht eine ganze Menge faszinierende Feststellungen. Zum Beispiel sagt er, dass „Soul/Funk-Sänger wie Marvin Gaye, Al Green und Curtis Mayfield in Falsetto sangen und dadurch Liebesgefühle, Sehnsucht, sexuelles Verlangen und politische Unzufriedenheit ausdrückten“. Er sagt weiter, dass männliche Soul- und R&B-Sänger sowie „virile“ (sehr männlich auftretende) Rocksänger wie Mick Jagger und Robert Plant dazu neigten, Falsetto einzusetzen, besonders, wenn sie ein Gefühl der „Sehnsucht“ oder „einer dramatischen Zärtlichkeit“ oder „Momente großer Leidenschaft“ ausdrücken wollten.

Wenn das stimmt, dann ergibt es einen Sinn, dass in einem Song, in dem der Hauptcharakter eine intensive „Sehnsucht“ nach jemandem, den er lieben kann ausdrückt, Michael Jackson im Falsetto singt.

Joie: Hmm. Das ist interessant, nicht wahr?

Willa: Ist es. Es stellt sich mir dadurch auch die Frage nach dem Kontrast zwischen seiner ungewöhnlich tief gesprochenen Stimme im Intro und seiner hohen Singstimme im ganzen Rest des Songs. Ich frage mich, ob dies auf einer bestimmten Ebene einen Kontrast zwischen seinem Innenleben und seinem nach außen gelebten Leben andeutet.

Was ich meine, ist, dass wir im Intro seine alltägliche Welt hören – sein gesprochenes Leben – und er spricht mit einer normalen Stimme und scheint zufrieden. (Und klingt unglaublich heiß, möchte ich hinzufügen … Yow.) Aber dann betreten wir seine innere Welt – sein gesungenes Leben – und da ist diese drängende Stimme, die unerfülltes Verlangen ausdrückt, eine Sehnsucht zu lieben und geliebt zu werden. Es könnte also sein, dass dieser Gegensatz zwischen seiner tiefen gesprochenen Stimme und seiner hohen singenden Stimme ein Missverhältnis zwischen dem, wie er sich innerlich fühlt und wie er gegenüber anderen erscheint, ausdrückt. Wie er es auch in den Eröffnungszeilen singt: „Ich lebe dieses Leben, in dem ich etwas vortäusche / Ich kann diesen Schmerz tief drinnen aushalten“.

Joie: Das ergibt tatsächlich sehr viel Sinn, Willa. Besonders, da von vielen ihm nahestehenden Personen berichtet wurde, dass seine natürliche, alltägliche Sprechstimme mindestens ein oder zwei Oktaven tiefer war als die ganze Welt dachte.

Willa: Das ist interessant, Joie, besonders weil viele Kritiker – speziell männliche Kritiker – ihn wegen seiner öffentlich bekannten Sprechstimme verspottet haben. Miller deutet gewissermaßen auch einen Grund hierfür an. In seinem Artikel stellt er fest, dass es nichts „Falsches“ (false) am Falsetto gebe. Er glaubt, die Vorstellung, dass es sich nicht um eine authentische männliche Stimme handeln würde, würde von der kulturellen Auffassung über Geschlechteridentität herrühren, habe aber keinerlei biologische Grundlage in Bezug auf das männliche Stimmband. Er sagt in seinem Artikel:

… wenn der Mann diese Stimmlage einsetzt, bringt er die Grenzen zwischen den Geschlechtern durcheinander. Er verschafft sich Eintritt in Tonarten, die normalerweise Frauen zugeordnet werden und ahmt den Frauen zugeschriebenen Bereich nach. Aber der Falsettist ist nicht authentisch weiblich. Es ist eine Form der Verkleidung: eine stimmliche Maskerade. Auf diese Art hinterfragt die Falsetto-Stimme die Authentizität der Geschlechtern zugeschriebenen Stimmen. Wenn Stimmen so strikt bestimmten Körpern zugeordnet werden, dann übertritt das Falsetto die Grenzen zwischen den Geschlechtern – es bewegt sich zwischen den Einheiten des Männlichen und des Weiblichen hin und her.

Ich denke, dies könnte bei der Erklärung helfen, warum sich speziell männliche Kritiker gegenüber Michael Jackson unwohl fühlen – dass es nicht nur seine äußere Erscheinung war, die Grenzen überschritt, sondern ebenso seine Stimme.

Aber dann unterwandert Miller dies mit einer sehr seltsamen Fußnote:

Man ist moralisch verpflichtet, dahin zu gelangen, Michael Jackson anzuerkennen. Er setzt seine Falsetto-Stimmlage virtuos auf oft hicksende Art und Weise (Hiccups) ein, und ja, er scheint wirklich ganz schön bizarr zu sein – sicherlich aus komplizierten Gründen, die Mainstream-Medien suchen jeden Tag nach Möglichkeiten, seine rassische / sexuelle Seltsamkeit darzustellen und sicherzustellen, dass sein Ansehen ebenso monsterartig ist wie seine Rolle im Thriller-Video.

Ich weiß nicht genau, wie ich dies deuten soll. Es ist Millers einzige Fußnote und das einzige Mal, dass er Michael Jackson erwähnt, und es scheint hier wirklich deplatziert – besonders in einem akademischen Artikel. Es ist fast so, als würde Miller diejenigen kritisieren, die sich generell mit Falsetto-Stimmen unwohl fühlen, indem er feststellt, sie seien Opfer einer kulturellen Voreingenommenheit, aber dann fügt er diese Fußnote hinzu, die vermuten lässt, dass er selbst ein gewisses Unbehagen gegenüber Michael Jackson verspürt, den er als jemanden anerkennt, der „seine Falsetto-Stimmlage virtuos einsetzt“. Ich weiß nicht ganz, was ich damit anfangen soll, obwohl ich denke, seine Bemerkung über die Medien ist ziemlich aufschlussreich – besonders, da dieser Artikel 2003 veröffentlicht wurde, bevor Michael Jackson starb und bevor die öffentliche Haltung ihm gegenüber begann weicher zu werden und sich zu verändern.

Joie: Nun, das ist seltsam. Aber wenn ich das erste Zitat lese, ist das einzige, was mir in den Sinn kommt, warum das so eine große Sache ist? Warum ist das seltsam oder warum ist „das Durcheinanderbringen von Geschlechterzuordnungen“ für einen männlichen Sänger seltsam, wenn er damit seine gesamte stimmliche Bandbreite ausnutzt? Warum soll das ein Fall des „sich Eintritt Verschaffens in Tonarten, die normalerweise Frauen zugeordnet sind“ sein? Besonders, da so viele männliche Sänger so oft das Falsetto einsetzen. Man sollte denken, es würde nicht länger angesehen werden als „Nachahmung eines Frauen zugeschriebenen Bereiches“, sondern einfach als Teil der natürlichen männlichen Stimmbandbreite. Weißt du, manchmal glaube ich wirklich, dass einige Leute zu viel über Dinge nachdenken. Verstehst du, was ich meine?

Willa: Ha! Das ist lustig, Joie. Du hast Recht, Akademiker neigen dazu, viel über Dinge nachzudenken und vielleicht zu viel in die Dinge hineinzulesen. Aber abgesehen von dieser unglücklichen Fußnote, glaube ich, dass Miller wirklich einer Sache auf der Spur ist, wenn er über die geschlechterspezifische Abgrenzung von Stimmen spricht – und er meint das auf eine umfassende Art, die all die Dinge einbezieht, die uns beigebracht wurden darüber, was es bedeutet, maskulin oder feminin zu sein. Er sagt:

In den meisten kulturellen Auffassungen über Stimmen, bedeuten hohe Noten Leidenschaft und rufen Drama und Begeisterung beim Zuhörer hervor. Die Falsetto-Stimme ahmt nicht etwa eine weibliche Stimme nach, sondern sie räumt den männlichen Sängern eine Ausdrucksfähigkeit ein, die ihnen erlaubt, gegenüber dem Zuhörer einen Rausch genau dieser Emotionen zu vermitteln. Wenn dies die Geschlechternormen durcheinanderbringt, dann deshalb, weil dem Mann beigebracht wurde sich zu zügeln. Folglich muss er über seine „reale“ Stimme hin zur „falschen“ (false) hinausgehen, um wirkliche Emotionen auszudrücken.

Ich war hiervon wirklich fasziniert. Wenn ich dies korrekt interpretiere, dann kann diese hohe Stimme, die Michael Jackson so wunderbar einsetzt, um intensive Gefühle hervorzurufen, nicht nur als feminin gesehen werden, weil sie so hoch ist, sondern eben weil sie so emotional ist, und weil wir als eine Kultur uns unwohl fühlen mit emotionalen Männern. Miller drückt es so aus „Dem Mann wurde beigebracht sich zu zügeln“.

Dies versetzt Männer in eine Zwickmühle, denn eines der vorrangigen Ziele des Singens ist der Ausdruck von Emotionen. Aber um das zu tun, müssen sie in den Bereich des Femininen eintreten – in das, was wir fälschlicherweise feminin nennen – sowohl stimmlich, als auch emotional.

Und das erinnert mich wiederum an die Zeile aus Someone Put Your Hand Out über „gehandikapte Gefühle“ („handicapped emotions“). Welche Ironie, dass Michael Jackson vielleicht ein Schamgefühl empfand, weil er dachte, er wäre nicht emotional genug oder zu vollkommenen Gefühlen nicht imstande, wo er doch eigentlich als jemand wahrgenommen – und dafür kritisiert – wurde, zu emotional zu sein. Oder dass er vielleicht gedacht haben mag, er könne seine Gefühle nicht vollkommen genug ausdrücken, wo doch nur einige wenige Leute ihre Emotionen nur halb so gut ausdrücken konnten wie er.

Joie: Das ist interessant. Aber es ist vergleichbar damit, wenn du Künstler hörst – und Michael war einer von ihnen – die sagen, dass sie äußerst introvertiert sind, besonders in Eins-zu-Eins-Situationen, und doch fühlen sie sich vollkommen wohl auf eine Bühne vor ein Millionenpublikum zu treten. Er drückte eine Fülle von Emotionen so frei und so gut aus, wenn sie in einen Song verpackt waren oder in ein Video oder wenn er auf der Bühne stand. Aber dieser extrem persönliche Song erzählt uns, dass er fühlt, seine Emotionen wären „behindert“. Es ist ein interessantes Paradoxon.

Willa: Das ist es, Joie, Ich glaube, du hast deinen Finger auf etwas sehr Wichtiges gelegt. Es ist so, wie er in Moonwalk sagt: „Die Dinge, die ich mit Millionen von Menschen teile, sind nicht die Art Dinge, die man mit einer einzelnen Person teilt.“

Spyho 2

Joie: Weißt du, Willa … du hältst mich jetzt wegen dem, was ich jetzt sagen will, vielleicht für verrückt, aber dieser Song erinnert mich ziemlich stark an einen anderen, zutiefst persönlichen Michael Jackson Song – Stranger in Moscow. Über ihnen liegt eine ähnliche Stimmung und sie erwecken ein ähnliches Gefühl in mir. Ich meine, denk mal an den Refrain der beiden Songs:

Jemand streckt dir seine Hand entgegen

Ich bettle um deine Liebe

Denn alles was ich tue, ist

dir ein Herz zu geben, das deine Liebe braucht

Someone put your hand out

I’m begging for your love

‘Cause all I do is hand out

A heart that needs your love

und dann

Wie fühlt es sich an (Wie fühlt es sich an)

Wie fühlt es sich an

Wie fühlt es sich an

Wenn du allein bist

Und du bist innerlich kalt

How does it feel (How does it feel)

How does it feel

How does it feel

When you’re alone

And you’re cold inside

Für mich handeln diese beiden Songs von derselben Sache. Sie deuten beide an, dass er sich fast gefangen fühlt von diesem erdrückenden Gefühl des „Alleinseins“, wenn das einen Sinn ergibt. Sie sind beide so verzweifelt, verstehst du, was ich meine?

Willa: Wow, Joie, das ist interessant, denn diese Song erscheinen für mich sehr unterschiedlich. Hmmm … Ich werde darüber erst mal nachdenken … Ich erkenne, was du sagen willst, dass sie beide von Isolation und Einsamkeit handeln, aber warum fühlen sie sich für mich so verschieden an?

Ich frage mich, ob das zurückgeht auf den Gedanken des Öffentlichen und des Privaten, über das wir zuvor schon gesprochen haben. Für mich handelt Someone Put Your Hand Out von seinem Privatleben, und wie gerne er jemanden hätte, der sein inneres Leben mit ihm teilt. Aber in meinen Augen handelt Stranger in Moscow von etwas, das ein klein wenig anders ist – über seinen „rasanten und plötzlichen Absturz“ („swift and sudden fall from grace“) und wie es sich anfühlt, ein sozial Geächteter zu sein.

Aber das ist nicht ganz richtig, denn Stranger in Moscow fragt uns dann, uns vorzustellen „wie es sich anfühlt“, in dieser Situation zu sein, ein sozial Ausgestoßener zu sein. Wie du schon den Refrain zitiert hast „How does it feel / When you’re alone / And you’re cold inside?” Er vermischt also das Öffentliche und das Private und fordert uns auf, uns vorzustellen, wie sein Privatleben war, nachdem sein öffentliches Leben ruiniert war. Also yeah, Joie, ich denke, ich erkenne, was du sagen willst. Das ist wirklich interessant. Ich denke nicht, dass ich diese beiden von selbst miteinander in Verbindung gebracht hätte.

Joie: Ich weiß nicht, ob ich es getan hätte, wenn ich nicht darüber nachgedacht hätte, welches Gefühl der Song in mir auslöst, aber es ist ein interessanter Vergleich, finde ich. Und es bringt mir deine vorherige Frage in Erinnerung, als du sagtest, dass du dich fragen würdest, ob sich seine Gefühle geändert hätten, als er älter wurde. Ich weiß, es waren andere und ziemlich ernste Umstände zu der Zeit, als er Stranger in Moscow schrieb, aber nur vom Gefühl der zwei Songs würde ich sagen, die Antwort auf diese Frage war Nein.

Willa: Nun, du hast recht, Joie – seine Umstände änderten sich sehr. Ich meine, wenn er sich in den 80ern, als er Someone Put Your Hand Out geschrieben hat, einsam fühlte, stell dir vor, wie er sich in den 90ern fühlte, nach dem der Skandal ausbrach. Also, ich bin sicher, dass seine Gefühle der Einsamkeit auf gewisse Art eigentlich noch intensiver wurden.

Aber weißt du was, auf andere Art schienen die Skandale ihn auch sehr viel stärker zu machen, sogar entschlossener und seiner selbst sicher. Ich frage mich also, ob er gegen Ende seines Lebens immer noch von der „Schmach“ der „gehandikapten Gefühle“ sprechen würde. Von seinen Werken ausgehend denke ich es nicht, aber es ist schwer zu sagen. Und es ist schwer zu wissen, ob er wirklich von sich selbst sprach in Someone Put Your Hand Out oder ob er in einer Rolle sprach. Und es ist schwer zu wissen, wie viel den spezifischen Umständen, in denen er sich befand, zugeschrieben werden konnte.

Joie: Das ist sehr wahr. Aber was immer ihn auch antrieb, diesen unglaublich schönen, intensiv persönlichen Song zu schreiben, ich bin dankbar, dass er sich entschieden hat, ihn mit der Welt zu teilen, denn er ist immer einer meiner Lieblingssongs gewesen.

Earth Song – Michaels letzte Botschaft

Wir bringen die Liebe zurück in die Welt, um die Welt daran zu erinnern, dass Liebe wichtig ist, sich gegenseitig zu lieben…wir sind alle eins. Und achtet auf den Planeten. Wir haben nur noch 4 Jahre, um es hinzubekommen, sonst ist der Schaden nicht wieder gut zu machen. Deshalb haben wir eine wichtige Botschaft mitzuteilen… es ist wichtig.“

- Michael Jackson – This Is It /Juni 2009

I used to dream

* 24.6.2009*  – Der letzte Song, den Michael in dieser Nacht probt ist der Earth Song. 

Er war ein Mensch mit einer Botschaft und damit konnte er ein Millionenpublikum erreichen. Er nutzte die Musik, die universelle Sprache, um seine Botschaft heraus zu posaunen. Er nutzte sie, einfach um das richtige Publikum zu erreichen, die Jugend. Michael verstand, dass junge Menschen die Hoffnung für unsere Zukunft und für die Welt bereithalten. Und seine Botschaft ging darum, die Welt zu heilen, sich um Kinder zu kümmern und darum, dass „wir eins sind“. Er war in der Lage, dies universell über Generationen hinweg an Menschen auf dem gesamten Globus zu verbreiten. Wer ist nun dazu fähig? Tief in uns, an einem stillen Ort, wissen wir, dass es niemals wieder einen Michael geben wird. Wir, die Welt, kümmerten uns nicht genügend um ihn, behandelten ihn nicht sorgsam und nun ging er fort.“ – „Schaut euch seine Texte an, die meisten waren Gebete.“ – Barbara Kaufmann (http://all4michael.com/2011/06/09/goodbye-michael-ein-stiller-tribut/)

Earth Song…last time…

Ich respektiere die Geheimnisse und den Zauber der Natur. Deshalb macht es mich so wütend, wenn ich die Dinge sehe, die auf der Welt geschehen. Jede Sekunde erfahre ich, dass im Amazonas-Gebiet Wälder von der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt werden. Das sind die Dinge, die mir wirklich Sorge bereiten.
Deshalb schreibe ich diese Art von Songs. Um den Menschen Bewusstsein, Erwachen und Hoffnung zu bringen. Ich liebe diesen Planeten. Ich liebe Bäume – ihre Farben und den Wechsel des Laubes. Ich liebe es! Und ich respektiere solche Dinge. Ich habe wahrhaftig das Gefühl, dass die Natur so angestrengt versucht, das Missmanagement des Menschen an unserem Planeten auszugleichen. Der Planet ist krank, es ist wie ein Fieber. Wenn wir es jetzt nicht aufhalten, kommen wir an einen Punkt ohne Wiederkehr. Dies ist unsere letzte Chance, die Probleme, die wir haben, zu beheben. Es ist wie bei einem davoneilenden Zug. Wenn die Zeit gekommen ist, war’s das. Die Leute sagen ständig: ‚Oh, sie werden sich darum kümmern, die Regierung wird sich darum kümmern! ‘ Sie? Wer sind SIE?

Es fängt bei uns an! Wir sind es! Oder es wird niemals etwas getan werden!“
- Michael Jackson im Juni 2009

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Auszüge aus „Earth Song – Inside Michael Jacksons Magnum Opus“ von Joe Vogel

(Übersetzung von achildsbliss )

Michael Jackson sah seinen „Earth Song“ als einen seiner wichtigsten Songs bei seiner „This Is It“-Konzerttour in London an. Für diesen Song hatte er ein komplett neues Konzept erarbeitet, einschließlich eines 3-D Vorspanns. Während er den Film nie in seiner fertigen Version sah, zeigten seine Kinder den Film 2010 bei den Grammy-Award. „Durch all seine Lieder hindurch war seine Botschaft einfach“, sagte Jacksons ältester Sohn Prince.

Liebe. Unser Vater machte sich stets Gedanken um unseren Planeten und um die Menschheit… Wir werden seine Botschaft weitertragen und der Welt helfen.“

Eine musikalische Apokalypse

Die letzte Version des „Earth Song“ war eine sechseinhalb minütige Glanzleistung, die die Lage des Menschen (und die Lage allen Lebens) in dramatischem Panorama zeigte.
Am Anfang steht der Sound: der pulsierende Rhythmus von Grillen und Singvögeln, die vibrierende Kakophonie der Nacht. Es beschwört eine üppige, natürliche Kulisse herauf – etwa einen tropischen Dschungel oder einen Regenwald – vor Leben und Musik strotzend.

 „Ich glaube, dass die Schöpfung in ihrer urtümlichen Form aus Klängen besteht und dass diese Klänge nicht willkürlich sind, sie sind Musik“, erklärte Jackson einmal.
Eine kaskadenartige Harfe eröffnet die Szene wie eine Vision: ein urzeitlicher Garten Eden, in dem alles Lebende in Einklang miteinander existiert. Die Harfe wurde teilweise von Komponisten wie Debussy und Tschaikowsky inspiriert (zwei von Jacksons Lieblingskomponisten), beide nutzten zum Teil dieses Instrument, um traumähnliche Welten von Verwunderung und Verzauberung hervorzurufen. Als Student der Geschichte und der Literatur war sich Jackson ohne Zweifel der großen symbolischen Bedeutung der Harfe bewusst.
Die überschwängliche Stimmung, die in den ersten paar Sekunden heraufbeschworen wurde, verwandelt sich jedoch schnell in etwas Bedrohlicheres. Ein tiefer, ursprünglicher Klang ist zu hören, „wie ein verrücktes Hirngespinst, das einen einsamen Reisenden von Zeit zu Zeit heimsucht.“ Dann setzt das Piano ein, seine Akkorde fangen eine Mischung aus Melancholie und Sehnsucht ein – was Wordworth einst als die „stille, traurige Musik der Menschlichkeit“ beschrieb.
„Was ist mit dem Sonnenaufgang, was mit dem Regen?“ singt Jackson. „Was ist mit all den Dingen, von denen du sagtest, dass wir sie erlangen sollten?“ Während er feststellt, was alles im Namen des „Fortschritts“ verloren geht, klingt seine Stimme, als sei er entmutigt und der Welt überdrüssig.
Sonnenaufgang und Regen sind Symbole immer wiederkehrender Erneuerung. Im Gegensatz dazu zeigt Jackson das unnachgiebige Streben der Menschheit nach „kurzsichtigem“ Gewinn. Statt mit der Natur, den Tieren und miteinander in Koexistenz zu leben, haben wir uns einen Weg, getrieben von achtlosem Genuss und Gier, gebahnt. Die Versprechen der sogenannten „zivilisierten“ Welt sind Illusionen, errichtet auf Ausbeutung und Zukunftsunfähigkeit.
Von Anfang an wirft Jackson verstörende Fragen auf und nimmt die Grundlagen der modernen Gesellschaft ins Visier.
„Was haben wir der Welt angetan?“ fragt er seine Zuhörer. „Seht, was wir getan haben.“
Sein Gesang wird untermalt von tiefen Synthie-Pads, die ihn wie einen Schatten verfolgen, ihre Akkorde scheinen direkt dem Erdreich zu entsteigen. Jacksons Erzählung malt ein düsteres, trostloses Bild. Tragischer als unsere sich rasant verschlechternde Lage ist jedoch, dass sich noch immer so viele Menschen weigern, dies zu erkennen.
„Hast du jemals aufgehört/ all das Blut, das wir zuvor vergossen haben / wahrzunehmen?“ singt Jackson mit bebender Stimme, die zu einem Falsett aufsteigt. „Hast du jemals aufgehört/ diese schreiende Erde, die klagenden Küsten/ zu spüren?“
Im Grunde genommen fragt er uns, ob wir dem Leid der Welt gegenüber empfindungslos und gleichgültig geworden sind.

Bei anderen Sängern wären solche Empfindungen vielleicht als Gefühlsduselei herübergekommen. Doch Jackson hatte die einzigartige Gabe, Worten Gewicht zu verleihen. Wie Marvin Gaye einst sagte: „Michael wird die Eigenschaft niemals verlieren, die die reine Sentimentalität von wahrhaft im Herzen Gefühlten trennt. Es ist im Blues verwurzelt und egal welches Genre Michael auch immer singt, dieser Junge besitzt den Blues.“ Im „Earth Song“ singt Jackson den Blues in kosmischem Ausmaß.
Mit jedem Vers wächst die musikalische Struktur. Die Gitarre spiegelt Jacksons qualerfüllte Gefühle mit beseeltem Spiel wider. Das majestätische Orchester schwillt an und flaut ab wie Wellen.
Im zweiten Vers bezieht Jackson sich auf den Frieden „für den du deinen einzigen Sohn als Pfand gabst“ und richtet so plötzlich seine Fragen nicht mehr nur an die Menschheit, sondern an Gott. Wann werden diese Versprechen auf Erlösung sich erfüllen, fragt er. Später stellt er auch einen Bezug zu Abraham und dem „gelobten Land“ dar, das seinen Nachkommen vertraglich verpflichtend versprochen worden war. Da waren Hiob-ähnliche Proteste:

Ich rufe DICH an und DU hörst mich nicht“, lamentierte Hiob.
War nicht ich es, der um den, der in Schwierigkeiten war, weinte?
War es nicht meine Seele, die bekümmert war wegen der Armen…
Und nun ergießt sich meine Seele über mir;
Die Tage des Leids ergreifen mich…
Meine Harfe verwandelt sich in Wehklage
Und meine Orgel in die Stimme derer, die weinen.

Wie ein prophetischer Dichter aus alter Zeit erforscht Jackson „die Grenzen des Allmächtigen“, während er grundlegende Fragen nach denen, die verwundet und im Stich gelassen wurden, stellt.
Im Herzen dieser Wehklage liegt das uralte Dilemma, warum es immer die Unschuldigen sind, die leiden müssen
(Hast du jemals aufgehört/ an all die Kinder zu denken, die im Krieg getötet wurden?). Die Spannung dieses ungehörten Flehens baut sich während der Strophen auf, bevor sie in einem schmerzerfüllten Schrei des Chores ausbricht.

Hört euch die Explosionen der Drums und den erderschütternden Bass nach der zweiten Strophe an: Dies ist der Augenblick, in dem der Song von Verzweiflung und Aussichtslosigkeit in wahre Empörung umschlägt. Dahinter steckt die Absicht, an den Grundfesten des Zuhörers zu rütteln und ihn aus seiner Apathie zu reißen. Der zweite Chor übernimmt nun mehr Kraft und bekommt mehr Eigendynamik, er verbindet sich zu einem energetischen Sturm.

Vor dem Höhepunkt jedoch kommt noch einmal ein Moment des Nachdenkens. Jacksons Stimme wird wieder zerbrechlich und verwundbar und repräsentiert nicht länger die tobende Stimme derer, die keine Stimme besitzen. Der „Earth Song“ ist ein exzellenter Ausdruck dessen, wie versiert Jackson stimmlich ist: Es ist eine Stimme, die den „Menschen in höchster Not“ heraufbeschwört. Extreme Höhen und Tiefen, extreme Verletzlichkeit und Macht, Verzweiflung und Wut. Allein in der Überleitung wechselt er von zärtlicher Bewunderung für Unschuld (Ich träumte/Ich blickte über den Sternenhimmel) zu plötzlicher Panik und Entfremdung (Jetzt weiß ich nicht mehr, wo wir stehen) und weiter zu völliger Verzweiflung und Wut (Obwohl ich weiß/ wir sind zu weit getrieben).
Die Überleitung symbolisiert die Schwelle, ein Zwischenstadium zwischen dem, was war, dem, was sein könnte und dem, was ist.
Was darauf folgt ist der epische Höhepunkt, der den Song jedoch auf einen anderen Level katapultiert. Die Schreie des Chores entfalten sich mit immer größer werdender Intensität. Die Luft ist erfüllt von apokalyptischer Energie, „ein Tumult mächtiger Harmonien“. Jacksons Stimme ist wie die des wehklagenden Jeremias (des weinenden Propheten): „Sind nicht all meine Worte wie Feuer… und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt“. Sie ist wie Shelleys revolutionäre Ode an den Westwind: „Treibe meine toten Gedanken ins Universum/ wie verwelktes Blattwerk, um eine Wiedergeburt zu beschleunigen… auseinandergestoben wie von einem ungelöschten Herzen/ Asche und Funkenregen… der Hall der Prophezeiung.“
Sein Anrufen des Andraé Crouch Chores und dessen Antworten entfesselt in der Luft einen Dialog, der erstickt worden war. Jedes Flehen, das Jackson unserer Aufmerksamkeit überantwortet, verstärkt der Chor mit einem immer wiederkehrenden:

Was ist mit uns?“
Was ist mit gestern? (Was ist mit uns!)
Was ist mit den Ozeanen? (Was ist mit uns!)
Die Himmel stürzen ein (Was ist mit uns!)
Ich kann nicht einmal mehr atmen (Was ist mit uns!)

Das „uns“ ist die erweiterte Stimme der „anderen“: die Stimme all derer, die zum Schweigen gebracht, unterdrückt oder nicht beachtet wurden (einschließlich der Umwelt und der Tiere). Jackson legt für sie Zeugnis ab, während er den Status Quo beklagt. Es ist eine massive vertonte Demonstration für Menschenrechte.
Die Macht des Austauschs zwischen Jackson und dem Chor ist einfach erstaunlich: „Was ist mit dem Gelobten Land“ schreit er, während der Chor ihm in einem Wust mit den Worten „Was wird aus uns?“ hinterher eilt. „Auseinander gerissen durch Gier (Was wird aus uns!)/ Was wird aus dem ganz normalen Menschen(Was wird aus uns!)/ Können wir ihn nicht befreien(Was wird aus uns!)/ Was ist mit den Kindern, die sterben (Was wird aus uns!)/ Hörst du ihr Weinen nicht (Was wird aus uns!).“
Dann folgt eine leichte Abweichung vom wieder kehrenden Refrain, als Jackson fragt: „Wo sind wir gescheitert? Sag mir jemand warum!“
Seine Stimme drückt eine Mischung aus Verzweiflung und Empörung aus. Wie kamen wir hierher? Wie haben wir uns so entwickelt?

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Als Jackson den Schluss seines Gebetes erreicht – erschöpft und doch ungebrochen – fragt er seine Zuhörer einfach nur „Ist uns das alles völlig gleichgültig?“, bevor er wortlose Schreie der Verzweiflung loslässt. Sprache kann einfach dem Schmerz und dem Leiden, das er zu übermitteln und die Welt dafür zu sensibilisieren versucht, nicht gerecht werden.
Im Hintergrund klagen weiterhin die Schreie des Chors, als kämen die Schreie direkt aus den Eingeweiden der Erde.

Das Wort „Apokalypse“ versteht man typischerweise als Zerstörung, die sich am „Ende aller Tage“ ereignen wird. Im griechischen Original jedoch bedeutet es „die Lüftung des Schleiers“, eine Offenbarung oder Prophezeiung, die der Menschheit dazu verhilft, zu erkennen, was sich deutlich sichtbar vor ihr verbirgt.
Laut dieser Definition stellt der „Earth Song“ eine musikalische Apokalypse dar. Er bringt den Zuhörer aus einem imaginären Paradies voller Harmonie und Lebenskraft in unseren gegenwärtigen Zustand der Entwürdigung und der Trennung. In seiner letzten Frage (Ist uns das völlig gleichgültig?) geht es um unsere Unachtsamkeit, unsere Abgestumpftheit. Warum nehmen wir die Dinge einfach so hin, wie sie sind? Warum können wir die Selbstzerstörung nicht erkennen und sie aufhalten? Warum können wir uns nicht etwas Besseres vorstellen und es zu erreichen suchen?

Der Körper als Leinwand

In Jacksons Performance zum „Earth Song“ ist ein erstaunliches Schauspiel zu sehen. In den drei kurzen Jahren, in denen er diesen Song performte (1996-1999), war der Song der dramatische Höhepunkt seiner Show. Ihn mit den Füßen stampfen, aufheulen und unsicher über der Menge baumeln zu sehen, während er über dieser Menschenmenge seine gesamte Seele ausbreitete, erbringt alle Beweise, die nötig sind, zu erklären, was ihn zum einzigartigsten und kraftvollsten Künstler unserer Zeiten machte. „Er ist oftmals in dramatischer Art und Weise beleuchtet“, beobachtet die gefeierte Künstlerin Constance Pierce. „Eingehüllt in ein Stoffgewirr, erhebt er sich mit Hilfe eines Krans in den Nachthimmel. Über seinem riesigen Publikum schwebend, sein beleuchtetes seidenes Cape entfaltend, vereint Jacksons hypnotisierende Präsenz tausende Menschen unter ihm zu reiner Ästhetik, zu einer rituellen „Kunstperformance“, in die alle mit eingebunden sind. Kerzen werden angezündet und alle Arme erheben sich in Einklang. Die Geste der Leidenschaft, die Jacksons Performance des „Earth Song“ verkörperte, die sowohl ikonisch als auch überirdisch war, brannte sich ins kollektive Bewusstsein des 20. Jahrhunderts ein.“
In einer seiner schönsten Performances seiner Karriere (1996 in Brunei), in der er am Ende der dreistündigen Show in Schweiß gebadet war, lieferte er aus dem Stegreif eine Improvisation („Tell me what about it!“ – Sag mir, was ist damit!), die einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Es ist gleichsam wie der Ruf eines modernen poetischen Propheten, der die Welt darum bittet, endlich aufzuwachen und zu sehen.

Tell me what about it!“

Aufgrund der religiösen Symbolik und der leidenschaftlichen Reaktion der Menge (man kann das Publikum oft schluchzen sehen) war möglicherweise der größte Kritikpunkt, der mit dem „Earth Song“ assoziiert wurde, der, dass Jackson oder der Song (oder beide) „messianisch“ seien. Diese Etikettierung kam noch stärker in Umlauf, als 1996 bei den Brit-Awards der Pulp-Sänger Jarvis Cocker die Bühne stürmte, um gegen das, „christusähnliche“ Bild zu protestieren, das Jackson, seiner Meinung nach, von sich selbst zeichnete.
Diese Einschätzung von Jacksons Performance(s) machte bei zahlreichen Journalisten und Kritikern die Runde, da sie sie wortwörtlich nahmen. Ohne Zweifel benutzte Jackson messianische Gesten in seinen Performances. Was jedoch überhaupt nicht in diese Überlegungen einfließt, ist die Tatsache, dass der Körper eines Tänzers/ Performance-Künstlers dem Künstler als Leinwand dient. Er benutzte spezielle Gesten und Symbole, um Bedeutsamkeit zu vermitteln und um Gefühle auszudrücken. Würde ein Kritiker behaupten, Michelangelo sei „messianisch“ und „narzisstisch“, weil er Jesus am Kreuz malte? Es ist viel interessanter, sich anzuschauen, wie Jackson diese Symbole und Gesten einsetzt.
„Wenn Jackson eine bestimmte urbildliche Haltung verkörpert“, so Constance Pierce, „verwandelt sich sein Körper in eine Art symbolische, elegante Schönschrift, durch den das Göttliche den Ausdruck explosiver Gefühle oder innigen Mitgefühls hindurch leiten kann. Der Künstler wird zum Schamanen, der all unsere „Schatten“ übernimmt und sie vollkommen ins Licht kehrt.“
Jackson benutzt messianische Gesten nicht, weil er glaubt, er sei der Messias, sondern weil er weiß, was diese Symbole ausdrücken und vermitteln können. Es geht ihm dabei nicht um sich selbst, sondern darum, wie sein Körper die Emotionen des Songs umsetzen kann.

Auszüge aus Joe Vogel/Earth Song- Inside Michael Jackson’s Magnum Opus – http://www.amazon.de/Earth-Song-Inside-Michael-Jacksons/dp/0981650678/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1403636994&sr=1-1&keywords=Earth+Song+Joe+Vogel )

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Michael benutze seine Musik als ein Mittel, um seine Botschaft zu verbreiten…

Das ist bei seiner Musik und seinen Songs offensichtlich, bei vielen seiner Songs. Natürlich machte er auch ein paar “shake your booty” Songs, aber vieles von seiner wichtigen Musik ist diese Musik mit der Botschaft, und die Leute schätzten es, weil sie sich nicht so fühlten, als ob ihnen was gepredigt würde. Sie wollten das hören, diese Musik mit einem Anliegen, über Liebe und Zusammenhalt. Manchmal scheuen die Leute vor solcher Musik zurück, denn sie denken, es wird ihnen was gepredigt, als ob sie in der Kirche wären. So was will keiner hören. Michael hatte aber so eine natürliche Art, dass die Leute das hören wollten und sie liebten es. Es hörte sich nicht nach einem Sermon oder einer Predigt an. Sie waren neugierig, und sie wollten so werden, sie wollten diese Vision sehen, die er beschrieb.

Auf seine Art war er ein Prophet, in seiner Musik, ein moderner Prophet. Er wurde von Gott gesandt um Licht zu bringen, so ähnlich wie die Propheten in früheren Zeiten. Viele Menschen nehmen das nicht wahr, denn er ist ja ein Entertainer, er wurde in dieser Form zu uns gesandt, als ein Entertainer, und so haben viele Menschen die Prophezeihungen die er mitteilte, übersehen. Seine Lehren von Liebe und seine Anliegen – du kannst etwas über seine Anliegen erfahren, im Earth Song und in anderen Liedern teilt er seine Sorge um den Planeten und die Menschen mit, für Menschlichkeit, für Zusammenhalt.

Ich denke, er ist ein wundervoller Mensch. Ich denke, er ist für jeden eine Lehre, von ihm zu lernen und in diesem Licht zu handeln, dieses Licht von Besorgnis und Liebe für einander. Es wäre sicherlich eine bessere Welt, wenn jeder danach handelte.“ - Jonathan Moffett (Interview MJ Tribute Portrait)

Earth Song June 24 2009

This Is It….

Er hatte die Botschaft der Liebe, und er war sehr besorgt um die Umwelt und das war ein Teil, ein Thema durch die ganze Show. Seine Haupt-Botschaft war die der Liebe, Menschen zusammen zu bringen, und damit war es ihm sehr ernst. Earth Song, Heal The World, We Are THe World… das waren die Themen in der Show, und in den Proben vermittelte er, wie wichtig es war, diese Elemente herauszuarbeiten… ich weiß, dass Michael eine Botschaft von Liebe und Frieden an die Menschen senden wollte… diese Dinge waren ihm wichtig, und das sollte vermittelt werden.“ - Dorian Holley/Vocal Coach/This Is It

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Review zum Buch „Remember The Time – Protecting Michael Jackson in his final days.“

Übersetzung einer ausführlichen Review zum Buch von Bill Whitfield und Javon Beard: ‘Remember The Time – Protecting Michael Jackson in his final days’.

Die Review stammt im Original von Raven (All For Love Blog) und ich habe sie – da sie sehr meiner eigenen Sicht entsprich – mit ihrem Einverständnis übersetzt.

Thank You, Raven!

Link zum Original: http://www.allforloveblog.com/?p=9205

Nachdem ich letzte Nacht Bill Whitfield und Javon Beards Buch „Remember The Time: Protecting Michael Jackson In His Final Days“ fertig gelesen habe, stehe ich da und verspüre brennende, ohnmächtige Wut und Traurigkeit. „Ohnmächtig“ ist genau das richtige Wort dafür. Diese Emotionen sind ohnmächtig, einfach deshalb weil, – egal wie stark sie auch nach Beenden des Buchs sein mögen- das was bleibt ein anhaltendes Gefühl von Hilflosigkeit ist. Michaels Leben ist das, zu dem es wurde und jetzt ist er fort. Er ist gegangen und niemand kann daran etwas ändern; niemand kann zurückgehen und irgend etwas ändern. Wir können nicht all die Verletzungen, die einem menschlichen Wesen zugefügt wurden ungeschehen machen. Uns bleibt nur, den Scherbenhaufen anzusehen und zu versuchen, zu verstehen. Das ist, neben allem anderen, was ich von diesem Buch mitnehme.

Ich glaube auch, dass Whitfield und Beard auf ihre Art auch noch immer versuchen zu verstehen, was mit Michael Jackson, dem Mann den sie liebevoll als ihr „Boss“ bezeichnen, geschehen ist, und dass es ihr Bestreben ist den Fans dabei zu helfen, es auch zu verstehen. In welchem Ausmass das Buch dieses Ziel erreicht oder verfehlt, hängt zu einem großen Teil davon ab, was der Leser von ihm erwartet. Es hat seine starken und seine schwachen Bereiche.

Der Titel ist etwas klischeehaft und ausserdem auch schon Titel eines anderen MJ-Buchs, geschrieben von Theresa Gonsalves. Aber für Titel gibt es kein Copyright und es ist definitiv nicht das selbe Buch.

Trotzdem werden MJ- Fans und clevere Leser wissen, warum einige Teile des Buchs vertraut klingen. Das kommt daher, dass ein Teil des Buchs schon zuvor erzählt wurde, von Dr. Karen Moriarty in ihrem selbst-herausgegebenen Buch „Defending A King: His Life & Legacy“. Dieses Buch-Projekt startete damit, dass Dr. Moriarty sich ursprünglich mit Whitfield, Beard und Michael Garcia (der sich später davon zurückzog) getroffen hatte, mit der Absicht, die Ghostwriterin für deren Buch zu werden. Was schliesslich mit dieser Abmachung passierte, ist in der Einleitung zu Moriartys Buch ausgeführt, wo sie sagt, dass sie letztlich einfach nicht mit der Geschichte, die sie erzählen wollten, auf der gleichen Linie lagen. Das Ergebnis ist, dass Moriartys Buch, was sich dennoch in den Kapiteln, die die letzten zwei Jahre seines Lebens portraitieren (besonders die Zeit in Las Vegas), sehr auf die Erzählungen der Bodyguards stützt, sich aber dann zu einem eigenen Buch entwickelte, zu einer Biografie anstatt eines Memoirs. Nachdem ich das Buch gelesen habe, verstehe ich besser, wodurch diese Differenzen entstanden. Ich komme später kurz darauf zurück.

Jonathan Exley Neverland 2004

Die Wahl des Cover-Fotos ist interessant. Es ist das gleiche Foto, welches für die Promo der M. Bashir Dokumentation „Living with Michael Jackson“ benutzt wurde. Es ist ein sehr schönes Foto aus Michaels späteren Jahren, welches passend ist, weil das Buch etwa die letzten beiden Jahre seines Lebens beschreibt. Aber es ist zugleich ein Foto, was seine Einsamkeit und Isolation hervorhebt. (Michael lächelt auf dem Foto nicht, seine Pose ist eher nachdenklich, sein Ausdruck meditativ, melancholisch, sein Blick geht in die Ferne als ob er etwas sucht, was dort nicht zu finden ist.) Für den Leser gibt dieses passende und eindringliche Bild einen ersten Eindruck auf den Inhalt, da Michaels Isolation wirklich zum zentralen Thema des Buchs wird.

Jedesmal, wenn ich ein Buch lese, das von jemand geschrieben wurde, der Michael wirklich kannte oder mit ihm zusammen gearbeitet hat versuche ich, unvoreingenommen zu bleiben und auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Unvoreingenommenheit ist wichtig, denn ich bedenke immer, dass ich nicht behaupten kann, mehr über Michael zu wissen, als diejenigen die rund um die Uhr um ihn herum waren. Gelegentlich bedeutet das, dass das Bild, das sie präsentieren nicht mit dem Michael übereinstimmt, den ich glaubte so gut zu kennen. (ich fand allerdings, dass es hier nie der Fall war; glücklicherweise habe ich nicht eine idyllische Version von Michael im Kopf, und ich denke, das hilft dabei, unvoreingenommen zu bleiben.) „Eine kleine Prise Salz“ (nicht alles auf die Goldwaage zu legen) hilft aber auch dabei. Ich weiß aber auch, dass letztlich jede Sicht auf Michael – auch die derjenigen, die sich als Freunde bezeichnen oder die Angestellte waren, und jeden Tag für ihn arbeiteten – letztlich eine durch ihre eigene Erfahrung beeinflusste Wahrnehmung sein wird, ob positiv oder negativ. Es besteht auch immer die Gefahr des „ich war der Einzige, dem er vertrauen konnte/ der Einzige auf den er sich verlassen konnte“ – Syndroms, dem sich der Leser jeder Zeit bewusst sein muss, wenn er ein Buch in die Hand nimmt, welches von jemand geschrieben wurde, der nahe an Michael herankam. Ich rechne Beard und Whitfield positiv an, dass sie über dieses Syndrom sehr ehrlich berichten (sie behaupten nicht, dass sie dagegen immun waren, oder dass sie die Ausnahme von der Regel seien.) Und im Buch analysieren sie auch ausführlich dieses eigenartige Phänomen was mit Berühmtheit einhergeht – was jedoch nicht so eigentümlich ist wenn man bedenkt, dass es immer um den Kampf nach Macht geht, wenn man über Michael Jackson und sein Imperium spricht, darum, wer die Kontrolle hat, wer in welchem Moment seine Aufmerksamkeit hatte. Und auch nicht zu vergessen, dass Michael diese angeborene Fähigkeit – diese Aura – hatte, die jeden in seiner Nähe sich als etwas Besonderes fühlen lies, so als sei man der Einzige und Wichtigste in seiner Welt. Es war eine besondere Gabe Michaels, aber es war auch eine, die sich manchmal als Nachteil erwies.

Doch Whitfield und Beard waren es gewohnt, mit berühmten Menschen zusammen zu sein, auch wenn sie zugegebener Weise zuerst etwas beeindruckt (starstrucked) waren, als ihnen klar wurde, dass sie für Michael Jackson arbeiteten. Das gab sich jedoch bald, als sie sich in ihren Job eingearbeitet hatten, nämlich einfach eine Familie zu schützen – einen allein erziehenden Vater, seine drei Kinder und eine wachsende Menge an Tieren, mit denen die Kinder, die in ihrem einzigen dauerhaften Zuhause Neverland aufgewachsen waren, versuchten, die entstandene Leere zu füllen. Es gibt Abschnitte, da scheint die Geschichte fast wie ein Pilotfilm zur Fernseh-Serie „The Brady Bunch“ zu sein (http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Mädchen_und_drei_Jungen) – „Hier die Geschichte eines liebenswerten Vaters/ der drei sehr liebenswerte Kinder aufzieht“ – und alles was dazu noch fehlen würde ist eine „Alice“ – aber dafür haben wir Grace, Bill und Javon, die eigentlich diese Rolle übernehmen, auch wenn sie dabei Waffen tragen. Alles ist sehr nett, aber über allem hängt das Wissen um die Tragik dieser Familie; einer Familie, die gelernt hat in einer schützenden Blase zu leben und die niemals einfach nur „normal“ sein kann. (obgleich ihr Bestreben nach Normalität den schmerzlichen Kern der Geschichte ausmacht.) Und es ist eine Geschichte von der wir leider schon wissen, wie fatal sie endet.

Es ergeben sich einige der Fragen, die man auch stellen könnte, wenn man z.B einen Film wie Titanic ansieht. Wenn wir schon das Ende kennen, warum lesen wir dann ein solches Buch? Einfache Antwort. Immer, wenn wir schon wissen, wie die Geschichte endet, lesen wir nicht wegen dem Ziel, sondern wegen dem Weg dahin. Wir lesen, weil wir immer mehr darüber lesen/lernen wollen, wer Michael war/ist. Die Faszination damit hört niemals auf. Natürlich können wir sagen, er sagte uns alles, was wir wissen müssen mit seiner Musik – und es ist in der Tat so, dass er uns durch seine Musik und seine Gedichte mehr sagte, als wir es jemals von einer Biografie bekommen werden. Aber dennoch bleibt da ein Verlangen zu wissen… wie war sein Alltags-Leben? Wie war es, mit ihm zusammen zu sein? Wie kam er mit dem Irrsinn seines Lebens und mit diesen ständigen Machtkämpfen in seinem Umfeld zurecht? Und wir lesen, weil wir immer noch Antworten suchen. Was passierte mit Michael Jackson gerade in seinen letzten Tagen? Remember The Time gibt uns diese Antworten nicht, aber es gibt uns viele Einblicke in dieses Leben. Ich glaube, was viele, so wie auch ich, von diesem Buch mitnehmen ist, dass trotz all des Reichtums und Ruhms Michaels, wir nicht unser Leben gegen seines eintauschen wollen. Beim Lesen des Buchs durchlief ich viele Emotionen, manchmal musste ich lachen – ‘ja, das hört sich genau nach Michael an!’ – manchmal fühlte ich ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit, als sie sahen, wie die Dinge sich um Michael herum entwickelten (Dinge, die sie nur mit ansehen konnten, ohne etwas tun zu können, um sie zu stoppen). Ich musste oft mit dem Lesen aufhören, um Tränen fort zu wischen, und am Ende fühlte ich Whitfiels brennende Wut, als er bei Michaels Memorial saß und aus nächster Nähe die Scheinheiligkeit all derer bezeugen konnte, die behaupteten Michaels Freunde zu sein – aber niemals da gewesen waren.

Memorial

Ich hoffe, das nimmt denen, die es bisher noch nicht gelesen haben, nicht zu viel vorweg, aber das ist genau der Ton mit dem dieses Buch endet. Es ist ein in mancher Hinsicht merkwürdiges Ende. Es gibt keine Resolution, keine großartige Ausführungen darüber, wer Michael war, oder was er der Welt als Künstler und Ikone bedeutete, nichts in der Art von „Wow, wenn Michael all diese Liebe, die dort für ihn zum Ausdruck kam, hätte sehen können.“ Stattdessen endet es mit einer Bemerkung, die sehr aufrüttelt aber auch schonungslos ehrlich ist. Whitfield war mit Michael in der Zeit zusammen in der er isoliert und einsam war, er erinnert sich nur zu gut an die, die sich niemals blicken liessen, an die, die nur Lippenbekenntnisse ablegten, dass sie Michael unterstützen würden, an die, die anriefen und sagten „Ich bete für dich“ – aber sich niemals blicken liessen. Ich erkenne es an, dass das Buch hier nichts beschönigt, denn das ist offen gesagt ein Teil der Geschichte, der erzählt werden muss. Die Geschichte hätte auch, wie so oft, unter den Klängen von „Man In The Mirror“ enden können, wobei sich alle an den Händen fassen um daran zu erinnern, welch helles Licht Michael ausstrahlte, und wie sehr ihn alle liebten – und natürlich tun wir das, auch dann, wenn wir uns nicht immer genug Zeit nahmen, es zu sagen.

Stattdessen endet es in einem bitteren, aufrüttelnden Ton, wie die betäubende Stille nach einem Gewehrschuss. Wie gesagt, es ist nicht angenehm, und es lässt den Leser beunruhigt zurück, aber ich schätze es als aufrichtige Emotion, nichts wird versüßt und beschönigt. Vielleicht gibt es ein paar Leute, die die Wahrheit hören „müssen“. Wahrscheinlich sind es sogar viele, die es hören müssen.

Es sind ehrliche Emotionen und sie bringen einige der interessanten Unterschiede zwischen einem Memoir und einer Biographie zum Vorschein. Und das ist ein wichtiger Unterschied, den wir immer bedenken sollten, wenn wir ein solches Buch lesen. Memoiren – bei denen dem Autor die Begebenheit, über die er schreibt, bekannt ist und die deshalb aus eigener Erfahrung geschrieben wird – sind von Natur aus intimer und persönlicher, als Biographien, die von neutralen Journalisten oder aussenstehenden Personen geschrieben werden. Aber aufgrund dieser Intimität haben sie auch zu erwartende Begrenzungen. Wir müssen uns damit abfinden, nur ein schmales Spektrum des Bildes zu bekommen, eines, das die Erfahrungen aus erster Hand dieser Menschen gefiltert ist und durch diese Erfahrungen auch eingeschränkt ist. So wie bei jedem Ich-Erzähler (fiktional oder nicht), kann der „Ich“ Erzähler sich nur auf das beziehen, was das „Ich“ weiß. Das wird besonders dann problematisch, wenn das Thema auch Personen aus dem wirklichen Leben beinhaltet und besonders dann, wenn es sich um jemand handelt, der so komplex ist und der so sehr versuchte, sein Leben in unterschiedliche Bereiche aufzuteilen, wie Michael. So wie es Michael gelang, seine Dates komplett vom Leben mit seinen drei Kindern zu trennen, (keine von Michaels geheimen „Freundinnen“ wurde jemals in sein Haus gebracht, sondern sie trafen sich immer in Hotels) glaube ich auch, dass oft die Seite, die Freunde und Angestellte von Michael zu sehen bekamen, genau die war, die er ihnen zeigen wollte. Damit soll nicht suggeriert werden, er wollte etwas verbergen; ich denke es war einfach eine Strategie, die sich entwickelt hat um mit seinem sehr ungewöhnlichen Leben zurecht zu kommen.

Obwohl er mit Whitfield und Beard sehr vertraut wurde und ihnen zu vertrauen schien, waren sie dennoch nur Angestellte; ihr Platz war in der Garage oder im Security-Trailer. Als Leser müssen wir berücksichtigen, dass ihre Geschichte zumindest auch durch diese Distanz gefiltert ist – eine Distanz, die sie befähigte, unparteiische Beobachter zu sein aber auch – weil die Zahl der Angestellten auf ein Minimum geschrumpft war – eine bestimmte Art der Nähe beinhaltete. Man kennt den Ausdruck „Wie eine Fliege an der Wand“. Genau so – sie waren immer dort und gleichzeitig „nicht dort“ – Zeugen von Vorgängen und teilweise auch darin involviert, aber nie wirklich eng darin eingebunden.

In anderen Worten heisst das, wir können nie erwarten, dass die Geschichte eines Einzelnen das definitive Bild von Michael – wer er war oder wie er sein Leben lebte – wiedergibt. Es ist vielmehr so, dass jede individuelle Geschichte ein kleines Teil des Puzzles ist. Ich versuche immer, an jedes Memoir über Michael unter diesem Aspekt heran zu gehen, es zu sehen, als das, was es ist: nicht mehr und nicht weniger wie die Version der Wahrheit einer Person (oder von zwei, wie in diesem Fall) – die Wahrheit, wie sie sie erfahren haben. Das Wort Memoir stammt vom Wort memory (Erinnerung) ab.

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Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Bücher über Michael, die ich am meisten geniesse die sind, die ihn als menschliches Wesen mit Fehlern portraitieren, nicht zu dem Zweck, ihn auszubeuten oder fertig zu machen (dazu gibt es schon genug Bücher am Markt), sondern um ihn in all seiner menschlichen Komplexität zu zeigen, weder mit Teufelshörnern, noch mit Engelsflügeln und Heiligenschein. Mich interessiert Michael Jackson, das menschliche Wesen, und nicht ein Gott.

Remember The Time hält diese Balance, aber wir dürfen dabei nicht die Begrenzungen von Erinnerungen vergessen.

Bill Whitfield und Javon Beard kannten Michael nur während den letzten zwei-einhalb Jahren seines Lebens persönlich. Sie wurden schon kritisiert dafür, weil der Untertitel des Buchs “Protecting Michael Jackson In His Final Days” lautet (Michael Jackson in seinen letzten Tagen schützend), aber beim lesen des Buchs geben sie zu, dass sie in diesen letzten Monaten nicht mit ihm in LA waren. Zu der Zeit waren ihre Verantwortlichkeiten sehr reduziert und sie blieben in Las Vegas zurück. (besonders Bill Whitfield quält sich mit dieser Tatsache am Ende des Buchs herum). Folglich beruhen die letzten Kapitel des Buchs dann auch mehr auf Hören-Sagen, als auf persönliche Erfahrungen. Mit anderen Worten: sie kennen die Details von dem, was in diesen letzten Monaten in Holmby Hills passierte zum Großteil durch die gleichen Quellen, wie wir- durch das, was sie lasen und in den Medien hörten. In diesem Punkt enttäuscht das Buch etwas, falls jemand erwartete neue Erkenntnisse über das zu gewinnen, was wirklich mit Michael in diesen letzten Tagen passierte. Die Bodyguards haben diese Antworten einfach nicht – oder wenn sie sie haben, schweigen sie vielleicht aus gutem Grund. Wie in vielen Büchern gibt es da einige Spekulation, aber letztlich bleibt das, was mit Michael an seinen letzten Tagen – bis auf das, was durch die Medien und den Prozess schon bekannt wurde – ein Mysterium.

Was Whitfield und Beard aber liefern, ist ein faszinierender Einblick in die Monate, die Michaels Abreise nach LA vorangingen, und sie sparen nicht damit, die Haupt-Beteiligten zu nennen, die die Falle bauten, die Michael letztlich verzehrte und umbrachte. Was dabei entsteht ist ein wirklich furchtbares Bild. Und womit man zurückbleibt ist das quälende Bild eines Mannes, der buchstäblich von seinem eigenen Imperium verzehrt wird – ein Imperium, das er selbst schuf, was aber letztlich größer wurde, als er selbst, und zu groß, um es noch selbst kontrollieren zu können.

Weil Whitfield und Beards Erfahrungen auf diese letzten zwei-einhalb Jahre, in denen sie ihn kannten, begrenzt sind sollten wir auch bedenken, dass ihr Portrait von Michael nicht ein definitives ist, und das sollten wir auch nicht erwarten. Wir müssen einige Dinge aus dem richtigen Blickwinkel sehen. Der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten, war ein Mensch, der gerade aus einer Art Exil zurückkam, nachdem er etwas durchgemacht hatte, was zu den traumatischsten Erfahrungen gehört, die man als Mensch durchmachen kann. Michael leidet immer noch unter post-traumatischem Stress, verursacht nicht nur durch den Prozess und die Beschuldigungen, sondern auch durch die jahrelange negative Presse; durch all die Jahre, in denen die Welt ihn als „Wacko-Jacko“ wahrnahm, durch jahrelange Konfrontation mit Gerichtsverfahren, Aasgeiern und Druck. Seine Kreativität war nicht ausgebrannt, aber was sein Leben betraf, war er zu diesem Zeitpunkt sehr ausgebrannt. Solche post-traumatischen Belastungsstörungen, die bei jedem, der solches durchgemacht hat, verständlich wären, sind sicher eine Erklärung dafür, warum Michael zu diesem Zeitpunkt sich und seine Kinder von der Welt isolieren wollte. Er wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Wie er es immer wieder sagte, er wollte in Ruhe gelassen werden und einfach sein Leben mit seinen Kindern geniessen.

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Michaels Isolation wird zu einem zentralen Thema des Buchs. Wie ich schon vor ein paar Jahren sagte, als ich eine Review zum Buch von Dr. Moriarty schrieb, ist der qualvollste Aspekt dieser Geschichte, vielleicht der des allein erziehenden Vaters und seinen Kindern, deren Leben durch die Umstände zunehmend eingeschränkt wird. Ihre Existenz hat sich von der ausgedehnten Freiheit auf einem 2700-acre Anwesen, über ständig wechselnde Hotelzimmer und gemietete Häuser bis hin zu einem beengten Wohnort entwickelt, wo man nicht einmal mehr im Pool schwimmen konnte, ohne dass man von den Nachbarn beobachtet wurde. Und jeder, der das liest und sich denkt „Naja, das ist immer noch besser, wie das Leben, was ich meinen Kindern bieten kann – ich habe nicht mal einen Pool!“ sollte es nocheinmal überdenken. Das hätte auch mein erster Gedanke sein könen. Bis du einen Bericht aus erster Hand darüber bekommst, wie es sich anfühlt, noch nicht einmal in der Lage zu sein, einfach bei Chuck E Cheese an einem Tisch zu sitzen, um den Geburtstag deiner Tochter zu feiern, oder nebenan in einem geparkten Auto sitzen zu müssen, damit du aus der Distanz deine Kinder beim Spielen beobachten kannst. Dieses letzte Bild verfolgt mich, seitdem ich das Buch geschlossen habe. Es ist nicht so, dass mir diese Aspekte von Michaels Leben nicht bewusst gewesen wären. Nur manchmal bedarf es eines guten Autors oder Erzählers, der dich genau in einem solchen Moment mitnimmt – und dich fühlen lässt, wie es ist, dort mit Michael in dem geparkten Auto zu sitzen und deine Kinder nur aus der Entfernung beobachten zu können – das macht es wirklich greifbar. Michael Jackson, der Mann der so viel Zeit seiner Kindheit damit verbrachte, anderen Kindern beim Spielen auf Spielplätzen zu sehen zu müssen, kann jetzt nur in einem geparkten Auto sitzen, und durch einen Spalt im Fenster seinen eigenen Kindern aus der Ferne beim Spielen zu sehen.

Noch schlimmer ist die Vorstellung, nicht zu wissen, ob du mit deinen Kindern eine ruhige Nacht unter dem eigenen Dach verbringen kannst – oder ob du plötzlich von einem Warnruf deiner Security aus dem Schlaf gerissen wirst, die dir sagt, dass du dich mit deinen Kindern sofort in Sicherheit bringen musst, weil es eine Drohung gab.

Michaels Kinder hatten sicherlich jeder Art materiellen Besitz. Und solange ihr Vater lebte, hatten sie einen Mittelpunkt, ein Elternteil, von dem sie wussten, dass er immer für sie da sein würde. Aber sieht man von den Spielsachen und den materiellen Dingen ab, war das die Art, auf die sie lebten, und man kann erkennen, wie es ihren Vater innerlich zerfrisst. Welche Eltern wollen ihren Kinden nicht ein sicheres Leben bieten? Das war es, was Michael seinen Kindern in diesen letzten Jahren nicht bieten konnte – diese Sache, die seine Kinder mehr brauchten als alle Spielsachen von FAO-Schwarz zusammen – das war es, was ihn innerlich zerfrass.

Das war der Mann, den Whitfield und Beard kennenlernten – ein Mann der durch furchtbare Ereignisse seines Lebens traumatisiert war, und der um das Wohl seiner Kinder kämpfte um alles zusammenzuhalten. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass er sich vom Leben zurückziehen wollte. Sich Zurückzuziehen ist ein natürlicher Instinkt, wenn man unter post-traumatischem Stress leidet. Auch wenn Beard und Whitfield oft zumindest zum Teil andere beschuldigen, an Michaels Isolation schuld zu sein, frage ich mich doch, ob es nicht auch bis zu einem gewissen Grad ein Ergebnis der Signale war, die Michael in die Welt aussendete. Anders gesagt, wenn genug Leute spüren – und den Hinweis laut und deutlich bekommen – dass du einfach nur in Ruhe gelassen werden willst, werden sie letztlich irgendwann ganz genau das tun. Sie werden dich in Ruhe lassen. Ich habe das Gefühl, dass Michael während dieser Zeit nicht ausdrücklich versuchte, andere zu erreichen – aber es könnte auch sein, dass er es zu diesem Zeitpunkt auch einfach nur satt hatte, es zu versuchen. Ein Mensch, der immer wieder gegen eine Wand rennt, gibt es letztlich auf.

Die zwei Männer gaben auch mehrmals an, dass der Mann, den sie „Boss“ nannten nicht zwangsläufig der gleiche war wie der, der als King Of Pop bekannt ist. (das war ein anderer Typ, eine andere Person. Eine, die sie nur zu bestimmten Gelegenheiten sahen, wie z.B. beim Vogue- und Ebony-Shooting, oder wenn er für eine Gruppe Fans „Michael“ wurde.) Er war auch ein anderer, als der Sohn oder Bruder, den seine Famile kannte, oder der Freund, den viele seiner Musikerkollegen beim Memorial priesen. Sie sagen, der Michael, den sie kannten war anders. Und einer der schmerzlichsten Momente des Buchs ist ziemlich am Ende, als Whitfield beim Memorial sitzt, aufgebracht durch die Scheinheiligkeit, die er überall um sich herum sieht. Da gab es viel zu viele, die nur dort waren, um gesehen zu werden; die nicht aufrichtig trauerten. Aber unter den Hunderten, die dort waren, nur weil das Memorial ein trendiger Ort war, wo man an diesem Tag gesehen werden musste, waren auch ein paar wirklich trauernde – die Familienmitglieder, die einen Sohn, einen Bruder verloren hatten, die Kinder, die den Vater verloren hatten, die Fans, die ihn wie ein Familienmitglied liebten, ein paar wirkliche, langjährige Freunde aus dem Musikgeschäft, wie Berry Gordy; ein paar Entertainer, die vielleicht wirklich um den Verlust eines Helden und Mentors trauerten; ein paar Frauen, so wie „Friend“, die ihn als Liebhaber und als Freund gekannt hatten… und dann war da Whitfield selbst, irgendwie ein Aussenseiter, der immer noch versuchte, sich über seine Rolle in Michaels Leben klar zu werden, und mit den vielen damit verbundenen Emotionen.

Schliesslich war das der Mann, der auch eingesteht, dass er, als Michael ihn anrief um ihm zu sagen, er brauche ihn in LA, irgendwie gehofft hatte, dass es vielleicht nur eine weitere vorübergehende Laune von ihm sei – „so, wie er mich beauftragte, ein Riesenrad oder einen Hubschrauber-Simulator für ihn zu finden. Ich wartete ein paar Tage bevor ich danach sah, um heraus zu finden, ob er die Idee fallen lies oder ob er wieder davon sprechen würde… Und so ging es mir auch, als er mich anrief, damit ich nach LA kommen sollte. Es schien nicht dringend. Das ist, was ich darüber dachte. Ich dachte, wenn es wichtig ist, dann wird er wieder anrufen. Er rief nicht wieder an.“ (Auszug aus ‘Remember The Time’, S. 295)

Es war Mitte Juni 2009, als Whitfield diesen Anruf erhielt. Wir alle wissen, wie die Geschichte endete.

Natürlich ist dieses Buch polarisierend, so wie anscheinend alles, was heutzutage über Michael veröffentlicht wird. Aber die meisten Kritiken scheinen aus den drei Fraktionen zu kommen – diejenigen, die eine bestimmte Agenda haben (so wie z.B. entweder pro-Estate oder anti-Estate), die automatisch jedes Buch niedermachen, welches für ihre Begriffe die falschen Leute kritisiert; dann diejenigen, deren Reaktionen auf sensationellen Tabloid-Geschichten basieren, und diejenigen die es so empfinden, dass jedes Buch – geschrieben von jemand der Michael kannte, oder für ihn arbeitete – einen Betrug darstellt, unabhängig vom Inhalt.

Ich versuche auf die Bedenken von allen drei Gruppen einzugehen. Ich kann aufrichtig sagen, dass ich, – als jemand der selbst keine Agenda hat, der nicht einer Gruppe ‘pro-’ oder ‘kontra-’ irgendwas angehört – nicht an irgendwelche versteckte Absichten bei diesem Buch glaube, ausser dass die Autoren fühlten, dass diese Geschichte erzählt werden sollte. Raymond Bain und einige andere bekommen in diesem Buch sicherlich ihr Fett weg. Aber die Bodyguards beschränken ihre persönliche Kritik auf diejenigen, mit denen sie direkt zu tun hatten, und Raymond Bain war ihre Ansprechpartnerin während ihrer Beschäftigungsdauer bei Michael und Grund für viel Verdruss, insbesondere, als sie monatelang nicht bezahlt wurden. Dieses Buch lässt einen sicherlich mit einem üblen Nachgeschmack hinsichtlich Raymond Bain zurück, die sich anscheinend selbst auf Michaels Kosten mit großzügigen Wohnungen in Vegas belohnte – natürlich ohne sein Wissen. Das ist eine Vorgehensweise, die sich tragischerweise durch das ganze Buch hindurch wiederholt. Die Namen ändern sich, aber die Verhaltensmuster und Vorgehensweisen bleiben gleich.

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Dieses Buch scheint in vieler Hinsicht im starken Kontrast zu einem anderen MJ-Buch dieses Sommers zu stehen: „Michael Jackson Inc.“ von Zack Greenburg, welches Michaels brillante Business-Instinkte beleuchtet und beschreibt, wie er sein Imperium aufbaute und ihm auch den Großteil seines Erfolgs auch nach seinem Tod anschreibt. Das birgt eine oft gestellte Frage: ‘Wie kann es sein, dass ein Mann, der ein Multimillionen-Dollar Imperium aufbaute – der Mann, den Michael Jackson Inc. beschreibt – der gleiche Mann ist, der in Remember The Time als jemand beschrieben wird, der knapp an Bargeld ist (wenn auch immer noch sehr wohlhabend am Papier) und der anscheinend die Kontrolle über sein Geld verloren hat?

Ich habe über diese Frage selbst lange nachgedacht. Aber ich glaube, diese beiden anscheinend sehr unterschiedlichen Seiten Michaels – oder seiner Geschichte – schliessen sich nicht zwingend gegenseitig aus. Sie sind eher die extrem gegensätzliche Seiten der gleichen Realität. In seiner Jugend war Michael nicht zu stoppen, nicht zu übertreffen – ein musikalisches Genie, mit messerscharfen Geschäfts-Instinkten, der immer die Kontrolle über sein Imperium und die Leute, die es führten, hatte; der auf clevere Weise seine Anziehungskraft nutzte, damit seine Vorstellungen umgesetzt wurden. Er war der Mann, der 1990 genügend Macht und Einfluss in der Musikindustrie besaß, um fast alles auszuhandeln was er wollte – und er tat es, mit dem bis dahin lukrativsten Plattenvertrag der Musikgeschichte. Und all das geschah zusätzlich zu seinem Kauf des ATV Katalogs und der späteren Fusion zu Sony/ATV.

Aber der Mann, für den Whitfield und Beard arbeiteten, war ein anderer, einer, der emotionale Traumen durchgemacht hatte und sich als Ergebnis davon zurückgezogen hatte. An diesem Punkt schien es, dass Michaels Art, mit dem Chaos seines Lebens umzugehen (denn das war, was zu dem Zeitpunkt daraus geworden war), darin bestand, unangenehme Situationen und unangenehme Personen, von denen er nicht belästigt werden wollte, zu ignorieren. Es schien leichter, alles zu verweigern und zu hoffen, es würde auf magische Weise von selbst verschwinden, oder dass die Leute, denen er darin vertraute es verschwinden zu lassen, ihren Job erledigen würden.

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Auch wenn das schon immer eine Art Muster in Michaels Leben war (schliesslich hatte er seit dem Alter von 10 Jahren immer Leute um sich, die Dinge aushandelten, oder sich um seine Belange kümmerten) scheint es sich dann durch die Traumen und Krisen von allem, dem er ausgesetzt war, verschlimmert zu haben. Besonders eine Passage im Buch hat mich sehr getroffen, weil diese Stelle den Nagel auf den Kopf trifft, wie und warum Michael so anfällig für Gerichtsprozesse wurde – und sie erklärt auch ganz gut, warum ein unschuldiger Mann eine Anschuldigung wegen Kindesbelästigung aussergerichtlich beilegte:

… Michael Jackson war wie ein Fliergenfänger für Gerichtsprozesse. Zu jeder Zeit standen buchstäblich hunderte Verfahren gegen ihn aus. Manche waren albern. Vaterschaftsklagen von Stalkern, solche Sachen. Aber viele davon waren ernst zu nehmende, multimillionen-Dollar-Klagen. Dadurch, dass sich keiner für seine geschäftlichen Angelegenheiten mehr zuständig fühlte, wurden Leute nicht bezahlt. Verträge wurden nicht eingehalten. Es lief ganzes Spektrum an Charaktären auf. Ehemalige Manager und Mitarbeiter, die behaupteten Teil von diesem und jenem zu sein, oder dass sie nicht bezahlt wurden, oder dass ihnen ein Teil von etwas zustehe. Leute, die an seinen Alben und Musikvideos gearbeitet hatten, die behaupteten, nicht ihre anteiligen Tantiemen zu bekommen. Ein Problem verfolgte das andere. Ich bekam all diese Dokumente über FedEx, um sie von ihm unterzeichnen zu lassen, ich sah, wie viel Geld zur Tür hinaus ging. Er zahlte Settlements von einer viertel Million, einer halben Million – was immer gefordert wurde. Die Leute verklagen dich für gewöhnlich dann, wenn sie denken, sie können etwas bekommen, und jeder wusste, verklagst du Michael Jackson, bekommst du eine aussergerichtliche Einigung. Die frivolen Klagen hat er angefochten, diesen Vaterschaftsunsinn. Die konnte er abwehren. Aber wenn du einen Anspruch geltend machen konntest, der sich irgendwie für einen Gerichtsprozess eignete? Er würde einfach bezahlen, damit du verschwindest, denn nachdem, was er 2005 durchgemacht hatte, würde er nie mehr im Leben einen Fuß in einen Gerichtssaal setzen.“  ( Auszug ‘Remember The Time’, S. 194)

Natürlich hat das Settlement mit den Chandlers sie nicht abgehalten, einen Strafantrag zu stellen (wenn sie gewollt hätten) und es beendete auch nicht die Ermittlungen in dem Fall. Aber wie Michael es 2003 selbst zu Martin Bashir sagte, wollte er einfach nur, dass diese Sache verschwindet. „Ich wollte nicht, dass es zu einer langen, ausufernden Sache wird, wie bei O.J., es hätte einfach nicht richtig ausgesehen.“

Es scheint, dass Michael in einem scheusslichen Kreislauf gefangen war, dem er nicht entkommen konnte. Je mehr Fälle er aussergerichtlich beilegte, in der Hoffnung, dass sie einfach verschwinden, desto mehr Klagen kamen hinzu.

War es nötig in dem Buch soviel über Michaels Finanzen zu sprechen? Das ist sicher einer der kontroversen Aspekte dieses Buchs, aber ich denke, die Rechtfertigung dafür ist, dass Whitfield und Beard wirklich wollten, dass Leser und Fans wissen sollten, wogegen Michael ankämpfte – und wer dafür verantwortlich war. Sie machen es sehr deutlich, dass sie für vieles, was vor sich ging, nicht Michael verantwortlich machen (sie blieben bei ihm, auch wenn das bedeutete, manchmal Wochen oder gar Monate nicht bezahlt zu werden), auch wenn sie sich manchmal etwas über ihn ärgerten, und sich wunderten, warum er nicht einfach „seinen Mann stand“; warum er nicht einfach den Bullen bei den Hörnern packte und wieder selbst die Kontrolle über sein Geld übernahm. Aber die Momente der Verärgerung waren nur sehr kurzlebig, weil sie mit der Zeit realisierten, dass das für Michael nie wieder so einfach möglich sein würde.

Ausserdem war die Finanz-Diskussion jahrelang Futter für die Tabloids, wobei viel zu viele ignorante Leute behaupteten, es sei einfach das Ergebnis davon, dass er selbst zuviel ausgebe und verschwenderisch sei. Es schien nie in Betracht gezogen zu werden, dass er von genau den Leuten hintenherum ausgenommen werden könnte, die eigentlich in seinem besten Interesse handeln sollten; nie in Betracht gezogen wurde, dass er solange gegeben hatte, bis fast nichts mehr zum geben da war; nicht in Betracht gezogen wurde, dass es dort eine verletzte Seele gibt, die unter dem Gewicht von Rechnungen und Gerichtsprozessen erstickte, wobei sie eigentlich nichts lieber sein wollte, als ein Vogel, frei, um zu singen und zu fliegen. Remember The Time erzählt uns wenigstens diese Seite der Geschichte in all ihren Facetten. Und auch wenn es intrusiv erscheint, ist es wichtig, um Michaels Denkweise während dieser zwei Jahre zu verstehen und die Verzweiflung, die ihn in den Vertrag mit AEG trieb. Es ist wichtig um zu verstehen, warum es im Frühjahr 2009 nicht weniger als drei Leute gab, die behaupteten Michaels Manager zu sein; und alle handelten Geschäfte aus und unterzeichneten in seinem Namen. Es ist entscheidend um zu verstehen wie tief, dunkel und beängstigend das Loch in dem er lebte geworden war.

Die Kehrseite davon ist natürlich, dass die Medien Auszüge aus dem Buch völlig aus dem Kontext nehmen, um daraus etwas sensationelles zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Artikel von Peter Sheridan (UK) der die Abschnitte über Michaels „geheime“ Freundinnen „Flower“ und „Freund“ völlig falsch darstellte:

Sie beharren darauf, dass trotz aller Vorwürfe der Pädophile – welche sie abweisen – Jackson sich zu Frauen hingezogen fühlte. Sie eröffnen, dass er geheime Rendezvous mit zwei Frauen genoss  denen er die Codenamen „Friend“ und „Flower“ gab. Laut Whitfield war letztere umwerfend schön, und hatte einen osteuropäischen Akzent. Die Bodyguards fuhren herum, während Jackson am Rücksitz seiner Limo Sex hatte. „Wir hatten einen Vorhang, der den Rücksitz abschirmte, du konntest den Rücksitz nicht einsehen,“ sagt Whitfield, der immernoch ihre lauten Geräusche hört. Jackson war immer aufgeregt, wenn Friend in die Stadt kam und schickte seine Bodyguards um ihr verschwenderische Geschenke in Läden wie Tiffanys zu kaufen. Flower kam ein paar Tage, nachdem Friend abgereist war und Jackson hat seine heimliche Sex-Session wiederholt…“ (Auszug Artikel Sheridan)

http://www.express.co.uk/news/showbiz/479900/Michael-Jackson-bodyguards-book-briefcase-woman-credit-card

Und jetzt, was  Beard wirklich im Buch schrieb: „Als Friend wieder kam, sagte Mr. Jackson eines Nachts, er wolle mit ihr nach D.C. fahren. Er wollte sich das Lincoln Memorial ansehen und ein paar der anderen Sehenswürdigkeiten. Also machten wir das Auto fertig. Es war etwa um Mitternacht. Grace blieb bei den Kindern, ich und Bill holten mit Mr. Jackson Friend von ihrem Hotel ab und fuhren in die Stadt. Während wir fuhren, waren sie hinten im Wagen und unterhielten sich und flüsterten. Der Vorhang war geschlossen und wir hatten das Radio angestellt, damit sie ihre Privatsphäre haben konnten. Wir parkten den Wagen etwa ein-einhalb Blocks vom Washington Monument entfernt. Von dort mussten wir laufen. Als wir ankamen, stellte ich das Radio leiser um Mr. Jackson zu sagen, dass wir angekommen waren, und alles was wir hörten, waren schmatzende Lippen hinter diesem Vorhang. Ich kannte das Geräusch genau. Ich wollte sie nicht stören, deshalb hustete ich etwas und sagte: „Mr. Jackson? Mr. Jackson, wir sind da.“  (Auszug aus Remember The Time, S. 178)

Was dort offensichtlich als ein wenig harmlose Knutscherei auf dem Rücksitz beschrieben wird, wurde dann, als der Textauszug in den Medien erscheint, groß aufgeblasen um es nach einer Orgie aussehen zu lassen! Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Medien absichtlich den Inhalt verdrehen und manipulieren, aus reiner Sensationsgier.

Aber unabhängig davon, wie jemand es empfindet, dass diese Art Information enthüllt wird, wurde ein sehr wichtiger Punkt von den Bodyguards selbst dazu genannt. Wäre es irgend ein anderer Pop-Star gewesen, der sich mit einem heissen europäischen Modell in einem Hotel getroffen hätte, wäre es einfach nicht anders zu erwarten gewesen, und keiner würde deshalb eine Augenbraue hochziehen. Es wäre einfach „normales“ Verhalten eines Pop-Stars. Geht es aber um Michael Jackson, versuchen die Medien es immer als bizarres Verhalten zu verkaufen.

Und ich muss auch noch sagen, dass jeder Tag, an dem „Michael Jackson hat Sex mit einer Frau am Rücksitz“ das schlimmste ist, was ein Tabloid über Michael Jackson schreibt, eigentlich ein guter Tag ist. Diese Geschichten, konträr zu der Absicht, mit der sie verdreht werden, dienen letztlich trotzdem dazu, Michael menschlich zu machen und ihn vor den Augen der Welt „normal“ aussehen zu lassen. Wie die Bodyguards es ausdrücken, bedeutete für sie all das nur, dass er ein normaler Typ war, der einfach nur die Dinge tun wollte, die normale Typen tun.

Remember The Time Cover

Wirft das Buch neues Licht auf Michaels manchmal kompliziertes Verhältnis zu seiner Familie? Ich würde sagen, nicht wirklich. Höchstens, dass man überrascht ist zu erfahren, dass Michael ausdrücklich anordnete, seine Familie nicht herein zu lassen (ausser Katherine) und dass er einmal, als Joe unangemeldet auftauchte, sagte, er wolle ihn nicht sehen, wenn er keinen Termin habe. Nur „warum“ Michael mit seiner Familie so hartnäckig nichts zu tun haben wollte, wird nie erklärt, größtenteils deshalb, weil Whitfield und Beard es nicht wirklich wussten  ausser dass es das war, was der „Boss“ angeordnet hatte und es ihr Job war, jeden draussen zu lassen, den Michael nicht hinein lassen wollte ohne Fragen dazu zu stellen. Man kann nur Vermutungen anstellen; allerdings machen die Bodyguards deutlich, dass ihre Einstellung zur Jackson Familie neutral ist. Obwohl zu Randy doch deutlich beschrieben wird, nur aus einem Zweck aufgetaucht zu sein – „um mein Geld zu bekommen!“ – und sie zu Jermaine sagen, dass er für gewöhnlich „nach etwas angelte“, wird es nie klar, ob andere Besuche mit schändlichen oder harmlosen Absichten geschahen. Zumindest bei ein paar dieser Vorfälle scheint es sich um geplante Interventionen gehandelt zu haben. Sie hatten gehört, ihr Bruder sei „krank“. Michaels Reaktion war für gewöhnlich „Sag ihnen, es geht mir gut.“ Das scheint wenigstens den von der Familie oft gemachten Behauptungen etwas Glaubwürdigkeit verleihen, dass sie versucht hätten um Michaels Willen Interventionen durchgeführt zu haben, sie aber nie zu ihm durchkommen konnten.

Jackson Family

Hinsichtlich des angespannten Verhältnis Michaels zu seiner Familie in seinen letzten Jahren, wirft das Buch mehr Fragen auf, als es beantwortet – und das wiederum deswegen, weil Whitfield und Beard diese Antworten nicht haben. Es war sicher nicht eine Sache, über die sie mit ihrem Kunden gesprochen hatten. Sie haben ausgeführt, was ihnen gesagt wurde. Mein Eindruck war der, dass Michaels Burn-Out und sein Verlangen, einfach die Welt aus zu blenden, sich zu dem Zeitpunkt auch auf seine Familie ausgedehnt hatte. Ihre Anwesenheit bedeutete für gewöhnlich, sich wieder mit unerfreulichen Dingen auseinander setzen zu müssen, und Michael brauchte zu der Zeit einfach kein weiteres Drama.

Aber es ist interessant, wie die Familie jedes mal, wenn sie zu diesem Thema befragt wird sagt, dass es dort Leute gab, die versuchten sie von Michael fern zuhalten. Whitfield und Beard haben nur ihre Anordnungen ausgeführt, aber sie repräsentierten die Torwächter; sie waren die Puffer zwischen Michael und allem, mit dem er nichts zu tun haben wollte. Ich habe gehört wie einige Mitglieder der Jackson-Familie sagten, wenn sie dann doch bis zu Michael vor gedrungen waren, und ihm sagten, dass man ihnen gesagt habe, er wollte sie nicht sehen, hätte er immer geschockt reagiert und gefragt „Wirklich? Wer hat das gesagt?“ Es wäre tragisch, wenn all das nur durch einen Kommunikations-Fehler entstanden wäre, aber es ist wohl wahrscheinlicher, dass Michael nicht die Gefühle seiner Familie verletzen wollte indem er ihnen direkt sagte, er wolle sie nicht sehen. Es war einfacher, wenn diese unschöne Arbeit von anderen für ihn übernommen wurde. Das erste, was Joe Jackson angeblich zu Whitfield sagte war nicht „Hallo“, sondern „Sie müssen einer von denen sein, die meinem Sohn Nadeln in den Arm stecken.“ Solche Anmerkungen fallen öfters in dem Buch, wie scharfe Bomben, werden aber nie weiter ausgeführt. Woher z.B. kamen Joes Verdächtigungen? Von Bekannten? Den Medien? Wusste er etwas, was die Bodyguards nicht wussten? War er einfach nur paranoid?

Eine der Schwächen des Buchs ist, wie ich schon zuvor erwähnte, dass wir immer noch keinen Bericht aus erster Hand darüber bekommen, was passierte, nachdem Michael Las Vegas verlassen hat und für die TII-Proben nach LA umgezogen war. Wie sie sagen, hatte zu dem Zeitpunkt überwiegend Michael Amir Michaels Aufmerksamkeit, und es gab die Three Stooges… bzw: „die drei Manager“ – Thome, DiLeo und Leonard Rowe, die alle drei gleichzeitig in Michaels Namen handelten, und nicht zu vergessen, ein völlig neues Security-Team und natürlich Dr. Murray.

Zu Murray wird in dem Buch nicht allzu viel gesagt, wenn man bedenkt, dass er derjenige war, der die tödliche Dosis in Michaels Venen spritzte; nur dass er kurzzeitig in Las Vegas der Arzt der Kinder war und dass Michael wollte, dass AEG ihn für die TII-Proben und die Tour anstellte (das sind ihre Worte, nicht meine). Die Ereignisse vom 25 Juni 2009 und die Details aus dem Report der Gerichtsmedizin werden oberflächlich angesprochen und sie bieten Murrays Timeline der Ereignisse laut der offiziellen Aussage, die er bei der Polizei ablegte, ohne auf die gewaltigen Abweichungen und Lücken hinzuweisen, die diese Timeline hat und die in der Gerichtsverhandlung zum Vorschein kamen, oder auf Murrays 17 ungeheuerlichen Abweichungen vom medizinischen Standard, wie sie von Dr. Shafer gensannt wurden, einzugehen. Der einzige Einwand, der an dieser Stelle von Whitfield gemacht wird, ist sein emotionaler Kommentar dazu, dass er nie verstehen wird, warum Michael so spät ins Krankenhaus gebracht wurde:

Später, als ich den 911- Notruf hörte, hörte ich, wie sie am Telefon sagten, „Wir haben einen Herrn hier. Er atmet nicht.“ Vergesst das! Ich hätte ihn ins Auto geworfen und ihn selbst ins Krankenhasus gebracht. Es war nur ein paar Meilen weg. Ich hätte ihn da raus geholt. Er atmet nicht? Dann los! Wir fahren los! Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich wirklich dort gewesen wäre. Vielleicht stelle ich mir jetzt nur vor, wie ich reagiert hätte, aber ich glaube wirklich, ich hätte nicht einfach da gesessen und auf den Notarzt gewartet.“ (Bill Whitfield, Auszug Remember The Time S. 301)

Abgesehen von diesen emotionalen Worten wird Murrays Beteiligung und Verantwortung seltsam neutral behandelt, und es scheint Dr. Karen Moriartys Ausage zu stützen, die sie in ihrem eigenen Buch im Kapitel „The Black Door“ macht: „Wir hatten Dr. Murray betreffend eine andere Meinung, und ich habe unverändertere Wutgefühle zu Murrays Rolle beim Tod von Michael Jackson.“ Das war schliesslich – unter anderem – eines der Probleme, was dazu führte, dass man getrennte Wege ging, und zwei verschiedene Bücher schrieb.

Nicht, dass sie jemals angeben würden, Murray sei unschuldig, oder habe es nicht verdient, verurteilt worden zu sein. Aber indem sie sich rein an Fakten halten, wie denen von Murrays Polizei Befragung, ist das eine seltsam neutrale Sichtweise. Den einzigen Grund, den ich mir dazu denken kann ist, dass sie mit Murray etwas wie ein persönliches Verhältnis aufgebaut hatten, als dieser die Kinder in Las Vegas behandelte. Es war ausserdem auch Beards Cousin Jeff Adams, der Dr.Murray empfohlen hatte. (Murray war Adams Hausarzt), es sieht also so aus, als gäbe es dort ein paar Verbindungen. Vielleicht denken sie auch, wie so viele, Murray sei nur ein Bauernopfer gewesen. Auch wenn ich diese Möglichkeit nie ausgeschlossen habe, spricht das dennoch Murray in keiner Weise von seiner Verantwortung bei Michaels Tod frei.

Das empfand ich als einer der größten Mängel des Buchs. Wenn jemand das Buch kauft, um neue Details über Michaels letzte Wochen, oder die Tage vor seinem Tod zu erfahren, wird er enttäuscht sein, denn in der Sache gibt es nicht viel Neues.

June 24 Michael

Mir kommt dazu auch noch ein anderer verwirrender Gedanke. Könnte es sein, dass, wenn Michael Whitfield und Beard in dem Masse vertraute, wie sie es im Buch sagen, er dieses Vertrauen auch auf Murray ausgedehnt hatte, der ihm ja schliesslich in Verbindung mit ihrem Angestelltenverhältnis empfohlen worden war? Ich bin mir sicher, dass Adams es gut meinte, als er Murray empfahl (der bis dahin ein unbescholtener Arzt war, und es deshalb kein Grund gab, ihm zu misstrauen, und sicherlich konnte auch keiner die Tragödie vorhersehen, die letztlich dieser Empfehlung folgte.) – und dennoch ist es eine verstörende Sache, die man nicht einfach unter den Teppich kehren kann.

Das Buch bestätigt jedoch auch etwas zu Michaels Schlaflosigkeit, das ich mir immer so gedacht hatte. Es war für ihn nur dann ein Problem, wenn er unter Stress stand, oder wenn er sich an strenge Terminpläne halten musste. Wenn Michael nicht damit belastet war, performen zu müssen, oder einen engen Terminplan einhalten musste, war es kein Problem, die ganze Nacht wach zu sein und dann irgendwann am Tag eine Auszeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen. Die Bodyguards nahmen einfach seine Kinder mit zum Spielplatz und gaben ihm die Zeit, sich zu entspannen. Ohne den Stress von Proben, stellte sich sein Körper von selbst auf den Rhythmus ein, mit dem es ihm gut ging, er brauchte kein Propofol und auch keine der „Behandlungen“ Murrays.

Die Stärke des Buch liegt in dem Kern der Erzählung, die Geschichte über den berühmten allein erziehenden Vater, der darum kämpft, seine Familie zusammen zu halten, trotz großer Hindernisse. Meine liebsten Abschnitte sind diese ersten Szenen im ersten Haus in Las Vegas und später, wenn die Familie in Middleburg, Virginia wohnt (was als Urlaub geplant war und dann zu einem ausgedehnten Aufenthalt am Land wurde.) Das waren einfache, glückliche Zeiten – Michael ging tatsächlich zu Wallmart einkaufen (eine der lustigsten Szenen im Buch); er kaufte Feuerwerkskörper und lies sie mit seinen Kindern draussen am Feld los. Man wünscht sich, das Buch könnte diese Zeit einfrieren und dort, in diesen kleinen Augenblicken, wo wir ihn am glücklichsten erleben, stehen bleiben.

Sind solche Bücher ein Vertrauensbruch? Sicher gibt es zu dieser Frage keine einfache Antwort. Diese Jungs arbeiteten für Michael Jackson. Viele der kleinen Sachen, von denen sie Mitwisser geworden sind – auch so scheinbar harmlose Dinge, wie ein Vorrat an Tabasco Sosse oder das Feuerwerk abbrennen mit den Kindern – waren Dinge, die Michael für sich und die Kinder behalten wollte. Wir können uns wohl nur vorstellen, was er über das Enthüllen der „geheimen“ Freundin gedacht hätte. Oder die Peinlichkeit, wenn jeder weiß, seine Kreditkarten waren nicht gedeckt. Der allererste Satz im Buch lautet:

Du würdest dieses Buch nicht lesen, wenn Michael Jackson noch leben würde.“

Das ist zweifelos wahr. Ich verstehe die Funktion dieses Statements. Es ist wie: ‘Ok, wenn du das eingestehst und das Buch auch schon besitzt, dann warst du zumindest schneller als andere.’

Aber hier ist die Realität. Michael ist gegangen, und in der durch seinen Tod entstandenen Leere, würden es zum großen Teil nur die Tabloids sein, die seine Geschichte erzählen würden, wenn es nicht ehrliche Bücher wie dieses gäbe, die sich dem Müll entgegenstellen. Wir könnten sagen, alles was zählt – oder zählen sollte – sind seine Songs, seine Kunst, seine humanitären Leistungen. Wir können das solange wiederholen, bis wir blau im Gesicht werden, aber es wird auch dann nichts an der Tatsache ändern, dass es einen unersättlichen Markt für Tratsch und Klatsch gibt. Fakt ist, es wurden (und werden) hunderte von Büchern über Michaels Leben geschrieben. Manche davon sind absoluter Müll, in denen Michael unter ein Mikroskop gelegt wird, und wie eine Spezie studiert wird, anstatt dass er als komplexe Person, Künstler, Mann, Vater und Mensch verstanden werden würde. Bücher von Fans – wenn auch oft besser recherchiert und wirklichkeitsnäher als die Angebote der großen Verlage – werden nur selten vom Mainstream ernst genommen. Bei Büchern von neutralen Journalisten heisst es oft „aber sie haben ihn ja nicht mal gekannt.“ Und Bücher von Freunden und Mitarbeitern – die ihn kannten – werden oft als Betrug angegriffen, auch wenn sie wohlwollend sind.

Unter den Umständen wird es unmöglich, es jedem Recht zu machen. Ich denke aber, dass Bücher wie dieses wesentlich dazu beitragen, die Geschichte und (oft falsche) Wahrnehmung Michaels in der Öffentlichkeit zu verändern. Wir können natürlich nicht alles auf einmal haben. Es kann sein, dass wir für jeden Bericht, der ihm zugute kommt, ein paar inhaltliche Mängel an anderer Stelle in Kauf nehmen müssen. Michael war nicht perfekt, und ein Bericht aus erster Hand, der ihn so portraitieren würde, wäre zwangsläufig eine Lüge. Trotzdem – wenn wir ein paar Mängel akzeptieren (ok, er gab gerne Geld aus, sammelte manchmal seltsame Dinge wie Puppen und Tabasco Sosse, – ja und?) ist die Belohnung dafür, dass wir einen aussergewöhnlichen Mann und Vater kennenlernen, der mit seinem Leben und seiner Musik Berge versetzte, und der beherzt darum kämpfte das zu behalten, was ihm am wertvollsten war, trotz allen Hindernissen die sich ihm in den Weg stellten.

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DAS ist die Geschichte, die das Buch versucht zu erzählen. Es wird dich mit den guten Momenten zu Lachen bringen und mit den süßen zum Lächeln. Aber alles in allem wird man mit einem Gefühl der ohnmächtigen Wut zurückgelassen werden, darüber, dass das friedliche Leben und der Seelenfrieden, nachdem Michael sich in seinem Leben so verzweifelt sehnte, nie ein realistisch erreichbares Ziel war.

Nicht solange man noch einen Dollar mehr mit ihm machen konnte, und noch ein paar gnadenlose Forderungen stellen konnte.

………………………..

Übersetzung: M.v.d.L.

Interview mit den Bodyguards Bill Whitfield und Javon Beard – Autoren von ‘Remember the time – Protecting Michael Jackson in his final days’

Übersetzung des MJJC-Interviews mit Bill Whitfield und Javon Beard:

http://www.mjjcommunity.com/forum/threads/133116-MJJC-Exclusive-Q-amp-A-with-Bill-Whitfield-and-Javon-Beard-authors-of-Remember-The-Time-Protecting-MJ?p=4016465#post4016465

Remember The Time Cover

 

MJJC: Was hat sie dazu bewogen, ein Buch zu schreiben?

Bill & Javon: Wir schrieben ‘Remember the time“, weil wir über Michael Jackson, wie wir ihn kannten, eine Geschichte zu erzählen hatten. Bist du Michael Jackson Fan und Unterstützer, dann hast du verdient, ihn von einer mehr persönlichen Seite zu kennen, nicht nur zu wissen, wer er war sondern auch was er als Mensch und Vater mitgemacht hat. Du hast einen wahren Bericht von denjenigen verdient, die dabei waren, und nicht von denen, die nur wiedergeben, was sie aus zweiter Hand gehört haben.

Wir haben lange Zeit damit gekämpft, ob wir ein Buch schreiben sollten, oder nicht. Grundsätzlich stimmen wir denen zu, die sagen, Mr. Jackson sollte sein Privatleben haben, und er sollte in Frieden ruhen. Aber letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass seine Fans verdienen, etwas darüber zu erfahren, und dass es hoffentlich für einige etwas abschliessen lässt und anderen ein Stück Wahrheit bringt. Wir fühlten auch die Verpflichtung, der Welt über unsere Zeit mit Michael Jackson zu berichten, denn es gibt sonst keinen, der diesen Teil der Geschichte erzählen könnte. Während der Zeit, die Mr. Jackson in Las Vegas verbrachte – ab seiner Rückkehr aus Irland bis zum Beginn von This Is It – waren einfach nicht viele Leute um ihn herum. Sehr oft waren es nur wir, Mr. Jackson und die drei Kinder. Mr. Jackson wurde die Möglichkeit genommen, seine Geschichte selbst zu erzählen, und die Kinder waren zu jung, um wirklich viel über das zu wissen, was zu der Zeit vor sich ging. Bleiben nur wir. Wenn die Welt je ganz verstehen will, was diesem geliebten und unbeschreiblichen Mann passierte, ist das die Geschichte, die erzählt werden muss. Wie Michael Jackson starb wissen wir schon. Unser Ziel ist es, den Leuten zu helfen zu verstehen, warum.

MJJC: Wie lange hat es gedauert, das Buch zu schreiben? War es eine Herausforderung, die Erfahrung, Michael Jackson zu beschützen, in Worte zu fassen? Erzählt uns darüber.

B & J: Der längste und schwerste Teil dieses Prozess’ war es, einen Verleger zu finden, der unsere Herangehensweise und unsere Philosophie verstand. Als er noch lebte war Mr. Jacksons Leben voller Geier, die ihn in jeder möglichen Weise ausnutzen wollten. Wir sahen das, als wir mit ihm zusammen waren und auch als er gestorben war, an der Art, wie Leute an uns wegen unserer Geschichte herantraten. Es gab einen fast zweijährigen Prozess, in dem wir versuchten, mögliche Leute für eine Zusammenarbeit zu befragen. Als wir die richtigen Partner gefunden hatten, Leute denen wir vertrauen und mit denen wir uns wohl fühlten, dauerte das eigentliche Schreiben des Buchs etwa ein Jahr. Wir verbrachten einige Tage damit, nur zusammen zu sitzen, uns zu erinnern und einfach unsere Geschichte zu erzählen, und verbrachten dann die nächsten Monate damit, stundenlang am Telefon die Kapitel durchzugehen, Edits  zu machen und so weiter.

Am Anfang war es schwer, über unsere Erfahrungen zu sprechen. Oft machte uns der Gedanke wütend, „Gab es da noch mehr, was wir hätten tun können?“ Es war schmerzhaft einige der schlechten Dinge, die ihm zustiessen, wieder zu durchleben. Oft hatte er nicht seinen Frieden finden können, weil er von den Medien so übel portraitiert wurde und weil es so viele Menschen gab, denen er nicht trauen konnte. Wir wollten ihn immer davor schützen, aber es gab Dinge, die konnte man nicht kontrollieren. Aber je mehr wir schrieben, und je mehr Augenblicke mit Mr. Jackson wir wieder durchlebten, um so sicherer wussten wir, das Richtige zu tun.

MJJC: Die meisten Bücher über Michael sind mit viel Sensationsgier geschrieben. Ihres nicht. Warum ist das so und warum haben sie sich zu einer anderen Art Bericht entschieden?

B & J: Sensationsgier ist genau das Gegenteil von dem, was wir schreiben wollten. Erstens war unsere Zeit mit Mr. Jackson nicht „sensationell“, weder im Guten noch im Schlechten. Es gab keine großen Tabloid-Skandale, aber auch keine ausverkauften Stadien-Konzerte. Der Großteil der zweieinhalb Jahre mit Mr. Jackson waren eine ruhige Zeit, in der er überwiegend darauf fokussiert war, seine Kinder groß zu ziehen und ihnen ein Zuhause zu geben. Es gab viele Spannungen und Dramen mit seiner Familie und mit geschäftlichen Dingen, aber kein großes Spektakel, so dass unsere Geschichte eine Chance bietet, zu erkennen, wie der Mensch abseits der Kameras wirklich war. Wir sagen den Menschen immer, ‘wir arbeiteten nicht für den King Of Pop, wir arbeiteten für Michael Jackson.’ Das sind zwei unterschiedliche Personen. Erst ganz am Ende, als die This Is It- Maschinerie in LA startete, merkten wir, dass das Tabloid-Spektakel wieder begann, und nicht auf gesunde Weise. Aber davon waren wir nicht direkt betroffen. Wir blieben in Las Vegas und tätigten ein paar Angelegenheiten von Mr. Jackson dort, und wir sollten ihn in London wieder treffen um dort als Security von seinem gemieteten Anwesen eingesetzt zu werden.

Wir wollten die Geschichte auf diese Art erzählen, in unserer eigenen Sprache, um dem Leser das Gefühl zu geben, als wären sie beim Geschehen dabei. Vieles, was man über Michael Jackson lesen kann, hebt ihn entweder auf ein Podest oder wirft ihn in die Gosse. Wir wollten ein Buch, was ihm den verdienten Respekt zukommen lässt, seine Legacy ehrt, aber auch ein Buch, was auf dem Boden bleibt und ihn als normalen Mensch zeigt, denn das ist, was die meisten Menschen bei ihm missverstehen. Die Tabloids wollen ihn immer als Witzfigur zeigen, aber hinter dem King-Of-Pop-Spektakel war ein menschliches Wesen, voller Liebe und Generosität, der unter Schmerzen und Einsamkeit litt. Wir wollen der Welt den wirklichen Menschen zeigen, denn Michael Jackson verdient es, als Mensch behandelt zu werden.

Wir wählten auch, die Geschichte aus unserer Sicht zu erzählen, um Spekulationen aus zweiter Hand und aufgewärmte Tabloid-Stories, auf die sich andere Michael Jackson Bücher stützen, zu vermeiden. So wie die Medien Mr. Jacksons Leben bis zum heutigen Tag behandelten, glauben wir nichts, was über ihn geschrieben wird, was wir nicht selbst bezeugen können. Ausser dass wir auf einige gut dokumentierte Informationen verweisen (z.B. wie viele Thriller Alben verkauft wurden) und der Erwähnung einiger öffentlich bekannter Fakten (z.B über die Hypotheken auf Neverland) ist das Buch ein Bericht über das, was wir sahen und hörten, und wie unsere Reaktionen und Gefühle dazu waren. Wir wollten es so ehrlich und realistisch wie möglich.

MJJC: Viele Personen in Michaels Vergangenheit nutzen ihre Bekanntschaft oder ihr Arbeitsverhältnis mit ihm dazu, um Geld zu machen. Können sie uns sagen, was ihre Motivation war, dieses Buch zu schreiben?

B & J: Geld war nie unsere Motivation. Wir lehnten Angebote von Tabloids ab, die wollten, dass wir ihnen Dreck und Skandale aus Mr. Jacksons Leben servierten. (Wir hatten nichtmal Dreck, den wir ihnen hätten geben können, denn das ist nicht der Mann, den wir kennen.) Wie wir in der Einleitung des Buchs schreiben, verkauften wir es nicht für eine große Vorauszahlung an einen großen Verleger, der auf Tabloid-Geheimnisse wartet. Wir gingen zu einem kleineren Verlag, der uns eine geringe Zahlung leistete, um die Möglichkeit zu haben, das Buch so zu schreiben, wie wir es wollten. Wir behielten auch nichts von der Vorauszahlung für uns selbst. Wir investierten es darin, sicherzustellen, dass Mr. Jacksons Geschichte richtig geschrieben wurde. Das meiste zahlten wir an einen Schriftsteller, Tanner Colby, ein New York Times Bestseller-Autor, bei dem wir spürten, dass er die Geschichte mit dem gebührenden Respekt behandeln würde. Der Rest diente dazu, verschiedene Ausgaben zu decken, wie Reisen zu den Editoren, Meetings und ähnliche Dinge. An dem Buch werden wir nur verdienen, wenn ihr, die Fans, entscheidet, dass wir gute Arbeit geleistet haben, und wenn ihr dieses Buch unterstützen werdet. Das wird unsere Belohnung sein.

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MJJC: Was dachten sie über Michael, bevor sie für ihn arbeiteten? Hat sich ihre Meinung dadurch verändert?

B & J: Wir waren beide immer große Fans von Michael, auch bevor wir für ihn arbeiteten. Bill hat immer noch sämtliche Singles von den Jackson 5. Javon hatte tatsächlich Smooth Criminal als Klingelton, als er den Anruf bekam, für Mr. Jackson zu arbeiten. Keiner von uns glaubte die Vorwürfe, die gegen ihn gemacht wurden, oder die anderen verrückten Dinge, die die Medien druckten. Er schien immer so nett und sanft-sprechend, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun.

Leider ist es so, wie bei allen Prominenten, deren Leben durch die Tabloids verzerrt wird, dass du zwar nicht glaubst, was geredet wird, aber auch keine persönliche Kenntnisse über sie hast. Als wir dann die Möglichkeit bekamen, für ihn zu arbeiten, achteten wir mehr auf ihn und seine Handlungen, und wir sahen, wie sich die Dinge bestätigten, die wir immer von ihm glaubten. Wir sahen, was für ein verantwortungsbewusster Vater er war und wie er sich um diejenigen kümmerte, die weniger Glück im Leben hatten. Unsere Meinung über ihn hat sich also nicht wirklich geändert, aber es war schön zu erfahren, dass der Michael Jackson, den wir als Fans unterstützten, nicht der Michael Jackson war, den uns die Medien verkaufen wollten.

MJJC: Hatte Michael einen Lieblings-Radiosender, den er hörte, wenn er im Auto/SUV unterwegs war?

B & J: Mr. Jackson hörte im Auto nur klassische Musik. Manchmal, wenn einer von uns das Radio auf einen R&B Sender eingestellt hatte, sagte er, wir sollten es so lassen, aber ansonsten war es so gut wie immer Klassik – mit einer Ausnahme. Einmal lief ein Song im Radio, und nachdem er ihn gehört hatte, lies er uns zu Best Buy fahren, um ihn für ihn zu kaufen. Dann spielte er es immerzu im Auto und sang mit – und er sang diesen Song mit Überzeugung. Das Lied sprach ihn wirklich an, und all das, dem er ausgesetzt war. Aber dazu müsst ihr das Buch lesen.

MJJC: Lud Michael je Fans zu sich nach Hause ein?

B & J: Mr. Jackson lud oft Fans dazu ein, Neverland zu besuchen, aber die Häuser, die er in Las Vegas mietete waren nicht das gleiche. Es waren keine Häuser, die er zeigen wollte. Es waren einfach nur Aufenthaltsorte. Deshalb hatten wir nie Fans dort drinnen. Die meiste Zeit mit Fans verbrachten wir im Auto, am Weg von oder zum Haus. Wir hielten immer an und er grüßte sie und unterhielt sich etwas mit ihnen.

Als er in Las Vegas lebte, sah sich Mr. Jackson nach einem neuen Auto um, und an einem Sommerabend arrangierten wir für ihn eine Testfahrt in einer SUV-Stretch-Limousine. Das Fahrzeug hatte Platz für 16 Personen. Als wir die Ausfahrt heraus fuhren, waren dort etwa 5 Fans vor dem Tor. Mr. Jackson sagte dem Fahrer, er solle anhalten, er kurbelte das Fenster herunter und fragte die Fans, ob sie mitfahren wollten. Er öffnete dann die Tür und sie sprangen hinein. Wir fuhren etwa 45 Minuten herum, und Mr. Jackson unterhielt sich mit den Fans. Auch wenn es für uns als Security nervenaufreibend war, es ging alles gut. Ihm gefiel es, und ihnen auch.

MJJC: Hörten sie Michael je ohne sein Falsetto sprechen?

B & J: Nein. Mr. Jackson sprach immer mit der gleichen, ruhigen, sanften Stimme die er in der Öffentlichkeit benutzte.

MJJC: Michael liebte es, viel zu lesen. Wissen sie, ob er Romane oder Autobiografien oder wahre Geschichten bevorzugte? Falls er Romane las, was war seine Lieblings Thematik?

B & J: Mr. Jackson las quasi alles, was er in die Finger bekam. Wir unternahmen ständig Fahrten zu Barnes & Noble, um in einer Nacht 5 oder 10 Tausend Dollar für Bücher aus zugeben. Falls er bestimmte Präferenzen hatte, konnten wir es nicht feststellen. Wenn es ein Buch gab, das wir ihn regelmässig lesen sahen, war das die Bibel.

MJJC: Können sie uns den Unterschied zwischen dem „öffentlichen“ Michael und dem „privaten“ Michael beschreiben?

B & J: Der „öffentliche“ Michael Jackson war ein Entertainer. Der „private“ Michael Jackson war ein Vater, ein Sohn. Der öffentliche Michael war sehr Image-bewußt. Wenn er wußte, er würde irgendwo hingehen wo es viele Kameras geben würde, lies er seinen Hair-Stylist einfliegen und bekam ein einmaliges Outfit von einem Top-Designer. Er verbrachte 4 – 5 Stunden damit, sich selbst für die Kameras und die grelle Beleuchtung vorzubereiten. Der private Michael liebte es einfach, mit seinen Kindern zusammen zu sein, Filme an zu sehen, Popcorn zu essen und sorglos im Pyjama durchs Haus zu laufen.

MJJC: Können sie einen typischen Tag im Leben von Michael Jackson beschreiben?

B & J: Die geschäftliche Seite von Mr. Jacksons Leben war eine immer fortlaufende Maschine. Durch sein Management und seine Juristen waren seine Tage oft verplant mit Konferenzen, Telefonaten und Meetings. Täglich wurde für Mr. Jackson ein Plan ausgearbeitet, wo er hin musste und mit wem er sprechen musste. Manchmal folgte er dem Termin-Plan und manchmal sagte er, ‘zum Teufel mit dem Plan’ und tat, was er wollte.

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MJJC: Was war beim Schutz von Michael Jackson das beängstigendste was er tat und der Grund, weshalb sie am meisten um seine Sicherheit besorgt waren?

B & J: Um ehrlich zu sein, am Anfang wart ihr das, die Fans. So wie bei jedem Prominenten, für den wir arbeiten, geht es immer darum, die Fans und Massen auf Armlänge entfernt zu halten. Jeder ist eine potentielle Bedrohung. Natürlich war Mr. Jacksons Verhältnis zu seinen Fans anders. Er drehte sein Fenster hinunter und winkte die Leute herbei, um sich zu unterhalten. Als Security ist es normal, dazwischen zu gehen und als Puffer zu dienen, aber Mr. Jackson winkte uns immer zu Seite und sagte „Seid nett zu meinen Fans. Sie werden nie zulassen, dass mir etwas passiert.“ Er wusste, dass seine Fans seine größten Unterstützer und Beschützer waren.

Aber ansonsten und wegen der Schutz seiner Kinder, war Mr. Jackson sehr wachsam über seine Sicherheit. Da er sein Leben lang der berühmteste Mensch der Welt war, wußte er alles über Personenschutz und Privatsphäre, so dass es selten vorkam, dass er sich selbst in eine gefährliche Situation begab. Er dachte auch immer an den Fan, der John Lennon erschoss. Er wußte, dass einige Leute zu obsessiv waren und er hatte Angst, dass jemand sein Fan-Sein nutzen könnte, um ihm nahe genug zu kommen, um ihn zu verletzen. Aber auch wenn Mr. Jackson seinen Schutzschild lockerte um seinen Fans nahe zu sein, taten wir als Security das niemals.

MJJC: Wie ging Michael mit all dem Tabloid-Trash, der über ihn geschrieben wurde, um? Wie fit war Michael am Computer? Benutze er oft das Internet? Welche Seiten hat er besucht? Durften seine Kinder fernsehen oder das Internet benutzen?

B & J: Er ging garnicht damit um, er weigerte sich. Er schloss es völlig aus seinem Leben aus. Er wollte nicht, dass seine Kinder dem ausgesetzt sind. Weil verschiedene Talk Shows immer noch Witze über ihn machten, gab es kein TV oder Kabel TV im Haus. Sie sahen sich nur Filme und Shows auf DVD an. Die einzigen Zeitungen, die er regelmässig las, waren das Wall Street Journal und der Robb Report, denn beide enthalten keine Tabloid-News. Immer wenn er zu einem Zeitungsladen oder Buchgeschäft ging, informierten uns seine Manager darüber, ob es aktuelle Ausgaben gab, die etwas negatives über ihn berichteten. Wenn es welche gab, ging einer von uns vorraus und nahm all diese Exemplare aus dem Regal. Aus dem gleichen Grund ging er nie ins Internet und erlaubte es auch seinen Kindern nur, wenn sie beaufsichtigt wurden. Er surfte nur ein paarmal im Internet, nachdem Bill ihm gezeigt hatte, wie man auf Ebay Sammlerstücke kauft und darauf bietet. Da er sich selbst von den Medien abgeschnitten hatte, wart ihr, die Fans, einer der besten Nachrichtendienste für Mr. Jackson. Er las jeden einzelnen Brief, den er bekam; wir machten lange Autofahrten, und er saß hinten und ging die Post durch. Er bekam Briefe von Leuten, die über ihre Erlebnisse in China schrieben, dem Mittleren Osten, von überall her. Sie machten ihm Vorschläge, worüber er singen sollte. Diese Briefe waren seine Inspiration und seine Verbindung zur Aussenwelt.

MJJC: Erzählen sie uns etwas mehr über Michaels Verhältnis zu seinen Kindern. Wie erzog Michael seine Kinder?

B & J: Für die Mitglieder der MJJ Community ist es sicher keine Überraschung, dass Mr. Jackson ein sehr netter und liebevoller Vater war. Was die Leute vielleicht nicht wissen ist, wie aufmerksam und engagiert er in jedem Aspekt ihrer Erziehung war. Er wußte über alle staatlichen Anforderungen des Homeschoolings bescheid, und er setzte sich jede Woche mit dem Lehrer hin, um über die Stundenpläne zu sehen und um sicher zustellen, dass seine Kinder alle nötigen Ziele erreichten. Wenn wir das Haus verliessen und es draussen kalt war, und Blanket seine Mütze und Handschuhe nicht hatte, bekamen wir einen Anruf, „Kommt zurück. Du hast die Handschuhe vergessen.“ Er war für alles da, in jeder Beziehung. Man kann sicher davon ausgehen, dass Vater zu sein zu der Zeit das Wichtigste in Mr. Jacksons Leben war, wichtiger, als das Aufnehmen, Performen und sonstiges. Die Kinder standen an erster Stelle – immer.

Ehrlich gesagt musste Mr. Jackson seine Kinder nicht oft disziplinierten. Meistens benahmen sie sich gut, sehr höflich, sie sagten immer „bitte“ und „danke“ für alles. Blanket war der Wilde, der Rebell. Wenn sich einer von ihnen daneben benahm, oder bei einer Schulaufgabe schlecht abschnitt, konnte es sein, dass er sich mit demjenigen zu einem Gespräch hinsetzte, oder er nahm ihnen ein paar Privilegien weg, in dem er eine Filmnacht strich oder ähnliches. Aber auch das war selten. Er war ein ausgezeichneter Vater und er vermittelte diesen Kinder einen guten Charakter und Werte, und das erkennt man daran, wie sie mit dem enormen Druck umgehen, dem sie seit seinem Tod ausgesetzt sind.

MJJC: Besuchte Michael in Las Vegas jemals einen Nacht-Club?

B & J: In Vegas war Mr. Jackson sehr darauf fokussiert, Vater zu sein, den Kindern abends mit den Hausaufgaben zu helfen und früh aufzustehen, um ihnen Frühstück zu machen, und sie für die Schule anzuziehen. Es gab also nicht viele Ausgeh-Nächte. Wir gingen zu einem Prince-Konzert am Strip, und Mr. Jackson lehnte die Einladung zu einem backstage-Gespräch mit Prince ab. Es war spät und seine Kinder waren noch auf, und er wußte, sie würden nicht schlafen, bis er nach Hause käme. Also fuhren wir direkt mit ihm nach Hause. Wir gingen in einen Nachtclub, als wir im Januar 2008 im Palms waren. Mr. Jackson wollte einfach etwas ausgehen und Leute beobachten. Dieser Club hatte eine VIP-Loge von wo aus man alles überschauen konnte, also machten wir das für ihn fest. Wir waren vielleicht für 3 Minuten in dem Club, als der DJ begann einen seiner Songs zu spielen; sie mixten ihn und schnitten ihn mit einigen anderen Songs zusammen. Mr. Jackson wippte mit dem Kopf den Tackt mit und er sagte: „Wow, ich wußte nicht, dass sie immer noch meine Musik spielen.“ Wir dachten „was?“ und sagten zu ihm: „Sir, sie spielen ihre Musik noch ständig. In Bars, in Clubs und überall.“ Er sagte: „Tatsächlich?“ Er schien überrascht. Er war aus dem Spotlight heraus und für so lange Zeit von der Klatschpresse malträtiert worden, dass er zu der Zeit wohl wirklich darüber beunruhigt war, dass die Welt sich einfach weitergedreht hatte und er nicht mehr bekannt war. Es machte ihn wirklich glücklich, seine Songs in einem Club wie diesem zu hören.

MJJC: Wann erlebten sie ihn am glücklichsten? Wann am traurigsten?

B & J: Am glücklichsten sahen wir ihn immer während den stillen, einfachen Momenten, wenn wir ihn z.B. mit seinen Kindern unbemerkt ins Kino bringen konnten, und er die Premiere eines großen Action-Films zusammen mit einem großen Publikum ansehen konnte, wie eine ganz normale Familie. Oder auch in der Zeit, die wir in Virginia verbrachten, als er mit seinen Kindern in einem Haus wohnte, mit einem riesigen Hof. Aus der Entfernung konnte man die vier ums Haus herumlaufen sehen und sie spielten und lachten. Es war gut, ihn lachen zu hören. Und er lachte auch sehr laut.

Am traurigsten erlebten wir ihn, als sein Bruder Randy mit dem Auto durch das Tor brach und sich in die Einfahrt stellte und Geld verlangte, und dabei Mr. Jackson die Chance nahm an Elizabeth Taylors Geburtstagsparty teilzunehmen. Die ganze Geschichte dazu steht im Buch, aber nachdem das passierte verschwand Mr. Jackson in seinem Zimmer und wir sahen und hörten drei Tage lang nichts von ihm.

MJJC: Hat Michael ihnen den Moonwalk beigebracht?

B & J: Er zeigte uns nie den Moonwalk, aber er erzählte uns, wie der Lean in Smooth Criminal funktionierte. Verblüffend!

MJJC: Wer war ihrer Meinung nach ein wirklich guter Freund von Michael? Wer stand in guten und schlechten Zeiten zu ihm? Mit wem telefonierte Michael am häufigsten?

B & J: Mr. Jacksons Mutter war wohl die Einzige, die selbstlos immer zu ihm stand. Und es gab Miko Brando, Chris Tucker, Eddie Griffin und Rev. Jesse Jackson, die ihn ein paar Mal besuchten, und ihre Freundschaft schien aufrichtig zu sein, aber das Verhältnis zu seiner Mutter schätzte und bewertete er am höchsten.

MJJC: Erzählte Michael Witze?

B & J: Mr. Jackson hatte sehr viel Humor. Er machte oft mit uns und den Kindern Spässe und wir lachten viel zusammen. Wir haben uns auch bemüht, das in diesem Buch wiederzugeben, denn vieles, was über ihn geschrieben wird, zeigt nicht diese wunderbare Seite von ihm.

MJJC: Gab es eine Gelegenheit, bei der sie Michael aus irgendeinem Grund wirklich wütend erlebten?

B & J: Mr. Jackson war bekanntlich nicht streitlustig. Er mochte keine Konflikte, aber so wie er von den Paparazzi und einigen Leuten in der Musikbranche behandelt wurde, gab es vieles, über das er sich ärgern konnte. Manchmal kam es heraus. Meistens arbeiteten wir für den netten, sanften Mann, der ‘Heal the World’ sang, aber ab und zu erlebten wir auch den Typ von ‘Scream’.

An einem Nachmittag im Frühjahr 2007 war Mr. Jackson an Bills Mobiltelefon wegen einem Konferenzanruf mit seinem Manager und seinem Anwalt. Wir hörten im Security-Trailer einen lauten Krach und liefen in die Küche um zu sehen, dass er das Telefon durch die Glastür geworfen hatte, die in tausend Teile zersprungen war. Er hielt seine Hände an den Kopf und sagte: „Sie sind alle Teufel. Ich sollte meinen Vater kommen lassen, um ihnen einen Arschtritt zu verpassen.“ Dann bot er Bill an, ein neues Handy zu kaufen.

Es gab noch eine weitere Begebenheit, in Washington, DC, als Mr. Jackson eine Überwachungskamera sah, von der er dachte, sie nähme ein verbotenes Video seiner Kinder auf. „Die Beherrschung verlieren“ beschreibt nicht wirklich seine Reaktion, aber dazu müsst ihr das Buch lesen.

MJJC: Wie oft besuchten Friend und Flower Michael? Haben sie von den beiden seit dem Memorial noch einmal etwas gehört?

B & J: Friend und Flower besuchten ihn nur, als wir in Virginia waren, und natürlich getrennt voneinander. Seit dem Memorial hat Bill gelegentlich per E-Mail Kontakt mit Flower, meistens am Jahrestag von Mr. Jacksons Tod oder an seinem Geburtstag.

MJJC: Schien er bereit und fit für die This Is It Konzerte? Hatte er Angst? War er besorgt? Wollte es nicht tun aber verpflichtete sich dazu?

B & J: Meistens schien Mr. Jackson bei guter Gesundheit zu sein, aber er erwähnte, dass er nicht in der Lage sei, für eine solche extreme, athletische Performance, wie er sie während der Bad- und Dangerous-Tour gegeben hatte. Er war 50 Jahre alt, und einige dieser Jahre waren sehr hart für ihn. Seine Stimme war in großartiger Form, erstaunlich wie immer, aber der Veranstalter stellte physische Anforderungen, von denen er wusste, dass er sie nicht leisten konnte. Als die Idee, 50 Shows zu machen aufkam, hörten wir ihn am Telefon sagen: „Ich kann keine 50 Shows machen.“ Er sagte es in einem Ton, als wären diese Leute verrückt, ihn überhaupt danach zu fragen. Aber was immer geschäftlich vor sich ging, er war in eine Ecke gedrängt worden und ihm wurde gesagt, er habe keine Wahl. Es war nicht etwas, was er mit großem Enthusiasmus tat.

MJJC: Sie sagten, sie sprachen mit Michael bevor er starb. Schien er glücklich zu sein? Können sie über ihr letztes Telefongespräch sprechen? Was war das letzte, was Michael ihnen sagte?

B & J: Unsere letzten Gespräche mit Mr. Jackson waren nur kurze Anrufe über geschäftliche Angelegenheiten. Es wurde nichts signifikantes gesagt, denn es wußte ja keiner, was passieren würde. Javons letztes Gespräch mit Mr. Jackson fand einige Wochen vor seinem Tod statt; Mr. Jackson fragte nach ein paar Dingen, die er in einem Lager in Las Vegas hatte und erkundigte sich nach Javons Familie, so wie er es immer tat. Bills letztes Gespräch mit Mr. Jackson fand ein paar Tage vor seinem Tod statt. Er schien gut gelaunt. Wir waren in Vegas und arbeiteten an den Security-Plänen für London, und Mr. Jackson rief an, weil er uns in LA haben wollte und darüber Absprachen treffen wollte. Wir kamen nicht mehr rechtzeitig nach LA.

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MJJC: Was vermissen sie an ihm am meisten?

B & J: Am meisten vermissen wir diese stillen, einfachen Momente, einfach zu sehen, wie er sein Leben als Vater geniesst, wie er z.B. versucht, Paris die Haare zu kämmen, und es nicht richtig macht, oder wenn er Blanket sagte, nicht vom Thema abzuschweifen, oder Prince und Paris bei ihren kleinen Geschwisterstreitigkeiten half. Wir vermissen es auch, lange Fahrten mit ihm zu unternehmen und einfach über alles mögliche zu reden. Er bat uns, das Radio leiser zu stellen und er fragte nach unseren Familien und wie es unseren Kindern geht. Wir sahen ein Mädchen über die Strasse laufen, und er fragte uns, ob wir sie süß fänden, und wenn wir sagten, sie sei nicht unser Typ, meinte er, wir bräuchten wohl eine Brille, denn sie sei klasse. Wir vermissen auch die Aufregung, mit ihm zusammen zu sein und nie zu wissen, was der Tag bringen würde.

MJJC: Gibt es eine Botschaft, für die Mitglieder der MJJC und an Michaels Fans?

B & J: Die Fans sollten wissen, dass sie, abgesehen von Mr. Jacksons Mutter und seinen Kindern, an erster Stelle in seinem Leben standen. Er schätzte die Unterstützung, die seine Fans ihm während aller Höhen und Tiefen zukommen liessen sehr, und er liebte sie, weil sie sich nie von ihm abwandten. Ihm war immer bewusst, dass es ohne die Fans keinen King Of Pop geben würde. Er verdankt euch alles. Und auch wir verdanken euch etwas. Wie wir es im Buch schreiben: es gäbe kein Buch ohne die Unterstützung und die Liebe von Mr. Jacksons Fans. Wir schrieben Remember The Time für euch. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass wir unterstützt werden, denn ohne euch wäre das nicht möglich gewesen. Unsere Liebe geht an alle Fans und Unterstützer von Mr. Jackson.

………………….

Übersetzung: M.v.d.L.

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Buch: http://www.amazon.de/Remember-Time-Protecting-Michael-Jackson/dp/1602862508/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1401886165&sr=8-1&keywords=Protecting+Michael+Jackson

 

‘Unser Urlaub mit Michael Jackson’ – Familie Goldstein erlebte 1991 einen spontanen Urlaub mit MJ auf den Bermudas

“The Goldstein-Family on vacation with Michael Jackson”

Source: http://www.baltimoresun.com/news/maryland/howard/laurel/ph-ll-history-goldstein-0801-20130801,0,3737522,full.story

Alan Goldstein und seine Frau Lynn, erinnern sich daran, dass sie sich gerade auf einen netten Familienurlaub mit ihrem jüngsten Sohn Brock und seinem besten Freund Mac (Macaulay Culkin) vorbereiteten, als sie hörten, wie Brock am Telefon etwas sagte, das so klang wie: „Ja, klar, bring ihn ruhig mit!“

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So erschien Pop-Superstar Michael Jackson in ihrem Hotel auf den Bermudas, mit einem Verband auf der Nase, einem schüchternen Lächeln auf dem berühmten Gesicht und einem Schrankkoffer voller Wasserspritzpistolen, Rennautos und Stinkbomben auf dem Bett in der VIP-Suite.

Die surreale Insel-Idylle begann damit, dass Brock Goldstein, gelegentlich Schauspieler in Orlando, Macaulay Culkin an einem Filmset kennenlernte und die beiden Zehnjährigen sich anfreundeten. Nachdem sein Hit „Kevin allein zu Haus“ in diesem Jahr in die Kinos gekommen war, freundete Mac Culkin sich mit jemand weiterem an: Michael Jackson.

Das klingt nach Spaß. Stört es euch, wenn ich mitkomme?“, hatte Jackson nach Culkins Erinnerung gefragt, als er von dem bevorstehenden Bermuda-Urlaub mit seinem Freund Brock sprach.

Alan Goldstein erinnert sich, dass die Familie schon seit ein paar Tagen auf den Bermudas war, und dass sie gerade von ihren Mopeds gestiegen waren, als das Hotel ihnen die Nachricht überbrachte, bitte „Mr. M. Jackson“ anzurufen. Die Stimme, die sich weltweit am besten verkaufen lässt, war am anderen Ende der Leitung. „Ich brauchte einfach eine Pause“, erklärte Jackson. „Würde es Ihnen etwas ausmachen?“ Goldstein, der in Wheaton aufgewachsen ist, begann krampfhaft nach einer geeigneten Unterkunft zu suchen – bis Jackson zurückrief und sagte, er habe alles arrangiert: Zwei Suiten in dem luxuriösen „Hamilton Princess.“

Goldstein schluckte hart. „Das kann ich mir nicht leisten“, gestand er.

Machen Sie sich keine Sorgen“, versicherte Jackson ihm. „Das geht alles auf mich.”

Er kam am nächsten Tag „in seinem üblichen roten Hemd, schwarzer Hose, gelben Socken und breitkrempigen Hut“, wie sich Goldstein, jetzt 60, während eines Telefoninterviews von seiner Wohnung in Las Vegas aus erinnert.

Michael Jackson with Macaulay Culkin in Bermuda, West Indies - 1991

Jackson lud die Bande in seine Suite ein. „Er hatte diesen riesigen Schrankkoffer mitgebracht. Er warf ihn auf’s Bett und öffnete ihn“, sagt Goldstein. „Es sah so aus, als ob er einen Spielzeugladen überfallen hätte. Er hatte Wasserpistolen, Rennautos, Kaugummi, das den Mund schwarz färbt, Snap-and Pops…“

Während Lynn Goldstein mit Handtüchern hinter ihnen her wischte, machten die beiden erwachsenen Männer und die zwei kleinen Jungen eine Supersoaker-Schlacht in der gesamten Suite. „Es war ein großer Spaß“, erinnern sich die männlichen Goldsteins. „Es war ein Alptraum“, stellt Lynn gutmütig richtig.

Bermudas 1991a

Jackson kam allein auf die Bermudas, und die Rolle des Managers fiel an Lynn, die sicherstellte, dass die Mahlzeiten des Stars vegetarisch waren, und dass das Hotelmanagement Fans fernhielt. Jacksons Besuch machte die Runde in der lokalen Presse und danach auch in den internationalen Medien.

Für beinahe zwei Wochen, erst auf den Bermudas und dann, zurück in Orlando, in Disney World, befanden sich die Goldsteins plötzlich auf der anderen Seite des Ruhms, mit einem Wohltäter, den sie sowohl als merkwürdig als auch als wundervoll erlebten.

Mit Jackson an der Seite verschwanden jedoch die Träume von sonnigen Tagen am Strand, und sie alle wurden Urlauber der Nacht, die sich nur dann nach draußen wagten, um Jackson und Culkin vor den Fans zu schützen. Das bedeutete: um 2 Uhr nachts im Hotelpool planschen, Room-Service statt Restaurant, arrangierte Einkäufe, wenn die Läden für die Öffentlichkeit geschlossen hatten.

Jackson versuchte, die Unannehmlichkeiten zu kompensieren. „Wir sprachen eines Tages darüber, wie viel Spaß es machen müsste, tauchen zu lernen“, sagt Alan Goldstein. „Und wissen Sie: sofort hatten wir ein Boot für uns allein mit ein paar Tauchlehrern, die uns unterrichteten.“

Wenn die Familie eine Show in einem der Inselhotels sehen wollte, gab es eine Privatvorstellung um 1 Uhr morgens in einem ansonsten leeren Zuschauerraum, sagten die Goldsteins. „Da war ein Michael-Jackson-Imitator, der ein bisschen komisch war, aber Jackson machte das nichts aus“, sagt Alan Goldstein.

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Brock Goldstein (der Sohn) erinnert sich an die „nur einmal im Leben vorkommende“ Begeisterung, dass sein Lieblingsmusiker plötzlich ein Spielkamerad geworden war. Er erinnert sich daran, dass Jackson ein kleines Laserlicht hervorholte und die Jungen mit auf den Balkon nahm, um den Strahl auf verwirrte Strandgänger zu richten. „Wir versuchten, sie zu verfolgen“, erinnert sich Brock. „Wir riefen: ‘Geht dem roten Licht nach! Geht dem roten Licht nach! Das rote Licht hat ein Geschenk für euch! Seht, es ist ein roter Luftballon’.“ Die drei warfen dann wassergefüllte Ballons auf ihre Ziele, versteckten sich hinter der Brüstung und brachen vor Lachen zusammen.

Die Jungen stritten wie Geschwister um seine Aufmerksamkeit, und Michael war derjenige, der dazwischenging und sagte: ‘Nein, wir machen das alle zusammen’,“ so Brocks Mutter.

Sie erinnert sich, dass Michael sich bei einer Unterhaltung auf den Bermudas zu ihr umdrehte und wehmütig sagte: „Wissen Sie, Kinder sind anders als Erwachsene. Kinder sind ehrlich mit einem. Sie können ihnen trauen. Ich habe noch nie einen Erwachsenen getroffen, der mein Freund gewesen wäre, ohne irgendwann etwas von mir zu wollen.“

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Die Urlauber kehrten nach Orlando zurück, wo die Goldsteins damals lebten, und belegten zwei getrennte Suiten in einem Disney-World-Hotel, um für eine Woche den Vergnügungspark zu genießen. Sommer über Sommer verging. Die Goldsteins legten ihre Fotoalben beiseite und verloren den Kontakt sowohl zu Jackson, als auch zu Culkin.

Übersetzung: Xydalona

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Über diesen Urlaub der Goldsteins mit Michael wird jetzt ein Film veröffentlicht:

OUR VACATION WITH MICHAEL JACKSON

Our Vacation With Michael Jackson-Film

In einem neuen, einstündigen TV-Special sprechen Alain, Lynn und ihr Sohn Brock über ihre einmalige Erfahrung, mit Michael Jackson zusammen zu sein. Auch private „home movie“-Aufnahmen, die Alain Goldstein selbst aufnahm, so wie eine Menge Photos des Trips, werden gezeigt.

http://windycityimages.com/filmdetailpage.php?itemid=10&viewimage=Medieval-Times.jpg

 

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